{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_sha256": "f53cad5edd8e8bd9d99e1d4f05f3f9675d248928d1e8a3e3a82c30794387f716", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/05/31_01/bmtnabi_1862-05-31_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 437, "texte": "Inhalt.\nDas 39. niederrheinische Musikfest. Gluck und die Oper. I. Die musicalische Bibliothek dos verstorbenen Canonicus\nDr. Proske. Von Dr. Mettenleiter. Aus Güttingen (Aufführung geistlicher Musik). Orchester-Stimmung. Aus Aachen\n(Concordia Ole Bull Fräulein von Jansard Herr Rutzenberger Liedertafel Herr Lausmann). Von N. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, Herr Schauseil Franz Commer Leipzig, Fräulein Desire Artot Wien Paris)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "170", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.2", "titre_corps": "Das 39. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 39. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.1", "debut_caractere": 439, "fin_caractere_exclue": 4294, "texte": "Das 39. niederrheinische Musikfest.\nZum eilften Male seit dem Bestehen unserer Musik-\nfeste versammelt Köln in seinen Mauern die Repräsentan-\nten der Tonkunst aus dem Rheinlande und die Kunst-\nfreunde von nah und fern zur musicalischen Feier der\nPfingsttage. Seit Wiederaufnahme des Festes im Jahre\n1851 waren die Anmeldungeu zum Chor nicht so stark,\nals dieses Mal; niemals aber war die bauliche Einrichtung\nder Tonbühne in dem Gürzenich-Saale so grossartig,\nzweckmässig und prachtvoll, als jetzt. Schon der Anblick\ndes mehr als je zahlreichen Chors und Orchesters auf den\nemporsteigenden Stufen, welche die ganze Breite des\nSaales einnehmen, und der über dem Orchester prangen-\nden Orgel mit ihren glänzenden Prospectpfeifen wird auf\nimponirende Weise überraschen. Entfalten aber vollends\nerst die Töne der Orgel ihre mächtigen Schwingen, so\nkönnen wir nach dem erstaunenswerthen Erfolg in der\nProbe, welche am 25. Mai mit dem Theile derselben, wel-\ncher erst aufgestellt ist, abgehalten wurde, versichern, dass\neine solche Tonwirkung in einem Conccrtsaale in Deutsch-\nland, ja, auf dem ganzen Continente noch nie gehört\nworden ist. Dazu ist ein Orchester vereinigt, welches als\nder Inbegriff des Fortschrittes der Instrumental-Musik be-\ntrachtet werden kann, so dass sich die Aufführungen an\ndem diesjährigen Musikfeste zu unseren Winter-Concerten\nwie das wogende Meer gegen den Binnensee, wie der rau-\nschende Wald gegen den Hain verhalten werden.\nDurch diese Mittel und Kräfte wird namentlich der\nerste Festtag, die Aufführung des Oratoriums, einen\nGlanz und einen Charakter erhalten, wie er noch nicht da\ngewesen ist, und sie wird in der Geschichte der Musik-\nfeste am Rheine, die schon so viele herrliche Erinnerungen\nzählt, Epoche machen. Dazu kommt, dass kaum ein ande-\nres Werk von Händel das Grossartige und das Liebliche,\ndas kräftig Massenhafte und das reizend Anmuthige des\nmusicalischen Ausdrucks so mit einander verbindet, als das\nOratorium Salomon. Für die Verehrer der edelsten Gat-\ntung der Vocal-Musik bedarf es natürlich keiner Empfeh-\nlung eines Händel'schen Werkes. Aber dem Vorurtheile\nvieler aufrichtigen Kunstfreunde gegenüber, welche die\neigentümlichen und, wie sie sagen, zu veralteten und zu\ngelehrten Formen des Oratoriums nicht gern mit in den\nKauf für die unbestrittenen Schönheiten desselben nehmen\nwollen, diesen gegenüber wollen wir daran erinnern, dass\nder Salomon gerade dasjenige Oratorium von Händel\nist, das durch die Mannigfaltigkeit des Charakters der Ge-\nsänge einer edeln Popularität am meisten huldigt. Hand-\nlung ist sehr wenig darin, aber Musik, Musik um der Mu-\nsik willen, desto mehr. Der immer wiederholten Kampf-\ngesänge der Heiden und Israeliten, so wie der Helden-\nArien u. s. w. wird man freilich in manchen Oratorien\nmitunter etwas überdrüssig; im Salomon kämpft aber\nHändel gegen ganz andere Philister, gegen die Unempfäng-\nlichen für die Gaben der Kunst, und zieht sie durch die\nprächtigen und reizenden longestalten zu sich herüber. In\nkeinem anderen Werke erscheint seine grosse Manier in\nder fugirten Durchführung der Chöre einfacher und lass-\nlicher als hier, wiewohl sie fast immer achtstimmig und\n* • *\ndadurch von gewaltiger Wirkung ist, namentlich in den\ndrei ersten Chören des ersten, dem Anfangs-Chor des zwei-\nten, dem kriegerischen und dem Schluss-Chor des dritten\nTheiles. Und nun höre man dagegen den holden Reiz der\nChorgesänge: „Es nahe der Stätte kein störender Hauch,\nihr Nachtigallen wiegt zum Schlummer sie ein'*, „Wohl-\nlaut töne durch den Raum\", „Singt der Liebe Leid und\nSchmerz\" u. s. w., deren melodischer Hauch uns wie die\nmilde Luft Italiens anweht.\nUnd auch die Sologesänge sind nicht mit jenen langen\nColoraluren im Geschmack der damaligen Zeit überladen,\nsie sind im Salomon mehr der charakteristisch melodische\nAusdruck der Empfindung, welcher besonders in der Scene,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4552, "texte": "die Salomon's Urlheil über den Streit der beiden Mütter\num das Kind darstellt, die höchste Wahrheit erreicht. Auch\ndiese Sologesänge werden durchweg mit sanften Orgel-\nslimmen begleitet.\nNehmen wir dazu, dass durch die bevorstehende Auf-\nführung zugleich das Andenken an Felix Mendelssohn\nund an seine grossen Verdienste um unsere Feste gefeiert\nwird—denn er war es, der die Orgelstimme in Händel's\nGeist zu der Aufführung des Salomon im Jahre 1835 für\nKöln schrieb—, so werden alle Freunde des zu früh Da-\nhingeschiedenen in der ganzen Provinz und besonders un-\nsere Mitbürger sich beeilen, eine Ehrenschuld gegen ihn\nabzutragen uni eine Arbeit von ihm zu hören, die nicht\nveröffentlicht ist und bloss hier gehört werden kann.\nDas Programm des zweiten Festtages spricht für\nsich selbst durch die Namen Joh. Sebastian Bach,\nKitler Gluck und Ludwig van Beethoven. Wenn in\nder himmelan wogenden Polyphonie des kirchlichen Hoch-\ngesanges des Ersten und in der dramatischen Plastik des\nZweiten beide als Heldengestalten des vorigen Jahrhun-\nderts vor uns hintreten, die wir bewundern müssen, so\nöffnet der Dritte die Pforten eines neuen Jahrhunderts der\nMenschheit, und die Zauber seiner Phantasie zeigen uns\ndie „umschlungenen Millionen\", die, hindurchgedrungen\ndurch Arbeit und Kampf mit dem Geschick, nach Leid und\nSchmerz dem Schöpfer das glühende Dankopfer der Freude\nbringen. Wie die rheinischen Chorvereine die neunte\nSinfonie singen, ist weltbekannt; allein selten wird ihr\nGesang von einer solchen Instrumentalmasse getragen wer-\nden, und noch seltener wird denselben ein Solo-Quar-\ntett zur Seite stehen, das dem Chor an Klangfülle und\nFestigkeit so ebenbürtig wäre, als der Verein von Frau\nDustmann-Meyer, Fräulein Schreck, den Herren\nSchnorr von Carolsfeld und Karl Hill, da dieses\nso oft vermisste Gleichheit der Stärke der\nStimmen und die musicalische Sicherheit besitzt, die zu einer\ngelungenen Lösung der schwierigen Aufgabe erforderlich\nsind. Denken wir uns nun ein so vollkommenes Ganzes\ndurch Ferdinand lii 11 er geleitet, der gegenwärtig wohl\nwie kaum ein Anderer in den Geist Beethoven'scher Werke\neingedrungen ist, so darf man einer grossartigen Verherr-\nlichung des Beethoven'schcn Genius entgegensehen.\nVon Gluck werden zum ersten Male auf einem Mu-\nsikfeste eine Reihe von Scenen aus Iphigenie in Aulis\naufgeführt, jener Oper, mit der Gluck zuerst in Paris im\nJahre 1774 seinen Weltruhm gründete. Während Fräu-\nlein Schreck als Meisterin des oratorischen Gesanges im\nSalomon glänzen wird, werden Frau Dustmann und die\nHerren Schnorr von Carolsfeld und Karl Becker\nIphigenie, Achill, Agamemnon in der vollkomme-\nnen Darstellung ihrer höchst charakteristischen Rollen\nwetteifern.\nDas ist es, was wir von unserem diesjährigen Musik-\nfeste an den beiden ersten Tagen zu erwarten haben.\nDazu noch das Concert am dritten Tage. Es ist,\nwenn wir uns nicht irren, das erste Mal, dass eine Sinfonie\nvon II ay d n das Programm des Musikfestes ziert; desto\nwillkommener wird sie allen Freunden der ewig jungen\nMuse des Vaters der Sinfonie sein. Der Entschluss, mit\ndem einmal versammelten trefflichen Orchester-Vereine\nauch am dritten Tage noch eine Sinfonie zu geben, ist nur\nzu loben, denn es ist keine Frage, dass in dem letzten\nJahrzehend sich die Orchesterleistungen auf unseren Festen\nzu einer Höhe erhoben haben, welche dem immer mehr\nentwickelten Sinne des Publicums für sinfonistische Vor-\nträge entgegen kommt und ihn auf glänzende Weise be-\nfriedigt. Ausser den Solo-Vorträgen der genannten Sän-\ngerinnen und Sänger hat Herr Capellmeister Hill er, der\nuns auch ein neues Vocalwerk, eine Hymne von M.\nHartmann: „Die Nacht\", für Solostimmen, Chor\nund Orchester gesetzt, vorführen wird, von der wir uns\nnach dem, was wir bereits davon in den Proben gehört\nhaben, eine grosse Wirkung versprechen, sich geneigt fin-\nden lassen, einmal wieder vor einem grossen Kreise als\nClavierspieler aufzutreten und uns ein Concert von Mo-\nzart hören zu lassen; wer die unvergleichliche, hochkünst-\nlerische und dabei technisch vollendete Weise der Fassung,\nin welcher Hiller dergleichen echte Perlen darzubieten\npflegt, noch nicht kennt, der wird einen Kunstgenuss ha-\nben, den er heutzutage wohl nirgendwo anders finden kann,\nund wer jene Vortragsweise kennt, der kann sich nie genug\ndaran erfreuen.\nBei den Aussichten, welche mithin das 39. Musikfest\nden Kunstfreunden eröffnet, ist nicht daran zu zweifeln,\ndass auch die zahlreichste Theilnahme des Publicums das\nFest zu einer recht feierlichen Verherrlichung der Ton-\nkunst am Rheine machen wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "170", "page_fin": "172", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.3", "titre_corps": "Gluck und die Oper.", "titre_sommaire": "Gluck und die Oper.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.2", "debut_caractere": 4554, "fin_caractere_exclue": 4969, "texte": "Gluck und die Oper.\nI.\nUnter diesem Titel liegt uns die erste Lieferung eines\nneuen Werkes von Adolf Bernhard Marx vor, das in\nBerlin im Verlag von Otto Janke in acht Lieferungen zu\n15 Sgr. Subscriptions-Preis 4 Thlr.—in prächtiger Aus-\nstattung erscheint.\nDer erste Abschnitt: „Der Künstler und seine Auf-\ngabe\", verbreitet sich als Vorwort über den Inhalt des\nBuches und über die Art der Auffassung und Behandlung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5408, "texte": "des Stoffes durch den berühmten Verfasser. „Er unter-\nnimmt, das Leben eines Künstlers zu schildern, der nicht\nbloss fortleben wird in der Erinnerung und auf den Blät-\ntern der Geschichte, sondern fortwirken im Leben der\nKunst selber, so oft sich dasselbe zu seiner Bestimmung,\nder Herstellung des Ideals, erhebt.\" —Wir geben zunächst\nin dem Folgenden auszugsweise diejenigen Stellen, welche\nden Leser am besten über das, was er in dem Buche zu\nerwarten hat, orientiren werden.\n„Auf dem Gebiete der Tonkunst war den drei Send-\nboten des deutschen Geistes Händel, Gluck, Mozart\nder Beruf zugefallen, das, was in Italien, in Frankreich,\nin England angestrebt und ersehnt worden, diesen edlen\nCulturstätten und damit dem eigenen Vaterlande und dem\ngesammten Kunstwesen in einer jenen Völkern selber nicht\nerreichbaren idealen Vollendung darzubringen. Keines die-\nser Völker hat über sie hinaus einen Fortschritt zu thun\nvermocht. Nur in Deutschland selber ist ein solcher durch\nBeethoven möglich gewesen, aber auf einem Gebiete,\ndas von den anderen Nationen gar nicht ernstlich angebaut\nwerden konnte, auf dem Gluck ihnen die erste höhere\nStufe wies und selber weit abstand nach Geschick und Be-\nruf von seinen nächsten deutschen Nachfolgern.\n„Ihm war, im Gegensatze zu den anderen Beiden und\nzu sonstigen deutschen Tonkünstlern, denen es gegeben\nworden, auf die mannigfaltigsten Aufgaben mit Glück ein-\nzugehen, eine scharfgezeichnete, unverrückbare Bahn zu-\ngewiesen: das ernste musicalische Drama zu vollen-\nden in dem Sinne, wie dasselbe in Italien und Frankreich\nangestrebt worden war. Alles, was er ausserdem geschaf-\nfen, verdient nach Umfang und Inhalt kaum, neben jener\neigentlichen Lebens-Aufgabe zur Betrachtung gezogen zu\nwerden. Jene einzige Aufgabe aber hat er mit solcher\nEnergie gefasst, dass die durch den Lauf von mehr als\nzwei Jahrtausenden immer wieder auftauchende Idee eines\nmusicalischen Drama's erst an seinen Schöpfungen zur Ent-\nscheidung herangereift erscheint.\n„Erst mit Gluck's Werke trat die Frage vom musi-\ncalischen Drama thatsächlich vor das Bewusstsein und\nNachdenken der gebildeten Menschheit; und noch bis zu\ndieser Stunde steht sie ihm als ungelös'te Aufgabe vor, als\neine Aufgabe, deren Wichtigkeit man nicht bezweifeln\nkann, da der Gegenstand fortwährend die begabtesten Völ-\nker und eine grosse Reihe vorzüglicher Dichter, Künstler\nund Denker beschäftigt hat. Die Hellenen nahmen, wie es\nstets ihre Art war, ihre Stellung zu dieser Frage ganz naiv:\nsie verbanden dichterische mit musicalischer Diction, ohne\ndas Wesen beider und den etwaigen Zwiespalt zwischen\nder Musik einerseits, dem Wort und der Handlung ande-\nrerseits zum helleren Bewusstsein zu bringen, ein Zwie-\nspalt, der auf der voraussetzlich niedrigen Stufe ihrer Mu-\nsik nur wenig empfindbar sein mochte. Erst an dem Ge-\ngensatze, der zwischen Gluck und seinen Vorgängern her-\nvortrat, wurde klar, dass die Musik ihrer Natur nach kei-\nneswegs mit dem Worte und dem dramatischen Einher-\nschritte durchaus zusammenstimme, dass beide Theile sich\noft widerstreben und nur durch gegenseitige Nachgiebig-\nkeit und Opfer sich vereinigen lassen. Welcher Art diese\nOpfer? wie weit die Nachgiebigkeit nothwendig und statt-\nhaft? das war die Frage zwischen Gluck und seinen Vor-\ngängern und Zeitgenossen, das ward später die Frage zwi-\nschen Mozart und seinen Nachfolgern und Gluck, das wird\ndie Frage sein, die jedem künftigen Operndichter und\nOpern-Componisten und allen denkenden Theilnehmern\nzu thatsächlicher oder gedanklicher Entscheidung gegen-\nübertritt.\n„Hatte auf der einen Seite die Idee vergebens nach\nVerkörperung gerungen, auf der anderen das leibliche\nWachsthum noch nicht vermocht, das Ideal an sich selber\nzu verwirklichen, so trat aus beiden Unzulänglichkeiten,\ndie jede ihre nur einseitige Berechtigung hatten, das ver-\nsöhnende höhere Recht hervor, die Idee nicht als vergan-\ngenes oder vergängliches, sondern als ewiges Dasein in\nvollgenügender Lebenskraft zu verwirklichen. Dies geschah\ndurch Gluck. Nicht dem versunkenen Hellenenthum, nicht\nder dahinlliessenden Gegenwärtigkeit seines Jahrhunderts,\ndem ewigen Menschenthum baute Gluck seine Altäre mit\nden Kräften, die seine Vorgänger gesammelt und gezeitigt\nhalten. Andere folgten ihm und werden ihm noch folgen\nmit der Aufrichtung neuer Altäre für neue Götter, das ist:\nIdeen. Aber dazu — und zu dem Begreifen dessen, was\nnach ihm geschehen ist und geschehen wird, führt kein\nanderer Weg, als über ihn hinaus. Schrittlings, streng fol-\ngerecht ist der Gang der Geschichte. Selbst die Sprünge\njener neuerungs- und originalitätssüchtigen Wildlinge, die\nsich Genie's dünken, sind gleich den Explosionen und Me-\nteoren im Naturreiche nur Ausläufer des organischen Fort-\nschrittes und Wuchses, der sich im ewig neuen Werden\ndes Vernunftreiches gleichmässig erweist, wie im ewigen\nWandel des Naturreiches. Das aber, dies Erkennen der\nunausgesetzt waltenden Vernunft in jedem Zweige geisti-\ngen Lebens, ist die grosse Lehre der Geschichte, an der\nwir unser eigenes Streben, wie weit es vernünftig, ermes-\nsen und vor den Truggespenstern Zufall und Willkür sicher\nwissen.\n„Woran wir nun diese grosse Lehre der Geschichte\nmit vollster Sicherheit erfassen können, das sind jene Män-\nner, die berufen waren, einen hervorragenden geschicht-\nlichen Process zur Entscheidung zu bringen. Als Einer\nvon ihnen ist oben bereits Gluck uns gegenübergetreten.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3571, "texte": "Jener geschichtliche Process, der in Gluck zu weitreichen-\nder Entscheidung kam, ist aber um so bedeutungsvoller,\nda er neben der dramatischen Frage noch eine weit tiefere,\ndas Wesen der Tonkunst selbst treffende mit umfasst. Die\nFrage, ob Musik bloss Formenspiel, bloss Sinnenlust, allen-\nfalls höchst allgemeiner und unbestimmt bleibender Aus-\ndruck ungefährer Stimmung—oder ob sie treffender Aus-\ndruck des Gemüthslebens und damit erst gleich den ande-\nren Künsten wirkliche Kunst, Offenbarung des inneren\nMenschenlebens sei:—diese Frage hat unausgesetzt Philo-\nsophen und andere Denker beschäfligt, je nach ihrer un-\nbewussten Entscheidung im Innern der Künstler die Rich-\ntung auf das Geistige oder Leibliche, auf das Ewige oder\nVergängliche bestimmt.\n„Solche Männer, wie wir an Gluck ihrer einen erken-\nnen, sind nicht willkürlich oder zufällig hervorgetreten und\nhervorgehoben; wer vermöchte das? Sie sind Organe, die\nder arbeitende Geist der Menschheit sich geschaffen zu be-\nstimmtem Zwecke, alle Strahlen einer Cultur-Periode wie\nin einem Brennspiegel in der Seele dieser Erkorenen zu-\nsammenfassend zu einer weithin leuchtenden und zünden-\nden Flamme.\n„Dieser durch das einheitliche Leben der Menschheit\nwaltende Geist weiss aber auch zu jeder Aufgabe das\nrechte Organ zu bilden und heranzurufen. Nicht Begabung\nschlechthin genügt, sondern die eigenst gemässe muss ans\nWerk. Nimmermehr hätte das deutsche Volk hinlängliche\nGewandtheit und spielende Sorglosigkeit genug besessen,\nKunstformen und Stimmen für den Zweck der Oper, die\nwerden sollte, zu schmeidigen. Das fiel den warmblütigen,\nelastischen, leichtlebenden Italiänern zu, denen die milde\nNatur, die Gewohnheit, sich öffentlich und gefällig darzu-\nstellen, das Zusammenwohnen mit den Gebilden der clas-\nsischen Kunst, die von den Römern her überlieferte Ge-\nwandtheit in scenischer Rede und Darstellung hülfreich\ndiente. Dann erst trat das schon von Natur mehr auf In-\nnenleben gewiesene deutsche Volk heran, um jenem For-\nmenspiel den idealen Inhalt einzugiessen, der verführeri-\nschen, leichtfertigen Undine die treue Menschenseele ein-\nzuhauchen. Von allen deutschen Künstlern aber war wie-\nderum Gluck gerade für diese Aufgabe das eigenst vorge-\nbildete Organ. Nicht etwa durch allgemeine Ueberlegenheit\ndes Talentes und der Bildung—so oberflächlich wird nicht\nüber hohen Berul entschieden—, sondern durch die eigen-\ntümliche Wahl und Richtung der Kräfte. Man kann kei-\nneswegs schlechthin annehmen, dass Gluck seinen Vorgän-\ngern und Zeitgenossen an musicalischer Kraft überlegen\ngewesen; Händel überragt ihn hierin und in künstlerischer\nDurchbildung um eines Hauptes Länge, Francesco Majo\nkann ihn an Reiz und Mannigfaltigkeit der Melodie viel-\nleicht überbieten, des dicht ihm nachfolgenden überreichen\nMozart nicht zu erwähnen. Ja, so weit sich überhaupt\nGeistiges wägen und schätzen lässt, darf man wohl aus-\nsprechen: Gluck's musicalisches Vermögen ist genau\nknapp zugemessen für seine besondere Aufgabe, dem\nWorte und der Handlung die Musik auf das treueste an-\nzueignen; reichere Begabung, höhere musicalische Durch-\nbildung hätte ihn davon abgezogen. In seiner Beschränkt-\nheit Beschränktheit nach dem Maasse der überreichen\nTongeister Mozart und Händel —, was kam ihm zu Stat-\nten? Wort und Charakter und Handlung, und dazu die\nMacht, das Alles in höchster Bedeutsamkeit zu erfassen;\n—und dazu die Charakterkraft und Treue, nichts als das\nEine zu wollen: den hohen Menschengebilden und Men-\nschengeschicken, die seinen Geist erfüllt hatten, den Schau-\nplatz idealen Daseins zu bereiten.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "172", "page_fin": "174", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.4", "titre_corps": "Die musicalische Bibliothek des verstorbenen Canonicus Dr. Proske.", "titre_sommaire": "Die musicalische Bibliothek des verstorbenen Canonicus Dr. Proske.", "signature_source": "Mettenleitar", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.4", "debut_caractere": 3573, "fin_caractere_exclue": 5180, "texte": "Die musicalische Bibliothek des verstorbenen\nCanonicus Dr. Proske.\nVon Dr. Mettenleitar.\nNach der bis in die kleinsten Einzelheiten sich ver-\nbreitenden Kenntnissnahme von der Musik-Bibliothek\ndes Hochwürdigen Canonicus senior am Collegiatstifte zur\nalten Capelle Dr. Karl Proske, des leider für die Kir-\nche und speciel für die kirchliche Tonkunst zu früh ver-\nstorbenen, ja, in letzter Hinsicht kaum zu ersetzenden Ge-\nlehrten, erwuchs meine schon aus früherem Wissen ge-\nwonnene Ueberzeugung, dass diese Bibliothek ein JJnicum\nin der Welt ist, dass die berühmtesten Musik-Bibliothe-\nken (von Privat- und anderen Sammlungen ganz abge-\nsehen) gegen dieselbe kaum einen Vergleich auszuhalten\nvermögen, zur Evidenz. Wenn ich Solches auszusprechen\nnicht anstehe, so thue ich es, mich stützend auf ein zwan-\nzigjähriges Studium aller Theile der Musikgeschichte, der\nheiligen insbesondere, auf die ununterbrochene Durchfor-\nschung der erschienenen Antiquariats-Kataloge, auf ein\nernstliches Studium der einschlägigen Literatur (alter und\nneuer), endlich auf meine freundschaftlichen Beziehungen\nund dadurch mir gewordenen Mittheilungen über die be-\nstehenden genannten und andere Musik-Bibliotheken.\nDie Bibliothek besteht aus einer theoretischen und\neiner praktischen Abtheilung.\nI. Die theoretische enthält, wie die von dem ver-\nstorbenen Herrn Canonicus Dr. Proske selbst mit erstaun-\nlicher Gewissenhaftigkeit und mit der ihm geläufigen lite-\nrarischen Vollständigkeit und dem gelehrten Apparate ver-\nfertigten Kataloge nachweisen, alle bis auf die Compo-\nsitionslehre von Marx reichenden Werke über die Na-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5366, "texte": "tur der Töne, über den physicalischen, akustischen Tlieil\nder Musik, über die Wirkung der Musik, über die Musik\neinzelner Völker in Tractaten, Disputationen, über Contra-\npunkt, Cantus Gregorianns, dessen Harmonisirungs-Mög-\nlichkeit und Fähigkeit, dessen Natur und Wesen u. s. w.,\nüber den reinen Satz, Fugenbau in allen Gestalten, Ver-\nteidigung der alten gegen die moderne Musik und umge-\nkehrt u. s. w. Ich enthalte mich einer Anführung von Na-\nmen, da die Autoren der in Rede stehenden Werke dem\nKenner ohnehin bekannt sein müssen.\nFerner finden sich hier die berühmtesten Lexica,\nbiographisch-musicalische Werke, vor, z. B. Lichtenthai,\nBurney (auch dessen Tagebuch), Walter, Gerber, Forkel,\nMartini, Fetis (die erste Ausgabe) u. s. w., der ganze Abt\nGerbert [Musica sacra, Script. u. s. w.\nSelbstverständlich erstreckt sich die theoretische Bi-\nbliothek auch auf Abhandlungen über weltliche, moderne\nMusik bis herein in die Neuzeit, auf Aesthetik, überhaupt\nauf alles, was mit der Tonkunst irgendwie zusammenfällt.\nDass Werke wie die von Riesewetter, Coustemaker u. s. w.\nvorhanden sind, braucht nicht erst erwähnt zu werden.\nSoll der Werth der theoretischen Abtheilung en bbe\nangegeben werden, etwa im Verhältniss der mittleren Ver-\nkaufspreise der renommirtesten derartigen Antiquariate,\nso schätzt sich das Ganze auf mindestens 5000 Gulden.\nJe älter ein theoretisches Werk ist, desto theurer ist es.\nDa nun hier fast alle bekannten alten und ältesten Werke\nvorhanden sind und die seltensten, einige ganz vergriffene,\nso lässt sich hieraus auf den Werth schliessen.\n11. Die praktische Bibliothek verbreitet sich über\ndas Gesammtgebiet der Tonkunst von ihren harmonischen\nAnfängen bis zu Mendelssohn-Bartholdy. Sie ist die ver-\nkörpertste Geschichte der Musik, welche sich je denken\nlässt und die existirt.\nIch skizzire den Inhalt überhaupt. A. Erste Noten-\ndrucke. B.Copieen verlorener Tonwerke, Ma-\nnuscripte. D.Autographen. EAlte gestochene alte Musik.\nF. Verschiedene Editionen derselben Werke. Ganz\nvollständige Werke eines Meisters. Unvollständige\nWerke. I.Pergamentwerke. Mit Holzschnitten und\nRupferstichen illustrirte Sammelwerke, gedruckte in Folio,\nQuerquart, Hochquart u. s. w., und geschriebene. Ihrer sind\nda sehr viele, unendlich reichhaltige, oft mit mehr als\n400—500 Nummern, von d\nIn Specie findet sich aber unter dem Titel:\nA. Ratisbonensis Musicae in drei eigen-\nhändigen, ausserordentlich kostbaren Ivatalogen, von Herrn\nCanonicus Dr. Proske zusammengestellt und in einem vier-\nten Bande alphabetisch geordnet, ein Schatz von antiken,\nreligiös-kirchlichen und weltlichen (deutsche, lateinische,\nflämische, englische, griechische, italiänische, französische\nTexte) Musicalien, welchen auf 15,000 Fl. zu schätzen,\nkeinen Augenblick anzustehen ist. Es sind hier vertreten\nfast alle Tonschöpfer aus der niederländischen Schule (von\nDufay an hinauf), selbst die weniger renommirten; ferner\ndie ganze deutsche (preussische u. s. w.) Schule, Walter,\nSenft, Tsaack, Vulpius, Rerle, Ramingen, Gumpolzhaimer,\nMeto, Frank, Fink, Schütze u. s. w. Es ist ein unbe-\nschreiblicher Schatz und unschätzbar, selbst auf den\nrenommirtesten Bibliotheken nicht mehr da oder höchstens\neinzeln in den Bibliotheken der halben Welt zerstreut und\nzerstückelt. Dass Handl, Hasten, Lassus Orlandus, Lassus\nNudolph, Palestrina, die beiden Gabrieli, Croce u. s. w.\nda sind, versteht sich; aber die grösste Merkwürdigkeit\ndaran sind die Ausgaben, in denen diese Meister sich fin-\nden, deren Vollständigkeit u. s. w. Höchst beachtenswerth\nist das Vorhandensein der ungemein reichen Sammlung\nvon deutschen Gesängen, Rirchenliedern vor, aus der Zeit\nder Reformation und danach; man hat da eine vollstän-\ndige Geschichte des deutschen Rirchenliedes. Eben so\nmerkwürdig ist ferner die reichhaltigste Sammlung von\nMadrigalen (weltlichen und religiösen Gesängen, z. B.\nder Sonette von Petrarka), der Anfänge des Singspiels, des\nOratoriums, der Oper, der instrumentalen Verwerlhung,\nder Concerte, Sonaten, Sinfonieen, Cantaten in allen Ge-\nstalten u. s. w. u. s. w.—Ich bin gewiss, dass diese Samm-\nlung ein Unicum ist, eine wahre Collectio aurea, ein wah-\nrer Thesaurus aureus.\nB.Die in grauen, mir wohlbekannten, weil von mei-\nnem verstorbenen Bruder angelegten, überschriebenen und\neingeräumten Mappen mit grünen Autorschild-Aufschrif-\nten befindlichen Musicalien enthalten ferner einen nicht\nminder werthvollen Schatz von Musikwerken der römi-\nschen, venetianischen, spanischen, niederländischen, deut-\nschen Schulen. Diese Sammlung ist zweifellos die vollstän-\ndigste dieser Art, sowohl was die Autoren betrifft, als die\nCompositionen und Werke selbst. Hierunter befinden sich\ndie eigenhändigen Copieen des Herrn Can. Dr. Proske\nselbst, Autographen von doppeltem Werthe: 1) in Bezug\nauf den hochgelehrten Mann und Priester selbst, 2) in\nHinsicht auf Reinheit, Sauberkeit, Corrcclheit, Eleganz\nder Schrift und Uebersetzung aus den alten Manuscripten\nund Codices. Es befinden sich da ebenfalls neben den fast\nunzählbaren Werken der Rirchenmusik (Messen, Motetten,\nPsalmen, Antiphonen, Magnificat, Lamentationen, Passio-\nnen, Responsorien, religiösen Cantiones, z. B. des durch-\ncomponirten Jubilus 8. Bernardi von Aichinger, oder der\nLacrymae B. V. M. etS.\nChristiu. s. w., Litaneien u. s. w.) auch Madrigali in Un-\nzahl, z. B. auch von Palestrina, deutsche Gesänge religio-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1870, "texte": "seil, heiteren und weltlichen Inhalts, Hochzeits-Gedichte,\nin Musik gesetzt, und Werke mit Instrument- und Sing-\nstimmen von dem ersten Auftreten der Melodie als vor-\nherrschender Einzelstimme an bis hinauf zur weiteren\nFortbildung der Cantate, des Duetts, des Oratoriums, der\nOper, der Compositionen für einzelne Instrumente u. s. w.\nUnendlich werthvoll!\nIch schätze diese i?-Abtheilung (abgerechnet die noch\nzu erwähnende C-Abtheilung, welche hier auch eingereiht\nist) circa auf denselben Werth, wie namentlich\nin Anbetracht der vielen Unica, Autographen, Einzel-Aus-\ngaben, der Vollständigkeit.\nC. Das Vorzüglichste aus der Hauber'schen Musik-\nSammlung. Hierüber ist der genaueste Katalog vorhan-\nden. Die einzelnen Werke sind in der Mappen-Sammlung\neingereiht; ich zählte diese Sammlung schon unter\nwollte sie aber der Klarheit wegen namentlich aufgeführt\nwissen. Die übrigen Sammelwerke zählen auch hieher.\nD. Neue und neuere Musikwerke (in grauen\nMappen). Hier findet sich der ganze Sebast. Bach (auch\ndie neueste Bach-Ausgabe), Christ. Mich. Bach, Scarlatti\nganz (Alexander und Domenico), Händel (Bach und Hän-\ndel sind in 3 4 Ausgaben ganz da), Benda, Haydn,\nMozart, Beethoven, Clement)', Löwe, Stadler, Schicht (Tod\ndes Gerechten), Naumann, Hassel, Vogler, Preindl, Reissi-\nger, Schubert, Cramer, C. M. von Weber, Winter, Men-\ndelssohn, Rossini (Exempel für die italiänische Gesang-\nkunst, zu deren Erlernung), Paesiello, Pergolese, Paer,\nMosel, Kruft, Graun, Gluck, Gr<stry, Cherubini u. s: w.,\nOpern, Singspiele, Oratorien, Cantaten u. s. w. Mit Men-\ndelssohn schliesst die moderne Musik bei Herrn Dr. Proske\nab. Verzeichne ich den Werth dieser .Ö-Abtheilung, so\nnenne ich en bbc die Summe von 5000 Gulden auf dem\nStandpunkte des Antiquariats.'—Es versteht sich von selbst,\ndass ich die Namen ohne chronologische Ordnung auf-\nführte.\nRegensburg, 18. Mai 1862."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.5", "titre_corps": "Aus Göttingen.", "titre_sommaire": "Aus Göttingen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.6", "debut_caractere": 1872, "fin_caractere_exclue": 4791, "texte": "Aus Göttingen.\nAm Samstag den 17. Mai wurde durch Professor Dr.\nKrüger in der hiesigen Universitätskirche eine Auffüh-\nrung geistlicher Musik veranstaltet, deren Haupttheile der\nChoral: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt\", Seb. Bach's\nCantate: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\", und die\nChöre aus dem dritten Theile von Händel's „Messias\", ein-\ngeleitet durch die Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\", waren. Dazwischen Orgelsätze von Seb. Bach\nund Samuel Scheidt. Es war ein grosser und reiner Ge-\nnuss, der den Hörern hiedurch verschafft wurde. Der Satz\ndes Chorals, der, wie wir vernehmen, von Prof. Krüger\nselbst stammt, versetzte uns in der Festigkeit und Sicher-\nheit seines Ganges, in dem Reichthum seiner Modulatio-\nnen und in der Durchsichtigkeit seiner ganzen Gestaltung\nganz in die Weise Eccard's und der verwandten Meister.\nBach's Cantate mit Orgel und Instrumental-Begleitung\nathmet die ganze mystische Tiefe, Innigkeit und ernste\nLieblichkeit, die den Meister zu dem Dolmetscher der evan-\ngelischen Frömmigkeit macht. Zugleich trat die ganze mu-\nsicalische Grösse, die wunderbare Gewalt, die der beschei-\ndene Cantor als ein Herrscher im Reiche der Töne aus-\nübt, ergreifend hervor. Man halte aufs Neue den Eindruck,\nwelch eine Unerschöpflichkeit musicalischer Kunst in Bach\nliegt, wie er mit jedem Jahre unter uns wächst und neue\nEinblicke in seine Tiefe und seinen Reichthum thun lässt,\nneue Seiten für sein Verständniss öffnet. Von herrlicher\nErfindung ist die Begleitung des Chorals, womit die Can-\ntate schliesst, indem sie wie ein unmittelbarer Wiederhall\nden singenden Stimmen entgegentönt und so die ganze\nMelodie wie in einen fortleuchtenden Glanz des Klanges\neinhüllt. Die aus dem Innern voll nach aussen tretende\ncharakteristische und plastische Gestaltung HändeFs hob\nsich durch die Nebeneinanderstellung mit Bach nur um\nso entschiedener hervor. Die Ausführung war eine treff-\nlich gelungene, wie man sie unter der Leitung eines Man-\nnes erwarten konnte, der in so seltenem Maasse die ethi-\nschen, ästhetischen und technischen Bedingungen in sich\nvereinigt, die zur vollen Darstellung unserer kirchlichen\nund geistlichen Musik nothwendig sind. Es lebte ein fri-\nscher, feuriger Sinn und Geist in dem ganzen Vortrage;\nman fühlte es den Mitwirkenden an, dass sie eben so von\nder Sache erfüllt waren, als sie sich frei darin fühlten und\ndie eigene Empfinduug ausdrückten. Wir wünschen dem\nKrüger'schen Vereine, der mit seinen noch beschränkten\nKräften doch so Dankenswerthes geleistet hat, eine immer\ngrössere Entfaltung ein Wunsch, dessen Erfüllung wir\num so mehr hoffen, da bekanntlich nichts so sehr sowohl\ndie technische Ausbildung der Stimme, als auch den Sinn\nfür die reinste und innerste Kraft der Musik entwickelt,\nals das Ueben geistlicher Musik, in welcher überhaupt auch\nschon für eine nur ästhetische Betrachtungsweise das\nHöchste und Wirksamste des musicalischen Lebens liegt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "175", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.6", "titre_corps": "Orchester-Stimmung.", "titre_sommaire": "Orchester-Stimmung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.6", "debut_caractere": 4793, "fin_caractere_exclue": 4996, "texte": "Orchester-Stimmung.\nWien, den 17. Mai 1862.\nDie Angelegenheit der niedrigeren Stimmung der Or-\nchester ist bei uns einen bedeutenden Schritt vorgerückt.\nNachdem man in maassgebenden musicalischen Kreisen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 967, "texte": "sich für die Annahme der pariser Normalstim-\nmung entschieden hatte, werden sicherem Vernehmen\nnach bereits Einleitungen getroffen, um diese niedrigere\nStimmung schon in der nächsten Herbst-Saison zur Durch-\nführung zu bringen. Vorerst haben die Direction des\nk. k. Ilof-Operntheaters und die Gesellschaft der\nMusikfreunde im gegenseitigen Einvernehmen die Ini-\ntiative ergriffen, und namentlich die Direction der letzteren\nsich dahin ausgesprochen, vom 1. October I. J. die nor-\nmale Stimmung sowohl in ihren Musik-Aufführungen als\nbei dem im Conservatorium zu ertheilenden Musik-\nUnterricht einzuführen. Es lässt sich kaum bezweifeln,\ndass die übrigen Musik-Institute Wiens sich ihnen an-\nschliessen werden.\nDas Staats-Ministerium hat der Sache seine Unter-\nstützungzugesagt, und die Vortheile, welche damit nament-\nlich für die Erhaltung der Stimmen verbunden sind, wer-\nden gewiss auch die Bühnen-Directoren in den Kronlän-\ndern zum baldigen Anschlüsse bestimmen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "176", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.7", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.7", "debut_caractere": 969, "fin_caractere_exclue": 5065, "texte": "Aus Aachen.\n\nDen 24. Mai 1862.\nBevor ich die Chronik unserer Abonnements-Concerte,\nderen letztes Sonntag den 1. Juni Statt finden wird, ver-\nvollständige, erlauben Sic mir wohl, der Verdienste zu ge-\ndenken, welche sich die musicalischen Vereine und einzelne\nKunstler um unsere Kunstgenüsse in dem vergangenen\nWinter erworben haben.\nDa ist denn vor Allem das schöne Concert zu erwäh-\nnen, welches der Männer-Gesangverein Concordia am\n18. d. Mts. im Theater gegeben hat. Dieser Verein hat\nuns bewiesen, dass er nicht auf seinen Lorbern schläft,\nsondern unter der tüchtigen Leitung seines wackeren Di-\nrigenten Herrn Ackens die höchste Vollkommenheit im\nGesammt-Vortrage und im Ausdruck mit Erfolg anstrebt.\nDies offenbarte sich vorzugsweise in den Gesängen der\neigentlichen Sphäre der Gattung, dem Ave Maria von Abt\nund dem Waldliede von Möhring. Alle übrigen Chöre\nwurden mit Orchester gesungen: Introduction für Soli und\nChor aus „Elisa\" von Cherubini, ein wahrer Edelstein;\nder frische Soldatenchor aus Gounod's Faust; „Deutscher\nSchwur und Deutsches Gebet\" von Möhring, eine kräftige,\nhinreissende und geschickt instrumenlirte Composition;\n„Slurmesmylhe\" von Fr. Lachner, ein Gesang, der über-\nall den classischen Meister zeigt. Von Orchestersachen\nwurde ausser der Ouvertüre zu Elisa der Krönungsmarsch\nvon Lux gemacht, dessen geschickte Factur wohl mehr\nden Musiker anspricht, als das grosse Publicum, trotz des\ngewaltigen Aufwandes von Blech. Ole Bull trug ein Con-\ncert und eine Sicilienne von seiner Composition vor, deren\nHauptverdienst die Veranlassung zur Darlegung aller Wun-\nder ist, deren das Instrument unter seinen Händen fähig\nist. Er hat es noch immer in der Gewalt, die Menge zu\nbegeistern, was denn auch hier der Fall war. Einen an-\nderen und gediegeneren Erfolg errang Fräulein von Jan-\nsard, eine junge und bescheidene Sängerin, welche nach\nmehreren Kunstreisen sich hier niederzulassen gesonnen\nist, was für uns und die ganze Provinz ein grosser Gewinn\nsein würde. Ihre Stimme, ein Mezzo-Sopran, ist zwar nicht\nvon grossem Volumen, aber sehr sympathisch; ihre gröss-\nten Vorzüge sind Gleichheit der Register, unwandelbare\nReinheit, gute Aussprache und als Resultate anhaltender\nStudien der italiänischen Schule correcte Vocalisation und\nTriller. Die Wahl ihrer Gesangstücke muss man dem Vir-\ntuosen-Debut nachsehen: eine Arie aus Ernani und eine\nRomanze aus der Traviata von Verdi, dann Variationen über\nein russisches Nationnallied von Warlamow. Die beiden\nletzten Stücke begleitete Fräulein Janssen auf der Harle,\nein junges, viel versprechendes Talent von hier.\nAusser Fräulein von Jansard haben wir in Herrn\nRutzenberger eine vorzügliche Acquisition gemacht, der\nsich während seines kurzen Aufenthaltes durch sein glän-\nzendes Talent als Clavierspieler, durch seine Anlagen zur\nComposition und durch seine Bescheidenheit bereits die\nallgemeine Achtung erworben hat. Als Schüler von Franz\nLiszt besitzt er eine enorme Technik und errang über-\nhaupt durch den Vortrag der Transscription Liszt's über\nden Tannhäuser-Marsch und des Septetts von Hummel\neinen grossen Erfolg.\nDie Liedertafel halte ihrer Gewohnheit gemäss für\neine ihrer Soireen den berühmten Virtuosen Alfred Jacll\nengagirt, welcher die Zuhörer durch das herrliche Clavicr-\nConcert in C-mollvon Beethoven, das er mit bewunde-\nrungswürdiger Einfachheit, Verständniss, Adel und Inner-\nlichkeit des Ausdrucks vortrug, ganz und gar hinriss. Die\nanderen Vorträge brachten Variationen von Händel, die\nBerceusevon Chopin und Anderes, denn Jaell's Gelällig-\nkeit gegen das Publicum steht aul gleicher Höhe mit sei-\nnem ausserordentlichen Talente. In einer anderen Soiree\nhörten wir den noch jugendlichen Leopold Auer aus\nPesth, dessen Vortrag der GesangsCene von Spohr und\ndes Finale aus dem A-dur-CowcQxi von Vieuxtemps durch\nvollen Ton und höchst bedeutende Technik den Schüler\nJoachim's erkennen liess.\nNoch ist die Soiree des eifrigen und sehr füchligen\nClavierlehrers Herrn Lausmann zu erwähnen, der durch\nden Vortrag des Conccrtes in von Chopin lebhaften\nBeifall erhielt, welcher auch der Frau Henriette Wickop"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 612, "texte": "nach dem schönen Vortrage der Arie: „Fromme Thrä-\nnen\" aus Judas Maccabäus und dem originellen Spiel Ole\nBull's in reichem Maasse zu Theil wurde.\nIn einer der letzten Versammlungen des Instrumental-\nVereins hörten wir ein handschriftliches Werk von gros-\nsem Interesse, eine „canonische Suite für Streich-Instru-\nmente\" von Herrn Jul. Otto Grimm, eine geschickte\ncontrapunktische Arbeit, in welcher das melodische Ele-\nment die strengsten Formen der Imitation auf so anspre-\nchende Weise durchzieht, dass nicht bloss der gelehrte\nMusiker, sondern auch das grössere Publicum sich lebhaft\ndafür interessirt *).\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-05-31-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-05-31_01#c008", "volume": "bmtnabi_1862-05-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.8", "debut_caractere": 614, "fin_caractere_exclue": 4218, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI4OIIA* in der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft,\nin der wir die oben erwähnte „canonische Suite\" von J. O. Grimm\nhörten, trug Herr Schauseil aus Düsseldorf das Clavier-Concert\nvon Burgmüller, dessen Finale eine besonders lebhafte und fri-\nsche Composition ist, mit rühmlicher Technik und Farbengebung\nunter allgemeinem Beifallc vor.\nFranz Co mm er in Berlin, der unermüdlich thätige Förderer\nvieler köstlichen Schätze unseres classischen Musik-Alterthums, hat\nsich ein neues Verdienst erworben durch die begonnene Ausgabe\nvon Orlando Lasso, wovon bis jetzt drei Theile erschienen sind.\nSie bilden von der Musica Sacra XVI. XVII. saeculi den To-\nmus 5, 6, 7. Berlin, Trautwein. 1860—3762. Fol. In Allem hat\nFranz Commer wohl über 300 Tonsätze von Orlando Lasso aus al-\nten Stimmbüchern zum ersten Male in Partitur gebracht ein ver-\ndienstliches Werk, das durch die hingebende Uneigennützigkeit, mit\ndem es ausgeführt wird, in desto schönerem Lichte erscheint. Wir\nhoffen bald ausführlicher von dem Unternehmen zu reden. E. K.\nIjcifizig. Den Glanzpunkt der letzten Wochen bildete das\nGastspiel des Fräuleins Artot. Sie trat in der „Regi-\nmentstochter\", dem „Liebestrank\", „Lucrezia Borgia\", dem „Barbier\nvon Sevilla-' und in der „Nachtwandlerin\" auf. In allen Partieen\nbewährte sich ihre ausgezeichnete Technik sowohl als auch ihr echt\nkünstlerisch durchdachtes Spiel in so hohem Grade, dass das Publi-\ncum in einen wahren Beifallsjubel ausbrach.\nBouffes Barisien s. Die französische Gesellschaft\nder Bouffes Barisiens beginnt am 1. Juni im Kai-Theater unter der\nLeitung des Directors Varney einen Cyklus von dreissig Gast-Vor-\nstellungen. Die Gesellschalt besteht aus zehn Damen und zehn\nHeuen und dem Capellmeister Pierre Benoit. Das Repertoire be-\nsteht aus 22 Operetten von Offenbach und aus mehreren Operetten\nverschiedener Componisten.\nGounod's „Margarethe\" erzweckte noch bei jeder Wiederho-\nlung, tiotz der vorgerückten Jahreszeit und des herrlichsten Wetters,\nwie zum Trotz all derjenigen, welche ihr die Lebensfähigkeit rund-\nweg abgesprochen hatten, ein ausverkauftes Haus.\nMit Fräulein Bognar, deren Contract so eben ablief, ist die\nk. k, Hofburgtheater-Direction neuerdings in Engagements-Unter-\nHandlungen getreten. Der begabten Künstlerin sollen folgende Offer-\nten gemacht worden sein: entweder ein lebenslängliches Engagement\nmit Decret und einer Gage von 4000 Fl., oder ein Contract auf die\nDauer von fünf Jahren mit einer Gage von 6000 Fl.\nPräulein Wolter tritt schon vom 1. Juni ab in den Verband\ndes Hofburgtheaters, wenn ihr während der Saison ein Urlaub von\nsechs Wochen bewilligt wird.\nTlialberg ist in Wien angekommen.\nGesänge für Männerstimmen von Meyerbeer.\nDer berühmte Meister hat Trois Choeurs et un Quatuor pour voix\nd'hommes herausgegeben. Nr. 1 : A la Batrie, ist das längste und\nausgearbeitetste Stück; es besteht aus einem Allegro für das Solo-\nQuartett, mit dem der Chor theils wechselt, theils sich verbindet;\nein Tenor-Solo Andantino führt eine schöne Melodie, welche der\nChor harmonisch begleitet, zu einem glänzenden Tutti: „O mon\npays, nous te glorifions/\" Nr. 2 ist ein Jägerchor, vierstim-\nmig, mit einem munteren Refrain auf Tra la la. - Nr. 3. „Invo-\ncation ala Terre 7iataleu, ist eine fein und wirkungsvoll ausge-\nführte Bearbeitung' der Melodie „God save the King.u Nr. 4.\n»UAmitie'1, ist nur für Solo-Quartett bestimmt, ein Gesang voll Ge-\nfühl und melodischem Ausdruck.\n*) Wir haben diese Composition auch hier in Köln in der musi-\ncalischen Gesellschaft gehört und stimmen obigem Urtheil voll-\nkommen bei. L B"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 39. niederrheinische Musikfest. Gluck und die Oper. I. Die musicalische Bibliothek dos verstorbenen Canonicus\nDr. Proske. Von Dr. Mettenleiter. Aus Güttingen (Aufführung geistlicher Musik). Orchester-Stimmung. Aus Aachen\n(Concordia Ole Bull Fräulein von Jansard Herr Rutzenberger Liedertafel Herr Lausmann). Von N. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, Herr Schauseil Franz Commer Leipzig, Fräulein Desire Artot Wien Paris).\n\nDas 39. niederrheinische Musikfest.\nZum eilften Male seit dem Bestehen unserer Musik-\nfeste versammelt Köln in seinen Mauern die Repräsentan-\nten der Tonkunst aus dem Rheinlande und die Kunst-\nfreunde von nah und fern zur musicalischen Feier der\nPfingsttage. Seit Wiederaufnahme des Festes im Jahre\n1851 waren die Anmeldungeu zum Chor nicht so stark,\nals dieses Mal; niemals aber war die bauliche Einrichtung\nder Tonbühne in dem Gürzenich-Saale so grossartig,\nzweckmässig und prachtvoll, als jetzt. Schon der Anblick\ndes mehr als je zahlreichen Chors und Orchesters auf den\nemporsteigenden Stufen, welche die ganze Breite des\nSaales einnehmen, und der über dem Orchester prangen-\nden Orgel mit ihren glänzenden Prospectpfeifen wird auf\nimponirende Weise überraschen. Entfalten aber vollends\nerst die Töne der Orgel ihre mächtigen Schwingen, so\nkönnen wir nach dem erstaunenswerthen Erfolg in der\nProbe, welche am 25. Mai mit dem Theile derselben, wel-\ncher erst aufgestellt ist, abgehalten wurde, versichern, dass\neine solche Tonwirkung in einem Conccrtsaale in Deutsch-\nland, ja, auf dem ganzen Continente noch nie gehört\nworden ist. Dazu ist ein Orchester vereinigt, welches als\nder Inbegriff des Fortschrittes der Instrumental-Musik be-\ntrachtet werden kann, so dass sich die Aufführungen an\ndem diesjährigen Musikfeste zu unseren Winter-Concerten\nwie das wogende Meer gegen den Binnensee, wie der rau-\nschende Wald gegen den Hain verhalten werden.\nDurch diese Mittel und Kräfte wird namentlich der\nerste Festtag, die Aufführung des Oratoriums, einen\nGlanz und einen Charakter erhalten, wie er noch nicht da\ngewesen ist, und sie wird in der Geschichte der Musik-\nfeste am Rheine, die schon so viele herrliche Erinnerungen\nzählt, Epoche machen. Dazu kommt, dass kaum ein ande-\nres Werk von Händel das Grossartige und das Liebliche,\ndas kräftig Massenhafte und das reizend Anmuthige des\nmusicalischen Ausdrucks so mit einander verbindet, als das\nOratorium Salomon. Für die Verehrer der edelsten Gat-\ntung der Vocal-Musik bedarf es natürlich keiner Empfeh-\nlung eines Händel'schen Werkes. Aber dem Vorurtheile\nvieler aufrichtigen Kunstfreunde gegenüber, welche die\neigentümlichen und, wie sie sagen, zu veralteten und zu\ngelehrten Formen des Oratoriums nicht gern mit in den\nKauf für die unbestrittenen Schönheiten desselben nehmen\nwollen, diesen gegenüber wollen wir daran erinnern, dass\nder Salomon gerade dasjenige Oratorium von Händel\nist, das durch die Mannigfaltigkeit des Charakters der Ge-\nsänge einer edeln Popularität am meisten huldigt. Hand-\nlung ist sehr wenig darin, aber Musik, Musik um der Mu-\nsik willen, desto mehr. Der immer wiederholten Kampf-\ngesänge der Heiden und Israeliten, so wie der Helden-\nArien u. s. w. wird man freilich in manchen Oratorien\nmitunter etwas überdrüssig; im Salomon kämpft aber\nHändel gegen ganz andere Philister, gegen die Unempfäng-\nlichen für die Gaben der Kunst, und zieht sie durch die\nprächtigen und reizenden longestalten zu sich herüber. In\nkeinem anderen Werke erscheint seine grosse Manier in\nder fugirten Durchführung der Chöre einfacher und lass-\nlicher als hier, wiewohl sie fast immer achtstimmig und\n* • *\ndadurch von gewaltiger Wirkung ist, namentlich in den\ndrei ersten Chören des ersten, dem Anfangs-Chor des zwei-\nten, dem kriegerischen und dem Schluss-Chor des dritten\nTheiles. Und nun höre man dagegen den holden Reiz der\nChorgesänge: „Es nahe der Stätte kein störender Hauch,\nihr Nachtigallen wiegt zum Schlummer sie ein'*, „Wohl-\nlaut töne durch den Raum\", „Singt der Liebe Leid und\nSchmerz\" u. s. w., deren melodischer Hauch uns wie die\nmilde Luft Italiens anweht.\nUnd auch die Sologesänge sind nicht mit jenen langen\nColoraluren im Geschmack der damaligen Zeit überladen,\nsie sind im Salomon mehr der charakteristisch melodische\nAusdruck der Empfindung, welcher besonders in der Scene,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.2", "texte": "die Salomon's Urlheil über den Streit der beiden Mütter\num das Kind darstellt, die höchste Wahrheit erreicht. Auch\ndiese Sologesänge werden durchweg mit sanften Orgel-\nslimmen begleitet.\nNehmen wir dazu, dass durch die bevorstehende Auf-\nführung zugleich das Andenken an Felix Mendelssohn\nund an seine grossen Verdienste um unsere Feste gefeiert\nwird—denn er war es, der die Orgelstimme in Händel's\nGeist zu der Aufführung des Salomon im Jahre 1835 für\nKöln schrieb—, so werden alle Freunde des zu früh Da-\nhingeschiedenen in der ganzen Provinz und besonders un-\nsere Mitbürger sich beeilen, eine Ehrenschuld gegen ihn\nabzutragen uni eine Arbeit von ihm zu hören, die nicht\nveröffentlicht ist und bloss hier gehört werden kann.\nDas Programm des zweiten Festtages spricht für\nsich selbst durch die Namen Joh. Sebastian Bach,\nKitler Gluck und Ludwig van Beethoven. Wenn in\nder himmelan wogenden Polyphonie des kirchlichen Hoch-\ngesanges des Ersten und in der dramatischen Plastik des\nZweiten beide als Heldengestalten des vorigen Jahrhun-\nderts vor uns hintreten, die wir bewundern müssen, so\nöffnet der Dritte die Pforten eines neuen Jahrhunderts der\nMenschheit, und die Zauber seiner Phantasie zeigen uns\ndie „umschlungenen Millionen\", die, hindurchgedrungen\ndurch Arbeit und Kampf mit dem Geschick, nach Leid und\nSchmerz dem Schöpfer das glühende Dankopfer der Freude\nbringen. Wie die rheinischen Chorvereine die neunte\nSinfonie singen, ist weltbekannt; allein selten wird ihr\nGesang von einer solchen Instrumentalmasse getragen wer-\nden, und noch seltener wird denselben ein Solo-Quar-\ntett zur Seite stehen, das dem Chor an Klangfülle und\nFestigkeit so ebenbürtig wäre, als der Verein von Frau\nDustmann-Meyer, Fräulein Schreck, den Herren\nSchnorr von Carolsfeld und Karl Hill, da dieses\nso oft vermisste Gleichheit der Stärke der\nStimmen und die musicalische Sicherheit besitzt, die zu einer\ngelungenen Lösung der schwierigen Aufgabe erforderlich\nsind. Denken wir uns nun ein so vollkommenes Ganzes\ndurch Ferdinand lii 11 er geleitet, der gegenwärtig wohl\nwie kaum ein Anderer in den Geist Beethoven'scher Werke\neingedrungen ist, so darf man einer grossartigen Verherr-\nlichung des Beethoven'schcn Genius entgegensehen.\nVon Gluck werden zum ersten Male auf einem Mu-\nsikfeste eine Reihe von Scenen aus Iphigenie in Aulis\naufgeführt, jener Oper, mit der Gluck zuerst in Paris im\nJahre 1774 seinen Weltruhm gründete. Während Fräu-\nlein Schreck als Meisterin des oratorischen Gesanges im\nSalomon glänzen wird, werden Frau Dustmann und die\nHerren Schnorr von Carolsfeld und Karl Becker\nIphigenie, Achill, Agamemnon in der vollkomme-\nnen Darstellung ihrer höchst charakteristischen Rollen\nwetteifern.\nDas ist es, was wir von unserem diesjährigen Musik-\nfeste an den beiden ersten Tagen zu erwarten haben.\nDazu noch das Concert am dritten Tage. Es ist,\nwenn wir uns nicht irren, das erste Mal, dass eine Sinfonie\nvon II ay d n das Programm des Musikfestes ziert; desto\nwillkommener wird sie allen Freunden der ewig jungen\nMuse des Vaters der Sinfonie sein. Der Entschluss, mit\ndem einmal versammelten trefflichen Orchester-Vereine\nauch am dritten Tage noch eine Sinfonie zu geben, ist nur\nzu loben, denn es ist keine Frage, dass in dem letzten\nJahrzehend sich die Orchesterleistungen auf unseren Festen\nzu einer Höhe erhoben haben, welche dem immer mehr\nentwickelten Sinne des Publicums für sinfonistische Vor-\nträge entgegen kommt und ihn auf glänzende Weise be-\nfriedigt. Ausser den Solo-Vorträgen der genannten Sän-\ngerinnen und Sänger hat Herr Capellmeister Hill er, der\nuns auch ein neues Vocalwerk, eine Hymne von M.\nHartmann: „Die Nacht\", für Solostimmen, Chor\nund Orchester gesetzt, vorführen wird, von der wir uns\nnach dem, was wir bereits davon in den Proben gehört\nhaben, eine grosse Wirkung versprechen, sich geneigt fin-\nden lassen, einmal wieder vor einem grossen Kreise als\nClavierspieler aufzutreten und uns ein Concert von Mo-\nzart hören zu lassen; wer die unvergleichliche, hochkünst-\nlerische und dabei technisch vollendete Weise der Fassung,\nin welcher Hiller dergleichen echte Perlen darzubieten\npflegt, noch nicht kennt, der wird einen Kunstgenuss ha-\nben, den er heutzutage wohl nirgendwo anders finden kann,\nund wer jene Vortragsweise kennt, der kann sich nie genug\ndaran erfreuen.\nBei den Aussichten, welche mithin das 39. Musikfest\nden Kunstfreunden eröffnet, ist nicht daran zu zweifeln,\ndass auch die zahlreichste Theilnahme des Publicums das\nFest zu einer recht feierlichen Verherrlichung der Ton-\nkunst am Rheine machen wird.\n\nGluck und die Oper.\nI.\nUnter diesem Titel liegt uns die erste Lieferung eines\nneuen Werkes von Adolf Bernhard Marx vor, das in\nBerlin im Verlag von Otto Janke in acht Lieferungen zu\n15 Sgr. Subscriptions-Preis 4 Thlr.—in prächtiger Aus-\nstattung erscheint.\nDer erste Abschnitt: „Der Künstler und seine Auf-\ngabe\", verbreitet sich als Vorwort über den Inhalt des\nBuches und über die Art der Auffassung und Behandlung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.3", "texte": "des Stoffes durch den berühmten Verfasser. „Er unter-\nnimmt, das Leben eines Künstlers zu schildern, der nicht\nbloss fortleben wird in der Erinnerung und auf den Blät-\ntern der Geschichte, sondern fortwirken im Leben der\nKunst selber, so oft sich dasselbe zu seiner Bestimmung,\nder Herstellung des Ideals, erhebt.\" —Wir geben zunächst\nin dem Folgenden auszugsweise diejenigen Stellen, welche\nden Leser am besten über das, was er in dem Buche zu\nerwarten hat, orientiren werden.\n„Auf dem Gebiete der Tonkunst war den drei Send-\nboten des deutschen Geistes Händel, Gluck, Mozart\nder Beruf zugefallen, das, was in Italien, in Frankreich,\nin England angestrebt und ersehnt worden, diesen edlen\nCulturstätten und damit dem eigenen Vaterlande und dem\ngesammten Kunstwesen in einer jenen Völkern selber nicht\nerreichbaren idealen Vollendung darzubringen. Keines die-\nser Völker hat über sie hinaus einen Fortschritt zu thun\nvermocht. Nur in Deutschland selber ist ein solcher durch\nBeethoven möglich gewesen, aber auf einem Gebiete,\ndas von den anderen Nationen gar nicht ernstlich angebaut\nwerden konnte, auf dem Gluck ihnen die erste höhere\nStufe wies und selber weit abstand nach Geschick und Be-\nruf von seinen nächsten deutschen Nachfolgern.\n„Ihm war, im Gegensatze zu den anderen Beiden und\nzu sonstigen deutschen Tonkünstlern, denen es gegeben\nworden, auf die mannigfaltigsten Aufgaben mit Glück ein-\nzugehen, eine scharfgezeichnete, unverrückbare Bahn zu-\ngewiesen: das ernste musicalische Drama zu vollen-\nden in dem Sinne, wie dasselbe in Italien und Frankreich\nangestrebt worden war. Alles, was er ausserdem geschaf-\nfen, verdient nach Umfang und Inhalt kaum, neben jener\neigentlichen Lebens-Aufgabe zur Betrachtung gezogen zu\nwerden. Jene einzige Aufgabe aber hat er mit solcher\nEnergie gefasst, dass die durch den Lauf von mehr als\nzwei Jahrtausenden immer wieder auftauchende Idee eines\nmusicalischen Drama's erst an seinen Schöpfungen zur Ent-\nscheidung herangereift erscheint.\n„Erst mit Gluck's Werke trat die Frage vom musi-\ncalischen Drama thatsächlich vor das Bewusstsein und\nNachdenken der gebildeten Menschheit; und noch bis zu\ndieser Stunde steht sie ihm als ungelös'te Aufgabe vor, als\neine Aufgabe, deren Wichtigkeit man nicht bezweifeln\nkann, da der Gegenstand fortwährend die begabtesten Völ-\nker und eine grosse Reihe vorzüglicher Dichter, Künstler\nund Denker beschäftigt hat. Die Hellenen nahmen, wie es\nstets ihre Art war, ihre Stellung zu dieser Frage ganz naiv:\nsie verbanden dichterische mit musicalischer Diction, ohne\ndas Wesen beider und den etwaigen Zwiespalt zwischen\nder Musik einerseits, dem Wort und der Handlung ande-\nrerseits zum helleren Bewusstsein zu bringen, ein Zwie-\nspalt, der auf der voraussetzlich niedrigen Stufe ihrer Mu-\nsik nur wenig empfindbar sein mochte. Erst an dem Ge-\ngensatze, der zwischen Gluck und seinen Vorgängern her-\nvortrat, wurde klar, dass die Musik ihrer Natur nach kei-\nneswegs mit dem Worte und dem dramatischen Einher-\nschritte durchaus zusammenstimme, dass beide Theile sich\noft widerstreben und nur durch gegenseitige Nachgiebig-\nkeit und Opfer sich vereinigen lassen. Welcher Art diese\nOpfer? wie weit die Nachgiebigkeit nothwendig und statt-\nhaft? das war die Frage zwischen Gluck und seinen Vor-\ngängern und Zeitgenossen, das ward später die Frage zwi-\nschen Mozart und seinen Nachfolgern und Gluck, das wird\ndie Frage sein, die jedem künftigen Operndichter und\nOpern-Componisten und allen denkenden Theilnehmern\nzu thatsächlicher oder gedanklicher Entscheidung gegen-\nübertritt.\n„Hatte auf der einen Seite die Idee vergebens nach\nVerkörperung gerungen, auf der anderen das leibliche\nWachsthum noch nicht vermocht, das Ideal an sich selber\nzu verwirklichen, so trat aus beiden Unzulänglichkeiten,\ndie jede ihre nur einseitige Berechtigung hatten, das ver-\nsöhnende höhere Recht hervor, die Idee nicht als vergan-\ngenes oder vergängliches, sondern als ewiges Dasein in\nvollgenügender Lebenskraft zu verwirklichen. Dies geschah\ndurch Gluck. Nicht dem versunkenen Hellenenthum, nicht\nder dahinlliessenden Gegenwärtigkeit seines Jahrhunderts,\ndem ewigen Menschenthum baute Gluck seine Altäre mit\nden Kräften, die seine Vorgänger gesammelt und gezeitigt\nhalten. Andere folgten ihm und werden ihm noch folgen\nmit der Aufrichtung neuer Altäre für neue Götter, das ist:\nIdeen. Aber dazu — und zu dem Begreifen dessen, was\nnach ihm geschehen ist und geschehen wird, führt kein\nanderer Weg, als über ihn hinaus. Schrittlings, streng fol-\ngerecht ist der Gang der Geschichte. Selbst die Sprünge\njener neuerungs- und originalitätssüchtigen Wildlinge, die\nsich Genie's dünken, sind gleich den Explosionen und Me-\nteoren im Naturreiche nur Ausläufer des organischen Fort-\nschrittes und Wuchses, der sich im ewig neuen Werden\ndes Vernunftreiches gleichmässig erweist, wie im ewigen\nWandel des Naturreiches. Das aber, dies Erkennen der\nunausgesetzt waltenden Vernunft in jedem Zweige geisti-\ngen Lebens, ist die grosse Lehre der Geschichte, an der\nwir unser eigenes Streben, wie weit es vernünftig, ermes-\nsen und vor den Truggespenstern Zufall und Willkür sicher\nwissen.\n„Woran wir nun diese grosse Lehre der Geschichte\nmit vollster Sicherheit erfassen können, das sind jene Män-\nner, die berufen waren, einen hervorragenden geschicht-\nlichen Process zur Entscheidung zu bringen. Als Einer\nvon ihnen ist oben bereits Gluck uns gegenübergetreten.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.4", "texte": "Jener geschichtliche Process, der in Gluck zu weitreichen-\nder Entscheidung kam, ist aber um so bedeutungsvoller,\nda er neben der dramatischen Frage noch eine weit tiefere,\ndas Wesen der Tonkunst selbst treffende mit umfasst. Die\nFrage, ob Musik bloss Formenspiel, bloss Sinnenlust, allen-\nfalls höchst allgemeiner und unbestimmt bleibender Aus-\ndruck ungefährer Stimmung—oder ob sie treffender Aus-\ndruck des Gemüthslebens und damit erst gleich den ande-\nren Künsten wirkliche Kunst, Offenbarung des inneren\nMenschenlebens sei:—diese Frage hat unausgesetzt Philo-\nsophen und andere Denker beschäfligt, je nach ihrer un-\nbewussten Entscheidung im Innern der Künstler die Rich-\ntung auf das Geistige oder Leibliche, auf das Ewige oder\nVergängliche bestimmt.\n„Solche Männer, wie wir an Gluck ihrer einen erken-\nnen, sind nicht willkürlich oder zufällig hervorgetreten und\nhervorgehoben; wer vermöchte das? Sie sind Organe, die\nder arbeitende Geist der Menschheit sich geschaffen zu be-\nstimmtem Zwecke, alle Strahlen einer Cultur-Periode wie\nin einem Brennspiegel in der Seele dieser Erkorenen zu-\nsammenfassend zu einer weithin leuchtenden und zünden-\nden Flamme.\n„Dieser durch das einheitliche Leben der Menschheit\nwaltende Geist weiss aber auch zu jeder Aufgabe das\nrechte Organ zu bilden und heranzurufen. Nicht Begabung\nschlechthin genügt, sondern die eigenst gemässe muss ans\nWerk. Nimmermehr hätte das deutsche Volk hinlängliche\nGewandtheit und spielende Sorglosigkeit genug besessen,\nKunstformen und Stimmen für den Zweck der Oper, die\nwerden sollte, zu schmeidigen. Das fiel den warmblütigen,\nelastischen, leichtlebenden Italiänern zu, denen die milde\nNatur, die Gewohnheit, sich öffentlich und gefällig darzu-\nstellen, das Zusammenwohnen mit den Gebilden der clas-\nsischen Kunst, die von den Römern her überlieferte Ge-\nwandtheit in scenischer Rede und Darstellung hülfreich\ndiente. Dann erst trat das schon von Natur mehr auf In-\nnenleben gewiesene deutsche Volk heran, um jenem For-\nmenspiel den idealen Inhalt einzugiessen, der verführeri-\nschen, leichtfertigen Undine die treue Menschenseele ein-\nzuhauchen. Von allen deutschen Künstlern aber war wie-\nderum Gluck gerade für diese Aufgabe das eigenst vorge-\nbildete Organ. Nicht etwa durch allgemeine Ueberlegenheit\ndes Talentes und der Bildung—so oberflächlich wird nicht\nüber hohen Berul entschieden—, sondern durch die eigen-\ntümliche Wahl und Richtung der Kräfte. Man kann kei-\nneswegs schlechthin annehmen, dass Gluck seinen Vorgän-\ngern und Zeitgenossen an musicalischer Kraft überlegen\ngewesen; Händel überragt ihn hierin und in künstlerischer\nDurchbildung um eines Hauptes Länge, Francesco Majo\nkann ihn an Reiz und Mannigfaltigkeit der Melodie viel-\nleicht überbieten, des dicht ihm nachfolgenden überreichen\nMozart nicht zu erwähnen. Ja, so weit sich überhaupt\nGeistiges wägen und schätzen lässt, darf man wohl aus-\nsprechen: Gluck's musicalisches Vermögen ist genau\nknapp zugemessen für seine besondere Aufgabe, dem\nWorte und der Handlung die Musik auf das treueste an-\nzueignen; reichere Begabung, höhere musicalische Durch-\nbildung hätte ihn davon abgezogen. In seiner Beschränkt-\nheit Beschränktheit nach dem Maasse der überreichen\nTongeister Mozart und Händel —, was kam ihm zu Stat-\nten? Wort und Charakter und Handlung, und dazu die\nMacht, das Alles in höchster Bedeutsamkeit zu erfassen;\n—und dazu die Charakterkraft und Treue, nichts als das\nEine zu wollen: den hohen Menschengebilden und Men-\nschengeschicken, die seinen Geist erfüllt hatten, den Schau-\nplatz idealen Daseins zu bereiten.\"\n\nDie musicalische Bibliothek des verstorbenen\nCanonicus Dr. Proske.\nVon Dr. Mettenleitar.\nNach der bis in die kleinsten Einzelheiten sich ver-\nbreitenden Kenntnissnahme von der Musik-Bibliothek\ndes Hochwürdigen Canonicus senior am Collegiatstifte zur\nalten Capelle Dr. Karl Proske, des leider für die Kir-\nche und speciel für die kirchliche Tonkunst zu früh ver-\nstorbenen, ja, in letzter Hinsicht kaum zu ersetzenden Ge-\nlehrten, erwuchs meine schon aus früherem Wissen ge-\nwonnene Ueberzeugung, dass diese Bibliothek ein JJnicum\nin der Welt ist, dass die berühmtesten Musik-Bibliothe-\nken (von Privat- und anderen Sammlungen ganz abge-\nsehen) gegen dieselbe kaum einen Vergleich auszuhalten\nvermögen, zur Evidenz. Wenn ich Solches auszusprechen\nnicht anstehe, so thue ich es, mich stützend auf ein zwan-\nzigjähriges Studium aller Theile der Musikgeschichte, der\nheiligen insbesondere, auf die ununterbrochene Durchfor-\nschung der erschienenen Antiquariats-Kataloge, auf ein\nernstliches Studium der einschlägigen Literatur (alter und\nneuer), endlich auf meine freundschaftlichen Beziehungen\nund dadurch mir gewordenen Mittheilungen über die be-\nstehenden genannten und andere Musik-Bibliotheken.\nDie Bibliothek besteht aus einer theoretischen und\neiner praktischen Abtheilung.\nI. Die theoretische enthält, wie die von dem ver-\nstorbenen Herrn Canonicus Dr. Proske selbst mit erstaun-\nlicher Gewissenhaftigkeit und mit der ihm geläufigen lite-\nrarischen Vollständigkeit und dem gelehrten Apparate ver-\nfertigten Kataloge nachweisen, alle bis auf die Compo-\nsitionslehre von Marx reichenden Werke über die Na-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.5", "texte": "tur der Töne, über den physicalischen, akustischen Tlieil\nder Musik, über die Wirkung der Musik, über die Musik\neinzelner Völker in Tractaten, Disputationen, über Contra-\npunkt, Cantus Gregorianns, dessen Harmonisirungs-Mög-\nlichkeit und Fähigkeit, dessen Natur und Wesen u. s. w.,\nüber den reinen Satz, Fugenbau in allen Gestalten, Ver-\nteidigung der alten gegen die moderne Musik und umge-\nkehrt u. s. w. Ich enthalte mich einer Anführung von Na-\nmen, da die Autoren der in Rede stehenden Werke dem\nKenner ohnehin bekannt sein müssen.\nFerner finden sich hier die berühmtesten Lexica,\nbiographisch-musicalische Werke, vor, z. B. Lichtenthai,\nBurney (auch dessen Tagebuch), Walter, Gerber, Forkel,\nMartini, Fetis (die erste Ausgabe) u. s. w., der ganze Abt\nGerbert [Musica sacra, Script. u. s. w.\nSelbstverständlich erstreckt sich die theoretische Bi-\nbliothek auch auf Abhandlungen über weltliche, moderne\nMusik bis herein in die Neuzeit, auf Aesthetik, überhaupt\nauf alles, was mit der Tonkunst irgendwie zusammenfällt.\nDass Werke wie die von Riesewetter, Coustemaker u. s. w.\nvorhanden sind, braucht nicht erst erwähnt zu werden.\nSoll der Werth der theoretischen Abtheilung en bbe\nangegeben werden, etwa im Verhältniss der mittleren Ver-\nkaufspreise der renommirtesten derartigen Antiquariate,\nso schätzt sich das Ganze auf mindestens 5000 Gulden.\nJe älter ein theoretisches Werk ist, desto theurer ist es.\nDa nun hier fast alle bekannten alten und ältesten Werke\nvorhanden sind und die seltensten, einige ganz vergriffene,\nso lässt sich hieraus auf den Werth schliessen.\n11. Die praktische Bibliothek verbreitet sich über\ndas Gesammtgebiet der Tonkunst von ihren harmonischen\nAnfängen bis zu Mendelssohn-Bartholdy. Sie ist die ver-\nkörpertste Geschichte der Musik, welche sich je denken\nlässt und die existirt.\nIch skizzire den Inhalt überhaupt. A. Erste Noten-\ndrucke. B.Copieen verlorener Tonwerke, Ma-\nnuscripte. D.Autographen. EAlte gestochene alte Musik.\nF. Verschiedene Editionen derselben Werke. Ganz\nvollständige Werke eines Meisters. Unvollständige\nWerke. I.Pergamentwerke. Mit Holzschnitten und\nRupferstichen illustrirte Sammelwerke, gedruckte in Folio,\nQuerquart, Hochquart u. s. w., und geschriebene. Ihrer sind\nda sehr viele, unendlich reichhaltige, oft mit mehr als\n400—500 Nummern, von d\nIn Specie findet sich aber unter dem Titel:\nA. Ratisbonensis Musicae in drei eigen-\nhändigen, ausserordentlich kostbaren Ivatalogen, von Herrn\nCanonicus Dr. Proske zusammengestellt und in einem vier-\nten Bande alphabetisch geordnet, ein Schatz von antiken,\nreligiös-kirchlichen und weltlichen (deutsche, lateinische,\nflämische, englische, griechische, italiänische, französische\nTexte) Musicalien, welchen auf 15,000 Fl. zu schätzen,\nkeinen Augenblick anzustehen ist. Es sind hier vertreten\nfast alle Tonschöpfer aus der niederländischen Schule (von\nDufay an hinauf), selbst die weniger renommirten; ferner\ndie ganze deutsche (preussische u. s. w.) Schule, Walter,\nSenft, Tsaack, Vulpius, Rerle, Ramingen, Gumpolzhaimer,\nMeto, Frank, Fink, Schütze u. s. w. Es ist ein unbe-\nschreiblicher Schatz und unschätzbar, selbst auf den\nrenommirtesten Bibliotheken nicht mehr da oder höchstens\neinzeln in den Bibliotheken der halben Welt zerstreut und\nzerstückelt. Dass Handl, Hasten, Lassus Orlandus, Lassus\nNudolph, Palestrina, die beiden Gabrieli, Croce u. s. w.\nda sind, versteht sich; aber die grösste Merkwürdigkeit\ndaran sind die Ausgaben, in denen diese Meister sich fin-\nden, deren Vollständigkeit u. s. w. Höchst beachtenswerth\nist das Vorhandensein der ungemein reichen Sammlung\nvon deutschen Gesängen, Rirchenliedern vor, aus der Zeit\nder Reformation und danach; man hat da eine vollstän-\ndige Geschichte des deutschen Rirchenliedes. Eben so\nmerkwürdig ist ferner die reichhaltigste Sammlung von\nMadrigalen (weltlichen und religiösen Gesängen, z. B.\nder Sonette von Petrarka), der Anfänge des Singspiels, des\nOratoriums, der Oper, der instrumentalen Verwerlhung,\nder Concerte, Sonaten, Sinfonieen, Cantaten in allen Ge-\nstalten u. s. w. u. s. w.—Ich bin gewiss, dass diese Samm-\nlung ein Unicum ist, eine wahre Collectio aurea, ein wah-\nrer Thesaurus aureus.\nB.Die in grauen, mir wohlbekannten, weil von mei-\nnem verstorbenen Bruder angelegten, überschriebenen und\neingeräumten Mappen mit grünen Autorschild-Aufschrif-\nten befindlichen Musicalien enthalten ferner einen nicht\nminder werthvollen Schatz von Musikwerken der römi-\nschen, venetianischen, spanischen, niederländischen, deut-\nschen Schulen. Diese Sammlung ist zweifellos die vollstän-\ndigste dieser Art, sowohl was die Autoren betrifft, als die\nCompositionen und Werke selbst. Hierunter befinden sich\ndie eigenhändigen Copieen des Herrn Can. Dr. Proske\nselbst, Autographen von doppeltem Werthe: 1) in Bezug\nauf den hochgelehrten Mann und Priester selbst, 2) in\nHinsicht auf Reinheit, Sauberkeit, Corrcclheit, Eleganz\nder Schrift und Uebersetzung aus den alten Manuscripten\nund Codices. Es befinden sich da ebenfalls neben den fast\nunzählbaren Werken der Rirchenmusik (Messen, Motetten,\nPsalmen, Antiphonen, Magnificat, Lamentationen, Passio-\nnen, Responsorien, religiösen Cantiones, z. B. des durch-\ncomponirten Jubilus 8. Bernardi von Aichinger, oder der\nLacrymae B. V. M. etS.\nChristiu. s. w., Litaneien u. s. w.) auch Madrigali in Un-\nzahl, z. B. auch von Palestrina, deutsche Gesänge religio-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.6", "texte": "seil, heiteren und weltlichen Inhalts, Hochzeits-Gedichte,\nin Musik gesetzt, und Werke mit Instrument- und Sing-\nstimmen von dem ersten Auftreten der Melodie als vor-\nherrschender Einzelstimme an bis hinauf zur weiteren\nFortbildung der Cantate, des Duetts, des Oratoriums, der\nOper, der Compositionen für einzelne Instrumente u. s. w.\nUnendlich werthvoll!\nIch schätze diese i?-Abtheilung (abgerechnet die noch\nzu erwähnende C-Abtheilung, welche hier auch eingereiht\nist) circa auf denselben Werth, wie namentlich\nin Anbetracht der vielen Unica, Autographen, Einzel-Aus-\ngaben, der Vollständigkeit.\nC. Das Vorzüglichste aus der Hauber'schen Musik-\nSammlung. Hierüber ist der genaueste Katalog vorhan-\nden. Die einzelnen Werke sind in der Mappen-Sammlung\neingereiht; ich zählte diese Sammlung schon unter\nwollte sie aber der Klarheit wegen namentlich aufgeführt\nwissen. Die übrigen Sammelwerke zählen auch hieher.\nD. Neue und neuere Musikwerke (in grauen\nMappen). Hier findet sich der ganze Sebast. Bach (auch\ndie neueste Bach-Ausgabe), Christ. Mich. Bach, Scarlatti\nganz (Alexander und Domenico), Händel (Bach und Hän-\ndel sind in 3 4 Ausgaben ganz da), Benda, Haydn,\nMozart, Beethoven, Clement)', Löwe, Stadler, Schicht (Tod\ndes Gerechten), Naumann, Hassel, Vogler, Preindl, Reissi-\nger, Schubert, Cramer, C. M. von Weber, Winter, Men-\ndelssohn, Rossini (Exempel für die italiänische Gesang-\nkunst, zu deren Erlernung), Paesiello, Pergolese, Paer,\nMosel, Kruft, Graun, Gluck, Gr<stry, Cherubini u. s: w.,\nOpern, Singspiele, Oratorien, Cantaten u. s. w. Mit Men-\ndelssohn schliesst die moderne Musik bei Herrn Dr. Proske\nab. Verzeichne ich den Werth dieser .Ö-Abtheilung, so\nnenne ich en bbc die Summe von 5000 Gulden auf dem\nStandpunkte des Antiquariats.'—Es versteht sich von selbst,\ndass ich die Namen ohne chronologische Ordnung auf-\nführte.\nRegensburg, 18. Mai 1862.\n\nAus Göttingen.\nAm Samstag den 17. Mai wurde durch Professor Dr.\nKrüger in der hiesigen Universitätskirche eine Auffüh-\nrung geistlicher Musik veranstaltet, deren Haupttheile der\nChoral: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt\", Seb. Bach's\nCantate: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\", und die\nChöre aus dem dritten Theile von Händel's „Messias\", ein-\ngeleitet durch die Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\", waren. Dazwischen Orgelsätze von Seb. Bach\nund Samuel Scheidt. Es war ein grosser und reiner Ge-\nnuss, der den Hörern hiedurch verschafft wurde. Der Satz\ndes Chorals, der, wie wir vernehmen, von Prof. Krüger\nselbst stammt, versetzte uns in der Festigkeit und Sicher-\nheit seines Ganges, in dem Reichthum seiner Modulatio-\nnen und in der Durchsichtigkeit seiner ganzen Gestaltung\nganz in die Weise Eccard's und der verwandten Meister.\nBach's Cantate mit Orgel und Instrumental-Begleitung\nathmet die ganze mystische Tiefe, Innigkeit und ernste\nLieblichkeit, die den Meister zu dem Dolmetscher der evan-\ngelischen Frömmigkeit macht. Zugleich trat die ganze mu-\nsicalische Grösse, die wunderbare Gewalt, die der beschei-\ndene Cantor als ein Herrscher im Reiche der Töne aus-\nübt, ergreifend hervor. Man halte aufs Neue den Eindruck,\nwelch eine Unerschöpflichkeit musicalischer Kunst in Bach\nliegt, wie er mit jedem Jahre unter uns wächst und neue\nEinblicke in seine Tiefe und seinen Reichthum thun lässt,\nneue Seiten für sein Verständniss öffnet. Von herrlicher\nErfindung ist die Begleitung des Chorals, womit die Can-\ntate schliesst, indem sie wie ein unmittelbarer Wiederhall\nden singenden Stimmen entgegentönt und so die ganze\nMelodie wie in einen fortleuchtenden Glanz des Klanges\neinhüllt. Die aus dem Innern voll nach aussen tretende\ncharakteristische und plastische Gestaltung HändeFs hob\nsich durch die Nebeneinanderstellung mit Bach nur um\nso entschiedener hervor. Die Ausführung war eine treff-\nlich gelungene, wie man sie unter der Leitung eines Man-\nnes erwarten konnte, der in so seltenem Maasse die ethi-\nschen, ästhetischen und technischen Bedingungen in sich\nvereinigt, die zur vollen Darstellung unserer kirchlichen\nund geistlichen Musik nothwendig sind. Es lebte ein fri-\nscher, feuriger Sinn und Geist in dem ganzen Vortrage;\nman fühlte es den Mitwirkenden an, dass sie eben so von\nder Sache erfüllt waren, als sie sich frei darin fühlten und\ndie eigene Empfinduug ausdrückten. Wir wünschen dem\nKrüger'schen Vereine, der mit seinen noch beschränkten\nKräften doch so Dankenswerthes geleistet hat, eine immer\ngrössere Entfaltung ein Wunsch, dessen Erfüllung wir\num so mehr hoffen, da bekanntlich nichts so sehr sowohl\ndie technische Ausbildung der Stimme, als auch den Sinn\nfür die reinste und innerste Kraft der Musik entwickelt,\nals das Ueben geistlicher Musik, in welcher überhaupt auch\nschon für eine nur ästhetische Betrachtungsweise das\nHöchste und Wirksamste des musicalischen Lebens liegt.\n\nOrchester-Stimmung.\nWien, den 17. Mai 1862.\nDie Angelegenheit der niedrigeren Stimmung der Or-\nchester ist bei uns einen bedeutenden Schritt vorgerückt.\nNachdem man in maassgebenden musicalischen Kreisen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.7", "texte": "sich für die Annahme der pariser Normalstim-\nmung entschieden hatte, werden sicherem Vernehmen\nnach bereits Einleitungen getroffen, um diese niedrigere\nStimmung schon in der nächsten Herbst-Saison zur Durch-\nführung zu bringen. Vorerst haben die Direction des\nk. k. Ilof-Operntheaters und die Gesellschaft der\nMusikfreunde im gegenseitigen Einvernehmen die Ini-\ntiative ergriffen, und namentlich die Direction der letzteren\nsich dahin ausgesprochen, vom 1. October I. J. die nor-\nmale Stimmung sowohl in ihren Musik-Aufführungen als\nbei dem im Conservatorium zu ertheilenden Musik-\nUnterricht einzuführen. Es lässt sich kaum bezweifeln,\ndass die übrigen Musik-Institute Wiens sich ihnen an-\nschliessen werden.\nDas Staats-Ministerium hat der Sache seine Unter-\nstützungzugesagt, und die Vortheile, welche damit nament-\nlich für die Erhaltung der Stimmen verbunden sind, wer-\nden gewiss auch die Bühnen-Directoren in den Kronlän-\ndern zum baldigen Anschlüsse bestimmen.\n\nAus Aachen.\n\nDen 24. Mai 1862.\nBevor ich die Chronik unserer Abonnements-Concerte,\nderen letztes Sonntag den 1. Juni Statt finden wird, ver-\nvollständige, erlauben Sic mir wohl, der Verdienste zu ge-\ndenken, welche sich die musicalischen Vereine und einzelne\nKunstler um unsere Kunstgenüsse in dem vergangenen\nWinter erworben haben.\nDa ist denn vor Allem das schöne Concert zu erwäh-\nnen, welches der Männer-Gesangverein Concordia am\n18. d. Mts. im Theater gegeben hat. Dieser Verein hat\nuns bewiesen, dass er nicht auf seinen Lorbern schläft,\nsondern unter der tüchtigen Leitung seines wackeren Di-\nrigenten Herrn Ackens die höchste Vollkommenheit im\nGesammt-Vortrage und im Ausdruck mit Erfolg anstrebt.\nDies offenbarte sich vorzugsweise in den Gesängen der\neigentlichen Sphäre der Gattung, dem Ave Maria von Abt\nund dem Waldliede von Möhring. Alle übrigen Chöre\nwurden mit Orchester gesungen: Introduction für Soli und\nChor aus „Elisa\" von Cherubini, ein wahrer Edelstein;\nder frische Soldatenchor aus Gounod's Faust; „Deutscher\nSchwur und Deutsches Gebet\" von Möhring, eine kräftige,\nhinreissende und geschickt instrumenlirte Composition;\n„Slurmesmylhe\" von Fr. Lachner, ein Gesang, der über-\nall den classischen Meister zeigt. Von Orchestersachen\nwurde ausser der Ouvertüre zu Elisa der Krönungsmarsch\nvon Lux gemacht, dessen geschickte Factur wohl mehr\nden Musiker anspricht, als das grosse Publicum, trotz des\ngewaltigen Aufwandes von Blech. Ole Bull trug ein Con-\ncert und eine Sicilienne von seiner Composition vor, deren\nHauptverdienst die Veranlassung zur Darlegung aller Wun-\nder ist, deren das Instrument unter seinen Händen fähig\nist. Er hat es noch immer in der Gewalt, die Menge zu\nbegeistern, was denn auch hier der Fall war. Einen an-\nderen und gediegeneren Erfolg errang Fräulein von Jan-\nsard, eine junge und bescheidene Sängerin, welche nach\nmehreren Kunstreisen sich hier niederzulassen gesonnen\nist, was für uns und die ganze Provinz ein grosser Gewinn\nsein würde. Ihre Stimme, ein Mezzo-Sopran, ist zwar nicht\nvon grossem Volumen, aber sehr sympathisch; ihre gröss-\nten Vorzüge sind Gleichheit der Register, unwandelbare\nReinheit, gute Aussprache und als Resultate anhaltender\nStudien der italiänischen Schule correcte Vocalisation und\nTriller. Die Wahl ihrer Gesangstücke muss man dem Vir-\ntuosen-Debut nachsehen: eine Arie aus Ernani und eine\nRomanze aus der Traviata von Verdi, dann Variationen über\nein russisches Nationnallied von Warlamow. Die beiden\nletzten Stücke begleitete Fräulein Janssen auf der Harle,\nein junges, viel versprechendes Talent von hier.\nAusser Fräulein von Jansard haben wir in Herrn\nRutzenberger eine vorzügliche Acquisition gemacht, der\nsich während seines kurzen Aufenthaltes durch sein glän-\nzendes Talent als Clavierspieler, durch seine Anlagen zur\nComposition und durch seine Bescheidenheit bereits die\nallgemeine Achtung erworben hat. Als Schüler von Franz\nLiszt besitzt er eine enorme Technik und errang über-\nhaupt durch den Vortrag der Transscription Liszt's über\nden Tannhäuser-Marsch und des Septetts von Hummel\neinen grossen Erfolg.\nDie Liedertafel halte ihrer Gewohnheit gemäss für\neine ihrer Soireen den berühmten Virtuosen Alfred Jacll\nengagirt, welcher die Zuhörer durch das herrliche Clavicr-\nConcert in C-mollvon Beethoven, das er mit bewunde-\nrungswürdiger Einfachheit, Verständniss, Adel und Inner-\nlichkeit des Ausdrucks vortrug, ganz und gar hinriss. Die\nanderen Vorträge brachten Variationen von Händel, die\nBerceusevon Chopin und Anderes, denn Jaell's Gelällig-\nkeit gegen das Publicum steht aul gleicher Höhe mit sei-\nnem ausserordentlichen Talente. In einer anderen Soiree\nhörten wir den noch jugendlichen Leopold Auer aus\nPesth, dessen Vortrag der GesangsCene von Spohr und\ndes Finale aus dem A-dur-CowcQxi von Vieuxtemps durch\nvollen Ton und höchst bedeutende Technik den Schüler\nJoachim's erkennen liess.\nNoch ist die Soiree des eifrigen und sehr füchligen\nClavierlehrers Herrn Lausmann zu erwähnen, der durch\nden Vortrag des Conccrtes in von Chopin lebhaften\nBeifall erhielt, welcher auch der Frau Henriette Wickop"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620531-01.1.8", "texte": "nach dem schönen Vortrage der Arie: „Fromme Thrä-\nnen\" aus Judas Maccabäus und dem originellen Spiel Ole\nBull's in reichem Maasse zu Theil wurde.\nIn einer der letzten Versammlungen des Instrumental-\nVereins hörten wir ein handschriftliches Werk von gros-\nsem Interesse, eine „canonische Suite für Streich-Instru-\nmente\" von Herrn Jul. Otto Grimm, eine geschickte\ncontrapunktische Arbeit, in welcher das melodische Ele-\nment die strengsten Formen der Imitation auf so anspre-\nchende Weise durchzieht, dass nicht bloss der gelehrte\nMusiker, sondern auch das grössere Publicum sich lebhaft\ndafür interessirt *).\n\nN.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI4OIIA* in der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft,\nin der wir die oben erwähnte „canonische Suite\" von J. O. Grimm\nhörten, trug Herr Schauseil aus Düsseldorf das Clavier-Concert\nvon Burgmüller, dessen Finale eine besonders lebhafte und fri-\nsche Composition ist, mit rühmlicher Technik und Farbengebung\nunter allgemeinem Beifallc vor.\nFranz Co mm er in Berlin, der unermüdlich thätige Förderer\nvieler köstlichen Schätze unseres classischen Musik-Alterthums, hat\nsich ein neues Verdienst erworben durch die begonnene Ausgabe\nvon Orlando Lasso, wovon bis jetzt drei Theile erschienen sind.\nSie bilden von der Musica Sacra XVI. XVII. saeculi den To-\nmus 5, 6, 7. Berlin, Trautwein. 1860—3762. Fol. In Allem hat\nFranz Commer wohl über 300 Tonsätze von Orlando Lasso aus al-\nten Stimmbüchern zum ersten Male in Partitur gebracht ein ver-\ndienstliches Werk, das durch die hingebende Uneigennützigkeit, mit\ndem es ausgeführt wird, in desto schönerem Lichte erscheint. Wir\nhoffen bald ausführlicher von dem Unternehmen zu reden. E. K.\nIjcifizig. Den Glanzpunkt der letzten Wochen bildete das\nGastspiel des Fräuleins Artot. Sie trat in der „Regi-\nmentstochter\", dem „Liebestrank\", „Lucrezia Borgia\", dem „Barbier\nvon Sevilla-' und in der „Nachtwandlerin\" auf. In allen Partieen\nbewährte sich ihre ausgezeichnete Technik sowohl als auch ihr echt\nkünstlerisch durchdachtes Spiel in so hohem Grade, dass das Publi-\ncum in einen wahren Beifallsjubel ausbrach.\nBouffes Barisien s. Die französische Gesellschaft\nder Bouffes Barisiens beginnt am 1. Juni im Kai-Theater unter der\nLeitung des Directors Varney einen Cyklus von dreissig Gast-Vor-\nstellungen. Die Gesellschalt besteht aus zehn Damen und zehn\nHeuen und dem Capellmeister Pierre Benoit. Das Repertoire be-\nsteht aus 22 Operetten von Offenbach und aus mehreren Operetten\nverschiedener Componisten.\nGounod's „Margarethe\" erzweckte noch bei jeder Wiederho-\nlung, tiotz der vorgerückten Jahreszeit und des herrlichsten Wetters,\nwie zum Trotz all derjenigen, welche ihr die Lebensfähigkeit rund-\nweg abgesprochen hatten, ein ausverkauftes Haus.\nMit Fräulein Bognar, deren Contract so eben ablief, ist die\nk. k, Hofburgtheater-Direction neuerdings in Engagements-Unter-\nHandlungen getreten. Der begabten Künstlerin sollen folgende Offer-\nten gemacht worden sein: entweder ein lebenslängliches Engagement\nmit Decret und einer Gage von 4000 Fl., oder ein Contract auf die\nDauer von fünf Jahren mit einer Gage von 6000 Fl.\nPräulein Wolter tritt schon vom 1. Juni ab in den Verband\ndes Hofburgtheaters, wenn ihr während der Saison ein Urlaub von\nsechs Wochen bewilligt wird.\nTlialberg ist in Wien angekommen.\nGesänge für Männerstimmen von Meyerbeer.\nDer berühmte Meister hat Trois Choeurs et un Quatuor pour voix\nd'hommes herausgegeben. Nr. 1 : A la Batrie, ist das längste und\nausgearbeitetste Stück; es besteht aus einem Allegro für das Solo-\nQuartett, mit dem der Chor theils wechselt, theils sich verbindet;\nein Tenor-Solo Andantino führt eine schöne Melodie, welche der\nChor harmonisch begleitet, zu einem glänzenden Tutti: „O mon\npays, nous te glorifions/\" Nr. 2 ist ein Jägerchor, vierstim-\nmig, mit einem munteren Refrain auf Tra la la. - Nr. 3. „Invo-\ncation ala Terre 7iataleu, ist eine fein und wirkungsvoll ausge-\nführte Bearbeitung' der Melodie „God save the King.u Nr. 4.\n»UAmitie'1, ist nur für Solo-Quartett bestimmt, ein Gesang voll Ge-\nfühl und melodischem Ausdruck.\n*) Wir haben diese Composition auch hier in Köln in der musi-\ncalischen Gesellschaft gehört und stimmen obigem Urtheil voll-\nkommen bei. L B"}]}