{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_sha256": "5e96243a95aa621c150e5db12069be9ee5539e176f164f5da30fecaca3069698", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/04/19_01/bmtnabi_1862-04-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 469, "texte": "Inhalt.\nEin Brief von Beethoven. Aus Frankfurt am Main (Das Quartett-Spiel). Schluss. Von A. Schindler. Aus\nBegensburg (Die verflossene Winter-Saison). Skraup und Führer (Lebensskizze). Nachtrag zu F. Haldvy's Nekrolog in Nr. 14.\nZehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterh altungsblatt (Berlin, Bach-Verein Mainz, Lieder-\ntafel-Concert Arnstadt, Bach-Orgel Leipzig, R. Benedix Dresden, „Der fliegende Holländer\", Curiosum Stuttgart, Concert)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "122", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.2", "titre_corps": "Ein Brief von Beethoven", "titre_sommaire": "Ein Brief von Beethoven", "signature_source": "L. 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Dieses machte dann die eine Hälfte der\nAkademie, zur 2ten Hälfte machten Sie eine neue Sinfo-\nnie, die Overturen und verschiedenen Chöre, wie auch die\nobgesagte Bassarie mit Chor so wäre der Abend nicht\nohne Mannigfaltigkeit, doch reden sie dieses am besten mit\nden dortigen musikalischen Rathsherren ab—Was sie von\neiner Belohnung eines dritten für mich sagen, so glaube\nich diesen wohl errathen zu können, wäre ich in meiner\nsonstigen Lage, nun ich würde gerade sagen: „Beethoven\nnimmt nie etwas, wo es für das beste der Menschheit\ngilt\", doch jetzt ebenfalls durch meine grosse Wohlthätig-\nkeit in einen Zustand versetzt, der mich zwar eben durch\nseine Ursache nicht beschämen kann, wie auch die die an-\ndern Umstände welche daran schuld sind von Menschen\nohne Ehre, ohne Wort herkommen, so sage ich ihnen\ngerade, ich würde von einem reichen Dritten so etwas\nnicht ausschlagen Von Forderungen ist aber hier die\nRede nicht, sollte auch das alles mit einem Dritten\nnichts seyn, so seyn sie überzeugt, dass ich auch jetzt ohne\ndie mindeste Belohnung eben so willfährig bin, meinen\nFreundinnen den Ehrwürdigen Frauen etwas gutes erzei-\ngen zu können, als voriges Jahr, und als ich es allzeit sein\nwerde für die leidende Menschheit überhaupt, so lange\nich alhme.—\nUnd nun leben sie wohl, schreiben sie bald, und mit\ndem grössten Eifer werde ich alles nöthige besorgen\nmeine besten Wünsche für den Convent\nMit Hochachtung\nihr Freund\nLudwig van Beethoven.\nNachschrift. Aus den hier erwähnten Compositio-\nnen lässt sich auf die Zeit schliessen, in welcher dieser\nBrief, der uns von einem ganz zuverlässigen, auch mit\nBeethoven's Handschrift wohl bekannten Kunst-Veteranen\nmitgetheilt ist, geschrieben sein mag. Den Haupt-Anhalt\nzur Bestimmung des Datums gibt die Erwähnung der\nOuvertüre (in Es-dur)zu König Stephan. Diese hatte\nBeethoven zu dem ungarischen National-Schauspiel: „Kö-\nnig Stephan, Ungarns erster Wohlthäter\", geschrie-\nben, und sie wurde bei Eröffnung des Theaters in Pesth\nim Jahre 1812 aufgeführt (erschien 1828 als Op. 117\nbei Haslinger in Wien). Schindler, 11., S. 153.\nBei derselben Festlichkeit wurde auch das Festspiel:\n„Die Ruinen von Athen\", mit Beethoven's Musik gegeben,\naus welcher der obige Brief den „Derwisch-Chor\" an-\nführt. Die Eröffnung des Theaters geschah „zu Anfang\ndes Herbstes 1812\" (Schindler, 1., S. 183). Da nun Beet-\n\nEin Brief von Beethoven\nAn Seine Hochwohlgeboren Herrn Joseph von\nWarena in Grätz.\n\n*) Diplomatisch genauer Abdruck eines in der Autographen-Samm-\nlung des Herrn General-Consuls Clauss in Leipzig befind-\nlichen eigenhändigen Briefes (ohne Datum) von L. van Beet-\nhoven."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1419, "texte": "hoven schreibt, dass die Ouvertüre in Grätz „schon vori-\nges Jahr aufgeführt sei\", so kann der Brief nur aus 1813,\nvielleicht aber auch, doch nicht wahrscheinlich, aus 1814\nherrühren. Mit den „2 ganz neuen Sinfonien\" können\nnur die gegenwärtig mit den Nummern 7 und 8\n(F-dur) bezeichneten gemeint sein, welche der Meister im\nJahre 1812, das er zum Theil in Linz, in Teplitz und in\nWien zubrachte, componirt hat.\nEndlich passt auch die trübe Stimmung, welche aus\ndem Briefe eben so deutlich wie rührend spricht, ganz auf\ndie Lage Beethoven's im Jahre 1813, wie sie uns Schind-\nler (1., S. 185 ff.) nach Mittheilungen von Andr. Strei-\ncher und dessen Gattin schildert. „Das Jahr 1813 ergibt\nsich, wie kaum eines der früheren, als ein leidenvolles.\nWas die Cur in Teplitz 1812 Gutes bewirkt hatte, ward\nschon in den nächsten Monaten wieder zerstört.\" Das Ta-\ngebuch des Meisters enthält unter dem 15. Mai 1813 die\nStelle: „0 schreckliche Umstände, die mein Gefühl für\nHäuslichkeit nicht unterdrücken, aber deren Ausübung,—\no Gott, Gott, sieh auf den unglücklichen B. herab, lass es\nnicht länger so dauern!\" Der Himmel erhörte sein Ge-\nbet: das folgende Jahr 1814 wurde für seinen Ruhm eines\nder glanzvollsten und für seine ökonomische Lage zugleich\nsehr befriedigend.\nWas Beethoven mit der „Arie für eine Bassstim-\nme mit Chor\" meint, weiss ich nicht. Ich finde nirgends\neine solche als ein besonderes Werk erwähnt.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "124", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.2", "debut_caractere": 1421, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nVon A. Schindler.\n[Das Quartett-Spiel.]\n(Schluss. S, Nr. 15.)\nNach diesen Anführungen soll ein Blick auf das frank-\nfurter Quartett geworfen werden, um dessen Leistungen\nvon dem genommenen Standpunkte aus in wenig Worten\nzu charakterisiren. Herr Concertmeister Straus, der die\nerste Stimme spielt, ist bekanntlich ein Zögling des wiener\nConservatoriums, wo er sich unter Leitung des Herrn Pro-\nfessors Böhm zum Concerlspieler ausgebildet hat. Hätte\nich im Laufe der Jahre nicht schon an anderen aus jener\nAnstalt hervorgegangenen Violinisten die Wahrnehmung\ngemacht, dass daselbst nicht, wie einst, die französische,\nvielmehr die belgische Violinschule in Theorie und Praxis\ngelehrt wird, Herr Straus allein hätte mir durch seine\nConcert-Vorträge den vollgültigsten Beweis davon geliefert.\nDies zeigt, welcher Wechsel in den Dingen durch die öfte-\nren und andauernden Besuche der belgischen Koryphäen\nde Beriot, Vieuxtemps, Teresa Milanollo und Andere im\nneuen Wien bewirkt worden, von denen bekannt, dass sie\nAlle auch Quartett-Productionen dort gegeben haben. Herr\nStraus wird demnach nicht verantwortlich zu machen sein,\ndenn er gibt nur wieder, was er in der Schule, aber auch\nvon hochberühmten Mustern dort empfangen hat; und was\nseine dem Charakter verschiedener Quartette nicht ent-\nsprechende Auffassung betrifft, so wird das Model eben-\nfalls in dem modernen Wien zu suchen sein. Mit den Tra-\nditionen des Schuppanzigh'schen Quartetts hat diese nichts\nmehr gemein*).\nWird gefragt, welcher von den oben genannten Schu-\nlen wohl die Genossen des Herrn Straus ihre technische\nAusbildung verdanken, so ist zu erwidern: glücklicher\nWeise keiner; nicht einmal Herr Brinkmann, der Violon-\ncellist, zählt zu den Zöglingen des bewunderten Equili-\nbristen Servais im brüsseler Conservatoire. Aber jeder\nder drei Genossen behandelt sein Instrument nach den\nLehrsätzen, wie diese im Quartettspiel ausschliesslich zur\nAnwendung kommen sollen, und dies sind dieselben, nach\ndenen das braunschweiger Quartett der Gebrüder Müller\nin Bezug auf Einheit nach jeder Seite hin so Ausgezeich-\nnetes geleistet hat. Leider, dass in den letzten Jahren ihrer\nWirksamkeit sich oft ein Uebermaass von Weichheit und\nSentimentalität in den Vorträgen der classischen Quartett-\nMusik kund gegeben, wobei der Kenner versucht wurde,\nan geleckte Malereien denken zu müssen.\nUnd nun zu Baillot, dem im Concert-, wie auch im\nQuartettspiel gleich grossen Künstler. Eine kurze Erzäh-\nlung meiner Erlebnisse mit diesem Manne 1841 und 42\nzu Paris wird geeignet sein, einige mit Absicht offen ge-\nlassene Lücken auszufüllen, aber auch etwas von seinen\nErlebnissen als vieljährigen Lehrers im Conservatoire ein-\nfliessen zu lassen.\nIm musicalischen Bereiche der Weltstadt war Baillot\neiner meiner Haupt-Zielpunkte der dort zu machenden\nStudien. Dass ich ihn im Quartett zu hören bekommen\nsollte, hatte mir Herr Urhan, seine Alt-Viola, längst ver-\nsprochen. Indess schon bei der ersten Zusammenkunft\näusserte dieses seltene Original von Künster und Mensch\nZweifel, ob Baillot zu einer Sitzung werde zu bringen sein,\nweil er in Folge widriger Vorfälle mit seinen nicht mehr\nin der Classe sitzenden Schülern auch das Quartettspiel\naufgegeben habe; es waren nämlich die tüchtigsten darun-\nter seiner Lehre abtrünnig geworden, um sich der bel-\ngischen Schule anzuschliessen. Selbst Herr Alard, den\nder Meister damals zumeist als Secundarius im Quartett\nverwandt hatte, war dem Beispiele der Anderen gefolgt,\n\n*) Die wiener Monatschrift hat über das Helmesberger'sche\nQuartett daselbst wiederholt Anmerkungen gemacht, die den\nAbstand gegen früher offen durchblicken Hessen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5475, "texte": "wovon ich mich öfters überzeugen konnte. Meine persön-\nlich ausgesprochene Bitte um ein Quartett schlug Baillot\nwirklich ab mit dem Bedauern, Niemanden für die zweite\nVioline zu haben. Vergebens nannte Urhan einige der da-\nfür geeigneten Violinisten. Das öffnete aber dem greisen\nMeister das Herz, um seine peinliche Situation als Lehrer\ndarzulegen. Er schalt alle seine Schüler Charlatane, die\nfür die wahre Kunst verloren seien. Er erklärte, dass schon\nbei strengem Festhalten an Bode's Lehrsätzen die Quar-\ntette unserer drei Classiker nicht mehr in ihrem eigen-\ntümlichen Charakter gespielt werden können; die Beriot'-\nsche Methode und Stilweise aber nannte er ein zerstören-\ndes Gift für diese Werke. Die äusseren Beweisgründe hie-\nfür entnahm er aus der Bogen-Construction und dessen\nHandhabung. Dennoch wird hier einzuschalten sein, dass\ndie Glätte des langgezogenen Bogens, das entschie-\ndene Hinderniss zu mannigfaltig nuancirter Kraftäusserung\nin jeglichem Vortrage, damals noch nicht den Grad erreicht\nhatte, den wir gegenwärtig in Mode sehen. Kurz, Baillot\nwar nicht zu bewegen. Dafür ward mir das Vergnügen\nzu Theil, ihn im Verlaufe dreier Monate recht oft zu sehen\nund seine kritischen Anmerkungen über die musicalischen\nTagesereignisse zu hören, die zuweilen denen glichen, wie\nsie Beethoven hören liess; hatte doch seine Situation als\nComponist und Lehrer Verwandtes mit der Baillot's. Man\ndenke nur an die im zweiten Jahrzehend eingetretene\nWandlung im Ciavierspiel.\nIm December 1841 wiederum auf den Schauplatz des\nmusicalischen Babels zurückgekehrt, fasste ich Mufb, Bail-\nlot noch einmal meine Bitte vorzulegen. Er machte Hoff-\nnung, ein Quartett zusammen zu bringen. Das ist wirklich\nerfolgt, doch erst zu Ende März 1842. Es ward mir da\neine Ueberraschung bereitet, die auch eine kunstgeschicht-\nliche Bedeutung hat. Baillot hatte nämlich Herrn Sina,\nden einstigen Secundarius des Basumowski'schen Quar-\ntetts, zur zweiten Violine eingeladen. Es verdient bemerkt\nzu werden, dass, nachdem Sina um 1820 seinen Wohn-\nsitz in Paris genommen, Baillot nicht gesäumt hat, sich\nüber Auffassung und Tempi, über Traditionelles jeder Art\nin den Quartetten unserer Classiker von ihm belehren zu\nlassen. Zu diesem Behufe hatte er den wiener Künstler er-\nsucht, bei seinen Quartett-Studien zuweilen die zweite\nVioline zu übernehmen. An jenem denkwürdigen März-\ntage sassen denn Baillot an der ersten Violine, Sina (in\nnoch jugendlicher Rüstigkeit *]) an der zweiten, Urban an\nder Viola und Norblin am Violoncell. Die zur Ausführung\ngekommenen drei Quartette, das von Haydn mit der öster-\nreichischen Volkshymne und zwei von Beethoven (Op. 59\nin E-moll und Op. 95 in F-tnoll), waren früher durchge-\nspielt worden. Der mir gewordene Eindruck war ein über-\nwältigender, denn ich fühlte mich in eine ziemlich ferne\nZeit zurückversetzt, eine Zeit, in der man das Gebotene\nnicht selten mit Gleichgültigkeit hingenommen hat, da es\ndoch so und nicht anders lauten konnte und musste.\nWas zur Stelle als der wesentlichste Unterschied im\nVergleiche mit dem einstigen wiener Quartette anzumer-\nken ist, betriflt Baillot's tiefere Gefühlsäusserung im Adagio,\nals dies bei Schuppanzigh der Fall war. Es machte sich in\ndes Ersteren Bogenwendungen zuweilen etwas hörbar, das\nmit dem Athemholen des Sängers Aehnlichkeit gehabt,\nvon unbekannter Wirkung und doch natürlich war*). Sein\nBogen war ein schwer wiegender Tourte und verhielt\nsich zu den Bögen der jugendlichen Epigonen, wie ein\nwuchtiges Schlachtschwert der alten Bitter zu den brat-\nspiessartigen Degen, die unsere Herren Officiere unter dem\nBocke verborgen tragen. Dieser Bogen war in der That\n„der Beweger der Lyra der modernen Welt, er beseelte\nsie mit himmlischem Hauche und diente allen Affecten sei-\nner Seele und allen Bichtungen seiner Einbildungskraft\nals Vehikel.\" (Siehe in Baillot's Violinschule Seite 4 die\nDefinition vom Bogen.) Sein Strich war ein mehr kurzer\nals langer, und das Meiste ward mit der Mitte des Bogens\nausgeführt. In solcher Bogenführung zeigte sich eine auf-\nfällige Aehnlichkeit mit der von Schuppanzigh und auch\nvon Mayseder.\nBei jener Zusammenkunft ward der veränderten Zu-\nstände in Sachen der Violine auch gedacht und Befürchtungen\nfür die Zukunft ausgesprochen, die nur zu bald wahr ge-\nworden. Doch hat sich dadurch die Summe der widrigen\nErfahrungen bei Baillot nicht vermehrt, denn er schied\nnoch in demselben Jahre aus diesem Leben, und die Quar-\ntett-Sitzung im Monat März war seine letzte.\nDie Kenner der früheren Kunst-Epoche werden gern\nzugestehen, dass die deutsche Tonkunst gegenwärtig einige\nViolin-Virtuosen besitzt, die sich an der Seite manches\nvormals sehr berühmten Künstlers als Concertspieler be-\nhaupten würden, wenngleich ihr Stil ein ganz abweichen-\nder ist. Dass jedoch unsere Concertspieler mit den abson-\nderlichen Stil-Eigenheiten auch das Quartettspiel öffent-\nlich cultiviren, ohne in diesem anders sein zu wollen\n(vielleicht auch nicht zu können), als in jenem, muss,\nselbst bei nicht zu bezweifelnder Hinneigung für diesen\nZweig, dennoch laut beklagt werden. Denn währt das\nso fort, so wird das classische Quartett sehr bald eine\nGestaltung erhalten, in welcher von dessen ursprünglich\n\n*] Sina, 1778 geboren, hat bis 1857 gelebt.\n*) „Tächez de mieux respirer!u rief Baillot während des Unter-\nrichts seinem Schüler Wilhelm Speyer zu. Es begreift\nsich, dass diese Ermahnung auf die melodischen Einschnitte\nund die Handhabung des Bogens dabei Bezug gehabt.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1051, "texte": "gesundem und lebensfrischem Wesen nur mehr ein krank-\nhaftes und affectirtes Etwas dem späteren Geschlechte über-\nliefert werden wird. Wie ehrenhaft wäre es für die sach-\nverständige und mit zurückgehenden Erfahrungen ausge-\nrüstete Kritik, ein scharfes Ohr für diese Dinge zu haben\nund warnend zu rathen, wo es noth thut—und noth thun\nwird es fast überall, weil gleiche Ursachen gleiche Wir-\nkungen erzeugen! Wenn an dem unumstösslichen Satze\nfestgehalten wird, dass der den classischen Werken\njeder Gattung von dem Autor aufgeprägte Cha-\nrakter unwandelbar, folglich den Zeitanschau-\nungen nicht unterworfen werden darf, wie dies\ndie kritisirende Jugend in ihrem Unverstände zu thun\nwagt*); wenn angenommen werden darf, dass der gebil-\ndete Sinn zwischen rohem und gebildetem Kunstgesange\nin alle Zeiten hin sich für letzteren entscheiden wird, so\nwird sich die Aufforderung, die Tradition des ewig Schö-\nnen und Wahren in möglichster Reinheit zu bewahren,\neben sowohl für den echten Künstler, wie für die gedie-\ngene Kunstkritik von selbst ergeben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "124", "page_fin": "125", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.4", "titre_corps": "Aus Regensburg.", "titre_sommaire": "Aus Regensburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.4", "debut_caractere": 1053, "fin_caractere_exclue": 5384, "texte": "Aus Regensburg.\nIm April 1862.\nVor einem Jahre sandte ich Ihnen einen Bericht über\nhiesige musicalische Zustände. Erlauben Sie, dass ich die\nEreignisse auch des letzten Winters kurz mittheile. Vor\nAllem muss ich bemerken, dass durch einen Wechsel im\nVorstande der hiesige Musikverein der classischen Richtung\nentschieden sich zuwandte und die neue Aera am 30.\nApril vorigen Jahres mit einer für hiesige Verhältnisse\nwahrhaft überraschenden Aufführung von Beethoven's\nJ.-o?«r-Sinfonie einweihte. Der Herbst 1861 brachte uns\nzuerst Herrn Mortier de Fontaine, der in drei schwach\nbesuchten Concerten grossen Beifall fand. Das Interessante\nseiner Programme und seine Spielart ist so oft besprochen\nworden, dass ich es als bekannt hier übergehen darf. Merk-\nwürdig war eine Sonata di camera (aus dem Jahre 1682)\nvon Muffat, ehemals bischöflichem Capellmeister in Passau,\nfür Streich-Instrumente, und vorzüglich Beethoven's Phan-\ntasie für Piano, Chor und Orchester.—Ein Privat-Gesang-\nverein brachte das zweitheilige Oratorium „Des Heilands\nletzte Stunden\", componirt 1835 —36 von dem in Augs-\nburg 1854 verstorbenen Capellmeister Drobisch, ein noch\nungedrucktes Werk. Kenner behaupten, dass es sein bestes\nsei. Jedenfalls ist es so gut und schön, wie viele seitdem\nerschienene Oratorien, und beklagenswerth, dass so solide\nMusik keinen Verleger findet, während täglich Massen\nvon musicalischem Unrath auf den Markt geworfen werden.\nQuartett-Abende (für Streich-Instrumente) kamen in\ndiesem Winter aus Mangel an hinreichender Theilnahme\nnicht zu Stande. Der Sinn hiefür ist noch sehr gering.\nGingen ja sogar in München derartige Bestrebungen nach\nkurzer Dauer unter!\nDie Oper hat in dieser Saison weniger Neues und auch\nweniger Vollendetes gebracht, als in den letzten Jahren;\ndie jüngste Aufführung des Hans Heiling verunglückte\nfast ganz; der Wasserträger hatte sehr schwache Stellen;\ndie Weibercur (komische Oper von Paer) war gelungen.\nUeber die Füll-Opern (z. B. Martha, Stradella, Czaar,\nWaffenschmied u. s. w.) spreche ich nicht; für ganz grosse\nmoderne Opern sind natürlich die Kräfte nicht ausreichend.\nAm Besuche des stets dankbaren Publicums fehlt es nur\nin der classischen Oper (und im Trauerspiel).\nDer Orchester-Verein, vor einem Jahre gegründet,\nhat die Haydn'sche Sinfonie militaire und Mozart's G-moll-\nSinfonie, Beethoven's Ouvertüre Op. 124, Spohr's Gesang-\nscene (Concertmeister Beer), Weber's Concertstück (Hof-\nPianist Dietrich) u. s. w. in zwei Concerten unter der tüch-\ntigen Leitung seines Dirigenten (Ott) trefflich und fein\nvorgeführt und wird am Palmsonntage mit der C-moll-\nSinfonie schliessen, die (hier neu und ungewohnt) versuchs-\nweise in den zweiten Theil des Abends verlegt wurde.\nDer Musik-Verein hat im December Mozart's Jupiter-Sin-\nfonie, Concert-Ouverture, Finale aus Lorelei (hier zum\nersten Male gehört und mit Begeisterung aufgenommen)\nund Solo-Vorträge des Violoncellisten Müller (aus Mün-\nchen) in einem ausgezeichneten Concerte für seine Mit-\nglieder gebracht, das die Palme dieses Winters errang.\nAuch die echte, unvermischte Zukunftsmusik wurde von\neinem Anhänger Liszt's u. s. w. den Bewohnern südlich\nder Donau an zwei Abenden zur Prüfung vorgelegt. Ich\nmuss der Wahrheit gemäss sagen, dass der Erfolg nicht\ngünstig war. Weder die Compositionen des Concertgebers\n(Grafen du Moulin, der sich der edlen Musica nur aus Nei-\ngung widmete und gut Ciavier spielt), noch die Liszt's\n\n*) Hier ein Specimen solch jugendlichen Unverstandes aus den\nletzten Tagen. In der Didaskalia vom 2. Apiil findet sich\ndie Kritik über das zehnte Museums-Concert. Darin heisst es:\n..Die Vortragsweise der Sinfonie (C-moll von Beethoven) unter-\nschied sich durch schnellere Tempi aller Sätze, besonders durch\ndie bewegtere Haltung des ersten Satzes von der traditionellen\nAuffassung des Werkes. In dieser Abweichung traten jedoch\nso viele geistvolle Einzelheiten hervor, das Feuer des Dirigen-\nten vereinigte sich mit der Präcision des Orchesters zu einer\nso schwungvollen, kräftigen Leistung, dass wir nur von der\nhinreissenden Gesammtwirkung zu berichten haben/4\nHoffentlich wird Herr Musik-Director Müller für gut finden,\nsich lediglich an die Aussprüche dieses Kritikers zu halten,\nda die anderen Herren doch meist anderer Meinung sind und\nnach etwas veralteten Grundsätzen die Dinge zu beurtheilen\npflegen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3193, "texte": "(Lorelei und Präludien), noch die Wagner's und Schü-\nmanns befriedigten, was von uns Röotiern natürlich nicht\nanders zu erwarten war. Diese Provinz, werden die leipzi-\nger Apostel meinen, muss erst noch erobert werden; sie\nsollen sich keine Mühe geben; sie wird niemals erobert\nwerden. In zwanzig Jahren—dies ist der Trost der Gegen-\nwart—wird überhaupt diese entsetzlich schwere und qual-\nvolle Musik keine Ausführenden und keine Hörer mehr\nfinden. Dies kann man voraussagen, ohne Prophet zu sein\nund ohne dass man desshalb mit der Kruste des Classischen\ngegen alles Neue verhärtet zu sein braucht. Statt alles\nWeiteren setze ich Ihnen das Programm des zweiten Zu-\nkunfts-Concertes (für Orchester, das trefflich und auf-\nopfernd vorbereitet war) hieher: Ouvertüre zu Romeo und\nJulie vom Concertgeber; Lieder von Schubert; Einleitung\nzu Lohengrin mit dem an Wahnsinn streifenden Programm\nWagner's; Scene und Arie und Gebet der Elisabeth aus\nTannhäuser; Manfred-Ouverture von Schumann. Ehe\nder Musik-Verein mit Beethoven's Violin-Concert undMen-\ndelssohn's J.-<fer-Sinfonie den Reigen dieser Saison schlies-\nsen wird, hatten wir am 3. April noch eine sehr gelun-\ngene Aufführung des Oratoriums Abraham von Man-\ngold unter der Leitung des unermüdeten und tüchtigen\nDom-Organisten Herrn Hanisch dahier. Das Werk, nach\nbiblischen Worten die Hauptmomente des Lebens dieses\nPatriarchen, die Zerstörung Sodoms und Isaak's Opferung\numfassend, ist in seinem ersten Theile wesentlich drama-\ntisch (schnell fortschreitende Handlung, von kurzen Chor-\nsätzen unterbrochen). Wirkungsreich ist namentlich der\nSchluss dieses Theiles. Die zweite Abtheilung ist so zu sa-\ngen oratorienhafter und ansprechender und schlug auch\n—wahrscheinlich wegen der besseren Aufführung—mehr\ndurch. Eine grosse Fuge (die Zerstörung schildernd) ist\nein Meister- und Prachtstück, das nur ein durchaus gebil-\ndeter Künstler schreiben kann. Die Soli sind nicht ausge-\ndehnt, aber meist sehr ansprechend; namentlich fanden\ndie Partieen des Abraham (vertreten durch Herrn van\nGülpen, Bariton des hiesigen Theaters) und der Hagar (tie-\nfer Alt) entschiedenen Anklang. Das Orchester hat eine\nbedeutende und schwierige Aufgabe. Bemerkenswerth sind\ndie tiefen Lagen der Accorde in vielen Recitativen, denen\nhäufig sehr hohe und lang gehaltene der Violinen in den\nSchlüssen, namentlich einiger Chöre, entsprechen. Die\nWirkung, durch letztere hervorgebracht, ist häufig sehr\ngünstig, meines Wissens aber bisher in Oratorien nicht\noft gebraucht; sie erinnert oft unwillkürlich an den heili-\ngen Gral. Die Chöre waren ausgezeichnet. Der zu diesem\nwahren Musikfeste, an dem alle zahlreichen Kräfte der Stadt\nmitwirkten, gekommene Componist wurde, wie sein Werk,\nmit grösstem Beifall aufgenommen und stürmisch nebst\ndem Dirigenten von dem ungemein zahlreichen und wie\njährlich von nahe und Rsrn zusammengeströmten Publicum\ngerufen. Vor der Heimkehr des so bescheidenen und lie-\nbenswürdigen Künstlers erfolgte noch eine Ovation der\nhiesigen Männer-Gesangvereine.\nSie sehen, dass wir nicht arm an musicalischen Ge-\nnüssen sind, deren Aufzählung ich durch die kleineren\nConcerte des Musik-Vereins und verschiedener Soireen\nnicht vermehren will."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "126", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.5", "titre_corps": "Skraup und Führer.", "titre_sommaire": "Skraup und Führer.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.5", "debut_caractere": 3195, "fin_caractere_exclue": 5283, "texte": "Skraup und Führer.\nUeber die beiden obigen, kürzlich verstorbenen pra-\nger Musiker wird der „DeutschenMusik-Zeitung\" Folgen-\ndes mitgetheilt: Franz Skraup war ein sehr begabter\nund durchgebildeter Musiker und bedeutend als Dirigent.\nDer Glanzpunkt seiner musicalischen Wirksamkeit fällt in\ndie Zeit der Nachblüthe der prager musicalischen Zustände.\nEs ist bekannt, dass Mozart für das musicalische Prag eine\nVorliebe hegte; später fungirte C. M. von Weber als Ca-\npellmeister; Triebensee, ein ausgezeichneter Künstler, nahm\nnach Weber den Platz ein. Es war daher sehr ehrenvoll\nfür Skraup, nach solchen Vorgängern, umgeben von Per-\nsönlichkeiten wie Tomaschek, Wittasek, Dionys Weber,\nPixis und Anderen das schwierige Terrain mit Würde zu\nbehaupten. Skraup diente, wie man sagt, von der Pike auf;\naus dem Choristen wurde ein Repetitor, dann ein zweiter,\nendlich der erste Capellmeister. Dass es da nicht ohne\nharte Collisionen, Neid und Scheelsucht von der einen und\nIntriguen von der anderen Seite abging, ist leicht einzu-\nsehen, wenn man bedenkt, wie schwer es wird, an eige-\nnem Heerd zur Geltung zu gelangen. Doch, o Eitelkeit\nmenschlichen Strebens! zu was führte denn eigentlich die-\nser harte Kampf mit dem Leben?—Recht hatte derjenige,\nder da sagte, die grösste Kunst sei, „sich selbst zu ken-\nnen\"; und für den Künstler ist dies besonders von Wich-\ntigkeit. Das Leben eines jeden Menschen geht gewisser\nMaassen in einem Crescendo in einer aufsteigenden Linie;\nauf dem Culminationspunkte angekommen, scheint es im\nbesten Falle einen Augenblick still zu stehen. Der Mensch\nathmet frei auf; seiner Kraft bewusst, sieht er triumphi-\nrend um sich herum, freut sich der überstandenen Gefah-\nren und Kämpfe, vergisst aber nur zu leicht, dass Alles in\ndieser Welt ein Ende hat. Der Stillstand ist nur schein-\nbar, und kann man nicht vorwärts, so geht man rückwärts.\nEs beginnt das Decrescendo—die fatale, absteigende Linie,\nund ehe man sich's versieht, steht man am Ende — am\nRande der Gruft. Nur Wenigen ist es gegeben, diesen Cul-\nminationspunkt zu erkennen und ihr Leben so einzurich-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2616, "texte": "ten, dass der Abhang von Ja an nicht allzu schroff werde.\nDiese letztere Erkenntniss schien Skraup zu fehlen. Die\nschöne Stellung, die er durch lange Jahre mit Ehren be-\nhauptete, musste er kampfesmüde in seinen alten Tagen\naufgeben, Vaterland und Freunde verlassen und im Aus-\nlande an einer Bühne dritten oder vierten Ranges sein\nAuskommen suchen. Der Mann muss schwere Stunden ge-\nhabt haben, und darum sei ihm dieses Nachwort vergönnt*).\nIn jene Zeit des prager musicalischen Nachsommers\nfällt auch die Wirksamkeit Robert Führer's, dessen\näusseres Leben eine auffallende Aehnlichkeit mit dem\nSkraup's hat. Er war nach dem Tode Wittasek's (seines\nAdoptivvaters) in die Stelle des Letzteren als Dom-Capell-\nmeister getreten, genoss der allgemeinen Achtung, musste\naber in Folge eines bedauerlichen Fehltrittes Stellung und\nVaterland verlassen und sein Heil in der Fremde suchen.\nWie viel Neid und Missgunst an dem letzteren Umstände\nTheil hatten, weiss ich nicht; jedenfalls sprach man da-\nmals von Denunciation und dergleichen. Ich berühre hier\nabsichtlich diese Umstände, um an das Gewissen der be-\ntreffenden Persönlichkeiten zu appelliren und sie merken\nzu lassen, dass die Welt nicht blind ist und die Reihe an\nJedermann kommt.\nRobert Führer war ein geborener Musiker, wenn ihm\nauch die Tiefe abging, die man heutzutage das Recht hat\nvon so besonders glücklichen Organisationen zu verlangen;\naber er meinte es ehrlich mit der Kunst.\nFührer und Skraup sind die letzten Glieder aus jener\nGlanz-Periode Prags, die mit Erfolg auf musicalischem\nGebiete kämpften. Jener ausschliesslich auf kirchlichem,\ndieser auf weltlichem Boden. Führer war ein ergiebiges\nTalent; wenn er auch in letzterer Zeit zu viel schrieb, um\nimmer gut zu bleiben, so finden sich doch sehr gediegene\nSachen unter seinen Compositionen.\nSkraup war weniger ein schaffendes Talent, aber als\nDirigent von Bedeutung.\n*) Skraup hatte in Rotterdam eine nach seinen eigenen wie-\nderholten Aeusserungen gegen uns sehr angenehme Stellung\ngefunden, was Jeder leicht begreifen wird, der da weiss, wie\nsehr die Gründung von etwas Neuem und Werdendem jeden\nregen Geist befriedigt. Was den „dritten oder vierten Rang\"\nder Bühne in Rotterdam betrifft, so verweisen wir den Herrn\nSchreiber des Obigen auf die Berichte in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung vor. Jahrgangs, S. HO und S.\n182, und ersuchen ihn, dem dort verzeichneten Repertoire,\nwelches 80 deutsche Opern gegen 13 italiänische und fran-\nzösische aufweis't (unter jenen Fidelio 16 Mal, Mozart 22 Mal,\nWeber 16 Mal), das Repertoire des prager Op ernthe at er ß\nentgegenzustellen!\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.6", "titre_corps": "Nachtrag zu F. Halévy’s Nekrolog in Nr. 14.", "titre_sommaire": "Nachtrag zu F. Halévy’s Nekrolog in Nr. 14.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.6", "debut_caractere": 2618, "fin_caractere_exclue": 3460, "texte": "Nachtrag zu F. Halévy’s Nekrolog in Nr. 14.\nIn dem Verzeichnisse der Opern Halevy's ist die ko-\nmische Oper „Le Sherif\" nicht erwähnt worden, welches\neine der besten Partituren des Verewigten sein soll. Der\nSherif wurde im Jahre 1839 im Theater der\nmiquezum ersten Male aufgeführt, einen und einen hal-\nben Monat nach der Oper Les Treize (s. S. 106), die in\ndemselben Theater, und vier Monate vor Le Drapier,\nwelche in dem grossen Opernhause gegeben wurde. Trotz\ndes unbestrittenen Werthes der Musik verschwand die\nOper bald vom Repertoire, zum Theil wegen der Mängel\ndes Libretto's, hauptsächlich aber durch den Eigensinn\neiner berühmten Sängerin, welche sich weigerte, länger\ndie Rolle einer Köchin zu spielen, die ihr darin zuge-\ntheilt war*). Trauriges Loos eines Kunstwerkes, dessen\nLeben von den Launen einer Theater-Prinzessin abhängt!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "127", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.7", "titre_corps": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.6", "debut_caractere": 3462, "fin_caractere_exclue": 5102, "texte": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nPalmsonntag den 13. April 1862.\nDas öoncert brachte zwei Werke von Beethoven: die Missa\nsolemnis in D und die fünfte Sinfonie in C-moll.\nNachdem zur Feier des Palmsonntags in den drei letzten\nJahren J. S. Bach's Matthäus-Passion aufgeführt worden, fiel die\nWahl dieses Jahr auf die grosse Messe von Beethoven, welche schon\neinmal, im Jahre 1855, an demselben Festtage gegeben, und damals,\nso wie jetzt, die Reihe der Winter-Concerte beschlossen hatte.\nUnsere Zeitschrift hat seit ihrer Begründung im Jahre 1850 meh-\nrere Nachrichten und Aufsätze über dieses grösste Werk Beethoven's\ngebracht, deren Nächweisung wir hier für die Bewunderer und Geg-\nner desselben zusammenstellen:\nRheinische Musik-Zeitung. I. 1850—51. Deutsche Ueber-\nsetzung des lateinischen Textes zur Missa solemnis. Von L. B. S.\n169. 11. 1851—52. Kyrie und Gloria in Köln. S. 599.\nNiederrheinische Musik-Zeitung. I. 1853. Das Tempo\nim Benedictus. Von A. S. S. 133. Aufführung in München. S. 173\nund 205.\n111. 1855. Kyrie und Gloria in Berlin. S« 132. Aufführung\nam Palmsonntag in Köln. S. 111.\nV. 1857. Beethoven's Briefe an Zelter. S. 22. Aufführung in\nFrankfurt am Main. Von A. S. S. 186. Kyrie, Sanctus und\nBenedictus in Bonn. S. 3.10. Ueber Pleni sunt coeli. Von A. S.\nS. 326.\nVIII, 1860. Die Missa solemnis. Von L. B. 1., S. 383. 11., S.\n385. 111., S. 393. IV., S, 417.\nIX. 1861. Stimme aus Belgien über die Missa solemnis. S. 201.\nFetis der Aeltere über die Missa solemnis. S. 235. Die Orgel\n\n*) Bevue Gazette musicale de Pari$} Nr. 14, S. 118."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1259, "texte": "in Beethoven's Missa solemnis. Von A. S. S. 233. Aufführung\nbeim Musikfeste in Aachen. Von L. B. ß. 177. Aufführung in\nWien. S. 104. Aufführung in Hamburg. S. 369. Kyrie\nund Gloria 1827 in Elberfeld. S. 387. Aufführung in Leipzig.\nS. 408.\nDie diesjährige Aufführung war im Ganzen und Grossen eine\nhöchst wirkungsvolle. Die Solo-Partieen wurden von Fräulein Hen-\nriette Röhn (Sopran) aus Mannheim, Adele Assmann aus Bar-\nmen, vom hiesigen Conservatorium, Herrn Schlösser (Tenor) und\nHerrn Step an (Bass), beide aus Mannheim, im Ganzen recht schön\nzur Geltung gebracht, wenn auch, wie das die Schwierigkeit der\nSache mit sich bringt, eine vollkommene Uebereinstimmung im Aus-\ndruck nur durch eine Reihe von Proben des vereinigten Quartetts,\nwelche selten zu haben sind, erreicht werden kann. Vor Allem ge-\nbührt dem Chor das grösste Lob; es kann gar nicht dankbar genug\nanerkannt werden, dass alle diese trefflichen Dilettanten sich in ein\nso rasend schwieriges Werk mit einem solchen Eifer einstudiren,\ndass eine so gute Aufführung möglich wird. Das Orchester und in\nBezug auf das Violin-Solo im JBenedictus Herr Concertmeister\nGrunwald haben sich wahrhaft um Beethoven und um die Ton-\nkunst verdient gemacht.\nDie Ausführung der liess nichts zu wünschen\nübrig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-19-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-19_01#c008", "volume": "bmtnabi_1862-04-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "128", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.7", "debut_caractere": 1261, "fin_caractere_exclue": 6824, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn einem Privat-Concerte des in neuester Zeit in die Hände W.\nRust's übergegangenen Bach-Vereins in Berlin wurden drei\nCantaten zon «J. S. Bach, zur Aufführung gebracht, und zwar: 1.\n„Bleib\" bei uns, denn es will Abend werden\"; 2. die Oster-Cantate\n„Du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen\"; 3. die für den\nersten Sonntag nach Trinitatis: „Brich den Hungrigen dein Brod\".\nIn den Solo-Partieen für Sopran und Alt präsentirten sich drei junge\nSängerinnen aus der Schule des Gesanglehrers, Mitgliedes des kö-\nniglichen Dom-Chors und Kritikers Gustav Engel mit bestem\nErfolg.\nDas für die londoner Ausstellung bestimmte Streich-Quartett des\nHof-Instrumentenmachers Karl Grimm zu Berlin ist von einem\nKunstkenner bereits für den Preis von 1000 Thlrn. angekauft worden.\nMainz, 3* April. Am gestrigen Abende fand wieder ein Con-\ncert unserer Liedertafel Statt, in welchem Beethoven's Sinfonie in\nA-dur und eine Messe von Cherubini in C-dur zur Aufführung ka-\nmen. Die Aufführung der Sinfonie war, trägt man den hiesigen trau-\nrigen, für dergleichen Werke ungünstigen musicalischen Verhältnissen\ngebührende Rechnung, eine zufriedenstellende. Die Messe von Che-\nrubini gehört unbedingt zu den herrlichsten Schöpfungen des alten,\nunsterblichen Meisters, der sieh darin in seiner ganzen Grösse und\nHerrlichkeit entfaltet. Der Aufführung können wir nur unbedingtes,\nvolles Lob spenden, wenn wir auch bedauern müssen, dass die Be-\ntheiligung von Seiten der activen Mitglieder eine so schwache war.\n— Fräul. eine jugendliche Sängerin aus Stockholm, welche\nseit vier Jahren ihren Gesangstudien in Paris obgelegen hat und in\nKurzem beabsichtigt, in Frankfurt am Main ihren ersten theatrali-\nschen Versuch zu machen, erfreute uns in einem Privat-Ciikel, ab-\ngesehen von ihrer vollen, schönen Stimme, schon darum, weil dies\nwieder einmal eine Sängerin ist, die etwas Tüchtiges gelernt hat\nund als Herrin ihrer Mittel sich erweist.\nArnstadt» Zur völligen Wiederherstellung der Bach-Orgel\nhierselbst, als ein Denkmal des grossen J. Seb. Bach, sind zwei\nDiittel der erforderlichen Summe eingegangen. Zur Ergänzung des\nnoch fehlenden Drittels werden alle Kunstgenossen und Kunstfreunde\nangelegentlichst eingeladen von Herrn Heinr. Bernh. Stade, Or-\nganisten und Stadt-Cantoren in Arnstadt. Von den Singvereinen\nsind die Akademieen zu Breslau und zu Königsberg mit löblichem\nBeispiel vorangegangen.\nRoderich Benedix hielt zur Feier des Lessing-\nFestes erst in dem grossen Saale des Hotel de Pologne und später\nbei der Wiederholung der ganzen, zumeist aus gut arrangirten, auf\nLessing bezüglichen lebenden Bildern bestehenden Feier im Theater\neine treffliche Rede, in welcher er vorzugsweise Lessing auch als\ndramatischen Dichter eingehend charakterisirte und würdigte, na-\nmentlich auch diejenigen zu widerlegen suchte, welche dem Verfas-\nser des das Prädicat eines Dichters abstreiten wollen.\nDresden* Nach neunzehnjähriger Ruhe kam am 14. März\nRichard Wagner's Oper „Der fliegende Holländer\" unter Leitung des\nCapellmeisters Jul. Rietz neu einstudirt zur Aufführung. Diese Oper,\nwelche unter der persönlichen Leitung des Componisten im Januar\nund Februar 1843 vier Vorstellungen hier erlebte, konnte sich da-\nmals keine Sympathieen erwerben und kühlte das Interesse für\nWagner, welches er durch seinen „Rienzi\" sich erworben hatte, be-\ndeutend ab. Dass „Der fliegende Holländer\" diesmal sich die Theil-\nnahme der Hörer erworben, kann als Thatsache bezeichnet werden.\nEine Correspondenz aus Dresden in den „Recensionen\" (Nr. 12)\nbesagt: „Als Curiosum muss hier noch erwähnt werden, dass in der\nNeuen Zeitschrift für Musik in zwei der letzten Nummern (8 und 9)\nbei Besprechung der hier Statt gehabten musicalischen Aufführungen\neine Ouvertüre von J. Rietz kritisch besprochen und abgeurtheilt\nwird, die allerdings im ursprünglichen Programm enthalten war,\naber auf Wunsch des Componisten gar nicht aufgeführt und\nwofür die Euryanthe-Ouverture in das Programm hineingenommen\nwurde. Eben so verhielt es sich mit der Aufführung gelegentlich\ndes Alexanderfestes am Aschermittwoch, die wegen des Todes der\nPrinzessin Sidonie bis zum 15. März eben auch nicht Statt ge-\nhabt hat. Hier hat dieses Factum einen sehr unangenehmen Ein-\ndruck gemacht.\" (!!!)\nStuttgart« Das Abonneinents-Concert Nr. 7 im Königsbau\nbrachte am 18. v. Mts. neu „Das Paradies und die Peri\" von Ro-\nbert Schumann. Schon im vorjährigen Cyklus angekündigt, war die\nAufführung wegen plötzlicher Erkrankung Kücken's verschoben\nworden. Die theilweise hochgespannten Erwartungen wurden nicht\nerfüllt; das Ganze vermochte trotz mannigfacher Schönheiten im Ein-\nzelnen und trotz der bis auf die zu schwache Besetzung der Chöre\nmusterhaften Execution namentlich trug Frau Marlow den Part\nder Peri mit warmer Empfindung vor nicht sonderlich anzuspre-\nchen. Man vermisste die natürliche Frische und reiche melodische\nErfindung, der man in den Werken unserer classischen Musik-Heroen\nbegegnet. Am Palmsonntag wird das Oratorium ..Abraham\" von\nB. Molique in London, dem früheren hiesigen Orchester-Musik-\nDirector, aufgeführt.\nDie Oper „König Enzio\" vom Componisten der rAnna von Lands-\nkrön\", dem Hofmusiker Abert in Stuttgart, ist von der dortigen\nHoftheater-Intendanz zur Aufführung angenommen worden und dürfte\nbis Ende April in Scene gehen.\nien« Die Wiederholung der Beethoven'schen D-Messe am\n30. März war als Aufführung noch gelungener, als die am 17. März\nvorigen Jahres. Namentlich waren die weiblichen Soli diesmal weit\nglänzender besetzt; als damals, der Sopran-Part in den Händen der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3553, "texte": "immer begeisterten, mitunter etwas zu aufgeregten, zu fieberhaft un-\nruhigen, doch stets tüchtigen Dustmann, der Alt in jenen des\nFräulein Bettelheim, deren Stimme nicht nur, deren künstlerische\nBildung und musicalische Festigkeit sich bei diesem Anlasse neu\nbewährten. Den Bass hatte Herr Panzer vom vorigen Jahre her\nbeibehalten. Den Tenor-Part übernahm Herr Erl eine Stunde vor\ndergAufführung ohne Probe und ohne das Werk je gesungen, ja, wie\nverlautet, ohne es je gehört zu haben, und führte diese unglaub-\nliche Aufgabe mit einer gelassenen Tüchtigkeit durch, welche den\nGedanken an eine improvisirte Uebernahme gar nicht aufkommen\nliess. Herrn Erl's Tüchtigkeit wie seine Gefälligkeit wurden durch\nstürmischen Empfang nach Verdienst gewürdigt. Vor Allem aber lei-\nsteten das Herbeck'sche Orchester und der Singverein von Herrn\nHerbeck geleitet das Ausserordentlicbste. Das höchste Lob darf\ngerechter Weise der Gesammt-AufFührung nicht vorenthalten werden.\nDie Landsberg'sche Beethoven-Sammlung ist für die königliche\nBibliothek in Berlin erworben worden.\nUnter den noch ungedruckten Werken von Beethoven befindet\nsich auch eine Operette, und zwar im Original-Manuscript. [So\nberichtet die Deutsche Musik-Zeitung.]\nF. Chrysander, der Biograph Händel's, beabsichtigt, „Jahr-\nbücher für musicaliscbe Wissenschaft\" herauszugeben, und soll de-\nren erster Band zu Ostern erscheinen. Den Hauptinhalt bilden histo-\nrische Abhandlungen, theoretische und ästhetische Betrachtungen,\nso wie Mittheilungen aller Art aus den verschiedenen Fächern der\nmusicalischen Kunst*\nDie Concerte des Cäcilien-Vereins in Prag, die in dieser\nSaison ihren zweiundzwanzigsten Jahrgang vollendet haben, brach-\nten wie gewöhnlich fast lauter Neuigkeiten für das prager musik-\nliebende Publicum. Unter der Direction von Apt wurden ausgeführt\nim ersten Concerte: W. Sterndale Bennett's Op. 39, „Maikö-\nniginu, mit deutschem Texte von Sophie Klingemann; vorher eine\nSinfonie in C-dur von S. Judassohn, Op. 24; im zweiten\nConcerte: „Undine\" mit deutschem, aus dem Englischen übersetzten\nTexte von Karl Klingemann, für Soli, Chor und Orchester compo-\nnirt von Jul. Benedict, Op. 70; vorher Ouvertüre Op. 16 von\nA. Emil Titl zu „Die lustigen Weiber von Windsor\" von Shake-\nspeare, und „Die lustigen Musicanten\" für Soli, Chor und Orchester\ncomponirt von F. Hill er, Op. 48; im dritten Concerte: Ouver-\ntüre, Entre-Acte und Chöre zu Vondel's Trauerspiel „Lucifer\", com-\nponirt von J. A. van Eyken.\nDer Contract der prager Theater-Direction läuft zwar erst mit\ndem Jahre 1865 zu Ende, dennoch melden sich bereits jetzt Bewer-\nber um die Leitung dieses im Auslande in sehr gutem Kufe stehen-\nden Thalia-Tempels; unter diesen werden Herr Regisseur Marr in\nHamburg, Director v. Bequignolles in Breslau und der Weimarer\nGeneral-Intendant Hofrath Dingelstedt genannt. Letzterer soll sich\nerboten haben, dem gegenwärtigen Director des prager Theaters eine\nbedeutende Summe zu zahlen, falls er ihm die Leitung dieser Bühne\nüberlassen wolle. Dingelstedt soll dem Wunsche seiner Gattin (der\nberühmten Sängerin Fr. Lutz er) nachkommen, die bekanntlich eine\nPragerin ist*\nGeilita» Die „Stumme von Portici\", seit 20 Jahren hier nicht\ngegeben, ist vor Kurzem mit grossem Beifalle auf dem Theater\nCarlo Feiice aufgeführt worden. Armandi gab den Masaniello, die\nrussische Tänzerin Fräulein Friedberg die Fenella.\nAdrien de la Fage, ein tüchtiger Musiker und Kenner der\nalten Kirchenmusik, Mitarbeiter an fast allen musicalischen Journa-\nlen von Paris, ist daselbst am 8. März, 63 Jahre alt, gestorben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEin Brief von Beethoven. Aus Frankfurt am Main (Das Quartett-Spiel). Schluss. Von A. Schindler. Aus\nBegensburg (Die verflossene Winter-Saison). Skraup und Führer (Lebensskizze). Nachtrag zu F. Haldvy's Nekrolog in Nr. 14.\nZehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterh altungsblatt (Berlin, Bach-Verein Mainz, Lieder-\ntafel-Concert Arnstadt, Bach-Orgel Leipzig, R. Benedix Dresden, „Der fliegende Holländer\", Curiosum Stuttgart, Concert).\n\n*)•\nMein werther Herr!\nRode hatte nicht in allem recht, was er von mir sagte,\n—meine Gesundheit ist nicht die beste—und unverschul-\ndet ist eben meine sonstige Lage wohl die Unglücklichste\nmeines Lebens—übrigens wird mich das und nichts in der\nWelt nicht abhalten, ihren eben so unschuldig leidenden\nKonvent-Frauen so viel als möglich durch mein geringes\nWerk zu helfen daher stehen ihnen 2 ganz neue Sin-\nfonien zu Diensten, eine Arie für Bassstimme mit Chor,\nmehrere einzelne kleine Chöre, brauchen sie die Over-\nture von Ungarns Wohlthäter, die sie schon voriges\nJahr aufgeführt, so stehet sie ihnen auch zu Diensten.\nUnter den Chören befindet sich ein Derwisch-Chor für\nein gemischtes Publicum, ein gutes Aushängeschild.\nMeines Erachtens würden sie aber am besten thun, einen\nTag zu wählen, wo sie das Oratorium Christus am Oel-\nberge geben könnten, es ist seitdem an allen Orten auf-\ngeführt worden. Dieses machte dann die eine Hälfte der\nAkademie, zur 2ten Hälfte machten Sie eine neue Sinfo-\nnie, die Overturen und verschiedenen Chöre, wie auch die\nobgesagte Bassarie mit Chor so wäre der Abend nicht\nohne Mannigfaltigkeit, doch reden sie dieses am besten mit\nden dortigen musikalischen Rathsherren ab—Was sie von\neiner Belohnung eines dritten für mich sagen, so glaube\nich diesen wohl errathen zu können, wäre ich in meiner\nsonstigen Lage, nun ich würde gerade sagen: „Beethoven\nnimmt nie etwas, wo es für das beste der Menschheit\ngilt\", doch jetzt ebenfalls durch meine grosse Wohlthätig-\nkeit in einen Zustand versetzt, der mich zwar eben durch\nseine Ursache nicht beschämen kann, wie auch die die an-\ndern Umstände welche daran schuld sind von Menschen\nohne Ehre, ohne Wort herkommen, so sage ich ihnen\ngerade, ich würde von einem reichen Dritten so etwas\nnicht ausschlagen Von Forderungen ist aber hier die\nRede nicht, sollte auch das alles mit einem Dritten\nnichts seyn, so seyn sie überzeugt, dass ich auch jetzt ohne\ndie mindeste Belohnung eben so willfährig bin, meinen\nFreundinnen den Ehrwürdigen Frauen etwas gutes erzei-\ngen zu können, als voriges Jahr, und als ich es allzeit sein\nwerde für die leidende Menschheit überhaupt, so lange\nich alhme.—\nUnd nun leben sie wohl, schreiben sie bald, und mit\ndem grössten Eifer werde ich alles nöthige besorgen\nmeine besten Wünsche für den Convent\nMit Hochachtung\nihr Freund\nLudwig van Beethoven.\nNachschrift. Aus den hier erwähnten Compositio-\nnen lässt sich auf die Zeit schliessen, in welcher dieser\nBrief, der uns von einem ganz zuverlässigen, auch mit\nBeethoven's Handschrift wohl bekannten Kunst-Veteranen\nmitgetheilt ist, geschrieben sein mag. Den Haupt-Anhalt\nzur Bestimmung des Datums gibt die Erwähnung der\nOuvertüre (in Es-dur)zu König Stephan. Diese hatte\nBeethoven zu dem ungarischen National-Schauspiel: „Kö-\nnig Stephan, Ungarns erster Wohlthäter\", geschrie-\nben, und sie wurde bei Eröffnung des Theaters in Pesth\nim Jahre 1812 aufgeführt (erschien 1828 als Op. 117\nbei Haslinger in Wien). Schindler, 11., S. 153.\nBei derselben Festlichkeit wurde auch das Festspiel:\n„Die Ruinen von Athen\", mit Beethoven's Musik gegeben,\naus welcher der obige Brief den „Derwisch-Chor\" an-\nführt. Die Eröffnung des Theaters geschah „zu Anfang\ndes Herbstes 1812\" (Schindler, 1., S. 183). Da nun Beet-\n\nEin Brief von Beethoven\nAn Seine Hochwohlgeboren Herrn Joseph von\nWarena in Grätz.\n\n*) Diplomatisch genauer Abdruck eines in der Autographen-Samm-\nlung des Herrn General-Consuls Clauss in Leipzig befind-\nlichen eigenhändigen Briefes (ohne Datum) von L. van Beet-\nhoven."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.2", "texte": "hoven schreibt, dass die Ouvertüre in Grätz „schon vori-\nges Jahr aufgeführt sei\", so kann der Brief nur aus 1813,\nvielleicht aber auch, doch nicht wahrscheinlich, aus 1814\nherrühren. Mit den „2 ganz neuen Sinfonien\" können\nnur die gegenwärtig mit den Nummern 7 und 8\n(F-dur) bezeichneten gemeint sein, welche der Meister im\nJahre 1812, das er zum Theil in Linz, in Teplitz und in\nWien zubrachte, componirt hat.\nEndlich passt auch die trübe Stimmung, welche aus\ndem Briefe eben so deutlich wie rührend spricht, ganz auf\ndie Lage Beethoven's im Jahre 1813, wie sie uns Schind-\nler (1., S. 185 ff.) nach Mittheilungen von Andr. Strei-\ncher und dessen Gattin schildert. „Das Jahr 1813 ergibt\nsich, wie kaum eines der früheren, als ein leidenvolles.\nWas die Cur in Teplitz 1812 Gutes bewirkt hatte, ward\nschon in den nächsten Monaten wieder zerstört.\" Das Ta-\ngebuch des Meisters enthält unter dem 15. Mai 1813 die\nStelle: „0 schreckliche Umstände, die mein Gefühl für\nHäuslichkeit nicht unterdrücken, aber deren Ausübung,—\no Gott, Gott, sieh auf den unglücklichen B. herab, lass es\nnicht länger so dauern!\" Der Himmel erhörte sein Ge-\nbet: das folgende Jahr 1814 wurde für seinen Ruhm eines\nder glanzvollsten und für seine ökonomische Lage zugleich\nsehr befriedigend.\nWas Beethoven mit der „Arie für eine Bassstim-\nme mit Chor\" meint, weiss ich nicht. Ich finde nirgends\neine solche als ein besonderes Werk erwähnt.\n\nL. B.\n\nAus Frankfurt am Main.\nVon A. Schindler.\n[Das Quartett-Spiel.]\n(Schluss. S, Nr. 15.)\nNach diesen Anführungen soll ein Blick auf das frank-\nfurter Quartett geworfen werden, um dessen Leistungen\nvon dem genommenen Standpunkte aus in wenig Worten\nzu charakterisiren. Herr Concertmeister Straus, der die\nerste Stimme spielt, ist bekanntlich ein Zögling des wiener\nConservatoriums, wo er sich unter Leitung des Herrn Pro-\nfessors Böhm zum Concerlspieler ausgebildet hat. Hätte\nich im Laufe der Jahre nicht schon an anderen aus jener\nAnstalt hervorgegangenen Violinisten die Wahrnehmung\ngemacht, dass daselbst nicht, wie einst, die französische,\nvielmehr die belgische Violinschule in Theorie und Praxis\ngelehrt wird, Herr Straus allein hätte mir durch seine\nConcert-Vorträge den vollgültigsten Beweis davon geliefert.\nDies zeigt, welcher Wechsel in den Dingen durch die öfte-\nren und andauernden Besuche der belgischen Koryphäen\nde Beriot, Vieuxtemps, Teresa Milanollo und Andere im\nneuen Wien bewirkt worden, von denen bekannt, dass sie\nAlle auch Quartett-Productionen dort gegeben haben. Herr\nStraus wird demnach nicht verantwortlich zu machen sein,\ndenn er gibt nur wieder, was er in der Schule, aber auch\nvon hochberühmten Mustern dort empfangen hat; und was\nseine dem Charakter verschiedener Quartette nicht ent-\nsprechende Auffassung betrifft, so wird das Model eben-\nfalls in dem modernen Wien zu suchen sein. Mit den Tra-\nditionen des Schuppanzigh'schen Quartetts hat diese nichts\nmehr gemein*).\nWird gefragt, welcher von den oben genannten Schu-\nlen wohl die Genossen des Herrn Straus ihre technische\nAusbildung verdanken, so ist zu erwidern: glücklicher\nWeise keiner; nicht einmal Herr Brinkmann, der Violon-\ncellist, zählt zu den Zöglingen des bewunderten Equili-\nbristen Servais im brüsseler Conservatoire. Aber jeder\nder drei Genossen behandelt sein Instrument nach den\nLehrsätzen, wie diese im Quartettspiel ausschliesslich zur\nAnwendung kommen sollen, und dies sind dieselben, nach\ndenen das braunschweiger Quartett der Gebrüder Müller\nin Bezug auf Einheit nach jeder Seite hin so Ausgezeich-\nnetes geleistet hat. Leider, dass in den letzten Jahren ihrer\nWirksamkeit sich oft ein Uebermaass von Weichheit und\nSentimentalität in den Vorträgen der classischen Quartett-\nMusik kund gegeben, wobei der Kenner versucht wurde,\nan geleckte Malereien denken zu müssen.\nUnd nun zu Baillot, dem im Concert-, wie auch im\nQuartettspiel gleich grossen Künstler. Eine kurze Erzäh-\nlung meiner Erlebnisse mit diesem Manne 1841 und 42\nzu Paris wird geeignet sein, einige mit Absicht offen ge-\nlassene Lücken auszufüllen, aber auch etwas von seinen\nErlebnissen als vieljährigen Lehrers im Conservatoire ein-\nfliessen zu lassen.\nIm musicalischen Bereiche der Weltstadt war Baillot\neiner meiner Haupt-Zielpunkte der dort zu machenden\nStudien. Dass ich ihn im Quartett zu hören bekommen\nsollte, hatte mir Herr Urhan, seine Alt-Viola, längst ver-\nsprochen. Indess schon bei der ersten Zusammenkunft\näusserte dieses seltene Original von Künster und Mensch\nZweifel, ob Baillot zu einer Sitzung werde zu bringen sein,\nweil er in Folge widriger Vorfälle mit seinen nicht mehr\nin der Classe sitzenden Schülern auch das Quartettspiel\naufgegeben habe; es waren nämlich die tüchtigsten darun-\nter seiner Lehre abtrünnig geworden, um sich der bel-\ngischen Schule anzuschliessen. Selbst Herr Alard, den\nder Meister damals zumeist als Secundarius im Quartett\nverwandt hatte, war dem Beispiele der Anderen gefolgt,\n\n*) Die wiener Monatschrift hat über das Helmesberger'sche\nQuartett daselbst wiederholt Anmerkungen gemacht, die den\nAbstand gegen früher offen durchblicken Hessen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.3", "texte": "wovon ich mich öfters überzeugen konnte. Meine persön-\nlich ausgesprochene Bitte um ein Quartett schlug Baillot\nwirklich ab mit dem Bedauern, Niemanden für die zweite\nVioline zu haben. Vergebens nannte Urhan einige der da-\nfür geeigneten Violinisten. Das öffnete aber dem greisen\nMeister das Herz, um seine peinliche Situation als Lehrer\ndarzulegen. Er schalt alle seine Schüler Charlatane, die\nfür die wahre Kunst verloren seien. Er erklärte, dass schon\nbei strengem Festhalten an Bode's Lehrsätzen die Quar-\ntette unserer drei Classiker nicht mehr in ihrem eigen-\ntümlichen Charakter gespielt werden können; die Beriot'-\nsche Methode und Stilweise aber nannte er ein zerstören-\ndes Gift für diese Werke. Die äusseren Beweisgründe hie-\nfür entnahm er aus der Bogen-Construction und dessen\nHandhabung. Dennoch wird hier einzuschalten sein, dass\ndie Glätte des langgezogenen Bogens, das entschie-\ndene Hinderniss zu mannigfaltig nuancirter Kraftäusserung\nin jeglichem Vortrage, damals noch nicht den Grad erreicht\nhatte, den wir gegenwärtig in Mode sehen. Kurz, Baillot\nwar nicht zu bewegen. Dafür ward mir das Vergnügen\nzu Theil, ihn im Verlaufe dreier Monate recht oft zu sehen\nund seine kritischen Anmerkungen über die musicalischen\nTagesereignisse zu hören, die zuweilen denen glichen, wie\nsie Beethoven hören liess; hatte doch seine Situation als\nComponist und Lehrer Verwandtes mit der Baillot's. Man\ndenke nur an die im zweiten Jahrzehend eingetretene\nWandlung im Ciavierspiel.\nIm December 1841 wiederum auf den Schauplatz des\nmusicalischen Babels zurückgekehrt, fasste ich Mufb, Bail-\nlot noch einmal meine Bitte vorzulegen. Er machte Hoff-\nnung, ein Quartett zusammen zu bringen. Das ist wirklich\nerfolgt, doch erst zu Ende März 1842. Es ward mir da\neine Ueberraschung bereitet, die auch eine kunstgeschicht-\nliche Bedeutung hat. Baillot hatte nämlich Herrn Sina,\nden einstigen Secundarius des Basumowski'schen Quar-\ntetts, zur zweiten Violine eingeladen. Es verdient bemerkt\nzu werden, dass, nachdem Sina um 1820 seinen Wohn-\nsitz in Paris genommen, Baillot nicht gesäumt hat, sich\nüber Auffassung und Tempi, über Traditionelles jeder Art\nin den Quartetten unserer Classiker von ihm belehren zu\nlassen. Zu diesem Behufe hatte er den wiener Künstler er-\nsucht, bei seinen Quartett-Studien zuweilen die zweite\nVioline zu übernehmen. An jenem denkwürdigen März-\ntage sassen denn Baillot an der ersten Violine, Sina (in\nnoch jugendlicher Rüstigkeit *]) an der zweiten, Urban an\nder Viola und Norblin am Violoncell. Die zur Ausführung\ngekommenen drei Quartette, das von Haydn mit der öster-\nreichischen Volkshymne und zwei von Beethoven (Op. 59\nin E-moll und Op. 95 in F-tnoll), waren früher durchge-\nspielt worden. Der mir gewordene Eindruck war ein über-\nwältigender, denn ich fühlte mich in eine ziemlich ferne\nZeit zurückversetzt, eine Zeit, in der man das Gebotene\nnicht selten mit Gleichgültigkeit hingenommen hat, da es\ndoch so und nicht anders lauten konnte und musste.\nWas zur Stelle als der wesentlichste Unterschied im\nVergleiche mit dem einstigen wiener Quartette anzumer-\nken ist, betriflt Baillot's tiefere Gefühlsäusserung im Adagio,\nals dies bei Schuppanzigh der Fall war. Es machte sich in\ndes Ersteren Bogenwendungen zuweilen etwas hörbar, das\nmit dem Athemholen des Sängers Aehnlichkeit gehabt,\nvon unbekannter Wirkung und doch natürlich war*). Sein\nBogen war ein schwer wiegender Tourte und verhielt\nsich zu den Bögen der jugendlichen Epigonen, wie ein\nwuchtiges Schlachtschwert der alten Bitter zu den brat-\nspiessartigen Degen, die unsere Herren Officiere unter dem\nBocke verborgen tragen. Dieser Bogen war in der That\n„der Beweger der Lyra der modernen Welt, er beseelte\nsie mit himmlischem Hauche und diente allen Affecten sei-\nner Seele und allen Bichtungen seiner Einbildungskraft\nals Vehikel.\" (Siehe in Baillot's Violinschule Seite 4 die\nDefinition vom Bogen.) Sein Strich war ein mehr kurzer\nals langer, und das Meiste ward mit der Mitte des Bogens\nausgeführt. In solcher Bogenführung zeigte sich eine auf-\nfällige Aehnlichkeit mit der von Schuppanzigh und auch\nvon Mayseder.\nBei jener Zusammenkunft ward der veränderten Zu-\nstände in Sachen der Violine auch gedacht und Befürchtungen\nfür die Zukunft ausgesprochen, die nur zu bald wahr ge-\nworden. Doch hat sich dadurch die Summe der widrigen\nErfahrungen bei Baillot nicht vermehrt, denn er schied\nnoch in demselben Jahre aus diesem Leben, und die Quar-\ntett-Sitzung im Monat März war seine letzte.\nDie Kenner der früheren Kunst-Epoche werden gern\nzugestehen, dass die deutsche Tonkunst gegenwärtig einige\nViolin-Virtuosen besitzt, die sich an der Seite manches\nvormals sehr berühmten Künstlers als Concertspieler be-\nhaupten würden, wenngleich ihr Stil ein ganz abweichen-\nder ist. Dass jedoch unsere Concertspieler mit den abson-\nderlichen Stil-Eigenheiten auch das Quartettspiel öffent-\nlich cultiviren, ohne in diesem anders sein zu wollen\n(vielleicht auch nicht zu können), als in jenem, muss,\nselbst bei nicht zu bezweifelnder Hinneigung für diesen\nZweig, dennoch laut beklagt werden. Denn währt das\nso fort, so wird das classische Quartett sehr bald eine\nGestaltung erhalten, in welcher von dessen ursprünglich\n\n*] Sina, 1778 geboren, hat bis 1857 gelebt.\n*) „Tächez de mieux respirer!u rief Baillot während des Unter-\nrichts seinem Schüler Wilhelm Speyer zu. Es begreift\nsich, dass diese Ermahnung auf die melodischen Einschnitte\nund die Handhabung des Bogens dabei Bezug gehabt.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.4", "texte": "gesundem und lebensfrischem Wesen nur mehr ein krank-\nhaftes und affectirtes Etwas dem späteren Geschlechte über-\nliefert werden wird. Wie ehrenhaft wäre es für die sach-\nverständige und mit zurückgehenden Erfahrungen ausge-\nrüstete Kritik, ein scharfes Ohr für diese Dinge zu haben\nund warnend zu rathen, wo es noth thut—und noth thun\nwird es fast überall, weil gleiche Ursachen gleiche Wir-\nkungen erzeugen! Wenn an dem unumstösslichen Satze\nfestgehalten wird, dass der den classischen Werken\njeder Gattung von dem Autor aufgeprägte Cha-\nrakter unwandelbar, folglich den Zeitanschau-\nungen nicht unterworfen werden darf, wie dies\ndie kritisirende Jugend in ihrem Unverstände zu thun\nwagt*); wenn angenommen werden darf, dass der gebil-\ndete Sinn zwischen rohem und gebildetem Kunstgesange\nin alle Zeiten hin sich für letzteren entscheiden wird, so\nwird sich die Aufforderung, die Tradition des ewig Schö-\nnen und Wahren in möglichster Reinheit zu bewahren,\neben sowohl für den echten Künstler, wie für die gedie-\ngene Kunstkritik von selbst ergeben.\n\nAus Regensburg.\nIm April 1862.\nVor einem Jahre sandte ich Ihnen einen Bericht über\nhiesige musicalische Zustände. Erlauben Sie, dass ich die\nEreignisse auch des letzten Winters kurz mittheile. Vor\nAllem muss ich bemerken, dass durch einen Wechsel im\nVorstande der hiesige Musikverein der classischen Richtung\nentschieden sich zuwandte und die neue Aera am 30.\nApril vorigen Jahres mit einer für hiesige Verhältnisse\nwahrhaft überraschenden Aufführung von Beethoven's\nJ.-o?«r-Sinfonie einweihte. Der Herbst 1861 brachte uns\nzuerst Herrn Mortier de Fontaine, der in drei schwach\nbesuchten Concerten grossen Beifall fand. Das Interessante\nseiner Programme und seine Spielart ist so oft besprochen\nworden, dass ich es als bekannt hier übergehen darf. Merk-\nwürdig war eine Sonata di camera (aus dem Jahre 1682)\nvon Muffat, ehemals bischöflichem Capellmeister in Passau,\nfür Streich-Instrumente, und vorzüglich Beethoven's Phan-\ntasie für Piano, Chor und Orchester.—Ein Privat-Gesang-\nverein brachte das zweitheilige Oratorium „Des Heilands\nletzte Stunden\", componirt 1835 —36 von dem in Augs-\nburg 1854 verstorbenen Capellmeister Drobisch, ein noch\nungedrucktes Werk. Kenner behaupten, dass es sein bestes\nsei. Jedenfalls ist es so gut und schön, wie viele seitdem\nerschienene Oratorien, und beklagenswerth, dass so solide\nMusik keinen Verleger findet, während täglich Massen\nvon musicalischem Unrath auf den Markt geworfen werden.\nQuartett-Abende (für Streich-Instrumente) kamen in\ndiesem Winter aus Mangel an hinreichender Theilnahme\nnicht zu Stande. Der Sinn hiefür ist noch sehr gering.\nGingen ja sogar in München derartige Bestrebungen nach\nkurzer Dauer unter!\nDie Oper hat in dieser Saison weniger Neues und auch\nweniger Vollendetes gebracht, als in den letzten Jahren;\ndie jüngste Aufführung des Hans Heiling verunglückte\nfast ganz; der Wasserträger hatte sehr schwache Stellen;\ndie Weibercur (komische Oper von Paer) war gelungen.\nUeber die Füll-Opern (z. B. Martha, Stradella, Czaar,\nWaffenschmied u. s. w.) spreche ich nicht; für ganz grosse\nmoderne Opern sind natürlich die Kräfte nicht ausreichend.\nAm Besuche des stets dankbaren Publicums fehlt es nur\nin der classischen Oper (und im Trauerspiel).\nDer Orchester-Verein, vor einem Jahre gegründet,\nhat die Haydn'sche Sinfonie militaire und Mozart's G-moll-\nSinfonie, Beethoven's Ouvertüre Op. 124, Spohr's Gesang-\nscene (Concertmeister Beer), Weber's Concertstück (Hof-\nPianist Dietrich) u. s. w. in zwei Concerten unter der tüch-\ntigen Leitung seines Dirigenten (Ott) trefflich und fein\nvorgeführt und wird am Palmsonntage mit der C-moll-\nSinfonie schliessen, die (hier neu und ungewohnt) versuchs-\nweise in den zweiten Theil des Abends verlegt wurde.\nDer Musik-Verein hat im December Mozart's Jupiter-Sin-\nfonie, Concert-Ouverture, Finale aus Lorelei (hier zum\nersten Male gehört und mit Begeisterung aufgenommen)\nund Solo-Vorträge des Violoncellisten Müller (aus Mün-\nchen) in einem ausgezeichneten Concerte für seine Mit-\nglieder gebracht, das die Palme dieses Winters errang.\nAuch die echte, unvermischte Zukunftsmusik wurde von\neinem Anhänger Liszt's u. s. w. den Bewohnern südlich\nder Donau an zwei Abenden zur Prüfung vorgelegt. Ich\nmuss der Wahrheit gemäss sagen, dass der Erfolg nicht\ngünstig war. Weder die Compositionen des Concertgebers\n(Grafen du Moulin, der sich der edlen Musica nur aus Nei-\ngung widmete und gut Ciavier spielt), noch die Liszt's\n\n*) Hier ein Specimen solch jugendlichen Unverstandes aus den\nletzten Tagen. In der Didaskalia vom 2. Apiil findet sich\ndie Kritik über das zehnte Museums-Concert. Darin heisst es:\n..Die Vortragsweise der Sinfonie (C-moll von Beethoven) unter-\nschied sich durch schnellere Tempi aller Sätze, besonders durch\ndie bewegtere Haltung des ersten Satzes von der traditionellen\nAuffassung des Werkes. In dieser Abweichung traten jedoch\nso viele geistvolle Einzelheiten hervor, das Feuer des Dirigen-\nten vereinigte sich mit der Präcision des Orchesters zu einer\nso schwungvollen, kräftigen Leistung, dass wir nur von der\nhinreissenden Gesammtwirkung zu berichten haben/4\nHoffentlich wird Herr Musik-Director Müller für gut finden,\nsich lediglich an die Aussprüche dieses Kritikers zu halten,\nda die anderen Herren doch meist anderer Meinung sind und\nnach etwas veralteten Grundsätzen die Dinge zu beurtheilen\npflegen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.5", "texte": "(Lorelei und Präludien), noch die Wagner's und Schü-\nmanns befriedigten, was von uns Röotiern natürlich nicht\nanders zu erwarten war. Diese Provinz, werden die leipzi-\nger Apostel meinen, muss erst noch erobert werden; sie\nsollen sich keine Mühe geben; sie wird niemals erobert\nwerden. In zwanzig Jahren—dies ist der Trost der Gegen-\nwart—wird überhaupt diese entsetzlich schwere und qual-\nvolle Musik keine Ausführenden und keine Hörer mehr\nfinden. Dies kann man voraussagen, ohne Prophet zu sein\nund ohne dass man desshalb mit der Kruste des Classischen\ngegen alles Neue verhärtet zu sein braucht. Statt alles\nWeiteren setze ich Ihnen das Programm des zweiten Zu-\nkunfts-Concertes (für Orchester, das trefflich und auf-\nopfernd vorbereitet war) hieher: Ouvertüre zu Romeo und\nJulie vom Concertgeber; Lieder von Schubert; Einleitung\nzu Lohengrin mit dem an Wahnsinn streifenden Programm\nWagner's; Scene und Arie und Gebet der Elisabeth aus\nTannhäuser; Manfred-Ouverture von Schumann. Ehe\nder Musik-Verein mit Beethoven's Violin-Concert undMen-\ndelssohn's J.-<fer-Sinfonie den Reigen dieser Saison schlies-\nsen wird, hatten wir am 3. April noch eine sehr gelun-\ngene Aufführung des Oratoriums Abraham von Man-\ngold unter der Leitung des unermüdeten und tüchtigen\nDom-Organisten Herrn Hanisch dahier. Das Werk, nach\nbiblischen Worten die Hauptmomente des Lebens dieses\nPatriarchen, die Zerstörung Sodoms und Isaak's Opferung\numfassend, ist in seinem ersten Theile wesentlich drama-\ntisch (schnell fortschreitende Handlung, von kurzen Chor-\nsätzen unterbrochen). Wirkungsreich ist namentlich der\nSchluss dieses Theiles. Die zweite Abtheilung ist so zu sa-\ngen oratorienhafter und ansprechender und schlug auch\n—wahrscheinlich wegen der besseren Aufführung—mehr\ndurch. Eine grosse Fuge (die Zerstörung schildernd) ist\nein Meister- und Prachtstück, das nur ein durchaus gebil-\ndeter Künstler schreiben kann. Die Soli sind nicht ausge-\ndehnt, aber meist sehr ansprechend; namentlich fanden\ndie Partieen des Abraham (vertreten durch Herrn van\nGülpen, Bariton des hiesigen Theaters) und der Hagar (tie-\nfer Alt) entschiedenen Anklang. Das Orchester hat eine\nbedeutende und schwierige Aufgabe. Bemerkenswerth sind\ndie tiefen Lagen der Accorde in vielen Recitativen, denen\nhäufig sehr hohe und lang gehaltene der Violinen in den\nSchlüssen, namentlich einiger Chöre, entsprechen. Die\nWirkung, durch letztere hervorgebracht, ist häufig sehr\ngünstig, meines Wissens aber bisher in Oratorien nicht\noft gebraucht; sie erinnert oft unwillkürlich an den heili-\ngen Gral. Die Chöre waren ausgezeichnet. Der zu diesem\nwahren Musikfeste, an dem alle zahlreichen Kräfte der Stadt\nmitwirkten, gekommene Componist wurde, wie sein Werk,\nmit grösstem Beifall aufgenommen und stürmisch nebst\ndem Dirigenten von dem ungemein zahlreichen und wie\njährlich von nahe und Rsrn zusammengeströmten Publicum\ngerufen. Vor der Heimkehr des so bescheidenen und lie-\nbenswürdigen Künstlers erfolgte noch eine Ovation der\nhiesigen Männer-Gesangvereine.\nSie sehen, dass wir nicht arm an musicalischen Ge-\nnüssen sind, deren Aufzählung ich durch die kleineren\nConcerte des Musik-Vereins und verschiedener Soireen\nnicht vermehren will.\n\nSkraup und Führer.\nUeber die beiden obigen, kürzlich verstorbenen pra-\nger Musiker wird der „DeutschenMusik-Zeitung\" Folgen-\ndes mitgetheilt: Franz Skraup war ein sehr begabter\nund durchgebildeter Musiker und bedeutend als Dirigent.\nDer Glanzpunkt seiner musicalischen Wirksamkeit fällt in\ndie Zeit der Nachblüthe der prager musicalischen Zustände.\nEs ist bekannt, dass Mozart für das musicalische Prag eine\nVorliebe hegte; später fungirte C. M. von Weber als Ca-\npellmeister; Triebensee, ein ausgezeichneter Künstler, nahm\nnach Weber den Platz ein. Es war daher sehr ehrenvoll\nfür Skraup, nach solchen Vorgängern, umgeben von Per-\nsönlichkeiten wie Tomaschek, Wittasek, Dionys Weber,\nPixis und Anderen das schwierige Terrain mit Würde zu\nbehaupten. Skraup diente, wie man sagt, von der Pike auf;\naus dem Choristen wurde ein Repetitor, dann ein zweiter,\nendlich der erste Capellmeister. Dass es da nicht ohne\nharte Collisionen, Neid und Scheelsucht von der einen und\nIntriguen von der anderen Seite abging, ist leicht einzu-\nsehen, wenn man bedenkt, wie schwer es wird, an eige-\nnem Heerd zur Geltung zu gelangen. Doch, o Eitelkeit\nmenschlichen Strebens! zu was führte denn eigentlich die-\nser harte Kampf mit dem Leben?—Recht hatte derjenige,\nder da sagte, die grösste Kunst sei, „sich selbst zu ken-\nnen\"; und für den Künstler ist dies besonders von Wich-\ntigkeit. Das Leben eines jeden Menschen geht gewisser\nMaassen in einem Crescendo in einer aufsteigenden Linie;\nauf dem Culminationspunkte angekommen, scheint es im\nbesten Falle einen Augenblick still zu stehen. Der Mensch\nathmet frei auf; seiner Kraft bewusst, sieht er triumphi-\nrend um sich herum, freut sich der überstandenen Gefah-\nren und Kämpfe, vergisst aber nur zu leicht, dass Alles in\ndieser Welt ein Ende hat. Der Stillstand ist nur schein-\nbar, und kann man nicht vorwärts, so geht man rückwärts.\nEs beginnt das Decrescendo—die fatale, absteigende Linie,\nund ehe man sich's versieht, steht man am Ende — am\nRande der Gruft. Nur Wenigen ist es gegeben, diesen Cul-\nminationspunkt zu erkennen und ihr Leben so einzurich-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.6", "texte": "ten, dass der Abhang von Ja an nicht allzu schroff werde.\nDiese letztere Erkenntniss schien Skraup zu fehlen. Die\nschöne Stellung, die er durch lange Jahre mit Ehren be-\nhauptete, musste er kampfesmüde in seinen alten Tagen\naufgeben, Vaterland und Freunde verlassen und im Aus-\nlande an einer Bühne dritten oder vierten Ranges sein\nAuskommen suchen. Der Mann muss schwere Stunden ge-\nhabt haben, und darum sei ihm dieses Nachwort vergönnt*).\nIn jene Zeit des prager musicalischen Nachsommers\nfällt auch die Wirksamkeit Robert Führer's, dessen\näusseres Leben eine auffallende Aehnlichkeit mit dem\nSkraup's hat. Er war nach dem Tode Wittasek's (seines\nAdoptivvaters) in die Stelle des Letzteren als Dom-Capell-\nmeister getreten, genoss der allgemeinen Achtung, musste\naber in Folge eines bedauerlichen Fehltrittes Stellung und\nVaterland verlassen und sein Heil in der Fremde suchen.\nWie viel Neid und Missgunst an dem letzteren Umstände\nTheil hatten, weiss ich nicht; jedenfalls sprach man da-\nmals von Denunciation und dergleichen. Ich berühre hier\nabsichtlich diese Umstände, um an das Gewissen der be-\ntreffenden Persönlichkeiten zu appelliren und sie merken\nzu lassen, dass die Welt nicht blind ist und die Reihe an\nJedermann kommt.\nRobert Führer war ein geborener Musiker, wenn ihm\nauch die Tiefe abging, die man heutzutage das Recht hat\nvon so besonders glücklichen Organisationen zu verlangen;\naber er meinte es ehrlich mit der Kunst.\nFührer und Skraup sind die letzten Glieder aus jener\nGlanz-Periode Prags, die mit Erfolg auf musicalischem\nGebiete kämpften. Jener ausschliesslich auf kirchlichem,\ndieser auf weltlichem Boden. Führer war ein ergiebiges\nTalent; wenn er auch in letzterer Zeit zu viel schrieb, um\nimmer gut zu bleiben, so finden sich doch sehr gediegene\nSachen unter seinen Compositionen.\nSkraup war weniger ein schaffendes Talent, aber als\nDirigent von Bedeutung.\n*) Skraup hatte in Rotterdam eine nach seinen eigenen wie-\nderholten Aeusserungen gegen uns sehr angenehme Stellung\ngefunden, was Jeder leicht begreifen wird, der da weiss, wie\nsehr die Gründung von etwas Neuem und Werdendem jeden\nregen Geist befriedigt. Was den „dritten oder vierten Rang\"\nder Bühne in Rotterdam betrifft, so verweisen wir den Herrn\nSchreiber des Obigen auf die Berichte in der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung vor. Jahrgangs, S. HO und S.\n182, und ersuchen ihn, dem dort verzeichneten Repertoire,\nwelches 80 deutsche Opern gegen 13 italiänische und fran-\nzösische aufweis't (unter jenen Fidelio 16 Mal, Mozart 22 Mal,\nWeber 16 Mal), das Repertoire des prager Op ernthe at er ß\nentgegenzustellen!\nDie Redaction.\n\nNachtrag zu F. Halévy’s Nekrolog in Nr. 14.\nIn dem Verzeichnisse der Opern Halevy's ist die ko-\nmische Oper „Le Sherif\" nicht erwähnt worden, welches\neine der besten Partituren des Verewigten sein soll. Der\nSherif wurde im Jahre 1839 im Theater der\nmiquezum ersten Male aufgeführt, einen und einen hal-\nben Monat nach der Oper Les Treize (s. S. 106), die in\ndemselben Theater, und vier Monate vor Le Drapier,\nwelche in dem grossen Opernhause gegeben wurde. Trotz\ndes unbestrittenen Werthes der Musik verschwand die\nOper bald vom Repertoire, zum Theil wegen der Mängel\ndes Libretto's, hauptsächlich aber durch den Eigensinn\neiner berühmten Sängerin, welche sich weigerte, länger\ndie Rolle einer Köchin zu spielen, die ihr darin zuge-\ntheilt war*). Trauriges Loos eines Kunstwerkes, dessen\nLeben von den Launen einer Theater-Prinzessin abhängt!\n\nZehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nPalmsonntag den 13. April 1862.\nDas öoncert brachte zwei Werke von Beethoven: die Missa\nsolemnis in D und die fünfte Sinfonie in C-moll.\nNachdem zur Feier des Palmsonntags in den drei letzten\nJahren J. S. Bach's Matthäus-Passion aufgeführt worden, fiel die\nWahl dieses Jahr auf die grosse Messe von Beethoven, welche schon\neinmal, im Jahre 1855, an demselben Festtage gegeben, und damals,\nso wie jetzt, die Reihe der Winter-Concerte beschlossen hatte.\nUnsere Zeitschrift hat seit ihrer Begründung im Jahre 1850 meh-\nrere Nachrichten und Aufsätze über dieses grösste Werk Beethoven's\ngebracht, deren Nächweisung wir hier für die Bewunderer und Geg-\nner desselben zusammenstellen:\nRheinische Musik-Zeitung. I. 1850—51. Deutsche Ueber-\nsetzung des lateinischen Textes zur Missa solemnis. Von L. B. S.\n169. 11. 1851—52. Kyrie und Gloria in Köln. S. 599.\nNiederrheinische Musik-Zeitung. I. 1853. Das Tempo\nim Benedictus. Von A. S. S. 133. Aufführung in München. S. 173\nund 205.\n111. 1855. Kyrie und Gloria in Berlin. S« 132. Aufführung\nam Palmsonntag in Köln. S. 111.\nV. 1857. Beethoven's Briefe an Zelter. S. 22. Aufführung in\nFrankfurt am Main. Von A. S. S. 186. Kyrie, Sanctus und\nBenedictus in Bonn. S. 3.10. Ueber Pleni sunt coeli. Von A. S.\nS. 326.\nVIII, 1860. Die Missa solemnis. Von L. B. 1., S. 383. 11., S.\n385. 111., S. 393. IV., S, 417.\nIX. 1861. Stimme aus Belgien über die Missa solemnis. S. 201.\nFetis der Aeltere über die Missa solemnis. S. 235. Die Orgel\n\n*) Bevue Gazette musicale de Pari$} Nr. 14, S. 118."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.7", "texte": "in Beethoven's Missa solemnis. Von A. S. S. 233. Aufführung\nbeim Musikfeste in Aachen. Von L. B. ß. 177. Aufführung in\nWien. S. 104. Aufführung in Hamburg. S. 369. Kyrie\nund Gloria 1827 in Elberfeld. S. 387. Aufführung in Leipzig.\nS. 408.\nDie diesjährige Aufführung war im Ganzen und Grossen eine\nhöchst wirkungsvolle. Die Solo-Partieen wurden von Fräulein Hen-\nriette Röhn (Sopran) aus Mannheim, Adele Assmann aus Bar-\nmen, vom hiesigen Conservatorium, Herrn Schlösser (Tenor) und\nHerrn Step an (Bass), beide aus Mannheim, im Ganzen recht schön\nzur Geltung gebracht, wenn auch, wie das die Schwierigkeit der\nSache mit sich bringt, eine vollkommene Uebereinstimmung im Aus-\ndruck nur durch eine Reihe von Proben des vereinigten Quartetts,\nwelche selten zu haben sind, erreicht werden kann. Vor Allem ge-\nbührt dem Chor das grösste Lob; es kann gar nicht dankbar genug\nanerkannt werden, dass alle diese trefflichen Dilettanten sich in ein\nso rasend schwieriges Werk mit einem solchen Eifer einstudiren,\ndass eine so gute Aufführung möglich wird. Das Orchester und in\nBezug auf das Violin-Solo im JBenedictus Herr Concertmeister\nGrunwald haben sich wahrhaft um Beethoven und um die Ton-\nkunst verdient gemacht.\nDie Ausführung der liess nichts zu wünschen\nübrig.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn einem Privat-Concerte des in neuester Zeit in die Hände W.\nRust's übergegangenen Bach-Vereins in Berlin wurden drei\nCantaten zon «J. S. Bach, zur Aufführung gebracht, und zwar: 1.\n„Bleib\" bei uns, denn es will Abend werden\"; 2. die Oster-Cantate\n„Du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen\"; 3. die für den\nersten Sonntag nach Trinitatis: „Brich den Hungrigen dein Brod\".\nIn den Solo-Partieen für Sopran und Alt präsentirten sich drei junge\nSängerinnen aus der Schule des Gesanglehrers, Mitgliedes des kö-\nniglichen Dom-Chors und Kritikers Gustav Engel mit bestem\nErfolg.\nDas für die londoner Ausstellung bestimmte Streich-Quartett des\nHof-Instrumentenmachers Karl Grimm zu Berlin ist von einem\nKunstkenner bereits für den Preis von 1000 Thlrn. angekauft worden.\nMainz, 3* April. Am gestrigen Abende fand wieder ein Con-\ncert unserer Liedertafel Statt, in welchem Beethoven's Sinfonie in\nA-dur und eine Messe von Cherubini in C-dur zur Aufführung ka-\nmen. Die Aufführung der Sinfonie war, trägt man den hiesigen trau-\nrigen, für dergleichen Werke ungünstigen musicalischen Verhältnissen\ngebührende Rechnung, eine zufriedenstellende. Die Messe von Che-\nrubini gehört unbedingt zu den herrlichsten Schöpfungen des alten,\nunsterblichen Meisters, der sieh darin in seiner ganzen Grösse und\nHerrlichkeit entfaltet. Der Aufführung können wir nur unbedingtes,\nvolles Lob spenden, wenn wir auch bedauern müssen, dass die Be-\ntheiligung von Seiten der activen Mitglieder eine so schwache war.\n— Fräul. eine jugendliche Sängerin aus Stockholm, welche\nseit vier Jahren ihren Gesangstudien in Paris obgelegen hat und in\nKurzem beabsichtigt, in Frankfurt am Main ihren ersten theatrali-\nschen Versuch zu machen, erfreute uns in einem Privat-Ciikel, ab-\ngesehen von ihrer vollen, schönen Stimme, schon darum, weil dies\nwieder einmal eine Sängerin ist, die etwas Tüchtiges gelernt hat\nund als Herrin ihrer Mittel sich erweist.\nArnstadt» Zur völligen Wiederherstellung der Bach-Orgel\nhierselbst, als ein Denkmal des grossen J. Seb. Bach, sind zwei\nDiittel der erforderlichen Summe eingegangen. Zur Ergänzung des\nnoch fehlenden Drittels werden alle Kunstgenossen und Kunstfreunde\nangelegentlichst eingeladen von Herrn Heinr. Bernh. Stade, Or-\nganisten und Stadt-Cantoren in Arnstadt. Von den Singvereinen\nsind die Akademieen zu Breslau und zu Königsberg mit löblichem\nBeispiel vorangegangen.\nRoderich Benedix hielt zur Feier des Lessing-\nFestes erst in dem grossen Saale des Hotel de Pologne und später\nbei der Wiederholung der ganzen, zumeist aus gut arrangirten, auf\nLessing bezüglichen lebenden Bildern bestehenden Feier im Theater\neine treffliche Rede, in welcher er vorzugsweise Lessing auch als\ndramatischen Dichter eingehend charakterisirte und würdigte, na-\nmentlich auch diejenigen zu widerlegen suchte, welche dem Verfas-\nser des das Prädicat eines Dichters abstreiten wollen.\nDresden* Nach neunzehnjähriger Ruhe kam am 14. März\nRichard Wagner's Oper „Der fliegende Holländer\" unter Leitung des\nCapellmeisters Jul. Rietz neu einstudirt zur Aufführung. Diese Oper,\nwelche unter der persönlichen Leitung des Componisten im Januar\nund Februar 1843 vier Vorstellungen hier erlebte, konnte sich da-\nmals keine Sympathieen erwerben und kühlte das Interesse für\nWagner, welches er durch seinen „Rienzi\" sich erworben hatte, be-\ndeutend ab. Dass „Der fliegende Holländer\" diesmal sich die Theil-\nnahme der Hörer erworben, kann als Thatsache bezeichnet werden.\nEine Correspondenz aus Dresden in den „Recensionen\" (Nr. 12)\nbesagt: „Als Curiosum muss hier noch erwähnt werden, dass in der\nNeuen Zeitschrift für Musik in zwei der letzten Nummern (8 und 9)\nbei Besprechung der hier Statt gehabten musicalischen Aufführungen\neine Ouvertüre von J. Rietz kritisch besprochen und abgeurtheilt\nwird, die allerdings im ursprünglichen Programm enthalten war,\naber auf Wunsch des Componisten gar nicht aufgeführt und\nwofür die Euryanthe-Ouverture in das Programm hineingenommen\nwurde. Eben so verhielt es sich mit der Aufführung gelegentlich\ndes Alexanderfestes am Aschermittwoch, die wegen des Todes der\nPrinzessin Sidonie bis zum 15. März eben auch nicht Statt ge-\nhabt hat. Hier hat dieses Factum einen sehr unangenehmen Ein-\ndruck gemacht.\" (!!!)\nStuttgart« Das Abonneinents-Concert Nr. 7 im Königsbau\nbrachte am 18. v. Mts. neu „Das Paradies und die Peri\" von Ro-\nbert Schumann. Schon im vorjährigen Cyklus angekündigt, war die\nAufführung wegen plötzlicher Erkrankung Kücken's verschoben\nworden. Die theilweise hochgespannten Erwartungen wurden nicht\nerfüllt; das Ganze vermochte trotz mannigfacher Schönheiten im Ein-\nzelnen und trotz der bis auf die zu schwache Besetzung der Chöre\nmusterhaften Execution namentlich trug Frau Marlow den Part\nder Peri mit warmer Empfindung vor nicht sonderlich anzuspre-\nchen. Man vermisste die natürliche Frische und reiche melodische\nErfindung, der man in den Werken unserer classischen Musik-Heroen\nbegegnet. Am Palmsonntag wird das Oratorium ..Abraham\" von\nB. Molique in London, dem früheren hiesigen Orchester-Musik-\nDirector, aufgeführt.\nDie Oper „König Enzio\" vom Componisten der rAnna von Lands-\nkrön\", dem Hofmusiker Abert in Stuttgart, ist von der dortigen\nHoftheater-Intendanz zur Aufführung angenommen worden und dürfte\nbis Ende April in Scene gehen.\nien« Die Wiederholung der Beethoven'schen D-Messe am\n30. März war als Aufführung noch gelungener, als die am 17. März\nvorigen Jahres. Namentlich waren die weiblichen Soli diesmal weit\nglänzender besetzt; als damals, der Sopran-Part in den Händen der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620419-01.1.8", "texte": "immer begeisterten, mitunter etwas zu aufgeregten, zu fieberhaft un-\nruhigen, doch stets tüchtigen Dustmann, der Alt in jenen des\nFräulein Bettelheim, deren Stimme nicht nur, deren künstlerische\nBildung und musicalische Festigkeit sich bei diesem Anlasse neu\nbewährten. Den Bass hatte Herr Panzer vom vorigen Jahre her\nbeibehalten. Den Tenor-Part übernahm Herr Erl eine Stunde vor\ndergAufführung ohne Probe und ohne das Werk je gesungen, ja, wie\nverlautet, ohne es je gehört zu haben, und führte diese unglaub-\nliche Aufgabe mit einer gelassenen Tüchtigkeit durch, welche den\nGedanken an eine improvisirte Uebernahme gar nicht aufkommen\nliess. Herrn Erl's Tüchtigkeit wie seine Gefälligkeit wurden durch\nstürmischen Empfang nach Verdienst gewürdigt. Vor Allem aber lei-\nsteten das Herbeck'sche Orchester und der Singverein von Herrn\nHerbeck geleitet das Ausserordentlicbste. Das höchste Lob darf\ngerechter Weise der Gesammt-AufFührung nicht vorenthalten werden.\nDie Landsberg'sche Beethoven-Sammlung ist für die königliche\nBibliothek in Berlin erworben worden.\nUnter den noch ungedruckten Werken von Beethoven befindet\nsich auch eine Operette, und zwar im Original-Manuscript. [So\nberichtet die Deutsche Musik-Zeitung.]\nF. Chrysander, der Biograph Händel's, beabsichtigt, „Jahr-\nbücher für musicaliscbe Wissenschaft\" herauszugeben, und soll de-\nren erster Band zu Ostern erscheinen. Den Hauptinhalt bilden histo-\nrische Abhandlungen, theoretische und ästhetische Betrachtungen,\nso wie Mittheilungen aller Art aus den verschiedenen Fächern der\nmusicalischen Kunst*\nDie Concerte des Cäcilien-Vereins in Prag, die in dieser\nSaison ihren zweiundzwanzigsten Jahrgang vollendet haben, brach-\nten wie gewöhnlich fast lauter Neuigkeiten für das prager musik-\nliebende Publicum. Unter der Direction von Apt wurden ausgeführt\nim ersten Concerte: W. Sterndale Bennett's Op. 39, „Maikö-\nniginu, mit deutschem Texte von Sophie Klingemann; vorher eine\nSinfonie in C-dur von S. Judassohn, Op. 24; im zweiten\nConcerte: „Undine\" mit deutschem, aus dem Englischen übersetzten\nTexte von Karl Klingemann, für Soli, Chor und Orchester compo-\nnirt von Jul. Benedict, Op. 70; vorher Ouvertüre Op. 16 von\nA. Emil Titl zu „Die lustigen Weiber von Windsor\" von Shake-\nspeare, und „Die lustigen Musicanten\" für Soli, Chor und Orchester\ncomponirt von F. Hill er, Op. 48; im dritten Concerte: Ouver-\ntüre, Entre-Acte und Chöre zu Vondel's Trauerspiel „Lucifer\", com-\nponirt von J. A. van Eyken.\nDer Contract der prager Theater-Direction läuft zwar erst mit\ndem Jahre 1865 zu Ende, dennoch melden sich bereits jetzt Bewer-\nber um die Leitung dieses im Auslande in sehr gutem Kufe stehen-\nden Thalia-Tempels; unter diesen werden Herr Regisseur Marr in\nHamburg, Director v. Bequignolles in Breslau und der Weimarer\nGeneral-Intendant Hofrath Dingelstedt genannt. Letzterer soll sich\nerboten haben, dem gegenwärtigen Director des prager Theaters eine\nbedeutende Summe zu zahlen, falls er ihm die Leitung dieser Bühne\nüberlassen wolle. Dingelstedt soll dem Wunsche seiner Gattin (der\nberühmten Sängerin Fr. Lutz er) nachkommen, die bekanntlich eine\nPragerin ist*\nGeilita» Die „Stumme von Portici\", seit 20 Jahren hier nicht\ngegeben, ist vor Kurzem mit grossem Beifalle auf dem Theater\nCarlo Feiice aufgeführt worden. Armandi gab den Masaniello, die\nrussische Tänzerin Fräulein Friedberg die Fenella.\nAdrien de la Fage, ein tüchtiger Musiker und Kenner der\nalten Kirchenmusik, Mitarbeiter an fast allen musicalischen Journa-\nlen von Paris, ist daselbst am 8. März, 63 Jahre alt, gestorben."}]}