{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-06-21-01", "volume": "bmtnabi_1862-06-21_01", "ocr_sha256": "11da827ff356f95322f7fd4ce9f9fb61ce17a2a19fb9f2941c4310a7453fb40e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/06/21_01/bmtnabi_1862-06-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Inhalt.\nDas neununddreissigste niederrheinische Musikfest. 11. Aus Aachen (Die letzten Abonnements-Concerte Soireen\nfür Kammermusik. Von N. Aus Rotterdam (Bericht über die zweite Hälfte der verflossenen Opern-Saison). Von x.— Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Wiesbaden, Concerte Darmstadt, das mittelrheinische Musikfest verschoben Leipzig, Bild von Friiul. Fanny\nJanauschek, Vermächtniss München, Oper von Max Bruch Curiosum London, Alfred Jaell, Yirtuosen-Concerte)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "197", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.2.2", "titre_corps": "Das 39. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 39. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.1", "debut_caractere": 468, "fin_caractere_exclue": 4192, "texte": "Das 39. niederrheinische Musikfest.\nII.\n(l. S. Nr. 24.)\nVon den dreizehn, meist achtslimmigen Chören, welche\ndas Oratorium Salomon enthält, blieb kein einziger ohne\ngrossen Eindruck, viele aber erregten eine wahre Begei-\nsterung im Publicum. So wurde ausser dem bereits er-\nwähnten Nr. 4 in B-durder liebliche „Nachtigallen-Chor\":\n„Es nahe der Stätte kein störender Laut\", in G-dur am\nSchlüsse des ersten Theiles so gefeiert, dass er wiederholt\nwerden musste, was, so viel uns erinnerlich, noch bei kei-\nnem Chorgesang auf unseren Musikfesten vorgekommen\nwar. Eine wunderbare Wirkung machte aber auch das\npianissimo bei so grossen Massen der Geigen und Cho-\nristen, dazu die Flötentöne und die sanftwogenden Orgel-\nstimmen, Alles wie „Blumen, von Düften bethaut\", wie\n„säuselnde Weste im friedlichen Hain\".\nUnd nun der Doppelchor (D-dur) zu Anfange des\nzweiten Theiles! Wir kennen im ganzen Händel keinen\nChor, der den theatralischen Pomp eines jubelnden Ge-\nsanges zur Ehre des Königs und zum Preise Gottes, der\nihn schützt, so plastisch ausdrückte, wie dieser; man sieht\nden langen Zug eines beglückten Volkes, mit Feierkleidern\nangethan, hereinschreiten mit Opfern aller Art, Weihrauch\nspendend und seinem Könige tausendstimmiges „Heil!\nHeil!\" zujauchzend. Die Fanfaren in Orchester und Chor\nbeim Eintritt, dann das urkräftige Fugen-Thema, das je-\nden Widerspruch der Gegner, wenn sie sich wo rührten,\nzermalmelnd niedertritt, zuletzt der Aufschwung aller\nStimmen zum: „Lebe hoch und mächtig, Salomon!\" in\nvollen Accorden, die wie eine Glorie von Tönen um sein\nHaupt strahlen das ist Musik, die den Hörer mit Stau-\nnen erfüllt und mit freudigem Schauer durchbebt.\nIm dritten Theile gibt der Text Veranlassung zu vier\nGesängen, deren Charakter Salomon durch Vorgesang\ndem Chore zur Ausführung aufgibt; sie besingen den\n„Wohllaut der Töne\", „Schlachtruf und Kampflust\",\n„Der Liebe Schmerz und Qual\" und „Ruhe nach Stür-\nmen\". Sie sind alle vier vortrefflich, der erste, dritte und\nvierte fünfstimmig mit zwei Sopraneit, der zweite achtstim-\nmig. Den Wohllauts-Chor in Vs-Tact, möchte man\nversucht sein, in seiner sanften Lieblichkeit als ein Vorbild\nin Form und Geist für Gluck's Empfangs-Chor der Iphi-\ngenie im Lager zu Aulis zu betrachten. Den Krieger-Chor\nin D-dur,%-Tact, mit dem punklirten, donnernden Rhyth-\nmus der Orchester-Bässe („Rosseshufschall\") und den\nschwirrenden Sechszehntel-Figuren der Violinen („Schwert-\ngeklirr\") hätte das Publicum gern noch einmal gehört.\nZu diesem bildet der dritte: „Der Liebe Schmerz und Qual\nbis zum Tod\", Largo in G-moll, 4/4-Tact, einen Gegen-\nsatz, der sich durch herrliche Modulation und Tiefe der\nEmpfindung auszeichnet.—Zu allen vier Chören hat Men-\ndelssohn die Orgel fast immer obligat und mehrstimmig\ngesetzt und dadurch namentlich in den drei ersten hinreis-\nsende Wirkungen erzeugt, durch Verfolgen der Modula-\ntion in weichen Accorden in dem ersten und dritten, und\nim Kriegerchor durch den Gedanken, das volle Werk in\ngehaltenen Accorden mit Zwischenpausen von ganzen oder\nhalben Tacten darein klingen zu lassen.\nSo vollen Applaus nun auch alle diese Chöre hervor-\nriefen, so stand er doch in keinem Vergleich zu dem wahr-\nhaft erschütternden Beifallssturme nach der Ausführung\ndes vorletzten Chors, des Prachtstückes des ganzen Ora-\ntoriums: „Lobt den Herrn, Jung und AltI'. Dieser acht-\nstimmige Chor A tempo giusto in D-dur, gehört\ndurch das Grossarlige, welches in ihm zuerst in einfacher\nHoheit, dann aber auch in kunstreicher polyphoner Arbeit\nerscheint, zu den herrlichsten Denkmalen der unerreichten\nGrösse des Händel'schen Genius. Nach dem mächtigen\nWechselgesang der beiden Chöre, den die Violinen in\njubelnden Sechszehntel-Figuren begleiten, in dem Augen-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5396, "texte": "blicke, vro man keine Steigerung mehr für möglich hält,\nbricht auf einmal der Instrumental-Jubel ab, der erste\nChor intonirt auf die Worte: „Gott allein sei Preis und\nDank!\" eine höchst eigentümliche, choralartige Melodie\nvon sechs laden in halben Noten im Unisono (mit Aus-\nnahme des Dreiklangs ohne Quinte beim Eintritt dersel-\nben), und der zweite Chor stimmt dazu einen figurirten\nGesang in Achteln an, zu dessen Sopran der Bass eine\ncanonische Imitation in der Octave, die auf das zweite\nViertel des ersten Tactes eintritt, durchführt. Darauf\nwechseln die Chöre und bringen dann die Melodie, in vol-\nlen Accorden zusammenstimmend, zum Schluss. Die Wir-\nkung ist prachtvoll, und es ist keine Frage, dass der Schluss\ndes Oratoriums mit diesem Chor bei Weitem effectvoller\nsein würde, als mit dem nach einigen Solo-\nsätzen folgenden Schluss-Chor, der gegen den vorherge-\ngangenen abfällt und leicht der schwächste von allen sein\ndürfte.\nSo eindrucksvollen Leistungen der vereinigten Chor-\nund Orchestermacht gegenüber war es keine leichte Auf-\ngabe, den Sologesängen ihr Recht zu wahren. Dennoch\ngelang es den trefflichen Künstlerinnen und Künstlern,\ndenen diese Aufgabe geworden war, die Soli nicht nur\nebenbürtig neben die Chöre zu stellen, sondern sie wie\nglänzende Sterne über den Wogen des Tonmeeres leuch-\nten zu lassen.\nDie Haupt-Partie des Oratoriums, der König Salomon,\nist vom Componisten der Altstimme gegeben, ein Verfah-\nren, das uns wunderlich erscheint, zu Händel's Zeiten aber,\nin denen das Oratorium unmittelbar aus der italienischen\nOper sich zu einer neuen, selbstständigen Gattung erhob\nund in den Auflührungen mit jener abwechselte, nichts\nAuffallendes hatte. Auch war Iländel oft genöthigt, sich\nnach den Sängern zu richten, über die er gerade verfügen\nkonnte und deren Auftreten ein volles Haus machte. So\nentstanden die Heldenrollen Barak in der Deborah, Oth-\nniel im Josua und sogar der weise Salomon als Alt-Par-\ntieen, die wir nach unseren Begriffen uns nur als Tenor\noder Bass denken können. Es kommt daher bei Auffüh-\nrung des Salomon Alles darauf an, diese Partie aufs ge-\neignetste zu besetzen, und wir mussten es für ein wahres\nGlück halten, in Fräulein Francisca Schreck eine Sän-\ngerin zu besitzen, die das Rheinland seit einigen* Jahren\nmit gerechtem Stolze die Seinige nennt. Fräulein Schreck\nhat eine von jenen Altstimmen, die nur zu erklingen brau-\nchen, um Sympathie zu erregen, und das Geheimniss der\ndauernden Bewahrung, ja, Verstärkung der Klangfülle\ndieser Stimme besteht in dem treuen Festhalten der Sän-\ngerin an der Natur ihres Organs und an der deutschen\nSchule. Niemals hat sie sich verleiten lassen, ihrer Ton-\n..'i jf»-i t*9 ig| KS St gl .jßi * «'S M Js3, tw\" .>{- Jjs w: *?/ .J®' ■\nleiter noch einige Töne in der Höhe anzuschrauben und\nihren tiefen Brusttönen jene widrige Breite anzuquälen,\ndie kein gebildetes Ohr anhören kann. Zufrieden mit dem\nUmfange ihrer Stimme, hat sie ihre ganze Sorgfalt nur auf\ndie Ausbildung und Ausgleichung derselben bis zu der\njetzt erlangten Vollkommenheit gewandt, wohl eingedenk\nder Worte YVieck's, däss Johanna Wagner mit sechs Tö-\nnen hätte die Welt erobern können, wenn sie nicht zwölf\ndaraus hätte machen wollen. Dazu kommt, dass Fräulein\nSchreck in Bezug auf Vortrag und Ausdruck aller Ziererei\nund AfFectation nicht bloss abhold ist, sondern dass ihr\nganzes Wesen, von aller Künstelei himmelweit entfernt,\nsich nur dem Ausdruck der Wahrheit der Empfindung\nhingibt, welchen die Kunst verlangt, die der Natur treu\nbleibt. So konnte denn die Haupt-Partie des Oratoriums\nkeine würdigere Bepräsentantin finden, deren meisterhafte\nLeistung nicht nur bei unserem Publicum, sondern na-\nmentlich auch bei den Musikern aus Paris, Belgien und\nHolland höchst ehrenvolle Anerkennung fand.\nFür die Sopran-Partie war Frau Louise Dustmann-\nMeyer, k. k. Kammersängerin von der grossen Oper in\nWien, gewonnen. Wenn man diesen Namen nennt, so\nweiss ein jeder, der diese Sängerin gehört hat, dass von\neiner Künstlerin die Bede ist, welcher unter den dramati-\nschen Sängerinnen der Gegenwart die Palme gebührt. So\nselten in unseren Tagen diese Sängerinnen sind, so ist doch\neine Bühnensängerin, die wie Frau Dustmann mit dem\nTalent des dramatischen Ausdrucks die höchsten Forde-\nrungen des Kenners an die künstlerische Ausbildung der\nStimme und des Vortrags befriedigt, eine noch grössere\nund ganz unschätzbare Seltenheit. Selbst eine Gesanges-\nKönigin, konnte sie wohl zwei Königinnen in unserem\nOratorium glänzend vertreten und doch wieder in der\nBolle eines Weibes aus dem Volke die ganze Tiefe des\nGefühls der liebenden Mutter in den rührendsten Tönen\naussprechen. Den vollen Beiz des süssen Wohllauts ihrer\nStimme und bezaubernde Zartheit und Anmuth des ein-\nfachen Vortrags entfaltete sie in der wunderlieblichen Pa-\nstoral-Arie in G-durvor dem Schluss-Chor des zweiten\nTheiles, einem jener reizenden, kleineren Arioso's, welche\nHändel wie Blumen auf den Weg zu dem Hohen und Er-\nhabenen hinstreut eine Melodie, man möchte sagen:\naus Italiens schönster Kunst-Periode, und um welche jeder\nComponist unserer Zeit den alten Meister beneiden muss.\nDass die Duette dieser beiden Sängerinnen zu den Glanz-\npunkten des Abends gehörten, braucht kaum erwähnt zu\nwerden.\nNeben solchen Gesangesgrössen hatte Fräulein Ger-\ntrud von Conraths von hier, eine Schülerin des hiesi-\ngen Conservatoriums und im Besonderen des Herrn Pro-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5310, "texte": "fessors Böhme, die eben erst im Beginne ihrer Künstler-\nLaufbahn steht, keinen leichten Stand. Um so anerken-\nnenswerther war die präcise und sichere Ausführung der\neben nicht dankbaren Partie des zweiten Weibes in den\nRecitativen und dem Terzett der Urtheils-Scene. Am zwei-\nten Festtage hatte Fräulein von Conraths als Iphigenie in\nden Scenen aus der Oper von Gluck mehr Gelegenheit,\nihr Talent und ihre bedeutenden Fortschritte seit ihrem\nersten Auftreten in den Winter-Concerten zu bekunden.\nVon den Männer-Partieen im Salomon ist der Priester\nZadok, Tenor, die bedeutendste. Offenbar hat Händel sie\nfür einen Sänger geschrieben, der durch seine technische\nFertigkeit in der Coloratur mit den Violin-Figuren wett-\neifern konnte. Herr Karl Schneider aus Wiesbaden\nhatte die grosse Gefälligkeit, noch in der zwölften Stunde\ndiese schwierige Bravour-Partie für Herrn Schnorr von\nCarolsfeld, den Krankheit in Dresden festhielt, zu über-\nnehmen. Das konnte wahrlich nur ein so musicalisch ge-\nbildeter Sänger, wie Herr Schneider, der in allen Ora-\ntorien zu Hause ist, wagen, oder vielmehr nicht wagen,\nsondern in solcher Weise durchführen, dass man glauben\nmusste, er sei seit lange mit diesen Arien vertraut. Gleich\ndie erste erwarb ihm stürmischen Beifall; den grössten\nEindruck machte er aber durch den glänzenden Vortrag\nder Arie, welche dem grossen Chor: „Lobt den Herrn,\nJung und Alt!\" im dritten Theile vorausgeht. Mit Recht\nhat Händel „Pomjposo\" darüber geschrieben, denn sowohl\nin der Melodie als in den kräftigen Violin-Figuren, die uns\ngleich von vorn herein sagen, was wir zu erwarten haben,\nund den heroischen Schwung von Anfang bis zu Ende\ndurchführen, liegt das Pomphafte und Energische in gros-\nsen, unverkennbaren Zügen zu Tage. Auch ausser dem\nZusammenhange dürfte diese Arie mit dem vorhergehen-\nden Recitaliv eine höchst wirksame Concert-Arie, d. h. für\nConcerte mit classischen Programmen sein.\nDer Bassstimme hat Händel in diesem Oratorium nur\neine einzige Arie zugetheilt. Diese schöne, edel gehaltene\nArie {Es-du r,%-Tact) folgt gleich auf den ersten Chor\nund erregt Erwartungen für die Bass-Partie, welche aber\nsonderbarer Weise durch keine einzige Note weiter be-\nfriedigt werden. Herr Karl Hill aus Frankfurt am Main\ntrug die Arie mit seiner volltönenden, wohllautenden Bass-\nstimme, die eine vorzügliche Weiche und Biegsamkeit hat,\nsehr gut vor. Er hat sich zu einem trefflichen Oratorien-\nsänger herausgebildet und trug auch durch die Leistung,\nwelche er in der Messe von Cherubini, die am ersten Pfingst-\ntage im Dome gefeiert wurde, aus Gefälligkeit übernom-\nmen halte, die vollste Anerkennung davon.\nWir können diesen Bericht über die Aufführung des\nSalomon, die in den Annalen unserer Musikfeste Epoche\nmacht, nicht seh Hessen, ohne der trefflichen Auffassung\nund Leitung des Ganzen durch Ferdinand Hiller dank-\nbar zu gedenken, der auch besonders in der Bestimmung\ndes Zeitmaasses, welche bekanntlich bei den ungenauen\nAngaben der alten Meister ihre grossen Schwierigkeiten\nhat, einen so richtigen Tact bewährte, wie man ihn heut-\nzutage nicht bei vielen Dirigenten findet.\nDer zweite Festabend begann mit dem Sancius\nund Osama aus der H-moll-Messe von Johann Se-\nbastian Bach —jenes für sechsstimmigen (2 Sopran, 2\nAlt, T enor und Bass), dieses für achtstimmigen Chor mit\nOrchester und Orgel.\nDie Wiederaufnahme von Bach's Musik in unserem\nJahrhundert schreibt sich von der grossen musicalischen\nThat her, die Felix Mendelssohn-Barlholdy durch die Auf-\nführung der Matthäus-Passion im April des Jahres 1829\nzu Berlin vor seiner ersten Reise nach London vollbrachte.\nOhne d iese Aufführung hätte das erhabenste Werk reli-\ngiöser Musik vielleicht noch ein zweites Jahrhundert lang\nim Grabe gelegen. Zwei Jahre früher hatte jedoch am\nNiederrheine Johann Schornstein, der Stifter unserer Mu-\nsikfeste, von K. Phil. Emanuel Bach, dem zweiten Sohne\nSebastian's, die Cantate „Heilig\" auf dem Feste von 1827\nin Elberfeld aufgeführt, zugleich das Kyrie und Gloria\naus Beethoven's grosser D-dur-Me zum ersten Male;—\nein Beweis für die Bedeutung, welche dieser gediegene\nMusiker für die niederrheinischen Musikfeste in Anspruch\nnahm. Ehre seinem Andenken! Eilf Jahre darauf brachte\nMendelssohn bei dem Feste in Köln 1838 Joh. Sebastian\nBach's doppelchörige „Himmelfahrts-Cantatc4' zur Auf-\nführung.\nSo ausserordentlichen Eindruck diese Cantate machte,\ndessen wir uns noch sehr gut erinnern, so dauerte es doch\nnoch eine Reihe von Jahren, bis die Aufführungen der\nPassions-Musik in den niederrheinischen Städten dem gros-\nsen Publicum ein Gebiet der Kirchenmusik erschlossen,\ndas bisher ein unbekanntes Land gewesen war. Seitdem\nbrachte denn auch das Musikfest erst 1857 in Aachen die\nCantate Nr. VII mit dem Schlusschor aus Nr. XXI unter\nLiszt's Direction, das Fest von 1858 in Köln das Credo\naus der Messe in H-moll unter Hiller's Leitung zur Auf-\nführung.\nAus demselben Werke wurde jetzt das mit\ndem Pleni sunt coeli und das darauf folgende Osama ge-\ngeben. Gegen die vollständige Aufführung der Passionen\nund der ganzen H-moll-Messe auf Musikfesten spricht aus-\nser anderen Gründen am racistcn die Schwierigkeit der\nAusführung, welche lange Studien verlangt und mit einem\naus verschiedenen Elementen vereinigten Chor ohne zahl-\nreiche Vor- und Hauptproben unmöglich auch nur an»\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5295, "texte": "nähernd ihre Aufgabe lösen könnte, da zumal die Passio-\nnen durchaus keine Theilung vortragen. Gegen eine solche\nsträuben sich aber die Messen und das Weihnachts-Ora-\ntorium nicht. Namentlich ist es in Bezug auf die\nMesse durch die Forschungen der Bach-Gesellschaft, deren\nErgebniss Julius Rietz in den Vorreden zu der neuen Par-\ntitur-Ausgabe derselben (Jahrgang VI, 1856, der Werke\nJ. S. Bach's) bekannt gemacht hat, erwiesen, dass Bach\nursprünglich nur das Kyrie und als eine so ge-\nnannte Missa brevis, freilich in kolossalem Maassstabe,\ngeschrieben und dem Kurfürsten Friedrich August von\nSachsen mit demüthiger Widmung im Jahre 1733 über-\nschickt, später aber zu den übrigen Sätzen der Messe frü-\nhere Cantaten theils unverändert, theils mit mehr oder\nweniger bedeutenden Umänderungen benutzt hat. Erwie-\nsen ist dies vom Gratias, Crucifiund wahr-\nscheinlich sind aber auch das Sanctus und das Agnus Dei\nfrühere Arbeiten. Man kann diesen Sätzen also mit vollem\nRechte ihre frühere Selbstständigkeit bei Aufführungen\nwiedergeben, ohne den Vorwurf von Zerstückelung ein-\nheitlicher Werke fürchten zu müssen.\nDie Ausführung mit den hier vereinigten Kräften und\ndem vollen Orgelwerke war prachtvoll und bestätigte von\nNeuem die Wahrnehmung, die wir schon wiederholt bei\nder drei Jahre hinter einander am Palmsonntage hier ge-\ngebenen Matthäus-Passion gemacht haben, dass die wun-\nderbare Polyphonie Bach's nicht bloss auf die Eingeweih-\nten und Kunstverständigen, sondern auch auf die grossen\nKreise gebildeter Zuhörer eine allgemein ergreifende und\nerhebende Macht ausübt. Diese Macht offenbarte sich aber\nnoch überwältigender in den beiden Hauptproben, in denen\ndie zahlreiche Zuhörerschaft in selten erlebte Begeisterung\nam Schlüsse besonders des Sanctus ausbrach. Der Unter-\nschied lag an der Stellung zu Anfang des Programms.\nWenn d iese Musik so urplötzlich mit ihren gewaltigen Ton-\nfluten auf den Hörer hereinströmt, so vermag er sie vor\nErstaunen nicht gleich so zu fassen, als dies der Fall ist,\nwenn Ohr und Stimmung und Empfänglichkeit für das\nGrossartigste und Höchste schon durch Anderes, sei es\nselbst nur durch ein Präludium im Orchester oder auf der\nOrgel, vorbereitet sind. Wir sehen, dass auch bei solchen\nAeusserlichkeiten die Erfahrung walten muss, und dass es\ngerathener ist, ein so riesiges Vocalwerk lieber zu Ende\neiner Abtheilung, als zu Anfang des Programms zu stellen.\nWeist doch der Name „Ouvertüre\" für Eröffnung einer\nMusik-Aufführung durch Instrumentalwerke schon darauf\nhin. Und wir konnten kaum eine geeignetere und wir-\nkungsvollere haben, als durch Gluck's Ouvertüre zur\nIphigenie in Aulis, die mit einer Reihe von Scenen\ndieser Oper jetzt folgte.\nVon Gluck erschien auf unseren Festen zum ersten\nMale im Jahre 1841 in Köln die Ouvertüre zur Oper\nIphigenie in Aulis. Dann erst in neuerer Zeit Ouvertüre\nund erster Act aus der Alceste in Düsseldorf 1853 (Diri-\ngent F. Hiller), wiederum die Ouvertüre zur Iphigenie in\nAulis in Aachen 1854 (Dirigent Lindpaintner), Scenen\naus Armide in Köln 1858 (Dirigent F. Hiller) und Sce-\nnen aus Iphigenie auf Tauris in Düsseldorf 1860 (Diri-\ngent F. Hiller).\nWenn im Allgemeinen Opernmusik nicht in den Con-\ncertsaal und noch weniger auf die Musikfeste gehört, so\nist von diesem Grundsatze doch für Gluck eine berechtigte\nAusnahme gemacht worden. Seine Opern gehören der\nclassischen Periode der Vergangenheit an und sind sowohl\ndurch ihre Zeit als durch ihren Stil monumentale Werke\nder Tonkunst.\nDa nun Gluck's Opern auf den jetzigen Bühnen, mit\nwenigen rühmlichen Ausnahmen, nicht mehr gegeben wer-\nden, so sind die Musikfeste noch die letzte Zufluchtsstätte\nfür jene einfach erhabene dramatische Musikgattung. Ihre\nAufführungen werden bei der jetzt überhand nehmenden\nBegriffsverwirrung über das Princip der Oper, namentlich\nbei jüngeren Künstlern, eine Belehrung darüber sein, wie\nGluck sein eigenes Princip aufgefasst hat. Er wollte ver-\ngessen, dass er ein geborener Musiker sei, aber es ging\nnicht, und er bildete sich oft nur ein, dass er die schönsten\nArien nach den Worten declamirt habe, während sie doch\nreine Musik sind.\nAm unbekanntesten von Gluck's Opern ist in unseren\nTagen seine Iphigenie in Aulis, obschon es diejenige\nwar, mit deren Aufführung am 19. April 1773 zu Paris\nsein Weltruhm und zugleich der Streit über sein Princip,\nder im Grunde genommen noch fortdauert, begann. Nur\ndie Ouvertüre, die den heroischen Charakter, der uns\nins Heerlager der Griechen weist, so schön mit der An-\ndeutung der Seelenzustände verbindet, welche der Conflict\nvon Ehrgeiz und Liebe, von Leidenschaft und Entsagung\nerzeugt, hat in Deutschland stets die Programme der Con-\ncerte geziert. Ihre Ausführung durch das hier versammelte\nOrchester, namentlich das markige Unisono des Geigen-\nQuartetts im Anfange des Allegro, von dessen Klang der\nSaal erdröhnte wie der Boden vom massenhaften Tritt der\ngriechischen Phalanx, Alles in dem schweren, wuchtigen\nTempo, das Hiller gewiss ganz im Geiste Gluck's nahm,\nwar von unbeschreiblicher Wirkung.\nDie Beihe von Scenen, welche Hiller zusammengestellt\nhatte, war vollkommen geeignet, die ganze Handlung des\nDrama's dem Publicum zu versinnlichen, aber freilich nur\nseinem Ohr, nicht auch dem Auge, und trotz der geschick-\nten Anordnung und der vortrefflichen Ausführung musste"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4326, "texte": "man doch gestehen,dass auch das Schauen zur andauern-\nden Theilnahme an Opernmusik gehört und dass der\nSprachgebrauch, der auch in der Oper das Publicum „die\nZuschauer\" nennt, seine gute Begründung hat. Ohne\nAction auf der Scene fesseln nur die Monologe durch den\nmusicalischen Vortrag auch im Concertsaale; allein Auf-\ntritte wie zwischen Agamemnon und Kalchas, vollends zwi-\nschen Agamemnon und Achill, verlieren sehr durch den\nMangel derselben.\nDie Besetzung war folgende: Klytämnestra Frau\nDustmann; Iphigenie—Fräulein von Gönraths; Aga-\nmemnon—Herr Becker, grossherzoglich hessischer Kam-\nmersänger in Darmsladt; Achill—Herr Schneider; Kal-\nchas— Herr Hill; und der gesammte Chor.\nFrau Dustmann war hier noch mehr als im Orato-\nrium auf dem Gebiete, das sie mit den herrlichsten Mit-\nteln, welche Natur und Kunst ihr verliehen, zu beherrschen\ngewohnt ist. Ihre Klytämnestra war in der That auch ohne\nAction eine plastische Darstellung; ihre Beschwörung des\nAchilles um Schutz für die unglückselige, dem Opfertode\nbestimmte Tochter, und ihre grosse Scene, als das Opfer\n»ich bereitet, waren vollendet künstlerische, leidenschaft-\nlich dramatische und doch nie das Maass des Schönen\nüberschreitende Leistungen.\nFräulein von Conraths ist im Besitze einer auch für\ngrosse Räume recht ausgiebigen Sopranstimme mit leicht\nansprechender Höhe, deren Klang mehr hell und klar, als\nvoll und weich ist, sich aber zu sehr wohllautendem Ge-\nfühls-Ausdruck eignet, dagegen bei der Abwendung von\nKraft und Leidenschaft vorsichtig behandelt werden muss.\nWenn es für eine Kunstjüngerin schon kein geringes Lob\nist, in Gluck'schen Ensemhleslücken mit so stimmbegabten\nund hochgebildeten Kunstgenossen sicher und keineswegs\nstörend zusammengewirkt zu haben, so steigert sich das-\nselbe ganz bedeutend durch die Art, wie Fräulein v. Con-\nraths die Solostellen der Iphigenie, die Recitative und na-\nmentlich die schöne Arie: „Ich will das harte Loos des\nScheidens standhaft tragen\", gesungen hat, die ihr mit\nRecht den Beifall des Publicums eintrug und uns durch\ndie Reinheit der Intonation und den ausdrucksvollen Vor-\ntrag die Ueberzeugung von den bedeutenden Fortschritten\nder jungen Sängerin gab, und zu der Hoffnung berechtigt,\ndass sie bei fortgesetzten Studien eine künstlerische Zu-\nkunft haben werde.\nWenn der Timbre von Herrn Schneider's Stimme\nauch nicht der eines Helden-Tenors ist, so vermisste man\ndoch in seiner Durchführung der Partie des Achilles kei-\nneswegs Kraft und heroischen Ausdruck. Namentlich aber\nwirkte er in den Ensemblestücken vortrefflich. Das grosse\nTerzett in C-dur und das schöne Quartett in F-dur wur-\nden überhaupt vorzüglich gut gesungen; dennoch zeigte\nsich im Publicum keine allgemeine Empfänglichkeit dafür;\ndas erstere erhielt nur mässigen, das letztere gar keinen\nlauten Beifall, was wir uns nur dadurch erklären können,\ndass die Zuhörer durch die lange Dauer der Opernscenen,\nohne Action und ohne Zwischenact, zuletzt etwas abge-\nspannt waren. Uebrigens müssen wir gestehen, dass wir,\neinige Scenen der Iphigenie in Aulis abgerechnet, die\nIphigenie in Tauris und selbst die Armide höher stellen,\nals jene.\nDie bedeutende Rolle des Agamemnon, welche der\nDichter und der Componist mit besonderer Liebe behan-\ndelt haben, wurde von Herrn Karl Becker aus Darm-\nstadt gesungen. Herr Becker hat eine herrliche, volltönende,\ndie grössten Räume ausfüllende Baritonstimme, deren\nKlang auf der Stelle imponirt und ein günstiges Vorurtheil\nfür den Sänger erregt. Dabei hat er den dramatischen\nAusdruck da, wo dieser Kraft und Heroismus verlangt, in\nseiner Gewalt und war in so fern ein trefflicher Vertreter\ndes königlichen Heerführers der Griechen. Auch seine\nAussprache ist lobenswerth. Dagegen bedarf der Ton noch\neiner mehr künstlerischen Bildung, der Ansatz ist nicht\nimmer auf der Stelle fest und rein, und die weicheren\nNuancen des Vortrags lassen zu wünschen übrig. Bei alle-\ndem dürfte Herr Becker auf der Bühne doch einer der\ntüchtigsten Baritonisten sein, die wir in Deutschland haben.\nHerr Hill, dem wir schon oben wohlverdientes Lob\ngespendet, wirkte durch seine schöne Bassstimme und edeln\nVortrag der Partie des Priesters Kalchas sehr zum Gelin-\ngen des Ganzen mit. Die Aufführung war eines Musikfestes\nwürdig, was auch am Schlüsse das Publicum durch an-\ndauernden Applaus vollkommen anerkannte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "197", "page_fin": "198", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.2.3", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.5", "debut_caractere": 4328, "fin_caractere_exclue": 5049, "texte": "Aus Aachen.\n\nDen 15. Juni 1862.\nIch bin poch Rechenschaft über die letzten Abonne-\nments-Concerte schuldig, die ich nicht versäumen will ab-\nzutragen, da schon die Programme derselben ein interes-\nsantes Zeugniss für die gegenwärtigen musicalischen Zu-\nstände der alten Kaiserstadt ablegen dürften, was sowohl\nden Ausführenden, als namentlich Herrn Musik-Director\nWüllner sehr zur Ehre gereicht.\nSchon in den beiden ersten Concerten war der An-\ndrang des Publicums so gross, dass man die Abonnements-\nConcerte aus dem Cursaale in den Saal Bernarls verlegen\nmusste, der im dritten Concerte ebenfalls wieder überfüllt\nvon dem Publicum war, das herbeiströmte, um Händel'»\n„Messias\" zu hören. Die Ausführung des Meislerwerke»"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5039, "texte": "durch 300 Mitwirkende war grossartig. Die Sologesänge\nerwarben Fräulein Büschgens und besonders Fräulein\nSchreck grossen Beifall.\nDas vierte Concert brachte eine sehr gute Ausführung\nder reizenden Sinfonie in Es-dur von Haydn, ein Weih-\nnachtslied von Calvisius, das nicht mit der Genauigkeit\nund Sicherheit gesungen wurde, die wir sonst von unserem\nVereine gewohnt sind, das Violin-Concert in A-moll von\nBach, welches Concertmeister Fleischhauer mit der\nReinheit und Fülle des Tones und dem classischen Spiel,\nwelche Eigenschaften diesen jungen Künstler auszeichnen,\nvortrug. Die zweite Abtheilung des Concertes füllte Schu-\nmann's Musik zu Manfred, eine der schönsten Compo-\nsitionen dieses Meisters, die sich durch ausserordentlichen\nGedanken-Reichthum, überraschende Wahrheit der Ma-\nlerei und Grösse des Stils auszeichnet. Besonders machte\ndie Ouvertüre, ein wahres Meisterwerk, grosse Wirkung.\nDas Programm des fünften Concertes war eines der\nbedeutendsten: Ouvertüre zu Mcdea von Cherubini, der\ndritte Act von Gluck's „Armide\", in welchem Frau\nNeuss-Deutz durch den liefen Ausdruck, den sie Gluck's\nTönen lieh, einen glänzenden Erfolg hatte; das Credo aus\nder 11-moll-Mes&evon J. S. Bach und zum Schluss Beet-\nhoven's Sinfonie in C-moll, Nr. 5. Bach's wunderbar\nschöne Musik, welche die heiligsten Gefühle in den erha-\nbensten Tönen ausdrückt, war von der ergreifendsten Wir-\nkung auf die ganze Zuhörerschaft. Die Beethoven'sche Sin-\nfonie wurde so trefflich ausgeführt, dass jeder Satz enthu-\nsiastischen Beifall erhielt. Und doch überbot fast das\nsechste Concert noch das vorige, denn es brachte die zwei\nunvergänglichen Werke der Tonkunst: Mozart's\nund Beethoven's neunte Sinfonie. Abgesehen von\neinigen zögernden Einsätzen in den Fugen, war die Aus-\nführung des Requiem befriedigend; Fräulein Rothenber-\nger und Niethen aus Köln sangen die Solo-\nstimmen mit Erfolg, eben so die Herren Göbbels und\nß ergstein. Musik-Director W ül Iner hatte aus der Auf-\nliihrung der neunten Sinfonie eine Ehrensache gemacht,\nund sie ist vollständig zu seinen Ehren ausgefallen.\nIm siebenten Concerte, das im Theater Statt fand,\nfeierten wir das Andenken an Felix Mendelssohn durch\ndie Aufführung seines Oratoriums „Paulus\". Dieses Werk,\ndas man mit Recht den Stolz der Gegenwart nennen kann,\nwurde vom Chor und Orchester trefflich gegeben. Stock-\nhausen fesselte das ganze Publicum dauernd durch den\nZauber seines Vortrages der Partie des Paulus; die\nArie: „Gott sei mir gnädig!\" wurde zu einem wahren\nIriumph für ihn. Die frische und klangvolle Stimme des\nFräuleins von Gönraths aus Köln und die grosse Be-\nscheidenheit, mit welcher sie auftrat, erwarben ihr zahl-\nreiche Bewunderer. Herr Göbbels war ganz vorzüglich\nbei Stimme und erregte besonders durch den Vortrag der\nRecitative allgemeinen Beifall.\nDie Reihe sämmtlicher Concerte beschlossen „Die\nJahreszeiten\" von Haydn, die niemals zu spät kommen,\num zu gefallen. Fräulein Röhn von Mannheim gefiel nicht\nnur durch ihre schöne, umfangreiche und klangvolle Stimme,\nsondern auch durch die Einfachheit und Natürlichkeit des\nVortrags. Herr Göbbels stand ihr ganz gut zur Seite, wäh-\nrend es Herrn Bergstein dieses Mal nicht gelang, >der be-\ndeutenden Partie des Simon den gehörigen Ausdruck zu\nverleihen.\nDiese kurze Aufzählung der Aufführungen so bedeu-\ntender Werke bezeugt deutlich genug die Blüthe, welche\nunsere Musik-Zustände, Dank Herrn Wüllner's Eifer und\nTalent, erreicht haben. Hoffen wir im Interesse der Kunst,\ndass dieser Eifer fort und fort so wie jetzt vom Publicum\nund von den Ausführenden gewürdigt werde, dann ist\nAachens musicalische Zukunft gesichert.\nAuch die Soireen für Kamme rmusik haben sich\neines grossen Erfolgs zu erfreuen gehabt. Die Gebrüder\nWenigmann haben sich bereits einen so gediegenen\nRuf als Quartettspieler erworben, dass es überflüssig ist,\nihr Talent und ihr Streben noch des Weiteren zu bespre-\nchen. Ihre trefflichen Eigenschaften traten besonders in\nden Vorträgen der Quartette in Cis-moll von Beethoven,\nin D-mollvon Cherubini und in von Schubert ans\nLicht. Diese Soireen, deren Begründer die Herren Wenig-\nmann sind, haben den Reiz der Abwechslung durch den\nZutritt der Herren Wüllner als Pianist und Fleisch-\nhauer als Violinist erhalten. Sie verschafften uns einen\nschönen Genuss durch den Vortrag der Sonate in G-dur,\nOp. 30, von Beethoven, und hatten in Verbindung mit\nunserem trefflichen Violoncellisten Johann Wenigmann,\nder die anhaltendst schwierige Aufgabe in den Soireen\nauszufüllen hat, durch das Ciavier-Trio Op. 70 Nr. 11. von\nBeethoven und noch mehr durch das Trio von Schubert,\nOp. 99, grossen Erfolg. Herr Wüllner trug auch seine\nschöne Sonate in D-moll, Op. 6, die ihm schon bei einer\nanderen Gelegenheit ausserordentlichen Beifall eingebracht,\nvor, und wir erfahren mit Vergnügen, dass nächstens eine\nzweite Sonate von seiner Composition erscheinen wird*).\n*) In dem Berichte „ Aus Aachen\" vom 24. Mai in Nr. 22 ist\nSeite 175, Zeile 23 von oben der Name des jungen Pianisten\nnicht Rutzenberger, sondern Ratzenberger zu lesen.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "200", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.2.4", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5271, "texte": "Aus Rotterdam.\n\nDen 10. Juni 1862.\nErlauben Sie uns, geehrter Herr, über die zweite Hälfte\nder verllossenen Opern-Saison noch einen kurzen Bericht\nzu erstatten. Im Ganzen können wir zufrieden sein, wie-\nwohl der Mangel eines ersten Tenors schwer auf dem gan-\nzen Unternehmen lastete. Das Repertoire wurde vergrössert\ndurch die Entführung, Jessonda, Waffenschmied, Liebes-\ntrank, Puritaner, Weisse Dame, welche letztere leider voll-\nständig Frasco machte und nur ein Mal über die Bühne\nging. Mögen alle anderen Rollen in dieser Oper sich in\nguten Händen befinden, so ist bei einem schwachen George\nBrown ein Gelingen unmöglich. Diesen Fall hatten wir auch\nhier zu beklagen. Für Herrn Grimminger liegt die Partie\nzu hoch. Die besten Aufführungen von den neu gegebenen\nOpern waren Jessonda und die Entführung. Wir bedauern,\ndass letztere zu spät einstudirt wurde, um sie öfter als\nzwei Mal vorführen lassen zu können. Von sämmtlichen\nMitgliedern müssen wir Fräulein Günther und Herrn\nDalle Aste hervorheben. Wiewohl wir leider bei Fräulein\nGünther eine jugendlich frische Stimme vermissen, so er-\nsetzt sie diesen Mangel, wie schon früher erwähnt, durch\ngute Schule und lebhaftes, doch nicht übertriebenes Spiel,\nso wie Ausdauer und stete Bereitwilligkeit. Als Beweis für\nLetzteres sei nur bemerkt, dass sie unter 76 Opern-Vor-\nstellungen 62 Mal mitwirkte, ausschliesslich zweier Con-\ncerte, für die Hinterbliebenen des verstorbenen Capellmei-\nsters Skraup und ein Benefiz-Concert für das Chor-Perso-\nnal. Was Frau Zademack-Doria betrifft,so würde diese\nDame eine Zierde jederßühne sein, wenn sie mehr Mei-\nsterin ihrer Launen wäre und der Direction den Stand nicht\nso sehr erschwerte. Wir können hier nicht ungerügt las-\nsen, dass Vorstellungen durch sie gestört wurden.\nAls Gäste traten auf die Herren Caffieri aus Wies-\nbaden und Becker aus Kassel. Herr Caffieri besitzt eine\nklangvolle, hohe Tenorstimme. Sein Spiei lässt zu wünschen\nübrig. Er sang den Troubadour, Florestan, Raoul, von\nwelchen sein Raoul unstreitig das grösste Glück machte.\nLeider wurde diese Vorstellung durch Frau Zademack-\nDoria gestört, welche in der Mitte des Duetts zwischen Va-\nlentine und Marcell im dritten Acte wegen Unwohlseins\nplötzlich aufhörte und sich selbst beim Publicum entschul-\ndigte. (!) Fräulein Frei, zur Aushülfe stets bereit, trat\nnach kurzer Pause für die Erkrankte ein, was vom Publi-\ncum mit nicht enden wollendem Applaus dankbar aner-\nkannt wurde. Bedenkt man, dass Fräulein Frei die Valen-\ntine seit Jahren nicht gesungen und, ohne vorbereitet zu\nsein (sie sang an diesem Abende den Pagen), dieselbe in\nder Mitte der Vorstellung übernahm, so muss man ihr mu-\nsicalisches Talent bewundern, und wir können uns glück-\nlich schätzen, diese Künstlerin für di.e nächste Saison wie-\nder bei uns engagirt zu wissen. Die Ausführung des Flo-\nrestan durch Herrn Caffieri war minder glücklich, wiewohl\ndie Eingangs-Arie in der ursprünglichen Tonart gesungen\nwurde, was bei Herrn Grimminger nicht der Fall ist. Wir\nmüssen aber Herrn Grimminger Gerechtigkeit widerfahren\nlassen: in dieser Rolle musste Herr Caffieri ihm weichen,\nwenn er auch als Raoul und Troubadour demselben über-\nlegen war. Herrn Caffieri wurde ein Engagement für die\nnächste Saison angeboten, welches er von Wiesbaden aus\nschriftlich ablehnte, indem er dort auf Pension engagirt\nwurde. Es könnte Herrn Caffieri nicht schaden, wenn er\nsich mehr auf ernste Studien verlegte; mit einer schönen\nStimme allein ist es nicht gelhan.\nHerr Becker trat als St. Bris und Schulmeister im\nWildschütz auf. Wir enthalten uns über diesen Sänger al-\nles Urtheils, indem wir auf Gelegenheit warten, ihn mehr\nzu hören. Es scheint uns, dass er seine Stimmmiltel nicht\ngehörig anzuwenden weiss. Er ist für nächste Saison hier\nengagirt. Wie wir hören, beabsichtigt Herr Grimminger,\nder Bühne Lebewohl zu sagen*).\nNoch dürfen wir die Thätigkeit des Herrn Regisseurs\nBeyer nicht unerwähnt lassen, welcher nach Skraup's\nTode bis kurz vor dem Schlüsse der Saison, wo Herr Levi\nals neuer Capellmeisler eintrat, die Oper zur grössten Zu-\nfriedenheit des Opern-Personals dirigirte. Wir bedauern\nsehr, Herrn Beyer nicht wieder begrüssen zu können, in-\ndem derselbe in Hamburg bereits ein Engagement abge-\nschlossen.\nUnd nun, geehrter Herr, fühlen wir uns gedrungen,\nProtest einzulegen gegen Verleumdung verschiedener Blät-\nter, welche unsere Bühne in die der dritten oder vierten\nCiasse einreihen. Wir können unmöglich glauben, dass eine\nBühne, welche 800 —lOOO Gulden monatliche Gage (?;\nan erste Mitglieder zahlt, zur vierten Classe gerechnet wer-\nden kann; und verfolgt man das hiesige Repertoire, so be-\nzweifeln wir, dass Bühnen dritten und vierten Banges ein\nsolches aufzuweisen im Stande sein werden. Wir erlauben\nuns, selbiges beizufügen.\nVom 1. September 1861 bis 1. Mai 1862: Zauber-\nllöte 4 Mal, Fidelio 8 Mal, Figaro's Hochzeit 4 Mal, Ent-\nführung 2 Mal, Don Juan 2 Mal. Euryanthe 3 Mal, Frei-\nschütz 2 Mal, Jessonda 5 Mal, Wasserträger 5 Mal, Hans\nHeiling 4 Mal, Tannhäuser 4 Mal, Nachtlager 2 Mal,\nWeisse Dame 1 Mal, Hugenotten 2 Mal, Martha 6 Mal,\nWildschütz 6 Mal, Waffenschmied 3 Mal, Norma 3 Mal.\n\n*) Dem Vernehmen nach ist der treffliche Sänger Herr Karl\nSchneider vom Hoftheater zu Wiesbaden für ihn engagirt.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Troubadour 7 Mal, Liebestrank 1 Mal, Puritaner 2 Mal,\nLoreley (das Finale von Mendelssohn?) 5 Mal.\nWir können keck behaupten, dass ein solches Reper-\ntoire mit dem der ersten Bühnen Deutschlands sich messen\nkann. Die Empfänglichkeit für gute Musik erweist sich\nbeim hiesigen Publicum dadurch, dass Fidelio, Figaro\nu. s. w. stets bei vollem, Martha, welche hier im Anfange\nso enormes Glück gemacht, in dieser Saison bei im Durch-\nschnitt leerem Hause gegeben wurde.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-06-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.8", "debut_caractere": 470, "fin_caractere_exclue": 5872, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* Wiesbaden, 14. Juni. Seit längeren Jahren sind wir ge-\nwohnt, in der Saison eine Reihe von Concerten an uns vorübergehen\nzu sehen, die durch ihre Mannigfaltigkeit und die vielen grossen\nNamen, welche in denselben neben auch manchen kleinen glänzen,\nein ungewöhnliches Interesse in Anspruch nehmen. Es ist die Admi-\nnistration des Curhauses, der wir zunächst ein Unternehmen verdan-\nken, das Wiesbaden zum Centraipunkte fast aller musicalischen\nGrossen macht; denn sie beruft und honorirt die Künstler und er-\nleichtert ihnen das Auftreten so sehr, dass diese um weiter nichts\nsich zu kümmern haben, als ihre Nummern anzusetzen, zu kom-\nmen und dieselben auszuführen. Dabei vereinigen sich immer in\neinem und demselben Concerte, die von nun ab regelmässig alle\nvierzehn Tage Statt finden, mehrere Namen von Bedeutung, so dass\nneben einem ersten Piano-Virtuosen fast immer auch gleichzeitig ein\nViolin-, oder Cello- und Gesangs-Virtuose steht. So sind für die\nSaison in Aussicht genommen: Hans von Bülow, Nik. Rubinstein,\nPruckner, Brassin, Kontsky, die Kastner, Escudier, Laub, Sivori,\nDavid, Hauser, Rapoldi, Lotto, Auer Servais, Piatti, Batta, de Dio,\nSeligmann, Gossmann, Jacquard Godefroid, Oberthür Ander,\nSchmitt, Artot, Cabel, Übrich, Hase-Capitain u. s. w. Es ist gewiss,\ndass sich neben der Grösse oft auch das Unbedeutende breit macht,\ndoch durch den Schatten hebt sich das Licht um so mehr; auch ist\nes gar oft der Fall, dass die Grössen selbst wieder durch die Wahl\nihrer Vorträge der wahren Kunst wenig Genüge leisten. Das erste\ndieser Concerte der Administration, welches gestern Statt fand, trug\nau der Spitze die Leistungen des berühmten Quartetts der Gebrüder\nMüller, Mitglieder der herzoglichen Hofcapelle zu Meiningen. Diese\nHerren spielten das wunderbar schöne D-moll- Quartett von Schubert,\ndas Allegro und die Variationen des Kaiser-Quartetts und das Me-\nnuet und Finale aus Op. 59 von Beethoven. Entzückend war die\nHarmonie, die Zartheit, die Uebereinstimmung ihres Zusammenspiels,\ndoch durch die allzu sehr dargelegte Schattirung verlor Einzelnes\nan ursprünglicher Kraft und Keuschheit. Neben ihnen stand der\ntreflliche Baritonist Beck aus Wien, der nach eben beendetem Gast-\nspiel im Theater, wo er als Rigoletto, Teil, Don Juan und Karl\n(Ernani) aufgetreten war, hier „O armes Vaterland\" von Fischer,\n„Kommen\" von Meyerbeer und ein Arioso aus Ernani sang. Ein hier\nresidirender Pianist und eine Sängerin der hiesigen Oper trugen\nnoch Verschiedenes mit mehr oder minderem Beifall vor. Der grosse\nSaal des Curhauses war fast ganz gefüllt.\nDas bereits in Darm Stadt vorbereitete fünfte mittelrheinische\nMusikfest ist wegen Ablebens der Grossherzogin auf nächstes Jahr\nverschoben worden.\nLeipzig. Die neueste „Gartenlaube\", Nr. 22, bringt ein Bild\nvon Fräulein Fanny Janauschek, derzeit k. sächsischen Hof-\nschauspielerin in Dresden. Roderich Benedix hat einen beglei-\ntenden, allgemein gehaltenen Artikel dazu geschrieben. (Letzterer\nlebt jetzt in Gohlis bei Leipzig in Villeggiatur mit seiner jungen\nFrau, unserer früheren ersten Liebhaberin und Heldin, geborenen\nPaulmann.) Leider sind wir nicht im Stande, eine Aehnlichkeit\nmit der Künstlerin aus dem von unserem besten Portraitzeichner\n(A. Nellmann) gefertigten, aber im Holzschnitte verunglückten\nBilde herauszufinden. Fräulein Janauschek ist als Medea in ganzer\nFigur dargestellt.\nEine in Leipzig verstorbene Dame hat dem Orchester 500\nThlr. und dem Conservatorium 1000 Thlr. vermacht. (Fiat appli-\ncatio in Köln !)\nIn München soll im Herbste dieses Jahres eine Oper von Max\nBruch, „Loreley\", Text von Geibel, zur Aufführung kommen. Wir\nhatten Gelegenheit, Einiges daraus kennen zu lernen, und glauben,\ndass dieses Opus als ein wesentlicher Fortschritt des jungen Com-\nponisten zu betrachten sein wird. (Deutsche M.-Z. in Wien.)\nAls Curiosum theilen wir aus den Polizei-Berichten mit, das«\nsich während der leipziger Messe im Ganzen 271 fremde Har-\nfenistinnen, Sänger und Sängerinnen, Violin-, Guitarre- und Harmo-\nnicaspieler hier aufhielten und die polizeiliche Erlaubniss zum Musik-\nmachen in öffentlichen Wirthschaften erhalten hatten, nachdem sie\neine Probe ihrer Kunst vor der Prüfungs-Commission abgelegt. Es\nbefanden sich darunter nur 46 Sachsen, alle übrigen waren Böhmen\noder Preussen, auch einige Braunschweiger, Hamburger u. s. w.\nund drei Franzosen waren darunter. Hierzu kamen ferner 22 fremde\nMusikcorps mit 189 Musikern, welche gleichzeitig die Erlaubniss\nzum Musiciren auf Blas-Instrumenten während der Messe erhalten\nhatten.\nliOVidoil* Alfred Jaell hat in der gegenwärtigen Saison\ntrotz des Heeres von fremden Künstlern, das hier zusammengeströmt\nist, ungemeines Aufsehen erregt. Er spielte, was bis jetzt noch bei\nkeinem Pianisten dagewesen ist, in zwei philharmonischen Concer-\nten das Es-dur-Concert von Beethoven und das von\nMendelssohn mit enthusiastischem Beifall, dann in der Musical Union\nvon Ella, dann im Krystallpalast und noch in vier anderen Con-\ncerten in London. Auch in Dublin und in Manchester hatte er\nganz ausserordentliche Erfolge. Von anderen deutschen Künstlern,\ndie sehr gefallen, sind hier der vor Allen gefeierte Joachim, fer-\nner Laub und Jean Becker und T halb er g; eben so die Russen\nRubinstein und der Violoncellist Davidoff. Wachtel ist\nals italiänischer Tenorist im Coventgarden-Theater als Edgar in der\nLucia aufgetreten und hat gefallen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas neununddreissigste niederrheinische Musikfest. 11. Aus Aachen (Die letzten Abonnements-Concerte Soireen\nfür Kammermusik. Von N. Aus Rotterdam (Bericht über die zweite Hälfte der verflossenen Opern-Saison). Von x.— Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Wiesbaden, Concerte Darmstadt, das mittelrheinische Musikfest verschoben Leipzig, Bild von Friiul. Fanny\nJanauschek, Vermächtniss München, Oper von Max Bruch Curiosum London, Alfred Jaell, Yirtuosen-Concerte).\n\nDas 39. niederrheinische Musikfest.\nII.\n(l. S. Nr. 24.)\nVon den dreizehn, meist achtslimmigen Chören, welche\ndas Oratorium Salomon enthält, blieb kein einziger ohne\ngrossen Eindruck, viele aber erregten eine wahre Begei-\nsterung im Publicum. So wurde ausser dem bereits er-\nwähnten Nr. 4 in B-durder liebliche „Nachtigallen-Chor\":\n„Es nahe der Stätte kein störender Laut\", in G-dur am\nSchlüsse des ersten Theiles so gefeiert, dass er wiederholt\nwerden musste, was, so viel uns erinnerlich, noch bei kei-\nnem Chorgesang auf unseren Musikfesten vorgekommen\nwar. Eine wunderbare Wirkung machte aber auch das\npianissimo bei so grossen Massen der Geigen und Cho-\nristen, dazu die Flötentöne und die sanftwogenden Orgel-\nstimmen, Alles wie „Blumen, von Düften bethaut\", wie\n„säuselnde Weste im friedlichen Hain\".\nUnd nun der Doppelchor (D-dur) zu Anfange des\nzweiten Theiles! Wir kennen im ganzen Händel keinen\nChor, der den theatralischen Pomp eines jubelnden Ge-\nsanges zur Ehre des Königs und zum Preise Gottes, der\nihn schützt, so plastisch ausdrückte, wie dieser; man sieht\nden langen Zug eines beglückten Volkes, mit Feierkleidern\nangethan, hereinschreiten mit Opfern aller Art, Weihrauch\nspendend und seinem Könige tausendstimmiges „Heil!\nHeil!\" zujauchzend. Die Fanfaren in Orchester und Chor\nbeim Eintritt, dann das urkräftige Fugen-Thema, das je-\nden Widerspruch der Gegner, wenn sie sich wo rührten,\nzermalmelnd niedertritt, zuletzt der Aufschwung aller\nStimmen zum: „Lebe hoch und mächtig, Salomon!\" in\nvollen Accorden, die wie eine Glorie von Tönen um sein\nHaupt strahlen das ist Musik, die den Hörer mit Stau-\nnen erfüllt und mit freudigem Schauer durchbebt.\nIm dritten Theile gibt der Text Veranlassung zu vier\nGesängen, deren Charakter Salomon durch Vorgesang\ndem Chore zur Ausführung aufgibt; sie besingen den\n„Wohllaut der Töne\", „Schlachtruf und Kampflust\",\n„Der Liebe Schmerz und Qual\" und „Ruhe nach Stür-\nmen\". Sie sind alle vier vortrefflich, der erste, dritte und\nvierte fünfstimmig mit zwei Sopraneit, der zweite achtstim-\nmig. Den Wohllauts-Chor in Vs-Tact, möchte man\nversucht sein, in seiner sanften Lieblichkeit als ein Vorbild\nin Form und Geist für Gluck's Empfangs-Chor der Iphi-\ngenie im Lager zu Aulis zu betrachten. Den Krieger-Chor\nin D-dur,%-Tact, mit dem punklirten, donnernden Rhyth-\nmus der Orchester-Bässe („Rosseshufschall\") und den\nschwirrenden Sechszehntel-Figuren der Violinen („Schwert-\ngeklirr\") hätte das Publicum gern noch einmal gehört.\nZu diesem bildet der dritte: „Der Liebe Schmerz und Qual\nbis zum Tod\", Largo in G-moll, 4/4-Tact, einen Gegen-\nsatz, der sich durch herrliche Modulation und Tiefe der\nEmpfindung auszeichnet.—Zu allen vier Chören hat Men-\ndelssohn die Orgel fast immer obligat und mehrstimmig\ngesetzt und dadurch namentlich in den drei ersten hinreis-\nsende Wirkungen erzeugt, durch Verfolgen der Modula-\ntion in weichen Accorden in dem ersten und dritten, und\nim Kriegerchor durch den Gedanken, das volle Werk in\ngehaltenen Accorden mit Zwischenpausen von ganzen oder\nhalben Tacten darein klingen zu lassen.\nSo vollen Applaus nun auch alle diese Chöre hervor-\nriefen, so stand er doch in keinem Vergleich zu dem wahr-\nhaft erschütternden Beifallssturme nach der Ausführung\ndes vorletzten Chors, des Prachtstückes des ganzen Ora-\ntoriums: „Lobt den Herrn, Jung und AltI'. Dieser acht-\nstimmige Chor A tempo giusto in D-dur, gehört\ndurch das Grossarlige, welches in ihm zuerst in einfacher\nHoheit, dann aber auch in kunstreicher polyphoner Arbeit\nerscheint, zu den herrlichsten Denkmalen der unerreichten\nGrösse des Händel'schen Genius. Nach dem mächtigen\nWechselgesang der beiden Chöre, den die Violinen in\njubelnden Sechszehntel-Figuren begleiten, in dem Augen-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.2", "texte": "blicke, vro man keine Steigerung mehr für möglich hält,\nbricht auf einmal der Instrumental-Jubel ab, der erste\nChor intonirt auf die Worte: „Gott allein sei Preis und\nDank!\" eine höchst eigentümliche, choralartige Melodie\nvon sechs laden in halben Noten im Unisono (mit Aus-\nnahme des Dreiklangs ohne Quinte beim Eintritt dersel-\nben), und der zweite Chor stimmt dazu einen figurirten\nGesang in Achteln an, zu dessen Sopran der Bass eine\ncanonische Imitation in der Octave, die auf das zweite\nViertel des ersten Tactes eintritt, durchführt. Darauf\nwechseln die Chöre und bringen dann die Melodie, in vol-\nlen Accorden zusammenstimmend, zum Schluss. Die Wir-\nkung ist prachtvoll, und es ist keine Frage, dass der Schluss\ndes Oratoriums mit diesem Chor bei Weitem effectvoller\nsein würde, als mit dem nach einigen Solo-\nsätzen folgenden Schluss-Chor, der gegen den vorherge-\ngangenen abfällt und leicht der schwächste von allen sein\ndürfte.\nSo eindrucksvollen Leistungen der vereinigten Chor-\nund Orchestermacht gegenüber war es keine leichte Auf-\ngabe, den Sologesängen ihr Recht zu wahren. Dennoch\ngelang es den trefflichen Künstlerinnen und Künstlern,\ndenen diese Aufgabe geworden war, die Soli nicht nur\nebenbürtig neben die Chöre zu stellen, sondern sie wie\nglänzende Sterne über den Wogen des Tonmeeres leuch-\nten zu lassen.\nDie Haupt-Partie des Oratoriums, der König Salomon,\nist vom Componisten der Altstimme gegeben, ein Verfah-\nren, das uns wunderlich erscheint, zu Händel's Zeiten aber,\nin denen das Oratorium unmittelbar aus der italienischen\nOper sich zu einer neuen, selbstständigen Gattung erhob\nund in den Auflührungen mit jener abwechselte, nichts\nAuffallendes hatte. Auch war Iländel oft genöthigt, sich\nnach den Sängern zu richten, über die er gerade verfügen\nkonnte und deren Auftreten ein volles Haus machte. So\nentstanden die Heldenrollen Barak in der Deborah, Oth-\nniel im Josua und sogar der weise Salomon als Alt-Par-\ntieen, die wir nach unseren Begriffen uns nur als Tenor\noder Bass denken können. Es kommt daher bei Auffüh-\nrung des Salomon Alles darauf an, diese Partie aufs ge-\neignetste zu besetzen, und wir mussten es für ein wahres\nGlück halten, in Fräulein Francisca Schreck eine Sän-\ngerin zu besitzen, die das Rheinland seit einigen* Jahren\nmit gerechtem Stolze die Seinige nennt. Fräulein Schreck\nhat eine von jenen Altstimmen, die nur zu erklingen brau-\nchen, um Sympathie zu erregen, und das Geheimniss der\ndauernden Bewahrung, ja, Verstärkung der Klangfülle\ndieser Stimme besteht in dem treuen Festhalten der Sän-\ngerin an der Natur ihres Organs und an der deutschen\nSchule. Niemals hat sie sich verleiten lassen, ihrer Ton-\n..'i jf»-i t*9 ig| KS St gl .jßi * «'S M Js3, tw\" .>{- Jjs w: *?/ .J®' ■\nleiter noch einige Töne in der Höhe anzuschrauben und\nihren tiefen Brusttönen jene widrige Breite anzuquälen,\ndie kein gebildetes Ohr anhören kann. Zufrieden mit dem\nUmfange ihrer Stimme, hat sie ihre ganze Sorgfalt nur auf\ndie Ausbildung und Ausgleichung derselben bis zu der\njetzt erlangten Vollkommenheit gewandt, wohl eingedenk\nder Worte YVieck's, däss Johanna Wagner mit sechs Tö-\nnen hätte die Welt erobern können, wenn sie nicht zwölf\ndaraus hätte machen wollen. Dazu kommt, dass Fräulein\nSchreck in Bezug auf Vortrag und Ausdruck aller Ziererei\nund AfFectation nicht bloss abhold ist, sondern dass ihr\nganzes Wesen, von aller Künstelei himmelweit entfernt,\nsich nur dem Ausdruck der Wahrheit der Empfindung\nhingibt, welchen die Kunst verlangt, die der Natur treu\nbleibt. So konnte denn die Haupt-Partie des Oratoriums\nkeine würdigere Bepräsentantin finden, deren meisterhafte\nLeistung nicht nur bei unserem Publicum, sondern na-\nmentlich auch bei den Musikern aus Paris, Belgien und\nHolland höchst ehrenvolle Anerkennung fand.\nFür die Sopran-Partie war Frau Louise Dustmann-\nMeyer, k. k. Kammersängerin von der grossen Oper in\nWien, gewonnen. Wenn man diesen Namen nennt, so\nweiss ein jeder, der diese Sängerin gehört hat, dass von\neiner Künstlerin die Bede ist, welcher unter den dramati-\nschen Sängerinnen der Gegenwart die Palme gebührt. So\nselten in unseren Tagen diese Sängerinnen sind, so ist doch\neine Bühnensängerin, die wie Frau Dustmann mit dem\nTalent des dramatischen Ausdrucks die höchsten Forde-\nrungen des Kenners an die künstlerische Ausbildung der\nStimme und des Vortrags befriedigt, eine noch grössere\nund ganz unschätzbare Seltenheit. Selbst eine Gesanges-\nKönigin, konnte sie wohl zwei Königinnen in unserem\nOratorium glänzend vertreten und doch wieder in der\nBolle eines Weibes aus dem Volke die ganze Tiefe des\nGefühls der liebenden Mutter in den rührendsten Tönen\naussprechen. Den vollen Beiz des süssen Wohllauts ihrer\nStimme und bezaubernde Zartheit und Anmuth des ein-\nfachen Vortrags entfaltete sie in der wunderlieblichen Pa-\nstoral-Arie in G-durvor dem Schluss-Chor des zweiten\nTheiles, einem jener reizenden, kleineren Arioso's, welche\nHändel wie Blumen auf den Weg zu dem Hohen und Er-\nhabenen hinstreut eine Melodie, man möchte sagen:\naus Italiens schönster Kunst-Periode, und um welche jeder\nComponist unserer Zeit den alten Meister beneiden muss.\nDass die Duette dieser beiden Sängerinnen zu den Glanz-\npunkten des Abends gehörten, braucht kaum erwähnt zu\nwerden.\nNeben solchen Gesangesgrössen hatte Fräulein Ger-\ntrud von Conraths von hier, eine Schülerin des hiesi-\ngen Conservatoriums und im Besonderen des Herrn Pro-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.3", "texte": "fessors Böhme, die eben erst im Beginne ihrer Künstler-\nLaufbahn steht, keinen leichten Stand. Um so anerken-\nnenswerther war die präcise und sichere Ausführung der\neben nicht dankbaren Partie des zweiten Weibes in den\nRecitativen und dem Terzett der Urtheils-Scene. Am zwei-\nten Festtage hatte Fräulein von Conraths als Iphigenie in\nden Scenen aus der Oper von Gluck mehr Gelegenheit,\nihr Talent und ihre bedeutenden Fortschritte seit ihrem\nersten Auftreten in den Winter-Concerten zu bekunden.\nVon den Männer-Partieen im Salomon ist der Priester\nZadok, Tenor, die bedeutendste. Offenbar hat Händel sie\nfür einen Sänger geschrieben, der durch seine technische\nFertigkeit in der Coloratur mit den Violin-Figuren wett-\neifern konnte. Herr Karl Schneider aus Wiesbaden\nhatte die grosse Gefälligkeit, noch in der zwölften Stunde\ndiese schwierige Bravour-Partie für Herrn Schnorr von\nCarolsfeld, den Krankheit in Dresden festhielt, zu über-\nnehmen. Das konnte wahrlich nur ein so musicalisch ge-\nbildeter Sänger, wie Herr Schneider, der in allen Ora-\ntorien zu Hause ist, wagen, oder vielmehr nicht wagen,\nsondern in solcher Weise durchführen, dass man glauben\nmusste, er sei seit lange mit diesen Arien vertraut. Gleich\ndie erste erwarb ihm stürmischen Beifall; den grössten\nEindruck machte er aber durch den glänzenden Vortrag\nder Arie, welche dem grossen Chor: „Lobt den Herrn,\nJung und Alt!\" im dritten Theile vorausgeht. Mit Recht\nhat Händel „Pomjposo\" darüber geschrieben, denn sowohl\nin der Melodie als in den kräftigen Violin-Figuren, die uns\ngleich von vorn herein sagen, was wir zu erwarten haben,\nund den heroischen Schwung von Anfang bis zu Ende\ndurchführen, liegt das Pomphafte und Energische in gros-\nsen, unverkennbaren Zügen zu Tage. Auch ausser dem\nZusammenhange dürfte diese Arie mit dem vorhergehen-\nden Recitaliv eine höchst wirksame Concert-Arie, d. h. für\nConcerte mit classischen Programmen sein.\nDer Bassstimme hat Händel in diesem Oratorium nur\neine einzige Arie zugetheilt. Diese schöne, edel gehaltene\nArie {Es-du r,%-Tact) folgt gleich auf den ersten Chor\nund erregt Erwartungen für die Bass-Partie, welche aber\nsonderbarer Weise durch keine einzige Note weiter be-\nfriedigt werden. Herr Karl Hill aus Frankfurt am Main\ntrug die Arie mit seiner volltönenden, wohllautenden Bass-\nstimme, die eine vorzügliche Weiche und Biegsamkeit hat,\nsehr gut vor. Er hat sich zu einem trefflichen Oratorien-\nsänger herausgebildet und trug auch durch die Leistung,\nwelche er in der Messe von Cherubini, die am ersten Pfingst-\ntage im Dome gefeiert wurde, aus Gefälligkeit übernom-\nmen halte, die vollste Anerkennung davon.\nWir können diesen Bericht über die Aufführung des\nSalomon, die in den Annalen unserer Musikfeste Epoche\nmacht, nicht seh Hessen, ohne der trefflichen Auffassung\nund Leitung des Ganzen durch Ferdinand Hiller dank-\nbar zu gedenken, der auch besonders in der Bestimmung\ndes Zeitmaasses, welche bekanntlich bei den ungenauen\nAngaben der alten Meister ihre grossen Schwierigkeiten\nhat, einen so richtigen Tact bewährte, wie man ihn heut-\nzutage nicht bei vielen Dirigenten findet.\nDer zweite Festabend begann mit dem Sancius\nund Osama aus der H-moll-Messe von Johann Se-\nbastian Bach —jenes für sechsstimmigen (2 Sopran, 2\nAlt, T enor und Bass), dieses für achtstimmigen Chor mit\nOrchester und Orgel.\nDie Wiederaufnahme von Bach's Musik in unserem\nJahrhundert schreibt sich von der grossen musicalischen\nThat her, die Felix Mendelssohn-Barlholdy durch die Auf-\nführung der Matthäus-Passion im April des Jahres 1829\nzu Berlin vor seiner ersten Reise nach London vollbrachte.\nOhne d iese Aufführung hätte das erhabenste Werk reli-\ngiöser Musik vielleicht noch ein zweites Jahrhundert lang\nim Grabe gelegen. Zwei Jahre früher hatte jedoch am\nNiederrheine Johann Schornstein, der Stifter unserer Mu-\nsikfeste, von K. Phil. Emanuel Bach, dem zweiten Sohne\nSebastian's, die Cantate „Heilig\" auf dem Feste von 1827\nin Elberfeld aufgeführt, zugleich das Kyrie und Gloria\naus Beethoven's grosser D-dur-Me zum ersten Male;—\nein Beweis für die Bedeutung, welche dieser gediegene\nMusiker für die niederrheinischen Musikfeste in Anspruch\nnahm. Ehre seinem Andenken! Eilf Jahre darauf brachte\nMendelssohn bei dem Feste in Köln 1838 Joh. Sebastian\nBach's doppelchörige „Himmelfahrts-Cantatc4' zur Auf-\nführung.\nSo ausserordentlichen Eindruck diese Cantate machte,\ndessen wir uns noch sehr gut erinnern, so dauerte es doch\nnoch eine Reihe von Jahren, bis die Aufführungen der\nPassions-Musik in den niederrheinischen Städten dem gros-\nsen Publicum ein Gebiet der Kirchenmusik erschlossen,\ndas bisher ein unbekanntes Land gewesen war. Seitdem\nbrachte denn auch das Musikfest erst 1857 in Aachen die\nCantate Nr. VII mit dem Schlusschor aus Nr. XXI unter\nLiszt's Direction, das Fest von 1858 in Köln das Credo\naus der Messe in H-moll unter Hiller's Leitung zur Auf-\nführung.\nAus demselben Werke wurde jetzt das mit\ndem Pleni sunt coeli und das darauf folgende Osama ge-\ngeben. Gegen die vollständige Aufführung der Passionen\nund der ganzen H-moll-Messe auf Musikfesten spricht aus-\nser anderen Gründen am racistcn die Schwierigkeit der\nAusführung, welche lange Studien verlangt und mit einem\naus verschiedenen Elementen vereinigten Chor ohne zahl-\nreiche Vor- und Hauptproben unmöglich auch nur an»\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.4", "texte": "nähernd ihre Aufgabe lösen könnte, da zumal die Passio-\nnen durchaus keine Theilung vortragen. Gegen eine solche\nsträuben sich aber die Messen und das Weihnachts-Ora-\ntorium nicht. Namentlich ist es in Bezug auf die\nMesse durch die Forschungen der Bach-Gesellschaft, deren\nErgebniss Julius Rietz in den Vorreden zu der neuen Par-\ntitur-Ausgabe derselben (Jahrgang VI, 1856, der Werke\nJ. S. Bach's) bekannt gemacht hat, erwiesen, dass Bach\nursprünglich nur das Kyrie und als eine so ge-\nnannte Missa brevis, freilich in kolossalem Maassstabe,\ngeschrieben und dem Kurfürsten Friedrich August von\nSachsen mit demüthiger Widmung im Jahre 1733 über-\nschickt, später aber zu den übrigen Sätzen der Messe frü-\nhere Cantaten theils unverändert, theils mit mehr oder\nweniger bedeutenden Umänderungen benutzt hat. Erwie-\nsen ist dies vom Gratias, Crucifiund wahr-\nscheinlich sind aber auch das Sanctus und das Agnus Dei\nfrühere Arbeiten. Man kann diesen Sätzen also mit vollem\nRechte ihre frühere Selbstständigkeit bei Aufführungen\nwiedergeben, ohne den Vorwurf von Zerstückelung ein-\nheitlicher Werke fürchten zu müssen.\nDie Ausführung mit den hier vereinigten Kräften und\ndem vollen Orgelwerke war prachtvoll und bestätigte von\nNeuem die Wahrnehmung, die wir schon wiederholt bei\nder drei Jahre hinter einander am Palmsonntage hier ge-\ngebenen Matthäus-Passion gemacht haben, dass die wun-\nderbare Polyphonie Bach's nicht bloss auf die Eingeweih-\nten und Kunstverständigen, sondern auch auf die grossen\nKreise gebildeter Zuhörer eine allgemein ergreifende und\nerhebende Macht ausübt. Diese Macht offenbarte sich aber\nnoch überwältigender in den beiden Hauptproben, in denen\ndie zahlreiche Zuhörerschaft in selten erlebte Begeisterung\nam Schlüsse besonders des Sanctus ausbrach. Der Unter-\nschied lag an der Stellung zu Anfang des Programms.\nWenn d iese Musik so urplötzlich mit ihren gewaltigen Ton-\nfluten auf den Hörer hereinströmt, so vermag er sie vor\nErstaunen nicht gleich so zu fassen, als dies der Fall ist,\nwenn Ohr und Stimmung und Empfänglichkeit für das\nGrossartigste und Höchste schon durch Anderes, sei es\nselbst nur durch ein Präludium im Orchester oder auf der\nOrgel, vorbereitet sind. Wir sehen, dass auch bei solchen\nAeusserlichkeiten die Erfahrung walten muss, und dass es\ngerathener ist, ein so riesiges Vocalwerk lieber zu Ende\neiner Abtheilung, als zu Anfang des Programms zu stellen.\nWeist doch der Name „Ouvertüre\" für Eröffnung einer\nMusik-Aufführung durch Instrumentalwerke schon darauf\nhin. Und wir konnten kaum eine geeignetere und wir-\nkungsvollere haben, als durch Gluck's Ouvertüre zur\nIphigenie in Aulis, die mit einer Reihe von Scenen\ndieser Oper jetzt folgte.\nVon Gluck erschien auf unseren Festen zum ersten\nMale im Jahre 1841 in Köln die Ouvertüre zur Oper\nIphigenie in Aulis. Dann erst in neuerer Zeit Ouvertüre\nund erster Act aus der Alceste in Düsseldorf 1853 (Diri-\ngent F. Hiller), wiederum die Ouvertüre zur Iphigenie in\nAulis in Aachen 1854 (Dirigent Lindpaintner), Scenen\naus Armide in Köln 1858 (Dirigent F. Hiller) und Sce-\nnen aus Iphigenie auf Tauris in Düsseldorf 1860 (Diri-\ngent F. Hiller).\nWenn im Allgemeinen Opernmusik nicht in den Con-\ncertsaal und noch weniger auf die Musikfeste gehört, so\nist von diesem Grundsatze doch für Gluck eine berechtigte\nAusnahme gemacht worden. Seine Opern gehören der\nclassischen Periode der Vergangenheit an und sind sowohl\ndurch ihre Zeit als durch ihren Stil monumentale Werke\nder Tonkunst.\nDa nun Gluck's Opern auf den jetzigen Bühnen, mit\nwenigen rühmlichen Ausnahmen, nicht mehr gegeben wer-\nden, so sind die Musikfeste noch die letzte Zufluchtsstätte\nfür jene einfach erhabene dramatische Musikgattung. Ihre\nAufführungen werden bei der jetzt überhand nehmenden\nBegriffsverwirrung über das Princip der Oper, namentlich\nbei jüngeren Künstlern, eine Belehrung darüber sein, wie\nGluck sein eigenes Princip aufgefasst hat. Er wollte ver-\ngessen, dass er ein geborener Musiker sei, aber es ging\nnicht, und er bildete sich oft nur ein, dass er die schönsten\nArien nach den Worten declamirt habe, während sie doch\nreine Musik sind.\nAm unbekanntesten von Gluck's Opern ist in unseren\nTagen seine Iphigenie in Aulis, obschon es diejenige\nwar, mit deren Aufführung am 19. April 1773 zu Paris\nsein Weltruhm und zugleich der Streit über sein Princip,\nder im Grunde genommen noch fortdauert, begann. Nur\ndie Ouvertüre, die den heroischen Charakter, der uns\nins Heerlager der Griechen weist, so schön mit der An-\ndeutung der Seelenzustände verbindet, welche der Conflict\nvon Ehrgeiz und Liebe, von Leidenschaft und Entsagung\nerzeugt, hat in Deutschland stets die Programme der Con-\ncerte geziert. Ihre Ausführung durch das hier versammelte\nOrchester, namentlich das markige Unisono des Geigen-\nQuartetts im Anfange des Allegro, von dessen Klang der\nSaal erdröhnte wie der Boden vom massenhaften Tritt der\ngriechischen Phalanx, Alles in dem schweren, wuchtigen\nTempo, das Hiller gewiss ganz im Geiste Gluck's nahm,\nwar von unbeschreiblicher Wirkung.\nDie Beihe von Scenen, welche Hiller zusammengestellt\nhatte, war vollkommen geeignet, die ganze Handlung des\nDrama's dem Publicum zu versinnlichen, aber freilich nur\nseinem Ohr, nicht auch dem Auge, und trotz der geschick-\nten Anordnung und der vortrefflichen Ausführung musste"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.5", "texte": "man doch gestehen,dass auch das Schauen zur andauern-\nden Theilnahme an Opernmusik gehört und dass der\nSprachgebrauch, der auch in der Oper das Publicum „die\nZuschauer\" nennt, seine gute Begründung hat. Ohne\nAction auf der Scene fesseln nur die Monologe durch den\nmusicalischen Vortrag auch im Concertsaale; allein Auf-\ntritte wie zwischen Agamemnon und Kalchas, vollends zwi-\nschen Agamemnon und Achill, verlieren sehr durch den\nMangel derselben.\nDie Besetzung war folgende: Klytämnestra Frau\nDustmann; Iphigenie—Fräulein von Gönraths; Aga-\nmemnon—Herr Becker, grossherzoglich hessischer Kam-\nmersänger in Darmsladt; Achill—Herr Schneider; Kal-\nchas— Herr Hill; und der gesammte Chor.\nFrau Dustmann war hier noch mehr als im Orato-\nrium auf dem Gebiete, das sie mit den herrlichsten Mit-\nteln, welche Natur und Kunst ihr verliehen, zu beherrschen\ngewohnt ist. Ihre Klytämnestra war in der That auch ohne\nAction eine plastische Darstellung; ihre Beschwörung des\nAchilles um Schutz für die unglückselige, dem Opfertode\nbestimmte Tochter, und ihre grosse Scene, als das Opfer\n»ich bereitet, waren vollendet künstlerische, leidenschaft-\nlich dramatische und doch nie das Maass des Schönen\nüberschreitende Leistungen.\nFräulein von Conraths ist im Besitze einer auch für\ngrosse Räume recht ausgiebigen Sopranstimme mit leicht\nansprechender Höhe, deren Klang mehr hell und klar, als\nvoll und weich ist, sich aber zu sehr wohllautendem Ge-\nfühls-Ausdruck eignet, dagegen bei der Abwendung von\nKraft und Leidenschaft vorsichtig behandelt werden muss.\nWenn es für eine Kunstjüngerin schon kein geringes Lob\nist, in Gluck'schen Ensemhleslücken mit so stimmbegabten\nund hochgebildeten Kunstgenossen sicher und keineswegs\nstörend zusammengewirkt zu haben, so steigert sich das-\nselbe ganz bedeutend durch die Art, wie Fräulein v. Con-\nraths die Solostellen der Iphigenie, die Recitative und na-\nmentlich die schöne Arie: „Ich will das harte Loos des\nScheidens standhaft tragen\", gesungen hat, die ihr mit\nRecht den Beifall des Publicums eintrug und uns durch\ndie Reinheit der Intonation und den ausdrucksvollen Vor-\ntrag die Ueberzeugung von den bedeutenden Fortschritten\nder jungen Sängerin gab, und zu der Hoffnung berechtigt,\ndass sie bei fortgesetzten Studien eine künstlerische Zu-\nkunft haben werde.\nWenn der Timbre von Herrn Schneider's Stimme\nauch nicht der eines Helden-Tenors ist, so vermisste man\ndoch in seiner Durchführung der Partie des Achilles kei-\nneswegs Kraft und heroischen Ausdruck. Namentlich aber\nwirkte er in den Ensemblestücken vortrefflich. Das grosse\nTerzett in C-dur und das schöne Quartett in F-dur wur-\nden überhaupt vorzüglich gut gesungen; dennoch zeigte\nsich im Publicum keine allgemeine Empfänglichkeit dafür;\ndas erstere erhielt nur mässigen, das letztere gar keinen\nlauten Beifall, was wir uns nur dadurch erklären können,\ndass die Zuhörer durch die lange Dauer der Opernscenen,\nohne Action und ohne Zwischenact, zuletzt etwas abge-\nspannt waren. Uebrigens müssen wir gestehen, dass wir,\neinige Scenen der Iphigenie in Aulis abgerechnet, die\nIphigenie in Tauris und selbst die Armide höher stellen,\nals jene.\nDie bedeutende Rolle des Agamemnon, welche der\nDichter und der Componist mit besonderer Liebe behan-\ndelt haben, wurde von Herrn Karl Becker aus Darm-\nstadt gesungen. Herr Becker hat eine herrliche, volltönende,\ndie grössten Räume ausfüllende Baritonstimme, deren\nKlang auf der Stelle imponirt und ein günstiges Vorurtheil\nfür den Sänger erregt. Dabei hat er den dramatischen\nAusdruck da, wo dieser Kraft und Heroismus verlangt, in\nseiner Gewalt und war in so fern ein trefflicher Vertreter\ndes königlichen Heerführers der Griechen. Auch seine\nAussprache ist lobenswerth. Dagegen bedarf der Ton noch\neiner mehr künstlerischen Bildung, der Ansatz ist nicht\nimmer auf der Stelle fest und rein, und die weicheren\nNuancen des Vortrags lassen zu wünschen übrig. Bei alle-\ndem dürfte Herr Becker auf der Bühne doch einer der\ntüchtigsten Baritonisten sein, die wir in Deutschland haben.\nHerr Hill, dem wir schon oben wohlverdientes Lob\ngespendet, wirkte durch seine schöne Bassstimme und edeln\nVortrag der Partie des Priesters Kalchas sehr zum Gelin-\ngen des Ganzen mit. Die Aufführung war eines Musikfestes\nwürdig, was auch am Schlüsse das Publicum durch an-\ndauernden Applaus vollkommen anerkannte.\n\nAus Aachen.\n\nDen 15. Juni 1862.\nIch bin poch Rechenschaft über die letzten Abonne-\nments-Concerte schuldig, die ich nicht versäumen will ab-\nzutragen, da schon die Programme derselben ein interes-\nsantes Zeugniss für die gegenwärtigen musicalischen Zu-\nstände der alten Kaiserstadt ablegen dürften, was sowohl\nden Ausführenden, als namentlich Herrn Musik-Director\nWüllner sehr zur Ehre gereicht.\nSchon in den beiden ersten Concerten war der An-\ndrang des Publicums so gross, dass man die Abonnements-\nConcerte aus dem Cursaale in den Saal Bernarls verlegen\nmusste, der im dritten Concerte ebenfalls wieder überfüllt\nvon dem Publicum war, das herbeiströmte, um Händel'»\n„Messias\" zu hören. Die Ausführung des Meislerwerke»"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.6", "texte": "durch 300 Mitwirkende war grossartig. Die Sologesänge\nerwarben Fräulein Büschgens und besonders Fräulein\nSchreck grossen Beifall.\nDas vierte Concert brachte eine sehr gute Ausführung\nder reizenden Sinfonie in Es-dur von Haydn, ein Weih-\nnachtslied von Calvisius, das nicht mit der Genauigkeit\nund Sicherheit gesungen wurde, die wir sonst von unserem\nVereine gewohnt sind, das Violin-Concert in A-moll von\nBach, welches Concertmeister Fleischhauer mit der\nReinheit und Fülle des Tones und dem classischen Spiel,\nwelche Eigenschaften diesen jungen Künstler auszeichnen,\nvortrug. Die zweite Abtheilung des Concertes füllte Schu-\nmann's Musik zu Manfred, eine der schönsten Compo-\nsitionen dieses Meisters, die sich durch ausserordentlichen\nGedanken-Reichthum, überraschende Wahrheit der Ma-\nlerei und Grösse des Stils auszeichnet. Besonders machte\ndie Ouvertüre, ein wahres Meisterwerk, grosse Wirkung.\nDas Programm des fünften Concertes war eines der\nbedeutendsten: Ouvertüre zu Mcdea von Cherubini, der\ndritte Act von Gluck's „Armide\", in welchem Frau\nNeuss-Deutz durch den liefen Ausdruck, den sie Gluck's\nTönen lieh, einen glänzenden Erfolg hatte; das Credo aus\nder 11-moll-Mes&evon J. S. Bach und zum Schluss Beet-\nhoven's Sinfonie in C-moll, Nr. 5. Bach's wunderbar\nschöne Musik, welche die heiligsten Gefühle in den erha-\nbensten Tönen ausdrückt, war von der ergreifendsten Wir-\nkung auf die ganze Zuhörerschaft. Die Beethoven'sche Sin-\nfonie wurde so trefflich ausgeführt, dass jeder Satz enthu-\nsiastischen Beifall erhielt. Und doch überbot fast das\nsechste Concert noch das vorige, denn es brachte die zwei\nunvergänglichen Werke der Tonkunst: Mozart's\nund Beethoven's neunte Sinfonie. Abgesehen von\neinigen zögernden Einsätzen in den Fugen, war die Aus-\nführung des Requiem befriedigend; Fräulein Rothenber-\nger und Niethen aus Köln sangen die Solo-\nstimmen mit Erfolg, eben so die Herren Göbbels und\nß ergstein. Musik-Director W ül Iner hatte aus der Auf-\nliihrung der neunten Sinfonie eine Ehrensache gemacht,\nund sie ist vollständig zu seinen Ehren ausgefallen.\nIm siebenten Concerte, das im Theater Statt fand,\nfeierten wir das Andenken an Felix Mendelssohn durch\ndie Aufführung seines Oratoriums „Paulus\". Dieses Werk,\ndas man mit Recht den Stolz der Gegenwart nennen kann,\nwurde vom Chor und Orchester trefflich gegeben. Stock-\nhausen fesselte das ganze Publicum dauernd durch den\nZauber seines Vortrages der Partie des Paulus; die\nArie: „Gott sei mir gnädig!\" wurde zu einem wahren\nIriumph für ihn. Die frische und klangvolle Stimme des\nFräuleins von Gönraths aus Köln und die grosse Be-\nscheidenheit, mit welcher sie auftrat, erwarben ihr zahl-\nreiche Bewunderer. Herr Göbbels war ganz vorzüglich\nbei Stimme und erregte besonders durch den Vortrag der\nRecitative allgemeinen Beifall.\nDie Reihe sämmtlicher Concerte beschlossen „Die\nJahreszeiten\" von Haydn, die niemals zu spät kommen,\num zu gefallen. Fräulein Röhn von Mannheim gefiel nicht\nnur durch ihre schöne, umfangreiche und klangvolle Stimme,\nsondern auch durch die Einfachheit und Natürlichkeit des\nVortrags. Herr Göbbels stand ihr ganz gut zur Seite, wäh-\nrend es Herrn Bergstein dieses Mal nicht gelang, >der be-\ndeutenden Partie des Simon den gehörigen Ausdruck zu\nverleihen.\nDiese kurze Aufzählung der Aufführungen so bedeu-\ntender Werke bezeugt deutlich genug die Blüthe, welche\nunsere Musik-Zustände, Dank Herrn Wüllner's Eifer und\nTalent, erreicht haben. Hoffen wir im Interesse der Kunst,\ndass dieser Eifer fort und fort so wie jetzt vom Publicum\nund von den Ausführenden gewürdigt werde, dann ist\nAachens musicalische Zukunft gesichert.\nAuch die Soireen für Kamme rmusik haben sich\neines grossen Erfolgs zu erfreuen gehabt. Die Gebrüder\nWenigmann haben sich bereits einen so gediegenen\nRuf als Quartettspieler erworben, dass es überflüssig ist,\nihr Talent und ihr Streben noch des Weiteren zu bespre-\nchen. Ihre trefflichen Eigenschaften traten besonders in\nden Vorträgen der Quartette in Cis-moll von Beethoven,\nin D-mollvon Cherubini und in von Schubert ans\nLicht. Diese Soireen, deren Begründer die Herren Wenig-\nmann sind, haben den Reiz der Abwechslung durch den\nZutritt der Herren Wüllner als Pianist und Fleisch-\nhauer als Violinist erhalten. Sie verschafften uns einen\nschönen Genuss durch den Vortrag der Sonate in G-dur,\nOp. 30, von Beethoven, und hatten in Verbindung mit\nunserem trefflichen Violoncellisten Johann Wenigmann,\nder die anhaltendst schwierige Aufgabe in den Soireen\nauszufüllen hat, durch das Ciavier-Trio Op. 70 Nr. 11. von\nBeethoven und noch mehr durch das Trio von Schubert,\nOp. 99, grossen Erfolg. Herr Wüllner trug auch seine\nschöne Sonate in D-moll, Op. 6, die ihm schon bei einer\nanderen Gelegenheit ausserordentlichen Beifall eingebracht,\nvor, und wir erfahren mit Vergnügen, dass nächstens eine\nzweite Sonate von seiner Composition erscheinen wird*).\n*) In dem Berichte „ Aus Aachen\" vom 24. Mai in Nr. 22 ist\nSeite 175, Zeile 23 von oben der Name des jungen Pianisten\nnicht Rutzenberger, sondern Ratzenberger zu lesen.\n\nN."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.7", "texte": "Aus Rotterdam.\n\nDen 10. Juni 1862.\nErlauben Sie uns, geehrter Herr, über die zweite Hälfte\nder verllossenen Opern-Saison noch einen kurzen Bericht\nzu erstatten. Im Ganzen können wir zufrieden sein, wie-\nwohl der Mangel eines ersten Tenors schwer auf dem gan-\nzen Unternehmen lastete. Das Repertoire wurde vergrössert\ndurch die Entführung, Jessonda, Waffenschmied, Liebes-\ntrank, Puritaner, Weisse Dame, welche letztere leider voll-\nständig Frasco machte und nur ein Mal über die Bühne\nging. Mögen alle anderen Rollen in dieser Oper sich in\nguten Händen befinden, so ist bei einem schwachen George\nBrown ein Gelingen unmöglich. Diesen Fall hatten wir auch\nhier zu beklagen. Für Herrn Grimminger liegt die Partie\nzu hoch. Die besten Aufführungen von den neu gegebenen\nOpern waren Jessonda und die Entführung. Wir bedauern,\ndass letztere zu spät einstudirt wurde, um sie öfter als\nzwei Mal vorführen lassen zu können. Von sämmtlichen\nMitgliedern müssen wir Fräulein Günther und Herrn\nDalle Aste hervorheben. Wiewohl wir leider bei Fräulein\nGünther eine jugendlich frische Stimme vermissen, so er-\nsetzt sie diesen Mangel, wie schon früher erwähnt, durch\ngute Schule und lebhaftes, doch nicht übertriebenes Spiel,\nso wie Ausdauer und stete Bereitwilligkeit. Als Beweis für\nLetzteres sei nur bemerkt, dass sie unter 76 Opern-Vor-\nstellungen 62 Mal mitwirkte, ausschliesslich zweier Con-\ncerte, für die Hinterbliebenen des verstorbenen Capellmei-\nsters Skraup und ein Benefiz-Concert für das Chor-Perso-\nnal. Was Frau Zademack-Doria betrifft,so würde diese\nDame eine Zierde jederßühne sein, wenn sie mehr Mei-\nsterin ihrer Launen wäre und der Direction den Stand nicht\nso sehr erschwerte. Wir können hier nicht ungerügt las-\nsen, dass Vorstellungen durch sie gestört wurden.\nAls Gäste traten auf die Herren Caffieri aus Wies-\nbaden und Becker aus Kassel. Herr Caffieri besitzt eine\nklangvolle, hohe Tenorstimme. Sein Spiei lässt zu wünschen\nübrig. Er sang den Troubadour, Florestan, Raoul, von\nwelchen sein Raoul unstreitig das grösste Glück machte.\nLeider wurde diese Vorstellung durch Frau Zademack-\nDoria gestört, welche in der Mitte des Duetts zwischen Va-\nlentine und Marcell im dritten Acte wegen Unwohlseins\nplötzlich aufhörte und sich selbst beim Publicum entschul-\ndigte. (!) Fräulein Frei, zur Aushülfe stets bereit, trat\nnach kurzer Pause für die Erkrankte ein, was vom Publi-\ncum mit nicht enden wollendem Applaus dankbar aner-\nkannt wurde. Bedenkt man, dass Fräulein Frei die Valen-\ntine seit Jahren nicht gesungen und, ohne vorbereitet zu\nsein (sie sang an diesem Abende den Pagen), dieselbe in\nder Mitte der Vorstellung übernahm, so muss man ihr mu-\nsicalisches Talent bewundern, und wir können uns glück-\nlich schätzen, diese Künstlerin für di.e nächste Saison wie-\nder bei uns engagirt zu wissen. Die Ausführung des Flo-\nrestan durch Herrn Caffieri war minder glücklich, wiewohl\ndie Eingangs-Arie in der ursprünglichen Tonart gesungen\nwurde, was bei Herrn Grimminger nicht der Fall ist. Wir\nmüssen aber Herrn Grimminger Gerechtigkeit widerfahren\nlassen: in dieser Rolle musste Herr Caffieri ihm weichen,\nwenn er auch als Raoul und Troubadour demselben über-\nlegen war. Herrn Caffieri wurde ein Engagement für die\nnächste Saison angeboten, welches er von Wiesbaden aus\nschriftlich ablehnte, indem er dort auf Pension engagirt\nwurde. Es könnte Herrn Caffieri nicht schaden, wenn er\nsich mehr auf ernste Studien verlegte; mit einer schönen\nStimme allein ist es nicht gelhan.\nHerr Becker trat als St. Bris und Schulmeister im\nWildschütz auf. Wir enthalten uns über diesen Sänger al-\nles Urtheils, indem wir auf Gelegenheit warten, ihn mehr\nzu hören. Es scheint uns, dass er seine Stimmmiltel nicht\ngehörig anzuwenden weiss. Er ist für nächste Saison hier\nengagirt. Wie wir hören, beabsichtigt Herr Grimminger,\nder Bühne Lebewohl zu sagen*).\nNoch dürfen wir die Thätigkeit des Herrn Regisseurs\nBeyer nicht unerwähnt lassen, welcher nach Skraup's\nTode bis kurz vor dem Schlüsse der Saison, wo Herr Levi\nals neuer Capellmeisler eintrat, die Oper zur grössten Zu-\nfriedenheit des Opern-Personals dirigirte. Wir bedauern\nsehr, Herrn Beyer nicht wieder begrüssen zu können, in-\ndem derselbe in Hamburg bereits ein Engagement abge-\nschlossen.\nUnd nun, geehrter Herr, fühlen wir uns gedrungen,\nProtest einzulegen gegen Verleumdung verschiedener Blät-\nter, welche unsere Bühne in die der dritten oder vierten\nCiasse einreihen. Wir können unmöglich glauben, dass eine\nBühne, welche 800 —lOOO Gulden monatliche Gage (?;\nan erste Mitglieder zahlt, zur vierten Classe gerechnet wer-\nden kann; und verfolgt man das hiesige Repertoire, so be-\nzweifeln wir, dass Bühnen dritten und vierten Banges ein\nsolches aufzuweisen im Stande sein werden. Wir erlauben\nuns, selbiges beizufügen.\nVom 1. September 1861 bis 1. Mai 1862: Zauber-\nllöte 4 Mal, Fidelio 8 Mal, Figaro's Hochzeit 4 Mal, Ent-\nführung 2 Mal, Don Juan 2 Mal. Euryanthe 3 Mal, Frei-\nschütz 2 Mal, Jessonda 5 Mal, Wasserträger 5 Mal, Hans\nHeiling 4 Mal, Tannhäuser 4 Mal, Nachtlager 2 Mal,\nWeisse Dame 1 Mal, Hugenotten 2 Mal, Martha 6 Mal,\nWildschütz 6 Mal, Waffenschmied 3 Mal, Norma 3 Mal.\n\n*) Dem Vernehmen nach ist der treffliche Sänger Herr Karl\nSchneider vom Hoftheater zu Wiesbaden für ihn engagirt.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620621-01.1.8", "texte": "Troubadour 7 Mal, Liebestrank 1 Mal, Puritaner 2 Mal,\nLoreley (das Finale von Mendelssohn?) 5 Mal.\nWir können keck behaupten, dass ein solches Reper-\ntoire mit dem der ersten Bühnen Deutschlands sich messen\nkann. Die Empfänglichkeit für gute Musik erweist sich\nbeim hiesigen Publicum dadurch, dass Fidelio, Figaro\nu. s. w. stets bei vollem, Martha, welche hier im Anfange\nso enormes Glück gemacht, in dieser Saison bei im Durch-\nschnitt leerem Hause gegeben wurde.\n\nX.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* Wiesbaden, 14. Juni. Seit längeren Jahren sind wir ge-\nwohnt, in der Saison eine Reihe von Concerten an uns vorübergehen\nzu sehen, die durch ihre Mannigfaltigkeit und die vielen grossen\nNamen, welche in denselben neben auch manchen kleinen glänzen,\nein ungewöhnliches Interesse in Anspruch nehmen. Es ist die Admi-\nnistration des Curhauses, der wir zunächst ein Unternehmen verdan-\nken, das Wiesbaden zum Centraipunkte fast aller musicalischen\nGrossen macht; denn sie beruft und honorirt die Künstler und er-\nleichtert ihnen das Auftreten so sehr, dass diese um weiter nichts\nsich zu kümmern haben, als ihre Nummern anzusetzen, zu kom-\nmen und dieselben auszuführen. Dabei vereinigen sich immer in\neinem und demselben Concerte, die von nun ab regelmässig alle\nvierzehn Tage Statt finden, mehrere Namen von Bedeutung, so dass\nneben einem ersten Piano-Virtuosen fast immer auch gleichzeitig ein\nViolin-, oder Cello- und Gesangs-Virtuose steht. So sind für die\nSaison in Aussicht genommen: Hans von Bülow, Nik. Rubinstein,\nPruckner, Brassin, Kontsky, die Kastner, Escudier, Laub, Sivori,\nDavid, Hauser, Rapoldi, Lotto, Auer Servais, Piatti, Batta, de Dio,\nSeligmann, Gossmann, Jacquard Godefroid, Oberthür Ander,\nSchmitt, Artot, Cabel, Übrich, Hase-Capitain u. s. w. Es ist gewiss,\ndass sich neben der Grösse oft auch das Unbedeutende breit macht,\ndoch durch den Schatten hebt sich das Licht um so mehr; auch ist\nes gar oft der Fall, dass die Grössen selbst wieder durch die Wahl\nihrer Vorträge der wahren Kunst wenig Genüge leisten. Das erste\ndieser Concerte der Administration, welches gestern Statt fand, trug\nau der Spitze die Leistungen des berühmten Quartetts der Gebrüder\nMüller, Mitglieder der herzoglichen Hofcapelle zu Meiningen. Diese\nHerren spielten das wunderbar schöne D-moll- Quartett von Schubert,\ndas Allegro und die Variationen des Kaiser-Quartetts und das Me-\nnuet und Finale aus Op. 59 von Beethoven. Entzückend war die\nHarmonie, die Zartheit, die Uebereinstimmung ihres Zusammenspiels,\ndoch durch die allzu sehr dargelegte Schattirung verlor Einzelnes\nan ursprünglicher Kraft und Keuschheit. Neben ihnen stand der\ntreflliche Baritonist Beck aus Wien, der nach eben beendetem Gast-\nspiel im Theater, wo er als Rigoletto, Teil, Don Juan und Karl\n(Ernani) aufgetreten war, hier „O armes Vaterland\" von Fischer,\n„Kommen\" von Meyerbeer und ein Arioso aus Ernani sang. Ein hier\nresidirender Pianist und eine Sängerin der hiesigen Oper trugen\nnoch Verschiedenes mit mehr oder minderem Beifall vor. Der grosse\nSaal des Curhauses war fast ganz gefüllt.\nDas bereits in Darm Stadt vorbereitete fünfte mittelrheinische\nMusikfest ist wegen Ablebens der Grossherzogin auf nächstes Jahr\nverschoben worden.\nLeipzig. Die neueste „Gartenlaube\", Nr. 22, bringt ein Bild\nvon Fräulein Fanny Janauschek, derzeit k. sächsischen Hof-\nschauspielerin in Dresden. Roderich Benedix hat einen beglei-\ntenden, allgemein gehaltenen Artikel dazu geschrieben. (Letzterer\nlebt jetzt in Gohlis bei Leipzig in Villeggiatur mit seiner jungen\nFrau, unserer früheren ersten Liebhaberin und Heldin, geborenen\nPaulmann.) Leider sind wir nicht im Stande, eine Aehnlichkeit\nmit der Künstlerin aus dem von unserem besten Portraitzeichner\n(A. Nellmann) gefertigten, aber im Holzschnitte verunglückten\nBilde herauszufinden. Fräulein Janauschek ist als Medea in ganzer\nFigur dargestellt.\nEine in Leipzig verstorbene Dame hat dem Orchester 500\nThlr. und dem Conservatorium 1000 Thlr. vermacht. (Fiat appli-\ncatio in Köln !)\nIn München soll im Herbste dieses Jahres eine Oper von Max\nBruch, „Loreley\", Text von Geibel, zur Aufführung kommen. Wir\nhatten Gelegenheit, Einiges daraus kennen zu lernen, und glauben,\ndass dieses Opus als ein wesentlicher Fortschritt des jungen Com-\nponisten zu betrachten sein wird. (Deutsche M.-Z. in Wien.)\nAls Curiosum theilen wir aus den Polizei-Berichten mit, das«\nsich während der leipziger Messe im Ganzen 271 fremde Har-\nfenistinnen, Sänger und Sängerinnen, Violin-, Guitarre- und Harmo-\nnicaspieler hier aufhielten und die polizeiliche Erlaubniss zum Musik-\nmachen in öffentlichen Wirthschaften erhalten hatten, nachdem sie\neine Probe ihrer Kunst vor der Prüfungs-Commission abgelegt. Es\nbefanden sich darunter nur 46 Sachsen, alle übrigen waren Böhmen\noder Preussen, auch einige Braunschweiger, Hamburger u. s. w.\nund drei Franzosen waren darunter. Hierzu kamen ferner 22 fremde\nMusikcorps mit 189 Musikern, welche gleichzeitig die Erlaubniss\nzum Musiciren auf Blas-Instrumenten während der Messe erhalten\nhatten.\nliOVidoil* Alfred Jaell hat in der gegenwärtigen Saison\ntrotz des Heeres von fremden Künstlern, das hier zusammengeströmt\nist, ungemeines Aufsehen erregt. Er spielte, was bis jetzt noch bei\nkeinem Pianisten dagewesen ist, in zwei philharmonischen Concer-\nten das Es-dur-Concert von Beethoven und das von\nMendelssohn mit enthusiastischem Beifall, dann in der Musical Union\nvon Ella, dann im Krystallpalast und noch in vier anderen Con-\ncerten in London. Auch in Dublin und in Manchester hatte er\nganz ausserordentliche Erfolge. Von anderen deutschen Künstlern,\ndie sehr gefallen, sind hier der vor Allen gefeierte Joachim, fer-\nner Laub und Jean Becker und T halb er g; eben so die Russen\nRubinstein und der Violoncellist Davidoff. Wachtel ist\nals italiänischer Tenorist im Coventgarden-Theater als Edgar in der\nLucia aufgetreten und hat gefallen."}]}