{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-05-24-01", "volume": "bmtnabi_1862-05-24_01", "ocr_sha256": "df1522e233d9bbc2c9a8d57c41b60b4fe3799b6614e6703154e199517038a3db", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/05/24_01/bmtnabi_1862-05-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-05-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Neue Opern: La Chatte merveilleuse von Grisar La Fille d'Egypte von Jul. Beer Lalla Rookh\nvon Felicien David Mendelssohn's „Elias\" Thalberg Concerte). Der deutsche Sängerbund. Aus Oldenburg (Concerte\nWeihnachts-Oratorium). Zu Beethoven's Brief in Nr. 16. Tages- und Unterhaltungsblatt (Johann Becker Berlin, Gastspiel\nder Frau Deetz Braunschweig, Sinfonie-Concert J. Stockhausen Marschner-Denkmal Gera, Concert Wien Basel)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-05-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "164", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.1", "debut_caractere": 449, "fin_caractere_exclue": 4204, "texte": "Pariser Briefe.\n[Neue Opern: La Chatte merveilleuse von Grisar. La Fille\nd'Egijpte von Jul. Beer. Lalla Rookh von Felicien David.\nMendelssohn1 s „Elias\". Thalberg Concerte.]\nDas Theätre lyriquebrachte am 18. März eine neue\nOper von Albert Grisar, dieses Mal eine wirklich neue,\ndenn „Der Juwelier von St. James\" im Februar war nur\nein aufgewärmtes Gericht, das auch nicht oft aufgetischt\nworden ist und jetzt bereits gar nicht mehr auf die Tafel\nkommt.\nDie „Wunderkatze\" wird sich allem Anschein nach\nlänger halten. Wenigstens ist es doch einmal wieder eine\nwirklich komische Oper, bei der man lachen kann, und\nderen Musik abgesehen von den fabelhaften Vocalisatio-\nnen oder Coloratur-Etuden in der Haupt-Partie 7 nicht\nauf den Stelzen der ernsten Oper einherstapelt, wie die\nmeisten sogenannt komischen Opern der letzten Jahre, die\ndenn auch natürlich eben desshalb sehr bald einen Fall\nthaten und nicht wieder aufstehen konnten. Das Buch ist\neine Mixtur aus den alten Märchen vom gestiefelten Kater\nund von der verwandelten Katze, ein Feenmärchen, basirt\nauf die Wahlverwandtschaft zwischen Frauen- und Katzen-\nnatur und die Neigung der Männer zu beiden.\nEin Müller hinterlässt seinen drei Söhnen eine Mühle,\neinen Esel und eine Katze. Der Erbe der Mühle spielt so\ngut wie keine Rolle in dem Stück; Babolin, der Besitzer\ndes Esels, sorgt für komische Episoden; Urbain aber, der\nsich mit seinem geliebten Kätzchen aus freier Wahl be-\ngnügt, ist der Held der Komödie. „Acb, war' es doch ein\nMädchen!\" seufzt er. Die Perlenfee gibt „Felinen\" ihre\nwahre reizende Mädchengestalt zurück und einen grünen\nZweig als Talisman. Mit diesem macht sie ihren Herrn aus\nDankbarkeit für seine Katzen-Anhänglichkeit zum Millio-\nnen reichen Marquis. Der König, eine höchst ergötzliche\nkomische Figur, jagt in der Gegend und sucht\neinen Gemahl für seine Tochter. Er durchstreift das Land\ndoch nein! er bleibt ruhig stehen, aber der Maschinist\n(oder eigentlich die Fee) führt ein wandelndes Panorama\nvon Schlössern, Wäldern, Wiesen, Parks vor seinen Augen\nvorüber, und auf jede Frage, wem das und wieder das\ngehöre, antwortet das Landvolk, von der Fee gestempelt:\n„Dem Marquis von Carabas\".\nDem Könige, der entweder ein Reich im Monde, oder\nauf Erden eine sehr magere Civilliste hat, behagt das, und\ner wählt den Marquis zum Schwiegersohne. Feline, die\nals Page Urbain's erscheint, stellt diesen als den steinrei-\nchen Marquis vor, und die Sache macht sich. Urbain, im\nUebermaass des Glücks, umarmt und küsst seinen Pagen,\naber 0 weh! mit diesem Kuss senkt sich die Liebe in\ndas Herz Felinens, mit ihr die Eifersucht und am Ende\nder Entschluss, die ganze Herrlichkeit, die ihr Talisman\naufgebaut, mit diesem wieder zu zerstören. Der grüne\nZweig verdorrt und aller Zauber verschwindet.\nMan kann sich die Wuth Seiner Majestät denken. Er\nbefiehlt, den Urbain an den nächsten Baum aufzuknüpfen.\nBei diesem Worte siegt in Felinens Herzen die Liebe über\ndie Rache, sie klagt sich selbst der trügerischen List an\nund will sich für Urbain hängen lassen. Da grünt auf ein-\nmal der Zweig von Neuem in ihrer Hand, der Wald theilt\nsich, und man sieht das prächtige Schloss Carabas. Der\nKönig und sein Schatzmeister, dessen Beutel sich wie-\nder mit Golde füllen, sind zufrieden gestellt, und die Ver-\nmählung soll vor sich gehen.\nAber im Hintergrunde lauert ein alter Währwolf, der\nseit drei Tausend Jahren die Perlenfee liebt, ohne erhört\nzu werden, und jetzt in den Leib des Kanzlers des Königs\ngefahren ist. Aus Rache verräth er der Prinzessin das Ge-\nschlecht Felinens, und sie jagt den vermeinten Pagen fort.\nFeline bittet in ihrem Unglück die Fee, sie wieder in eine\nKatze zu verwandeln. Das bricht Urbain das Herz; es wird\nklar in seiner Seele, er hat nie eine Andere als Felinen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5380, "texte": "geliebt, er verwünscht Pracht und Reichthum und den\nganzen Hof, wenn er nur sie besitze und zu seiner heimat-\nlichen Flur zurückkehren könne! Rrrr! Vervvan dlung,\nHeimat, Glück. Ob Feline sich als Frau vielleicht dann\nund wann wieder in ein Schmeichelkätzchen oder zuweilen\nin ein knurrendes Tigerlein verwandelt habe, erfahren wir\nnicht. Jedenfalls ist die Moral des Märchens klar.\nW er noch so weit zurück, oder wenn man lieber will,\nnoch so unbefangen und unblasirt ist, aufrichtig lachen zu\nkönnen über harmlose Naivetäten, der wird sich bei die-\nsem Wunderkätzchen, dessen Schicksale drei Acte und\neinen vollen Abend füllen, auf ganz artige Weise ergötzen.\nDas hat denn auch das Publicum in vollem Maasse gethan\nund thut es noch bei jeder Vorstellung, d. h. alle Wochen\nvier bis fünf Mal. Denn die Musik ist grösstentheils recht\nhübsch, und ausser den übertrieben schwierigen Vocal-\nKunststücken, die man mit in den Kauf nehmen muss, weil\ndie Partie der Feline für Madame Gabel geschrieben ist\nwomit Alles gesagt ist —, gewinnt die Musik durch\nRückkehr zum Einfach-Melodischen und zum Klaren und\nDurchsichtigen anstatt des Verworrenen und Lärmenden.\nDas eigentliche Talent Grisar's weist ihn offenbar auf das\nleichte, melodische und geistreiche Genre hin und auf den\nAusdruck des Komischen durch dieses Genre, während\nihm das Ernste oder gar Schauerliche und Melodramati-\nsche gar nicht gelingt. Zu jenem Talente gesellt sich dann\neine grosse Gewandtheit in Benutzung der Formen und\nder Manier der besten Componisten der älteren französi-\nschen Schule der komischen Oper, und dem Kenner dieser\nSchule wird es nicht entgehen, dass er auch bei seiner\nneuen Arbeit eine reiche Aehrenlese auf dem Felde des\nvorigen Jahrhunderts gehalten hat. Ich glaube nicht, dass\nman ihm das zum Vorwurf machen soll, zumal, da er doch\nim Ganzen genommen mehr die Form und den Charakter,\nals die Melodieen jener Schule nachahmte. Könnte er sich\nentschliessen, in dieser Weise die Einheit des Genre's\nfestzuhalten, die freilich durch die extrem-moderne Bra-\nvour einzelner Nummern zerrissen wird, so dürfte aus sol-\nchem Streben eine wohlthätige Läuterung der gegenwär-\ntigen komischen Oper der Franzosen hervorgehen.\nDas Lob, das der Musik gespendet wird, gebührt in-\ndess in vollem Maasse nur dem zweiten Acte, der so-\nwohl in den Einzelgesängen als im Finale ganz vorzügli-\nches musicalisches Leben hat. Der erste Act ist nüchterner,\nund der dritte, mehr sentimental als die anderen, lässt sich\nzwar ganz gut anhören, hat aber nichts Hervorstechendes.\nAm Schlüsse wurden sämmtliche Darsteller gerufen.\nAuch die Kritik ist fast ganz einig über die Vorzüge\nder Musik. Was ich oben von der Nachahmung des ein-\nfachem Stils der älteren Componisten bemerkt habe, be-\nstätigt sich durch die Aeusserungen eines hiesigen Blattes,\nwelches in spasshafter Naivetät ein aufrichtiges Lob spen-\ndet, von welchem, wenn man die füllenden Redensarten\nherausnimmt, folgendes Fachwerk übrig bleibt:\n„Die Oper ist ein Werk ersten Ranges, ein Phäno-\nmen u. s. w. Act 1. Duo man sollte es für ein Blatt\nvon Händel halten, Terzett, gerade wie von Cima-\nrosa.—Act 2. Ein schöner Jägerchor, in VVeber's Stil.\nEin hübsches Quartett, man sollte glauben, es sei aus\neiner Partitur von Monsigny herausgeschnitten. Die\nCouplets u. s. w. ganz im Stile der Alten. Act 3. Eine\nländliche Scene, nach der Compositionsweise Gretry's\nbehandelt. Ein Duett, in Mozart's Manier.\"\nDie zweite Neuigkeit: La komische\nOper in zwei Acten, Musik von Jul. Beer, zum ersten\nMale aufgeführt den 23. April im\neben erwähnt werden. Herr Jul. Beer ist ein Sohn des\nehemaligen Commercienrathes Wilh. Beer (Bruders des\nComponisten) in Berlin, der als Astronom durch seine wis-\nsenschaftlichen Studien über den Mond und die daraus\nhervorgegangenen Schriften einen Ruf in der gelehrten\nWelt hat. Jakob Mayer Beer ist mithin sein rechter Oheim.\nDie genannte Oper ist nicht sein erster musicalisch-drama-\ntischer Versuch, es sind eine oder zwei Operetten von ihm\nin den Bädern am Rheine gegeben worden. Die\nd'Egypte ist nichts Anderes als eine Zigeunerin, die in\nSpanien unter einer Bande von Schmugglern ihre tollen\nStreiche übt, ein Engel von aussen und ein Teufel von\ninnen u. s. w. u. s. w. Man kann nicht leicht einen unsin-\nnigeren Wirrwarr auf das Theater bringen, als dieses Li-\nbretto bietet. Es mag denn auch die hauptsächlichste Schuld\ntragen, dass die Meinung der Blätter, dass „die Musik die\nMängel des Buches verdecke und die Handlung veredle\"\ndass „sich das edle Blut der Beer nicht verläugne\"\nund was dergleichen Dinge mehr sind, nicht die öffentliche\nMeinung ist, denn die Oper ist, so viel ich weiss, nur noch\nein oder zwei Mal gegeben worden. An Talent und an\nEormgewandtheit soll es übrigens Herrn Beer keineswegs\nfehlen, wie mir von Musikern versichert wird, denn ich\nselbst habe die Oper nicht gehört.\nDoch eilen wir uns, um von Spanien nach dem Lande\ndes Morgens, der Rosen, der Liebe, mit Einem Worte:\nnach Kaschmir zu kommen, wohin uns der Sänger der\n„Wüste\", der privilegirte Maler oder Tapezierer des\nOrients, Herr Felicien David, am Abende des 12.Mai\nim Theater der komischen Oper versetzte. „La lla Rookh\"\n(oder wie der Zettel, um dem Publicum Missverständnisse\nzu ersparen, schreibt: „Lalla Roukh\")—was weckt dieser\nName nicht für Vorstellungen bei englischen und deut-\nschen Lesern; wie werden sie schwärmen in der Erwar-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5380, "texte": "tung hochpoetischer Handlung, in den Gedanken an „Feuer-\nanbeter\", an „Paradies und Peri\"! Bitte, meine lieben Ro-\nmantiker jenseit des Canals und am Rheine, lassen Sie\nIhre Phantasie zu Hause und bedenken Sie, dass Säe vor\ndem Vorhange eines pariser Theaters sitzen, dass Sie eine\nkomische Oper sehen werden und dass die Compagnie\nLucas & Michel Carre den Text geliefert hat.\nDiese französische Lalla Rookh ist nichts Anderes, als\neine nach Indien verpllanzte Prinzessin von Navarra, deren\nLiebe Jean de Paris, hier Nureddin der Sänger geheis-\nsen, im Grunde aber König von der Bucharei, auf der\nReise zu gewinnen sucht, auf welcher er in der Person\ndes Baskir seinen „Oberseneschall\", mit einem Stückchen\n„Osmin\" versetzt, bei sich hat nur dass Alles viel sinn-\nlicher und derber hergeht, als zu Boieldieu's Zeiten.\nLalla erscheint, ihr Zelt wird aufgeschlagen, der dreiste\nSänger, den sie schon einmal in den Gärten von Delhi ge-\nsehen, huldigt ihr trotz des Oberhofmeisters Baskir, zu\ndessen Entsetzen sie jenem sogar eine Blume schenkt und\nsich in ihr Zelt zurückzieht. Als vorsichtiger Frauenkenner\nnimmt er sich vor, scharfe Wache zu halten. Allein Mirza,\nvon Nureddin bestochen, eine Art Blondchen, aber ohne\nMozart'sche Melodieen, lockt ihn fernab zum See unter\ndie Bananenbäume; Lalla schöpft frische Luft, der Prinz-\nSänger lässt nicht auf sich warten. Plötzlich stören die\nHaremswächter die Liebenden, sind aber glücklicher Weise\nbetrunken, wofür Nureddin gesorgt hat! Baskir kommt\ndazu und wüthet, folgt aber dennoch dem lockenden Ge-\nsänge Mirza's wieder zum See und stellt zwei (betrunkene!)\nPosten vor das Zelt. Sie schlafen ein und schnarchen, Nu-\nreddin naht sich, Lalla öffnet den Vorhang des Zeltes, er\nknieet vor ihr nieder, sie neigt sich zu ihm und—der Vor-\nhang fällt und lässt uns in Zweifel, ob ihre letzte keusche\nHandbewegung „plus tard.'u oder was sonst Ablehnendes\nbedeutete.\nDer zweite Act wird geradezu gemein durch die Art\nder Verwicklung, welche die Ueberraschung der Lösung\nherbeiführen soll. Er spielt in Samarkand, im Sommer-\npalast des Königs. Lalla schwärmt in der Erinnerung an\ndie Nacht in Kaschmir: „Nuit d'amour, mit parfumee!\"\nund beschliesst, dem königlichen Bräutigam Alles zu ge-\nstehen. Mirza, die behauptet, von der Liebe und einem\nKranz von Rosen könne man nicht leben, vermae nichts\ndagegen; Lalla befiehlt dem Baskir, ihren Entschluss der\nbucharischen Majestät zu verkünden, sonst „würde sie\nselbst sagen, dass in jener Nacht ein Mann in ihrem Zelte\nzu ihren Füssen gelegen\"! Baskir hält es für gut, den\nSänger todt zu schlagen, aber Mirza schreckt ihn durch\ndie Aussicht auf den Galgen ab, zu dem ihn zweifelsohne\ndie Prinzessin befördern werde. Er zieht vor, mit Nured-\ndin einen Vertrag zu schliessen, um den König zu betrü-\ngen und das Einverständniss der beiden Liebenden fort-\ndauern zu lassen. Der Sänger (der König selbst!) wirft ein:\n„Mais la couronne seraitfletrie!\" importe?\"\nsagt der Andere; „Faisons cn sorte que vos amours durent\ntoujours /\"\nDie Gemeinheit dieser im Text und in der Musik sehr\nausführlich behandelten Scene wird nur dadurch noch\nübertroffen, dass die Prinzessin die ganze Unterhandlung\nmit angehört hat! Nach einer kurzen tugendhaften Ent-\nrüstung versöhnt sie sich in einem grossen Duo d'amour\nmit dem Sänger, der sich dann in die Coulisse drückt.\nWarum? Ei nun, um sich umzuziehen und als König wie-\nder zu kommen!\nDie Klippe für den Componisten war der Mangel an\neigentlich fortschreitender Handlung, da mit Ausnahme\nder zwei oder drei burlesken Episoden die Situation der\nHauptpersonen stets dieselbe ist und eben so auch ihre\nEmpfindungen und Gefühle sich immer gleich bleiben.\nDaher macht sich in der Musik eine Monotonie breit, die\nsehr nahe an Langweiligkeit streift. Man kann vor lauter\nOrient zu keinem europäischen Behagen kommen. Wenn\nes schon einem Genius wie Schumann unmöglich war, bei\neinem echt poetischen Stoffe in Paradies und Peri die Ton-\nfarbe stets auf der Höhe und in der Gluth des orientali-\nschen Colorits zu erhalten, ohne monoton zu werden, wie\nsollte das einem David bei einer so faden und undichten-\ni\nsehen Grundlage gelingen? Wo selbst das Genie nicht fort\nkann, wird das blosse Talent vollends kleben bleiben.\nWenn das Publicum sich auch dessen nicht ganz bewusst\nsein mochte, so war doch gewisser Maassen der Applaus,\nder bei den episodischen Stücken, auch bei jenem Duett,\ndas den nichtswürdigen Vertrag mit musicalischer Folie\ndeckt,-am stärksten ausbrach, eine Art von Demonstration\ngegen die langweilige Sentimentalität.\nUebrigens hat diese Empfindsamkeit bei Weitem nicht\nüberall einen in der Schönheit des Ausdrucks sich gleich\nbleibenden lyrischen Charakter; wenn einzelne Gesänge\nsehr ansprechen und ein nicht gewöhnliches melodisches\nErfindungs-Talent bekunden, so stockt dieses Talent doch\nbei längeren Stücken, besonders den zärtlichen Duetten,\noft mitten darin ganz wider Erwarten, und das frappant\nund einnehmend Begonnene endet alltäglich und trivial.\nWenn ich übrigens von „zärtlichen\" Duetten spreche, so\nmeine ich wahrlich nicht das letzte im zweiten Acte, wo die\nLiebenden nicht orientalisch dufthauchend flüstern, son-\ndern auf echt modern-französische Weise um die Wette\nschreien. Für einen Sinfonie-Componisten ist die Ouver-\ntüre ein höchst schwaches Stück; auch die beiden Finale s\nzeichnen sich durch nichts einiger Maassen Bedeutendes\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4110, "texte": "aus; wenn das erste einige hübsche Einzelheiten hat, so\nfehlt dem letzten auch diese geringe Würze; es ist nur\nKlang und Bhythmus, aber keine Musik.\nWie glücklich ist übrigens doch ein Componist, wenn\ner wie David eine „Wüste\", oder ein Dichter, wenn er\nwie Freiligrath einen „Mohrenfürsten\" geschrieben hat!\nDie kritischen Bitter wissen dann auf ewige Zeiten, was\nfür ein Pferd sie zu reiten haben! So ist denn auch hier\nviel von „cölorit orientat, „melancolie\n„poesie et reverie arabes\" u. s. w. die Bede. Bekanntlich\nnehmen die Künstler von Buf heutzutage ein einfaches Lob\nso ziemlich als eine Beleidigung auf; es muss Alles über-\nschwänglich sein. Ein Muster solch eines transcendentalen\nElogeparfume hat ein Herr Beaugenet für Lalla-Bookh-\nDavid auf den Altar der France musicale niedergelegt, das\nwir gewissen deutschen Feuilletonisten zur Nachahmung\nempfehlen: „Her zu mir, ihr Ausrufungszeichen! Herbei,\ndu flammende Schar enthusiastischer Adjective! Herbei alle\nFormen des Lobpreisens! Nie werd' ich mit allen zusam-\nmen genug erheben können, was ich heule gehört und ge-\nsehen! Das ist ein Werk! ein Ereigniss! eine Epoche!\nBei diesen Accorden von breiter, malerischer Weichheit\ndes Fleisches fühlt man sich gleich im Lande Brahma's!\nIch würde mehr von dieser Nummer sagen, aber ich darf\nnicht, um meine Munition für höhere Zwecke zu sparen.\nMslle. Cico, die Prinzessin mit ihrem Theerosen-Teint,\nidealisirt ihre Bolle, sie selbst ein poetischer Traum in\nMädchengestalt, ein Fluidum; wo hat diese ätherische\nDurchsichtigkeit Gestalt her? Duft, Stofflosigkeit, Alles ist\nnichts gegen dieses Wesen.—Tanz-Melodieen, wer nie den\nOrient gesehen, erkennt ihn darin auf der Stelle!!—Diese\nBomanze, so sprechen die Engel von Liebe; hat David sie\nbelauscht?—Auf diese vier Verse brennt David ein Feuer-\nwerk ab, so viel Wörter, so viel Baketen! Niemals ist\nDavid so wunderbar von der Poesie der Glanznächte des\nOrients begeistert worden. Alles, was unter dem Sternen-\nhimmel in jenen schönen Fluren rauscht, welche die Sonne\nliebt undderThau, hat David vernommen. Traum! Ekstase!\nVision! Es trägt uns in gränzenlose Bäume, ist es der Him-\nmel nicht, so ist es wenigstens die Erde nicht mehr, wo\nwir sind. Diese drei Noten der Clarinette sind ein banges\nAthmen der demüthigen Seele nach dem Leben der Sterne,\ndrei Perlen aus dem Schleier der Nacht, ein balsamischer\nDult, der uns liebkosend anweht!—Das Allegro des gros-\nsen Duetts ist mir nicht originel genug; ich sage es gerade\nheraus und bin froh, dass ich es sage, wenn ich mich auch\nirre, um doch einmal die Monotonie der Bewunderung zu\nunterbrechen!! Montaubry (der Tenorist) ist die Incar-\nnation der komischen Oper unter den etwas verschwim-\nmenden Zügen Endymion's!—Mslle. Cico mit dem schönen\nf\nProfil, das durch die leichte Neigung der Stirn kaum ge-\nhemmt wird, den langen, schwarzen, ein wenig verschleier-\nten Augen, ihren weissen Händen mit den flüssigen Fin-\ngern, reicht an den Zauber einer Erscheinung hinan!\"\nEi, da kann man was lernen!\nEs war kein übler Einfall der Direclion, zu David's\nOper, welche den Abend nicht füllt, die Operette, oder\nrichtiger das Singspiel {Comedie wie man\nsonst sagte) Bose und Colas von Sedain, mit Musik\nvon Monsigny, zu geben und damit eine ganz artige Zu-\nsammenstellung des Alten mit dem Neuen zu bewirken.\nDenn dieses allerliebste Singspiel wurde im Jahre 1764\nzum ersten Male gegeben und ist also 98 Jahre alt. Und\ndennoch, einige Formen von altmodischem Zuschnitt abge-\nrechnet, wie frisch und herzlich sind noch heute Monsigny's,\neines der Väter der französischen heiteren Oper, Melodieen!\nMit dem modernen Flitterwerk verglichen, tritt eine solche\nOperette wie ein junges, schönes, blühendes Mädchen im\nBococo - Coslüm auf einem Balle unter die prunkenden\nWeltdamen des Tages. Und welch eine heitere, aus dem\nLeben gegriffene Komik in dem Stück! Freilich-nehmen\nunsere heutigen Dichter die Würze ihrer Libretti auch aus\ndem Leben, aber aus welch einem! Leider war die Aus-\nführung nicht die beste; dergleichen Musik verträgt die\nSchnörkelei der neuen Verzierungssucht durchaus nicht.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-05-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "166", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.2.3", "titre_corps": "Der deutsche Sängerbund.", "titre_sommaire": "Der deutsche Sängerbund.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.4", "debut_caractere": 4112, "fin_caractere_exclue": 5152, "texte": "Der deutsche Sängerbund.\nBekanntlich war auf dem.Sängerfeste zu Nürnberg in\nder Versammlung am 23. Juli 1861 der Plan angeregt\nworden, einen allgemeinen deutschen Sängerbund zu grün-\nden. Man erkannte, dass der Aufbau am besten durch\nBildung von Sängerbünden in den einzelnen Landschaften\ngefördert werden würde, welche alsdann zu dem grossen\nGesammt-Vereine zusammentreten sollten. Die nöthigen\nVorarbeiten dazu wurden dem schwäbischen Sänger-\nbunde übertragen. Der Ausschuss desselben in Stuttgart\n(Dr. Pfaff, Dr. Elben, Prof. Faisst, J. Baur, W. Wiede-\nmann), der sich der grossen Mühwaltung mit dankens-\nwerthem Eifer unterzogen, veröffentlicht unter dem 22.\nApril d. J. seinen „Ersten Bericht über die Vorar-\nbeiten zur Gründung eines deutschen Sänger-\nbundes\", dem wir folgende interessante Notizen über die\nVerbreitung des Männergesanges in Deutschland auszugs-\nweise entnehmen.\n1. Thüringen. Sängerbund der coburg'schen Land-\nLiedertafel, 17 Vereine mit 400 Sängern. Vorort Bodach.\nDer thüringer Bund, 45 Vereine. Vorort Budolstadt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4992, "texte": "Henneberg, 26 Vereine (Schleusingen). Apolda, 4\nVereine.\n2. Main- und Lahngebiet. Die verbündeten\nfrankfurter Männer-Gesangvereine, 15 mit etwa 550 Sän-\ngern. b)Der Rhein-Main-Sängerbund, 14 Vereine mit\n400 Sängern, von Rüdesheim bis Frankfurt. Vorort Id-\nstein. e) Der Mainthal-Sängerbund, 27 Vereine von Aschaf-\nfenburg und Darmstadt bis Friedberg und Hanau, mit\netwa 1000 Sängern. Vorort Ottenbach. Der deutsche\nSängerbund, mit Vereinen aus beiden Hessen, Nassau, auch\nWetzlar. Vorort Giessen. e)Der odenwälder Sängerbund\nin der hessischen Provinz Starkenburg, 13 Vereine, etwa\n400 Sänger.\n3. Baierische Pfalz. Der pfälzische Sängerbund\nzählt in 45 Vereinen etwa 1350 Sänger. Vorort Speyer.\n4. Nahe- und Moselgebiet. Der Nahe-Sänger-\nbund, in 23 Vereinen 500 Sänger. Die vielen Vereine im\nMoselgebiet werden von der Liedertafel zu Coblenz zu\neinem Bunde aufgefordert, von Trier zu einem Mosel-Saar-\nNahe-Sängerbunde.\n5. Niedersachsen. Der Bund der vereinigten nord-\ndeutschen Liedertafeln zählt 31 Vereine mit nahezu 1000\nSängern aus dem Landstrich zwischen Ems und Elbe\n(hannover'sche, braunschweigische, preussische, lippe'sche,\nwaldeck'sche, oldenburgische, westfälische und bremische\nLiedertafeln). Der Vorort wechselt (1862 Hannover).\n6. Sehl eswig-Holstein. Lübeck. Hamburg. Der\nnorddeutsche Sängerbund (Lübeck Vorort) gewinnt jetzt\nneues Leben; auch die hamhurger (Schäffer'sche) Lieder-\ntafel schliesst sich demselben an. Ein holsteinischer Sänger-\nbund ist eingeleitet. Was vom deutschen Gesänge im Her-\nzogthum Schleswig verlautet, ist ein neuer Beitrag zu der\nLeidensgeschichte unserer deutschen Brüder jenseit der\nEider. In mehreren Städten Schleswigs bestehen Gesang-\nVereine; was man ihnen gestattet, ist, dass sie unpolitische\nLieder singen. An ein Zusammenwirken verschiedener Ge-\nsellschaften ist nicht zu denken. Alle stehen sie unter dä-\nnischer Policei-Aufsicht.\n7. Mecklenburg. Der mecklenburgische Sängerbund\nzählt 15 Vereine mit etwa 400 Sängern; die Geschäfts-\nleitung führt jedesmal der Verein, der das Bundesfest hält\n(Rostock 1862).\n8. Preussisch Sachsen. 1) In der Provinz Sachsen\nwurde 1846 auf Anregung des Dom-Organisten Ritter zu\nMerseburg der Sängerbund an der Saale gestiftet mit\nwechselndem Vorort (jetzt bis 1864 Halle) und ungefähr\n250 Sängern. 2) Vereinigte Männer-Gesangvereine Magde-\nburgs. Es sind 14 Vereine mit etwa 500 Sängern.\n9. Sachsen. 1) Der allgemeine dresdener Sänger-\nverein umfasst 6 Vereine und gegen 400 Mitglieder. 2)\nIn Leipzig besteht eine Vereinigung von etwa 20 kleine-\nren Vereinen, der Zöllner-Bund, von dem verstorbenen\nKarl Zöllner gestiftet, jetzt von dem Universitäts-Musik-\nDirector Langer geleitet. 3) Der erzgebirgische Sänger-\nbund, 40 Gesangvereine (Vorort Meerane). 4) In Plauen\nBildung eines voigtländischen Sängerbundes. 5) In Bautzen\nGründung eines oberlausitzer Sängerbundes.\n10. Brandenburg und Pommern. 1) Der mär-\nkische Sängerbund umfasst 50 Vereine mit 1000 Mitglie-\ndern. 2) Der märkische Centrai-Sängerbund besteht aus\nzwei Abtheilungen, Berlin und die Provinz, mit 44 Ver-\neinen und 1362 Mitgliedern. Vorort ist Berlin. 3) Die\nstettiner Liedertafel bildet einen pommer'schen Sänger-\nbund.\n11. Preussen und Posen. In Preussen wurden\nProvincial-Sängerfeste seit 1847 gefeiert. Sängerfest in\nElbing zu Ende des Juli 1862. Der Deutsche Provincial-\nSängerbund zu Bromberg enthält 9 Vereine mit 230\nSängern.\n12. Böhmen. Der deutsche Gesang leidet sehr unter\nden widerwärtigen nationalen und Sprach-Differenzen.\n13. Oesterreich. Der Männer-Gesangverein in Wien\nwird auf die Bildung eines Sängerbundes in Unteröster-\nreich hinwirken, wo jetzt 45 Gesangvereine bestehen.\n14. Baiern. Der baierische Sängerbund umfasst 60\nVereine mit nahezu 1000 Sängern. (Straubing,Freisingen.)\n15. Baden. Die Vereinigung der verbündeten badi-\nschen Männer-Gesangvereine umfasst etwa 100 Vereine\nmit 2000 Mitgliedern. (Vorort Karlsruhe.)\n16. Schwaben. Der schwäbische Sängerbund zählt\n344 Vereine mit etwa 6800 Sängern und umfasst ausser\nden Liederkränzen Würtembergs die hohenzollern'schen,\nferner mehrere badische, baierische Vereine und einige\nhauptsächlich schwäbische Mitglieder zählende deutsche\nSängervereine im Auslande. (Vorort Stuttgart.)\nIn den verschiedensten Mittheilungen wiederholen sich\ndieselben Wünsche: durch ein inniges Zusammengehen\nder deutschen Sänger auch in unserem Theile den Beweis\nzu liefern für die Zusammengehörigkeit und Einigkeit der\ndeutschen Stämme und mitzuhelfen an dem Baue deut-\nscher Einigung. Harmonisch stimmen in diesen Chor der\nNorden und Süden, der Osten und Westen ein.\nDie grosse Zahl der jetzt eben in Bildung begriffenen\nSängerbünde verdankt ihr Entstehen gerade dem Drange\nnach Sammlung; sie werden laut den Mittheilungen aus-\ndrücklich in der Absicht gegründet, um dem grossen Bunde\naller deutschen Sänger beizutreten.\nFür eine Vereinbarung der deutschen Sänger, für pe-\nriodisch wiederkehrende allgemeine deutsche Sängerfeste\nhaben sich alle erklärt. Die Einsetzung eines deutschen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1189, "texte": "Sänger-Ausschusses zur Wahrung der gemeinsamen\nInteressen, insbesondere auch zur Anberaumung der all-\ngemeinen deutschen Sängerfeste wird von beinahe allen\ngewünscht. Alle sind damit einverstanden, dass wir einen\nSängertag der deutschen Sängerbünde zur Beratbung\ndieser Angelegenheit einberufen.\nDen Sängertag beraumen wir auf Sonntag den 21.\nSeptember 1862 in Coburg an und laden in Ueberein-\nslimmung mit dem coburger Sängerkranz die Vertreter\nder deutschen Sängerbünde dahin ein. Ist in Nürnberg\nder Beschlues, der uns zusammenführen wird, gefasst\nworden; hat man dem schwäbischen Sängerbunde die Vor-\narbeiten übertragen, so ist es nur billig, dass wir Süd-\ndeutschen auch räumlich unseren norddeutschen\nBrüdern entgegenkommen.\nWenn die bisherige Ausführung ein erfreuliches reges\nLeben der deutschen Sängerwelt nachgewiesen hat, so feh-\nlen doch, wie wir uns nicht verhehlen dürfen, zu einem\ndeutschen Sängerbunde manche schwer zu vermissende\nGlieder: einzelne Landschaften sind nicht vertreten, manche\nalt bewährte und bedeutende Vereine haben sich noch\nnicht eingereiht. Wir hoffen, das Bekanntwerden der bis-\nherigen Erfolge werde ferner anregend wirken.\nStuttgart, 22. April 1862."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-05-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "166", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.2.4", "titre_corps": "Aus Oldenburg.", "titre_sommaire": "Aus Oldenburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.6", "debut_caractere": 1191, "fin_caractere_exclue": 4967, "texte": "Aus Oldenburg.\nDen 17. Mai 1862.\nIn den weiteren Concerten der Hofcapelle wurden auf-\ngeführt: Serenade in D-durvon Johannes Brahms, Con-\ncert in G-durfür Pianoforte von Beethoven und chroma-\ntische Phantasie von J. S. Bach, für\nVioline und Viola von Mozart und Ouvertüre zu Oberon,\nConcert-Ouverture von J. Rietz, Gesangs-Vorträge des\nHerrn Behr aus Bremen, Concertino von Spohr auf der\nFlöte und die Sinfonie in F-durvon Beethoven. Die Sere-\nnade von Brahms, zum ersten Male gegeben, erregte bei\nganz vortrefflicher Ausführung wahre Begeisterung, die\nsich am Schlüsse in dem Hervorruf des anwesenden Com-\nponisten äusserte, was hier bislang noch nicht vorgekom-\nmen war. Einen gleich lebhaften Beifall ärntete Herr\nBrahms auch für den Vortrag des Concertes von Beelho-\nven und der chromatischen Phantasie. Die Leistungen des\nHerrn Behr, welcher uns zum zweiten Male besuchte, fan-\nden durch ihre Gediegenheit die grösste Theilnahme, be-\nsonders in einem Duett aus der „Schöpfung\", von Frau\nCath. Engel aufs beste unterstützt, und in Blondel's Lied\nvon Schumann und Normanns-Gesang von Schubert. Die\nübrigen Vorträge waren alle sehr befriedigend, und be-\n-9\nwährte das Orchester seine gemachten Fortschritte. Die\nSinfonie concertante wurde von den Herren Schärnack\nund Schmidt 11., das Concertino von Herrn Syvarth\nsehr brav ausgeführt.\nAm 4. April fand die Aufführung des Weihnachts-\nOratoriums von Bach vor einem sehr zahlreichen Publicum\nStatt. Durch Streichung verschiedener Soli war es möglich\ngeworden, das ganze Werk an Einem Abend zu bringen,\nohne dass etwas Wesentliches weggeblieben oder der Zu-\nsammenhang gestört wäre. Es machte allgemein einen tie-\nfen Eindruck, und verdient Herr Capellmeister Dietrich\nsowohl für das vortreffliche Arrangement, wie für die für\nunsere Kräfte wirklich ausgezeichnete Ausführung die leb-\nhafteste Anerkennung, wie denn überhaupt seine grosse\nRegsamkeit in Benutzung der zum Theil noch wenig ge-\nübten Mittel neben seinen Leistungen als Dirigent und als\nClavierspieler anerkannt werden muss. Als Ciavierspieler\nwirkt er, obgleich er nicht für einen Virtuosen gehalten\nsein will, sehr zur Verschönerung der Soireen für Kam-\nmermusik mit, indem er es möglich macht, dass wir auch\ndie Werke mit Ciavier in vorzüglicher Ausführung kennen\nlernen können. In den vier noch nicht erwähnten Soireen\nwurden vorgetragen: ein Quartett von Haydn, das Clari-\nrinetten-Quintett in A-dur und Ariette variee „Ein Weib\nist das herrlichste Ding\" von Mozart, die Quartette Nr. 3\nund 11 und die Sonate in A mit Violoncello von Beetho-\nven, das Quintett und Sonate in D-moll mit Violine von\nSchumann, ein Quartett in C-dur von A. Dietrich und ein\nTrio in A-mollvon L. Meinardus, die beiden letzten Werke\naus dem Manuscript. Die Schumann'sche Musik fängt an,\nsich hier auch in dieser Richtung Bahn zu brechen, was\nbei solchen Werken auch nicht zu verwundern ist. Das\nQuartett unseres Capellmeisters erfreute sich eines sehr\nlebhaften Beifalls, den es sowohl durch seine Formvollen-\ndung wie durch seinen bedeutenden poetischen Gehalt in\nhohem Grade verdient. Auch das Trio von Meinardus, ein\nfrisches, wohl abgerundetes, poetisches Werk, fand die\nfreundlichste Aufnahme.\nIn einem Orgel-Concerte des Herrn Organisten Rothe\nhörten wir das Ave Maria von J. Brahms, und haben nicht\nbegreifen können, wie dasselbe nicht überall angesprochen\nhat, da es hier trotz einer nur ungenügenden Ausführung\ntiefen Eindruck gemacht hat. Eine nochmalige Auffüh-\nrung der Serenade von Brahms in einem Wohithätigkeits-\nConcerte wurde durch Erkrankung der Oboisten verhin-\ndert und statt ihrer die Sinfonie in Es von Mozart gege-\nben ; ausserdem brachte dieses Concert die Ruy-Blas-\nOuverture, ein Concert von Lipinski, von Herrn Ad. Kroll-\nmann gespielt, und einige Lieder."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-24_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-05-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "167", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.2.5", "titre_corps": "Zu Beethoven’s Brief in Nr. 16.", "titre_sommaire": "Zu Beethoven’s Brief in Nr. 16.", "signature_source": "A. 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Ich zählte sie-\nbenzehn Jahre und war im letzten Cursus des Gymnasiums.\nVon Olmütz ging Rode nach Wien, wo er öfter mit Beet-\nhoven zusammen kam. Darauf concertirte er in Pesth und\nspäter in Grätz. Das in dem Briefe an Warena berührte\nConcert in Grätz, sicherlich ein so genanntes Wohlthätig-\nkeils-Concert, ward vom Frauen-Verein („Frauen-Con-\nvent\") gegeben, in welchem Beethoven einige der Convents-\nMitglieder sehr wohl gekannt hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-24-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-24_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-05-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "168", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.7", "debut_caractere": 1009, "fin_caractere_exclue": 6641, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer rheinische Yiolin-Virtuose Johann Becker hat von dem\nKaiser von Russland einen prachtvollen, reich mit Diamanten be-\nsetzten Ring erhalten.\nAus Berlin schreibt man über das fortgesetzte Gastspiel der\nFrau Deetz: „In der Aufführung von Figaro's Hochzeit setzte Frau\nDeetz ihr Gastspiel als Susanne fort. In den Ensemble-Sätzen der\nersten Acte, in dem grossen Finale, in der G-dur-Kriz hatttn wir\nvielfache Gelegenheit, uns an dem lebendigen Spiel und der anmu-\nthigen Stimme der Sängerin zu erfreuen, und wurden durch eine\nReihe von Vorzügen in den Stand gesetzt, über manche Mängel hin-\nwegzusehen, Mängel, die meist in der für diese Partie nicht ausrei-\nchenden Höhe ihren Grund hatten. Trotz dieser Mängel gab sich in\ndem, was Frau Deetz in den ersten Acten leistete, eine entschiedene\nSelbstständigkeit der dramatischen und musicalischen Auffassung und\nein feines künstlerisches Anstandsgefühl zu erkennen. Weniger ge-\nnügte das Brief-Duett, das der Sängerin entschieden zu hoch lag,\nnoch weniger die Garten-Arie. Es würde uns unbegreiflich sein, wie\neine so verständige Sängerin dieselbe so zu verfehlen vermag, wenn\nwir nicht annehmen müssten, dass das unselige Streben, eine mög-\nlichst auffallende Wirkung mit einem Musikstücke zu erreichen, selbst\nden Einsichtigsten zu- verblenden vermag. Der schleppende Vortrag\ndes Recitativs, das beständige Forciren der Stimme in einem der\nduftigsten Tonstücke, das je aus der Phantasie eines Componisten\nhervorgegangen, das Uebertreiben der Bruststimme namentlich, die\nVerwechslung langer mit kurzen Vorschlägen, die ungeschickte Text-\nUnterlage bei der zum hohen A hinaufsteigenden Stelle, die zwar in\nunseren Clavier-Auszügen steht, von allen Theatersängerinnen aber\nlängst beseitigt ist das war eine Reihe von Fehlern, die einen\ndurchgreifenden Erfolg bei Kennern und Nichtkennern unmöglich\nmachte. Wir zweifeln übrigens nicht, dass Frau Deetz bei einiger\nBesinnung auf das, was Mozart mit dieser Arie gewollt hat, Besse-\nres darin leisten wird. Den Glanzpunkt der Darstellung bildeten\nFräulein Lucca (Cherubim), die ihre Romanze auf das Begehren\ndes Publicums da capo sang, und Herr Krause (Figaro), der nach\nder Horn-Arie gerufen wurde. G. E.\nDie Kölnische Zeitung enthält folgende Notiz aus Berlin vom\n20. Mai: Frau Marie Deetz vom Hoftheater zu Wiesbaden, deren\nausgezeichnete Leistung als Clytia in der neuen Oper „Die Kata-\nkomben'* von Ferd. Hiller Ihr Blatt unlängst gewürdigt hat, ist nach\nBeginn eines noch nicht vollendeten Gastrollen-Cyklus für die kö-\nnigliche Oper engagirt worden. Sie ist bisher als Marie in „Czaar\nund Zimmermann\", Zerline im „Don Juan\" und Susanne in „Figa-\nro's Hochzeit\" mit grossem Beifall aufgetreten und in der musicali-\nschen sowohl als dramatischen Durchführung aller dieser Partieen\nvon der Kritik der namhaftesten hiesigen Blätter einhellig als her-\nvorragendes Talent hinsichtlich ihrer trefflich geschulten Stimme wie\nihrer sinnigen und geistreichen Darstellung anerkannt worden. Am\n21. d. Mts. wird sie ihr Gastspiel als Agathe im „Freischütz\" been-\nden und im Herbste, wo sie in die feste Stellung eintritt, zunächst\ndas ihrer künstlerischen Persönlichkeit ganz besonders entsprechende\nGretchen in Gounod's „Faust\" vorführen, den man zu diesem Zwecke\nhier einstudirt.\n!Si*ailli&cltwelg« Die Sinfonie-Concerte der herzoglichen\nHofcapelle unter Direction des Capellmeisters Abt, deren Ertrag\nzum Besten der Witwen- und Waisencasse der Capelle bestimmt ist,\nfanden mit dem vierten Concerte am 13. d. Mts. ihren Beschluss.\nEs brachte Beethoven's Pastoral-Sinfonie und die „Lorelei\"3\nGedicht von Wolfg. Müller, Musik von F. Hill er für Soli, Chor\nund Orchester. Fräulein Eggeling führte die Partie der Lorelei\nvortrefflich aus, und die schöne Composition wurde vom Publicum\nmit ausserordentlichem Beifall aufgenommen.\nJulius Stockhausen ist als Solist zu dem mittelrheinischen\nMusikfeste in Darmstadt engagirt.\nFür das Marschner-Denkmal, dessen Fonds allmählich heran-\nwächst, hat Meyerbeer dem Vorsitzenden des Comite's, Grafen Ben-\nnigsen, 25 Thaler eingesandt „als kleinen Beitrag für den edlen\nZweck, dem hochverdienten Tonmeister ein dauerndes Zeichen der\nAnerkennung seiner Zeitgenossen zu gründen.\"\n&ei*a, 10. April. (Durch Zufall verspätet.) Das gestrige Con-\ncert des hiesigen musicalischen Vereins bildete die Aufführung des\nMendelssohn'sehen Oratoriums „Paulus\". Die Solo-Partieen des Wer-\nkes waren, ausser von mehreren einheimischen Kräften, durch die\nHerren Sabbat h aus Berlin und Wiedemann aus Leipzig ver-\ntreten. Beide leisteten Vorzügliches. Insbesondere brachte Herr Sab-\nbatli die herrliche Partie des Paulus zu voller künstlerischer Gel-\ntung. Aber auch Herr Wiedemann blieb wenigstens in einigen Num-\nmern an verständnissvollem, innigem Vortrage hinter dem Ersteren\nkaum noch zurück. Die Chöre waren mit Fleiss eingeübt und gin-\ngen zum grösseren Theile auch recht glücklich von Statten. Der\nGesainmt-Eindruck der Aufführung war ein durchaus erhebender, und\ndem Vereine wie dessen Director Herrn Tschirch gebührt der\nlebhafteste Dank für einen so vorzüglichen Genuss.\nIn Karlsruhe kam am 21. April die Operette: „Die Schlitten-\nfahrt von Nowgorod\", Text von Auffenberg, Musik vom Hof-Capell-\nmeister Joseph Strauss, zur ersten Aufführung und gefiel.\nDas Stadttheater in Hamburg wird dieses Jahr vom 1. Juni\nbis 31. August geschlossen.\nDas Grab-Monumcnt Staudigl's wurde am 23. April\nNachmittags auf dem Matzleinsdorfer Friedhofe trotz der höchst un-\ngünstigen Witterung in feierlicher Weise enthüllt. Das Monument,\nvon Pilz in Stein gehauen, stellt den verewigten Sänger in lebens-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4799, "texte": "Grosser, hoch aufgerichteter Statur, mit einem Lorberkranze in der\neinen und einer Lyra in der anderen Hand dar. Das Haupt, von\nwallendem Lockenhaar umflossen, scheint einer Melodie nachzusin-\nnen. Der eine Fuss steht auf einem grossen Notenhefte. Die ganze,\nedel gehaltene Gestalt ist von einem gefalteten Mantel umhüllt, der\nnur Kopf, Brust, Hände und Füsse frei lässt. . (Presse.)\nDem Capellmeister des k. k. Linien-Infanterie-Regiments Nr. 30\nzu Josephstadt in Böhmen, Johann Hopf, wurde ein k. k. Privi-\nlegium verliehen auf die Erfindung eines das Violoncell ersetzenden\nStreich-Instrumentes, „Tenor-Geige\" genannt.\nBasel» Der Gesangverein unter Direction des Herrn Reiter\nbrachte neulich ausser verschiedenen A-Capella-Chören von Pale-\nstrina, Lotti, Haydn u. s. w. die Bach'sche Cantate: „Gottes Zeit\",\nin sehr anerkennenswerther Weise zur Aufführung; dessgleichen der\nOrpheus-Verein unter Herrn Aug. Walter's Leitung die grossartige\nChor-Cantate von Bach: „Christ lag in Todesbanden\" ; ferner das\nachtstimmige Misericordias von Durante, den dreistimmigen Frauen-\nchor aus Blanche de Provence von Cherubini, Romanzen für Chor\nvon Schumann („Der Sänger\" und „Sommerlied\", und wurde beson-\nders letzteres sehr schwungvoll und fein nuancirt vorgetragen),\nschliesslich noch eine Auswahl der schottischen und irischen Lieder\nvon Beethoven. Am 23. d. Mts. führt der Gesangverein den\n..Elias\" auf, und werden dabei Herr Stockhausen und Fräulein\nGenast mitwirken.\n* Ilraissel« Der belgische Componist Etienne Soubre,\nvon dessen talentvollen ernsten Compositionen (z. B. einem Requiem)\nin Ihrer Zeitung öfter die Rede gewesen, ist zum Director des Con-\nservatoriums in Lüttich ernannt worden. Er ist aus Lüttich gebür-\ntig. Sie haben schon neulich den merkwürdigen Beschluss der\nhiesigen Akademie erwähnt, die belgische Orchesterstimmung als\neine isolirte festzusetzen; man hat in der That die Absicht, die\nStimmung nur zu fixiren, nicht aber herabzusetzen. Es hat\nsich aber in der öffentlichen Meinung der Musiker ein Sturm dage-\ngen erhoben, namentlich sind die Theater-Directionen und Opern-\nDirigenten dagegen, mit Recht, zumal da unsere Oper ja doch nur\nein Abklatsch der pariser Oper ist. Mademoiselle Sax aus Paris\ngastirt hier mit grossem Beifall (Valentine Rachel in der Jüdin\nu. s. w.)\nDie Stadt Lille in Frankreich veranstaltet an dem Stadtfeste\nvon 1862 einen Wettstreit von Männergesang und von mili-\ntärischer Harmoniemusik, ersteren am 29. Juni. Alle Vereine ohne\nUnterschied der Nationalität werden zugelassen. Der erste Preis be-\nsteht in einer goldenen Medaille von 300 Frcs. Werth und einer\nEntschädigung von 1500 Frcs.; der zweite in einer goldenen Medaille\nvon 200 und Entschädigung von 800 Frcs. Ausserdem wird dem\nersten Preise eine Ehren-Medaille, deren drei für den Wettstreit von\ndem Kaiser Napoleon 111. bestimmt sind, hinzugefügt. Die Jury wird\naus französischen und fremden Künstlern bestehen, und zwar so,\ndass die französischen Preisrichter den Gesang der fremden Vereine,\ndie fremden Richter den Gesang der französischen Vereine beurthei-\nlen sollen. Von deutschen Tonkünstlern sind die Herren Ferd.\nHiller und Franz Weber aus Köln eingeladen worden, das Rich-\nteramt zu übernehmen.\nParis». „Chants religieux d) Israel Lovyu. Unter diesem Titel\nwird die Herausgabe des musicalischen Nachlasses des vor dreissig\nJahren gestorbenen Israel Lovy, Ministre officiant im Tempel der\nisraelitischen Gemeinde hierselbst, angekündigt. Der grösste Theil\ndieser Gesänge ist auf hebräische Texte componirt und zum Ge-\nbrauch beim Cultus eingerichtet; allein abgesehen davon dürfte das\nWerk auch für jeden Musiker und Freund religiöser Gesänge von\nInteresse sein, da, wie uns von competenter Seite versichert wird,\nLovy's Compositionen einen sehr charakteristischen und erhebenden\nGeist athmen sollen. Sie kommen in einem starken Bande in 4to\nheraus. Preis 18 Francs, Man unterzeichnet Baris, au M6nestrel 2\nbis Rue Vivienne.\n** Paris. Frau Schumann ist Anfang dieses Monats über\nBrüssel nach Deutschland zurückgereist. Stockhaußen war\neine Zeitlang hier und hat im letzten Conservatoire-Concerte eine\nArie aus „Julius Cäsar\" von Händel mit grossem Beifall gesungen.\nDie Gesellschaft der Bouffes Parisiens wird unter ihrem jetzigen\nDirector Varney ihre grosse Reise nach Deutschland antreten. Ende\nJuli werden sie über Köln („Orpheus in der Unterwelt\" können sie\nhier noch einige und sechszig Mal geben, da die deutsche Gesell-\nschaft des Herrn L'Arronge es bis zu 68 oder noch mehr Auffüh-\nrungen gebracht hat!) nach Belgien gehen und erst Anfang October\nwieder nach Paris kommen.\nUeber Thalbergs Wiedererscheinen und das aussergewöhnliche\nZuströmen des Publicums zu seinen Concerten (Einnahme des letz-\nten in dem durchaus nicht grossen Salon Erard: 3580 irancs) näch-\nstens mehr."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Neue Opern: La Chatte merveilleuse von Grisar La Fille d'Egypte von Jul. Beer Lalla Rookh\nvon Felicien David Mendelssohn's „Elias\" Thalberg Concerte). Der deutsche Sängerbund. Aus Oldenburg (Concerte\nWeihnachts-Oratorium). Zu Beethoven's Brief in Nr. 16. Tages- und Unterhaltungsblatt (Johann Becker Berlin, Gastspiel\nder Frau Deetz Braunschweig, Sinfonie-Concert J. Stockhausen Marschner-Denkmal Gera, Concert Wien Basel).\n\nPariser Briefe.\n[Neue Opern: La Chatte merveilleuse von Grisar. La Fille\nd'Egijpte von Jul. Beer. Lalla Rookh von Felicien David.\nMendelssohn1 s „Elias\". Thalberg Concerte.]\nDas Theätre lyriquebrachte am 18. März eine neue\nOper von Albert Grisar, dieses Mal eine wirklich neue,\ndenn „Der Juwelier von St. James\" im Februar war nur\nein aufgewärmtes Gericht, das auch nicht oft aufgetischt\nworden ist und jetzt bereits gar nicht mehr auf die Tafel\nkommt.\nDie „Wunderkatze\" wird sich allem Anschein nach\nlänger halten. Wenigstens ist es doch einmal wieder eine\nwirklich komische Oper, bei der man lachen kann, und\nderen Musik abgesehen von den fabelhaften Vocalisatio-\nnen oder Coloratur-Etuden in der Haupt-Partie 7 nicht\nauf den Stelzen der ernsten Oper einherstapelt, wie die\nmeisten sogenannt komischen Opern der letzten Jahre, die\ndenn auch natürlich eben desshalb sehr bald einen Fall\nthaten und nicht wieder aufstehen konnten. Das Buch ist\neine Mixtur aus den alten Märchen vom gestiefelten Kater\nund von der verwandelten Katze, ein Feenmärchen, basirt\nauf die Wahlverwandtschaft zwischen Frauen- und Katzen-\nnatur und die Neigung der Männer zu beiden.\nEin Müller hinterlässt seinen drei Söhnen eine Mühle,\neinen Esel und eine Katze. Der Erbe der Mühle spielt so\ngut wie keine Rolle in dem Stück; Babolin, der Besitzer\ndes Esels, sorgt für komische Episoden; Urbain aber, der\nsich mit seinem geliebten Kätzchen aus freier Wahl be-\ngnügt, ist der Held der Komödie. „Acb, war' es doch ein\nMädchen!\" seufzt er. Die Perlenfee gibt „Felinen\" ihre\nwahre reizende Mädchengestalt zurück und einen grünen\nZweig als Talisman. Mit diesem macht sie ihren Herrn aus\nDankbarkeit für seine Katzen-Anhänglichkeit zum Millio-\nnen reichen Marquis. Der König, eine höchst ergötzliche\nkomische Figur, jagt in der Gegend und sucht\neinen Gemahl für seine Tochter. Er durchstreift das Land\ndoch nein! er bleibt ruhig stehen, aber der Maschinist\n(oder eigentlich die Fee) führt ein wandelndes Panorama\nvon Schlössern, Wäldern, Wiesen, Parks vor seinen Augen\nvorüber, und auf jede Frage, wem das und wieder das\ngehöre, antwortet das Landvolk, von der Fee gestempelt:\n„Dem Marquis von Carabas\".\nDem Könige, der entweder ein Reich im Monde, oder\nauf Erden eine sehr magere Civilliste hat, behagt das, und\ner wählt den Marquis zum Schwiegersohne. Feline, die\nals Page Urbain's erscheint, stellt diesen als den steinrei-\nchen Marquis vor, und die Sache macht sich. Urbain, im\nUebermaass des Glücks, umarmt und küsst seinen Pagen,\naber 0 weh! mit diesem Kuss senkt sich die Liebe in\ndas Herz Felinens, mit ihr die Eifersucht und am Ende\nder Entschluss, die ganze Herrlichkeit, die ihr Talisman\naufgebaut, mit diesem wieder zu zerstören. Der grüne\nZweig verdorrt und aller Zauber verschwindet.\nMan kann sich die Wuth Seiner Majestät denken. Er\nbefiehlt, den Urbain an den nächsten Baum aufzuknüpfen.\nBei diesem Worte siegt in Felinens Herzen die Liebe über\ndie Rache, sie klagt sich selbst der trügerischen List an\nund will sich für Urbain hängen lassen. Da grünt auf ein-\nmal der Zweig von Neuem in ihrer Hand, der Wald theilt\nsich, und man sieht das prächtige Schloss Carabas. Der\nKönig und sein Schatzmeister, dessen Beutel sich wie-\nder mit Golde füllen, sind zufrieden gestellt, und die Ver-\nmählung soll vor sich gehen.\nAber im Hintergrunde lauert ein alter Währwolf, der\nseit drei Tausend Jahren die Perlenfee liebt, ohne erhört\nzu werden, und jetzt in den Leib des Kanzlers des Königs\ngefahren ist. Aus Rache verräth er der Prinzessin das Ge-\nschlecht Felinens, und sie jagt den vermeinten Pagen fort.\nFeline bittet in ihrem Unglück die Fee, sie wieder in eine\nKatze zu verwandeln. Das bricht Urbain das Herz; es wird\nklar in seiner Seele, er hat nie eine Andere als Felinen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.2", "texte": "geliebt, er verwünscht Pracht und Reichthum und den\nganzen Hof, wenn er nur sie besitze und zu seiner heimat-\nlichen Flur zurückkehren könne! Rrrr! Vervvan dlung,\nHeimat, Glück. Ob Feline sich als Frau vielleicht dann\nund wann wieder in ein Schmeichelkätzchen oder zuweilen\nin ein knurrendes Tigerlein verwandelt habe, erfahren wir\nnicht. Jedenfalls ist die Moral des Märchens klar.\nW er noch so weit zurück, oder wenn man lieber will,\nnoch so unbefangen und unblasirt ist, aufrichtig lachen zu\nkönnen über harmlose Naivetäten, der wird sich bei die-\nsem Wunderkätzchen, dessen Schicksale drei Acte und\neinen vollen Abend füllen, auf ganz artige Weise ergötzen.\nDas hat denn auch das Publicum in vollem Maasse gethan\nund thut es noch bei jeder Vorstellung, d. h. alle Wochen\nvier bis fünf Mal. Denn die Musik ist grösstentheils recht\nhübsch, und ausser den übertrieben schwierigen Vocal-\nKunststücken, die man mit in den Kauf nehmen muss, weil\ndie Partie der Feline für Madame Gabel geschrieben ist\nwomit Alles gesagt ist —, gewinnt die Musik durch\nRückkehr zum Einfach-Melodischen und zum Klaren und\nDurchsichtigen anstatt des Verworrenen und Lärmenden.\nDas eigentliche Talent Grisar's weist ihn offenbar auf das\nleichte, melodische und geistreiche Genre hin und auf den\nAusdruck des Komischen durch dieses Genre, während\nihm das Ernste oder gar Schauerliche und Melodramati-\nsche gar nicht gelingt. Zu jenem Talente gesellt sich dann\neine grosse Gewandtheit in Benutzung der Formen und\nder Manier der besten Componisten der älteren französi-\nschen Schule der komischen Oper, und dem Kenner dieser\nSchule wird es nicht entgehen, dass er auch bei seiner\nneuen Arbeit eine reiche Aehrenlese auf dem Felde des\nvorigen Jahrhunderts gehalten hat. Ich glaube nicht, dass\nman ihm das zum Vorwurf machen soll, zumal, da er doch\nim Ganzen genommen mehr die Form und den Charakter,\nals die Melodieen jener Schule nachahmte. Könnte er sich\nentschliessen, in dieser Weise die Einheit des Genre's\nfestzuhalten, die freilich durch die extrem-moderne Bra-\nvour einzelner Nummern zerrissen wird, so dürfte aus sol-\nchem Streben eine wohlthätige Läuterung der gegenwär-\ntigen komischen Oper der Franzosen hervorgehen.\nDas Lob, das der Musik gespendet wird, gebührt in-\ndess in vollem Maasse nur dem zweiten Acte, der so-\nwohl in den Einzelgesängen als im Finale ganz vorzügli-\nches musicalisches Leben hat. Der erste Act ist nüchterner,\nund der dritte, mehr sentimental als die anderen, lässt sich\nzwar ganz gut anhören, hat aber nichts Hervorstechendes.\nAm Schlüsse wurden sämmtliche Darsteller gerufen.\nAuch die Kritik ist fast ganz einig über die Vorzüge\nder Musik. Was ich oben von der Nachahmung des ein-\nfachem Stils der älteren Componisten bemerkt habe, be-\nstätigt sich durch die Aeusserungen eines hiesigen Blattes,\nwelches in spasshafter Naivetät ein aufrichtiges Lob spen-\ndet, von welchem, wenn man die füllenden Redensarten\nherausnimmt, folgendes Fachwerk übrig bleibt:\n„Die Oper ist ein Werk ersten Ranges, ein Phäno-\nmen u. s. w. Act 1. Duo man sollte es für ein Blatt\nvon Händel halten, Terzett, gerade wie von Cima-\nrosa.—Act 2. Ein schöner Jägerchor, in VVeber's Stil.\nEin hübsches Quartett, man sollte glauben, es sei aus\neiner Partitur von Monsigny herausgeschnitten. Die\nCouplets u. s. w. ganz im Stile der Alten. Act 3. Eine\nländliche Scene, nach der Compositionsweise Gretry's\nbehandelt. Ein Duett, in Mozart's Manier.\"\nDie zweite Neuigkeit: La komische\nOper in zwei Acten, Musik von Jul. Beer, zum ersten\nMale aufgeführt den 23. April im\neben erwähnt werden. Herr Jul. Beer ist ein Sohn des\nehemaligen Commercienrathes Wilh. Beer (Bruders des\nComponisten) in Berlin, der als Astronom durch seine wis-\nsenschaftlichen Studien über den Mond und die daraus\nhervorgegangenen Schriften einen Ruf in der gelehrten\nWelt hat. Jakob Mayer Beer ist mithin sein rechter Oheim.\nDie genannte Oper ist nicht sein erster musicalisch-drama-\ntischer Versuch, es sind eine oder zwei Operetten von ihm\nin den Bädern am Rheine gegeben worden. Die\nd'Egypte ist nichts Anderes als eine Zigeunerin, die in\nSpanien unter einer Bande von Schmugglern ihre tollen\nStreiche übt, ein Engel von aussen und ein Teufel von\ninnen u. s. w. u. s. w. Man kann nicht leicht einen unsin-\nnigeren Wirrwarr auf das Theater bringen, als dieses Li-\nbretto bietet. Es mag denn auch die hauptsächlichste Schuld\ntragen, dass die Meinung der Blätter, dass „die Musik die\nMängel des Buches verdecke und die Handlung veredle\"\ndass „sich das edle Blut der Beer nicht verläugne\"\nund was dergleichen Dinge mehr sind, nicht die öffentliche\nMeinung ist, denn die Oper ist, so viel ich weiss, nur noch\nein oder zwei Mal gegeben worden. An Talent und an\nEormgewandtheit soll es übrigens Herrn Beer keineswegs\nfehlen, wie mir von Musikern versichert wird, denn ich\nselbst habe die Oper nicht gehört.\nDoch eilen wir uns, um von Spanien nach dem Lande\ndes Morgens, der Rosen, der Liebe, mit Einem Worte:\nnach Kaschmir zu kommen, wohin uns der Sänger der\n„Wüste\", der privilegirte Maler oder Tapezierer des\nOrients, Herr Felicien David, am Abende des 12.Mai\nim Theater der komischen Oper versetzte. „La lla Rookh\"\n(oder wie der Zettel, um dem Publicum Missverständnisse\nzu ersparen, schreibt: „Lalla Roukh\")—was weckt dieser\nName nicht für Vorstellungen bei englischen und deut-\nschen Lesern; wie werden sie schwärmen in der Erwar-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.3", "texte": "tung hochpoetischer Handlung, in den Gedanken an „Feuer-\nanbeter\", an „Paradies und Peri\"! Bitte, meine lieben Ro-\nmantiker jenseit des Canals und am Rheine, lassen Sie\nIhre Phantasie zu Hause und bedenken Sie, dass Säe vor\ndem Vorhange eines pariser Theaters sitzen, dass Sie eine\nkomische Oper sehen werden und dass die Compagnie\nLucas & Michel Carre den Text geliefert hat.\nDiese französische Lalla Rookh ist nichts Anderes, als\neine nach Indien verpllanzte Prinzessin von Navarra, deren\nLiebe Jean de Paris, hier Nureddin der Sänger geheis-\nsen, im Grunde aber König von der Bucharei, auf der\nReise zu gewinnen sucht, auf welcher er in der Person\ndes Baskir seinen „Oberseneschall\", mit einem Stückchen\n„Osmin\" versetzt, bei sich hat nur dass Alles viel sinn-\nlicher und derber hergeht, als zu Boieldieu's Zeiten.\nLalla erscheint, ihr Zelt wird aufgeschlagen, der dreiste\nSänger, den sie schon einmal in den Gärten von Delhi ge-\nsehen, huldigt ihr trotz des Oberhofmeisters Baskir, zu\ndessen Entsetzen sie jenem sogar eine Blume schenkt und\nsich in ihr Zelt zurückzieht. Als vorsichtiger Frauenkenner\nnimmt er sich vor, scharfe Wache zu halten. Allein Mirza,\nvon Nureddin bestochen, eine Art Blondchen, aber ohne\nMozart'sche Melodieen, lockt ihn fernab zum See unter\ndie Bananenbäume; Lalla schöpft frische Luft, der Prinz-\nSänger lässt nicht auf sich warten. Plötzlich stören die\nHaremswächter die Liebenden, sind aber glücklicher Weise\nbetrunken, wofür Nureddin gesorgt hat! Baskir kommt\ndazu und wüthet, folgt aber dennoch dem lockenden Ge-\nsänge Mirza's wieder zum See und stellt zwei (betrunkene!)\nPosten vor das Zelt. Sie schlafen ein und schnarchen, Nu-\nreddin naht sich, Lalla öffnet den Vorhang des Zeltes, er\nknieet vor ihr nieder, sie neigt sich zu ihm und—der Vor-\nhang fällt und lässt uns in Zweifel, ob ihre letzte keusche\nHandbewegung „plus tard.'u oder was sonst Ablehnendes\nbedeutete.\nDer zweite Act wird geradezu gemein durch die Art\nder Verwicklung, welche die Ueberraschung der Lösung\nherbeiführen soll. Er spielt in Samarkand, im Sommer-\npalast des Königs. Lalla schwärmt in der Erinnerung an\ndie Nacht in Kaschmir: „Nuit d'amour, mit parfumee!\"\nund beschliesst, dem königlichen Bräutigam Alles zu ge-\nstehen. Mirza, die behauptet, von der Liebe und einem\nKranz von Rosen könne man nicht leben, vermae nichts\ndagegen; Lalla befiehlt dem Baskir, ihren Entschluss der\nbucharischen Majestät zu verkünden, sonst „würde sie\nselbst sagen, dass in jener Nacht ein Mann in ihrem Zelte\nzu ihren Füssen gelegen\"! Baskir hält es für gut, den\nSänger todt zu schlagen, aber Mirza schreckt ihn durch\ndie Aussicht auf den Galgen ab, zu dem ihn zweifelsohne\ndie Prinzessin befördern werde. Er zieht vor, mit Nured-\ndin einen Vertrag zu schliessen, um den König zu betrü-\ngen und das Einverständniss der beiden Liebenden fort-\ndauern zu lassen. Der Sänger (der König selbst!) wirft ein:\n„Mais la couronne seraitfletrie!\" importe?\"\nsagt der Andere; „Faisons cn sorte que vos amours durent\ntoujours /\"\nDie Gemeinheit dieser im Text und in der Musik sehr\nausführlich behandelten Scene wird nur dadurch noch\nübertroffen, dass die Prinzessin die ganze Unterhandlung\nmit angehört hat! Nach einer kurzen tugendhaften Ent-\nrüstung versöhnt sie sich in einem grossen Duo d'amour\nmit dem Sänger, der sich dann in die Coulisse drückt.\nWarum? Ei nun, um sich umzuziehen und als König wie-\nder zu kommen!\nDie Klippe für den Componisten war der Mangel an\neigentlich fortschreitender Handlung, da mit Ausnahme\nder zwei oder drei burlesken Episoden die Situation der\nHauptpersonen stets dieselbe ist und eben so auch ihre\nEmpfindungen und Gefühle sich immer gleich bleiben.\nDaher macht sich in der Musik eine Monotonie breit, die\nsehr nahe an Langweiligkeit streift. Man kann vor lauter\nOrient zu keinem europäischen Behagen kommen. Wenn\nes schon einem Genius wie Schumann unmöglich war, bei\neinem echt poetischen Stoffe in Paradies und Peri die Ton-\nfarbe stets auf der Höhe und in der Gluth des orientali-\nschen Colorits zu erhalten, ohne monoton zu werden, wie\nsollte das einem David bei einer so faden und undichten-\ni\nsehen Grundlage gelingen? Wo selbst das Genie nicht fort\nkann, wird das blosse Talent vollends kleben bleiben.\nWenn das Publicum sich auch dessen nicht ganz bewusst\nsein mochte, so war doch gewisser Maassen der Applaus,\nder bei den episodischen Stücken, auch bei jenem Duett,\ndas den nichtswürdigen Vertrag mit musicalischer Folie\ndeckt,-am stärksten ausbrach, eine Art von Demonstration\ngegen die langweilige Sentimentalität.\nUebrigens hat diese Empfindsamkeit bei Weitem nicht\nüberall einen in der Schönheit des Ausdrucks sich gleich\nbleibenden lyrischen Charakter; wenn einzelne Gesänge\nsehr ansprechen und ein nicht gewöhnliches melodisches\nErfindungs-Talent bekunden, so stockt dieses Talent doch\nbei längeren Stücken, besonders den zärtlichen Duetten,\noft mitten darin ganz wider Erwarten, und das frappant\nund einnehmend Begonnene endet alltäglich und trivial.\nWenn ich übrigens von „zärtlichen\" Duetten spreche, so\nmeine ich wahrlich nicht das letzte im zweiten Acte, wo die\nLiebenden nicht orientalisch dufthauchend flüstern, son-\ndern auf echt modern-französische Weise um die Wette\nschreien. Für einen Sinfonie-Componisten ist die Ouver-\ntüre ein höchst schwaches Stück; auch die beiden Finale s\nzeichnen sich durch nichts einiger Maassen Bedeutendes\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.4", "texte": "aus; wenn das erste einige hübsche Einzelheiten hat, so\nfehlt dem letzten auch diese geringe Würze; es ist nur\nKlang und Bhythmus, aber keine Musik.\nWie glücklich ist übrigens doch ein Componist, wenn\ner wie David eine „Wüste\", oder ein Dichter, wenn er\nwie Freiligrath einen „Mohrenfürsten\" geschrieben hat!\nDie kritischen Bitter wissen dann auf ewige Zeiten, was\nfür ein Pferd sie zu reiten haben! So ist denn auch hier\nviel von „cölorit orientat, „melancolie\n„poesie et reverie arabes\" u. s. w. die Bede. Bekanntlich\nnehmen die Künstler von Buf heutzutage ein einfaches Lob\nso ziemlich als eine Beleidigung auf; es muss Alles über-\nschwänglich sein. Ein Muster solch eines transcendentalen\nElogeparfume hat ein Herr Beaugenet für Lalla-Bookh-\nDavid auf den Altar der France musicale niedergelegt, das\nwir gewissen deutschen Feuilletonisten zur Nachahmung\nempfehlen: „Her zu mir, ihr Ausrufungszeichen! Herbei,\ndu flammende Schar enthusiastischer Adjective! Herbei alle\nFormen des Lobpreisens! Nie werd' ich mit allen zusam-\nmen genug erheben können, was ich heule gehört und ge-\nsehen! Das ist ein Werk! ein Ereigniss! eine Epoche!\nBei diesen Accorden von breiter, malerischer Weichheit\ndes Fleisches fühlt man sich gleich im Lande Brahma's!\nIch würde mehr von dieser Nummer sagen, aber ich darf\nnicht, um meine Munition für höhere Zwecke zu sparen.\nMslle. Cico, die Prinzessin mit ihrem Theerosen-Teint,\nidealisirt ihre Bolle, sie selbst ein poetischer Traum in\nMädchengestalt, ein Fluidum; wo hat diese ätherische\nDurchsichtigkeit Gestalt her? Duft, Stofflosigkeit, Alles ist\nnichts gegen dieses Wesen.—Tanz-Melodieen, wer nie den\nOrient gesehen, erkennt ihn darin auf der Stelle!!—Diese\nBomanze, so sprechen die Engel von Liebe; hat David sie\nbelauscht?—Auf diese vier Verse brennt David ein Feuer-\nwerk ab, so viel Wörter, so viel Baketen! Niemals ist\nDavid so wunderbar von der Poesie der Glanznächte des\nOrients begeistert worden. Alles, was unter dem Sternen-\nhimmel in jenen schönen Fluren rauscht, welche die Sonne\nliebt undderThau, hat David vernommen. Traum! Ekstase!\nVision! Es trägt uns in gränzenlose Bäume, ist es der Him-\nmel nicht, so ist es wenigstens die Erde nicht mehr, wo\nwir sind. Diese drei Noten der Clarinette sind ein banges\nAthmen der demüthigen Seele nach dem Leben der Sterne,\ndrei Perlen aus dem Schleier der Nacht, ein balsamischer\nDult, der uns liebkosend anweht!—Das Allegro des gros-\nsen Duetts ist mir nicht originel genug; ich sage es gerade\nheraus und bin froh, dass ich es sage, wenn ich mich auch\nirre, um doch einmal die Monotonie der Bewunderung zu\nunterbrechen!! Montaubry (der Tenorist) ist die Incar-\nnation der komischen Oper unter den etwas verschwim-\nmenden Zügen Endymion's!—Mslle. Cico mit dem schönen\nf\nProfil, das durch die leichte Neigung der Stirn kaum ge-\nhemmt wird, den langen, schwarzen, ein wenig verschleier-\nten Augen, ihren weissen Händen mit den flüssigen Fin-\ngern, reicht an den Zauber einer Erscheinung hinan!\"\nEi, da kann man was lernen!\nEs war kein übler Einfall der Direclion, zu David's\nOper, welche den Abend nicht füllt, die Operette, oder\nrichtiger das Singspiel {Comedie wie man\nsonst sagte) Bose und Colas von Sedain, mit Musik\nvon Monsigny, zu geben und damit eine ganz artige Zu-\nsammenstellung des Alten mit dem Neuen zu bewirken.\nDenn dieses allerliebste Singspiel wurde im Jahre 1764\nzum ersten Male gegeben und ist also 98 Jahre alt. Und\ndennoch, einige Formen von altmodischem Zuschnitt abge-\nrechnet, wie frisch und herzlich sind noch heute Monsigny's,\neines der Väter der französischen heiteren Oper, Melodieen!\nMit dem modernen Flitterwerk verglichen, tritt eine solche\nOperette wie ein junges, schönes, blühendes Mädchen im\nBococo - Coslüm auf einem Balle unter die prunkenden\nWeltdamen des Tages. Und welch eine heitere, aus dem\nLeben gegriffene Komik in dem Stück! Freilich-nehmen\nunsere heutigen Dichter die Würze ihrer Libretti auch aus\ndem Leben, aber aus welch einem! Leider war die Aus-\nführung nicht die beste; dergleichen Musik verträgt die\nSchnörkelei der neuen Verzierungssucht durchaus nicht.\n(Schluss folgt.)\n\nDer deutsche Sängerbund.\nBekanntlich war auf dem.Sängerfeste zu Nürnberg in\nder Versammlung am 23. Juli 1861 der Plan angeregt\nworden, einen allgemeinen deutschen Sängerbund zu grün-\nden. Man erkannte, dass der Aufbau am besten durch\nBildung von Sängerbünden in den einzelnen Landschaften\ngefördert werden würde, welche alsdann zu dem grossen\nGesammt-Vereine zusammentreten sollten. Die nöthigen\nVorarbeiten dazu wurden dem schwäbischen Sänger-\nbunde übertragen. Der Ausschuss desselben in Stuttgart\n(Dr. Pfaff, Dr. Elben, Prof. Faisst, J. Baur, W. Wiede-\nmann), der sich der grossen Mühwaltung mit dankens-\nwerthem Eifer unterzogen, veröffentlicht unter dem 22.\nApril d. J. seinen „Ersten Bericht über die Vorar-\nbeiten zur Gründung eines deutschen Sänger-\nbundes\", dem wir folgende interessante Notizen über die\nVerbreitung des Männergesanges in Deutschland auszugs-\nweise entnehmen.\n1. Thüringen. Sängerbund der coburg'schen Land-\nLiedertafel, 17 Vereine mit 400 Sängern. Vorort Bodach.\nDer thüringer Bund, 45 Vereine. Vorort Budolstadt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.5", "texte": "Henneberg, 26 Vereine (Schleusingen). Apolda, 4\nVereine.\n2. Main- und Lahngebiet. Die verbündeten\nfrankfurter Männer-Gesangvereine, 15 mit etwa 550 Sän-\ngern. b)Der Rhein-Main-Sängerbund, 14 Vereine mit\n400 Sängern, von Rüdesheim bis Frankfurt. Vorort Id-\nstein. e) Der Mainthal-Sängerbund, 27 Vereine von Aschaf-\nfenburg und Darmstadt bis Friedberg und Hanau, mit\netwa 1000 Sängern. Vorort Ottenbach. Der deutsche\nSängerbund, mit Vereinen aus beiden Hessen, Nassau, auch\nWetzlar. Vorort Giessen. e)Der odenwälder Sängerbund\nin der hessischen Provinz Starkenburg, 13 Vereine, etwa\n400 Sänger.\n3. Baierische Pfalz. Der pfälzische Sängerbund\nzählt in 45 Vereinen etwa 1350 Sänger. Vorort Speyer.\n4. Nahe- und Moselgebiet. Der Nahe-Sänger-\nbund, in 23 Vereinen 500 Sänger. Die vielen Vereine im\nMoselgebiet werden von der Liedertafel zu Coblenz zu\neinem Bunde aufgefordert, von Trier zu einem Mosel-Saar-\nNahe-Sängerbunde.\n5. Niedersachsen. Der Bund der vereinigten nord-\ndeutschen Liedertafeln zählt 31 Vereine mit nahezu 1000\nSängern aus dem Landstrich zwischen Ems und Elbe\n(hannover'sche, braunschweigische, preussische, lippe'sche,\nwaldeck'sche, oldenburgische, westfälische und bremische\nLiedertafeln). Der Vorort wechselt (1862 Hannover).\n6. Sehl eswig-Holstein. Lübeck. Hamburg. Der\nnorddeutsche Sängerbund (Lübeck Vorort) gewinnt jetzt\nneues Leben; auch die hamhurger (Schäffer'sche) Lieder-\ntafel schliesst sich demselben an. Ein holsteinischer Sänger-\nbund ist eingeleitet. Was vom deutschen Gesänge im Her-\nzogthum Schleswig verlautet, ist ein neuer Beitrag zu der\nLeidensgeschichte unserer deutschen Brüder jenseit der\nEider. In mehreren Städten Schleswigs bestehen Gesang-\nVereine; was man ihnen gestattet, ist, dass sie unpolitische\nLieder singen. An ein Zusammenwirken verschiedener Ge-\nsellschaften ist nicht zu denken. Alle stehen sie unter dä-\nnischer Policei-Aufsicht.\n7. Mecklenburg. Der mecklenburgische Sängerbund\nzählt 15 Vereine mit etwa 400 Sängern; die Geschäfts-\nleitung führt jedesmal der Verein, der das Bundesfest hält\n(Rostock 1862).\n8. Preussisch Sachsen. 1) In der Provinz Sachsen\nwurde 1846 auf Anregung des Dom-Organisten Ritter zu\nMerseburg der Sängerbund an der Saale gestiftet mit\nwechselndem Vorort (jetzt bis 1864 Halle) und ungefähr\n250 Sängern. 2) Vereinigte Männer-Gesangvereine Magde-\nburgs. Es sind 14 Vereine mit etwa 500 Sängern.\n9. Sachsen. 1) Der allgemeine dresdener Sänger-\nverein umfasst 6 Vereine und gegen 400 Mitglieder. 2)\nIn Leipzig besteht eine Vereinigung von etwa 20 kleine-\nren Vereinen, der Zöllner-Bund, von dem verstorbenen\nKarl Zöllner gestiftet, jetzt von dem Universitäts-Musik-\nDirector Langer geleitet. 3) Der erzgebirgische Sänger-\nbund, 40 Gesangvereine (Vorort Meerane). 4) In Plauen\nBildung eines voigtländischen Sängerbundes. 5) In Bautzen\nGründung eines oberlausitzer Sängerbundes.\n10. Brandenburg und Pommern. 1) Der mär-\nkische Sängerbund umfasst 50 Vereine mit 1000 Mitglie-\ndern. 2) Der märkische Centrai-Sängerbund besteht aus\nzwei Abtheilungen, Berlin und die Provinz, mit 44 Ver-\neinen und 1362 Mitgliedern. Vorort ist Berlin. 3) Die\nstettiner Liedertafel bildet einen pommer'schen Sänger-\nbund.\n11. Preussen und Posen. In Preussen wurden\nProvincial-Sängerfeste seit 1847 gefeiert. Sängerfest in\nElbing zu Ende des Juli 1862. Der Deutsche Provincial-\nSängerbund zu Bromberg enthält 9 Vereine mit 230\nSängern.\n12. Böhmen. Der deutsche Gesang leidet sehr unter\nden widerwärtigen nationalen und Sprach-Differenzen.\n13. Oesterreich. Der Männer-Gesangverein in Wien\nwird auf die Bildung eines Sängerbundes in Unteröster-\nreich hinwirken, wo jetzt 45 Gesangvereine bestehen.\n14. Baiern. Der baierische Sängerbund umfasst 60\nVereine mit nahezu 1000 Sängern. (Straubing,Freisingen.)\n15. Baden. Die Vereinigung der verbündeten badi-\nschen Männer-Gesangvereine umfasst etwa 100 Vereine\nmit 2000 Mitgliedern. (Vorort Karlsruhe.)\n16. Schwaben. Der schwäbische Sängerbund zählt\n344 Vereine mit etwa 6800 Sängern und umfasst ausser\nden Liederkränzen Würtembergs die hohenzollern'schen,\nferner mehrere badische, baierische Vereine und einige\nhauptsächlich schwäbische Mitglieder zählende deutsche\nSängervereine im Auslande. (Vorort Stuttgart.)\nIn den verschiedensten Mittheilungen wiederholen sich\ndieselben Wünsche: durch ein inniges Zusammengehen\nder deutschen Sänger auch in unserem Theile den Beweis\nzu liefern für die Zusammengehörigkeit und Einigkeit der\ndeutschen Stämme und mitzuhelfen an dem Baue deut-\nscher Einigung. Harmonisch stimmen in diesen Chor der\nNorden und Süden, der Osten und Westen ein.\nDie grosse Zahl der jetzt eben in Bildung begriffenen\nSängerbünde verdankt ihr Entstehen gerade dem Drange\nnach Sammlung; sie werden laut den Mittheilungen aus-\ndrücklich in der Absicht gegründet, um dem grossen Bunde\naller deutschen Sänger beizutreten.\nFür eine Vereinbarung der deutschen Sänger, für pe-\nriodisch wiederkehrende allgemeine deutsche Sängerfeste\nhaben sich alle erklärt. Die Einsetzung eines deutschen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.6", "texte": "Sänger-Ausschusses zur Wahrung der gemeinsamen\nInteressen, insbesondere auch zur Anberaumung der all-\ngemeinen deutschen Sängerfeste wird von beinahe allen\ngewünscht. Alle sind damit einverstanden, dass wir einen\nSängertag der deutschen Sängerbünde zur Beratbung\ndieser Angelegenheit einberufen.\nDen Sängertag beraumen wir auf Sonntag den 21.\nSeptember 1862 in Coburg an und laden in Ueberein-\nslimmung mit dem coburger Sängerkranz die Vertreter\nder deutschen Sängerbünde dahin ein. Ist in Nürnberg\nder Beschlues, der uns zusammenführen wird, gefasst\nworden; hat man dem schwäbischen Sängerbunde die Vor-\narbeiten übertragen, so ist es nur billig, dass wir Süd-\ndeutschen auch räumlich unseren norddeutschen\nBrüdern entgegenkommen.\nWenn die bisherige Ausführung ein erfreuliches reges\nLeben der deutschen Sängerwelt nachgewiesen hat, so feh-\nlen doch, wie wir uns nicht verhehlen dürfen, zu einem\ndeutschen Sängerbunde manche schwer zu vermissende\nGlieder: einzelne Landschaften sind nicht vertreten, manche\nalt bewährte und bedeutende Vereine haben sich noch\nnicht eingereiht. Wir hoffen, das Bekanntwerden der bis-\nherigen Erfolge werde ferner anregend wirken.\nStuttgart, 22. April 1862.\n\nAus Oldenburg.\nDen 17. Mai 1862.\nIn den weiteren Concerten der Hofcapelle wurden auf-\ngeführt: Serenade in D-durvon Johannes Brahms, Con-\ncert in G-durfür Pianoforte von Beethoven und chroma-\ntische Phantasie von J. S. Bach, für\nVioline und Viola von Mozart und Ouvertüre zu Oberon,\nConcert-Ouverture von J. Rietz, Gesangs-Vorträge des\nHerrn Behr aus Bremen, Concertino von Spohr auf der\nFlöte und die Sinfonie in F-durvon Beethoven. Die Sere-\nnade von Brahms, zum ersten Male gegeben, erregte bei\nganz vortrefflicher Ausführung wahre Begeisterung, die\nsich am Schlüsse in dem Hervorruf des anwesenden Com-\nponisten äusserte, was hier bislang noch nicht vorgekom-\nmen war. Einen gleich lebhaften Beifall ärntete Herr\nBrahms auch für den Vortrag des Concertes von Beelho-\nven und der chromatischen Phantasie. Die Leistungen des\nHerrn Behr, welcher uns zum zweiten Male besuchte, fan-\nden durch ihre Gediegenheit die grösste Theilnahme, be-\nsonders in einem Duett aus der „Schöpfung\", von Frau\nCath. Engel aufs beste unterstützt, und in Blondel's Lied\nvon Schumann und Normanns-Gesang von Schubert. Die\nübrigen Vorträge waren alle sehr befriedigend, und be-\n-9\nwährte das Orchester seine gemachten Fortschritte. Die\nSinfonie concertante wurde von den Herren Schärnack\nund Schmidt 11., das Concertino von Herrn Syvarth\nsehr brav ausgeführt.\nAm 4. April fand die Aufführung des Weihnachts-\nOratoriums von Bach vor einem sehr zahlreichen Publicum\nStatt. Durch Streichung verschiedener Soli war es möglich\ngeworden, das ganze Werk an Einem Abend zu bringen,\nohne dass etwas Wesentliches weggeblieben oder der Zu-\nsammenhang gestört wäre. Es machte allgemein einen tie-\nfen Eindruck, und verdient Herr Capellmeister Dietrich\nsowohl für das vortreffliche Arrangement, wie für die für\nunsere Kräfte wirklich ausgezeichnete Ausführung die leb-\nhafteste Anerkennung, wie denn überhaupt seine grosse\nRegsamkeit in Benutzung der zum Theil noch wenig ge-\nübten Mittel neben seinen Leistungen als Dirigent und als\nClavierspieler anerkannt werden muss. Als Ciavierspieler\nwirkt er, obgleich er nicht für einen Virtuosen gehalten\nsein will, sehr zur Verschönerung der Soireen für Kam-\nmermusik mit, indem er es möglich macht, dass wir auch\ndie Werke mit Ciavier in vorzüglicher Ausführung kennen\nlernen können. In den vier noch nicht erwähnten Soireen\nwurden vorgetragen: ein Quartett von Haydn, das Clari-\nrinetten-Quintett in A-dur und Ariette variee „Ein Weib\nist das herrlichste Ding\" von Mozart, die Quartette Nr. 3\nund 11 und die Sonate in A mit Violoncello von Beetho-\nven, das Quintett und Sonate in D-moll mit Violine von\nSchumann, ein Quartett in C-dur von A. Dietrich und ein\nTrio in A-mollvon L. Meinardus, die beiden letzten Werke\naus dem Manuscript. Die Schumann'sche Musik fängt an,\nsich hier auch in dieser Richtung Bahn zu brechen, was\nbei solchen Werken auch nicht zu verwundern ist. Das\nQuartett unseres Capellmeisters erfreute sich eines sehr\nlebhaften Beifalls, den es sowohl durch seine Formvollen-\ndung wie durch seinen bedeutenden poetischen Gehalt in\nhohem Grade verdient. Auch das Trio von Meinardus, ein\nfrisches, wohl abgerundetes, poetisches Werk, fand die\nfreundlichste Aufnahme.\nIn einem Orgel-Concerte des Herrn Organisten Rothe\nhörten wir das Ave Maria von J. Brahms, und haben nicht\nbegreifen können, wie dasselbe nicht überall angesprochen\nhat, da es hier trotz einer nur ungenügenden Ausführung\ntiefen Eindruck gemacht hat. Eine nochmalige Auffüh-\nrung der Serenade von Brahms in einem Wohithätigkeits-\nConcerte wurde durch Erkrankung der Oboisten verhin-\ndert und statt ihrer die Sinfonie in Es von Mozart gege-\nben ; ausserdem brachte dieses Concert die Ruy-Blas-\nOuverture, ein Concert von Lipinski, von Herrn Ad. Kroll-\nmann gespielt, und einige Lieder."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.7", "texte": "Zu Beethoven’s Brief in Nr. 16.\nA. S.\nDer mitgetheilte Brief von Beethoven in der Niederrh.\nMusik-Zeitung Nr. 16 datirt wirklich aus dem Jahre 1813,\nund zwar aus der Frühlings- oder Sommerzeit. Nebst den\nvon Ihnen angegebenen Muthmaassungs-Gründen spricht\nnoch ganz deutlich der Name Bode für diese Zeit. Rode\nhat oder musste, wie alle Franzosen—Russland vor Ein-\nbruch des französischen Heeres verlassen. Zur Herbstzeit\n1812 aus Russland kommend, gab er zwei Concerte im\nCasino zu Olmütz, wobei ich als Mitglied des Casino-Or-\nchesters an der zweiten Violine mitwirkte. Ich zählte sie-\nbenzehn Jahre und war im letzten Cursus des Gymnasiums.\nVon Olmütz ging Rode nach Wien, wo er öfter mit Beet-\nhoven zusammen kam. Darauf concertirte er in Pesth und\nspäter in Grätz. Das in dem Briefe an Warena berührte\nConcert in Grätz, sicherlich ein so genanntes Wohlthätig-\nkeils-Concert, ward vom Frauen-Verein („Frauen-Con-\nvent\") gegeben, in welchem Beethoven einige der Convents-\nMitglieder sehr wohl gekannt hat.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer rheinische Yiolin-Virtuose Johann Becker hat von dem\nKaiser von Russland einen prachtvollen, reich mit Diamanten be-\nsetzten Ring erhalten.\nAus Berlin schreibt man über das fortgesetzte Gastspiel der\nFrau Deetz: „In der Aufführung von Figaro's Hochzeit setzte Frau\nDeetz ihr Gastspiel als Susanne fort. In den Ensemble-Sätzen der\nersten Acte, in dem grossen Finale, in der G-dur-Kriz hatttn wir\nvielfache Gelegenheit, uns an dem lebendigen Spiel und der anmu-\nthigen Stimme der Sängerin zu erfreuen, und wurden durch eine\nReihe von Vorzügen in den Stand gesetzt, über manche Mängel hin-\nwegzusehen, Mängel, die meist in der für diese Partie nicht ausrei-\nchenden Höhe ihren Grund hatten. Trotz dieser Mängel gab sich in\ndem, was Frau Deetz in den ersten Acten leistete, eine entschiedene\nSelbstständigkeit der dramatischen und musicalischen Auffassung und\nein feines künstlerisches Anstandsgefühl zu erkennen. Weniger ge-\nnügte das Brief-Duett, das der Sängerin entschieden zu hoch lag,\nnoch weniger die Garten-Arie. Es würde uns unbegreiflich sein, wie\neine so verständige Sängerin dieselbe so zu verfehlen vermag, wenn\nwir nicht annehmen müssten, dass das unselige Streben, eine mög-\nlichst auffallende Wirkung mit einem Musikstücke zu erreichen, selbst\nden Einsichtigsten zu- verblenden vermag. Der schleppende Vortrag\ndes Recitativs, das beständige Forciren der Stimme in einem der\nduftigsten Tonstücke, das je aus der Phantasie eines Componisten\nhervorgegangen, das Uebertreiben der Bruststimme namentlich, die\nVerwechslung langer mit kurzen Vorschlägen, die ungeschickte Text-\nUnterlage bei der zum hohen A hinaufsteigenden Stelle, die zwar in\nunseren Clavier-Auszügen steht, von allen Theatersängerinnen aber\nlängst beseitigt ist das war eine Reihe von Fehlern, die einen\ndurchgreifenden Erfolg bei Kennern und Nichtkennern unmöglich\nmachte. Wir zweifeln übrigens nicht, dass Frau Deetz bei einiger\nBesinnung auf das, was Mozart mit dieser Arie gewollt hat, Besse-\nres darin leisten wird. Den Glanzpunkt der Darstellung bildeten\nFräulein Lucca (Cherubim), die ihre Romanze auf das Begehren\ndes Publicums da capo sang, und Herr Krause (Figaro), der nach\nder Horn-Arie gerufen wurde. G. E.\nDie Kölnische Zeitung enthält folgende Notiz aus Berlin vom\n20. Mai: Frau Marie Deetz vom Hoftheater zu Wiesbaden, deren\nausgezeichnete Leistung als Clytia in der neuen Oper „Die Kata-\nkomben'* von Ferd. Hiller Ihr Blatt unlängst gewürdigt hat, ist nach\nBeginn eines noch nicht vollendeten Gastrollen-Cyklus für die kö-\nnigliche Oper engagirt worden. Sie ist bisher als Marie in „Czaar\nund Zimmermann\", Zerline im „Don Juan\" und Susanne in „Figa-\nro's Hochzeit\" mit grossem Beifall aufgetreten und in der musicali-\nschen sowohl als dramatischen Durchführung aller dieser Partieen\nvon der Kritik der namhaftesten hiesigen Blätter einhellig als her-\nvorragendes Talent hinsichtlich ihrer trefflich geschulten Stimme wie\nihrer sinnigen und geistreichen Darstellung anerkannt worden. Am\n21. d. Mts. wird sie ihr Gastspiel als Agathe im „Freischütz\" been-\nden und im Herbste, wo sie in die feste Stellung eintritt, zunächst\ndas ihrer künstlerischen Persönlichkeit ganz besonders entsprechende\nGretchen in Gounod's „Faust\" vorführen, den man zu diesem Zwecke\nhier einstudirt.\n!Si*ailli&cltwelg« Die Sinfonie-Concerte der herzoglichen\nHofcapelle unter Direction des Capellmeisters Abt, deren Ertrag\nzum Besten der Witwen- und Waisencasse der Capelle bestimmt ist,\nfanden mit dem vierten Concerte am 13. d. Mts. ihren Beschluss.\nEs brachte Beethoven's Pastoral-Sinfonie und die „Lorelei\"3\nGedicht von Wolfg. Müller, Musik von F. Hill er für Soli, Chor\nund Orchester. Fräulein Eggeling führte die Partie der Lorelei\nvortrefflich aus, und die schöne Composition wurde vom Publicum\nmit ausserordentlichem Beifall aufgenommen.\nJulius Stockhausen ist als Solist zu dem mittelrheinischen\nMusikfeste in Darmstadt engagirt.\nFür das Marschner-Denkmal, dessen Fonds allmählich heran-\nwächst, hat Meyerbeer dem Vorsitzenden des Comite's, Grafen Ben-\nnigsen, 25 Thaler eingesandt „als kleinen Beitrag für den edlen\nZweck, dem hochverdienten Tonmeister ein dauerndes Zeichen der\nAnerkennung seiner Zeitgenossen zu gründen.\"\n&ei*a, 10. April. (Durch Zufall verspätet.) Das gestrige Con-\ncert des hiesigen musicalischen Vereins bildete die Aufführung des\nMendelssohn'sehen Oratoriums „Paulus\". Die Solo-Partieen des Wer-\nkes waren, ausser von mehreren einheimischen Kräften, durch die\nHerren Sabbat h aus Berlin und Wiedemann aus Leipzig ver-\ntreten. Beide leisteten Vorzügliches. Insbesondere brachte Herr Sab-\nbatli die herrliche Partie des Paulus zu voller künstlerischer Gel-\ntung. Aber auch Herr Wiedemann blieb wenigstens in einigen Num-\nmern an verständnissvollem, innigem Vortrage hinter dem Ersteren\nkaum noch zurück. Die Chöre waren mit Fleiss eingeübt und gin-\ngen zum grösseren Theile auch recht glücklich von Statten. Der\nGesainmt-Eindruck der Aufführung war ein durchaus erhebender, und\ndem Vereine wie dessen Director Herrn Tschirch gebührt der\nlebhafteste Dank für einen so vorzüglichen Genuss.\nIn Karlsruhe kam am 21. April die Operette: „Die Schlitten-\nfahrt von Nowgorod\", Text von Auffenberg, Musik vom Hof-Capell-\nmeister Joseph Strauss, zur ersten Aufführung und gefiel.\nDas Stadttheater in Hamburg wird dieses Jahr vom 1. Juni\nbis 31. August geschlossen.\nDas Grab-Monumcnt Staudigl's wurde am 23. April\nNachmittags auf dem Matzleinsdorfer Friedhofe trotz der höchst un-\ngünstigen Witterung in feierlicher Weise enthüllt. Das Monument,\nvon Pilz in Stein gehauen, stellt den verewigten Sänger in lebens-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620524-01.1.8", "texte": "Grosser, hoch aufgerichteter Statur, mit einem Lorberkranze in der\neinen und einer Lyra in der anderen Hand dar. Das Haupt, von\nwallendem Lockenhaar umflossen, scheint einer Melodie nachzusin-\nnen. Der eine Fuss steht auf einem grossen Notenhefte. Die ganze,\nedel gehaltene Gestalt ist von einem gefalteten Mantel umhüllt, der\nnur Kopf, Brust, Hände und Füsse frei lässt. . (Presse.)\nDem Capellmeister des k. k. Linien-Infanterie-Regiments Nr. 30\nzu Josephstadt in Böhmen, Johann Hopf, wurde ein k. k. Privi-\nlegium verliehen auf die Erfindung eines das Violoncell ersetzenden\nStreich-Instrumentes, „Tenor-Geige\" genannt.\nBasel» Der Gesangverein unter Direction des Herrn Reiter\nbrachte neulich ausser verschiedenen A-Capella-Chören von Pale-\nstrina, Lotti, Haydn u. s. w. die Bach'sche Cantate: „Gottes Zeit\",\nin sehr anerkennenswerther Weise zur Aufführung; dessgleichen der\nOrpheus-Verein unter Herrn Aug. Walter's Leitung die grossartige\nChor-Cantate von Bach: „Christ lag in Todesbanden\" ; ferner das\nachtstimmige Misericordias von Durante, den dreistimmigen Frauen-\nchor aus Blanche de Provence von Cherubini, Romanzen für Chor\nvon Schumann („Der Sänger\" und „Sommerlied\", und wurde beson-\nders letzteres sehr schwungvoll und fein nuancirt vorgetragen),\nschliesslich noch eine Auswahl der schottischen und irischen Lieder\nvon Beethoven. Am 23. d. Mts. führt der Gesangverein den\n..Elias\" auf, und werden dabei Herr Stockhausen und Fräulein\nGenast mitwirken.\n* Ilraissel« Der belgische Componist Etienne Soubre,\nvon dessen talentvollen ernsten Compositionen (z. B. einem Requiem)\nin Ihrer Zeitung öfter die Rede gewesen, ist zum Director des Con-\nservatoriums in Lüttich ernannt worden. Er ist aus Lüttich gebür-\ntig. Sie haben schon neulich den merkwürdigen Beschluss der\nhiesigen Akademie erwähnt, die belgische Orchesterstimmung als\neine isolirte festzusetzen; man hat in der That die Absicht, die\nStimmung nur zu fixiren, nicht aber herabzusetzen. Es hat\nsich aber in der öffentlichen Meinung der Musiker ein Sturm dage-\ngen erhoben, namentlich sind die Theater-Directionen und Opern-\nDirigenten dagegen, mit Recht, zumal da unsere Oper ja doch nur\nein Abklatsch der pariser Oper ist. Mademoiselle Sax aus Paris\ngastirt hier mit grossem Beifall (Valentine Rachel in der Jüdin\nu. s. w.)\nDie Stadt Lille in Frankreich veranstaltet an dem Stadtfeste\nvon 1862 einen Wettstreit von Männergesang und von mili-\ntärischer Harmoniemusik, ersteren am 29. Juni. Alle Vereine ohne\nUnterschied der Nationalität werden zugelassen. Der erste Preis be-\nsteht in einer goldenen Medaille von 300 Frcs. Werth und einer\nEntschädigung von 1500 Frcs.; der zweite in einer goldenen Medaille\nvon 200 und Entschädigung von 800 Frcs. Ausserdem wird dem\nersten Preise eine Ehren-Medaille, deren drei für den Wettstreit von\ndem Kaiser Napoleon 111. bestimmt sind, hinzugefügt. Die Jury wird\naus französischen und fremden Künstlern bestehen, und zwar so,\ndass die französischen Preisrichter den Gesang der fremden Vereine,\ndie fremden Richter den Gesang der französischen Vereine beurthei-\nlen sollen. Von deutschen Tonkünstlern sind die Herren Ferd.\nHiller und Franz Weber aus Köln eingeladen worden, das Rich-\nteramt zu übernehmen.\nParis». „Chants religieux d) Israel Lovyu. Unter diesem Titel\nwird die Herausgabe des musicalischen Nachlasses des vor dreissig\nJahren gestorbenen Israel Lovy, Ministre officiant im Tempel der\nisraelitischen Gemeinde hierselbst, angekündigt. Der grösste Theil\ndieser Gesänge ist auf hebräische Texte componirt und zum Ge-\nbrauch beim Cultus eingerichtet; allein abgesehen davon dürfte das\nWerk auch für jeden Musiker und Freund religiöser Gesänge von\nInteresse sein, da, wie uns von competenter Seite versichert wird,\nLovy's Compositionen einen sehr charakteristischen und erhebenden\nGeist athmen sollen. Sie kommen in einem starken Bande in 4to\nheraus. Preis 18 Francs, Man unterzeichnet Baris, au M6nestrel 2\nbis Rue Vivienne.\n** Paris. Frau Schumann ist Anfang dieses Monats über\nBrüssel nach Deutschland zurückgereist. Stockhaußen war\neine Zeitlang hier und hat im letzten Conservatoire-Concerte eine\nArie aus „Julius Cäsar\" von Händel mit grossem Beifall gesungen.\nDie Gesellschaft der Bouffes Parisiens wird unter ihrem jetzigen\nDirector Varney ihre grosse Reise nach Deutschland antreten. Ende\nJuli werden sie über Köln („Orpheus in der Unterwelt\" können sie\nhier noch einige und sechszig Mal geben, da die deutsche Gesell-\nschaft des Herrn L'Arronge es bis zu 68 oder noch mehr Auffüh-\nrungen gebracht hat!) nach Belgien gehen und erst Anfang October\nwieder nach Paris kommen.\nUeber Thalbergs Wiedererscheinen und das aussergewöhnliche\nZuströmen des Publicums zu seinen Concerten (Einnahme des letz-\nten in dem durchaus nicht grossen Salon Erard: 3580 irancs) näch-\nstens mehr."}]}