{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-03-29-01", "volume": "bmtnabi_1862-03-29_01", "ocr_sha256": "53fab768deeb40774e0b9e9c1ae9ffb30a1b8cab99e82897fdaf3861f78a7986", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/03/29_01/bmtnabi_1862-03-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-03-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-03-29_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-03-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 457, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe. 111. (Concerte im Conservatoire im öirque NapoMon Classische Vocalmusik Gustav Satter\n*— August Dupont). Von B. P. Aus Frankfurt am Main (Der philharmonische Verein). Von A. S. Aus Bremen (Reinthaler's\nSinfonie Die Privat-Concerte Sinfonie-Concerte Engel's Singverein u. s. w.). Von Wl. Die akademischen Concerte in Göttin-\ngen. Tages- und Unterhaltungsblatt (Königsberg, Auszeichnung Mainz, Benefiz-Vorstellung Leipzig, Gastspiele)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-03-29-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-03-29_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-03-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "100", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.1", "debut_caractere": 459, "fin_caractere_exclue": 4098, "texte": "Pariser Briefe.\n\nIII.\n[Concerte im Conservatoire — im Cirque Napoleon —\nClassische Vocalmusik — Gustav Satter — August\nD u p o n t.]\nDie Concert-Gesellschaft des Conservatoires\nhat am 12. Januar die Reihe ihrer Concerte wieder er-\nöffnet. Cherubini's Ouvertüre zu Anakreon wurde wieder-\nholt appiaudirt. Eine Art Neuigkeit war ein Frauenchor\nmit Sopran-Solo aus der Gelegenheits-Oper „Pharamund\"\nvon Boieldieu; es musste wiederholt werden. Auf die mei-\nsterhaft gespielte il-dW-Sinfonie von Beethoven folgte der\nChor dee Gefangenen aus Fidelio; Weber's Euryanthe-\nOuverture schloss. Herr Tilmant, welcher seit Girard's\nTode die Concerte leitet, ist ein ausgezeichneter Dirigent.\nIm zweiten Concerte spielte Theodor Ritter das\nG-dur-Concert von Beethoven mit grossem Beifall, in den\nich aber nur theilweise einstimmen kann. Was würde man\nsagen, wenn in diesem Tempel der Classicität und Gewis-\nsenhaftigkeit der Ausführung der Dirigent in einer Beet-\nhoven'schen Sinfonie dem Orchester oder auch nur Einem\nInstrumente desselben eigenmächtige Aenderungen zumu-\nthete? Weiss denn Herr Ritter nicht, dass die Clavier-\nConcerte Beethoven's ebenfalls Sinfonieen sind, und dass\ndie Solostimme nicht wie in einem Bravourstücke, das nur\nfür glänzende Technik geschrieben ist, behandelt werden\ndarf? Der junge Künstler macht das Staccato sehr gut;\nes ist seine Stärke, allein sie gehört nicht in das G-dur-\nConcert; da verslösst der hämmernde Anschlag—das be-\nliebte „martele\"—eben so gegen den reinen Geschmack,\nwie der springende Bogen in den classischen Violinsachen.\nWenn man ihn im Saale und auf dem Orchester unge-\nwöhnlich laut applaudirte und hervorrief, so gönne ich\nihm gern diesen Erfolg; mir aber war derselbe ein neuer\nBeweis, dass selbst dieses gewählte französische Publicum\nzwar für die technische Ausführung ein sehr feines Ge-\nfühl, für die Auffassung und die gediegene Reproduction\neines classischen Solostückes im Geiste der Composition\naber keinen richtigen Maassstab hat. Allerdings hat ein\nBerichterstatter (in der France musicale) wohl die Aende-\nrungen im Text bemerkt, aber wenn er sie\ningenieuses eifavor alles an\nnennt, so bezeichnet er damit auch einen Standpunkt, der\nsich über den des Publicums nicht erhebt. Ein liebens-\nwürdiger, schon bejahrter Sperrsitz-Inhaber, den ich bloss\naus den Couloirs kenne, wo ich fast jedes Mal mit ihm zu-\nsammentreffe, fragte mich: „E\nMr. Ritter?\"Hess mich aber gar nicht zur Antwort kom-\nmen, weil er wahrscheinlich voraussetzte, dass ich in die\nallgemeinen Bravo's einstimmen würde, sondern setzte\ngleich emphatisch hinzu: „Ah, aviez\ndelssohn le 18 mars 1832! C'etait Beethoven rajeuni\nIm dritten Concerte trugen Mozart's Sinfonie in\ndur und die Scenen aus dem ersten Acte von Gluck's Iphi-\ngenie auf Tauris den lautesten Beifall davon. Beethoven's\nOuvertüre in E-dur zu Fidelio wurde mangelhaft ausge-\nführt und das Benedietus aus seiner Z)-rfo<r-Messe der-\nmaassen schlecht gesungen, dass es eine wahre Schande\nwar und jeden Kenner dieser erhabenen Composition em-\npören musste. Aber wo sind hier die Kenner derselben?\nNirgends. Das ist nichts für die Franzosen, das Benedietus\nist ihnen zu lang, zu wenig apostolisch (!), zu überladen,\nund die ganze Messe une compo Alard\nspielte „das schwierige und undankbare\" Violin-Solo;\naus solchen Ausdrücken guckt recht die eigentliche Phy-\nsiognomie der französischen Kritik heraus; ihr gewöhn-\nliches Gesicht ist Maske.\nDas vierte Concert begann mit Beethoven's D-dur-\nSinfonie und schloss mit Weber's Freischülz-Ouverture\nbeide vortrefflich gespielt. Zu loben ist Tilmant's Sorg-\nfalt für die Festhaltung an den gemässigten Tempo's, wo-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5387, "texte": "für ihn ein hiesiges Bialt dadurch belohnt, dass es ihn er-\nsucht, „gegen das bedauernswürdige Streben nach Lang-\nsamkeit der Tempo's auf seiner Hut zu sein\"!—Nach der\nSinfonie folgte eine doppelchörige Motette a von\nBach (Sebastian oder Friedemann? Ich glaube, von Letz-\nterem); es ist wohl eine von den achtstimmigen Motetten\nmit lateinischem Text, welche in einer alten Sammlung\nbei Breitkopf gedruckt erschienen sind. Der Chor des Con-\nservatoires wetzte die Scharte vom vorigen Concerte eini-\nger Maassen aus, sowohl in der Motette, als in den „Rui-\nnen von Athen\" immer bleibt er jedoch die schwache\nSeite des Instituts. Hört man einen Chorgesang in Aachen\noder in Köln, so glaubt man sich unter Sänger von ganz\nanderer Organisation versetzt. Zwischen Bach's Motette\nund Beethoven's „Ruinen von Athen\" hörten wir d. h.\nwurden wir gepeinigt nun, wovon? Von einer unaus-\nstehlich flachen Flötendudelei,\nbetitelt, geschrieben und geblasen von H. Altes. Leider\nkommen in den Conservatoire-Concerten noch immer sol-\nche pudelnärrische Dinge vor! So nichtssagendes Flöten-\ngekräusel auf eine Motette von Bach! Sehr charakteristisch.\nDas fünfte Concert brachte die selten gehörte vierte\nSinfonie in B-dur von Beethoven zu Anfang und Mozart's\n(r-Wö//-Sinfonie zum Schluss—zwei Werke, in deren Aus-\nführung die eigentümliche Virtuosität des Conservatoire-\nOrchesters, d. h. die grösste Präcision, Einheit und Feinheit,\nin vollendetem Maasse glänzen kann und auch wirklich in\nhohem Grade glänzte. Diejenigen Sinfonieen Beethoven's,\nwelche mehr Pracht und Kraft als feine Schattirung er-\nfordern, wie die heroische und die fünfte, höre ich lieber\nvon dem Orchester der rheinischen Musikfeste. Im ersten\nAllegro der i?-e?wr-Sinfonie war bei der wunderbar schö-\nnen Rückkehr zum Haupt-Thema mit dem langen Pauken-\nwirbel der rasselnde Ton der hiesigen Pauken störend;\nauch die Klangfarbe der Hörner und Trompeten gehört\nnicht zu den schönsten. Das Geigen-Quartett nebst. Con-\ntrabässen bleibt immer der Haupt-Vorzug des Orchesters\nder Concert-Gesellschaft. Die VortrefFlichkeit desselben\nmacht denn auch das Kunststück der Gesammt-Ausfüh-\nrung des bekannten Andante von Haydn nicht bloss er-\nträglich, sondern immer wieder bewundernswerth. Men-\ndelssohn's doppelchöriger Psalm wurde vom Publicum\ngut aufgenommen; ein Fragment aus Händel's Messias\ndie kurze Sinfonia pastorale und darauf der Chor in G-\ndur: „Es ist uns ein Kind geboren\"— liess die Zuhörer\ndagegen kalt wie Eis. So unkünstlerisch es nun auch ist,\nzwei so aus allem Zusammenhang gerissene Brocken, noch\ndazu in verkehrter Folge, dem Publicum vorzusetzen, so\nlückenhaft auch das Orchester erschien, da weder eine\nOrgel, noch Mozart's Instrumentirung dabei war, so em-\npörend, aber charakteristisch ist es doch, wenn ein Kriti-\nker im Menesirel sagt: „Das Pastorale zeigt wenigstens\nden guten Willen einer Intention; der Chor, in dem ge-\nwöhnlichen Stil des Componisten geschrieben, dem Stil\njener Zeit (!), ist voll zerhackter Motive, Imitationen und\nExplosionen der Stimmen, aber ohne die geringste Spur\nvon Natürlichkeit und religiösem Gefühl.\" (!!)\nIch habe diese Concerte einmal ausführlicher bespro-\nchen, als sonst, weil ich sie immer noch in manchen deut-\nschen Blättern als das Ideal aller Concert-Institute und\naller Ausführung von Concertmusik gepriesen finde. Ich\nhoffe, dass aus den obigen Bemerkungen zur Genüge her-\nvorgeht, dass, bei aller Anerkennung grosser Vorzüge, sie\nheutzutage keineswegs auf den unbedingt höchsten Rang\nAnspruch machen können, den ihnen der traditionelle\nNimbus im Auslande noch verleiht.\nEin überaus, ja, unglaublich zahlreiches Publicum\nströmt jeden Sonntag um die Mittagsstunde nach dem\nCirque Napoleon,um dort die\nsique classiqae zu hören. Es ist in der That hier eben so\ninteressant, das Publicum zu beobachten, als die Musik\nanzuhören. Von Langerweile und Aeusserungen, wie ich\nsie von den hoch aristokratischen Besuchern des Opern-\nhauses zu berichten hatte, ist hier keine Spur, und doch\nsitzen da über 3000 Menschen aus allen Ständen, man\nspielt ihnen die längsten und ernstesten Meisterwerke deut-\nscher Musiker vor, und sie hören sie mit gespannter Auf-\nmerksamkeit an, sind von dem wirklich Schönen wahrhaft\nergriffen und zeichnen in der Regel nur dieses durch\nenthusiastischen Beifall aus. In jedem Concerte feiert der\nDirigent und Unternehmer dieser Concerte, Herr Pasde-\nloup, neue Triumphe; er versteht es, anziehende Pro-\ngramme zu machen, und wenn er der Menge auch hier\nund da ein brillantes Instrumental-Solo oder auch ein be-\nliebtes Stückchen aus einer Sinfonie oder anderen Werken\nals Lockspeise hinwirft, so gibt er ihr doch oft zwei ganze\nSinfonieen an Einem Morgen zu hören, und kein Mensch\nverlässt den Saal vor dem Schlüsse des Concertes, er\nmüsste es denn vor Ueberfüllung und Hitze nicht aushal-\nten können. So z. B. Mendelssohn's e und\nBeethoven's Pastorale; dazu noch eine Ouvertüre von Che-\nrubini, das halbe Sextett von Beethoven und Weber's\nEinladung zum Tanz, von Berlioz instrumentirt. Dann wie-\nder einmal Mozart's Jupiter-, Havdn's _£!s-rfwr-Sinfonie,\nWeber's Eurvanthe-Ouverlure u. s. w. Was sagst Du zu\nCherubini's Medea, Schumann's drei letzten Sätzen der\nFest-Ouverture von Ries? dazu Beetho-\nven's D-c?Mr-Sinfonie und noch zwei Sätze aus einer\nHaydn'schen. Ferner Mendelssohn's Musik zum Sommer-\nnachtstraum und Beethoven s Musik zu Göthe's Egmont"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5420, "texte": "beide vollständig und ohne verbindende Worte; in beiden\nwurde jeder Satz anhaltend applaudirt, von Mendelssohn\ndas Allegro appassionatound das Scherzo, von Beethoven\ndas Larghetto in Es stürmisch noch ein Mal verlangt. Von\nneueren Componisten wurde kürzlich die Sinfonie in F\nvon Gouvy und Berlioz's Carneval gegeben. Kurz, die\nConcerts populairessind eine der interessantesten Merk-\nwürdigkeiten des heutigen Paris.\nEin musicalisches Institut, das ich in meinen früheren\nBriefen noch nicht erwähnt habe, ist die Fonclation Beau-\nlieufür classische Vocalmusik. Von Beaulieu, einem\nvielseitig gebildeten Musiker und Componisten gegründet,\nwird diese Stiftung gegenwärtig die Feuerprobe hiesiger\nVereine, das dritte Jahr ihrer Existenz, wie es scheint,\nglücklich bestehen.\nSie ist auf den Gegensatz des Modegeschmacks unse-\nrer Zeit (d. h. in Paris) begründet. Bekanntlich bemüht\nman sich seit einigen Jahren und mit Becht, der herr-\nschend gewordenen Frivolität des Geschmacks an moder-\nnen Opern-Melodieen, Bolero's, Phantasieen, Transscrip-\ntionen und der ganzen Potpourri- und Tanzrhythmen-Li-\nteratur des Tages eine Reaction entgegen zu stellen durch\nRückkehr zu den alten Archiven der Tonkunst, aus denen\nman vergrabene Schätze hervorholt und sie zum Besten\nder Kunst für das grössere Publicum ausprägt. Die Münze\nkam schneller und ausgebreiteter in Umlauf, als man er-\nwarten konnte, und ihr Cours steht heutzutage al pari\nmit den modernen Papieren. Das Spasshafte bei der Sache\nist, dass dieser Stand der wirkliche Ausdruck der Stim-\nmung an der Börse der Musikwelt ist, nicht nur in so fern,\nals zwei Parteien sich die Wage halten, sondern als der\ngrösste Theil der Classiker zu gleicher Zeit heimlich und\nöffentlich auch gern in modernen „Effecten\" speculirt.\nDas Gute dabei ist, dass dem gebildeten Publicum doch\nnach und nach der Zweifel an der Unfehlbarkeit des Fort-\nschrittes beigebracht wird. Die Unternehmer und Beför-\nderer des Alten müssen wir aber vor Ueberschätzung ihrer\nQuellen warnen, damit sie stets aus dem reinen Born des\nSchönen schöpfen, nicht aus trüben, abgestandenen Was-\nsern, welche durch nichts wieder in Fluss zu bringen sind.\nIn dem Concert am 11. März verschaffte der Vortrag\nund der Ruf der Sängerin Madame Viardot einer Arie aus\nMozart's Idomeneo und einer anderen aus der Oper Alcina\nvon Händel grossen Applaus. Man hörte ferner ein Ter-\nzett aus HändePs Acis und Galatea, einen Chor von Mehul\nzu der Tragödie Timoleon und noch einige Nummern aus\nIdomeneo. Etwas hier ganz Unbekanntes und Schönes wa-\nren zwei Chöre a capellavon Vittoria und Giovanni Croce,\nwelche, wenn ich mich nicht irre, aus der Sammlung der\nMusicci scicrades berliner Dom-Chors (bei Schlesinger er-\nschienen) genommnn waren. Dass man Spontini und Men-\ndelssohn auch zu den Alten rechnet, bewies der Chor der\nCyklopen aus der Oper Alcidor wobei aber die gestimm-\nten Ambose fehlten!) und einige Chöre aus dem Orato-\nrium Paulus. Die Ausführung aller dieser Sachen war im\nGanzen recht gut; das Orchester wird von Deloffre, der\nChor von Marie dirigirt.\nUeber die Masse von Matineen und Soireen für Kam-\nmermusik zu berichten, fühle ich mich nicht im Stande,\nda meine Zeit mir nicht erlaubte, sie regelmässig zu be-\nsuchen, was in gewissen Monaten einen ausschliesslichen\nBeruf ausmachen würde. Dass man in diesen Sitzungen\nhiesiger Künstler das Beste von der pariser Musik hört,\nist immer noch wahr. Von fremden Künstlern sind Gu-\nstav Satter und August Dupont in dieser Saison zu\nnennen. Satter, so viel ich weiss, aus Wien, zuletzt in\nAmerica gereis't, besitzt eine Meisterschaft in der Clavier-\nschlägerei, welche die Faust so voll Tasten packt, dass\nkein Platz für den Anschlag der Finger mehr da ist. In\neiner zweiten Soiree liess er sich herab —er gehört näm-\nlich zu denen, die da überzeugt sind, dass sie allein dem\nPublicum für den ganzen Abend genügen und dass kein\nAnderer ihnen ebenbürtig ist—, einige melodische Sachen\nzu spielen; am Ende aber brachte er doch wieder eigene\nCompositionen vor, die eben so, wie Tausende derselben\nArt, den Beweis lieferten, dass der musicalische Gedanke\nNebensache ist und nur die Form und das technische Fut-\nter für die Finger die Hauptsache sind.\nAnders ist es mit August Du pont aus Brüssel. Die\nLeser der Niederrheinischen Musik-Zeitung kennen ihn\nschon aus den Berichten über sein Auftreten in Köln und\nanderen Hauptstädten auf seiner Kunstreise durch Deutsch-\nland. Hier war er neu; aber aus dem Meere von Pianisten\ntauchte er wie ein herrschender Neptun hervor, der das\nZeug dazu hat, den windigen Bebellen ein zu-\nzurufen, vor dem sie sich in ihre Höhlen, in ihre Salons,\nwollt' ich sagen, flüchten müssen. Sein Spiel und seine\nCompositionen haben hier ein Aufsehen erregt, wie es\nlange nicht einem fremden Künstler zu Theil geworden\nist. In den Dingen, wo die technische Virtuosität zur Gel-\ntung kommt, zeichnet sich Dupont bei derselben Beherr-\nschung enormer Schwierigkeiten dadurch vor anderen Ge-\nnossen aus, dass er niemals der brillanten oder stürmen-\nden Ausführung des Mechanischen auch nur das kleinste\nOpfer der Melodie und des Rhythmus bringt; der Zuhörer\nwird durch sein Spiel nicht in einen Strudel von Passagen\nhineingerissen, worin er sich am Ende gar nicht mehr zu\norientiren vermag und nur staunt, sondern er verliert da-\nbei niemals den Faden des musicalischen Gedankens, der\n» 7\ndem Ganzen zum Grunde liegt. Natürlich spielt er auch\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1375, "texte": "nur Sachen, in denen musicalische Gedanken sind. Als\nComponist bat er hier die Gunst der bedeutendsten Stim-\nmen der Kritik erworben. Er spielte das\nniqiie und Variationen mit Orchester in seinem ersten Con-\ncerte im Herz'schen Saale, im zweiten bei Erard ein 1 rio\nin G-moll,Variationen ernsten Stils und ein paar Bravour-\nstücke; eröffnet wurde es durch ein Violin-Quartett in\nEs-dur, ebenfalls von seiner Composition, welches der\nQuartett-Verein Armingaud und Genossen sehr gut aus-\nführten. Alle diese Arbeiten bekundeten ein gediegenes\nWissen und eine blühende Phantasie und fanden durch-\ni\nweg eine glänzende Aufnahme. H. Berlioz fasst sein Ur-\ntheil in folgenden Worten zusammen: „Als Componist hat\nAugust Dupont Anspruch auf die höchste Anerkennung\nder Kenner. Sein Stil ist kräftig und gedrängt, die Form\nhat prächtige Fülle, seine Harmonie ist klar und klang-\n\\oll, seine Melodie stets edel. Er instrumentirt vortrefflich,\nvielleicht hier und da mit zu vielem Blech. Das symphoni-\nsche Concert und die Variationen mit Orchester sind\nWerke von grossem Werthe; sie haben einen gewaltigen\nEindruck auf mich gemacht. Warum soll ich es nicht frei\nheraus sagen? Es sind Dinge darin, welche die grössten\nMeister für einen glücklichen Fund halten würden, wenn\nsie ihnen einfielen, bewundernswerthe Dinge, welche man\num so mehr bewundern wird, je öfter man sie hört.\"\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-03-29-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-03-29_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-03-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "101", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.4", "debut_caractere": 1377, "fin_caractere_exclue": 5268, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nDer philharmonische Verein hat in seinem vier-\nten Concerte am 20. d. Mts. einen so erfreulichen Beweis\neines endlichen Fortschrittes gegeben, dass auch in die-\nsen Blättern davon Notiz genommen werden soll. Es war\neinmal eine von Männern ausgeführte Concert-Leistung,\nkeine Semestrai-Prüfung einer Musikschule, wie sonst im-\nmer zu hören gewesen. Seit vollen dreissig Jahren beste-\nhend, befand sich dieser Verein in Folge verschiedener\nWechselfälle mit theils ungeschickten, theils nachlässigen\nDirigenten immer auf der Stufe jugendlicher Unschuld und\nUnerfahrenheit, bis im Herbste 1860 Herr H. Henkel\nzum belebenden Princip erwählt worden. Erst von da ab\nhat der Verein ein wirklich neues Leben begonnen, zu-\ngleich die licht gewordenen Reihen seiner Mitglieder mit\nfrischen Kräften ausgefüllt, demnach er wie neu gegründet\nerscheint. Henkel's Fleiss und Directions-Talent werden\ndie Dinge zu Aller Nutzen und Frommen weiter fördern,\nunter der wohl zu beachtenden Nebenbedingung jedoch,\nwenn man ablässt, nach Art armer Leute aus der Hand\nin den Mund zu leben. Wenn sich eine Gesellschaft, aus\nDilettanten bestehend, nicht durch Beiträge der Mitglieder\ndie Existenz wenigstens so lange zu sichern vermag, bis\nsie den Schulstaub von den Schuhen geschüttelt, mit einem\ngewissen Grade künstlerischer Ausbildung vor das Publi-\ncum zu treten im Stande ist; wenn sich ein solcher Verein\nausschliesslich mit Einübung von Werken beschäftigt, die\nschon auf dem nächsten Concert-Programm figuriren sol-\nlen, der wird selbst mit dem besten Dirigenten nur sehr\ngeringe Fortschritte machen. Es muss viel und Vieles ge-\nlernt, überwunden sein, wovon nur ein Theil vor die Oef-\nfentlichkeit gebracht werden kann. Ist es doch bei den\nmeisten menschlichen Bestrebungen derselbe Fall.\nDer Verein hatte für dieses Concert den grossen neuen\nSaal gewählt und den berühmten Sänger Stock hausen\nzur Mitwirkung eingeladen. An Instrumentalwerken ka-\nmen zur Aufführung: Beethoven's Ouvertüre zu den Rui-\nnen von Athen, die Sinfonie in Op. 83, von Haydn,\nOuvertüre zu Ruy Blas von Mendelssohn und Mozart's\nPianoforte-Quintett mit Blas-Instrumenten. Unter den drei\nOrchesterwerken verdient die Ausführung der Sinfonie das\nmeiste Lob, weil die Aufgabe hierbei, die Partitur in allen\nStimmen mit gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen, um\ndas wunderbar zusammengefügte Getriebe auch mit dem\nkleinsten etwa verrückten Zeittheilchen nicht zu stören,\nvon allen Spielern vortrefflich gelös't wurde. Ein Aufwand\nvon technischen Schwierigkeiten ist hierin nicht zu finden,\ndesto grösser ist die Summe von feinen Zügen besonderer,\noft überraschender Art, wie solche nur Vater Haydn eigen-\ntümlich sind. 0, welch einen Schatz künstlerischer Weis-\nheit birgt nicht diese Sinfonie! Die Tempo's aller Sätze\nentsprachen dem Inhalt aufs beste, daher von dem in die-\nsem Saale so häufig vorkommenden Eilen des Orchesters\nnichts zu merken gewesen.\nDas Quintett von Mozart, nicht minder ein Stück\newig geltender Weisheit, wie die Sinfonie, war hier nicht\nam Platze. Solchen Schöpfungen beweis't der Künstler\nnur dadurch die schuldige Ehrfurcht, wenn er sie in dem\npassenden Baume zur Ausführung bringt. Was soll über-\nhaupt Kammermusik in diesem grossen Saale? Zudem\neignet sich auch Herrn Henkel's Spielweise, die wohl cor-\nrect und sauber ist, aber des kräftigen Colorits und eben\nsolcher Accente ermangelt, nicht für grosse Bäume. Es\nwar demnach unvermeidlich, dass das Haupt-Instrument,\nzumal noch schwachtönig an sich, gegen die Blasinstru-\nmente oft in Nachtheil bleiben musste.\nHerr Stockhausen hatte zum Vortrage gewählt:\nSacchini's Arie aus „Oedipus\" in französischer Sprache,\nBossini's Barbier-Arie in italiänischer Sprache und »Krie-\nger's Ahnung\" und „Aufenthalt\" aus Schubert's Schwa-\nnengesang, denen er noch „Sonntags am Bhein\" von Schu-\nmann beigegeben. Es versteht sich wohl von selbst, dass"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 752, "texte": "der ausgezeichnete Sänger die Versammlung zu den leb-\nhaftesten Beifallsbezeugungen hingerissen hat, davon die-\nser Bericht nichts subtrahiren will. Nichts desto weniger\nmuss die Wahl so düster gefärbter Lieder in diesem\nRäume und bei solcher Umgebung beklagt werden. Wa-\nren denn unter den 500 Schubert'schen Liedern nicht\nzweckentsprechendere zu finden? Nur ungern möchten wir\nHerrn Stockhausen den mit souverainem Privat-Urtheil\nauftretenden Virtuosen beigesellen, die dem Auditorium\nzumuthen, mit allem fürlieb nehmen zu sollen, was sie\nvorzusetzen belieben, seien es selbst Etüden im Schlafrock.\nUebrigens haben der philharmonische Verein wie auch\nsein Dirigent Ursache, mit dem von der Versammlung ge-\nspendeten Beifalle zufrieden zu sein.\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-03-29-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-03-29_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-03-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "102", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "Wl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.5", "debut_caractere": 754, "fin_caractere_exclue": 5163, "texte": "Aus Bremen.\n\n[Reinth al er's Sinfonie — Die Privat-Concerte — Sin-\nfonie-Con certe — Engelds Singverein u. s. w.]\nDen 19. März 1862.\nEs ist, als ob die Kunst die Nähe des General-Con-\ncertmeisters „Lenz\" fürchtete, denn in reichem Maasse\nschüttet Frau Musica in letzter Zeit das Füllhorn ihrer\nGaben über uns aus. Doch wir müssen uns massigen und\nmit dem siebenten Privat-Concerte beginnen. Dieses\nbrachte uns die C-mo//-Sinfonie von Spohr, die Ouvertüre\nzu Coriolan von Beethoven und die zu Ruy Blas von Men-\ndelssohn. Fräul. Jenny Meyer aus Berlin sang Händel's\n„Er ward verschmäht\", und erwarb sich durch den Vor-\ntrag von Rossini's Recitativ und Cavatine\nsciagurau aus Semiramis, so wie durch Schubert's „Auf\ndem Flusse\" und Taubert's „In der Fremde\" den Täu-\nschendsten Beifall, der künstlerisch freigebig mit einem\nSchubert'schen Liede belohnt wurde. Auch hatten wir Ge-\nlegenheit, in diesem Concerte Herrn Jacobson, einem\nMitgliede unseres Orchesters, die seiner künstlerischen\nTüchtigkeit gebührende Anerkennung zu geben. Er spielte\nmit Virtuosität den ersten Satz des Militär-Concerts von\nLipinsky und zeichnete sich in gleichem Maasse durch die\nEleganz aus, mit der er zwei Salonstücke, von\nReber und Concert-Mazurka von Biernacky, vortrug.\nDas achte Privat-Concert brachte uns unseres Rein-\nthaler neuestes Werk, eine Sinfonie in Wenn\nman sich dem Genüsse eines neuen Kunstwerkes hingibt,\nso ist man gern geneigt, demselben eine gewisse Stellung\nanzuweisen, und vergleicht es alsdann mit den bereits vor-\nhandenen Werken des Meisters selbst, dann mit den mo-\ndernen Kunstschöpfungen überhaupt. Was Herrn Rein-\nthaler's Sinfonie betrifft, so erinnert sie in der Kraft und\ndem Adel ihres Stils, in der Natürlichkeit ihrer Motive, in\nder Klarheit und Sorgfalt der Ausarbeitung, wie in der\nleinen und maassvollen Instrumentirung an den Compo-\nnisten des „Jephtha\"; in ihrem Charakter hat sie eine ge-\nwisse Gemeinsamkeit mit der Richtung, welche in unserer\nZeit durch Mendelssohn, Schumann, Gade, Miller, Rietz,\nReinecke und Andere vertreten ist, und man darf erwar-\nten, dass sie bald und gern neben den Schöpfungen jener\nMänner gehört werde.\nHeiter und frisch bewegt sich der erste Satz in seinen\nThemen und hält in seiner Entwicklung, in seinen Stei-\ngerungen und Gegensätzen die Empfindung in der lebhaf-\ntesten Spannung. Der zweite Theil verarbeitet die Themen\ndes ersten in reicher Durchführung und enfaltet sie zu\ndem Düster und Wirrsal tragischen Ringens, bis endlich\nmit wiederbelebender Klarheit, wie trauter Heimatshimmel\nunter freundlichem Sonnenstrahl, der Wiedereintritt des\nAnfanges uns befreit. Eine Kürzung des Anhanges zum\nersten Satze möchte für eine befriedigende Abrundung des\nGanzen wohl wünschenswerth sein.\nDas Thema des zweiten Satzes, 3/8»\nschmeichelt sich wie ein sanftes Liebeslied ein, zu dem ein\nernstes Schicksal als Gegenbild steht; dem Gegensatze\ndürfte Mangel an Prägnanz vorzuwerfen sein. Das variirte\nThema ist von schöner Wirksamkeit; indess bewegt sich\ndie weitere Durchführung, welche sich an diese Variatio-\nnen anschliesst, so trefflich sie gedacht, doch zu lange in\nder weichen, vollen Tonfarbe, und ist dadurch zu gleich-\nartig, um volle Wirkung zu üben. Doch hat auch dieser\nSatz allgemein gefallen; eine Aenderung oder Kürzung\nmag desshalb ihre Bedenken haben.\nDas Scherzo, D-moll,3/4-Tact, ist reich und glänzend,\nfrisch in seinen Gedanken und äusserst gelungen in seiner\nInstrumentation. Voll reizender Lieblichkeit ist ein kleiner\nSatz im Trio, der wie ein Blüthenregen im Maisonnen-Ge-\nglitzer herabschauert und einen eigenthümlichen Gegen-\nsatz bildet zu dem sanften, melancholischen Hornsatze, der\nunter leisem Staccato des Streich-Orchesters dahinhallt.\nDer Rhythmus erinnert an die Beethoven'schen Scherzo s,\nund wenn man Reminiscenzen an die Schubert'sche Sin-\nfonie zu vernehmen glaubt, so behaupten doch die Gedan-\nken die Eigentümlichkeit ihres Charakters.\nDer vierte Satz, D-dur, beginnt mit einer\nsanften Einleitung im Tempo eines feierlichen Marsches.\nEr stellt gewisser Maassen das Bild eines gewaltigen Kam-\npfes dar; jugendlicher Muth ringt mit Lust und Gluth lür\ndas Höchste, für den Ruhm des Vaterlandes;— der Sieg\nwird errungen, hymnenartig erhebt sich das I hema zum\nhöchsten Schwünge, und fast fühlt man sich hingerissen,\neinzustimmen in die Fülle des Klanges, der in seiner mar-\nkigen Weise zum Chorgesange herausfordert. Die Instru-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5146, "texte": "mcntalion dieses Satzes ist glänzend; es ist, als sähe man\nGepanzerte mit Helm und Schild gegen einander stehen.\nDer Beifall, den dieses Werk unseres verehrten Mu-\nsik-Directors gefunden hat, war ein allgemein freudiger;\ndas nächste Sinfonie-Concert und andere Aufführungen\nwerden gewiss dazu beitragen, bei genauerer Kenntniss\ndas Wohlgefallen an demselben zu steigern.\nAusser der Sinfonie wurde Cherubini's Ouvertüre zu\nAnakreon und die zu Fidelio von Beethoven aufgeführt.\nDen Abend zierten noch Fräulein Anna Reiss aus Mann-\nheim und Herr Karl Davidoff aus Leipzig. Die verehrte\nKünstlerin entfaltete in den gewählten Concertstücken den\nReichthum und die unvergleichliche Schulung ihrer Stim-\nme; imponirte sie in Beethoven's Scene und Arie aus Fi-\ndelio durch die Gewalt der Klangfülle, so riss sie durch\ndie Cavatine aus dem Barbier von Sevilla von Rossini mit\nihrem delicaten Vortrage und ihrer perlenden Coloratur\ndas Publicum zu einem Ausbruche des Beifalls hin, der\nnur durch ein da capo gestillt werden konnte. Herr Da-\nvidoff trug uns mit rühmlichst bekannter Feinheit sein\nConcert und im zweiten Theile die Phantasie über den\nSehnsuchts-Walzer von Servais vor. Da wir schon einmal\ndas Vergnügen hatten, jenes Concert des Herrn Davidoff\nzu hören, so wäre eine Abwechslung nicht unwillkommen\ngewesen.\nDas neunte Privat-Concert wurde eingeleitet durch\neine Sinfonie von Niels W. Gade, Nr. 4, B-dur, die in\nihrer lieblichen Weichheit für die darauf folgenden Chor-\ngesänge wie eigens geschaffen schien. Auf Wunsch des\nPublicums wurde Mendelssohn's Ave für Tenor-Solo und\nachtstimmigen Chor wiederholt, darauf „Der erste Früh-\nlingstag\", drei Lieder für Chor von Mendelssohn, gesun-\ngen. Im zweiten Theile kam das Alexanderfest von Hän-\ndel nach der Mozart'schen Bearbeitung zur Aufführung.\nObwohl das Sonntagsblatt einige erklärende Mittheilungen\nüber die Idee der Dryden'schen Dichtung gemacht hatte,\nauch die Soli in Herrn Dr. Gunz, Herrn Director Behr\nund Fräulein Beste eine vortreffliche Besetzung gefunden\nhatten, so wurde doch die Theilnahme der Zuhörer nicht\ndauernd erhalten.\nDas zehnte Privat-Concert brachte die\nvon Beethoven, die, wie stets, auch diesmal mit dankbarer\nBegeisterung aufgenommen wurde. Als Gäste beehrten\nuns Herr Karl Reinecke aus Leipzig und die königlich\nschwedische Ilofsängerin Frau Louise Michal-Mi-\nchaeli. Das Clavier-Concert, von Herrn Reinecke compo-\nnirt und vorgetragen, wurde mit vieler Wärme aufgenom-\nmen, die sich bei der unter seiner Leitung aufgeführten\nOuvertüre „Alladin\" zu lebhaftem Beifall steigerte, der\nseinem edlen und glänzenden Spiel auch in den Solo-\nstücken: „Schlummerlied\" von Robert Schumann, „Mar-\nda giocosa\" von Hiller und Improvisata über Schubert's\n„Forelle\" von St. Heller zu Theil wurde.\nFrau Michal-Micbaeli sang Recitativ und Arie aus\n„Don Juan\" von Mozart, eine Arie aus Herold's „Zwei-\nkampf\", so wie zwei schwedische Lieder und ein norwe-\ngisches Echo-Lied. Der Pathos ihres Vortrages, der Glanz\nihrer Coloratur, so wie in den Volksliedern die reizende\nNaivetät erwarben ihr den ungetheiltesten Beifall. Den\nSchluss dieses herrlichen Concertes machte Mozart's Don-\nJuan-Ouverture.\nDas fünfte Sinfonie-Concert führte uns abermals Herrn\nReinthaler's Z>-e?wr-Sinfonie vor, für welche das Publicum\nim Voraus seine Gesinnung ausdrückte, indem es den Com-\nponisten mit freudigem Applaus empfing. Die Frische der\nStimmung schien in die Aufführung überzugehen; das\nTempo war ein wenig schärfer, die Leistungen des Orche-\nsters vorzüglich; auch scheint eine Kürzung im ersten\nSatze und Auslassung der Repetition eines Mittelsatzes im\nScherzo zu einer abgerundeteren Gestaltung des Werkes\nwesentlich beigetragen zu haben. Ausserdem wurde Beet-\nhoven's .F-efer-Sinfonie und die Ouvertüre zu „Oberon\"\nin diesem Concerte aufgeführt.\nIn vergangener Woche hatten wir auch die Freude,\neine neue Composition eines hiesigen Künstlers, des Herrn\nStreudner, zu hören, ein Quintett für Pianoforte und\nStreich-Quartett, welches wegen seiner frischen Natürlich-\nkeit und seiner künstlerischen Tüchtigkeit in hiesigen Krei-\nsen viel Beifall gefunden hat und zur weiteren Verbreitung\ndie wärmste Empfehlung verdient.\nAm 15. März hatte der Gesangverein des Herrn En-\ngel eine Soiree veranstaltet, in welcher Chöre und Soli\naus Hiller's Oratorium „Saul\", Mendelssohn's Motette für\nFrauenstimmen, Mirjam's Siegesgesang für Sopran-Solo\nmit Chor von F. Schubert, Hymne für Sopran-Solo mit\nChor von F. Mendelssohn und von demselben „Die Wald-\nvöglein\" und „Deutschland\" aufgeführt wurden.\nDas rege Streben dieses Vereins drückte sich in wohl-\nthuender Weise auch in diesem Concerte aus: Chöre und\nSoli wurden mit Feinheit und Präcision ausgeführt, und\ndie Lebendigkeit und Klangfrische der Aufführung zeigte,\ndass aufopfernder Eifer und künstlerisches Geschick die\nfesten Grundlagen dieses Vereins sind.\nAn demselben Abende ward im Saale des Künstler-\nVereins das erste von drei historischen Concerten aufge-\nführt; es brachte die beiden Oboen-Concerte von Händel,\nClavier-Concert in Es-durvon Mozart [für zwei Claviere?\nEin anderes in Es kennen wir nicht.] und Haydn's Ab-\nschieds-Sinfonie.\n\nWl."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-03-29-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-03-29_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-03-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "104", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.2.5", "titre_corps": "Die akademischen Concerte in Güttingen.", "titre_sommaire": "Die akademischen Concerte in Güttingen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7692, "texte": "Die akademischen Concerte in Güttingen.\nIm März 1862.\nWenn ich Ihnen, Herr Redacteur, einige Zeilen über unser Con-\ncertleben zugehen lasse, so geschieht es heute weniger in der Ab-\nsicht, mich in eigentlicher Kritik zu ergehen, als vielmehr, über\ndas Gebotene kurz zu referiren und zu zeigen, dass wir in musica-\nlischer Beziehung nicht verwaiset sind. Einige allgemeine Bemer-\nkungen werden sich leicht daran knüpfen lassen. Den Mittelpunkt\nund Kern des musicalischen Lebens bilden natürlich die akademi-\nschen Concerte, welche der Musik-Director der Universität zu geben\nhat. Unter dem Vorgänger des jetzigen Musik-Directors halb und\nhalb eingeschlafen, wurden sie von Letzterem wieder ins Leben ge-\nrufen und trotz aller Mühe und Noth mit eiserner Consequenz re-\ngelmässig fortgesetzt. Ich führe zunächst an, was uns in den im\nletztverflossenen Winter-Semester gegebenen fünf akademischen Con-\ncerten geboten wurde.\nInstrumental werke: Die C-cZwr-Sinfonie von Beethoven, die\nD-dur von Em. Bach (2 Mal), die Ouvertüre zu Rosamunde von\nFranz Schubert, zu Don Juan von Mozart, das A-moll-Qoncert für\nPianoforte von Schumann (von einem hiesigen Studenten gespielt).\nChorwerke: Der 4*2. Psalm von Mendelssohn, das Requiem von\nMozart, die Pilgerfahrt der Rose von Schumann. Von kleineren\nChören : das Opferlied von Beethoven, ein Frauenchor aus „Blanche de\nProvence\", von Cherubini, Sopran-Arie mit Frauenchor aus dem\nOratorium Jephtha von Reinthaler, und von sämmtlichen hiesigen\nMännerchören aufgeführt: Motette von Hauptmann, rDie Himmel\nrühmen\" von Beethoven, und Lieder von Marschner nnd Reichardt.\nAls Gäste hatten wir: die Hof-Opernsänger Nie mann aus Han-\nnover (Lieder von Schumann, Hiller) und Dr. Gunz ebendaher\n(Lieder von Schubert, Schumann, Rubinstein), den Kammersänger\nKoch aus Köln und dessen Schülerin Fräulein Oppenheimer\n(in Der Rose Pilgerfahrt und dem Requiem), Concertmeister Borg-\nheer aus Detmold (neuntes Violin-Concert von Spohr, Teufels-So-\nnate von Tartini, Kreuzer-Sonate von Beethoven), E. Weiss, einen\njungen Ciavier- und Orgelspieler, als Stipendiat unseres Königs der-\nzeit sich in Stuttgart aufhaltend (Ciavierpart der Kreuzer-Sonate,\nPräludium und Fuge von S. Bach, Novellette von Schumann), Kam-\nmermusicus C. Matys aus Hannover (Violoncellist) und ein ande-\nrer Violoncellist C. Werner ebendaher. Hinzu zu rechnen sind\nnoch von hier Frau Ulrich (Solo-Sopran im Requiem, in der Pil-\ngerfahrt, Arie aus Jephtha) und Fräulein Eggeling (Solo-Sopran\nim 42. Psalm).\nAusserdem gab der Studenten-Gesangverein ein Concert,\nin dem unter Anderem vorkam: der 23. Psalm für Männerchor von\nC. Löwe, Concert für drei Claviere von S. Bach, verschiedene Chor-\nund Sololieder von Schubert, Schumann u. s. w. Auch Concertmei-\nster Borgheer gab noch eine eigene Soiree, in der wir das Ciavier-\nQuintett von Schumann und Violin-Soli von Spohr, Bach und Viotti,\nso wie ferner ein- und mehrstimmige Gesänge von Beethoven und\nSchumann hörten.\nWenn, wie im letzten Semester, von fünf akademischen Concer-\nten drei Orchester-Concerte sind, so ist dies für unsere Verhältnisse\nviel zu nennen. Mit dem Orchester sind wir nämlich übel daran.\niSchon seit mehreren Jahren haben wir so gut wie gar kein Orche-\nster mehr, und der Musik-Director muss, wenn er eine Sinfonie oder\nein Oratorium mit Orchester aufFühren will, mit Ausnahme von etwa\nsechs hier befindlichen Musikern sich das ganze übrige Orchester\nvon aussen kommen lassen. Dass dies mit unendlicher Mühe und\nmit grossen Opfern an Zeit und Geld verbunden ist, kann man sich\ndenken. Sollte man es für möglich halten, dass eine Stadt wie Göt-\ntingen, mit einer von achtehalb Hundert Studenten besuchten Uni-\nversität, nicht mehr als sechs in einem Orchester brauchbare Musi-\nker aufzuweisen hat? Und doch ist dem so. Man denke sich unter\ndiesen \\ erhältnissen in die Lage eines Musik-Directors, der Con-\ncerte zu geben hat, und man wird ihn schwerlich beneiden. Alle\nbisherigen Versuche, diesem allzu fühlbaren Mangel abzuhelfen, schei-\nterten wohl zumeist an der Unlust der Behörden, für die Sache\netwas zu thun, vielleicht auch an Eifersüchteleien unter ihnen. Der\nUnwille über diese Indolenz trat bei der gesammten Einwohnerschaft\nGöttingens übrigens immer stärker hervor und hat sich neuerdings\nin energischen Vorstellungen an die Behörden Luft gemacht. So ha-\nben die Bürger bei dem Magistrate der Stadt, der Musik-Director\nund die akademischen Behörden bei dem Universitäts-Curatorium\num Abhülfe gebeten, und auch die Studenten in einer von Hunder-\nten unterzeichneten Petition sich angeschlossen. Bei solchem Stande\nder Dinge sollte man doch endlich etwas erwarten dürfen, und so\nhoffen wir denn auch auf ein günstiges Resultat.\nTrotz solcher ungünstiger Verhältnisse haben wir dennoch seit\nder Anstellung des jetzigen Musik-Directors Hille in jedem Winter\neinige Orcbester-Concerte gehabt und unter Anderem folgende Werke\ngehört: Sinfonieen von Beethoven (C-, D-y A-dur: Fastorale),\nMozart (G-moll, C-dur), Haydn (Militär), Franz Schubert (C-cZur),\nGade (<7- und B-dur), Mendelssohn (.A-dur), Schumann (L-dur), Em.\nBach (B-dur); Ouvertüren: zu Fidelio (JE-dur), Coriolan, Eg-\nmont von Beethoven, zu Titus und Don Juan von Mozart, zu Ana-\nkreon von Cherubini, die Jubel-Ouverture von Weber, zu Ruy Blas\nund zur Heimkehr aus der Fremde von Mendelssohn, zu Rosamunde\nvon Schubert, zu Iphigenie in Aulis von Gluck, zu der Oper Bianka\nvon Hille u. s. w.\nMit dem Chorgesange steht es hier bei Weitem günstiger. Er\ngibt uns nicht den geringsten Anlass zur Klage. Nach den bisher\ngemachten Erfahrungen und Beobachtungen glaube ich versichern\nzu können, dass die Sing-Akademie, ein für Göttingen stark zu\nnennender Chor-Gesangverein, jeder Aufgabe gewachsen ist. Es\nherrscht hier eben viel Sangeslust, ein solider Geschmack und reger\nmusicalischer Sinn, der richtig geleitet und zur Förderung künstle-\nrischer Zwecke benutzt wird. Auch in den studentischen Kreisen\nzeigt sich in neuerer Zeit mehr reges musicalisches Leben, als man\nes früher zu finden gewohnt war. — Unter der Leitung des jetzigen\nMusik-Directors wurden nun bereits aufgeführt; Messias, Judas\nMaccabäus, Alexanderfest von Händel, das Requiem von Mozart (die-\nsen Winter), das Requiem von Cherubini (2 Mal), Paulus und Elias\nvon Mendelssohn, Schöpfung und Jahreszeiten von Haydn, ferner\ndie Pilgerfahrt der Rose von Schumann (2 Mal); von kleineren Wer-\nken: der 98. und 42. Psalm, Fragmente aus Christus\", das Lore-\nlei-Finale und Hymne von Mendelssohn, Palmsonntag-Morgen von\nHille u. s. w. Sämmtiiche Werke, mit Ausnahme des Alexander-\nfestes, der Pilgerfahrt, der Hymne und der Fragmente aus ..Chri-\nstus\" von Mendelssohn wurden mit vollständigem Orchester aufge-\nführt. Ausserdem wurden gesungen: Comala von Gade, Paradies\nund Peri von Schumann, Lorelei von Hiller u. s. w. Ferner gab es\nnoch Chöre a capella zu hören von Palestrina, Eccard, Arcadelt?\nPrätorius, Gallus, Lotti, S Bach, Mozart und Anderen, so wie end-\nlich auch geistliches und weltliches Chorlied vertreten waren durch\nSchubert, Schumann, Mendelssohn, Hauptmann, Hiller, Hille, Robert\nFranz u. s. w. u. s. w.\nZu Anfange dieses Winters hiess es, die Matthäus-Passion von\nS. Bach solle eingeübt werden. Die Gründe, wessbalb es nicht ge-\nschehen ist, kenne ich nicht genau genug, um sie anführen zu kön-\nnen; jedenfalls aber glaube ich, dass nur ein Aufschub Statt ge-\nfunden hat.\nDer Männergesang findet seine Pflege im Studenten-Gesang-\nverein und der gottinge* Liedertafel. Von diesen Vereinen, in Ver-\nbindung mit den männlichen Mitgliedern der Sing-Akademie, wur-\nden unter Anderem in den akademischen Concerten gemeinschaftlich\nvorgetragen: der altdeutsche Schlachtgesang von Rietz, der hun-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 357, "texte": "dertste Psalm von Hille, „Haltet Frau Musica in Ehren\" von Roch-\nlitz, Motetten von ß. Klein und Hauptmann u. s w.\nIst es unter den sonst gewiss nicht ungünstig zu nennenden\nVerhältnissen nicht um so mehr zu beklagen, dass wir kein Orche-\nster an Ort und Stelle haben? Die Götter mögen uns geneigt sein\nund die Erschliessungen der Behörden zum Guten lenken!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-03-29-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-03-29_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-03-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "Die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.8", "debut_caractere": 359, "fin_caractere_exclue": 5642, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDie Direction der Gesellschaft der Musikfreunde\ndes österreichischen Kaiserstaates.\nH.fflligSl»ei*g« Se. Majestät der König haben unserem ge-\nschätzten Mitbürger, dem Director des Sängervereins Herrn B.\nHamma als ein Merkmal der Allerhöchsten Anerkennung seiner\nLeistungen in der musiealischen Composition die goldene Medaille\nzu verleihen geruht. Die nächste Veranlassung dazu war die Com-\nposition einer grösseren Cantate für gemischten Chor und Or-\nchester.\nIVIftillz« Am 17. d. Mts. fand hier als Benefiz-Vorstellung des\nCapellmeisters Gust. Schmidt die Aufführung seiner für uns neuen\nOper „Weibertreue oder Kaiser Conrad vor Weinsberg\" Statt, und\nwir freuen uns, von dem Erfolge derselben in jeder Beziehung, so-\nwohl was die Aufführung selbst, als auch die Aufnahme der Oper\nvon Seiten des Publicums betrifft, nur Günstiges mittheilen zu kön-\nnen. Die Musik ist durchaus frisch und anregend, reich an liebli-\nchen Melodieen, und der orchestrale Theil derselben zeugt von so\nvielem Geschick und Feinheit in der Behandlung der verschiedenen\nInstrumente, dass man dieses Werk dem Besten, was in neuerer\nZeit im Fache der komisehen Oper in Deutschland producirt wurde,\nunbedingt an die Seite stellen kann. Die Haupt-Partieen waren in\nden Händen der Damen: Frau Haase-Capitain (Elsbeth), Fräulein\nMolnär (Gundel) und der Herren Philippi (Conrad), Dalfi (Walter),\nUlbrich (Martin), Leithner (Jerobeam) und Simon (Peter). Das Pu-\nblicum liess es an reichlichen Beifallsspenden nicht fehlen, welchen\nam Schlüsse der Oper ein stürmisches Hervorrufen des Componisten\nmit den Trägern der Hauptrollen folgte.\nWir können nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit zu erwäh-\nnen, dass das neu erwählte Theater-Comite im Gemeinderathe sich\nrecht ernstlich mit einer zweckmässigen Verbesserung unserer Thea-\nter-Verhältnisse beschäftigt. Sollte zu den Resultaten der darauf\nbezüglichen Berathungen auch die Creirung eines ständigen Orche-\nsters unter einem tüchtigen und erprobten Capellmeister gehören, so\nwürden wir dies als eine Grundlage für die Verbesserung unserer\ngesammten musicalischen Zustände auf das freudigste begrüssen.\n(Südd. M.-Z.)\nZwei grosse Gastspiele haben so eben an hiesiger\nBühne ihr Ende erreicht. Herr Tichatscheck und Fräulein Ja-\nnauschek vom Hoftheater zu Dresden führten uns eine Reihe ihrer\nanerkanntesten Leistungen vor. Dass Elfterer trotz seines unstreitig\nsich bemerkbar machenden Alters immer noch über ganz respectable\nStimmmittel zu verfügen hat, ist in der Kunstwelt anerkannt, und\ndahin zielte auch das gerechte Lob, welches ihm bei seinem dies-\nmaligen Gastspiel von den Kennern zu Theil. wurde; die Enthu-\nsiasten freilich erblickten in ihm noch immer den ..jugendlichen\",\nunverwüstlichen Helden-Tenor von Anno?? (!), und dieser zu weit\ngetriebene Autoritätsglaube ist es, der auch diesmal einen grossen\nTheil des hiesigen Publicums mit unwiderstehlicher Gewalt fortriss.\nMan konnte bei diesem Gastspiel mit Bedauern bemerken, wie sehr\ndie Opernzustände am hiesigen Theater im Argen liegen und dass\ngrössere Werke nur sehr mittelmässig zur Geltung gebracht werden\nkönnen. — im Schauspiel war Fräulein Janauschek's Medea eine\ngrossartige Leistung, ihre Königin Elisabeth in „Graf Essex\", wel-\ncher hier neu einstudirt wurde, eine bis ins kleinste Detail ausgear-\nBeitete Gestalt. Sie trat ferner lioöh als Gräfin Orsini in\n„Emilia Galotti\" und als Adrienne Lecouvreur auf und ärntete bei\nstets überfüllten Häusern rauschenden Beifall.\nIn der jüngsten Versammlung des Männer-Gesangver-\neins sollte über die Modalitäten der Kunstreise, zur londoner Welt-\nAusstellung berathen werden. Bevor jedoch die vorläufigen Anträge\ndes Comite's zur Abstimmung gebracht werden konnten, wurde das\nPräsidium von einzelnen Mitgliedern interpellirt, ob einer oder ob\nzwei Chormeister in London fungiren sollten. Der Beschluss des\nComite's lautete dahin, dass nur ein Chormeister, und zwar Her-\nbeck, die artistische Leitung des Vereins übernehmen solle.\nDarüber entstanden heftige Debatten und feierliche Proteste. Endlich\nnach zweistündiger Discussion wurde über den Antrag des\nHerrn Dr. Bauer entschieden, dass Subscriptionsbogen zur Einzeich-\nnung für diejenigen Mitglieder, welche an der Kunstreise Theil neh-\nmen wollen, aufgelegt werden. In wenigen Minuten waren mehrere\nTausend Gulden gezeichnet. Für 100 Mitglieder, ä 300 Fl. gerech-\nnet, sind 30,000 Fl. erforderlich.\nDen Sinfonie-Concurs betreffend, welcher von der Gesell-\nschaft der Musikfreunde in Wien eröffnet wurde, erlaubt sich die\ngefertigte Direction den P. T. Herren Tonsetzern, welche Werke\neingesandt haben, Folgendes zur gefälligen Kenntniss zu bringen:\nIn Folge der sehr bedeutenden Anzahl der eingesandten Werke\n(über dreissig) ist es den geehrten Herren Preisrichtern nicht mog-\nlioh gewesen, eine eingehende und gewissenhafte Prüfung in der\nvorausgesezten kurzen Zeit vorzunehmen. Die Sinfonieen wurden\ndaher vor Kurzem erst vom dritten Preisrichter remittirt. Da die-\nselben nun noch an die zwei anderen versandt werden müssen und\ndie Jahreszeit schon bedeutend vorgerückt ist, so wird die öffent-\nliche Aufführung der als relativ besten anerkannten Sinfonie erst\nAnfangs der nächsten Concert-Saison, im Spätherbste, Statt finden\nkönnen.\nWien, am 19. März 1862."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe. 111. (Concerte im Conservatoire im öirque NapoMon Classische Vocalmusik Gustav Satter\n*— August Dupont). Von B. P. Aus Frankfurt am Main (Der philharmonische Verein). Von A. S. Aus Bremen (Reinthaler's\nSinfonie Die Privat-Concerte Sinfonie-Concerte Engel's Singverein u. s. w.). Von Wl. Die akademischen Concerte in Göttin-\ngen. Tages- und Unterhaltungsblatt (Königsberg, Auszeichnung Mainz, Benefiz-Vorstellung Leipzig, Gastspiele).\n\nPariser Briefe.\n\nIII.\n[Concerte im Conservatoire — im Cirque Napoleon —\nClassische Vocalmusik — Gustav Satter — August\nD u p o n t.]\nDie Concert-Gesellschaft des Conservatoires\nhat am 12. Januar die Reihe ihrer Concerte wieder er-\nöffnet. Cherubini's Ouvertüre zu Anakreon wurde wieder-\nholt appiaudirt. Eine Art Neuigkeit war ein Frauenchor\nmit Sopran-Solo aus der Gelegenheits-Oper „Pharamund\"\nvon Boieldieu; es musste wiederholt werden. Auf die mei-\nsterhaft gespielte il-dW-Sinfonie von Beethoven folgte der\nChor dee Gefangenen aus Fidelio; Weber's Euryanthe-\nOuverture schloss. Herr Tilmant, welcher seit Girard's\nTode die Concerte leitet, ist ein ausgezeichneter Dirigent.\nIm zweiten Concerte spielte Theodor Ritter das\nG-dur-Concert von Beethoven mit grossem Beifall, in den\nich aber nur theilweise einstimmen kann. Was würde man\nsagen, wenn in diesem Tempel der Classicität und Gewis-\nsenhaftigkeit der Ausführung der Dirigent in einer Beet-\nhoven'schen Sinfonie dem Orchester oder auch nur Einem\nInstrumente desselben eigenmächtige Aenderungen zumu-\nthete? Weiss denn Herr Ritter nicht, dass die Clavier-\nConcerte Beethoven's ebenfalls Sinfonieen sind, und dass\ndie Solostimme nicht wie in einem Bravourstücke, das nur\nfür glänzende Technik geschrieben ist, behandelt werden\ndarf? Der junge Künstler macht das Staccato sehr gut;\nes ist seine Stärke, allein sie gehört nicht in das G-dur-\nConcert; da verslösst der hämmernde Anschlag—das be-\nliebte „martele\"—eben so gegen den reinen Geschmack,\nwie der springende Bogen in den classischen Violinsachen.\nWenn man ihn im Saale und auf dem Orchester unge-\nwöhnlich laut applaudirte und hervorrief, so gönne ich\nihm gern diesen Erfolg; mir aber war derselbe ein neuer\nBeweis, dass selbst dieses gewählte französische Publicum\nzwar für die technische Ausführung ein sehr feines Ge-\nfühl, für die Auffassung und die gediegene Reproduction\neines classischen Solostückes im Geiste der Composition\naber keinen richtigen Maassstab hat. Allerdings hat ein\nBerichterstatter (in der France musicale) wohl die Aende-\nrungen im Text bemerkt, aber wenn er sie\ningenieuses eifavor alles an\nnennt, so bezeichnet er damit auch einen Standpunkt, der\nsich über den des Publicums nicht erhebt. Ein liebens-\nwürdiger, schon bejahrter Sperrsitz-Inhaber, den ich bloss\naus den Couloirs kenne, wo ich fast jedes Mal mit ihm zu-\nsammentreffe, fragte mich: „E\nMr. Ritter?\"Hess mich aber gar nicht zur Antwort kom-\nmen, weil er wahrscheinlich voraussetzte, dass ich in die\nallgemeinen Bravo's einstimmen würde, sondern setzte\ngleich emphatisch hinzu: „Ah, aviez\ndelssohn le 18 mars 1832! C'etait Beethoven rajeuni\nIm dritten Concerte trugen Mozart's Sinfonie in\ndur und die Scenen aus dem ersten Acte von Gluck's Iphi-\ngenie auf Tauris den lautesten Beifall davon. Beethoven's\nOuvertüre in E-dur zu Fidelio wurde mangelhaft ausge-\nführt und das Benedietus aus seiner Z)-rfo<r-Messe der-\nmaassen schlecht gesungen, dass es eine wahre Schande\nwar und jeden Kenner dieser erhabenen Composition em-\npören musste. Aber wo sind hier die Kenner derselben?\nNirgends. Das ist nichts für die Franzosen, das Benedietus\nist ihnen zu lang, zu wenig apostolisch (!), zu überladen,\nund die ganze Messe une compo Alard\nspielte „das schwierige und undankbare\" Violin-Solo;\naus solchen Ausdrücken guckt recht die eigentliche Phy-\nsiognomie der französischen Kritik heraus; ihr gewöhn-\nliches Gesicht ist Maske.\nDas vierte Concert begann mit Beethoven's D-dur-\nSinfonie und schloss mit Weber's Freischülz-Ouverture\nbeide vortrefflich gespielt. Zu loben ist Tilmant's Sorg-\nfalt für die Festhaltung an den gemässigten Tempo's, wo-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.2", "texte": "für ihn ein hiesiges Bialt dadurch belohnt, dass es ihn er-\nsucht, „gegen das bedauernswürdige Streben nach Lang-\nsamkeit der Tempo's auf seiner Hut zu sein\"!—Nach der\nSinfonie folgte eine doppelchörige Motette a von\nBach (Sebastian oder Friedemann? Ich glaube, von Letz-\nterem); es ist wohl eine von den achtstimmigen Motetten\nmit lateinischem Text, welche in einer alten Sammlung\nbei Breitkopf gedruckt erschienen sind. Der Chor des Con-\nservatoires wetzte die Scharte vom vorigen Concerte eini-\nger Maassen aus, sowohl in der Motette, als in den „Rui-\nnen von Athen\" immer bleibt er jedoch die schwache\nSeite des Instituts. Hört man einen Chorgesang in Aachen\noder in Köln, so glaubt man sich unter Sänger von ganz\nanderer Organisation versetzt. Zwischen Bach's Motette\nund Beethoven's „Ruinen von Athen\" hörten wir d. h.\nwurden wir gepeinigt nun, wovon? Von einer unaus-\nstehlich flachen Flötendudelei,\nbetitelt, geschrieben und geblasen von H. Altes. Leider\nkommen in den Conservatoire-Concerten noch immer sol-\nche pudelnärrische Dinge vor! So nichtssagendes Flöten-\ngekräusel auf eine Motette von Bach! Sehr charakteristisch.\nDas fünfte Concert brachte die selten gehörte vierte\nSinfonie in B-dur von Beethoven zu Anfang und Mozart's\n(r-Wö//-Sinfonie zum Schluss—zwei Werke, in deren Aus-\nführung die eigentümliche Virtuosität des Conservatoire-\nOrchesters, d. h. die grösste Präcision, Einheit und Feinheit,\nin vollendetem Maasse glänzen kann und auch wirklich in\nhohem Grade glänzte. Diejenigen Sinfonieen Beethoven's,\nwelche mehr Pracht und Kraft als feine Schattirung er-\nfordern, wie die heroische und die fünfte, höre ich lieber\nvon dem Orchester der rheinischen Musikfeste. Im ersten\nAllegro der i?-e?wr-Sinfonie war bei der wunderbar schö-\nnen Rückkehr zum Haupt-Thema mit dem langen Pauken-\nwirbel der rasselnde Ton der hiesigen Pauken störend;\nauch die Klangfarbe der Hörner und Trompeten gehört\nnicht zu den schönsten. Das Geigen-Quartett nebst. Con-\ntrabässen bleibt immer der Haupt-Vorzug des Orchesters\nder Concert-Gesellschaft. Die VortrefFlichkeit desselben\nmacht denn auch das Kunststück der Gesammt-Ausfüh-\nrung des bekannten Andante von Haydn nicht bloss er-\nträglich, sondern immer wieder bewundernswerth. Men-\ndelssohn's doppelchöriger Psalm wurde vom Publicum\ngut aufgenommen; ein Fragment aus Händel's Messias\ndie kurze Sinfonia pastorale und darauf der Chor in G-\ndur: „Es ist uns ein Kind geboren\"— liess die Zuhörer\ndagegen kalt wie Eis. So unkünstlerisch es nun auch ist,\nzwei so aus allem Zusammenhang gerissene Brocken, noch\ndazu in verkehrter Folge, dem Publicum vorzusetzen, so\nlückenhaft auch das Orchester erschien, da weder eine\nOrgel, noch Mozart's Instrumentirung dabei war, so em-\npörend, aber charakteristisch ist es doch, wenn ein Kriti-\nker im Menesirel sagt: „Das Pastorale zeigt wenigstens\nden guten Willen einer Intention; der Chor, in dem ge-\nwöhnlichen Stil des Componisten geschrieben, dem Stil\njener Zeit (!), ist voll zerhackter Motive, Imitationen und\nExplosionen der Stimmen, aber ohne die geringste Spur\nvon Natürlichkeit und religiösem Gefühl.\" (!!)\nIch habe diese Concerte einmal ausführlicher bespro-\nchen, als sonst, weil ich sie immer noch in manchen deut-\nschen Blättern als das Ideal aller Concert-Institute und\naller Ausführung von Concertmusik gepriesen finde. Ich\nhoffe, dass aus den obigen Bemerkungen zur Genüge her-\nvorgeht, dass, bei aller Anerkennung grosser Vorzüge, sie\nheutzutage keineswegs auf den unbedingt höchsten Rang\nAnspruch machen können, den ihnen der traditionelle\nNimbus im Auslande noch verleiht.\nEin überaus, ja, unglaublich zahlreiches Publicum\nströmt jeden Sonntag um die Mittagsstunde nach dem\nCirque Napoleon,um dort die\nsique classiqae zu hören. Es ist in der That hier eben so\ninteressant, das Publicum zu beobachten, als die Musik\nanzuhören. Von Langerweile und Aeusserungen, wie ich\nsie von den hoch aristokratischen Besuchern des Opern-\nhauses zu berichten hatte, ist hier keine Spur, und doch\nsitzen da über 3000 Menschen aus allen Ständen, man\nspielt ihnen die längsten und ernstesten Meisterwerke deut-\nscher Musiker vor, und sie hören sie mit gespannter Auf-\nmerksamkeit an, sind von dem wirklich Schönen wahrhaft\nergriffen und zeichnen in der Regel nur dieses durch\nenthusiastischen Beifall aus. In jedem Concerte feiert der\nDirigent und Unternehmer dieser Concerte, Herr Pasde-\nloup, neue Triumphe; er versteht es, anziehende Pro-\ngramme zu machen, und wenn er der Menge auch hier\nund da ein brillantes Instrumental-Solo oder auch ein be-\nliebtes Stückchen aus einer Sinfonie oder anderen Werken\nals Lockspeise hinwirft, so gibt er ihr doch oft zwei ganze\nSinfonieen an Einem Morgen zu hören, und kein Mensch\nverlässt den Saal vor dem Schlüsse des Concertes, er\nmüsste es denn vor Ueberfüllung und Hitze nicht aushal-\nten können. So z. B. Mendelssohn's e und\nBeethoven's Pastorale; dazu noch eine Ouvertüre von Che-\nrubini, das halbe Sextett von Beethoven und Weber's\nEinladung zum Tanz, von Berlioz instrumentirt. Dann wie-\nder einmal Mozart's Jupiter-, Havdn's _£!s-rfwr-Sinfonie,\nWeber's Eurvanthe-Ouverlure u. s. w. Was sagst Du zu\nCherubini's Medea, Schumann's drei letzten Sätzen der\nFest-Ouverture von Ries? dazu Beetho-\nven's D-c?Mr-Sinfonie und noch zwei Sätze aus einer\nHaydn'schen. Ferner Mendelssohn's Musik zum Sommer-\nnachtstraum und Beethoven s Musik zu Göthe's Egmont"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.3", "texte": "beide vollständig und ohne verbindende Worte; in beiden\nwurde jeder Satz anhaltend applaudirt, von Mendelssohn\ndas Allegro appassionatound das Scherzo, von Beethoven\ndas Larghetto in Es stürmisch noch ein Mal verlangt. Von\nneueren Componisten wurde kürzlich die Sinfonie in F\nvon Gouvy und Berlioz's Carneval gegeben. Kurz, die\nConcerts populairessind eine der interessantesten Merk-\nwürdigkeiten des heutigen Paris.\nEin musicalisches Institut, das ich in meinen früheren\nBriefen noch nicht erwähnt habe, ist die Fonclation Beau-\nlieufür classische Vocalmusik. Von Beaulieu, einem\nvielseitig gebildeten Musiker und Componisten gegründet,\nwird diese Stiftung gegenwärtig die Feuerprobe hiesiger\nVereine, das dritte Jahr ihrer Existenz, wie es scheint,\nglücklich bestehen.\nSie ist auf den Gegensatz des Modegeschmacks unse-\nrer Zeit (d. h. in Paris) begründet. Bekanntlich bemüht\nman sich seit einigen Jahren und mit Becht, der herr-\nschend gewordenen Frivolität des Geschmacks an moder-\nnen Opern-Melodieen, Bolero's, Phantasieen, Transscrip-\ntionen und der ganzen Potpourri- und Tanzrhythmen-Li-\nteratur des Tages eine Reaction entgegen zu stellen durch\nRückkehr zu den alten Archiven der Tonkunst, aus denen\nman vergrabene Schätze hervorholt und sie zum Besten\nder Kunst für das grössere Publicum ausprägt. Die Münze\nkam schneller und ausgebreiteter in Umlauf, als man er-\nwarten konnte, und ihr Cours steht heutzutage al pari\nmit den modernen Papieren. Das Spasshafte bei der Sache\nist, dass dieser Stand der wirkliche Ausdruck der Stim-\nmung an der Börse der Musikwelt ist, nicht nur in so fern,\nals zwei Parteien sich die Wage halten, sondern als der\ngrösste Theil der Classiker zu gleicher Zeit heimlich und\nöffentlich auch gern in modernen „Effecten\" speculirt.\nDas Gute dabei ist, dass dem gebildeten Publicum doch\nnach und nach der Zweifel an der Unfehlbarkeit des Fort-\nschrittes beigebracht wird. Die Unternehmer und Beför-\nderer des Alten müssen wir aber vor Ueberschätzung ihrer\nQuellen warnen, damit sie stets aus dem reinen Born des\nSchönen schöpfen, nicht aus trüben, abgestandenen Was-\nsern, welche durch nichts wieder in Fluss zu bringen sind.\nIn dem Concert am 11. März verschaffte der Vortrag\nund der Ruf der Sängerin Madame Viardot einer Arie aus\nMozart's Idomeneo und einer anderen aus der Oper Alcina\nvon Händel grossen Applaus. Man hörte ferner ein Ter-\nzett aus HändePs Acis und Galatea, einen Chor von Mehul\nzu der Tragödie Timoleon und noch einige Nummern aus\nIdomeneo. Etwas hier ganz Unbekanntes und Schönes wa-\nren zwei Chöre a capellavon Vittoria und Giovanni Croce,\nwelche, wenn ich mich nicht irre, aus der Sammlung der\nMusicci scicrades berliner Dom-Chors (bei Schlesinger er-\nschienen) genommnn waren. Dass man Spontini und Men-\ndelssohn auch zu den Alten rechnet, bewies der Chor der\nCyklopen aus der Oper Alcidor wobei aber die gestimm-\nten Ambose fehlten!) und einige Chöre aus dem Orato-\nrium Paulus. Die Ausführung aller dieser Sachen war im\nGanzen recht gut; das Orchester wird von Deloffre, der\nChor von Marie dirigirt.\nUeber die Masse von Matineen und Soireen für Kam-\nmermusik zu berichten, fühle ich mich nicht im Stande,\nda meine Zeit mir nicht erlaubte, sie regelmässig zu be-\nsuchen, was in gewissen Monaten einen ausschliesslichen\nBeruf ausmachen würde. Dass man in diesen Sitzungen\nhiesiger Künstler das Beste von der pariser Musik hört,\nist immer noch wahr. Von fremden Künstlern sind Gu-\nstav Satter und August Dupont in dieser Saison zu\nnennen. Satter, so viel ich weiss, aus Wien, zuletzt in\nAmerica gereis't, besitzt eine Meisterschaft in der Clavier-\nschlägerei, welche die Faust so voll Tasten packt, dass\nkein Platz für den Anschlag der Finger mehr da ist. In\neiner zweiten Soiree liess er sich herab —er gehört näm-\nlich zu denen, die da überzeugt sind, dass sie allein dem\nPublicum für den ganzen Abend genügen und dass kein\nAnderer ihnen ebenbürtig ist—, einige melodische Sachen\nzu spielen; am Ende aber brachte er doch wieder eigene\nCompositionen vor, die eben so, wie Tausende derselben\nArt, den Beweis lieferten, dass der musicalische Gedanke\nNebensache ist und nur die Form und das technische Fut-\nter für die Finger die Hauptsache sind.\nAnders ist es mit August Du pont aus Brüssel. Die\nLeser der Niederrheinischen Musik-Zeitung kennen ihn\nschon aus den Berichten über sein Auftreten in Köln und\nanderen Hauptstädten auf seiner Kunstreise durch Deutsch-\nland. Hier war er neu; aber aus dem Meere von Pianisten\ntauchte er wie ein herrschender Neptun hervor, der das\nZeug dazu hat, den windigen Bebellen ein zu-\nzurufen, vor dem sie sich in ihre Höhlen, in ihre Salons,\nwollt' ich sagen, flüchten müssen. Sein Spiel und seine\nCompositionen haben hier ein Aufsehen erregt, wie es\nlange nicht einem fremden Künstler zu Theil geworden\nist. In den Dingen, wo die technische Virtuosität zur Gel-\ntung kommt, zeichnet sich Dupont bei derselben Beherr-\nschung enormer Schwierigkeiten dadurch vor anderen Ge-\nnossen aus, dass er niemals der brillanten oder stürmen-\nden Ausführung des Mechanischen auch nur das kleinste\nOpfer der Melodie und des Rhythmus bringt; der Zuhörer\nwird durch sein Spiel nicht in einen Strudel von Passagen\nhineingerissen, worin er sich am Ende gar nicht mehr zu\norientiren vermag und nur staunt, sondern er verliert da-\nbei niemals den Faden des musicalischen Gedankens, der\n» 7\ndem Ganzen zum Grunde liegt. Natürlich spielt er auch\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.4", "texte": "nur Sachen, in denen musicalische Gedanken sind. Als\nComponist bat er hier die Gunst der bedeutendsten Stim-\nmen der Kritik erworben. Er spielte das\nniqiie und Variationen mit Orchester in seinem ersten Con-\ncerte im Herz'schen Saale, im zweiten bei Erard ein 1 rio\nin G-moll,Variationen ernsten Stils und ein paar Bravour-\nstücke; eröffnet wurde es durch ein Violin-Quartett in\nEs-dur, ebenfalls von seiner Composition, welches der\nQuartett-Verein Armingaud und Genossen sehr gut aus-\nführten. Alle diese Arbeiten bekundeten ein gediegenes\nWissen und eine blühende Phantasie und fanden durch-\ni\nweg eine glänzende Aufnahme. H. Berlioz fasst sein Ur-\ntheil in folgenden Worten zusammen: „Als Componist hat\nAugust Dupont Anspruch auf die höchste Anerkennung\nder Kenner. Sein Stil ist kräftig und gedrängt, die Form\nhat prächtige Fülle, seine Harmonie ist klar und klang-\n\\oll, seine Melodie stets edel. Er instrumentirt vortrefflich,\nvielleicht hier und da mit zu vielem Blech. Das symphoni-\nsche Concert und die Variationen mit Orchester sind\nWerke von grossem Werthe; sie haben einen gewaltigen\nEindruck auf mich gemacht. Warum soll ich es nicht frei\nheraus sagen? Es sind Dinge darin, welche die grössten\nMeister für einen glücklichen Fund halten würden, wenn\nsie ihnen einfielen, bewundernswerthe Dinge, welche man\num so mehr bewundern wird, je öfter man sie hört.\"\n\nB. P.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nDer philharmonische Verein hat in seinem vier-\nten Concerte am 20. d. Mts. einen so erfreulichen Beweis\neines endlichen Fortschrittes gegeben, dass auch in die-\nsen Blättern davon Notiz genommen werden soll. Es war\neinmal eine von Männern ausgeführte Concert-Leistung,\nkeine Semestrai-Prüfung einer Musikschule, wie sonst im-\nmer zu hören gewesen. Seit vollen dreissig Jahren beste-\nhend, befand sich dieser Verein in Folge verschiedener\nWechselfälle mit theils ungeschickten, theils nachlässigen\nDirigenten immer auf der Stufe jugendlicher Unschuld und\nUnerfahrenheit, bis im Herbste 1860 Herr H. Henkel\nzum belebenden Princip erwählt worden. Erst von da ab\nhat der Verein ein wirklich neues Leben begonnen, zu-\ngleich die licht gewordenen Reihen seiner Mitglieder mit\nfrischen Kräften ausgefüllt, demnach er wie neu gegründet\nerscheint. Henkel's Fleiss und Directions-Talent werden\ndie Dinge zu Aller Nutzen und Frommen weiter fördern,\nunter der wohl zu beachtenden Nebenbedingung jedoch,\nwenn man ablässt, nach Art armer Leute aus der Hand\nin den Mund zu leben. Wenn sich eine Gesellschaft, aus\nDilettanten bestehend, nicht durch Beiträge der Mitglieder\ndie Existenz wenigstens so lange zu sichern vermag, bis\nsie den Schulstaub von den Schuhen geschüttelt, mit einem\ngewissen Grade künstlerischer Ausbildung vor das Publi-\ncum zu treten im Stande ist; wenn sich ein solcher Verein\nausschliesslich mit Einübung von Werken beschäftigt, die\nschon auf dem nächsten Concert-Programm figuriren sol-\nlen, der wird selbst mit dem besten Dirigenten nur sehr\ngeringe Fortschritte machen. Es muss viel und Vieles ge-\nlernt, überwunden sein, wovon nur ein Theil vor die Oef-\nfentlichkeit gebracht werden kann. Ist es doch bei den\nmeisten menschlichen Bestrebungen derselbe Fall.\nDer Verein hatte für dieses Concert den grossen neuen\nSaal gewählt und den berühmten Sänger Stock hausen\nzur Mitwirkung eingeladen. An Instrumentalwerken ka-\nmen zur Aufführung: Beethoven's Ouvertüre zu den Rui-\nnen von Athen, die Sinfonie in Op. 83, von Haydn,\nOuvertüre zu Ruy Blas von Mendelssohn und Mozart's\nPianoforte-Quintett mit Blas-Instrumenten. Unter den drei\nOrchesterwerken verdient die Ausführung der Sinfonie das\nmeiste Lob, weil die Aufgabe hierbei, die Partitur in allen\nStimmen mit gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen, um\ndas wunderbar zusammengefügte Getriebe auch mit dem\nkleinsten etwa verrückten Zeittheilchen nicht zu stören,\nvon allen Spielern vortrefflich gelös't wurde. Ein Aufwand\nvon technischen Schwierigkeiten ist hierin nicht zu finden,\ndesto grösser ist die Summe von feinen Zügen besonderer,\noft überraschender Art, wie solche nur Vater Haydn eigen-\ntümlich sind. 0, welch einen Schatz künstlerischer Weis-\nheit birgt nicht diese Sinfonie! Die Tempo's aller Sätze\nentsprachen dem Inhalt aufs beste, daher von dem in die-\nsem Saale so häufig vorkommenden Eilen des Orchesters\nnichts zu merken gewesen.\nDas Quintett von Mozart, nicht minder ein Stück\newig geltender Weisheit, wie die Sinfonie, war hier nicht\nam Platze. Solchen Schöpfungen beweis't der Künstler\nnur dadurch die schuldige Ehrfurcht, wenn er sie in dem\npassenden Baume zur Ausführung bringt. Was soll über-\nhaupt Kammermusik in diesem grossen Saale? Zudem\neignet sich auch Herrn Henkel's Spielweise, die wohl cor-\nrect und sauber ist, aber des kräftigen Colorits und eben\nsolcher Accente ermangelt, nicht für grosse Bäume. Es\nwar demnach unvermeidlich, dass das Haupt-Instrument,\nzumal noch schwachtönig an sich, gegen die Blasinstru-\nmente oft in Nachtheil bleiben musste.\nHerr Stockhausen hatte zum Vortrage gewählt:\nSacchini's Arie aus „Oedipus\" in französischer Sprache,\nBossini's Barbier-Arie in italiänischer Sprache und »Krie-\nger's Ahnung\" und „Aufenthalt\" aus Schubert's Schwa-\nnengesang, denen er noch „Sonntags am Bhein\" von Schu-\nmann beigegeben. Es versteht sich wohl von selbst, dass"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.5", "texte": "der ausgezeichnete Sänger die Versammlung zu den leb-\nhaftesten Beifallsbezeugungen hingerissen hat, davon die-\nser Bericht nichts subtrahiren will. Nichts desto weniger\nmuss die Wahl so düster gefärbter Lieder in diesem\nRäume und bei solcher Umgebung beklagt werden. Wa-\nren denn unter den 500 Schubert'schen Liedern nicht\nzweckentsprechendere zu finden? Nur ungern möchten wir\nHerrn Stockhausen den mit souverainem Privat-Urtheil\nauftretenden Virtuosen beigesellen, die dem Auditorium\nzumuthen, mit allem fürlieb nehmen zu sollen, was sie\nvorzusetzen belieben, seien es selbst Etüden im Schlafrock.\nUebrigens haben der philharmonische Verein wie auch\nsein Dirigent Ursache, mit dem von der Versammlung ge-\nspendeten Beifalle zufrieden zu sein.\n\nA. S.\n\nAus Bremen.\n\n[Reinth al er's Sinfonie — Die Privat-Concerte — Sin-\nfonie-Con certe — Engelds Singverein u. s. w.]\nDen 19. März 1862.\nEs ist, als ob die Kunst die Nähe des General-Con-\ncertmeisters „Lenz\" fürchtete, denn in reichem Maasse\nschüttet Frau Musica in letzter Zeit das Füllhorn ihrer\nGaben über uns aus. Doch wir müssen uns massigen und\nmit dem siebenten Privat-Concerte beginnen. Dieses\nbrachte uns die C-mo//-Sinfonie von Spohr, die Ouvertüre\nzu Coriolan von Beethoven und die zu Ruy Blas von Men-\ndelssohn. Fräul. Jenny Meyer aus Berlin sang Händel's\n„Er ward verschmäht\", und erwarb sich durch den Vor-\ntrag von Rossini's Recitativ und Cavatine\nsciagurau aus Semiramis, so wie durch Schubert's „Auf\ndem Flusse\" und Taubert's „In der Fremde\" den Täu-\nschendsten Beifall, der künstlerisch freigebig mit einem\nSchubert'schen Liede belohnt wurde. Auch hatten wir Ge-\nlegenheit, in diesem Concerte Herrn Jacobson, einem\nMitgliede unseres Orchesters, die seiner künstlerischen\nTüchtigkeit gebührende Anerkennung zu geben. Er spielte\nmit Virtuosität den ersten Satz des Militär-Concerts von\nLipinsky und zeichnete sich in gleichem Maasse durch die\nEleganz aus, mit der er zwei Salonstücke, von\nReber und Concert-Mazurka von Biernacky, vortrug.\nDas achte Privat-Concert brachte uns unseres Rein-\nthaler neuestes Werk, eine Sinfonie in Wenn\nman sich dem Genüsse eines neuen Kunstwerkes hingibt,\nso ist man gern geneigt, demselben eine gewisse Stellung\nanzuweisen, und vergleicht es alsdann mit den bereits vor-\nhandenen Werken des Meisters selbst, dann mit den mo-\ndernen Kunstschöpfungen überhaupt. Was Herrn Rein-\nthaler's Sinfonie betrifft, so erinnert sie in der Kraft und\ndem Adel ihres Stils, in der Natürlichkeit ihrer Motive, in\nder Klarheit und Sorgfalt der Ausarbeitung, wie in der\nleinen und maassvollen Instrumentirung an den Compo-\nnisten des „Jephtha\"; in ihrem Charakter hat sie eine ge-\nwisse Gemeinsamkeit mit der Richtung, welche in unserer\nZeit durch Mendelssohn, Schumann, Gade, Miller, Rietz,\nReinecke und Andere vertreten ist, und man darf erwar-\nten, dass sie bald und gern neben den Schöpfungen jener\nMänner gehört werde.\nHeiter und frisch bewegt sich der erste Satz in seinen\nThemen und hält in seiner Entwicklung, in seinen Stei-\ngerungen und Gegensätzen die Empfindung in der lebhaf-\ntesten Spannung. Der zweite Theil verarbeitet die Themen\ndes ersten in reicher Durchführung und enfaltet sie zu\ndem Düster und Wirrsal tragischen Ringens, bis endlich\nmit wiederbelebender Klarheit, wie trauter Heimatshimmel\nunter freundlichem Sonnenstrahl, der Wiedereintritt des\nAnfanges uns befreit. Eine Kürzung des Anhanges zum\nersten Satze möchte für eine befriedigende Abrundung des\nGanzen wohl wünschenswerth sein.\nDas Thema des zweiten Satzes, 3/8»\nschmeichelt sich wie ein sanftes Liebeslied ein, zu dem ein\nernstes Schicksal als Gegenbild steht; dem Gegensatze\ndürfte Mangel an Prägnanz vorzuwerfen sein. Das variirte\nThema ist von schöner Wirksamkeit; indess bewegt sich\ndie weitere Durchführung, welche sich an diese Variatio-\nnen anschliesst, so trefflich sie gedacht, doch zu lange in\nder weichen, vollen Tonfarbe, und ist dadurch zu gleich-\nartig, um volle Wirkung zu üben. Doch hat auch dieser\nSatz allgemein gefallen; eine Aenderung oder Kürzung\nmag desshalb ihre Bedenken haben.\nDas Scherzo, D-moll,3/4-Tact, ist reich und glänzend,\nfrisch in seinen Gedanken und äusserst gelungen in seiner\nInstrumentation. Voll reizender Lieblichkeit ist ein kleiner\nSatz im Trio, der wie ein Blüthenregen im Maisonnen-Ge-\nglitzer herabschauert und einen eigenthümlichen Gegen-\nsatz bildet zu dem sanften, melancholischen Hornsatze, der\nunter leisem Staccato des Streich-Orchesters dahinhallt.\nDer Rhythmus erinnert an die Beethoven'schen Scherzo s,\nund wenn man Reminiscenzen an die Schubert'sche Sin-\nfonie zu vernehmen glaubt, so behaupten doch die Gedan-\nken die Eigentümlichkeit ihres Charakters.\nDer vierte Satz, D-dur, beginnt mit einer\nsanften Einleitung im Tempo eines feierlichen Marsches.\nEr stellt gewisser Maassen das Bild eines gewaltigen Kam-\npfes dar; jugendlicher Muth ringt mit Lust und Gluth lür\ndas Höchste, für den Ruhm des Vaterlandes;— der Sieg\nwird errungen, hymnenartig erhebt sich das I hema zum\nhöchsten Schwünge, und fast fühlt man sich hingerissen,\neinzustimmen in die Fülle des Klanges, der in seiner mar-\nkigen Weise zum Chorgesange herausfordert. Die Instru-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.6", "texte": "mcntalion dieses Satzes ist glänzend; es ist, als sähe man\nGepanzerte mit Helm und Schild gegen einander stehen.\nDer Beifall, den dieses Werk unseres verehrten Mu-\nsik-Directors gefunden hat, war ein allgemein freudiger;\ndas nächste Sinfonie-Concert und andere Aufführungen\nwerden gewiss dazu beitragen, bei genauerer Kenntniss\ndas Wohlgefallen an demselben zu steigern.\nAusser der Sinfonie wurde Cherubini's Ouvertüre zu\nAnakreon und die zu Fidelio von Beethoven aufgeführt.\nDen Abend zierten noch Fräulein Anna Reiss aus Mann-\nheim und Herr Karl Davidoff aus Leipzig. Die verehrte\nKünstlerin entfaltete in den gewählten Concertstücken den\nReichthum und die unvergleichliche Schulung ihrer Stim-\nme; imponirte sie in Beethoven's Scene und Arie aus Fi-\ndelio durch die Gewalt der Klangfülle, so riss sie durch\ndie Cavatine aus dem Barbier von Sevilla von Rossini mit\nihrem delicaten Vortrage und ihrer perlenden Coloratur\ndas Publicum zu einem Ausbruche des Beifalls hin, der\nnur durch ein da capo gestillt werden konnte. Herr Da-\nvidoff trug uns mit rühmlichst bekannter Feinheit sein\nConcert und im zweiten Theile die Phantasie über den\nSehnsuchts-Walzer von Servais vor. Da wir schon einmal\ndas Vergnügen hatten, jenes Concert des Herrn Davidoff\nzu hören, so wäre eine Abwechslung nicht unwillkommen\ngewesen.\nDas neunte Privat-Concert wurde eingeleitet durch\neine Sinfonie von Niels W. Gade, Nr. 4, B-dur, die in\nihrer lieblichen Weichheit für die darauf folgenden Chor-\ngesänge wie eigens geschaffen schien. Auf Wunsch des\nPublicums wurde Mendelssohn's Ave für Tenor-Solo und\nachtstimmigen Chor wiederholt, darauf „Der erste Früh-\nlingstag\", drei Lieder für Chor von Mendelssohn, gesun-\ngen. Im zweiten Theile kam das Alexanderfest von Hän-\ndel nach der Mozart'schen Bearbeitung zur Aufführung.\nObwohl das Sonntagsblatt einige erklärende Mittheilungen\nüber die Idee der Dryden'schen Dichtung gemacht hatte,\nauch die Soli in Herrn Dr. Gunz, Herrn Director Behr\nund Fräulein Beste eine vortreffliche Besetzung gefunden\nhatten, so wurde doch die Theilnahme der Zuhörer nicht\ndauernd erhalten.\nDas zehnte Privat-Concert brachte die\nvon Beethoven, die, wie stets, auch diesmal mit dankbarer\nBegeisterung aufgenommen wurde. Als Gäste beehrten\nuns Herr Karl Reinecke aus Leipzig und die königlich\nschwedische Ilofsängerin Frau Louise Michal-Mi-\nchaeli. Das Clavier-Concert, von Herrn Reinecke compo-\nnirt und vorgetragen, wurde mit vieler Wärme aufgenom-\nmen, die sich bei der unter seiner Leitung aufgeführten\nOuvertüre „Alladin\" zu lebhaftem Beifall steigerte, der\nseinem edlen und glänzenden Spiel auch in den Solo-\nstücken: „Schlummerlied\" von Robert Schumann, „Mar-\nda giocosa\" von Hiller und Improvisata über Schubert's\n„Forelle\" von St. Heller zu Theil wurde.\nFrau Michal-Micbaeli sang Recitativ und Arie aus\n„Don Juan\" von Mozart, eine Arie aus Herold's „Zwei-\nkampf\", so wie zwei schwedische Lieder und ein norwe-\ngisches Echo-Lied. Der Pathos ihres Vortrages, der Glanz\nihrer Coloratur, so wie in den Volksliedern die reizende\nNaivetät erwarben ihr den ungetheiltesten Beifall. Den\nSchluss dieses herrlichen Concertes machte Mozart's Don-\nJuan-Ouverture.\nDas fünfte Sinfonie-Concert führte uns abermals Herrn\nReinthaler's Z>-e?wr-Sinfonie vor, für welche das Publicum\nim Voraus seine Gesinnung ausdrückte, indem es den Com-\nponisten mit freudigem Applaus empfing. Die Frische der\nStimmung schien in die Aufführung überzugehen; das\nTempo war ein wenig schärfer, die Leistungen des Orche-\nsters vorzüglich; auch scheint eine Kürzung im ersten\nSatze und Auslassung der Repetition eines Mittelsatzes im\nScherzo zu einer abgerundeteren Gestaltung des Werkes\nwesentlich beigetragen zu haben. Ausserdem wurde Beet-\nhoven's .F-efer-Sinfonie und die Ouvertüre zu „Oberon\"\nin diesem Concerte aufgeführt.\nIn vergangener Woche hatten wir auch die Freude,\neine neue Composition eines hiesigen Künstlers, des Herrn\nStreudner, zu hören, ein Quintett für Pianoforte und\nStreich-Quartett, welches wegen seiner frischen Natürlich-\nkeit und seiner künstlerischen Tüchtigkeit in hiesigen Krei-\nsen viel Beifall gefunden hat und zur weiteren Verbreitung\ndie wärmste Empfehlung verdient.\nAm 15. März hatte der Gesangverein des Herrn En-\ngel eine Soiree veranstaltet, in welcher Chöre und Soli\naus Hiller's Oratorium „Saul\", Mendelssohn's Motette für\nFrauenstimmen, Mirjam's Siegesgesang für Sopran-Solo\nmit Chor von F. Schubert, Hymne für Sopran-Solo mit\nChor von F. Mendelssohn und von demselben „Die Wald-\nvöglein\" und „Deutschland\" aufgeführt wurden.\nDas rege Streben dieses Vereins drückte sich in wohl-\nthuender Weise auch in diesem Concerte aus: Chöre und\nSoli wurden mit Feinheit und Präcision ausgeführt, und\ndie Lebendigkeit und Klangfrische der Aufführung zeigte,\ndass aufopfernder Eifer und künstlerisches Geschick die\nfesten Grundlagen dieses Vereins sind.\nAn demselben Abende ward im Saale des Künstler-\nVereins das erste von drei historischen Concerten aufge-\nführt; es brachte die beiden Oboen-Concerte von Händel,\nClavier-Concert in Es-durvon Mozart [für zwei Claviere?\nEin anderes in Es kennen wir nicht.] und Haydn's Ab-\nschieds-Sinfonie.\n\nWl."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.7", "texte": "Die akademischen Concerte in Güttingen.\nIm März 1862.\nWenn ich Ihnen, Herr Redacteur, einige Zeilen über unser Con-\ncertleben zugehen lasse, so geschieht es heute weniger in der Ab-\nsicht, mich in eigentlicher Kritik zu ergehen, als vielmehr, über\ndas Gebotene kurz zu referiren und zu zeigen, dass wir in musica-\nlischer Beziehung nicht verwaiset sind. Einige allgemeine Bemer-\nkungen werden sich leicht daran knüpfen lassen. Den Mittelpunkt\nund Kern des musicalischen Lebens bilden natürlich die akademi-\nschen Concerte, welche der Musik-Director der Universität zu geben\nhat. Unter dem Vorgänger des jetzigen Musik-Directors halb und\nhalb eingeschlafen, wurden sie von Letzterem wieder ins Leben ge-\nrufen und trotz aller Mühe und Noth mit eiserner Consequenz re-\ngelmässig fortgesetzt. Ich führe zunächst an, was uns in den im\nletztverflossenen Winter-Semester gegebenen fünf akademischen Con-\ncerten geboten wurde.\nInstrumental werke: Die C-cZwr-Sinfonie von Beethoven, die\nD-dur von Em. Bach (2 Mal), die Ouvertüre zu Rosamunde von\nFranz Schubert, zu Don Juan von Mozart, das A-moll-Qoncert für\nPianoforte von Schumann (von einem hiesigen Studenten gespielt).\nChorwerke: Der 4*2. Psalm von Mendelssohn, das Requiem von\nMozart, die Pilgerfahrt der Rose von Schumann. Von kleineren\nChören : das Opferlied von Beethoven, ein Frauenchor aus „Blanche de\nProvence\", von Cherubini, Sopran-Arie mit Frauenchor aus dem\nOratorium Jephtha von Reinthaler, und von sämmtlichen hiesigen\nMännerchören aufgeführt: Motette von Hauptmann, rDie Himmel\nrühmen\" von Beethoven, und Lieder von Marschner nnd Reichardt.\nAls Gäste hatten wir: die Hof-Opernsänger Nie mann aus Han-\nnover (Lieder von Schumann, Hiller) und Dr. Gunz ebendaher\n(Lieder von Schubert, Schumann, Rubinstein), den Kammersänger\nKoch aus Köln und dessen Schülerin Fräulein Oppenheimer\n(in Der Rose Pilgerfahrt und dem Requiem), Concertmeister Borg-\nheer aus Detmold (neuntes Violin-Concert von Spohr, Teufels-So-\nnate von Tartini, Kreuzer-Sonate von Beethoven), E. Weiss, einen\njungen Ciavier- und Orgelspieler, als Stipendiat unseres Königs der-\nzeit sich in Stuttgart aufhaltend (Ciavierpart der Kreuzer-Sonate,\nPräludium und Fuge von S. Bach, Novellette von Schumann), Kam-\nmermusicus C. Matys aus Hannover (Violoncellist) und ein ande-\nrer Violoncellist C. Werner ebendaher. Hinzu zu rechnen sind\nnoch von hier Frau Ulrich (Solo-Sopran im Requiem, in der Pil-\ngerfahrt, Arie aus Jephtha) und Fräulein Eggeling (Solo-Sopran\nim 42. Psalm).\nAusserdem gab der Studenten-Gesangverein ein Concert,\nin dem unter Anderem vorkam: der 23. Psalm für Männerchor von\nC. Löwe, Concert für drei Claviere von S. Bach, verschiedene Chor-\nund Sololieder von Schubert, Schumann u. s. w. Auch Concertmei-\nster Borgheer gab noch eine eigene Soiree, in der wir das Ciavier-\nQuintett von Schumann und Violin-Soli von Spohr, Bach und Viotti,\nso wie ferner ein- und mehrstimmige Gesänge von Beethoven und\nSchumann hörten.\nWenn, wie im letzten Semester, von fünf akademischen Concer-\nten drei Orchester-Concerte sind, so ist dies für unsere Verhältnisse\nviel zu nennen. Mit dem Orchester sind wir nämlich übel daran.\niSchon seit mehreren Jahren haben wir so gut wie gar kein Orche-\nster mehr, und der Musik-Director muss, wenn er eine Sinfonie oder\nein Oratorium mit Orchester aufFühren will, mit Ausnahme von etwa\nsechs hier befindlichen Musikern sich das ganze übrige Orchester\nvon aussen kommen lassen. Dass dies mit unendlicher Mühe und\nmit grossen Opfern an Zeit und Geld verbunden ist, kann man sich\ndenken. Sollte man es für möglich halten, dass eine Stadt wie Göt-\ntingen, mit einer von achtehalb Hundert Studenten besuchten Uni-\nversität, nicht mehr als sechs in einem Orchester brauchbare Musi-\nker aufzuweisen hat? Und doch ist dem so. Man denke sich unter\ndiesen \\ erhältnissen in die Lage eines Musik-Directors, der Con-\ncerte zu geben hat, und man wird ihn schwerlich beneiden. Alle\nbisherigen Versuche, diesem allzu fühlbaren Mangel abzuhelfen, schei-\nterten wohl zumeist an der Unlust der Behörden, für die Sache\netwas zu thun, vielleicht auch an Eifersüchteleien unter ihnen. Der\nUnwille über diese Indolenz trat bei der gesammten Einwohnerschaft\nGöttingens übrigens immer stärker hervor und hat sich neuerdings\nin energischen Vorstellungen an die Behörden Luft gemacht. So ha-\nben die Bürger bei dem Magistrate der Stadt, der Musik-Director\nund die akademischen Behörden bei dem Universitäts-Curatorium\num Abhülfe gebeten, und auch die Studenten in einer von Hunder-\nten unterzeichneten Petition sich angeschlossen. Bei solchem Stande\nder Dinge sollte man doch endlich etwas erwarten dürfen, und so\nhoffen wir denn auch auf ein günstiges Resultat.\nTrotz solcher ungünstiger Verhältnisse haben wir dennoch seit\nder Anstellung des jetzigen Musik-Directors Hille in jedem Winter\neinige Orcbester-Concerte gehabt und unter Anderem folgende Werke\ngehört: Sinfonieen von Beethoven (C-, D-y A-dur: Fastorale),\nMozart (G-moll, C-dur), Haydn (Militär), Franz Schubert (C-cZur),\nGade (<7- und B-dur), Mendelssohn (.A-dur), Schumann (L-dur), Em.\nBach (B-dur); Ouvertüren: zu Fidelio (JE-dur), Coriolan, Eg-\nmont von Beethoven, zu Titus und Don Juan von Mozart, zu Ana-\nkreon von Cherubini, die Jubel-Ouverture von Weber, zu Ruy Blas\nund zur Heimkehr aus der Fremde von Mendelssohn, zu Rosamunde\nvon Schubert, zu Iphigenie in Aulis von Gluck, zu der Oper Bianka\nvon Hille u. s. w.\nMit dem Chorgesange steht es hier bei Weitem günstiger. Er\ngibt uns nicht den geringsten Anlass zur Klage. Nach den bisher\ngemachten Erfahrungen und Beobachtungen glaube ich versichern\nzu können, dass die Sing-Akademie, ein für Göttingen stark zu\nnennender Chor-Gesangverein, jeder Aufgabe gewachsen ist. Es\nherrscht hier eben viel Sangeslust, ein solider Geschmack und reger\nmusicalischer Sinn, der richtig geleitet und zur Förderung künstle-\nrischer Zwecke benutzt wird. Auch in den studentischen Kreisen\nzeigt sich in neuerer Zeit mehr reges musicalisches Leben, als man\nes früher zu finden gewohnt war. — Unter der Leitung des jetzigen\nMusik-Directors wurden nun bereits aufgeführt; Messias, Judas\nMaccabäus, Alexanderfest von Händel, das Requiem von Mozart (die-\nsen Winter), das Requiem von Cherubini (2 Mal), Paulus und Elias\nvon Mendelssohn, Schöpfung und Jahreszeiten von Haydn, ferner\ndie Pilgerfahrt der Rose von Schumann (2 Mal); von kleineren Wer-\nken: der 98. und 42. Psalm, Fragmente aus Christus\", das Lore-\nlei-Finale und Hymne von Mendelssohn, Palmsonntag-Morgen von\nHille u. s. w. Sämmtiiche Werke, mit Ausnahme des Alexander-\nfestes, der Pilgerfahrt, der Hymne und der Fragmente aus ..Chri-\nstus\" von Mendelssohn wurden mit vollständigem Orchester aufge-\nführt. Ausserdem wurden gesungen: Comala von Gade, Paradies\nund Peri von Schumann, Lorelei von Hiller u. s. w. Ferner gab es\nnoch Chöre a capella zu hören von Palestrina, Eccard, Arcadelt?\nPrätorius, Gallus, Lotti, S Bach, Mozart und Anderen, so wie end-\nlich auch geistliches und weltliches Chorlied vertreten waren durch\nSchubert, Schumann, Mendelssohn, Hauptmann, Hiller, Hille, Robert\nFranz u. s. w. u. s. w.\nZu Anfange dieses Winters hiess es, die Matthäus-Passion von\nS. Bach solle eingeübt werden. Die Gründe, wessbalb es nicht ge-\nschehen ist, kenne ich nicht genau genug, um sie anführen zu kön-\nnen; jedenfalls aber glaube ich, dass nur ein Aufschub Statt ge-\nfunden hat.\nDer Männergesang findet seine Pflege im Studenten-Gesang-\nverein und der gottinge* Liedertafel. Von diesen Vereinen, in Ver-\nbindung mit den männlichen Mitgliedern der Sing-Akademie, wur-\nden unter Anderem in den akademischen Concerten gemeinschaftlich\nvorgetragen: der altdeutsche Schlachtgesang von Rietz, der hun-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620329-01.1.8", "texte": "dertste Psalm von Hille, „Haltet Frau Musica in Ehren\" von Roch-\nlitz, Motetten von ß. Klein und Hauptmann u. s w.\nIst es unter den sonst gewiss nicht ungünstig zu nennenden\nVerhältnissen nicht um so mehr zu beklagen, dass wir kein Orche-\nster an Ort und Stelle haben? Die Götter mögen uns geneigt sein\nund die Erschliessungen der Behörden zum Guten lenken!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDie Direction der Gesellschaft der Musikfreunde\ndes österreichischen Kaiserstaates.\nH.fflligSl»ei*g« Se. Majestät der König haben unserem ge-\nschätzten Mitbürger, dem Director des Sängervereins Herrn B.\nHamma als ein Merkmal der Allerhöchsten Anerkennung seiner\nLeistungen in der musiealischen Composition die goldene Medaille\nzu verleihen geruht. Die nächste Veranlassung dazu war die Com-\nposition einer grösseren Cantate für gemischten Chor und Or-\nchester.\nIVIftillz« Am 17. d. Mts. fand hier als Benefiz-Vorstellung des\nCapellmeisters Gust. Schmidt die Aufführung seiner für uns neuen\nOper „Weibertreue oder Kaiser Conrad vor Weinsberg\" Statt, und\nwir freuen uns, von dem Erfolge derselben in jeder Beziehung, so-\nwohl was die Aufführung selbst, als auch die Aufnahme der Oper\nvon Seiten des Publicums betrifft, nur Günstiges mittheilen zu kön-\nnen. Die Musik ist durchaus frisch und anregend, reich an liebli-\nchen Melodieen, und der orchestrale Theil derselben zeugt von so\nvielem Geschick und Feinheit in der Behandlung der verschiedenen\nInstrumente, dass man dieses Werk dem Besten, was in neuerer\nZeit im Fache der komisehen Oper in Deutschland producirt wurde,\nunbedingt an die Seite stellen kann. Die Haupt-Partieen waren in\nden Händen der Damen: Frau Haase-Capitain (Elsbeth), Fräulein\nMolnär (Gundel) und der Herren Philippi (Conrad), Dalfi (Walter),\nUlbrich (Martin), Leithner (Jerobeam) und Simon (Peter). Das Pu-\nblicum liess es an reichlichen Beifallsspenden nicht fehlen, welchen\nam Schlüsse der Oper ein stürmisches Hervorrufen des Componisten\nmit den Trägern der Hauptrollen folgte.\nWir können nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit zu erwäh-\nnen, dass das neu erwählte Theater-Comite im Gemeinderathe sich\nrecht ernstlich mit einer zweckmässigen Verbesserung unserer Thea-\nter-Verhältnisse beschäftigt. Sollte zu den Resultaten der darauf\nbezüglichen Berathungen auch die Creirung eines ständigen Orche-\nsters unter einem tüchtigen und erprobten Capellmeister gehören, so\nwürden wir dies als eine Grundlage für die Verbesserung unserer\ngesammten musicalischen Zustände auf das freudigste begrüssen.\n(Südd. M.-Z.)\nZwei grosse Gastspiele haben so eben an hiesiger\nBühne ihr Ende erreicht. Herr Tichatscheck und Fräulein Ja-\nnauschek vom Hoftheater zu Dresden führten uns eine Reihe ihrer\nanerkanntesten Leistungen vor. Dass Elfterer trotz seines unstreitig\nsich bemerkbar machenden Alters immer noch über ganz respectable\nStimmmittel zu verfügen hat, ist in der Kunstwelt anerkannt, und\ndahin zielte auch das gerechte Lob, welches ihm bei seinem dies-\nmaligen Gastspiel von den Kennern zu Theil. wurde; die Enthu-\nsiasten freilich erblickten in ihm noch immer den ..jugendlichen\",\nunverwüstlichen Helden-Tenor von Anno?? (!), und dieser zu weit\ngetriebene Autoritätsglaube ist es, der auch diesmal einen grossen\nTheil des hiesigen Publicums mit unwiderstehlicher Gewalt fortriss.\nMan konnte bei diesem Gastspiel mit Bedauern bemerken, wie sehr\ndie Opernzustände am hiesigen Theater im Argen liegen und dass\ngrössere Werke nur sehr mittelmässig zur Geltung gebracht werden\nkönnen. — im Schauspiel war Fräulein Janauschek's Medea eine\ngrossartige Leistung, ihre Königin Elisabeth in „Graf Essex\", wel-\ncher hier neu einstudirt wurde, eine bis ins kleinste Detail ausgear-\nBeitete Gestalt. Sie trat ferner lioöh als Gräfin Orsini in\n„Emilia Galotti\" und als Adrienne Lecouvreur auf und ärntete bei\nstets überfüllten Häusern rauschenden Beifall.\nIn der jüngsten Versammlung des Männer-Gesangver-\neins sollte über die Modalitäten der Kunstreise, zur londoner Welt-\nAusstellung berathen werden. Bevor jedoch die vorläufigen Anträge\ndes Comite's zur Abstimmung gebracht werden konnten, wurde das\nPräsidium von einzelnen Mitgliedern interpellirt, ob einer oder ob\nzwei Chormeister in London fungiren sollten. Der Beschluss des\nComite's lautete dahin, dass nur ein Chormeister, und zwar Her-\nbeck, die artistische Leitung des Vereins übernehmen solle.\nDarüber entstanden heftige Debatten und feierliche Proteste. Endlich\nnach zweistündiger Discussion wurde über den Antrag des\nHerrn Dr. Bauer entschieden, dass Subscriptionsbogen zur Einzeich-\nnung für diejenigen Mitglieder, welche an der Kunstreise Theil neh-\nmen wollen, aufgelegt werden. In wenigen Minuten waren mehrere\nTausend Gulden gezeichnet. Für 100 Mitglieder, ä 300 Fl. gerech-\nnet, sind 30,000 Fl. erforderlich.\nDen Sinfonie-Concurs betreffend, welcher von der Gesell-\nschaft der Musikfreunde in Wien eröffnet wurde, erlaubt sich die\ngefertigte Direction den P. T. Herren Tonsetzern, welche Werke\neingesandt haben, Folgendes zur gefälligen Kenntniss zu bringen:\nIn Folge der sehr bedeutenden Anzahl der eingesandten Werke\n(über dreissig) ist es den geehrten Herren Preisrichtern nicht mog-\nlioh gewesen, eine eingehende und gewissenhafte Prüfung in der\nvorausgesezten kurzen Zeit vorzunehmen. Die Sinfonieen wurden\ndaher vor Kurzem erst vom dritten Preisrichter remittirt. Da die-\nselben nun noch an die zwei anderen versandt werden müssen und\ndie Jahreszeit schon bedeutend vorgerückt ist, so wird die öffent-\nliche Aufführung der als relativ besten anerkannten Sinfonie erst\nAnfangs der nächsten Concert-Saison, im Spätherbste, Statt finden\nkönnen.\nWien, am 19. März 1862."}]}