{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_sha256": "9d4c95865e0e84842312ac031260fdeeeee696d4e831a8b684a4abbc97d8634f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/07/05_01/bmtnabi_1862-07-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nMonographieen zur Geschichte der Musik. Hans Seeling (Nekrolog). Aus Amsterdam (Concert der Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst Concert von van — Concerte im Haag in Middelburg Dordrecht. August Kömpeli.\nAus Utrecht (Johann Hermann Kufferath). Aus London (Händel-Fest im Krystallpalast). Nach Rotterdam. Tages-\nund Un terh a 11u ngs b 1 all (Köln, Geschwister Juliette und Julia Delepierre, Gastspiele Rotterdam Oper in lfavannah)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "212", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.2", "titre_corps": "Monographieen zur Geschichte der Musik.", "titre_sommaire": "Monographieen zur Geschichte der Musik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.1", "debut_caractere": 449, "fin_caractere_exclue": 4204, "texte": "Monographieen zur Geschichte der Musik.\nSo wie dis allgemeine Geschichte eines Volkes nur\ndurch die besondere Geschichte einzelner Stämme, Gaue,\nPerioden, hervorragender Männer u. s. w. ihre kritische\nSichtung erhalt und dadurch erst vollständige Wahrheit\nwerden kann, so bedarf auch die Kunst der Durchfor-\nschung ihrer einzelnen Gebiete, Aufhellung ihrer Zustände\nund ihrer Entwicklung in bestimmten Zeitaltern, Schilde-\nrung der Wirksamkeit ihrer grossen Meister u. s. w., um\nzu einer Darstellung ihres Lebens in historischer Wahr-\nheit zu gelangen.\nEs ist daher sehr erfreulich, dass der Forschungs«eist,\nO O '\ndie andauernde Arbeitsliebe und die gewissenhafte Gründ-\nlichkeit, welche den Deutschen bei historischen Arbeiten\nvorzugsweise eigen sind, und zwar in solchem Grade, dass\ner darüber oft die Form der Darstellung vernachlässigt,\ndurch we'che Franzosen und Engländer ihren weit flüch-\ntigeren Studien Glanz und Popularität zu verleihen wissen,\ndass deutscher Fleiss und deutsche Treue sich in unserem\nJahrhundert auch der Geschichte der Tonkunst zugewandt\nhaben und für Monographieen thätig gewesen sind, und\nin dieser Thätigkeit fortfahren, durch welche allein eine\nwirkliche Einsicht in das organische Leben und Wachsen\nder Kunst zu gewinnen ist.\nNeben den reichen Materialien und vortrefflichen Re-\nsultaten solcher Forschungen, die schon früher in den\nWerk en von Kiesewetter, Winterfeld, Becker und in un-\nseren Tagen von Anton Schmid, Otto Jahn, Friedrich\nGhrysander niedergelegt sind, haben auch die Bestrebun-\ngen derjenigen Männer, welche in bescheidenerem Maasse\nsich die Aufgabe gestellt haben, die Geschichte einzelner\nKunst-Institute in Deutschland durch archivalische Nach-\nforschungen zu verfolgen und aufzuklären, ihr Verdienst.\nDie Arbeiten von Hagen („Geschichte des Theaters in\nPreussen\"), A. Müller, E. Pasque, G. Seb. Thomas (Die\ngrossherzogliche Capelle in Darmstadt vgl. Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung, 1859, Nr. 33) und Anderen sind\nsehr schätzenswerth.\nIn d iese Reihe gehört auch das uns vorliegende Buch:\n„Zur Geschichte der Musik und des Theaters am\nHofe der Kurfürsten von Sachsen Johann Georg\n11., Johann Georg 111. und Johann Georg IV. Von\nMoritz Fürstenau, königlich sächsischem Kammermu-\nsicus. Dresden, Verlag von Rud. Kuntze. 1861. I. Theil.\nPreis 1 Thlr. 10 Sgr.\nMoritz Fürstenau hatte schon im Jahre 1849\n„Beiträge zur Geschichte der königlich sächsischen Ca-\npelle\" veröffentlicht; das gegenwärtige Buch ist aber als\nein ganz neues, aus reicher liiessenden Quellen geschöpf-\ntes Werk zu betrachten. Als solche standen das k. Haupt-\nStaats-Archiv, das Archiv des Finanz-Ministeriums, des\nOber-Holinarschall-Amtes und die k. Bibliothek dem Ver-\nfasser zu Gebote. Dadurch wurde er in Stand gesetzt, auch\ndie Geschichte des Theaters während jener Periode (1656\nbis 1694) in Dresden in den Bereich seiner Arbeit zu\nziehen, welche als ein sehr schätzbarer Beitrag zur Schil-\nderung der damaligen musicalischen Zustände und selbst\nzur Sittengeschichte zu betrachten ist. Zu bedauern ist der\nVerlust an musicalischen Quellen für jene Periode, wel-\nchen der Brand des prinzlichen Palastes durch die Be-\nschiessung Dresdens im Jahre 1760 verursacht hat. Da-\ndurch wurde die älteste Musicaliensammlung der kurfürst-\nlichen Capelle vernichtet. Ausser der Darstellung des auf\ndem Titel angegebenen Zeitraumes ist der Rückblick der\n3. und 4. Abschnitt, S. 44 —135) auf die frühere Thea-\ntergeschichte in Dresden interessant durch die Nachrichten\nüber das Johannisspiel an der Kreuzkirche im 15. und 16.\nJahrhundert, das erste Ballet, die erste Oper (Daphne von\nOpitz mit Musik von Heinrich Schütz) in Dresden u. s. w.\nWrir (heilen aus dem Buche zwei Bruchstücke mit.\nDas erste betrifft das Ende des berühmten Heinrich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5487, "texte": "Schütz (geb. 1585, gest. 1672,\\ von dem Chrysander\nsagt, dass er für deutsche Musik wirkte, wie ein Heiliger\nfür die Kirche, doppelt verdienstlich, da es in dem\nschrecklichen dreissigjährigen Kriege geschah; ein fester,\ngrosser Mann, der sicher stand, als Alles wankte, und\ndurch sechszig Jahre! Er erschöpfte die Kunst und ver-\nkündigte sie in erhabenen Werken, die der Unsterblich-\nkeit gewiss sind, obgleich man sie heutzutage fast ganz\nvergessen hat.\n„Der November des Jahres 1672 sollte ein betrüben-\ndesEreigniss für die musicalischen Zustände Dresdens brin-\ngen. Nachdem der ehrwürdige Heinrich Schütz 57\nJahre dem Corpori musico,wie er die kurfürstliche Capelle\nmeist zu nennen pflegte, vorgestanden hatte, treulich und\ngewissenhaft in jeder Beziehung, traf ihn am 6. November\n1672, Nachmittags 4 Uhr, der Tod. Ueber sein Ende be-\nrichtet Dr. Geyer's Leichenpredigt, wie folgt: „Soviel des\nseelig Verstorbenen Krankheit und letzten Abschied be-\ntrifft, so haben bey denselben die Kräffte und sonderlich\ndas Gehör etliche Jahre her sehr abgenommen, also dass\ner gar wenig ausgehen, noch sich der Anhörung Göttlichen\nWorts gebrauchen können, sondern mehrentheils zu Hause\nbleiben müssen, daselbst er aber seine meiste Zeit mit Le-\nsung der heiligen Schrifl't und anderer geistreicher Theolo-\ngorum Bücher zugebracht, auch noch immer stattliche\nMusicali Compositiones über etliche Psalmen Davids, son-\nderlich den 119., item die Passion nach drei Evangelisten\nmit grossen Fleiss verfertiget, darbey sich sehr\nund Mässig gehalten. Am verwichenen 6. aber\nist er zwar Irisch und gesund ausgestanden, und hat sich\nangezogen, es hat ihn aber nach 9 Uhr, als er in der Cam-\nmer etwas auffsuchen wollen, eine gehlinge Schwachheit\nmit einem Steck-Fluss übereilet, also dass er darüber zu\nBoden sinken müssen, und sich nicht helffen können, und\nobwohl, als seine Leuthe zu ihm kommen, ihm ausgehol-\nfen, auch alsbald in die Stuben in ein Bette gebracht, er\nsich in etwas wieder erholet und gar verständlich geredet,\nhat ihn doch dieser Steck-Fluss so starck zugesetzet, dass\ner, nachdem er noch diese Worte von sich hören lassen:\n„ „Er slellete alles in Gottes gnädigen Willen\"\", als wenn\ner schlierte, ganz stille liegen geblieben, bis endlichem der\nPulss und Athem allmehlig abgenommen und sich verlo-\nren, und als es 4 geschlagen, endlichen unter dem Gebeth\nund Singen der Umbstehenden sanflt und seelig ohne eini-\nges Zucken verschieden, nachdem er in die 57 Jahre Chur-\nlürstlich Sächsischer Capellmeister gewesen und sein Alter\ngebracht hat auff 87 Jahr und 29 Tage.\"\n„WieSchütz selbst gewünscht, wurden seine irdischen\nUeberreste in der Vorhalle der alten Frauenkirche, wo\nauch seine ihm längst vorangegangene Gattin ihre Buhe-\nstätte gefunden, Sonntag den 17. November beigesetzt. Die\nBeerdigung geschah nach Anordnung des Kurfürsten, der\nhierbei dem heimgegangenen grossen Künstler und treuen\nDiener ein anerkennendes Zeugniss seiner Werthschätzung\nund Zufriedenheit gab. Das llof-Diarium vom Jahre 1672\nsagt darüber Folgendes: „ „Wurde auch des Churfürstlichen\nältesten Capellmeister Heinrich Schützens Leich-Process in\ndie Kirche zu Unserer lieben Frauen gehalten, darbei\nChurfürstl. Durchlaucht Abgesandter dero Geheimer Rath\nvon WolfframbsdorfF wäre und die Leichprepigt der Herr\nOberhoff-Prediger Dr. Geyer ablegte, auch vor und nach\nder Predigt die Churfürstl. deüzsche Musica vier Stücke\nMusicirte, worvon das erste der gewesene Capellmei-\nster Christoff Bernhardt, die übrigen drey aber der seelige\nCapellmeister selbst Vocaliterund com-\nponiret, wie auch noch 1 Stück, so bey Aufhebung der\nLeiche vor dem Sollmischen Hause in der Morilzstrasse\nvon der Cantorey gesungen worden.\"''\n„Die Predigt Dr. Geyer's zollt dem Verewigten die\nhöchste Anerkennung, nicht minder der von ihm getriebe-\nnen Kunst. Interessante Bemerkungen über Kirchenmusik\nund deren Anwendung sind eingellochten, namentlich be-\nfürwortet der Redner den Gebrauch der Instrumente im\nGotteshause. Dagegen eifert er gegen den Verfall der Kir-\nchenmusik unter sichtlicher Bezugnahme auf den herr-\nschenden italiänischen Geschmack am Hofe. So heisst es\nunter Anderem: „ „Hieher gehöret, was so wohl von Alten\nals Neuen Kirchen-Lehrern geklaget worden über die\nungeistlichen, täntzerlichen, ja, lächerlichen singarten und\nmusic, so man in den Kirchen manchmahl zu hören be-\nkömt, da gewiss, so einer mit verbundenen äugen dahinein\nwere gelühret worden, er gäntzlich dafür halten sollte, er\nwere auf einem theatro,da man ein ballet tantzen oder\neine comoediespielen werde.\"\" Eines anderen Theologen\n(Drexelii) Worte erklärt Dr. Geyer so: „ „Verzeihet mir, ihr\nHerren Musiei: ietzt herschet in der Kirche gar eine span-\nneue sing-art, aber ausschweiffig, gebrochen, täntzerlich,\nund gar im wenigsten andächtig; mehr reimet sie sich zum\ntheatro und tantzplatz, als zur Kirche. Kunst suchen wir,\nund hierueber verlieren wir den alten fleis, zu beten und\nzu singen; unserm fürwitz rathen wir, aber in der Wahr-\nheit verlieren wir dabei unsere Gottesfurcht. Denn was\nist diese neue hüpfferliche manier zu singen anders, als\neine comoedia, da die Sänger die agirende personen sein,\nderen bald einer, bald zween, bald alle mit einander heraus\ntretten, und mit gebrochnen stimmen durcheinander re-\nden? itzt hat einer das maul alleine, bald folgen die an-\ndern hernach und überschreien ihn\" u. s. w. Dr. Geyer\nfährt unter Bezugnahme auf Drexelius fort: er „stellet's\ndar, das die üppige Kirchen-music nichts anders in der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5299, "texte": "that sei, als Welsche Sing e-combeziehet sich fer-\nner auf die Tapfern alten Musiwelche weit\nscher und andächtiger mit Gottes rechten umgegangen,\nwen sie selbige als lieder abgesungen. Er mahnet daneben,\ndas man doch verständlich singen wolle.\"\"\n„Schütz bethätigte noch in seinem Testamente die Liebe\nzur Capelle, indem er dem Noten-Archive derselben alle\nseine musicalischen Bücher und Werke vermachte, ein\nunersetzlicher Schatz, der ebenfalls beim Brande 1760\nverloren ging. So war denn Gabrieli's grosser Schüler da-\nhin, gefolgt von der Liebe und Bewunderung seiner Zeit-\ngenossen, der Dankbarkeit seiner Schüler und Untergebe-\nnen, deren Gefühle in den Schlussworten des Magisters\nHertzog in seiner Abdankungsrede ihren klaren Ausdruck\nfanden: „Nun, ihr edlen Musici, ihr Virtmsi und treue\nClienten Eurs eissgrauen Senioris, umfanget und begleitet\nmit Thränen den Cörper des seligen Herrn Capell-Meisters\nzu seiner Grabe-Stätle. Machet und haltet anietzo Ihme\nnach Churfürstlicher gnädigster Anordnung die angestelte\nKirchen-Jfostc bei seiner Bestattung aufs beweglichste,\nund wisset, dass seine letzte Ehre zwar hierdurch erwie-\nsen, die Eurige aber hierdurch wachsen und Euch bey\nHoch und Niedrig noch mehr beliebt machen werde:\n~„lleut trägt man Schützens Kunst, sambt seiner Hand zu Grabe,\nDie unsrer Ho f.-Capell den besten Zieradt gäbe,\nEin Mann, der seinen Gott und Fürsten treu geliebt,\nDies ist die Grabe-Schrift, die ihm Chur-Sachsen giebt!uu*)\n„Johann Georg 111. (geboren den 20. Juni 1647, der\n1680 die Regierung antrat) fühlte trotz vorwiegend krie-\ngerischer Neigungen das lebhafteste Interesse für Musik\nund Theater, welches sich auf mehreren Reisen nach Ita-\nlien nur vermehrte. Durch einen längeren Aufenthalt in\nVenedig (1685) wurde namentlich die Vorliebe für die\nitaliänische Oper, die damals dort in vorzüglichster Weise\nblühte, lebhafter in ihm erregt. In ihr gipfelte sich über-\nhaupt der Fortschritt der ganzen Kunst in dieser Periode:\nVerbesserung des Recitativs und der dramatischen Melodie,\nder allmählichen Heranbildung der Instrumentalmusik zur\nselbstständigen Kunst. Carissimi's Schüler und Nachahmer\nbeherrschten in Italien noch ausschliesslich die Bühne.\nGiov. Paolo Colonna (geb. ums Jahr 1630, f 1695),\nMarc. Ant. Ziani (um 1683 —1714), Domenico Freschi\n(1677 —1685), Francesco Antonio Pislocchi (seit 1679),\nder berühmte Sanger und Gesanglehrer, so wie viele An-\ndere erfüllten die Welt mit ihrem Ruhme. In Frankreich\nführte Lully das musicalische Scepter, und in Deutschland\nbegann die Oper in Hamburg durch Johann Theile (geb.\n1646, gest. 1724, Nicolaus Adam Strungk, Johann\nWolfgangFrancke (1679—1686), Johann PhilippFörtsch\n(1652—1705), Johann Georg Conradi (1691 —1693)\nund Andere zu blühen. Das regste Operntreiben herrschte\njedoch, wie schon gesagt, in Italien und hauptsächlich in\nVenedig. Von 1637 bis 1700 wurden dort 357 Opern\nin sieben Theatern aufgeführt.\n„Johann Georg 111., seit frühester Kindheit am Hofe\ndes Grossvaters und Vaters an vortreffliche Musik- und\nTheater-Aufluhrungen gewöhnt, ja, oft selbst dabei be-\ntheiligt, dachte bei seinem Regierungs-Anlritte nicht daran,\nCapelle und Theater gänzlich eingehen zu lassen, nur Ein-\nschränkungen und Entlassungen nahm er vor, um später\nein desto glänzenderes Personal wieder zu gewinnen.\n„Der neue Regent war übrigens ein lebhafter, rühriger\nHerr, der viel Zeit ausserhalb Dresden zubrachte. Venedig\nmit seinem berühmten Carneval, die verschiedenen Cam-\npagnen gegen die Türken, am Rheine, in Holland u.s.w.,\ndie Jagd und andere Vergnügungen beschäftigten ihn gar\nsehr. Dem unerachtet liebte er auch während seiner An-\nwesenheit in der Residenz glänzende Feste und Zerstreuun-\ngen, wesshalb er einen reichen Cavalier, seinen Günstling,\nFriedrich Adolf von Haugwitz zu Lichtenau (geb. 1637),\nan die Spitze des Hofstaates gestellt hatte. Indessen fand\nsich Johann Georg 111. doch bewogen, „wegen jeuigon\nschlechten Zeiten die Hofstatt so viel möglich einzuziehen\"\nund auch bei der Capelle bedeutende Einschränkungen zu\nmachen. Sämmtliche Italiäner des ersten Chors, so wie\nmehrere Deutsche des zweiten Chors erhielten ihre Ent-\nlassung.\n„Durch Ilescript Torgau den 24. August 1681 ward\nder Entschluss des Kurfürsten kund gegeben, „ „eine völlige\ndeutsche Capell Music zu halten und darauf! jährlich 8000\nThlr. in allem zu wenden\"\" *). Durch Rescript desselben\nDatums ward Bernhard mit 600 Thlr. Gehalt zum Capell-\nmeister und Forchheim mit 450 Thlr. Gehalt zum Vice-\nCapellmeister ernannt**). 'Demnächst bestand die Capelle\naus folgenden Personen:\n„Erster Chor (Primus Chorus):\n„Christoph Bernhard, Capellmeister, 600 Thlr. Joh.\nWilh. Forchheim, Vice-Capellmeister, 450 Thlr. Joh.\n\n*) Nach Schütz' Tode erschien sein von Christian Römstedt vor-\ntrefflich in Kupfer gestochenes Portrait in 4to. Dasselbe (im\nBesitze der Herren C. Kraukling und Hof-Organist J. Schnei-\nder), zeigt den Meister als bejahrten Mann mit kräftigen, aus-\ndrucksvollen Zügen, geschmückt mit einer Gnadenkette, das\nBild Johann Georg'« 11. enthaltend.\n*) Bisher hatte die Capelle 16,700 Thlr. gekostet.\n**) Im Fall BernharcTs Thätigkeit als Informator aufhören sollte,\nwurde ihm Entschädigung versprochen. Er hatte noch 1688\nals solcher 306 Thlr. 6 Gr. Gehalt. Auch bekam er die In-\nspection der «Tmmcalisehen Bibliothec\"."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4295, "texte": "Heinr. Kittel, Organist, 400 Thlr. Johann Jäger, Bassist,\n600 Thlr. 1 Altist 350 Thlr.*). Johann Martin Rössner,\nTenorist, 350 Thlr. 3 Violinisten: Stephan Bingk 350\nThlr., Johann Paul Westhof 300 Thlr., Christoph Richter\n200 Thlr. Paul Keyser, Fagottist, 300 Thlr. 2 musicali-\nsche Trompeter: Simon Leonhard 300 Thlr., Christian\nBenisch 300 Thlr.\n„Zweiter Chor (Sec\n„Hofcantor David Töpfer 300 Thlr. Organist Johann\nChrist. Böhme 200 Thlr. Ahr. Stübner, Altist, 200 Thlr.\n2 Tenoristen: Johann Georg Krause 200 Thlr. und Joh.\nJac. Lindner, zugleich Notist, 200 Thlr. Ephr. Biehner,\nBassist, 300 Thlr. 2 Cornettisten: Salomon Krügner 200\nThlr. und Adam Merkel 200 Thlr. 3 Posaunisten, jeder\n200 Thlr. 2 Calcanten, jeder 40 Thlr. 4 Schallmeipfeifer,\njeder 50 Thlr. Der Hofkirchner 130 Thlr. Orgelbauer\nAndreas Tamitius 60 Thlr. Schlossthürmer Veith 50 Thlr.\n„Summa summarum 7070 Thlr.\n„ Hierzu kamen noch 14 Hoftrompeter (incl. eines Ober-\nHoftrompeters), 1 Heerpauker und 1 Paukenmacher mit\n3700 Thlr. Gagen-Etat, so wie mehrere französische Vio-\nlinisten, deren 1685 sechs (mit 200 Thlr. Gehalt jeder)\nangestellt wurden. Dieselben wurden besonders zur Tafel-\nmusik verwendet, mussten aber auch bei der Capelle mit-\nwirken.\n„Ausserdem finden wir einen Tanzmeister bei den Pa-\ngen und Opern, Bud. Christian de la Marche (250 Thlr.),\nder 1685 starb, worauf Gharle du Meniel an seine Stelle\nriirLtc. Beim Theater war noch der Inspector Seifert an-\ngestellt.\n„Die Inspection und den Musik-Unterricht der Capell-\nknaben hatte, wie früher, der Hoforganist Heinrich Kittel.\nAls dieser 1682 starb, erhielt die Inspection der Bassist\nJäger*), den Musik-Unterricht der Vice-Capellmeister\nForchheim, wofür dieser 50 Thlr. Zulage bekam.\n„Die Gehälterscheinen sehr unregelmässig ausgezahlt\nworden zu sein. Eine Menge Bittschreiben der Capell- und\nTheater-Mitglieder aus den Jahren 1685 —1690 ersu-\nchen um nur theilweise Aushändigung der restirenden\nGelder. Johann Georg's 111. Kriege verlangten viel Geld,\nund so war es kein Wunder, dass zuweilen Ebbe in de\nCassen eintrat.\n„Der Dienst der Capelle scheint während der ersten\nRegierungsjahre Johann Georg's 111. nicht sehr anstren-\ngend gewesen zu sein. Der Kurfürst unternahm, wie be-\nreits eszählt, viele Reisen. Hauptsächlich war die Kirchen-\nmusik das Feld, auf welchem sich die Thätigkeit der „Chur-\nfürstlichen Music\"bewegte. Hier war es vorzüglich Bern-\nhard, welcher sich auszeichnete; er war nun nicht mehr\ngehemmt durch Cabalen und Intriguen der Italiäner und\ndurchlebte die noch übrige Zeit seines Lebens mit thätig-\nstem Bestreben, immer Gutes zu schaffen und wo nur\nmöglich nützlich zu sein. Wirklich auch war er, sowohl\nals praktischer wie als theoretischer Künstler und zugleich\nals Mensch, ein vielverdienter Mann, was selbst der Kur-\nfürst anerkannte und dadurch zu belohnen suchte, dass er\nalle Kosten übernahm, welche das Studium zweier Söhne\nBernhard's (Theodor und Christ an) verursachte. Sein Col-\nlege Forchheim starb schon den 22. November 1682.\no\nAn dessen Stelle kam auf Empfehlung Bernhard's Chri-\nstian Ritter (bis dahin schwedischer Vice-Capellmeister),\nzugleich als Kammer-Organist (1683). Derselbe hatte\nausser den schon bekannten Dienstleistungen eines Vice-\nCapellmeisters „ „an denen Fest- und Sonntagen nach Er-\nfordern die Grosse oder Kleine bey der Taffei\noder wo es sonst nöthig, das Kleine zu\ntiren, Und da der Hoff-Organist wegen Unpässlichkeit oder\nanderer unvermeidlicher Verhinderungen halber nicht auff-\nwarten könnte, damit bey dem Gottesdienste kein Mangel\nsey, in denen Wochenpredigten und die\nzu schlagen.\" \"\n\n*) „Wofern einer mit völliger und gantzer Stimme zu erlangen,\nim fall aber nur ein Falsetist bestellet würde, sollen ihm mehr\nnicht als 300 Thlr. gegeben werden.\"\n**) Johann Jäger, ein alter kurfürstlicher Diener, erhielt 1690 das\nPrädicat als Geheimer Kammerdiener „ohne wirkliche Aufwar-\ntung\" und die Aufsicht über das Residenzhaus auf der Kreuz-\ngasse. Dafür bezog er, unbeschadet seiner Capell-Besoldung,\n200 Thlr. Gehalt, eine Dienstwohnung im Residenzhause und\ndie Erlaubniss, „freien Bierschank\" daselbst zu halten. Er starb\n1696. Im Jahre 1684 beklagte er sich, dass er bei Erhaltung\nder Capellknaben seit zwei Jahren 100 Thlr. zugesetzt habe\nEr bekam nun für jeden wöchentlich 1 Thlr. 16 Gr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "212", "page_fin": "213", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.3", "titre_corps": "Hans Seeling.", "titre_sommaire": "Hans Seeling.", "signature_source": "P. 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Er begab sich zu seiner weiteren Aus-\nbildung nach Paris, später, als er sich mehr mit der Com-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3143, "texte": "Position beschäftigte, und wahrscheinlich auch durch die\nAnzeichen eines Brustübels bewogen, nach Italien, wo er\nin Venedig einen längeren Aufenthalt nahm. Als er sich\nwieder gekräftigt fühlte, entschloss er sich zu einer Kunst-\nreise nach dem Orient. Er reiste über Bucharest nach\nKonstantinopel, in welchen beiden Städten er concerlirte,\nund besuchte sodann Palästina. Ein Sturz vom Pferde war\nUrsache, dass er den Rückweg nach Europa antrat. See-\nling begab sich vorerst wieder nach Venedig und reiste\nsodann an den Rhein, wo er in mehreren Städten mit\ngrossem, ja, glänzendem Erfolge Concerte gab. Nach einem\nabermaligen Aufenthalte in Paris besuchte er vor zwei\nJahren bereits körperlich sehr leidend—seine Vaterstadt\nPrag u nd gab da zwei recht besuchte Concerte, über de-\nren höchst ehrenvollen Erfolg in vielen Blättern be-\nrichtet wurde. Während dieser Zeit erschienen schon meh-\nrere Piano-Compositionen Seeling's im Musicalienhandel in\nLeipzig. Um eine Angelegenheit, die sich auf die Gesammt-\nAusgabe seiner bisher beendeten Werke bezog, zu ordnen,\nbegab er sich sodann über Leipzig, wo er mit Auszeich-\nnung im Gewandhause concertirte, nach Paris. Nach nicht\nlangem Aufenthalte kehrte er nach Prag zurück, so ge-\nschwächt, dass sein Zustand die ernstesten Besorgnisse her-\nvorrief; dennoch war er unermüdet in künstlerischem\nSchaffen. Die Gesammt-Ausgabe seiner Compositionen\nhatte die Firma Berthold Senft in Leipzig übernommen,\nund er war, während er an neuen Werken unablässig ar-\nbeitete, immer bemüht, ältere zur Herausgabe vorzuberei-\nten. Während er sich mit dem Componiren eines grossen\nTrauermarsches beschäftigte, warf ihn zu Anfang dieses\nJahres ein erneuter Anfall seiner Krankheit so heftig nie-\nder, dass man sein Leben nur noch nach Stunden zählen\nzu dürfen glaubte. Nichts desto weniger erholte er sich\nwieder, und er ging, sobald es der Arzt gestaltete, an seine\nmusicalischen Arbeiten. Er bereitete Manuscripte zum\nDrucke vor und legte die letzte Hand an den Trauer-\nmarsch; am 23. Mai d. J. vollendete er das Trio am\n25. Mai war der Künstler eine Leiche. Er starb um 5\nUhr Nachmittags an der Lungen-Tuberculose.\nSeeling besass neben seinem künstlerischen Talente,\nwelches sich vorzüglich in der musicalischen Darstellung\ntiefinniger Stimmungen charakterisirte, ein reiches Wissen,\nvielseitige Erfahrung, scharfe Beobachtungsgabe und war\nvon den gewinnendsten Umgangs-Manieren. Der tragische\nSchmerzenszug eines dem Tode entgegeneilenden Lebens\nklingt auch in seinen Tondichtungen an in seinen spä-\nteren werden diese Anmahnungen immer düsterer —, be-\nsonders in den Todtenglocken-Klängen des inhaltsvollen\nTrauermarsches. Bei allem dem ist aber in Seeling's Arbei-\nten nichts Forcirtes und Ueberreiztes; überall bleibt die\nForm durchsichtig, klar und fest; nirgends verliert sich die\nEmpfindung ins Verschwommene, Unbestimmte oder Grü-\nbelnde. Helle und brillante Farben heben sich in seinen Com-\nposilionen gar oft von dem düsleren Grunde ab, und die\nGrazie spielt darin oft eigentümlich reizend mit dem\nSchmerz und der Wehmuth. Mittwoch am 28. Mai um 6\nUhr Abends wurde sein Leichnam zu Grabe getragen.\n\nP. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "213", "page_fin": "214", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.4", "titre_corps": "Aus Amsterdam.", "titre_sommaire": "Aus Amsterdam.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.5", "debut_caractere": 3145, "fin_caractere_exclue": 4965, "texte": "Aus Amsterdam.\n[Concert der Gesellschaft zur Beförderung der Ton-\nkunst Concert von van — Concerte iin Haag\nin Middelburg Dordreclit. August Kömpel.]\nDen 10. Juni 1862.\nDas dritte und letzte Fest-Concert der Gesellschaft zur\nBeförderung der Tonkunst fand am 7. Mai unter Mitwir-\nkung der Frau Offermans van Hove und des Herrn Karl\nSchneider aus Wiesbaden Statt. Das Programm war we-\nnigstens mannigfach genug, denn es brachte ausser zwei\nNummern von niederländischen Componisten—einer Can-\ntate von Franz Coenen und einer Ouvertüre von Rieh.\nHol —den 137. Psalm von Vierling, das geistliche\nAbendlied von Karl Reinecke und die Lorelei von\nFerd. Hiller.\nDie Compositionen von Hiller und Reinecke erhielten\nden Preis des Abends. Der Psalm von Vierling, der die\nFarbe Schumann'scher Art und Weise an sich tragi, ohne\nden Werken dieses grossen Meisters annähernd gleich zu\nkommen, wurde weniger verstanden; das Publicum muss\nihn erst öfter hören, um sich gewissenhafte Rechenschaft\ndavon zu geben. Auch liess die Ausführung viel zu wün-\nschen übrig.\nDie beiden National-Compositionen waren in solcher\nUmgebung der schwächste Theil des Programms. DieCan-\ntate von F. Coenen ist correct geschrieben, allein diese\nEigenschaft reicht heutzutage nicht hin, ein Kunstwerk\nzu schaffen.\nFrau Offermans hat die Lorelei ganz vortreff lich ge-\nsungen und war wie immer die Gefeierte des Abends.\nAber auch Herr Schneider, der mit einer so sympathi-\nschen Tenorstimme begabt ist, gefiel und wurde mit Ap-\nplaus überhäuft.\nWas sollen wir von dem Chor, dem Orchester und\nder Direction sagen? Es bleiben immer überall dieselben\nschwachen Seiten, dieselben Mängel. Es wäre Zeit, an\ngründliche Abhülfe zu denken, während man im Begriffe\nist, diesen musicalischen Verein, welcher gediegene Ten-\ndenzen hat und das Beste will, zu reorganisiren."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2596, "texte": "Das letzte Concert von van Bree war wie immer na-\ntionalen Compositionen gewidmet, womit man in den letz-\nten Jahren aus übergrossem patriotischem Eifer einen wah-\nren Missbrauch treibt. Das ganze Concert war eigentlich\neine Parodie und das Publicum entsetzlich gntmüthig!\nHerr Hol schien ganz zu vergessen, dass er vor einer Zu-\nhörerschaft dirigirte, und liess mehrere Theile seiner Com-\nposition wie bei einer Probe wieder von vorn anfangen.\nEs war komisch und peinlich zugleich, eii.e solche Behand-\nlung aller dieser Werke holländischer Tonkünsller zu se-\nhen, unter denen ein sehr schöner Chor von Heinse allein\nauszuzeichnen war.\nIm Haag hat Verhülst die Diligentia-Concerte auf eine\nhohe Stufe gebracht. Die grossen Meister werden da so\nbehandelt, wie sie es verdienen, und die Ausführung ihrer\nWerke ist vortrefflich.\nWie aber auch in weniger grossen Städten Hollands\ndie classische Musik gedeiht, davon gaben die letzten Con-\ncerte in Middelburg und besonders auch in Dordrecht (un-\nter Leitung von F. Böhme) erfreuliche Beweise. In Mid-\ndelburg wurden die Ouvertüren „Meeresstille und glück-\nliche Fahrt\" von Mendelssohn und zur Leonore von Beet-\nhoven gemacht. Dazwischen trug Herr Bergstein aus\nAachen Arien von Mendelssohn (aus dem Elias) und Mo-\nzart vor, und August Kömpel, der Löwe des Abends,\nspielte Beethoven's Violin-Concert, die Gesangscene von\nSpohr und Variationen von Vieuxtemps. Die gespannteste\nAufmerksamkeit begleitete seine Vorträge und enthusiasti-\nschpr Applaus und Fanfaren des Orchesters folgten ihnen.\nIn Dordrecht brachte das letzte Concert die Sinfonie\nNr. 11. in D von Beethoven, eine Ouvertüre Nr. VII. von\nF. Böhme, den 95. Psalm von Mendelssohn, die Frühlings-\nbotschaft von Niels W. Gade, Sologesänge von C. M. von\nWeber, Gluck und Hauptmann, das Violin-Concert von\nMendelssohn und eine Phantasie von Spohr über Motive\naus Jessonda! Was sagen Sie zu diesem Reichthum? Da-\nmit wurde eine glänzende Ovation für Herrn Kömpel\nverbunden, welcher mit classischer Meisterschaft die ge-\nnannten Violinsachen vorgetragen hatte. Nach der Phan-\ntasie, die ans Ende des Programms gestellt war, hielt der\nPräsident der Concert-Gesellschaft eine sehr schmeichel-\nhafte Anrede an den trefflichen Künstler, überreichte ihm\nzur Erinnerung und als Zeichen der Verehrung einen präch-\ntigen Kasten für zwei Violinen von kostbarer japanischer\nArbeit und zugleich unter schmetternden Fanfaren und\nstürmischem Applaus das Diplom als erstem Ehren-Mitgliede\nder Concert-Gesellschaft. Nachher brachte der Musik- und\nSängerchor dem gefeierten deutschen Künstler noch eine\nSerenade."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "214", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.5", "titre_corps": "Aus Utrecht.", "titre_sommaire": "Aus Utrecht.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.6", "debut_caractere": 2598, "fin_caractere_exclue": 4464, "texte": "Aus Utrecht.\nWir vernehmen, dass der städtische Musik-Director\nJohann Hermann Kufferath bei der städtischen Be-\nhörde um seine Entlassung eingekommen ist, die ihm auf\ndie ehrenvollste Weise unter warmer Dankbezeigung für\nseine langjährigen Dienste und so erfolgreichen Bemühun-\ngen um die musicalischen Zustände der Universitätsstadt\nUtrecht, zugleich mit Bewilligung einer Pension erlheilt\nworden ist.\nJ. H. Kufferath, aus einer rühmlich bekannten musi-\ncalischen Familie in Rheinpreussen stammend, ist einer von\nden um die Musik in Holland hochverdienten Veteranen\nder deutschen Tonkunst, welche die gegenwärtige Aera\ndes übertriebenen und das Locale überschätzenden musi-\ncalischen Patriotismus von Jung-Holland noch erleben, und\nleider Zeugen sind von der Undankbarkeit heutiger nieder-\nländischer Kunstjünger und aufgeblasener kritisirender\nSchriftsteller gegen ihre Lehrer, die Deutschen. Um so\nerfreulicher ist, den mancherlei Umtrieben jener Partei\ngegenüber, der Beweis der Anerkennung der Verdienste\nKufferaths durch die bereits vor Jahren von Sr. Majestät\ndem Könige von Holland vollzogene Verleihung des Ordens\nder eichenen Krone an ihn und durch die gegenwärtige\nPensions-Bewilligung und Danksagung von Seiten der Stadt.\nKufferath hat 32 Jahre lang in Utrecht als Lehrer, Diri-\ngent und Componist gewirkt, das dortige Orchester gegrün-\ndet und gebildet, die Stadt-Concerte und die Studenten-\nConcerte dirigirt, die städtische Singschule und den Sing-\nVerein, welcher auch Werke mit vollem Orchester auf-\nführt, geleitet und in allen Theilen dieses ausgedehnten\nWirkungskreises eine eben so kenntnissvolle als praktisch\nerfolgreiche und eifrige Thätigkeit entwickelt, welche den\nSinn für die wahre Kunst und die Werke ihrer classischen\nMeister überall gefördert hat, und bei allen wirklichen\nKunstfreunden in Utrecht in dankbarem Andenken blei-\nben wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "215", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.6", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.6", "debut_caractere": 4466, "fin_caractere_exclue": 5032, "texte": "Aus London.\nIn seinen „Berichten über die Ausstellung in London\"\nschreibt M. Hartmann unter Anderem: Ich gehe zu einem\nAnderen über, das für die Fremden und besonders für die\nDeutschen eine grosse Anziehungskraft haben muss. Ich\nmeine das grosse Händel-Fest im Krystallpalast zu Syden-\nham. Ich werde mich nicht so lächerlich machen, nach\ndem eben abgehaltenen kölnischen Musikfeste, das mir von\nallen Seiten als ein wahres Ideal eines solchen Festes ge-\nschildert wird, und überhaupt in die Musik-Hauptstadt des\nRheinlandes über Händel schreiben zu wollen, aber ich"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3393, "texte": "darf doch sagen, dass der erste der drei Tage mit seinem\n„Messias\", mit den viertausend Musikern und Sängern in\ndem feenhaften Gebäude etwas ganz Ausserordentliches,\netwas ganz Grosses war, das seines Gleichen in der Welt\nnur schwer finden dürfte. 0 des Eindrucks, wenn diese\nTausende von Stimmen die gewaltigen Chöre sangen, be-\ngleitet von diesem herrlichen Orchester und dieser Orgel,\neiner der grössten der Welt! Dass 16,000 Menschen\nda waren, machte keinen Eindruck. Man behauptet, weil\nsie in dem gewaltigen Gebäude verschwinden mussten, ich\nglaube aber, weil zum Singen und Hören dieser Chöre\nVölker und Myriaden gehören. Die Soli wirkten ganz eigen-\nthümlich; da sie in dem grossen Räume verschwinden\nmussten, klangen sie wie aus unendlicher Ferne, wie aus\njener Ferne, in der jener Glaube, jene Seligkeit, jener Ju-\nbel der Händel'schen Musik zu Hause sind, wie Stimmen\naus einer anderen Welt, die durch unsere Nebel dringen.\nNur Eines störte. Vor dem Orchester, das von einer\ngewaltigen Halbkuppel überwölbt ist, standen als Verzie-\nrungen viele, viele Statuen, sämmtlich antik, die meisten\nnackt: eine Venus, ein Amor, eine Psyche, eine Jägerin\nDiana, eine ganze Zahl von Nymphen. Das stach gräulich\ngrell von der Welt ab, die man, über die Götter hinweg-\nblickend, jenseits im Orchester mit dem Ohr und mit der\nSeele hörte. Es ist das eine unkünstlerische> tactlose,\nschmerzlich störende Anordnung. Wer hebt nicht die grie-\nchischen Götter?—aber wer will eine Nymphe sehen, wäh-\nrend man ihm singt: 0 Du, der gute Zeitung bringst nach\nZion! Welche verschiedene Welten sind da grausam an\neinander gekettet! Es ist überhaupt ungeschickt, dass man\nauch die Halbkuppel, unter der meist deutsche Musik und\nzumeist Händel aufgeführt wird, griechisch-römisch deco-\nrirt hat; keine unserer Künste hat mit der antiken Welt\nso geringe Verwandtschaft, wie unsere Musik.\nVon Concerten sei nur das 99. „populäre Montags-\nConcert\" in St. James' Hall als eines der interessantesten\ngenannt. Es wurde zum Vortheil Emst's, des grossen Vio-\nlinisten, gegeben und führte dessen neuestes Werk, ein\ngrosses Quatuor, seine bekannte Elegie und Stephen Hel-\nler's reizende Pensees fugitivesvor. Das Quatuor ist ein\nWerk voll Phantasie und Anmuth und wird in seiner Aus-\narbeitung als ein Meisterwerk gerühmt. Dass es Ernst's\nund seiner selbst würdig aufgeführt wurde, sagen die Na-\nmen Joachim, Laub, Molique, Piatti. Ein solches Quatuor\nist wohl selten zusammengestellt worden. Composition und\nExecutanten wurden mit Enthusiasmus aufgenommen, eben\nso die liebe alte Bekannte, die Elegie, die Joachim mit einer\nWärme, einer Hingebung, einer Rührung vortrug, dass\ndem kranken Meister in Nizza um diese Stunde nicht nur\ndie Ohren, auch das Herz elegisch geklungen haben möge.\nMöge er doch bald genesen und sich der Liebe erfreuen,\ndie ihm bei Künstlern und Publicum überall neu erwacht,\nseit man weiss, dass er leidet, und seit man ihn entbehren\nmuss! Es war eine eigentümlich gerührte und gehobene\nStimmung, die während dieses Concertes auf Künstlern\nund Publicum lagerte; sie war ein beredtes Zeugniss, wie\neng die Bande sind, welche wahrhafte und wahrhaft ge-\nachtete Künstler um die Gemüther von Tausenden, aus\nder Ferne wie aus der Nähe, schlingen können. Auch\nllallö, den tadellosen, und einen jungen talentvollen Cel-\nlisten, Davidow aus Russland, bekam man bei dieser schö-\nnen Gelegenheit zu hören."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "216", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.7", "titre_corps": "Nach Rotterdam.", "titre_sommaire": "Nach Rotterdam.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.7", "debut_caractere": 3395, "fin_caractere_exclue": 6162, "texte": "Nach Rotterdam.\n\nGeehrter Herr\nIhre freundlichen Zeilen vom 1. d. Mts. habe ich erhalten. Ich\nkann die Beschwerden über den Inhalt der Correspondenz aus Rot-\nterdam in Nr. 25 der Niederrh. Musik-Zeitung „über die deutsche\nOper\" keineswegs für begründet halten; wenn eine so ehrenvolle\nSchilderung der Resultate Ihres verdienstvollen Unternehmens,\nder deutschen dramatisch-musicalischen Kunst in Holland eine Stätte\nzu gründen, „mehreren dortigen Kunstfreunden Aerger erregt hat\",\nso begreife ich in der That nicht, mit welchem Rechte diesen Aer-\ngerlichen der Name Freunde der Kunst zukommen darf, da sie\nallem Anscheine nach nur Freunde eines oder des anderen Künst-\nlers sind. So ehrenwerth eine solche persönliche Freundschaft oder\nGunst sein kann, so darf sie doch, weil X. nicht so lobend bespro-\nchen ist, als alle Uebrigen von 4. bis Z., desshalb nicht zu Vor-\nwürfen von „absichtlichem Ignorirenu, vo« „mangelhafter Wahrheits-\ntreue\" eines Correspondenten übergehen. Wenn Qo*.oike die „Lor-\nberkränze\" und die „Blumenspenden\" nicht erwähnt hat, so\naus dem einfachen Grunde geschehen, weil alle meine Correspon-\ndenten wissen, dass ich nichts, gar nichts von Kranz- und Blumen-\nRecensionen der Menge halte, sondern begründete Urtheile wünsche\nund jene Komödien den Tlieater-Zeitungen zu schildern überlasse,\nHerr Grimmingerist bei uns in Deutschland, wie Sie wissen,\nnicht unbekannt; Sie können also leicht denken, dass wir über seine\nVorzüge, wie über seine Schwächen nicht erst durch das Publicum\nvon Rotterdam aufgeklärt zu werden brauchen; wir haben aber ge-\nfunden, dass Ihr Publicum mit uns im Ganzen übereinstimmt, was\nwir aus den nicht zu läugnenden Thatsaclien, z. B. der Nichtwieder-\nholung von Boieldieu's „Weisse Dame\" bei einem für gute Musik\nso empfänglichen Publicum, und aus der Uebereinstimmung unserer\nbeiden Herren Correspondenten ersehen. Wenn Sie Sich die Müho\ngeben wollen, die Urtheile über Herrn G. in den Beriohten aus\nRotterdam in der Niederrh. Musik-Zeitung nachzulesen, so\nwerden Sie sehen, dass uns auch von dorther schon im Jahrgang\n1860 (Nr. 47 vom 17. November) derselbe „als ein denkender\nKünstler von einer Bildung, die unter seinen Standesgenossen nicht\neben gewöhnlich ist\", geschildert worden, „den höchst vorteilhaft\ndas Streben auszeichnet, seine Rollen zu durchgründen\" u. s. w.\nDass aber diese Anerkennung von Vorzügen durchaus nicht blind\ngegen die Mängel macht, das erwarten wir von jedem gewissenhaf-\nten Recensenten. Vergleichen Sie dann im Jahrgang 1861 Nr. 14\nvom 6. April, Nr. 23 vom 8. Juni und Nr. 52 vom 28. December.\nso werden Sie Sich von der Unparteilichkeit und von der Berechti-\ngung meiner Herren Correspondenten zum l'rtheilen in musicali-\nschen Dingen überzeugen. Ich kann in Bezug auf den letzten Ar-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 669, "texte": "tikel in Nr. 25 d. J. nur das Eine zugeben, dass der Ausdruck :\n~ Man gel eines ersten Tenors\", für „das Ungenügende\" auf Rech-\nnung des Stils eines deutsch schreibenden Ausländers zu setzen ist.\nEben dahin gehört, dass Herr G. „der Bühne Lebewohl sagen wolle\",\nwas sich nur auf die rotterdamer Oper beziehen soll, bei welcher»\nwie Sie selbst schreiben, derselbe nicht wieder engagirt ist. Gern\nregistrire ich aber, dass Herr G. bei Ihnen „in der vorletzten Saison\nin neun von den dreizehn Opern des Repertoires, und in der letzten\nin dreizehn von den einundzwanzig Opern die Haupt-Tenorpartie\ngesungen hat\".\n\nProf. L. Bischoff,\nHerausgeber der Niederrh. Musik-Zeitung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-05_01#c008", "volume": "bmtnabi_1862-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.8", "debut_caractere": 671, "fin_caractere_exclue": 6053, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Die Geschwister Juliettc und Julia\naus Frankreich, jene 9, diese 6 Jahre alt, sind als Violinspielerinnen\nvorgestern im Victoria-Theater aufgetreten. Wir können nur bestäti-\ngrn, was die bedeutendsten Blätter des Auslandes, die musicalischen\nZeitungen von Paris, ferner die Revue des deux Mondes, der Moni-\nteur u. s. w., in London die Times, der Morning Ilerald u. s. w.\nüber das wirklich wunderbare Spiel dieser allerliebsten Mädchen ge-\nsagt haben. Namentlich ist die älteste, Juliette ein\ngeniales Mädchen; ihre Technik hat eine Höhe erreicht, deren Be-\nwunderung nur von dem Eindruck noch übertroffen wird, den ihr\ninniges, seelenvolles Spiel der Melodie erzeugt. Von ähnlichen Er-\nscheinungen haben wir seit dem ersten Auftreten von Therese Mi-\nlanollo nichts gehört, was ihren Leistungen auch nur entfernt an die\nSeite gestellt werden könnte.\nTrotz der Vorurtheile, welche gegen die musicalischen Wunder-\nkinder gäng und gebe sind und besonders gern durch Musiker von\nFach verbreitet werden, die da vergeben, dass der grösste Musiker\nder AVeit, W. A. Mozart, r'iola ciu Wunderkind war, und Mendels-\nsohn und viele ~*Atiere berühmte Tonkünstler dessgleichen, bleibt\nihre doch immer ein Phänomen, das von einer aus-\nnahmsweisen Organisation der menschlichen Natur für die Entwick-\nlang der musicalischen Anlage Zeugniss gibt, indem für keine an-\ndere Kunst oder Wissenschaft das Genie so früh durchbricht und\nder damit eng verbundene Fleiss so bald zu Resultaten führt, die\nin Erstaunen setzen. Denn darin liegt eben das Genie, dass der be-\nharrliche Fleiss und die Kraft der Ausdauer durch nie rastenden\nI rieb mit der Kraft der geistigen Anlage zugleich von der Natur\ngegeben ist, und es ist nichts alberner, als dass wirklich künst-\nlerische Leistungen solcher Kinder, wie die Milanollo's und diese\nsind, durch strenge Zucht, Abrichtung oder gar Straf-\nPädagogik erzielt werden könnten. Am unvernünftigsten erscheinen\ndergleichen Aeusserungen im Munde von Musikern, die dadurch das\nPrivilegium von Gottes Gnaden, welches sie für die Kunst und folg-\nlich für sich selbst in Anspruch nehmen, für abgestandenen Aber-\nglauben erklären. Nein, wer diese Juliette sieht und hört, der\nwird nicht nur den Grad der technischen Vollendung ihres Spiels,\nden sie in so zartem Alter erreicht hat, bewundern, sondern er wird\ndurch den Ausdruck ihres Vortrags den Glauben an den göttlichen\nFunken, der, ihr selber unbewusst, in ihrem Herzen glüht, wahr und\ntief empfinden. Dabei ist an diesen beiden Kindern Alles Anmuth\nund Grazie; Frische und Freudigkeit blickt aus ihren Augen und\nZügen und erhöht den Reiz ihres Spiels, weil keine Spur von ge-\ndrücktem Wesen oder eingeschultem Zwang einen störenden Ein-\ndruck auf uns macht.\nIm Theater in der Stadt (Schildergasse) brachte uns das verbun-\ndene Gastspiel der Mitglieder des königlichen Hoftheaters in Ber-\nlin, Ffttulein Therese Döllinger und der Herren Bcrndal\nund Braunhof er, einen ausgezeichneten Kunstgenuss. Das vor-\ntreffliche Spiel dieser Künstler weckte die sehr schwach gewordene\nTheilnahme des kölner Publicums für das recitirende Drama wieder\neinmal in erfreulicher Weise, was nicht nur die vollen Häuser, son-\ndern auch der richtige Tact der Zuhörerschaft für die wirklichen\nVorzüge und Feinheiten der Darstellung, sowohl in Bezug auf die\nindividuelle Charakteristik und Objectivirung der einzelnen Rollen,\nals auf das Zusammenspiel, bewies. Die besten Vorstellungen waren\ndie „Karlsschüler\" von Laube, die „Mathilde\" von Benedix und\nmehrere einactige Lustspiele. Hoffen wir, dass die zum 1. October\nbevorstehende Eröffnung des endlich wieder aufgebauten und neu\neingerichteten Stadttheaters, welches drei Jahre lang in Trümmern\ngelegen hat (!), das Publicum in der günstigen Stimmung wieder-\nfinde, welche es bei jenen Darstellungen gezeigt hat.\nZu unserem Erstaunen lesen wir so eben in den wiener „Recen-\nsionen\" Nr. 25: „Die General-Intendantur der k. Schauspiele zu\nBerlin hat den Mitgliedern der k. Bühne, welche sich zu einem\nGastspiel auf dem kölner Sommertheater vereinigt das Gast-\nspiel untersagt, da sie es nicht für geeignet hält, in einem Thea-\nter zu spielen, in welchem sich das Publicum der Unsitte des Rau-\nchens hingibt.\" Die oben gegebene Nachricht widerlegt diese\nNotiz, deren Quelle nicht angegeben ist, vollständig. Herr von Hül-\nsen war auf seiner Reise nach London zugleich mit den genannten\nHofschauspielern hier und nahm auch das Victoria-Theater in Augen-\nschein. Die Gäste haben zwei Mal in diesem Theater, wo übrigens\nnicht geraucht wird, und die übrigen vier oder sechs Mal im\nso genannten Vaudeville-Theater in der Stadt gespielt.\nRotterdam. Sicheren Mittheilungen nach sind für die\nnächste Saison der deutschen Oper in Rotterdam engagirt die\nSängerinnen Frau Kapp-Young aus Kassel, Frau Deetz aus\nWiesbaden und für Coloratur-Partieen Fräulein Weyringer, die\nvor einigen Jahren bei der Opern-Gesellschaft in Amsterdam be-\nschäftigt war; der Tenor Herr Karl Schneider aus Wiesbaden\nund der Tenor Herr Altmann, der Bass-Buffo Herr Becker aus.\nKassel. Der vortreffliche Sänger Herr Dalle-Aste bleibt bei der\nhiesigen Oper, deren Zierde er bisher war.\nOper in Havannah. Die Sängerin Tietjens, gegenwärtig\nin London, ist von dem italiänischen Opern-Unternehmer Ma-\nretzek für die Oper in Havannah engagirt. Auch der berühmte\nTenorist Mazzoleni geht dorthin."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMonographieen zur Geschichte der Musik. Hans Seeling (Nekrolog). Aus Amsterdam (Concert der Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst Concert von van — Concerte im Haag in Middelburg Dordrecht. August Kömpeli.\nAus Utrecht (Johann Hermann Kufferath). Aus London (Händel-Fest im Krystallpalast). Nach Rotterdam. Tages-\nund Un terh a 11u ngs b 1 all (Köln, Geschwister Juliette und Julia Delepierre, Gastspiele Rotterdam Oper in lfavannah).\n\nMonographieen zur Geschichte der Musik.\nSo wie dis allgemeine Geschichte eines Volkes nur\ndurch die besondere Geschichte einzelner Stämme, Gaue,\nPerioden, hervorragender Männer u. s. w. ihre kritische\nSichtung erhalt und dadurch erst vollständige Wahrheit\nwerden kann, so bedarf auch die Kunst der Durchfor-\nschung ihrer einzelnen Gebiete, Aufhellung ihrer Zustände\nund ihrer Entwicklung in bestimmten Zeitaltern, Schilde-\nrung der Wirksamkeit ihrer grossen Meister u. s. w., um\nzu einer Darstellung ihres Lebens in historischer Wahr-\nheit zu gelangen.\nEs ist daher sehr erfreulich, dass der Forschungs«eist,\nO O '\ndie andauernde Arbeitsliebe und die gewissenhafte Gründ-\nlichkeit, welche den Deutschen bei historischen Arbeiten\nvorzugsweise eigen sind, und zwar in solchem Grade, dass\ner darüber oft die Form der Darstellung vernachlässigt,\ndurch we'che Franzosen und Engländer ihren weit flüch-\ntigeren Studien Glanz und Popularität zu verleihen wissen,\ndass deutscher Fleiss und deutsche Treue sich in unserem\nJahrhundert auch der Geschichte der Tonkunst zugewandt\nhaben und für Monographieen thätig gewesen sind, und\nin dieser Thätigkeit fortfahren, durch welche allein eine\nwirkliche Einsicht in das organische Leben und Wachsen\nder Kunst zu gewinnen ist.\nNeben den reichen Materialien und vortrefflichen Re-\nsultaten solcher Forschungen, die schon früher in den\nWerk en von Kiesewetter, Winterfeld, Becker und in un-\nseren Tagen von Anton Schmid, Otto Jahn, Friedrich\nGhrysander niedergelegt sind, haben auch die Bestrebun-\ngen derjenigen Männer, welche in bescheidenerem Maasse\nsich die Aufgabe gestellt haben, die Geschichte einzelner\nKunst-Institute in Deutschland durch archivalische Nach-\nforschungen zu verfolgen und aufzuklären, ihr Verdienst.\nDie Arbeiten von Hagen („Geschichte des Theaters in\nPreussen\"), A. Müller, E. Pasque, G. Seb. Thomas (Die\ngrossherzogliche Capelle in Darmstadt vgl. Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung, 1859, Nr. 33) und Anderen sind\nsehr schätzenswerth.\nIn d iese Reihe gehört auch das uns vorliegende Buch:\n„Zur Geschichte der Musik und des Theaters am\nHofe der Kurfürsten von Sachsen Johann Georg\n11., Johann Georg 111. und Johann Georg IV. Von\nMoritz Fürstenau, königlich sächsischem Kammermu-\nsicus. Dresden, Verlag von Rud. Kuntze. 1861. I. Theil.\nPreis 1 Thlr. 10 Sgr.\nMoritz Fürstenau hatte schon im Jahre 1849\n„Beiträge zur Geschichte der königlich sächsischen Ca-\npelle\" veröffentlicht; das gegenwärtige Buch ist aber als\nein ganz neues, aus reicher liiessenden Quellen geschöpf-\ntes Werk zu betrachten. Als solche standen das k. Haupt-\nStaats-Archiv, das Archiv des Finanz-Ministeriums, des\nOber-Holinarschall-Amtes und die k. Bibliothek dem Ver-\nfasser zu Gebote. Dadurch wurde er in Stand gesetzt, auch\ndie Geschichte des Theaters während jener Periode (1656\nbis 1694) in Dresden in den Bereich seiner Arbeit zu\nziehen, welche als ein sehr schätzbarer Beitrag zur Schil-\nderung der damaligen musicalischen Zustände und selbst\nzur Sittengeschichte zu betrachten ist. Zu bedauern ist der\nVerlust an musicalischen Quellen für jene Periode, wel-\nchen der Brand des prinzlichen Palastes durch die Be-\nschiessung Dresdens im Jahre 1760 verursacht hat. Da-\ndurch wurde die älteste Musicaliensammlung der kurfürst-\nlichen Capelle vernichtet. Ausser der Darstellung des auf\ndem Titel angegebenen Zeitraumes ist der Rückblick der\n3. und 4. Abschnitt, S. 44 —135) auf die frühere Thea-\ntergeschichte in Dresden interessant durch die Nachrichten\nüber das Johannisspiel an der Kreuzkirche im 15. und 16.\nJahrhundert, das erste Ballet, die erste Oper (Daphne von\nOpitz mit Musik von Heinrich Schütz) in Dresden u. s. w.\nWrir (heilen aus dem Buche zwei Bruchstücke mit.\nDas erste betrifft das Ende des berühmten Heinrich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.2", "texte": "Schütz (geb. 1585, gest. 1672,\\ von dem Chrysander\nsagt, dass er für deutsche Musik wirkte, wie ein Heiliger\nfür die Kirche, doppelt verdienstlich, da es in dem\nschrecklichen dreissigjährigen Kriege geschah; ein fester,\ngrosser Mann, der sicher stand, als Alles wankte, und\ndurch sechszig Jahre! Er erschöpfte die Kunst und ver-\nkündigte sie in erhabenen Werken, die der Unsterblich-\nkeit gewiss sind, obgleich man sie heutzutage fast ganz\nvergessen hat.\n„Der November des Jahres 1672 sollte ein betrüben-\ndesEreigniss für die musicalischen Zustände Dresdens brin-\ngen. Nachdem der ehrwürdige Heinrich Schütz 57\nJahre dem Corpori musico,wie er die kurfürstliche Capelle\nmeist zu nennen pflegte, vorgestanden hatte, treulich und\ngewissenhaft in jeder Beziehung, traf ihn am 6. November\n1672, Nachmittags 4 Uhr, der Tod. Ueber sein Ende be-\nrichtet Dr. Geyer's Leichenpredigt, wie folgt: „Soviel des\nseelig Verstorbenen Krankheit und letzten Abschied be-\ntrifft, so haben bey denselben die Kräffte und sonderlich\ndas Gehör etliche Jahre her sehr abgenommen, also dass\ner gar wenig ausgehen, noch sich der Anhörung Göttlichen\nWorts gebrauchen können, sondern mehrentheils zu Hause\nbleiben müssen, daselbst er aber seine meiste Zeit mit Le-\nsung der heiligen Schrifl't und anderer geistreicher Theolo-\ngorum Bücher zugebracht, auch noch immer stattliche\nMusicali Compositiones über etliche Psalmen Davids, son-\nderlich den 119., item die Passion nach drei Evangelisten\nmit grossen Fleiss verfertiget, darbey sich sehr\nund Mässig gehalten. Am verwichenen 6. aber\nist er zwar Irisch und gesund ausgestanden, und hat sich\nangezogen, es hat ihn aber nach 9 Uhr, als er in der Cam-\nmer etwas auffsuchen wollen, eine gehlinge Schwachheit\nmit einem Steck-Fluss übereilet, also dass er darüber zu\nBoden sinken müssen, und sich nicht helffen können, und\nobwohl, als seine Leuthe zu ihm kommen, ihm ausgehol-\nfen, auch alsbald in die Stuben in ein Bette gebracht, er\nsich in etwas wieder erholet und gar verständlich geredet,\nhat ihn doch dieser Steck-Fluss so starck zugesetzet, dass\ner, nachdem er noch diese Worte von sich hören lassen:\n„ „Er slellete alles in Gottes gnädigen Willen\"\", als wenn\ner schlierte, ganz stille liegen geblieben, bis endlichem der\nPulss und Athem allmehlig abgenommen und sich verlo-\nren, und als es 4 geschlagen, endlichen unter dem Gebeth\nund Singen der Umbstehenden sanflt und seelig ohne eini-\nges Zucken verschieden, nachdem er in die 57 Jahre Chur-\nlürstlich Sächsischer Capellmeister gewesen und sein Alter\ngebracht hat auff 87 Jahr und 29 Tage.\"\n„WieSchütz selbst gewünscht, wurden seine irdischen\nUeberreste in der Vorhalle der alten Frauenkirche, wo\nauch seine ihm längst vorangegangene Gattin ihre Buhe-\nstätte gefunden, Sonntag den 17. November beigesetzt. Die\nBeerdigung geschah nach Anordnung des Kurfürsten, der\nhierbei dem heimgegangenen grossen Künstler und treuen\nDiener ein anerkennendes Zeugniss seiner Werthschätzung\nund Zufriedenheit gab. Das llof-Diarium vom Jahre 1672\nsagt darüber Folgendes: „ „Wurde auch des Churfürstlichen\nältesten Capellmeister Heinrich Schützens Leich-Process in\ndie Kirche zu Unserer lieben Frauen gehalten, darbei\nChurfürstl. Durchlaucht Abgesandter dero Geheimer Rath\nvon WolfframbsdorfF wäre und die Leichprepigt der Herr\nOberhoff-Prediger Dr. Geyer ablegte, auch vor und nach\nder Predigt die Churfürstl. deüzsche Musica vier Stücke\nMusicirte, worvon das erste der gewesene Capellmei-\nster Christoff Bernhardt, die übrigen drey aber der seelige\nCapellmeister selbst Vocaliterund com-\nponiret, wie auch noch 1 Stück, so bey Aufhebung der\nLeiche vor dem Sollmischen Hause in der Morilzstrasse\nvon der Cantorey gesungen worden.\"''\n„Die Predigt Dr. Geyer's zollt dem Verewigten die\nhöchste Anerkennung, nicht minder der von ihm getriebe-\nnen Kunst. Interessante Bemerkungen über Kirchenmusik\nund deren Anwendung sind eingellochten, namentlich be-\nfürwortet der Redner den Gebrauch der Instrumente im\nGotteshause. Dagegen eifert er gegen den Verfall der Kir-\nchenmusik unter sichtlicher Bezugnahme auf den herr-\nschenden italiänischen Geschmack am Hofe. So heisst es\nunter Anderem: „ „Hieher gehöret, was so wohl von Alten\nals Neuen Kirchen-Lehrern geklaget worden über die\nungeistlichen, täntzerlichen, ja, lächerlichen singarten und\nmusic, so man in den Kirchen manchmahl zu hören be-\nkömt, da gewiss, so einer mit verbundenen äugen dahinein\nwere gelühret worden, er gäntzlich dafür halten sollte, er\nwere auf einem theatro,da man ein ballet tantzen oder\neine comoediespielen werde.\"\" Eines anderen Theologen\n(Drexelii) Worte erklärt Dr. Geyer so: „ „Verzeihet mir, ihr\nHerren Musiei: ietzt herschet in der Kirche gar eine span-\nneue sing-art, aber ausschweiffig, gebrochen, täntzerlich,\nund gar im wenigsten andächtig; mehr reimet sie sich zum\ntheatro und tantzplatz, als zur Kirche. Kunst suchen wir,\nund hierueber verlieren wir den alten fleis, zu beten und\nzu singen; unserm fürwitz rathen wir, aber in der Wahr-\nheit verlieren wir dabei unsere Gottesfurcht. Denn was\nist diese neue hüpfferliche manier zu singen anders, als\neine comoedia, da die Sänger die agirende personen sein,\nderen bald einer, bald zween, bald alle mit einander heraus\ntretten, und mit gebrochnen stimmen durcheinander re-\nden? itzt hat einer das maul alleine, bald folgen die an-\ndern hernach und überschreien ihn\" u. s. w. Dr. Geyer\nfährt unter Bezugnahme auf Drexelius fort: er „stellet's\ndar, das die üppige Kirchen-music nichts anders in der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.3", "texte": "that sei, als Welsche Sing e-combeziehet sich fer-\nner auf die Tapfern alten Musiwelche weit\nscher und andächtiger mit Gottes rechten umgegangen,\nwen sie selbige als lieder abgesungen. Er mahnet daneben,\ndas man doch verständlich singen wolle.\"\"\n„Schütz bethätigte noch in seinem Testamente die Liebe\nzur Capelle, indem er dem Noten-Archive derselben alle\nseine musicalischen Bücher und Werke vermachte, ein\nunersetzlicher Schatz, der ebenfalls beim Brande 1760\nverloren ging. So war denn Gabrieli's grosser Schüler da-\nhin, gefolgt von der Liebe und Bewunderung seiner Zeit-\ngenossen, der Dankbarkeit seiner Schüler und Untergebe-\nnen, deren Gefühle in den Schlussworten des Magisters\nHertzog in seiner Abdankungsrede ihren klaren Ausdruck\nfanden: „Nun, ihr edlen Musici, ihr Virtmsi und treue\nClienten Eurs eissgrauen Senioris, umfanget und begleitet\nmit Thränen den Cörper des seligen Herrn Capell-Meisters\nzu seiner Grabe-Stätle. Machet und haltet anietzo Ihme\nnach Churfürstlicher gnädigster Anordnung die angestelte\nKirchen-Jfostc bei seiner Bestattung aufs beweglichste,\nund wisset, dass seine letzte Ehre zwar hierdurch erwie-\nsen, die Eurige aber hierdurch wachsen und Euch bey\nHoch und Niedrig noch mehr beliebt machen werde:\n~„lleut trägt man Schützens Kunst, sambt seiner Hand zu Grabe,\nDie unsrer Ho f.-Capell den besten Zieradt gäbe,\nEin Mann, der seinen Gott und Fürsten treu geliebt,\nDies ist die Grabe-Schrift, die ihm Chur-Sachsen giebt!uu*)\n„Johann Georg 111. (geboren den 20. Juni 1647, der\n1680 die Regierung antrat) fühlte trotz vorwiegend krie-\ngerischer Neigungen das lebhafteste Interesse für Musik\nund Theater, welches sich auf mehreren Reisen nach Ita-\nlien nur vermehrte. Durch einen längeren Aufenthalt in\nVenedig (1685) wurde namentlich die Vorliebe für die\nitaliänische Oper, die damals dort in vorzüglichster Weise\nblühte, lebhafter in ihm erregt. In ihr gipfelte sich über-\nhaupt der Fortschritt der ganzen Kunst in dieser Periode:\nVerbesserung des Recitativs und der dramatischen Melodie,\nder allmählichen Heranbildung der Instrumentalmusik zur\nselbstständigen Kunst. Carissimi's Schüler und Nachahmer\nbeherrschten in Italien noch ausschliesslich die Bühne.\nGiov. Paolo Colonna (geb. ums Jahr 1630, f 1695),\nMarc. Ant. Ziani (um 1683 —1714), Domenico Freschi\n(1677 —1685), Francesco Antonio Pislocchi (seit 1679),\nder berühmte Sanger und Gesanglehrer, so wie viele An-\ndere erfüllten die Welt mit ihrem Ruhme. In Frankreich\nführte Lully das musicalische Scepter, und in Deutschland\nbegann die Oper in Hamburg durch Johann Theile (geb.\n1646, gest. 1724, Nicolaus Adam Strungk, Johann\nWolfgangFrancke (1679—1686), Johann PhilippFörtsch\n(1652—1705), Johann Georg Conradi (1691 —1693)\nund Andere zu blühen. Das regste Operntreiben herrschte\njedoch, wie schon gesagt, in Italien und hauptsächlich in\nVenedig. Von 1637 bis 1700 wurden dort 357 Opern\nin sieben Theatern aufgeführt.\n„Johann Georg 111., seit frühester Kindheit am Hofe\ndes Grossvaters und Vaters an vortreffliche Musik- und\nTheater-Aufluhrungen gewöhnt, ja, oft selbst dabei be-\ntheiligt, dachte bei seinem Regierungs-Anlritte nicht daran,\nCapelle und Theater gänzlich eingehen zu lassen, nur Ein-\nschränkungen und Entlassungen nahm er vor, um später\nein desto glänzenderes Personal wieder zu gewinnen.\n„Der neue Regent war übrigens ein lebhafter, rühriger\nHerr, der viel Zeit ausserhalb Dresden zubrachte. Venedig\nmit seinem berühmten Carneval, die verschiedenen Cam-\npagnen gegen die Türken, am Rheine, in Holland u.s.w.,\ndie Jagd und andere Vergnügungen beschäftigten ihn gar\nsehr. Dem unerachtet liebte er auch während seiner An-\nwesenheit in der Residenz glänzende Feste und Zerstreuun-\ngen, wesshalb er einen reichen Cavalier, seinen Günstling,\nFriedrich Adolf von Haugwitz zu Lichtenau (geb. 1637),\nan die Spitze des Hofstaates gestellt hatte. Indessen fand\nsich Johann Georg 111. doch bewogen, „wegen jeuigon\nschlechten Zeiten die Hofstatt so viel möglich einzuziehen\"\nund auch bei der Capelle bedeutende Einschränkungen zu\nmachen. Sämmtliche Italiäner des ersten Chors, so wie\nmehrere Deutsche des zweiten Chors erhielten ihre Ent-\nlassung.\n„Durch Ilescript Torgau den 24. August 1681 ward\nder Entschluss des Kurfürsten kund gegeben, „ „eine völlige\ndeutsche Capell Music zu halten und darauf! jährlich 8000\nThlr. in allem zu wenden\"\" *). Durch Rescript desselben\nDatums ward Bernhard mit 600 Thlr. Gehalt zum Capell-\nmeister und Forchheim mit 450 Thlr. Gehalt zum Vice-\nCapellmeister ernannt**). 'Demnächst bestand die Capelle\naus folgenden Personen:\n„Erster Chor (Primus Chorus):\n„Christoph Bernhard, Capellmeister, 600 Thlr. Joh.\nWilh. Forchheim, Vice-Capellmeister, 450 Thlr. Joh.\n\n*) Nach Schütz' Tode erschien sein von Christian Römstedt vor-\ntrefflich in Kupfer gestochenes Portrait in 4to. Dasselbe (im\nBesitze der Herren C. Kraukling und Hof-Organist J. Schnei-\nder), zeigt den Meister als bejahrten Mann mit kräftigen, aus-\ndrucksvollen Zügen, geschmückt mit einer Gnadenkette, das\nBild Johann Georg'« 11. enthaltend.\n*) Bisher hatte die Capelle 16,700 Thlr. gekostet.\n**) Im Fall BernharcTs Thätigkeit als Informator aufhören sollte,\nwurde ihm Entschädigung versprochen. Er hatte noch 1688\nals solcher 306 Thlr. 6 Gr. Gehalt. Auch bekam er die In-\nspection der «Tmmcalisehen Bibliothec\"."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.4", "texte": "Heinr. Kittel, Organist, 400 Thlr. Johann Jäger, Bassist,\n600 Thlr. 1 Altist 350 Thlr.*). Johann Martin Rössner,\nTenorist, 350 Thlr. 3 Violinisten: Stephan Bingk 350\nThlr., Johann Paul Westhof 300 Thlr., Christoph Richter\n200 Thlr. Paul Keyser, Fagottist, 300 Thlr. 2 musicali-\nsche Trompeter: Simon Leonhard 300 Thlr., Christian\nBenisch 300 Thlr.\n„Zweiter Chor (Sec\n„Hofcantor David Töpfer 300 Thlr. Organist Johann\nChrist. Böhme 200 Thlr. Ahr. Stübner, Altist, 200 Thlr.\n2 Tenoristen: Johann Georg Krause 200 Thlr. und Joh.\nJac. Lindner, zugleich Notist, 200 Thlr. Ephr. Biehner,\nBassist, 300 Thlr. 2 Cornettisten: Salomon Krügner 200\nThlr. und Adam Merkel 200 Thlr. 3 Posaunisten, jeder\n200 Thlr. 2 Calcanten, jeder 40 Thlr. 4 Schallmeipfeifer,\njeder 50 Thlr. Der Hofkirchner 130 Thlr. Orgelbauer\nAndreas Tamitius 60 Thlr. Schlossthürmer Veith 50 Thlr.\n„Summa summarum 7070 Thlr.\n„ Hierzu kamen noch 14 Hoftrompeter (incl. eines Ober-\nHoftrompeters), 1 Heerpauker und 1 Paukenmacher mit\n3700 Thlr. Gagen-Etat, so wie mehrere französische Vio-\nlinisten, deren 1685 sechs (mit 200 Thlr. Gehalt jeder)\nangestellt wurden. Dieselben wurden besonders zur Tafel-\nmusik verwendet, mussten aber auch bei der Capelle mit-\nwirken.\n„Ausserdem finden wir einen Tanzmeister bei den Pa-\ngen und Opern, Bud. Christian de la Marche (250 Thlr.),\nder 1685 starb, worauf Gharle du Meniel an seine Stelle\nriirLtc. Beim Theater war noch der Inspector Seifert an-\ngestellt.\n„Die Inspection und den Musik-Unterricht der Capell-\nknaben hatte, wie früher, der Hoforganist Heinrich Kittel.\nAls dieser 1682 starb, erhielt die Inspection der Bassist\nJäger*), den Musik-Unterricht der Vice-Capellmeister\nForchheim, wofür dieser 50 Thlr. Zulage bekam.\n„Die Gehälterscheinen sehr unregelmässig ausgezahlt\nworden zu sein. Eine Menge Bittschreiben der Capell- und\nTheater-Mitglieder aus den Jahren 1685 —1690 ersu-\nchen um nur theilweise Aushändigung der restirenden\nGelder. Johann Georg's 111. Kriege verlangten viel Geld,\nund so war es kein Wunder, dass zuweilen Ebbe in de\nCassen eintrat.\n„Der Dienst der Capelle scheint während der ersten\nRegierungsjahre Johann Georg's 111. nicht sehr anstren-\ngend gewesen zu sein. Der Kurfürst unternahm, wie be-\nreits eszählt, viele Reisen. Hauptsächlich war die Kirchen-\nmusik das Feld, auf welchem sich die Thätigkeit der „Chur-\nfürstlichen Music\"bewegte. Hier war es vorzüglich Bern-\nhard, welcher sich auszeichnete; er war nun nicht mehr\ngehemmt durch Cabalen und Intriguen der Italiäner und\ndurchlebte die noch übrige Zeit seines Lebens mit thätig-\nstem Bestreben, immer Gutes zu schaffen und wo nur\nmöglich nützlich zu sein. Wirklich auch war er, sowohl\nals praktischer wie als theoretischer Künstler und zugleich\nals Mensch, ein vielverdienter Mann, was selbst der Kur-\nfürst anerkannte und dadurch zu belohnen suchte, dass er\nalle Kosten übernahm, welche das Studium zweier Söhne\nBernhard's (Theodor und Christ an) verursachte. Sein Col-\nlege Forchheim starb schon den 22. November 1682.\no\nAn dessen Stelle kam auf Empfehlung Bernhard's Chri-\nstian Ritter (bis dahin schwedischer Vice-Capellmeister),\nzugleich als Kammer-Organist (1683). Derselbe hatte\nausser den schon bekannten Dienstleistungen eines Vice-\nCapellmeisters „ „an denen Fest- und Sonntagen nach Er-\nfordern die Grosse oder Kleine bey der Taffei\noder wo es sonst nöthig, das Kleine zu\ntiren, Und da der Hoff-Organist wegen Unpässlichkeit oder\nanderer unvermeidlicher Verhinderungen halber nicht auff-\nwarten könnte, damit bey dem Gottesdienste kein Mangel\nsey, in denen Wochenpredigten und die\nzu schlagen.\" \"\n\n*) „Wofern einer mit völliger und gantzer Stimme zu erlangen,\nim fall aber nur ein Falsetist bestellet würde, sollen ihm mehr\nnicht als 300 Thlr. gegeben werden.\"\n**) Johann Jäger, ein alter kurfürstlicher Diener, erhielt 1690 das\nPrädicat als Geheimer Kammerdiener „ohne wirkliche Aufwar-\ntung\" und die Aufsicht über das Residenzhaus auf der Kreuz-\ngasse. Dafür bezog er, unbeschadet seiner Capell-Besoldung,\n200 Thlr. Gehalt, eine Dienstwohnung im Residenzhause und\ndie Erlaubniss, „freien Bierschank\" daselbst zu halten. Er starb\n1696. Im Jahre 1684 beklagte er sich, dass er bei Erhaltung\nder Capellknaben seit zwei Jahren 100 Thlr. zugesetzt habe\nEr bekam nun für jeden wöchentlich 1 Thlr. 16 Gr.\n\nHans Seeling.\n(Nekrolog.)\n\nHans Seeling, dessen frühen Tod wir in Nr. 24\ngemeldet haben, ist im Jahre 1829 zu Prag geboren und\nverrieth frühzeitig ungewöhnliche Begabung für die Musik.\nNach Absolvirung der Gymnasial-Studien trat er auf den\nWunsch seiner Eltern in die juristische Facultät, absolvirte\ndieselbe im Jahre 1848, erklärte jedoch, sich fortan den\nmusicalischen Studien und der weiteren Ausbildung seines\nvirtuosen Pianospiels widmen zu wollen, in welchem er es\nin Bezug auf den Vortrag zu einem Grade der Vollkom-\nmenheit brachte, der ihn über jene Zahl der Virtuosen,\nwelche auf die brillante Executirung einiger wenigen,\nnach unendlichen Mühen eingeübten Stücke zu reisen pfle-\ngen, weit erhob. Er begab sich zu seiner weiteren Aus-\nbildung nach Paris, später, als er sich mehr mit der Com-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.5", "texte": "Position beschäftigte, und wahrscheinlich auch durch die\nAnzeichen eines Brustübels bewogen, nach Italien, wo er\nin Venedig einen längeren Aufenthalt nahm. Als er sich\nwieder gekräftigt fühlte, entschloss er sich zu einer Kunst-\nreise nach dem Orient. Er reiste über Bucharest nach\nKonstantinopel, in welchen beiden Städten er concerlirte,\nund besuchte sodann Palästina. Ein Sturz vom Pferde war\nUrsache, dass er den Rückweg nach Europa antrat. See-\nling begab sich vorerst wieder nach Venedig und reiste\nsodann an den Rhein, wo er in mehreren Städten mit\ngrossem, ja, glänzendem Erfolge Concerte gab. Nach einem\nabermaligen Aufenthalte in Paris besuchte er vor zwei\nJahren bereits körperlich sehr leidend—seine Vaterstadt\nPrag u nd gab da zwei recht besuchte Concerte, über de-\nren höchst ehrenvollen Erfolg in vielen Blättern be-\nrichtet wurde. Während dieser Zeit erschienen schon meh-\nrere Piano-Compositionen Seeling's im Musicalienhandel in\nLeipzig. Um eine Angelegenheit, die sich auf die Gesammt-\nAusgabe seiner bisher beendeten Werke bezog, zu ordnen,\nbegab er sich sodann über Leipzig, wo er mit Auszeich-\nnung im Gewandhause concertirte, nach Paris. Nach nicht\nlangem Aufenthalte kehrte er nach Prag zurück, so ge-\nschwächt, dass sein Zustand die ernstesten Besorgnisse her-\nvorrief; dennoch war er unermüdet in künstlerischem\nSchaffen. Die Gesammt-Ausgabe seiner Compositionen\nhatte die Firma Berthold Senft in Leipzig übernommen,\nund er war, während er an neuen Werken unablässig ar-\nbeitete, immer bemüht, ältere zur Herausgabe vorzuberei-\nten. Während er sich mit dem Componiren eines grossen\nTrauermarsches beschäftigte, warf ihn zu Anfang dieses\nJahres ein erneuter Anfall seiner Krankheit so heftig nie-\nder, dass man sein Leben nur noch nach Stunden zählen\nzu dürfen glaubte. Nichts desto weniger erholte er sich\nwieder, und er ging, sobald es der Arzt gestaltete, an seine\nmusicalischen Arbeiten. Er bereitete Manuscripte zum\nDrucke vor und legte die letzte Hand an den Trauer-\nmarsch; am 23. Mai d. J. vollendete er das Trio am\n25. Mai war der Künstler eine Leiche. Er starb um 5\nUhr Nachmittags an der Lungen-Tuberculose.\nSeeling besass neben seinem künstlerischen Talente,\nwelches sich vorzüglich in der musicalischen Darstellung\ntiefinniger Stimmungen charakterisirte, ein reiches Wissen,\nvielseitige Erfahrung, scharfe Beobachtungsgabe und war\nvon den gewinnendsten Umgangs-Manieren. Der tragische\nSchmerzenszug eines dem Tode entgegeneilenden Lebens\nklingt auch in seinen Tondichtungen an in seinen spä-\nteren werden diese Anmahnungen immer düsterer —, be-\nsonders in den Todtenglocken-Klängen des inhaltsvollen\nTrauermarsches. Bei allem dem ist aber in Seeling's Arbei-\nten nichts Forcirtes und Ueberreiztes; überall bleibt die\nForm durchsichtig, klar und fest; nirgends verliert sich die\nEmpfindung ins Verschwommene, Unbestimmte oder Grü-\nbelnde. Helle und brillante Farben heben sich in seinen Com-\nposilionen gar oft von dem düsleren Grunde ab, und die\nGrazie spielt darin oft eigentümlich reizend mit dem\nSchmerz und der Wehmuth. Mittwoch am 28. Mai um 6\nUhr Abends wurde sein Leichnam zu Grabe getragen.\n\nP. M.\n\nAus Amsterdam.\n[Concert der Gesellschaft zur Beförderung der Ton-\nkunst Concert von van — Concerte iin Haag\nin Middelburg Dordreclit. August Kömpel.]\nDen 10. Juni 1862.\nDas dritte und letzte Fest-Concert der Gesellschaft zur\nBeförderung der Tonkunst fand am 7. Mai unter Mitwir-\nkung der Frau Offermans van Hove und des Herrn Karl\nSchneider aus Wiesbaden Statt. Das Programm war we-\nnigstens mannigfach genug, denn es brachte ausser zwei\nNummern von niederländischen Componisten—einer Can-\ntate von Franz Coenen und einer Ouvertüre von Rieh.\nHol —den 137. Psalm von Vierling, das geistliche\nAbendlied von Karl Reinecke und die Lorelei von\nFerd. Hiller.\nDie Compositionen von Hiller und Reinecke erhielten\nden Preis des Abends. Der Psalm von Vierling, der die\nFarbe Schumann'scher Art und Weise an sich tragi, ohne\nden Werken dieses grossen Meisters annähernd gleich zu\nkommen, wurde weniger verstanden; das Publicum muss\nihn erst öfter hören, um sich gewissenhafte Rechenschaft\ndavon zu geben. Auch liess die Ausführung viel zu wün-\nschen übrig.\nDie beiden National-Compositionen waren in solcher\nUmgebung der schwächste Theil des Programms. DieCan-\ntate von F. Coenen ist correct geschrieben, allein diese\nEigenschaft reicht heutzutage nicht hin, ein Kunstwerk\nzu schaffen.\nFrau Offermans hat die Lorelei ganz vortreff lich ge-\nsungen und war wie immer die Gefeierte des Abends.\nAber auch Herr Schneider, der mit einer so sympathi-\nschen Tenorstimme begabt ist, gefiel und wurde mit Ap-\nplaus überhäuft.\nWas sollen wir von dem Chor, dem Orchester und\nder Direction sagen? Es bleiben immer überall dieselben\nschwachen Seiten, dieselben Mängel. Es wäre Zeit, an\ngründliche Abhülfe zu denken, während man im Begriffe\nist, diesen musicalischen Verein, welcher gediegene Ten-\ndenzen hat und das Beste will, zu reorganisiren."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.6", "texte": "Das letzte Concert von van Bree war wie immer na-\ntionalen Compositionen gewidmet, womit man in den letz-\nten Jahren aus übergrossem patriotischem Eifer einen wah-\nren Missbrauch treibt. Das ganze Concert war eigentlich\neine Parodie und das Publicum entsetzlich gntmüthig!\nHerr Hol schien ganz zu vergessen, dass er vor einer Zu-\nhörerschaft dirigirte, und liess mehrere Theile seiner Com-\nposition wie bei einer Probe wieder von vorn anfangen.\nEs war komisch und peinlich zugleich, eii.e solche Behand-\nlung aller dieser Werke holländischer Tonkünsller zu se-\nhen, unter denen ein sehr schöner Chor von Heinse allein\nauszuzeichnen war.\nIm Haag hat Verhülst die Diligentia-Concerte auf eine\nhohe Stufe gebracht. Die grossen Meister werden da so\nbehandelt, wie sie es verdienen, und die Ausführung ihrer\nWerke ist vortrefflich.\nWie aber auch in weniger grossen Städten Hollands\ndie classische Musik gedeiht, davon gaben die letzten Con-\ncerte in Middelburg und besonders auch in Dordrecht (un-\nter Leitung von F. Böhme) erfreuliche Beweise. In Mid-\ndelburg wurden die Ouvertüren „Meeresstille und glück-\nliche Fahrt\" von Mendelssohn und zur Leonore von Beet-\nhoven gemacht. Dazwischen trug Herr Bergstein aus\nAachen Arien von Mendelssohn (aus dem Elias) und Mo-\nzart vor, und August Kömpel, der Löwe des Abends,\nspielte Beethoven's Violin-Concert, die Gesangscene von\nSpohr und Variationen von Vieuxtemps. Die gespannteste\nAufmerksamkeit begleitete seine Vorträge und enthusiasti-\nschpr Applaus und Fanfaren des Orchesters folgten ihnen.\nIn Dordrecht brachte das letzte Concert die Sinfonie\nNr. 11. in D von Beethoven, eine Ouvertüre Nr. VII. von\nF. Böhme, den 95. Psalm von Mendelssohn, die Frühlings-\nbotschaft von Niels W. Gade, Sologesänge von C. M. von\nWeber, Gluck und Hauptmann, das Violin-Concert von\nMendelssohn und eine Phantasie von Spohr über Motive\naus Jessonda! Was sagen Sie zu diesem Reichthum? Da-\nmit wurde eine glänzende Ovation für Herrn Kömpel\nverbunden, welcher mit classischer Meisterschaft die ge-\nnannten Violinsachen vorgetragen hatte. Nach der Phan-\ntasie, die ans Ende des Programms gestellt war, hielt der\nPräsident der Concert-Gesellschaft eine sehr schmeichel-\nhafte Anrede an den trefflichen Künstler, überreichte ihm\nzur Erinnerung und als Zeichen der Verehrung einen präch-\ntigen Kasten für zwei Violinen von kostbarer japanischer\nArbeit und zugleich unter schmetternden Fanfaren und\nstürmischem Applaus das Diplom als erstem Ehren-Mitgliede\nder Concert-Gesellschaft. Nachher brachte der Musik- und\nSängerchor dem gefeierten deutschen Künstler noch eine\nSerenade.\n\nAus Utrecht.\nWir vernehmen, dass der städtische Musik-Director\nJohann Hermann Kufferath bei der städtischen Be-\nhörde um seine Entlassung eingekommen ist, die ihm auf\ndie ehrenvollste Weise unter warmer Dankbezeigung für\nseine langjährigen Dienste und so erfolgreichen Bemühun-\ngen um die musicalischen Zustände der Universitätsstadt\nUtrecht, zugleich mit Bewilligung einer Pension erlheilt\nworden ist.\nJ. H. Kufferath, aus einer rühmlich bekannten musi-\ncalischen Familie in Rheinpreussen stammend, ist einer von\nden um die Musik in Holland hochverdienten Veteranen\nder deutschen Tonkunst, welche die gegenwärtige Aera\ndes übertriebenen und das Locale überschätzenden musi-\ncalischen Patriotismus von Jung-Holland noch erleben, und\nleider Zeugen sind von der Undankbarkeit heutiger nieder-\nländischer Kunstjünger und aufgeblasener kritisirender\nSchriftsteller gegen ihre Lehrer, die Deutschen. Um so\nerfreulicher ist, den mancherlei Umtrieben jener Partei\ngegenüber, der Beweis der Anerkennung der Verdienste\nKufferaths durch die bereits vor Jahren von Sr. Majestät\ndem Könige von Holland vollzogene Verleihung des Ordens\nder eichenen Krone an ihn und durch die gegenwärtige\nPensions-Bewilligung und Danksagung von Seiten der Stadt.\nKufferath hat 32 Jahre lang in Utrecht als Lehrer, Diri-\ngent und Componist gewirkt, das dortige Orchester gegrün-\ndet und gebildet, die Stadt-Concerte und die Studenten-\nConcerte dirigirt, die städtische Singschule und den Sing-\nVerein, welcher auch Werke mit vollem Orchester auf-\nführt, geleitet und in allen Theilen dieses ausgedehnten\nWirkungskreises eine eben so kenntnissvolle als praktisch\nerfolgreiche und eifrige Thätigkeit entwickelt, welche den\nSinn für die wahre Kunst und die Werke ihrer classischen\nMeister überall gefördert hat, und bei allen wirklichen\nKunstfreunden in Utrecht in dankbarem Andenken blei-\nben wird.\n\nAus London.\nIn seinen „Berichten über die Ausstellung in London\"\nschreibt M. Hartmann unter Anderem: Ich gehe zu einem\nAnderen über, das für die Fremden und besonders für die\nDeutschen eine grosse Anziehungskraft haben muss. Ich\nmeine das grosse Händel-Fest im Krystallpalast zu Syden-\nham. Ich werde mich nicht so lächerlich machen, nach\ndem eben abgehaltenen kölnischen Musikfeste, das mir von\nallen Seiten als ein wahres Ideal eines solchen Festes ge-\nschildert wird, und überhaupt in die Musik-Hauptstadt des\nRheinlandes über Händel schreiben zu wollen, aber ich"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.7", "texte": "darf doch sagen, dass der erste der drei Tage mit seinem\n„Messias\", mit den viertausend Musikern und Sängern in\ndem feenhaften Gebäude etwas ganz Ausserordentliches,\netwas ganz Grosses war, das seines Gleichen in der Welt\nnur schwer finden dürfte. 0 des Eindrucks, wenn diese\nTausende von Stimmen die gewaltigen Chöre sangen, be-\ngleitet von diesem herrlichen Orchester und dieser Orgel,\neiner der grössten der Welt! Dass 16,000 Menschen\nda waren, machte keinen Eindruck. Man behauptet, weil\nsie in dem gewaltigen Gebäude verschwinden mussten, ich\nglaube aber, weil zum Singen und Hören dieser Chöre\nVölker und Myriaden gehören. Die Soli wirkten ganz eigen-\nthümlich; da sie in dem grossen Räume verschwinden\nmussten, klangen sie wie aus unendlicher Ferne, wie aus\njener Ferne, in der jener Glaube, jene Seligkeit, jener Ju-\nbel der Händel'schen Musik zu Hause sind, wie Stimmen\naus einer anderen Welt, die durch unsere Nebel dringen.\nNur Eines störte. Vor dem Orchester, das von einer\ngewaltigen Halbkuppel überwölbt ist, standen als Verzie-\nrungen viele, viele Statuen, sämmtlich antik, die meisten\nnackt: eine Venus, ein Amor, eine Psyche, eine Jägerin\nDiana, eine ganze Zahl von Nymphen. Das stach gräulich\ngrell von der Welt ab, die man, über die Götter hinweg-\nblickend, jenseits im Orchester mit dem Ohr und mit der\nSeele hörte. Es ist das eine unkünstlerische> tactlose,\nschmerzlich störende Anordnung. Wer hebt nicht die grie-\nchischen Götter?—aber wer will eine Nymphe sehen, wäh-\nrend man ihm singt: 0 Du, der gute Zeitung bringst nach\nZion! Welche verschiedene Welten sind da grausam an\neinander gekettet! Es ist überhaupt ungeschickt, dass man\nauch die Halbkuppel, unter der meist deutsche Musik und\nzumeist Händel aufgeführt wird, griechisch-römisch deco-\nrirt hat; keine unserer Künste hat mit der antiken Welt\nso geringe Verwandtschaft, wie unsere Musik.\nVon Concerten sei nur das 99. „populäre Montags-\nConcert\" in St. James' Hall als eines der interessantesten\ngenannt. Es wurde zum Vortheil Emst's, des grossen Vio-\nlinisten, gegeben und führte dessen neuestes Werk, ein\ngrosses Quatuor, seine bekannte Elegie und Stephen Hel-\nler's reizende Pensees fugitivesvor. Das Quatuor ist ein\nWerk voll Phantasie und Anmuth und wird in seiner Aus-\narbeitung als ein Meisterwerk gerühmt. Dass es Ernst's\nund seiner selbst würdig aufgeführt wurde, sagen die Na-\nmen Joachim, Laub, Molique, Piatti. Ein solches Quatuor\nist wohl selten zusammengestellt worden. Composition und\nExecutanten wurden mit Enthusiasmus aufgenommen, eben\nso die liebe alte Bekannte, die Elegie, die Joachim mit einer\nWärme, einer Hingebung, einer Rührung vortrug, dass\ndem kranken Meister in Nizza um diese Stunde nicht nur\ndie Ohren, auch das Herz elegisch geklungen haben möge.\nMöge er doch bald genesen und sich der Liebe erfreuen,\ndie ihm bei Künstlern und Publicum überall neu erwacht,\nseit man weiss, dass er leidet, und seit man ihn entbehren\nmuss! Es war eine eigentümlich gerührte und gehobene\nStimmung, die während dieses Concertes auf Künstlern\nund Publicum lagerte; sie war ein beredtes Zeugniss, wie\neng die Bande sind, welche wahrhafte und wahrhaft ge-\nachtete Künstler um die Gemüther von Tausenden, aus\nder Ferne wie aus der Nähe, schlingen können. Auch\nllallö, den tadellosen, und einen jungen talentvollen Cel-\nlisten, Davidow aus Russland, bekam man bei dieser schö-\nnen Gelegenheit zu hören.\n\nNach Rotterdam.\n\nGeehrter Herr\nIhre freundlichen Zeilen vom 1. d. Mts. habe ich erhalten. Ich\nkann die Beschwerden über den Inhalt der Correspondenz aus Rot-\nterdam in Nr. 25 der Niederrh. Musik-Zeitung „über die deutsche\nOper\" keineswegs für begründet halten; wenn eine so ehrenvolle\nSchilderung der Resultate Ihres verdienstvollen Unternehmens,\nder deutschen dramatisch-musicalischen Kunst in Holland eine Stätte\nzu gründen, „mehreren dortigen Kunstfreunden Aerger erregt hat\",\nso begreife ich in der That nicht, mit welchem Rechte diesen Aer-\ngerlichen der Name Freunde der Kunst zukommen darf, da sie\nallem Anscheine nach nur Freunde eines oder des anderen Künst-\nlers sind. So ehrenwerth eine solche persönliche Freundschaft oder\nGunst sein kann, so darf sie doch, weil X. nicht so lobend bespro-\nchen ist, als alle Uebrigen von 4. bis Z., desshalb nicht zu Vor-\nwürfen von „absichtlichem Ignorirenu, vo« „mangelhafter Wahrheits-\ntreue\" eines Correspondenten übergehen. Wenn Qo*.oike die „Lor-\nberkränze\" und die „Blumenspenden\" nicht erwähnt hat, so\naus dem einfachen Grunde geschehen, weil alle meine Correspon-\ndenten wissen, dass ich nichts, gar nichts von Kranz- und Blumen-\nRecensionen der Menge halte, sondern begründete Urtheile wünsche\nund jene Komödien den Tlieater-Zeitungen zu schildern überlasse,\nHerr Grimmingerist bei uns in Deutschland, wie Sie wissen,\nnicht unbekannt; Sie können also leicht denken, dass wir über seine\nVorzüge, wie über seine Schwächen nicht erst durch das Publicum\nvon Rotterdam aufgeklärt zu werden brauchen; wir haben aber ge-\nfunden, dass Ihr Publicum mit uns im Ganzen übereinstimmt, was\nwir aus den nicht zu läugnenden Thatsaclien, z. B. der Nichtwieder-\nholung von Boieldieu's „Weisse Dame\" bei einem für gute Musik\nso empfänglichen Publicum, und aus der Uebereinstimmung unserer\nbeiden Herren Correspondenten ersehen. Wenn Sie Sich die Müho\ngeben wollen, die Urtheile über Herrn G. in den Beriohten aus\nRotterdam in der Niederrh. Musik-Zeitung nachzulesen, so\nwerden Sie sehen, dass uns auch von dorther schon im Jahrgang\n1860 (Nr. 47 vom 17. November) derselbe „als ein denkender\nKünstler von einer Bildung, die unter seinen Standesgenossen nicht\neben gewöhnlich ist\", geschildert worden, „den höchst vorteilhaft\ndas Streben auszeichnet, seine Rollen zu durchgründen\" u. s. w.\nDass aber diese Anerkennung von Vorzügen durchaus nicht blind\ngegen die Mängel macht, das erwarten wir von jedem gewissenhaf-\nten Recensenten. Vergleichen Sie dann im Jahrgang 1861 Nr. 14\nvom 6. April, Nr. 23 vom 8. Juni und Nr. 52 vom 28. December.\nso werden Sie Sich von der Unparteilichkeit und von der Berechti-\ngung meiner Herren Correspondenten zum l'rtheilen in musicali-\nschen Dingen überzeugen. Ich kann in Bezug auf den letzten Ar-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620705-01.1.8", "texte": "tikel in Nr. 25 d. J. nur das Eine zugeben, dass der Ausdruck :\n~ Man gel eines ersten Tenors\", für „das Ungenügende\" auf Rech-\nnung des Stils eines deutsch schreibenden Ausländers zu setzen ist.\nEben dahin gehört, dass Herr G. „der Bühne Lebewohl sagen wolle\",\nwas sich nur auf die rotterdamer Oper beziehen soll, bei welcher»\nwie Sie selbst schreiben, derselbe nicht wieder engagirt ist. Gern\nregistrire ich aber, dass Herr G. bei Ihnen „in der vorletzten Saison\nin neun von den dreizehn Opern des Repertoires, und in der letzten\nin dreizehn von den einundzwanzig Opern die Haupt-Tenorpartie\ngesungen hat\".\n\nProf. L. Bischoff,\nHerausgeber der Niederrh. Musik-Zeitung.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Die Geschwister Juliettc und Julia\naus Frankreich, jene 9, diese 6 Jahre alt, sind als Violinspielerinnen\nvorgestern im Victoria-Theater aufgetreten. Wir können nur bestäti-\ngrn, was die bedeutendsten Blätter des Auslandes, die musicalischen\nZeitungen von Paris, ferner die Revue des deux Mondes, der Moni-\nteur u. s. w., in London die Times, der Morning Ilerald u. s. w.\nüber das wirklich wunderbare Spiel dieser allerliebsten Mädchen ge-\nsagt haben. Namentlich ist die älteste, Juliette ein\ngeniales Mädchen; ihre Technik hat eine Höhe erreicht, deren Be-\nwunderung nur von dem Eindruck noch übertroffen wird, den ihr\ninniges, seelenvolles Spiel der Melodie erzeugt. Von ähnlichen Er-\nscheinungen haben wir seit dem ersten Auftreten von Therese Mi-\nlanollo nichts gehört, was ihren Leistungen auch nur entfernt an die\nSeite gestellt werden könnte.\nTrotz der Vorurtheile, welche gegen die musicalischen Wunder-\nkinder gäng und gebe sind und besonders gern durch Musiker von\nFach verbreitet werden, die da vergeben, dass der grösste Musiker\nder AVeit, W. A. Mozart, r'iola ciu Wunderkind war, und Mendels-\nsohn und viele ~*Atiere berühmte Tonkünstler dessgleichen, bleibt\nihre doch immer ein Phänomen, das von einer aus-\nnahmsweisen Organisation der menschlichen Natur für die Entwick-\nlang der musicalischen Anlage Zeugniss gibt, indem für keine an-\ndere Kunst oder Wissenschaft das Genie so früh durchbricht und\nder damit eng verbundene Fleiss so bald zu Resultaten führt, die\nin Erstaunen setzen. Denn darin liegt eben das Genie, dass der be-\nharrliche Fleiss und die Kraft der Ausdauer durch nie rastenden\nI rieb mit der Kraft der geistigen Anlage zugleich von der Natur\ngegeben ist, und es ist nichts alberner, als dass wirklich künst-\nlerische Leistungen solcher Kinder, wie die Milanollo's und diese\nsind, durch strenge Zucht, Abrichtung oder gar Straf-\nPädagogik erzielt werden könnten. Am unvernünftigsten erscheinen\ndergleichen Aeusserungen im Munde von Musikern, die dadurch das\nPrivilegium von Gottes Gnaden, welches sie für die Kunst und folg-\nlich für sich selbst in Anspruch nehmen, für abgestandenen Aber-\nglauben erklären. Nein, wer diese Juliette sieht und hört, der\nwird nicht nur den Grad der technischen Vollendung ihres Spiels,\nden sie in so zartem Alter erreicht hat, bewundern, sondern er wird\ndurch den Ausdruck ihres Vortrags den Glauben an den göttlichen\nFunken, der, ihr selber unbewusst, in ihrem Herzen glüht, wahr und\ntief empfinden. Dabei ist an diesen beiden Kindern Alles Anmuth\nund Grazie; Frische und Freudigkeit blickt aus ihren Augen und\nZügen und erhöht den Reiz ihres Spiels, weil keine Spur von ge-\ndrücktem Wesen oder eingeschultem Zwang einen störenden Ein-\ndruck auf uns macht.\nIm Theater in der Stadt (Schildergasse) brachte uns das verbun-\ndene Gastspiel der Mitglieder des königlichen Hoftheaters in Ber-\nlin, Ffttulein Therese Döllinger und der Herren Bcrndal\nund Braunhof er, einen ausgezeichneten Kunstgenuss. Das vor-\ntreffliche Spiel dieser Künstler weckte die sehr schwach gewordene\nTheilnahme des kölner Publicums für das recitirende Drama wieder\neinmal in erfreulicher Weise, was nicht nur die vollen Häuser, son-\ndern auch der richtige Tact der Zuhörerschaft für die wirklichen\nVorzüge und Feinheiten der Darstellung, sowohl in Bezug auf die\nindividuelle Charakteristik und Objectivirung der einzelnen Rollen,\nals auf das Zusammenspiel, bewies. Die besten Vorstellungen waren\ndie „Karlsschüler\" von Laube, die „Mathilde\" von Benedix und\nmehrere einactige Lustspiele. Hoffen wir, dass die zum 1. October\nbevorstehende Eröffnung des endlich wieder aufgebauten und neu\neingerichteten Stadttheaters, welches drei Jahre lang in Trümmern\ngelegen hat (!), das Publicum in der günstigen Stimmung wieder-\nfinde, welche es bei jenen Darstellungen gezeigt hat.\nZu unserem Erstaunen lesen wir so eben in den wiener „Recen-\nsionen\" Nr. 25: „Die General-Intendantur der k. Schauspiele zu\nBerlin hat den Mitgliedern der k. Bühne, welche sich zu einem\nGastspiel auf dem kölner Sommertheater vereinigt das Gast-\nspiel untersagt, da sie es nicht für geeignet hält, in einem Thea-\nter zu spielen, in welchem sich das Publicum der Unsitte des Rau-\nchens hingibt.\" Die oben gegebene Nachricht widerlegt diese\nNotiz, deren Quelle nicht angegeben ist, vollständig. Herr von Hül-\nsen war auf seiner Reise nach London zugleich mit den genannten\nHofschauspielern hier und nahm auch das Victoria-Theater in Augen-\nschein. Die Gäste haben zwei Mal in diesem Theater, wo übrigens\nnicht geraucht wird, und die übrigen vier oder sechs Mal im\nso genannten Vaudeville-Theater in der Stadt gespielt.\nRotterdam. Sicheren Mittheilungen nach sind für die\nnächste Saison der deutschen Oper in Rotterdam engagirt die\nSängerinnen Frau Kapp-Young aus Kassel, Frau Deetz aus\nWiesbaden und für Coloratur-Partieen Fräulein Weyringer, die\nvor einigen Jahren bei der Opern-Gesellschaft in Amsterdam be-\nschäftigt war; der Tenor Herr Karl Schneider aus Wiesbaden\nund der Tenor Herr Altmann, der Bass-Buffo Herr Becker aus.\nKassel. Der vortreffliche Sänger Herr Dalle-Aste bleibt bei der\nhiesigen Oper, deren Zierde er bisher war.\nOper in Havannah. Die Sängerin Tietjens, gegenwärtig\nin London, ist von dem italiänischen Opern-Unternehmer Ma-\nretzek für die Oper in Havannah engagirt. Auch der berühmte\nTenorist Mazzoleni geht dorthin."}]}