{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-07-12-01", "volume": "bmtnabi_1862-07-12_01", "ocr_sha256": "13525d478744cebec094903562e4e3df018e507ce81d2cb3793f93a5acab612e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/07/12_01/bmtnabi_1862-07-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-07-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "217", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 467, "texte": "Inhalt.\nDie italienischen Musiker an deutschen Höfen im XVII. Jahrhundert. Das Sängerfest zu Lille, den 29. und 30. Juni.\n\\onL. K. Aus Aachen (Schlechte Saison Concerte Oper). Von N. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Geschwi-\nster Del<Spierre, Frau Frieb-Blumauer, Männer-Gesangverein Berlin, Gastspiele Hannover, Ordens-Verleihungen Darmstadt, Herr\nKette Leipzig, Feier der Anwesenheit des Königs von Sachsen Baden-Baden, das neue Theater Würzburg, Concert Wien)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-07-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "221", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.2.2", "titre_corps": "Die italiänischen Musiker an deutschen Höfen im XVII. Jahrhundert.", "titre_sommaire": "Die italiänischen Musiker an deutschen Höfen im XVII. Jahrhundert.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.1", "debut_caractere": 469, "fin_caractere_exclue": 4143, "texte": "Die italiänischen Musiker an deutschen Höfen im\nXVII. Jahrhundert.\nEs ist bekannt, dass Italien im siebenzehnten Jahr-\nhundert das gelobte Land der Musik war. Als in Deutsch-\nland nach dem dreissigjährigen Kriege endlich ruhigere\nZeiten eintraten, begannen die deutschen Fürsten, obwohl\ndie Wunden, welche der Krieg dem Wohlstande des Vol-\nkes geschlagen, noch lange nicht verharscht waren, gar\nbald an ihren Höfen ein Leben voll Pracht und Ueppig-\nkeit, das für die Entwicklung der Kunst in so fern eine\nfördernde Bedeutung hatte, als Musik und Gesang nach\ndem Vorgange Italiens und Frankreichs ein Haupt-Be-\nstandtheil bei den Festlichkeiten und ein stehender Luxus\nder Höfe wurden.\nDer unselige Krieg hatte nicht nur das Vaterland zer-\nrissen und das materielle Wohl zerstört, sondern auch\ndeutsches Wesen und deutsche Sitte durch den Einbruch\nder Ausländerei untergraben, deren verderblichen Einfluss\nSprache, Literatur, Poesie und Tonkunst lange büssen\nmussten. Wohl hatte auch die deutsche Musik in jener\nEpoche die Wirksamkeit und Tüchtigkeit von Männern\naufzuweisen, wie Heinrich Schütz, Samuel Scheidt, An-\ndreas Hammerschmidt, Johann Rosenmüller, Jakob Fro-\nberger, Johann Pachelbel, Matthias Weckmann, Christoph\nBernhard u. A., welche namentlich die Kirchenmusik und\ndas Orgelspiel auf eine bedeutende Höhe brachten. Aber\nes konnte diese ernsteste und edelste Gattung der Ton-\nkunst bei der überhand nehmenden sinnlichen Prunk- und\nVergnügungssucht keinen Damm bilden gegen die melodi-\nschen Fluten, welche über die Alpen hereinbrachen. Auf\nihnen schwammen zauberhafte Fahrzeuge daher, deren\nSegel der schmeichelnde Hauch des Südens schwellte und\naus denen der süsse Heiz wunderschöner Stimmen mit\nalle Sinne fesselnder Gewalt erklang.\nSo wurde Italien durch das neu geschaffene musica-\nlische Drama und durch seine Sängerschulen Herrscherin\nim Reiche der Tonkunst, und die deutschen Höfe wett-\neiferten in Anstellung und Begünstigung italiänischer Sän-\nger und Instrumentalisten, besonders Geiger, wiewohl die\nletzteren doch niemals so hoch besoldet wurden, als die\nSänger, auch nicht so anmaassend und allmächtig wur-\nden, wie diese. Der Gesang der männlichen Sopranisten\nund Altisten (der Castraten) kam in Italien am Ende des\nsechszehnten Jahrhunderts auf; bis 1600 wurden die So-\npran- und Alt-Partieen in den Kirchen von Knabenstim-\nmen oder Falsetsängern, die meistens von spanischer Her-\nkunft waren, gesungen. Papst Clemens VIII. (1592 —1605)\nbegünstigte durch ein Breve die Verstümmelung\nlorem Dei gbriam\"und stellte im Jahre 1601 den ersten\nCastraten in der päpstlichen Capelle an. Er hiess Girolamo\nRossini und war aus Perugia. In Deutschland wusste man\nauch schon im Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts\num die Existenz dieser neuen Sorte von Sängern, wie aus\neinem Schreiben an den Kurfürsten Georg I. von Sachsen\n(bei Fürstenau „Zur Geschichte der Musik in\nDresden\", 1., S. 3) vom Jahre 1613 hervorgeht. Ihr\neigentliches Regiment begann aber erst gegen 1650 und\ndauerte dann an anderthalb Jahrhundert.\nDer Kurfürst Johann Georg 11. von Sachsen schätzte\nund belohnte zwar alle bedeutenden Tonkünstler seiner\nZeit, allein die Italiäner überhäufte er mit Gunstbezeigun-\ngen, deren sich kein Deutscher rühmen konnte, wiewohl\ner zuweilen ganz unverschämt von ihnen angeführt wurde,\nz. B. von einem Altisten Contili in Wien, der 200 Thaler\nReisegeld annahm, aber nicht kam und nachher behaup-\ntete, der Kurfürst habe sie ihm geschenkt.\n„Im Jahre 1650 u —sagt Fürstenau a. a. o. „rich-\ntete Johann Georg 11. einem italiänischen Musiker seine\nHochzeit auf dem Schlosse aus. Ein anderes Mal stand er\nbei dem Capellmeister Albrici Gevatter und liess dessen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5478, "texte": "Knaben Johann Georg taufen. Italiänische Sänger erhiel-\nten bedeutende Ilofämter. So wurden z. B. die Castraten\nDomenico Melani und Bartolomäo Sorlisi „ „Geheime Käm-\nmeriern (Camerier i),so den Schlüssel haben\"\". Im Bestal-\nlungs-Decrete eines solchen Kämmerers heisst es: „ „Inson-\nderheit aber soll er schuldig seyn, aufl' Uns fleissig zu\nwartten, auch dasjenige, so Wir ihm sonst jedesmal be-\nfehlen, schleunig und unverzüglich auszurichten. Was er\nauch bei dieser untertänigsten Verrichtung in erfahrung\nbringen, und ihme vertrauet, er auch in Unser Kammer\nund Gemach hören wird, dasselbe niemanden offenbahren,\nsondern biss in sein Grab verschwiegen behalten. Inmassen\ndenn in allen Begebenheiten nechst Uns, an Unsern Ober-\nCämmerer er gewiesen seyn soll. So Wir auch ihn über\ndieses bey Unserer Music in den Kirchen, vor der Tafel\nund auf dem Theatro gebrauchen wollen, soll er dasselbe\niedes mahl unwegerlich verrichten.\"\"\n„Sorlisi und Melani sollten übrigens noch höher stei-\ngen. Schon 1666, Freitag den 24. Januar, wurde von dem\nKurfürsten das kaiserliche Diplom wegen „ „Nobilitirung\" \"\ndieser beiden Geheimen Kämmerer publicirt. Dieselben\nhatten um 1664 vor dem Wilsdruffer Thore auf dem\nPlatze—wo zum Theil heute die Reitbahn-, Carola-, Ober-\nseer- und Pragerstrasse mit dem Bezzenberger'schen Er-\nziehungs-Institute, die Cavallerie-Caserne, ein Theil des\nStruve'schen Gartens und viele andere Häuser und Gärten\nstehen Felder gekauft und dort einen Garten angelegt\nmit einem Sommerhause (welches 20,000 Thlr. gekostet\nhaben soll), Theater, zwei schönen Fontainen und zwei\nObelisken, welcher damals der „ „Italiäner Garten\"\", auch\nder „ „italiänische oder welsche Garten\"\" hiess. Am 3.\nJuli 1666 besah der Kurfürst den neu angelegten Garten,\nspeiste Abends darin und liess vorher die Komödie „ „Vom\nbetrogenen Trappelier\"\" (Trappolino, Hanswurst) auffüh-\nren. Nach öfteren Wiederholungen dieser Besuche kaufte\nJohann Georg 11. 1668 den Garten für 24,000 Thlr.\nnnd wies ihn seiner Gemahlin zu. Er hiess von nun an\nauch der „ „Hoheiten Garten\"\". Sorlisi, welcher seit 1671\nin den Hof-Ordnungen nebst seinem Collegen Melani als\nKammerjunker aufgeführt wird, wurde 1670 (Rescript\nd. d. Dresden, 1. Juni) sogar Amtshauptmann zu Dippol-\ndiswalda mit 200 Fl. jährl. Gehalt. Aus seiner Bestallung\ngeht hervor, dass er „„bei der Hofstatt\"\" blieb und bei\nReisen Auslösung für sich und vier Pferde bekam. Später\nnoch wird Sorlisi als Besitzer des Gutes Schmiedeberg ge-\nnannt. Besonders berüchtigt wurde er durch seine 1666\nerfolgte Heirath mit einer geborenen Lichtwer aus Dres-\nden, welche damals viel Aufsehen machte. Dieselbe hatte\nentschiedenen Widerspruch von Seiten des Ober-Hofpre-\ndigers Dr. Weller und des ganzen geistlichen Ministeriums\ngefunden; nachdem aber die Entscheidung des leipziger\nConsistoriums, dem die Sache unter erdichteten Namen\nvorgelegt worden, bejahend ausgefallen, auch mehrere\ntheologische Facultäten sich theils dafür, theils dagegen\nausgesprochen hatten, erfolgte endlich auf Kurfürstlichen\nSpecialbefehl die Trauung durch den Pfarrer Kühn in Sa-\ndisdorf bei Dippoldiswalda. Sorlisi versprach überdies, auf\nseine Kosten den Lutheranern eine Kirche zu bauen, wo\nman wollte; er baute auch wirklich den Kirchthurm zu\nJohnsbach*). Am 3. März 1672 starb er vierzigjährig.\nSorlisi scheint namentlich auch bei Ankauf italiänischer und\nanderer Waaren den Agenten gemacht zu haben. Im Jahre\n1671 hatte er für „„Kleinodien und Wahren\"\" 5146\nThlr. zu fordern, die ihm auch bezahlt wurden.\"\nNeben Sorlisi und Melani werden noch Gabriel An-\ngelo Baltistini (Sopranist) und Donato de Amaducci (Te-\nnorist) als Geh. Kämmeriere erwähnt. Ersterer ward 1667\nmit 1000 Thlr., Letzterer 1675 mit 800 Thlr. Besoldung\nangestellt. Baltistini, aus Pistoja gebürtig, scheint die Gunst\nseines Herrn in hohem Grade errungen zu haben. Im\nJahre 1673 ward er zum „Inspector über die Fasanen-\ngärten nnd des kleinen Weidewercks\" ernannt, wofür\ner 200 Thlr. jährliche Besoldung erhielt. Im Bestallungs-\nDecrete heisst es: „weil wir an ihm die sonderbahre\nLust, so er zu der löblichen Jägerey träget, wahrgenom-\nmen\"; auch wird er in demselben „römischer Ritter\"\ngenannt. In der Hof-Rangordnung von 1680 wird Batti-\nstini sogar als „Ober-Geheimkämmerier\" angeführt.\nDer ehrliche Schütz, der zwischen den Parteien stand,\nschrieb den 21. August 1646 an den Kurfürsten: „Im\nUebrigen betheure ich mit Gott, dass mir an meinem Orte\nsolch von E. Churfürstlichen Durchlaucht neu angerichte-\ntes Italiänisches Directorium Musicum (ob es gleich mir\nund andern Deutschen allhier mehr zur Verkleinerung als\nErhöhung unserer Autoritäten gereichet) niemals zuwider\ngewesen ist\" —ja, er räth selbst dem Kurfürsten: „Mit\nden Vocalisten würde es etwas theurer hergehen, weil\nman selbige ausser Landes vielleicht ganz bei den Italiänern\nwürde suchen müssen, im Fall nämlich die Churfürstl.\nHoheit würdiglich bedient werden sollte.\" (Michaelis,\n1645.) Dass der altehrwürdige Meister gar manche Zu-\nrücksetzung erdulden musste, brachte ihn dahin, den Hof-\nmarschall und den Hofprediger zu ersuchen, sich seiner\nanzunehmen, indem er schrieb: „Wasmassen es mir fast\nverkleinerlich und schmerzlich fürfallen will, an solchen\nSonntagen, an welchen hiebevor nicht mir, sondern dem\n\n*) Den über diese Heirath entstandenen Process sielie in Evnuchi\nConjugium, edente Hier. Delphino. Halaef 1685. 4., deutsch\nunter dem Titel: „Die Kapaunerheirath.\" Siehe auch Müan-\nder} Deliciae Bibl} 1691. S. 1226 ff."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5354, "texte": "Vice-Capellmeister das Directorium obgelegen, ich mit des\nHerrn Churprinzen Directoreals einem 3 mal jungem als\nich und hierüber (obenein) castrirten Menschen ordentlich\numbwexeln soll vndt unter ungleichen vndt zum grossen\nTheil underständigen zuhörern mit ihm gleichsam\ndisputiren soll.\" (21. August 1653.)\nNach Schützens Tode war dessen Schüler, der Vice-\nCapellmeisler Christoph Bernhard, geboren 1627 zu Dan-\nzig, die Stütze der Deutschen am sächsischen Hofe, wo\nneben ihm, theils nach einander, theils gleichzeitig die ita-\nliänischen Capcllmeister Bontempi, Albrici, Perandi und\nPallavicini angestellt waren. Auf die Prätentionen der Aus-\nländer überhaupt lässt ein Bericht des Ober-Hofmarschalls\nvon Haugwitz an Johann Georg 111. vom Jahre 1688\nschliessen: „Denn ich nicht finde, dass ervvehnte Italien* -\nsehe Musicidurchgehends solche vortreffliche\nseyn, als wie sie ihnen selbst die von sich haben,\nund bey so hohem traetament dergleichen ungeräumte\nexceptiones machen dürften, dergleichen bey des höchst-\nseeligsten Churlürstens Lebzeiten wider keinen Capellmei-\nster auf die Bahne gebracht werden dürfften.\"\nAm 3. November 1662 wurde zur Vermählungsfeier\nder Prinzessin Sophie, Tochter Johann Georg's 11., mit\ndem Markgrafen Ernst Christian von Brandenburg-Bay-\nreuth, deren Festlichkeiten vom 18. October bis 13. No-\nvember dauerten und 300,739 Thlr. kosteten, die erste\nitaliänische Oper, II Paride,Text und Musik von Bon-\ntempi, gegeben. In den 37 Scenen der fünf Acte traten\nausser den Chören 30 Personen auf. Im vierten Acte kommt\nauch die Versöhnungs-Scene zwischen Paris und Helena\ngetreu nach Homer vor; Helena schilt den Paris, er be-\nschwört sie, seine Glulh zu kühlen\nsuo ardore),sie ergibt sich, „macht aus ihren Armen eine\nLiebeskette um seinen Hals\", giüatasi sopra il letto, Amor\nzieht die Vorhänge zu und entfernt sich lächelnd. (Vgl.\nFürstenau a. a. 0., S. 210, wo die vollständige Anweisung\nfür die Darsteller aus dem Original-Textbuch zu lesen ist.)\nUnter Johann Georg 111. wurde der schon oben ge-\nnannte Castrat de Melani Hausmarschall der Witwe\nGeorg's 11. und 1681 sogar „churfürstlicher Minister\".\nEr starb 1693.\nEine grosse Rolle spielte am Hofe Georg's 111. die\nSängerin Margherita Salicola, über welche Karl von\nWeber in den „Beiträgen zur Chronik Dresdens\" (Leipzig,\n1859) und Fürstenau (1., S. 277 ff.) anziehende Nach-\nrichten geben.\nJohann Georg 111. hörte sie in Venedig, wo er vom\n15. Januar bis 28. Februar 1685 sich incognito, aber\ndoch mit einem Gefolge von 24 Personen aufhielt. Er\nschrieb an de Melani: „Mögen auch nicht bergen, dass\nWir eine völlige italiänische Musik mil nach Dresden brin-\ngen, werden euch daher nicht eher weglassen, bis Uns ihr\neine opera habt helfen angeben. Wir bringen auch ein\nFrauenzimmer mit, so vortrefflich wohl singet.— Ihr mö-\nget zwei opera in Bereitschaft haben, eine auf Unsern Ge-\nburtstag, die andere aber auf Margariten.\"\nAlso zum Namenstage des Frauenzimmers, das keine\nAndere als Margherita Salicola war, sollte die zweite Oper\nStatt finden! Aber der Kurfürst halle das Frauenzimmer\nnoch keineswegs sicher. Die Salicola war aus Mantua, war\nin Diensten des Herzogs Karl IV. und befand sich nur auf\nUrlaub in Venedig; war schon der Abbate Grimani, Di-\nrector des Thealers 8..Giovanni wenig geneigt,\nsie sich vor Ablauf der bestimmten Zeit entziehen zu las-\nsen, so war noch weniger ihre Entlassung vom Herzog zu\nerwarten. Indessen gelang es wenigstens, einige jener Hin-\ndernisse zu beseitigen. Die Sängerin selbst war durch glän-\nzende Anerbielungen bald gewonnen; auch ihr Vater, der\nebenfalls in des Herzogs von Mantua Diensten stand, er-\nschien in Venedig und erklärte seine Genehmigung zur\nUebersiedelung seiner Tochter nach Dresden; endlich gab\nauch Grimani nach, jedoch nur unter der Bedingung, dass\nman seine Zustimmung verschweige; er fürchtete den Zorn\ndes Herzogs und wollte daher nur als leidender Theil,\nnicht als zustimmend in dessen Augen erscheinen. Von der\nSumme von 55,500 Thlrn., welche wir als die Reisekosten\ndes Kurfürsten verrechnet finden, mag wohl ein Theil zur\nAusgleichung jener Schwierigkeiten verwendet worden sein.\nDer Kurfürst verliess am 28. Februar 1685 Venedig\nund nahm seinen Rückweg über Innsbruck. Finige läge\nspäter verschwand die Sängerin in Begleitung ihres Bruders\nFrancesco aus Venedig; einige verkleidete Diener des Kur-\nfürsten führten sie auf schnellen Rossen ihm nach; viel-\nleicht war der General-Adjutant Pflugk, dem der Kurfürst\nnoch am Tage seiner Abreise von Venedig einen Pass „zu\neiner Reise nach Dresden in gewissen Angelegenheiten\"\nausstellen liess, ihr Führer. An welchem Orte sie mit dem\nKurfürsten zusammengetroffen, ersehen wir nicht, finden\naber die Salicola in Augsburg, wo Johann Georg-verweilte,\nin seiner Umgebung. Hieher kam auch der Kurfürst von\nBayern, und Johann Georg verfehlte nicht, ihm seine neue\nSängerin unter der Eröffnung, er habe sie „aus Italien\nmitgebracht\", vorzuführen und sie ihre Kunstfertigkeit be-\nweisen zu lassen. Auch der Kurfürst von Bayern nahm\nlebhaftes Interesse an der Fremden, deren Talent durch\nein sehr einnehmendes Aensseres unterstützt ward.\nDer Herzog von Mantua fand in dieser Entlührung\nseiner Sängerin, die er selbst sehr hoch schätzte, eine em-\npfindliche Beleidigung und ergriff sehr energische Maass-\nregeln, diG Entführte wieder in seine Gewalt zu bekom-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5418, "texte": "men. Nicht allein rächte er sich an der Familie Margari-\nta's, liess sie ins Gefängniss werfen und sehr hart behan-\ndeln, sondern schickte auch eine Anzahl Banditen der\nFlüchtigen nach, um sie wieder einzulangen. Glücklicher\nWeise hatte aber Margarita bereits den deutschen Boden\nbetreten, und die ausgesandten Häscher kehrten unverrich-\nteter Sache wieder zurück. Darauf schickte der Herzog\nden Grafen Violandi mit einem Handschreiben an den\nKurfürsten selbst ab, das keinen anderen Inhalt halte, als\neine Herausforderung. Violandi war direct nach Augsburg\ngegangen, wo er, ohne dem Kurfürsten vorgestellt zu sein,\nihm das Schreiben des Herzogs ohne Weiteres zusandte.\nJohann Georg hatte schon im Türkenkriege hinreichende\nBeweise persönlichen Muthes gegeben und konnte daher\num so leichter diesen ungebührlichen Antrag zurückwei-\nsen. Der Conte di Violandi ward daher nicht beim Kur-\nfürsten vorgelassen, als er darum ansuchte, und musste\nebenfalls seine Rückreise nach Mantua ohne den gering-\nsten Erfolg wieder antreten. Inzwischen halte der Kur-\nfürst von Bayern seine Vermittlung angeboten, und ihm\ngelang es, den Anfangs noch immer störrischen Herzog\nzu besänftigen. Auf seinen Rath schickte der Kurfürst einen\nbesonderen Gesandten mit einem eigenbändigen Hand-\nschreiben nach Mantua, worin der Kurfürst sein Bedauern\naussprach, dass. ohne sein Wissen die Sängerin Margherita\nSalicola durch ihren Uebergang in den kurfürstlichen\nDienst frühere Verpflichtungen eigenmächtig gebrochen\nhätte, während der Herzog ein ähnliches Schreiben dem\nkurfürstlichen Gesandten übergeben liess, worin er die\nSängerin ihres Dienstes entliess. Der Kammerherr von Pol-\nheimb, der mit dieser Sendung von Seiten des Kurfürsten\nbetraut war, fand die zuvorkommendste Aufnahme in Man-\ntua, wurde mit glänzenden Festlichkeiten und Jagden ge-\nehrt, und der Zwist, in welchem Anfangs von Italien aus\nmit Dolch und Gift gedroht worden war, endete mit herz-\nlichem Einvernehmen.\nMargherita traf im April in Begleitung ihres Bruders\nin Dresden ein. In einem Hof-Diarium von 1685 fand sich\nfolgende Notiz: „Donnerstag den 1. October, Abends ge-\ngen 5 Uhr, kam die italienische Sängerin Margherita Sali-\ncola, die der Churfürst aus Italien mit nach Dresden ge-\nbracht, von Dresden anher (nach Torgau) und ward in das\nBrandenburgische Tafelgemach einlogirt\", ein Beweis der\nhohen Gunst, in welcher die Sängerin gestanden. In\nDresden scheint Margherita ausser in Hof-Concerten und\nbei Tafelmusiken zum ersten Male am 30. Januar 1686\nim Komödien- und Opernhause in der Rolle der Pulcheria\nin der italiänischen Oper „Alarico\" aufgetreten zu sein.\nDichter und Componist dieser Oper, welche viel Glück\nmachte, sind nicht bekannt geblieben. Das ilaliänisch und\ndeutsch in Dresden gedruckte Textbuch enthalt merkwür-\ndiger Weise zwei Dedicationen an die Kurfürstinnen von\nSachsen und von der Pfalz von der Sängerin, von der\nSalicola, nicht vom Dichter oder Componisten! Im Februar\n1687 feierte sie in der Oper Gerusalemm von\nPallavicini als Armide neue Triumphe. Sonnette wurden\nauf sie als „Göttin des Gesanges, die mit Stimme, Spiel\nund schönem Antlitz die Herzen bezaubert\", gemacht, sie\nhiess die Gemma della scena, das canoro prodigio dell' Ha-\nlia, del Mondo!\nWiewohl es Höflichkeitssitte unter den Fürsten war,\nsich ihre vorzüglichen Künstler zu Festlichkeiten zu leihen,\nso schlug doch Georg 111. jedes Gesuch um die Salicola\nab und sandte in solchen Fällen seine zweite Sängerin\no\nRosa Santinelli. Uebrigens wusste jene ihre Stellung gehö-\nrig auszubeuten. Im Jahre 1691 war ein Pasquill auf sie\nerschienen, worüber sie in Zorn gerieth. Um sie zu be-\nruhigen, hatte man das Original in Gegenwart der Ober-\nhofmarschallin von Haugwitz verbrannt und ausserdem\nstreng verboten, Copieen davon zu bewahren. Ein Diener\ndes Sängers Antonio Giustachini hatte aber der Salicola\nmitgetheilt, dass sein Herr noch eine Abschrift des Pas-\nquills besitze, worüber diese in gewaltige Aufregung ge-\nrieth und sich weigerte, mit ihm und einigen anderen Ila-\nliänern in der Oper zu singen. Der Hofmarschall von\nHaugwitz verlangte nun durch den Capellmeister Bernhard\nvon Giustachini die Aushändigung des um\ndadurch der „offendirten und ereifferten Sängerin\" einige\n„Satisfaciion zu geben\". Giustachini erklärte sich zu jeder\nGenuglhuung bereit, wenn er schuldig wäre, was er jedoch\nentschieden in Abrede stellte. Trotz aller dieser Versiche-\nrungen seinerseits blieb die Salicola halsstarrig bei ihrer\nBeschuldigung und Weigerung stehen, so dass sich der\narme Ober-Hofmarschall nicht mehr zu helfen wusste und\ndie Sache an den Kurfürsten berichtete (der sich damals\ngerade in Nauendorf aufhielt) und dringend bat, ihn „die-\nser beschwerlichen Dinge in Churf. Gnaden\" zu überhe-\nben. Johann Georg 111. kannte seine Künstler. In einem\nErlasse d. d. Nauendorff, 9. Januar, an Haugwitz spricht\nder Kurfürst von ihnen als „Volck, dem Kessler Gesinde\nnicht ungleich, undt sich sobald wieder versühnt als er-\neyftert, desswegen eben mit ihnen Geduldt zu haben ist.\"\nSchliesslich wurde Domenico de Melani mit Vermittlung\nO\nder Angelegenheit betraut, der denn auch die schwierige\nMission mit der erzürnten Landsmännin glücklich beendigt\nzu haben scheint.\nMargherita Salicola errang auch die Gunst Johann\nGeorg's IV. und blieb als Liebling des Hofes bis 1693 in\nDresden. In einem Hof-Diarium dieses Jahres heisst es:\n,Sonnabend den 26. August. Heute ist die italienische"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 532, "texte": "Sängerin Signora Margherita Salicob, nachdem sie an\nletzt vergangener Ostermesse ihren verlangten Abschied\nerhalten, bis hierher aber, weil sie die Abfertigungsgelder\nnicht bekommen können, dennoch verpfleget worden, von\nDresden nach Wien abgereist.\" Sie hatte 4062 Thlr. 12\nGr. Besoldungsreste für sich und ihre Dienerschaft zu for-\ndern, so wie 800 Thlr. Schulden gemacht, die aus „be-\nsonderer Gnade\" auch bezahlt wurden. Demunerachtet\nfanden sich nach ihrer Abreise noch 1147 Thlr. Schulden\nvor, welche gedeckt werden mussten*)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-07-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "221", "page_fin": "222", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.2.3", "titre_corps": "Das Sängerfest zu Lille.", "titre_sommaire": "Das Sängerfest zu Lille.", "signature_source": "L. R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.5", "debut_caractere": 534, "fin_caractere_exclue": 5171, "texte": "Das Sängerfest zu Lille.\n\nDen 29. und 30. Juni.\nDie französischen Sängerfeste unterscheiden sich von\nden deutschen schon in der äusseren Anordnung erstens\ndadurch, dass in der Regel der Wettstreit und das Preis-\nsingen die Hauptsache ist, was bei Ihnen, wenigstens nach\nden Gesetzen, die bei dem grossen deutschen Sängerfeste\nin Nürnberg beobachtet wurden, glücklicher Weise sein\nEnde erreicht zu haben scheint. Zweitens aber sind die\nfranzösischen Sängerfeste sonderbarer Weise fast immer\nmit einem Wettstreit der Vereine für Harmoniemusik ver-\nbunden. Dies ist aber ein nationaler Charakterzug bei uns;\nschon in Belgien und vollends im nördlichen Frankreich\nhat jedes Städtchen, ja, jedes einiger Maassen bedeutende\nDorf seine Gesellschaft von Instrumentalisten, bei denen\nohne Geigen die schärferen Holz-Blas-Instrumente mit dem\nunvermeidlichen Serpenl, besonders aber Cornet, Trompete\nund Militär-Trommel die Hauptrollen spielen. Die Mitglie-\nder dieser Corps sind nicht bloss Musiker von Profession,\nsondern man zählt auch viele Dilettanten darunter, zumal\nda es eine Ehrensache ist, auch in der Kirche und bei\nProcessionen mitzuwirken, wesshalb dem Fremden, der\nsich schon von dem weltlichen Orgelspiel französischer Or-\nganisten mit Unwillen abwendet, noch ärger im wahren\nSinne des Wortes mitgespielt wird, wenn die Harmonie\nim unwahren Sinne des Wortes auf einmal in den\nheiligen Räumen loskracht.\nDiesem Nationalbrauch gemäss waren denn auch am\n29. und 30. Juni hier in Lille an 3000 Sänger und Blä-\nser versammelt, die auf das Ausschreiben der städtischen\nBehörde aus Nordfrankreich und Belgien herbeigekommen,\num sich einander zu begrüssen. Nach der Preisverteilung\nzeigten freilich die Grüsse gar verschiedene Schattirungen,\nindem viele Gesichter trotz erkünstelter Freundlichkeit sich\nschief zogen, andere, ohne der Convenienz der Sitte zu\nachten, geradezu einen fratzenhaften Ausdruck annahmen\n-—das ewige Uebel dieser Feste der Harmonie!\nSonntag den 29. Juni ergossen die Eisenbahnwagen\nihre reichen Künstlerladungen über das Stadtgebiet; die\nConcurreriten wurden feierlich eingeholt u. s. w. Ehren-\nund lobenswerlh ist aber hier zu Lande bei solchen und\nähnlichen Gelegenheiten das Benehmen der städtischen und\nder Militär-Behörden, welche sich stets als Leiter des Gan-\nzen an die Spitze stellen. Der gewaltig lange Zug dauerte\nüber drei Stunden. Von Paris waren zwei Vereine da, der\nOdeonund die EnJ'ants de St. aus dem nördlichen\nFrankreich die Vereine aus Valenciennes, Amiens, St.Omer,\nCambrai und zehn andere aus dem Maasgebiete und der\nNormandie; aus Belgien waren die „Melomanen\" und die\nSociete des Choeursund noch drei andere Vereine aus\nGent anwesend, ferner die R von Brüssel,\ndie Legiavon Lüttich, die S von Verviers, der\nVerein von Ixelles und noch sechs bis sieben aus anderen\nbelgischen Städten. Weder holländische noch deutsche\nVereine hatten der Einladung entsprochen, und so war von\ndenjenigen Zuhörern, welche das Terrain kannten, vorauszu-\nsehen, dass die belgischen Vereine die Sieger sein würden.\nPreisrichter waren die Herren Ambroise Thomas, Ge-\nvaert, Bazin und Laurent de Rill<s. Man bedauerte allge-\nmein, dass deutsche Celebritäten, wie Ihre Mitbürger Hiller\nund Weber, verhindert gewesen, das ihnen angetragene\nRichteramt zu übernehmen. Die wettstreitenden Vereine\nder höchsten Classe mussten ein Stück nach ihrer Wahl\nund einen Chor: „Le Tirol\",von Ambr. Thomas (Ma-\nnuscript) vortragen; die Vereine der ersten und zweiten\nClasse je zwei Gesänge nach ihrer Wahl.\nDie Preise hatten einen Werth von etwa 20,000\nFrancs. Der Ehrenpreis der höchsten Classe bestand in\neiner grossen goldenen, vom Kaiser gestifteten Medaille und\n1500 Francs Entschädigung. Die zweite vom Kaiser ver-\nliehene Medaille bildete den Ehrenpreis für die Vereine,\nwelche in der ersten Classe der Fremden und Einheimi-\nschen Sieger gewesen waren.\nDie Composition von A. Thomas hat mehr Blendendes,\nals wirklichen musicalischen Gehalt. Von belgischen Com-\nponisten waren La Branche d'amour von Soubre, Les\nContrebandiersvon Limnander,\nSaid von Gevaert auszuzeichnen; von deutschen Ton-\nsetzern wurden Becker's „Kirchlein\" und Kücken s\n„Junge Musicanten\" mit französischem Text gesungen.\n\n*) Die Data zu obigem Aufsatze sind meist aus dem oft angezo-\ngenen Buche von Fürstenau (vgl. Nr. 27 d. Bl.) genommen,\nworaus eine weitere Empfehlung dieses interessanten Werk-\nchens hervorgehen dürfte. Es sollte uns wundern, wenn die\nGeschichte der Margherita Salicola (die bei K. v. Weber\na. a. 0. ausführlicher zu lesen ist) nicht einem von den Jä-\ngern auf historische Romanstoffe oder auch einer Jägerin zur\nBeute werden sollte!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3868, "texte": "Die französischen Vereine konnten gegen die belgi-\nschen nicht aufkommen; letztere überragten jene nicht nur\nan klangvollen Stimmen, sondern ganz besonders auch an\nmusicalischer Bildung und gediegener Schule. Im Grunde\ngenommen konnte bei allen französischen Vereinen, welche\ngegenwärtig waren, von einer künstlerischen Leistung gar\nnicht die Bede sein. Das Missverhältniss war aber auch in\njed er Hinsicht zu gross, sowohl in Bezug auf Stärke der\nVereine an Zahl, als auf Dauer ihrer Existenz und ihrer\nStudien. Ganz junge französische Gesellschaften sollten ge-\ngen so erfahrene, seit zwanzig Jahren bestehende Vereine,\nwie die von Gent, Brüssel u. s. w., den Kampf bestehen!\nSo offenbarte denn das Fest in Lille mehr wie vielleicht\njemals ein ähnliches die grossen Uebelstände der Wett-\nstreite, die störenden Reibungen und eifersüchtigen Riva-\nlitäten die Folgen leicht gereizter Eitelkeit, in welcher\ndie musicalischen Dilettanten die Künstler vom Fach wo\nmöglich noch übertreffen. Wir glauben, dass die Stadt\nLille in dem internationalen Concurs ein Haar gefun-\nden hat und sobald nicht wieder zu einer Wiederholung\nübergehen wird. Was würde es erst gegeben haben, wenn\ndie deutschen Vereine von Aachen, Düsseldorf, Crefeld,\nMainz u. s. w., oder vollends Ihr Männer-Gesangverein\nvon Köln hier gewesen wäre!\nDen Ehrenpreis in der höchsten Classe hat die\nlyriquevon Brüssel erhallen; der zweite und dritte Preis\nin derselben Classe wurde der Societe des Choeurs von\nGent und der Legiavon Lüttich zuerkannt. In der ersten\nClasse der Fremden siegten Ixelles, Namur und Seraing;\nin der ersten Classe der Franzosen St. Omer, Cambrai\nund Amiens. Um den Ehrenpreis stritten St. Omer und\nIxelles; er wurde dem Vereine von Ixelles in Belgien zu\nTheil.\nAm Abende des Sonntags brachte das Fest, welches\nder Gesangverein von Lille den Gästen gab, eine fröhliche\nStimmung hervor, in welcher sich nach und nach die dis-\nsouirenden Intermezzi in Harmonie aullösten. Die\nlyrique von Brüssel feierte hier erst recht ihren Triumph:\nAmbroise Thomas stürzte voll Begeisterung ihrem Diri-\ngenten in die Arme, dieser warf sich nicht in die Brust,\nsondern dankbar an die Brust seiner Sänger, allgemeine\nUmhalsungen, „seid umschlungen, Millionen!\" Hurrah's\nund Ewiva's und donnernder Applaus.—Nun, Sie und Ihr\nkölner Verein wissen ja aus eigener Erfahrung, wie vor-\ntrelllich meine liller Mitbürger die Wirthe zu machen ver-\nstehen, und eine solche von edelm Rebengewächs unter-\nstützte Liebenswürdigkeit erhöht immer den Enthusiasmus\nfür d ie Kunst. ; ■\nDer Montag war von früh bis Abends dem kriegeri-\nschen Musiklärm der friedlichen Bürger gewidmet, die von\nallen Ecken und Enden her, die Trommel voran, in den\nbuntesten halbsoldatischen Trachten in mehr als zwanzig\nverschiedenen Compagnieen durch die bekränzten und be-\nflaggten Strassen zogen, von der aufwachsenden hoffnungs-\nvollen Heldensaat des Vaterlandes schreiend und tobend\nbegleitet, bis zu den Hallen des Marktes und der grossen\nZucker-Niederlage. Dort machte der Heidenlärm dem mu-\nsicalischen Geräusch von verdammt kleinen und spitzen\nClarinetten, Buggel- und Pistonhörnern, Posaunen und\nRiesen-Ophykleiden Platz. Da konnte man die ganze\nvolee der Blechgesellschaft kennen lernen, die Erfindungen\nder modernsten KJangspeculation im Saxophon und der\nquadralähnlichen Tuba neben den ehrwürdigen Resten der\nLegitimität vorrevolutionärer Instrumente. Mir fiel dabei\nein, dass man auch für die Preisrichter einen Gehörspreis\nhätte aussetzen sollen für den, welcher bei jedem von die-\nsen Corps das genaue Verhältniss seiner Stimmung zu\ndem Diapason normal des Kaiserreiches in bestimmter\nSchwingungszahl hätte ausdrücken können! Aber die Jury\nmachte es sich leichter, sie tbeilte Preise in Medaillen und\nGeld mit vollen Händen aus, und Alles zog fröhlich bla-\nsend und aufgeblasen nach Hause.\nLille, den 4. Juli 1862.\n\nL. R."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-07-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "222", "page_fin": "223", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.2.4", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.6", "debut_caractere": 3870, "fin_caractere_exclue": 5132, "texte": "Aus Aachen.\n\n[Schlechte Saison Concerte Oper.]\nUnser Publicum gleicht in diesem Augenblicke den\nSchnecken, die sich einen Theil des Jahres lang reichlich\nnähren, um nachher vom Genuss auszuruhen. Die Freunde\nder Kunst haben den Winter hindurch einen solchen Vor-\nrath von Noten bei sich aufgespeichert, dass sie noch im-\nmer davon zehren, und die Künstler, welche den Versuch\nwagen, diese Lethargie zu bekämpfen, opfern Mühe und\nGeld. Man kann in der That sagen, dass unsere Concerte\nbei verschlossenen Thüren gehalten werden. Fremde sind\nwenige oder gar keine hier, und die da sind, machen es\nauch wie die Schnecken und bleiben bei dem schlechten\nWetter in ihrem Gehäuse. Es ist eine verfehlte Saison.\nVergebens haben ihr Glück versucht Fräulein von Jan-\nsard, kaiserlich russische Concertsängerin, eine brave Sän-\ngerin aus der guten italiänischen Schule, Herr Ratzen -\nberger, einer von Liszt's besten Schülern, Fräulein Anna\nMeyer aus Paris, eine junge Pianistin von eilf Jahren voll\nTalent und Verstand, der Violinist Berou aus Paris,\nFräulein Jansen, die talentvolle Harfenspielerin u. s. w.\nDagegen steht das Theater sehr in Gunst, das Haus\nist immer voll, und die Directorin Greiner thut alles Mög-\nliche, um die Besucher zu befriedigen. Das Opern-Perso-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1891, "texte": "nal ist ein vollzähliges und, da wöchentlich fünf Mal ge-\nspielt wird, in manchen Fächern doppelt besetzt. Als erste\nSängerinnen sind Fräulein Klingelhöfer und Frau Du-\npont, die Gattin des Capellmeisters am Theater, vorzüg-\nlich; Fräulein Kluge ist eine der besten Soubretten, wie\nwir sie seit langer Zeit nicht gehabt haben, und sie wird\nvon Fräulein Walburger aufs beste unterstützt. Herr\nMeyer, ein guter Regisseur, theilt die Bariton-Partieen\nmit Herrn Simons. Dazu kommt ein Chor, wie ihn selten\neine Provincialbühne besitzt, unter der tüchtigen Leitung\ndes Herrn Thyssen.\nDie Gastspiele haben Herr und Frau Rübsahmen aus\nKassel eröffnet, und Frau Dustmann aus Wien wird bei\nuns nach dem Musikfeste in Köln neue Triumphe erlan-\ngen. Eine schöne Vorstellung war „Figaro's Hochzeit\";\nFrau Rübsahmen, die schon als Rosine im Barbier und als\nMarie in der Regimentstochter grossen Erfolg gehabt halte,\nzeigte als Susanne ihre Meisterschaft im Vortrage classi-\nscher Musik. Fräulein Rlingelhöfer stand ihr als Gräfin\ntrefflich zur Seite, das Schreib-Duett war entzückend. Der\nFrau Rübsahmen trug die Arie im vierten Acte eine glän-\nzende Ovation ein, und Fräulein Klingelhöfer ärntete durch\nihre reine und sympathische Stimme und die Ausführung\nder beiden Arien den lebhaftesten Beifall, der ihr auch\nschon bei ihrem Debüt in der Rolle der Recha in der Jü-\ndin zu Theil geworden war. Ein Cherubin, wie Fräulein\nKluge, gehört gewiss zu den Seltenheiten. Herr Rübsah-\nmen brachte die Partie des Grafen zu voller Geltung; er\nist zugleich ein vortrefflicher Schauspieler; seine umfang-\nreiche Stimme ist prächtig, nur scheint er zu oft durch die\nKraft derselben imponiren zu wollen. Seine grosse Arie\nerhielt stürmischen Applaus.\nGounod's „Faust\" ist mit glänzender Ausstattung\ngegeben worden. Die Aufführung war eine gute, der Er-\nfolg der Oper hat aber den Erwartungen nicht ent-\nsprochen.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-07-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "224", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.7", "debut_caractere": 1893, "fin_caractere_exclue": 6346, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nfco5VI. Die allerliebsten Geschwister fahren fort,\nim Victoria-Theater volle Häuser zu machen. Im Vaudeville-Theater\nin der Stadt gastirt Frau F rieb - Blumauer vom königlichen Hof-\ntheater in Berlin und erregt durch ihre Meisterschaft in der Dar-\nstellung von fein komischen weiblichen Charakteren und aus dem\nLeben gegriffenen Originalen, wie z. B. die Köchin in Benedix s\n„Dienstboten\" u. s. w., ganz ausserordentlichen Beifall.\nDer hiesige Männer-Gesangverein unter Direction von\nFranz Weber wird auf Ersuchen des Vorstandes der katholischen\nKirche in Wiesbaden am 19. Juli ein Abend-Concert im Cursaale\nund am 20. ein in der Kirche geben, deren Ertrag\nzum Ausbau der Thürme gedachter Kirche bestimmt ist. Am Abend\ndes 20. (Sonntags) hat der Intendant des herzoglichen Theaters,\nHerr von Bose, die Aufführung von F. Hiller's „Katakomben\"\nangeordnet.\nBerlin« Die Mitglieder des k. k. Hofburgtheaters, die Damen\nHaizinger, Baudius und Kronau und Herr Meixncr, began-\nnen am 4. Juli ihr Gastspiel am Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater zu Berlin mit zwei neuen Lustspielen von R. Benedix:\n„Gegenüber\" und „Günstige Vorzeichen\", vor ausverkauftem Hause.\nBeide Stücke haben sehr gefallen. Der Beifall, der dem geistvollen\nSpiele der wiener Künstler gespendet wurde, war ein enthusiastischer.\n12ttnift€>vei% Die Herren Capellmeister Fischer und Scholz\nhaben von dem Könige von Hannover den Weifen-Orden, der Kam-\nmersänger Herr Nie mann die grosse Medaille für Kunst und Wis-\nsenschaft erhalten.\nStadt« Die glücklichen Erfolge, welche Herr Hofrath\nKette, Vorstand des musicalisch-akustischen Instituts zu München,\ndurch die von ihm angewandte akustische Behandlung zur Veredlung\ndes Tones aller Streich- und Saiten-Instrumente erzielt hat, haben\nihm längst schon die ehrendsten Zeugnisse der competentesten Ken-\nner, an deren Spitze selbst Spohr stand, so wie vielfache Auszeich-\nnung von Höfen erworben. Wir halten es desshalb im Interesse der\nKunst für geboten, die Erfindung des Herrn Kette immer mehr zur\nallgemeinen Kenntniss zu bringen, indem wir zugleich die Thatsache\nhinzufügen, dass demselben, nachdem er das Saiten-Quartett der\nHofcapelle zu Darmstadt der erwähnten Akustisirung unterzogen,\nals Beweis der Anerkennung und Zufriedenheit von Sr. K. Höh. dem\nGrossherzog das Ritterkreuz des Verdienst-Ordens Philipp's des\nGrossmüthigen am 8. Mai d. J. verliehen worden ist. L. S.\nBjeipÄfig. Montag den 30. Juni fand auf dem Stadttheater eine\nFest-Vorstellung zu Ehren des Königs von Sachsen Statt. Man gab\nden „Präsidenten\", vorher „Der gute Ton\" von Töpfer mit Frau\nMarie Kierschner in der Hauptrolle des letztgenannten Stückes. Die\nMajestät wohnte der Aufführung des ersten Stückes bei. Frau Marie\nKierschner hatte nur mit Anstrengung aller ihrer Kräfte ihre Auf-\ngabe für diesen Abend übernehmen können, da sie die beiden vor-\nhergehenden Tage heftig unwohl gewesen war. Beim Abschied wurde\nsie durch eine reiche Fülle von Blumen- und Kränzespenden ausge-\nzeichnet. Der König liess dem Director des Stadttheaters, Ritter\nWirsing, seine Allerhöchste Zufriedenheit aussprechen.\nZur Feier der Anwesenheit der Königlichen Majestäten wurde\nauch im Gewandhause ein Fest veranstaltet. Das Conservatorium\ngab den Majestäten ein Concert. Mag dasselbe nun so gering und\nbescheiden ausgefallen sein, als es wolle, es spricht abermals für\nunsere Zustände, dass das Directorium nicht daran dachte, die Jour-\nnalistik dazu einzuladen. Dabei ist man auf seine Leistungen stolz\nund gerirt sich in anderen Dingen recht komisch gern so gross-\nstädtisch als möglich, während den Herren dazu aller Tact abgeht.\nDie Vorträge in diesem Concerte waren eine Ouvertüre vom alten\nBach, „Ave verum\" von Mozart und ein neues „Salvum fac re-\ngeni\" von Ch. Louis Boas, Schüler des Conservatoriums, aus\nArnheim. Dann traten mehrere Schüler und Schülerinnen auf. Zwei\nStücke aus David's „Bunter Reihe\" (Menuett und Etüde) wurden\nvon 28 Schülern unisono gespielt. Die Majestäten liessen sich Mo-\nscheies, Concertmeister David und Musik-Director Richter\nvorstellen.\nDas neue Theater in Baden-Baden wird am 6. August eröff-\nnet werden. Der Zuschauerraum besteht aus dem Parterre, über\nwelchem bis gegen die Mitte hin der hervorragendste und im Entr&i\nam höchsten bezahlte Platz, der Balcon, hervortritt. Unter dem Bal-\ncon sind die Parterre-Logen; darüber erheben sich von einem Pro-\nscenium zum anderen zwei Ränge Logen und darüber eine Galerie."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6070, "texte": "Die Prosceniums-Logen sind sehr geräumig und hoch. Die Farbe\nder Ausschmückung ist weiss und blassgrün mit reicher Vergoldung-\nDie Logenscssel sind von weiss angestrichenem Holze, die Polster\nmit dunkelrothem Sammt überzogen. Das Innere der Bühne und die\nGas-Einrichtung des ganzen Hauses ist von dem in der Theaterwelt\nüberall berühmten Mühldorfer in Mannheim angefertigt, die bauliche\nHerstellung und Ausschmückung von pariser Architekten. Zur Er-\nöffnungs-Oper ist Kreutzens „Nachtlager von Granada\" bestimmt,\nausgeführt von dem karlsruher Hof-Opernpersonale, welches allwö-\nchentlich einmal am Mittwoch Vorstellungen geben und nur deutsche\nWerke zur Aufführung bringen wird. Am Montag und Freitag wer-\nden pariser Künstler ersten Ranges französisches Theater spielen,\nund zwar theils komische Oper, theils Lustspiel. Diese Einrichtung\ndauert die ganze Saison über fort, im Winter wird wöchentlich nur\nein Mal von den Mitgliedern der karlsruher Hofbühne gespielt wer-\nden. Mit der Zeit wird sich jedoch wohl hier ein selbstständiges\nTheater-Unternehmen bilden müssen, wenn anders der Zweck, wel-\nchen man mit der Errichtung des Schauspielhauses verbindet, und\ndie Hoffnungen, die man namentlich im Hinblick auf die Zukunft\ndaran knüpft, sich erfüllen sollen.\nIn Karlsruhe sollen im nächsten Winter „Die Katakomben\"\nvon Ferd. Hiller und „König Enzio\" von Abert zur Aufführung\nkommen.\niirzburg* Am 26. Juni gaben Fräulein Garthe und Herr\nC. Hart mann, beide vom herzoglichen Hoftheater zu Coburg, im\nakademischen Musiksaale ein Concert, in welchem sie den Beifall\naller Zuhörer sich erwarben. Besonders war es Fräulein Garthe, eine\nSchülerin Garcia1 s in London, welche durch ihre klangvolle, weiche\nStimme, seelenvollen Vortrag und äusserst deutliche Aussprache sich\nauszeichnete. Als tüchtige Coloratursängerin zeigte sie sich beson-\nders im Schattenwalzer aus „Dinorah\", während das eigentliche in-\nnere Gefühlsleben im Vortrage von Mendelssohn's „Auf Flügeln des\nGesanges\" und Marschner's „Liebchen, wo bist du?\" welches letztere\nLied stürmisch da capo verlangt wurde, zur Geltung kam. Herr\nHartmann hat eine weiche, hübsche Tenorstimme mit leichter, ange-\nnehmer Höhe. Er sang die Arie: „Komm, o holde Dame\",'die Arie\ndes Adolar: „Wehen mir Lüfte\", aus Euryanthe und zwei Lieder\nvon Curschmann, so wie mit Fräulein Garthe Duette aus Jessonda\nund Euryanthe.\nTic hätschelt in Dresden feiert still im häuslichen Kreise am\n26. Juli sein silbernes Ehe-Jubiläum. Im Herbste wird er das fünf-\nundzwanzigjährige Jubelfest seiner künstlerischen Wirksamkeit an\nder dresdener Hofbühne begehen.\nFr. Csillag hat die Absicht, der Bühne Lebewohl zu sagen,\num einem reichen Engländer die Hand zu reichen.\nF. Mendelssohn-B ar thol dy' s „Reisebriefe\" sind von Lady\nWallace ins Englische übersetzt worden.\n*&Vievi« Director Brauer hat dem Vernehmen nach mit dem\nImpresario Merelli einen Contract geschlossen, dem zufolge Letz-\nterer während des nächsten Faschings mit einer italiänischen Opern-\nGesellschaft im Karltheater Vorstellungen geben wird. Als Mitglie-\nder dieser Gesellschaft werden die Damen Artöt, Trebelli, Patti,\nferner Carion u. A. genannt. v. M.\nDie Salzburger Zeitung meldet: Vor Kurzem wurde in der hie-\nsigen Domkirche zum ersten Male Mozart1 s Vesper in C-dur (com-\nponirt in Salzburg Anno 17 80, nach R. von KöcheFs Katalog Op.\n399) aufgeführt. Die Partitur befand sich in Mozart's Nachlass im\nMozarteum und wurde von dem thätigen Director desselben, Herrn\n11. Schläger, nach deren Entdeckung alsbald zur Aufführung vor-\nbereitet. Das Werk gehört unstreitig zu den bedeutendsten Compo-\nsitionen des Meisters; die Nummern „Beatus viru, „Magnificat\", vor\nAllem aber die grandiose Fuge vLaudate pueri\", sind wahre Gei-\nstesperlen dieses grossen Genius. Man staunt, dass dieses Werk nach\nmehr als achtzigjähriger Existenz noch immer nicht durch den Druck\nvervielfältigt ist. Bruchstücke desselben finden sich hier und da in\nKlöstern, und das „Laudate Dominum\" ist bei Diabelli in Wien er-\nschienen. Während man bei Beethoven bereits zu einer Gesammt-\nAusgabe seiner Werke schreitet, schlummern Mozart'sche Geistes-\nblüthen hehrster Schönheit noch unbekannt und bestaubt in Archi-\nven, wie dieses Werk und ein unlängst hier vorgeführtes Violin-\nConcert bewiesen.\nParis. „So gross auch das Verlangen der Nation nach ver-\nnünftigen Ersparnissen im Staatshaushalt ist, so hat doch die ein-\nstimmige Bewilligung des Gesetzes, welches der Witwe von Ha-\neine jährliche Pension von 5000 Francs bestimmt, eine allge-\nmeine freudige Billigung gefunden.\" (,Journal des Dibats v. 5. Juli.)\nLondon« Das Monday Populär Concert zum Vortheil von\nErnst, der zur Wiederherstellung seiner sehr angegriffenen Gesund-\nheit in Nizza verweilt (s. Nr. 27, S. 215 d. Bl.), hat, wie man uns\nso eben schreibt, einen reinen Ertrag von 300 Pf. Sterl. (2000 Thlr.)\neingebracht, und das Manuscript des Violin-Quartetts von Ernst,\nwelches Joachim, Laub, Molique und Piatti in jenem Concerte spiel-\nten, hat ein Verleger für 100 Pf. St. angekauft.\nVerkauf von Cremoneser Geigen-Instrumenten in\nLondon. Die vorzüglichsten Instrumente, welche bei dem Verkauf\nin London in der letzten Woche des Juni vorkamen, rührten aus\nder berühmten Sammlung des Grafen Castelbarco in Mailand her,\nwelchem sein Memoire sur Stradivarius gewidmet hat. Eine\nVioline von Stradivarius von 1712 kam auf 70 Pf. St., eine von\n1690 auf 50 Pf., von 1715 auf 100 Pf., eine vierte von 1701 auf\n135 Pf., eine andere von 1685 auch auf 135 Pf., endlich von\n1713 auf 90 Pf. St. Eine Violine von Nie. Amati 36 Guineen. Ein\nVioloncell von Stradivarius von 1697 auf 210 Pf. St. (1500 Thlr.),\nein anderes von 1687 115 Pf. Ein Violoncell von Amati von 1687\n130 Pf. Ein Autograpli von Stradivarius, dessen Facsimile in\nFetis' Memoire abgedruckt ist, wurde mit 8 Pf. St. bezahlt. Der\nVerkauf der ersten 17 Nummern brachte 1239 Pf. St. und 15 Shill.\nein. Unter noch mehreren kostbaren Geigen kam ein grosser Amati\n(60 Pf.) und ein Guarneri (38 Guineen) vor. Im Ganzen trug die\nVersteigerung 1717 Pf. St. 11 Shill. ein (etwa 43,000 Francs)."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie italienischen Musiker an deutschen Höfen im XVII. Jahrhundert. Das Sängerfest zu Lille, den 29. und 30. Juni.\n\\onL. K. Aus Aachen (Schlechte Saison Concerte Oper). Von N. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Geschwi-\nster Del<Spierre, Frau Frieb-Blumauer, Männer-Gesangverein Berlin, Gastspiele Hannover, Ordens-Verleihungen Darmstadt, Herr\nKette Leipzig, Feier der Anwesenheit des Königs von Sachsen Baden-Baden, das neue Theater Würzburg, Concert Wien).\n\nDie italiänischen Musiker an deutschen Höfen im\nXVII. Jahrhundert.\nEs ist bekannt, dass Italien im siebenzehnten Jahr-\nhundert das gelobte Land der Musik war. Als in Deutsch-\nland nach dem dreissigjährigen Kriege endlich ruhigere\nZeiten eintraten, begannen die deutschen Fürsten, obwohl\ndie Wunden, welche der Krieg dem Wohlstande des Vol-\nkes geschlagen, noch lange nicht verharscht waren, gar\nbald an ihren Höfen ein Leben voll Pracht und Ueppig-\nkeit, das für die Entwicklung der Kunst in so fern eine\nfördernde Bedeutung hatte, als Musik und Gesang nach\ndem Vorgange Italiens und Frankreichs ein Haupt-Be-\nstandtheil bei den Festlichkeiten und ein stehender Luxus\nder Höfe wurden.\nDer unselige Krieg hatte nicht nur das Vaterland zer-\nrissen und das materielle Wohl zerstört, sondern auch\ndeutsches Wesen und deutsche Sitte durch den Einbruch\nder Ausländerei untergraben, deren verderblichen Einfluss\nSprache, Literatur, Poesie und Tonkunst lange büssen\nmussten. Wohl hatte auch die deutsche Musik in jener\nEpoche die Wirksamkeit und Tüchtigkeit von Männern\naufzuweisen, wie Heinrich Schütz, Samuel Scheidt, An-\ndreas Hammerschmidt, Johann Rosenmüller, Jakob Fro-\nberger, Johann Pachelbel, Matthias Weckmann, Christoph\nBernhard u. A., welche namentlich die Kirchenmusik und\ndas Orgelspiel auf eine bedeutende Höhe brachten. Aber\nes konnte diese ernsteste und edelste Gattung der Ton-\nkunst bei der überhand nehmenden sinnlichen Prunk- und\nVergnügungssucht keinen Damm bilden gegen die melodi-\nschen Fluten, welche über die Alpen hereinbrachen. Auf\nihnen schwammen zauberhafte Fahrzeuge daher, deren\nSegel der schmeichelnde Hauch des Südens schwellte und\naus denen der süsse Heiz wunderschöner Stimmen mit\nalle Sinne fesselnder Gewalt erklang.\nSo wurde Italien durch das neu geschaffene musica-\nlische Drama und durch seine Sängerschulen Herrscherin\nim Reiche der Tonkunst, und die deutschen Höfe wett-\neiferten in Anstellung und Begünstigung italiänischer Sän-\nger und Instrumentalisten, besonders Geiger, wiewohl die\nletzteren doch niemals so hoch besoldet wurden, als die\nSänger, auch nicht so anmaassend und allmächtig wur-\nden, wie diese. Der Gesang der männlichen Sopranisten\nund Altisten (der Castraten) kam in Italien am Ende des\nsechszehnten Jahrhunderts auf; bis 1600 wurden die So-\npran- und Alt-Partieen in den Kirchen von Knabenstim-\nmen oder Falsetsängern, die meistens von spanischer Her-\nkunft waren, gesungen. Papst Clemens VIII. (1592 —1605)\nbegünstigte durch ein Breve die Verstümmelung\nlorem Dei gbriam\"und stellte im Jahre 1601 den ersten\nCastraten in der päpstlichen Capelle an. Er hiess Girolamo\nRossini und war aus Perugia. In Deutschland wusste man\nauch schon im Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts\num die Existenz dieser neuen Sorte von Sängern, wie aus\neinem Schreiben an den Kurfürsten Georg I. von Sachsen\n(bei Fürstenau „Zur Geschichte der Musik in\nDresden\", 1., S. 3) vom Jahre 1613 hervorgeht. Ihr\neigentliches Regiment begann aber erst gegen 1650 und\ndauerte dann an anderthalb Jahrhundert.\nDer Kurfürst Johann Georg 11. von Sachsen schätzte\nund belohnte zwar alle bedeutenden Tonkünstler seiner\nZeit, allein die Italiäner überhäufte er mit Gunstbezeigun-\ngen, deren sich kein Deutscher rühmen konnte, wiewohl\ner zuweilen ganz unverschämt von ihnen angeführt wurde,\nz. B. von einem Altisten Contili in Wien, der 200 Thaler\nReisegeld annahm, aber nicht kam und nachher behaup-\ntete, der Kurfürst habe sie ihm geschenkt.\n„Im Jahre 1650 u —sagt Fürstenau a. a. o. „rich-\ntete Johann Georg 11. einem italiänischen Musiker seine\nHochzeit auf dem Schlosse aus. Ein anderes Mal stand er\nbei dem Capellmeister Albrici Gevatter und liess dessen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.2", "texte": "Knaben Johann Georg taufen. Italiänische Sänger erhiel-\nten bedeutende Ilofämter. So wurden z. B. die Castraten\nDomenico Melani und Bartolomäo Sorlisi „ „Geheime Käm-\nmeriern (Camerier i),so den Schlüssel haben\"\". Im Bestal-\nlungs-Decrete eines solchen Kämmerers heisst es: „ „Inson-\nderheit aber soll er schuldig seyn, aufl' Uns fleissig zu\nwartten, auch dasjenige, so Wir ihm sonst jedesmal be-\nfehlen, schleunig und unverzüglich auszurichten. Was er\nauch bei dieser untertänigsten Verrichtung in erfahrung\nbringen, und ihme vertrauet, er auch in Unser Kammer\nund Gemach hören wird, dasselbe niemanden offenbahren,\nsondern biss in sein Grab verschwiegen behalten. Inmassen\ndenn in allen Begebenheiten nechst Uns, an Unsern Ober-\nCämmerer er gewiesen seyn soll. So Wir auch ihn über\ndieses bey Unserer Music in den Kirchen, vor der Tafel\nund auf dem Theatro gebrauchen wollen, soll er dasselbe\niedes mahl unwegerlich verrichten.\"\"\n„Sorlisi und Melani sollten übrigens noch höher stei-\ngen. Schon 1666, Freitag den 24. Januar, wurde von dem\nKurfürsten das kaiserliche Diplom wegen „ „Nobilitirung\" \"\ndieser beiden Geheimen Kämmerer publicirt. Dieselben\nhatten um 1664 vor dem Wilsdruffer Thore auf dem\nPlatze—wo zum Theil heute die Reitbahn-, Carola-, Ober-\nseer- und Pragerstrasse mit dem Bezzenberger'schen Er-\nziehungs-Institute, die Cavallerie-Caserne, ein Theil des\nStruve'schen Gartens und viele andere Häuser und Gärten\nstehen Felder gekauft und dort einen Garten angelegt\nmit einem Sommerhause (welches 20,000 Thlr. gekostet\nhaben soll), Theater, zwei schönen Fontainen und zwei\nObelisken, welcher damals der „ „Italiäner Garten\"\", auch\nder „ „italiänische oder welsche Garten\"\" hiess. Am 3.\nJuli 1666 besah der Kurfürst den neu angelegten Garten,\nspeiste Abends darin und liess vorher die Komödie „ „Vom\nbetrogenen Trappelier\"\" (Trappolino, Hanswurst) auffüh-\nren. Nach öfteren Wiederholungen dieser Besuche kaufte\nJohann Georg 11. 1668 den Garten für 24,000 Thlr.\nnnd wies ihn seiner Gemahlin zu. Er hiess von nun an\nauch der „ „Hoheiten Garten\"\". Sorlisi, welcher seit 1671\nin den Hof-Ordnungen nebst seinem Collegen Melani als\nKammerjunker aufgeführt wird, wurde 1670 (Rescript\nd. d. Dresden, 1. Juni) sogar Amtshauptmann zu Dippol-\ndiswalda mit 200 Fl. jährl. Gehalt. Aus seiner Bestallung\ngeht hervor, dass er „„bei der Hofstatt\"\" blieb und bei\nReisen Auslösung für sich und vier Pferde bekam. Später\nnoch wird Sorlisi als Besitzer des Gutes Schmiedeberg ge-\nnannt. Besonders berüchtigt wurde er durch seine 1666\nerfolgte Heirath mit einer geborenen Lichtwer aus Dres-\nden, welche damals viel Aufsehen machte. Dieselbe hatte\nentschiedenen Widerspruch von Seiten des Ober-Hofpre-\ndigers Dr. Weller und des ganzen geistlichen Ministeriums\ngefunden; nachdem aber die Entscheidung des leipziger\nConsistoriums, dem die Sache unter erdichteten Namen\nvorgelegt worden, bejahend ausgefallen, auch mehrere\ntheologische Facultäten sich theils dafür, theils dagegen\nausgesprochen hatten, erfolgte endlich auf Kurfürstlichen\nSpecialbefehl die Trauung durch den Pfarrer Kühn in Sa-\ndisdorf bei Dippoldiswalda. Sorlisi versprach überdies, auf\nseine Kosten den Lutheranern eine Kirche zu bauen, wo\nman wollte; er baute auch wirklich den Kirchthurm zu\nJohnsbach*). Am 3. März 1672 starb er vierzigjährig.\nSorlisi scheint namentlich auch bei Ankauf italiänischer und\nanderer Waaren den Agenten gemacht zu haben. Im Jahre\n1671 hatte er für „„Kleinodien und Wahren\"\" 5146\nThlr. zu fordern, die ihm auch bezahlt wurden.\"\nNeben Sorlisi und Melani werden noch Gabriel An-\ngelo Baltistini (Sopranist) und Donato de Amaducci (Te-\nnorist) als Geh. Kämmeriere erwähnt. Ersterer ward 1667\nmit 1000 Thlr., Letzterer 1675 mit 800 Thlr. Besoldung\nangestellt. Baltistini, aus Pistoja gebürtig, scheint die Gunst\nseines Herrn in hohem Grade errungen zu haben. Im\nJahre 1673 ward er zum „Inspector über die Fasanen-\ngärten nnd des kleinen Weidewercks\" ernannt, wofür\ner 200 Thlr. jährliche Besoldung erhielt. Im Bestallungs-\nDecrete heisst es: „weil wir an ihm die sonderbahre\nLust, so er zu der löblichen Jägerey träget, wahrgenom-\nmen\"; auch wird er in demselben „römischer Ritter\"\ngenannt. In der Hof-Rangordnung von 1680 wird Batti-\nstini sogar als „Ober-Geheimkämmerier\" angeführt.\nDer ehrliche Schütz, der zwischen den Parteien stand,\nschrieb den 21. August 1646 an den Kurfürsten: „Im\nUebrigen betheure ich mit Gott, dass mir an meinem Orte\nsolch von E. Churfürstlichen Durchlaucht neu angerichte-\ntes Italiänisches Directorium Musicum (ob es gleich mir\nund andern Deutschen allhier mehr zur Verkleinerung als\nErhöhung unserer Autoritäten gereichet) niemals zuwider\ngewesen ist\" —ja, er räth selbst dem Kurfürsten: „Mit\nden Vocalisten würde es etwas theurer hergehen, weil\nman selbige ausser Landes vielleicht ganz bei den Italiänern\nwürde suchen müssen, im Fall nämlich die Churfürstl.\nHoheit würdiglich bedient werden sollte.\" (Michaelis,\n1645.) Dass der altehrwürdige Meister gar manche Zu-\nrücksetzung erdulden musste, brachte ihn dahin, den Hof-\nmarschall und den Hofprediger zu ersuchen, sich seiner\nanzunehmen, indem er schrieb: „Wasmassen es mir fast\nverkleinerlich und schmerzlich fürfallen will, an solchen\nSonntagen, an welchen hiebevor nicht mir, sondern dem\n\n*) Den über diese Heirath entstandenen Process sielie in Evnuchi\nConjugium, edente Hier. Delphino. Halaef 1685. 4., deutsch\nunter dem Titel: „Die Kapaunerheirath.\" Siehe auch Müan-\nder} Deliciae Bibl} 1691. S. 1226 ff."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.3", "texte": "Vice-Capellmeister das Directorium obgelegen, ich mit des\nHerrn Churprinzen Directoreals einem 3 mal jungem als\nich und hierüber (obenein) castrirten Menschen ordentlich\numbwexeln soll vndt unter ungleichen vndt zum grossen\nTheil underständigen zuhörern mit ihm gleichsam\ndisputiren soll.\" (21. August 1653.)\nNach Schützens Tode war dessen Schüler, der Vice-\nCapellmeisler Christoph Bernhard, geboren 1627 zu Dan-\nzig, die Stütze der Deutschen am sächsischen Hofe, wo\nneben ihm, theils nach einander, theils gleichzeitig die ita-\nliänischen Capcllmeister Bontempi, Albrici, Perandi und\nPallavicini angestellt waren. Auf die Prätentionen der Aus-\nländer überhaupt lässt ein Bericht des Ober-Hofmarschalls\nvon Haugwitz an Johann Georg 111. vom Jahre 1688\nschliessen: „Denn ich nicht finde, dass ervvehnte Italien* -\nsehe Musicidurchgehends solche vortreffliche\nseyn, als wie sie ihnen selbst die von sich haben,\nund bey so hohem traetament dergleichen ungeräumte\nexceptiones machen dürften, dergleichen bey des höchst-\nseeligsten Churlürstens Lebzeiten wider keinen Capellmei-\nster auf die Bahne gebracht werden dürfften.\"\nAm 3. November 1662 wurde zur Vermählungsfeier\nder Prinzessin Sophie, Tochter Johann Georg's 11., mit\ndem Markgrafen Ernst Christian von Brandenburg-Bay-\nreuth, deren Festlichkeiten vom 18. October bis 13. No-\nvember dauerten und 300,739 Thlr. kosteten, die erste\nitaliänische Oper, II Paride,Text und Musik von Bon-\ntempi, gegeben. In den 37 Scenen der fünf Acte traten\nausser den Chören 30 Personen auf. Im vierten Acte kommt\nauch die Versöhnungs-Scene zwischen Paris und Helena\ngetreu nach Homer vor; Helena schilt den Paris, er be-\nschwört sie, seine Glulh zu kühlen\nsuo ardore),sie ergibt sich, „macht aus ihren Armen eine\nLiebeskette um seinen Hals\", giüatasi sopra il letto, Amor\nzieht die Vorhänge zu und entfernt sich lächelnd. (Vgl.\nFürstenau a. a. 0., S. 210, wo die vollständige Anweisung\nfür die Darsteller aus dem Original-Textbuch zu lesen ist.)\nUnter Johann Georg 111. wurde der schon oben ge-\nnannte Castrat de Melani Hausmarschall der Witwe\nGeorg's 11. und 1681 sogar „churfürstlicher Minister\".\nEr starb 1693.\nEine grosse Rolle spielte am Hofe Georg's 111. die\nSängerin Margherita Salicola, über welche Karl von\nWeber in den „Beiträgen zur Chronik Dresdens\" (Leipzig,\n1859) und Fürstenau (1., S. 277 ff.) anziehende Nach-\nrichten geben.\nJohann Georg 111. hörte sie in Venedig, wo er vom\n15. Januar bis 28. Februar 1685 sich incognito, aber\ndoch mit einem Gefolge von 24 Personen aufhielt. Er\nschrieb an de Melani: „Mögen auch nicht bergen, dass\nWir eine völlige italiänische Musik mil nach Dresden brin-\ngen, werden euch daher nicht eher weglassen, bis Uns ihr\neine opera habt helfen angeben. Wir bringen auch ein\nFrauenzimmer mit, so vortrefflich wohl singet.— Ihr mö-\nget zwei opera in Bereitschaft haben, eine auf Unsern Ge-\nburtstag, die andere aber auf Margariten.\"\nAlso zum Namenstage des Frauenzimmers, das keine\nAndere als Margherita Salicola war, sollte die zweite Oper\nStatt finden! Aber der Kurfürst halle das Frauenzimmer\nnoch keineswegs sicher. Die Salicola war aus Mantua, war\nin Diensten des Herzogs Karl IV. und befand sich nur auf\nUrlaub in Venedig; war schon der Abbate Grimani, Di-\nrector des Thealers 8..Giovanni wenig geneigt,\nsie sich vor Ablauf der bestimmten Zeit entziehen zu las-\nsen, so war noch weniger ihre Entlassung vom Herzog zu\nerwarten. Indessen gelang es wenigstens, einige jener Hin-\ndernisse zu beseitigen. Die Sängerin selbst war durch glän-\nzende Anerbielungen bald gewonnen; auch ihr Vater, der\nebenfalls in des Herzogs von Mantua Diensten stand, er-\nschien in Venedig und erklärte seine Genehmigung zur\nUebersiedelung seiner Tochter nach Dresden; endlich gab\nauch Grimani nach, jedoch nur unter der Bedingung, dass\nman seine Zustimmung verschweige; er fürchtete den Zorn\ndes Herzogs und wollte daher nur als leidender Theil,\nnicht als zustimmend in dessen Augen erscheinen. Von der\nSumme von 55,500 Thlrn., welche wir als die Reisekosten\ndes Kurfürsten verrechnet finden, mag wohl ein Theil zur\nAusgleichung jener Schwierigkeiten verwendet worden sein.\nDer Kurfürst verliess am 28. Februar 1685 Venedig\nund nahm seinen Rückweg über Innsbruck. Finige läge\nspäter verschwand die Sängerin in Begleitung ihres Bruders\nFrancesco aus Venedig; einige verkleidete Diener des Kur-\nfürsten führten sie auf schnellen Rossen ihm nach; viel-\nleicht war der General-Adjutant Pflugk, dem der Kurfürst\nnoch am Tage seiner Abreise von Venedig einen Pass „zu\neiner Reise nach Dresden in gewissen Angelegenheiten\"\nausstellen liess, ihr Führer. An welchem Orte sie mit dem\nKurfürsten zusammengetroffen, ersehen wir nicht, finden\naber die Salicola in Augsburg, wo Johann Georg-verweilte,\nin seiner Umgebung. Hieher kam auch der Kurfürst von\nBayern, und Johann Georg verfehlte nicht, ihm seine neue\nSängerin unter der Eröffnung, er habe sie „aus Italien\nmitgebracht\", vorzuführen und sie ihre Kunstfertigkeit be-\nweisen zu lassen. Auch der Kurfürst von Bayern nahm\nlebhaftes Interesse an der Fremden, deren Talent durch\nein sehr einnehmendes Aensseres unterstützt ward.\nDer Herzog von Mantua fand in dieser Entlührung\nseiner Sängerin, die er selbst sehr hoch schätzte, eine em-\npfindliche Beleidigung und ergriff sehr energische Maass-\nregeln, diG Entführte wieder in seine Gewalt zu bekom-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.4", "texte": "men. Nicht allein rächte er sich an der Familie Margari-\nta's, liess sie ins Gefängniss werfen und sehr hart behan-\ndeln, sondern schickte auch eine Anzahl Banditen der\nFlüchtigen nach, um sie wieder einzulangen. Glücklicher\nWeise hatte aber Margarita bereits den deutschen Boden\nbetreten, und die ausgesandten Häscher kehrten unverrich-\nteter Sache wieder zurück. Darauf schickte der Herzog\nden Grafen Violandi mit einem Handschreiben an den\nKurfürsten selbst ab, das keinen anderen Inhalt halte, als\neine Herausforderung. Violandi war direct nach Augsburg\ngegangen, wo er, ohne dem Kurfürsten vorgestellt zu sein,\nihm das Schreiben des Herzogs ohne Weiteres zusandte.\nJohann Georg hatte schon im Türkenkriege hinreichende\nBeweise persönlichen Muthes gegeben und konnte daher\num so leichter diesen ungebührlichen Antrag zurückwei-\nsen. Der Conte di Violandi ward daher nicht beim Kur-\nfürsten vorgelassen, als er darum ansuchte, und musste\nebenfalls seine Rückreise nach Mantua ohne den gering-\nsten Erfolg wieder antreten. Inzwischen halte der Kur-\nfürst von Bayern seine Vermittlung angeboten, und ihm\ngelang es, den Anfangs noch immer störrischen Herzog\nzu besänftigen. Auf seinen Rath schickte der Kurfürst einen\nbesonderen Gesandten mit einem eigenbändigen Hand-\nschreiben nach Mantua, worin der Kurfürst sein Bedauern\naussprach, dass. ohne sein Wissen die Sängerin Margherita\nSalicola durch ihren Uebergang in den kurfürstlichen\nDienst frühere Verpflichtungen eigenmächtig gebrochen\nhätte, während der Herzog ein ähnliches Schreiben dem\nkurfürstlichen Gesandten übergeben liess, worin er die\nSängerin ihres Dienstes entliess. Der Kammerherr von Pol-\nheimb, der mit dieser Sendung von Seiten des Kurfürsten\nbetraut war, fand die zuvorkommendste Aufnahme in Man-\ntua, wurde mit glänzenden Festlichkeiten und Jagden ge-\nehrt, und der Zwist, in welchem Anfangs von Italien aus\nmit Dolch und Gift gedroht worden war, endete mit herz-\nlichem Einvernehmen.\nMargherita traf im April in Begleitung ihres Bruders\nin Dresden ein. In einem Hof-Diarium von 1685 fand sich\nfolgende Notiz: „Donnerstag den 1. October, Abends ge-\ngen 5 Uhr, kam die italienische Sängerin Margherita Sali-\ncola, die der Churfürst aus Italien mit nach Dresden ge-\nbracht, von Dresden anher (nach Torgau) und ward in das\nBrandenburgische Tafelgemach einlogirt\", ein Beweis der\nhohen Gunst, in welcher die Sängerin gestanden. In\nDresden scheint Margherita ausser in Hof-Concerten und\nbei Tafelmusiken zum ersten Male am 30. Januar 1686\nim Komödien- und Opernhause in der Rolle der Pulcheria\nin der italiänischen Oper „Alarico\" aufgetreten zu sein.\nDichter und Componist dieser Oper, welche viel Glück\nmachte, sind nicht bekannt geblieben. Das ilaliänisch und\ndeutsch in Dresden gedruckte Textbuch enthalt merkwür-\ndiger Weise zwei Dedicationen an die Kurfürstinnen von\nSachsen und von der Pfalz von der Sängerin, von der\nSalicola, nicht vom Dichter oder Componisten! Im Februar\n1687 feierte sie in der Oper Gerusalemm von\nPallavicini als Armide neue Triumphe. Sonnette wurden\nauf sie als „Göttin des Gesanges, die mit Stimme, Spiel\nund schönem Antlitz die Herzen bezaubert\", gemacht, sie\nhiess die Gemma della scena, das canoro prodigio dell' Ha-\nlia, del Mondo!\nWiewohl es Höflichkeitssitte unter den Fürsten war,\nsich ihre vorzüglichen Künstler zu Festlichkeiten zu leihen,\nso schlug doch Georg 111. jedes Gesuch um die Salicola\nab und sandte in solchen Fällen seine zweite Sängerin\no\nRosa Santinelli. Uebrigens wusste jene ihre Stellung gehö-\nrig auszubeuten. Im Jahre 1691 war ein Pasquill auf sie\nerschienen, worüber sie in Zorn gerieth. Um sie zu be-\nruhigen, hatte man das Original in Gegenwart der Ober-\nhofmarschallin von Haugwitz verbrannt und ausserdem\nstreng verboten, Copieen davon zu bewahren. Ein Diener\ndes Sängers Antonio Giustachini hatte aber der Salicola\nmitgetheilt, dass sein Herr noch eine Abschrift des Pas-\nquills besitze, worüber diese in gewaltige Aufregung ge-\nrieth und sich weigerte, mit ihm und einigen anderen Ila-\nliänern in der Oper zu singen. Der Hofmarschall von\nHaugwitz verlangte nun durch den Capellmeister Bernhard\nvon Giustachini die Aushändigung des um\ndadurch der „offendirten und ereifferten Sängerin\" einige\n„Satisfaciion zu geben\". Giustachini erklärte sich zu jeder\nGenuglhuung bereit, wenn er schuldig wäre, was er jedoch\nentschieden in Abrede stellte. Trotz aller dieser Versiche-\nrungen seinerseits blieb die Salicola halsstarrig bei ihrer\nBeschuldigung und Weigerung stehen, so dass sich der\narme Ober-Hofmarschall nicht mehr zu helfen wusste und\ndie Sache an den Kurfürsten berichtete (der sich damals\ngerade in Nauendorf aufhielt) und dringend bat, ihn „die-\nser beschwerlichen Dinge in Churf. Gnaden\" zu überhe-\nben. Johann Georg 111. kannte seine Künstler. In einem\nErlasse d. d. Nauendorff, 9. Januar, an Haugwitz spricht\nder Kurfürst von ihnen als „Volck, dem Kessler Gesinde\nnicht ungleich, undt sich sobald wieder versühnt als er-\neyftert, desswegen eben mit ihnen Geduldt zu haben ist.\"\nSchliesslich wurde Domenico de Melani mit Vermittlung\nO\nder Angelegenheit betraut, der denn auch die schwierige\nMission mit der erzürnten Landsmännin glücklich beendigt\nzu haben scheint.\nMargherita Salicola errang auch die Gunst Johann\nGeorg's IV. und blieb als Liebling des Hofes bis 1693 in\nDresden. In einem Hof-Diarium dieses Jahres heisst es:\n,Sonnabend den 26. August. Heute ist die italienische"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.5", "texte": "Sängerin Signora Margherita Salicob, nachdem sie an\nletzt vergangener Ostermesse ihren verlangten Abschied\nerhalten, bis hierher aber, weil sie die Abfertigungsgelder\nnicht bekommen können, dennoch verpfleget worden, von\nDresden nach Wien abgereist.\" Sie hatte 4062 Thlr. 12\nGr. Besoldungsreste für sich und ihre Dienerschaft zu for-\ndern, so wie 800 Thlr. Schulden gemacht, die aus „be-\nsonderer Gnade\" auch bezahlt wurden. Demunerachtet\nfanden sich nach ihrer Abreise noch 1147 Thlr. Schulden\nvor, welche gedeckt werden mussten*).\n\nDas Sängerfest zu Lille.\n\nDen 29. und 30. Juni.\nDie französischen Sängerfeste unterscheiden sich von\nden deutschen schon in der äusseren Anordnung erstens\ndadurch, dass in der Regel der Wettstreit und das Preis-\nsingen die Hauptsache ist, was bei Ihnen, wenigstens nach\nden Gesetzen, die bei dem grossen deutschen Sängerfeste\nin Nürnberg beobachtet wurden, glücklicher Weise sein\nEnde erreicht zu haben scheint. Zweitens aber sind die\nfranzösischen Sängerfeste sonderbarer Weise fast immer\nmit einem Wettstreit der Vereine für Harmoniemusik ver-\nbunden. Dies ist aber ein nationaler Charakterzug bei uns;\nschon in Belgien und vollends im nördlichen Frankreich\nhat jedes Städtchen, ja, jedes einiger Maassen bedeutende\nDorf seine Gesellschaft von Instrumentalisten, bei denen\nohne Geigen die schärferen Holz-Blas-Instrumente mit dem\nunvermeidlichen Serpenl, besonders aber Cornet, Trompete\nund Militär-Trommel die Hauptrollen spielen. Die Mitglie-\nder dieser Corps sind nicht bloss Musiker von Profession,\nsondern man zählt auch viele Dilettanten darunter, zumal\nda es eine Ehrensache ist, auch in der Kirche und bei\nProcessionen mitzuwirken, wesshalb dem Fremden, der\nsich schon von dem weltlichen Orgelspiel französischer Or-\nganisten mit Unwillen abwendet, noch ärger im wahren\nSinne des Wortes mitgespielt wird, wenn die Harmonie\nim unwahren Sinne des Wortes auf einmal in den\nheiligen Räumen loskracht.\nDiesem Nationalbrauch gemäss waren denn auch am\n29. und 30. Juni hier in Lille an 3000 Sänger und Blä-\nser versammelt, die auf das Ausschreiben der städtischen\nBehörde aus Nordfrankreich und Belgien herbeigekommen,\num sich einander zu begrüssen. Nach der Preisverteilung\nzeigten freilich die Grüsse gar verschiedene Schattirungen,\nindem viele Gesichter trotz erkünstelter Freundlichkeit sich\nschief zogen, andere, ohne der Convenienz der Sitte zu\nachten, geradezu einen fratzenhaften Ausdruck annahmen\n-—das ewige Uebel dieser Feste der Harmonie!\nSonntag den 29. Juni ergossen die Eisenbahnwagen\nihre reichen Künstlerladungen über das Stadtgebiet; die\nConcurreriten wurden feierlich eingeholt u. s. w. Ehren-\nund lobenswerlh ist aber hier zu Lande bei solchen und\nähnlichen Gelegenheiten das Benehmen der städtischen und\nder Militär-Behörden, welche sich stets als Leiter des Gan-\nzen an die Spitze stellen. Der gewaltig lange Zug dauerte\nüber drei Stunden. Von Paris waren zwei Vereine da, der\nOdeonund die EnJ'ants de St. aus dem nördlichen\nFrankreich die Vereine aus Valenciennes, Amiens, St.Omer,\nCambrai und zehn andere aus dem Maasgebiete und der\nNormandie; aus Belgien waren die „Melomanen\" und die\nSociete des Choeursund noch drei andere Vereine aus\nGent anwesend, ferner die R von Brüssel,\ndie Legiavon Lüttich, die S von Verviers, der\nVerein von Ixelles und noch sechs bis sieben aus anderen\nbelgischen Städten. Weder holländische noch deutsche\nVereine hatten der Einladung entsprochen, und so war von\ndenjenigen Zuhörern, welche das Terrain kannten, vorauszu-\nsehen, dass die belgischen Vereine die Sieger sein würden.\nPreisrichter waren die Herren Ambroise Thomas, Ge-\nvaert, Bazin und Laurent de Rill<s. Man bedauerte allge-\nmein, dass deutsche Celebritäten, wie Ihre Mitbürger Hiller\nund Weber, verhindert gewesen, das ihnen angetragene\nRichteramt zu übernehmen. Die wettstreitenden Vereine\nder höchsten Classe mussten ein Stück nach ihrer Wahl\nund einen Chor: „Le Tirol\",von Ambr. Thomas (Ma-\nnuscript) vortragen; die Vereine der ersten und zweiten\nClasse je zwei Gesänge nach ihrer Wahl.\nDie Preise hatten einen Werth von etwa 20,000\nFrancs. Der Ehrenpreis der höchsten Classe bestand in\neiner grossen goldenen, vom Kaiser gestifteten Medaille und\n1500 Francs Entschädigung. Die zweite vom Kaiser ver-\nliehene Medaille bildete den Ehrenpreis für die Vereine,\nwelche in der ersten Classe der Fremden und Einheimi-\nschen Sieger gewesen waren.\nDie Composition von A. Thomas hat mehr Blendendes,\nals wirklichen musicalischen Gehalt. Von belgischen Com-\nponisten waren La Branche d'amour von Soubre, Les\nContrebandiersvon Limnander,\nSaid von Gevaert auszuzeichnen; von deutschen Ton-\nsetzern wurden Becker's „Kirchlein\" und Kücken s\n„Junge Musicanten\" mit französischem Text gesungen.\n\n*) Die Data zu obigem Aufsatze sind meist aus dem oft angezo-\ngenen Buche von Fürstenau (vgl. Nr. 27 d. Bl.) genommen,\nworaus eine weitere Empfehlung dieses interessanten Werk-\nchens hervorgehen dürfte. Es sollte uns wundern, wenn die\nGeschichte der Margherita Salicola (die bei K. v. Weber\na. a. 0. ausführlicher zu lesen ist) nicht einem von den Jä-\ngern auf historische Romanstoffe oder auch einer Jägerin zur\nBeute werden sollte!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.6", "texte": "Die französischen Vereine konnten gegen die belgi-\nschen nicht aufkommen; letztere überragten jene nicht nur\nan klangvollen Stimmen, sondern ganz besonders auch an\nmusicalischer Bildung und gediegener Schule. Im Grunde\ngenommen konnte bei allen französischen Vereinen, welche\ngegenwärtig waren, von einer künstlerischen Leistung gar\nnicht die Bede sein. Das Missverhältniss war aber auch in\njed er Hinsicht zu gross, sowohl in Bezug auf Stärke der\nVereine an Zahl, als auf Dauer ihrer Existenz und ihrer\nStudien. Ganz junge französische Gesellschaften sollten ge-\ngen so erfahrene, seit zwanzig Jahren bestehende Vereine,\nwie die von Gent, Brüssel u. s. w., den Kampf bestehen!\nSo offenbarte denn das Fest in Lille mehr wie vielleicht\njemals ein ähnliches die grossen Uebelstände der Wett-\nstreite, die störenden Reibungen und eifersüchtigen Riva-\nlitäten die Folgen leicht gereizter Eitelkeit, in welcher\ndie musicalischen Dilettanten die Künstler vom Fach wo\nmöglich noch übertreffen. Wir glauben, dass die Stadt\nLille in dem internationalen Concurs ein Haar gefun-\nden hat und sobald nicht wieder zu einer Wiederholung\nübergehen wird. Was würde es erst gegeben haben, wenn\ndie deutschen Vereine von Aachen, Düsseldorf, Crefeld,\nMainz u. s. w., oder vollends Ihr Männer-Gesangverein\nvon Köln hier gewesen wäre!\nDen Ehrenpreis in der höchsten Classe hat die\nlyriquevon Brüssel erhallen; der zweite und dritte Preis\nin derselben Classe wurde der Societe des Choeurs von\nGent und der Legiavon Lüttich zuerkannt. In der ersten\nClasse der Fremden siegten Ixelles, Namur und Seraing;\nin der ersten Classe der Franzosen St. Omer, Cambrai\nund Amiens. Um den Ehrenpreis stritten St. Omer und\nIxelles; er wurde dem Vereine von Ixelles in Belgien zu\nTheil.\nAm Abende des Sonntags brachte das Fest, welches\nder Gesangverein von Lille den Gästen gab, eine fröhliche\nStimmung hervor, in welcher sich nach und nach die dis-\nsouirenden Intermezzi in Harmonie aullösten. Die\nlyrique von Brüssel feierte hier erst recht ihren Triumph:\nAmbroise Thomas stürzte voll Begeisterung ihrem Diri-\ngenten in die Arme, dieser warf sich nicht in die Brust,\nsondern dankbar an die Brust seiner Sänger, allgemeine\nUmhalsungen, „seid umschlungen, Millionen!\" Hurrah's\nund Ewiva's und donnernder Applaus.—Nun, Sie und Ihr\nkölner Verein wissen ja aus eigener Erfahrung, wie vor-\ntrelllich meine liller Mitbürger die Wirthe zu machen ver-\nstehen, und eine solche von edelm Rebengewächs unter-\nstützte Liebenswürdigkeit erhöht immer den Enthusiasmus\nfür d ie Kunst. ; ■\nDer Montag war von früh bis Abends dem kriegeri-\nschen Musiklärm der friedlichen Bürger gewidmet, die von\nallen Ecken und Enden her, die Trommel voran, in den\nbuntesten halbsoldatischen Trachten in mehr als zwanzig\nverschiedenen Compagnieen durch die bekränzten und be-\nflaggten Strassen zogen, von der aufwachsenden hoffnungs-\nvollen Heldensaat des Vaterlandes schreiend und tobend\nbegleitet, bis zu den Hallen des Marktes und der grossen\nZucker-Niederlage. Dort machte der Heidenlärm dem mu-\nsicalischen Geräusch von verdammt kleinen und spitzen\nClarinetten, Buggel- und Pistonhörnern, Posaunen und\nRiesen-Ophykleiden Platz. Da konnte man die ganze\nvolee der Blechgesellschaft kennen lernen, die Erfindungen\nder modernsten KJangspeculation im Saxophon und der\nquadralähnlichen Tuba neben den ehrwürdigen Resten der\nLegitimität vorrevolutionärer Instrumente. Mir fiel dabei\nein, dass man auch für die Preisrichter einen Gehörspreis\nhätte aussetzen sollen für den, welcher bei jedem von die-\nsen Corps das genaue Verhältniss seiner Stimmung zu\ndem Diapason normal des Kaiserreiches in bestimmter\nSchwingungszahl hätte ausdrücken können! Aber die Jury\nmachte es sich leichter, sie tbeilte Preise in Medaillen und\nGeld mit vollen Händen aus, und Alles zog fröhlich bla-\nsend und aufgeblasen nach Hause.\nLille, den 4. Juli 1862.\n\nL. R.\n\nAus Aachen.\n\n[Schlechte Saison Concerte Oper.]\nUnser Publicum gleicht in diesem Augenblicke den\nSchnecken, die sich einen Theil des Jahres lang reichlich\nnähren, um nachher vom Genuss auszuruhen. Die Freunde\nder Kunst haben den Winter hindurch einen solchen Vor-\nrath von Noten bei sich aufgespeichert, dass sie noch im-\nmer davon zehren, und die Künstler, welche den Versuch\nwagen, diese Lethargie zu bekämpfen, opfern Mühe und\nGeld. Man kann in der That sagen, dass unsere Concerte\nbei verschlossenen Thüren gehalten werden. Fremde sind\nwenige oder gar keine hier, und die da sind, machen es\nauch wie die Schnecken und bleiben bei dem schlechten\nWetter in ihrem Gehäuse. Es ist eine verfehlte Saison.\nVergebens haben ihr Glück versucht Fräulein von Jan-\nsard, kaiserlich russische Concertsängerin, eine brave Sän-\ngerin aus der guten italiänischen Schule, Herr Ratzen -\nberger, einer von Liszt's besten Schülern, Fräulein Anna\nMeyer aus Paris, eine junge Pianistin von eilf Jahren voll\nTalent und Verstand, der Violinist Berou aus Paris,\nFräulein Jansen, die talentvolle Harfenspielerin u. s. w.\nDagegen steht das Theater sehr in Gunst, das Haus\nist immer voll, und die Directorin Greiner thut alles Mög-\nliche, um die Besucher zu befriedigen. Das Opern-Perso-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.7", "texte": "nal ist ein vollzähliges und, da wöchentlich fünf Mal ge-\nspielt wird, in manchen Fächern doppelt besetzt. Als erste\nSängerinnen sind Fräulein Klingelhöfer und Frau Du-\npont, die Gattin des Capellmeisters am Theater, vorzüg-\nlich; Fräulein Kluge ist eine der besten Soubretten, wie\nwir sie seit langer Zeit nicht gehabt haben, und sie wird\nvon Fräulein Walburger aufs beste unterstützt. Herr\nMeyer, ein guter Regisseur, theilt die Bariton-Partieen\nmit Herrn Simons. Dazu kommt ein Chor, wie ihn selten\neine Provincialbühne besitzt, unter der tüchtigen Leitung\ndes Herrn Thyssen.\nDie Gastspiele haben Herr und Frau Rübsahmen aus\nKassel eröffnet, und Frau Dustmann aus Wien wird bei\nuns nach dem Musikfeste in Köln neue Triumphe erlan-\ngen. Eine schöne Vorstellung war „Figaro's Hochzeit\";\nFrau Rübsahmen, die schon als Rosine im Barbier und als\nMarie in der Regimentstochter grossen Erfolg gehabt halte,\nzeigte als Susanne ihre Meisterschaft im Vortrage classi-\nscher Musik. Fräulein Rlingelhöfer stand ihr als Gräfin\ntrefflich zur Seite, das Schreib-Duett war entzückend. Der\nFrau Rübsahmen trug die Arie im vierten Acte eine glän-\nzende Ovation ein, und Fräulein Klingelhöfer ärntete durch\nihre reine und sympathische Stimme und die Ausführung\nder beiden Arien den lebhaftesten Beifall, der ihr auch\nschon bei ihrem Debüt in der Rolle der Recha in der Jü-\ndin zu Theil geworden war. Ein Cherubin, wie Fräulein\nKluge, gehört gewiss zu den Seltenheiten. Herr Rübsah-\nmen brachte die Partie des Grafen zu voller Geltung; er\nist zugleich ein vortrefflicher Schauspieler; seine umfang-\nreiche Stimme ist prächtig, nur scheint er zu oft durch die\nKraft derselben imponiren zu wollen. Seine grosse Arie\nerhielt stürmischen Applaus.\nGounod's „Faust\" ist mit glänzender Ausstattung\ngegeben worden. Die Aufführung war eine gute, der Er-\nfolg der Oper hat aber den Erwartungen nicht ent-\nsprochen.\n\nN.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nfco5VI. Die allerliebsten Geschwister fahren fort,\nim Victoria-Theater volle Häuser zu machen. Im Vaudeville-Theater\nin der Stadt gastirt Frau F rieb - Blumauer vom königlichen Hof-\ntheater in Berlin und erregt durch ihre Meisterschaft in der Dar-\nstellung von fein komischen weiblichen Charakteren und aus dem\nLeben gegriffenen Originalen, wie z. B. die Köchin in Benedix s\n„Dienstboten\" u. s. w., ganz ausserordentlichen Beifall.\nDer hiesige Männer-Gesangverein unter Direction von\nFranz Weber wird auf Ersuchen des Vorstandes der katholischen\nKirche in Wiesbaden am 19. Juli ein Abend-Concert im Cursaale\nund am 20. ein in der Kirche geben, deren Ertrag\nzum Ausbau der Thürme gedachter Kirche bestimmt ist. Am Abend\ndes 20. (Sonntags) hat der Intendant des herzoglichen Theaters,\nHerr von Bose, die Aufführung von F. Hiller's „Katakomben\"\nangeordnet.\nBerlin« Die Mitglieder des k. k. Hofburgtheaters, die Damen\nHaizinger, Baudius und Kronau und Herr Meixncr, began-\nnen am 4. Juli ihr Gastspiel am Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater zu Berlin mit zwei neuen Lustspielen von R. Benedix:\n„Gegenüber\" und „Günstige Vorzeichen\", vor ausverkauftem Hause.\nBeide Stücke haben sehr gefallen. Der Beifall, der dem geistvollen\nSpiele der wiener Künstler gespendet wurde, war ein enthusiastischer.\n12ttnift€>vei% Die Herren Capellmeister Fischer und Scholz\nhaben von dem Könige von Hannover den Weifen-Orden, der Kam-\nmersänger Herr Nie mann die grosse Medaille für Kunst und Wis-\nsenschaft erhalten.\nStadt« Die glücklichen Erfolge, welche Herr Hofrath\nKette, Vorstand des musicalisch-akustischen Instituts zu München,\ndurch die von ihm angewandte akustische Behandlung zur Veredlung\ndes Tones aller Streich- und Saiten-Instrumente erzielt hat, haben\nihm längst schon die ehrendsten Zeugnisse der competentesten Ken-\nner, an deren Spitze selbst Spohr stand, so wie vielfache Auszeich-\nnung von Höfen erworben. Wir halten es desshalb im Interesse der\nKunst für geboten, die Erfindung des Herrn Kette immer mehr zur\nallgemeinen Kenntniss zu bringen, indem wir zugleich die Thatsache\nhinzufügen, dass demselben, nachdem er das Saiten-Quartett der\nHofcapelle zu Darmstadt der erwähnten Akustisirung unterzogen,\nals Beweis der Anerkennung und Zufriedenheit von Sr. K. Höh. dem\nGrossherzog das Ritterkreuz des Verdienst-Ordens Philipp's des\nGrossmüthigen am 8. Mai d. J. verliehen worden ist. L. S.\nBjeipÄfig. Montag den 30. Juni fand auf dem Stadttheater eine\nFest-Vorstellung zu Ehren des Königs von Sachsen Statt. Man gab\nden „Präsidenten\", vorher „Der gute Ton\" von Töpfer mit Frau\nMarie Kierschner in der Hauptrolle des letztgenannten Stückes. Die\nMajestät wohnte der Aufführung des ersten Stückes bei. Frau Marie\nKierschner hatte nur mit Anstrengung aller ihrer Kräfte ihre Auf-\ngabe für diesen Abend übernehmen können, da sie die beiden vor-\nhergehenden Tage heftig unwohl gewesen war. Beim Abschied wurde\nsie durch eine reiche Fülle von Blumen- und Kränzespenden ausge-\nzeichnet. Der König liess dem Director des Stadttheaters, Ritter\nWirsing, seine Allerhöchste Zufriedenheit aussprechen.\nZur Feier der Anwesenheit der Königlichen Majestäten wurde\nauch im Gewandhause ein Fest veranstaltet. Das Conservatorium\ngab den Majestäten ein Concert. Mag dasselbe nun so gering und\nbescheiden ausgefallen sein, als es wolle, es spricht abermals für\nunsere Zustände, dass das Directorium nicht daran dachte, die Jour-\nnalistik dazu einzuladen. Dabei ist man auf seine Leistungen stolz\nund gerirt sich in anderen Dingen recht komisch gern so gross-\nstädtisch als möglich, während den Herren dazu aller Tact abgeht.\nDie Vorträge in diesem Concerte waren eine Ouvertüre vom alten\nBach, „Ave verum\" von Mozart und ein neues „Salvum fac re-\ngeni\" von Ch. Louis Boas, Schüler des Conservatoriums, aus\nArnheim. Dann traten mehrere Schüler und Schülerinnen auf. Zwei\nStücke aus David's „Bunter Reihe\" (Menuett und Etüde) wurden\nvon 28 Schülern unisono gespielt. Die Majestäten liessen sich Mo-\nscheies, Concertmeister David und Musik-Director Richter\nvorstellen.\nDas neue Theater in Baden-Baden wird am 6. August eröff-\nnet werden. Der Zuschauerraum besteht aus dem Parterre, über\nwelchem bis gegen die Mitte hin der hervorragendste und im Entr&i\nam höchsten bezahlte Platz, der Balcon, hervortritt. Unter dem Bal-\ncon sind die Parterre-Logen; darüber erheben sich von einem Pro-\nscenium zum anderen zwei Ränge Logen und darüber eine Galerie."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620712-01.1.8", "texte": "Die Prosceniums-Logen sind sehr geräumig und hoch. Die Farbe\nder Ausschmückung ist weiss und blassgrün mit reicher Vergoldung-\nDie Logenscssel sind von weiss angestrichenem Holze, die Polster\nmit dunkelrothem Sammt überzogen. Das Innere der Bühne und die\nGas-Einrichtung des ganzen Hauses ist von dem in der Theaterwelt\nüberall berühmten Mühldorfer in Mannheim angefertigt, die bauliche\nHerstellung und Ausschmückung von pariser Architekten. Zur Er-\nöffnungs-Oper ist Kreutzens „Nachtlager von Granada\" bestimmt,\nausgeführt von dem karlsruher Hof-Opernpersonale, welches allwö-\nchentlich einmal am Mittwoch Vorstellungen geben und nur deutsche\nWerke zur Aufführung bringen wird. Am Montag und Freitag wer-\nden pariser Künstler ersten Ranges französisches Theater spielen,\nund zwar theils komische Oper, theils Lustspiel. Diese Einrichtung\ndauert die ganze Saison über fort, im Winter wird wöchentlich nur\nein Mal von den Mitgliedern der karlsruher Hofbühne gespielt wer-\nden. Mit der Zeit wird sich jedoch wohl hier ein selbstständiges\nTheater-Unternehmen bilden müssen, wenn anders der Zweck, wel-\nchen man mit der Errichtung des Schauspielhauses verbindet, und\ndie Hoffnungen, die man namentlich im Hinblick auf die Zukunft\ndaran knüpft, sich erfüllen sollen.\nIn Karlsruhe sollen im nächsten Winter „Die Katakomben\"\nvon Ferd. Hiller und „König Enzio\" von Abert zur Aufführung\nkommen.\niirzburg* Am 26. Juni gaben Fräulein Garthe und Herr\nC. Hart mann, beide vom herzoglichen Hoftheater zu Coburg, im\nakademischen Musiksaale ein Concert, in welchem sie den Beifall\naller Zuhörer sich erwarben. Besonders war es Fräulein Garthe, eine\nSchülerin Garcia1 s in London, welche durch ihre klangvolle, weiche\nStimme, seelenvollen Vortrag und äusserst deutliche Aussprache sich\nauszeichnete. Als tüchtige Coloratursängerin zeigte sie sich beson-\nders im Schattenwalzer aus „Dinorah\", während das eigentliche in-\nnere Gefühlsleben im Vortrage von Mendelssohn's „Auf Flügeln des\nGesanges\" und Marschner's „Liebchen, wo bist du?\" welches letztere\nLied stürmisch da capo verlangt wurde, zur Geltung kam. Herr\nHartmann hat eine weiche, hübsche Tenorstimme mit leichter, ange-\nnehmer Höhe. Er sang die Arie: „Komm, o holde Dame\",'die Arie\ndes Adolar: „Wehen mir Lüfte\", aus Euryanthe und zwei Lieder\nvon Curschmann, so wie mit Fräulein Garthe Duette aus Jessonda\nund Euryanthe.\nTic hätschelt in Dresden feiert still im häuslichen Kreise am\n26. Juli sein silbernes Ehe-Jubiläum. Im Herbste wird er das fünf-\nundzwanzigjährige Jubelfest seiner künstlerischen Wirksamkeit an\nder dresdener Hofbühne begehen.\nFr. Csillag hat die Absicht, der Bühne Lebewohl zu sagen,\num einem reichen Engländer die Hand zu reichen.\nF. Mendelssohn-B ar thol dy' s „Reisebriefe\" sind von Lady\nWallace ins Englische übersetzt worden.\n*&Vievi« Director Brauer hat dem Vernehmen nach mit dem\nImpresario Merelli einen Contract geschlossen, dem zufolge Letz-\nterer während des nächsten Faschings mit einer italiänischen Opern-\nGesellschaft im Karltheater Vorstellungen geben wird. Als Mitglie-\nder dieser Gesellschaft werden die Damen Artöt, Trebelli, Patti,\nferner Carion u. A. genannt. v. M.\nDie Salzburger Zeitung meldet: Vor Kurzem wurde in der hie-\nsigen Domkirche zum ersten Male Mozart1 s Vesper in C-dur (com-\nponirt in Salzburg Anno 17 80, nach R. von KöcheFs Katalog Op.\n399) aufgeführt. Die Partitur befand sich in Mozart's Nachlass im\nMozarteum und wurde von dem thätigen Director desselben, Herrn\n11. Schläger, nach deren Entdeckung alsbald zur Aufführung vor-\nbereitet. Das Werk gehört unstreitig zu den bedeutendsten Compo-\nsitionen des Meisters; die Nummern „Beatus viru, „Magnificat\", vor\nAllem aber die grandiose Fuge vLaudate pueri\", sind wahre Gei-\nstesperlen dieses grossen Genius. Man staunt, dass dieses Werk nach\nmehr als achtzigjähriger Existenz noch immer nicht durch den Druck\nvervielfältigt ist. Bruchstücke desselben finden sich hier und da in\nKlöstern, und das „Laudate Dominum\" ist bei Diabelli in Wien er-\nschienen. Während man bei Beethoven bereits zu einer Gesammt-\nAusgabe seiner Werke schreitet, schlummern Mozart'sche Geistes-\nblüthen hehrster Schönheit noch unbekannt und bestaubt in Archi-\nven, wie dieses Werk und ein unlängst hier vorgeführtes Violin-\nConcert bewiesen.\nParis. „So gross auch das Verlangen der Nation nach ver-\nnünftigen Ersparnissen im Staatshaushalt ist, so hat doch die ein-\nstimmige Bewilligung des Gesetzes, welches der Witwe von Ha-\neine jährliche Pension von 5000 Francs bestimmt, eine allge-\nmeine freudige Billigung gefunden.\" (,Journal des Dibats v. 5. Juli.)\nLondon« Das Monday Populär Concert zum Vortheil von\nErnst, der zur Wiederherstellung seiner sehr angegriffenen Gesund-\nheit in Nizza verweilt (s. Nr. 27, S. 215 d. Bl.), hat, wie man uns\nso eben schreibt, einen reinen Ertrag von 300 Pf. Sterl. (2000 Thlr.)\neingebracht, und das Manuscript des Violin-Quartetts von Ernst,\nwelches Joachim, Laub, Molique und Piatti in jenem Concerte spiel-\nten, hat ein Verleger für 100 Pf. St. angekauft.\nVerkauf von Cremoneser Geigen-Instrumenten in\nLondon. Die vorzüglichsten Instrumente, welche bei dem Verkauf\nin London in der letzten Woche des Juni vorkamen, rührten aus\nder berühmten Sammlung des Grafen Castelbarco in Mailand her,\nwelchem sein Memoire sur Stradivarius gewidmet hat. Eine\nVioline von Stradivarius von 1712 kam auf 70 Pf. St., eine von\n1690 auf 50 Pf., von 1715 auf 100 Pf., eine vierte von 1701 auf\n135 Pf., eine andere von 1685 auch auf 135 Pf., endlich von\n1713 auf 90 Pf. St. Eine Violine von Nie. Amati 36 Guineen. Ein\nVioloncell von Stradivarius von 1697 auf 210 Pf. St. (1500 Thlr.),\nein anderes von 1687 115 Pf. Ein Violoncell von Amati von 1687\n130 Pf. Ein Autograpli von Stradivarius, dessen Facsimile in\nFetis' Memoire abgedruckt ist, wurde mit 8 Pf. St. bezahlt. Der\nVerkauf der ersten 17 Nummern brachte 1239 Pf. St. und 15 Shill.\nein. Unter noch mehreren kostbaren Geigen kam ein grosser Amati\n(60 Pf.) und ein Guarneri (38 Guineen) vor. Im Ganzen trug die\nVersteigerung 1717 Pf. St. 11 Shill. ein (etwa 43,000 Francs)."}]}