{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-04-05-01", "volume": "bmtnabi_1862-04-05_01", "ocr_sha256": "c1e3a81da58fa3683579428fe65c5824698535eec526ad32b80b005bab140bf6", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/04/05_01/bmtnabi_1862-04-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 481, "texte": "Inhalt.\nF. Hale'vy (Nekrolog). Von L. B. Noch einige Worte über Gounod's „Königin von Saba**. Von Matino. Ber-\nlioz's Musik in Wien. Fünftes Concert in Barmen (Judas Maccabäus). Von L. B. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz,\nProgramm für das fünfte mittelrheinische Musikfest - Darmstadt, Philharmonisches Concert, Niemann's Gastspiel, Budget des darmstädter\nHoftheaters Stuttgart, Deutscher Sängerbund Prag, Cäcilien-Verein Paris, Populär-Concert, Gounod, Sivori, Frau Schumann)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "108", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.2.2", "titre_corps": "F. Halévy.", "titre_sommaire": "F. Halévy.", "signature_source": "L. 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Nach einem Auf-\nenthalte von zwei Jahren kehrte er im September 1822\nüber Wien, wo er Beethoven besuchte, nach Paris zurück.\nIn Rom hatte er viel mit dem Abbate Baini verkehrt und\nausser einer Oper auch einige grössere Kirchen-Musikstücke\ngeschrieben. Schon vor seiner Reise nach Italien hatte er\nauf höheren Auftrag den hebräischen Text des\nfundus zur Todtenfeier des Herzogs von Berry in der Sy-\nnagoge componirt, eine Partitur, die auch gedruckt er-\nschien.\nWie alle jungen französischen Componisten widmete\ner sich vor Allem der dramatischen Musik. Allein auch er\nerfuhr, wie die meisten Bewerber um Erfolge auf der\nOpernbühne, die mannigfachen Hindernisse, die sich die-\nsem Streben entgegenstellen. Drei Opern: „Die Zigeu-\nnerinnen\", „Pygmalion\" und „Die zwei Pavillons\" (komi-\nsche Oper), konnte er nicht zur Aufführung bringen. Aber\ner war nicht der Mann, sich abschrecken zu lassen, und\nim Jahre 1827 gelang es ihm, eine einactige Oper:\n„L'Artisan\", auf die Bühne des Theäire Feydeau zu brin-\ngen. Sie hatte nur geringen Erfolg; der Text war wenig\ninteressant und die Musik schwach.\nIm folgenden Jahre schrieb er mit Riffaut zusammen\nzum Geburtstage Karl's X. die Gelegenheits-Oper „Ze\nRoi et le Batelier\",und im Jahre 1829 für das italiäni-\nsche Theater die dreiaetige Oper „Clari\", die durch die\nDarstellerin der Hauptrolle, Madame Malibran, sehr geho-\nben wurde. Diese Composition zeugte von dem bedeuten-\nden Talente Halevy's und liess eigentlich zuerst voraus-\nsehen, dass er einen hohen Rang unter den Opern-Com-\nponisten einnehmen würde. Noch mehr gefiel in demselben\nJahre die kleine komische Oper: „Der Dilettant von\nAvignon\", die sich auf dem Repertoire erhielt und überall\nmit Beifall gegeben wurde,\nDie nächsten Arbeiten lieferten 1830 die Partitur des\ndreiactigen Ballets „Manon Lescot\" für die grosse Oper\n(der Clavier-Auszug wurde gedruckt), eine Operette\n„Yella\", welche wegen des Bankerotts der Theater-Di-\nrection nicht zur Aufführung kam, ferner\nmusicale\" (1831), die ohne besonderen Eindruck vorüber-\nging, und (1832) eine grosse Ballet-Oper in fünf Acten:\n„Z«Tentation\", welche einige Chöre von ausgezeichneter\ndramatischer Wirkung enthielt. Für den berühmten Ko-\nmiker Martin schrieb er eine Operette „Les Souvenirs de\nLafleur\" mit sehr hübschen Stücken; sie hielt sich indess\ndoch nur so lange, als Martin darin auftrat.\nEinen grösseren Schritt vorwärts that Halevv durch\ndie zweiactige Oper „Ludovic\", welche Herold unvoll-\nendet hinterlassen hatter Sie war fast ganz Halevy's Werk,\nda Herold nur die Ouvertüre und die vier ersten Num-\nmern geschrieben, erhielt im Jahre 1834 auf dem Thea-\nter der Opera comiquegrossen Erfolg und blieb lange auf\ndem Repertoire.\nDarauf erschien im Anfange des Jahres 1835 die\nfünfactige Oper „Die Jüdin\" auf der Bühne der\nmie royale de musique. Sie bezeichnet die Haupt-Epoche\nin der künstlerischen Entwicklung des Componisten. In\ndieser Partitur tritt sein Talent sicherer und mächtiger"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5307, "texte": "hervor, als in allen vorhergegangenen Werken; der Stil\nist bei Weitem höher und grösser, die Erfindung bedeu-\ntender und die Instrumentirung glänzender kurz, das\nWerk ist eines von denen, welche eine völlige Umwand-\nlung, eine neue Periode in dem Schaffen des Genie's be-\nkunden, wie man sie bei begabten Künstler-Naturen oft\nfindet. Der Erfolg beim grossen Publicum war ein ent-\nschieden günstiger; die Kritik unterliess jedoch nicht, ihn\nhauptsächlich der Pracht und dem Glänze der Ausstattung,\nmit welcher die Oper in Scene gesetzt war, zuzuschreiben.\nMan könnte aber eher behaupten, dass dieser Luxus der\nwahren Würdigung der Musik Eintrag that. Uebrigens\nfielen jene verkleinernden Bemerkungen sehr bald der Ver-\ngessenheit anheim, und in allen Ländern wird „Die Jüdin\"\nmit Recht als eines der besten musicalisch-dramatischen\nWerke der französischen Schule betrachtet.\nKaum sechs Monate nach der ersten Aufführung der\n„Jüdin\" brachte Halövy ein neues Werk, die komische\nOper in drei Acten: „Der Blitz\", auf die Scene, und\nauch diese wurde ausserordentlich günstig aufgenommen.\nIhre leichte und elegante Musik bildete einen merkwürdi-\ngen Contrast mit dem ernsten und grossartigen Stil, der\nin der „Jüdin\" herrscht, und das war es gerade, was den\nRuf des Componisten, der dadurch ein keineswegs einsei-\ntiges Talent offenbarte, ausserordentlich erhöhte.\nTrotz dieser günstigen Ergebnisse Hess Halevy jetzt\neine längere Zeit vergehen, ehe er mit einem neuen Werke\nhervortrat, denn erst im März 1838 brachte er die grosse\nOper „Guido und Ginevra\" oder: „Die Pest in Flo-\nrenz\", auf die Bühne. Er hatte sehr sorgfältig daran ge-\narbeitet und fühlte wohl, dass es darauf ankomme, sich\nauf der Höhe zu erhalten, auf welche ihn die beiden letz-\nten Erfolge gestellt hatten. Die Partitur ist auch ohne\nZweifel reich an ausdrucksvollen Melodieen, vollkommen\nabgerundet in den Formen, meisterhaft instrumentirt, und\ner konnte erwarten, bei dem Publicum dieselben Sympa-\nthieen zu wecken, welche jene beiden Werke hervorgeru-\nfen hatten und noch immer in reichem Maasse fanden.\nDennoch täuschte er sich hierin; nach einer mässigen An-\nzahl von Vorstellungen verschwand die Oper vom Reper-\ntoire. Es war ihm begegnet, was so vielen Componisten\nbegegnet, dass er, durch einige gute dramatische Situatio-\nnen des Textbuches geblendet, keinen scharfen Blick mehr\nfür die Mängel desselben gehabt und nicht eingesehen\nhatte, dass ein so düsterer Gegenstand, von dem man nicht\neinmal gern sprechen hört, durchaus nicht auf die Bühne\ngehöre.\nAuch mit zwei anderen Werken: „Les Treize\", einer\nkomischen, und „Le Drapier\",einer grossen dreiactigen\nOper, war er nicht glücklich, erhob sich aber wieder zu\nder früheren Höhe durch „Die Königin von Cypern\",\neine grosse Oper in fünf Acten, in welcher die Sängerin\nStoltz die Haupt-Partie mit grossem dramatischem Aus-\ndruck sang. Wenngleich diese Oper nicht die andauernde\nGunst des Publicums erlangen konnte, so ist sie doch zwei-\nfelsohne von grossem musicalischem Werthe. Ihre erste\nAufführung fällt in das Jahr 1841.\nSeitdem war Halevy unausgesetzt thätig für die Opern-\nbühnen, wohl allzu thätig, indem zwar jedes der folgenden\nWerke vortreffliche einzelne Stücke enthält, aber nur we-\nnige durch den Eindruck des Ganzen einen wirklichen\nErfolg hatten. Die Liste derselben ist folgende:\nLe Guitarrero,komische Oper, 3 Acte (1841);\nVI., grosse Oper, 5 Acte (1843); Le Lassarone, grosse\nOper, 2 Acte (1844); Les Mousquetaires de la Reine, ko-\nmische Oper, 3 Acte (1846) ; Le Val d'Andorre, komi-\nsche Oper, 3 Acte (1848); La Fee aux roses, komische\nOper, 3 Acte (1849); La Dame de Pique, komische Oper,\n3 Acte (1850); La Tempesta, italiänische Oper, nach\nShakespeare's „Sturm\" für London (1850) componirt (in\nParis 1851 aufgeführt); Le Juif errant, grosse Oper, 5\nActe (1852); Le Nabab,komische Oper, 3 Acte (1853);\nJaguarita, für das Theätre lyrique, 3 Acte (1855); Va-\nlentine d'Auligne,komische Oper, 3 Acte (1856);\nMagicienne, grosse Oper, 5 Acte (1857).\nVon diesen Opern sind nur drei: Die Musketiere der\nKönigin, Das Thal von Andorra und Jaguarita, neuerdings\nwieder mit Erfolg aufgenommen worden*).\nIm Ganzen hat Halevy dreissig Opern und ein Ballet\ncomponirt. Ausserdem hat er Musik zu einigen Scenen des\n„gefesselten Prometheus\" des Aeschylus (übersetzt von sei-\nnem Bruder Leon Halevy) geschrieben, welche den 18.\nMärz 1849 in einem Concerte des Conservatoire's aufge-\nführt wurden; ferner eine Cantate:\nfür Chor und Orchester, einige Messen, viele Romanzen\nu. s. w.; auch eine vierhändige Sonate für Fortepiano\n(Paris, bei Garaude) und einige kleinere Ciavierstücke.\nAber nicht nur durch seine Compositionen, auch durch\nLehre und Unterricht hat Halevy die Kunst gefördert. Seit\n1816 gab er Unterricht in einer Gesangclasse des Con-\nservatoriums; 1827 folgte ex Daussoigne als Lehrer der\nHarmonie und des Accompagnements, und im April 1833\ntrat er, als Fetis seine Professur der Composition für Con-\ntrapunkt und Fuge niederlegte, an dessen Stelle und be-\nkleidete dieses Amt bis zu seinem Tode. Zu seinen Schü-\nlern gehören Gounod, Masse, Bazin, Pottier, Gauthier,\nDefffes, J. Cohen u. s. w. Seine Legons de lecture musicale\n\n*) Die meisten von ihnen sind in den „Pariser Briefen\" der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung zu ihrer Zeit ausführlich be-\nsprochen worden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "sind im Conservatorium eingeführt. Am Theater war er\nzuerst Maestro al Cembab bei der italiänischen Oper (von\n1827 —1829), darauf Chorgesang-Director bei der gros-\nsen Oper bis 1845. Seit 1836 zum Mitgliede des Insti-\ntuts an Reicha's Stelle ernannt, wurde er im Jahre 1854\nzum immerwährenden Secretär der Akademie der schönen\nKünste in dem Institut erwählt, eine ehrenvolle Auszeich-\nnung, deren er sich auch durch literarische Arbeiten, die\nin elegantem und geistvollem Stil geschrieben sind, würdig\nzeigte. Sie sind unter dem Titel: Souvenirs et Portraits,\nMüdes sur les Beaux-Arts, gesammelt erschienen (Paris,\nbei Michel Levy, 1861). Den Musiker interessiren darun-\nter die biographischen Charakteristiken von Onslow und\nAdolf Adam. Er war Commandeur der Ehrenlegion und\nRitter mehrerer Orden.\nSchon seit dem Herbste vorigen Jahres kränkelnd,\nging er auf den Rath der Aerzte, die von ihm vor Allem\nRuhe von Arbeit und Anstrengung forderten, nach Nizza.\nDie Luft Italiens und die Entfernung von dem Getriebe\nund den Intriguen in Paris schienen günstig auf seinen\nKörper und auf sein Gemüth zu wirken, denn die letzten\nBriefe an seine Freunde liessen keiner Ahnung an das\nSchlimmste Raum. Allein der lebhafte Geist täuschte wohl\nihn selbst über seinen körperlichen Zustand; seine Kräfte\nnahmen zuletzt zusehends ab, und am 17. März ging er\nschmerzlos hinüber.\nHalevy war einer der liebenswürdigsten Menschen\nnicht nur durch ein bescheidenes und gefälliges, von hoher\nGeistesbildung getragenes Wesen, sondern hauptsächlich\ndurch die Herzensgüte und das tiefe Gefühl, welches ein\nGrundzug seines Charakters war. Desshalb wurde er auch\nschmerzlicher als viele andere Kunstgenossen von der Ver-\nnachlässigung seiner Werke durch die Theater-Directionen\nberührt, nicht aus verletzter Eitelkeit oder aus Eigennutz,\ndenn von beiden war keine Ader an ihm, sondern weil sein\nBewusstsein ihm sagte, dass er das Beste erstrebt habe,\nund er mit Betrübniss empfand, dass dafür kein Boden\nmehr war, oder, was noch schlimmer, dass man an den\nentscheidenden Stellen nicht mehr daran dachte oder daran\ndenken wollte, ihm diesen Boden zu bereiten. Er war zu\nstolz, um sich darüber zu beklagen: allein die ihm näher\nstanden, wussten, dass ein stiller Kummer desshalb an sei-\nnem Herzen nagte, und der Dichter H. de Saint-Georges,\nsein langjähriger Mitarbeiter und vertrauter Freund, spricht\nes in dem kurzen Nachrufe, den er ihm in der France\nmusicale (Nr. 12) widmet, ganz unumwunden aus. Im\nletzten Jahre machte ihm desshalb die Wiederaufnahme\nder oben schon genannten drei Opern grosse Freude.\nAuch gegen die Angriffe der Kritik war er nicht\ngleichgültig und manchmal, wenigstens eine Zeit lang, eher\nallzu empfindlich in seinem Innern. Freilich lachte er über\nDummheiten, wie die Aeusserung eines Journalisten, der\nseinen Bericht mit den Worten schloss: „Gluck's Musik\nist mir denn doch viel lieber, als Ilalevy's\",— und sagte\nzu seinem Freunde: „Da hat er vollkommen Recht, dar-\nüber bin ich schon längst Einer Meinung mit ihm.\" Doch\nfügte er hinzu: „Uebrigens führt man ja so wenig von\nmir auf, dass mich der Herr wohl in Ruhe lassen könnte.\"\nEs ist nicht einem Jeden gegeben, Ausfälle gegen\nbewusstes Verdienst, die eigentlich auf ihre Urheber zu-\nrückfallen, zu verachten; es kommt eine Zeit im Leben,\nwo man empfindlicher dagegen ist, als man sich selbst ge-\nstehen möchte, zumal wenn zu der Ungerechtigkeit auch\nnoch Undankbarkeit kommt. Wenn sich ein Künstler nach\nlangen Jahren angestrengter Arbeit, nach unbestrittenen\nErfolgen und Beweisen der Hochachtung und dankbaren\nAnerkennung seiner Zeitgenossen bei der neuen Gene-\nration vergessen, verkannt, wohl gar verhöhnt sieht, so\nkann sich der stärkste Charakter schwer eines betrüben-\nden, niederschlagenden Gefühls erwehren. So war es bei\nzwei grossen Componisten, welche die Welt der Tonkunst\nin unseren Tagen verloren hat: in Deutschland bei\nMarschner, in Frankreich bei Halevy. Und wer kann\nermessen, wie tief ein gekränktes Gefühl im Herzen die\nphysische Lebenskraft Beider untergraben hat?\nEs bieten sich für sie noch andere Vergleichungs-\npunkte dar. Beide sind ohne Vermögen gestorben, und\nBeide haben ein vollendetes dramatisches Werk hand-\nschriftlich hinterlassen, Marschner die Oper „Hiarne, der\nSängerkönig\", Halevy die oratorische Oper „Noah, oder\ndie Sündflut\". Es ist abzuwarten, welche Bühne zuerst\nihre Pflicht durch Aufführung dieser Reliquien thun wird,\ndie französische oder die deutsche, ihre Pflicht gegen die\nKunst und gegen die Erben.\nHalevy's Leiche wurde nach Paris gebracht, das Be-\ngräbniss fand am 21. März Statt; ein feierlicheres hat Pa-\nris lange nicht gesehen. Der Zug ging von der Wohnung\ndes Verstorbenen in dem Palais der Akademie der schönen\nKünste aus über die Quais nach der Place de la Concorde\nund durch die Strasse Tronchet nach dem Kirchhofe Mont-\nmartre, wo die sterbliche Hülle in der Familiengruft auf dem\nisraelitischen Begräbnissplatze beigesetzt wurde. Halevy hatte\nden Glauben, in welchem er geboren war, nicht verändert\nund war Mitglied des jüdischen Central-Consistoriums von\nFrankreich. Auch hatte er für die Beform des musicali-\nschen Theiles des Gottesdienstes in der Synagoge gewirkt\nund dabei an dem talentvollen Lehrer und Cantor Naum-\nburg einen eifrigen Förderer der Sache gefunden. An dem\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4245, "texte": "Katafalk, der unter einem Trauerzelt im Palaste des In-\nstituts stand, ertönte ein Grabgesang, von Naumburg com-\nponirt und geleitet.\nDer Zug dauerte an zwei volle Stunden. Ein Bataillon\nNationalgarde eröffnete ihn, drei Musikcorps (der National-\ngarde, der Garde von Paris und der Gensd'armerie der\nkaiserlichen Garde) begleiteten ihn. Die Cordons des Lei-\nchentuches hielten Auber, Couder, Ambroise Thomas,\nBaron Taylor—als Mitglieder des Instituts; Oberst Cerf-\nbeer, Präsident des Consistoriums, und de Saint-Georges.\nDem Wagen zunächst gingen Halevy's Bruder und Neffe:\nLeon und Ludovic Hatevy. (Er hat zwei Töchter, keinen\nSohn hinterlassen.) Der Prinz Napoleon und die Prinzessin\nMathilde hatten sich durch Personen ihres Hofstaates ver-\ntreten lassen. Die Minister Walewski und Fould, Mar-\nschall Magnan, der Präfect Haussmann, Deputationen der\nfünf Akademieen des Instituts und eine grosse Anzahl von\nMitgliedern desselben, der General-Director der Museen,\nGraf Nieuwerkerke, die Mitglieder der Kammer: Rothschild,\nKönigswarter, Pereire u. s. w. u. s. w., alle Theater-Di-\nrectoren, eine zahlreiche Genossenschaft von Künstlern und\nSchriftstellern folgten und eine unabsehbare Menschen-\nmenge schloss sich an. v\nAls der Sarg auf dem Friedhofe angekommen, sprach\nder Ober-Rabbiner von Paris, Herr Isidor, ein Gebet,\nworauf der Chor den hebräischen Psalm 91, componirt\nvon Naumburg, anstimmte, welcher bis zur Ankunft bei\nder Familiengruft gesungen wurde. Nach einigen franzö-\nsischen Worten des Ober-Rabbiners des Central-Consisto-\nriums, Herrn Ulimann, wurden einige Verse des\nfunda von Naumburg gesungen und darauf eine französi-\nsche Paraphrase desselben Psalms, in Musik gesetzt von\nvier Schülern Halevy's, den Herren Gounod, Bazin, Masse\nund Cohen. Die vier Strophen wurden von einem Chor\nvon mehr als zweihundert Männerstimmen gesungen, den\ndie sämmtlichen Sänger aller Opernbühnen und des Con-\nservatoriums bildeten und den Tilmant dirigirte. Hierauf\nsprachen acht Redner, zuerst Couder, der gegenwärtige\nPräsident der Akademie der schönen Künste, im Namen\ndes Instituts, zuletzt der Ober-Rabbiner Ullmann.\nVon den Reden, welche pariser Blätter mittheilen,\nhat die des Directors des Theaters der comique,\nHerrn Perrin, am meisten Eindruck auf uns gemacht, be-\nsonders die Worte, die er zuletzt an die Directionen und\nMitglieder der Opernbühnen richtet:\n„Und Ihr alle, in deren Namen ich spreche, für die\nich dem geliebten und verehrten Meister das letzte Lebe-\nwohl nachrufe, wem von Euch kann jemals die Erinne-\nrung schwinden an jene wohlwollende Leutseligkeit und\nHumanität, an den sich stets gleich bleibenden Ton seines\nWesens auch bei allen oft peinlichen und aufregenden\nMomenten im Leben eines Künstlers? Wer von uns kann\nje den vor Allen bescheidenen Meister vergessen, dessen\nAufgabe es zu sein schien, durch Liebenswürdigkeit gegen\nseine Umgebungen das Drückende einer imponirenden gei-\nstigen Ueberlegenheit zu verwischen?\n„Der reiche Quell der Lehre und des Kunstgenusses\nist versiecht, und der Meister, der für unsere Aernten ge-\nsäet hat, der für Andere der Schmied ihres Glückes war,\nhat weniger für sein Glück als für seinen Ruhm gethan.\nAber er hinterlässt eine edle Erbschaft, ein glorreiches\nErbgut seiner Witwe und seinen jungen Waisen, ein ge-\nheiligtes Eigenthum, welches hoffentlich bald durch das\nGesetz jedem materiellen Erbbesitz gleichgestellt werden\nwird. Wir sind die Bewahrer dieses Erbes; der Mensch\nist nicht mehr, aber die Seele, welche jene dauernden\nWerke geschaffen, sie schwebt unsterblich über uns. Sie\nvernimmt unsere Klagen, sie schaut unsere Thränen so\nhöre sie denn auch unser heiliges Versprechen, dem An-\ndenken Halevy's das Opfer zu bringen, das dem Genius\ngebührt: seine Werke als ein uns anvertrautes Gut seiner\nFamilie zu betrachten, und es nicht zinslos liegen zu\nlassen!\"\nMögen diese Worte keine leeren bleiben, mögen sie\nauch zu uns nach Deutschland herüber hallen und als\nernste Mahnung an das Ohr derjenigen schlagen, welche\ndie Bühnen der deutschen Höfe leiten, und sie erinnern,\ndass die Fürsten mit dem Volke wetteifern müssen, die\nSchuld dem Verdienste um die Kunst abzutragen, eine\nSchuld, die sie gegen Lebende und Todte im Vaterlande\nnur gar zu leicht vergessen!\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "109", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.2.3", "titre_corps": "Noch einige Worte über Gounod’s „Königin von Saba“", "titre_sommaire": "Noch einige Worte über Gounod’s „Königin von Saba“", "signature_source": "Matino", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.4", "debut_caractere": 4247, "fin_caractere_exclue": 5069, "texte": "Noch einige Worte über Gounod’s „Königin von\nSaba“\n\n*) Nicht von unserem gewöhnlichen pariser Correspondenten. Wenn\nder geehrte Einsender die Kritiken desselben in allen Jahr-\ngängen der Niederrheinischen Musik-Zeitung kannte, so würde\ner sie nicht mit den schnell fertigen Auslassungen der pariser\nBerichterstatter verwechseln und längst eingesehen haben, dass\nihnen ein eben so reifes als unabhängiges Urtheil zum\nGrunde liegt. Die Redaction.\n\n*).\nParis, den 22. März 1862»\nErlauben Sie mir, einige Bemerkungen in Ihre ge-\nschätzte Zeitschrift niederzulegen, die sich mir beim Lesen\ndes Berichtes Ihres hiesigen Herrn Correspondenten auf-\ngedrungen haben.\nDie ersten Vorstellungen einer grossen Oper in Paris\ngleichen alle einander. Mitten unter Beanstandungen, die\nvon Leuten ausgehen, die sehr wenig von der Sache ver-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5372, "texte": "stehen, und von Kritikern, die entweder bezahlt oder übel\naufgelegt sind, macht man am Ende die Entdeckung, dass\nman sich ein wenig langweilt. Sobald die Handlung nicht\nin die Augen fällt, so reicht ein einziges nicht gehörtes\noder nicht verstandenes Wort, das für das Verständniss\nwichtig ist, hin, um Gleichgültigkeit und Kälte an die Stelle\ngespannter Aufmerksamkeit treten zu lassen. Wenn man\ndas, was man sieht, nicht mehr versteht, so fängt man an,\nsich zu langweilen, und das erstere ist sehr häufig bei den\nersten Vorstellungen der Fall. Die bedeutendsten Phrasen\ndes melodischen Textes stehen dann vereinzelt in einem\nvielleicht sehr schönen Ganzen der Composition, welches\nein todter Buchstabe bleibt, wenn der nothwendige Com-\nmentar dazu, die bestimmt und deutlich ausgesprochene\nHandlung, fehlt. Ferner muss man in Anschlag bringen,\ndass die Natur des musicalisch Schönen, der flüchtigsten\nvon allen Kunsterscheinungen, eine wiederholte Anhörung\nfordert, um einen sicheren Eindruck zu machen; endlich,\ndass eine mangelhafte Darstellung leicht irrige Vorstellun-\ngen von dem, was Dichter und Componist gewollt haben,\nerzeugen kann.\nDas Libretto ist freilich höchst mangelhaft. Für wen\nsoll man sich in einem solchen Stücke interessiren? für\nden Ring? für das eherne Meer? für den unzufriedenen\nAdoniram? für den Salomon (sprich: Soliman), der sich\nwie ein Dummkopf anführen lässt? für die spitzbübische\nAbenteurerin Balkis? für die drei Anabaptisten aus dem\nPropheten?\nAber die Musik! Die Franzosen werfen Gounod vor,\ndass er keine Melodie habe, weil er ein Verfahren übt,\nwelches den Gesang der Stimmen durch den Gesang [?]\ndes Orchesters ergänzt und ihn mit Gegen-Motiven berei-\nchert und füllt. Dieses wesentlich musicalische Verfahren,\ndas in Deutschland von den guten Meistern angewandt\nwird [so allgemein hingestellt, müssen wir dem wider-\nsprechen, sonst gäbe es keinen Unterschied zwischen Mo-\nzart und Wagner!], macht es manchmal schwer, den me-\nlodischen Faden zu verfolgen, und es ist ganz natürlich,\ndass die guten Pariser, welche die Milch der Musik Adam's,\nder Romanzen Masini's u. s. w. gesogen haben, sich für\njenen Stil nicht begeistern können.\nGounod behandelt das Orchester meisterhaft. Er hat\neine prächtige Ivenntniss der Klangwirkungen, die er nur\nselten zum Nachtheil des rein melodischen Gedankens an-\nwendet. Er versteht es vortrefflich, auf ergreifende Weise\ndas Malerische einer Situation wiederzugeben, und wenn\ner einen anderen Weg einschlägt, so thut er es, weil die\nWahrheit ihn darauf führt; dann gewinnt sein symphoni-\nstisches Temperament die Oberhand, er verliert sich ins\nGanze und Volle und kümmert sich nicht mehr um die\nEntwicklung der gewöhnlichen melodischen Formen. Als-\ndann strömt der melodische Quell nicht mehr so reichlich,\ner ordnet sich den Forderungen der Reflexion und des\nVerstandes unter, und da sein Verstand das Triviale zu-\nrückweist, so wird die Musik ohne eine gewisse Anstren-\ngung der Aufmerksamkeit nicht immer verständlich.\nDer erste Act hat mir der schwächste geschienen,\ndoch findet sich in der ersten Arie Adoniram's eine breite\nmelodische Phrase, welche den Charakter gut ausdrückt.\n[Was denn für einen Charakter? des Architekten? des\nMissvergnügten? des Arbeiter-Chefs? des Grossmüthigen,\nder nichts als seinen Mantel mit nimmt, oder des Räubers\nder Braut seines Königs?] Im Finale ist der Schrecken\nSoliman's, die stille Aufregung (?) der Arbeiter, die Neu-\ngierde der Königin u. s/ w. gut durch den Componisten\nausgedrückt; das Orchester bewegt sich ohne gewaltsame\nUebertreibung in erschütternden Schauern, die Steigerung\nist schön, und mit dem Chor bildet es ein ergreifendes Ge-\nmälde. [Was von unserem Correspondenten über dieses\nFinale S. 82 gesagt ist, dürfte dem Componisten noch\nmehr zur Ehre gereichen, als was wir hier lesen. Auch\ndas Gute in einigen Nummern des zweiten und dritten\nActes ist von ihm bereits entschiedener anerkannt—S. B*2\nund 83—, als es hier geschieht.]\nIm letzten Acte habe ich die schöne Orchestermusik\nnach dem Morde Adoniram's bewundert, eben so vorher\ndie energische Zurückweisung der Mörder durch Verach-\ntung ihrer Drohungen, und den letzten Gesang der Balkis,\nden das Publicum nicht begriffen hat, weil es an einen\nrauschenden Schluss gewöhnt ist.\nDie Chöre sind im Allgemeinen von Gounod auf be-\nwundernswerte Weise behandelt und die Recitative sehr\ngut declamirt; dagegen erscheinen allerdings die Soli und\ndie Ensembles zu zwei oder drei Stimmen von geringerer\nBedeutung; die langsamen Sätze, die er übrigens vorzugs-\nweise liebt, gelingen ihm besser, als die schnelleren Tempi,\nwelche zuweilen ganz gewöhnlich sind.\nIn Summa glauben wir nicht, dass die Oper das To-\ndesurtheil verdient, welches die Kritik über sie ausgespro-\nchen hat*).\n\nMatino.\n\n*) Am Schlüsse kommt der Brief nochmals auf die Unzuverhis-\nsigkeit des Eindrucks einer ersten Vorstellung zurück, was\nauf den Correspondenten der Niederrheinischen Musik-Zeitung\ngar keine Anwendung findet, da er niemals nach einer \\ or-\nstellung urtheilt und auch gar nicht zu den Bevorzugten ge-\nhört, die zu der ersten Außührung Zutritt erhalten. Bis\njetzt aber hat die Zeit noch jedes Mal seine Lrtheile üben\nneue französische Opern, Meyerbeer's und rDino-\nrah\" nicht ausgenommen, bestätigt, zumal wenn diese den \"YV eg\nnach Deutschland fanden und auf unseren Bühnen aufgeführt\nwurden ® Ivedaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "111", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.2.4", "titre_corps": "Berlioz’s Musik in Wien.", "titre_sommaire": "Berlioz’s Musik in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5352, "texte": "Berlioz’s Musik in Wien.\nBei Gelegenheit der Aufführungen zweier Sinfonieen\nvon H. Berlioz in den letzten Märzwochen sagt die Deut-\nsche Musik-Zeitung unter Anderem:\nWien, das alte „Capua der Geister\", setzt plötzlich\neine Ehre darein, in allen „Fortschrittsfragen\" an der\nSpitze zu stehen, freilich in Betreff der Musik in eigen-\nthümlicher Weise. Nicht was der deutsche Geist durch\nseine ausdauernde Thätigkeit sich als einen unvergängli-\nchen Schatz zu eigen gemacht hat, nicht was nach eindrin-\ngendsten Untersuchungen sich als höchst werthvoll\nherausgestellt hat, sondern was von dem besten Theile der\nNation als in der Hauptsache verfehlt und unglück-\nlich erkannt worden ist, das will man auf den Schild\nheben!\nWir erinnern uns ziemlich deutlich von jenen Berlioz-\nConcerten an der Wien her, dass uns unter allem Gehör-\nten die Ouvertüre zum „römischen Carneval\" und die Ha-\nrold-Symphonie verhältnissmässig noch am wenigsten miss-\nfallen hatten, während die Symphonie phantastique uns\nschon durch die daselbst geschilderten Vorgänge (Henker-\nmarsch, Guillotine u. dgl.) lebhaftesten Abscheu einflösste.\nWenn wir auch nicht zu jenen Aesthetikern gehören,\nwelche in der Musik nichts Anderes als pur et simple\n»tönend bewegte Formen\" sehen, so sind wir allerdings\nder Ansicht, dass alle Musik, drücke sie aus, was sie wolle,\nvorerst ihren eigenen Bedingungen gerecht werden müsse,\ndass aber ferner, wenn sie sich zur Schilderung von Vor-\ngängen herbeilässt, auch diese dem Schönheitssinne und\nden ethischen Forderungen entsprechen sollen.\nBerlioz gegenüber müssen wir auf der Behauptung\nbeharren, dass seine Musik an sich selten schön (d. i. in\nWohlklang getaucht und durch Harmonie der Theile und\nLogik der Entwicklung fesselnd), viel häufiger unschön\nund verzerrt, oder arm an musicalischer Erfindung ist,\ndass aber die Gegenstände, an die sie sich knüpft, vollends\nbei jedem wohlorganisirten, tiefen Menschen als unlautere\nGebilde einer wüsten und krankhaften Phantasie abprallen\nmüssen; oder doch, dass, wenn diese Gebilde ursprünglich\n(so wie sie der Dichter gab) als Ganzes jenem Vorwurfe\nnicht verfallen, Berlioz jene Seiten derselben herausope-\nrirte und präparirte, welche ihm geeignet schienen, in den\nBereich seiner verwitterten Phantasie gezogen zu werden\nund seine „Genialität in Fractur\" daran zu bethätigen, wie\nMendelssohn bezeichnend von ihm sagte.\nDer erste Satz der Harold-Symphonie (im Gesell-\nschafts-Concerte aufgeführt) ist vielleicht der erträglichste,\nobwohl von wirklicher thematischer Erfindung oder sym-\nphonistisch-dramatischer Entwicklung nicht die Spur zu\nfinden ist. Langweilig wechseln Solo's der Bratsche mit\nraffmirten Orchester-Effecten, aber es kommt nicht zu ern-\nstem Verarbeiten musicalisch-prägnanter Gedanken, noch\nzu einem klaren poetischen Bilde. Wenn das diesmal ver-\ntheilte erklärende Programm von P. Cornelius von „in-\nnigsten Eindrücken\" fabelt, wenn das Ganze uns in italiä-\nnische Gegenden versetzen soll, so gestehen wir, davon nie\netwas verspürt zu haben; eher denken wir dabei an unge-\nmütliche Lappländer, und die Italiäner mögen sich bei\nBerlioz bedanken für die Art, wie er ihr Land malt. Da\nist doch die Mendelssohn'sche J.-e?wr-Symphonie ein ganz\nanderes italiänisch farbenprächtig frisches Bild! Und nun\ndieser Harold als Bratsche! Das ist doch einer der lang-\nweiligsten Gesellen: nicht Fisch noch Fleisch, nicht warm\nnoch kalt, nicht lustig noch traurig, weder verliebt noch\nunglücklich. Der schon voriges Jahr gegebene Pilgermarsch\nist geistreich angelegt, aber ein musicalischer Witz herrscht\nvollständig über die Intention des Ganzen und verdirbt sie.\nWir fragen, ob das componiren, „tondichten\" heisst,\nwenn der Autor durch einen ganzen Satz nichts Dringen-\nderes im Auge hat, als unter allen Verhältnissen, in allen\nTonarten ein C anzubringen. Eine barocke Idee, die durch\nunendliche Wiederholungen überdies läppisch wird.\nDas Quasi-Scherzo: „Ständchen in den Abruzzen\",\nist recht lustig, und wir wollen weiter daran nicht mäkeln.\nDass Berlioz dem Finale eine „Orgie der Banditen\" zu\nGrunde gelegt hat, die in der musicalischen Behandlung\neine wahre Musterkarte von Scheusslichkeiten enthält, auch\ndafür mögen sich die Italiäner bedanken.\nWas das Ganze betrifft, so ist vor allen Dingen der\nTitel „Symphonie\" zu streichen. Diese hat mit all dem\nexotischen Zeug nichts zu schaffen, will durch musicalische\nMittel wirken und darin ihren Hauptwerth finden. Wären\ndie in den einzelnen Sätzen entrollten Bilder wirklich in-\nnerlich geschaut und stimmungsgetreu in Töne gekleidet,\nso möchten wir uns darüber hinwegsetzen, dass das Ganze\nkeine Symphonie ist; so aber haben wir weder das Eine,\nnoch das Andere, und sind einfach—froh, wenn die letz-\nten Töne ausgeklungen haben, und wir uns in freier Luft\nbefinden; sie erwecken uns nicht die mindeste Lust, das\nWerk des Dichters (Byron) nachzulesen, das den Compo-\nnisten zu seinem Werke begeistert (?) hat. Wie anders\nist's da mit Schumann's „Manfred\"!\nIm letzten philharmonischen Concerte erschien Ber-\nlioz's Symphonie phantastique, „Episode aus dem Leben\neines Künstlers\", selbst unserem sehr liberalen Publicum\nzu arg und wurde ziemlich deutlich abgelehnt. Man gab\nalle fünf Sätze, den letzten aber, nach leidiger hiesiger Ge-\nwohnheit, beschnitten und stark verkürzt. Damit wurde\nwohl erreicht, dass man etwa zehn Minuten kürzer mit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 270, "texte": "einer Musik gepeinigt wurde, die der klare Gegensatz zu\nallem genannt werden kann, was heilig, edel und schön\nist, aber es wäre viel besser gewesen, offen vorzugehen\nund allen Zweifelhaften zu einer Radical-Cur zu verhelfen.\nDie Ausführung war eine durchaus vollkommene."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.2.5", "titre_corps": "Fünftes Concert in Barmen.", "titre_sommaire": "Fünftes Concert in Barmen.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.7", "debut_caractere": 272, "fin_caractere_exclue": 4819, "texte": "Fünftes Concert in Barmen.\nL. B.\n(Judas Maccabäus.)\nIn Barmen wohnten wir am Samstag den 29. März dem fünf-\nten Abonnements-Concerte bei, welches uns einen Kunstge-\nnuss gewährt hat, wie wir ihn in deutschen Concertsälen noch nie-\nmals gehabt haben. Es wurde nämlich Händel's Judas Macca-\nbäus aufgeführt und die Chöre dieses herrlichen Werkes durchweg\nmit Orchester und Orgel begleitet. Die Orgel, erbaut von Ibach\nSöhne in Barmen, war jetzt in allen Stimmen vollständig und\nmachte, yon Herrn Ewald gespielt, eine Wirkung, die man keinem,\nder sie nicht gehört hat, auch nur annähernd beschreiben kann.\nDie sämmtlichen Stimmen derselben sind weich und rund und doch\nvoll und kräftig intonirt, so dass selbst beim vollen Werke mit al-\nlen Registern doch kein einziges derselben, auch nicht Mixtur und\nTrompeten, einen nur entfernt schreienden und vorherrschenden\nCharakter hat, welcher die Klangfarbe des Ganzen beeinträchtigte.\nDiese Klangfarbe vermählt sich so herrlich mit dem Chor und mit\ndem Orchester, dass der Zuhörer erstaunt sich selbst fragt, woher\nder wunderbare Gesammtton komme, den er noch nie gehört. Wie\nsehr hätten wir die Gegner der Anwendung der Orgel bei Auffüh-\nrungen von Oratorien mit Orchester, namentlich mit einem ergänzten\nund harmonisch vervollständigten Orchester, an jenem Abende in\nunsere Nähe gewünscht: sie hätten sich jedenfalls mit uns und al-\nlen Anwesenden überzeugt, dass die Orgel nicht nur im forte Chor\nund Orchester zu einer vollkommenen Einheit und Stärke der Ton-\nfülle erhebt, sondern dass sie auch an den ruhigen Stellen, die einen\nsanften Ausdruck im piano verlangen, bei guter Registrirung eine\nWirkung macht, welche durch keine Blas-Instrumente, sie mögen\nheissen, wie sie wollen, zu erreichen ist. Dies empfanden wir z. B.\nrecht eindringlich bei dem Chor in F-moll: „Wir weih'n dem Edeln\nKlag1 und Schmerz\", dann bei den zweimaligen Piano-Stellen in\ndem ersten Chor (D-moll) des zweiten Theiles: „Fall war sein Loos\",\nwährend das Grossartige der Wirkung des vollen Werkes auf wahr-\nhaft erhabene Weise besonders im Schlusschor (F-dur) des ersten\nTheiles, dann im fünfstimmigen „Stimmt ihn an, den Jubelchor\" (in\nG-dur), ferner bei dem Eintritt des C-dur und 4/4-Tactes auf: „Wir\nopfern Gott und Gott allein\" im Schlusschor des zweiten Theiles,\nund ganz prachtvoll und überwältigend bei der letzten Strophe des\nSiegsgesangs in G-dur: „Seht, er kommt!\" hervortrat, welche eine\nwahrhafte Begeisterung hervorrief und wiederholt werden musste.\nVergessen wir aber nicht, dass der Chor des Sing Vereins und\nder Liedertafel vorzüglich gut eingeübt war und, unterstützt von der\nganz vortrefflichen Akustik des neuen Saales, mit seinen frischen\nStimmen und sicheren Einsätzen eine Wirkung machte, als wären\nes drei bis vier Hundert Sänger, während ihrer doch nur etwa 150\nwaren.\nDen Hauptstamm des Orchesters bildete die Küpper'sche (Lan-\ngenbach'sche) Capelle aus Elberfeld; sie hat gute Kräfte, denen nur\ndie Uebung im Vortrage von Oratorienmusik hier und da abgeht,\nindem die Blas-Instrumente ihren meist recht schönen Ton zu wenig\nnuanciren. Dass die Violinen zuweilen das richtige Tempo, das der\nDirigent nahm, durch sehr bald eintretendes Eilen fortzudrängen\nsuchten, ist zu rügen. Die schwierige Solostelle der Hörner im\nSiegsgesang, die in weit bedeutenderen Orchestern fast immer den\nGlarinetten gegeben wird, haben wir selten so fest und rein gehört,\nwie hier.\nDen Judas Maccabäus sang Herr Schneider von Wiesbaden\nganz vortrefflich und mit grossem Applaus; er war dieses Mal eiu\nwirklicher Helden-Tenor. Fräulein Julie Rothenberger aus Köln\nführte die Sopran-Partie recht gut aus, sowohl was technische Fer-\ntigkeit in der Coloratur betrifft — nur auf Triller und Trillermor-\ndent wird sie noch anhaltende Studien wenden müssen —, als was\n\\ ortrag und Ausdruck angeht. Die Partie des zweiten Tenors\nmusste wegen eingetretenen Unwohlseins des Sängers in den Sopran\ntransponirt werden, was den beiden Duetten mit dem ersten Sopran\nallerdings Eintrag that, während die Arie in A-dur: »Er nahm den\nKaub**, die auch wohl sonst vom Sopran gesungen wird, dem Fräu-\nlein Hermine Mann aus Barmen, welche diese ganze Partie erst\nin der Hauptprobe übernommen hatte, Gelegenheit gab, ihre musica-\nlische Bildung unter verdientem Beifall zu bekunden. Eine treffliche\nDilettantin, welche die Alt-Partie übernommen hatte, und Herr\nBergstein aus Aachen, der den Simon sang, vervollständigten das\nFnsemble der Soli.\nDie ganze Aufführung gereicht dem Dirigenten, Herrn Musik-\nDirector Anton Krause, zu grosser Ehre."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-05_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.7", "debut_caractere": 4821, "fin_caractere_exclue": 6820, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\njflaiiiz* Gestern (22. März) wurde in Darmstadt von den De-\nlegaten der verbündeten Gesangvereine das Piogramm für das in\ndiesem Sommer daselbst Statt findende fünfte mittelrheinische Musik-\nfest in folgender Weise festgestellt: Erster Tag: „Judas Maccabäus~,\nOratorium von Händel. Zweiter Tag: C-dur-Sinfonie von Mozart;\n„Der Hirte Israel\", Motette von Seb. Bach; zwei Chöre a capella\nvon Palestrina und Vittoria; Gesang-Solo; Ouvertüre und Männer-\nchor aus „Faniska\" von Cherubini; Lobgesang von Mendelssohn.—\nDie musicalische Leitung ist dem grossherzoglichen Hof-Musik-Di-\nrector C. Mangold übertragen worden. Die beiden Fest-Concerte\nwerden im Hoftheater, und zwar in der zweiten Hälfte des Monats\nAugust, Statt finden.\nDem grossherzoglich hessischen Hof-Capellmeister Schindel-\nmeisser ist von dem Herzoge von Nassau die goldene Medaille\nfür Kunst und Wissenschaft an dem Bande des Adolphs-Ordens\nverliehen wordeu.\nZum General-Intendanten des königlichen Hoftheaters in Dres-\nden ist an die Stelle des Herrn von Lüttichau der Ober-Appella-\ntionsrath von Könneritz ernannt worden und hat seine Stelle am\nI. April bereits angetreten.\nDai*msta(lt, im März. Das dritte philharmonische Con-\ncert, am 24. März, war das bei Weitem glänzendste dieser Sai-\nson, äusserst zahlreich besucht und durch die Gegenwart des Aller-\nhöchsten Hofes verherrlicht. Haydn's ewig junge Sinfonie in D-dur\nwar ein wahrhaft erquickender und alle Gemüther erfrischender\nQuell nach langer und drückender Schwüle. Die Aufführung war\nmusterhaft, und zeigte die grosse Sorgfalt, mit welcher die Capelle\ndiese Sinfonie studirt hatte. Ein junger Componist, Herr W. Thooft\naus Rotterdam, führte eine Phantasie für Orchester eigener Compo-\nsitum und unter eigener Leitung auf und erwies sich als ein sehr\nbegabter Künstler; seine Musik bietet gar viele interessante Motive\nund die Instrumentirung verräth Kenntniss und Geschmack. Dasr\nWerk hatte sich allgemeinster Anerkennung zu erfreuen, sowohl"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6396, "texte": "von Seiten der Allerhöchsten Herrschaften, als auch der Musiker\nund des zahlreichen Publicums. Das Horn-Solo, welches Herr\nFriedrich Wack, ein junger Accessist der hiesigen Hofmusik,\nunter reichem Beifalle vortrug, bezeugte aufs beste seine Befähigung\nfür dieses Instrument. Sein Ton ist voll, sein Ansatz sicher. Die\nschwedische Sängerin Fräulein Hebbe, welche zuerst eine Cavatine\naus Robert, dann einige Lieder sang, besitzt eine nicht sehr starke,\naber äusserst sympathisch klingende Sopranstimme; sie hat ihre\nStudien in Paris gemacht und trug ihre Gesangstücke bezaubernd\nschön vor. Den Schluss des Concertes machte der grosse Krönungs-\nmarsch von Capellmeister Lux in Mainz, in Anlage und Durchfüh-\nrung gleich interessant und grandios gehalten. Die Stimmung des\nPublicums während des ganzen Concertes war eine den künstleri-\nschen Leistungen angemessene, freudig gehobene.\nDas Gastspiel Niemann's erregte hier grosses Interesse; es\nwar das erste Mal, dass der Künstler die Bühne wieder betrat, die\ner vor 9—10 Jahren als junger Anfänger verlassen hatte. Die Er-\nfolge des Gastspiels waren bedeutend, namentlich waren es sein\nRienzi und Cortez, so wie die Erzählung im dritten Acte des Tann-\nhäuser, womit er dieselben errang. Niemann's Hauptfeld ist das des\ndeclamatorischen, dramatischen Gesanges. In diesem Fache leistet er\nwirklich Bedeutendes, und es kommen ihm hier sein hervorragendes\nDarstellungs-Talent, so wie das Feuer seines Vortrages trefflich zu\nStatten. Niemann sang fast allabendlich vor ausverkauftem Hause.\n— Zur Aufführung des „Rienzi\" war auch Richard Wagner,\nder diese Oper seit seiner Flucht von Dresden (1849) nicht mehr\ngehört hatte, von Biberich, wo er seit einiger Zeit weilt, hieher ge-\nkommen. Bei seinem Erscheinen, so wie am Schlüsse der Oper wurde\ner von dem Publicum mit den lebhaftesten Acelamationen begrüsst.\nDas darmstädter Hoftheater verausgabt circa 175,000 Fl. jähr-\nlich. Die früher nur 25—27,000 Fl. betragenden Einnahmen haben\nsich um 15,000 Fl,, d. h. auf 42,000 Fl. gesteigert, welche Mehr-\nEinnahme grösstentheils von Fremden geleistet wird, die von den\nbrillanten grossen Opern- und Ballet-Yorstellungen angezogen werden.\nDie Mehr-Ausgabe von 130—135,000 Fl. bestreitet der Grossherzog.\nStuttgart, 20. März. Wir können über den Stand der Vorar-\nbeiten zur Gründung eines deutschen Sängerbundes, welche\nbekanntlich auf dem nürnberger Sängerfeste dem schwäbischen Sän-\ngerbunde übertragen worden sind, einiges Nähere mittheilen. Nach\nden dem Ausschusse des schwäbischen Sängerbundes vorliegenden\nNotizen bestehen dermalen etwa 25 bereits constituirte Sänger-\nbünde in Deutschland. Von diesen haben sich zwölf mit den ge-\nmachten Vorschlägen in allem Wesentlichen vollkommen einverstan-\nden erklärt, von ein paar weiteren steht dieselbe Zustimmung be-\nFor; von etwa zehn der bestehenden Sängerbünde, unter welchen\neinige bedeutendere, fehlt bis jetzt eine Beantwortung der ihnen ge-\nstellten Fragen. Der fränkische Sängerbund, von Nürnberg ins Le-\nben gerufen, soll am 1. Mai in Bamberg constituirt werden. In Ty-\nrol und in Vorarlberg, in Steyermark, von Graz aus angeregt, und\nösterreichisch Schlesien schliessen sieh die Einzel-Vereine zusam-\nmen; der ausgezeichnete wiener Männer-Gesangverein wird es unter-\nnehmen, die Vereine in Unterösterreich, etwa 45 an der Zahl, um\nsich zu sammeln; die Sängervereine Schlesiens hat der Männer-Ge-\nsangverein in Neisse zu einem Bande aufgerufen; in Thüringen, am\nHarz, im Emsgebiet, in Lübeck, Holstein, in baierisch Schwaben,\nin der Lausitz sind Bünde angeregt; ein erzgebirgischer Sängerbund\nIst unter dem Vorort Meerane in der Bildung begriffen. Ein preus-\nsischer Sängerbund wird auf dem siebenten preussischen Sängerfeste\nEnde Juli d. J. in Elbing constituirt werden. Ort und Zeit für\neinen allgemeinen Sängertag können jetzt noch nicht bestimmt\n•werden, da noch zu viele Landschaften mit ihren Entschlüssen und\nVorbereitungen im Rückstände sind. Einladungen zu Anberaumung\ndes Sängertages hat der Ausschuss des schwäbischen Sängerbundes\nschon von Coburg und Nürnberg erhalten; andere Stimmen haben\nEisenach, Leipzig, Dresden in Vorschlag gebracht. Zu bemerken ist\nnoch, dass sich auch die deutschen Gesangvereine im Auslande un-\nter sich zusammen und an die Heimat anschliessen, z. B. die deut-\nschen Vereine in Grossbritannien. Etwa auf Ostern d. J. will der\nAusschuss des schwäbischen Sängerbundes einen Bericht über\nden Stand seiner Arbeiten den deutschen Sängern erstatten. Für den\nAusschuss des schwäbischen Sängerbundes: Dr. Otto Elben,\nPrag. Im dritten Concerte des Cäcilien-Vereins unter Direction\ndes Musik-Directors Herrn Anton Apt kam unter Anderem die\nMusik zum Trauerspiel „Lucifer\" von J. A. van Eyken zur Auf-\nführung. Jede Abtheilung wurde mit Beifall begrüsst und die So-\nlisten so wie der Declamator des verbindenden Gedichtes am Schlüsse\ngerufen.\nParis. Am Sonntag den 30. März war das letzte Populär-Con-\ncert im Cirque NapoUon. Es brachte die Sinfonie in D-dur von\nBeethoven, die Oberon-Ouverture, das Andante des 50. Quartetts\nvon Haydn in Masse der Saiten-Instrumente und Mendelssohn's Mu-\nsik zum Sommernachtstraum. — Sonntag den 6. April aber — hört!\nhört! — wird Herr Pasdeloup in demselben Locale Mendelssohn's\nOratorium Elias aufführen. Madame Viardot wird darin singen.\nGounod ist nach Italien gereis't, wo er einige Monate verwei-\nlen will.\nCamille Sivori wird am 12. April Concert geben.\nClara Schumann ist die Königin des Tages in der musicali-\nschen und fashionablen Welt. „Woher kommt ihre Macht über die\nGeister oder vielmehr über die Herzen ?\" — sagt ein kritisches\nBlatt. — „Rührt sie von einer mehr oder weniger wunderbaren\nTechnik her? O nein; an unglaublicher mechanischer Geschicklich-\nkeit haben wir heutzutage Ueberfluss. Jene unschätzbare und unwi-\nderstehliche Macht erzeugt der überwältigende Reiz, den ein schö-\nner Stil hat, die innerliche und geistige Bildung, welche das Talent\nbefähigt, sich die Meisterwerke anzueignen und die Schätze zu he-\nben, welche das Genie der schaffenden Künstler darin niedergelegt\nhat.\" — Ihr zweites Concert war am 29. März in Erard's Säal.\nIm letzten Conservatoire-Concert den 30. v. Mts. hat Meurin\ndas Violin-Concert von Beethoven gespielt.\nDas Comite für Cherubin i's Denkmal, das in Florenz errich-\ntet werden soll, hat hier 5212 Francs gesammelt, einschliesslich des\nErtrags von dem Concerte des Conservatoires."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nF. Hale'vy (Nekrolog). Von L. B. Noch einige Worte über Gounod's „Königin von Saba**. Von Matino. Ber-\nlioz's Musik in Wien. Fünftes Concert in Barmen (Judas Maccabäus). Von L. B. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz,\nProgramm für das fünfte mittelrheinische Musikfest - Darmstadt, Philharmonisches Concert, Niemann's Gastspiel, Budget des darmstädter\nHoftheaters Stuttgart, Deutscher Sängerbund Prag, Cäcilien-Verein Paris, Populär-Concert, Gounod, Sivori, Frau Schumann).\n\nF. Halévy.\n\n(Jakob Franz Frommenthal Elias) Halevy wurde zu\nParis den 27. Mai 1799 von israelitischen Eltern gebo-\nren. Sein Vater war ein Deutscher, seine Mutter eine\nFranzösin. Als Gesangschüler im Januar 1809 auf das\nConservatorium aufgenommen, machte er unter Cazot's\nLeitung reissende Fortschritte. Im Clavierspiel war Lam-\nbert sein Lehrer, in der Composition Berton seit 1811,\nund späterhin Cherubini, dessen Unterricht er fünf Jahre\nlang genoss. Kaum zwanzig Jahre alt, erhielt er durch die\nComposition der Cantate „Herminia\" den grossen Preis\nder Akademie der schönen Künste und ging 1820 in\nFolge dessen auf Staatskosten nach Rom. Nach einem Auf-\nenthalte von zwei Jahren kehrte er im September 1822\nüber Wien, wo er Beethoven besuchte, nach Paris zurück.\nIn Rom hatte er viel mit dem Abbate Baini verkehrt und\nausser einer Oper auch einige grössere Kirchen-Musikstücke\ngeschrieben. Schon vor seiner Reise nach Italien hatte er\nauf höheren Auftrag den hebräischen Text des\nfundus zur Todtenfeier des Herzogs von Berry in der Sy-\nnagoge componirt, eine Partitur, die auch gedruckt er-\nschien.\nWie alle jungen französischen Componisten widmete\ner sich vor Allem der dramatischen Musik. Allein auch er\nerfuhr, wie die meisten Bewerber um Erfolge auf der\nOpernbühne, die mannigfachen Hindernisse, die sich die-\nsem Streben entgegenstellen. Drei Opern: „Die Zigeu-\nnerinnen\", „Pygmalion\" und „Die zwei Pavillons\" (komi-\nsche Oper), konnte er nicht zur Aufführung bringen. Aber\ner war nicht der Mann, sich abschrecken zu lassen, und\nim Jahre 1827 gelang es ihm, eine einactige Oper:\n„L'Artisan\", auf die Bühne des Theäire Feydeau zu brin-\ngen. Sie hatte nur geringen Erfolg; der Text war wenig\ninteressant und die Musik schwach.\nIm folgenden Jahre schrieb er mit Riffaut zusammen\nzum Geburtstage Karl's X. die Gelegenheits-Oper „Ze\nRoi et le Batelier\",und im Jahre 1829 für das italiäni-\nsche Theater die dreiaetige Oper „Clari\", die durch die\nDarstellerin der Hauptrolle, Madame Malibran, sehr geho-\nben wurde. Diese Composition zeugte von dem bedeuten-\nden Talente Halevy's und liess eigentlich zuerst voraus-\nsehen, dass er einen hohen Rang unter den Opern-Com-\nponisten einnehmen würde. Noch mehr gefiel in demselben\nJahre die kleine komische Oper: „Der Dilettant von\nAvignon\", die sich auf dem Repertoire erhielt und überall\nmit Beifall gegeben wurde,\nDie nächsten Arbeiten lieferten 1830 die Partitur des\ndreiactigen Ballets „Manon Lescot\" für die grosse Oper\n(der Clavier-Auszug wurde gedruckt), eine Operette\n„Yella\", welche wegen des Bankerotts der Theater-Di-\nrection nicht zur Aufführung kam, ferner\nmusicale\" (1831), die ohne besonderen Eindruck vorüber-\nging, und (1832) eine grosse Ballet-Oper in fünf Acten:\n„Z«Tentation\", welche einige Chöre von ausgezeichneter\ndramatischer Wirkung enthielt. Für den berühmten Ko-\nmiker Martin schrieb er eine Operette „Les Souvenirs de\nLafleur\" mit sehr hübschen Stücken; sie hielt sich indess\ndoch nur so lange, als Martin darin auftrat.\nEinen grösseren Schritt vorwärts that Halevv durch\ndie zweiactige Oper „Ludovic\", welche Herold unvoll-\nendet hinterlassen hatter Sie war fast ganz Halevy's Werk,\nda Herold nur die Ouvertüre und die vier ersten Num-\nmern geschrieben, erhielt im Jahre 1834 auf dem Thea-\nter der Opera comiquegrossen Erfolg und blieb lange auf\ndem Repertoire.\nDarauf erschien im Anfange des Jahres 1835 die\nfünfactige Oper „Die Jüdin\" auf der Bühne der\nmie royale de musique. Sie bezeichnet die Haupt-Epoche\nin der künstlerischen Entwicklung des Componisten. In\ndieser Partitur tritt sein Talent sicherer und mächtiger"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.2", "texte": "hervor, als in allen vorhergegangenen Werken; der Stil\nist bei Weitem höher und grösser, die Erfindung bedeu-\ntender und die Instrumentirung glänzender kurz, das\nWerk ist eines von denen, welche eine völlige Umwand-\nlung, eine neue Periode in dem Schaffen des Genie's be-\nkunden, wie man sie bei begabten Künstler-Naturen oft\nfindet. Der Erfolg beim grossen Publicum war ein ent-\nschieden günstiger; die Kritik unterliess jedoch nicht, ihn\nhauptsächlich der Pracht und dem Glänze der Ausstattung,\nmit welcher die Oper in Scene gesetzt war, zuzuschreiben.\nMan könnte aber eher behaupten, dass dieser Luxus der\nwahren Würdigung der Musik Eintrag that. Uebrigens\nfielen jene verkleinernden Bemerkungen sehr bald der Ver-\ngessenheit anheim, und in allen Ländern wird „Die Jüdin\"\nmit Recht als eines der besten musicalisch-dramatischen\nWerke der französischen Schule betrachtet.\nKaum sechs Monate nach der ersten Aufführung der\n„Jüdin\" brachte Halövy ein neues Werk, die komische\nOper in drei Acten: „Der Blitz\", auf die Scene, und\nauch diese wurde ausserordentlich günstig aufgenommen.\nIhre leichte und elegante Musik bildete einen merkwürdi-\ngen Contrast mit dem ernsten und grossartigen Stil, der\nin der „Jüdin\" herrscht, und das war es gerade, was den\nRuf des Componisten, der dadurch ein keineswegs einsei-\ntiges Talent offenbarte, ausserordentlich erhöhte.\nTrotz dieser günstigen Ergebnisse Hess Halevy jetzt\neine längere Zeit vergehen, ehe er mit einem neuen Werke\nhervortrat, denn erst im März 1838 brachte er die grosse\nOper „Guido und Ginevra\" oder: „Die Pest in Flo-\nrenz\", auf die Bühne. Er hatte sehr sorgfältig daran ge-\narbeitet und fühlte wohl, dass es darauf ankomme, sich\nauf der Höhe zu erhalten, auf welche ihn die beiden letz-\nten Erfolge gestellt hatten. Die Partitur ist auch ohne\nZweifel reich an ausdrucksvollen Melodieen, vollkommen\nabgerundet in den Formen, meisterhaft instrumentirt, und\ner konnte erwarten, bei dem Publicum dieselben Sympa-\nthieen zu wecken, welche jene beiden Werke hervorgeru-\nfen hatten und noch immer in reichem Maasse fanden.\nDennoch täuschte er sich hierin; nach einer mässigen An-\nzahl von Vorstellungen verschwand die Oper vom Reper-\ntoire. Es war ihm begegnet, was so vielen Componisten\nbegegnet, dass er, durch einige gute dramatische Situatio-\nnen des Textbuches geblendet, keinen scharfen Blick mehr\nfür die Mängel desselben gehabt und nicht eingesehen\nhatte, dass ein so düsterer Gegenstand, von dem man nicht\neinmal gern sprechen hört, durchaus nicht auf die Bühne\ngehöre.\nAuch mit zwei anderen Werken: „Les Treize\", einer\nkomischen, und „Le Drapier\",einer grossen dreiactigen\nOper, war er nicht glücklich, erhob sich aber wieder zu\nder früheren Höhe durch „Die Königin von Cypern\",\neine grosse Oper in fünf Acten, in welcher die Sängerin\nStoltz die Haupt-Partie mit grossem dramatischem Aus-\ndruck sang. Wenngleich diese Oper nicht die andauernde\nGunst des Publicums erlangen konnte, so ist sie doch zwei-\nfelsohne von grossem musicalischem Werthe. Ihre erste\nAufführung fällt in das Jahr 1841.\nSeitdem war Halevy unausgesetzt thätig für die Opern-\nbühnen, wohl allzu thätig, indem zwar jedes der folgenden\nWerke vortreffliche einzelne Stücke enthält, aber nur we-\nnige durch den Eindruck des Ganzen einen wirklichen\nErfolg hatten. Die Liste derselben ist folgende:\nLe Guitarrero,komische Oper, 3 Acte (1841);\nVI., grosse Oper, 5 Acte (1843); Le Lassarone, grosse\nOper, 2 Acte (1844); Les Mousquetaires de la Reine, ko-\nmische Oper, 3 Acte (1846) ; Le Val d'Andorre, komi-\nsche Oper, 3 Acte (1848); La Fee aux roses, komische\nOper, 3 Acte (1849); La Dame de Pique, komische Oper,\n3 Acte (1850); La Tempesta, italiänische Oper, nach\nShakespeare's „Sturm\" für London (1850) componirt (in\nParis 1851 aufgeführt); Le Juif errant, grosse Oper, 5\nActe (1852); Le Nabab,komische Oper, 3 Acte (1853);\nJaguarita, für das Theätre lyrique, 3 Acte (1855); Va-\nlentine d'Auligne,komische Oper, 3 Acte (1856);\nMagicienne, grosse Oper, 5 Acte (1857).\nVon diesen Opern sind nur drei: Die Musketiere der\nKönigin, Das Thal von Andorra und Jaguarita, neuerdings\nwieder mit Erfolg aufgenommen worden*).\nIm Ganzen hat Halevy dreissig Opern und ein Ballet\ncomponirt. Ausserdem hat er Musik zu einigen Scenen des\n„gefesselten Prometheus\" des Aeschylus (übersetzt von sei-\nnem Bruder Leon Halevy) geschrieben, welche den 18.\nMärz 1849 in einem Concerte des Conservatoire's aufge-\nführt wurden; ferner eine Cantate:\nfür Chor und Orchester, einige Messen, viele Romanzen\nu. s. w.; auch eine vierhändige Sonate für Fortepiano\n(Paris, bei Garaude) und einige kleinere Ciavierstücke.\nAber nicht nur durch seine Compositionen, auch durch\nLehre und Unterricht hat Halevy die Kunst gefördert. Seit\n1816 gab er Unterricht in einer Gesangclasse des Con-\nservatoriums; 1827 folgte ex Daussoigne als Lehrer der\nHarmonie und des Accompagnements, und im April 1833\ntrat er, als Fetis seine Professur der Composition für Con-\ntrapunkt und Fuge niederlegte, an dessen Stelle und be-\nkleidete dieses Amt bis zu seinem Tode. Zu seinen Schü-\nlern gehören Gounod, Masse, Bazin, Pottier, Gauthier,\nDefffes, J. Cohen u. s. w. Seine Legons de lecture musicale\n\n*) Die meisten von ihnen sind in den „Pariser Briefen\" der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung zu ihrer Zeit ausführlich be-\nsprochen worden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.3", "texte": "sind im Conservatorium eingeführt. Am Theater war er\nzuerst Maestro al Cembab bei der italiänischen Oper (von\n1827 —1829), darauf Chorgesang-Director bei der gros-\nsen Oper bis 1845. Seit 1836 zum Mitgliede des Insti-\ntuts an Reicha's Stelle ernannt, wurde er im Jahre 1854\nzum immerwährenden Secretär der Akademie der schönen\nKünste in dem Institut erwählt, eine ehrenvolle Auszeich-\nnung, deren er sich auch durch literarische Arbeiten, die\nin elegantem und geistvollem Stil geschrieben sind, würdig\nzeigte. Sie sind unter dem Titel: Souvenirs et Portraits,\nMüdes sur les Beaux-Arts, gesammelt erschienen (Paris,\nbei Michel Levy, 1861). Den Musiker interessiren darun-\nter die biographischen Charakteristiken von Onslow und\nAdolf Adam. Er war Commandeur der Ehrenlegion und\nRitter mehrerer Orden.\nSchon seit dem Herbste vorigen Jahres kränkelnd,\nging er auf den Rath der Aerzte, die von ihm vor Allem\nRuhe von Arbeit und Anstrengung forderten, nach Nizza.\nDie Luft Italiens und die Entfernung von dem Getriebe\nund den Intriguen in Paris schienen günstig auf seinen\nKörper und auf sein Gemüth zu wirken, denn die letzten\nBriefe an seine Freunde liessen keiner Ahnung an das\nSchlimmste Raum. Allein der lebhafte Geist täuschte wohl\nihn selbst über seinen körperlichen Zustand; seine Kräfte\nnahmen zuletzt zusehends ab, und am 17. März ging er\nschmerzlos hinüber.\nHalevy war einer der liebenswürdigsten Menschen\nnicht nur durch ein bescheidenes und gefälliges, von hoher\nGeistesbildung getragenes Wesen, sondern hauptsächlich\ndurch die Herzensgüte und das tiefe Gefühl, welches ein\nGrundzug seines Charakters war. Desshalb wurde er auch\nschmerzlicher als viele andere Kunstgenossen von der Ver-\nnachlässigung seiner Werke durch die Theater-Directionen\nberührt, nicht aus verletzter Eitelkeit oder aus Eigennutz,\ndenn von beiden war keine Ader an ihm, sondern weil sein\nBewusstsein ihm sagte, dass er das Beste erstrebt habe,\nund er mit Betrübniss empfand, dass dafür kein Boden\nmehr war, oder, was noch schlimmer, dass man an den\nentscheidenden Stellen nicht mehr daran dachte oder daran\ndenken wollte, ihm diesen Boden zu bereiten. Er war zu\nstolz, um sich darüber zu beklagen: allein die ihm näher\nstanden, wussten, dass ein stiller Kummer desshalb an sei-\nnem Herzen nagte, und der Dichter H. de Saint-Georges,\nsein langjähriger Mitarbeiter und vertrauter Freund, spricht\nes in dem kurzen Nachrufe, den er ihm in der France\nmusicale (Nr. 12) widmet, ganz unumwunden aus. Im\nletzten Jahre machte ihm desshalb die Wiederaufnahme\nder oben schon genannten drei Opern grosse Freude.\nAuch gegen die Angriffe der Kritik war er nicht\ngleichgültig und manchmal, wenigstens eine Zeit lang, eher\nallzu empfindlich in seinem Innern. Freilich lachte er über\nDummheiten, wie die Aeusserung eines Journalisten, der\nseinen Bericht mit den Worten schloss: „Gluck's Musik\nist mir denn doch viel lieber, als Ilalevy's\",— und sagte\nzu seinem Freunde: „Da hat er vollkommen Recht, dar-\nüber bin ich schon längst Einer Meinung mit ihm.\" Doch\nfügte er hinzu: „Uebrigens führt man ja so wenig von\nmir auf, dass mich der Herr wohl in Ruhe lassen könnte.\"\nEs ist nicht einem Jeden gegeben, Ausfälle gegen\nbewusstes Verdienst, die eigentlich auf ihre Urheber zu-\nrückfallen, zu verachten; es kommt eine Zeit im Leben,\nwo man empfindlicher dagegen ist, als man sich selbst ge-\nstehen möchte, zumal wenn zu der Ungerechtigkeit auch\nnoch Undankbarkeit kommt. Wenn sich ein Künstler nach\nlangen Jahren angestrengter Arbeit, nach unbestrittenen\nErfolgen und Beweisen der Hochachtung und dankbaren\nAnerkennung seiner Zeitgenossen bei der neuen Gene-\nration vergessen, verkannt, wohl gar verhöhnt sieht, so\nkann sich der stärkste Charakter schwer eines betrüben-\nden, niederschlagenden Gefühls erwehren. So war es bei\nzwei grossen Componisten, welche die Welt der Tonkunst\nin unseren Tagen verloren hat: in Deutschland bei\nMarschner, in Frankreich bei Halevy. Und wer kann\nermessen, wie tief ein gekränktes Gefühl im Herzen die\nphysische Lebenskraft Beider untergraben hat?\nEs bieten sich für sie noch andere Vergleichungs-\npunkte dar. Beide sind ohne Vermögen gestorben, und\nBeide haben ein vollendetes dramatisches Werk hand-\nschriftlich hinterlassen, Marschner die Oper „Hiarne, der\nSängerkönig\", Halevy die oratorische Oper „Noah, oder\ndie Sündflut\". Es ist abzuwarten, welche Bühne zuerst\nihre Pflicht durch Aufführung dieser Reliquien thun wird,\ndie französische oder die deutsche, ihre Pflicht gegen die\nKunst und gegen die Erben.\nHalevy's Leiche wurde nach Paris gebracht, das Be-\ngräbniss fand am 21. März Statt; ein feierlicheres hat Pa-\nris lange nicht gesehen. Der Zug ging von der Wohnung\ndes Verstorbenen in dem Palais der Akademie der schönen\nKünste aus über die Quais nach der Place de la Concorde\nund durch die Strasse Tronchet nach dem Kirchhofe Mont-\nmartre, wo die sterbliche Hülle in der Familiengruft auf dem\nisraelitischen Begräbnissplatze beigesetzt wurde. Halevy hatte\nden Glauben, in welchem er geboren war, nicht verändert\nund war Mitglied des jüdischen Central-Consistoriums von\nFrankreich. Auch hatte er für die Beform des musicali-\nschen Theiles des Gottesdienstes in der Synagoge gewirkt\nund dabei an dem talentvollen Lehrer und Cantor Naum-\nburg einen eifrigen Förderer der Sache gefunden. An dem\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.4", "texte": "Katafalk, der unter einem Trauerzelt im Palaste des In-\nstituts stand, ertönte ein Grabgesang, von Naumburg com-\nponirt und geleitet.\nDer Zug dauerte an zwei volle Stunden. Ein Bataillon\nNationalgarde eröffnete ihn, drei Musikcorps (der National-\ngarde, der Garde von Paris und der Gensd'armerie der\nkaiserlichen Garde) begleiteten ihn. Die Cordons des Lei-\nchentuches hielten Auber, Couder, Ambroise Thomas,\nBaron Taylor—als Mitglieder des Instituts; Oberst Cerf-\nbeer, Präsident des Consistoriums, und de Saint-Georges.\nDem Wagen zunächst gingen Halevy's Bruder und Neffe:\nLeon und Ludovic Hatevy. (Er hat zwei Töchter, keinen\nSohn hinterlassen.) Der Prinz Napoleon und die Prinzessin\nMathilde hatten sich durch Personen ihres Hofstaates ver-\ntreten lassen. Die Minister Walewski und Fould, Mar-\nschall Magnan, der Präfect Haussmann, Deputationen der\nfünf Akademieen des Instituts und eine grosse Anzahl von\nMitgliedern desselben, der General-Director der Museen,\nGraf Nieuwerkerke, die Mitglieder der Kammer: Rothschild,\nKönigswarter, Pereire u. s. w. u. s. w., alle Theater-Di-\nrectoren, eine zahlreiche Genossenschaft von Künstlern und\nSchriftstellern folgten und eine unabsehbare Menschen-\nmenge schloss sich an. v\nAls der Sarg auf dem Friedhofe angekommen, sprach\nder Ober-Rabbiner von Paris, Herr Isidor, ein Gebet,\nworauf der Chor den hebräischen Psalm 91, componirt\nvon Naumburg, anstimmte, welcher bis zur Ankunft bei\nder Familiengruft gesungen wurde. Nach einigen franzö-\nsischen Worten des Ober-Rabbiners des Central-Consisto-\nriums, Herrn Ulimann, wurden einige Verse des\nfunda von Naumburg gesungen und darauf eine französi-\nsche Paraphrase desselben Psalms, in Musik gesetzt von\nvier Schülern Halevy's, den Herren Gounod, Bazin, Masse\nund Cohen. Die vier Strophen wurden von einem Chor\nvon mehr als zweihundert Männerstimmen gesungen, den\ndie sämmtlichen Sänger aller Opernbühnen und des Con-\nservatoriums bildeten und den Tilmant dirigirte. Hierauf\nsprachen acht Redner, zuerst Couder, der gegenwärtige\nPräsident der Akademie der schönen Künste, im Namen\ndes Instituts, zuletzt der Ober-Rabbiner Ullmann.\nVon den Reden, welche pariser Blätter mittheilen,\nhat die des Directors des Theaters der comique,\nHerrn Perrin, am meisten Eindruck auf uns gemacht, be-\nsonders die Worte, die er zuletzt an die Directionen und\nMitglieder der Opernbühnen richtet:\n„Und Ihr alle, in deren Namen ich spreche, für die\nich dem geliebten und verehrten Meister das letzte Lebe-\nwohl nachrufe, wem von Euch kann jemals die Erinne-\nrung schwinden an jene wohlwollende Leutseligkeit und\nHumanität, an den sich stets gleich bleibenden Ton seines\nWesens auch bei allen oft peinlichen und aufregenden\nMomenten im Leben eines Künstlers? Wer von uns kann\nje den vor Allen bescheidenen Meister vergessen, dessen\nAufgabe es zu sein schien, durch Liebenswürdigkeit gegen\nseine Umgebungen das Drückende einer imponirenden gei-\nstigen Ueberlegenheit zu verwischen?\n„Der reiche Quell der Lehre und des Kunstgenusses\nist versiecht, und der Meister, der für unsere Aernten ge-\nsäet hat, der für Andere der Schmied ihres Glückes war,\nhat weniger für sein Glück als für seinen Ruhm gethan.\nAber er hinterlässt eine edle Erbschaft, ein glorreiches\nErbgut seiner Witwe und seinen jungen Waisen, ein ge-\nheiligtes Eigenthum, welches hoffentlich bald durch das\nGesetz jedem materiellen Erbbesitz gleichgestellt werden\nwird. Wir sind die Bewahrer dieses Erbes; der Mensch\nist nicht mehr, aber die Seele, welche jene dauernden\nWerke geschaffen, sie schwebt unsterblich über uns. Sie\nvernimmt unsere Klagen, sie schaut unsere Thränen so\nhöre sie denn auch unser heiliges Versprechen, dem An-\ndenken Halevy's das Opfer zu bringen, das dem Genius\ngebührt: seine Werke als ein uns anvertrautes Gut seiner\nFamilie zu betrachten, und es nicht zinslos liegen zu\nlassen!\"\nMögen diese Worte keine leeren bleiben, mögen sie\nauch zu uns nach Deutschland herüber hallen und als\nernste Mahnung an das Ohr derjenigen schlagen, welche\ndie Bühnen der deutschen Höfe leiten, und sie erinnern,\ndass die Fürsten mit dem Volke wetteifern müssen, die\nSchuld dem Verdienste um die Kunst abzutragen, eine\nSchuld, die sie gegen Lebende und Todte im Vaterlande\nnur gar zu leicht vergessen!\n\nL. B.\n\nNoch einige Worte über Gounod’s „Königin von\nSaba“\n\n*) Nicht von unserem gewöhnlichen pariser Correspondenten. Wenn\nder geehrte Einsender die Kritiken desselben in allen Jahr-\ngängen der Niederrheinischen Musik-Zeitung kannte, so würde\ner sie nicht mit den schnell fertigen Auslassungen der pariser\nBerichterstatter verwechseln und längst eingesehen haben, dass\nihnen ein eben so reifes als unabhängiges Urtheil zum\nGrunde liegt. Die Redaction.\n\n*).\nParis, den 22. März 1862»\nErlauben Sie mir, einige Bemerkungen in Ihre ge-\nschätzte Zeitschrift niederzulegen, die sich mir beim Lesen\ndes Berichtes Ihres hiesigen Herrn Correspondenten auf-\ngedrungen haben.\nDie ersten Vorstellungen einer grossen Oper in Paris\ngleichen alle einander. Mitten unter Beanstandungen, die\nvon Leuten ausgehen, die sehr wenig von der Sache ver-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.5", "texte": "stehen, und von Kritikern, die entweder bezahlt oder übel\naufgelegt sind, macht man am Ende die Entdeckung, dass\nman sich ein wenig langweilt. Sobald die Handlung nicht\nin die Augen fällt, so reicht ein einziges nicht gehörtes\noder nicht verstandenes Wort, das für das Verständniss\nwichtig ist, hin, um Gleichgültigkeit und Kälte an die Stelle\ngespannter Aufmerksamkeit treten zu lassen. Wenn man\ndas, was man sieht, nicht mehr versteht, so fängt man an,\nsich zu langweilen, und das erstere ist sehr häufig bei den\nersten Vorstellungen der Fall. Die bedeutendsten Phrasen\ndes melodischen Textes stehen dann vereinzelt in einem\nvielleicht sehr schönen Ganzen der Composition, welches\nein todter Buchstabe bleibt, wenn der nothwendige Com-\nmentar dazu, die bestimmt und deutlich ausgesprochene\nHandlung, fehlt. Ferner muss man in Anschlag bringen,\ndass die Natur des musicalisch Schönen, der flüchtigsten\nvon allen Kunsterscheinungen, eine wiederholte Anhörung\nfordert, um einen sicheren Eindruck zu machen; endlich,\ndass eine mangelhafte Darstellung leicht irrige Vorstellun-\ngen von dem, was Dichter und Componist gewollt haben,\nerzeugen kann.\nDas Libretto ist freilich höchst mangelhaft. Für wen\nsoll man sich in einem solchen Stücke interessiren? für\nden Ring? für das eherne Meer? für den unzufriedenen\nAdoniram? für den Salomon (sprich: Soliman), der sich\nwie ein Dummkopf anführen lässt? für die spitzbübische\nAbenteurerin Balkis? für die drei Anabaptisten aus dem\nPropheten?\nAber die Musik! Die Franzosen werfen Gounod vor,\ndass er keine Melodie habe, weil er ein Verfahren übt,\nwelches den Gesang der Stimmen durch den Gesang [?]\ndes Orchesters ergänzt und ihn mit Gegen-Motiven berei-\nchert und füllt. Dieses wesentlich musicalische Verfahren,\ndas in Deutschland von den guten Meistern angewandt\nwird [so allgemein hingestellt, müssen wir dem wider-\nsprechen, sonst gäbe es keinen Unterschied zwischen Mo-\nzart und Wagner!], macht es manchmal schwer, den me-\nlodischen Faden zu verfolgen, und es ist ganz natürlich,\ndass die guten Pariser, welche die Milch der Musik Adam's,\nder Romanzen Masini's u. s. w. gesogen haben, sich für\njenen Stil nicht begeistern können.\nGounod behandelt das Orchester meisterhaft. Er hat\neine prächtige Ivenntniss der Klangwirkungen, die er nur\nselten zum Nachtheil des rein melodischen Gedankens an-\nwendet. Er versteht es vortrefflich, auf ergreifende Weise\ndas Malerische einer Situation wiederzugeben, und wenn\ner einen anderen Weg einschlägt, so thut er es, weil die\nWahrheit ihn darauf führt; dann gewinnt sein symphoni-\nstisches Temperament die Oberhand, er verliert sich ins\nGanze und Volle und kümmert sich nicht mehr um die\nEntwicklung der gewöhnlichen melodischen Formen. Als-\ndann strömt der melodische Quell nicht mehr so reichlich,\ner ordnet sich den Forderungen der Reflexion und des\nVerstandes unter, und da sein Verstand das Triviale zu-\nrückweist, so wird die Musik ohne eine gewisse Anstren-\ngung der Aufmerksamkeit nicht immer verständlich.\nDer erste Act hat mir der schwächste geschienen,\ndoch findet sich in der ersten Arie Adoniram's eine breite\nmelodische Phrase, welche den Charakter gut ausdrückt.\n[Was denn für einen Charakter? des Architekten? des\nMissvergnügten? des Arbeiter-Chefs? des Grossmüthigen,\nder nichts als seinen Mantel mit nimmt, oder des Räubers\nder Braut seines Königs?] Im Finale ist der Schrecken\nSoliman's, die stille Aufregung (?) der Arbeiter, die Neu-\ngierde der Königin u. s/ w. gut durch den Componisten\nausgedrückt; das Orchester bewegt sich ohne gewaltsame\nUebertreibung in erschütternden Schauern, die Steigerung\nist schön, und mit dem Chor bildet es ein ergreifendes Ge-\nmälde. [Was von unserem Correspondenten über dieses\nFinale S. 82 gesagt ist, dürfte dem Componisten noch\nmehr zur Ehre gereichen, als was wir hier lesen. Auch\ndas Gute in einigen Nummern des zweiten und dritten\nActes ist von ihm bereits entschiedener anerkannt—S. B*2\nund 83—, als es hier geschieht.]\nIm letzten Acte habe ich die schöne Orchestermusik\nnach dem Morde Adoniram's bewundert, eben so vorher\ndie energische Zurückweisung der Mörder durch Verach-\ntung ihrer Drohungen, und den letzten Gesang der Balkis,\nden das Publicum nicht begriffen hat, weil es an einen\nrauschenden Schluss gewöhnt ist.\nDie Chöre sind im Allgemeinen von Gounod auf be-\nwundernswerte Weise behandelt und die Recitative sehr\ngut declamirt; dagegen erscheinen allerdings die Soli und\ndie Ensembles zu zwei oder drei Stimmen von geringerer\nBedeutung; die langsamen Sätze, die er übrigens vorzugs-\nweise liebt, gelingen ihm besser, als die schnelleren Tempi,\nwelche zuweilen ganz gewöhnlich sind.\nIn Summa glauben wir nicht, dass die Oper das To-\ndesurtheil verdient, welches die Kritik über sie ausgespro-\nchen hat*).\n\nMatino.\n\n*) Am Schlüsse kommt der Brief nochmals auf die Unzuverhis-\nsigkeit des Eindrucks einer ersten Vorstellung zurück, was\nauf den Correspondenten der Niederrheinischen Musik-Zeitung\ngar keine Anwendung findet, da er niemals nach einer \\ or-\nstellung urtheilt und auch gar nicht zu den Bevorzugten ge-\nhört, die zu der ersten Außührung Zutritt erhalten. Bis\njetzt aber hat die Zeit noch jedes Mal seine Lrtheile üben\nneue französische Opern, Meyerbeer's und rDino-\nrah\" nicht ausgenommen, bestätigt, zumal wenn diese den \"YV eg\nnach Deutschland fanden und auf unseren Bühnen aufgeführt\nwurden ® Ivedaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.6", "texte": "Berlioz’s Musik in Wien.\nBei Gelegenheit der Aufführungen zweier Sinfonieen\nvon H. Berlioz in den letzten Märzwochen sagt die Deut-\nsche Musik-Zeitung unter Anderem:\nWien, das alte „Capua der Geister\", setzt plötzlich\neine Ehre darein, in allen „Fortschrittsfragen\" an der\nSpitze zu stehen, freilich in Betreff der Musik in eigen-\nthümlicher Weise. Nicht was der deutsche Geist durch\nseine ausdauernde Thätigkeit sich als einen unvergängli-\nchen Schatz zu eigen gemacht hat, nicht was nach eindrin-\ngendsten Untersuchungen sich als höchst werthvoll\nherausgestellt hat, sondern was von dem besten Theile der\nNation als in der Hauptsache verfehlt und unglück-\nlich erkannt worden ist, das will man auf den Schild\nheben!\nWir erinnern uns ziemlich deutlich von jenen Berlioz-\nConcerten an der Wien her, dass uns unter allem Gehör-\nten die Ouvertüre zum „römischen Carneval\" und die Ha-\nrold-Symphonie verhältnissmässig noch am wenigsten miss-\nfallen hatten, während die Symphonie phantastique uns\nschon durch die daselbst geschilderten Vorgänge (Henker-\nmarsch, Guillotine u. dgl.) lebhaftesten Abscheu einflösste.\nWenn wir auch nicht zu jenen Aesthetikern gehören,\nwelche in der Musik nichts Anderes als pur et simple\n»tönend bewegte Formen\" sehen, so sind wir allerdings\nder Ansicht, dass alle Musik, drücke sie aus, was sie wolle,\nvorerst ihren eigenen Bedingungen gerecht werden müsse,\ndass aber ferner, wenn sie sich zur Schilderung von Vor-\ngängen herbeilässt, auch diese dem Schönheitssinne und\nden ethischen Forderungen entsprechen sollen.\nBerlioz gegenüber müssen wir auf der Behauptung\nbeharren, dass seine Musik an sich selten schön (d. i. in\nWohlklang getaucht und durch Harmonie der Theile und\nLogik der Entwicklung fesselnd), viel häufiger unschön\nund verzerrt, oder arm an musicalischer Erfindung ist,\ndass aber die Gegenstände, an die sie sich knüpft, vollends\nbei jedem wohlorganisirten, tiefen Menschen als unlautere\nGebilde einer wüsten und krankhaften Phantasie abprallen\nmüssen; oder doch, dass, wenn diese Gebilde ursprünglich\n(so wie sie der Dichter gab) als Ganzes jenem Vorwurfe\nnicht verfallen, Berlioz jene Seiten derselben herausope-\nrirte und präparirte, welche ihm geeignet schienen, in den\nBereich seiner verwitterten Phantasie gezogen zu werden\nund seine „Genialität in Fractur\" daran zu bethätigen, wie\nMendelssohn bezeichnend von ihm sagte.\nDer erste Satz der Harold-Symphonie (im Gesell-\nschafts-Concerte aufgeführt) ist vielleicht der erträglichste,\nobwohl von wirklicher thematischer Erfindung oder sym-\nphonistisch-dramatischer Entwicklung nicht die Spur zu\nfinden ist. Langweilig wechseln Solo's der Bratsche mit\nraffmirten Orchester-Effecten, aber es kommt nicht zu ern-\nstem Verarbeiten musicalisch-prägnanter Gedanken, noch\nzu einem klaren poetischen Bilde. Wenn das diesmal ver-\ntheilte erklärende Programm von P. Cornelius von „in-\nnigsten Eindrücken\" fabelt, wenn das Ganze uns in italiä-\nnische Gegenden versetzen soll, so gestehen wir, davon nie\netwas verspürt zu haben; eher denken wir dabei an unge-\nmütliche Lappländer, und die Italiäner mögen sich bei\nBerlioz bedanken für die Art, wie er ihr Land malt. Da\nist doch die Mendelssohn'sche J.-e?wr-Symphonie ein ganz\nanderes italiänisch farbenprächtig frisches Bild! Und nun\ndieser Harold als Bratsche! Das ist doch einer der lang-\nweiligsten Gesellen: nicht Fisch noch Fleisch, nicht warm\nnoch kalt, nicht lustig noch traurig, weder verliebt noch\nunglücklich. Der schon voriges Jahr gegebene Pilgermarsch\nist geistreich angelegt, aber ein musicalischer Witz herrscht\nvollständig über die Intention des Ganzen und verdirbt sie.\nWir fragen, ob das componiren, „tondichten\" heisst,\nwenn der Autor durch einen ganzen Satz nichts Dringen-\nderes im Auge hat, als unter allen Verhältnissen, in allen\nTonarten ein C anzubringen. Eine barocke Idee, die durch\nunendliche Wiederholungen überdies läppisch wird.\nDas Quasi-Scherzo: „Ständchen in den Abruzzen\",\nist recht lustig, und wir wollen weiter daran nicht mäkeln.\nDass Berlioz dem Finale eine „Orgie der Banditen\" zu\nGrunde gelegt hat, die in der musicalischen Behandlung\neine wahre Musterkarte von Scheusslichkeiten enthält, auch\ndafür mögen sich die Italiäner bedanken.\nWas das Ganze betrifft, so ist vor allen Dingen der\nTitel „Symphonie\" zu streichen. Diese hat mit all dem\nexotischen Zeug nichts zu schaffen, will durch musicalische\nMittel wirken und darin ihren Hauptwerth finden. Wären\ndie in den einzelnen Sätzen entrollten Bilder wirklich in-\nnerlich geschaut und stimmungsgetreu in Töne gekleidet,\nso möchten wir uns darüber hinwegsetzen, dass das Ganze\nkeine Symphonie ist; so aber haben wir weder das Eine,\nnoch das Andere, und sind einfach—froh, wenn die letz-\nten Töne ausgeklungen haben, und wir uns in freier Luft\nbefinden; sie erwecken uns nicht die mindeste Lust, das\nWerk des Dichters (Byron) nachzulesen, das den Compo-\nnisten zu seinem Werke begeistert (?) hat. Wie anders\nist's da mit Schumann's „Manfred\"!\nIm letzten philharmonischen Concerte erschien Ber-\nlioz's Symphonie phantastique, „Episode aus dem Leben\neines Künstlers\", selbst unserem sehr liberalen Publicum\nzu arg und wurde ziemlich deutlich abgelehnt. Man gab\nalle fünf Sätze, den letzten aber, nach leidiger hiesiger Ge-\nwohnheit, beschnitten und stark verkürzt. Damit wurde\nwohl erreicht, dass man etwa zehn Minuten kürzer mit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.7", "texte": "einer Musik gepeinigt wurde, die der klare Gegensatz zu\nallem genannt werden kann, was heilig, edel und schön\nist, aber es wäre viel besser gewesen, offen vorzugehen\nund allen Zweifelhaften zu einer Radical-Cur zu verhelfen.\nDie Ausführung war eine durchaus vollkommene.\n\nFünftes Concert in Barmen.\nL. B.\n(Judas Maccabäus.)\nIn Barmen wohnten wir am Samstag den 29. März dem fünf-\nten Abonnements-Concerte bei, welches uns einen Kunstge-\nnuss gewährt hat, wie wir ihn in deutschen Concertsälen noch nie-\nmals gehabt haben. Es wurde nämlich Händel's Judas Macca-\nbäus aufgeführt und die Chöre dieses herrlichen Werkes durchweg\nmit Orchester und Orgel begleitet. Die Orgel, erbaut von Ibach\nSöhne in Barmen, war jetzt in allen Stimmen vollständig und\nmachte, yon Herrn Ewald gespielt, eine Wirkung, die man keinem,\nder sie nicht gehört hat, auch nur annähernd beschreiben kann.\nDie sämmtlichen Stimmen derselben sind weich und rund und doch\nvoll und kräftig intonirt, so dass selbst beim vollen Werke mit al-\nlen Registern doch kein einziges derselben, auch nicht Mixtur und\nTrompeten, einen nur entfernt schreienden und vorherrschenden\nCharakter hat, welcher die Klangfarbe des Ganzen beeinträchtigte.\nDiese Klangfarbe vermählt sich so herrlich mit dem Chor und mit\ndem Orchester, dass der Zuhörer erstaunt sich selbst fragt, woher\nder wunderbare Gesammtton komme, den er noch nie gehört. Wie\nsehr hätten wir die Gegner der Anwendung der Orgel bei Auffüh-\nrungen von Oratorien mit Orchester, namentlich mit einem ergänzten\nund harmonisch vervollständigten Orchester, an jenem Abende in\nunsere Nähe gewünscht: sie hätten sich jedenfalls mit uns und al-\nlen Anwesenden überzeugt, dass die Orgel nicht nur im forte Chor\nund Orchester zu einer vollkommenen Einheit und Stärke der Ton-\nfülle erhebt, sondern dass sie auch an den ruhigen Stellen, die einen\nsanften Ausdruck im piano verlangen, bei guter Registrirung eine\nWirkung macht, welche durch keine Blas-Instrumente, sie mögen\nheissen, wie sie wollen, zu erreichen ist. Dies empfanden wir z. B.\nrecht eindringlich bei dem Chor in F-moll: „Wir weih'n dem Edeln\nKlag1 und Schmerz\", dann bei den zweimaligen Piano-Stellen in\ndem ersten Chor (D-moll) des zweiten Theiles: „Fall war sein Loos\",\nwährend das Grossartige der Wirkung des vollen Werkes auf wahr-\nhaft erhabene Weise besonders im Schlusschor (F-dur) des ersten\nTheiles, dann im fünfstimmigen „Stimmt ihn an, den Jubelchor\" (in\nG-dur), ferner bei dem Eintritt des C-dur und 4/4-Tactes auf: „Wir\nopfern Gott und Gott allein\" im Schlusschor des zweiten Theiles,\nund ganz prachtvoll und überwältigend bei der letzten Strophe des\nSiegsgesangs in G-dur: „Seht, er kommt!\" hervortrat, welche eine\nwahrhafte Begeisterung hervorrief und wiederholt werden musste.\nVergessen wir aber nicht, dass der Chor des Sing Vereins und\nder Liedertafel vorzüglich gut eingeübt war und, unterstützt von der\nganz vortrefflichen Akustik des neuen Saales, mit seinen frischen\nStimmen und sicheren Einsätzen eine Wirkung machte, als wären\nes drei bis vier Hundert Sänger, während ihrer doch nur etwa 150\nwaren.\nDen Hauptstamm des Orchesters bildete die Küpper'sche (Lan-\ngenbach'sche) Capelle aus Elberfeld; sie hat gute Kräfte, denen nur\ndie Uebung im Vortrage von Oratorienmusik hier und da abgeht,\nindem die Blas-Instrumente ihren meist recht schönen Ton zu wenig\nnuanciren. Dass die Violinen zuweilen das richtige Tempo, das der\nDirigent nahm, durch sehr bald eintretendes Eilen fortzudrängen\nsuchten, ist zu rügen. Die schwierige Solostelle der Hörner im\nSiegsgesang, die in weit bedeutenderen Orchestern fast immer den\nGlarinetten gegeben wird, haben wir selten so fest und rein gehört,\nwie hier.\nDen Judas Maccabäus sang Herr Schneider von Wiesbaden\nganz vortrefflich und mit grossem Applaus; er war dieses Mal eiu\nwirklicher Helden-Tenor. Fräulein Julie Rothenberger aus Köln\nführte die Sopran-Partie recht gut aus, sowohl was technische Fer-\ntigkeit in der Coloratur betrifft — nur auf Triller und Trillermor-\ndent wird sie noch anhaltende Studien wenden müssen —, als was\n\\ ortrag und Ausdruck angeht. Die Partie des zweiten Tenors\nmusste wegen eingetretenen Unwohlseins des Sängers in den Sopran\ntransponirt werden, was den beiden Duetten mit dem ersten Sopran\nallerdings Eintrag that, während die Arie in A-dur: »Er nahm den\nKaub**, die auch wohl sonst vom Sopran gesungen wird, dem Fräu-\nlein Hermine Mann aus Barmen, welche diese ganze Partie erst\nin der Hauptprobe übernommen hatte, Gelegenheit gab, ihre musica-\nlische Bildung unter verdientem Beifall zu bekunden. Eine treffliche\nDilettantin, welche die Alt-Partie übernommen hatte, und Herr\nBergstein aus Aachen, der den Simon sang, vervollständigten das\nFnsemble der Soli.\nDie ganze Aufführung gereicht dem Dirigenten, Herrn Musik-\nDirector Anton Krause, zu grosser Ehre.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\njflaiiiz* Gestern (22. März) wurde in Darmstadt von den De-\nlegaten der verbündeten Gesangvereine das Piogramm für das in\ndiesem Sommer daselbst Statt findende fünfte mittelrheinische Musik-\nfest in folgender Weise festgestellt: Erster Tag: „Judas Maccabäus~,\nOratorium von Händel. Zweiter Tag: C-dur-Sinfonie von Mozart;\n„Der Hirte Israel\", Motette von Seb. Bach; zwei Chöre a capella\nvon Palestrina und Vittoria; Gesang-Solo; Ouvertüre und Männer-\nchor aus „Faniska\" von Cherubini; Lobgesang von Mendelssohn.—\nDie musicalische Leitung ist dem grossherzoglichen Hof-Musik-Di-\nrector C. Mangold übertragen worden. Die beiden Fest-Concerte\nwerden im Hoftheater, und zwar in der zweiten Hälfte des Monats\nAugust, Statt finden.\nDem grossherzoglich hessischen Hof-Capellmeister Schindel-\nmeisser ist von dem Herzoge von Nassau die goldene Medaille\nfür Kunst und Wissenschaft an dem Bande des Adolphs-Ordens\nverliehen wordeu.\nZum General-Intendanten des königlichen Hoftheaters in Dres-\nden ist an die Stelle des Herrn von Lüttichau der Ober-Appella-\ntionsrath von Könneritz ernannt worden und hat seine Stelle am\nI. April bereits angetreten.\nDai*msta(lt, im März. Das dritte philharmonische Con-\ncert, am 24. März, war das bei Weitem glänzendste dieser Sai-\nson, äusserst zahlreich besucht und durch die Gegenwart des Aller-\nhöchsten Hofes verherrlicht. Haydn's ewig junge Sinfonie in D-dur\nwar ein wahrhaft erquickender und alle Gemüther erfrischender\nQuell nach langer und drückender Schwüle. Die Aufführung war\nmusterhaft, und zeigte die grosse Sorgfalt, mit welcher die Capelle\ndiese Sinfonie studirt hatte. Ein junger Componist, Herr W. Thooft\naus Rotterdam, führte eine Phantasie für Orchester eigener Compo-\nsitum und unter eigener Leitung auf und erwies sich als ein sehr\nbegabter Künstler; seine Musik bietet gar viele interessante Motive\nund die Instrumentirung verräth Kenntniss und Geschmack. Dasr\nWerk hatte sich allgemeinster Anerkennung zu erfreuen, sowohl"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620405-01.1.8", "texte": "von Seiten der Allerhöchsten Herrschaften, als auch der Musiker\nund des zahlreichen Publicums. Das Horn-Solo, welches Herr\nFriedrich Wack, ein junger Accessist der hiesigen Hofmusik,\nunter reichem Beifalle vortrug, bezeugte aufs beste seine Befähigung\nfür dieses Instrument. Sein Ton ist voll, sein Ansatz sicher. Die\nschwedische Sängerin Fräulein Hebbe, welche zuerst eine Cavatine\naus Robert, dann einige Lieder sang, besitzt eine nicht sehr starke,\naber äusserst sympathisch klingende Sopranstimme; sie hat ihre\nStudien in Paris gemacht und trug ihre Gesangstücke bezaubernd\nschön vor. Den Schluss des Concertes machte der grosse Krönungs-\nmarsch von Capellmeister Lux in Mainz, in Anlage und Durchfüh-\nrung gleich interessant und grandios gehalten. Die Stimmung des\nPublicums während des ganzen Concertes war eine den künstleri-\nschen Leistungen angemessene, freudig gehobene.\nDas Gastspiel Niemann's erregte hier grosses Interesse; es\nwar das erste Mal, dass der Künstler die Bühne wieder betrat, die\ner vor 9—10 Jahren als junger Anfänger verlassen hatte. Die Er-\nfolge des Gastspiels waren bedeutend, namentlich waren es sein\nRienzi und Cortez, so wie die Erzählung im dritten Acte des Tann-\nhäuser, womit er dieselben errang. Niemann's Hauptfeld ist das des\ndeclamatorischen, dramatischen Gesanges. In diesem Fache leistet er\nwirklich Bedeutendes, und es kommen ihm hier sein hervorragendes\nDarstellungs-Talent, so wie das Feuer seines Vortrages trefflich zu\nStatten. Niemann sang fast allabendlich vor ausverkauftem Hause.\n— Zur Aufführung des „Rienzi\" war auch Richard Wagner,\nder diese Oper seit seiner Flucht von Dresden (1849) nicht mehr\ngehört hatte, von Biberich, wo er seit einiger Zeit weilt, hieher ge-\nkommen. Bei seinem Erscheinen, so wie am Schlüsse der Oper wurde\ner von dem Publicum mit den lebhaftesten Acelamationen begrüsst.\nDas darmstädter Hoftheater verausgabt circa 175,000 Fl. jähr-\nlich. Die früher nur 25—27,000 Fl. betragenden Einnahmen haben\nsich um 15,000 Fl,, d. h. auf 42,000 Fl. gesteigert, welche Mehr-\nEinnahme grösstentheils von Fremden geleistet wird, die von den\nbrillanten grossen Opern- und Ballet-Yorstellungen angezogen werden.\nDie Mehr-Ausgabe von 130—135,000 Fl. bestreitet der Grossherzog.\nStuttgart, 20. März. Wir können über den Stand der Vorar-\nbeiten zur Gründung eines deutschen Sängerbundes, welche\nbekanntlich auf dem nürnberger Sängerfeste dem schwäbischen Sän-\ngerbunde übertragen worden sind, einiges Nähere mittheilen. Nach\nden dem Ausschusse des schwäbischen Sängerbundes vorliegenden\nNotizen bestehen dermalen etwa 25 bereits constituirte Sänger-\nbünde in Deutschland. Von diesen haben sich zwölf mit den ge-\nmachten Vorschlägen in allem Wesentlichen vollkommen einverstan-\nden erklärt, von ein paar weiteren steht dieselbe Zustimmung be-\nFor; von etwa zehn der bestehenden Sängerbünde, unter welchen\neinige bedeutendere, fehlt bis jetzt eine Beantwortung der ihnen ge-\nstellten Fragen. Der fränkische Sängerbund, von Nürnberg ins Le-\nben gerufen, soll am 1. Mai in Bamberg constituirt werden. In Ty-\nrol und in Vorarlberg, in Steyermark, von Graz aus angeregt, und\nösterreichisch Schlesien schliessen sieh die Einzel-Vereine zusam-\nmen; der ausgezeichnete wiener Männer-Gesangverein wird es unter-\nnehmen, die Vereine in Unterösterreich, etwa 45 an der Zahl, um\nsich zu sammeln; die Sängervereine Schlesiens hat der Männer-Ge-\nsangverein in Neisse zu einem Bande aufgerufen; in Thüringen, am\nHarz, im Emsgebiet, in Lübeck, Holstein, in baierisch Schwaben,\nin der Lausitz sind Bünde angeregt; ein erzgebirgischer Sängerbund\nIst unter dem Vorort Meerane in der Bildung begriffen. Ein preus-\nsischer Sängerbund wird auf dem siebenten preussischen Sängerfeste\nEnde Juli d. J. in Elbing constituirt werden. Ort und Zeit für\neinen allgemeinen Sängertag können jetzt noch nicht bestimmt\n•werden, da noch zu viele Landschaften mit ihren Entschlüssen und\nVorbereitungen im Rückstände sind. Einladungen zu Anberaumung\ndes Sängertages hat der Ausschuss des schwäbischen Sängerbundes\nschon von Coburg und Nürnberg erhalten; andere Stimmen haben\nEisenach, Leipzig, Dresden in Vorschlag gebracht. Zu bemerken ist\nnoch, dass sich auch die deutschen Gesangvereine im Auslande un-\nter sich zusammen und an die Heimat anschliessen, z. B. die deut-\nschen Vereine in Grossbritannien. Etwa auf Ostern d. J. will der\nAusschuss des schwäbischen Sängerbundes einen Bericht über\nden Stand seiner Arbeiten den deutschen Sängern erstatten. Für den\nAusschuss des schwäbischen Sängerbundes: Dr. Otto Elben,\nPrag. Im dritten Concerte des Cäcilien-Vereins unter Direction\ndes Musik-Directors Herrn Anton Apt kam unter Anderem die\nMusik zum Trauerspiel „Lucifer\" von J. A. van Eyken zur Auf-\nführung. Jede Abtheilung wurde mit Beifall begrüsst und die So-\nlisten so wie der Declamator des verbindenden Gedichtes am Schlüsse\ngerufen.\nParis. Am Sonntag den 30. März war das letzte Populär-Con-\ncert im Cirque NapoUon. Es brachte die Sinfonie in D-dur von\nBeethoven, die Oberon-Ouverture, das Andante des 50. Quartetts\nvon Haydn in Masse der Saiten-Instrumente und Mendelssohn's Mu-\nsik zum Sommernachtstraum. — Sonntag den 6. April aber — hört!\nhört! — wird Herr Pasdeloup in demselben Locale Mendelssohn's\nOratorium Elias aufführen. Madame Viardot wird darin singen.\nGounod ist nach Italien gereis't, wo er einige Monate verwei-\nlen will.\nCamille Sivori wird am 12. April Concert geben.\nClara Schumann ist die Königin des Tages in der musicali-\nschen und fashionablen Welt. „Woher kommt ihre Macht über die\nGeister oder vielmehr über die Herzen ?\" — sagt ein kritisches\nBlatt. — „Rührt sie von einer mehr oder weniger wunderbaren\nTechnik her? O nein; an unglaublicher mechanischer Geschicklich-\nkeit haben wir heutzutage Ueberfluss. Jene unschätzbare und unwi-\nderstehliche Macht erzeugt der überwältigende Reiz, den ein schö-\nner Stil hat, die innerliche und geistige Bildung, welche das Talent\nbefähigt, sich die Meisterwerke anzueignen und die Schätze zu he-\nben, welche das Genie der schaffenden Künstler darin niedergelegt\nhat.\" — Ihr zweites Concert war am 29. März in Erard's Säal.\nIm letzten Conservatoire-Concert den 30. v. Mts. hat Meurin\ndas Violin-Concert von Beethoven gespielt.\nDas Comite für Cherubin i's Denkmal, das in Florenz errich-\ntet werden soll, hat hier 5212 Francs gesammelt, einschliesslich des\nErtrags von dem Concerte des Conservatoires."}]}