{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-02-08-01", "volume": "bmtnabi_1862-02-08_01", "ocr_sha256": "46cd935052de89354cc8b6a6ae9899dfa1cd9c592c197eece8a5b051a2ab3aec", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/02/08_01/bmtnabi_1862-02-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-02-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-02-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-02-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Inhalt.\nBeetlioven's Werke. Neue Ausgabe von Breitkopf und Härtel. Ein Falsum in Mozart's Messias-Partitur. Mitgetheilt von\nDr. Baumgart (Sehluss). Tages- und Unterh al tun gs b lat t (Köln, August und Emil Sauret, Vierte Soiree für Kammermusik,\nStädtisoher Gesangverein Bonn, 111. Abonncments-Concert Crefeld, Concert Berlin, Geschichte des k. Theaters, Ordens-Verleiliun-\ngen, Jean Beeker, „Der — Alfred Jaell Weimar, Musik-Director Götze f Gotha, Theater-Saison Leipzig)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-02-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-02-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-02-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "43", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.2.2", "titre_corps": "Beethoven’s Werke.", "titre_sommaire": "Beethoven’s Werke.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.1", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 3948, "texte": "Beethoven’s Werke.\nNeue Ausgabe von Breitkopf und Härtel.\nIm December vorigen Jahres kündigte die Verlags-\nhandlung Breitkopf und Härtel in Leipzig eine neue\n„vollständige, kritisch durchgesehene, überall\nberechtigte Ausgabe von Beethoven'« Werken,\nmit Genehmigung aller Original-Verleger\" an (s. Nr. 49\nvom 7. December des Jahrg. 1861), und schon jetzt liegt\nuns die erste Lieferung derselben vor.\nSic enthält die ersten Hefte der Serie 1. Symphonieen:\nNr. 1 (der Ausgabe), Symphonie in Serie VI. Nr.\n37, 38, 39, Violin-Quartette, Op. 18, in F-, G-, B-\ndur. Serie IX. Für Pianoforte und Orchester. Nr. 65.\nErstes Concert, Op. 15 in —Alles in Partitur. Serie\nXVI. Sonaten für das Pianoforte. Nr. 124, 125. 126.\nDrei Sonaten, Op. 2, F-, A-, C-moll.\nSämmtliche gedruckte Werke, deren Echtheit un-\nzweifelhaft ist, wird dieseGesammt-Ausgabe in 255 Num-\nmern, welche auf 24 Serien vertheilt sind, enthalten.\nWas von bisher ungedruckten Werken aufgenommen\nwerden soll, ist noch nicht festgestellt; sie sollen den ein-\nzelnen Serien ihrer Gattung nach angeschlossen werden.\nEs ist zu erwarten, dass bei der Aufnahme die strengste\ndiplomatische Kritik walten werde.\nDie Eintheilung der Serien (auf die man auch ein-\nzeln unterzeichnen kann) ist folgende:\nA. 0 rchesterwerke. Seriel. I—9.1—9. Die neun Sym-\nphonieen*). 11. 10 —l7. Schlacht bei Vittoria—Pro-\nmetheus Egmont-Musik Märsche und Tänze. 111.\n18 28. Die Ouvertüren. IV. 29 31. Für Violine\nund Orchester: das Concert in und die Romanzen in\nG und F.\nB. Kammermusik. V. 32 36. Septett Op. 20.\nSextett Op. 81b. Quintett in . Op. 29, in Op. 4,\nFuge, Op. 137, in B. VI. 37 —53. Violin-Quartelte.\nNr. 1 —l6. Op. 18 bis Op. 135, einschliesslich die Fuge\nin B,Op. 133.—V11. 54 58. Vier Trio's für Violine,\nBratsche und Violoncell, und Serenade, Op. 8, in B.\nVIII. 59—64. Für Blas-Instrumente. Octelt, Op. 103,\nin Es, Rondino dito, Sextett, Op. 71, in Es, Serenade für\nFlöte, Violine und Bratsche, Op. 25, Trio für 2 Oboen\nund englisch Horn, Op. 87, 3 Duo's für Clarinette und\nFagott.\nC. Pianoforte-Musik. Serie IX. 65 73. Die fünf\nConcerte; das Concert für Pianoforte, Violine und Violon-\ncell, Op. 56; Phantasie mit Chor, Op. 80; Rondo in B.\nHierbei finden wir im Prospect noch Nr. 70a: ,Ca-\ndenzen zu den Pianoforte-Concerten\". Von wem? Uns\nist nicht bekannt, dass Beethoven, ausser den in den Text\ngeschriebenen zum Es-dur-Concerte, Cadenzen geschrie-\nben hat. Bei Nr. 73: „Pianoforte-Stimme zu dem Vio-\nlin-Concert Op. 61\", ist zweifelsohne die Solostimme zu\nverstehen, nicht etwa ein Arrangement des Orchesters.—\nX. 74 78. Quintette und Quartette. Das Quintett Op.\n16 im Original und als Quartett, und die drei kleinen\nQuartette in Es, Bund C.—XI. 79—91. Hier sind aus-\nser den bekannten Original-Trio's auch das Trio Op. 38\nnach dem Septett Op. 20 und das Trio nach der B-dur-\nSinfonie (Op. 36) aufgenommen. Alsdann dürfte auch das\nTrio nach der .4-c?wr-Sinfonie (Op. 92), das mit der Par-\ntitur zugleich bei Haslinger in Wien herauskam, nicht\nfehlen.—XII. 92 —lO4. Für Pianoforte und Violine. Die\nzehn Sonaten und drei kleinere Stücke. XIII. 105\nlila. Für Pianoforte und Violoncell. Die fünf Sonaten\nund drei Hefte Variationen. XIV. 112 —ll9. Für\nPianoforte und Blas-Instrumente. Sonate mit Horn, Op.\n17, und sechszehn Themen mit Flöte, Op. 105 und\n107. XV. 120 —123. Zu vier Händen. Sonate in\n\n*) Alle mehrstimmigen Werke werden in Partitur und auch\nin Stimmen erscheinen und beide Ausgaben auch getrennt\nverkauft werden."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5254, "texte": "D,Op. 0, drei Märsche, Op. 45, und zwei Themen mit\nVariationen.—-XVI. 124—101. Sonaten, 32, von Op. 2\nbis Op. 111, und 0 kleinere. XVII. 102 —lB2. Va-\nriationen. XVIII. 103 202. Kleinere Stücke und\nTänze.\nD.Gesangmusik. SerieXlX. 203 205. Kirchen-\nmusik. Die beiden Messen in C und in 1); Christus am\nOelberge.— Wir finden im Prospect: „Missa (3 Hymnen),\nOp. 30, in C\". Wenn dieser Nebentitel andeuten soll, dass\ndie Messe auch in dieser classischen Ausgabe mit\ndem deutschen Texte von Rochlitz abgedruckt wer-\nden soll, so müssen wir im Namen Beethoven's und zur\nEhrenrettung desselben als Vocal-Componisten förmlich\ndagegen Verwahrung einlegen, denn diese deutsche Bear-\nc 1 o 3 o\nbeitung steht an unzähligen Stellen dermaassen mit der\nMusik in Widerspruch, dass sie den Meister zu einem\nSchüler in der Text-Auffassung macht und ihm den wi-\ndersinnigsten musicalischen Ausdruck unterschiebt.\nO i\nWir halten es für nothwendig, diesen Protest durch\nBeispiele zu begründen, um schon jetzt davor zu warnen,\nden Unsinn durch die neue echte und prächtige Ausgabe\nzu verewigen.\nIm Kyrie lässt Rochlitz den Solo-Sopran (Tact 15)\nstatt des jt?. auf- und dann absteigenden sin-\ngen: „Dich, den ew'gen Weltenherrscher, Dich, den All-\ngewaltigen!\" Die sanfte Bitte der Solostimmen in\n(T. 37), welche das Volk im Tulti f. wiederholt, heilst\nbei Rochlitz: „p. Wer kann dich nennen? f. und wer\nDich lassen?\" Der Solo-Alt und nach ihm der Solo-Tenor\nnehmen in weicher Melodie das eldson wieder auf (R.:\n„Unendlicher\"!), das Tulti schreit auf zum Herrn und\nsinkt gleich darauf mit dem „Erbarme Dich\" ins leiseste\npiano herab; auf dieses piano fällt bei R.: „Unermessen\nist Deine Macht!\" Sodann erhebt sich der Ruf um Er-\nbarmen nach und nach bis zum foriissimo— und auf die-\nses fortissimo singt der Chor bei R.: „Wir stammeln mit\nKindeslallen den Namen\". Heisst das nicht Beethoven's\nMusik misshandeln?\nIm Gloria fällt nach dem zweiten Solo des Tenors:\nDornine i Deus,rex coelestis,Dens pater omnipotens, der\nvolle Chor mit Deus omnipotensein; bei R. (Solo): Du\nnah'st dem Geist im stillen Denken, Du nah'st dem Würm-\nchen im Frühlingslicht,(Chor) nah'st ihm im Frühlingslicht\"\nff. mit Trompeten und Pauken! Weiter: (Solo): „Du siehst\ndie Thräne u. s. w. (Chor) siehst und still'st sie!\" wie-\nderum ff.\\ Auf das Miserere kommt: „Ach, so ferne!\"\nu. s. w., auf das stets im forte dahinströmende Fugato\n(Cum saneto Spiritu in gloriam „Gott ist die\nLiebe\"!\nAus dem Creclowollen vir nur die Stelle hervorhe-\nben, wo nach ante omnia seculadas eintritt und\ndann die einzelnen Chorslimmen nach einander das\nde Deo, lumen de lumine und darauf ff. alle zusammen\nauf g unisono mit Deum ver erschütternd einfallen.\nDiese herrliche Stelle gestaltet sich bei R. zu folgender\nCaricatur: Tenor: „Wenn Du die Fülle\", Alt: „Deiner\nErbarmungen\", Sopran: „mir in die Seele\", Rass:\n„mir in die Seele strömst\" Tulti ff.: „0, dann däm-\nmert ein Strahl von Deiner Herrlichkeit\" u. s. w.ü Und\nferner: Etineama tus est,„Und schon entfesselt sich mein\nGeist\"—crucifixns, „Verlangen glüht in mir\" (!)\nsus et sepultus est, „Fühl' ich, dass seines Geschlechts wir\nsind\" qui loeutus est per prophdiese prachtvollen,\ndurch das Schmettern der Trompeten angekündigten acht\nTacte des Chors auf c unisono, während das Orchester mit\nvoller Kraft nach F-dur modulirt, Alles im ff., donnern\nbei R. zu den Worten: „die geheimnissvoll durch da»\nDasein uns geleitet\"!!\nDoch genug der Beweise, dass Beethoven's Intentio-\nnen durch solche Texte geradezu ins Lächerliche verkehrt\nwerden. Wir hoffen, dass sie hinreichen werden, die Her-\nren Verleger und die Musiker, deren Unterstützung sie sich\nbei der neuen Ausgabe erfreuen (Rietz, Reinecke, Richter,\nDavid, Hauptmann, O. Jahn), zu überzeugen, dass solche\nTextbearbeitungen nicht in die neue Pracht-Ausgabe ge-\nhören. Wir sind hoffentlich über die Zeiten hinweg, wo\nman entweder die katholische Kirchenmusik ganz und gar,\noder wenigstens ihren lateinischen Text aus dem Concert-\nsaale verbannt wissen wollte. Aber freilich, schon Tacitus\nsagt: „Die Heilmittel sind träger, als die Krankheiten,\nund das einmal eingewurzelte Uebel wird den Leuten am\nEnde lieb\" und so erleben wir denn immer noch, dass\nhier und da diese einfach schöne C-cfcr-Messe mit dem Text\nder „Hymnen\" gesungen und Beethoven dadurch gelästert\nwird, und dass überhaupt des alten Römers Spruch auch\nin musicalischen Dingen sich vielfach bewahrheitet. Man\ndenke z. B. an die vier Tacte im Andante der G-moll-Sin-\nfonie von Mozart, an die zwei Tacte im Scherzo der C-\nwo//-Sinfonie von Beethoven, an die deutschen Texte von\nDon Juan, Figaro u. s. w.*].\n\n*) Wie oft ist nicht über die sehlechten Uebersetzungen des ita-\nlienischen Textes zu Mozart's Don Juan der Stab gebrochen\nworden! Nun ist schon vor zwei Jahren bei N. Simrock in\nBonn ein neuer Clavier-Auszug mit neuer deutscher\nUebersetzung von L. Bischoff herausgekommen, die sich\ndurchweg den Intentionen Mozart's anschliesst. Was ist da-\ndurch für Mozart erreicht worden? Hat bis jetzt irgend eine\nBühne den neuen Text adoptirt? sind etwa Berlin, Dresden,\nWien darin vorangegangen ? Und doch bedarf es nichts Wei-\nteres als der Copie der einzelnen Singstimmen, nicht etwa erst\ndes Unterlegens des Textes durch einen Musik verstund igen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5225, "texte": "Serie XN. 200 und 207. Die Oper Fidelio und das\nFestspiel: Die Ruinen von Athen. —XXI. Cantaten: 208.\n209. „Der glorreiche Augenblick\" oder Preis der Tonkunst,\nOp. 136. „Meeresstille und glückliche Fahrt\", Op. 112.\nliier haben wir bei Nr. 208 dieselbe Warnung er-\ngehen zu lassen, wie. bei der Messe' in Den Text\nder Cantate: „Der glorreiche Augenblick\", hat\nRochlilz in einen „Preis der Tonkunst\" umgewandelt,\nwodurch denn das Ungeheuerliche erzeugt wird, dass Beet-\nhoven, der Hohepriester der Tonkunst, die Harmonie und\nihren göttlichen Ursprung mit Janilscharen-Musik preis't,\nwelche zum Einmarsch der rückkehrenden Besieger Na-\no\npoleon's geschrieben war. Jenes Gelegenheitsstück war be-\nkanntlich 1814 zum Zwecke einer festlichen Aufführung\nbei dem Fürsten-Congresse in Wien bestimmt. Wenn es\nauch schnell aufs Papier geworfen worden ist und die Spu-\nren der Flüchtigkeit und der augenblicklichen Bestimmung\nträgt, so ist es doch immerhin ein Werk von Beethoven\nund enthält auch viele Stücke so echten Beethoven (z. B.\ndie Cavatine in G-dur),dass man ihre Bedeutung nicht\nverkehren darf. Der ursprüngliche Text würde sich mit\ngeringen Aenderungen zu einer „Erinnerungsfeier an die\nFreiheitskriege\" gestalten lassen, wodurch der Musik ihr\nCharakter bewahrt werden würde.\nSerie XXII. 210 214. Gesänge mit Orchester. Ah\nperfido; Trbmate; Opferlied; Bundeslied; Elegischer Ge-\nsang. XXIII. 215 251 a. Lieder u. s. w. mit Piano-\nl'orte.—XXIV. 252 255. Lieder (schottische) mit Piano-\nlorte, Violine und Violoncell.\nVon dieser neuen Ausgabe liegen uns nun die oben\nerwähnten ersten vier Lieferungen vor.'i Sie geben uns den\nerfreulichsten Beweis, dass das grossartige Unternehmen\nauf eine höchst würdige und den gegebenen Verheissun-\ngen vollkommen entsprechende Weise zur Ausführung\nkommt. Das Aeussere der Ausgabe in grossem Royal-Folio,\nauf starkem Papier, mit scharfem Notenstich, der aber\nkeineswegs blendet, noch durch Kleinheit und Enge das\nAu ge eines Urkundenforschers verlangt, sondern durch\nEgalität, genaueste Untereinanderstellung, lichte Zwischen-\nräume und Grösse der Notenköpfe (auch in den Partitu-\nren) ganz vortrefflich lesbar ist, kann mit den glänzend-\nsten Erzeugnissen des Musikdrucks im Auslande wetteifern\nund macht der vaterländischen Gewerbthätigkeit grosse\nEhre, indem sie zugleich der ausgezeichneten Officin der\n\\ erlagshandlung einen neuen, vollberechtigten Anspruch\naul Ruhm verleiht. Mit Einem Worte: Deutschland erhält\nhier eine Pracht-Ausgabe der Werke seines Beethoven,\nwelche zu besitzen der Stolz der Musiker und Musikfreunde\nsein wird, und um welche Frankreich und England uns\nbeneiden werden ein würdiges Gegenstück zu den Bach-\nund Händel-Ausgaben.\nZu den inneren Vorzügen gehören als „Resultate der\nkritischen Revision\" (welche als „Eigenthum der Verle-\nger\" aul dem Titel bezeichnet sind) die Correctheit des\nursprünglichen Noten-Textes und die Genauigkeit aller\nVortrags-Bezeichnungen, deren Marken hier überall da\nstehen, wohin sie gehören, so dass man nicht im Zweifel\nbleibt, welche Note z. B. ein sf hervorgehoben haben will,\nwelches zwischen zweien steht, wie man dies und Aehn-\nI ich es bei so manchen gepriesenen neuen Ausgaben be-\nmerkt. 1) ie Tempo-Angabe durch den Metronom finden\nwir nur bei der Partitur der Sinfonie Nr. 1, und es ist\nauch recht gut, dass man bei allen übrigen Werken, wenn\ndie Metronomisirung nicht authentisch auf Beethoven selbst\nzurückgeführt werden kann, das Tempo mit den guten\nalten Ausdrücken: Allegro, Au. s. w. der Einsicht\nund dem Gefühle des Ausführenden anheim stellt. Wer\ndas eine Tempo, das jedem Musikstücke zukommt, nicht\naus demselben heraus empfinden kann, dem wird auch der\nTactmesser den Geist dazu nicht beibringen.\nEine gute, wahrscheinlich auf Verträgen beruhende Zu-\ngabe sind die Namen der Original-Verleger,die auf je-\ndem ersten Blatte des jedesmaligen Werkes genannt sind; von\nder Sinfonie Nr. 1 C. F. Peters in Leipzig; den Quartetten\nOp. 18 Karl Haslinger quond. Tobias in Wien; dem Con-\ncert Op. 15 derselbe; von den drei Sonaten an llajdn,\nOp, '2, Artaria & Comp, in Wien. Welch eine Bereiche-\nrung der Vorzüge der neuen Ausgabe wäre es, wenn bei\nden ursprünglichen Verlegern auch das Jahr der Er-\nscheinung angegeben würde!\nWas nun die Preise betrifft, so ist es natürlich, wie\ndie Verleger sagen, dass die neue Ausgabe darin den\nvorhandenen keine Concurrenz machen kann. Erwägt man\naber, was man in ihr erhält, so kann man den Preis von\ndrei Si I berg roschen für den grossen Bogen nur billig\nfinden. Hiernach kostet die Partitur der Sinfonie Op. 21\n1 Thlr. 6 Sgr., der drei Quartette Op. 18 1 Thlr. 21\nSgr., des Concertes Op. 15 2 Thlr., der drei Sonaten\nOp. 2 1 Thlr. 15 Sgr. netto.\n\nVon der „Neuen Zeitschrift\" in Leipzig kann man nicht ver-\nlangen, dass sie sich des armen Mozart annimmt; aber auch\ndie besseren Musik-Zeitungen in Wien, z. B. die „Recensio-\nnena, die „Deutsche Mu si k-Z eit u ng\", welche häufig mit\nRecht und am lautesten gegen die alten Texte losgefahren\nsind, haben von der genannten neuen Bearbeitung, so viel uns\nbekannt ist, keine Notiz genommen, xilso : Bemedia tardiora\nsunt quam mala, und für unsere Sänger, Capellmeister, Ke-\ngisseurs u. s. W«: lnvisa primo desidia postremo amatur.\n[*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-02-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-02-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-02-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "44", "page_fin": "46", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.2.3", "titre_corps": "Ein Falsum in Mozart’s Messias-Partitur.", "titre_sommaire": "Ein Falsum in Mozart’s Messias-Partitur.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5348, "texte": "Ein Falsum in Mozart’s Messias-Partitur.\nNachgewiesen von Dr. Baumgart.\n(Schluss. S. Nr. 5.)\nEs kommt dazu, dass die Wahl des Solo-Instruments\nkeineswegs besonders geschmackvoll erscheint. Mozart\nversteht es, den Fagott in der Begleitung reizend mit an-\nderen Instrumenten zu mischen, wie zahlreiche Beispiele\naus seinen Opern und auch aus dem Messias beweisen\nkönnen. (Vgl. in diesem Nr. 3, 29, 32 u. a.) Auch hat\ner allerdings ein Concert für den Fagott geschrieben (Jahn,\n1.,- 715), im Jahre 1774, noch in Salzburg, wohl für die\ndortige Hofmusik. Ob er ihn aber in seiner reifsten Zeit\njemals als einziges Blas-Instrument neben der Singstimme\nso zur Schau gestellt hat, wie hier, möchte ich bezweifeln;\ner beurtheilte die Natur des Instrumentes wohl einsichti-\nger, und bei der Bearbeitung eines fremden Werkes fühlte\ner sicherlich noch mehr das Unpassende. Dagegen hat\nHiller bei seiner ganzen Messias-Bearbeitung nur den ein-\nseitig musicalischen Standpunkt innegehabt und Händel's\ntiefen Sinn und dessen wohlbercchneten Ausdruck öfter\nverkannt. In den sechszehn Winter-Concerten, die 1788\nin Breslau dem Messias vorangingen, hat er zwei Mal ein\nConcert auf dem Fagott blasen lassen und ausserdem noch\neine Arie von Righini mit concertirendem Fagott zum Be-\nsten gegeben. Er muss also wohl das Instrument anmulhi-\ngcr gefunden haben. Seine Bücksichten gegen Händel's\nWerk aber sind trotz aller Lobsprüche, die er ihm spen-\ndet, thatsächlich eben so lax, wie die Mozart'schen streng\nund achtungsvoll.\nFerner hat Mozart im Messias nirgend eine Händel'-\nsche Tempo-Bezeichnung geändert, obschon bekanntlich\ndie Bedeutung der Ausdrücke zu seiner Zeit nicht mehr\ndieselbe war, wie fünfzig Jahre früher. In dieser einzi-\ngen Arie ist es geschehen. Händel schreibt\nvor, bei Mozart steht, wie bei Hiller, Dass dies\nfür den Charakter und Inhalt der Arie unpassend ist, und\ndass diese Auffassung durch den concertirenden Fagott\neine herzlich schlechte Unterstützung gewinnt, fühlt jeder\nEinsichtige. Es findet sich aber auch in der ganzen Mo-\nzart'schen Partitur nirgend eine Ueberschrift, die neben\noder statt der Tempo-Angabe den Charakter des Stückes\nandeutete, ausser Grave, ganz entsprechend dem Händer-\nschen Original. Dagegen hat Hiller sehr häufig durch\ncharakterisirende Beisätze, wie: Maestoso, Patetico, Riso-\nluto, oder durch beschränkende, wie:\nu. s. w. die einfachen Händel'schen Bezeichnungen näher\nzu bestimmen gesucht, manchmal auch sie geradezu ge-\nändert, und damit sein Versländniss Händel's nicht eben\nempfohlen. So hat die Arie: „Wer mag den Tag seiner\nZukunft erleiden\", die er nach einer anderen, wesentlich\nverschiedenen und werthloseren Composition Händel's auf\nseine Weise zurecht gemacht hat, im Original die Ueber-\nschrifl: Andante Larghetto, bei ihm Allegretto, wodurch\nsie denn ziemlich zu einer Tyrannen-Bravour-Arie gewor-\nden ist. „Du zerschlägst sie\" u. s. w., bei Händel und Mo-\nzart (Nr. 36) mit Andante bezeichnet, nimmt er AUegro,\nu. s. w. Diese Beispiele werden genügen, um zu beweisen,\ndass auch in diesem Punkte Hiller's, nicht Mozart's Grund-\nsätze gewaltet haben.\nEndlich hat Mozart nie eine IJändel'sehe Singstimme\ngeändert, ausser so weit der deutsche Text eine andere\nrhythmische Anordnung der Noten erforderte, wovon er\nübrigens fast Alles wohl schon in seiner Abschrift vorfand.\nSämmtliche Stücke, die er in seine Bearbeitung aufnahm,\nsind so vollständig, wie Händel sie geschrieben hat, wie-\ndergegeben, nur eines ausgenommen, die Arie: „Sie schallt,\ndie Posaun'\", bei der der Hauptgrund wohl in der Solo-\nTrompete lag; auch hier bestehen die Kürzungen aber fast\nnur in geschickten Auslassungen, und Weniges ist geän-\ndert, um die Verbindung der Gedanken herzustellen. (Vgl.\nden doppelten Abdruck in der englischen Ausgabe.) Bei\nder Arie: „Wie lieblich ist der Boten Schritt\", findet sich\nim Original (wenigstens in meiner Abschrift) nach dem\njetzigen Schlüsse noch ein zweiter Theil, worauf der erste\nwiederholt wird. Da er aber denselben Text hat, wie der\nfolgende Chor: „Ihr Schall gehet aus\", so ist er vielleicht\nvon Händel selbst erst später hinzugefügt, um so wahr-\nscheinlicher, als das Stück überhaupt in drei verschiedenen\nGestalten sich vorfindet. Die englische Ausgabe bemerkt\nauch nichts von der Mozart'schen Abweichung, wodurch\nmeine Vermuthung bestätigt wird. Sonst habe ich kein\nBeispiel einer Kürzung gefunden*). Alle Coloraturen, alle\nVerzierungen, alle Cadenzen sind genau den Händerschen\nentsprechend. Gerade in dieser Beziehung aber hat Hiller\ngemäss seinen offen ausgesprochenen Grundsätzen mit aller\nFreiheit geschaltet, die ihm für eine zeil gemäss e Ver-\nbesserung dienlich schien und die alles nach heutigen Be-\ngriffen zulässige Maass so weit überschreitet, dass, wer\n\n*) Hiernach bestimmen sich Jahn's Angaben (IV., 4G3) genauer.\nGanz weggelassen hat Mozart nur zwei Stücke: den auf die\nHimmelfahrt bezüglichen Chor („Let all the angels of Godu)\nund die ihm folgende Arie („ Thon art gone up on highu), al-\nlerdings bedauerlicher Weise, da jetzt das vorangehende Reci-\ntativ: „Zu welchem von den Engeln\" (vor Nr. 31) keine Be-\nziehung und keinen Sinn mehr hat und die Himmelfahrt im\nMozart'schen Messias eigentlich ganz fehlt. Mozart bezog wohl\nden Chor: „Oeffnet euch weit\", statt auf die Auferstehung,\nauf die Himmelfahrt. Hiller hat richtig jene beiden Stücke\nbeibehalten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4317, "texte": "\\\nauch gar nicht Liebe zu Händel, sondern einfach einigen\ngeschichtlichen Sinn besitzt, nur mit Entrüstung sehen\nkann, wie er die Arien nach Gutdünken verkürzt, Haupt-\nMotive umgestaltet, Begleitungs-Figuren und Coloraturen\nseinen Zeitgenossen mundrecht gemacht und ganz beson-\nders Verzierungen und Cadenzen durchweg im Stile von\nHasse, Graun u. A. verändert hat. Beispiele würden hier\nins Unabsehbare führen. Wem etwa der alte Clavier-Aus-\nzug des Messias von Schwencke zur Hand ist, der findet\nin ihm noch in den Verzierungen und Schlussfällen viel-\nfache Reste des lliller'schen Geschmacks, und die erste\nbeste Arie, mit Mozart's Partitur verglichen, wird den\nUnterschied gegen das Original zeigen. Im Uebrigen aber\nist Schwencke im Vergleich mit Hiller fast ein kritischer\nPhilolog*). Bei unserer Arie genügt es, in Mozart's Par-\ntitur oder in einem nach ihm gefertigten Ciavier-Auszuge\nsie einfach mit anderen Stücken des Messias zusammenzu-\nhalten. Wer das nicht kann oder will, sehe Folgendes an:\nMozart:\nAber abgesehen von solchen Dingen, ist der Bearbei-\nter mit der ganzen Melodief ührung so rücksichtslos umge-\ngangen, dass man ohne Uebertreibung behaupten kann,\nvon Händeis Arbeit sind eigentlich nur Fräs-\no n\nmente übrig geblieben, die ausführlichsten gerade\nda, wo der Gesang sich in Sequenzen und Figuren ergeht.\nIch müsste die ganze Arie abdrucken lassen, um das an-\nschaulich zu machen. Bei einem Vergleiche Mozart's mit\ndem Original braucht man nur die erste Hälfte des Stückes\nanzusehen, um sich zu überzeugen, dass es umcomponirt\nist; dasselbe wird der Schluss lehren, der nach Händel-\nscher Weise in eine langsame Cadenz der Singstimme mit\nblosser Orgelbegieitung ausgeht, wovon bei Mozart keine\nSpur geblieben ist. Die ganze Arie ist um 13 Tacle ver-\nkürzt, aber nicht durch Auslassungen, wie die oben be-\nsprochene mit der Solo-Trompete, sondern durch die völ-\nlige Umgestaltung ganzer Phrasen. Es wäre völlig un-\nerklärlich, warum Mozart in diesem einzigen Stücke der\nsonst überall bewahrten und seiner Achtung vor Händel\nganz entsprechenden Gewissenhaftigkeit untreu geworden\nwäre, um an die Stelle des Originals eine Halbheit von\neigener Leistung zu setzen, die Niemand für eine gelun-\ngene erkennen wird, sondern nur für werthloser, als Hän-\ndel's Arbeit, halten muss. Dagegen steht alles, was wir\nhier vorfinden, mit Hiller's Vorurtheilen und mit seinem\nsonstigen Verfahren im ganzen Messias aufs allerbeste im\nEinklänge.\nAus den hier erörterten Gründen hatte ich in dem zu\nAnfange erwähnten Vortrage Ililler für den Bearbeiter\nder Arie und diese in Mozart's Partitur für untergescho-\nben erklärt. Während des Vortrages erhielt ich von einem\nmeiner Zuhörer, Herrn Lehrer Stütze, das in seinem\nBesitze befindliche Textbuch zur breslauer Messias-Auf-\nführung, das ich bis dahin nur dem allgemeinen Inhalte\nnach kannte. Es ist, wie der im Ganzen übereinstimmende\nTitel zeigt, wahrscheinlich nur ein Abdruck des zu den\nleipziger ausgegebenen (Jahn, IV., 458,\nAnm. 10). In den „angehängten Betrachtungen\" werden\nauch Andeutungen über Inhalt und Auffassung einzelner\nStücke gegeben, und da heisst es denn S. 30: „Die Arie:\nIst Gott lür uns, ist sehr anziehend wegen ihres schö-\nnen, ausdrucksvollen Gesanges —[den doch Hiller so stark\nglaubte corrigiren zu müssen!], der concerlirende Fa-\ngott ist grösstenthei Is aus Händel's Violin-\nstimme genommen. Was nebenher noch zur Ver-\nstärkung der Begleitung geschehen ist, bringt\ndiese Arie der heutigen Manier näher und macht\nsie ohnfehlbar interessanter.\" Damit ist wohl je-\nder Zweifel entschieden. Hiller schrieb dies, wenn nicht\nschon für die leipziger Aufführung (1786 und 1787),\ndoch spätestens für die breslauer, die am 30. Mai 1788\nStatt fand. Mozart's Bearbeitung stammt aus den ersten\nMonaten des Jahres 1789 (Jahn, IV., 457). Wenn nun\n\n*) Scbwencke, dessen Ciavier-Auszug J8( 9 erschien, hat in un-\nserer Arie laut der Vorrede ..Mozart's einfache und be-\nscheidene Bearbeitung*' aufgenommen. Er bezieht das gewiss\nnicht sowohl auf die Instrumentirung, die er ja auch sonst be-\nnutzt hat, als vielmehr auf die innere Umgestaltung. Anderer-\nseits sieht man, dass schon fast seit dem Erscheinen der Par-\ntitur kein Zweifel an Mozart's Autorschaft bestand. Auch die\nAnzeigen in der Allg. Mus. Zeitung (1803) schweigen über\nHiller's Antheil."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2862, "texte": "Ililler die in der gedruckten Mozart'schen Partitur befind-\nliche Instrumentirung, die aus der angeführten Stelle augen-\nfällig wiederzuerkennen ist, schon mindestens ein, vielleicht\naucli mehrere Jahre vorher als die seinige beschreibt, so\nbleibt nur zweierlei übrig: entweder hat Mozart die Be-\narbeitung von Miller entlehnt— und das glaube, wer's im\nStande ist! —, oder sie ist in der gedruckten Partitur aus\nder Hiller'schen untergeschoben, und das wird wohl\nrichtig sein.\nEin Blick in M ozart's Manuscript ist mir unmöglich\ngewesen. Durch eine flüchtig gelesene Stelle bei Jahn (IV.,\n459) veranlasst, glaubte ich, es wäre auf der berliner Bi-\nbliothek; Herr l)r. 0. Lindner, der sich darum freund-\nlichst bemüht hat, belehrte mich über meine Täuschung.\nEs wird indess wohl aufzufinden sein, und wenn man be-\nachtet, was Jahn (459 und 60) über die Einrichtung und\nAusfüllung der von Mozart bearbeiteten lländel'schen Par-\ntituren angegeben hat, so muss ohne Schwierigkeit ent-\nschieden werden können, was in der fraglichen Arie von\nseiner eigenen Hand geschrieben ist. Ich bin aber über-\nzeugt, dass er sie gar nicht bearbeitet hat und dass sie\nbeim Drucke der Partitur eingeschoben wurde, weil man\nzwischen den beiden letzten Chören einen Ruhepunkt ver-\nmisste. Wer die Redaction des Druckes besorgt hat, weiss\nich nicht; aber erscheint mir, dass Hiller\nerst ein Jahr (im Juni 1804) nach der Herausgabe ge-\nstorben ist. Wäre die Arie ohne sein Vorwissen aufgenom-\nmen worden, sollte er dann gar nichts haben verlauten\nlassen? War er vielleicht selbst der Redacteur?\nSchliesslich noch eine Bemerkung. Jahn (IV., 463)\ntheilt nach Niemtschek einen Brief van Swietens an Mo-\nzart mit, in welchem davon die Rede ist, den Text einer\n,kalten\" Arie in ein Recitativ zu bringen. Die Arie ist\nnicht genauer bezeichnet. Bedenkt man, dass dieser Brief\nvom 21. März 1789 datirt ist und dass die Aufführung\nder Messias-Bearbeitung noch in demselben\nMonate (Jahn, 457), also spätestens 8 —lO Tage nach\njener Correspondenz Statt fand, so ist die „kalte\" Arie\nsicherlich eine der letzten des Oratoriums gewesen, und\nvan Swietens' Prädikat sammt den Umständen passt dann\naul keine besser, als auf die unsrige. Meine Meinung, dass\nMozart sie gar nicht bearbeitet hat, erhielte dadurch noch\neine Stütze, und es ist wohl möglich, dass sich in seinem\nManuscripte das erwähnte Recitativ in der Thal vorfindet.\nMögen das die feststellen, die Gelegenheit dazu haben.\nDer Verlust, den Mozart's Messias durch den Ausfall der\nArie erleidet, wird den Meisten erträglich sein. Das Stück\ngehört gewiss nicht zu denen, die man besonders gern\nhört, und bleibt bei Aufführungen des Oratoriums ge-\nwöhnlich weg. Aber eben weil die Bearbeitung eine ver-\nfehlte ist, war es wohl recht, Mozart nicht länger für ITil-\nler's Schuld verantwortlich erscheinen zu lassen.\nBreslau, Ende December 1861."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-02-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-02-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-02-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "48", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Batt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Batt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.6", "debut_caractere": 2864, "fin_caractere_exclue": 6357, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Batt.\nMolsi. A m ]. Februar spielten die Wunderkinder August\nund Emil Sauret aus Paris, August 8 Jahre alt, Violinist, Emil\n9 Jahre alt, Pianist, in der Musicalischen Gesellschaft und Ernteten\ndurch ihr ungemein hervorstechendes Talent und eine für ihr Alter\nsehr weit ausgebildete Technik den lebhaftesten Beifall des sehr\nzahlreichen Auditoriums. Mehr noch als die Technik muss die Rein-\nheit des Tones und der melodische Vortrag des kleinen Violinspie-\nlers auffallen; er besitzt ein ganz ausnahmsweise scharfes Ohr und\nverbesserte die Mängel einer nicht vorzüglichen und schlecht in\nStimmung zu haltenden Quinte durch sein Greifen, so dass dennoch\nsein Spiel auch auf dieser Saite ganz rein blieb, was namentlich\nHerrn Monasterio, der den Kleinen genau beobachtete, ganz beson-\nders für ihn einnahm. Auch der Ciavierspieler bat einen netten An-\nschlag und besitzt bereits eine recht artige Fertigkeit. Dabei sehen\ndie Knaben sehr gesund und frisch aus und verkümmern dem Zu-\nhörer n;cht die Freude an ihren Leistungen durch den Eindruck der\nmatten Farbe von Treibhauspflanzen.\nAm Dinstag den 4. Februir hörten wir in der vierten Soi-\nree für Kammermusik das Violin-Quartett Nr. 2 in E-moll von\nOp. 44 von Mendelssohn und das geist- und gemüthvolle Quar-\ntett, ebenfalls in E-moll, Nr. 2 von Op. 59 von Beethoven, wel-\nches von den Herren von Königslöw, Derckum, Grunwald und\nSchmitt ganz ausgezeichnet schön vorgetragen wurde und wieder-\nholten Applaus hervorrief. Das Quartett von Mendelssohn wurde\nebenfalls vorzüglich wiedergegeben, machte aber dennoch keinen be-\ndeutenden Eindruck auf das Publicum. Durch den Vortrag seines\nClav i er-Trio1 s Nr. 2, Op. 20, in Es-dur ärntete Herr Wolde-\nma r Bargiel grosse Anerkennung seines Compositions-Talentes,\ndas auch in diesem Werke überall durch die breite Anlage und den\nErnst der Motive eine nach der Höhe der Kunst strebende Richtung\noffenbart, welche sehr achtungswerth ist, wenn sie auch noch nicht\nimmer ihr Ziel erreicht Am Schlüsse des Abends erfreute uns Fräu-\nlein Bertha Eichberg aus Stuttgart, die bereits in Nr. 5 dieses\nBlattes von Bremen aus rühmlich erwähnt ist, durch ihr recht hüb-\nsches Harfenspiel. Die Vocal-Partie füllte Fräulein Genast durch\nden Vortrag von je zwei Liedern von Franz und Mendelssohn,\n■ +»\nvon Schubert und Schumann auf interessante Weise aus.\nAm Mittwoch hatte der städtische Gesangverein unter\nder Direction des Herrn Fer d. Breun ung eine öffentliche Ver-\nsammlung vor einem eingeladenen Publicum veranstaltet. Zur Auf-\nführung kamen Schumann's .:Der Rose Pilgerfahrt\", Mendels-\nsohn's Ave Maria für Tenor-Solo und achtstimmigen Chor, Terzett\naus Jute dies von Cherubini und J. S. Bac h' s Cantate für Soli\n(Tenor und Alt): „Ein1 feste Burg ist unser Gott\". Die Chöre gin-\ngen in allen diesen Musikstücken recht gut und klangen sehr rein\nund frisch, nur war bei doppelstimmigen Sopranstellen der zweite\nSopran nicht verhältnissmässig stark genug besetzt. Wann wer-\nden die verehrten Da<xen einsehen, dass es schwieriger folglich\nehrenvoller ist, im Chor den zweiten Rang eben so würdig\nwie den ersten zu vertreten? Erfreulich war es, dass auch die Solo-\nPartieen mit Ausnahme von zweien (Fräulein Genast und Herr\nKoch) durch Vereins-Mitglieder ausgeführt wurden. Bei Schumann's\nGesangstück, das trotz recht vielem Schönen in einzelnen Nummern\ndoch im Ganzen an sentimentaler Monotonie leidet, machte sich die\nClavier-Begleitung recht gut, da es ursprünglich dafür geschrieben"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7311, "texte": "ist. Bei Bach'ö Cantatc hingegen kann der Flügel das Orchester\nnicht ersetzen; so viel uns erinnerlich, ist diese gewaltige Cantate\nhier noch nicht gehört worden, und der Verein verdient desshalb\nDank, sie uns vorgeführt zu haben. Der Eindruck dürfte aber ein\nganz anderer sein, wenn ausser der Orgel ein stark besetztes Geigen-\nQuartett dazu träte; in dem Gürzenichsaale möchten dann auch im-\nmerhin die Männerstimmen ihr: „Und wer.n die Welt voll Teufel\nwär'\", mit derjenigen Begeisterung und Ki'aftäusserung los lassen,\nwelche in dem Locale des Vereins etwas zu stentorisch wirkte. Das\nAve Maria von Mendelssohn wurde sehr gut gesungen, im Ganzen\nmit schönem und klarem Verhältniss der acht Stimmen.\nISoaüsi. Das dritte Abonnements-Concert (am 30. Ja-\nnuar) eröffnete mit Mozart1 s 6r-77ioZ£-Sinfonie, welche unter der\neinsichtigen und sicheren Leitung des Herrn Musik-Directors Bram-\nbach eine recht gelungene war. Fräulein Schreck, die wir lange\nnicht gehört hatten, bekundete durch den trefflichen Vortrag der\nArie; Ah rendimi qicel cuore, von II os s i und der Partie der He-\nlo'ise in F. Hille r' s „Klagegesang am Grabe Abälard's\" von\nNeuem, dass die Seltenheit ihres Auftretens in der letzten Zeit ein\nwahrer Verlust für die rheinländischen Concerte ist. Eine solche\nStimme sollte nicht feiern oder man sollte sie nicht feiern lassen; denn\nwo ist der Ersatz für ihren schönen, vollen Klang? Der Damen-\nchor sang in demselben Stücke von Hiller recht frisch und rein,\nwenn auch die Nuancirungen des Vortrags hier und da etwas feiner\nhätten sein können. Ganz befriedigend war die Leistung des Ge-\nsammtehors in Beethoven's „Ruinen von Athen\", namentlich in\ndem prächtigen Chor: „Schmückt die Altäreu. Ein Glanzpunkt des\nAbends waren die Violin-Vorlräge des Herrn August Kömpel,\nwelcher „Variationen über ein Mozart'sches Thema\" von David\nund .Spohlas „Gesangscene\" mit bekannter Meisterschaft spielte\nund Spohr's Composition durch den wunderschönen Ton und den\nmelodischen Ausdruck wahrhaft zu dem machte, was ihre Ueber-\nschrift sagt. Und die Aufgabe war dieses Mal für den Künstler um\n»o schwieriger, als die warme Temperatur des Saales selbst die Zu-\nhörer drückte, geschweige denn die Spieler.\nC'i*©jSelcl? 22. Januar. Gestern Abends hat unser kunstlieben-\ndes Publicum durch sein überaus zahlreiches Erscheinen beim Con-\ncerte des Singvereins, welches zum Benefiz seines Dirigenten\nim Saale des Hotel de la redoute gegeben wurde, in deutlichster\nWeise gezeigt, dass es die Verdienste des Herrn Musik-Directors\nHermann Wolff in vollem Maasse zu würdigen weiss. Der grosse\nSaal war dicht besetzt bis zum anschiessenden Räume. Kein Wun-\nder also, dass unter solchen Umständen Sängerinnen, Sänger und\nOrchester mit Lust und Eifer an die Lösung ihrer Aufgabe gingen.\nDas Programm brachte eine Wiederholung der im dritten Abonne-\nnients-Concerte mit Beifall aufgenommenen Ouvertüre zu „Manfred\"\nvon Schumann, ein Duett für Sopran und Bariion aus Spohr's\n„Faust\", die Romanze für Violine von Beethoven, von einem\ndreizehnjährigen kleinen crefelder Virtuosen recht artig gespielt,\nLieder für Bariton (Herr Paul Schmidt aus Aachen), das Vor-\nspiel zu „Hans Heiling\" von Marschner (Königin: Fräulein\nBüschgens) und Beethoven's C-wioZZ-Sinfonie, deren Auffassung\nund Leitung durch den Dirigenten und deren Ausführung durch das\nOrchester lobenswerth war.\nAlfred Ja eil hat in den letzten Tagen des December vorigen\nund im Januar dieses Jahres in Hannover, Kassel und Mei-\nningen in Hof-Concerten und im Theater gespielt. Se. Hoheit der\nHerzog von Meiningen hat ihn am 23. Januar durch die Ver-\nleihung der grossen goldenen Medaille, welche dem Haus-\nOrden affiliirt ist, ausgezeichnet. Am 29. v. Mts. gab er in Mainz\nein glänzendes Conccrt und wird in den ersten Wochen des FeLrua\nin Aachen und Hamburg spielen. Er führt jetzt einen pracht-\nvollen Flügel von Erard mit sich, der überall Sensation erregt.\nAus dem literarischen Nachlasse des verewigten Ilof-\nrathes Teichmann wird eine Geschichte des königlichen Theaters\nin Berlin vorbereitet. Teichmann, länger als fünfzig Jahre in dem\nBureau der General-Intendantur unter dem Grafen Brühl, Grafen\nRedern, Herrn von Küstner und Kammerherrn von Hülsen wirksam,\nerfreute sich noch der persönlichen Bekanntschaft Göthe's und stand\nmit den ersten Dichtern seiner Zeit in brieflichem Verkehr.\nSe. Majestät der König geruhte dem Musik-Director Gebhard!\nin Erfurt, dem Hof-Virtuosen von Bülow, den Dichtern G. zu\nPutlitz und Auerbach den Rothen Adler-Orden zu verleihen.\nDie Aufführung, des Oratoriums „Abraham\" von M. Blumner\ndas bereits vor zwei Jahren hier zwei Mal, auch im vorigen Jahre\nin Prag mit Erfolg gegeben worden, geschah unter Mitwirkung des\nk. Hof-Opernsängers Herrn Krause durch die Mitglieder der Sing-\nAkademie, deren Vice-Director der Componist ist; das an schönen\nEinzelheiten reiche Werk fand wiederum eine günstige Aufnahme\nDer Violin-Virtuose Herr Jean Becker aus Mannheim trat in\nden Zwischenacten im Friedrich-Willi-Theater auf. Die Schönheit\ndes Tones und die musterhafte Sauberkeit der Technik bei vollende-\nter Correctheit sind zu rühmen. Im Vortrage von Paganini's Varia-\ntionen über Nel cor jpxu rion ml sento leistete er in den Passagen\nAccoiden, llageolet, Flautando, Pizzicato, Spiel mit springendem Bo-\ngen und im jähen Wechsel aller dieser Manieren Vorzügliches. Sein\nTon lässt jedoch die äussersten Grade der Kraft vermissen, und da-\nmit hängt es wohl zusammen, dass er auch im Vortrage mehr dem\nZarten und Gefühlvollen, als dem Feurigen, männlich Energischen\nzugeneigt ist; er liebt es, die getragenen Melodieen etwas zu retar-\ndiren, auf einzelnen schmelzenden Tönen lange zu verweilen in ein\nnicht enden wollendes Piano sich zu verlieren, kurz, er versteht es\nbesser, ein weiches Fiauenherz zu rühren, als durch einen energi-\nschen Angriff, wie z. B. Joachim, Männer zur Begeisterung hinzu-\nreissen.\nDie neue einactige Operette „Der Musik feind\" von Rieh. Ge-\nnee fährt fort, beifällige Aufnahme zu finden. Die einzelnen Num-\nmern werden beklatscht und das Duett da capo verlangt. Das Sujet\nist possenhafter Natur und gewährt doch dem Componisten eiim\nReihe dankbarer Situationen.\nWeimar. Musik-Director Götze starb am 5. December vor.\nJahres, 71 Jahre alt. Seine letzte Arbeit war das Clavier-Arrange-\nment von Wagner's Isolde.\nEckert' s Oper „Wilhelm von Oranien\" wird in Weimar zur\nAufführung vorbereitet.\nRichard Wagner arbeitet an einer deutschen Oper, die den\nTitel „Hans Sachs\" führen wird.\nGrOtlisi. Am 10. Januar begann die Theater-Saison mit Shake-\nspcare's „Was ihr wollt\". Es folgte zum ersten Male die Oper .Dio\nJungfrau von Orleans\", Text von Reiss, Musik von A. Lan-\nger aus Coburg. Ausser zwei wirksamen Aktschlüssen hat der Dich-\nter die schönsten dramatischen Momente versäumt und Längen ge-\nschaffen, z. B. in der Kerkerscene des vierten Actes, die selbst die\ntüchtige Composition nicht zu decken vermag. Wenn sich der Com-\nponist zu grösserer Selbstständigkeit erhebt, die Erinnerungen an\nMeyerbecr und Wagner meidet, so ist von dem noch jungen Manne\nviel zu erwarten. Die Johanna d'Arc wurde durch Frau Sämann de\nPaez aufs beste durchgeführt; ihre Stimme verbindet bei bedeuten-\ndem Umfange Wohlklang mit Egalität der Register; die Partie ver-\nlangt die grösste Ausdauer, dramatische* Feuer und dramatischen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4489, "texte": "Ausdruck, welchen Anforderungen die Künstlerin so gerecht wurde,\ndass Beifall und Hervorruf ihr zu Tlicil wurden. Vortrefflich war\nFräulein Garthe; die Herren Carlschulz, Reer, Hartmann und Abt\nwirkten nach Kräften. Im Ballet zeichnete sich eine Schülerin der\nMadame Brue, Fräulein Valesca NemanofF, aus.\nDas dreizehnte Gewandhaus-Concert in Leipzig fand am 23.\nJanuar mit folgendem Programm Statt: Erster Theil: Concert-Ouver-\nture in A-dur von Jul. Kietz; Arie aus „Jessonda\" Von Spohr, ge-\nsungen von Frau Caggiati Tettelbach, königlich hannoversche Hof-\nOpernsängerin; Concert für Pianoforte in G-dur von Beethoven, vor-\ngetragen von Herrn Ehrlich aus Frankfurt am Main ; Arie aus der\n„Entführung\" von Mozart, gesungen von Frau Caggiati-Tettelbach;\nSolostücke für das Pianoforte, vorgetragen von Herrn Ehrlich. Zwei-\nter Theil: Sinfonie Nr. 3, Es-dur} vou R. Schumann.\nifluHelten• Im königlichen Hoftheater landen im verflossenen\nJahre 314 Vorstellungen Statt, 233 im k. Hoftheater und 81 im\nResidenztheater, und zwar 249 Schauspiele, 140 Opern und Sing-\nspiele und 32 Ballets und Divertissements. Zum ersten Male wurden\ngegeben 37 Stücke, 20 im Schauspiel, 8 in der Oper und 3 im\nBallet; neu einstudirt 18 Stücke, davon 9 im Schauspiel, 5 in der\nOper und 4 im Ballet. Nur bei Einer Vorstellung war aufgehobenes\nAbonnement. Schiller wurde 16 Mal, Shakespeare 1U und Göthe 8\nMal gegeben; in der Oper Meyerbeer 12, Weber 9, Gluck und Boiel-\ndieu je Donizetti und Flotow je 7, Mozart 6, Wagner 5 Mal.\nIm Schauspiel gastirten 11, in der Oper 5 und im Ballet 4 fremde\nKünstler und Künstlerinnen.\nDas „Tagebuch des königlich sächsischen Hoftheaters vom Jahre\n1861 zählt 339 Vorstellungen auf. Zum ersten Male wurden 24\nWerke aufgeführt, nämlich 4 Opern und Singspiele, 7 Dramen und\nSchauspiele, 11 Lustspiele und 2 Ballets; neu einstudirt gingen 22\nWerke in Scene, nämlich 9 Opern und Singspiele, 7 Dramen und\nSchauspiele, 5 Lustspiele und 1 Ballet. Ausser den italiänischen\nOpern-Vorstellungen fanden 30 Gastspiele und Debüts Statt. Das\nHoftheater beschäftigte circa 370 Personen; von diesen gehören 180\ndem Schauspiel, der Oper und dem Ballet an, 90 der Capelle und\n](JO dem Beamten-, Officianten-, Diener- und Arbeiter-Personale.\nNeu engagirt wurden in dem gedachten Zeiträume 22 Mitglieder.\nselileswag« Cantor Bellmann, Componist des „Schleswig-\nHolstein\", starb, 86 Jahre alt, am 26. December vor. Jahres.\nf Aaßislei'aSanaa. Das jährliche Musikfest des St.-Vincenz-\nVereins hat am 23. Januar unter der Leitung des Musik-Directors\nlleinse Statt gefunden. Compositionen von holländischen Tonkünst-\nlern, ein Psalm von Verhülst und eine Cantate von Franz Coe-\nnen bildeten die erste Abtheilung; die zweite füllte Beethoven's\n..Christus am Oelberg\". bie Ausführung war im Allgemeinen recht\ngut, Chor und Orchester lös'ten recht wacker ihre Aufgabe; auch\ndie Solisten verdienen ehrenvolle Erwähnung, besonders Frau Offer-\nmanns und Fräulein Matteau, eine ausgezeichnete Dilettantin von\nliier; auch der Tenor- und Bass-Partie waren die Vortragenden ge-\nwachsen.\nDer Psalm von Verhülst ist schwierig auszuführen und etwas\nlang, enthält aber viel Schönes: letzteres kann man weniger von\nder Cantate Coenen's sagen, welche zwar correct geschrieben ist,\naber kalt lässt und den Mangel an Originalität fühlbar macht.\nBeethoven's Oratorium hat, wie immer, das Publicum elektrisirt\nund den schönen Abend aufs würdigste beschlossen. Das ganze Con-\ncert machte dem Dirigenten, Herrn Heinse, grosse Ehre, der über-\nhaupt einer der gediegensten Künstler unserer Stadt ist.\nIm französischen Theater hat die Operngesellschaft aus dem\nHaag Gounod's „Faust~ buchstäblich ausgebeutet; übrigens hat\ndas Werk nichts mehr als einen Saccus d'estime gehabt.\nIn Felix Meritis haben der jugendliche Violinist Lotto und der\nPianist von Bülow grossen Erfolg gehabt. Bülow hatte den glück-\nlichen Gedanken, nichts Anderes als Beethoven und ein Concert\nvon Henselt zu spielen; zum Ersatz wird der eifrige Apostel\nLiszt's & Comp, uns (oder sich) im dritten Concerte van Bree's eine\nglänzende Revanche geben: Prometheus, eine der famosen sympho-\nnischen Dichtungen, ein Capriccio und einen Marsch von Liszt, ohne\ndie Ouvertüre zum Tannhä iser zu rechnen — das alles an Einem\nAbende. Glücklich diejenigen, die ein solches, in den musicalischen\nAnnalen Hollands bis jetzt unerhörtes Programm aushalten können !\nXiOlfttloift« Der berühmte Ciavierbauer Broadwood ist ge-\nstorben und soll mehrere Millionen hinterlassen haben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBeetlioven's Werke. Neue Ausgabe von Breitkopf und Härtel. Ein Falsum in Mozart's Messias-Partitur. Mitgetheilt von\nDr. Baumgart (Sehluss). Tages- und Unterh al tun gs b lat t (Köln, August und Emil Sauret, Vierte Soiree für Kammermusik,\nStädtisoher Gesangverein Bonn, 111. Abonncments-Concert Crefeld, Concert Berlin, Geschichte des k. Theaters, Ordens-Verleiliun-\ngen, Jean Beeker, „Der — Alfred Jaell Weimar, Musik-Director Götze f Gotha, Theater-Saison Leipzig).\n\nBeethoven’s Werke.\nNeue Ausgabe von Breitkopf und Härtel.\nIm December vorigen Jahres kündigte die Verlags-\nhandlung Breitkopf und Härtel in Leipzig eine neue\n„vollständige, kritisch durchgesehene, überall\nberechtigte Ausgabe von Beethoven'« Werken,\nmit Genehmigung aller Original-Verleger\" an (s. Nr. 49\nvom 7. December des Jahrg. 1861), und schon jetzt liegt\nuns die erste Lieferung derselben vor.\nSic enthält die ersten Hefte der Serie 1. Symphonieen:\nNr. 1 (der Ausgabe), Symphonie in Serie VI. Nr.\n37, 38, 39, Violin-Quartette, Op. 18, in F-, G-, B-\ndur. Serie IX. Für Pianoforte und Orchester. Nr. 65.\nErstes Concert, Op. 15 in —Alles in Partitur. Serie\nXVI. Sonaten für das Pianoforte. Nr. 124, 125. 126.\nDrei Sonaten, Op. 2, F-, A-, C-moll.\nSämmtliche gedruckte Werke, deren Echtheit un-\nzweifelhaft ist, wird dieseGesammt-Ausgabe in 255 Num-\nmern, welche auf 24 Serien vertheilt sind, enthalten.\nWas von bisher ungedruckten Werken aufgenommen\nwerden soll, ist noch nicht festgestellt; sie sollen den ein-\nzelnen Serien ihrer Gattung nach angeschlossen werden.\nEs ist zu erwarten, dass bei der Aufnahme die strengste\ndiplomatische Kritik walten werde.\nDie Eintheilung der Serien (auf die man auch ein-\nzeln unterzeichnen kann) ist folgende:\nA. 0 rchesterwerke. Seriel. I—9.1—9. Die neun Sym-\nphonieen*). 11. 10 —l7. Schlacht bei Vittoria—Pro-\nmetheus Egmont-Musik Märsche und Tänze. 111.\n18 28. Die Ouvertüren. IV. 29 31. Für Violine\nund Orchester: das Concert in und die Romanzen in\nG und F.\nB. Kammermusik. V. 32 36. Septett Op. 20.\nSextett Op. 81b. Quintett in . Op. 29, in Op. 4,\nFuge, Op. 137, in B. VI. 37 —53. Violin-Quartelte.\nNr. 1 —l6. Op. 18 bis Op. 135, einschliesslich die Fuge\nin B,Op. 133.—V11. 54 58. Vier Trio's für Violine,\nBratsche und Violoncell, und Serenade, Op. 8, in B.\nVIII. 59—64. Für Blas-Instrumente. Octelt, Op. 103,\nin Es, Rondino dito, Sextett, Op. 71, in Es, Serenade für\nFlöte, Violine und Bratsche, Op. 25, Trio für 2 Oboen\nund englisch Horn, Op. 87, 3 Duo's für Clarinette und\nFagott.\nC. Pianoforte-Musik. Serie IX. 65 73. Die fünf\nConcerte; das Concert für Pianoforte, Violine und Violon-\ncell, Op. 56; Phantasie mit Chor, Op. 80; Rondo in B.\nHierbei finden wir im Prospect noch Nr. 70a: ,Ca-\ndenzen zu den Pianoforte-Concerten\". Von wem? Uns\nist nicht bekannt, dass Beethoven, ausser den in den Text\ngeschriebenen zum Es-dur-Concerte, Cadenzen geschrie-\nben hat. Bei Nr. 73: „Pianoforte-Stimme zu dem Vio-\nlin-Concert Op. 61\", ist zweifelsohne die Solostimme zu\nverstehen, nicht etwa ein Arrangement des Orchesters.—\nX. 74 78. Quintette und Quartette. Das Quintett Op.\n16 im Original und als Quartett, und die drei kleinen\nQuartette in Es, Bund C.—XI. 79—91. Hier sind aus-\nser den bekannten Original-Trio's auch das Trio Op. 38\nnach dem Septett Op. 20 und das Trio nach der B-dur-\nSinfonie (Op. 36) aufgenommen. Alsdann dürfte auch das\nTrio nach der .4-c?wr-Sinfonie (Op. 92), das mit der Par-\ntitur zugleich bei Haslinger in Wien herauskam, nicht\nfehlen.—XII. 92 —lO4. Für Pianoforte und Violine. Die\nzehn Sonaten und drei kleinere Stücke. XIII. 105\nlila. Für Pianoforte und Violoncell. Die fünf Sonaten\nund drei Hefte Variationen. XIV. 112 —ll9. Für\nPianoforte und Blas-Instrumente. Sonate mit Horn, Op.\n17, und sechszehn Themen mit Flöte, Op. 105 und\n107. XV. 120 —123. Zu vier Händen. Sonate in\n\n*) Alle mehrstimmigen Werke werden in Partitur und auch\nin Stimmen erscheinen und beide Ausgaben auch getrennt\nverkauft werden."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.2", "texte": "D,Op. 0, drei Märsche, Op. 45, und zwei Themen mit\nVariationen.—-XVI. 124—101. Sonaten, 32, von Op. 2\nbis Op. 111, und 0 kleinere. XVII. 102 —lB2. Va-\nriationen. XVIII. 103 202. Kleinere Stücke und\nTänze.\nD.Gesangmusik. SerieXlX. 203 205. Kirchen-\nmusik. Die beiden Messen in C und in 1); Christus am\nOelberge.— Wir finden im Prospect: „Missa (3 Hymnen),\nOp. 30, in C\". Wenn dieser Nebentitel andeuten soll, dass\ndie Messe auch in dieser classischen Ausgabe mit\ndem deutschen Texte von Rochlitz abgedruckt wer-\nden soll, so müssen wir im Namen Beethoven's und zur\nEhrenrettung desselben als Vocal-Componisten förmlich\ndagegen Verwahrung einlegen, denn diese deutsche Bear-\nc 1 o 3 o\nbeitung steht an unzähligen Stellen dermaassen mit der\nMusik in Widerspruch, dass sie den Meister zu einem\nSchüler in der Text-Auffassung macht und ihm den wi-\ndersinnigsten musicalischen Ausdruck unterschiebt.\nO i\nWir halten es für nothwendig, diesen Protest durch\nBeispiele zu begründen, um schon jetzt davor zu warnen,\nden Unsinn durch die neue echte und prächtige Ausgabe\nzu verewigen.\nIm Kyrie lässt Rochlitz den Solo-Sopran (Tact 15)\nstatt des jt?. auf- und dann absteigenden sin-\ngen: „Dich, den ew'gen Weltenherrscher, Dich, den All-\ngewaltigen!\" Die sanfte Bitte der Solostimmen in\n(T. 37), welche das Volk im Tulti f. wiederholt, heilst\nbei Rochlitz: „p. Wer kann dich nennen? f. und wer\nDich lassen?\" Der Solo-Alt und nach ihm der Solo-Tenor\nnehmen in weicher Melodie das eldson wieder auf (R.:\n„Unendlicher\"!), das Tulti schreit auf zum Herrn und\nsinkt gleich darauf mit dem „Erbarme Dich\" ins leiseste\npiano herab; auf dieses piano fällt bei R.: „Unermessen\nist Deine Macht!\" Sodann erhebt sich der Ruf um Er-\nbarmen nach und nach bis zum foriissimo— und auf die-\nses fortissimo singt der Chor bei R.: „Wir stammeln mit\nKindeslallen den Namen\". Heisst das nicht Beethoven's\nMusik misshandeln?\nIm Gloria fällt nach dem zweiten Solo des Tenors:\nDornine i Deus,rex coelestis,Dens pater omnipotens, der\nvolle Chor mit Deus omnipotensein; bei R. (Solo): Du\nnah'st dem Geist im stillen Denken, Du nah'st dem Würm-\nchen im Frühlingslicht,(Chor) nah'st ihm im Frühlingslicht\"\nff. mit Trompeten und Pauken! Weiter: (Solo): „Du siehst\ndie Thräne u. s. w. (Chor) siehst und still'st sie!\" wie-\nderum ff.\\ Auf das Miserere kommt: „Ach, so ferne!\"\nu. s. w., auf das stets im forte dahinströmende Fugato\n(Cum saneto Spiritu in gloriam „Gott ist die\nLiebe\"!\nAus dem Creclowollen vir nur die Stelle hervorhe-\nben, wo nach ante omnia seculadas eintritt und\ndann die einzelnen Chorslimmen nach einander das\nde Deo, lumen de lumine und darauf ff. alle zusammen\nauf g unisono mit Deum ver erschütternd einfallen.\nDiese herrliche Stelle gestaltet sich bei R. zu folgender\nCaricatur: Tenor: „Wenn Du die Fülle\", Alt: „Deiner\nErbarmungen\", Sopran: „mir in die Seele\", Rass:\n„mir in die Seele strömst\" Tulti ff.: „0, dann däm-\nmert ein Strahl von Deiner Herrlichkeit\" u. s. w.ü Und\nferner: Etineama tus est,„Und schon entfesselt sich mein\nGeist\"—crucifixns, „Verlangen glüht in mir\" (!)\nsus et sepultus est, „Fühl' ich, dass seines Geschlechts wir\nsind\" qui loeutus est per prophdiese prachtvollen,\ndurch das Schmettern der Trompeten angekündigten acht\nTacte des Chors auf c unisono, während das Orchester mit\nvoller Kraft nach F-dur modulirt, Alles im ff., donnern\nbei R. zu den Worten: „die geheimnissvoll durch da»\nDasein uns geleitet\"!!\nDoch genug der Beweise, dass Beethoven's Intentio-\nnen durch solche Texte geradezu ins Lächerliche verkehrt\nwerden. Wir hoffen, dass sie hinreichen werden, die Her-\nren Verleger und die Musiker, deren Unterstützung sie sich\nbei der neuen Ausgabe erfreuen (Rietz, Reinecke, Richter,\nDavid, Hauptmann, O. Jahn), zu überzeugen, dass solche\nTextbearbeitungen nicht in die neue Pracht-Ausgabe ge-\nhören. Wir sind hoffentlich über die Zeiten hinweg, wo\nman entweder die katholische Kirchenmusik ganz und gar,\noder wenigstens ihren lateinischen Text aus dem Concert-\nsaale verbannt wissen wollte. Aber freilich, schon Tacitus\nsagt: „Die Heilmittel sind träger, als die Krankheiten,\nund das einmal eingewurzelte Uebel wird den Leuten am\nEnde lieb\" und so erleben wir denn immer noch, dass\nhier und da diese einfach schöne C-cfcr-Messe mit dem Text\nder „Hymnen\" gesungen und Beethoven dadurch gelästert\nwird, und dass überhaupt des alten Römers Spruch auch\nin musicalischen Dingen sich vielfach bewahrheitet. Man\ndenke z. B. an die vier Tacte im Andante der G-moll-Sin-\nfonie von Mozart, an die zwei Tacte im Scherzo der C-\nwo//-Sinfonie von Beethoven, an die deutschen Texte von\nDon Juan, Figaro u. s. w.*].\n\n*) Wie oft ist nicht über die sehlechten Uebersetzungen des ita-\nlienischen Textes zu Mozart's Don Juan der Stab gebrochen\nworden! Nun ist schon vor zwei Jahren bei N. Simrock in\nBonn ein neuer Clavier-Auszug mit neuer deutscher\nUebersetzung von L. Bischoff herausgekommen, die sich\ndurchweg den Intentionen Mozart's anschliesst. Was ist da-\ndurch für Mozart erreicht worden? Hat bis jetzt irgend eine\nBühne den neuen Text adoptirt? sind etwa Berlin, Dresden,\nWien darin vorangegangen ? Und doch bedarf es nichts Wei-\nteres als der Copie der einzelnen Singstimmen, nicht etwa erst\ndes Unterlegens des Textes durch einen Musik verstund igen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.3", "texte": "Serie XN. 200 und 207. Die Oper Fidelio und das\nFestspiel: Die Ruinen von Athen. —XXI. Cantaten: 208.\n209. „Der glorreiche Augenblick\" oder Preis der Tonkunst,\nOp. 136. „Meeresstille und glückliche Fahrt\", Op. 112.\nliier haben wir bei Nr. 208 dieselbe Warnung er-\ngehen zu lassen, wie. bei der Messe' in Den Text\nder Cantate: „Der glorreiche Augenblick\", hat\nRochlilz in einen „Preis der Tonkunst\" umgewandelt,\nwodurch denn das Ungeheuerliche erzeugt wird, dass Beet-\nhoven, der Hohepriester der Tonkunst, die Harmonie und\nihren göttlichen Ursprung mit Janilscharen-Musik preis't,\nwelche zum Einmarsch der rückkehrenden Besieger Na-\no\npoleon's geschrieben war. Jenes Gelegenheitsstück war be-\nkanntlich 1814 zum Zwecke einer festlichen Aufführung\nbei dem Fürsten-Congresse in Wien bestimmt. Wenn es\nauch schnell aufs Papier geworfen worden ist und die Spu-\nren der Flüchtigkeit und der augenblicklichen Bestimmung\nträgt, so ist es doch immerhin ein Werk von Beethoven\nund enthält auch viele Stücke so echten Beethoven (z. B.\ndie Cavatine in G-dur),dass man ihre Bedeutung nicht\nverkehren darf. Der ursprüngliche Text würde sich mit\ngeringen Aenderungen zu einer „Erinnerungsfeier an die\nFreiheitskriege\" gestalten lassen, wodurch der Musik ihr\nCharakter bewahrt werden würde.\nSerie XXII. 210 214. Gesänge mit Orchester. Ah\nperfido; Trbmate; Opferlied; Bundeslied; Elegischer Ge-\nsang. XXIII. 215 251 a. Lieder u. s. w. mit Piano-\nl'orte.—XXIV. 252 255. Lieder (schottische) mit Piano-\nlorte, Violine und Violoncell.\nVon dieser neuen Ausgabe liegen uns nun die oben\nerwähnten ersten vier Lieferungen vor.'i Sie geben uns den\nerfreulichsten Beweis, dass das grossartige Unternehmen\nauf eine höchst würdige und den gegebenen Verheissun-\ngen vollkommen entsprechende Weise zur Ausführung\nkommt. Das Aeussere der Ausgabe in grossem Royal-Folio,\nauf starkem Papier, mit scharfem Notenstich, der aber\nkeineswegs blendet, noch durch Kleinheit und Enge das\nAu ge eines Urkundenforschers verlangt, sondern durch\nEgalität, genaueste Untereinanderstellung, lichte Zwischen-\nräume und Grösse der Notenköpfe (auch in den Partitu-\nren) ganz vortrefflich lesbar ist, kann mit den glänzend-\nsten Erzeugnissen des Musikdrucks im Auslande wetteifern\nund macht der vaterländischen Gewerbthätigkeit grosse\nEhre, indem sie zugleich der ausgezeichneten Officin der\n\\ erlagshandlung einen neuen, vollberechtigten Anspruch\naul Ruhm verleiht. Mit Einem Worte: Deutschland erhält\nhier eine Pracht-Ausgabe der Werke seines Beethoven,\nwelche zu besitzen der Stolz der Musiker und Musikfreunde\nsein wird, und um welche Frankreich und England uns\nbeneiden werden ein würdiges Gegenstück zu den Bach-\nund Händel-Ausgaben.\nZu den inneren Vorzügen gehören als „Resultate der\nkritischen Revision\" (welche als „Eigenthum der Verle-\nger\" aul dem Titel bezeichnet sind) die Correctheit des\nursprünglichen Noten-Textes und die Genauigkeit aller\nVortrags-Bezeichnungen, deren Marken hier überall da\nstehen, wohin sie gehören, so dass man nicht im Zweifel\nbleibt, welche Note z. B. ein sf hervorgehoben haben will,\nwelches zwischen zweien steht, wie man dies und Aehn-\nI ich es bei so manchen gepriesenen neuen Ausgaben be-\nmerkt. 1) ie Tempo-Angabe durch den Metronom finden\nwir nur bei der Partitur der Sinfonie Nr. 1, und es ist\nauch recht gut, dass man bei allen übrigen Werken, wenn\ndie Metronomisirung nicht authentisch auf Beethoven selbst\nzurückgeführt werden kann, das Tempo mit den guten\nalten Ausdrücken: Allegro, Au. s. w. der Einsicht\nund dem Gefühle des Ausführenden anheim stellt. Wer\ndas eine Tempo, das jedem Musikstücke zukommt, nicht\naus demselben heraus empfinden kann, dem wird auch der\nTactmesser den Geist dazu nicht beibringen.\nEine gute, wahrscheinlich auf Verträgen beruhende Zu-\ngabe sind die Namen der Original-Verleger,die auf je-\ndem ersten Blatte des jedesmaligen Werkes genannt sind; von\nder Sinfonie Nr. 1 C. F. Peters in Leipzig; den Quartetten\nOp. 18 Karl Haslinger quond. Tobias in Wien; dem Con-\ncert Op. 15 derselbe; von den drei Sonaten an llajdn,\nOp, '2, Artaria & Comp, in Wien. Welch eine Bereiche-\nrung der Vorzüge der neuen Ausgabe wäre es, wenn bei\nden ursprünglichen Verlegern auch das Jahr der Er-\nscheinung angegeben würde!\nWas nun die Preise betrifft, so ist es natürlich, wie\ndie Verleger sagen, dass die neue Ausgabe darin den\nvorhandenen keine Concurrenz machen kann. Erwägt man\naber, was man in ihr erhält, so kann man den Preis von\ndrei Si I berg roschen für den grossen Bogen nur billig\nfinden. Hiernach kostet die Partitur der Sinfonie Op. 21\n1 Thlr. 6 Sgr., der drei Quartette Op. 18 1 Thlr. 21\nSgr., des Concertes Op. 15 2 Thlr., der drei Sonaten\nOp. 2 1 Thlr. 15 Sgr. netto.\n\nVon der „Neuen Zeitschrift\" in Leipzig kann man nicht ver-\nlangen, dass sie sich des armen Mozart annimmt; aber auch\ndie besseren Musik-Zeitungen in Wien, z. B. die „Recensio-\nnena, die „Deutsche Mu si k-Z eit u ng\", welche häufig mit\nRecht und am lautesten gegen die alten Texte losgefahren\nsind, haben von der genannten neuen Bearbeitung, so viel uns\nbekannt ist, keine Notiz genommen, xilso : Bemedia tardiora\nsunt quam mala, und für unsere Sänger, Capellmeister, Ke-\ngisseurs u. s. W«: lnvisa primo desidia postremo amatur.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.4", "texte": "Ein Falsum in Mozart’s Messias-Partitur.\nNachgewiesen von Dr. Baumgart.\n(Schluss. S. Nr. 5.)\nEs kommt dazu, dass die Wahl des Solo-Instruments\nkeineswegs besonders geschmackvoll erscheint. Mozart\nversteht es, den Fagott in der Begleitung reizend mit an-\nderen Instrumenten zu mischen, wie zahlreiche Beispiele\naus seinen Opern und auch aus dem Messias beweisen\nkönnen. (Vgl. in diesem Nr. 3, 29, 32 u. a.) Auch hat\ner allerdings ein Concert für den Fagott geschrieben (Jahn,\n1.,- 715), im Jahre 1774, noch in Salzburg, wohl für die\ndortige Hofmusik. Ob er ihn aber in seiner reifsten Zeit\njemals als einziges Blas-Instrument neben der Singstimme\nso zur Schau gestellt hat, wie hier, möchte ich bezweifeln;\ner beurtheilte die Natur des Instrumentes wohl einsichti-\nger, und bei der Bearbeitung eines fremden Werkes fühlte\ner sicherlich noch mehr das Unpassende. Dagegen hat\nHiller bei seiner ganzen Messias-Bearbeitung nur den ein-\nseitig musicalischen Standpunkt innegehabt und Händel's\ntiefen Sinn und dessen wohlbercchneten Ausdruck öfter\nverkannt. In den sechszehn Winter-Concerten, die 1788\nin Breslau dem Messias vorangingen, hat er zwei Mal ein\nConcert auf dem Fagott blasen lassen und ausserdem noch\neine Arie von Righini mit concertirendem Fagott zum Be-\nsten gegeben. Er muss also wohl das Instrument anmulhi-\ngcr gefunden haben. Seine Bücksichten gegen Händel's\nWerk aber sind trotz aller Lobsprüche, die er ihm spen-\ndet, thatsächlich eben so lax, wie die Mozart'schen streng\nund achtungsvoll.\nFerner hat Mozart im Messias nirgend eine Händel'-\nsche Tempo-Bezeichnung geändert, obschon bekanntlich\ndie Bedeutung der Ausdrücke zu seiner Zeit nicht mehr\ndieselbe war, wie fünfzig Jahre früher. In dieser einzi-\ngen Arie ist es geschehen. Händel schreibt\nvor, bei Mozart steht, wie bei Hiller, Dass dies\nfür den Charakter und Inhalt der Arie unpassend ist, und\ndass diese Auffassung durch den concertirenden Fagott\neine herzlich schlechte Unterstützung gewinnt, fühlt jeder\nEinsichtige. Es findet sich aber auch in der ganzen Mo-\nzart'schen Partitur nirgend eine Ueberschrift, die neben\noder statt der Tempo-Angabe den Charakter des Stückes\nandeutete, ausser Grave, ganz entsprechend dem Händer-\nschen Original. Dagegen hat Hiller sehr häufig durch\ncharakterisirende Beisätze, wie: Maestoso, Patetico, Riso-\nluto, oder durch beschränkende, wie:\nu. s. w. die einfachen Händel'schen Bezeichnungen näher\nzu bestimmen gesucht, manchmal auch sie geradezu ge-\nändert, und damit sein Versländniss Händel's nicht eben\nempfohlen. So hat die Arie: „Wer mag den Tag seiner\nZukunft erleiden\", die er nach einer anderen, wesentlich\nverschiedenen und werthloseren Composition Händel's auf\nseine Weise zurecht gemacht hat, im Original die Ueber-\nschrifl: Andante Larghetto, bei ihm Allegretto, wodurch\nsie denn ziemlich zu einer Tyrannen-Bravour-Arie gewor-\nden ist. „Du zerschlägst sie\" u. s. w., bei Händel und Mo-\nzart (Nr. 36) mit Andante bezeichnet, nimmt er AUegro,\nu. s. w. Diese Beispiele werden genügen, um zu beweisen,\ndass auch in diesem Punkte Hiller's, nicht Mozart's Grund-\nsätze gewaltet haben.\nEndlich hat Mozart nie eine IJändel'sehe Singstimme\ngeändert, ausser so weit der deutsche Text eine andere\nrhythmische Anordnung der Noten erforderte, wovon er\nübrigens fast Alles wohl schon in seiner Abschrift vorfand.\nSämmtliche Stücke, die er in seine Bearbeitung aufnahm,\nsind so vollständig, wie Händel sie geschrieben hat, wie-\ndergegeben, nur eines ausgenommen, die Arie: „Sie schallt,\ndie Posaun'\", bei der der Hauptgrund wohl in der Solo-\nTrompete lag; auch hier bestehen die Kürzungen aber fast\nnur in geschickten Auslassungen, und Weniges ist geän-\ndert, um die Verbindung der Gedanken herzustellen. (Vgl.\nden doppelten Abdruck in der englischen Ausgabe.) Bei\nder Arie: „Wie lieblich ist der Boten Schritt\", findet sich\nim Original (wenigstens in meiner Abschrift) nach dem\njetzigen Schlüsse noch ein zweiter Theil, worauf der erste\nwiederholt wird. Da er aber denselben Text hat, wie der\nfolgende Chor: „Ihr Schall gehet aus\", so ist er vielleicht\nvon Händel selbst erst später hinzugefügt, um so wahr-\nscheinlicher, als das Stück überhaupt in drei verschiedenen\nGestalten sich vorfindet. Die englische Ausgabe bemerkt\nauch nichts von der Mozart'schen Abweichung, wodurch\nmeine Vermuthung bestätigt wird. Sonst habe ich kein\nBeispiel einer Kürzung gefunden*). Alle Coloraturen, alle\nVerzierungen, alle Cadenzen sind genau den Händerschen\nentsprechend. Gerade in dieser Beziehung aber hat Hiller\ngemäss seinen offen ausgesprochenen Grundsätzen mit aller\nFreiheit geschaltet, die ihm für eine zeil gemäss e Ver-\nbesserung dienlich schien und die alles nach heutigen Be-\ngriffen zulässige Maass so weit überschreitet, dass, wer\n\n*) Hiernach bestimmen sich Jahn's Angaben (IV., 4G3) genauer.\nGanz weggelassen hat Mozart nur zwei Stücke: den auf die\nHimmelfahrt bezüglichen Chor („Let all the angels of Godu)\nund die ihm folgende Arie („ Thon art gone up on highu), al-\nlerdings bedauerlicher Weise, da jetzt das vorangehende Reci-\ntativ: „Zu welchem von den Engeln\" (vor Nr. 31) keine Be-\nziehung und keinen Sinn mehr hat und die Himmelfahrt im\nMozart'schen Messias eigentlich ganz fehlt. Mozart bezog wohl\nden Chor: „Oeffnet euch weit\", statt auf die Auferstehung,\nauf die Himmelfahrt. Hiller hat richtig jene beiden Stücke\nbeibehalten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.5", "texte": "\\\nauch gar nicht Liebe zu Händel, sondern einfach einigen\ngeschichtlichen Sinn besitzt, nur mit Entrüstung sehen\nkann, wie er die Arien nach Gutdünken verkürzt, Haupt-\nMotive umgestaltet, Begleitungs-Figuren und Coloraturen\nseinen Zeitgenossen mundrecht gemacht und ganz beson-\nders Verzierungen und Cadenzen durchweg im Stile von\nHasse, Graun u. A. verändert hat. Beispiele würden hier\nins Unabsehbare führen. Wem etwa der alte Clavier-Aus-\nzug des Messias von Schwencke zur Hand ist, der findet\nin ihm noch in den Verzierungen und Schlussfällen viel-\nfache Reste des lliller'schen Geschmacks, und die erste\nbeste Arie, mit Mozart's Partitur verglichen, wird den\nUnterschied gegen das Original zeigen. Im Uebrigen aber\nist Schwencke im Vergleich mit Hiller fast ein kritischer\nPhilolog*). Bei unserer Arie genügt es, in Mozart's Par-\ntitur oder in einem nach ihm gefertigten Ciavier-Auszuge\nsie einfach mit anderen Stücken des Messias zusammenzu-\nhalten. Wer das nicht kann oder will, sehe Folgendes an:\nMozart:\nAber abgesehen von solchen Dingen, ist der Bearbei-\nter mit der ganzen Melodief ührung so rücksichtslos umge-\ngangen, dass man ohne Uebertreibung behaupten kann,\nvon Händeis Arbeit sind eigentlich nur Fräs-\no n\nmente übrig geblieben, die ausführlichsten gerade\nda, wo der Gesang sich in Sequenzen und Figuren ergeht.\nIch müsste die ganze Arie abdrucken lassen, um das an-\nschaulich zu machen. Bei einem Vergleiche Mozart's mit\ndem Original braucht man nur die erste Hälfte des Stückes\nanzusehen, um sich zu überzeugen, dass es umcomponirt\nist; dasselbe wird der Schluss lehren, der nach Händel-\nscher Weise in eine langsame Cadenz der Singstimme mit\nblosser Orgelbegieitung ausgeht, wovon bei Mozart keine\nSpur geblieben ist. Die ganze Arie ist um 13 Tacle ver-\nkürzt, aber nicht durch Auslassungen, wie die oben be-\nsprochene mit der Solo-Trompete, sondern durch die völ-\nlige Umgestaltung ganzer Phrasen. Es wäre völlig un-\nerklärlich, warum Mozart in diesem einzigen Stücke der\nsonst überall bewahrten und seiner Achtung vor Händel\nganz entsprechenden Gewissenhaftigkeit untreu geworden\nwäre, um an die Stelle des Originals eine Halbheit von\neigener Leistung zu setzen, die Niemand für eine gelun-\ngene erkennen wird, sondern nur für werthloser, als Hän-\ndel's Arbeit, halten muss. Dagegen steht alles, was wir\nhier vorfinden, mit Hiller's Vorurtheilen und mit seinem\nsonstigen Verfahren im ganzen Messias aufs allerbeste im\nEinklänge.\nAus den hier erörterten Gründen hatte ich in dem zu\nAnfange erwähnten Vortrage Ililler für den Bearbeiter\nder Arie und diese in Mozart's Partitur für untergescho-\nben erklärt. Während des Vortrages erhielt ich von einem\nmeiner Zuhörer, Herrn Lehrer Stütze, das in seinem\nBesitze befindliche Textbuch zur breslauer Messias-Auf-\nführung, das ich bis dahin nur dem allgemeinen Inhalte\nnach kannte. Es ist, wie der im Ganzen übereinstimmende\nTitel zeigt, wahrscheinlich nur ein Abdruck des zu den\nleipziger ausgegebenen (Jahn, IV., 458,\nAnm. 10). In den „angehängten Betrachtungen\" werden\nauch Andeutungen über Inhalt und Auffassung einzelner\nStücke gegeben, und da heisst es denn S. 30: „Die Arie:\nIst Gott lür uns, ist sehr anziehend wegen ihres schö-\nnen, ausdrucksvollen Gesanges —[den doch Hiller so stark\nglaubte corrigiren zu müssen!], der concerlirende Fa-\ngott ist grösstenthei Is aus Händel's Violin-\nstimme genommen. Was nebenher noch zur Ver-\nstärkung der Begleitung geschehen ist, bringt\ndiese Arie der heutigen Manier näher und macht\nsie ohnfehlbar interessanter.\" Damit ist wohl je-\nder Zweifel entschieden. Hiller schrieb dies, wenn nicht\nschon für die leipziger Aufführung (1786 und 1787),\ndoch spätestens für die breslauer, die am 30. Mai 1788\nStatt fand. Mozart's Bearbeitung stammt aus den ersten\nMonaten des Jahres 1789 (Jahn, IV., 457). Wenn nun\n\n*) Scbwencke, dessen Ciavier-Auszug J8( 9 erschien, hat in un-\nserer Arie laut der Vorrede ..Mozart's einfache und be-\nscheidene Bearbeitung*' aufgenommen. Er bezieht das gewiss\nnicht sowohl auf die Instrumentirung, die er ja auch sonst be-\nnutzt hat, als vielmehr auf die innere Umgestaltung. Anderer-\nseits sieht man, dass schon fast seit dem Erscheinen der Par-\ntitur kein Zweifel an Mozart's Autorschaft bestand. Auch die\nAnzeigen in der Allg. Mus. Zeitung (1803) schweigen über\nHiller's Antheil."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.6", "texte": "Ililler die in der gedruckten Mozart'schen Partitur befind-\nliche Instrumentirung, die aus der angeführten Stelle augen-\nfällig wiederzuerkennen ist, schon mindestens ein, vielleicht\naucli mehrere Jahre vorher als die seinige beschreibt, so\nbleibt nur zweierlei übrig: entweder hat Mozart die Be-\narbeitung von Miller entlehnt— und das glaube, wer's im\nStande ist! —, oder sie ist in der gedruckten Partitur aus\nder Hiller'schen untergeschoben, und das wird wohl\nrichtig sein.\nEin Blick in M ozart's Manuscript ist mir unmöglich\ngewesen. Durch eine flüchtig gelesene Stelle bei Jahn (IV.,\n459) veranlasst, glaubte ich, es wäre auf der berliner Bi-\nbliothek; Herr l)r. 0. Lindner, der sich darum freund-\nlichst bemüht hat, belehrte mich über meine Täuschung.\nEs wird indess wohl aufzufinden sein, und wenn man be-\nachtet, was Jahn (459 und 60) über die Einrichtung und\nAusfüllung der von Mozart bearbeiteten lländel'schen Par-\ntituren angegeben hat, so muss ohne Schwierigkeit ent-\nschieden werden können, was in der fraglichen Arie von\nseiner eigenen Hand geschrieben ist. Ich bin aber über-\nzeugt, dass er sie gar nicht bearbeitet hat und dass sie\nbeim Drucke der Partitur eingeschoben wurde, weil man\nzwischen den beiden letzten Chören einen Ruhepunkt ver-\nmisste. Wer die Redaction des Druckes besorgt hat, weiss\nich nicht; aber erscheint mir, dass Hiller\nerst ein Jahr (im Juni 1804) nach der Herausgabe ge-\nstorben ist. Wäre die Arie ohne sein Vorwissen aufgenom-\nmen worden, sollte er dann gar nichts haben verlauten\nlassen? War er vielleicht selbst der Redacteur?\nSchliesslich noch eine Bemerkung. Jahn (IV., 463)\ntheilt nach Niemtschek einen Brief van Swietens an Mo-\nzart mit, in welchem davon die Rede ist, den Text einer\n,kalten\" Arie in ein Recitativ zu bringen. Die Arie ist\nnicht genauer bezeichnet. Bedenkt man, dass dieser Brief\nvom 21. März 1789 datirt ist und dass die Aufführung\nder Messias-Bearbeitung noch in demselben\nMonate (Jahn, 457), also spätestens 8 —lO Tage nach\njener Correspondenz Statt fand, so ist die „kalte\" Arie\nsicherlich eine der letzten des Oratoriums gewesen, und\nvan Swietens' Prädikat sammt den Umständen passt dann\naul keine besser, als auf die unsrige. Meine Meinung, dass\nMozart sie gar nicht bearbeitet hat, erhielte dadurch noch\neine Stütze, und es ist wohl möglich, dass sich in seinem\nManuscripte das erwähnte Recitativ in der Thal vorfindet.\nMögen das die feststellen, die Gelegenheit dazu haben.\nDer Verlust, den Mozart's Messias durch den Ausfall der\nArie erleidet, wird den Meisten erträglich sein. Das Stück\ngehört gewiss nicht zu denen, die man besonders gern\nhört, und bleibt bei Aufführungen des Oratoriums ge-\nwöhnlich weg. Aber eben weil die Bearbeitung eine ver-\nfehlte ist, war es wohl recht, Mozart nicht länger für ITil-\nler's Schuld verantwortlich erscheinen zu lassen.\nBreslau, Ende December 1861.\n\nTages- und Unterhaltungs-Batt.\nMolsi. A m ]. Februar spielten die Wunderkinder August\nund Emil Sauret aus Paris, August 8 Jahre alt, Violinist, Emil\n9 Jahre alt, Pianist, in der Musicalischen Gesellschaft und Ernteten\ndurch ihr ungemein hervorstechendes Talent und eine für ihr Alter\nsehr weit ausgebildete Technik den lebhaftesten Beifall des sehr\nzahlreichen Auditoriums. Mehr noch als die Technik muss die Rein-\nheit des Tones und der melodische Vortrag des kleinen Violinspie-\nlers auffallen; er besitzt ein ganz ausnahmsweise scharfes Ohr und\nverbesserte die Mängel einer nicht vorzüglichen und schlecht in\nStimmung zu haltenden Quinte durch sein Greifen, so dass dennoch\nsein Spiel auch auf dieser Saite ganz rein blieb, was namentlich\nHerrn Monasterio, der den Kleinen genau beobachtete, ganz beson-\nders für ihn einnahm. Auch der Ciavierspieler bat einen netten An-\nschlag und besitzt bereits eine recht artige Fertigkeit. Dabei sehen\ndie Knaben sehr gesund und frisch aus und verkümmern dem Zu-\nhörer n;cht die Freude an ihren Leistungen durch den Eindruck der\nmatten Farbe von Treibhauspflanzen.\nAm Dinstag den 4. Februir hörten wir in der vierten Soi-\nree für Kammermusik das Violin-Quartett Nr. 2 in E-moll von\nOp. 44 von Mendelssohn und das geist- und gemüthvolle Quar-\ntett, ebenfalls in E-moll, Nr. 2 von Op. 59 von Beethoven, wel-\nches von den Herren von Königslöw, Derckum, Grunwald und\nSchmitt ganz ausgezeichnet schön vorgetragen wurde und wieder-\nholten Applaus hervorrief. Das Quartett von Mendelssohn wurde\nebenfalls vorzüglich wiedergegeben, machte aber dennoch keinen be-\ndeutenden Eindruck auf das Publicum. Durch den Vortrag seines\nClav i er-Trio1 s Nr. 2, Op. 20, in Es-dur ärntete Herr Wolde-\nma r Bargiel grosse Anerkennung seines Compositions-Talentes,\ndas auch in diesem Werke überall durch die breite Anlage und den\nErnst der Motive eine nach der Höhe der Kunst strebende Richtung\noffenbart, welche sehr achtungswerth ist, wenn sie auch noch nicht\nimmer ihr Ziel erreicht Am Schlüsse des Abends erfreute uns Fräu-\nlein Bertha Eichberg aus Stuttgart, die bereits in Nr. 5 dieses\nBlattes von Bremen aus rühmlich erwähnt ist, durch ihr recht hüb-\nsches Harfenspiel. Die Vocal-Partie füllte Fräulein Genast durch\nden Vortrag von je zwei Liedern von Franz und Mendelssohn,\n■ +»\nvon Schubert und Schumann auf interessante Weise aus.\nAm Mittwoch hatte der städtische Gesangverein unter\nder Direction des Herrn Fer d. Breun ung eine öffentliche Ver-\nsammlung vor einem eingeladenen Publicum veranstaltet. Zur Auf-\nführung kamen Schumann's .:Der Rose Pilgerfahrt\", Mendels-\nsohn's Ave Maria für Tenor-Solo und achtstimmigen Chor, Terzett\naus Jute dies von Cherubini und J. S. Bac h' s Cantate für Soli\n(Tenor und Alt): „Ein1 feste Burg ist unser Gott\". Die Chöre gin-\ngen in allen diesen Musikstücken recht gut und klangen sehr rein\nund frisch, nur war bei doppelstimmigen Sopranstellen der zweite\nSopran nicht verhältnissmässig stark genug besetzt. Wann wer-\nden die verehrten Da<xen einsehen, dass es schwieriger folglich\nehrenvoller ist, im Chor den zweiten Rang eben so würdig\nwie den ersten zu vertreten? Erfreulich war es, dass auch die Solo-\nPartieen mit Ausnahme von zweien (Fräulein Genast und Herr\nKoch) durch Vereins-Mitglieder ausgeführt wurden. Bei Schumann's\nGesangstück, das trotz recht vielem Schönen in einzelnen Nummern\ndoch im Ganzen an sentimentaler Monotonie leidet, machte sich die\nClavier-Begleitung recht gut, da es ursprünglich dafür geschrieben"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.7", "texte": "ist. Bei Bach'ö Cantatc hingegen kann der Flügel das Orchester\nnicht ersetzen; so viel uns erinnerlich, ist diese gewaltige Cantate\nhier noch nicht gehört worden, und der Verein verdient desshalb\nDank, sie uns vorgeführt zu haben. Der Eindruck dürfte aber ein\nganz anderer sein, wenn ausser der Orgel ein stark besetztes Geigen-\nQuartett dazu träte; in dem Gürzenichsaale möchten dann auch im-\nmerhin die Männerstimmen ihr: „Und wer.n die Welt voll Teufel\nwär'\", mit derjenigen Begeisterung und Ki'aftäusserung los lassen,\nwelche in dem Locale des Vereins etwas zu stentorisch wirkte. Das\nAve Maria von Mendelssohn wurde sehr gut gesungen, im Ganzen\nmit schönem und klarem Verhältniss der acht Stimmen.\nISoaüsi. Das dritte Abonnements-Concert (am 30. Ja-\nnuar) eröffnete mit Mozart1 s 6r-77ioZ£-Sinfonie, welche unter der\neinsichtigen und sicheren Leitung des Herrn Musik-Directors Bram-\nbach eine recht gelungene war. Fräulein Schreck, die wir lange\nnicht gehört hatten, bekundete durch den trefflichen Vortrag der\nArie; Ah rendimi qicel cuore, von II os s i und der Partie der He-\nlo'ise in F. Hille r' s „Klagegesang am Grabe Abälard's\" von\nNeuem, dass die Seltenheit ihres Auftretens in der letzten Zeit ein\nwahrer Verlust für die rheinländischen Concerte ist. Eine solche\nStimme sollte nicht feiern oder man sollte sie nicht feiern lassen; denn\nwo ist der Ersatz für ihren schönen, vollen Klang? Der Damen-\nchor sang in demselben Stücke von Hiller recht frisch und rein,\nwenn auch die Nuancirungen des Vortrags hier und da etwas feiner\nhätten sein können. Ganz befriedigend war die Leistung des Ge-\nsammtehors in Beethoven's „Ruinen von Athen\", namentlich in\ndem prächtigen Chor: „Schmückt die Altäreu. Ein Glanzpunkt des\nAbends waren die Violin-Vorlräge des Herrn August Kömpel,\nwelcher „Variationen über ein Mozart'sches Thema\" von David\nund .Spohlas „Gesangscene\" mit bekannter Meisterschaft spielte\nund Spohr's Composition durch den wunderschönen Ton und den\nmelodischen Ausdruck wahrhaft zu dem machte, was ihre Ueber-\nschrift sagt. Und die Aufgabe war dieses Mal für den Künstler um\n»o schwieriger, als die warme Temperatur des Saales selbst die Zu-\nhörer drückte, geschweige denn die Spieler.\nC'i*©jSelcl? 22. Januar. Gestern Abends hat unser kunstlieben-\ndes Publicum durch sein überaus zahlreiches Erscheinen beim Con-\ncerte des Singvereins, welches zum Benefiz seines Dirigenten\nim Saale des Hotel de la redoute gegeben wurde, in deutlichster\nWeise gezeigt, dass es die Verdienste des Herrn Musik-Directors\nHermann Wolff in vollem Maasse zu würdigen weiss. Der grosse\nSaal war dicht besetzt bis zum anschiessenden Räume. Kein Wun-\nder also, dass unter solchen Umständen Sängerinnen, Sänger und\nOrchester mit Lust und Eifer an die Lösung ihrer Aufgabe gingen.\nDas Programm brachte eine Wiederholung der im dritten Abonne-\nnients-Concerte mit Beifall aufgenommenen Ouvertüre zu „Manfred\"\nvon Schumann, ein Duett für Sopran und Bariion aus Spohr's\n„Faust\", die Romanze für Violine von Beethoven, von einem\ndreizehnjährigen kleinen crefelder Virtuosen recht artig gespielt,\nLieder für Bariton (Herr Paul Schmidt aus Aachen), das Vor-\nspiel zu „Hans Heiling\" von Marschner (Königin: Fräulein\nBüschgens) und Beethoven's C-wioZZ-Sinfonie, deren Auffassung\nund Leitung durch den Dirigenten und deren Ausführung durch das\nOrchester lobenswerth war.\nAlfred Ja eil hat in den letzten Tagen des December vorigen\nund im Januar dieses Jahres in Hannover, Kassel und Mei-\nningen in Hof-Concerten und im Theater gespielt. Se. Hoheit der\nHerzog von Meiningen hat ihn am 23. Januar durch die Ver-\nleihung der grossen goldenen Medaille, welche dem Haus-\nOrden affiliirt ist, ausgezeichnet. Am 29. v. Mts. gab er in Mainz\nein glänzendes Conccrt und wird in den ersten Wochen des FeLrua\nin Aachen und Hamburg spielen. Er führt jetzt einen pracht-\nvollen Flügel von Erard mit sich, der überall Sensation erregt.\nAus dem literarischen Nachlasse des verewigten Ilof-\nrathes Teichmann wird eine Geschichte des königlichen Theaters\nin Berlin vorbereitet. Teichmann, länger als fünfzig Jahre in dem\nBureau der General-Intendantur unter dem Grafen Brühl, Grafen\nRedern, Herrn von Küstner und Kammerherrn von Hülsen wirksam,\nerfreute sich noch der persönlichen Bekanntschaft Göthe's und stand\nmit den ersten Dichtern seiner Zeit in brieflichem Verkehr.\nSe. Majestät der König geruhte dem Musik-Director Gebhard!\nin Erfurt, dem Hof-Virtuosen von Bülow, den Dichtern G. zu\nPutlitz und Auerbach den Rothen Adler-Orden zu verleihen.\nDie Aufführung, des Oratoriums „Abraham\" von M. Blumner\ndas bereits vor zwei Jahren hier zwei Mal, auch im vorigen Jahre\nin Prag mit Erfolg gegeben worden, geschah unter Mitwirkung des\nk. Hof-Opernsängers Herrn Krause durch die Mitglieder der Sing-\nAkademie, deren Vice-Director der Componist ist; das an schönen\nEinzelheiten reiche Werk fand wiederum eine günstige Aufnahme\nDer Violin-Virtuose Herr Jean Becker aus Mannheim trat in\nden Zwischenacten im Friedrich-Willi-Theater auf. Die Schönheit\ndes Tones und die musterhafte Sauberkeit der Technik bei vollende-\nter Correctheit sind zu rühmen. Im Vortrage von Paganini's Varia-\ntionen über Nel cor jpxu rion ml sento leistete er in den Passagen\nAccoiden, llageolet, Flautando, Pizzicato, Spiel mit springendem Bo-\ngen und im jähen Wechsel aller dieser Manieren Vorzügliches. Sein\nTon lässt jedoch die äussersten Grade der Kraft vermissen, und da-\nmit hängt es wohl zusammen, dass er auch im Vortrage mehr dem\nZarten und Gefühlvollen, als dem Feurigen, männlich Energischen\nzugeneigt ist; er liebt es, die getragenen Melodieen etwas zu retar-\ndiren, auf einzelnen schmelzenden Tönen lange zu verweilen in ein\nnicht enden wollendes Piano sich zu verlieren, kurz, er versteht es\nbesser, ein weiches Fiauenherz zu rühren, als durch einen energi-\nschen Angriff, wie z. B. Joachim, Männer zur Begeisterung hinzu-\nreissen.\nDie neue einactige Operette „Der Musik feind\" von Rieh. Ge-\nnee fährt fort, beifällige Aufnahme zu finden. Die einzelnen Num-\nmern werden beklatscht und das Duett da capo verlangt. Das Sujet\nist possenhafter Natur und gewährt doch dem Componisten eiim\nReihe dankbarer Situationen.\nWeimar. Musik-Director Götze starb am 5. December vor.\nJahres, 71 Jahre alt. Seine letzte Arbeit war das Clavier-Arrange-\nment von Wagner's Isolde.\nEckert' s Oper „Wilhelm von Oranien\" wird in Weimar zur\nAufführung vorbereitet.\nRichard Wagner arbeitet an einer deutschen Oper, die den\nTitel „Hans Sachs\" führen wird.\nGrOtlisi. Am 10. Januar begann die Theater-Saison mit Shake-\nspcare's „Was ihr wollt\". Es folgte zum ersten Male die Oper .Dio\nJungfrau von Orleans\", Text von Reiss, Musik von A. Lan-\nger aus Coburg. Ausser zwei wirksamen Aktschlüssen hat der Dich-\nter die schönsten dramatischen Momente versäumt und Längen ge-\nschaffen, z. B. in der Kerkerscene des vierten Actes, die selbst die\ntüchtige Composition nicht zu decken vermag. Wenn sich der Com-\nponist zu grösserer Selbstständigkeit erhebt, die Erinnerungen an\nMeyerbecr und Wagner meidet, so ist von dem noch jungen Manne\nviel zu erwarten. Die Johanna d'Arc wurde durch Frau Sämann de\nPaez aufs beste durchgeführt; ihre Stimme verbindet bei bedeuten-\ndem Umfange Wohlklang mit Egalität der Register; die Partie ver-\nlangt die grösste Ausdauer, dramatische* Feuer und dramatischen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620208-01.1.8", "texte": "Ausdruck, welchen Anforderungen die Künstlerin so gerecht wurde,\ndass Beifall und Hervorruf ihr zu Tlicil wurden. Vortrefflich war\nFräulein Garthe; die Herren Carlschulz, Reer, Hartmann und Abt\nwirkten nach Kräften. Im Ballet zeichnete sich eine Schülerin der\nMadame Brue, Fräulein Valesca NemanofF, aus.\nDas dreizehnte Gewandhaus-Concert in Leipzig fand am 23.\nJanuar mit folgendem Programm Statt: Erster Theil: Concert-Ouver-\nture in A-dur von Jul. Kietz; Arie aus „Jessonda\" Von Spohr, ge-\nsungen von Frau Caggiati Tettelbach, königlich hannoversche Hof-\nOpernsängerin; Concert für Pianoforte in G-dur von Beethoven, vor-\ngetragen von Herrn Ehrlich aus Frankfurt am Main ; Arie aus der\n„Entführung\" von Mozart, gesungen von Frau Caggiati-Tettelbach;\nSolostücke für das Pianoforte, vorgetragen von Herrn Ehrlich. Zwei-\nter Theil: Sinfonie Nr. 3, Es-dur} vou R. Schumann.\nifluHelten• Im königlichen Hoftheater landen im verflossenen\nJahre 314 Vorstellungen Statt, 233 im k. Hoftheater und 81 im\nResidenztheater, und zwar 249 Schauspiele, 140 Opern und Sing-\nspiele und 32 Ballets und Divertissements. Zum ersten Male wurden\ngegeben 37 Stücke, 20 im Schauspiel, 8 in der Oper und 3 im\nBallet; neu einstudirt 18 Stücke, davon 9 im Schauspiel, 5 in der\nOper und 4 im Ballet. Nur bei Einer Vorstellung war aufgehobenes\nAbonnement. Schiller wurde 16 Mal, Shakespeare 1U und Göthe 8\nMal gegeben; in der Oper Meyerbeer 12, Weber 9, Gluck und Boiel-\ndieu je Donizetti und Flotow je 7, Mozart 6, Wagner 5 Mal.\nIm Schauspiel gastirten 11, in der Oper 5 und im Ballet 4 fremde\nKünstler und Künstlerinnen.\nDas „Tagebuch des königlich sächsischen Hoftheaters vom Jahre\n1861 zählt 339 Vorstellungen auf. Zum ersten Male wurden 24\nWerke aufgeführt, nämlich 4 Opern und Singspiele, 7 Dramen und\nSchauspiele, 11 Lustspiele und 2 Ballets; neu einstudirt gingen 22\nWerke in Scene, nämlich 9 Opern und Singspiele, 7 Dramen und\nSchauspiele, 5 Lustspiele und 1 Ballet. Ausser den italiänischen\nOpern-Vorstellungen fanden 30 Gastspiele und Debüts Statt. Das\nHoftheater beschäftigte circa 370 Personen; von diesen gehören 180\ndem Schauspiel, der Oper und dem Ballet an, 90 der Capelle und\n](JO dem Beamten-, Officianten-, Diener- und Arbeiter-Personale.\nNeu engagirt wurden in dem gedachten Zeiträume 22 Mitglieder.\nselileswag« Cantor Bellmann, Componist des „Schleswig-\nHolstein\", starb, 86 Jahre alt, am 26. December vor. Jahres.\nf Aaßislei'aSanaa. Das jährliche Musikfest des St.-Vincenz-\nVereins hat am 23. Januar unter der Leitung des Musik-Directors\nlleinse Statt gefunden. Compositionen von holländischen Tonkünst-\nlern, ein Psalm von Verhülst und eine Cantate von Franz Coe-\nnen bildeten die erste Abtheilung; die zweite füllte Beethoven's\n..Christus am Oelberg\". bie Ausführung war im Allgemeinen recht\ngut, Chor und Orchester lös'ten recht wacker ihre Aufgabe; auch\ndie Solisten verdienen ehrenvolle Erwähnung, besonders Frau Offer-\nmanns und Fräulein Matteau, eine ausgezeichnete Dilettantin von\nliier; auch der Tenor- und Bass-Partie waren die Vortragenden ge-\nwachsen.\nDer Psalm von Verhülst ist schwierig auszuführen und etwas\nlang, enthält aber viel Schönes: letzteres kann man weniger von\nder Cantate Coenen's sagen, welche zwar correct geschrieben ist,\naber kalt lässt und den Mangel an Originalität fühlbar macht.\nBeethoven's Oratorium hat, wie immer, das Publicum elektrisirt\nund den schönen Abend aufs würdigste beschlossen. Das ganze Con-\ncert machte dem Dirigenten, Herrn Heinse, grosse Ehre, der über-\nhaupt einer der gediegensten Künstler unserer Stadt ist.\nIm französischen Theater hat die Operngesellschaft aus dem\nHaag Gounod's „Faust~ buchstäblich ausgebeutet; übrigens hat\ndas Werk nichts mehr als einen Saccus d'estime gehabt.\nIn Felix Meritis haben der jugendliche Violinist Lotto und der\nPianist von Bülow grossen Erfolg gehabt. Bülow hatte den glück-\nlichen Gedanken, nichts Anderes als Beethoven und ein Concert\nvon Henselt zu spielen; zum Ersatz wird der eifrige Apostel\nLiszt's & Comp, uns (oder sich) im dritten Concerte van Bree's eine\nglänzende Revanche geben: Prometheus, eine der famosen sympho-\nnischen Dichtungen, ein Capriccio und einen Marsch von Liszt, ohne\ndie Ouvertüre zum Tannhä iser zu rechnen — das alles an Einem\nAbende. Glücklich diejenigen, die ein solches, in den musicalischen\nAnnalen Hollands bis jetzt unerhörtes Programm aushalten können !\nXiOlfttloift« Der berühmte Ciavierbauer Broadwood ist ge-\nstorben und soll mehrere Millionen hinterlassen haben."}]}