{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-05-17-01", "volume": "bmtnabi_1862-05-17_01", "ocr_sha256": "b2757d54057f3a8373dbfe4d1c32fda4fc522b167faa0b127a39a00ea61ef468", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/05/17_01/bmtnabi_1862-05-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-05-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 459, "texte": "Inhalt.\nDie Musik bei Eröffnung der Ausstellung in London. Von A. Aus Kassel (Fünftes und Sechstes Abonnements-Con-\ncert Mendelssohns „Paulus\"). J. und J. Botti's Actäa. Von ***. Briefe von Bellini. Kritische Anzeigen. Zur\nTheorie der Tonkunst (Emil Postel's Vorschule der musicalischen Composition Gr. W. Fink's Musicalische Grammatik A. Krüger,\nMusicalisches Fremdwörterbuch). Von L. 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Eine grossartige Ausführung dieser untergeord-\nneten Aufgabe suchte man auf recht englische Weise\ndurch berühmte Namen der Componisten, ungeheure Ho-\nnorare (man spricht von 500 Guineen Honorar an jeden\nTonmeister!) und ein massenhaftes Personal in Chor und\nOrchester zu erreichen. So erging denn an Meyerbeer,\nRossini und Auber als Vertreter der deutschen (?),\nitaliänischen und französischen Tonkunst die Einladung,\neinen Marsch zu componiren!\nRossini lehnte sogleich ab; statt seiner erhielt Verdi,\nder Mann des Tages, denselben Auftrag. Nachdem auf\ndiese Weise für drei Märsche gesorgt war, fühlte man\ndoch, dass auch der religiösen Weihe Rechnung getragen\nwerden müsse, und so forderte man Sterndale Bennett,\nals den besten englischen Tonsetzer, auf, „einen Choral\"\nzu componiren. Mit dem „Hallelujah\" und der Schluss-\nfuge auf „Amen\" aus Händel's „Messias\" sollte das Pro-\ngramm schliessen. Dass die National-Hymne\nQueen zu Anfang und wiederum zu Ende intonirt werde,\nverstand sich von selbst.\n„Einen Marsch?\" dachten Meyerbeer und Auber\n„und weiter nichts? Hm! Hm!\" Und aus dem „Hm! Hm!\"\nentwickelte sich bei Beiden der Plan zu einer Ouvertüre\nä la Marcia. Verdi ging noch weiter: er sandte eine Can-\ntate für Chor und Tenor-Solo ein, und Bennet compo-\nnirte „choralmässig\" eine lange Fest-Ode von Tennyson.\nDer Verwaltungsrath liess sich die Octroyirung des\nDeutschen und des Franzosen gefallen, denn Meyerbeer\nhatte seine Composition „Ouvertür\nund Auber die seinige geradezu „Marche\" überschrieben.\nAuch Bennett's Ode wurde angenommen, weil sie mit\neinem „Choral\" begann. Aber Verdi's Cantate? „Wie?\neine Cantate? What is it?\" Man entschied, dass eine\nCantate kein Marsch sei, und schickte dem Maestro seine\n# 7\nArbeit zurück, und zwar—wie behauptet wird—ohne den\nverheissenen Ehrensold. Das gibt wahrscheinlich einen\nProcess; denn Verdi, der vom Kaiser von Russland 6000\nSilberrubel für eine Oper bekommt, wird die 500 Guineen\ndesshalb nicht fahren lassen, sondern dem Comite der lon-\ndoner Ausstellung sicher Gelegenheit geben, sich zu bla-\nmiren. Wie dem nun auch sei, Italien, das anerkannte\nItalien, das Vaterland der Musik, blieb unvertreten trotz\nTamberlik's Anerbieten, das Solo in der Cantate mit sei-\nner gewaltigen, jeden Raum beherrschenden Stimme zu\nsingen.\nBei der Eröffnung hörten wir denn, d. h. diejenigen\nvon den Tausenden, welche so standen, dass sie hören\nkonnten, nach dem „God save the Queen\" und der Ein-\nweihungsrede des Lords Granville, Präsidenten der Com-\nmission, zuerst Meyerbeer's\nMarche pour l'lnauguration de l'Exposition Universelb ä\nLondres en 1862. Der berühmte Componist hat in diesem\nglänzenden Musikstücke von Neuem, wie zu erwarten war,\nsein grosses Talent offenbart, mit charakteristischen Mo-\ntiven und geschickter Verarbeitung derselben durch überra-\nschende Instrumentirung mit immer zunehmender Steige-\nrung, durch Contraste jeder Art, sowohl des melodischen\nund dynamischen Ausdrucks, als des Rhythmus und des\nZeitmaasses, ungewöhnliche und grossartige Effecte her-\nvorzubringen. Er vereinigt darin drei Märsche von verchie-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5450, "texte": "denem Charakter zu einem zusammenhangenden Ganzen,\nin welches er zuletzt das Volkslied ver-\nwebt, nicht bloss anschliesst, und mit dem fugirten Haupt-\nmotiv des Liedes und den dazwischen geworfenen Anklän-\ngen aus dem letzten (dritten) Marsch eine Coda bildet, die\nalle denkbaren Mittel orchestraler Kraft in Anspruch\nnimmt, aber bei all dem furchtbaren Lärm doch nicht\nbloss durch diesen, sondern auch durch die Kunst, mit\nwelcher dieser Lärm organisirt ist und gesteigert wird,\ngewaltig imponirt. Man kann darauf anwenden, was der\nalte Zelter in Berlin von Spontini's Alcidor sagte: „Dieser\nGoldkönig wirft mit wirklichem Golde um sich, aber er\nschmeisst Einem damit Löcher in den Kopf.\" Die Ein-\nleitung spielt auf das Hauptmotiv des ersten Marsches in\nC-duran, welches darauf mit voller Macht der Saiten-In-\nstrumente eintritt und die Ueberschrift vMarche triom-\nphale\" schon durch sich selbst, bald darauf aber vollends\ndurch den fanfarenartigen Eintritt der Holz- und Metall-\nBlas-Instrumente rechtfertigt. Das führt zu einem\nzweiten Motiv, welches durch hübsche Modulationen reizt.\nDas Trio bildet durch sanftere Melodieen, die auf vortreff-\nliche Weise verschiedenen Instrumenten theils allein, theils\nverbunden im Unisono oder in secundirenden Intervallen (z. B.\nViolinen und Fagott) anvertraut sind, einen ansprechenden\nContrast. In der Begleitung macht sich ein wirksames\npizzicato der Bässe bemerkbar. Die Zurückführung zum\nHauptsatze wirkt hauptsächlich nur durch die Steigerung.\nHierauf leiten einige dumpfe Trommelschläge zu dem\nzweiten Marsch: „Marcher\",\nÄllegretto in F-dur, über, dessen Melodie und Harmonie\nvorzugsweise den Blas-Instrumenten zugetheilt ist, während\nsich die leisen Trommelschläge dann und wann wieder-\nholen. Die höchst kunstvolle und feine Behandlung der In-\nstrumente und der sanlte, ruhige Ton des Ganzen im Ge-\ngensatz zu dem Aufgebot aller Kraft im vorhergehenden\nTriumphmarsch macht einen sehr schönen Eindruck. Bei\nder Wiederholung der Melodie tritt das Saiten-Quartett\nin ansprechenden Figuren hinzu.\nDiesem kurzen Satze folgt drittens ein Geschwind-\nmarsch: „Pas redouble\", in Cder mit seinen lebhaf-\nten Motiven namentlich im Rhythmus an Rossini s Ouver-\ntüre zum 1 eil erinnert und zu einem ziemlich langen Satze\nausgedehnt ist. Er endigt in einem Orgelpunkt, auf wel-\nchem in den Violinen und in den Fagotten Andeutungen\naus dem liule Britannia,auftauchen, die sich immer deut-\nlicher entfalten, bis die ganze Volksmelodie mit Kraft und\nMacht losbricht, beim Ende jeder Phrase von einem Zwi-\nschenspiel, das aus dem Mittelsatz des Geschwindmarsches\ngenommen ist, unterbrochen. Ein Fugato, welches die bei-\nden, zuweilen auch drei, Thema's zusammen bringt, führt\ndie bereits erwähnte glänzende Coda mit ihrer in jeder\nHinsicht „schlagenden\" Wirkung herbei.\nHierauf folgte Sterndale Bennett's Composition\nder Ode von Alfred Tennyson. Daran hatte sich ein musi-\ncalischer oder richtiger ein persönlicher Zwist zweier Mu-\nsiker geknüpft, der zwar schon neun Jahre dauerte, aber\njetzt erst zum öffentlichen Scandal wurde, dessen sich alle\nBlätter und hauptsächlich Punch, der londoner Kladdera-\ndatsch, mit Lust bemächtigten. Im Jahre 1853 nahm\nCosta, der gegenwärtige Fest-Dirigent der Eröffnungs-\nMusik, in der philharmonischen Gesellschaft das Tempo in\neiner Composition Bennett's nicht schnell genug, worüber\nihm der Componist seine Bemerkungen machte. Ob nun\nbloss diese Thatsache an und für sich, als respeetwidrig,\noder die Art und Weise der Bemerkungen Costa in Har-\nnisch brachte, kurz, er verschwor es, von nun an keine\nComposition von Bennett mehr zu dirigiren. Als nun die\nAusstellungs-Commission Herrn Sterndale Bennett, Pro-\nfessor in Cambridge, ersuchte, eine Fest-Composition zu\nliefern, erklärte Costa, dass er wohl alles Uebrige, Ben-\nnett's Musik aber nicht dirigiren werde. Was sollte die\nCommission thun? Costa nimmt eine so hohe Stellung als\nDirigent der italienischen Oper in Coventgarden, der\nharmonie, der Sacred Harmonie Society, der Händel-Feste\nund fast aller Musikfeste in England ein, und steht in sol-\nchem Ansehen bei der Aristokratie, dass die Commission\nihm kein Tout ou rien!entgegen zu setzen wagte und auf\nseinen Protest einging! Tantaene\nSo wurde denn die Aufführung der Composition von\nBennett von Herrn Sainton, einem übrigens ganz tüchtigen\nDirigenten, geleitet. Sie zerfällt in drei Theile, deren er-\nster [F-dur] nicht bloss kirchlich, sondern nach der Vor-\nschrift wirklich choralmässig gehalten ist. Sie sind durch\nRecitative (meist im Tact) und Zwischenspiele des Orche-\nsters mit einander verbunden. Die Chöre sind durchweg\nvierstimmig. Im zweiten Theile verlässt aber Bennett die\nvorgeschriebene Form und ergeht sich freier (in F-moll),\nbis er wieder in die Haupt-Tonart zurückkehrt und\ndarin schliesst. Das Ganze hört sich gut an, ohne durch\nbesondere Originalität zu frappiren, und folgt in Form und\nzuweilen auch im Inhalt der Weise Mendelssohn's. Der Text\nhat Schwung und musicalische Stellen; auch der beschrei-\nbende Katalog der menschlichen Erfindungen und der Er-\nzeugnisse des Kunstfleisses macht sich im Gedichte nicht\ngerade schlecht, ist aber für die Composition eine Klippe,\ndie Bennett durch den Wechsel der Stimmen bei der Auf-\nzählung zu umschiffen gesucht hat. Es blieb aber doch\nsehr komisch, wenn die Tenöre: „Rieh in model and de-\nsign\" („Reich in Modellen und Entwürfen\") intoniren, und\ndie Soprane: „Harvest tool and husbandry\" („Aernte-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4839, "texte": "geräth und Ackerbau\") antworten, die Bässe:\nvjheel and engin'ry\" („Webstuhl und Bad und Maschine-\nrie\") preisen, und die Altstimmen uns vor den „Secrets\nof ihe sullen mine\" („Geheimnissen des dunkeln Schachts\")\nbange machen!\nZwischen dieser Ode im Choralstil und Händel's Hal-\nlelujah hatte man den muntern Franzosen, den heitern\nund immer noch pikanten Senior der französischen Musik,\nAuber, mit seiner Festgabe: „ Mar che, composee pour\nVExposition universelle de Londresu, eingeschoben!\nAuber's Composition ist ebenfalls ein ouverturenarti-\nges Orchesterstück. Es beginnt mit einem kurzen\ndas zu einem Andante in C leitet, welches durch seine Me-\nlodie und Instrumentation Posaunen und Ventil-Trom-\npeten frappirt und durch E-moll nach dem Hauptsatze,\ndem Allegro in E-dur führt, dessen Motivo alla Marcia\nkräftig und imponirend auftritt und mit der sicheren Be-\nherrschung aller Wirkungsmittel des Orchesters, die dem\nVeteranen ein gewohntes Spiel ist, das er über sechszig\nJahre lang getrieben, durchgeführt wird. Das zweite\nThema ist eine liebliche Cantilene, deren Bitornell in den\nSchlusssatz mit etwas schnellerem Tempo übergeht, wel-\ncher durch Melodie und Bhythmus den Charakter eines\nGeschwindmarsches recht frisch und lebhaft ausdrückt.\nWenn ein hiesiges Blatt diese Composition mit den Wor-\nten: „Auber, ganz Auber, nichts als Auber!\" abfertigt,\nund deutsche Correspondenten, wie ich in der Berlinischen\nund in der Kölnischen Zeltung lese, diese „geistreiche\"\nKritik nachschreiben, so wissen sie nicht, dass sie damit\ndem alten Herrn ein grosses Compliment machen. Aller-\ndings hat Auber einen Stil und, was noch mehr ist, einen\nnationalen Stil, und dieser nationale Stil war gerade bei\ndieser Gelegenheit recht sehr am Orte, denn er repräsen-\ntirte—was die Absicht war—die französische Musik. Zu\neinem so ausgeprägten Stil hat es der gefeierte Meyerbeer\nniemals gebracht; das Bisschen Gelehrsamkeit in dem Fu-\ngato seiner EröfFnungs-Composition macht noch lange nicht\nden echt deutschen Componisten.\nDie Zurückweisung von Verdi's Cantate war jeden-\nfalls eine starke Beleidigung. Ich höre jetzt vor dem\nSchlüsse meines Briefes, dass er sich in seiner Antwort an\ndie Commissioners sehr nobel benommen hat und „das\nUrtheii über ihr Verfahren der gebildeten Welt überlasse\".\nEs war fredich nicht abzusehen, wie er in einem blossen\n„Marsch\" den Charakter der italiänischen Musik darstellen\nsollte; ausserdem ist er bekanntlich kein Instrumental-Com-\nponist, und aus beiden Gründen bot er statt eines Mar-\nsches eine Gesang-Composition an, eine Freundlichkeit, die\nman hätte würdigen sollen. Das ganze Publicum steht ohne\nAusnahme auf Verdi's Seite. Die Cantate war am 5. April\neingeliefert; der Vorwand, dass sie nicht mehr einstudirt\nwerden könne, den man in der That in dem Schreiben an\nVerdi geltend machte, war also durch nichts begründet.\nWenn aber vollends zur Bechtfertigung der Tactlosigkeit\nin die Welt hineingeschrieben wird, Verdi habe „eine\nArie\" eingeschickt, so gehört dies zu den Leichtfertigkei-\nten von Leuten, denen es nur darum zu thun ist, pikant\nzu schreiben, wenn sie auch durch eine pikante Unwahr-\nheit einen berühmten Mann ganz unverdienter Weise lä-\ncherlich machen. Verdi hat seine Cantate dem Director\nder italiänischen Oper in Her gegeben\nund das Solo in derselben für Sopran (Fräulein Tietjens)\numgesetzt; da der Chor dieser Oper ganz vortrefflich ist\nund die Sängerin der erste Stern am Himmel der diesjäh-\nrigen musicalischen Season, so wird die Aufführung dem\nComponisten eine Genugthuung bringen, dem Impresario\naber bei der herrschenden Stimmung des Publicums jeden-\nfalls eine ungeheure Einnahme.\nAuber's Marsch-Ouverture war freilich kein würdiges\nVorspiel zu Händel's Hallelujah, aber er hatte ja das Pro-\ngramm nicht entworfen. An das Hallelujah hatte man die\nFuge des Schlusschors aus dem Messias, meiner Meinung\nnach ebenfalls unpassender Weise, angeschlossen. Der\nChor soll an 2000 Stimmen stark gewesen sein, das Or-\nchester 400 Instrumentalisten gezählt haben. Trotzdem\nstand die Wirkung, wie das fast immer der Fall ist, in\nkeinem Verhältniss zu den aufgebotenen Massen, wozu hier\nfreilich auch die Bäumlichkeit beitrug, da das ungeheure\nGebäude für den Klang der Musik, worauf es ja auch gar\nnicht ankam, keineswegs günstig ausgefallen ist. Hierin\nbehauptet der Krystall-Palast in Sydenham seinen Vorrang\nvor dem jetzigen Museum in Kensington, wie man das\nAusstellungs-Gebäude nennt. Auch steht in jenem eine\nprachtvolle Orgel, deren Mitwirkung bei den Chorälen\nund dem Hallelujah man hier vermisste, da man in allen\nConcertsälen daran gewohnt ist.\nNach dem „Amen\"wurde zum Schluss wieder das\nGod save the Queen angestimmt und darauf unter dem\nDonner der Kanonen draussen und dem Schmettern der\nFanfaren im Palaste die Welt-Ausstellung für eröffnet\nerklärt.\nLondon, 9. Mai 1862.\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-05-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "155", "page_fin": "157", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.2.3", "titre_corps": "Aus Kassel.", "titre_sommaire": "Aus Kassel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.3", "debut_caractere": 4841, "fin_caractere_exclue": 5037, "texte": "Aus Kassel.\nDen 8. Mai 1862.\nAnschliessend an meinen Brief vom 1. März über un-\nsere musicalischen Zustände (S. Niederrh. Musik-Zeitung\nNr. 10), theile ich Ihnen einen kurzen Bericht über die\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5406, "texte": "zwei letzten Abonnements-Concerte des Hof-Or-\nchesters und über die Aufführung von F. Mendels-\nsohn's „Paulus\" am Charfreitage mit.\nDas fünfte Concert (den 11. März) hatte folgendes\nProgramm: I. Theil. 1. Ouvertüre zu „Coriolan\" von Beet-\nhoven. 2. Violin-Concert in ungarischer Weise von Joseph\nJoachim, vorgetragen von Ferdinand Laub. 3. Johanna\nd'Arc, Scene und Arie, von C. A. Mangold (zum ersten\nMale), gesungen von Frau Kapp-Young. 4. Concertino für\ndie Clarinette von Reissiger, vorgetragen von Herrn Neff.\n11. Theil. 5. Sinfonie [B dur,Op. 98) von Joseph Flaydn.\n6. Concert-Arie: „Lass' mir meinen stillen Kummer\", von\nW. A. Mozart (zum ersten Male), gesungen von Herrn\nGarso. 7. a. Chaconne für die Violine von J. S. Bach, und\nb. Polonaise für die Violine mit Orchester-Begleitung von\nF. Laub, vorgetragen von Herrn F. Laub. 8. Reitermarsch\nvon Franz Schubert, instrumentirt von Franz Liszt (zum\nersten Male).\nVor Allem muss ich den grossartigen Erfolg Ferdi-\nnand Laub's constatiren. Er vereinigt so viele glänzende\nEigenschaften, als grossen, edlen Ton, freie Bogenführung,\nvollendete Technik, dass man ihm wohl nirgends den Eh-\nrenplatz unter den bedeutendsten Violinisten der Gegen-\nwart streitig machen dürfte. Sein Auftreten war durch die\nWahl der von ihm vorgetragenen Werke noch von erhöh-\ntem Interesse. Joachim's Concert in ungarischer Weise ist\nbis jetzt von der Kritik widersprechend beurtheilt worden;\nes war also den Kunstfreunden doppelt erwünscht, sich ein\neigenes unbefangenes Urtheil darüber zu bilden. Allerdings\nwurde durch Laub's Interpretation genanntes Werk in so\nblendender Weise dem Publicum zu Gehör gebracht, dass\nselbst der nüchternste und sachverständigste Beurtheiler\nunter den Zuhörern sich über die Licht- und Schatten-\nseiten desselben kaum klar werden konnte. Erstere schei-\nnen mir jedoch in Uebereinstimmung mit dem in Ihrer\nZeitung ausgesprochenen Urtheil entschieden überwiegend\nzu sein. Erfindung, Instrumentation, so wie auch die the-\nmatische Arbeit sind so voll der interessantesten Züge, dass\nJoachim's Concert auch bei minder vollendetem und genia-\nlem Vortrage den Musiker fesseln muss. Dabei ist dasselbe,\nwie es sich von dem Componisten nicht anders erwarten\nlässt, höchst dankbar für die Geige geschrieben. Liesse\nsich etwas daran aussetzen, so dürften es die besonders im\nletzten Satze fühlbaren Längen sein, welche um so mehr\nermüdend wirken, als der dem Ganzen innewohnende un-\ngarische Charakter, besonders der dadurch vorherrschende\nRhythmus, auf die Länge monoton klingt. Diese Ausstel-\nlung scheint mir jedoch den grossen Vorzügen des Werkes\ngegenüber so unwesentlich, dass sie einen tieferen ästheti-\nschen Vorwurf keinesfalls begründen kann. Die Bach'-\nsehe Chaconne spielte Laub meisterhaft und kaum minder\nschön als Joachim.\nDas letzte Concert brachte uns einen in jeder Hin-\nsicht liebenswürdigen Künstler, Karl Rein ecke, dessen\nVerdienste als geistreicher Componist und Pianist bereits\nin den weitesten Kreisen gerechte Anerkennung gefunden\nhaben. Das Programm enthielt: I. Theil. 1. Ouvertüre zu\nStein's Trauerspiel „Die Hasmonäer\" von Vincenz Lach-\nner (zum ersten Male). 2. Arie: „Wehen mir Lüfte\", aus\n„Euryantbe\" von C. M. von Weber, gesungen von Herrn\nDr. Gunz, k. hannover'schem Hof-Opernsänger. 3. Concert\nfür das Pianoforte mit Orchester-Begleitung, componirt\nund vorgetragen von Herrn Capellmeister Karl Reinecke\naus Leipzig. 4. Lieder-Vortrag des Herrn Dr. Gunz: „Der\nNeugierige\" und „Morgenständchen\", von Franz Schubert.\n5. Solostücke für das Pianoforte: a. Nocturne von K. Rei-\nnecke; b. „Auf Flügeln des Gesanges\" von St. Heller (vor-\ngetragen von Herrn Reinecke). 6. Lieder von Esser und\nSchumann, durch Herrn Dr. Gunz. 11. Theil. L. van Beet-\nhoven's Musik zu Göthe's „Egmont\", mit dem Gedichte\nvon Fr. Mosengeil (gesprochen von Herrn Ulram), die Lie-\nder gesungen von Frau Kapp-Young.\nReinecke's Clavier-Concert wurde besonders von dem\nspecifisch musicalischen Theile des Publicums gewürdigt,\neben so die das Concert eröffnende Lachner'sche Ouver-\ntüre, welche sich durch gediegene Factur und glanzvolle\nInstrumentation gleich sehr auszeichnet. Die Gesangs-Vor-\nträge des Herrn Dr. Gunz erregten einen wahren Enthu-\nsiasmus, und man erinnert sich nicht, hier jemals einen\ngleich trefflichen Liedersänger gehört zu haben. (Stock-\nhausen hat Kassel bis jetzt noch nicht besucht.) Dr. Gunz\nwurde vielfach gerufen und war so liebenswürdig, sich zu\neinigen Zugaben zu verstehen. Beethoven's Egmont-Mu-\nsik wirkte zündend, um so mehr, als das Trauerspiel selbst\nseit einer langen Reihe von Jahren nicht mehr zur Auf-\nführung gekommen. Vor seiner Abreise veranstaltete\nCapellmeister Reinecke noch eine Abend-Unterhaltung für\nKammermusik unter Mitwirkung seiner Gattin, einer treff-\nlichen Concertsängerin, und der Herren Concertmeister\nWipplinger, Musik-Director Seiss, Rundnagel,\nKnoop und Friedrich Tivendell. Letzterer, ein aus-\ngezeichneter Pianist, stand Reinecke in einem Impromptu\nüber ein Thema aus Schumann's Manfred für zwei Piano-\nforte von K. Reinecke würdig zur Seite. Ausserdem ge-\nwährten Beethoven's B-dur-Tr'\\ound Schumann's Ciavier-\nQuintett in trefflicher Ausführung wahre Hochgenüsse.\nEs bleibt mir noch übrig, der Aufführung des „Pau-\nlus\" in einigen Worten zu gedenken. Dieselbe darf im All-\ngemeinen als eine wohlgelungene bezeichnet werden, da\nChor, Solisten nnd Orchester sicher in einander griffen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1557, "texte": "Ersterer zeichnete sich besonders durch die frischen So-\npranstimmen aus, welchen Alt und Bass weder qualitativ\nnoch quantitativ ganz ebenbürtig zur Seite standen. Die\nSolo-Partieen waren in den Händen der Frau Rübsa-\nmen-Veith, des Fräuleins Kristinus vom Hoftheater\nin üarmstadt, der Herren Baumann und Rübsamen\nvon hier. Frau Rübsamen errang den Preis, wenn auch\ndie Leistungen der übrigen Solisten grosse Anerkennung\nfanden und verdienten.\nAm Schlüsse des letzten Abonnements-Concertes wurde\nHerr Hof-Capellmeister C. Reiss von dem Auditorium in\nso stürmischer und anhaltender Weise gerufen, dass er\nnicht umhin konnte, auf der Scene zu erscheinen und den\nwohlverdienten Tribut der Anerkennung entgegen zu neh-\nmen. Als eine zweite, wohl noch schätzenswerthere Aus-\nzeichnung überreichte die Hofcapelle ihm vor wenigen Ta-\ngen als Zeichen der Dankbarkeit für seine Bemühungen\num die Abonnements-Concerte einen prachtvollen silbernen\nPocal mit sinniger Inschrift, nebst einer von sämmtlichen\nMitgliedern unterzeichneten Adresse.—Solche Anerkennun-\ngen sind um so erfreulicher und verdienen um so mehr, in\nöffentlichen Blättern erwähnt zu werden, als musicalische\nKörperschaften und vollends das Publicum grosser Städte\nden bedeutenden Einlluss einer tüchtigen, zugleich energi-\nschen und humanen Leitung von Concert-Instituten auf die\nmusicalischen Zustände der Stadt überhaupt nur allzu oft\nzu ignoriren pflegen und das Verdienst um die Tonkunst\nin Vergleich anderer Künste nicht so hoch halten, wril es\nkeine augenfälligen, dauernden Resultate erzeugt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-05-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "157", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.2.4", "titre_corps": "J. 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Bott’s Actäa.\nErlauben Sie mir, geehrtester Herr Redacteur, noch\neinmal auf die Oper Actäa und den Bericht in Ihrer Zei-\ntung über dieselbe zurück zu kommen.\nWas die Beurtheilung des Buches betrifft, so wird\nallerdings die Ansicht, dass die wortreiche, poetische Diction,\nwenn auch vom Standpunkte des Drama's aus gerechtfer-\ntigt und anerkennungswerth, der musicalischen Bearbei-\ntung nicht günstig sei, nirgends auf Widerspruch stossen.\nEs ist zu bedauern, dass unsere Operndichter, und eben\nso die Componisten, wenn ihnen die Texte vorliegen, nicht\neinsehen, dass ein Operngedicht um so weniger musica-\nlisch brauchbar wird, je entwickelter und ausgeführter es\nals recitirendes Drama ist. Ist denn eine Göthe'sche Iphi-\ngenie oder eine Schilier'sche Braut von Messina bei aller\nihrer hohen Poesie—trotz derselben, müssen wir als Mu-\nsiker sagen—zu componiren? Die Wagner'sche Ansicht,\ndass sich die Melodie aus den Worten der Dichtung orga-\nnisch entwickeln müsse, hat in dieser Hinsicht Unheil ge-\n• c •\nstiftet und ist eine durchaus unmusicalische, ja, antimusi-\ncalische. Dass aber, abgesehen davon, das Buch Roden-\nmusicalisch-dramalische Situationen durbietet und\ndie Handlung besonders in den beiden letzten Acten span-\nnend und lebhaft ist, das bestätigen wir gern. Wenn es\naber fernerhin heisst, dass „durch geschickte Anlage auch\ndas Ballet als wesentlicher Bestandteil der Oper erscheint\",\nso müssen wir dem entschieden entgegentreten, denn die\nOper ist offenbar mit Tanz überladen. Wir wissen freilich\nnicht, wie viel davon auf Rechnung der Intendanz kommt;\nallein auf dem Forum, Romangerade da, wo die\nHandlung bedeutender wird, den Nero und die Poppäa als\nstumme Götzen eine halbe Stunde lang vor Augen zu ha-\nben und ein Ballet mit ansehen zu müssen, das kann nur\neinem Jockeyclub gäbe es dergleichen hier gefallen.\nAuch glaube ich die lobende Bemerkung in dem Bericht\nIhrer Zeitung ganz ähnlich in der Kreuzzeitung gelesen zu\nhaben, wo sie erklärlich ist.\nDass die Musik sich in den zwei letzten Acten der\nHandlung analog steigere, will ich gerade nicht behaup-\nten, denn Bott's Talent scheint mehr für den musicalischen\nAusdruck lyrischer Gefühls-Ergüsse als heroischer Cha-\nraktere und Situationen geeignet. Allein eben diese Seite\nseines Talentes hat auch schon in den ersten Acten Früchte\ngetragen, die jedenfalls Anerkennung verdienen, während\ndoch auch einige dramatische Scenen, wie die auf dem\nForum und in den Katakomben, sehr wirkungsvoll sind.\nDies zeigte sich noch mehr bei der zweiten Auffüh-\nrung der Oper, welche durch das Unwohlsein der Frau\nHarries-Wippem verzögert worden war. Das Haus\nwar last ganz gefüllt und der Beifall allgemeiner und leb-\nhafter, als bei der ersten Vorstellung. Frau Harries (Actäa)\nwurde vier Mal gerufen. Uebrigens ist es immer ein un-\ngünstiger Umstand für eine neue Oper, wenn sie am Ende\nder Winter-Saison und dicht vor den Urlaubsreisen der\nbesten Mitglieder des Theaters in Scene geht. So müssen\nauch jetzt fernere Wiederholungen der Actäa unterblei-\nben, weil Frau Harries und Herr Formes abreisen. Herr\nvon Hülsen soll zwar dem Vernehmen nach die Wieder-\naufnahme im Herbst bereits bestimmt haben, aber mit\nden hohen Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten!\nBerlin, 9. Mai 1862. ***"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-05-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "158", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.2.5", "titre_corps": "Briefe von Bellini.", "titre_sommaire": "Briefe von Bellini.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.5", "debut_caractere": 4834, "fin_caractere_exclue": 5016, "texte": "Briefe von Bellini.\nDie Gazetta musicalevon Mailand veröffentlicht seit\neiniger Zeit Briefe von Bellini an den Musik-Verleger\nRicordi, von denen wir zwei mittheilen, die in Bezug auf"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3909, "texte": "die Denkweise und die Verhältnisse des Componisten dem\nPublicum und denOpern-Directionen gegenüber nicht ohne\nInteresse sind. Sie beziehen sich beide auf die letzte Oper\nBellini's: „Die Puritaner\", die er für Paris schrieb.\nDiese Oper erregte einen ausserordentlichen Enthusiasmus\n(Anfang 1835), und sie ist ohne Zweifel sein bedeutend-\nstes Werk, wenn man auf das Streben nach tieferer Cha-\nrakteristik, überhaupt nach mehr wirklich dramatischer\nMusik sieht, welches sich offenbar und oft recht gelungen\ndarin ausspricht. Leider raffte den erst dreiunddreissigjäh-\nrigen Meister kurz darauf (den 21. September 1835) der\nTod hinweg. Die Briefe lauten:\nParis, 27. September 1834.\nMein lieber Bicordi!\nSie wollen wissen, ob das Buch, welches ich compo-\nnire, interessant ist? Was kann ich Ihnen sagen? Es scheint\nmir so; aber die Aufführung wird erst über Alles entschei-\nden. Pepoli (der Dichter) hat gar keine Bühnenerfahrung;\nich habe mein Möglichstes gethan, um den Stücken eine\ngewisse Art von Form zu geben. Schlecht wird es nicht\nsein, ob gut, ich zweifle. Gewiss ist, dass ich Musik lür\nzwei Opern genügend geschrieben habe, und wenn ich\nmich nicht täusche, so wird es gut gehen. Aber, wie ge-\nsagt, das Theater ist ein unerklärliches Bäthsel, da lässt\nsich nichts mit Sicherheit vorhersagen. Der erste Act der\nSonnambula wurde in den Proben, damals im Theater Car-\ncano, dem zweiten bei Weitem vorgezogen; dagegen machte\ndieser auf der Scene mehr Wirkung, als der erste. Also\n*) fester Vorsatz und glühende Selbstliebe, und Hoff-\nnung auf Gott.\nDie Anträge von Neapel habe ich abgelehnt. Man bot\nmir für drei Opern 37,500 Franken und die halbe Ein-\nnahme von drei Abenden. Ich hatte 50,000 für drei Opern\nohne Weiteres gefordert. Demnach werde ich hier den\nErfolg meiner Oper abwarten, um zu entscheiden, ob ich\nnach Italien zurückgehen soll oder nicht; ich halte es auf\nalle Fälle für schwer. Bellini.\nParis, 16. Februar 1835**)..\nMein lieber Bicordi!\nEs war mir unmöglich, im ersten Augenblick meines\nErfolgs die Feder in der Hand zu halten, denn er war so\ngross, dass ich selbst wie verblüfft davon war. Ein franzö-\nsisches, gewöhnlich äusserst kaltes Publicum in solchen\nBeifallslärm ausbrechen zu sehen, dass es mir vorkam, als\nwäre ich in der Scala bei der ersten Vorstellung der Stra-\nniera,das will viel sagen; und wenn ich in der Scala bei\njener ersten Vorstellung der Straniera am Schlüsse des\nzweiten Actes mich vor Freude nicht mehr fest auf meinen\nKnieen halten konnte, so stellen Sie Sich vor, wie es mir\nin Paris war, und bei einem Publicum, das immer bange\nzu sein scheint, sich die weissen Glacehandschuhe durchs\nApplaudiren zu verderben! Mit Einem Worte: ich war\nnicht im Stande, eine einzige Zeile aufs Papier zu bringen,\nund hatte meinen Kopf nicht beisammen, um an meine\nFreunde zu denken. Wohl aber glaube ich, wenn ich auch\nnur an eine einzige Person im Vaterlande schreibe, meinen\nBrief an alle meine Freunde, welche dieses Vaterland um-\nschliesst, zu richten, und Sie sehen, dass Signora Pollini\nmeinen Gedanken sehr gut verstanden hat, indem sie Ihnen\ndiesen Brief zugehen lässt.\nIch stehe in Unterhandlung mit der grossen Oper, und\nvielleicht schliesse ich in diesen Tagen mit ihr ab.\nIch brauche Ihnen nicht zu sagen, dass der Erfolg der\nPuritaner alla Norma zunimmt, dass die Sänger selbst mit\neinander wetteifern und die Ausführung zu einer Engels-\nVollkommenheit (ad una perfezione d'angioli) gebracht ha-\nben, und dass ich der glücklichste Mensch von der Welt\nbin, ohne dass mich Lust und Willen zur Arbeit verlässt,\num immer mehr mein Glück zu verdienen. Bin ich nicht\nun petit ambitieux!\nAddio. Schreiben Sie mir und behalten Sie lieb Ihren\nBellini.\nMan kann nicht ohne Wehmuth diesen Ausbruch der\nFreude und der Hoffnung auf die Zukunft lesen, welche\nsieben Monate darauf der Tod so schrecklich Lügen stralte.\n*) Unleserlich.\n**) Nach, der Aufführung der „Puritaner\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-17-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-17_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-05-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.2.6", "titre_corps": "Kritische Anzeigen.", "titre_sommaire": "Kritische Anzeigen.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.6", "debut_caractere": 3911, "fin_caractere_exclue": 4969, "texte": "Kritische Anzeigen.\nZur Theorie der Tonkunst.\n\n1. Bei der grossen Verbreitung der Musik-Ausübung\nund Musik-Liebhaberei kann es nur zu billigen sein, wenn\nauch denen, welche die Kunst nicht zu ihrem Berufe wäh-\nlen, Mittel dargeboten werden, sich über die Haupt-Grund-\nsätze der Theorie der Musik, über die einfache Harmonie-\nund Accordlehre, die Tonarten, die Modulationslehre, die\nmusicalischen Formen u. s. w. zu unterrichten. Man könnte\nzwar gegen populäre Anleitungen der Art einwenden, dass\nsie das Proletariat der Compositions-Dilettanten vermeh-\nren, allein das ist doch nicht ihre Schuld, darauf gehen\nsie nicht aus, und Niemand kann für den Missbrauch einer\nguten Absicht verantwortlich gemacht werden. Dagegen\nist der Nutzen solcher Anleitungen, sofern sie nur auf\nwissenschaftlichem Grunde gebaut sind, nicht zu läugnen,\ntheils für diejenigen, bei deren Beruf die musicalische Bil-\ndung zwar nicht die Hauptsache, aber doch eine notwen-\ndige Zugabe ist, wie Geistliche, Lehrer, Organisten an\nkleineren Gemeinden u. s. w., theils für die in unseren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3777, "texte": "Tagen immer zahlreicher werdenden Ueber und Hörer\nvon Musik, um diesen durch Einführung in die Elemen-\ntar-Grundsätze der Harmonie und des Formenbaues ein\nMittel zur Erhöhung ihres Genusses und zu allmählicher\nBildung eines richtigen Urtheils an die Hand zu geben.\nDie Musikschwätzerei nimmt so sehr überhand, besonders\ndurch die unmusicalischen Literaten, die oft von der Musik\nwie der Blinde von der Farbe sprechen und sich noch\nobenein beleidigt fühlen, wenn man ihnen die Wahrheit\nsagt, dass es Jedem, dem es um ein selbstständiges Urtheil\nzu thun ist, lieb und willkommen sein wird, zur Erwer-\nbung desselben sich selbst befähigen zu können. Denn was\njene Herren, denen musicalische Kenntnisse fehlen, die sie\nPedanterie oder Musik-Weisheit nennen, zu ihrer Recht-\nfertigung auskramen, nämlich: „dass sie ja auch Ohren\nhätten und hören könnten\", hat gerade so viel Bedeutung,\nals wenn ein literarisch ganz ungebildeter Mensch über\nihre Romane, Gedichte, Drama's u. s. w. abspräche und\nsich darauf steifte, „dass er ja auch Augen hätte und le-\nsen könne\"!\nEine solche Gelegenheit zum Selbstunterricht, aber\nauch einen Leitladen für Lehrer der Elementar-Musik-\nlehre bietet\nEmil Postel's Vorschule der musicalischen\nComposition. Dritte Auflage. Langensalza,\nSchulbuchhaiidlung. 1861. XVI und 284 Seiten,\nnebst 100 Choral-Melodieen als Beilage. S. 285\nbis 332. Gr. 8.\nWiewohl dieses Buch hauptsächlich „für den Unter-\nricht der Schulamts-Präparanden mit steter Bezugnahme\nauf den Choral\" von dem Verfasser, der als Cantor und\nLehrer zu Parchwitz in Schlesien auch durch langjährige\nPraxis erfahren ist, bestimmt worden, so dürfte es doch\nauch zu dem oben angegebenen Zwecke desswegen um so\nmehr zu empfehlen sein, als es eigentlich eine Vorschule\nzu dem Studium von Marx's Compositionslehre ist,\nden der Verfasser, wie er auch im Vorwort selbst sagt,\nimmer vor Augen hat. Seine Darstellung ist verständlich\nund klar, zahlreiche Noten-Beispiele sind in den Text ge-\ndruckt, und auch die Ausstattung durch die Verlagshand-\nlung ist löblich. Eine recht gute Zugabe ist der Abschnitt\nüber den Bau der Orgel, mit ebenfalls in den Text ge-\ndruckten Abbildungen der einzelnen Theile u. s. w. der\nOrgel.\n2. Wir haben nichts dagegen, wenn dieselbe Verlags-\nhandlung des alten, wohlverdienten\nG. W. Fink Musicalische Grammatik\n—so fern sie das Recht dazu, wir wissen nicht gleich, ob\nvon Wigand oder von Härtel in Leipzig als dem ursprüng-\nlichen Verleger erworben hat wieder abdrucken lässt,\ndenn das Büchlein ist für den ersten Anlauf gar nicht übel.\nAber dass sie auf den Titel „Zweite Auflage\" setzt und die\nJahreszahl 186*2, und dazu eine Vorrede des „Verfassers\",\nunterzeichnet: „Leipzig, im September 1856\", gibt, wäh-\nrend G. W. Fink bereits am 27. August 1846 gestorben\nist, das ist doch stark und verdient eine ernste Rüge!\n3. Auch das Schriftchen, das ebendaselbst erschienen:\nA. Krüger, Musicalisches Fremdwörterbuch.\nZweite, vermehrte Auflage. 1862. 68 S. 8.\nist nur eine sehr oberflächliche und unvollständige Zusam-\nmenstoppelung musicalischer Ausdruckswörter in fremden\nSprachen, deren Erklärung meist mangelhaft, zuweilen\ngeradezu falsch ist. Gleich auf der ersten Seite finden sich:\nAbassamente zwei Mal, statt\nstatt Abbr.; Abstraten,statt A\nsique, „Verein von Tonkünstiern\";— dass es aber in Paris\n„die grosse Oper\" und in Wien und anderen Orten „ein\ngrosses Concert\" bedeutet, davon ist nichts gesagt. Eben\nso heisst es: a capella,„im Stile der Capelle\"! welcher?\ndes Orchesters oder der Kirche? Wer kann daraus lernen,\ndass es „Gesang ohne Instrumental-Begleitung\" bedeutet?\nDann wird actuellement mit „wirksam, dienstthuend\" über-\nsetzt, während es nichts Anderes als „jetzt, jetzt wirklich\"\nheisst und so fort. Doch genug der Zeilen über einen\nsolchen Wisch!\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-17-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-17_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-05-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.7", "debut_caractere": 3779, "fin_caractere_exclue": 5574, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer (musicalische) Zuschauer der berliner Kreuzzeitung lobt bei\nGelegenheit der Gastspiele auf Engagement bei den königlichen\nBühnen, namentlich bei der Oper, die Intendanz, dass sie auf die\ngedachte Weise erst öffentliche Prüfungen der Bewerber anstellt und\nPublicum und Kritik dabei zu Preisrichtern nimmt. „Selbst hören,\nund sehen ist jetzt unerlässlich für jeden Bühnen- und Concert-\nVorstand, wenn er anders nicht Gefahr laufen will, einen Reclamen-\nLöwen als Katze im Sack zu kaufen. Denn wie viele am „ „Kunst-\nhimmel\" \" aufgegangene „„Sterne erster Grösseuu haben sich nicht\nschon als ausgebrannte Dochte und trügerische Schnuppen erwiesen,\nsobald eine ehrliche Kritik, im Gegensatze zu den ihre Waare loben-\nden Krämern im Yorhofe des Musentempels, ihr Sehrohr auf das\nangepriesene „„Meteor\"\" richtete. Es fehlte bloss noch, dass der\nindustrielle Kunstschwindel auch die kritische Warte in den grossen\nZeitungen überrumpelte und diese zu einem Observatorium des jetzi-\ngen Reclamen-Firmamentes machte (wie es leider in einigen dersel-\nben durch Gleichgültigkeit der Redactionen für die Kunst schon ge-\nschieht), dann wäre die Theater-Börse fertig, und die Mäkler, die\nCourtiers und Sensalen der Bühne ständen dann in ihrer speculati-\nven Art als Rothschilde da, um die Actien der Kunst steigen und\nfallen zu machen. Schon desshalb darf sich eine politische Zeitung\nder oft sauren Pflicht der Kritik über den Theaterstaat nicht ent-\nziehen, wenn es auch just nicht noth thut, jeder Darstellung auf\nTritt und Schritt zu folgen. Erwägt man, wie so manche würdige\nliterarische Erscheinung unbesprochen bleibt oder wenigstens lange\nauf den Tribut der Kritik warten muss, so ist es für viele neue\nStücke und Schauspieler oder Sänger schon mehr als zu viel Ehrs"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5766, "texte": "auf frischer That von der Kritik ein für alle Mal registrirt zu wer-\nden. Zum Glück wird der Quantität dessen, was in den „„Deutschen\nGauen\"\" an Theater-Kritik blüht, durch die häufige Unreife des Ur-\ntheils das Gleichgewicht gehalten. Es glaubt Mancher das Gras der\ndramatischen Kunst wachsen zu hören, der die dramaturgische Bo-\ntanik eines Lessing, Goethe, Schiller, Schlegel, Tieck, lfHand u. s. w.\nkaum vom Hörensagen kennt. Ein echter Künstler aber wird (das\nhat schon Lessing angedeutet) dem ins Blaue hinein gefaselten Lobe\neinen Tadel vorziehen, aus dem ein Bewusstsein oder auch nur eine\nnach der Erkenntniss ringende Kenntniss der Kunstgesetze spricht.\nWer es schonungslos, hart oder gar ungerecht nennt, wenn man ihn\nnach den von den Meistern gegebenen Regeln der Kunst beurtheilt,\nder beweist dadurch nur seine eigene Ermangelung einer künstleri-\nschen Richtschnur oder seine gränzenlose Eitelkeit.\"\nMan schreibt aus Berlin: Dem neuesten Gaste, der Sängerin\nFrau Deetz vom Hoftheater zu Wiesbaden, gegenüber befinden wir\nuns in der angenehmen Lage, bei Weitem mehr als an den bisheri-\ngen Gastsängerinnen loben zu können. Fragen wir zuerst nach den\nnatürlichen Mitteln des Gastes, so empfiehlt sich die Stimme\ndurch Schönheit, Weichheit und Fülle des Klanges und durch Rein-\nheit der Intonation. Aber auch die Kunstmittel des Gesanges, das,\nwas der Künstler lernend und bildend in das Wesen der Stimme\nhinein zu legen hat, bezeugen eine treffliche Schule. Frau Deetz\nzeigte in dem für den deutschen Gesang so wichtigen Tragen des\nTones ein musicalisch-correctes Legato und Portamento: das erstere\nin der Steigerung der Kehlschwingungen bei den Tönen aufwärts\nund deren Sänftigung bei den Tönen abwärts: das letztere, das Por-\ntamento, in der kunstgemässen Verbindung der Töne. Ob die übri-\ngen Kunstmittel, namentlich die Coloratur, der Sängerin eben so\neigen sind, darüber wird uns ihr ferneres Auftreten belehren. Ihre\nerste Gastrolle, die an sich gerade nicht glänzende Partie der Marie\nin Lortzing's „Czaar und Zimmermann\", war in Gesang und Spiel\nvom glücklichsten Erfolge der Mezzo-Sopransängerin begleitet. Nur\ndas Volkslied mit Chor im zweiten Acte sang sie nicht treu im\nSinne der Composition, es war zu viel künstlerische Absicht in dem\nLiede: im Uebrigen erfreute sie durch das innere Leben und die\näussere Fertigkeit, womit sie ein frisches, munteres Bild der Marie\nim Gesänge wie im Dialoge hinstellte.\n* Berlin. (B e ethoven's Nachlas«.) Bekanntlich hat die\nkönigliche Bibliothek den grössten Theil von Beethoven's Nachlass\nbereits im Jahre 1845 erworben. Ueber einen damals aus Gründen\nnoch zurückgehaltenen Theil desselben, unter Anderem Documente\nund Briefschaften enthaltend, sind dem Vernehmen nach Unterhand-\nlungen angeknüpft. So viel wir hören, liegt der Antrag der betref-\nfenden Behörden bereits seit Anfang des Jahres dem Könige zur\nGenehmigung vor. Die eingetretenen politischen Ereignisse scheinen\ndie Entscheidung hinausgeschoben zu haben. Unter den Verkaufs-\nBedingungen soll sich die Forderung befinden, dass sämmtliche Do-\ncumente und Briefschaften noch auf zehn Jahre unter Schloss\nund Riegel gehalten werden müssen, damit kein Missbrauch damit\ngetrieben werde. Diese Bedingung soll genehmigt worden sein. Sie\nmag allerdings durch unangenehme Erfahrungen der Vorsteher der\nköniglichen Bibliothek und durch den Heisshunger, mit welchem die\nLegion musicalischer Literaten und die Fabricanten von romanhaften\nTonkiinstler-Biographieen über solche Gegenstände herfallen, gerecht-\nfertigt sein; indessen ist doch wohl zu hoffen, dass ernsten Quellen-\nStudien gegenüber, wie sie z B. Jahn in Bonn und Thayer in\nBoston machen, eine Ausnahme von der Regel gemacht werden\ndürfte. Jedenfalls ist es sehr wünsehenswertli, dass der vollständige\nNachlass Beethoven's an Einem Orte niedergelegt werde, also in der\nkönigliehen Bibliothek zu Berlin. Dass er alsdann dort zu mehr\ndiene, als bloss zur Reliquienschau, wird sich dann schon von selbst\nmachen.\n*** 6. Mai. Vorgestern ist „König Enzio\", Oper\nin vier Acten, Text von A. B. Dulk, Musik von J. T. Abert,\nhier zum ersten Male gegeben worden. Das Publicum war zwar\nnicht besonders zahlreich, aber es nahm die Oper mit fast nie da ge-\nwesener Begeisterung auf, und der Componist wurde zwei Mal ge-\nrufen. Die Besetzung der Hauptrollen war: Enzio Herr Sont-\nheim; Bianca, seine Gattin Frau Leisinger; Gaddo, der Tod-\ntenschauer Herr Scliütky; Rainer, Enzio's Freund Herr\nAlb. Jäger. Das Buch ist nach Raupach's Trauerspiel gearbeitet,\ndie Handlung spannend. Ich constatire hiermit nur die Thatsache des\nErfolgs bei dem Publicum. Näheres behalte ich mir vor.\nXieipzig, Dingelstedt hat bekanntlich Shakespeare's „Win-\ntermärchen\" durch eine neue, freie und geschmackvolle Bearbeitung\nund eine veränderte Bühnen-Einrichtung dem Geschmacke des Pu-\nblicums mundgerecht zu machen gesucht, und F. v. Flotow ist ihm\ndurch eine gefällige, ansprechende Musik, die er dazu gesetzt, bei\nseinem Unternehmen zu Hülfe gekommen. In dieser Form ist das\nStück am Ostersonntage zum ersten Male am hiesigen Theater zur\nAufführung gekommen und hat in dieser Gestalt ungleich mehr ge-\nfallen, als in seiner ursprünglichen Form, in der es früher darge-\nstellt wurde. Das Stück zerfällt in dieser neuen Einrichtung freilich\nerst recht in zwei gesonderte Hälften, in eine ernste, halb tragische,\nund in eine phantastisch-humoristische und märchenhafte; aber sie\nsind doch durch einen Einschnitt getrennt; und wenn auch das\nGanze einen etwas opernartigen Zuschnitt erhalten hat, so lässt man\nsich diesen doch bei einem „humoristisch-phantastischen Märchen mit\nTanz\", wie es jetzt charakterisirt ist, wohl gefallen.\nS. Bach's Matthäus-Passion kam am Charfreitag in der Tho-\nmaskirche zu Leipzig zur Aufführung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik bei Eröffnung der Ausstellung in London. Von A. Aus Kassel (Fünftes und Sechstes Abonnements-Con-\ncert Mendelssohns „Paulus\"). J. und J. Botti's Actäa. Von ***. Briefe von Bellini. Kritische Anzeigen. Zur\nTheorie der Tonkunst (Emil Postel's Vorschule der musicalischen Composition Gr. W. Fink's Musicalische Grammatik A. Krüger,\nMusicalisches Fremdwörterbuch). Von L. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Frau Deetz, Beethoven's Nachlass).\n\nDie Musik bei Eröffnung der Ausstellung\nin London.\n\nDass Musik bei der Eröffnung eines Weltereignisses\nwie die zweite Ausstellung in London nicht fehlen durfte,\ndarüber war der Verwaltungsrath von Hause aus einig.\nWie es aber anzufangen sei, dass die Tonkunst dabei wür-\ndig vertreten erscheine, das machte den Herren nicht viel\nKopfweh; die Aufgabe der Musik zur Verherrlichung der\nEröffnung beschränkte sich ihrer Ansicht nach darauf, bei\ndem Zuge der festlichen Procession durch den Palast auf-\nzuspielen. Eine grossartige Ausführung dieser untergeord-\nneten Aufgabe suchte man auf recht englische Weise\ndurch berühmte Namen der Componisten, ungeheure Ho-\nnorare (man spricht von 500 Guineen Honorar an jeden\nTonmeister!) und ein massenhaftes Personal in Chor und\nOrchester zu erreichen. So erging denn an Meyerbeer,\nRossini und Auber als Vertreter der deutschen (?),\nitaliänischen und französischen Tonkunst die Einladung,\neinen Marsch zu componiren!\nRossini lehnte sogleich ab; statt seiner erhielt Verdi,\nder Mann des Tages, denselben Auftrag. Nachdem auf\ndiese Weise für drei Märsche gesorgt war, fühlte man\ndoch, dass auch der religiösen Weihe Rechnung getragen\nwerden müsse, und so forderte man Sterndale Bennett,\nals den besten englischen Tonsetzer, auf, „einen Choral\"\nzu componiren. Mit dem „Hallelujah\" und der Schluss-\nfuge auf „Amen\" aus Händel's „Messias\" sollte das Pro-\ngramm schliessen. Dass die National-Hymne\nQueen zu Anfang und wiederum zu Ende intonirt werde,\nverstand sich von selbst.\n„Einen Marsch?\" dachten Meyerbeer und Auber\n„und weiter nichts? Hm! Hm!\" Und aus dem „Hm! Hm!\"\nentwickelte sich bei Beiden der Plan zu einer Ouvertüre\nä la Marcia. Verdi ging noch weiter: er sandte eine Can-\ntate für Chor und Tenor-Solo ein, und Bennet compo-\nnirte „choralmässig\" eine lange Fest-Ode von Tennyson.\nDer Verwaltungsrath liess sich die Octroyirung des\nDeutschen und des Franzosen gefallen, denn Meyerbeer\nhatte seine Composition „Ouvertür\nund Auber die seinige geradezu „Marche\" überschrieben.\nAuch Bennett's Ode wurde angenommen, weil sie mit\neinem „Choral\" begann. Aber Verdi's Cantate? „Wie?\neine Cantate? What is it?\" Man entschied, dass eine\nCantate kein Marsch sei, und schickte dem Maestro seine\n# 7\nArbeit zurück, und zwar—wie behauptet wird—ohne den\nverheissenen Ehrensold. Das gibt wahrscheinlich einen\nProcess; denn Verdi, der vom Kaiser von Russland 6000\nSilberrubel für eine Oper bekommt, wird die 500 Guineen\ndesshalb nicht fahren lassen, sondern dem Comite der lon-\ndoner Ausstellung sicher Gelegenheit geben, sich zu bla-\nmiren. Wie dem nun auch sei, Italien, das anerkannte\nItalien, das Vaterland der Musik, blieb unvertreten trotz\nTamberlik's Anerbieten, das Solo in der Cantate mit sei-\nner gewaltigen, jeden Raum beherrschenden Stimme zu\nsingen.\nBei der Eröffnung hörten wir denn, d. h. diejenigen\nvon den Tausenden, welche so standen, dass sie hören\nkonnten, nach dem „God save the Queen\" und der Ein-\nweihungsrede des Lords Granville, Präsidenten der Com-\nmission, zuerst Meyerbeer's\nMarche pour l'lnauguration de l'Exposition Universelb ä\nLondres en 1862. Der berühmte Componist hat in diesem\nglänzenden Musikstücke von Neuem, wie zu erwarten war,\nsein grosses Talent offenbart, mit charakteristischen Mo-\ntiven und geschickter Verarbeitung derselben durch überra-\nschende Instrumentirung mit immer zunehmender Steige-\nrung, durch Contraste jeder Art, sowohl des melodischen\nund dynamischen Ausdrucks, als des Rhythmus und des\nZeitmaasses, ungewöhnliche und grossartige Effecte her-\nvorzubringen. Er vereinigt darin drei Märsche von verchie-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.2", "texte": "denem Charakter zu einem zusammenhangenden Ganzen,\nin welches er zuletzt das Volkslied ver-\nwebt, nicht bloss anschliesst, und mit dem fugirten Haupt-\nmotiv des Liedes und den dazwischen geworfenen Anklän-\ngen aus dem letzten (dritten) Marsch eine Coda bildet, die\nalle denkbaren Mittel orchestraler Kraft in Anspruch\nnimmt, aber bei all dem furchtbaren Lärm doch nicht\nbloss durch diesen, sondern auch durch die Kunst, mit\nwelcher dieser Lärm organisirt ist und gesteigert wird,\ngewaltig imponirt. Man kann darauf anwenden, was der\nalte Zelter in Berlin von Spontini's Alcidor sagte: „Dieser\nGoldkönig wirft mit wirklichem Golde um sich, aber er\nschmeisst Einem damit Löcher in den Kopf.\" Die Ein-\nleitung spielt auf das Hauptmotiv des ersten Marsches in\nC-duran, welches darauf mit voller Macht der Saiten-In-\nstrumente eintritt und die Ueberschrift vMarche triom-\nphale\" schon durch sich selbst, bald darauf aber vollends\ndurch den fanfarenartigen Eintritt der Holz- und Metall-\nBlas-Instrumente rechtfertigt. Das führt zu einem\nzweiten Motiv, welches durch hübsche Modulationen reizt.\nDas Trio bildet durch sanftere Melodieen, die auf vortreff-\nliche Weise verschiedenen Instrumenten theils allein, theils\nverbunden im Unisono oder in secundirenden Intervallen (z. B.\nViolinen und Fagott) anvertraut sind, einen ansprechenden\nContrast. In der Begleitung macht sich ein wirksames\npizzicato der Bässe bemerkbar. Die Zurückführung zum\nHauptsatze wirkt hauptsächlich nur durch die Steigerung.\nHierauf leiten einige dumpfe Trommelschläge zu dem\nzweiten Marsch: „Marcher\",\nÄllegretto in F-dur, über, dessen Melodie und Harmonie\nvorzugsweise den Blas-Instrumenten zugetheilt ist, während\nsich die leisen Trommelschläge dann und wann wieder-\nholen. Die höchst kunstvolle und feine Behandlung der In-\nstrumente und der sanlte, ruhige Ton des Ganzen im Ge-\ngensatz zu dem Aufgebot aller Kraft im vorhergehenden\nTriumphmarsch macht einen sehr schönen Eindruck. Bei\nder Wiederholung der Melodie tritt das Saiten-Quartett\nin ansprechenden Figuren hinzu.\nDiesem kurzen Satze folgt drittens ein Geschwind-\nmarsch: „Pas redouble\", in Cder mit seinen lebhaf-\nten Motiven namentlich im Rhythmus an Rossini s Ouver-\ntüre zum 1 eil erinnert und zu einem ziemlich langen Satze\nausgedehnt ist. Er endigt in einem Orgelpunkt, auf wel-\nchem in den Violinen und in den Fagotten Andeutungen\naus dem liule Britannia,auftauchen, die sich immer deut-\nlicher entfalten, bis die ganze Volksmelodie mit Kraft und\nMacht losbricht, beim Ende jeder Phrase von einem Zwi-\nschenspiel, das aus dem Mittelsatz des Geschwindmarsches\ngenommen ist, unterbrochen. Ein Fugato, welches die bei-\nden, zuweilen auch drei, Thema's zusammen bringt, führt\ndie bereits erwähnte glänzende Coda mit ihrer in jeder\nHinsicht „schlagenden\" Wirkung herbei.\nHierauf folgte Sterndale Bennett's Composition\nder Ode von Alfred Tennyson. Daran hatte sich ein musi-\ncalischer oder richtiger ein persönlicher Zwist zweier Mu-\nsiker geknüpft, der zwar schon neun Jahre dauerte, aber\njetzt erst zum öffentlichen Scandal wurde, dessen sich alle\nBlätter und hauptsächlich Punch, der londoner Kladdera-\ndatsch, mit Lust bemächtigten. Im Jahre 1853 nahm\nCosta, der gegenwärtige Fest-Dirigent der Eröffnungs-\nMusik, in der philharmonischen Gesellschaft das Tempo in\neiner Composition Bennett's nicht schnell genug, worüber\nihm der Componist seine Bemerkungen machte. Ob nun\nbloss diese Thatsache an und für sich, als respeetwidrig,\noder die Art und Weise der Bemerkungen Costa in Har-\nnisch brachte, kurz, er verschwor es, von nun an keine\nComposition von Bennett mehr zu dirigiren. Als nun die\nAusstellungs-Commission Herrn Sterndale Bennett, Pro-\nfessor in Cambridge, ersuchte, eine Fest-Composition zu\nliefern, erklärte Costa, dass er wohl alles Uebrige, Ben-\nnett's Musik aber nicht dirigiren werde. Was sollte die\nCommission thun? Costa nimmt eine so hohe Stellung als\nDirigent der italienischen Oper in Coventgarden, der\nharmonie, der Sacred Harmonie Society, der Händel-Feste\nund fast aller Musikfeste in England ein, und steht in sol-\nchem Ansehen bei der Aristokratie, dass die Commission\nihm kein Tout ou rien!entgegen zu setzen wagte und auf\nseinen Protest einging! Tantaene\nSo wurde denn die Aufführung der Composition von\nBennett von Herrn Sainton, einem übrigens ganz tüchtigen\nDirigenten, geleitet. Sie zerfällt in drei Theile, deren er-\nster [F-dur] nicht bloss kirchlich, sondern nach der Vor-\nschrift wirklich choralmässig gehalten ist. Sie sind durch\nRecitative (meist im Tact) und Zwischenspiele des Orche-\nsters mit einander verbunden. Die Chöre sind durchweg\nvierstimmig. Im zweiten Theile verlässt aber Bennett die\nvorgeschriebene Form und ergeht sich freier (in F-moll),\nbis er wieder in die Haupt-Tonart zurückkehrt und\ndarin schliesst. Das Ganze hört sich gut an, ohne durch\nbesondere Originalität zu frappiren, und folgt in Form und\nzuweilen auch im Inhalt der Weise Mendelssohn's. Der Text\nhat Schwung und musicalische Stellen; auch der beschrei-\nbende Katalog der menschlichen Erfindungen und der Er-\nzeugnisse des Kunstfleisses macht sich im Gedichte nicht\ngerade schlecht, ist aber für die Composition eine Klippe,\ndie Bennett durch den Wechsel der Stimmen bei der Auf-\nzählung zu umschiffen gesucht hat. Es blieb aber doch\nsehr komisch, wenn die Tenöre: „Rieh in model and de-\nsign\" („Reich in Modellen und Entwürfen\") intoniren, und\ndie Soprane: „Harvest tool and husbandry\" („Aernte-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.3", "texte": "geräth und Ackerbau\") antworten, die Bässe:\nvjheel and engin'ry\" („Webstuhl und Bad und Maschine-\nrie\") preisen, und die Altstimmen uns vor den „Secrets\nof ihe sullen mine\" („Geheimnissen des dunkeln Schachts\")\nbange machen!\nZwischen dieser Ode im Choralstil und Händel's Hal-\nlelujah hatte man den muntern Franzosen, den heitern\nund immer noch pikanten Senior der französischen Musik,\nAuber, mit seiner Festgabe: „ Mar che, composee pour\nVExposition universelle de Londresu, eingeschoben!\nAuber's Composition ist ebenfalls ein ouverturenarti-\nges Orchesterstück. Es beginnt mit einem kurzen\ndas zu einem Andante in C leitet, welches durch seine Me-\nlodie und Instrumentation Posaunen und Ventil-Trom-\npeten frappirt und durch E-moll nach dem Hauptsatze,\ndem Allegro in E-dur führt, dessen Motivo alla Marcia\nkräftig und imponirend auftritt und mit der sicheren Be-\nherrschung aller Wirkungsmittel des Orchesters, die dem\nVeteranen ein gewohntes Spiel ist, das er über sechszig\nJahre lang getrieben, durchgeführt wird. Das zweite\nThema ist eine liebliche Cantilene, deren Bitornell in den\nSchlusssatz mit etwas schnellerem Tempo übergeht, wel-\ncher durch Melodie und Bhythmus den Charakter eines\nGeschwindmarsches recht frisch und lebhaft ausdrückt.\nWenn ein hiesiges Blatt diese Composition mit den Wor-\nten: „Auber, ganz Auber, nichts als Auber!\" abfertigt,\nund deutsche Correspondenten, wie ich in der Berlinischen\nund in der Kölnischen Zeltung lese, diese „geistreiche\"\nKritik nachschreiben, so wissen sie nicht, dass sie damit\ndem alten Herrn ein grosses Compliment machen. Aller-\ndings hat Auber einen Stil und, was noch mehr ist, einen\nnationalen Stil, und dieser nationale Stil war gerade bei\ndieser Gelegenheit recht sehr am Orte, denn er repräsen-\ntirte—was die Absicht war—die französische Musik. Zu\neinem so ausgeprägten Stil hat es der gefeierte Meyerbeer\nniemals gebracht; das Bisschen Gelehrsamkeit in dem Fu-\ngato seiner EröfFnungs-Composition macht noch lange nicht\nden echt deutschen Componisten.\nDie Zurückweisung von Verdi's Cantate war jeden-\nfalls eine starke Beleidigung. Ich höre jetzt vor dem\nSchlüsse meines Briefes, dass er sich in seiner Antwort an\ndie Commissioners sehr nobel benommen hat und „das\nUrtheii über ihr Verfahren der gebildeten Welt überlasse\".\nEs war fredich nicht abzusehen, wie er in einem blossen\n„Marsch\" den Charakter der italiänischen Musik darstellen\nsollte; ausserdem ist er bekanntlich kein Instrumental-Com-\nponist, und aus beiden Gründen bot er statt eines Mar-\nsches eine Gesang-Composition an, eine Freundlichkeit, die\nman hätte würdigen sollen. Das ganze Publicum steht ohne\nAusnahme auf Verdi's Seite. Die Cantate war am 5. April\neingeliefert; der Vorwand, dass sie nicht mehr einstudirt\nwerden könne, den man in der That in dem Schreiben an\nVerdi geltend machte, war also durch nichts begründet.\nWenn aber vollends zur Bechtfertigung der Tactlosigkeit\nin die Welt hineingeschrieben wird, Verdi habe „eine\nArie\" eingeschickt, so gehört dies zu den Leichtfertigkei-\nten von Leuten, denen es nur darum zu thun ist, pikant\nzu schreiben, wenn sie auch durch eine pikante Unwahr-\nheit einen berühmten Mann ganz unverdienter Weise lä-\ncherlich machen. Verdi hat seine Cantate dem Director\nder italiänischen Oper in Her gegeben\nund das Solo in derselben für Sopran (Fräulein Tietjens)\numgesetzt; da der Chor dieser Oper ganz vortrefflich ist\nund die Sängerin der erste Stern am Himmel der diesjäh-\nrigen musicalischen Season, so wird die Aufführung dem\nComponisten eine Genugthuung bringen, dem Impresario\naber bei der herrschenden Stimmung des Publicums jeden-\nfalls eine ungeheure Einnahme.\nAuber's Marsch-Ouverture war freilich kein würdiges\nVorspiel zu Händel's Hallelujah, aber er hatte ja das Pro-\ngramm nicht entworfen. An das Hallelujah hatte man die\nFuge des Schlusschors aus dem Messias, meiner Meinung\nnach ebenfalls unpassender Weise, angeschlossen. Der\nChor soll an 2000 Stimmen stark gewesen sein, das Or-\nchester 400 Instrumentalisten gezählt haben. Trotzdem\nstand die Wirkung, wie das fast immer der Fall ist, in\nkeinem Verhältniss zu den aufgebotenen Massen, wozu hier\nfreilich auch die Bäumlichkeit beitrug, da das ungeheure\nGebäude für den Klang der Musik, worauf es ja auch gar\nnicht ankam, keineswegs günstig ausgefallen ist. Hierin\nbehauptet der Krystall-Palast in Sydenham seinen Vorrang\nvor dem jetzigen Museum in Kensington, wie man das\nAusstellungs-Gebäude nennt. Auch steht in jenem eine\nprachtvolle Orgel, deren Mitwirkung bei den Chorälen\nund dem Hallelujah man hier vermisste, da man in allen\nConcertsälen daran gewohnt ist.\nNach dem „Amen\"wurde zum Schluss wieder das\nGod save the Queen angestimmt und darauf unter dem\nDonner der Kanonen draussen und dem Schmettern der\nFanfaren im Palaste die Welt-Ausstellung für eröffnet\nerklärt.\nLondon, 9. Mai 1862.\n\nA.\n\nAus Kassel.\nDen 8. Mai 1862.\nAnschliessend an meinen Brief vom 1. März über un-\nsere musicalischen Zustände (S. Niederrh. Musik-Zeitung\nNr. 10), theile ich Ihnen einen kurzen Bericht über die\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.4", "texte": "zwei letzten Abonnements-Concerte des Hof-Or-\nchesters und über die Aufführung von F. Mendels-\nsohn's „Paulus\" am Charfreitage mit.\nDas fünfte Concert (den 11. März) hatte folgendes\nProgramm: I. Theil. 1. Ouvertüre zu „Coriolan\" von Beet-\nhoven. 2. Violin-Concert in ungarischer Weise von Joseph\nJoachim, vorgetragen von Ferdinand Laub. 3. Johanna\nd'Arc, Scene und Arie, von C. A. Mangold (zum ersten\nMale), gesungen von Frau Kapp-Young. 4. Concertino für\ndie Clarinette von Reissiger, vorgetragen von Herrn Neff.\n11. Theil. 5. Sinfonie [B dur,Op. 98) von Joseph Flaydn.\n6. Concert-Arie: „Lass' mir meinen stillen Kummer\", von\nW. A. Mozart (zum ersten Male), gesungen von Herrn\nGarso. 7. a. Chaconne für die Violine von J. S. Bach, und\nb. Polonaise für die Violine mit Orchester-Begleitung von\nF. Laub, vorgetragen von Herrn F. Laub. 8. Reitermarsch\nvon Franz Schubert, instrumentirt von Franz Liszt (zum\nersten Male).\nVor Allem muss ich den grossartigen Erfolg Ferdi-\nnand Laub's constatiren. Er vereinigt so viele glänzende\nEigenschaften, als grossen, edlen Ton, freie Bogenführung,\nvollendete Technik, dass man ihm wohl nirgends den Eh-\nrenplatz unter den bedeutendsten Violinisten der Gegen-\nwart streitig machen dürfte. Sein Auftreten war durch die\nWahl der von ihm vorgetragenen Werke noch von erhöh-\ntem Interesse. Joachim's Concert in ungarischer Weise ist\nbis jetzt von der Kritik widersprechend beurtheilt worden;\nes war also den Kunstfreunden doppelt erwünscht, sich ein\neigenes unbefangenes Urtheil darüber zu bilden. Allerdings\nwurde durch Laub's Interpretation genanntes Werk in so\nblendender Weise dem Publicum zu Gehör gebracht, dass\nselbst der nüchternste und sachverständigste Beurtheiler\nunter den Zuhörern sich über die Licht- und Schatten-\nseiten desselben kaum klar werden konnte. Erstere schei-\nnen mir jedoch in Uebereinstimmung mit dem in Ihrer\nZeitung ausgesprochenen Urtheil entschieden überwiegend\nzu sein. Erfindung, Instrumentation, so wie auch die the-\nmatische Arbeit sind so voll der interessantesten Züge, dass\nJoachim's Concert auch bei minder vollendetem und genia-\nlem Vortrage den Musiker fesseln muss. Dabei ist dasselbe,\nwie es sich von dem Componisten nicht anders erwarten\nlässt, höchst dankbar für die Geige geschrieben. Liesse\nsich etwas daran aussetzen, so dürften es die besonders im\nletzten Satze fühlbaren Längen sein, welche um so mehr\nermüdend wirken, als der dem Ganzen innewohnende un-\ngarische Charakter, besonders der dadurch vorherrschende\nRhythmus, auf die Länge monoton klingt. Diese Ausstel-\nlung scheint mir jedoch den grossen Vorzügen des Werkes\ngegenüber so unwesentlich, dass sie einen tieferen ästheti-\nschen Vorwurf keinesfalls begründen kann. Die Bach'-\nsehe Chaconne spielte Laub meisterhaft und kaum minder\nschön als Joachim.\nDas letzte Concert brachte uns einen in jeder Hin-\nsicht liebenswürdigen Künstler, Karl Rein ecke, dessen\nVerdienste als geistreicher Componist und Pianist bereits\nin den weitesten Kreisen gerechte Anerkennung gefunden\nhaben. Das Programm enthielt: I. Theil. 1. Ouvertüre zu\nStein's Trauerspiel „Die Hasmonäer\" von Vincenz Lach-\nner (zum ersten Male). 2. Arie: „Wehen mir Lüfte\", aus\n„Euryantbe\" von C. M. von Weber, gesungen von Herrn\nDr. Gunz, k. hannover'schem Hof-Opernsänger. 3. Concert\nfür das Pianoforte mit Orchester-Begleitung, componirt\nund vorgetragen von Herrn Capellmeister Karl Reinecke\naus Leipzig. 4. Lieder-Vortrag des Herrn Dr. Gunz: „Der\nNeugierige\" und „Morgenständchen\", von Franz Schubert.\n5. Solostücke für das Pianoforte: a. Nocturne von K. Rei-\nnecke; b. „Auf Flügeln des Gesanges\" von St. Heller (vor-\ngetragen von Herrn Reinecke). 6. Lieder von Esser und\nSchumann, durch Herrn Dr. Gunz. 11. Theil. L. van Beet-\nhoven's Musik zu Göthe's „Egmont\", mit dem Gedichte\nvon Fr. Mosengeil (gesprochen von Herrn Ulram), die Lie-\nder gesungen von Frau Kapp-Young.\nReinecke's Clavier-Concert wurde besonders von dem\nspecifisch musicalischen Theile des Publicums gewürdigt,\neben so die das Concert eröffnende Lachner'sche Ouver-\ntüre, welche sich durch gediegene Factur und glanzvolle\nInstrumentation gleich sehr auszeichnet. Die Gesangs-Vor-\nträge des Herrn Dr. Gunz erregten einen wahren Enthu-\nsiasmus, und man erinnert sich nicht, hier jemals einen\ngleich trefflichen Liedersänger gehört zu haben. (Stock-\nhausen hat Kassel bis jetzt noch nicht besucht.) Dr. Gunz\nwurde vielfach gerufen und war so liebenswürdig, sich zu\neinigen Zugaben zu verstehen. Beethoven's Egmont-Mu-\nsik wirkte zündend, um so mehr, als das Trauerspiel selbst\nseit einer langen Reihe von Jahren nicht mehr zur Auf-\nführung gekommen. Vor seiner Abreise veranstaltete\nCapellmeister Reinecke noch eine Abend-Unterhaltung für\nKammermusik unter Mitwirkung seiner Gattin, einer treff-\nlichen Concertsängerin, und der Herren Concertmeister\nWipplinger, Musik-Director Seiss, Rundnagel,\nKnoop und Friedrich Tivendell. Letzterer, ein aus-\ngezeichneter Pianist, stand Reinecke in einem Impromptu\nüber ein Thema aus Schumann's Manfred für zwei Piano-\nforte von K. Reinecke würdig zur Seite. Ausserdem ge-\nwährten Beethoven's B-dur-Tr'\\ound Schumann's Ciavier-\nQuintett in trefflicher Ausführung wahre Hochgenüsse.\nEs bleibt mir noch übrig, der Aufführung des „Pau-\nlus\" in einigen Worten zu gedenken. Dieselbe darf im All-\ngemeinen als eine wohlgelungene bezeichnet werden, da\nChor, Solisten nnd Orchester sicher in einander griffen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.5", "texte": "Ersterer zeichnete sich besonders durch die frischen So-\npranstimmen aus, welchen Alt und Bass weder qualitativ\nnoch quantitativ ganz ebenbürtig zur Seite standen. Die\nSolo-Partieen waren in den Händen der Frau Rübsa-\nmen-Veith, des Fräuleins Kristinus vom Hoftheater\nin üarmstadt, der Herren Baumann und Rübsamen\nvon hier. Frau Rübsamen errang den Preis, wenn auch\ndie Leistungen der übrigen Solisten grosse Anerkennung\nfanden und verdienten.\nAm Schlüsse des letzten Abonnements-Concertes wurde\nHerr Hof-Capellmeister C. Reiss von dem Auditorium in\nso stürmischer und anhaltender Weise gerufen, dass er\nnicht umhin konnte, auf der Scene zu erscheinen und den\nwohlverdienten Tribut der Anerkennung entgegen zu neh-\nmen. Als eine zweite, wohl noch schätzenswerthere Aus-\nzeichnung überreichte die Hofcapelle ihm vor wenigen Ta-\ngen als Zeichen der Dankbarkeit für seine Bemühungen\num die Abonnements-Concerte einen prachtvollen silbernen\nPocal mit sinniger Inschrift, nebst einer von sämmtlichen\nMitgliedern unterzeichneten Adresse.—Solche Anerkennun-\ngen sind um so erfreulicher und verdienen um so mehr, in\nöffentlichen Blättern erwähnt zu werden, als musicalische\nKörperschaften und vollends das Publicum grosser Städte\nden bedeutenden Einlluss einer tüchtigen, zugleich energi-\nschen und humanen Leitung von Concert-Instituten auf die\nmusicalischen Zustände der Stadt überhaupt nur allzu oft\nzu ignoriren pflegen und das Verdienst um die Tonkunst\nin Vergleich anderer Künste nicht so hoch halten, wril es\nkeine augenfälligen, dauernden Resultate erzeugt.\n\nJ. Rodenberg’s und J. Bott’s Actäa.\nErlauben Sie mir, geehrtester Herr Redacteur, noch\neinmal auf die Oper Actäa und den Bericht in Ihrer Zei-\ntung über dieselbe zurück zu kommen.\nWas die Beurtheilung des Buches betrifft, so wird\nallerdings die Ansicht, dass die wortreiche, poetische Diction,\nwenn auch vom Standpunkte des Drama's aus gerechtfer-\ntigt und anerkennungswerth, der musicalischen Bearbei-\ntung nicht günstig sei, nirgends auf Widerspruch stossen.\nEs ist zu bedauern, dass unsere Operndichter, und eben\nso die Componisten, wenn ihnen die Texte vorliegen, nicht\neinsehen, dass ein Operngedicht um so weniger musica-\nlisch brauchbar wird, je entwickelter und ausgeführter es\nals recitirendes Drama ist. Ist denn eine Göthe'sche Iphi-\ngenie oder eine Schilier'sche Braut von Messina bei aller\nihrer hohen Poesie—trotz derselben, müssen wir als Mu-\nsiker sagen—zu componiren? Die Wagner'sche Ansicht,\ndass sich die Melodie aus den Worten der Dichtung orga-\nnisch entwickeln müsse, hat in dieser Hinsicht Unheil ge-\n• c •\nstiftet und ist eine durchaus unmusicalische, ja, antimusi-\ncalische. Dass aber, abgesehen davon, das Buch Roden-\nmusicalisch-dramalische Situationen durbietet und\ndie Handlung besonders in den beiden letzten Acten span-\nnend und lebhaft ist, das bestätigen wir gern. Wenn es\naber fernerhin heisst, dass „durch geschickte Anlage auch\ndas Ballet als wesentlicher Bestandteil der Oper erscheint\",\nso müssen wir dem entschieden entgegentreten, denn die\nOper ist offenbar mit Tanz überladen. Wir wissen freilich\nnicht, wie viel davon auf Rechnung der Intendanz kommt;\nallein auf dem Forum, Romangerade da, wo die\nHandlung bedeutender wird, den Nero und die Poppäa als\nstumme Götzen eine halbe Stunde lang vor Augen zu ha-\nben und ein Ballet mit ansehen zu müssen, das kann nur\neinem Jockeyclub gäbe es dergleichen hier gefallen.\nAuch glaube ich die lobende Bemerkung in dem Bericht\nIhrer Zeitung ganz ähnlich in der Kreuzzeitung gelesen zu\nhaben, wo sie erklärlich ist.\nDass die Musik sich in den zwei letzten Acten der\nHandlung analog steigere, will ich gerade nicht behaup-\nten, denn Bott's Talent scheint mehr für den musicalischen\nAusdruck lyrischer Gefühls-Ergüsse als heroischer Cha-\nraktere und Situationen geeignet. Allein eben diese Seite\nseines Talentes hat auch schon in den ersten Acten Früchte\ngetragen, die jedenfalls Anerkennung verdienen, während\ndoch auch einige dramatische Scenen, wie die auf dem\nForum und in den Katakomben, sehr wirkungsvoll sind.\nDies zeigte sich noch mehr bei der zweiten Auffüh-\nrung der Oper, welche durch das Unwohlsein der Frau\nHarries-Wippem verzögert worden war. Das Haus\nwar last ganz gefüllt und der Beifall allgemeiner und leb-\nhafter, als bei der ersten Vorstellung. Frau Harries (Actäa)\nwurde vier Mal gerufen. Uebrigens ist es immer ein un-\ngünstiger Umstand für eine neue Oper, wenn sie am Ende\nder Winter-Saison und dicht vor den Urlaubsreisen der\nbesten Mitglieder des Theaters in Scene geht. So müssen\nauch jetzt fernere Wiederholungen der Actäa unterblei-\nben, weil Frau Harries und Herr Formes abreisen. Herr\nvon Hülsen soll zwar dem Vernehmen nach die Wieder-\naufnahme im Herbst bereits bestimmt haben, aber mit\nden hohen Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten!\nBerlin, 9. Mai 1862. ***\n\nBriefe von Bellini.\nDie Gazetta musicalevon Mailand veröffentlicht seit\neiniger Zeit Briefe von Bellini an den Musik-Verleger\nRicordi, von denen wir zwei mittheilen, die in Bezug auf"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.6", "texte": "die Denkweise und die Verhältnisse des Componisten dem\nPublicum und denOpern-Directionen gegenüber nicht ohne\nInteresse sind. Sie beziehen sich beide auf die letzte Oper\nBellini's: „Die Puritaner\", die er für Paris schrieb.\nDiese Oper erregte einen ausserordentlichen Enthusiasmus\n(Anfang 1835), und sie ist ohne Zweifel sein bedeutend-\nstes Werk, wenn man auf das Streben nach tieferer Cha-\nrakteristik, überhaupt nach mehr wirklich dramatischer\nMusik sieht, welches sich offenbar und oft recht gelungen\ndarin ausspricht. Leider raffte den erst dreiunddreissigjäh-\nrigen Meister kurz darauf (den 21. September 1835) der\nTod hinweg. Die Briefe lauten:\nParis, 27. September 1834.\nMein lieber Bicordi!\nSie wollen wissen, ob das Buch, welches ich compo-\nnire, interessant ist? Was kann ich Ihnen sagen? Es scheint\nmir so; aber die Aufführung wird erst über Alles entschei-\nden. Pepoli (der Dichter) hat gar keine Bühnenerfahrung;\nich habe mein Möglichstes gethan, um den Stücken eine\ngewisse Art von Form zu geben. Schlecht wird es nicht\nsein, ob gut, ich zweifle. Gewiss ist, dass ich Musik lür\nzwei Opern genügend geschrieben habe, und wenn ich\nmich nicht täusche, so wird es gut gehen. Aber, wie ge-\nsagt, das Theater ist ein unerklärliches Bäthsel, da lässt\nsich nichts mit Sicherheit vorhersagen. Der erste Act der\nSonnambula wurde in den Proben, damals im Theater Car-\ncano, dem zweiten bei Weitem vorgezogen; dagegen machte\ndieser auf der Scene mehr Wirkung, als der erste. Also\n*) fester Vorsatz und glühende Selbstliebe, und Hoff-\nnung auf Gott.\nDie Anträge von Neapel habe ich abgelehnt. Man bot\nmir für drei Opern 37,500 Franken und die halbe Ein-\nnahme von drei Abenden. Ich hatte 50,000 für drei Opern\nohne Weiteres gefordert. Demnach werde ich hier den\nErfolg meiner Oper abwarten, um zu entscheiden, ob ich\nnach Italien zurückgehen soll oder nicht; ich halte es auf\nalle Fälle für schwer. Bellini.\nParis, 16. Februar 1835**)..\nMein lieber Bicordi!\nEs war mir unmöglich, im ersten Augenblick meines\nErfolgs die Feder in der Hand zu halten, denn er war so\ngross, dass ich selbst wie verblüfft davon war. Ein franzö-\nsisches, gewöhnlich äusserst kaltes Publicum in solchen\nBeifallslärm ausbrechen zu sehen, dass es mir vorkam, als\nwäre ich in der Scala bei der ersten Vorstellung der Stra-\nniera,das will viel sagen; und wenn ich in der Scala bei\njener ersten Vorstellung der Straniera am Schlüsse des\nzweiten Actes mich vor Freude nicht mehr fest auf meinen\nKnieen halten konnte, so stellen Sie Sich vor, wie es mir\nin Paris war, und bei einem Publicum, das immer bange\nzu sein scheint, sich die weissen Glacehandschuhe durchs\nApplaudiren zu verderben! Mit Einem Worte: ich war\nnicht im Stande, eine einzige Zeile aufs Papier zu bringen,\nund hatte meinen Kopf nicht beisammen, um an meine\nFreunde zu denken. Wohl aber glaube ich, wenn ich auch\nnur an eine einzige Person im Vaterlande schreibe, meinen\nBrief an alle meine Freunde, welche dieses Vaterland um-\nschliesst, zu richten, und Sie sehen, dass Signora Pollini\nmeinen Gedanken sehr gut verstanden hat, indem sie Ihnen\ndiesen Brief zugehen lässt.\nIch stehe in Unterhandlung mit der grossen Oper, und\nvielleicht schliesse ich in diesen Tagen mit ihr ab.\nIch brauche Ihnen nicht zu sagen, dass der Erfolg der\nPuritaner alla Norma zunimmt, dass die Sänger selbst mit\neinander wetteifern und die Ausführung zu einer Engels-\nVollkommenheit (ad una perfezione d'angioli) gebracht ha-\nben, und dass ich der glücklichste Mensch von der Welt\nbin, ohne dass mich Lust und Willen zur Arbeit verlässt,\num immer mehr mein Glück zu verdienen. Bin ich nicht\nun petit ambitieux!\nAddio. Schreiben Sie mir und behalten Sie lieb Ihren\nBellini.\nMan kann nicht ohne Wehmuth diesen Ausbruch der\nFreude und der Hoffnung auf die Zukunft lesen, welche\nsieben Monate darauf der Tod so schrecklich Lügen stralte.\n*) Unleserlich.\n**) Nach, der Aufführung der „Puritaner\".\n\nKritische Anzeigen.\nZur Theorie der Tonkunst.\n\n1. Bei der grossen Verbreitung der Musik-Ausübung\nund Musik-Liebhaberei kann es nur zu billigen sein, wenn\nauch denen, welche die Kunst nicht zu ihrem Berufe wäh-\nlen, Mittel dargeboten werden, sich über die Haupt-Grund-\nsätze der Theorie der Musik, über die einfache Harmonie-\nund Accordlehre, die Tonarten, die Modulationslehre, die\nmusicalischen Formen u. s. w. zu unterrichten. Man könnte\nzwar gegen populäre Anleitungen der Art einwenden, dass\nsie das Proletariat der Compositions-Dilettanten vermeh-\nren, allein das ist doch nicht ihre Schuld, darauf gehen\nsie nicht aus, und Niemand kann für den Missbrauch einer\nguten Absicht verantwortlich gemacht werden. Dagegen\nist der Nutzen solcher Anleitungen, sofern sie nur auf\nwissenschaftlichem Grunde gebaut sind, nicht zu läugnen,\ntheils für diejenigen, bei deren Beruf die musicalische Bil-\ndung zwar nicht die Hauptsache, aber doch eine notwen-\ndige Zugabe ist, wie Geistliche, Lehrer, Organisten an\nkleineren Gemeinden u. s. w., theils für die in unseren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.7", "texte": "Tagen immer zahlreicher werdenden Ueber und Hörer\nvon Musik, um diesen durch Einführung in die Elemen-\ntar-Grundsätze der Harmonie und des Formenbaues ein\nMittel zur Erhöhung ihres Genusses und zu allmählicher\nBildung eines richtigen Urtheils an die Hand zu geben.\nDie Musikschwätzerei nimmt so sehr überhand, besonders\ndurch die unmusicalischen Literaten, die oft von der Musik\nwie der Blinde von der Farbe sprechen und sich noch\nobenein beleidigt fühlen, wenn man ihnen die Wahrheit\nsagt, dass es Jedem, dem es um ein selbstständiges Urtheil\nzu thun ist, lieb und willkommen sein wird, zur Erwer-\nbung desselben sich selbst befähigen zu können. Denn was\njene Herren, denen musicalische Kenntnisse fehlen, die sie\nPedanterie oder Musik-Weisheit nennen, zu ihrer Recht-\nfertigung auskramen, nämlich: „dass sie ja auch Ohren\nhätten und hören könnten\", hat gerade so viel Bedeutung,\nals wenn ein literarisch ganz ungebildeter Mensch über\nihre Romane, Gedichte, Drama's u. s. w. abspräche und\nsich darauf steifte, „dass er ja auch Augen hätte und le-\nsen könne\"!\nEine solche Gelegenheit zum Selbstunterricht, aber\nauch einen Leitladen für Lehrer der Elementar-Musik-\nlehre bietet\nEmil Postel's Vorschule der musicalischen\nComposition. Dritte Auflage. Langensalza,\nSchulbuchhaiidlung. 1861. XVI und 284 Seiten,\nnebst 100 Choral-Melodieen als Beilage. S. 285\nbis 332. Gr. 8.\nWiewohl dieses Buch hauptsächlich „für den Unter-\nricht der Schulamts-Präparanden mit steter Bezugnahme\nauf den Choral\" von dem Verfasser, der als Cantor und\nLehrer zu Parchwitz in Schlesien auch durch langjährige\nPraxis erfahren ist, bestimmt worden, so dürfte es doch\nauch zu dem oben angegebenen Zwecke desswegen um so\nmehr zu empfehlen sein, als es eigentlich eine Vorschule\nzu dem Studium von Marx's Compositionslehre ist,\nden der Verfasser, wie er auch im Vorwort selbst sagt,\nimmer vor Augen hat. Seine Darstellung ist verständlich\nund klar, zahlreiche Noten-Beispiele sind in den Text ge-\ndruckt, und auch die Ausstattung durch die Verlagshand-\nlung ist löblich. Eine recht gute Zugabe ist der Abschnitt\nüber den Bau der Orgel, mit ebenfalls in den Text ge-\ndruckten Abbildungen der einzelnen Theile u. s. w. der\nOrgel.\n2. Wir haben nichts dagegen, wenn dieselbe Verlags-\nhandlung des alten, wohlverdienten\nG. W. Fink Musicalische Grammatik\n—so fern sie das Recht dazu, wir wissen nicht gleich, ob\nvon Wigand oder von Härtel in Leipzig als dem ursprüng-\nlichen Verleger erworben hat wieder abdrucken lässt,\ndenn das Büchlein ist für den ersten Anlauf gar nicht übel.\nAber dass sie auf den Titel „Zweite Auflage\" setzt und die\nJahreszahl 186*2, und dazu eine Vorrede des „Verfassers\",\nunterzeichnet: „Leipzig, im September 1856\", gibt, wäh-\nrend G. W. Fink bereits am 27. August 1846 gestorben\nist, das ist doch stark und verdient eine ernste Rüge!\n3. Auch das Schriftchen, das ebendaselbst erschienen:\nA. Krüger, Musicalisches Fremdwörterbuch.\nZweite, vermehrte Auflage. 1862. 68 S. 8.\nist nur eine sehr oberflächliche und unvollständige Zusam-\nmenstoppelung musicalischer Ausdruckswörter in fremden\nSprachen, deren Erklärung meist mangelhaft, zuweilen\ngeradezu falsch ist. Gleich auf der ersten Seite finden sich:\nAbassamente zwei Mal, statt\nstatt Abbr.; Abstraten,statt A\nsique, „Verein von Tonkünstiern\";— dass es aber in Paris\n„die grosse Oper\" und in Wien und anderen Orten „ein\ngrosses Concert\" bedeutet, davon ist nichts gesagt. Eben\nso heisst es: a capella,„im Stile der Capelle\"! welcher?\ndes Orchesters oder der Kirche? Wer kann daraus lernen,\ndass es „Gesang ohne Instrumental-Begleitung\" bedeutet?\nDann wird actuellement mit „wirksam, dienstthuend\" über-\nsetzt, während es nichts Anderes als „jetzt, jetzt wirklich\"\nheisst und so fort. Doch genug der Zeilen über einen\nsolchen Wisch!\n\nL.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer (musicalische) Zuschauer der berliner Kreuzzeitung lobt bei\nGelegenheit der Gastspiele auf Engagement bei den königlichen\nBühnen, namentlich bei der Oper, die Intendanz, dass sie auf die\ngedachte Weise erst öffentliche Prüfungen der Bewerber anstellt und\nPublicum und Kritik dabei zu Preisrichtern nimmt. „Selbst hören,\nund sehen ist jetzt unerlässlich für jeden Bühnen- und Concert-\nVorstand, wenn er anders nicht Gefahr laufen will, einen Reclamen-\nLöwen als Katze im Sack zu kaufen. Denn wie viele am „ „Kunst-\nhimmel\" \" aufgegangene „„Sterne erster Grösseuu haben sich nicht\nschon als ausgebrannte Dochte und trügerische Schnuppen erwiesen,\nsobald eine ehrliche Kritik, im Gegensatze zu den ihre Waare loben-\nden Krämern im Yorhofe des Musentempels, ihr Sehrohr auf das\nangepriesene „„Meteor\"\" richtete. Es fehlte bloss noch, dass der\nindustrielle Kunstschwindel auch die kritische Warte in den grossen\nZeitungen überrumpelte und diese zu einem Observatorium des jetzi-\ngen Reclamen-Firmamentes machte (wie es leider in einigen dersel-\nben durch Gleichgültigkeit der Redactionen für die Kunst schon ge-\nschieht), dann wäre die Theater-Börse fertig, und die Mäkler, die\nCourtiers und Sensalen der Bühne ständen dann in ihrer speculati-\nven Art als Rothschilde da, um die Actien der Kunst steigen und\nfallen zu machen. Schon desshalb darf sich eine politische Zeitung\nder oft sauren Pflicht der Kritik über den Theaterstaat nicht ent-\nziehen, wenn es auch just nicht noth thut, jeder Darstellung auf\nTritt und Schritt zu folgen. Erwägt man, wie so manche würdige\nliterarische Erscheinung unbesprochen bleibt oder wenigstens lange\nauf den Tribut der Kritik warten muss, so ist es für viele neue\nStücke und Schauspieler oder Sänger schon mehr als zu viel Ehrs"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620517-01.1.8", "texte": "auf frischer That von der Kritik ein für alle Mal registrirt zu wer-\nden. Zum Glück wird der Quantität dessen, was in den „„Deutschen\nGauen\"\" an Theater-Kritik blüht, durch die häufige Unreife des Ur-\ntheils das Gleichgewicht gehalten. Es glaubt Mancher das Gras der\ndramatischen Kunst wachsen zu hören, der die dramaturgische Bo-\ntanik eines Lessing, Goethe, Schiller, Schlegel, Tieck, lfHand u. s. w.\nkaum vom Hörensagen kennt. Ein echter Künstler aber wird (das\nhat schon Lessing angedeutet) dem ins Blaue hinein gefaselten Lobe\neinen Tadel vorziehen, aus dem ein Bewusstsein oder auch nur eine\nnach der Erkenntniss ringende Kenntniss der Kunstgesetze spricht.\nWer es schonungslos, hart oder gar ungerecht nennt, wenn man ihn\nnach den von den Meistern gegebenen Regeln der Kunst beurtheilt,\nder beweist dadurch nur seine eigene Ermangelung einer künstleri-\nschen Richtschnur oder seine gränzenlose Eitelkeit.\"\nMan schreibt aus Berlin: Dem neuesten Gaste, der Sängerin\nFrau Deetz vom Hoftheater zu Wiesbaden, gegenüber befinden wir\nuns in der angenehmen Lage, bei Weitem mehr als an den bisheri-\ngen Gastsängerinnen loben zu können. Fragen wir zuerst nach den\nnatürlichen Mitteln des Gastes, so empfiehlt sich die Stimme\ndurch Schönheit, Weichheit und Fülle des Klanges und durch Rein-\nheit der Intonation. Aber auch die Kunstmittel des Gesanges, das,\nwas der Künstler lernend und bildend in das Wesen der Stimme\nhinein zu legen hat, bezeugen eine treffliche Schule. Frau Deetz\nzeigte in dem für den deutschen Gesang so wichtigen Tragen des\nTones ein musicalisch-correctes Legato und Portamento: das erstere\nin der Steigerung der Kehlschwingungen bei den Tönen aufwärts\nund deren Sänftigung bei den Tönen abwärts: das letztere, das Por-\ntamento, in der kunstgemässen Verbindung der Töne. Ob die übri-\ngen Kunstmittel, namentlich die Coloratur, der Sängerin eben so\neigen sind, darüber wird uns ihr ferneres Auftreten belehren. Ihre\nerste Gastrolle, die an sich gerade nicht glänzende Partie der Marie\nin Lortzing's „Czaar und Zimmermann\", war in Gesang und Spiel\nvom glücklichsten Erfolge der Mezzo-Sopransängerin begleitet. Nur\ndas Volkslied mit Chor im zweiten Acte sang sie nicht treu im\nSinne der Composition, es war zu viel künstlerische Absicht in dem\nLiede: im Uebrigen erfreute sie durch das innere Leben und die\näussere Fertigkeit, womit sie ein frisches, munteres Bild der Marie\nim Gesänge wie im Dialoge hinstellte.\n* Berlin. (B e ethoven's Nachlas«.) Bekanntlich hat die\nkönigliche Bibliothek den grössten Theil von Beethoven's Nachlass\nbereits im Jahre 1845 erworben. Ueber einen damals aus Gründen\nnoch zurückgehaltenen Theil desselben, unter Anderem Documente\nund Briefschaften enthaltend, sind dem Vernehmen nach Unterhand-\nlungen angeknüpft. So viel wir hören, liegt der Antrag der betref-\nfenden Behörden bereits seit Anfang des Jahres dem Könige zur\nGenehmigung vor. Die eingetretenen politischen Ereignisse scheinen\ndie Entscheidung hinausgeschoben zu haben. Unter den Verkaufs-\nBedingungen soll sich die Forderung befinden, dass sämmtliche Do-\ncumente und Briefschaften noch auf zehn Jahre unter Schloss\nund Riegel gehalten werden müssen, damit kein Missbrauch damit\ngetrieben werde. Diese Bedingung soll genehmigt worden sein. Sie\nmag allerdings durch unangenehme Erfahrungen der Vorsteher der\nköniglichen Bibliothek und durch den Heisshunger, mit welchem die\nLegion musicalischer Literaten und die Fabricanten von romanhaften\nTonkiinstler-Biographieen über solche Gegenstände herfallen, gerecht-\nfertigt sein; indessen ist doch wohl zu hoffen, dass ernsten Quellen-\nStudien gegenüber, wie sie z B. Jahn in Bonn und Thayer in\nBoston machen, eine Ausnahme von der Regel gemacht werden\ndürfte. Jedenfalls ist es sehr wünsehenswertli, dass der vollständige\nNachlass Beethoven's an Einem Orte niedergelegt werde, also in der\nkönigliehen Bibliothek zu Berlin. Dass er alsdann dort zu mehr\ndiene, als bloss zur Reliquienschau, wird sich dann schon von selbst\nmachen.\n*** 6. Mai. Vorgestern ist „König Enzio\", Oper\nin vier Acten, Text von A. B. Dulk, Musik von J. T. Abert,\nhier zum ersten Male gegeben worden. Das Publicum war zwar\nnicht besonders zahlreich, aber es nahm die Oper mit fast nie da ge-\nwesener Begeisterung auf, und der Componist wurde zwei Mal ge-\nrufen. Die Besetzung der Hauptrollen war: Enzio Herr Sont-\nheim; Bianca, seine Gattin Frau Leisinger; Gaddo, der Tod-\ntenschauer Herr Scliütky; Rainer, Enzio's Freund Herr\nAlb. Jäger. Das Buch ist nach Raupach's Trauerspiel gearbeitet,\ndie Handlung spannend. Ich constatire hiermit nur die Thatsache des\nErfolgs bei dem Publicum. Näheres behalte ich mir vor.\nXieipzig, Dingelstedt hat bekanntlich Shakespeare's „Win-\ntermärchen\" durch eine neue, freie und geschmackvolle Bearbeitung\nund eine veränderte Bühnen-Einrichtung dem Geschmacke des Pu-\nblicums mundgerecht zu machen gesucht, und F. v. Flotow ist ihm\ndurch eine gefällige, ansprechende Musik, die er dazu gesetzt, bei\nseinem Unternehmen zu Hülfe gekommen. In dieser Form ist das\nStück am Ostersonntage zum ersten Male am hiesigen Theater zur\nAufführung gekommen und hat in dieser Gestalt ungleich mehr ge-\nfallen, als in seiner ursprünglichen Form, in der es früher darge-\nstellt wurde. Das Stück zerfällt in dieser neuen Einrichtung freilich\nerst recht in zwei gesonderte Hälften, in eine ernste, halb tragische,\nund in eine phantastisch-humoristische und märchenhafte; aber sie\nsind doch durch einen Einschnitt getrennt; und wenn auch das\nGanze einen etwas opernartigen Zuschnitt erhalten hat, so lässt man\nsich diesen doch bei einem „humoristisch-phantastischen Märchen mit\nTanz\", wie es jetzt charakterisirt ist, wohl gefallen.\nS. Bach's Matthäus-Passion kam am Charfreitag in der Tho-\nmaskirche zu Leipzig zur Aufführung."}]}