{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-04-26-01", "volume": "bmtnabi_1862-04-26_01", "ocr_sha256": "56d2b57372de8c4161b7536d4314c81d734a8d42bfe8dce538b77c8548a6195d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/04/26_01/bmtnabi_1862-04-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 449, "texte": "Inhalt.\nLondoner Briefe. (Fortsetzung.) Concerte der musicalischen Gesellschaften. Musicalische Rückblicke (Musikleistun-\ngen in Bremen). Von F. Pietz er. Die Matthäus-Passion. Erste Aufführung in Wien durch die Sing-Akademie am 15. April. 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S. Nr. 15.)\n[Concerte der musicalischen Gesellschaften.]\nDie Sacred Harmonie Society nahm in ihrer jährli-\nchen General-Versammlung den Bericht ihres Präsidenten\nHarrison entgegen. Die Einnahmen des Jahres 1861 er-\nreichten die Summe von 5576 L. St. (an 37,000 Thlr.),\ndie Ausgaben beliefen sich auf 5502 L. St.; darin sind\n100 Guineen für das Denkmal des Prinz-Gemahls, andere\n100 Guineen lür eine fromme Stiftung und 10 Guineen\nfür die Wiederherstellung der Orgel von J. Seb. Bach\nin Arnstadt begriffen. Das Vermögen der Gesellschaft\nbesteht in 7500 L. St. Mit solchen Mitteln lässt sich frei-\nlich viel leisten. Für das musicalische Fest bei der Eröff-\nnung der Ausstellung ist dem Vorstande dieser Gesellschaft\ndie Leitung übertragen; er wird ein Personal von 1800\nMitwirkenden aufstellen; die Vocalmassen werden der ge-\nwöhnliche Chor der Gesellschaft und der für das grosse\nHändel-Fest im Krystall-Palaste bestimmte, in Verbindung\nmit einer Auswahl aus den Chor-Vereinen in der Provinz\nbilden. Wichtig war die Ankündigung der baldigen Er-\nscheinung eines Katalogs der überaus reichen Bibliothek\nder Gesellschaft.\nDas Händel-Fest kehrt bekanntlich jetzt alle drei Jahre\nwieder; der Billet-Verkauf für das diesjährige (Ende Juni)\nbegann schon am 3. März unter einem ungeheuren Zu-\ndrange in Exeter Hall und im Krystall-Palaste und brachte\nbinnen vier Tagen, von Montag bis Donnerstag, die fabel-\nhafte Summe von 9000 L. St. (an 60,000 Thlr.!) ein.\nUnter den Abnehmern ist die ungewöhnliche Menge von\nGeistlichen aus allen Gegenden des Landes aufgefallen.\nDas erste Concert am 28. Februar brachte Mendels-\nsohn's „Lobgesang\" und Rossini's Stabat Mater, frei-\nlich eine sonderbare Zusammenstellung. Fräulein Tiet-\njens sang darin zum ersten Male in den Concerten der\nSacred Harmonie Society, ihre vollklingende, mächtig und\nleicht ausgiebige Höhe machte im Inflammatus und in der\nPrachtstelle des Lobgesangs: „Die Nacht ist vergangen\",\neine gewaltige Wirkung. Eine vollendete Leistung war\ndas Duett Quis est li/omo mit Mad. Sainton-Dolby. In der\nfolgenden Woche wurde dasselbe Programm wiederholt;\nan die Stelle der Fräulein Tietjens, welche auf vier Wo-\nchen nach Barcelona engagirt war, trat die tüchtige Sän-\ngerin Miss Parepa.\nDie beiden nächsten Concerte gaben glänzende Auf-\nführungen von Händel's „Israel in Aegypten\" und Hän-\ndel's „Salomon\" (am 4. April). Letztere erregte dadurch\nnoch ein besonderes Interesse, dass dieses Oratorium auch\nzur Aufführung bei dem Händel-Feste bestimmt ist und\ndafür bereits einstudirt wird*). Die Chöre waren in bei-\nden Oratorien ganz ausserordentlich imposant, wozu in\nExeter Hall natürlich die prachtvolle Orgel das Ihrige\nthat. Im „Salomen\" musste im ersten Theil der Chor:\n„May no rash intrudes\", den man hier den Nachtigallen-\nChor nennt, wiederholt werden; es ist einer der lieblich-\nsten und gefälligsten neben den grossartigen und gewalti-\ngen, an denen die Partitur des Werkes so reich ist. Die\nschwierige Haupt-Partie des Salomon (Alt) führte Mad.\nSainton-Dolby vortrefflich aus; die beiden Mütter in der\nberühmten Scene von Salomon's Urtheil sangen Miss Louise\nPyne und Miss Banks, von denen die Erstere die Haupt-\nstütze der englischen Oper in Drurylane ist.—In der Char-\nwoche fanden zwei Aufführungen des „Messias\" Statt,\nbeide in Exeter Hall, Montag durch den National-Gesang-\nverein unter G. W. Martin's Leitung, Mittwoch durch die\nSacred Harmonie Society.\n\n*) Nach anderen Nachrichten soll nur eine Auswahl von Chören\ndes «,Salomonu beim Händel-Feste gemacht werden. Das ganze\nOratorium wird, wie wir schon früher angezeigt, bei dem dies-\njährigen Musikfeste in Köln aufgeführt.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5296, "texte": "Die Vocal Association,eine unter Benedict's Direc-\ntion nach Art der deutschen Singvereine eingerichtete Ge-\nsellschaft, gibt in St. James Hall Subscriptions-Concerte\nvor einem eleganten und zahlreichen Publicum. Das erste\nfand am 26. März Statt. Das Programm war sehr gemischt,\nChorgesänge und Solo-Vorträge, Arien und Lieder, Piano-\nforte und Harfe, die Zauberllöte und Linda von Chamouny\nlösten einander ab. Ein Grabgesang für Chor zum Anden-\nken an den Prinzen Albert, componirt von einem deut-\nschen Organisten, Hrn. R and e g g e r, war bemerkenswerth.\nUebrigens will es doch mit der Mitwirkung der Dilettan-\nten nicht recht fort; ein hiesiges Blatt machte sogar die\neben nicht höfliche Bemerkung, dass seit dem vorigen\nJahre manche von den Mitwirkenden „ausgejätet und\ndurch praktischere Sänger ersetzt worden wären\".\nDie philharmonische Gesellschaft eröffnete das\nfünfzigste Jahr ihres Bestehens am 10. März in Han-\nnover Square Rooms mit einem glänzenden Concerte unter\nSterndale Bennett's Direction. Beethovens und die\nJubel-Ouverture von Weber waren in besonderer Bezie-\nhung auf die Jubelfeier gewählt. Ausserdem wurden noch\ndie Ouvertüren von Schumann zu Genovefa und von Che-\nrubini zu Faniska gemacht. Joachim spielte das Concert\nin A-mollvon Viotti und einige Solostücke von J. S. Bach.\nDas Programm des zweiten Concertes (den 23. März)\nbrachte „Die Weihe der Töne\" von Spohr und Beetho-\nven's Sinfonie Nr. VIII., die Ouvertüren von Weber zu\nOberon, von Mendelssohn zu Athalia. Spohr's Werk, im-\nmerhin eine phantasiereiche und meisterhaft orchestrirte\nTonschöpfung, wurde sehr gut gespielt und mit grosser\nWärme (besonders der erste, zweite und vierte Satz) auf-\ngenommen. Die Wirkung des prächtigen Marsches wird\nfreilich durch die lange Episode sehr geschwächt; eine\nVerkürzung derselben könnte dem Werke nur zum Vor-\ntheil gereichen. Ob Mendelssohn die Ouvertüre zur Atha-\nlia selbst für seine beste erklärt habe, wie Musical\nWorld sagt, ist mir nicht bekannt; ist es wirklich der Fall,\nso werden ihm bei allen Vorzügen derselben doch schwer-\nlich die Mehrzahl der Kunstfreunde und Musiker beistim-\nmen. Miss Goddard spielte das hübsche (mendelssohn-\nartige) Capriccio in Emit Orchester von Sterndale Ben-\nnett und ein Präludium und Fuge von\nJ. S. Bach. Es bleibt immer merkwürdig, dass von allen\nSolo-Vorträgen im ersten und zweiten Concerte die Stücke\nvon Bach—durch Joachim und Miss Goddard vorgetragen\n—den stärksten Applaus hervorriefen, was doch die Mode-\nNeigung zu alter Musik allein nicht bewirken kann, wie-\nwohl die Tonangeber derselben freilich mit in Anschlag\nzu bringen sind. Miss Parepa sang die letzte Arie der\nDonna Anna und der Tenor Tennant die Arie des Pylades\naus Gluck's Iphigenie recht schön; das Duett aus Doni-\nzetti's Don Pasquale passte freilich schlecht zu den übrigen\nclassischen Sachen, aber bei Gesangstücken fragt man hier\nnicht viel nach dem Stammbaum.\nIm dritten Concerte (am 7. April) sah der Saal von\nHannover Square Rooms eine so zahreiche und glänzende\nZuhörerschaft, wie er sie wohl kaum in den langen Jah-\nren seines Daseins im Dienste der Muse der Tonkunst ge-\nsehen hat. Die Ausführung einer Sinfonie von Haydn in\nEs,der ersten von den drei grossen in war sehr fein\nund ausdrucksvoll. Auch die Nr. VII in A-dur von Beet-\nhoven entsprach im Allgemeinen den Forderungen an ein\ngutes Orchester, doch wurden die Tempi meist zu schnell\ngenommen. Von Ouvertüren gab man Mendelssohn's Ruy\nBlas und Auber's Masaniello (Die Stumme von Portici).\nDer Löwe des Abends war wiederum Joachim, der in-\nzwischen auch in Manchester in Halle's Genilemen Con-\ncertsgespielt hatte. Er trug dieses Mal Molique's Concert\nin D-moll,eine schöne und edle Composition, vor, auch\ndieses auswendig, wie alle übrigen. Er erregte einen Sturm\nvon Applaus, wie man ihn in diesen Räumen selten gehört\nhat, wurde gerufen und bei seinem Wiedererscheinen mit\nschallenden Hochs begrüsst. Eben so nach dem Vortrage\ndes Andante und der Fuge in C-dur aus einer Sonate von\nBach; er entwickelte in diesem merkwürdigen Stücke, wo\ndie Violine allein Melodie und Harmonie, Solo und Beglei-\ntung in der innig verschlungenen Durchführung der drei\nStimmen darstellen muss, eine in der That unerhörte Bra-\nvour, welche, staunenswerther als alle Kunststücke Paga-\nnini's, vor diesen noch obenein den kernhaften musicali-\nschen Inhalt voraus hat.\nIm nächsten Concerte soll eine Sinfonie von Niels\nW. Gade, hier eine Neuigkeit, vorkommen, wesshalb\nman der Ankündigung auch die Empfehlung hinzugefügt\nhat: „von Gade, dessen Talent Mendelssohn zuerst ent-\ndeckt und ermuthigt hat.\"\nDie Neu-philharmonische Gesellschaft hat das\neilfte Jahr ihres Bestehens mit dem Concerte am 7. April\neröffnet.\nSie hat ein Abonnement auf fünf Concerte und fünf\nöffentliche Proben derselben zu dem Subscriptions-Preise\nvon 2 L. St. 2 Sh., 1 L. St. 11 Sh. 6 P. und 1 L. St.\n1 Sh. je nach den Plätzen eröffnet. Nicht-Abonnenten zah-\nlen für das Concert 15 Sh., 10, 5 und 3 Sh., Galerie 1\nSh.; für die Probe 7, 5 und 3 Sh., Galerie 1 Sh.\nDas Orchester ist unstreitig das beste in London, das\nheisst so viel, als in ganz England. Es ist über 80 Mit-\nglieder stark, unter denen die besten Instrumentalisten\nder italiänischen Oper und anderer Vereine sind und an\nderen Spitze als Anführer Künstler wie Molique und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3316, "texte": "Blaggrove stehen. Die Aufführungen finden in St. James\nHall Statt.\nVon Orchesterwerken brachte das erste Concert Men-\ndelssohn's schottische Sinfonie in A-moU, Beethoven's\nOuvertüre zu Egmont, Weber's zu Oberon eine Drei-\nzahl von Meisterwerken, die Ehrfurcht gebietet, und durch\ndieses Orchester unter der recht geschickten und von Jahr\nzu Jahr zuversichtlicheren Direction des Dr. Wylde vor-\ntrefflich ausgeführt, auf jeden Zuhörer eine grosse Wir-\nkung machen musste. Als ebenbürtige Productionen führte\nMiss Goddard Mozart's herrliches D-moll-Concert (mit\nden Cadenzen von Hummel) und die Clavier-Partie in Beet-\nhoven's origineller Phantasie Op. 80 für Piano, Chor und\nOrchester mit jenem reinlichen, classisch ebenmässigen\nund ausdrucksvollen Spiel aus, durch welches diese ausge-\nzeichnete Künstlerin mit Recht sehr hoch in der Gunst der\nhiesigen Kunstwelt steht. Wie blass und fahl sind die\nDutzend-Phantasieen der Noten-Fabricanten, welche das\nWort Phantasie lästern, gegen diese Beethoven'sche! Der\nChor verdarb nichts und das Orchester that viel an dem\nErfolg des Ganzen.\nDer Sologesang war allein durch die deutsche Sän-\ngerin Fräulein Tietjens vertreten; leider erschien sie\nnicht in deutschem Gewände, sondern nur als Alice, Semi-\nramis und Lucrezia Borgia, aber immerhin bewunderns-\nwerth an Stimme und Vortrag, denn in Beziehung auf letz-\nteren hat sie neben der durch keine Anstrengung zu be-\nsiegenden Stimme unendlich gewonnen, so dass, wer sie\nlange nicht gehört, ihre Gesangweise kaum wieder erkennt,\nwie mir Deutsche versichert haben, die sie vor Jahren in\nDüsseldorf bei dem Musikfeste und in Wien auf der Opern-\nbühne gehört haben.\nIm nächsten Concerte (den 7. Mai) wird Joachim\nspielen; er beherrscht die Saison und das ist gut.\nDie neueste musicalische Stiftung ist die „Musical\nSociety von London\" welche erst im vierten Jahre be-\nsteht, aber bereits zu solchem Ansehen gelangt ist, dass\nsie an Mitgliedern ohne Zweifel die zahlreichste Musik-\nGesellschaft in Europa ist. Sie hat eine so grosse Theil-\nnahme gefunden, dass sie, wenn sie alle, die nach dem\nZutritt trachten, aufnehmen wollte, einen neuen Saal bauen\nmüsste, da St. James Hall schon jetzt bei ihren Concerten\nbuchstäblich genommen überfüllt ist und an Nicht-Mitglie-\nder nur eine beschränkte Anzahl von Galerie-Plätzen zu\n3 Sh. 6 P. ausgegeben werden kann. Das erste diesjäh-\nrige Concert brachte am 12. März die Ouvertüren zur\nZauberflöte, zur Leonore Nr. 1 und den Römischen Car-\nneval von H. Berlioz, ferner die italiänische Sinfonie in\nA-dur von Mendelssohn zu Gehör. Joachim spielte sein\nConcert in D-moll „in ungarischem Stil\"; der Gesang war\ndurch Mad. Sainton-Dolby und Mad. Guerrabella von der\nitaliänischen Oper vertreten. Das lange erste Allegro von\nJoachim's Concert, dessen Schönheiten eine musicalisch\ntiefere Auflassung verlangen, als von der Mehrzahl des\nPublicums zu erwarten ist, muss öfter gehört werden, um\nallgemeinen Eindruck zu machen. Die Romanze und das\nFinale alla Zingaraerregte durch den Reiz der Melodieen\nund die Neuheit des Stils grossen Beifall, so wie denn die\nMeisterschaft des Spiels, wie immer, zur Bewunderung\nhinriss. Im nächsten Concerte wird hier die neunte Sinfo-\nnie von Beethoven gemacht und Mozart's Doppel-Concert\nin Es von Karl Halle und Stephen Heller gespielt.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "133", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.2.3", "titre_corps": "Musicalische Rückblicke.", "titre_sommaire": "Musicalische Rückblicke.", "signature_source": "F. Pletzer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.3", "debut_caractere": 3318, "fin_caractere_exclue": 5102, "texte": "Musicalische Rückblicke.\n\nBremen, 16. April 1862.\nMit den gewaltigen Klängen der Bach'schen Matthäus-\nPassion geht am Charfreitage die musicalische Saison zu\nEnde. Die Akademie widmet dem grossartigen Werke die-\nselbe Sorgfalt, wie vor zwei Jahren, als Rein thaler es\nzur ersten Aufführung brachte. Geht zwar für die Musi-\nker unter zahlreichen Proben in dieser Woche das Prädi-\ncat „still\" verloren, so haben sie dagegen das freudige\nBewusstsein, Zeit und Mühe einer Schöpfung zuzuwenden,\nderen hohe Schönheit und erhabene Pracht mit jedem\nJahre mehr durch die Gegenwart gewürdigt und genossen\nwerden. Es ist charakteristisch und ein Zeichen der Zeit,\ndass die 1829 von Mendelssohn aus langer Vergessenheit\nzu neuem Leben erweckte Matthäus-Passion alljährlich\nneue Eroberungen macht und unter den musicalischen\nSpenden der Charwoche jetzt obenan steht. In diesen Ta-\ngen wieder dringen die wunderbaren Choräle Bach's in\ntausend und aber tausend Herzen. Ein flüchtiger Blick in\ndie Zeitungen verräth uns gleich sieben Städte, in denen\nman die Passion aufführt, Wien, Berlin, München, Leip-\nzig, Hamburg, Frankfurt, Bremen, und es werden ihrer\nwohl noch mehr sein.\nDie zu Ende gehende Saison war belebter und gehalt-\nreicher, als irgend eine frühere, nicht nur rücksichtlich der\nZahl, sondern auch der Gediegenheit der Concerte. Be-\nhaupteten sich die Sinfonie-Abende, wenngleich einzelne\nLeistungen unter Ermüdung der Musiker litten, auf der\nfrüheren Höhe und in der verdienten Gunst, so war der\nCyklus der Privat-Concerte entschieden glücklicher und\nbesser, als der vorigjährige, die Soireen einzelner Künstler\ndurchweg mit ernsterem musicalischen Willen ausgeführt,\ndie Quartett-Abende der zu zwei Gruppen vereinigten Mit-\nglieder des Orchesters durch den Antrieb, den ein löbli-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5440, "texte": "eher Wetteifer hervorruft, werthvoller und genussreicher,\nals früher. Die Sing-Akademie unter Reinthaler und der\nGesang-Verein des Herrn Engel legten mit der „Schö-\npfung\" von Haydn, dem „Christus\" von Beethoven,\ndem .Lobgesang\" von Mendelssohn mitten in der Fülle\nvon Concerten, die kaum für Proben Raum und Zeit liess,\nEhre ein. Ueberall vorwiegend ernster Sinn und aufrichti-\nges Streben nach dem Besten und nach der besten Weise.\n<5\nGelingt es der Folgezeit, die Stellung der Musiker zu ver-\nbessern, den Instrumenten aufzuhelfen, wo Noth ist, die\nDirectionen der verschiedenen Vereine zu überzeugen, dass\nsie ohne Neid und Eifersucht zusammen zu wirken haben\nzur Lösung ihrer Aufgaben, das Publicum, dass es mit sei-\nnen Mitteln allezeit freudig bereit sein müsse, das Gute zu\nfördern, so dürfen wir hoffen, dass es in Kurzem in musi-\ncalischen Dingen bei uns so stehe, wie es von Rechts we-\ngen stehen muss.\nDa wir neulich mit der Oper in Sachen des Giuseppe\nVerdi einen Streit gehabt haben, so ist es billig, dass ein\nWort herzlicher Versöhnung gesagt werde aus Anlass der\nWeber'schen „Euryanthe\", welche Herr Capellmeister\nHentschel an seinem Ehren-Abend aufführte. Das volle\nHaus galt zum Theil ihm; man wollte beweisen, dass die\nVerdienste des Beneficiaten um die Oper und ihre Hebung\nin vollem Maasse anerkannt werden. Dass er selbst seiner-\nseits mit dem Ernste eines tüchtigen Musikers die „Eury-\nanthe\" in Scene gesetzt hatte, bewies die Aufführung der\nungemein schwierigen Tondichtung, welche der Bühne zur\nEhre gereichte. Durch solche Leistungen gewöhnt man die\nZuhörer unmerklich an Werke, zu denen sie sich sonst\nmehr respectvoll als liebevoll verhalten. Das Schicksal der\n„Euryanthe\" ist bezeichnend und lehrreich. In streng mu-\nsicalischer Hinsicht unläugbar Weber's bedeutendstes\nWerk, hat sie sich doch den gewaltigen Erfolgen des\n„Freischütz\" und des „Oberon\" gegenüber karg behelfen\nmüssen. Man lobt sie halb mit Erbarmen; das ist zu be-\ndauern, aber es hat seine Gründe. Als Weber 1823 seine\n„Euryanthe\" schuf und in Wien mit Hülfe der in erster\nJugendfrische und Anmuth strahlenden Henriette Son-\ntag auf die Bühne brachte, da hatte er nicht nur mit Ros-\nsini zu kämpfen, der den Wienern mit seinen coquetten\nWeisen die Köpfe verrückte und Beethoven ärgerte; er\nhatte auch Fehler begangen, die sich rächten, vornehm-\nlich diesen, dass er den abgeschmackten, einen grossen\nAnlauf nehmenden und in fader Süsslichkeit verschwim-\nmenden Text Helmina's von Chezy überhaupt componirte.\nUngestraft bleibt solche Sünde nicht; selbst die Musik hat\netwas von einem „Stich\" an sich. So gross und schön sie\nim Ganzen gedacht und ausgeführt war, die Leute vor der\nBühne begriffen und genossen nicht recht, was da oben\ngeschah. Das erste Geschick der Oper ist, wie das ge-\nwöhnlich so geht, maassgebend gewesen. Ihrer Verbrei-\ntung während der folgenden, allerdings musicalisch besse-\nren Zeit hat aber besonders der Umstand entgegen ge-\nstanden, dass die Oper den Ausführenden sehr schwere\nAufgaben stellt, die ohne eine Vereinigung von tüchtiger\nkünstlerischer Ausbildung und dramatischem Talente gar\nnicht zu lösen sind. Je seltener heutzutage Beides bei einan-\nder sich findet, um so seltener auch eine dauernde Ver-\nbreitung dieser Oper. Daher kommt es, nebenbei bemerkt,\ndass man so selten Richard Wagner entlarvt hat, der\nbei den Schönheiten Euryanthens mehr als erlaubt zu\nGaste ging; wir haben darauf vor sechs Jahren bei Gele-\ngenheit des „Lohengrin\" eingehend in diesem Blatte hin-\ngewiesen. (Ist in der Rhein. Musik-Zeitung schon 1852\nvon uns geschehen. L. B.) Die Aufführung der „Euryan-\nthe\", die wir neulich hier erlebten, erreichte, was sich\nirgend erreichen liess. Kann man auch nicht sagen, dass\ndie Titelrolle und die der Eglantine dem Wesen der Da-\nmen Eicke und Carl zusagten, so waren doch Beide\nmit grossem Eifer an ihre Aufgabe gegangen. Der Sicherste\nund Beste aber war Herr Behr als Lysiart, nur dass im\nBeginn Gesang und Färbung charakteristischer und dä-\nmonischer hätten sein können.\nIn Bezug auf die Privat-Concerte ist zunächst\neiner abermaligen Unterstützung, welche die Akademie\ndem Institute gewährte, rühmend zu gedenken. Herr Mu-\nsik-Director Reinthaler gab uns nach langer, langer Zeit\ndas Alexanderfest von Händel wieder. Man hört es viel\nseltener, als die Verehrer des Meisters wünschen, welche\nan den schönen und mächtigen Chören und der Energie\nder Bass-Partie ihre Freude haben. Auch hier ist die Klage,\ndass unsere Zeit so hohe Werke ungerecht zurücksetze,\nnur halb begründet. Es ist nicht bloss erklärlich, sondern\nvollkommen gerecht, dass unser Bewusstsein und die heu-\ntige Denkweise von der schlecht gedachten, unklaren, in\nmiserabler Uebersetzung sich bewegenden Dichtung Dry-\nden's nichts wissen mag; leidet darunter die Musik, so ist\ndas traurig, aber gar nicht zu verwundern. Sodann muss\nman bei aller Verehrung für Händel zugeben, dass im\nAlexanderfeste viel Veraltetes ist. Die Leitung der Con-\ncerte hatte übrigens einen Fehler begangen, welcher den\nEindruck der Schöpfung beeinträchtigte. Sie musste den\nAnfang des Abends machen; dann konnte ihr eine grosse\nSinfonie folgen. Indem aber durch den Vorantritt einer\nSinfonie von Gade, eines Ave Maria und einiger Lieder\nvon Mendelssohn die Zuhörer daran gewöhnt waren, ganz\nmodern zu denken und unter anmuthigen Melodieen zu\nverkehren, konnten Händel's Klänge mit dem prachtvollen\nBass unmöglich die rechte Stimmung vorfinden."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4946, "texte": "An einem anderen Abende halten wir einen künstleri-\nschen Besuch Reinecke's und Freude an demselben. Der\njetzige Director der leipziger Gewandhaus-Concerte lebte,\nbevor er an die Rheinische Musikschule in Köln ging, einige\nJahre hier in Bremen. Seit jener Zeit ist er an mehreren\nOrten als Musik-Director thätig gewesen und in seiner\nmusicaliscben Wirksamkeit bis zu der jetzigen ehrenvollen\nStellung vorgedrungen. Als Clavierspieler schätzt unser\nPublicum Herrn Reinecke längst und erfreute sich jetzt\nabermals nach langer Zeit an der Eleganz und Solidität\ndes Vortrages. Wichtiger war es unter diesen Umständen\nfür den geehrten Gast, uns mit zweien seiner neuesten\nCompositionen bekannt zu machen, einem Clavier-Con-\ncerte und einer Orchester-Ouverture. Jenes hat er\nbisher nur in Leipzig gespielt; es ist von bester Factur und\nerregte lebhaftes Interesse durch die geschickte und ange-\nnehm wirkende Verwendung des Pianoforte und dessen\nVerhältniss zum Orchester. Der zweite Satz, der durch\nseinen Charakter sich zunächst dem Zuhörer empfiehlt,\nmöchte auch im Uebngen wohl der beste sein. Die Ouver-\ntüre zu „Alladin\" erschien uns als ein sehr tüchtiges und\nwerthvolles Werk; es ist nicht unbedenklich, das Gebiet\nder so genannten Programm-Musik zu betreten, ohne dass\nman bestimmten Anhalt für das Verständniss gibt, und ein\nsolcher Anhalt fehlt hier gänzlich. Wir betrachten also die\nOuvertüre lediglich als Orchester-Composition und vom\nmusicalischen Gesichtspunkte; da scheint es uns nun, dass\ndieselbe höher steht als irgend eine der früheren Ouver-\ntüren Reinecke's, welche von Zeit zu Zeit als Bereiche-\nrung der Concert-Programme erwünscht waren, allein\nweniger Reife und Bedeutung hatten, als diese neueste.\nMit seinem Spiel und mit ähnlichen Gaben wird der Gast\nuns stets willkommen sein.\nUeber die Vorträge anderer Künstler: Leopold Auer,\nLouise Michal-Michaeli, Stockhausen u. s. w. und mehre-\nrer einheimischer Musiker können wir nicht ins Einzelne\ngehen. Aber eines Quintetts für Pianoforte und Streich-\nInstrumente von J. Streudner muss gedacht werden, in-\ndem es nicht nur die Aufmerksamkeit der nächsten Kreise\nverdient, die es hörten. Der Componist hat es in einer\nglücklichen Stunde geschaffen und damit seinen ernsten\nkünstlerischen Sinn und eine hervorragende Befähigung\nfür das betreffende Gebiet an den Tag gelegt. Es ist durch-\naus concertirend und eine nicht nur sehr gefällige, sondern\nauch vom höheren Gesichtspunkte aus gelungene, selbst-\nständige Arbeit. Wir hoffen, dass die Composition bald im\nDruck erscheint; sie wird ohne Zweifel den Spielern er-\nwünscht sein und unser Urtheil rechtfertigen.\nGeben wir nun zum Schlüsse einen Ueberblick aller\nLeistungen der Orchester-Concerte, so stellt sich folgendes\nResultat heraus. Es kamen zur Ausführung 21 Sinfonieen\noder in dieses Gebiet einschlagende Werke, nämlich vier\nvon Joseph Haydn (.Es-dur [2], B-dur und Abschieds-\nSinfonie), zwei von Mozart und D-dur ohne Me-\nnuett), acht von Beethoven (alle bis auf die erste in\ndur), zwei von Schumann (C-dur und Ouvertüre, Scherzo\nund Finale), je eine von Händel (Oboen-Concerty, Spohr\n(C-moll), Gade (B-dur),Mendelssohn (A-dur) und\nRein thaler (D-dur).Unter diesen Sinfonieen wurden\ndrei wiederholt. Es schlössen sich daran 26 Ouvertüren,\nvon denen drei wiederholt wurden: drei von Mozart (Don\nJuan, Zauberflöte, Figaro), sechs von Beethoven (Eg-\nmont, Fidelio, Leonore, Coriolan, Namensfeier und Fest-\nOuverture), vier von Weber (Oberon, Freischütz, Eury-\nanthe,- Jubel-Ouverture), fünf von Mendelssohn (Som-\nmernachtstraum, Melusine, Athalia, Ruy Blas, Hebriden),\nzwei von Gherubini (Abenceragen und Anakreon), je eine\nvon Mehul (Joseph), Schumann (Genovefa) und Rei-\nnecke (Alladin). An Virtuosen wurden gehört: auf dem\nPianoforte Frau Clara Schumann, Frau von Bron-\nsart, Herr Karl Reinecke; auf der Violine die Herren\nAuer, David, Jacobsohn und Joachim; auf dem Vio-\nloncell Herr Davidoff; auf der Harfe Fräulein Eich-\nberg; in Gesangs-Vorträgen die Damen Antonini,\nBeste, Enequist-Biondini, Engel, Lessiak, Jenny\nMeyer, Michal-Michaeli, Reiss, Schreck und\nÜbrich, die Herren Becker, Behr, Gunz, Krön\nund Stockhausen. Folgende grosse Werke für Orche-\nster und Chor kamen zur Aulführung: von Händel das\nAlexanderfest, von Joh. Seb. Bach die Matthäus-Passion,\nvon Haydn die Schöpfung, von Beethoven Christus am\nOelberge und die neunte Sinfonie, von Mendelssohn\nder Lobgesang, die Walpurgisnacht und eine Hymne, von\nCherubini eine Messe; ferner kleinere Chöre oder Lie-\nder von Eccard, Cherubini, Spontini, Mendels-\nsohn und Reinthaler. Neu waren unter den oben ge-\nnannten Werken die Sinfonie von Reinthaler und die\nOuvertüre zu „ Alladin\" von Rein ecke. Unter den Lei-\nstungen der Oper heben wir hervor Mozart's Figaro, Zau-\nberflöte, die Entführung, Beethoven's Fidelio, Weber s\nFreischütz, Oberon und Euryanthe, Mendelssohn's Heim-\nkehr aus der Fremde, Herzog Ernst's Santa Chiara.\n\nF. Pletzer. (Brem. Sonnt.-Bl.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-26_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "133", "page_fin": "135", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.2.4", "titre_corps": "Die Matthäus-Passion.", "titre_sommaire": "Die Matthäus-Passion.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.5", "debut_caractere": 4948, "fin_caractere_exclue": 5191, "texte": "Die Matthäus-Passion.\nErste Aufführung in Wien durch die Sing-Akademie am 15. 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Neben-\nbei waren auch allmählich der treffliche Epigone Men-\ndelssohn, der in seinem Gebiete einzige, in anderen in-\nteressante Schubert dem allgemeinen Verständnisse nahe\ngerückt, und die letzten Jahre hatten selbst den eigen-\ntümlichen Richtungen Schumann's und Wagner's in\nsehr ausgedehntem Maasse Rechnung getragen. Aus der\nvorhaydn'schen Zeit war hier nur sehr wenig, dieses\nWenige aber fast nur mehr dem Namen nach bekannt.\nErst durch die Gründung unserer Chor-Gesellschaften\n(1858) sind wir nach decennienlanger Unterbrechung wie-\nder dahin gelangt, einige Händel'sche Oratorien zu hö-\nren, und namentlich aus den ernstgehaltenen Programmen\nder Sing-Akademie alljährlich von den hervorragendsten\nHymnen der Alt-Italiäner und der Alt-Deutschen Einzel-\nnes kennen zu lernen.\nDer Bach-Cultus wir meinen damit etwas mehr\nals die gelegentliche Bekanntschaft mit dem „wohltempe-\nrirten Ciavier\"—hatte allerdings schon vor Jahren in en-\ngeren Kreisen einiger Maassen vorzuarbeiten begonnen.\nFischhof hatte seiner Zeit einen „Bach-Verein\" ins Le-\nben gerufen und damit, wenn auch die Durchführung des\nUnternehmens nicht gerade kurzweilig gewesen, einen gu-\nten Grund gelegt. Nach ihm war es hauptsächlich der\nfrühere Mitarbeiter dieses Blattes und gegenwärtige Re-\ndacteur der „Deutschen Musik-Zeitung\", Herr Selmar\nBagge, der nicht allein durch den zeitweiligen Versuch\neiner Weiterführung des „Bach-Vereins\", sondern auch\nseither in Wort und Schrift, als Comite-Mitglied der Sing-\nAkademie (erst seit verflossenem Jahre ausgetreten) und\nals Journalist unermüdlich auf den alten Cantor in Leip-\nzig als auf den Urquell aller classischen Musik hinge-\nwiesen, und sich um die Erweckung eines tieferen An-\ntheils an Bach'scher Musik wesentliche Verdienste er-\nworben hat.\nDurch die endliche Aufführung der „Matthäus-Pas-\nsion\" ist nunmehr diesen löblichen Bestrebungen in her-\nvorstechender und auch erfolgreicher Weise Rechnung ge-\ntragen und—wir wiederholen dies absichtlich—damit ein\nganz neues Gebiet vor den Augen der staunend bewun-\ndernden musicalischen Menge aufgethan worden.\n(Der Bericht verbreitet sich hierauf über den Charak-\nter der „Passionsmusik\" und fährt dann fort:)\nDie Aufführung kann im Ganzen als eine gelun-\ngene, in manchen Einzelheiten als eine hervorragend gute\nbezeichnet werden, wiewohl auch an schwächeren und\nschwachen Punkten kein Mangel war. Am schwächsten\nwar das freilich überaus schwierige (lyrische) Tenor-Solo:\n„Ich will bei meinem Jesu wachen\", wiedergegeben, der\nübrige Gesang der Tenor- und der Bassstimme genügte\nzur Noth, aber eben nur zur Noth. Unbezwingliche Aengst-\nlichkeit schien hier am meisten verschuldet zu haben, denn\nbeide Herren sind stimmbegabt und eines natürlichen Vor-\ntrages fähig. Muthiger standen die Solistinnen für die\nSache ein, und es verdienen sowohl der Sopran (Fräulein\nHauer) als auch die beiden Altstimmen (Frau Peyrer\nund Frau Schneller) alle Anerkennung für ihren musi-\ncalisch correcten und empfundenen Vortrag. Dem Evange-\nlisten (Herrn Olschbauer) muss die relative Undankbar-\nkeit seiner Aufgabe (nach gewöhnlichen Sängerbegriffen)\nin Anschlag gebracht und dem Künstler ein äusserst deut-\nlicher Vortrag und eine ruhige, dem epischen Charakter\nder Partie angemessene Auffassung nachgerühmt werden.\nLeider ging es jedoch ohne einzelne kleine musicalische\nVerstösse nicht ab, und ermattete der Sänger sichtlich im\nVerlaufe der zweiten Abtheilung. Jesus (Herr Panzer)\nist am besten bedacht; nicht so undankbar wie der Part\ndes Evangelisten, nicht von technischen Schwierigkeiten\nüberbürdet wie die lyrischen Stimmen, entfaltet sich die\nAufgabe des Jesus in Recitativen und in ariosen Stellen so\nwohlthuend milde und kraftvoll eindringlich, dass es für\nden gut disponirten Sänger eine Freude sein und um der\nSache willen von ihm als eine Ehre betrachtet werden\nmusste, in einer so denkwürdigen Aufführung das vortheil-\nhafteste Solo singen zu können, was der Genannte denn\nauch ganz trefflich und erfolgreich zu Stande brachte.\nDas Orchester, in welchem Herr Hellmesberger sich\ndurch den trefflichen Vortrag des Violin-Solo's hervorthat,\nhielt sich gut. Eben so die Chöre, welche sich nicht nur\nnichts wesentlich Uebles zu Schulden kommen liessen, son-\ndern vielmehr ihre Aufgabe stellenweise musterhaft lösten.\nAllerdings konnte Manches noch besser sein; selbst der\nzur Wiederholung gebrachte Chor: „Sind Blitze und Don-\nner\", hätte präciser rhythmirt, mehrere jener kurzen Chor-\nstellen mit strafferer Entschiedenheit betont werden kön-\nnen. Auch ist der Wunsch nach quantitativ stärkeren Chor-\nmassen bei solch einer Aufgabe gewiss ein berechtigter.\nBerechtigt ist aber auch der Zweifel, ob mit den der Sing-\nAkademie zu Gebote stehenden Mitteln mehr geleistet wer-\nden konnte. Jedenfalls war die Auffassung des Ganzen,\nwie sie der Dirigent dem vielköpfigen Körper beigebracht\nhalte, eine echt künstlerisch weihevolle, von jedem Bom-\nbast, jeder Effecthascherei fern, nur die Würde des Ton-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2300, "texte": "Gedichtes im Auge behaltend; und wenn wir am Schlüsse\nunserer Besprechung dieses Verdienst der eminenten Fas-\nsungs- und Uebertragungs-Gabe des Chormeisters Herrn\nStegmayer zuschreiben, so haben wir mit dem entschei-\ndendsten Lobspruche, den die Kritik ertheilen kann, un-\nseren Bericht geschlossen. („Recensionen\".)\nAuch die Deutsche Musik-Zeitung berichtet,\n„dass die Aufführung unter grosser Theilnahme des Pu-\nblicums (am Morgen waren bereits alle Sitzplätze vergrif-\nfen) und unter sichtlich innerlichster Theilnahme desselben\nStatt fand. Die Aufnahme übertraf die Voraussetzungen,\nda immerhin bei Bach nicht Alles gleich zum ersten Male\naufgefasst und verstanden werden kann. Aber die Kraft\nund Gewalt des Werkes, namentlich der Chöre, schlug\ndurch; gleich der Eingangs-Chor imponirte durch seine\nGrossheit und rief lebhaften Beifall hervor; so auch viele\nweitere Chöre und Choräle. Der Satz: „ „Sind Blitze, sind\nDonner\"\", musste wiederholt werden. Aber auch viele\nSoli, so weit sie dazu Veranlassung gaben, wurden warm\naufgenommen, manche auch offenbar in ihrer Fülle rei-\nzender Schönheit sofort erkannt.\"\nDie Recensionen enthalten in Nr. 15 folgende merkwür-\ndige Notiz: „Die hiesige Sing-Akademie widmet sich fast\nausschliesslich der Pflege kirchlicher Tonkunst und hat\nnamentlich das Verständniss jener Werke, welche mit\nRecht als die Spitzen der katholischen und der prote-\nstantischen Kirchenmusik gelten, in ehrenvoller und\nerfolgreicher Weise vermittelt, wie die Aufführungen der\nWerke Palestrina's, Lotti's u. m. A., und endlich die\nder Bach'schen Passionsmusik glänzend beweisen. Dessen-\nungeachtet ist es bis jetzt, trotz mehrfacher Anstrengun-\ngen, noch nicht gelungen, die theilnahmsvolle Unterstützung\nder maassgebenden katholischen und protestan-\ntischen Kreise zu erwirken. Namhafte ausserordent-\nliche Beiträge sind dem Institute factisch hauptsächlich\nvon israelitischen Kunstfreunden zugeflossen.\"\nWoher hat aber die Deutsche Musik-Zeitung (Nr. 16,\nS. 121) die Kunde, dass Johann Theodor Mosewius\n(nicht Mosevius) ein „Israelit\" gewesen? Auch fällt es\nauf, dass in ihrer historischen Uebersicht die öfteren Auf-\nführungen der Passion am Niederrheine in Aachen, Düs-\nseldorf, Elberfeld und an drei auf einander folgenden Jah-\nren (1859 —1861) in Köln gar nicht erwähnt sind."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-04-26-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-04-26_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-04-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.7", "debut_caractere": 2302, "fin_caractere_exclue": 6363, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Die Vorstudien für das Musikfest haben bereits be-\ngonnen;. wöchentlich finden drei Chorproben unter Leitung des Herrn\nCapellmeisters Hill er Statt.\nDer Bau des Theaters schreitet jetzt sichtbar voran; hoffentlich\nwird dasselbe zum Herbst« eröffnet werden können. Möge dann nur\ndie Direction früh daran denken, ein befriedigendes Personal für\neine Oper anzustellen, denn trotzdem, dass wir eine solche seit\nJahren entbehren, dürfte doch das Verlangen danach sich schwerlich\nmit einer mittelmässigen begnügen, da der Sinn für gute Musik und\ndas Urtheil darüber sich durch den zahlreichen Besuch der Concerte\nsehr ausgebildet hat.\nAug>sl*urs. Am 9. März kam hier ein neues Werk des durch\nseine Kirchen-Compositionen bereits rühmlich bekannten Dom-Orga-\nnisten Kempter, nämlich dessen Oratorium: „Maria, die Mutter\ndes Herrn\", zur Aufführung und erregte die Aufmerksamkeit von\nKennern und Laien in einem ungewöhnlichen Clrade. Das Textbuch\nist von dem Pater Gall Morell zu Kloster Einsiedeln in der Schweiz\nverfasst, und bei der im verflossenen Jahre Statt gefundenen tau-\nsendjährigen Jubelfeier dieses Klosters war das genannte Oratorium\nzum ersten Male aufgeführt worden.\nConcert für den Bürgerspital-Fonds. 25. März.\n„Paulus\" von Mendelssohn. Die ungewöhnliche Wahl eines Orato-\nriums für dieses sonst aus verschiedenen Ingredienzien zusammen-\ngesetzte Concert gereichte Herrn Capellmeister Proch zur Ehre,\ndem Bürgerspital-Fonds aber gewiss nicht zum Vortheil denn das\nOperntheater, in welchem das Mendelssohn'sche Werk gegeben wurde,\nwar zum Erschrecken leer. Herr Proch gab sich die handgreiflichste\nMühe, um ein leidliches Ensemble zu erzielen, was ihm denn auch\nin überraschender Weise gelang. Herr Mayerhofer sang einige Stel-\nlen der Titel-Partie mit gutem Ausdruck. Weniger glücklich war\ndie Sopranistin, obwohl sie es an Eifer nicht fehlen liess. Ueber\nTenor und Alt ist „Schweigen\" das nachsichtigste Referat.\nDer nach Berlin mit 5000 Thlrn. jährlich engagirten Sängerin\nFräulein Sulz er schicken die wiener „Recensionen\" folgende Cha-\nrakteristik nach: „Der Abschied von Fräulein Sulzer ist uns durch\nden Gedanken verbittert worden, um wie viel früher derselbe hätte\nStatt haben können, und wie lange eine Jahres-Gage von sechs\nTausend Gulden an eine mittelmässige Sängerin verschwendet\nworden ist. Fräulein Sulzer war von der Natur in keiner Weise\nglänzend, in jeder Weise aber genügend bedacht, um durch künst-\nlerische Ausbildung dieser Mitgift zu einer ansehnlichen Stufe hin-\naufreichen zu können. Zu jener Art äusserer Erscheinung, der man\nzum Mindesten das Prädicat „„entsprechend\"\" beilegen kann, ge-\nsellte sich eine Stimme von leidlichem Timbre und ziemlichem Um-\nfang, eine genügende musicalische Vorbildung, eine eben solche\nSprechfertigkeit und eine hinlängliche Anstelligkeit zur Darstellungs-\nTechnik. Es fehlte aber ganz entschieden entweder die Einsicht\noder der Fleiss, vielleicht Beides, und wohl auch das künstlerische\nFühlen und Denken, welche Eigenschaften sämmtlich nothwendig\ngewesen wären, um jene Gaben zu gediegener Reife zu bringen.\nFräulein Sulzer hat es während ihres mehrjährigen wiener Engage-\nments zu keinem wesentlichen Fortschritt nach irgend einer Seite\nhin gebracht; sie hat es nie dahin gebracht, die verschiedenen Re-\ngister ihrer Stimme auszugleichen, ihrer Vocalisation Sicherheit und\nfeinen Schliff zu geben, ihren Vortrag mit künstlerischer Wärme zu\nbeleben, ihr Spiel über das Niveau der maschinenmässig gehandhab-\nten äusseren Behelfe zu erheben. Theilnahmlos, wo es gegolten hätte,\nmit anspruchsloser Tüchtigkeit einzugreifen, kam sie nur dann ins\nFeuer, wenn es galt, durch moderne Stimm-Effecte zu ....wirken-\",\ndie aber, durch keinen grossen Stimmfond unterstützt, meist ann-\nselig verpufften. Fräulein Sulzer konnte daher auf die Nachsicht\nderer keinen Anspruch haben, denen es Ernst ist um Kunst und\nKritik, und deren Pflicht es ist, die Mittelmässigkeit am allerwenig-\nsten gelten zu lassen, sobald sie sich ostensibel macht und mehr-\nseitig bevorzugt wird.*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5704, "texte": "Die Glas-Harmonica. Die Blüthezeit dieses und vieler an-\nderer akustischer Instrumente, z. B. Melodion, Euphon, Clavicylin-\nder (beide von Chladni), Harmonichord, Orchestrion (beide von Kauf-\nmann Vater und Sohn) u. s. w., fällt in das Ende des vorigen und\ndie beiden ersten Decennien des jetzigen Jahrhunderts. Die berühm-\nteste Virtuosin auf der Glas-Harmonica war die blinde Marianne\nKirchgessner aus Waghäusel bei Rastatt (f 1808 den 9. Decem-\nber in ihrem 38. Lebensjahre). Den ebenfalls sehr gefeierten Har-\nmonicaspieler Ferd. Pohl aus Darmstadt hat der Herausgeber die-\nser Blätter im Jahre 1812 in Dessau und Berlin noch gehört. (Der\nVater desselben, Tischler zu Kreibitz in Böhmen, baute die ersten\nund lange Zeit die besten \"Harmonica-Instrumente in Deutschland.)\nSein Sohn, Ferd. Pohl, Enkel des zuletzt genannten, lebt jetzt in\nWien und wird eine Glas-Harmonica, die sein Bruder Emanuel\nPohl in Kreibitz gebaut hat, auf der Ausstellung in London pro-\nduciren. Einen interessanten Aufsatz aus seiner Feder enthält die\nNr. 15 der wiener rßecensionenu. Das Instrument selbst, welches\nnur noch wenigen Musikern aus eigener Anschauung bekannt sein\ndürfte, besteht aus einer Anzahl von beinahe glockenförmigen Scha-\nlen von feinem, reinem Glase, welche an einer horizontalen eisernen\nSpindel befestigt sind, die durch einen Mechanismus mit dem Fusse\nvom Spieler gedreht wird. Die Glasschalen sind nach abnehmender\nGrösse von der tiefsten zur höchsten Octave gestimmt, und die Töne\nwerden durch das Aufdrücken der mit Wasser befeuchteten Finger\nhervorgebracht, indem die Drehung die nothwendige Reibung be-\nwirkt. Der dynamische Ausdruck in wunderbarer, die Nerven an-\ngreifender Abstufung vom forte bis zum verhallendsten piano liegt\nin der Gewalt des Spielers durch den leiseren oder stärkeren Druck\nder Finger.\n** Liitdeli* Das Concert, welches der Verein der Studen-\nten am 11. April im Theater zum Besten der Stadtarmen und der\nbei dem Brande des Entrepots in Antwerpen Beschädigten veran-\nstaltet hatte, war sehr zahlreich besucht. Die akademischen Autori-\ntäten und fast sämmtliche Professoren der Universität waren zuge-\ngen. Die Einnahme betrug über 4200 Francs. Die Anordnung des\nGanzen ging von dem akademischen Männer-Gesangvereine aus, des-\nsen Director, Herr Terry, auch die Aufführungen leitete. Im ersten\nTheile hörte man eine Ouvertüre (Manuscript) von H. Litolff:\n„Le Chant des Lidgeoisu} einen Studiosus als tüchtigen Violoncell-\nspieler in einer Phantasie von Servais, einige Sologesänge, ein Vio-\nlinstück und Mort de VArtisteLl, eine Elegie für Solo, Chor\nund Orchester von Terry, welche sehr wirkungsvolle Stellen hat.\nDen zweiten Theil füllte die Sinfonie-Ode „Christoph Columbus\"\nvon Felicien David, für Declamation, Gesang-Soli, Chor und\nOrchester. Das Merkwürdige und Interessanteste dabei war die Be-\nsetzung der Sopran- und Altstimmen durch einige und sechs -\nzig Knaben aus den Communalschulen, welche ihre Sache ganz\ngut machten.\nMan schreibt uns aus Paris, 23. März: Gestern fand im Herz'-\nschen Saale vor einem glänzenden Publicum ein Concert der jungen\ndeutschen Künstlerin Adrienne Peschel Statt. Früher Schülerin\nvon Herrn Hauff in Frankfurt a. M., wandte sie sich schon in\nihrem 12. Jahre nach Paris, um unter der Leitung von Herrn Henry\nHerz ihre Ausbildung im Pianofortespiel zu vollenden, und trug in\njedem der letzten Jahre den ersten Preis aller drei Classen im Con-\nservatorium davon. Das Spiel von Fräulein Peschel ist ganz das\nihres Lehrers, es vereinigt zwei Eigenschaften, die man heute gar\nzu oft bei unseren Künstlerinnen vermisst, nämlieh Kraft und Leich-\ntigkeit der technischen Ausführung. Sie spielte das grosse Septuor\nvon Hummel für Piano, Flöte, Oboe, Horn, Bratsche, Violoncell\nund ('ontrabass. Begeistert hörte das Publicum, meist aus Deutschen\nbestehend, dieser classischen Musik zu, die nur selten von französi-\nschen Künstlern in ihrem wahren Wesen wiedergegeben wird. Bril-\nlante Concessionen an den Salongeschmack folgten, unter denen wir\ndas Andante aus dem Concerte Nr. 5 von Henry Herz, eine Taran-\nteile von de Bdriot Sohn und den Concert-Walzer von Wieniawski\nauszeichnen. ( luJ\nDas neue rigaer Theater wird eine Summe von circa 192,000\nRubeln zu seiner Ausführung in Anspruch nehmen. Das Gebäude\nwird nach dem Plane des Professors Bohnstedt einen monumen-\ntalen Charakter im griechischen Styl erhalten. Die Länge desselben\nbeträgt 232 Fuss, die Höhe 97 Fuss und die Breite 131 Fuss. Den\nPorticus zieren sechs ionische Säulen mit einem darauf ruhenden\nGiebelfelde, in welchem eine Gruppe erhabener Figuren die Macht\nder Poesie und ihre Ausstrahlung über die lebende Welt versinn-\nlichen soll. Im Ganzen wird der Theatersaal 1306 Personen fassen.\nDie Stehplätze sind nach dem Muster aller neueren Theater aus dem\nProjecte entfernt. Versammlungsräume für Orchester- und Theater-\nPersonal, so wie 30 Zimmer für die Garderobe u: s. w. sind zu den\nSeiten der Bühne gelegen. Es liegt in der Absicht des Professors\nBohnstedt, den Kronleuchter im Theatersaale zu vermeiden, da der-\nselbe die Besucher der oberen Logenreihen empfindlich blendet und\neinem Theile derselben die freie Aussicht auf die Bühne benimmt.\nZu diesem Zwecke hat der Genannte in überaus sinnreicher Weise\nzwei Plane ausgearbeitet. Nach dem einen würde der Plafond in\nFelder getheilt und mit mattem Glas gedeckt werden, und die über\ndemselben vertheilten Gasflammen mittels Reflectoren ihr Licht auf\nden Zuschauerraum werfen. Der zweite Plan schlägt die Anbringung\nmehrerer so genannter Sonnenlichtbrenner (Sunburners) an der Decke\nvor. Die Beleuchtung der Rampe an der Bühne soll auf die neue,\nbereits erwähnte pariser Art*) geschehen.\n*) Siehe vor. Jahrgang, S. 215."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nLondoner Briefe. (Fortsetzung.) Concerte der musicalischen Gesellschaften. Musicalische Rückblicke (Musikleistun-\ngen in Bremen). Von F. Pietz er. Die Matthäus-Passion. Erste Aufführung in Wien durch die Sing-Akademie am 15. April. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (KÖID, Vorstudien für das Musikfest, Theaterbau Augsburg, neues Oratorium Wien, Concert Fräul.\nSulzer Glas-Harmonica Lüttich, Studenten-Concert Paris, Concert Theaterbau in Riga).\n\nLondoner Briefe.\n(Fortsetzung. S. Nr. 15.)\n[Concerte der musicalischen Gesellschaften.]\nDie Sacred Harmonie Society nahm in ihrer jährli-\nchen General-Versammlung den Bericht ihres Präsidenten\nHarrison entgegen. Die Einnahmen des Jahres 1861 er-\nreichten die Summe von 5576 L. St. (an 37,000 Thlr.),\ndie Ausgaben beliefen sich auf 5502 L. St.; darin sind\n100 Guineen für das Denkmal des Prinz-Gemahls, andere\n100 Guineen lür eine fromme Stiftung und 10 Guineen\nfür die Wiederherstellung der Orgel von J. Seb. Bach\nin Arnstadt begriffen. Das Vermögen der Gesellschaft\nbesteht in 7500 L. St. Mit solchen Mitteln lässt sich frei-\nlich viel leisten. Für das musicalische Fest bei der Eröff-\nnung der Ausstellung ist dem Vorstande dieser Gesellschaft\ndie Leitung übertragen; er wird ein Personal von 1800\nMitwirkenden aufstellen; die Vocalmassen werden der ge-\nwöhnliche Chor der Gesellschaft und der für das grosse\nHändel-Fest im Krystall-Palaste bestimmte, in Verbindung\nmit einer Auswahl aus den Chor-Vereinen in der Provinz\nbilden. Wichtig war die Ankündigung der baldigen Er-\nscheinung eines Katalogs der überaus reichen Bibliothek\nder Gesellschaft.\nDas Händel-Fest kehrt bekanntlich jetzt alle drei Jahre\nwieder; der Billet-Verkauf für das diesjährige (Ende Juni)\nbegann schon am 3. März unter einem ungeheuren Zu-\ndrange in Exeter Hall und im Krystall-Palaste und brachte\nbinnen vier Tagen, von Montag bis Donnerstag, die fabel-\nhafte Summe von 9000 L. St. (an 60,000 Thlr.!) ein.\nUnter den Abnehmern ist die ungewöhnliche Menge von\nGeistlichen aus allen Gegenden des Landes aufgefallen.\nDas erste Concert am 28. Februar brachte Mendels-\nsohn's „Lobgesang\" und Rossini's Stabat Mater, frei-\nlich eine sonderbare Zusammenstellung. Fräulein Tiet-\njens sang darin zum ersten Male in den Concerten der\nSacred Harmonie Society, ihre vollklingende, mächtig und\nleicht ausgiebige Höhe machte im Inflammatus und in der\nPrachtstelle des Lobgesangs: „Die Nacht ist vergangen\",\neine gewaltige Wirkung. Eine vollendete Leistung war\ndas Duett Quis est li/omo mit Mad. Sainton-Dolby. In der\nfolgenden Woche wurde dasselbe Programm wiederholt;\nan die Stelle der Fräulein Tietjens, welche auf vier Wo-\nchen nach Barcelona engagirt war, trat die tüchtige Sän-\ngerin Miss Parepa.\nDie beiden nächsten Concerte gaben glänzende Auf-\nführungen von Händel's „Israel in Aegypten\" und Hän-\ndel's „Salomon\" (am 4. April). Letztere erregte dadurch\nnoch ein besonderes Interesse, dass dieses Oratorium auch\nzur Aufführung bei dem Händel-Feste bestimmt ist und\ndafür bereits einstudirt wird*). Die Chöre waren in bei-\nden Oratorien ganz ausserordentlich imposant, wozu in\nExeter Hall natürlich die prachtvolle Orgel das Ihrige\nthat. Im „Salomen\" musste im ersten Theil der Chor:\n„May no rash intrudes\", den man hier den Nachtigallen-\nChor nennt, wiederholt werden; es ist einer der lieblich-\nsten und gefälligsten neben den grossartigen und gewalti-\ngen, an denen die Partitur des Werkes so reich ist. Die\nschwierige Haupt-Partie des Salomon (Alt) führte Mad.\nSainton-Dolby vortrefflich aus; die beiden Mütter in der\nberühmten Scene von Salomon's Urtheil sangen Miss Louise\nPyne und Miss Banks, von denen die Erstere die Haupt-\nstütze der englischen Oper in Drurylane ist.—In der Char-\nwoche fanden zwei Aufführungen des „Messias\" Statt,\nbeide in Exeter Hall, Montag durch den National-Gesang-\nverein unter G. W. Martin's Leitung, Mittwoch durch die\nSacred Harmonie Society.\n\n*) Nach anderen Nachrichten soll nur eine Auswahl von Chören\ndes «,Salomonu beim Händel-Feste gemacht werden. Das ganze\nOratorium wird, wie wir schon früher angezeigt, bei dem dies-\njährigen Musikfeste in Köln aufgeführt.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.2", "texte": "Die Vocal Association,eine unter Benedict's Direc-\ntion nach Art der deutschen Singvereine eingerichtete Ge-\nsellschaft, gibt in St. James Hall Subscriptions-Concerte\nvor einem eleganten und zahlreichen Publicum. Das erste\nfand am 26. März Statt. Das Programm war sehr gemischt,\nChorgesänge und Solo-Vorträge, Arien und Lieder, Piano-\nforte und Harfe, die Zauberllöte und Linda von Chamouny\nlösten einander ab. Ein Grabgesang für Chor zum Anden-\nken an den Prinzen Albert, componirt von einem deut-\nschen Organisten, Hrn. R and e g g e r, war bemerkenswerth.\nUebrigens will es doch mit der Mitwirkung der Dilettan-\nten nicht recht fort; ein hiesiges Blatt machte sogar die\neben nicht höfliche Bemerkung, dass seit dem vorigen\nJahre manche von den Mitwirkenden „ausgejätet und\ndurch praktischere Sänger ersetzt worden wären\".\nDie philharmonische Gesellschaft eröffnete das\nfünfzigste Jahr ihres Bestehens am 10. März in Han-\nnover Square Rooms mit einem glänzenden Concerte unter\nSterndale Bennett's Direction. Beethovens und die\nJubel-Ouverture von Weber waren in besonderer Bezie-\nhung auf die Jubelfeier gewählt. Ausserdem wurden noch\ndie Ouvertüren von Schumann zu Genovefa und von Che-\nrubini zu Faniska gemacht. Joachim spielte das Concert\nin A-mollvon Viotti und einige Solostücke von J. S. Bach.\nDas Programm des zweiten Concertes (den 23. März)\nbrachte „Die Weihe der Töne\" von Spohr und Beetho-\nven's Sinfonie Nr. VIII., die Ouvertüren von Weber zu\nOberon, von Mendelssohn zu Athalia. Spohr's Werk, im-\nmerhin eine phantasiereiche und meisterhaft orchestrirte\nTonschöpfung, wurde sehr gut gespielt und mit grosser\nWärme (besonders der erste, zweite und vierte Satz) auf-\ngenommen. Die Wirkung des prächtigen Marsches wird\nfreilich durch die lange Episode sehr geschwächt; eine\nVerkürzung derselben könnte dem Werke nur zum Vor-\ntheil gereichen. Ob Mendelssohn die Ouvertüre zur Atha-\nlia selbst für seine beste erklärt habe, wie Musical\nWorld sagt, ist mir nicht bekannt; ist es wirklich der Fall,\nso werden ihm bei allen Vorzügen derselben doch schwer-\nlich die Mehrzahl der Kunstfreunde und Musiker beistim-\nmen. Miss Goddard spielte das hübsche (mendelssohn-\nartige) Capriccio in Emit Orchester von Sterndale Ben-\nnett und ein Präludium und Fuge von\nJ. S. Bach. Es bleibt immer merkwürdig, dass von allen\nSolo-Vorträgen im ersten und zweiten Concerte die Stücke\nvon Bach—durch Joachim und Miss Goddard vorgetragen\n—den stärksten Applaus hervorriefen, was doch die Mode-\nNeigung zu alter Musik allein nicht bewirken kann, wie-\nwohl die Tonangeber derselben freilich mit in Anschlag\nzu bringen sind. Miss Parepa sang die letzte Arie der\nDonna Anna und der Tenor Tennant die Arie des Pylades\naus Gluck's Iphigenie recht schön; das Duett aus Doni-\nzetti's Don Pasquale passte freilich schlecht zu den übrigen\nclassischen Sachen, aber bei Gesangstücken fragt man hier\nnicht viel nach dem Stammbaum.\nIm dritten Concerte (am 7. April) sah der Saal von\nHannover Square Rooms eine so zahreiche und glänzende\nZuhörerschaft, wie er sie wohl kaum in den langen Jah-\nren seines Daseins im Dienste der Muse der Tonkunst ge-\nsehen hat. Die Ausführung einer Sinfonie von Haydn in\nEs,der ersten von den drei grossen in war sehr fein\nund ausdrucksvoll. Auch die Nr. VII in A-dur von Beet-\nhoven entsprach im Allgemeinen den Forderungen an ein\ngutes Orchester, doch wurden die Tempi meist zu schnell\ngenommen. Von Ouvertüren gab man Mendelssohn's Ruy\nBlas und Auber's Masaniello (Die Stumme von Portici).\nDer Löwe des Abends war wiederum Joachim, der in-\nzwischen auch in Manchester in Halle's Genilemen Con-\ncertsgespielt hatte. Er trug dieses Mal Molique's Concert\nin D-moll,eine schöne und edle Composition, vor, auch\ndieses auswendig, wie alle übrigen. Er erregte einen Sturm\nvon Applaus, wie man ihn in diesen Räumen selten gehört\nhat, wurde gerufen und bei seinem Wiedererscheinen mit\nschallenden Hochs begrüsst. Eben so nach dem Vortrage\ndes Andante und der Fuge in C-dur aus einer Sonate von\nBach; er entwickelte in diesem merkwürdigen Stücke, wo\ndie Violine allein Melodie und Harmonie, Solo und Beglei-\ntung in der innig verschlungenen Durchführung der drei\nStimmen darstellen muss, eine in der That unerhörte Bra-\nvour, welche, staunenswerther als alle Kunststücke Paga-\nnini's, vor diesen noch obenein den kernhaften musicali-\nschen Inhalt voraus hat.\nIm nächsten Concerte soll eine Sinfonie von Niels\nW. Gade, hier eine Neuigkeit, vorkommen, wesshalb\nman der Ankündigung auch die Empfehlung hinzugefügt\nhat: „von Gade, dessen Talent Mendelssohn zuerst ent-\ndeckt und ermuthigt hat.\"\nDie Neu-philharmonische Gesellschaft hat das\neilfte Jahr ihres Bestehens mit dem Concerte am 7. April\neröffnet.\nSie hat ein Abonnement auf fünf Concerte und fünf\nöffentliche Proben derselben zu dem Subscriptions-Preise\nvon 2 L. St. 2 Sh., 1 L. St. 11 Sh. 6 P. und 1 L. St.\n1 Sh. je nach den Plätzen eröffnet. Nicht-Abonnenten zah-\nlen für das Concert 15 Sh., 10, 5 und 3 Sh., Galerie 1\nSh.; für die Probe 7, 5 und 3 Sh., Galerie 1 Sh.\nDas Orchester ist unstreitig das beste in London, das\nheisst so viel, als in ganz England. Es ist über 80 Mit-\nglieder stark, unter denen die besten Instrumentalisten\nder italiänischen Oper und anderer Vereine sind und an\nderen Spitze als Anführer Künstler wie Molique und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.3", "texte": "Blaggrove stehen. Die Aufführungen finden in St. James\nHall Statt.\nVon Orchesterwerken brachte das erste Concert Men-\ndelssohn's schottische Sinfonie in A-moU, Beethoven's\nOuvertüre zu Egmont, Weber's zu Oberon eine Drei-\nzahl von Meisterwerken, die Ehrfurcht gebietet, und durch\ndieses Orchester unter der recht geschickten und von Jahr\nzu Jahr zuversichtlicheren Direction des Dr. Wylde vor-\ntrefflich ausgeführt, auf jeden Zuhörer eine grosse Wir-\nkung machen musste. Als ebenbürtige Productionen führte\nMiss Goddard Mozart's herrliches D-moll-Concert (mit\nden Cadenzen von Hummel) und die Clavier-Partie in Beet-\nhoven's origineller Phantasie Op. 80 für Piano, Chor und\nOrchester mit jenem reinlichen, classisch ebenmässigen\nund ausdrucksvollen Spiel aus, durch welches diese ausge-\nzeichnete Künstlerin mit Recht sehr hoch in der Gunst der\nhiesigen Kunstwelt steht. Wie blass und fahl sind die\nDutzend-Phantasieen der Noten-Fabricanten, welche das\nWort Phantasie lästern, gegen diese Beethoven'sche! Der\nChor verdarb nichts und das Orchester that viel an dem\nErfolg des Ganzen.\nDer Sologesang war allein durch die deutsche Sän-\ngerin Fräulein Tietjens vertreten; leider erschien sie\nnicht in deutschem Gewände, sondern nur als Alice, Semi-\nramis und Lucrezia Borgia, aber immerhin bewunderns-\nwerth an Stimme und Vortrag, denn in Beziehung auf letz-\nteren hat sie neben der durch keine Anstrengung zu be-\nsiegenden Stimme unendlich gewonnen, so dass, wer sie\nlange nicht gehört, ihre Gesangweise kaum wieder erkennt,\nwie mir Deutsche versichert haben, die sie vor Jahren in\nDüsseldorf bei dem Musikfeste und in Wien auf der Opern-\nbühne gehört haben.\nIm nächsten Concerte (den 7. Mai) wird Joachim\nspielen; er beherrscht die Saison und das ist gut.\nDie neueste musicalische Stiftung ist die „Musical\nSociety von London\" welche erst im vierten Jahre be-\nsteht, aber bereits zu solchem Ansehen gelangt ist, dass\nsie an Mitgliedern ohne Zweifel die zahlreichste Musik-\nGesellschaft in Europa ist. Sie hat eine so grosse Theil-\nnahme gefunden, dass sie, wenn sie alle, die nach dem\nZutritt trachten, aufnehmen wollte, einen neuen Saal bauen\nmüsste, da St. James Hall schon jetzt bei ihren Concerten\nbuchstäblich genommen überfüllt ist und an Nicht-Mitglie-\nder nur eine beschränkte Anzahl von Galerie-Plätzen zu\n3 Sh. 6 P. ausgegeben werden kann. Das erste diesjäh-\nrige Concert brachte am 12. März die Ouvertüren zur\nZauberflöte, zur Leonore Nr. 1 und den Römischen Car-\nneval von H. Berlioz, ferner die italiänische Sinfonie in\nA-dur von Mendelssohn zu Gehör. Joachim spielte sein\nConcert in D-moll „in ungarischem Stil\"; der Gesang war\ndurch Mad. Sainton-Dolby und Mad. Guerrabella von der\nitaliänischen Oper vertreten. Das lange erste Allegro von\nJoachim's Concert, dessen Schönheiten eine musicalisch\ntiefere Auflassung verlangen, als von der Mehrzahl des\nPublicums zu erwarten ist, muss öfter gehört werden, um\nallgemeinen Eindruck zu machen. Die Romanze und das\nFinale alla Zingaraerregte durch den Reiz der Melodieen\nund die Neuheit des Stils grossen Beifall, so wie denn die\nMeisterschaft des Spiels, wie immer, zur Bewunderung\nhinriss. Im nächsten Concerte wird hier die neunte Sinfo-\nnie von Beethoven gemacht und Mozart's Doppel-Concert\nin Es von Karl Halle und Stephen Heller gespielt.\n(Schluss folgt.)\n\nMusicalische Rückblicke.\n\nBremen, 16. April 1862.\nMit den gewaltigen Klängen der Bach'schen Matthäus-\nPassion geht am Charfreitage die musicalische Saison zu\nEnde. Die Akademie widmet dem grossartigen Werke die-\nselbe Sorgfalt, wie vor zwei Jahren, als Rein thaler es\nzur ersten Aufführung brachte. Geht zwar für die Musi-\nker unter zahlreichen Proben in dieser Woche das Prädi-\ncat „still\" verloren, so haben sie dagegen das freudige\nBewusstsein, Zeit und Mühe einer Schöpfung zuzuwenden,\nderen hohe Schönheit und erhabene Pracht mit jedem\nJahre mehr durch die Gegenwart gewürdigt und genossen\nwerden. Es ist charakteristisch und ein Zeichen der Zeit,\ndass die 1829 von Mendelssohn aus langer Vergessenheit\nzu neuem Leben erweckte Matthäus-Passion alljährlich\nneue Eroberungen macht und unter den musicalischen\nSpenden der Charwoche jetzt obenan steht. In diesen Ta-\ngen wieder dringen die wunderbaren Choräle Bach's in\ntausend und aber tausend Herzen. Ein flüchtiger Blick in\ndie Zeitungen verräth uns gleich sieben Städte, in denen\nman die Passion aufführt, Wien, Berlin, München, Leip-\nzig, Hamburg, Frankfurt, Bremen, und es werden ihrer\nwohl noch mehr sein.\nDie zu Ende gehende Saison war belebter und gehalt-\nreicher, als irgend eine frühere, nicht nur rücksichtlich der\nZahl, sondern auch der Gediegenheit der Concerte. Be-\nhaupteten sich die Sinfonie-Abende, wenngleich einzelne\nLeistungen unter Ermüdung der Musiker litten, auf der\nfrüheren Höhe und in der verdienten Gunst, so war der\nCyklus der Privat-Concerte entschieden glücklicher und\nbesser, als der vorigjährige, die Soireen einzelner Künstler\ndurchweg mit ernsterem musicalischen Willen ausgeführt,\ndie Quartett-Abende der zu zwei Gruppen vereinigten Mit-\nglieder des Orchesters durch den Antrieb, den ein löbli-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.4", "texte": "eher Wetteifer hervorruft, werthvoller und genussreicher,\nals früher. Die Sing-Akademie unter Reinthaler und der\nGesang-Verein des Herrn Engel legten mit der „Schö-\npfung\" von Haydn, dem „Christus\" von Beethoven,\ndem .Lobgesang\" von Mendelssohn mitten in der Fülle\nvon Concerten, die kaum für Proben Raum und Zeit liess,\nEhre ein. Ueberall vorwiegend ernster Sinn und aufrichti-\nges Streben nach dem Besten und nach der besten Weise.\n<5\nGelingt es der Folgezeit, die Stellung der Musiker zu ver-\nbessern, den Instrumenten aufzuhelfen, wo Noth ist, die\nDirectionen der verschiedenen Vereine zu überzeugen, dass\nsie ohne Neid und Eifersucht zusammen zu wirken haben\nzur Lösung ihrer Aufgaben, das Publicum, dass es mit sei-\nnen Mitteln allezeit freudig bereit sein müsse, das Gute zu\nfördern, so dürfen wir hoffen, dass es in Kurzem in musi-\ncalischen Dingen bei uns so stehe, wie es von Rechts we-\ngen stehen muss.\nDa wir neulich mit der Oper in Sachen des Giuseppe\nVerdi einen Streit gehabt haben, so ist es billig, dass ein\nWort herzlicher Versöhnung gesagt werde aus Anlass der\nWeber'schen „Euryanthe\", welche Herr Capellmeister\nHentschel an seinem Ehren-Abend aufführte. Das volle\nHaus galt zum Theil ihm; man wollte beweisen, dass die\nVerdienste des Beneficiaten um die Oper und ihre Hebung\nin vollem Maasse anerkannt werden. Dass er selbst seiner-\nseits mit dem Ernste eines tüchtigen Musikers die „Eury-\nanthe\" in Scene gesetzt hatte, bewies die Aufführung der\nungemein schwierigen Tondichtung, welche der Bühne zur\nEhre gereichte. Durch solche Leistungen gewöhnt man die\nZuhörer unmerklich an Werke, zu denen sie sich sonst\nmehr respectvoll als liebevoll verhalten. Das Schicksal der\n„Euryanthe\" ist bezeichnend und lehrreich. In streng mu-\nsicalischer Hinsicht unläugbar Weber's bedeutendstes\nWerk, hat sie sich doch den gewaltigen Erfolgen des\n„Freischütz\" und des „Oberon\" gegenüber karg behelfen\nmüssen. Man lobt sie halb mit Erbarmen; das ist zu be-\ndauern, aber es hat seine Gründe. Als Weber 1823 seine\n„Euryanthe\" schuf und in Wien mit Hülfe der in erster\nJugendfrische und Anmuth strahlenden Henriette Son-\ntag auf die Bühne brachte, da hatte er nicht nur mit Ros-\nsini zu kämpfen, der den Wienern mit seinen coquetten\nWeisen die Köpfe verrückte und Beethoven ärgerte; er\nhatte auch Fehler begangen, die sich rächten, vornehm-\nlich diesen, dass er den abgeschmackten, einen grossen\nAnlauf nehmenden und in fader Süsslichkeit verschwim-\nmenden Text Helmina's von Chezy überhaupt componirte.\nUngestraft bleibt solche Sünde nicht; selbst die Musik hat\netwas von einem „Stich\" an sich. So gross und schön sie\nim Ganzen gedacht und ausgeführt war, die Leute vor der\nBühne begriffen und genossen nicht recht, was da oben\ngeschah. Das erste Geschick der Oper ist, wie das ge-\nwöhnlich so geht, maassgebend gewesen. Ihrer Verbrei-\ntung während der folgenden, allerdings musicalisch besse-\nren Zeit hat aber besonders der Umstand entgegen ge-\nstanden, dass die Oper den Ausführenden sehr schwere\nAufgaben stellt, die ohne eine Vereinigung von tüchtiger\nkünstlerischer Ausbildung und dramatischem Talente gar\nnicht zu lösen sind. Je seltener heutzutage Beides bei einan-\nder sich findet, um so seltener auch eine dauernde Ver-\nbreitung dieser Oper. Daher kommt es, nebenbei bemerkt,\ndass man so selten Richard Wagner entlarvt hat, der\nbei den Schönheiten Euryanthens mehr als erlaubt zu\nGaste ging; wir haben darauf vor sechs Jahren bei Gele-\ngenheit des „Lohengrin\" eingehend in diesem Blatte hin-\ngewiesen. (Ist in der Rhein. Musik-Zeitung schon 1852\nvon uns geschehen. L. B.) Die Aufführung der „Euryan-\nthe\", die wir neulich hier erlebten, erreichte, was sich\nirgend erreichen liess. Kann man auch nicht sagen, dass\ndie Titelrolle und die der Eglantine dem Wesen der Da-\nmen Eicke und Carl zusagten, so waren doch Beide\nmit grossem Eifer an ihre Aufgabe gegangen. Der Sicherste\nund Beste aber war Herr Behr als Lysiart, nur dass im\nBeginn Gesang und Färbung charakteristischer und dä-\nmonischer hätten sein können.\nIn Bezug auf die Privat-Concerte ist zunächst\neiner abermaligen Unterstützung, welche die Akademie\ndem Institute gewährte, rühmend zu gedenken. Herr Mu-\nsik-Director Reinthaler gab uns nach langer, langer Zeit\ndas Alexanderfest von Händel wieder. Man hört es viel\nseltener, als die Verehrer des Meisters wünschen, welche\nan den schönen und mächtigen Chören und der Energie\nder Bass-Partie ihre Freude haben. Auch hier ist die Klage,\ndass unsere Zeit so hohe Werke ungerecht zurücksetze,\nnur halb begründet. Es ist nicht bloss erklärlich, sondern\nvollkommen gerecht, dass unser Bewusstsein und die heu-\ntige Denkweise von der schlecht gedachten, unklaren, in\nmiserabler Uebersetzung sich bewegenden Dichtung Dry-\nden's nichts wissen mag; leidet darunter die Musik, so ist\ndas traurig, aber gar nicht zu verwundern. Sodann muss\nman bei aller Verehrung für Händel zugeben, dass im\nAlexanderfeste viel Veraltetes ist. Die Leitung der Con-\ncerte hatte übrigens einen Fehler begangen, welcher den\nEindruck der Schöpfung beeinträchtigte. Sie musste den\nAnfang des Abends machen; dann konnte ihr eine grosse\nSinfonie folgen. Indem aber durch den Vorantritt einer\nSinfonie von Gade, eines Ave Maria und einiger Lieder\nvon Mendelssohn die Zuhörer daran gewöhnt waren, ganz\nmodern zu denken und unter anmuthigen Melodieen zu\nverkehren, konnten Händel's Klänge mit dem prachtvollen\nBass unmöglich die rechte Stimmung vorfinden."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.5", "texte": "An einem anderen Abende halten wir einen künstleri-\nschen Besuch Reinecke's und Freude an demselben. Der\njetzige Director der leipziger Gewandhaus-Concerte lebte,\nbevor er an die Rheinische Musikschule in Köln ging, einige\nJahre hier in Bremen. Seit jener Zeit ist er an mehreren\nOrten als Musik-Director thätig gewesen und in seiner\nmusicaliscben Wirksamkeit bis zu der jetzigen ehrenvollen\nStellung vorgedrungen. Als Clavierspieler schätzt unser\nPublicum Herrn Reinecke längst und erfreute sich jetzt\nabermals nach langer Zeit an der Eleganz und Solidität\ndes Vortrages. Wichtiger war es unter diesen Umständen\nfür den geehrten Gast, uns mit zweien seiner neuesten\nCompositionen bekannt zu machen, einem Clavier-Con-\ncerte und einer Orchester-Ouverture. Jenes hat er\nbisher nur in Leipzig gespielt; es ist von bester Factur und\nerregte lebhaftes Interesse durch die geschickte und ange-\nnehm wirkende Verwendung des Pianoforte und dessen\nVerhältniss zum Orchester. Der zweite Satz, der durch\nseinen Charakter sich zunächst dem Zuhörer empfiehlt,\nmöchte auch im Uebngen wohl der beste sein. Die Ouver-\ntüre zu „Alladin\" erschien uns als ein sehr tüchtiges und\nwerthvolles Werk; es ist nicht unbedenklich, das Gebiet\nder so genannten Programm-Musik zu betreten, ohne dass\nman bestimmten Anhalt für das Verständniss gibt, und ein\nsolcher Anhalt fehlt hier gänzlich. Wir betrachten also die\nOuvertüre lediglich als Orchester-Composition und vom\nmusicalischen Gesichtspunkte; da scheint es uns nun, dass\ndieselbe höher steht als irgend eine der früheren Ouver-\ntüren Reinecke's, welche von Zeit zu Zeit als Bereiche-\nrung der Concert-Programme erwünscht waren, allein\nweniger Reife und Bedeutung hatten, als diese neueste.\nMit seinem Spiel und mit ähnlichen Gaben wird der Gast\nuns stets willkommen sein.\nUeber die Vorträge anderer Künstler: Leopold Auer,\nLouise Michal-Michaeli, Stockhausen u. s. w. und mehre-\nrer einheimischer Musiker können wir nicht ins Einzelne\ngehen. Aber eines Quintetts für Pianoforte und Streich-\nInstrumente von J. Streudner muss gedacht werden, in-\ndem es nicht nur die Aufmerksamkeit der nächsten Kreise\nverdient, die es hörten. Der Componist hat es in einer\nglücklichen Stunde geschaffen und damit seinen ernsten\nkünstlerischen Sinn und eine hervorragende Befähigung\nfür das betreffende Gebiet an den Tag gelegt. Es ist durch-\naus concertirend und eine nicht nur sehr gefällige, sondern\nauch vom höheren Gesichtspunkte aus gelungene, selbst-\nständige Arbeit. Wir hoffen, dass die Composition bald im\nDruck erscheint; sie wird ohne Zweifel den Spielern er-\nwünscht sein und unser Urtheil rechtfertigen.\nGeben wir nun zum Schlüsse einen Ueberblick aller\nLeistungen der Orchester-Concerte, so stellt sich folgendes\nResultat heraus. Es kamen zur Ausführung 21 Sinfonieen\noder in dieses Gebiet einschlagende Werke, nämlich vier\nvon Joseph Haydn (.Es-dur [2], B-dur und Abschieds-\nSinfonie), zwei von Mozart und D-dur ohne Me-\nnuett), acht von Beethoven (alle bis auf die erste in\ndur), zwei von Schumann (C-dur und Ouvertüre, Scherzo\nund Finale), je eine von Händel (Oboen-Concerty, Spohr\n(C-moll), Gade (B-dur),Mendelssohn (A-dur) und\nRein thaler (D-dur).Unter diesen Sinfonieen wurden\ndrei wiederholt. Es schlössen sich daran 26 Ouvertüren,\nvon denen drei wiederholt wurden: drei von Mozart (Don\nJuan, Zauberflöte, Figaro), sechs von Beethoven (Eg-\nmont, Fidelio, Leonore, Coriolan, Namensfeier und Fest-\nOuverture), vier von Weber (Oberon, Freischütz, Eury-\nanthe,- Jubel-Ouverture), fünf von Mendelssohn (Som-\nmernachtstraum, Melusine, Athalia, Ruy Blas, Hebriden),\nzwei von Gherubini (Abenceragen und Anakreon), je eine\nvon Mehul (Joseph), Schumann (Genovefa) und Rei-\nnecke (Alladin). An Virtuosen wurden gehört: auf dem\nPianoforte Frau Clara Schumann, Frau von Bron-\nsart, Herr Karl Reinecke; auf der Violine die Herren\nAuer, David, Jacobsohn und Joachim; auf dem Vio-\nloncell Herr Davidoff; auf der Harfe Fräulein Eich-\nberg; in Gesangs-Vorträgen die Damen Antonini,\nBeste, Enequist-Biondini, Engel, Lessiak, Jenny\nMeyer, Michal-Michaeli, Reiss, Schreck und\nÜbrich, die Herren Becker, Behr, Gunz, Krön\nund Stockhausen. Folgende grosse Werke für Orche-\nster und Chor kamen zur Aulführung: von Händel das\nAlexanderfest, von Joh. Seb. Bach die Matthäus-Passion,\nvon Haydn die Schöpfung, von Beethoven Christus am\nOelberge und die neunte Sinfonie, von Mendelssohn\nder Lobgesang, die Walpurgisnacht und eine Hymne, von\nCherubini eine Messe; ferner kleinere Chöre oder Lie-\nder von Eccard, Cherubini, Spontini, Mendels-\nsohn und Reinthaler. Neu waren unter den oben ge-\nnannten Werken die Sinfonie von Reinthaler und die\nOuvertüre zu „ Alladin\" von Rein ecke. Unter den Lei-\nstungen der Oper heben wir hervor Mozart's Figaro, Zau-\nberflöte, die Entführung, Beethoven's Fidelio, Weber s\nFreischütz, Oberon und Euryanthe, Mendelssohn's Heim-\nkehr aus der Fremde, Herzog Ernst's Santa Chiara.\n\nF. Pletzer. (Brem. Sonnt.-Bl.)\n\nDie Matthäus-Passion.\nErste Aufführung in Wien durch die Sing-Akademie am 15. April.\nDie Bedeutung dieser nicht ohne Spannung erwarte-\nten und mit lebhafter Theilnahme aufgenommenen Auf-\nführung lie£t nicht, wie vielleicht hier und da geglaubt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.6", "texte": "wird, oder doch nicht allein darin, dass ein in Wien noch\nnicht gekanntes Oratorium zum ersten Male vor die Oef-\nfentlichkeit gebracht, sondern dass damit dem gesammten\nwiener Musikstreben ein bisher verborgen gebliebenes Ge-\nbiet, und zwar eines der wichtigsten, erschlossen ward.\nDie Entwicklung, deren das musicalische Wien bisher\ntheilhaftig geworden war, hatte ihren Ausgangspunkt in\nJoseph Haydn, ihren Endpunkt in Beethoven. Neben-\nbei waren auch allmählich der treffliche Epigone Men-\ndelssohn, der in seinem Gebiete einzige, in anderen in-\nteressante Schubert dem allgemeinen Verständnisse nahe\ngerückt, und die letzten Jahre hatten selbst den eigen-\ntümlichen Richtungen Schumann's und Wagner's in\nsehr ausgedehntem Maasse Rechnung getragen. Aus der\nvorhaydn'schen Zeit war hier nur sehr wenig, dieses\nWenige aber fast nur mehr dem Namen nach bekannt.\nErst durch die Gründung unserer Chor-Gesellschaften\n(1858) sind wir nach decennienlanger Unterbrechung wie-\nder dahin gelangt, einige Händel'sche Oratorien zu hö-\nren, und namentlich aus den ernstgehaltenen Programmen\nder Sing-Akademie alljährlich von den hervorragendsten\nHymnen der Alt-Italiäner und der Alt-Deutschen Einzel-\nnes kennen zu lernen.\nDer Bach-Cultus wir meinen damit etwas mehr\nals die gelegentliche Bekanntschaft mit dem „wohltempe-\nrirten Ciavier\"—hatte allerdings schon vor Jahren in en-\ngeren Kreisen einiger Maassen vorzuarbeiten begonnen.\nFischhof hatte seiner Zeit einen „Bach-Verein\" ins Le-\nben gerufen und damit, wenn auch die Durchführung des\nUnternehmens nicht gerade kurzweilig gewesen, einen gu-\nten Grund gelegt. Nach ihm war es hauptsächlich der\nfrühere Mitarbeiter dieses Blattes und gegenwärtige Re-\ndacteur der „Deutschen Musik-Zeitung\", Herr Selmar\nBagge, der nicht allein durch den zeitweiligen Versuch\neiner Weiterführung des „Bach-Vereins\", sondern auch\nseither in Wort und Schrift, als Comite-Mitglied der Sing-\nAkademie (erst seit verflossenem Jahre ausgetreten) und\nals Journalist unermüdlich auf den alten Cantor in Leip-\nzig als auf den Urquell aller classischen Musik hinge-\nwiesen, und sich um die Erweckung eines tieferen An-\ntheils an Bach'scher Musik wesentliche Verdienste er-\nworben hat.\nDurch die endliche Aufführung der „Matthäus-Pas-\nsion\" ist nunmehr diesen löblichen Bestrebungen in her-\nvorstechender und auch erfolgreicher Weise Rechnung ge-\ntragen und—wir wiederholen dies absichtlich—damit ein\nganz neues Gebiet vor den Augen der staunend bewun-\ndernden musicalischen Menge aufgethan worden.\n(Der Bericht verbreitet sich hierauf über den Charak-\nter der „Passionsmusik\" und fährt dann fort:)\nDie Aufführung kann im Ganzen als eine gelun-\ngene, in manchen Einzelheiten als eine hervorragend gute\nbezeichnet werden, wiewohl auch an schwächeren und\nschwachen Punkten kein Mangel war. Am schwächsten\nwar das freilich überaus schwierige (lyrische) Tenor-Solo:\n„Ich will bei meinem Jesu wachen\", wiedergegeben, der\nübrige Gesang der Tenor- und der Bassstimme genügte\nzur Noth, aber eben nur zur Noth. Unbezwingliche Aengst-\nlichkeit schien hier am meisten verschuldet zu haben, denn\nbeide Herren sind stimmbegabt und eines natürlichen Vor-\ntrages fähig. Muthiger standen die Solistinnen für die\nSache ein, und es verdienen sowohl der Sopran (Fräulein\nHauer) als auch die beiden Altstimmen (Frau Peyrer\nund Frau Schneller) alle Anerkennung für ihren musi-\ncalisch correcten und empfundenen Vortrag. Dem Evange-\nlisten (Herrn Olschbauer) muss die relative Undankbar-\nkeit seiner Aufgabe (nach gewöhnlichen Sängerbegriffen)\nin Anschlag gebracht und dem Künstler ein äusserst deut-\nlicher Vortrag und eine ruhige, dem epischen Charakter\nder Partie angemessene Auffassung nachgerühmt werden.\nLeider ging es jedoch ohne einzelne kleine musicalische\nVerstösse nicht ab, und ermattete der Sänger sichtlich im\nVerlaufe der zweiten Abtheilung. Jesus (Herr Panzer)\nist am besten bedacht; nicht so undankbar wie der Part\ndes Evangelisten, nicht von technischen Schwierigkeiten\nüberbürdet wie die lyrischen Stimmen, entfaltet sich die\nAufgabe des Jesus in Recitativen und in ariosen Stellen so\nwohlthuend milde und kraftvoll eindringlich, dass es für\nden gut disponirten Sänger eine Freude sein und um der\nSache willen von ihm als eine Ehre betrachtet werden\nmusste, in einer so denkwürdigen Aufführung das vortheil-\nhafteste Solo singen zu können, was der Genannte denn\nauch ganz trefflich und erfolgreich zu Stande brachte.\nDas Orchester, in welchem Herr Hellmesberger sich\ndurch den trefflichen Vortrag des Violin-Solo's hervorthat,\nhielt sich gut. Eben so die Chöre, welche sich nicht nur\nnichts wesentlich Uebles zu Schulden kommen liessen, son-\ndern vielmehr ihre Aufgabe stellenweise musterhaft lösten.\nAllerdings konnte Manches noch besser sein; selbst der\nzur Wiederholung gebrachte Chor: „Sind Blitze und Don-\nner\", hätte präciser rhythmirt, mehrere jener kurzen Chor-\nstellen mit strafferer Entschiedenheit betont werden kön-\nnen. Auch ist der Wunsch nach quantitativ stärkeren Chor-\nmassen bei solch einer Aufgabe gewiss ein berechtigter.\nBerechtigt ist aber auch der Zweifel, ob mit den der Sing-\nAkademie zu Gebote stehenden Mitteln mehr geleistet wer-\nden konnte. Jedenfalls war die Auffassung des Ganzen,\nwie sie der Dirigent dem vielköpfigen Körper beigebracht\nhalte, eine echt künstlerisch weihevolle, von jedem Bom-\nbast, jeder Effecthascherei fern, nur die Würde des Ton-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.7", "texte": "Gedichtes im Auge behaltend; und wenn wir am Schlüsse\nunserer Besprechung dieses Verdienst der eminenten Fas-\nsungs- und Uebertragungs-Gabe des Chormeisters Herrn\nStegmayer zuschreiben, so haben wir mit dem entschei-\ndendsten Lobspruche, den die Kritik ertheilen kann, un-\nseren Bericht geschlossen. („Recensionen\".)\nAuch die Deutsche Musik-Zeitung berichtet,\n„dass die Aufführung unter grosser Theilnahme des Pu-\nblicums (am Morgen waren bereits alle Sitzplätze vergrif-\nfen) und unter sichtlich innerlichster Theilnahme desselben\nStatt fand. Die Aufnahme übertraf die Voraussetzungen,\nda immerhin bei Bach nicht Alles gleich zum ersten Male\naufgefasst und verstanden werden kann. Aber die Kraft\nund Gewalt des Werkes, namentlich der Chöre, schlug\ndurch; gleich der Eingangs-Chor imponirte durch seine\nGrossheit und rief lebhaften Beifall hervor; so auch viele\nweitere Chöre und Choräle. Der Satz: „ „Sind Blitze, sind\nDonner\"\", musste wiederholt werden. Aber auch viele\nSoli, so weit sie dazu Veranlassung gaben, wurden warm\naufgenommen, manche auch offenbar in ihrer Fülle rei-\nzender Schönheit sofort erkannt.\"\nDie Recensionen enthalten in Nr. 15 folgende merkwür-\ndige Notiz: „Die hiesige Sing-Akademie widmet sich fast\nausschliesslich der Pflege kirchlicher Tonkunst und hat\nnamentlich das Verständniss jener Werke, welche mit\nRecht als die Spitzen der katholischen und der prote-\nstantischen Kirchenmusik gelten, in ehrenvoller und\nerfolgreicher Weise vermittelt, wie die Aufführungen der\nWerke Palestrina's, Lotti's u. m. A., und endlich die\nder Bach'schen Passionsmusik glänzend beweisen. Dessen-\nungeachtet ist es bis jetzt, trotz mehrfacher Anstrengun-\ngen, noch nicht gelungen, die theilnahmsvolle Unterstützung\nder maassgebenden katholischen und protestan-\ntischen Kreise zu erwirken. Namhafte ausserordent-\nliche Beiträge sind dem Institute factisch hauptsächlich\nvon israelitischen Kunstfreunden zugeflossen.\"\nWoher hat aber die Deutsche Musik-Zeitung (Nr. 16,\nS. 121) die Kunde, dass Johann Theodor Mosewius\n(nicht Mosevius) ein „Israelit\" gewesen? Auch fällt es\nauf, dass in ihrer historischen Uebersicht die öfteren Auf-\nführungen der Passion am Niederrheine in Aachen, Düs-\nseldorf, Elberfeld und an drei auf einander folgenden Jah-\nren (1859 —1861) in Köln gar nicht erwähnt sind.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Die Vorstudien für das Musikfest haben bereits be-\ngonnen;. wöchentlich finden drei Chorproben unter Leitung des Herrn\nCapellmeisters Hill er Statt.\nDer Bau des Theaters schreitet jetzt sichtbar voran; hoffentlich\nwird dasselbe zum Herbst« eröffnet werden können. Möge dann nur\ndie Direction früh daran denken, ein befriedigendes Personal für\neine Oper anzustellen, denn trotzdem, dass wir eine solche seit\nJahren entbehren, dürfte doch das Verlangen danach sich schwerlich\nmit einer mittelmässigen begnügen, da der Sinn für gute Musik und\ndas Urtheil darüber sich durch den zahlreichen Besuch der Concerte\nsehr ausgebildet hat.\nAug>sl*urs. Am 9. März kam hier ein neues Werk des durch\nseine Kirchen-Compositionen bereits rühmlich bekannten Dom-Orga-\nnisten Kempter, nämlich dessen Oratorium: „Maria, die Mutter\ndes Herrn\", zur Aufführung und erregte die Aufmerksamkeit von\nKennern und Laien in einem ungewöhnlichen Clrade. Das Textbuch\nist von dem Pater Gall Morell zu Kloster Einsiedeln in der Schweiz\nverfasst, und bei der im verflossenen Jahre Statt gefundenen tau-\nsendjährigen Jubelfeier dieses Klosters war das genannte Oratorium\nzum ersten Male aufgeführt worden.\nConcert für den Bürgerspital-Fonds. 25. März.\n„Paulus\" von Mendelssohn. Die ungewöhnliche Wahl eines Orato-\nriums für dieses sonst aus verschiedenen Ingredienzien zusammen-\ngesetzte Concert gereichte Herrn Capellmeister Proch zur Ehre,\ndem Bürgerspital-Fonds aber gewiss nicht zum Vortheil denn das\nOperntheater, in welchem das Mendelssohn'sche Werk gegeben wurde,\nwar zum Erschrecken leer. Herr Proch gab sich die handgreiflichste\nMühe, um ein leidliches Ensemble zu erzielen, was ihm denn auch\nin überraschender Weise gelang. Herr Mayerhofer sang einige Stel-\nlen der Titel-Partie mit gutem Ausdruck. Weniger glücklich war\ndie Sopranistin, obwohl sie es an Eifer nicht fehlen liess. Ueber\nTenor und Alt ist „Schweigen\" das nachsichtigste Referat.\nDer nach Berlin mit 5000 Thlrn. jährlich engagirten Sängerin\nFräulein Sulz er schicken die wiener „Recensionen\" folgende Cha-\nrakteristik nach: „Der Abschied von Fräulein Sulzer ist uns durch\nden Gedanken verbittert worden, um wie viel früher derselbe hätte\nStatt haben können, und wie lange eine Jahres-Gage von sechs\nTausend Gulden an eine mittelmässige Sängerin verschwendet\nworden ist. Fräulein Sulzer war von der Natur in keiner Weise\nglänzend, in jeder Weise aber genügend bedacht, um durch künst-\nlerische Ausbildung dieser Mitgift zu einer ansehnlichen Stufe hin-\naufreichen zu können. Zu jener Art äusserer Erscheinung, der man\nzum Mindesten das Prädicat „„entsprechend\"\" beilegen kann, ge-\nsellte sich eine Stimme von leidlichem Timbre und ziemlichem Um-\nfang, eine genügende musicalische Vorbildung, eine eben solche\nSprechfertigkeit und eine hinlängliche Anstelligkeit zur Darstellungs-\nTechnik. Es fehlte aber ganz entschieden entweder die Einsicht\noder der Fleiss, vielleicht Beides, und wohl auch das künstlerische\nFühlen und Denken, welche Eigenschaften sämmtlich nothwendig\ngewesen wären, um jene Gaben zu gediegener Reife zu bringen.\nFräulein Sulzer hat es während ihres mehrjährigen wiener Engage-\nments zu keinem wesentlichen Fortschritt nach irgend einer Seite\nhin gebracht; sie hat es nie dahin gebracht, die verschiedenen Re-\ngister ihrer Stimme auszugleichen, ihrer Vocalisation Sicherheit und\nfeinen Schliff zu geben, ihren Vortrag mit künstlerischer Wärme zu\nbeleben, ihr Spiel über das Niveau der maschinenmässig gehandhab-\nten äusseren Behelfe zu erheben. Theilnahmlos, wo es gegolten hätte,\nmit anspruchsloser Tüchtigkeit einzugreifen, kam sie nur dann ins\nFeuer, wenn es galt, durch moderne Stimm-Effecte zu ....wirken-\",\ndie aber, durch keinen grossen Stimmfond unterstützt, meist ann-\nselig verpufften. Fräulein Sulzer konnte daher auf die Nachsicht\nderer keinen Anspruch haben, denen es Ernst ist um Kunst und\nKritik, und deren Pflicht es ist, die Mittelmässigkeit am allerwenig-\nsten gelten zu lassen, sobald sie sich ostensibel macht und mehr-\nseitig bevorzugt wird.*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620426-01.1.8", "texte": "Die Glas-Harmonica. Die Blüthezeit dieses und vieler an-\nderer akustischer Instrumente, z. B. Melodion, Euphon, Clavicylin-\nder (beide von Chladni), Harmonichord, Orchestrion (beide von Kauf-\nmann Vater und Sohn) u. s. w., fällt in das Ende des vorigen und\ndie beiden ersten Decennien des jetzigen Jahrhunderts. Die berühm-\nteste Virtuosin auf der Glas-Harmonica war die blinde Marianne\nKirchgessner aus Waghäusel bei Rastatt (f 1808 den 9. Decem-\nber in ihrem 38. Lebensjahre). Den ebenfalls sehr gefeierten Har-\nmonicaspieler Ferd. Pohl aus Darmstadt hat der Herausgeber die-\nser Blätter im Jahre 1812 in Dessau und Berlin noch gehört. (Der\nVater desselben, Tischler zu Kreibitz in Böhmen, baute die ersten\nund lange Zeit die besten \"Harmonica-Instrumente in Deutschland.)\nSein Sohn, Ferd. Pohl, Enkel des zuletzt genannten, lebt jetzt in\nWien und wird eine Glas-Harmonica, die sein Bruder Emanuel\nPohl in Kreibitz gebaut hat, auf der Ausstellung in London pro-\nduciren. Einen interessanten Aufsatz aus seiner Feder enthält die\nNr. 15 der wiener rßecensionenu. Das Instrument selbst, welches\nnur noch wenigen Musikern aus eigener Anschauung bekannt sein\ndürfte, besteht aus einer Anzahl von beinahe glockenförmigen Scha-\nlen von feinem, reinem Glase, welche an einer horizontalen eisernen\nSpindel befestigt sind, die durch einen Mechanismus mit dem Fusse\nvom Spieler gedreht wird. Die Glasschalen sind nach abnehmender\nGrösse von der tiefsten zur höchsten Octave gestimmt, und die Töne\nwerden durch das Aufdrücken der mit Wasser befeuchteten Finger\nhervorgebracht, indem die Drehung die nothwendige Reibung be-\nwirkt. Der dynamische Ausdruck in wunderbarer, die Nerven an-\ngreifender Abstufung vom forte bis zum verhallendsten piano liegt\nin der Gewalt des Spielers durch den leiseren oder stärkeren Druck\nder Finger.\n** Liitdeli* Das Concert, welches der Verein der Studen-\nten am 11. April im Theater zum Besten der Stadtarmen und der\nbei dem Brande des Entrepots in Antwerpen Beschädigten veran-\nstaltet hatte, war sehr zahlreich besucht. Die akademischen Autori-\ntäten und fast sämmtliche Professoren der Universität waren zuge-\ngen. Die Einnahme betrug über 4200 Francs. Die Anordnung des\nGanzen ging von dem akademischen Männer-Gesangvereine aus, des-\nsen Director, Herr Terry, auch die Aufführungen leitete. Im ersten\nTheile hörte man eine Ouvertüre (Manuscript) von H. Litolff:\n„Le Chant des Lidgeoisu} einen Studiosus als tüchtigen Violoncell-\nspieler in einer Phantasie von Servais, einige Sologesänge, ein Vio-\nlinstück und Mort de VArtisteLl, eine Elegie für Solo, Chor\nund Orchester von Terry, welche sehr wirkungsvolle Stellen hat.\nDen zweiten Theil füllte die Sinfonie-Ode „Christoph Columbus\"\nvon Felicien David, für Declamation, Gesang-Soli, Chor und\nOrchester. Das Merkwürdige und Interessanteste dabei war die Be-\nsetzung der Sopran- und Altstimmen durch einige und sechs -\nzig Knaben aus den Communalschulen, welche ihre Sache ganz\ngut machten.\nMan schreibt uns aus Paris, 23. März: Gestern fand im Herz'-\nschen Saale vor einem glänzenden Publicum ein Concert der jungen\ndeutschen Künstlerin Adrienne Peschel Statt. Früher Schülerin\nvon Herrn Hauff in Frankfurt a. M., wandte sie sich schon in\nihrem 12. Jahre nach Paris, um unter der Leitung von Herrn Henry\nHerz ihre Ausbildung im Pianofortespiel zu vollenden, und trug in\njedem der letzten Jahre den ersten Preis aller drei Classen im Con-\nservatorium davon. Das Spiel von Fräulein Peschel ist ganz das\nihres Lehrers, es vereinigt zwei Eigenschaften, die man heute gar\nzu oft bei unseren Künstlerinnen vermisst, nämlieh Kraft und Leich-\ntigkeit der technischen Ausführung. Sie spielte das grosse Septuor\nvon Hummel für Piano, Flöte, Oboe, Horn, Bratsche, Violoncell\nund ('ontrabass. Begeistert hörte das Publicum, meist aus Deutschen\nbestehend, dieser classischen Musik zu, die nur selten von französi-\nschen Künstlern in ihrem wahren Wesen wiedergegeben wird. Bril-\nlante Concessionen an den Salongeschmack folgten, unter denen wir\ndas Andante aus dem Concerte Nr. 5 von Henry Herz, eine Taran-\nteile von de Bdriot Sohn und den Concert-Walzer von Wieniawski\nauszeichnen. ( luJ\nDas neue rigaer Theater wird eine Summe von circa 192,000\nRubeln zu seiner Ausführung in Anspruch nehmen. Das Gebäude\nwird nach dem Plane des Professors Bohnstedt einen monumen-\ntalen Charakter im griechischen Styl erhalten. Die Länge desselben\nbeträgt 232 Fuss, die Höhe 97 Fuss und die Breite 131 Fuss. Den\nPorticus zieren sechs ionische Säulen mit einem darauf ruhenden\nGiebelfelde, in welchem eine Gruppe erhabener Figuren die Macht\nder Poesie und ihre Ausstrahlung über die lebende Welt versinn-\nlichen soll. Im Ganzen wird der Theatersaal 1306 Personen fassen.\nDie Stehplätze sind nach dem Muster aller neueren Theater aus dem\nProjecte entfernt. Versammlungsräume für Orchester- und Theater-\nPersonal, so wie 30 Zimmer für die Garderobe u: s. w. sind zu den\nSeiten der Bühne gelegen. Es liegt in der Absicht des Professors\nBohnstedt, den Kronleuchter im Theatersaale zu vermeiden, da der-\nselbe die Besucher der oberen Logenreihen empfindlich blendet und\neinem Theile derselben die freie Aussicht auf die Bühne benimmt.\nZu diesem Zwecke hat der Genannte in überaus sinnreicher Weise\nzwei Plane ausgearbeitet. Nach dem einen würde der Plafond in\nFelder getheilt und mit mattem Glas gedeckt werden, und die über\ndemselben vertheilten Gasflammen mittels Reflectoren ihr Licht auf\nden Zuschauerraum werfen. Der zweite Plan schlägt die Anbringung\nmehrerer so genannter Sonnenlichtbrenner (Sunburners) an der Decke\nvor. Die Beleuchtung der Rampe an der Bühne soll auf die neue,\nbereits erwähnte pariser Art*) geschehen.\n*) Siehe vor. Jahrgang, S. 215."}]}