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Neueste Compositionen von Ferdinand 11iiier (1. Die Nacht\nHymne von Monz Hartmann Für Solostimmen, Chor und Orchester. Op. 99. - 2. Ferd. Hiller, Neue Gesäuge für eine Stimme mit Be-\nf,.CI J®8 Pian°forte- °P- 100). - Arabische Sänger des VIII. und IX. Jahrhunderts (I. Ibrahim-el-Mosuli - 11. Isaak Ben Ihrahim -\n111. Hubaba). i'ages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Gastspiele Karlsruhe, Oper Sängerfeste Wien Oper)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-28-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-28_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-06-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "202", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.2.2", "titre_corps": "Das 39. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 39. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.1", "debut_caractere": 482, "fin_caractere_exclue": 4211, "texte": "Das 39. niederrheinische Musikfest.\nIII.\n(I. s. Nr. 24, 11. Nr. 25.)\nDie zweite Abtheilung des test-Concertes am Pfingst-\nmontag brachte, nachdem die erste den Heroen des vori-\ngen Jahrhunderts Bach und Gluck gehuldigt, die Krone\nder romantischen Kunst unseres Jahrhunderts, den Triumph\nder reinen Musik, die neunte Sinfonie von Beetho-\nven mit dem Jubelgesang an die Freude zur Aufführung.\nWas wir im ersten Artikel von der Trefflichkeit des\ndiesmaligen Orchesters, von der Macht des Geigen-Quar-\ntetts und der Virtuosität seiner Spieler, von dem Wohllaut\nder Blas-Instrumente und dem schönen Verhältniss der\nSaiten-Instrumente zu dem Metall der Hörner, Trompeten\nund Posaunen gesagt haben, das zeigte sich hier im voll-\nsten Glänze, und wenn man überhaupt sagen kann, dass\ndie Aufführungen des Salomon und der neunten Sinfonie\ndie zwei hervorleuchtendsten unter allen, die das Fest ins\nWerk setzte, waren, so müssen wir doch, Alles in Allem\ngenommen, den Preis der vollkommensten Ausführung\nder Sinfonie von Beethoven zuerkennen. Die erfahrensten\nKunstfreunde und alle anwesenden Männer vom Fach\nstimmten in dem Urtheil überein, dass sie diese gewaltige\nSchöpfung des unsterblichen Meisters noch nie in solcher\nVollendung und in solcher Tonfülle des Orchesters und\nChors gehört hätten. Wenn wir in den drei ersten Sätzen\nden herrlichen Künstler-Verein von Instrumentalisten be-\nwunderten, von denen irgend einer Abtheilung einen Vor-\nzug vor der anderen zuzuerkennen unmöglich sein dürfte,\nso mussten wir beim Finale über die Frische und Kraft\nder Chorstimmen erstaunen, die, durch Vor- und Nach-\nmittags-Proben und zwei Aufführungen bereits vier Tage\nlang in vollen Anspruch genommen, dennoch mit einer\nsolchen Genauigkeit und Sicherheit und mit einer so mäch-\ntigen Klangfülle und Reinheit auch in den höchsten Re-\ngionen der Tonleiter die gewaltigen Schwierigkeiten so\nmuthig und von vorn herein so höchst zuversichtlich über-\nwanden, dass man wahrlich sich zu dem Grundsatze be-\nkennen möchte, man müsse von tüchtigen Menschen über-\nhaupt das Unmögliche verlangen, damit sie das Mögliche\nleisten. Um wie schöner bewährte sich dieses aber hier,\nwo kein Machtwort eines Herrschers, sondern allein die\nBegeisterung lür die Kunst und für die Verherrlichung\ndes grossen Genius, der solch ein Werk geschaffen, zur\nfreien künstlerischen That führte. Ein Musiker aus einem\nanderen Gau Deutschlands drückte seinen Beifall in fröh-\nlicher Stimmung in den Worten aus: „Wo bei uns das\nQuiken losgeht, da fangen sie hier erst recht an zu singen!\"\nDazu kam das treffliche Solo-Quartett, die Damen\nDustmann und Schreck und die Herren Schneider\nund Hill, alles klangvolle, in Höhe und Tiefe ohne An-\nstrengung durchdringende Stimmen, die jede Note beach-\nteten, nirgends ein Achtel aus Bescheidenheit verschwie-\ngen, sondern dreist und kühn alles, was der mitunter sehr\neigensinnige Meister ihnen zumuthet, tönen und klingen\nhessen, und nun Udlers trefiliehe Auffassung und Leitung\n■ O o\nBeethoven'scher Sinfonieen, die in unserer Zeit gar nicht\ngenug zu preisen ist das alles zusammen genommen\nbrachte eine Aufführung zu Stande, die nicht nur durch\neinen fabelhaften Applaus nach jedem Satze gefeiert wurde,\nsondern gewiss auf Lebenszeit in der Frinnerung aller\nFestgenossen fortdauern wird.\nWären doch die Parforce-Jäger unter den Dirigenten\nund die Formenschneider unter den Musikern und Aesthe-\ntikern, die sich noch immer über die Anwendung des Chors\nin der Sinfonie bekreuzen und sogar den Wechsel des\nDreiviertel-Tactes im Tempo mmit dem Vierviertel-\nTacte im Adagio nicht verwinden können, zugegen gewe-\nsen, um durch solch eine Aull ührung begreifen zu lernen,\ndass Beethoven doch eigentlich besser wusste, was er\nwollte, als sie!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4193, "texte": "Das Fest-Concert am Dinstag den 10. Juni begann\nmit einer guten und trotz der Masse von Instrumentalisten\nim Ganzen fein schattirten Ausführung der Sinfonie in\ndur von Jose ph H aydn. Das erste Allegro, in welchem\nder leise Ansatz der Haupt-Figur der Saiten-Instrumente\neinmal nicht ganz egal war, erhielt massigen, das Andante\ndagegen lebhaften und anhaltend wiederholten Applaus;\nes wurde eben so wie das Menuetto (mit seinem reizenden\nDialog im Trio zwischen Flöte und Fagott) vortrefflich\nausgeführt. Dennoch mögen wir nicht bergen, dass wir\neine etwas pomphaftere Sinfonie, deren Haydn ja auch\ngeschrieben hat, der gewählten, die zu der feinsten Gat-\ntung gehört, für ein so grosses Orchester vorgezogen ha-\nben würden.\nHerr Schneider, mit Applaus empfangen, sang eine\nuns unbekannte Arie für Tenor von Mozart: „Wehe\nmir, ist's Wahrheit?\" deren Vortrag ihm Beifall und Her-\nvorruf eintrug.\nHierauf folgte: „Die Nacht\", Hymne von M. Hart-\nmann, für Solostimmen (Sopran und Tenor), Chor und\nOrchester componirt von Ferdinand Hiller. Das So-\npran-Solo sang Frau Dustmann, die ebenfalls bei ihrem\nAuftreten durch rauschenden Applaus begrüsst wurde, das\nTenor-Solo Herr Schneider.\nAls Hiller den Tactstock hob und er selbst und Alle\nauf den Anfang der Hymne gespannt waren, ertönte mit\ndem Niederschlag statt des ersten Accords derselben eine\nschmetternde Fanfare von Trompeten und Pauken von der\nHöhe der Bühne herab, Chor und Orchester und Publi-\ncum stimmten jubelnd ein, und der Saal wiederhallte von\nApplaus und Lebehochs auf den Componisten und Diri-\ngenten, dem zugleich von den Damen Blumen und Kränze\nzugeworfen wurden.\nNach diesem überraschenden Intermezzo, das bei der\nfestlichen Stimmung durch die wiederholt lebhaft aus-\nbrechenden Zeichen aufrichtiger Bewunderung und Dank-\nbarkeit eine ganze Weile dauerte, begann die Aufführung\ndes neuen Werkes des gefeierten Meisters*).\nNachdem mehrere Nummern lebhaftesten Beifall er-\nhielten, brach am Schlüsse des Ganzen das Publicum in\nanhaltenden Applaus des genialen Werkes aus.\nEine vortreffliche Ausführung der Ouvertüre zur Oper\nGenovefa von Robert Schumann schloss die erste Ab-\ntheilung des Concertes.\nDie zweite, welche mit der Wiederholung des aNach-\ntigallen-Chors\" aus dem Salomon begann, brachte in dem\nVortrag der grossen Arie aus Spohr's „Jessonda\" durch\nTrau Dustmann und des Clavier-Concertes von Mozart\ndurch Herrn Capellmeister Hiller zwei hohe Genüsse,\nwelche die Virtuosität in echt künstlerischem Sinne auf\ndie edelste Weise vertraten. Frau Dustmann entfaltete in\nder herrlichen Sccne von Spohr die ganze wunderbare\nSchönheit ihrer Stimme und ihrer Seele und feierte einen\nTriumph, den sie nach dem Hervorruf durch den überaus\nreizenden nnd anmuthigen Vortrag von zwei Liedern noch\nerhöhte. Das Concert in D-dur, Op. 46, welches Hiller\nspielte, heisst nach der Tradition das „Krönungs-Concert\" ,\nweil Mozart es bei der Krönung Kaiser Leopold's (am 9.\nOctober 1790) in Frankfurt am Main in seinem Concerte\nim Stadttheater am 14. October gespielt hat. Nach an-\nderen Nachrichten soll er das Concert in F-dur (Op. 44)\ngespielt haben; wahrscheinlich beide. Wie dem nun auch\nsei, durch den Vortrag desselben krönte Hiller seine\nVerdienste um unser Fest und erregte durch die nach sol-\nchen Anstrengungen bei der Leitung der Massen fast un-\nbegreifliche Vollendung seines Spiels in Rundung, Kraft\nund Zartheit die enthusiastische Bewunderung aller Anwe-\nsenden im Saale und auf der Tonbühne.\nNachdem der Applaus verrauscht war, ergriff er wie-\nder den Commandostab und führte mit den treuen Scha-\nren im Orchester Mendelssohn's Ouvertüre zu Ruy\nBlas auf eine Weise aus, dass die mit jedem Striche stei-\ngende Begeisterung der ausführenden Künstler auf das\nPublicum wie elektrisches Feuer herabströmte, das zuletzt\nin Flammen jubelnden Beifalls aufloderte.\nDarauf konnte nur der Riesenschritt Händel's noch\nBoden erobern, und das geschah, als der gewaltige Chor:\n„Lobt den Herrn, Jung und Alt!\" aus Salomon die ganze\nKlangespracht aller Stimmen und Instrumente zugleich mit\nden mächtigen Accorden der Orgel noch einmal zu unver-\ngesslicher Erinnerung an das schöne Fest des Jahres 1862\nzusammenfasste.\n*) Siehe weiter unten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-06-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "202", "page_fin": "205", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.2.3", "titre_corps": "Neueste Compositionen von Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Neueste Compositionen von Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.2", "debut_caractere": 4195, "fin_caractere_exclue": 4875, "texte": "Neueste Compositionen von Ferdinand Hiller.\n1. Die Nacht. Hymne von Moriz Hartmann. Für\nSolostimmen, Chor und Orchester. Op. 99. Bres-\nlau, Verlag von F. E. G. Leuckart (Constantin\nSander). Clavier-Auszug. Preis 3 Thlr. 10 Sgr.\nSingstimmen 2 Thlr. Zum ersten Male beim 39.\nniederrheinischen Musikfeste* den 10. Juni 1862,\naufgeführt. 75 S. Gr. Folio.\nDas Gedicht feiert die Nacht. Hiller hat ihm folgende\nmusicalische Gestaltung gegeben. Chor Nr. 1: Das Nahen\nder Nacht, des Festes der Ruh'. Chor Nr. 2: Mutter der\nWelt, heilige Nacht! Solo und Chor. Nr. 3: Zwei Genien,\nTraum und Tod, geh'n zu ihren Seiten. Solo. Nr. 4, Te-\nnor: Trost durch den Traum. Nr. 5 und 6, Sopran: Glück"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4656, "texte": "im Traume Ähnung des Lichls. Chor Nr. 7: Geburt\nund Erguss des Lichtes. Solo Nr. 8, Tenor: Der Tod,\nBringer der Ruhe, liebender Befreier. Chor Nr. 9: Von\nWelt zu Welt klingt das Lied vom ewigen Leben und\nSterben, das Lied von der Liebe. Duett Nr. 10: „Liebe,\ndeine Macht schuf die Nacht.\" Chor Nr. -11: „Webe, o\nLiebe, dein ewiges Band von Herz zu Herzen!\" Die zwei\nSolostimmen und Chor Nr. 12: „Dein ist die Macht, es\nwerde das Glück der Liebe den Kindern der Erde!\"\nDie Hymne bietet, wie man schon hieraus sieht, der\nmusicalischen Behandlung mannigfachen und dankbaren\nStoff; die Diction ist meist schwungvoll, nur gegen das\nEnde fällt sie ab, wie denn auch der Schluss überhaupt:\n„Dein (o Liebe) ist die Macht,\nO, sprich das Werde!\nEs werde das Glück,\nDas Glück der Liebe\nDen Kindern der Erde!\"\ngegen die vorher aufgebotenen „Unendlichkeitenu etwas\nnüchtern lautet.\nHillers Musik steht auf der Höhe seiner besten Werke;\nsie hat jenes selbstständige Gepräge, welches seine Com-\npositionen für Gesang mit Orchester aus den letzten zehn\nJahren tragen, während frühere ähnliche Werke, das\nOratorium „Die Zerstörung von Jerusalem\" nicht ausge-\nnommen, zwar den Ausspruch, dass er ein Nachahmer\nMendelssohn's sei, nicht vollkommen rechtfertigen, aber\nihn doch leicht veranlassen konnten. In diesem Op. 99\nglänzt, wie im „Saul\", „ Ver und der „Lorelei\",\nneben der Erfindung eigenthümlicher, meist frei strömen-\nder und innig empfundener, zuweilen aber auch mehr\ngeistreich zugespitzter als frisch quellender Melodie die\nMeisterschaft der Arbeit im Grossen, die Herrschaft über\ndas ganze Gebiet des musicalischen Wissens, die Kenntniss\nsowohl der verborgensten als der am reichsten strömenden\nQuellen desselben, die Durchführung der Motive mit stets\nwachsender Steigerung, ohne sich ins Unbeschränkte und\nMaasslose hinreissen zu lassen, die sichere Behandlung\nmassenhaft verwendeter Vocal- und Instrumentalkräfte und\neine Verschmelzung beider zu einer untrennbaren und oft\nso innerlichen Einheit, dass selbst das geübte Ohr sie\naugenblicklich kaum in die verschiedenen Elemente zerle-\ngen kann, welche der Meister in Guss und Fluss zur voll-\nendeten Bildung eines schönen Ganzen gebracht hat. Diese\nVerschmelzung prangt nicht nur im Pomphaften und Mas-\nsenhaften, sondern sie erscheint auch im Einfachen und\nInnigen oft noch zauberischer, und gibt dem zuweilen\nhöchst anspruchslosen melodischen Elemente durch die ge-\nwählten Klangfarben der harmonischen Begleitung, wenn\nman dieses Wort überhaupt bei solcher Einheit gebrau-\nchen darf, einen wunderbaren Ausdruck.\nBeweise von dem zuletzt Gesagten geben gleich die\nzwei ersten Chöre der Hymne, welche das ruhige Empor-\nsteigen der Nacht, dann dir , Wandeln von Lager zu La-\nger der schlafenden Kinder\" mit den einfachsten Mitteln\nschildern, wobei z. B. zu den letzten \\Vorten der Gang der\nBässe im Orchester in gebundenen Viertelnoten eine von\njenen malerischen Wirkungen macht, die durch Wahrheit\nlessein, Von den beiden folgenden Solosätzen lässt der er-\nstere kürzere für Tenor ziemlich kalt, während der zweite\nlür Sopran: „ lloldsel ger Knabe, goldner Traum! du führst\nuns an blühende Strande\" u. s. w., ein reizendes Andante\ncon motoin G-durmit obligater Violine bildet.\nHierauf folgt der grosse Chor Nr. 7 in drei Sätzen,\ndas Prachtstück des Werkes, voll genialen Schwungs und\ndurchschlagender Wirkung. Er beginnt mit einem Allegro\ncon fuocoin E-dur,4/4-Tact (66 Tacte): „Er verkündet\ndas Licht, das drüben tagt, jenseits der Nacht\" —, geht\ndann zu einem Andante con in von 32 Tac-\nten in k/n über: „Ein Wiederschein von Seligkeiten ist\ndein Traumgesicht\" u. s. w., welches zu einem Allegro in\nAs-dur, 3/4-Tact, dann F-rnott, 4/4-Tact führt, das zuletzt\nauf die Worte: „Das ist nicht Tod, das ist das Licht!\"\nwieder in das glanzstrahlende fällt. Der Dichter\nhat hier der Phantasie des Musikers durch folgende Verse\nSchwingen gegeben:\n„Es rieselt in Quellen\nHerab von den Sternen,\nEs webet durch unendliche Fernon\nVon Welt zu Welt\nDie strahlenden Bahnen.\nEs wallet in Strömen\nDurch himmlische Weiten,\nDurch uferlose Unendlichkeiten,\nAus Sonnen strömt es in Oceanen,\nEs beben die Yesten der Erde, es zittern\nDie Säulen des Bau's, sie werden zersplittern,\nDie See braus't aus den Ufern empor,\nAus Wolkengebirgen stürzet die Flamme\nWie Fluten aus gebrochenem Damme,\nDer Donner pochet ans irdische Thor;\nBebet nicht!\nDas ist nicht Tod,\nDas ist das Licht!\"\nDieser Chor ist der längste (das letzte Allegro hat 170\nTacte) und pomphafteste. Er bewirkte schon in der Haupt-\nprobe für den dritten Tag des Musikfestes eine glorreiche\nOvation für den Componisten, die sich denn auch bei der\nAufführung wiederholte.\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "Durch ein Tenor-Solo: „O Tod, ersehnter Helfer,\nBringer des Friedens!\" ist der Chor Nr. 9 von dem vori-\ngen getrennt ein grossarliges Andante maestoso von 48\nTacten in H-dur, 4/4-Tact auf die Worte:\n„Von Welt zu Welt, durch unendliche Weiten,\nSind ausgespannt die tönenden Saiten.\nDie Harfe es klingt das All,\nDas Lied vom ewigen Leben und Sterben,\nDas Lied von der Liebe überall.\"\nDiese Nummer steht dem vorhergehenden Chore nicht\nnach; sie machte trotz der Pracht jenes einen mächtigen\nEindruck bei der Aufführung.\nDas darauf folgende Duett für Sopran und Tenor ver-\ndankte seinen Applaus wohl mehr der vortrefflichen Aus-\nführung durch Frau Dustmann und Herrn Schneider, als\ndem musicalischen Inhalt, der, wenigstens uns, nicht innig\nund warm genug ist. Der vorletzte Chor (Nr. 11): „Webe,\no Liebe, dein ewiges Band von Herz zu Herzen, von Land\nzu Land\", ist ein Ällegro non in 2/VTact.\nDie Singstimmen sind nur von den Bässen im Orchester\nbegleitet; der Chor, der ein polyphones Gewebe bildet,\nwozu vielleicht das erste Wort des Textes Veranlassung\ngegeben hat, ist allerdings originel, hat aber, wie es uns\nscheint, mehr den Charakter eines Instrumentalsatzes, z. B.\nin einem Violin-Quartett, als den eines Gesanges der Liebe.\nDagegen führt uns der Schlusschor, ein trefflich durchge-\narbeitetes Ällegro in Es-dur, 12/8-Tact, in welchem die\nbeiden Solostimmen theils zwischen, theils über dem Chor\nerklingen, wiederum auf das Gebiet der reichen Phantasie\nzurück, welcher das ganze Werk entquollen ist.\n2. Ferd. Hiller, Neue Gesänge für eine Stimme\nmit Begleitung des Pianoforte. Op. 100. Zweites\nBuch. Stuttgart, Colta'scher Verlag. 1862. 36 S.\nGr. Folio. Preis 1 Thlr.\nDas erste Buch dieser Gesänge Op. 100 erschien\nbereits am Schlüsse des vorigen Jahres. Es war eine an-\nmulhige Neujahrsgabe sagten wir damals in Nr. 362\nder Kölnischen Zeitung —, die in Melodieen und Dichtun-\ngen uns zu rechter Zeit, da draussen die Bäume von ge-\nfrorenem Duft an Zweigen und Sprossen umhüllt waren,\nden Frühling und die Liebe ins warme Zimmer brachte.\nDiese ewigen und doch, wie die Lerche und Nachtigall,\nimmer wieder neuen Texte auf das menschliche Herz wer-\nden uns hier, von den Tönen der geist- und gefühlvollen\nMuse Hiller's durchdrungen und gehoben, in höchst ein-\nnehmendem Gewände dargeboten. Reizende und anspruchs-\nlose Melodieen, mit harmonischen Feinheiten verschwistert,\nwechseln mit lief empfundenen Gesängen ab; wer nur die\nbeiden ersten Lieder gesungen, der wird das Heft nicht\nwieder weglegen, welches fünfzehn Nummern bringt,\nderen letzte: „0 schneller, mein Ross\" (Geibel), ein hin*\nreissender Erguss beseligter Liebe, dieses „erste Buch\" des\nneuen Werkes vortrefflich schliesst. Und diese fünfzehn\nGesänge, vierzig Seiten in Gross-Folio, splendider Druck\nvon Noten und Text auf Velinpapier, tragen auf dem Ti-\ntelblatte eine Preisangabe, die bisher zu den Fabeln im\nReiche des Verlags gehörte: einen Thaler! Wenn die\nCotta'sche Buchhandlung fortfährt, gehaltvolle Musikwerke\nin solcher Ausstattung herauszugeben, so würden wir einer\nneuen Aera in den Notenpreisen entgegengehen. Im Druck\nist nur Ein Versehen des Correctors gut zu machen: S. 19,\nletzte Textzeile, wo „Lied\" in „Leid\" zu verbessern ist.\nDas uns jetzt vorliegende zweite Buch enthält zwölf\nNummern, die an Originalität den Inhalt der ersten wohl\nnoch übertreffen dürften, denn originel sind diese Melo-\ndieen alle; da ist nirgends etwas Gewöhnliches oder Un-\nedles, keine Spur von leierartigen Cadenzen, da sogar die\nleicht ins Ohr fallenden und oft vom musicalischen Vorgefühl\nerwarteten —zuweilen vielleicht mit etwas zu viel Absicht\n—vermieden sind. Dass die neuere Behandlung des Liedes\nwie gesungener Prosa mit Uebersetzung des Wortlautes\nin Töne, bei welcher dann auch das Pianoforte eine der\nSingstimme ganz gleich berechtigte,ja, manchmal sich über\nsie erhebende Rolle spielt, oft zu mehr geist- als gemüth-\nvollen, mehr interessanten und anmuthigen, als tief em-\npfundenen und innigen Ausdruckswendungen und Win-\ndungen führen kann, haben uns schon einige der letzten\nLieder von Schumann und von Franz gezeigt, der gänzlich\nformlosen von Liszt zu geschweigen. Wenn Hiller sich auch\nnicht überall vor diesem für einen so geistreichen Musiker,\nwie er ist, sehr verführerischen Abwege bewahrt hat, so\nhat er doch seinen Lieder-Compositionen eine bestimmte\nIndividualität eingeprägt und diese stets in abgerundeter\nKunstform ausgesprochen.\nSo rechnen wir zu den mehr interessanten als melo-\ndisch in Herz und Seele dringenden die Nr. 3: „Dereinst\",\nNr. 4: „Und schläfst du\", und Nr. 6: „Von dem Rosen-\nbusch\". Anders ist schon das reizende Tongewinde Nr. 5\nin Gis-moll: „Nelken wind' ich und Jasmin, Und es denkt\nmein Herz an ihn\" allein wir können es doch nicht als\nLied betrachten, sondern nur als ein wunderliebliches In-\nstrumentalstück, bei dem es eine eigentümliche Wirkung\nmacht, wenn die eine Stimme von einer Menschenstimme\ngesungen, anstatt von einer Violine oder Flöte gespielt\nwird. (S. 15, Syst. 3, T. 1 ist in der Singstimme zu An-\nfang eine Achtel-, statt einer Sechszehntel-Pause zu setzen.)\nDagegen sind Nr. 1: „An die heilige Jungfrau\", Nr.\n2: „ Wiegenlied der heiligen Jungfrau\", Nr. T: „Horch!\"\nNr. 8: „Känr der Morgen!\" echte melodische Ergüsse\neiner wahren, tiefen Empfindung; sie sind Alles zusam-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1004, "texte": "men, modern, originel, charakteristisch in der Pianoforte-\nBegleitung und schön. Den Preis dürfte in den weitesten\nKreisen das Andante Nr. 7 in 4/8-Tact: „Horch!\nim Winde säuseln sacht die Blätter, Und bei dem Rau-\nschen entschlaf' ich unter dem Schatten\", mit seiner inni-\ngen Melodie und der fliessenden Modulation in den har-\nmonischen Zweiunddreissigstel-Figuren des Pianolörte fin-\nden, zumal wenn es von einer weichen Tenor- oder Mezzo-\nSopranstimme (es geht nur bis gesungen und das Piano\nauf Einer Saite ppmit schönem Anschlag gespielt wird.\nNoch ist Nr. 11: „In dem Garten spriesst die Rose\",\nauszuzeichnen, ein Andante comoto in y4-Tact,\nin welchem das „Belauschen der Nachtigall, wie sie sin-\nget\", auf originelle, von allem Trillern und Zwitschern\nweit entfernte Weise, in sanften synkopirten Sechszehntel-\nMelismen, die bei jedem Refrain jener Worte um einen\nhalben Ton steigen, ausgedrückt wird.\nDie Texte sind sämmtlich aus dem spanischen Lieder-\nbuche von E. Geibel und P. Heyse genommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-06-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "205", "page_fin": "207", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.2.4", "titre_corps": "Arabische Sänger des VIII. und IX. Jahrhunderts", "titre_sommaire": "Arabische Sänger des VIII. und IX. Jahrhunderts", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.5", "debut_caractere": 1006, "fin_caractere_exclue": 5447, "texte": "Arabische Sänger des VIII. und IX. Jahrhunderts\nI.\nIbrahim-el-Mosuli.\nIbrahim stammte aus einer persischen Familie,\nwelche ihr Vaterland verlassen hatte. Er wurde, zu Ku-\nfa**) geboren im 125. Jahre der Hedschra (747 n. Chr.).\nVon Jugend auf von der Neigung zur Musik beherrscht,\nentlloh er aus Kula, weil seine Familie entschieden seiner\nLeidenschaft entgegen war. Er schloss sich umherstreifen-\nden Bettlei n und Raubern an, mit denen er nach Mosul\nkam, wovon er nachher den Beinamen erhielt. Unter jener\nsauberen Gesellschaft lernte er mehrere Liederweisen, die\ner bald vermehrte und mit ausgezeichneter Stimme sang,\nHess sich aber auch zum Weintrinken verführen und wurde\nein grosser Sänger und Trinker.\nNach einem Jahre kehrte er nach Kufa zurück, wurde\nzwar von den Seinigen gut aufgenommen, hielt es aber\ndoch nicht lange aus, durchstreifte von Neuem das Land\nund übte als freier Mann seine Kunst. So kam er nach\nRey, hatte schon einen grossen Namen und vermählte sich\nmit Dauschar.\nDort hörte ihn ein Gesandter des Khalifen Abu Dscha-\nfar AI Mansor (754 775). Entzückt von Ibrahim's Ge-\nsang, schenkte er ihm 2000 Drachmen. Mit diesem Gelde\nging Ibrahim nach Obella, wo viele treffliche Sänger zu-\nsammen kamen. Er aber zog Aller Bewunderung auf sich,\nso dass Suleiman, Sohn Ali's, versuchte, ihn an seine Per-\nson zu fesseln. Ibrahim zögerte, weil er seine Freiheit eben\nso sehr wie die Musik liebte und mehr zu seinem Ver-\ngnügen als um des Gewinnes willen sang. Am Ende gab\ner doch nach und wurde Sänger des Emirs.— Bald nach-\nher kam ein Abgesandter des Khalifen AI Mahdi [ll5—\n785) zu Suleiman, hörte den Ibrahim mit Bewunderung\nund sprach zu jenem: „Ein solcher Künstler ziemt dem\nKhalifen, nicht aber Dir.\" In der That wurde Ibrahim\nnach kurzer Zeit an den Hof von Bagdad berufen, wo ihn\nder Khalif mit Gunst überhäufte.\nAllein bei seiner Freiheitsliebe wollte er nicht bloss\nim Palaste und vor dem Khalifen singen, sondern überall,\nwo es ihm Vergnügen machte. Das verbot ihm der Khalif\nund machte ihm auch oft Vorwürfe über seine Liebe zum\nverbotenen Getränk. Ibrahim aber sträubte sich aus allen\nKräften gegen die goldenen Ketten solcher Sclaverei. Der\nSultan wurde böse und liess ihn ins Gelängniss stecken.\nDa lernte Ibrahim lesen und schreiben *). Wieder\nbefreit, trieb er es nach wie vor und sagte dem Khalifen\ngerade heraus: „Wenn ich singen gelernt habe, so habe\nich's zu meiner Freude gelernt. Ich will singen und trin-\nken nach meinem Sinn.\"\n\n*).\n\n*) Aus dem arabischen Manuscript Kitab-el-Aghani auf der kai-\nserlichen Bibliothek in Algier, mitgetlieilt von Alex. Chri-\nstianowitsch aus dessen (handschriftlichem) Werke „über\ndie arabische Musik des Mittelalters, mit Zeichnun-\ngen arabischer Instrumente und vierzig altarabischen Melo-\ndieen\". Der Kitab el- Aghani ist verfasst von Abul Faradscli\nAli Ben el Hussain, Abkömmling der Omajjaden, au« Ispahan\n(906—978 nach Chr. Geb.). Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung,\n1861, Nr. 42, vom 19. October.\n**) Im jetzigen Paschalik Bagdad der Provinz Irak-Arabi. Die\nkufische Schrift und die kufischen Münzen (Dinar,\nGold-, Dirhem, Silber-, Fuls, Kupfermünze) sind erst in\nneueren Zeiten Gegenstand philologischer und numismatischer\nForschungen geworden. Für „Dirhemu schreibt der Verfasser\n„Drachme\", was dasselbe ist, so wie „Dinaru von dem „De-\nnar\" der Byzantiner zu den Arabern gekommen ist. Der Dinar\nverschiedener Art, an Werth Vio, V2O, VlOOO Toman oder Du-\ncaten, ist noch jetzt in Persien gebräuchlich, wonach man un-\ngefähr den Betrag der in obigen biographischen Skizzen vor-\nkommenden Geldsummen abschätzen kann. Jedenfalls bezahlten\nund belohnten die Abassiden und noch vor ihnen die Omajja-\nden, bekannt durch ihre Verschwendung, Freigeisterei und\nV '\nMusikliebe denn die arabische Musik stand unter ihrer Dy-\nnastie in einer Blüthe, die nachher verschwand und heutzutage\nnur sehr dürftige Erinnerungen übrig gelassen bat —, ihre Sän-\nger und Sängerinnen ganz grossartig, wenn man auch bei den\nNachrichten des Abul Faradsch den orientalischen Stil mit in\nAnschlag bringen muss. Die liedaction.\n*) Es ist dies bemerkenswertli als ein Beweis, wie diese arabi-\nschen Sänger und Dichter gleich den altgrichischen Rhapso-\nden sich alles, was sie vortrugen, nur durch mündliche Ueber-\nlieferung aneigneten und im Gedüchtniss behielten. In anderen\nBiographieen wird erwähnt, dass eine Sängerin 4000 (ja,\n30,000!?) Lieder nach dem Gehör zu singen wusste.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5053, "texte": "„Nun dann,1, rief AI Mahdi, „so verbiete ich Dir aus-\ndrücklich, von heute an mit meinen Söhnen Musa und\nIlarun noch ferner zusammen zu kommen!\"\n„Gut!\" antwortete Ibrahim.\nAber die beiden Prinzen hatten ihn gar zu gern, führ-\nten ihn heimlich bei sich ein, und es ward wieder fortge-\nsungen und lortgetrunkcn.\nDa liess der Khalif den ungehorsamen Sänger eine\nZeit lang in einen düsteren Kerker werfen, den Ibrahim\nein Grab nannte, und nach der endlichen Begnadigung\nliess er ihn hoch und theuer schwören, die Prinzen nicht\nwieder zu sehen. Bald darauf starb AI Mahdi. Sein Sohn\nMusa bestieg unter dem Namen AI Hadi (785 780)\nden Thron. Ibrahim verbarg sich, um seinen Eid zu hal-\nten, aber der Khalif entdeckte sein Versteck und über-\nhäufte ihn mit Ehren und Reichthümern.\nIbrahim's Sohn Isaak erzählt davon Wunderdinge.\n„Eines Tages erhielt mein Vater vom Khalifen 150,000\nDinare auf einmal. Wenn der Khalif länger gelebt hätte,\nso konnten wir die Mauern unseres Hauses von Gold und\nSilber bauen. Ich habe einmal berechnet, dass er 24\nMillionen Drachmen eingenommen hat ausser seinem mo-\nnatlichen Gehalt von 10,000 Drachmen und dem reichen\nErtrage seiner Ländereien und den prächtigen Geschen-\nken.\" —Aber Ibrahim war dagegen auch sehr grossmüthig\nund verschwenderisch. Sein Haus war prachtvoll und seine\nTafel immer für Freunde und fremde Gäste offen; sie ko-\nstete ihm 30,000 Drachmen monatlich. Desshalb hinter-\nliess er auch bei seinem Tode zu Bagdad im Jahre der\nlledschra 188 (810 n. Ch r., er hat also auch noch unter\nHarun al Raschid 786 bis 800 —, dem Bruder AI\nlladi's, gelebt) nur 3000 Dinare, wovon noch 700 Di-\nnare an Schulden bezahlt werden mussten. So weit Abul\nFaradsch. Ein greiser Sänger in Algier, Hadschi Brahim, er-\nzählte Herrn A. Christianowitsch noch folgende Tradition:\n„Der grosse Ibrahim sagte: „ „Musik vermag Alles!\"\"\nEr war sterblich verliebt in die schöne Rmekia, die\nstolze Geliebte Ilarun-al-Raschid's, und brachte ihr einst\nein Abendständchen. Das muss sehr schön gewesen sein.\nEr besang, sich mit der Kuitra begleitend, die reizende\nSchönheit seiner Gebieterin und seine leidenschaftliche\nLiebe zu ihr; ein Kuss von Rmekia wiege ein ganzes Le-\nben in Gluck aul. Lange, bis tiel in die Nacht hinein, er-\nklang die Stimme des Sängers vor der Thür der stolzen\nSchönheit, und—die Thür öünete sich ihm. Seitdem sagte\nIbrahim: „ „Musik vermag Alles!\"\"\nII.\nIsaak Ben Ibrahim.\nIsaak hatte im llausc seines Vaters eine glänzende\nErziehung erhalten und wurde einer der ausgezeichnetsten\nMänner seiner Zeit. Er war nicht bloss Sänger und Meister\nauf den Instrumenten, sondern auch Dichter, Gelehrter\nund Rechtskundiger. In der Musik soll er auch eine feste\nTheorie begründet haben, welche von da an gültig blieb.\nSeine Nuba's und Lieder konnte man ihm nur durch List\nablauschen. Er blühte unter den Khalifen AI Mamun\n(813 833) und stand in noch höherer Gunst bei AI\nWhatik (842 847). Der Erstere gestattete ihm auf\nseine Bitte, bei Feierlichkeiten am Hofe nicht mehr unter\nden Sängern, sondern unter den Männern der Wissen-\nschaft, später unter den ersten Rechtsgelehrlen des Rei-\nches zu erscheinen. Damit war der Ehrgeizige noch nicht\nzufrieden und verlangte, die Tracht der Abassiden tragen\nund dem Gebete am Freitag in der Nähe des Khalifen\nauf demselben Chor beiwohnen zu dürfen. Da erwiderte\nihm AI Mamun lachend : „Das geht zu weit, Isaak! Denke\nnicht mehr daran; ich will Dir aber für Deine Entsagung\n100,000 Drachmen schenken.\"\nDer Khalif AI Whatik sagte: „So oft ich Isaak singen\nhöre, glaube ich eine neue Eroberung für mein Reich ge-\nmacht zu haben. Wenn er ein Lied von Ibn Sureidsch\nsingt, ist es mir, als sei dieser wieder auferstanden, und\nich höre seine Stimme. Sein Besitz ist ein Glück, das kei-\nner meiner Vorgänger gehabt hat. Könnte man irgendwo\nlanges Leben, Jugend und Fröhlichkeit kaufen, so würde\nich sie alle für ihn um die Hälfte meines Reiches erstehen.\"\nBei der Nachricht von seinem Tode rief der Khalif\nMutawakil (847—8G1) aus: „Der Thron hat einen gros-\nsen Theil seines Glanzes verloren!\"*)\nIII.\nHubaba.\nMubaba war aus Medina und gehörte einem Manne\nin Irak, Namens Ihn Romana, oder nach Anderen Ibn\nMina, der sie vortrefflich unterrichten liess und ihr die be-\nrühmtesten Lehrer, wie Ihn Sureidsch, Malek u. s. w., und\nvon Frauen die Sängerinnen Dschemila und Azza-al-Meila\ngab. Ilubaba wurde eine grosse Sängerin und Lautenspie-\nlerin. Sie war schön und liebenswürdig und hatte eine\nwunderbar melodische Stimme. Ihr wahrer Name war\nAlija, den Namen Hubaba, d. i. Geliebte, erhielt sie vom\nKhalifen Jesid, der sie in seinen Palast aufnahm.\nAls d ieser Khalif sie und eine andere ebenfalls ausge-\nzeichnete Sängerin, Seilama, für schweres Geld gekauft\nhalte, rief er aus: „Ich habe, seitdem ich herrsche, nie\neine so wahre Freude gehabt, als heute. Jetzt kann ich\nmit dem Dichter sagen: „„Er hat den Wanderstab von\nsich geworfen und hat sich in Freude und Glück nieder-\ngelassen, wie der Wanderer, der in seine Heimat zu-\nrückkehrt!\" \"\n\n*) Man sieht, es hat auch Farinelli's in Asien gegeben!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5192, "texte": "Jcsid liebte Hubaba sein ganzes Leben lang, zumal\nseitdem er sie belauscht hatte, wie sie sang: „0 Jesid!\nmeine Liebe zu dir ist so gross, dass ich an dem Tage,\nwo wir uns zuerst sahen, last vor Glück gestorben bin!\"\nDer Sultan schob sacht die Vorhänge der Thür zur Seite\nund gewahrte die Sängerin auf dem Divan liegend, das\nGesicht nach der entgegengesetzten Wand gewendet. Da\ner sah, dass sie ihn nicht erwartet halte, und also das Ganze\nkein berechnetes Spiel war, so wuchs seine Neigung von\nTag zu Tag. llubaba verstand seine Leidenschaft zu näh-\nren und beherrschte ihn ganz und gar.\nIndessen sahen die Omajjaden, namentlich Moslema,\neines der Häupter derselben, den Sultan mit Missvergnü-\n»cn in Lüsten und Wohlleben versunken, sich nur um\no\nseine Geliebte und wenig oder gar nicht um das Reich\nkümmern. Sie machten ihm ernste Vorstellungen und er-\ninnerten ihn an das Schicksal seines Vorgängers Omar [der\nvon ihnen vergiftet worden war im Jahre 720 n. Chr.].\nDas wirkte, und Jesid fasste den Entschluss, dem Wein\nund seiner geliebten Sängerin zu entsagen. Da versprach\nllubaba dem Dichter El Ahues tausend Goldstücke liir ein\nneues Lied, und am nächsten Freitag, dem heiligen Feier-\ntage bei den Moslems, befahl sie einer ihrer Sclavinnen,\nAcht zu geben, wann der Khalif zum Gebete ginge. Zur\ngemeldeten Stunde nahm sie ihre Laute und stellte sich\nauf den Weg des Sultans, und sobald er nahte, stimmte\nsie das Lied des Dichters an. Gleich bei dem ersten Verse\nschloss Jesid die Augen, um sie nicht zu sehen, und riel:\n„Halt ein, llubaba! lass' mich!\"—Aber sie fuhr fort und\ngelangte zu dem Vers:\n„Das Leben ist nicht Leben ohne Liebe:\nVerachte neidischer Grämler arges Wort!\"\nDa bezwang sich der Khalif nicht mehr, stürzte auf sie\nzu und rief: „Bei Allah, du hast Recht, und der Himmel\nverderbe Moslema!\"\nWenn er sie singen hörte, so geberdete sich der Kha-\nlif oft wie wahnsinnig. „Hast du jemals einen Menschen\ngesehen,\" fragte er sie einst, „auf den die Musik solche\nWirkung machte, wie auf mich?\" —0 ja, antwortete llu-\nbaba, mein erster Lehrer war entzückter und bezauberter,\nals du, wenn er mich singen hörte. Das ärgerte den Kha-\nlifen; er liess den Mann aus Medina holen und ihn gebun-\nden vor sich bringen. Dann musste llubaba singen, und\njener Arme wurde so dadurch aufgeregt, dass er gegen\nseine Bande raste und am Ende wie halb todt niederfiel.\nJesid lachte ausgelassen, liess seine kesseln lösen und gab\nihm tausend Goldstücke. Auch Hubaba beschenkte ihn\nreichlich und sandle ihn nach Medina zurück.\nEin anderes Mal sprach Jesid zu ihr: „Die Weisen\nsagen, es gäbe für den Menschen keinen einzigen Tag voll-\nkommener Glückseligkeit, es trete immer etwas Störendes\ndazwischen. Den Spruch will ich morgen einmal auf die\nProbe stellen; icli will den ganzen Tag glücklich sein,\nglücklich mit dir, meine Geliebte, und werde gebieten, dass\nNiemand mich störe, um was auf Erden es auch sei.\"\nEs geschah, wie der Khalif wollte; er blieb abge-\nschlossen von aller Welt mit Hubaba allein. Nach der\nMahlzeit biss Hubaba in einen Granatapfel, ein Kern blieb\nihr in der Kehle stecken und sie erstickte. Jesid war wahn-\nsinnig vor Schmerz. Drei Tage lang hielt er die Leiche\nder Geliebten in seinen Armen, bedeckte ihr Antlitz mit\nKüssen und suchte sie durch seinen Odem wieder zu be-\nleben. Endlich brachten ihn die dringendsten Bitten seiner\nFreunde dahin, sich los zu reissen und die Einwilligung\nzur üestattung zu geben. Ihr Körper wurde in kostbare\nGewände gehüllt und beigesetzt. Der Khalif folgte dem\nZuge in stummem Schmerz bis zu der Buhestätte. Dann\nsetzte er sich auf das Grab und brach das grauenvolle\nSchweigen mit den Worten: „Jetzt kann ich sagen wie\nKotsei'r: „„Wenn es einen Trost für mein Herz gibt, das\nseine Liebe vergessen soll, so ist es die Verzweiflung, aber\nnicht die Fühllosigkeit. Der Freund, der heute zu mir\nkommt, kann sagen: Da sitzt ein Mann, aul dessen Grabe\nheule oder morgen die Nachteule krächzen wird!\"\"\nEinige läge nach der Bestattung wollte er seine Ge-\nliebte noch einmal sehen. Er liess das Grab öffnen. „Denke\nan Gott\" sagten seine Freunde zu ihm —, „sieb, was\naus deiner Geliebten geworden ist!\"\n„Sie ist mir nie schöner vorgekommen, als jetzt!\"\nrief er in halbem Wahnsinn aus. Nur mit Mühe brachten\nihn Moslema und andere Häupter der Omajjaden hinweg.\nAber ein schleichendes Fieber zehrte seit jenem Tage\nan ihm. Die Lieblingssclavin der Verblichenen musste stets\num ihn sein und ihm fortwährend von ihr erzählen. Einst\nging er mit ihr durch den Palast und kam zufällig in eines\nvon den Zimmern llubaba's. „liier war ich mit ihr!\" rief\ner aus. Die junge Sclavin sprach zu ihm die Verse des Dich-\nters: „Um den Schmerz des trostlosen Liebenden zu er-\nneuern, darf er nur die Bäume sehen, wo seine Geliebte\nwohnte, die nun öde und verlassen sind.\" Der Khalif zer-\nlloss in Thränen.\nVierzehn Tage —Andere sagen: vierzig Tage nach\nllubaba's Tode starb der Khalif vor Schmerz. Er wurde\nan ihrer Seite zur Buhe bestattet*).\n\n*) Es war Jesid IL (720—724 n. Chr.). Die Geschichtsbücher\nbestätigen, was die Tradition, wie oben, crz<ihltj indem sie be\nrichten: starb Gram über den lod einer Geliebten,\nwährend das Reich von Empörungen zerrissen wurde.-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-06-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-06-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-06-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5996, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nllerliil* Die Herren Fichtner, Meixner, die Damen Haizinger,\nBaudius, Kronau vom Hofburgtheater in Wien beginnen ihr Ge-\nSammt-Gastspiel am Friedr.-Wilh.-Theater am 4. Juli mit der ersten\nAufführung eines neuen dreiactigen Lustspiels: „Prüfungenc: betitelt,\nwelches Rod. Benedix eigens für diesen Zweck geschrieben hat.\nDas Lustspiel enthält nur fünf Rollen, für die Individualität der\nGäste berechnet, und ist von der Direction des Hofburgtheaters zur\nAufführung im Herbste angenommen; die fünf Gäste studiren das-\nselbe bereits unter Laube's Leitung. Dieser Novität folgt eine andere\neinactige, ebenfalls von Benedix für dieses Gastspiel geschrieben.\nDie seit Neithardt's Tode erledigte Stelle eines Dirigenten des\nköniglichen Dom-Chors ist nun dem bisherigen interimistischen Di-\nrector Herrn v. Hertzberg definitiv übertragen worden. Die da-\ndurch vacant gewordene Lehrerstelle an diesem Institut hat der kö-\nnigliche Domsänger und Gesanglehrer Herr Kotzolt erhalten.\nDie grossherzogliche Hofbühne in Karlsruhe bleibt während\nder Monate Juni und Juli geschlossen. Neu engagirt: Fräul. Emilie\nGenast. Zur Aufführung sind angenommen: „Ludwig der Bayer\",\nSchauspiel von Paul Heyse; „König Enzio\", Oper von Dulk und\nAbert; „Die Katakomben\", Oper von Hart mann und Hill er.\nSängerfeste. In Rostock wird das achte mecklenburgische\nSängerfest am 11. —l3. Juli gefeiert. Hiller hat die Direction des-\nselben abgelehnt, weil ihn Berufsgeschäfte in Köln fesseln. Das\nMainthal-Sängerfest wird am 29. und 30. Juni in Offenbach Statt\nfinden. Das zweite -pfälzische Sängerfest soll im September in\nSpeyer abgehalten werden. Der pfälzische Sängerbund, der im vo-\nrigen Jahre in Kaiserslautern gegründet wurde, zählt 48 Vereine mit\n1400 Mitgliedern. Der Elsässer Sängerbund zählt 39 Sangvereine\nmit mehr als 900 activen Mitgliedern. Ein Gesammt-Ausschuss in\nStrassburg leitet die Geschäfte und verwaltet die gemeinsame\nGasse. Sängerfeste feierte man schon in Strassburg, Colmar, Baar,\nSclilettstadt, Mühlhausen und Geweiler. In Giessen wird am\n% 5 August ein grosses Turn- und Sängerfest Statt finden. Man\nrechnet auf 3000 Turner und 500 Sänger. Das zweite voigtlän-\ndische Sängerfest wird im August d. J. in Plauen abgehalten. Aus\n43 Orten ausserhalb Plauen haben sich 54 Männer-Gesangvereine\nmit 1400 Sängern angemeldet.\nEine Aufführung der Bach'sehen Johannes-Passion wird in\nJena zu Bacli's Todestage (28. Juli) vorbereitet.\nWien* Herr Director Sal vi reist nach Pesth, um dort einige\nOpern-Mitglieder zu hören, später nach Paris, um die Oper „Lalla\nRook\" von Felicien David kennen zu lernen. Für unsere nächste\nOpern-Saison sind „Templer und Jüdin\" von Marschner und „Isolde\"\nvon Wagner zur Aufführung bestimmt. Fräulein Wolter beschloss\nam 31. Mai ihre Wirksamkeit am Thalia-Theater in Hamburg. Die\nKünstlerin erhielt bei ihrer Abschieds-Vorstellung zahlreiche Blumen-\nspenden und eine silberne Lorberkrone von geschmackvoller Arbeit.\nSie ist hier am 12. Juni in „Iphigenie auf Tauris\" als Iphigenie\nam llofburgtlieater aufgetreten, mit grossem Beifall beim Publicum,\nmit getlieiltem bei der Kritik.\nDer wiener Männer-Gesangverein hat an seinem letzten Uebungs-\nabende auf Antrag der Vereinsleitung mit Stimmeneinhelligkeit und\nAcclamation beschlossen, dem grossen wiener Tondichter Franz\nSchubert ein des Gefeierten in der Residenzstadt würdiges Monu-\nment zu setzen. Zu diesem Behufe wird er schon ehestens daran\ngehen, durch Productionen, Sammlungen u. s. w. einen Fonds zu\nschaffen. Die Grossartigkeit des Unternehmens, das grosse Summen\nbeanspruchen dürfte, rückt die Realisirung desselben natürlich in\neinige Ferne, und es muss die Art des Standbildes, der Platz, den\nes erhalten soll (der Männer-Gesangverein schlägt'hiefür den Stadt-\npark vor), künftigen Berathungen vorbehalten bleiben.\nParis« Bei der kürzlichen Aufführung der „Jüdin\" wurden die\nSänger nach dem zweiten Acte gerufen und erschienen auf der Bühne\nmit der Büste des verewigten Tonkünstlers, welche von dessen Witwe\nder grossen Oper zum Geschenk gemacht worden ist. Die Büste\nwurde mit Lorbern bekränzt, und zwei Mal musste unter dem rau-\nschenden Beifalle des Publicums der Vorhang in die Höhe gezogen\nwerden.\nHector Berlioz ist von einem harten Schlage des Schicksals\ngetroffen worden: seine Gattin ist am 14. d. Mts. plötzlich an einem\nHerzbruche gestorben. Sie war seit acht Tagen auf Besuch bei\nFreunden in St. Germain. Berlioz wurde aus einer Probe, die er in\nParis abhielt, abgerufen, fand aber bei seiner Ankunft in St. Ger-\nmain seine Frau schon als Leiche. Sie war 48 Jahre alt.\nHerr Dawison gab zum Schlüsse seines Gastspiels in Peters-\nburg den Franz Moor in Schiller's „Räuber\", welche bei dieser\nGelegenheit zum ersten Male über die petersburger Bühne schreiten\ndurften.\nDeutsche Tonhalle.\nUeber die auf unser Preis-Ausschreiben vom Januar 1861 s. Z.\neingekommenen 142 Compositionen des Gedichtes : Deutscher Män-\nner Festgesang für vierstimmigen Männerchor, haben die vereins-\nsatzungsmässig erwählten Herren Vinc. Lachner, Franz Abt\nund Jos. Strauss gefälligst das Preisrichter-Amt ausgeübt, in der\nBeurtheilung dieser Werke aber keine zureichende Stimmenmehrheit\nsich ergeben (Satz. 14 h). Jedoch erhielt das Werk des Herrn\nEduard Beez in Riedenburg bei Bregenz eine Stimme für den\nPreis und eine besondere Belobung, und das Werk des Herrn F. B.\nHamma in Ettlingen eine Stimme für den Preis; und belobt wur-\nden von je einer Stimme die Werke der Herren Friedr. Baumann in\nMünchen, J. F. Dieffenbacher in Ulm, Jos. Hanisch in Regensburg7\nC. W. Lehmann in Oranienburg, Ernst Methfessel in Winterthur,\nFerd. Möhring in Neu-Ruppin, Adolph Reichel in Dresden, Franz\nSal. Reiher in Braunau und Heinr. Scadowsky in St. Gallen.\nDiejenigen der übrigen Herren Bewerber, welche ihre Werke\nzurückbegehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an uns ergehen\nlassen, und zwar in den nächsten sechs Monaten, da wir für die\nWerke nicht länger haften können.\nMannheim, 18. Juni 1862. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas neununddreissigste niederrheinische Musikfest. 111. Neueste Compositionen von Ferdinand 11iiier (1. Die Nacht\nHymne von Monz Hartmann Für Solostimmen, Chor und Orchester. Op. 99. - 2. Ferd. Hiller, Neue Gesäuge für eine Stimme mit Be-\nf,.CI J®8 Pian°forte- °P- 100). - Arabische Sänger des VIII. und IX. Jahrhunderts (I. Ibrahim-el-Mosuli - 11. Isaak Ben Ihrahim -\n111. Hubaba). i'ages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Gastspiele Karlsruhe, Oper Sängerfeste Wien Oper)\n\nDas 39. niederrheinische Musikfest.\nIII.\n(I. s. Nr. 24, 11. Nr. 25.)\nDie zweite Abtheilung des test-Concertes am Pfingst-\nmontag brachte, nachdem die erste den Heroen des vori-\ngen Jahrhunderts Bach und Gluck gehuldigt, die Krone\nder romantischen Kunst unseres Jahrhunderts, den Triumph\nder reinen Musik, die neunte Sinfonie von Beetho-\nven mit dem Jubelgesang an die Freude zur Aufführung.\nWas wir im ersten Artikel von der Trefflichkeit des\ndiesmaligen Orchesters, von der Macht des Geigen-Quar-\ntetts und der Virtuosität seiner Spieler, von dem Wohllaut\nder Blas-Instrumente und dem schönen Verhältniss der\nSaiten-Instrumente zu dem Metall der Hörner, Trompeten\nund Posaunen gesagt haben, das zeigte sich hier im voll-\nsten Glänze, und wenn man überhaupt sagen kann, dass\ndie Aufführungen des Salomon und der neunten Sinfonie\ndie zwei hervorleuchtendsten unter allen, die das Fest ins\nWerk setzte, waren, so müssen wir doch, Alles in Allem\ngenommen, den Preis der vollkommensten Ausführung\nder Sinfonie von Beethoven zuerkennen. Die erfahrensten\nKunstfreunde und alle anwesenden Männer vom Fach\nstimmten in dem Urtheil überein, dass sie diese gewaltige\nSchöpfung des unsterblichen Meisters noch nie in solcher\nVollendung und in solcher Tonfülle des Orchesters und\nChors gehört hätten. Wenn wir in den drei ersten Sätzen\nden herrlichen Künstler-Verein von Instrumentalisten be-\nwunderten, von denen irgend einer Abtheilung einen Vor-\nzug vor der anderen zuzuerkennen unmöglich sein dürfte,\nso mussten wir beim Finale über die Frische und Kraft\nder Chorstimmen erstaunen, die, durch Vor- und Nach-\nmittags-Proben und zwei Aufführungen bereits vier Tage\nlang in vollen Anspruch genommen, dennoch mit einer\nsolchen Genauigkeit und Sicherheit und mit einer so mäch-\ntigen Klangfülle und Reinheit auch in den höchsten Re-\ngionen der Tonleiter die gewaltigen Schwierigkeiten so\nmuthig und von vorn herein so höchst zuversichtlich über-\nwanden, dass man wahrlich sich zu dem Grundsatze be-\nkennen möchte, man müsse von tüchtigen Menschen über-\nhaupt das Unmögliche verlangen, damit sie das Mögliche\nleisten. Um wie schöner bewährte sich dieses aber hier,\nwo kein Machtwort eines Herrschers, sondern allein die\nBegeisterung lür die Kunst und für die Verherrlichung\ndes grossen Genius, der solch ein Werk geschaffen, zur\nfreien künstlerischen That führte. Ein Musiker aus einem\nanderen Gau Deutschlands drückte seinen Beifall in fröh-\nlicher Stimmung in den Worten aus: „Wo bei uns das\nQuiken losgeht, da fangen sie hier erst recht an zu singen!\"\nDazu kam das treffliche Solo-Quartett, die Damen\nDustmann und Schreck und die Herren Schneider\nund Hill, alles klangvolle, in Höhe und Tiefe ohne An-\nstrengung durchdringende Stimmen, die jede Note beach-\nteten, nirgends ein Achtel aus Bescheidenheit verschwie-\ngen, sondern dreist und kühn alles, was der mitunter sehr\neigensinnige Meister ihnen zumuthet, tönen und klingen\nhessen, und nun Udlers trefiliehe Auffassung und Leitung\n■ O o\nBeethoven'scher Sinfonieen, die in unserer Zeit gar nicht\ngenug zu preisen ist das alles zusammen genommen\nbrachte eine Aufführung zu Stande, die nicht nur durch\neinen fabelhaften Applaus nach jedem Satze gefeiert wurde,\nsondern gewiss auf Lebenszeit in der Frinnerung aller\nFestgenossen fortdauern wird.\nWären doch die Parforce-Jäger unter den Dirigenten\nund die Formenschneider unter den Musikern und Aesthe-\ntikern, die sich noch immer über die Anwendung des Chors\nin der Sinfonie bekreuzen und sogar den Wechsel des\nDreiviertel-Tactes im Tempo mmit dem Vierviertel-\nTacte im Adagio nicht verwinden können, zugegen gewe-\nsen, um durch solch eine Aull ührung begreifen zu lernen,\ndass Beethoven doch eigentlich besser wusste, was er\nwollte, als sie!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.2", "texte": "Das Fest-Concert am Dinstag den 10. Juni begann\nmit einer guten und trotz der Masse von Instrumentalisten\nim Ganzen fein schattirten Ausführung der Sinfonie in\ndur von Jose ph H aydn. Das erste Allegro, in welchem\nder leise Ansatz der Haupt-Figur der Saiten-Instrumente\neinmal nicht ganz egal war, erhielt massigen, das Andante\ndagegen lebhaften und anhaltend wiederholten Applaus;\nes wurde eben so wie das Menuetto (mit seinem reizenden\nDialog im Trio zwischen Flöte und Fagott) vortrefflich\nausgeführt. Dennoch mögen wir nicht bergen, dass wir\neine etwas pomphaftere Sinfonie, deren Haydn ja auch\ngeschrieben hat, der gewählten, die zu der feinsten Gat-\ntung gehört, für ein so grosses Orchester vorgezogen ha-\nben würden.\nHerr Schneider, mit Applaus empfangen, sang eine\nuns unbekannte Arie für Tenor von Mozart: „Wehe\nmir, ist's Wahrheit?\" deren Vortrag ihm Beifall und Her-\nvorruf eintrug.\nHierauf folgte: „Die Nacht\", Hymne von M. Hart-\nmann, für Solostimmen (Sopran und Tenor), Chor und\nOrchester componirt von Ferdinand Hiller. Das So-\npran-Solo sang Frau Dustmann, die ebenfalls bei ihrem\nAuftreten durch rauschenden Applaus begrüsst wurde, das\nTenor-Solo Herr Schneider.\nAls Hiller den Tactstock hob und er selbst und Alle\nauf den Anfang der Hymne gespannt waren, ertönte mit\ndem Niederschlag statt des ersten Accords derselben eine\nschmetternde Fanfare von Trompeten und Pauken von der\nHöhe der Bühne herab, Chor und Orchester und Publi-\ncum stimmten jubelnd ein, und der Saal wiederhallte von\nApplaus und Lebehochs auf den Componisten und Diri-\ngenten, dem zugleich von den Damen Blumen und Kränze\nzugeworfen wurden.\nNach diesem überraschenden Intermezzo, das bei der\nfestlichen Stimmung durch die wiederholt lebhaft aus-\nbrechenden Zeichen aufrichtiger Bewunderung und Dank-\nbarkeit eine ganze Weile dauerte, begann die Aufführung\ndes neuen Werkes des gefeierten Meisters*).\nNachdem mehrere Nummern lebhaftesten Beifall er-\nhielten, brach am Schlüsse des Ganzen das Publicum in\nanhaltenden Applaus des genialen Werkes aus.\nEine vortreffliche Ausführung der Ouvertüre zur Oper\nGenovefa von Robert Schumann schloss die erste Ab-\ntheilung des Concertes.\nDie zweite, welche mit der Wiederholung des aNach-\ntigallen-Chors\" aus dem Salomon begann, brachte in dem\nVortrag der grossen Arie aus Spohr's „Jessonda\" durch\nTrau Dustmann und des Clavier-Concertes von Mozart\ndurch Herrn Capellmeister Hiller zwei hohe Genüsse,\nwelche die Virtuosität in echt künstlerischem Sinne auf\ndie edelste Weise vertraten. Frau Dustmann entfaltete in\nder herrlichen Sccne von Spohr die ganze wunderbare\nSchönheit ihrer Stimme und ihrer Seele und feierte einen\nTriumph, den sie nach dem Hervorruf durch den überaus\nreizenden nnd anmuthigen Vortrag von zwei Liedern noch\nerhöhte. Das Concert in D-dur, Op. 46, welches Hiller\nspielte, heisst nach der Tradition das „Krönungs-Concert\" ,\nweil Mozart es bei der Krönung Kaiser Leopold's (am 9.\nOctober 1790) in Frankfurt am Main in seinem Concerte\nim Stadttheater am 14. October gespielt hat. Nach an-\nderen Nachrichten soll er das Concert in F-dur (Op. 44)\ngespielt haben; wahrscheinlich beide. Wie dem nun auch\nsei, durch den Vortrag desselben krönte Hiller seine\nVerdienste um unser Fest und erregte durch die nach sol-\nchen Anstrengungen bei der Leitung der Massen fast un-\nbegreifliche Vollendung seines Spiels in Rundung, Kraft\nund Zartheit die enthusiastische Bewunderung aller Anwe-\nsenden im Saale und auf der Tonbühne.\nNachdem der Applaus verrauscht war, ergriff er wie-\nder den Commandostab und führte mit den treuen Scha-\nren im Orchester Mendelssohn's Ouvertüre zu Ruy\nBlas auf eine Weise aus, dass die mit jedem Striche stei-\ngende Begeisterung der ausführenden Künstler auf das\nPublicum wie elektrisches Feuer herabströmte, das zuletzt\nin Flammen jubelnden Beifalls aufloderte.\nDarauf konnte nur der Riesenschritt Händel's noch\nBoden erobern, und das geschah, als der gewaltige Chor:\n„Lobt den Herrn, Jung und Alt!\" aus Salomon die ganze\nKlangespracht aller Stimmen und Instrumente zugleich mit\nden mächtigen Accorden der Orgel noch einmal zu unver-\ngesslicher Erinnerung an das schöne Fest des Jahres 1862\nzusammenfasste.\n*) Siehe weiter unten.\n\nNeueste Compositionen von Ferdinand Hiller.\n1. Die Nacht. Hymne von Moriz Hartmann. Für\nSolostimmen, Chor und Orchester. Op. 99. Bres-\nlau, Verlag von F. E. G. Leuckart (Constantin\nSander). Clavier-Auszug. Preis 3 Thlr. 10 Sgr.\nSingstimmen 2 Thlr. Zum ersten Male beim 39.\nniederrheinischen Musikfeste* den 10. Juni 1862,\naufgeführt. 75 S. Gr. Folio.\nDas Gedicht feiert die Nacht. Hiller hat ihm folgende\nmusicalische Gestaltung gegeben. Chor Nr. 1: Das Nahen\nder Nacht, des Festes der Ruh'. Chor Nr. 2: Mutter der\nWelt, heilige Nacht! Solo und Chor. Nr. 3: Zwei Genien,\nTraum und Tod, geh'n zu ihren Seiten. Solo. Nr. 4, Te-\nnor: Trost durch den Traum. Nr. 5 und 6, Sopran: Glück"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.3", "texte": "im Traume Ähnung des Lichls. Chor Nr. 7: Geburt\nund Erguss des Lichtes. Solo Nr. 8, Tenor: Der Tod,\nBringer der Ruhe, liebender Befreier. Chor Nr. 9: Von\nWelt zu Welt klingt das Lied vom ewigen Leben und\nSterben, das Lied von der Liebe. Duett Nr. 10: „Liebe,\ndeine Macht schuf die Nacht.\" Chor Nr. -11: „Webe, o\nLiebe, dein ewiges Band von Herz zu Herzen!\" Die zwei\nSolostimmen und Chor Nr. 12: „Dein ist die Macht, es\nwerde das Glück der Liebe den Kindern der Erde!\"\nDie Hymne bietet, wie man schon hieraus sieht, der\nmusicalischen Behandlung mannigfachen und dankbaren\nStoff; die Diction ist meist schwungvoll, nur gegen das\nEnde fällt sie ab, wie denn auch der Schluss überhaupt:\n„Dein (o Liebe) ist die Macht,\nO, sprich das Werde!\nEs werde das Glück,\nDas Glück der Liebe\nDen Kindern der Erde!\"\ngegen die vorher aufgebotenen „Unendlichkeitenu etwas\nnüchtern lautet.\nHillers Musik steht auf der Höhe seiner besten Werke;\nsie hat jenes selbstständige Gepräge, welches seine Com-\npositionen für Gesang mit Orchester aus den letzten zehn\nJahren tragen, während frühere ähnliche Werke, das\nOratorium „Die Zerstörung von Jerusalem\" nicht ausge-\nnommen, zwar den Ausspruch, dass er ein Nachahmer\nMendelssohn's sei, nicht vollkommen rechtfertigen, aber\nihn doch leicht veranlassen konnten. In diesem Op. 99\nglänzt, wie im „Saul\", „ Ver und der „Lorelei\",\nneben der Erfindung eigenthümlicher, meist frei strömen-\nder und innig empfundener, zuweilen aber auch mehr\ngeistreich zugespitzter als frisch quellender Melodie die\nMeisterschaft der Arbeit im Grossen, die Herrschaft über\ndas ganze Gebiet des musicalischen Wissens, die Kenntniss\nsowohl der verborgensten als der am reichsten strömenden\nQuellen desselben, die Durchführung der Motive mit stets\nwachsender Steigerung, ohne sich ins Unbeschränkte und\nMaasslose hinreissen zu lassen, die sichere Behandlung\nmassenhaft verwendeter Vocal- und Instrumentalkräfte und\neine Verschmelzung beider zu einer untrennbaren und oft\nso innerlichen Einheit, dass selbst das geübte Ohr sie\naugenblicklich kaum in die verschiedenen Elemente zerle-\ngen kann, welche der Meister in Guss und Fluss zur voll-\nendeten Bildung eines schönen Ganzen gebracht hat. Diese\nVerschmelzung prangt nicht nur im Pomphaften und Mas-\nsenhaften, sondern sie erscheint auch im Einfachen und\nInnigen oft noch zauberischer, und gibt dem zuweilen\nhöchst anspruchslosen melodischen Elemente durch die ge-\nwählten Klangfarben der harmonischen Begleitung, wenn\nman dieses Wort überhaupt bei solcher Einheit gebrau-\nchen darf, einen wunderbaren Ausdruck.\nBeweise von dem zuletzt Gesagten geben gleich die\nzwei ersten Chöre der Hymne, welche das ruhige Empor-\nsteigen der Nacht, dann dir , Wandeln von Lager zu La-\nger der schlafenden Kinder\" mit den einfachsten Mitteln\nschildern, wobei z. B. zu den letzten \\Vorten der Gang der\nBässe im Orchester in gebundenen Viertelnoten eine von\njenen malerischen Wirkungen macht, die durch Wahrheit\nlessein, Von den beiden folgenden Solosätzen lässt der er-\nstere kürzere für Tenor ziemlich kalt, während der zweite\nlür Sopran: „ lloldsel ger Knabe, goldner Traum! du führst\nuns an blühende Strande\" u. s. w., ein reizendes Andante\ncon motoin G-durmit obligater Violine bildet.\nHierauf folgt der grosse Chor Nr. 7 in drei Sätzen,\ndas Prachtstück des Werkes, voll genialen Schwungs und\ndurchschlagender Wirkung. Er beginnt mit einem Allegro\ncon fuocoin E-dur,4/4-Tact (66 Tacte): „Er verkündet\ndas Licht, das drüben tagt, jenseits der Nacht\" —, geht\ndann zu einem Andante con in von 32 Tac-\nten in k/n über: „Ein Wiederschein von Seligkeiten ist\ndein Traumgesicht\" u. s. w., welches zu einem Allegro in\nAs-dur, 3/4-Tact, dann F-rnott, 4/4-Tact führt, das zuletzt\nauf die Worte: „Das ist nicht Tod, das ist das Licht!\"\nwieder in das glanzstrahlende fällt. Der Dichter\nhat hier der Phantasie des Musikers durch folgende Verse\nSchwingen gegeben:\n„Es rieselt in Quellen\nHerab von den Sternen,\nEs webet durch unendliche Fernon\nVon Welt zu Welt\nDie strahlenden Bahnen.\nEs wallet in Strömen\nDurch himmlische Weiten,\nDurch uferlose Unendlichkeiten,\nAus Sonnen strömt es in Oceanen,\nEs beben die Yesten der Erde, es zittern\nDie Säulen des Bau's, sie werden zersplittern,\nDie See braus't aus den Ufern empor,\nAus Wolkengebirgen stürzet die Flamme\nWie Fluten aus gebrochenem Damme,\nDer Donner pochet ans irdische Thor;\nBebet nicht!\nDas ist nicht Tod,\nDas ist das Licht!\"\nDieser Chor ist der längste (das letzte Allegro hat 170\nTacte) und pomphafteste. Er bewirkte schon in der Haupt-\nprobe für den dritten Tag des Musikfestes eine glorreiche\nOvation für den Componisten, die sich denn auch bei der\nAufführung wiederholte.\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.4", "texte": "Durch ein Tenor-Solo: „O Tod, ersehnter Helfer,\nBringer des Friedens!\" ist der Chor Nr. 9 von dem vori-\ngen getrennt ein grossarliges Andante maestoso von 48\nTacten in H-dur, 4/4-Tact auf die Worte:\n„Von Welt zu Welt, durch unendliche Weiten,\nSind ausgespannt die tönenden Saiten.\nDie Harfe es klingt das All,\nDas Lied vom ewigen Leben und Sterben,\nDas Lied von der Liebe überall.\"\nDiese Nummer steht dem vorhergehenden Chore nicht\nnach; sie machte trotz der Pracht jenes einen mächtigen\nEindruck bei der Aufführung.\nDas darauf folgende Duett für Sopran und Tenor ver-\ndankte seinen Applaus wohl mehr der vortrefflichen Aus-\nführung durch Frau Dustmann und Herrn Schneider, als\ndem musicalischen Inhalt, der, wenigstens uns, nicht innig\nund warm genug ist. Der vorletzte Chor (Nr. 11): „Webe,\no Liebe, dein ewiges Band von Herz zu Herzen, von Land\nzu Land\", ist ein Ällegro non in 2/VTact.\nDie Singstimmen sind nur von den Bässen im Orchester\nbegleitet; der Chor, der ein polyphones Gewebe bildet,\nwozu vielleicht das erste Wort des Textes Veranlassung\ngegeben hat, ist allerdings originel, hat aber, wie es uns\nscheint, mehr den Charakter eines Instrumentalsatzes, z. B.\nin einem Violin-Quartett, als den eines Gesanges der Liebe.\nDagegen führt uns der Schlusschor, ein trefflich durchge-\narbeitetes Ällegro in Es-dur, 12/8-Tact, in welchem die\nbeiden Solostimmen theils zwischen, theils über dem Chor\nerklingen, wiederum auf das Gebiet der reichen Phantasie\nzurück, welcher das ganze Werk entquollen ist.\n2. Ferd. Hiller, Neue Gesänge für eine Stimme\nmit Begleitung des Pianoforte. Op. 100. Zweites\nBuch. Stuttgart, Colta'scher Verlag. 1862. 36 S.\nGr. Folio. Preis 1 Thlr.\nDas erste Buch dieser Gesänge Op. 100 erschien\nbereits am Schlüsse des vorigen Jahres. Es war eine an-\nmulhige Neujahrsgabe sagten wir damals in Nr. 362\nder Kölnischen Zeitung —, die in Melodieen und Dichtun-\ngen uns zu rechter Zeit, da draussen die Bäume von ge-\nfrorenem Duft an Zweigen und Sprossen umhüllt waren,\nden Frühling und die Liebe ins warme Zimmer brachte.\nDiese ewigen und doch, wie die Lerche und Nachtigall,\nimmer wieder neuen Texte auf das menschliche Herz wer-\nden uns hier, von den Tönen der geist- und gefühlvollen\nMuse Hiller's durchdrungen und gehoben, in höchst ein-\nnehmendem Gewände dargeboten. Reizende und anspruchs-\nlose Melodieen, mit harmonischen Feinheiten verschwistert,\nwechseln mit lief empfundenen Gesängen ab; wer nur die\nbeiden ersten Lieder gesungen, der wird das Heft nicht\nwieder weglegen, welches fünfzehn Nummern bringt,\nderen letzte: „0 schneller, mein Ross\" (Geibel), ein hin*\nreissender Erguss beseligter Liebe, dieses „erste Buch\" des\nneuen Werkes vortrefflich schliesst. Und diese fünfzehn\nGesänge, vierzig Seiten in Gross-Folio, splendider Druck\nvon Noten und Text auf Velinpapier, tragen auf dem Ti-\ntelblatte eine Preisangabe, die bisher zu den Fabeln im\nReiche des Verlags gehörte: einen Thaler! Wenn die\nCotta'sche Buchhandlung fortfährt, gehaltvolle Musikwerke\nin solcher Ausstattung herauszugeben, so würden wir einer\nneuen Aera in den Notenpreisen entgegengehen. Im Druck\nist nur Ein Versehen des Correctors gut zu machen: S. 19,\nletzte Textzeile, wo „Lied\" in „Leid\" zu verbessern ist.\nDas uns jetzt vorliegende zweite Buch enthält zwölf\nNummern, die an Originalität den Inhalt der ersten wohl\nnoch übertreffen dürften, denn originel sind diese Melo-\ndieen alle; da ist nirgends etwas Gewöhnliches oder Un-\nedles, keine Spur von leierartigen Cadenzen, da sogar die\nleicht ins Ohr fallenden und oft vom musicalischen Vorgefühl\nerwarteten —zuweilen vielleicht mit etwas zu viel Absicht\n—vermieden sind. Dass die neuere Behandlung des Liedes\nwie gesungener Prosa mit Uebersetzung des Wortlautes\nin Töne, bei welcher dann auch das Pianoforte eine der\nSingstimme ganz gleich berechtigte,ja, manchmal sich über\nsie erhebende Rolle spielt, oft zu mehr geist- als gemüth-\nvollen, mehr interessanten und anmuthigen, als tief em-\npfundenen und innigen Ausdruckswendungen und Win-\ndungen führen kann, haben uns schon einige der letzten\nLieder von Schumann und von Franz gezeigt, der gänzlich\nformlosen von Liszt zu geschweigen. Wenn Hiller sich auch\nnicht überall vor diesem für einen so geistreichen Musiker,\nwie er ist, sehr verführerischen Abwege bewahrt hat, so\nhat er doch seinen Lieder-Compositionen eine bestimmte\nIndividualität eingeprägt und diese stets in abgerundeter\nKunstform ausgesprochen.\nSo rechnen wir zu den mehr interessanten als melo-\ndisch in Herz und Seele dringenden die Nr. 3: „Dereinst\",\nNr. 4: „Und schläfst du\", und Nr. 6: „Von dem Rosen-\nbusch\". Anders ist schon das reizende Tongewinde Nr. 5\nin Gis-moll: „Nelken wind' ich und Jasmin, Und es denkt\nmein Herz an ihn\" allein wir können es doch nicht als\nLied betrachten, sondern nur als ein wunderliebliches In-\nstrumentalstück, bei dem es eine eigentümliche Wirkung\nmacht, wenn die eine Stimme von einer Menschenstimme\ngesungen, anstatt von einer Violine oder Flöte gespielt\nwird. (S. 15, Syst. 3, T. 1 ist in der Singstimme zu An-\nfang eine Achtel-, statt einer Sechszehntel-Pause zu setzen.)\nDagegen sind Nr. 1: „An die heilige Jungfrau\", Nr.\n2: „ Wiegenlied der heiligen Jungfrau\", Nr. T: „Horch!\"\nNr. 8: „Känr der Morgen!\" echte melodische Ergüsse\neiner wahren, tiefen Empfindung; sie sind Alles zusam-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.5", "texte": "men, modern, originel, charakteristisch in der Pianoforte-\nBegleitung und schön. Den Preis dürfte in den weitesten\nKreisen das Andante Nr. 7 in 4/8-Tact: „Horch!\nim Winde säuseln sacht die Blätter, Und bei dem Rau-\nschen entschlaf' ich unter dem Schatten\", mit seiner inni-\ngen Melodie und der fliessenden Modulation in den har-\nmonischen Zweiunddreissigstel-Figuren des Pianolörte fin-\nden, zumal wenn es von einer weichen Tenor- oder Mezzo-\nSopranstimme (es geht nur bis gesungen und das Piano\nauf Einer Saite ppmit schönem Anschlag gespielt wird.\nNoch ist Nr. 11: „In dem Garten spriesst die Rose\",\nauszuzeichnen, ein Andante comoto in y4-Tact,\nin welchem das „Belauschen der Nachtigall, wie sie sin-\nget\", auf originelle, von allem Trillern und Zwitschern\nweit entfernte Weise, in sanften synkopirten Sechszehntel-\nMelismen, die bei jedem Refrain jener Worte um einen\nhalben Ton steigen, ausgedrückt wird.\nDie Texte sind sämmtlich aus dem spanischen Lieder-\nbuche von E. Geibel und P. Heyse genommen.\n\nArabische Sänger des VIII. und IX. Jahrhunderts\nI.\nIbrahim-el-Mosuli.\nIbrahim stammte aus einer persischen Familie,\nwelche ihr Vaterland verlassen hatte. Er wurde, zu Ku-\nfa**) geboren im 125. Jahre der Hedschra (747 n. Chr.).\nVon Jugend auf von der Neigung zur Musik beherrscht,\nentlloh er aus Kula, weil seine Familie entschieden seiner\nLeidenschaft entgegen war. Er schloss sich umherstreifen-\nden Bettlei n und Raubern an, mit denen er nach Mosul\nkam, wovon er nachher den Beinamen erhielt. Unter jener\nsauberen Gesellschaft lernte er mehrere Liederweisen, die\ner bald vermehrte und mit ausgezeichneter Stimme sang,\nHess sich aber auch zum Weintrinken verführen und wurde\nein grosser Sänger und Trinker.\nNach einem Jahre kehrte er nach Kufa zurück, wurde\nzwar von den Seinigen gut aufgenommen, hielt es aber\ndoch nicht lange aus, durchstreifte von Neuem das Land\nund übte als freier Mann seine Kunst. So kam er nach\nRey, hatte schon einen grossen Namen und vermählte sich\nmit Dauschar.\nDort hörte ihn ein Gesandter des Khalifen Abu Dscha-\nfar AI Mansor (754 775). Entzückt von Ibrahim's Ge-\nsang, schenkte er ihm 2000 Drachmen. Mit diesem Gelde\nging Ibrahim nach Obella, wo viele treffliche Sänger zu-\nsammen kamen. Er aber zog Aller Bewunderung auf sich,\nso dass Suleiman, Sohn Ali's, versuchte, ihn an seine Per-\nson zu fesseln. Ibrahim zögerte, weil er seine Freiheit eben\nso sehr wie die Musik liebte und mehr zu seinem Ver-\ngnügen als um des Gewinnes willen sang. Am Ende gab\ner doch nach und wurde Sänger des Emirs.— Bald nach-\nher kam ein Abgesandter des Khalifen AI Mahdi [ll5—\n785) zu Suleiman, hörte den Ibrahim mit Bewunderung\nund sprach zu jenem: „Ein solcher Künstler ziemt dem\nKhalifen, nicht aber Dir.\" In der That wurde Ibrahim\nnach kurzer Zeit an den Hof von Bagdad berufen, wo ihn\nder Khalif mit Gunst überhäufte.\nAllein bei seiner Freiheitsliebe wollte er nicht bloss\nim Palaste und vor dem Khalifen singen, sondern überall,\nwo es ihm Vergnügen machte. Das verbot ihm der Khalif\nund machte ihm auch oft Vorwürfe über seine Liebe zum\nverbotenen Getränk. Ibrahim aber sträubte sich aus allen\nKräften gegen die goldenen Ketten solcher Sclaverei. Der\nSultan wurde böse und liess ihn ins Gelängniss stecken.\nDa lernte Ibrahim lesen und schreiben *). Wieder\nbefreit, trieb er es nach wie vor und sagte dem Khalifen\ngerade heraus: „Wenn ich singen gelernt habe, so habe\nich's zu meiner Freude gelernt. Ich will singen und trin-\nken nach meinem Sinn.\"\n\n*).\n\n*) Aus dem arabischen Manuscript Kitab-el-Aghani auf der kai-\nserlichen Bibliothek in Algier, mitgetlieilt von Alex. Chri-\nstianowitsch aus dessen (handschriftlichem) Werke „über\ndie arabische Musik des Mittelalters, mit Zeichnun-\ngen arabischer Instrumente und vierzig altarabischen Melo-\ndieen\". Der Kitab el- Aghani ist verfasst von Abul Faradscli\nAli Ben el Hussain, Abkömmling der Omajjaden, au« Ispahan\n(906—978 nach Chr. Geb.). Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung,\n1861, Nr. 42, vom 19. October.\n**) Im jetzigen Paschalik Bagdad der Provinz Irak-Arabi. Die\nkufische Schrift und die kufischen Münzen (Dinar,\nGold-, Dirhem, Silber-, Fuls, Kupfermünze) sind erst in\nneueren Zeiten Gegenstand philologischer und numismatischer\nForschungen geworden. Für „Dirhemu schreibt der Verfasser\n„Drachme\", was dasselbe ist, so wie „Dinaru von dem „De-\nnar\" der Byzantiner zu den Arabern gekommen ist. Der Dinar\nverschiedener Art, an Werth Vio, V2O, VlOOO Toman oder Du-\ncaten, ist noch jetzt in Persien gebräuchlich, wonach man un-\ngefähr den Betrag der in obigen biographischen Skizzen vor-\nkommenden Geldsummen abschätzen kann. Jedenfalls bezahlten\nund belohnten die Abassiden und noch vor ihnen die Omajja-\nden, bekannt durch ihre Verschwendung, Freigeisterei und\nV '\nMusikliebe denn die arabische Musik stand unter ihrer Dy-\nnastie in einer Blüthe, die nachher verschwand und heutzutage\nnur sehr dürftige Erinnerungen übrig gelassen bat —, ihre Sän-\nger und Sängerinnen ganz grossartig, wenn man auch bei den\nNachrichten des Abul Faradsch den orientalischen Stil mit in\nAnschlag bringen muss. Die liedaction.\n*) Es ist dies bemerkenswertli als ein Beweis, wie diese arabi-\nschen Sänger und Dichter gleich den altgrichischen Rhapso-\nden sich alles, was sie vortrugen, nur durch mündliche Ueber-\nlieferung aneigneten und im Gedüchtniss behielten. In anderen\nBiographieen wird erwähnt, dass eine Sängerin 4000 (ja,\n30,000!?) Lieder nach dem Gehör zu singen wusste.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.6", "texte": "„Nun dann,1, rief AI Mahdi, „so verbiete ich Dir aus-\ndrücklich, von heute an mit meinen Söhnen Musa und\nIlarun noch ferner zusammen zu kommen!\"\n„Gut!\" antwortete Ibrahim.\nAber die beiden Prinzen hatten ihn gar zu gern, führ-\nten ihn heimlich bei sich ein, und es ward wieder fortge-\nsungen und lortgetrunkcn.\nDa liess der Khalif den ungehorsamen Sänger eine\nZeit lang in einen düsteren Kerker werfen, den Ibrahim\nein Grab nannte, und nach der endlichen Begnadigung\nliess er ihn hoch und theuer schwören, die Prinzen nicht\nwieder zu sehen. Bald darauf starb AI Mahdi. Sein Sohn\nMusa bestieg unter dem Namen AI Hadi (785 780)\nden Thron. Ibrahim verbarg sich, um seinen Eid zu hal-\nten, aber der Khalif entdeckte sein Versteck und über-\nhäufte ihn mit Ehren und Reichthümern.\nIbrahim's Sohn Isaak erzählt davon Wunderdinge.\n„Eines Tages erhielt mein Vater vom Khalifen 150,000\nDinare auf einmal. Wenn der Khalif länger gelebt hätte,\nso konnten wir die Mauern unseres Hauses von Gold und\nSilber bauen. Ich habe einmal berechnet, dass er 24\nMillionen Drachmen eingenommen hat ausser seinem mo-\nnatlichen Gehalt von 10,000 Drachmen und dem reichen\nErtrage seiner Ländereien und den prächtigen Geschen-\nken.\" —Aber Ibrahim war dagegen auch sehr grossmüthig\nund verschwenderisch. Sein Haus war prachtvoll und seine\nTafel immer für Freunde und fremde Gäste offen; sie ko-\nstete ihm 30,000 Drachmen monatlich. Desshalb hinter-\nliess er auch bei seinem Tode zu Bagdad im Jahre der\nlledschra 188 (810 n. Ch r., er hat also auch noch unter\nHarun al Raschid 786 bis 800 —, dem Bruder AI\nlladi's, gelebt) nur 3000 Dinare, wovon noch 700 Di-\nnare an Schulden bezahlt werden mussten. So weit Abul\nFaradsch. Ein greiser Sänger in Algier, Hadschi Brahim, er-\nzählte Herrn A. Christianowitsch noch folgende Tradition:\n„Der grosse Ibrahim sagte: „ „Musik vermag Alles!\"\"\nEr war sterblich verliebt in die schöne Rmekia, die\nstolze Geliebte Ilarun-al-Raschid's, und brachte ihr einst\nein Abendständchen. Das muss sehr schön gewesen sein.\nEr besang, sich mit der Kuitra begleitend, die reizende\nSchönheit seiner Gebieterin und seine leidenschaftliche\nLiebe zu ihr; ein Kuss von Rmekia wiege ein ganzes Le-\nben in Gluck aul. Lange, bis tiel in die Nacht hinein, er-\nklang die Stimme des Sängers vor der Thür der stolzen\nSchönheit, und—die Thür öünete sich ihm. Seitdem sagte\nIbrahim: „ „Musik vermag Alles!\"\"\nII.\nIsaak Ben Ibrahim.\nIsaak hatte im llausc seines Vaters eine glänzende\nErziehung erhalten und wurde einer der ausgezeichnetsten\nMänner seiner Zeit. Er war nicht bloss Sänger und Meister\nauf den Instrumenten, sondern auch Dichter, Gelehrter\nund Rechtskundiger. In der Musik soll er auch eine feste\nTheorie begründet haben, welche von da an gültig blieb.\nSeine Nuba's und Lieder konnte man ihm nur durch List\nablauschen. Er blühte unter den Khalifen AI Mamun\n(813 833) und stand in noch höherer Gunst bei AI\nWhatik (842 847). Der Erstere gestattete ihm auf\nseine Bitte, bei Feierlichkeiten am Hofe nicht mehr unter\nden Sängern, sondern unter den Männern der Wissen-\nschaft, später unter den ersten Rechtsgelehrlen des Rei-\nches zu erscheinen. Damit war der Ehrgeizige noch nicht\nzufrieden und verlangte, die Tracht der Abassiden tragen\nund dem Gebete am Freitag in der Nähe des Khalifen\nauf demselben Chor beiwohnen zu dürfen. Da erwiderte\nihm AI Mamun lachend : „Das geht zu weit, Isaak! Denke\nnicht mehr daran; ich will Dir aber für Deine Entsagung\n100,000 Drachmen schenken.\"\nDer Khalif AI Whatik sagte: „So oft ich Isaak singen\nhöre, glaube ich eine neue Eroberung für mein Reich ge-\nmacht zu haben. Wenn er ein Lied von Ibn Sureidsch\nsingt, ist es mir, als sei dieser wieder auferstanden, und\nich höre seine Stimme. Sein Besitz ist ein Glück, das kei-\nner meiner Vorgänger gehabt hat. Könnte man irgendwo\nlanges Leben, Jugend und Fröhlichkeit kaufen, so würde\nich sie alle für ihn um die Hälfte meines Reiches erstehen.\"\nBei der Nachricht von seinem Tode rief der Khalif\nMutawakil (847—8G1) aus: „Der Thron hat einen gros-\nsen Theil seines Glanzes verloren!\"*)\nIII.\nHubaba.\nMubaba war aus Medina und gehörte einem Manne\nin Irak, Namens Ihn Romana, oder nach Anderen Ibn\nMina, der sie vortrefflich unterrichten liess und ihr die be-\nrühmtesten Lehrer, wie Ihn Sureidsch, Malek u. s. w., und\nvon Frauen die Sängerinnen Dschemila und Azza-al-Meila\ngab. Ilubaba wurde eine grosse Sängerin und Lautenspie-\nlerin. Sie war schön und liebenswürdig und hatte eine\nwunderbar melodische Stimme. Ihr wahrer Name war\nAlija, den Namen Hubaba, d. i. Geliebte, erhielt sie vom\nKhalifen Jesid, der sie in seinen Palast aufnahm.\nAls d ieser Khalif sie und eine andere ebenfalls ausge-\nzeichnete Sängerin, Seilama, für schweres Geld gekauft\nhalte, rief er aus: „Ich habe, seitdem ich herrsche, nie\neine so wahre Freude gehabt, als heute. Jetzt kann ich\nmit dem Dichter sagen: „„Er hat den Wanderstab von\nsich geworfen und hat sich in Freude und Glück nieder-\ngelassen, wie der Wanderer, der in seine Heimat zu-\nrückkehrt!\" \"\n\n*) Man sieht, es hat auch Farinelli's in Asien gegeben!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.7", "texte": "Jcsid liebte Hubaba sein ganzes Leben lang, zumal\nseitdem er sie belauscht hatte, wie sie sang: „0 Jesid!\nmeine Liebe zu dir ist so gross, dass ich an dem Tage,\nwo wir uns zuerst sahen, last vor Glück gestorben bin!\"\nDer Sultan schob sacht die Vorhänge der Thür zur Seite\nund gewahrte die Sängerin auf dem Divan liegend, das\nGesicht nach der entgegengesetzten Wand gewendet. Da\ner sah, dass sie ihn nicht erwartet halte, und also das Ganze\nkein berechnetes Spiel war, so wuchs seine Neigung von\nTag zu Tag. llubaba verstand seine Leidenschaft zu näh-\nren und beherrschte ihn ganz und gar.\nIndessen sahen die Omajjaden, namentlich Moslema,\neines der Häupter derselben, den Sultan mit Missvergnü-\n»cn in Lüsten und Wohlleben versunken, sich nur um\no\nseine Geliebte und wenig oder gar nicht um das Reich\nkümmern. Sie machten ihm ernste Vorstellungen und er-\ninnerten ihn an das Schicksal seines Vorgängers Omar [der\nvon ihnen vergiftet worden war im Jahre 720 n. Chr.].\nDas wirkte, und Jesid fasste den Entschluss, dem Wein\nund seiner geliebten Sängerin zu entsagen. Da versprach\nllubaba dem Dichter El Ahues tausend Goldstücke liir ein\nneues Lied, und am nächsten Freitag, dem heiligen Feier-\ntage bei den Moslems, befahl sie einer ihrer Sclavinnen,\nAcht zu geben, wann der Khalif zum Gebete ginge. Zur\ngemeldeten Stunde nahm sie ihre Laute und stellte sich\nauf den Weg des Sultans, und sobald er nahte, stimmte\nsie das Lied des Dichters an. Gleich bei dem ersten Verse\nschloss Jesid die Augen, um sie nicht zu sehen, und riel:\n„Halt ein, llubaba! lass' mich!\"—Aber sie fuhr fort und\ngelangte zu dem Vers:\n„Das Leben ist nicht Leben ohne Liebe:\nVerachte neidischer Grämler arges Wort!\"\nDa bezwang sich der Khalif nicht mehr, stürzte auf sie\nzu und rief: „Bei Allah, du hast Recht, und der Himmel\nverderbe Moslema!\"\nWenn er sie singen hörte, so geberdete sich der Kha-\nlif oft wie wahnsinnig. „Hast du jemals einen Menschen\ngesehen,\" fragte er sie einst, „auf den die Musik solche\nWirkung machte, wie auf mich?\" —0 ja, antwortete llu-\nbaba, mein erster Lehrer war entzückter und bezauberter,\nals du, wenn er mich singen hörte. Das ärgerte den Kha-\nlifen; er liess den Mann aus Medina holen und ihn gebun-\nden vor sich bringen. Dann musste llubaba singen, und\njener Arme wurde so dadurch aufgeregt, dass er gegen\nseine Bande raste und am Ende wie halb todt niederfiel.\nJesid lachte ausgelassen, liess seine kesseln lösen und gab\nihm tausend Goldstücke. Auch Hubaba beschenkte ihn\nreichlich und sandle ihn nach Medina zurück.\nEin anderes Mal sprach Jesid zu ihr: „Die Weisen\nsagen, es gäbe für den Menschen keinen einzigen Tag voll-\nkommener Glückseligkeit, es trete immer etwas Störendes\ndazwischen. Den Spruch will ich morgen einmal auf die\nProbe stellen; icli will den ganzen Tag glücklich sein,\nglücklich mit dir, meine Geliebte, und werde gebieten, dass\nNiemand mich störe, um was auf Erden es auch sei.\"\nEs geschah, wie der Khalif wollte; er blieb abge-\nschlossen von aller Welt mit Hubaba allein. Nach der\nMahlzeit biss Hubaba in einen Granatapfel, ein Kern blieb\nihr in der Kehle stecken und sie erstickte. Jesid war wahn-\nsinnig vor Schmerz. Drei Tage lang hielt er die Leiche\nder Geliebten in seinen Armen, bedeckte ihr Antlitz mit\nKüssen und suchte sie durch seinen Odem wieder zu be-\nleben. Endlich brachten ihn die dringendsten Bitten seiner\nFreunde dahin, sich los zu reissen und die Einwilligung\nzur üestattung zu geben. Ihr Körper wurde in kostbare\nGewände gehüllt und beigesetzt. Der Khalif folgte dem\nZuge in stummem Schmerz bis zu der Buhestätte. Dann\nsetzte er sich auf das Grab und brach das grauenvolle\nSchweigen mit den Worten: „Jetzt kann ich sagen wie\nKotsei'r: „„Wenn es einen Trost für mein Herz gibt, das\nseine Liebe vergessen soll, so ist es die Verzweiflung, aber\nnicht die Fühllosigkeit. Der Freund, der heute zu mir\nkommt, kann sagen: Da sitzt ein Mann, aul dessen Grabe\nheule oder morgen die Nachteule krächzen wird!\"\"\nEinige läge nach der Bestattung wollte er seine Ge-\nliebte noch einmal sehen. Er liess das Grab öffnen. „Denke\nan Gott\" sagten seine Freunde zu ihm —, „sieb, was\naus deiner Geliebten geworden ist!\"\n„Sie ist mir nie schöner vorgekommen, als jetzt!\"\nrief er in halbem Wahnsinn aus. Nur mit Mühe brachten\nihn Moslema und andere Häupter der Omajjaden hinweg.\nAber ein schleichendes Fieber zehrte seit jenem Tage\nan ihm. Die Lieblingssclavin der Verblichenen musste stets\num ihn sein und ihm fortwährend von ihr erzählen. Einst\nging er mit ihr durch den Palast und kam zufällig in eines\nvon den Zimmern llubaba's. „liier war ich mit ihr!\" rief\ner aus. Die junge Sclavin sprach zu ihm die Verse des Dich-\nters: „Um den Schmerz des trostlosen Liebenden zu er-\nneuern, darf er nur die Bäume sehen, wo seine Geliebte\nwohnte, die nun öde und verlassen sind.\" Der Khalif zer-\nlloss in Thränen.\nVierzehn Tage —Andere sagen: vierzig Tage nach\nllubaba's Tode starb der Khalif vor Schmerz. Er wurde\nan ihrer Seite zur Buhe bestattet*).\n\n*) Es war Jesid IL (720—724 n. Chr.). Die Geschichtsbücher\nbestätigen, was die Tradition, wie oben, crz<ihltj indem sie be\nrichten: starb Gram über den lod einer Geliebten,\nwährend das Reich von Empörungen zerrissen wurde.-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620628-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nllerliil* Die Herren Fichtner, Meixner, die Damen Haizinger,\nBaudius, Kronau vom Hofburgtheater in Wien beginnen ihr Ge-\nSammt-Gastspiel am Friedr.-Wilh.-Theater am 4. Juli mit der ersten\nAufführung eines neuen dreiactigen Lustspiels: „Prüfungenc: betitelt,\nwelches Rod. Benedix eigens für diesen Zweck geschrieben hat.\nDas Lustspiel enthält nur fünf Rollen, für die Individualität der\nGäste berechnet, und ist von der Direction des Hofburgtheaters zur\nAufführung im Herbste angenommen; die fünf Gäste studiren das-\nselbe bereits unter Laube's Leitung. Dieser Novität folgt eine andere\neinactige, ebenfalls von Benedix für dieses Gastspiel geschrieben.\nDie seit Neithardt's Tode erledigte Stelle eines Dirigenten des\nköniglichen Dom-Chors ist nun dem bisherigen interimistischen Di-\nrector Herrn v. Hertzberg definitiv übertragen worden. Die da-\ndurch vacant gewordene Lehrerstelle an diesem Institut hat der kö-\nnigliche Domsänger und Gesanglehrer Herr Kotzolt erhalten.\nDie grossherzogliche Hofbühne in Karlsruhe bleibt während\nder Monate Juni und Juli geschlossen. Neu engagirt: Fräul. Emilie\nGenast. Zur Aufführung sind angenommen: „Ludwig der Bayer\",\nSchauspiel von Paul Heyse; „König Enzio\", Oper von Dulk und\nAbert; „Die Katakomben\", Oper von Hart mann und Hill er.\nSängerfeste. In Rostock wird das achte mecklenburgische\nSängerfest am 11. —l3. Juli gefeiert. Hiller hat die Direction des-\nselben abgelehnt, weil ihn Berufsgeschäfte in Köln fesseln. Das\nMainthal-Sängerfest wird am 29. und 30. Juni in Offenbach Statt\nfinden. Das zweite -pfälzische Sängerfest soll im September in\nSpeyer abgehalten werden. Der pfälzische Sängerbund, der im vo-\nrigen Jahre in Kaiserslautern gegründet wurde, zählt 48 Vereine mit\n1400 Mitgliedern. Der Elsässer Sängerbund zählt 39 Sangvereine\nmit mehr als 900 activen Mitgliedern. Ein Gesammt-Ausschuss in\nStrassburg leitet die Geschäfte und verwaltet die gemeinsame\nGasse. Sängerfeste feierte man schon in Strassburg, Colmar, Baar,\nSclilettstadt, Mühlhausen und Geweiler. In Giessen wird am\n% 5 August ein grosses Turn- und Sängerfest Statt finden. Man\nrechnet auf 3000 Turner und 500 Sänger. Das zweite voigtlän-\ndische Sängerfest wird im August d. J. in Plauen abgehalten. Aus\n43 Orten ausserhalb Plauen haben sich 54 Männer-Gesangvereine\nmit 1400 Sängern angemeldet.\nEine Aufführung der Bach'sehen Johannes-Passion wird in\nJena zu Bacli's Todestage (28. Juli) vorbereitet.\nWien* Herr Director Sal vi reist nach Pesth, um dort einige\nOpern-Mitglieder zu hören, später nach Paris, um die Oper „Lalla\nRook\" von Felicien David kennen zu lernen. Für unsere nächste\nOpern-Saison sind „Templer und Jüdin\" von Marschner und „Isolde\"\nvon Wagner zur Aufführung bestimmt. Fräulein Wolter beschloss\nam 31. Mai ihre Wirksamkeit am Thalia-Theater in Hamburg. Die\nKünstlerin erhielt bei ihrer Abschieds-Vorstellung zahlreiche Blumen-\nspenden und eine silberne Lorberkrone von geschmackvoller Arbeit.\nSie ist hier am 12. Juni in „Iphigenie auf Tauris\" als Iphigenie\nam llofburgtlieater aufgetreten, mit grossem Beifall beim Publicum,\nmit getlieiltem bei der Kritik.\nDer wiener Männer-Gesangverein hat an seinem letzten Uebungs-\nabende auf Antrag der Vereinsleitung mit Stimmeneinhelligkeit und\nAcclamation beschlossen, dem grossen wiener Tondichter Franz\nSchubert ein des Gefeierten in der Residenzstadt würdiges Monu-\nment zu setzen. Zu diesem Behufe wird er schon ehestens daran\ngehen, durch Productionen, Sammlungen u. s. w. einen Fonds zu\nschaffen. Die Grossartigkeit des Unternehmens, das grosse Summen\nbeanspruchen dürfte, rückt die Realisirung desselben natürlich in\neinige Ferne, und es muss die Art des Standbildes, der Platz, den\nes erhalten soll (der Männer-Gesangverein schlägt'hiefür den Stadt-\npark vor), künftigen Berathungen vorbehalten bleiben.\nParis« Bei der kürzlichen Aufführung der „Jüdin\" wurden die\nSänger nach dem zweiten Acte gerufen und erschienen auf der Bühne\nmit der Büste des verewigten Tonkünstlers, welche von dessen Witwe\nder grossen Oper zum Geschenk gemacht worden ist. Die Büste\nwurde mit Lorbern bekränzt, und zwei Mal musste unter dem rau-\nschenden Beifalle des Publicums der Vorhang in die Höhe gezogen\nwerden.\nHector Berlioz ist von einem harten Schlage des Schicksals\ngetroffen worden: seine Gattin ist am 14. d. Mts. plötzlich an einem\nHerzbruche gestorben. Sie war seit acht Tagen auf Besuch bei\nFreunden in St. Germain. Berlioz wurde aus einer Probe, die er in\nParis abhielt, abgerufen, fand aber bei seiner Ankunft in St. Ger-\nmain seine Frau schon als Leiche. Sie war 48 Jahre alt.\nHerr Dawison gab zum Schlüsse seines Gastspiels in Peters-\nburg den Franz Moor in Schiller's „Räuber\", welche bei dieser\nGelegenheit zum ersten Male über die petersburger Bühne schreiten\ndurften.\nDeutsche Tonhalle.\nUeber die auf unser Preis-Ausschreiben vom Januar 1861 s. Z.\neingekommenen 142 Compositionen des Gedichtes : Deutscher Män-\nner Festgesang für vierstimmigen Männerchor, haben die vereins-\nsatzungsmässig erwählten Herren Vinc. Lachner, Franz Abt\nund Jos. Strauss gefälligst das Preisrichter-Amt ausgeübt, in der\nBeurtheilung dieser Werke aber keine zureichende Stimmenmehrheit\nsich ergeben (Satz. 14 h). Jedoch erhielt das Werk des Herrn\nEduard Beez in Riedenburg bei Bregenz eine Stimme für den\nPreis und eine besondere Belobung, und das Werk des Herrn F. B.\nHamma in Ettlingen eine Stimme für den Preis; und belobt wur-\nden von je einer Stimme die Werke der Herren Friedr. Baumann in\nMünchen, J. F. Dieffenbacher in Ulm, Jos. Hanisch in Regensburg7\nC. W. Lehmann in Oranienburg, Ernst Methfessel in Winterthur,\nFerd. Möhring in Neu-Ruppin, Adolph Reichel in Dresden, Franz\nSal. Reiher in Braunau und Heinr. Scadowsky in St. Gallen.\nDiejenigen der übrigen Herren Bewerber, welche ihre Werke\nzurückbegehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an uns ergehen\nlassen, und zwar in den nächsten sechs Monaten, da wir für die\nWerke nicht länger haften können.\nMannheim, 18. Juni 1862. Der Vorstand."}]}