{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-07-19-01", "volume": "bmtnabi_1862-07-19_01", "ocr_sha256": "aaf5160af734628caccb6ddf4773649b29291fb92876e44c2ea5c3c7ee5da3fd", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/07/19_01/bmtnabi_1862-07-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-07-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Inhalt.\nDie musicalischen Instrumente auf der Ausstellung in London. I. Statistisches Verzeichniss der Vorstellungen der k.\nBühnen in Berlin. Ans Ems (Nene Oper von J. OfFenbach). Tages- nnd Unterhaltnngsblatt (Deutsche Gesangfeste\nKarlsruhe, Fräulein Emilie Genast Stuttgart, Hof-Capellmeister Eckert Schnorr von Carolsfeld Charles Mayer f Mercadante\nEmil Devrient Das deutsche Schauspiel Wien, Bouffes Parisiens, Männer-Gesangverein Therese Milanollo F. Liszt)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-07-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "228", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.2.2", "titre_corps": "Die musicalischen Instrumente auf der Ausstellung in London.", "titre_sommaire": "Die musicalischen Instrumente auf der Ausstellung in London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.1", "debut_caractere": 465, "fin_caractere_exclue": 4203, "texte": "Die musicalischen Instrumente auf der Ausstellung\nin London.\nI.\nWenn man die Musiksäle Londons in der jetzigen\nSeason anhaltend besucht, so wird man trotz der wirklich\nvortrefflichen Ausführungen grosser Tonwerke mit unge-\nheuren Massen, so wie classischer Compositionen für Kam-\nmermusik durch vollendete Meister dennoch, wenn man\nsie verlässt, ganz angenehm von dem Hauche des Windes\nund dem Anblick des stets glänzend saftigen Grüns in den\nParks berührt, und es verbreitet sich über uns ein Gefühl\nder Ruhe und Erfrischung, welches bei der Abspannung\ndurch jegliches Zuviel, also auch durch das musicalische\nZuviel, recht willkommen ist.\nFährt man nun gar nach Kensington Gardens und ath-\nmet dort die reine Luft, so fühlt man sich recht aufgelegt,\nden Ausstellungs-Palast zu betreten, um dem betrachten-\nden Auge der Veränderung wegen eine Zerstreuung zu\nbieten, während welcher das Ohr von seiner Anstrengung\nund seinen Genüssen sich erholen könne.\nSo tritt man ein. Aber, o Himmel! welch eine fürch-\nterliche Enttäuschung! Statt Eines Concertes dringen einige\nund zwanzig mit ihren verschiedenen, oft entgegengesetzten\nTonströmungen und Stimmungen auf uns ein. und mitunter\nvon Instrumenten, aus denen ein einziger Ton hinreicht,\nein zartes Ohr mit einem Male todt zu schlagen, wenn es\nin dessen näheren Bereich geräth. Solch ein den Arm-\nstrong-Kanonen ähnliches Kaliber schiesst z. B. ein fran-\nzösisches Tuba-Monstrum los, welches zehn Fuss in der\nHöhe und zwei im Durchmesser misst und, weil es bei\nalledem leicht zu handhaben ist, fortwährend von Liebha-\nbern des Kolossalen probirt wird.\nWährend dann von den zweihundert neunund-\nachtzig Pianoforte's aller Formen wenigstens zehn oben\nund zehn unten im Palaste stets zu gleicher Zeit vorge-\nrappelt werden, donnern und flöten von anderen Stellen\nher die Kirchen-, Zimmer- und Strassen-Orgeln, die Har-\nmoniums, Orchestrions, Aeolinen und ihre ganze Sippschaft,\nund biegst Du, um Dich zu reiten, in einen anderen Gang\nein, so dröhnt dir ein Fanfarengeschmetter aus Blech von\nallen Dimensionen entgegen, das so lange anhält, bis der\noben erwähnte Löwe unter den Metall-Tonwerkzeugen\ndurch sein Gebrüll auf einige Augenblicke die Trompeten\nund Pauken zum Schweigen bringt. Doch nicht lange, und\nwer kein Dickhäuter ist, hält es nicht aus.\nUnd zu diesen Universal-Concerten, die man an fünf\nWochentagen alle zusammen für einen Shilling haben kann,\nströmt die Menge herbei; man kann den Theil der Anwe-\nsenden, die in der That hauptsächlich der ewigen Musik\nwegen die Ausstellung besuchen, bei einiger Local- und\nMenschenkenntniss von dem anderen, der nur sehen und\nsich belehren will, sehr wohl unterscheiden. Ganze Pen-\nsionen, besonders von jungen Damen, werden hingeführt\n—sie erhalten übrigens auf zwanzig Karten noch eine als\nAgio—und umstehen die verschiedenen Künstler, welche\ndie Instrumente und zugleich sich selbst hören lassen.\nDie verschiedenen Künstler? —Ei freilich! Bei einer\nIndustrie-Ausstellung macht sich jede Industrie geltend,\nund wie es keineswegs gleichgültig für den Besitzer von\nVollblutpferden ist, welcher Jockey sie den Liebhabern\nvorreitet, so beeifert sich auch jeder Fabricant allhier, den\nbesten Spieler für seine Instrumente zu gewinnen. So rei-\ntet—führt, wollte ich sagen—Alfred Jaell die Pianoforte's\ndes Americaners Steinway vor, ein pariser Pianist die Flü-\ngel von Pleyel & Wolf in Paris, Pauer die österreichischen\nInstrumente. Henry Herz spielt sich selbst in puncto der\nCompositionen und der Fabricate, Leföbure-Wely gibt\nAudienzen auf den Harmoniums von Debain, Elliot auf\ndenen von Evans, der berühmte Flötist Pratten wärmt mit\nseinem Virtuosenhauche die Luftschwingungen der Flöten\nvon Boosey in London u. s. w. u. s. w. Thalberg, der,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5461, "texte": "beiläufig gesagt, neben Joachim jetzt der Löwe der Season\nist, hat von einem berühmten Hause in England das An-\nerbieten von 60 Pf. St. für jede Concert-Production auf den\nFlügeln jenes Hauses im Kensington-Palast erhalten, und\nein londoner Musik-Verleger hat ihm den Antrag gemacht,\njenes Honorar zu verdoppeln, wenn Thalberg jedesmal\ndiejenigen Stücke (von seiner Composition) spielen wolle,\nwelche er, der Verleger, ihm vorschriebe. Thalberg hat\nbeide Anträge abgelehnt. Einige französische und, mit\nAusnahme der Oesterreicher, die deutschen Pianoforte-\nbauer haben diese lebendige Reclame verschmäht.\nDie Jury für musicalische Instrumente hat schon am\n7. Juni ihre letzte Sitzung in Beziehung auf die wichtige-\nren Erzeugnisse dieses Zweiges der Kunst-Gewerbthätig-\nkeit gehalten; was noch der Beurtheilung übrig blieb,\nwaren Nebendinge, wie Accordions, Concertino's, Spiel-\nuhren, Musikdosen u. s. w.\nDer 14. Artikel des allgemeinen Reglements für die\nverschiedenen Jury's aller Classen ist für die diesjährige\nAusstellung charakteristisch. Ersetzt fest, „dass nur Eine\nDenkmünze vergeben wird, welche dem Verdienste ohne\nUnterschied des Grades desselben oder der Nationalität,\nund ohne Vergleichung der Aussteller unter einander zu-\nerkannt werden soll.\"\nDieser Artikel hat bei verschiedenen Jury's zu langen\nErörterungen Veranlassung gegeben; alle Anträge zu sei-\nner Abänderung scheiterten an der Festigkeit der obersten\nAusstellungs-Commission, welche nach wohlüberlegter Be-\nrathung diesen Artikel, der einem in der Grundansicht\ngewiss richtigen, gleichsam demokratischen Princip ent-\nspricht, als unumstösslich angenommen hatte. Die Aristo-\nkratie und noch mehr die Legitimität unter den Fabrican-\nten, die auf die Privilegien ganzer Nationen und alter be-\nrühmter Namen pochte, hat sich dadurch allerdings ge-\nstossen gefühlt, allein im richtigen Tact für den Fortschritt\nund für ihr eigenes Interesse haben es doch in allen Zwei-\ngen und namentlich im Instrumentenbau, von dem hier\nvorzugsweise die Rede ist, auch die grössten Häuser für\ngeeignet gehalten, die Ausstellung zu beschicken. Den klei-\nneren oder wenigstens nicht so von wirklich verdientem\noder gemachtem Rufe umstrahlten Industriellen ist dadurch\ndie Möglichkeit gegeben, in die Ueihe der durch äussere\nVerhältnisse und glänzendere Mittel bevorzugten einzutre-\nten, was ihnen bei der bisher beliebten Classen-Eintheilung\nvon vorn herein geradezu untersagt war.\nF£tis sagt in seinen Berichten (in der pariser\n6f Gaz. mm.)über die Verhandlungen der 16. Classe der\nJury (für musicaiische Instrumente), dass man den Piano-\nforte's von Broadwood, Henri Herz und Pleyel & Wolf\neinstimmig den ersten Rang unter allen ausgestellten zu-\nerkannt habe. Unmittelbar nach ihnen wären andere Fa-\nbricanten gekommen, deren Erzeugnisse sich durch ein-\nzelne vorzügliche Eigenschaften auszeichneten, entweder\ndurch mächtige Klangfülle, oder durch brillanten und sym-\npathischen Ton, oder durch einfache und leichte Mechanik\nu. s. w. Er schlug daher mit vier anderen Mitgliedern der\nJury, den Herren Lissajous aus Paris, G. Ouseley aus\nLondon, E. Pauer aus Wien und Schiedmayer aus\nStuttgart (selbst Fabricant und Aussteller), vor, die gros-\nsen Häuser, welche durch bedeutende Capitalien, aus-\nnahmsweise treffliches Material, lange Erfahrung, vielfache\nVersuche und immerwährendes Aufsuchen des Vollkom-\nmeneren es dahin gebracht haben, ihren Instrumenten nicht\nnur eine unwandelbare Solidität, mächtigen Klang, regel-\nrechte Mechanik, sondern auch ausgezeichneten Ton,\nGleichheit in allen Octaven und einen Anschlag, der alle\nNuancen des Ausdrucks ermögliche, zu eigen zu machen,\ndiese Häuser als Fabricanten aller Arten von Piano's aus-\nser dem Concurs zu stellen. Hiernach könne man dann\nauch denjenigen Fabricanten, welche, ohne denselben Grad\nder Vollkommenheit, wie jene, zu erreichen, Ausgezeich-\nnetes, auch in Berücksichtigung des Preises und für den\ngewöhnlichen Hausgebrauch geeignet, geleistet hätten,\ndurch Verleihung der Medaille gerecht werden, deren die\ngrossen Häuser nicht bedürften, da die Blüthe ihres Ge-\nschäftes nicht von der Medaille abhängig wäre.\nDieser Vorschlag wurde jedoch verworfen und gewiss\nmit Recht. Käme ein solches Verfahren auf, so würde dies\noffenbar das Princip einer Ausstellung überhaupt und die\nganze Zweckmässigkeit derselben für den Fortschritt der\nGewerbthätigkeit in Frage stellen. Die Ausstellung ist ja\ngerade dazu da, dass die Welt erfahre, wie Genie und\nTalent im Erfinden und Vervollkommnen, und Fleiss, Ge-\ndiegenheit und Schönheit in der Arbeit sich Bahn brechen,\num zu dem zu gelangen, was bisher als das Beste aner-\nkannt war, und gerade um zu beweisen, dass von Aus-\nnahme-Privilegien bei den Erzeugnissen des menschlichen\nGeistes und Fleisses nicht mehr die Rede sein darf. Wie\nkann dieser Zweck aber erreicht werden, wenn von Hause\naus eine Ausnahme-Kategorie festgestellt und abgeschlossen\nwird, an deren Schranken eine abschreckende Inschrift allen\nanderen Bewerbern einNonplus ultra! oder ein Dante'sches\nLasciate ogni speranza!in anderem Sinne zuruft? —Und\nwarum soll es einem noch nicht so berühmten Fabricanten,\nwie die Broadwood, Erard, Herz u. s. w. sind, absolut\nunmöglich sein, eben so treffliches Material anzuwenden,\neben so vollkommene Mechanik, überhaupt eben solche\nArbeit und eben solchen Ton herzustellen? Was nun\nvollends die „unwandelbare Solidität\" der Instrumente\nbetrifft, so haben wir viele Erfahrungen gemacht, welche"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5548, "texte": "diesen Ruhm bei manchen grossen Häusern gar sehr in\nZweifel steilen.\nIndessen hatte die Präsidenten-Commission ausser der\nMedaille bereits „die ehrenvolle Erwähnung\" zugelassen,\nvon welcher im Reglement auch keine Rede ist. Darauf\nbegründete dann die Jury der 16. Classe den Vorschlag,\ndie Verleihung der Medaille mit einer Erklärung im Pro-\ntocoll und im officiellen Bericht zu begleiten, welche die\nMotive der Preis-Bewilligung enthalte. Dieser Vorschlag\nwurde angenommen. Demgemäss heisst es also z. B. im\nProtocoll bei der Verleihung der Medaille an Broadwood:\n„Für die Vollkommenheit im Bau von Piano's aller Arten,\nund in allen Beziehungen der Klangfülle, der Egalität, der\nPräcision der Mechanik für jede Art des Ausdrucks, und\nder Solidität\"; dann z. B. bei Steinway und Sohn aus New-\nYork: „Für den hellen Klang, den glänzenden und sym-\npathischen Ton eines Tafel-Piano's von grossem Format\nund eines Flügels\" u. s. w. u. s. w.\nWir lassen nun den vorläufigen Bericht von Fötis\nim Auszuge folgen. Der würdige Senior der Musikgelehr-\nten ist von der belgischen Regierung mit der Abfassung\neines ausführlichen Berichtes, welcher späterhin erscheinen\nwird, beauftragt; der Professor Lissajous, bekannt durch\nseine akustischen Forschungen, hat denselben Auftrag von\nder französischen Regierung erhalten*).\nEs gehört eine musicalische Heldentugend dazu,\nschreibt F&is, keinen Ekel am Fortepiano überhaupt zu\nbekommen, wenn man zweihundert und neunundachtzig\nInstrumente von allen Formen untersucht, gehört oder ge-\nspielt hat und obenein von dem ewigen Präludiren und\nConcertiren der Clavierschläger aus allen Winkeln und\nEcken des ungeheuren Locals her verfolgt wird. Nach vier-\nzehntägiger Plage, bei der man sich nach den Zeiten des\nSpinetts und des Clavichords zurücksehnte, transportirte\nman uns in einen grossen Saal, der dem Spiel der Winde\nvon allen Seiten offen stand, wo man dann die Wahl hatte,\nsich für Erkältung oder Rheumatismus oder Zahnweh zu\nentscheiden. Das war aber noch nichts gegen die Nerven-\nerschütterung durch das Bombardement von fünfzehnhun-\ndert Blech-Instrumenten von allem möglichen Caliber. Nur\nbei der Erinnerung daran überläuft mich wieder ein kalter\nSchweiss, zumal wenn ich an das Gebrüll einiger Riesen-\nInstrumente denke, in deren Bauch die Spieler hineinkro-\nchen, um den weitgähnenden Schlund dieser Ungethüme\nzu öffnen. Die Marter der Gehirnerschütterung durch diese\nDetonationen dauerte vier fünfstündige Sitzungen lang/\nMehreren meiner Collegen verging die Lust an Essen und\nTrinken, ich selbst kam noch ziemlich mit heiler Haut aus\ndiesen barbarischen Anfällen auf die menschliche Organi-\nsation heraus, schlug aber meinen Unglücksgefährten, ehe\nwir uns trennten, vor, demjenigen, der den grössten Theil\ndes hier befindlichen Metalls zu guten Kasserolen verar-\nbeiten würde, eine Medaille zu bewilligen.\nNach solchen Qualen wehten mich die Töne der Piano-\nforte's wie süsser Duft an. Oft ging ich ganz in der Frühe\nin die Ausstellung und vertiefte mich vor einem oder dem\nanderen der schönen Flügel in harmonische Träumereien,\naus denen mich kaum der Dienstmann weckte, der mir die\nBeine mit seinem Spreng-Apparat begoss, um den Staub\nzu löschen. Er übte sein Amt so gewissenhaft, dass er auch\ndie Claviatur zu nässen nicht versäumte! Die herrlichen\nInstrumente erinnerten mich an die Geschichte der Ent-\nwicklung des Ciavierbaues, die ich fast ganz mit durchge-\nmacht habe. Was hatte ich von dem kleinen Silbermann-\nschen Ciavier an, auf welchem ich als Knabe von acht\nJahren übte, bis zu dem Flügel von sechs bis sieben Octa-\nven nicht alles gesehen und gespielt!*)\nAn das heutige Pianoforte macht man bekanntlich\ngrosse Ansprüche. Die Stärke des Tones soll eine mächtige\nund doch der Ton zugleich deutlich und bestimmt sein,\ndenn Alles hat seine Gränze. Arbeitet der Instrumenten-\nmacher nur auf Stärke hin, so wird er rohen Klang mit\ngemeinem Ton erzeugen. Die Gleichheit des Tones und\ndes Klanges in allen Octaven ist eine der wesentlichsten\nEigenschaften eines guten Piano und eine der schwierig-\nsten Aufgaben der Kunst. Wie viele Instrumente sind nur\ntheilweise, entweder im Bass oder im Discant, gut, ja, die\nmeisten befriedigen zwar im Bass und im Discant, aber\ndie mittleren Octaven sind verhältnissmässig schwach und\nfarblos. Das Instrument soll gut nachklingen, aber zugleich\nauch gut abdämpfen; fehlt diese letztere Eigenschaft, so\nist an deutliches Spiel nicht mehr zu denken. Dazu kom-\nmen noch die Forderungen, die man an die Egalität und\nElasticität der Mechanik stellen muss.\nMeine Collegen und ich haben mit Bedauern wahr-\ngenommen, dass der grösste Theil der englischen Instru-\nmentenmacher das Ideal der Gesammt-Vollkommenheit des\nPianoforte aus den Augen verloren zu haben scheint. Unter\nden englischen Ausstellern sind nur wenige, die nicht ein\n\n*) Wir haben nirgends gelesen, dass die preussische Regie-\nrung einen Sachverständigen zur Vertretung der Interessen der\npreussischen oder überhaupt deutschen Instrumenten-Fabrication\nund zur Berichterstattung nach London gesandt habe. Ob die\nNachricht in wiener Blättern, dass Oesterreich Herrn Pro-\nfessor Ed. Hanslick dafür beauftragt habe, begründet ist, wis-\nsen wir nicht.\n*) Eine monumentale Geschichte des Clavicrbaues zeigt die In-\nstrumenten-Sammlung, die Heinrich B road woo din seinem\nEtablissement Great Pultney Street 33 gegründet hat, ein\nhöchst interessantes historisches Museum, in welchem sich un-\nter anderen auch das Ciavier von Hans Ruckers aus Antwer-\npen befindet, welches Händel in England gebraucht hat.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4373, "texte": "neues System der Mechanik als ihre Erfindung produciren.\nWenn man ihre Bestrebungen und Anstrengungen für\ndiese Specialität sieht, so wird man versucht, zu glauben,\ndass sie darin das Non plus ultra der Vorzüge eines In-\nstrumentes setzen.\nWas soll aber bei allen diesen mehr oder weniger\nunvollkommenen Erfindungen herauskommen? Die ver-\nschiedenen Systeme der Clavier-Mechanik sind heutzutage\nEigenthum der ganzen Welt. Die Vorzüge des Klanges\nund des Tones, der Gleichheit, der genauen, vollkomme-\nnen Arbeit sind bei Weitem wesentlicher und wichtiger,\nund doch werden gerade diese Eigenschaften von den mei-\nsten englischen Fabricanten vernachlässigt. Selbst alte, mit\nRecht berühmte Häuser sind ihrem Rufe nicht gleich ge-\nblieben. Nur Heinrich Broadwood hat nicht nur den\nhundertjährigen Ruhm seiner Vorfahren bewahrt, sondern\nist auch mit der Zeit fortgeschritten; die Piano's, welche\nseine Werkstatt auf die Ausstellung geliefert hat, entspre-\nchen dem vollkommenen Ideal dieses Instrumentes. Es\nsind vier Concertflügel grossen Formats, deren Kasten von\nEbenholz aus Coromandel und von Rosenholz gearbeitet\nsind. Sie vereinigen alle Vorzüge des Tones, der Deutlich-\nkeit bei grosser Klangfülle und der Mechanik. Eine wich-\ntige Vervollkommnung bei diesen Instrumenten von John\nBroadwood und Söhne besteht in der Verbesserung der\neisernen Verspreizung. Die eisernen Spreizen sind, das\nlässt sich nicht läugnen, ein nothwendiges Uebel, weil sie\ndie Instrumente schwerer machen und zuweilen dem Tone\neinen eisenartigen Beiklang geben. Broadwood hat nun\nden ganzen Apparat von fünf bis sechs Spreizen durch\neine einzige starke Strebestange von geschmiedetem Eisen\nersetzt, deren Widerstand gegen die Zugkraft der Saiten\neben so stark ist, als die Kraft der vielen bisherigen Sprei-\nzen zusammengenommen.\nNach den Instrumenten von Broadwood kommen die\nvon Hopkinson, die schon bei der Ausstellung in Paris\nim Jahre 1855 Aufmerksamkeit erregten. Ihre Klang-\nstärke ist gewaltig, vielleicht zu gewaltig; die Deutlichkeit\ndes Tones leidet darunter. Hopkinson ist vorzugsweise ein\nausgezeichneter Mechaniker. Er hat durch eine kunstreiche\nVorrichtung, die durch ein Pedal in Wirksamkeit gesetzt\nwird, den merkwürdigen Effect hervorgebracht, dass die\noberen Töne des Instrumentes um eine Octave höher klin-\ngen, wie eine Art von Flageolett-Tönen.\nAusserdem haben Brinsmead, Kerkman (eine alte\nFirma) und Harrison schätzenswerthe Instrumente geliefert.\nWas die übrigen englischen Aussteller betrifft, so kann\nman sie von dem Vorwurf nicht freisprechen, auf das We-\nsentliche an jedem Instrumente, auf die Schönheit des To-\nnes, zu wenig Rücksicht genommen zu haben. Bei den\nmeisten von ihren Piano's ist der Ton pelzig, oder dünn,\noder näselnd, oder hohl.\nDie Ueberlegenheit der französischen Fabrication über\ndie englische hat sich im Allgemeinen mit Glanz offenbart;\ntrotz der nationalen Vorurtheile stimmt das Urtheil dar-\nüber vollständig überein. Wenn die Instrumente von Blan-\nchet, Boisselot, Kriegelstein, Montal und Wölfel gerechtes\nLob verdienen, so haben sich doch zwei pariser Häuser\nunbestreitbar an die Spitze der französischen Fabrication\ngestellt, die in England nur bei Broadwood's Instrumenten\nihres Gleichen gefunden hat.\nDie musicalische Welt hat das Aufsehen wohl nicht\nvergessen, welches im Jahre 1855 ein grosser Flügel von\nHenry Herz erregte, der einstimmig von der Jury für\ndas beste Instrument auf der Ausstellung erklärt wurde.\nDennoch ist in den Instrumenten aus dieser Werkstatt auf\nder gegenwärtigen Ausstellung fast noch mehr Reinheit,\nGlanz und Sympathisches im Tone vorhanden, als in jenen\nvon 1855. Der Anschlag der beiden grossen Concertllü-\ngel, des Piano's von mittlerem Format und des schrägsai-\ntigen Pianino's von Herz, welche in London sind, besitzt\nalle Feinheiten, alle Elasticität, alle Präcision, die das\nfeinste und colorirteste Spiel nur verlangen kann. Möchten\nnur auch wieder ein Mozart, ein Beethoven, ein Hummel\nerscheinen, um Musik für so schöne neue Ciaviertöne zu\nschreiben!\nNeben den Instrumenten von Herz stehen die Instru-\nmente von Pleyel und Wolff. Auch sie bekunden ausser-\nordentliche Fortschritte. Durch die Bemühungen von\nAugust Wolff, der jetzt dieses grosse Etablissement leitet,\nist es gelungen, mit der Deutlichkeit des Tones, die man\nschon immer an dessen Fabricaten lobte, auch die Ton-\nstärke zu verbinden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-07-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "228", "page_fin": "230", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.2.3", "titre_corps": "Statistisches Verzeichniss der Vorstellungen der k. Bühnen in Berlin.", "titre_sommaire": "Statistisches Verzeichniss der Vorstellungen der k. Bühnen in Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.4", "debut_caractere": 4375, "fin_caractere_exclue": 4996, "texte": "Statistisches Verzeichniss der Vorstellungen der k.\nBühnen in Berlin.\nDas italiänische Schauspiel der Frau Ristori gab vom\n6. März 1862 an sieben Vorstellungen: 1)\nTragedia biblica in 5 atti di\nper Sigra. Ristori. 2) „Maria Stuarda\". 3) „Elisabetta,\nRegina d'lnghilterra\", Dramm\nPaolo Giacometti.4) „Macbetto\", 4\nGuglielmo Shakespeare in ver\ncano. 5) „Medea\". 6) Eine zusammengesetzte Vorstellung\naus dem ersten, dritten und fünften Acte der „Stuarda\"\nund dem fünften der „Ulisabetta\". 1. „Fedra„lgelosi\nfortunati\".\nDie italiänische Oper unter Führung des Herrn Eugenio\nMerelli, bestehend aus den Damen: Trebelli, dem Ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5133, "texte": "schwisterpaar Marchisio, Maria Rideri, den Herren\nPancani, Tiberini, Montanari,Squarcia,Zucchi,\nAgnesi, Cosseli, Borella, Capellmeister Orsini, gab\nvom 1. October 1861 bis 1. Januar 1862 37 Vorstel-\nlungen. Die Componisten kamen in ihren Schöpfungen fol-\ngender Maassen zur Aufführung: Bellini: „Die Nacht-\nwandlerin\" 2 Mal. Donizetti: „Lucia\" 3 Mal. Rossini:\n„Der Barbier von Sevilla\" 7 Mal, „Semiramis\" 3 Mal,\n„Cenerentola\" 3 Mal, „Othello\" 2 Mal. Verdi: „Der\nTroubadour\" 4 Mal, „Violetta\" {La Traviata) 4 Mal,\nnUn halb in maschera\" (neu) 3 Mal. Miscellaneen 6 Mal.\nGastspiel: Fräulein Patti 11 Mal, Fräulein Artöt 6 Mal.\nDie Gesammtzahl der vom 1, August 1861 bis zum\n19. Juni 1862 deutsch gegebenen Vorstellungen*) betrug\n329, die sich folgender Gestalt eintheilen: Trauerspiel 79,\nSchauspiel und Drama 64, Lustspiel und Posse 174, dra-\nmatische Kleinigkeiten 7, ernste Oper 106, komische Oper\nund Singspiel 23, Ballet 76.—Geschlossen waren die kö-\nniglichen Theater 10 Tage: des Krönungs-Einzuges, der\nTodtenfeier, der Sterbetage zweier Könige, des Geburts-\ntages Königs Friedrich Wilhelm IV., der Charwoche und\ndes Busstages wegen; 1 Mal schloss die Oper wegen Un-\npässlichkeit des Fräulein Lucca; Mangel an Besuch mö-\ngen die vielen Schliessungen, besonders im Mai und Juni,\nbegründen. September und Januar brachten die meisten\nVorstellungen, jeder Monat 52.\nDie Anzahl der Vorstellungen—nach den Namen der\nSchriftsteller vertheilt gibt folgendes Ergebniss: Angely\n2, Anschütz 6, Bauernfeld 8, Beaumarchais 3, Beer 1,\nBenedix 28, Berting 1, Birch-Pfeiffer 12, Brachvogel 5,\nCastelli 1, Cosmar 10, Förster 2, Freytag 3, Fürbringer\n(Roquette) 4, Girardin 1, Göthe 13, Gutzkow 3, Hack-\nländer 3, Heigel 4, Henrion 6, Hersch 3, Hesse 1, Hol-\nbein 1, Hollpein 17, Holtei 2, Horn 7, Iffland 1, Kleist\n6, Kettel 1, Laube 3, Lenz 2, Lessing 12, Leitershofen\n3, Moreto 2, Mosenthal 2, Moser 1, Niebauer 1, A. P.\n(Werner-Raupach) 12, Putlitz 17, Raupach 26, Schiller\n36, Schlesinger 6, Schneider 3, Schröder 1, Scribe 13,\nShakespeare 31, Stein 1, Weissenthurn 2, Winterfeld 1,\nZedlitz (Lope de Vega) 2.\n(Folgende Schriftsteller kamen gegen das vorige Jahr\nin Ausfall: Blum, Calderon, Girndt, Heyse, Hirsch, Mo-\nliöre, Pawloff, Plötz, Rautenstrauch, Redwitz, Ring, Prin-\nzessin von Sachsen, Töpfer, Wolff.)\nIn der Oper: Auber 17, Bellini 3, Beethoven 3, Bott\n2, Cherubini 3, Donizetti 11, Flotow 2, Gluck 4,\n% Isouard 1, Lortzing 1, Marschner 2, Möhul 2, Meyer-\nbeer 12, Mozart 14, Offenbach 3, Redern 1, Rossini 4,\nSpohr 1, Spontini 19, Verdi 4, Wagner 9, Weber 13.\n(Von den Componisten fielen aus: Dorn, Lachner, Ni-\ncolai, G. Schmidt, Taubert.)\nIm Ballet: Hoguet 6, Perrot 2, Paul Taglioni 66,\nSt. Georges 2.\nDie Novitäten und Neu-Inscenesetzungen waren:\nA. Im Schauspiel neu (12): 2 Trauerspiele („Johanna\nGray\", „Maria\"), 1 Schauspiel („Wilhelm von Oranien\nin Whitehall\"), 7 Lustspiele („Der Störenfried\", „Die\nGönnerschaften\", „Das Haus Eberhard\", „Die Liebes-\nDiplomaten\", „Feuer in der Mädchenschule\", „Der Oberst\nvon 18 Jahren\", „Ein toller Tag, oder: Figaro's Hoch-\nzeit\"), 2 Possen („Unter dem Reichs-Kammergericht\"*\n„Erexperimentirt\").—Neu einstudirt (6 Stücke): 2 Schau-\nspiele („Noch ist es Zeit\", „Der Stern von Sevilla\"), 4\nLustspiele („Die Liebe im Eckhause\", „Bürgerlich und\nRomantisch\", „Die Lebensmüden\", „Die Schwestern\").\nB.ln der Oper: Eine Neuigkeit („Actäa, oder: Das\nMädchen von Korinth\").—Neu einstudirt: 3 Opern („Die\nBraut\", „Nurmahal\", „Euryanthe\").\nC. Im Ballet: Keine Neuigkeit.—Neu einstudirt: Ein\nBallet („Liebeshändel\").\nEngagements, Versuche, Debüts und Gastspiele:\nIm Schauspiele fanden an 14 Abenden Versuche Statt\n(Frau Jachmann-Wagner), ferner 3 Debüts (Fräul. Pellet)\nund 5 Gastspiele (an 24 Abenden), nämlich: Frau v. Pro-\nkesch-Gossmann 10 Mal, Fräul. Bergmann 4 Mal, Fräul.\nHoguet 3 Mal, Herr Braunhofer 5 Mal, Herr Auburtin 2\nMal. Engagirt: Fräul. Del Rhin, Fräul. Bergmann, Herr\nAuburtin, Herr Braunhofer, der pens. k. Schauspieler Herr\nE. Krüger. Pensionirt: Frau Formes. Abgegangen :\nFräul. Radtke, Herr Greve. Fünfzigjährige Jubiläen feier-\nten: Frau Crelinger (4. Mai 1862), Herr Grua (3. Fe-\nbruar 1862).\nIn der Oper fand ein erster theatralischer Versuch\nStatt (Fräul. Louise Zschiesche), dann 13 Gastspiele (an\n34 Abenden): Frau Braunhofer-Masius 2 Mal, Fräul. Baur\n3 Mal, Fräul. Telheim 2 Mal, Fräul. Walbach 1 Mal,\nFräul. Sulzer 2 Mal, Fräul. Suvanny 1 Mal, Frau Roll-\nMayerhofer 3 Mal, Frau Deetz 4 Mal, Fräul. Mik 4 Mal,\nHerr Kaminsky 2 Mal, Herr Ferenczy 6 Mal, Herr Young\n1 Mal, Herr Robinson 3 Mal.—Engagirt: Fräul. Münster,\nFräul. Mik, Fräul. Antonini, Fräul. Zschiesche, Herr Ro-\nbinson, Herr Ferenczy. Pensionirt: Frau Herrenburg-\nTuczek (als Susanna den 5. Dec. 1861 ausgeschieden),\nFrau Jachmann-Wagner (als Orpheus den 12. Dec. 1861\nausgeschieden), Herr Zschiesche (alsSarastro den 21. Sept.\n1861 ausgeschieden). Abgegangen: Frau Braunhofer.\nFräul. Pollack, Herr Schäfer, Herr Fischer, Herr Wolf.\n\n*) Das Schauspiel schloss mit „Der Kaufmann von Venedig\", die\nOper mit „Nurmahal\"; der Bchluss der königlichen Bühne er-\nfolgte wie im vorigen Jahre durch „Flick und Flock\"."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 521, "texte": "Im Ballet fanden 3 Gastspiele (an 10 Abenden) Statt:\nFräul. Bose 3 Mal, Fräul. Mora 5 Mal, Herr Opfermann\n2 Mal. Abgegangen: Fräul. Forti.\nDer Abgang der Frau Köster steht ebenfalls bevor.\n—Die Engagements sollen nach neueren allgemeinen Be-\nstimmungen des königlichen Haus-Ministeriums künftig\nnicht mehr mit einem ausgesprochenen Pensions-An-\nrecht geschlossen und dafür lieber eine Gehalts-Erhöhung\nfür die Zeit des Wirkens gewährt werden. Ein für das\ngesammte dramatische Künstlerthum sehr zu beherzigen-\ndes Zeichen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-07-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "230", "page_fin": "231", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.2.4", "titre_corps": "Aus Ems.", "titre_sommaire": "Aus Ems.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.6", "debut_caractere": 523, "fin_caractere_exclue": 4943, "texte": "Aus Ems.\n[Neue Oper von J. Offenbach.]\nDen 12. Juli 1862.'\nWir sind mitten in der Bade-Saison, an viertausend\nKurgäste bevölkern das Thal, unter ihnen eine Menge, die\nöfter auf die Promenaden und in den Cursaal gehen, als\nins Bad, und lieber Rheinwein und Champagner trinken,\nals Kränchen- oder Kesselbrunnen. So ist es denn natür-\nlich, dass die geselligen Zerstreuungen gesucht werden, zu-\nmal wenn der düstere Himmel seine Schleusen öffnet, was\nleider nur allzu oft geschieht.\nEms soll ein zweites Baden-Baden werden, wozu denn\nvor Allem ein Theater gehört. Natürlich ein französisches,\ndamit Franzosen, Polen, Bussen nicht aus der Gewohnheit\nkommen. Dieses hübsche Theater im Cursaale hat uns ge-\nstern die Freude gemacht, eine neue komische Oper in\nzwei Acten von Ihrem berühmten Landsmanne Jakob\nOffenbach aufzuführen, worauf die Bade-Gesellschaft\nstolz sein kann. Denn erstens hat Offenbach diese Oper\nfür Ems geschrieben, zweitens wurde sie von Sängerinnen\nund Sängern des Thedtre lyraus Paris dargestellt,\nund drittens ist sie ganz allerliebst und eine wahre Perle\nmusicalischen Humors.\nSie heisst Bavard et Bavarde, komische Oper in zwei\nActen von Charles Nuitter, Musik von J. Offenbach; Ma-\nnuscript.\nDer Titel zeigt schon, worin die komische Pointe der\nHandlung liegt. Niemals ist die Schwatzhaftigkeit, die vir-\ntuose Zungenfertigkeit so köstlich musicalisch gezeichnet\nworden; aber es gehört auch eine Virtuosität der Kehle\ndazu, um diese Tausende von Achtelnoten mit lebhaftem\nSpiel verbunden zwischen den Lippen hervorsprudeln zu\nlassen.\nDer Stoff ist aus dem Spanischen genommen, die Er-\nfindung ist Eigenthum keines Geringeren, als des Miguel\n(jervantes. Los dos Habladores heisst das Intermezzo, das\njedoch Cervantes selbst nicht in die Liste seiner Stücke\naufgenommen hat, wahrscheinlich weil es eigentlich nur\nzwei, obwohl ziemlich lang ausgesponnene Scenen bildete.\nAuch kam dieses Intermezzo erst 1624, acht Jahre nach\nseinem Tode, auf die Bühne. Ch. Nuitter hat es zu zwei\nActen ausgearbeitet, die uns keinen Augenblick zu lang\nerscheinen.\nBoland, ein hübscher junger Hidalgo ohne Vermögen,\nliebt Ines, die Nichte des reichen Don Sarmiento. Dieser\nist sehr launisch und fast immer verdriesslich, denn er liebt\ndie Ruhe, kann aber nicht dazu gelangen, weil Madame\nBeatrix, seine Frau, eine Schwätzerin ist, welcher der\nMund nie still steht, so dass man mit dem, was sie den\nTag über spricht, eine ganze Kammer-Sitzung ausfüllen\nkönnte. Dazu kommt noch ein anderer Verdruss für den\nalten Onkel, das gerichtliche Urtheil, das ihn zur Zahlung\nvon zweihundert Ducaten Strafgeld für eine zu handgreif-\nliche Correction der beleidigenden Worte eines Nachbars\nverdammt. Roland stellt sich ihm zur Verfügung und er-\nbietet sich, einen Zwist mit irgend Einem anzufangen und\ndiesem eine Ohrfeige abzulocken, die ihm dann auch jene\nSumme einbringen müsse, die er glücklich sein werde,\ndem Don Sarmiento zu Füssen zu legen. Diesen Plan setzt\ner ihm mit so überströmender Wortfülle aus einander,\ndass Sarmiento vom Erstaunen zu dem Gedanken übergeht,\nan dem müsse seine Frau ihren Meister finden; so lange\nder Zungenwirbel dieses charmanten jungen Mannes im\nGange sei, könne Madame Beatrix nicht zu Worte kommen.\nGedacht, gethan. Roland wird eingeladen; er hat das\nnächste Ziel seiner Wünsche erreicht, er ist in dem Hause,\nwo seine geliebte Ines weilt.\nDer Wettkampf beginnt bei Tische. Doch es kann\nvon Kampf nicht die Rede sein, da die Hoffnung der Ma-\ndame Sarmiento, dem unermüdlichen Schwätzer werde die\nSuppe und das Beefsteak den Mund stopfen, durchaus nicht\nin Erfüllung geht. Vergebens ruft sie immer dringender:\nMangcz! ihr Mann fällt augenblicklich mit dem Comman-\ndo: Parlez!ein, und Roland, von Ines' Blicken, die mit\nim Geheimnissist, angefeuert, gönnt seiner Zunge auch\nnicht die kleinste Pause, und überschüttet jede Mundes-\nöffnung der Dame vom Hause mit einer Lawine von Wor-\nten. Sie möchte bersten vor Wuth, während ihr Mann\nlachend triumphirt u. s. w. Kurz, das Ende vom Liedeist\nder Vertrag, dass Roland zu schweigen verspricht, wenn\ndas Ehepaar ihm die Nichte zur Frau gibt. Sarmiento\nwilligt ein in der Hoffnung, dass er dennoch auch in Zu-\nkunft seinen Vortheil von Roland ziehen werde, da ein\nSchwätzer jedes andere Versprechen halten wird, nur nicht\nden Schwur, zu schweigen.\nDas Quartett, in welchem diese erzkomische Tisch-\nund Schwatzscene dargestellt wird, bildet die Hauptnum-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3384, "texte": "mer der Operette. Es ist auf höchst geistreiche Weise aus\ndem Inhalt der Textesworte und dem Charakter der Si-\ntuation geschöpft und zu einem langen Gesangstück in\nmehreren Sätzen mit verschiedenen Tempi ausgearbeitet.\nNichts ist komischer als Roland's in ewigen Achteln sich\nschnell abwickelnde Melodie von drei oder vier Noten auf\ndem Orgelpunkte von h, den die Violinen in der Höhe\nebenfalls in Achteln fortpicken; niemals sind die verzwei-\nfelnden Geberden der Madame Sarmiento mehr gerecht-\nfertigt, als bei diesem musicalischen\nDas Allegro molto wird durch einen Canon unterbrochen,\nin welchem Jeder für sich seine Hoffnung, oder seine\nFreude, oder seine Verzweiflung ausspricht; dieser Canon\nist ein Meisterstück, wie denn überhaupt das ganze Quar-\ntett durch Originalität, Charakteristik, Klarheit der Stimm-\nführung und feine Instrumentirung überall einen eben so\naussergewöhnlichen Erfolg haben wird, wie hier. Offen-\nbach hat einmal wieder in diesem Gesangstücke gezeigt,\ndass er den komisch-syllabischen Stil, der bei vielen Mei-\nstern der neuen französischen Schule ein geistloses Stimm-\ngehämmer geworden ist, auf so künstlerische Weise mit\ndem musicalisch Schönen zu verbinden weiss, dass hier,\nwo noch dazu Text und Situation leicht dazu verführen\nkonnten, nicht ein trocken notirtes Geschwätz, sondern\neine musicalisch umgedichtete Scene vorliegt, die selbst als\nabsolute Musik, als Scherzando mit abwechselndem cano-\nnischen Andante, von trefflicher Wirkung sein würde. Der\nstürmische Beifall des Publicum ruhte nicht eher, bis die\nganze Nummer wiederholt wurde.\nAber auch die anderen Nummern sind sehr gelungen\nund wurden durch schallenden Applaus ausgezeichnet.\nGleich die Ouvertüre mit ihren Anspielungen auf die be-\ndeutendsten Motive der Oper ist einnehmend und interes-\nsant, und es zeigt sich schon in ihr die durchsichtige, feine\nInstrumentirung, welche in allen Nummern dieses neuen\nWerkes unserer Ansicht nach noch einen grossen Fort-\nschritt Offenbach's in der Behandlung des Orchesters be-\nkundet, in welcher er schon in seinen bisherigen Werken\nimmer mehr nach der lichtvollen Ornamentik der Melodie\ndurch die Instrumente strebt, anstatt die Singstimme durch\nden Lärm von Geigen und Oboen und Hörnern und Po-\nsaunen zu unterdrücken. Eine grosse Arie und eine Ro-\nmanze der Ines, die Schwatz-Couplets der Beatrix, ein\nhöchst drastisches Duo luffozwischen Roland und Sar-\nmiento verdienten den lebhaftesten Beifall, der ihnen zu\nTheil wurde.\nNehmen Sie dazu die Virtuosität und echte Komik in\nGesang und Spiel der Demoiselle Girard (Beatrix) und des\nHerrn Wartel (Sarmiento) vom der De-\nmoiselle Baudier (Ines) und besonders auch des Herrn Potel\n(Roland) von den Bouß'es Parisiens, so können Sie Sich\ndenken, dass der Erfolg ein entschiedener war. Das Pu-\nblicum rief sämmtüche Acteurs und den Componisten\nheraus und überhäufle ihn mit Ehren.\nUnter den Zuschauern befand sich auch Meyerbeer,\nder hier gebadet hat und heute über Wiesbaden nach\nSchwalbach geht, um dort die Nachcur zu gebrauchen.\nEr applaudirte viel und sprach sich sehr anerkennend über\ndie Musik aus. Was werden Sie sagen, wenn ich Ihnen\nals Neuigkeit von grossem Interesse mittheile, dass ihn die\ngrossen Aufführungen zu Exeter Hall in London so für\ndie geistliche Musik begeistert haben, dass er mit der Com-\nposition eines Oratoriums für England beschäftigt ist!\nDem ist wirklich also."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-07-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-07-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-07-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "231", "page_fin": "232", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.7", "debut_caractere": 3386, "fin_caractere_exclue": 6019, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDeutsche Gesangfeste. Das alle zwei Jahre wiederkehrende\n„Sängerfest der norddeutschen Liedertafeln\" fand am 13.—15. Juni\nin Hannover Statt. Das Concert der vereinigten Liedertafeln im\nfestlich geschmückten Hoftheater wird als Glanzpunkt des Festes\nbezeichnet. An Instrumentalwerken kamen hierbei zur Aufführung:\nMarschner's Ouvertüre zu „Hans Heiling\" und Wagner's Tannhäu-\nser-Ouverture. Das vierte grosse Gesangfest des „Märkischen Cen-\ntrai-Sängerbundes\" hat unter R. Tschirch's Leitung am 22. und 23.\nJuni in solenner Weise und unter allgemeiner Theilnahme in dem\nfestlich geschmückten Luckenwalde Statt gefunden. Zu Anfang\ndes eigentlichen Concertes wurde ein Festlied von R. Tschirch,\nhierauf die „Deutsche Tricolore\" vom Herzog Ernst von Coburg ge-\nsungen. Die weiteren Gesänge waren: „Die Wacht am Rhein\" von\nWilhelm, „Waldmeisters Hochzeit\" von R. Tschirch und „Des Deut-\nschen Vaterland\". Die Einzelgeßänge fanden auf einer dazu beson-\nders errichteten Tribüne Statt. Tags darauf fand das Kirchen-Con-\ncert Statt. Trotz des schlechten Wetters ist am 22. Juni in\nKarlsruhe das „badische Sängerfest\" gefeiert worden und hatte\nsich eines guten Erfolges zu erfreuen. Das Massen-Concert fand im\ngrossherzoglichen Hoftheater Statt; zwischen 800 bis 900 Sänger\nnahmen daran Theil und etwa 100 bis 150 blieben wegen Mangels\nan Platz noch zurück. In der Hof-Logo befand sich der Grossherzog,\ndie Grossherzogin und der Erbprinz. Die ganze Versammlung des\ngedrängt vollen Hauses stimmte donnernd ein in den Hochruf, den\nder poetische „Festgruss\" dem geliebten Fürsten und seiner deut-\nschen Gesinnung darbrachte. Die Gesammt-Chöre gingen unter Lei-\ntung des Musik-Directors Krug ganz vortrefflich und fanden vielen\nBeifall. Den Einzel-Chören, unter welchen die mannheimer Gäste\nsich besonders hervorthaten, fehlte eben so wenig die wärmste und\nallseitige Anerkennung. Das zehnte „Märkische Volks-Gesangfcstu,\nwelches am 29. und 30. Juni in Neustadt-Eberswalde unter\nLeitung des königlichen Musik-Directors Franz Mücke abgehalten\nwurde, war sehr gelungen. Es hatten sich 56 Vereine mit nahezu\n2000 Sängern angemeldet, davon allein Perlin mit 32 Chören.\nIn Erbach an der Bergstrasse feierte am 29. Juni der „Odenwälder\nSängerbund\" sein erstes Gesangfest. Das Concert-Local war im gräf-\nlichen Schlosshofe; die Aufführungen fanden unter Mitwirkung des\nheidelberger Theater-Orchesters Statt. Die vereinigten deutschen\nGesang-Vereine für Grossbritannien haben am 26. Juni in London\nein grosses deutsches Sängerfest abgehalten, woran über 1000 Sänger\nTheil nahmen. Heinrich Neeb wurde «um Dirigenten gcwähh."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6014, "texte": "Karlsruhe« In der Oper gastirte Fräulein Emilie Genast\naus Weimar, als Concertsängerin rühmlich bekannt, als Rosine im\nvon Sevilla\", Gräfin in „Figaro's Hochzeit\" und Amazili\nin rJessondau. Ihre bisherigen Leistungen genügten, um in ihr eine\nGesangskünstlerin von guter Schule erkennen zu lassen. Ihre nicht\nsehr gross und umfangreich erscheinenden Stimmmittel, bisher nur\nim Concertgesange zur Geltung gebracht, dürften möglicher Weise\nnoch einiger weiteren Ausbildung und dem gemäss umfassenderer\nVerwendung in specifisch-dramatischer Richtung fähig sein. Für eine\ntheatralische Novize bewegt sich Fräulein Genast mit überraschen-\nder Sicherheit auf den Brettern und verbindet mit gewinnender Er-\nscheinung ein feines, verständniss- und empfindungsvolles Spiel. Das\nPublicum nahm ihre dramatischen Probe-Leistungen mit ungewöhn-\nlichem Interesse auf: ihr Engagement, das auf dieselben folgte, wird\nsich in mehrfachem Betracht als ein Gewinn für unsere Oper er-\nweisen; (W. Ree.)\nllof-Capellmeister Eckert in Stuttgart, der zunächst auf ein\nJahr engagirt war, ist nun lebenslänglich als Capellmeister ange-\nstellt. Am 27. September, des Königs Geburtstag, soll seine Oper\n~Wilhelm von Oranien\" zum ersten Male zur Aufführung kommen.\nDem Tenoristen Schnorr von Carolsfeld in Dresden ist von\nder dortigen Hoftheater-Intendanz sein Contract unter glänzenden\nBedingungen bis zum Jahre 1870 verlängert worden.\nCharles Mayer, rühmlichst bekannt als Clavier-Virtuose und\nComponist, ist nach längerer Kränklichkeit am 2. Juli in Dresden\ngestorben. Derselbe war im Jahre 1799 in Königsberg geboren und\nkam schon als Kind nach Russland, da sein Vater, ein tüchtiger\nClarinettist, mehrere Jahre Musik-Director beim Grafen Scherence-\ntieff war. Die Familie lebte dann in Moskau, und schon als Kind\nwurde Charles Mayer ein Schüler J. Field's, des damals so berühm-\nten Clavierspielers, und spielte bereits in seinem neunten Jahre in\nConcerten. Im Jahre 1812 flüchteten seine Eltern nach Petersburg;\nauch Field zog dafiin, und Mayer konnte unter dessen Leitung seine\nAusbildung fortsetzen. Er machte 1814 seine erste, bis nach Frank-\nreich ausgedehnte Kunstreise und kehrte dann nach Petersburg zu-\nrück, wo er als Ciavierlehrer sehr geschätzt und vorzüglich honorirt\nwurde. 1847 siedelte er nach Dresden über, machte von da aus\nnoch mehrere Kunstreisen mit glänzendem Erfolge und war bis zu\nseinem Tode als Ciavierlehrer und Componist unausgesetzt thätig.\nDer Verstorbene hinterlässt eine Witwe und zwei Kinder, von denen\ndas älteste 15 Jahre alt ist, so wie auch eine fünfundachtzigjährige\nMutter, die er bisher aber leider gar kein Vermögen.\nDer Componist Mercadante ist fast gänzlich erblindet.\nEmil Devrient, 1804 geboren und seit 1820 der deutschen\nBühne angehörend, hat nun den Entschluss gefasst, Ende 1863 der\nBühne ..gänzlich\" zu entsagen und sich ins Privatleben zurückzu-\nziehen. Sein dreiundvierzigjähriger Musendienst hat dem Künstler\nnicht nur Lorbern, sondern auch ein ganz stattliches Rittergut und\nausserdem circa 100,000 Thlr. eingebracht.\nDas deutsche Schauspiel. Die Vergleichung der Statistik\ndes k. k. llof-Burgtheaters in Wien mit der oben gegebenen Sta-\ntistik von Berlin ergibt für Wien folgende Stufenleiter der Anzahl\nder Aufführungen von 1861—1862 von Stückui deutscher Dich-\nter: Schiller 31, Birch-Pfeiffer 26, Benedix 21, Schlesinger 18, Laube\n15, Gutzkow 15, Bauernfeld 12, Hollpein 14 („Er experimentirt\"),\nGötlie 11, Freytag 8, Lorm 8, v. Puttlitz 7, Lessing 6, Töpfer 6,\nAdolphi 5, Lederer 4, Mosenthal 3 u. s. w. Ferner 10 Stücke von\nShakespeare mit 18 Aufführungen, noch eines aus dem Englischen\nmit %1 und 43 aus d em Franz ö sisehen mit 130 Aufführungen.\nFür Berlin: Schiller 36, Shakespeare 31, Benedix 28, Raupach\n26, von Puttlitz 17, Hollpein 17, Göthe 13, Scribe 13, Lessing 12,\nWerner-Raupach 12, Birch-Pfeiffer 12, Cosmar 10, Bauernfeld 8,\nvon Kleist 6 u. s. w.\nDie Vorstellungen der Opira comique, welche für das Karl-Thea-\nter in Wien projectirt waren, kommen nicht zu Stande.\nWien. Die Bouffes Parisiens brachten am 25. Juni im Kai-\nTheater eine den Abend ausfüllende Novität: „Ze voyage de Mes-\nsieurs Dunanan phre et Bls.u Op4ra bouffon en trois actes de Mrs.\nSiraudin et Moinaux, musique de Mr. J. Offenbach. Der Erfolg war\nein günstiger, was hauptsächlich der Darstellung zu danken ist.\nPradeau ist wahrhaft komisch und wird von und Ldonce\nauf das Beste unterstützt. Fräulein Geraldine hat zwar sehr wenig\nStimme, hingegen eine Coloratur, um welche manche Prima Donna\nsie beneiden könnte. Die sämmtlichen Darsteller spielen mit einer\nso ausgelassenen Heiterkeit, mit so toller Laune, dass man unwill-\nkürlich mitgerissen wird. Bei einer gemässigten Darstellung wäre es\nnicht gut möglich, über den bodenlosen Unsinn der Handlung hin-\nwegzusehen. Die OfFenbach'sche Musik enthält wieder manche recht\nfrische und lustige Weise. Um einen Act gekürzt, wäre der Erfolg\nein weit dauerhafterer geworden.\nDer Männer-Gesangverein wurde hohen Orts aus eingeladen, bei\nder am 31. August zu Wiener-Neustadt Statt findenden Enthüllungs-\nfeier des Maria-Theresia-Monuments in ähnlicher Weise mitzuwir-\nken, wie es bei der festlichen Enthüllung des Erzherzog-Karl-Mo-\nnuments der Fall war. Die Mitglieder sind dieser Einladung nach-\ngekommen, und Chormeister Herbeck wird aus Anlass dieser\nFeierlichkeit eine Fest-Hymne componiren. Ausser dem wiener\nMänner-Gesangverein werden auch die Liedertafeln von Neustadt\nund Umgebung bei dem Feste mitwirken.\nTherese Milanollo, mit einem höheren Marine-Officier in\nBrüssel verheirathet, will nach langer Pause im nächsten Winter\nwieder die Hauptstädte Europa's als Concertgeberin besuchen,\nFranz Liszt befindet sich fortwährend in Rom und gedenkt\nauch diesen Aufenthalt in nächster Zeit noch nicht zu verlassen.\nIm Real teatro & Oriente zu Madrid ist durch die Bemühungen\ndes Capellmeisters C. Moderati die pariser NormaUtimmung ange-\nnommen worden. Die sämmtlichen Blech-Instrumente hat Alphons\nSax in Paris (rue d* Abbeville 3 bis) dazu geliefert."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie musicalischen Instrumente auf der Ausstellung in London. I. Statistisches Verzeichniss der Vorstellungen der k.\nBühnen in Berlin. Ans Ems (Nene Oper von J. OfFenbach). Tages- nnd Unterhaltnngsblatt (Deutsche Gesangfeste\nKarlsruhe, Fräulein Emilie Genast Stuttgart, Hof-Capellmeister Eckert Schnorr von Carolsfeld Charles Mayer f Mercadante\nEmil Devrient Das deutsche Schauspiel Wien, Bouffes Parisiens, Männer-Gesangverein Therese Milanollo F. Liszt).\n\nDie musicalischen Instrumente auf der Ausstellung\nin London.\nI.\nWenn man die Musiksäle Londons in der jetzigen\nSeason anhaltend besucht, so wird man trotz der wirklich\nvortrefflichen Ausführungen grosser Tonwerke mit unge-\nheuren Massen, so wie classischer Compositionen für Kam-\nmermusik durch vollendete Meister dennoch, wenn man\nsie verlässt, ganz angenehm von dem Hauche des Windes\nund dem Anblick des stets glänzend saftigen Grüns in den\nParks berührt, und es verbreitet sich über uns ein Gefühl\nder Ruhe und Erfrischung, welches bei der Abspannung\ndurch jegliches Zuviel, also auch durch das musicalische\nZuviel, recht willkommen ist.\nFährt man nun gar nach Kensington Gardens und ath-\nmet dort die reine Luft, so fühlt man sich recht aufgelegt,\nden Ausstellungs-Palast zu betreten, um dem betrachten-\nden Auge der Veränderung wegen eine Zerstreuung zu\nbieten, während welcher das Ohr von seiner Anstrengung\nund seinen Genüssen sich erholen könne.\nSo tritt man ein. Aber, o Himmel! welch eine fürch-\nterliche Enttäuschung! Statt Eines Concertes dringen einige\nund zwanzig mit ihren verschiedenen, oft entgegengesetzten\nTonströmungen und Stimmungen auf uns ein. und mitunter\nvon Instrumenten, aus denen ein einziger Ton hinreicht,\nein zartes Ohr mit einem Male todt zu schlagen, wenn es\nin dessen näheren Bereich geräth. Solch ein den Arm-\nstrong-Kanonen ähnliches Kaliber schiesst z. B. ein fran-\nzösisches Tuba-Monstrum los, welches zehn Fuss in der\nHöhe und zwei im Durchmesser misst und, weil es bei\nalledem leicht zu handhaben ist, fortwährend von Liebha-\nbern des Kolossalen probirt wird.\nWährend dann von den zweihundert neunund-\nachtzig Pianoforte's aller Formen wenigstens zehn oben\nund zehn unten im Palaste stets zu gleicher Zeit vorge-\nrappelt werden, donnern und flöten von anderen Stellen\nher die Kirchen-, Zimmer- und Strassen-Orgeln, die Har-\nmoniums, Orchestrions, Aeolinen und ihre ganze Sippschaft,\nund biegst Du, um Dich zu reiten, in einen anderen Gang\nein, so dröhnt dir ein Fanfarengeschmetter aus Blech von\nallen Dimensionen entgegen, das so lange anhält, bis der\noben erwähnte Löwe unter den Metall-Tonwerkzeugen\ndurch sein Gebrüll auf einige Augenblicke die Trompeten\nund Pauken zum Schweigen bringt. Doch nicht lange, und\nwer kein Dickhäuter ist, hält es nicht aus.\nUnd zu diesen Universal-Concerten, die man an fünf\nWochentagen alle zusammen für einen Shilling haben kann,\nströmt die Menge herbei; man kann den Theil der Anwe-\nsenden, die in der That hauptsächlich der ewigen Musik\nwegen die Ausstellung besuchen, bei einiger Local- und\nMenschenkenntniss von dem anderen, der nur sehen und\nsich belehren will, sehr wohl unterscheiden. Ganze Pen-\nsionen, besonders von jungen Damen, werden hingeführt\n—sie erhalten übrigens auf zwanzig Karten noch eine als\nAgio—und umstehen die verschiedenen Künstler, welche\ndie Instrumente und zugleich sich selbst hören lassen.\nDie verschiedenen Künstler? —Ei freilich! Bei einer\nIndustrie-Ausstellung macht sich jede Industrie geltend,\nund wie es keineswegs gleichgültig für den Besitzer von\nVollblutpferden ist, welcher Jockey sie den Liebhabern\nvorreitet, so beeifert sich auch jeder Fabricant allhier, den\nbesten Spieler für seine Instrumente zu gewinnen. So rei-\ntet—führt, wollte ich sagen—Alfred Jaell die Pianoforte's\ndes Americaners Steinway vor, ein pariser Pianist die Flü-\ngel von Pleyel & Wolf in Paris, Pauer die österreichischen\nInstrumente. Henry Herz spielt sich selbst in puncto der\nCompositionen und der Fabricate, Leföbure-Wely gibt\nAudienzen auf den Harmoniums von Debain, Elliot auf\ndenen von Evans, der berühmte Flötist Pratten wärmt mit\nseinem Virtuosenhauche die Luftschwingungen der Flöten\nvon Boosey in London u. s. w. u. s. w. Thalberg, der,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.2", "texte": "beiläufig gesagt, neben Joachim jetzt der Löwe der Season\nist, hat von einem berühmten Hause in England das An-\nerbieten von 60 Pf. St. für jede Concert-Production auf den\nFlügeln jenes Hauses im Kensington-Palast erhalten, und\nein londoner Musik-Verleger hat ihm den Antrag gemacht,\njenes Honorar zu verdoppeln, wenn Thalberg jedesmal\ndiejenigen Stücke (von seiner Composition) spielen wolle,\nwelche er, der Verleger, ihm vorschriebe. Thalberg hat\nbeide Anträge abgelehnt. Einige französische und, mit\nAusnahme der Oesterreicher, die deutschen Pianoforte-\nbauer haben diese lebendige Reclame verschmäht.\nDie Jury für musicalische Instrumente hat schon am\n7. Juni ihre letzte Sitzung in Beziehung auf die wichtige-\nren Erzeugnisse dieses Zweiges der Kunst-Gewerbthätig-\nkeit gehalten; was noch der Beurtheilung übrig blieb,\nwaren Nebendinge, wie Accordions, Concertino's, Spiel-\nuhren, Musikdosen u. s. w.\nDer 14. Artikel des allgemeinen Reglements für die\nverschiedenen Jury's aller Classen ist für die diesjährige\nAusstellung charakteristisch. Ersetzt fest, „dass nur Eine\nDenkmünze vergeben wird, welche dem Verdienste ohne\nUnterschied des Grades desselben oder der Nationalität,\nund ohne Vergleichung der Aussteller unter einander zu-\nerkannt werden soll.\"\nDieser Artikel hat bei verschiedenen Jury's zu langen\nErörterungen Veranlassung gegeben; alle Anträge zu sei-\nner Abänderung scheiterten an der Festigkeit der obersten\nAusstellungs-Commission, welche nach wohlüberlegter Be-\nrathung diesen Artikel, der einem in der Grundansicht\ngewiss richtigen, gleichsam demokratischen Princip ent-\nspricht, als unumstösslich angenommen hatte. Die Aristo-\nkratie und noch mehr die Legitimität unter den Fabrican-\nten, die auf die Privilegien ganzer Nationen und alter be-\nrühmter Namen pochte, hat sich dadurch allerdings ge-\nstossen gefühlt, allein im richtigen Tact für den Fortschritt\nund für ihr eigenes Interesse haben es doch in allen Zwei-\ngen und namentlich im Instrumentenbau, von dem hier\nvorzugsweise die Rede ist, auch die grössten Häuser für\ngeeignet gehalten, die Ausstellung zu beschicken. Den klei-\nneren oder wenigstens nicht so von wirklich verdientem\noder gemachtem Rufe umstrahlten Industriellen ist dadurch\ndie Möglichkeit gegeben, in die Ueihe der durch äussere\nVerhältnisse und glänzendere Mittel bevorzugten einzutre-\nten, was ihnen bei der bisher beliebten Classen-Eintheilung\nvon vorn herein geradezu untersagt war.\nF£tis sagt in seinen Berichten (in der pariser\n6f Gaz. mm.)über die Verhandlungen der 16. Classe der\nJury (für musicaiische Instrumente), dass man den Piano-\nforte's von Broadwood, Henri Herz und Pleyel & Wolf\neinstimmig den ersten Rang unter allen ausgestellten zu-\nerkannt habe. Unmittelbar nach ihnen wären andere Fa-\nbricanten gekommen, deren Erzeugnisse sich durch ein-\nzelne vorzügliche Eigenschaften auszeichneten, entweder\ndurch mächtige Klangfülle, oder durch brillanten und sym-\npathischen Ton, oder durch einfache und leichte Mechanik\nu. s. w. Er schlug daher mit vier anderen Mitgliedern der\nJury, den Herren Lissajous aus Paris, G. Ouseley aus\nLondon, E. Pauer aus Wien und Schiedmayer aus\nStuttgart (selbst Fabricant und Aussteller), vor, die gros-\nsen Häuser, welche durch bedeutende Capitalien, aus-\nnahmsweise treffliches Material, lange Erfahrung, vielfache\nVersuche und immerwährendes Aufsuchen des Vollkom-\nmeneren es dahin gebracht haben, ihren Instrumenten nicht\nnur eine unwandelbare Solidität, mächtigen Klang, regel-\nrechte Mechanik, sondern auch ausgezeichneten Ton,\nGleichheit in allen Octaven und einen Anschlag, der alle\nNuancen des Ausdrucks ermögliche, zu eigen zu machen,\ndiese Häuser als Fabricanten aller Arten von Piano's aus-\nser dem Concurs zu stellen. Hiernach könne man dann\nauch denjenigen Fabricanten, welche, ohne denselben Grad\nder Vollkommenheit, wie jene, zu erreichen, Ausgezeich-\nnetes, auch in Berücksichtigung des Preises und für den\ngewöhnlichen Hausgebrauch geeignet, geleistet hätten,\ndurch Verleihung der Medaille gerecht werden, deren die\ngrossen Häuser nicht bedürften, da die Blüthe ihres Ge-\nschäftes nicht von der Medaille abhängig wäre.\nDieser Vorschlag wurde jedoch verworfen und gewiss\nmit Recht. Käme ein solches Verfahren auf, so würde dies\noffenbar das Princip einer Ausstellung überhaupt und die\nganze Zweckmässigkeit derselben für den Fortschritt der\nGewerbthätigkeit in Frage stellen. Die Ausstellung ist ja\ngerade dazu da, dass die Welt erfahre, wie Genie und\nTalent im Erfinden und Vervollkommnen, und Fleiss, Ge-\ndiegenheit und Schönheit in der Arbeit sich Bahn brechen,\num zu dem zu gelangen, was bisher als das Beste aner-\nkannt war, und gerade um zu beweisen, dass von Aus-\nnahme-Privilegien bei den Erzeugnissen des menschlichen\nGeistes und Fleisses nicht mehr die Rede sein darf. Wie\nkann dieser Zweck aber erreicht werden, wenn von Hause\naus eine Ausnahme-Kategorie festgestellt und abgeschlossen\nwird, an deren Schranken eine abschreckende Inschrift allen\nanderen Bewerbern einNonplus ultra! oder ein Dante'sches\nLasciate ogni speranza!in anderem Sinne zuruft? —Und\nwarum soll es einem noch nicht so berühmten Fabricanten,\nwie die Broadwood, Erard, Herz u. s. w. sind, absolut\nunmöglich sein, eben so treffliches Material anzuwenden,\neben so vollkommene Mechanik, überhaupt eben solche\nArbeit und eben solchen Ton herzustellen? Was nun\nvollends die „unwandelbare Solidität\" der Instrumente\nbetrifft, so haben wir viele Erfahrungen gemacht, welche"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.3", "texte": "diesen Ruhm bei manchen grossen Häusern gar sehr in\nZweifel steilen.\nIndessen hatte die Präsidenten-Commission ausser der\nMedaille bereits „die ehrenvolle Erwähnung\" zugelassen,\nvon welcher im Reglement auch keine Rede ist. Darauf\nbegründete dann die Jury der 16. Classe den Vorschlag,\ndie Verleihung der Medaille mit einer Erklärung im Pro-\ntocoll und im officiellen Bericht zu begleiten, welche die\nMotive der Preis-Bewilligung enthalte. Dieser Vorschlag\nwurde angenommen. Demgemäss heisst es also z. B. im\nProtocoll bei der Verleihung der Medaille an Broadwood:\n„Für die Vollkommenheit im Bau von Piano's aller Arten,\nund in allen Beziehungen der Klangfülle, der Egalität, der\nPräcision der Mechanik für jede Art des Ausdrucks, und\nder Solidität\"; dann z. B. bei Steinway und Sohn aus New-\nYork: „Für den hellen Klang, den glänzenden und sym-\npathischen Ton eines Tafel-Piano's von grossem Format\nund eines Flügels\" u. s. w. u. s. w.\nWir lassen nun den vorläufigen Bericht von Fötis\nim Auszuge folgen. Der würdige Senior der Musikgelehr-\nten ist von der belgischen Regierung mit der Abfassung\neines ausführlichen Berichtes, welcher späterhin erscheinen\nwird, beauftragt; der Professor Lissajous, bekannt durch\nseine akustischen Forschungen, hat denselben Auftrag von\nder französischen Regierung erhalten*).\nEs gehört eine musicalische Heldentugend dazu,\nschreibt F&is, keinen Ekel am Fortepiano überhaupt zu\nbekommen, wenn man zweihundert und neunundachtzig\nInstrumente von allen Formen untersucht, gehört oder ge-\nspielt hat und obenein von dem ewigen Präludiren und\nConcertiren der Clavierschläger aus allen Winkeln und\nEcken des ungeheuren Locals her verfolgt wird. Nach vier-\nzehntägiger Plage, bei der man sich nach den Zeiten des\nSpinetts und des Clavichords zurücksehnte, transportirte\nman uns in einen grossen Saal, der dem Spiel der Winde\nvon allen Seiten offen stand, wo man dann die Wahl hatte,\nsich für Erkältung oder Rheumatismus oder Zahnweh zu\nentscheiden. Das war aber noch nichts gegen die Nerven-\nerschütterung durch das Bombardement von fünfzehnhun-\ndert Blech-Instrumenten von allem möglichen Caliber. Nur\nbei der Erinnerung daran überläuft mich wieder ein kalter\nSchweiss, zumal wenn ich an das Gebrüll einiger Riesen-\nInstrumente denke, in deren Bauch die Spieler hineinkro-\nchen, um den weitgähnenden Schlund dieser Ungethüme\nzu öffnen. Die Marter der Gehirnerschütterung durch diese\nDetonationen dauerte vier fünfstündige Sitzungen lang/\nMehreren meiner Collegen verging die Lust an Essen und\nTrinken, ich selbst kam noch ziemlich mit heiler Haut aus\ndiesen barbarischen Anfällen auf die menschliche Organi-\nsation heraus, schlug aber meinen Unglücksgefährten, ehe\nwir uns trennten, vor, demjenigen, der den grössten Theil\ndes hier befindlichen Metalls zu guten Kasserolen verar-\nbeiten würde, eine Medaille zu bewilligen.\nNach solchen Qualen wehten mich die Töne der Piano-\nforte's wie süsser Duft an. Oft ging ich ganz in der Frühe\nin die Ausstellung und vertiefte mich vor einem oder dem\nanderen der schönen Flügel in harmonische Träumereien,\naus denen mich kaum der Dienstmann weckte, der mir die\nBeine mit seinem Spreng-Apparat begoss, um den Staub\nzu löschen. Er übte sein Amt so gewissenhaft, dass er auch\ndie Claviatur zu nässen nicht versäumte! Die herrlichen\nInstrumente erinnerten mich an die Geschichte der Ent-\nwicklung des Ciavierbaues, die ich fast ganz mit durchge-\nmacht habe. Was hatte ich von dem kleinen Silbermann-\nschen Ciavier an, auf welchem ich als Knabe von acht\nJahren übte, bis zu dem Flügel von sechs bis sieben Octa-\nven nicht alles gesehen und gespielt!*)\nAn das heutige Pianoforte macht man bekanntlich\ngrosse Ansprüche. Die Stärke des Tones soll eine mächtige\nund doch der Ton zugleich deutlich und bestimmt sein,\ndenn Alles hat seine Gränze. Arbeitet der Instrumenten-\nmacher nur auf Stärke hin, so wird er rohen Klang mit\ngemeinem Ton erzeugen. Die Gleichheit des Tones und\ndes Klanges in allen Octaven ist eine der wesentlichsten\nEigenschaften eines guten Piano und eine der schwierig-\nsten Aufgaben der Kunst. Wie viele Instrumente sind nur\ntheilweise, entweder im Bass oder im Discant, gut, ja, die\nmeisten befriedigen zwar im Bass und im Discant, aber\ndie mittleren Octaven sind verhältnissmässig schwach und\nfarblos. Das Instrument soll gut nachklingen, aber zugleich\nauch gut abdämpfen; fehlt diese letztere Eigenschaft, so\nist an deutliches Spiel nicht mehr zu denken. Dazu kom-\nmen noch die Forderungen, die man an die Egalität und\nElasticität der Mechanik stellen muss.\nMeine Collegen und ich haben mit Bedauern wahr-\ngenommen, dass der grösste Theil der englischen Instru-\nmentenmacher das Ideal der Gesammt-Vollkommenheit des\nPianoforte aus den Augen verloren zu haben scheint. Unter\nden englischen Ausstellern sind nur wenige, die nicht ein\n\n*) Wir haben nirgends gelesen, dass die preussische Regie-\nrung einen Sachverständigen zur Vertretung der Interessen der\npreussischen oder überhaupt deutschen Instrumenten-Fabrication\nund zur Berichterstattung nach London gesandt habe. Ob die\nNachricht in wiener Blättern, dass Oesterreich Herrn Pro-\nfessor Ed. Hanslick dafür beauftragt habe, begründet ist, wis-\nsen wir nicht.\n*) Eine monumentale Geschichte des Clavicrbaues zeigt die In-\nstrumenten-Sammlung, die Heinrich B road woo din seinem\nEtablissement Great Pultney Street 33 gegründet hat, ein\nhöchst interessantes historisches Museum, in welchem sich un-\nter anderen auch das Ciavier von Hans Ruckers aus Antwer-\npen befindet, welches Händel in England gebraucht hat.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.4", "texte": "neues System der Mechanik als ihre Erfindung produciren.\nWenn man ihre Bestrebungen und Anstrengungen für\ndiese Specialität sieht, so wird man versucht, zu glauben,\ndass sie darin das Non plus ultra der Vorzüge eines In-\nstrumentes setzen.\nWas soll aber bei allen diesen mehr oder weniger\nunvollkommenen Erfindungen herauskommen? Die ver-\nschiedenen Systeme der Clavier-Mechanik sind heutzutage\nEigenthum der ganzen Welt. Die Vorzüge des Klanges\nund des Tones, der Gleichheit, der genauen, vollkomme-\nnen Arbeit sind bei Weitem wesentlicher und wichtiger,\nund doch werden gerade diese Eigenschaften von den mei-\nsten englischen Fabricanten vernachlässigt. Selbst alte, mit\nRecht berühmte Häuser sind ihrem Rufe nicht gleich ge-\nblieben. Nur Heinrich Broadwood hat nicht nur den\nhundertjährigen Ruhm seiner Vorfahren bewahrt, sondern\nist auch mit der Zeit fortgeschritten; die Piano's, welche\nseine Werkstatt auf die Ausstellung geliefert hat, entspre-\nchen dem vollkommenen Ideal dieses Instrumentes. Es\nsind vier Concertflügel grossen Formats, deren Kasten von\nEbenholz aus Coromandel und von Rosenholz gearbeitet\nsind. Sie vereinigen alle Vorzüge des Tones, der Deutlich-\nkeit bei grosser Klangfülle und der Mechanik. Eine wich-\ntige Vervollkommnung bei diesen Instrumenten von John\nBroadwood und Söhne besteht in der Verbesserung der\neisernen Verspreizung. Die eisernen Spreizen sind, das\nlässt sich nicht läugnen, ein nothwendiges Uebel, weil sie\ndie Instrumente schwerer machen und zuweilen dem Tone\neinen eisenartigen Beiklang geben. Broadwood hat nun\nden ganzen Apparat von fünf bis sechs Spreizen durch\neine einzige starke Strebestange von geschmiedetem Eisen\nersetzt, deren Widerstand gegen die Zugkraft der Saiten\neben so stark ist, als die Kraft der vielen bisherigen Sprei-\nzen zusammengenommen.\nNach den Instrumenten von Broadwood kommen die\nvon Hopkinson, die schon bei der Ausstellung in Paris\nim Jahre 1855 Aufmerksamkeit erregten. Ihre Klang-\nstärke ist gewaltig, vielleicht zu gewaltig; die Deutlichkeit\ndes Tones leidet darunter. Hopkinson ist vorzugsweise ein\nausgezeichneter Mechaniker. Er hat durch eine kunstreiche\nVorrichtung, die durch ein Pedal in Wirksamkeit gesetzt\nwird, den merkwürdigen Effect hervorgebracht, dass die\noberen Töne des Instrumentes um eine Octave höher klin-\ngen, wie eine Art von Flageolett-Tönen.\nAusserdem haben Brinsmead, Kerkman (eine alte\nFirma) und Harrison schätzenswerthe Instrumente geliefert.\nWas die übrigen englischen Aussteller betrifft, so kann\nman sie von dem Vorwurf nicht freisprechen, auf das We-\nsentliche an jedem Instrumente, auf die Schönheit des To-\nnes, zu wenig Rücksicht genommen zu haben. Bei den\nmeisten von ihren Piano's ist der Ton pelzig, oder dünn,\noder näselnd, oder hohl.\nDie Ueberlegenheit der französischen Fabrication über\ndie englische hat sich im Allgemeinen mit Glanz offenbart;\ntrotz der nationalen Vorurtheile stimmt das Urtheil dar-\nüber vollständig überein. Wenn die Instrumente von Blan-\nchet, Boisselot, Kriegelstein, Montal und Wölfel gerechtes\nLob verdienen, so haben sich doch zwei pariser Häuser\nunbestreitbar an die Spitze der französischen Fabrication\ngestellt, die in England nur bei Broadwood's Instrumenten\nihres Gleichen gefunden hat.\nDie musicalische Welt hat das Aufsehen wohl nicht\nvergessen, welches im Jahre 1855 ein grosser Flügel von\nHenry Herz erregte, der einstimmig von der Jury für\ndas beste Instrument auf der Ausstellung erklärt wurde.\nDennoch ist in den Instrumenten aus dieser Werkstatt auf\nder gegenwärtigen Ausstellung fast noch mehr Reinheit,\nGlanz und Sympathisches im Tone vorhanden, als in jenen\nvon 1855. Der Anschlag der beiden grossen Concertllü-\ngel, des Piano's von mittlerem Format und des schrägsai-\ntigen Pianino's von Herz, welche in London sind, besitzt\nalle Feinheiten, alle Elasticität, alle Präcision, die das\nfeinste und colorirteste Spiel nur verlangen kann. Möchten\nnur auch wieder ein Mozart, ein Beethoven, ein Hummel\nerscheinen, um Musik für so schöne neue Ciaviertöne zu\nschreiben!\nNeben den Instrumenten von Herz stehen die Instru-\nmente von Pleyel und Wolff. Auch sie bekunden ausser-\nordentliche Fortschritte. Durch die Bemühungen von\nAugust Wolff, der jetzt dieses grosse Etablissement leitet,\nist es gelungen, mit der Deutlichkeit des Tones, die man\nschon immer an dessen Fabricaten lobte, auch die Ton-\nstärke zu verbinden.\n\nStatistisches Verzeichniss der Vorstellungen der k.\nBühnen in Berlin.\nDas italiänische Schauspiel der Frau Ristori gab vom\n6. März 1862 an sieben Vorstellungen: 1)\nTragedia biblica in 5 atti di\nper Sigra. Ristori. 2) „Maria Stuarda\". 3) „Elisabetta,\nRegina d'lnghilterra\", Dramm\nPaolo Giacometti.4) „Macbetto\", 4\nGuglielmo Shakespeare in ver\ncano. 5) „Medea\". 6) Eine zusammengesetzte Vorstellung\naus dem ersten, dritten und fünften Acte der „Stuarda\"\nund dem fünften der „Ulisabetta\". 1. „Fedra„lgelosi\nfortunati\".\nDie italiänische Oper unter Führung des Herrn Eugenio\nMerelli, bestehend aus den Damen: Trebelli, dem Ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.5", "texte": "schwisterpaar Marchisio, Maria Rideri, den Herren\nPancani, Tiberini, Montanari,Squarcia,Zucchi,\nAgnesi, Cosseli, Borella, Capellmeister Orsini, gab\nvom 1. October 1861 bis 1. Januar 1862 37 Vorstel-\nlungen. Die Componisten kamen in ihren Schöpfungen fol-\ngender Maassen zur Aufführung: Bellini: „Die Nacht-\nwandlerin\" 2 Mal. Donizetti: „Lucia\" 3 Mal. Rossini:\n„Der Barbier von Sevilla\" 7 Mal, „Semiramis\" 3 Mal,\n„Cenerentola\" 3 Mal, „Othello\" 2 Mal. Verdi: „Der\nTroubadour\" 4 Mal, „Violetta\" {La Traviata) 4 Mal,\nnUn halb in maschera\" (neu) 3 Mal. Miscellaneen 6 Mal.\nGastspiel: Fräulein Patti 11 Mal, Fräulein Artöt 6 Mal.\nDie Gesammtzahl der vom 1, August 1861 bis zum\n19. Juni 1862 deutsch gegebenen Vorstellungen*) betrug\n329, die sich folgender Gestalt eintheilen: Trauerspiel 79,\nSchauspiel und Drama 64, Lustspiel und Posse 174, dra-\nmatische Kleinigkeiten 7, ernste Oper 106, komische Oper\nund Singspiel 23, Ballet 76.—Geschlossen waren die kö-\nniglichen Theater 10 Tage: des Krönungs-Einzuges, der\nTodtenfeier, der Sterbetage zweier Könige, des Geburts-\ntages Königs Friedrich Wilhelm IV., der Charwoche und\ndes Busstages wegen; 1 Mal schloss die Oper wegen Un-\npässlichkeit des Fräulein Lucca; Mangel an Besuch mö-\ngen die vielen Schliessungen, besonders im Mai und Juni,\nbegründen. September und Januar brachten die meisten\nVorstellungen, jeder Monat 52.\nDie Anzahl der Vorstellungen—nach den Namen der\nSchriftsteller vertheilt gibt folgendes Ergebniss: Angely\n2, Anschütz 6, Bauernfeld 8, Beaumarchais 3, Beer 1,\nBenedix 28, Berting 1, Birch-Pfeiffer 12, Brachvogel 5,\nCastelli 1, Cosmar 10, Förster 2, Freytag 3, Fürbringer\n(Roquette) 4, Girardin 1, Göthe 13, Gutzkow 3, Hack-\nländer 3, Heigel 4, Henrion 6, Hersch 3, Hesse 1, Hol-\nbein 1, Hollpein 17, Holtei 2, Horn 7, Iffland 1, Kleist\n6, Kettel 1, Laube 3, Lenz 2, Lessing 12, Leitershofen\n3, Moreto 2, Mosenthal 2, Moser 1, Niebauer 1, A. P.\n(Werner-Raupach) 12, Putlitz 17, Raupach 26, Schiller\n36, Schlesinger 6, Schneider 3, Schröder 1, Scribe 13,\nShakespeare 31, Stein 1, Weissenthurn 2, Winterfeld 1,\nZedlitz (Lope de Vega) 2.\n(Folgende Schriftsteller kamen gegen das vorige Jahr\nin Ausfall: Blum, Calderon, Girndt, Heyse, Hirsch, Mo-\nliöre, Pawloff, Plötz, Rautenstrauch, Redwitz, Ring, Prin-\nzessin von Sachsen, Töpfer, Wolff.)\nIn der Oper: Auber 17, Bellini 3, Beethoven 3, Bott\n2, Cherubini 3, Donizetti 11, Flotow 2, Gluck 4,\n% Isouard 1, Lortzing 1, Marschner 2, Möhul 2, Meyer-\nbeer 12, Mozart 14, Offenbach 3, Redern 1, Rossini 4,\nSpohr 1, Spontini 19, Verdi 4, Wagner 9, Weber 13.\n(Von den Componisten fielen aus: Dorn, Lachner, Ni-\ncolai, G. Schmidt, Taubert.)\nIm Ballet: Hoguet 6, Perrot 2, Paul Taglioni 66,\nSt. Georges 2.\nDie Novitäten und Neu-Inscenesetzungen waren:\nA. Im Schauspiel neu (12): 2 Trauerspiele („Johanna\nGray\", „Maria\"), 1 Schauspiel („Wilhelm von Oranien\nin Whitehall\"), 7 Lustspiele („Der Störenfried\", „Die\nGönnerschaften\", „Das Haus Eberhard\", „Die Liebes-\nDiplomaten\", „Feuer in der Mädchenschule\", „Der Oberst\nvon 18 Jahren\", „Ein toller Tag, oder: Figaro's Hoch-\nzeit\"), 2 Possen („Unter dem Reichs-Kammergericht\"*\n„Erexperimentirt\").—Neu einstudirt (6 Stücke): 2 Schau-\nspiele („Noch ist es Zeit\", „Der Stern von Sevilla\"), 4\nLustspiele („Die Liebe im Eckhause\", „Bürgerlich und\nRomantisch\", „Die Lebensmüden\", „Die Schwestern\").\nB.ln der Oper: Eine Neuigkeit („Actäa, oder: Das\nMädchen von Korinth\").—Neu einstudirt: 3 Opern („Die\nBraut\", „Nurmahal\", „Euryanthe\").\nC. Im Ballet: Keine Neuigkeit.—Neu einstudirt: Ein\nBallet („Liebeshändel\").\nEngagements, Versuche, Debüts und Gastspiele:\nIm Schauspiele fanden an 14 Abenden Versuche Statt\n(Frau Jachmann-Wagner), ferner 3 Debüts (Fräul. Pellet)\nund 5 Gastspiele (an 24 Abenden), nämlich: Frau v. Pro-\nkesch-Gossmann 10 Mal, Fräul. Bergmann 4 Mal, Fräul.\nHoguet 3 Mal, Herr Braunhofer 5 Mal, Herr Auburtin 2\nMal. Engagirt: Fräul. Del Rhin, Fräul. Bergmann, Herr\nAuburtin, Herr Braunhofer, der pens. k. Schauspieler Herr\nE. Krüger. Pensionirt: Frau Formes. Abgegangen :\nFräul. Radtke, Herr Greve. Fünfzigjährige Jubiläen feier-\nten: Frau Crelinger (4. Mai 1862), Herr Grua (3. Fe-\nbruar 1862).\nIn der Oper fand ein erster theatralischer Versuch\nStatt (Fräul. Louise Zschiesche), dann 13 Gastspiele (an\n34 Abenden): Frau Braunhofer-Masius 2 Mal, Fräul. Baur\n3 Mal, Fräul. Telheim 2 Mal, Fräul. Walbach 1 Mal,\nFräul. Sulzer 2 Mal, Fräul. Suvanny 1 Mal, Frau Roll-\nMayerhofer 3 Mal, Frau Deetz 4 Mal, Fräul. Mik 4 Mal,\nHerr Kaminsky 2 Mal, Herr Ferenczy 6 Mal, Herr Young\n1 Mal, Herr Robinson 3 Mal.—Engagirt: Fräul. Münster,\nFräul. Mik, Fräul. Antonini, Fräul. Zschiesche, Herr Ro-\nbinson, Herr Ferenczy. Pensionirt: Frau Herrenburg-\nTuczek (als Susanna den 5. Dec. 1861 ausgeschieden),\nFrau Jachmann-Wagner (als Orpheus den 12. Dec. 1861\nausgeschieden), Herr Zschiesche (alsSarastro den 21. Sept.\n1861 ausgeschieden). Abgegangen: Frau Braunhofer.\nFräul. Pollack, Herr Schäfer, Herr Fischer, Herr Wolf.\n\n*) Das Schauspiel schloss mit „Der Kaufmann von Venedig\", die\nOper mit „Nurmahal\"; der Bchluss der königlichen Bühne er-\nfolgte wie im vorigen Jahre durch „Flick und Flock\"."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.6", "texte": "Im Ballet fanden 3 Gastspiele (an 10 Abenden) Statt:\nFräul. Bose 3 Mal, Fräul. Mora 5 Mal, Herr Opfermann\n2 Mal. Abgegangen: Fräul. Forti.\nDer Abgang der Frau Köster steht ebenfalls bevor.\n—Die Engagements sollen nach neueren allgemeinen Be-\nstimmungen des königlichen Haus-Ministeriums künftig\nnicht mehr mit einem ausgesprochenen Pensions-An-\nrecht geschlossen und dafür lieber eine Gehalts-Erhöhung\nfür die Zeit des Wirkens gewährt werden. Ein für das\ngesammte dramatische Künstlerthum sehr zu beherzigen-\ndes Zeichen!\n\nAus Ems.\n[Neue Oper von J. Offenbach.]\nDen 12. Juli 1862.'\nWir sind mitten in der Bade-Saison, an viertausend\nKurgäste bevölkern das Thal, unter ihnen eine Menge, die\nöfter auf die Promenaden und in den Cursaal gehen, als\nins Bad, und lieber Rheinwein und Champagner trinken,\nals Kränchen- oder Kesselbrunnen. So ist es denn natür-\nlich, dass die geselligen Zerstreuungen gesucht werden, zu-\nmal wenn der düstere Himmel seine Schleusen öffnet, was\nleider nur allzu oft geschieht.\nEms soll ein zweites Baden-Baden werden, wozu denn\nvor Allem ein Theater gehört. Natürlich ein französisches,\ndamit Franzosen, Polen, Bussen nicht aus der Gewohnheit\nkommen. Dieses hübsche Theater im Cursaale hat uns ge-\nstern die Freude gemacht, eine neue komische Oper in\nzwei Acten von Ihrem berühmten Landsmanne Jakob\nOffenbach aufzuführen, worauf die Bade-Gesellschaft\nstolz sein kann. Denn erstens hat Offenbach diese Oper\nfür Ems geschrieben, zweitens wurde sie von Sängerinnen\nund Sängern des Thedtre lyraus Paris dargestellt,\nund drittens ist sie ganz allerliebst und eine wahre Perle\nmusicalischen Humors.\nSie heisst Bavard et Bavarde, komische Oper in zwei\nActen von Charles Nuitter, Musik von J. Offenbach; Ma-\nnuscript.\nDer Titel zeigt schon, worin die komische Pointe der\nHandlung liegt. Niemals ist die Schwatzhaftigkeit, die vir-\ntuose Zungenfertigkeit so köstlich musicalisch gezeichnet\nworden; aber es gehört auch eine Virtuosität der Kehle\ndazu, um diese Tausende von Achtelnoten mit lebhaftem\nSpiel verbunden zwischen den Lippen hervorsprudeln zu\nlassen.\nDer Stoff ist aus dem Spanischen genommen, die Er-\nfindung ist Eigenthum keines Geringeren, als des Miguel\n(jervantes. Los dos Habladores heisst das Intermezzo, das\njedoch Cervantes selbst nicht in die Liste seiner Stücke\naufgenommen hat, wahrscheinlich weil es eigentlich nur\nzwei, obwohl ziemlich lang ausgesponnene Scenen bildete.\nAuch kam dieses Intermezzo erst 1624, acht Jahre nach\nseinem Tode, auf die Bühne. Ch. Nuitter hat es zu zwei\nActen ausgearbeitet, die uns keinen Augenblick zu lang\nerscheinen.\nBoland, ein hübscher junger Hidalgo ohne Vermögen,\nliebt Ines, die Nichte des reichen Don Sarmiento. Dieser\nist sehr launisch und fast immer verdriesslich, denn er liebt\ndie Ruhe, kann aber nicht dazu gelangen, weil Madame\nBeatrix, seine Frau, eine Schwätzerin ist, welcher der\nMund nie still steht, so dass man mit dem, was sie den\nTag über spricht, eine ganze Kammer-Sitzung ausfüllen\nkönnte. Dazu kommt noch ein anderer Verdruss für den\nalten Onkel, das gerichtliche Urtheil, das ihn zur Zahlung\nvon zweihundert Ducaten Strafgeld für eine zu handgreif-\nliche Correction der beleidigenden Worte eines Nachbars\nverdammt. Roland stellt sich ihm zur Verfügung und er-\nbietet sich, einen Zwist mit irgend Einem anzufangen und\ndiesem eine Ohrfeige abzulocken, die ihm dann auch jene\nSumme einbringen müsse, die er glücklich sein werde,\ndem Don Sarmiento zu Füssen zu legen. Diesen Plan setzt\ner ihm mit so überströmender Wortfülle aus einander,\ndass Sarmiento vom Erstaunen zu dem Gedanken übergeht,\nan dem müsse seine Frau ihren Meister finden; so lange\nder Zungenwirbel dieses charmanten jungen Mannes im\nGange sei, könne Madame Beatrix nicht zu Worte kommen.\nGedacht, gethan. Roland wird eingeladen; er hat das\nnächste Ziel seiner Wünsche erreicht, er ist in dem Hause,\nwo seine geliebte Ines weilt.\nDer Wettkampf beginnt bei Tische. Doch es kann\nvon Kampf nicht die Rede sein, da die Hoffnung der Ma-\ndame Sarmiento, dem unermüdlichen Schwätzer werde die\nSuppe und das Beefsteak den Mund stopfen, durchaus nicht\nin Erfüllung geht. Vergebens ruft sie immer dringender:\nMangcz! ihr Mann fällt augenblicklich mit dem Comman-\ndo: Parlez!ein, und Roland, von Ines' Blicken, die mit\nim Geheimnissist, angefeuert, gönnt seiner Zunge auch\nnicht die kleinste Pause, und überschüttet jede Mundes-\nöffnung der Dame vom Hause mit einer Lawine von Wor-\nten. Sie möchte bersten vor Wuth, während ihr Mann\nlachend triumphirt u. s. w. Kurz, das Ende vom Liedeist\nder Vertrag, dass Roland zu schweigen verspricht, wenn\ndas Ehepaar ihm die Nichte zur Frau gibt. Sarmiento\nwilligt ein in der Hoffnung, dass er dennoch auch in Zu-\nkunft seinen Vortheil von Roland ziehen werde, da ein\nSchwätzer jedes andere Versprechen halten wird, nur nicht\nden Schwur, zu schweigen.\nDas Quartett, in welchem diese erzkomische Tisch-\nund Schwatzscene dargestellt wird, bildet die Hauptnum-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.7", "texte": "mer der Operette. Es ist auf höchst geistreiche Weise aus\ndem Inhalt der Textesworte und dem Charakter der Si-\ntuation geschöpft und zu einem langen Gesangstück in\nmehreren Sätzen mit verschiedenen Tempi ausgearbeitet.\nNichts ist komischer als Roland's in ewigen Achteln sich\nschnell abwickelnde Melodie von drei oder vier Noten auf\ndem Orgelpunkte von h, den die Violinen in der Höhe\nebenfalls in Achteln fortpicken; niemals sind die verzwei-\nfelnden Geberden der Madame Sarmiento mehr gerecht-\nfertigt, als bei diesem musicalischen\nDas Allegro molto wird durch einen Canon unterbrochen,\nin welchem Jeder für sich seine Hoffnung, oder seine\nFreude, oder seine Verzweiflung ausspricht; dieser Canon\nist ein Meisterstück, wie denn überhaupt das ganze Quar-\ntett durch Originalität, Charakteristik, Klarheit der Stimm-\nführung und feine Instrumentirung überall einen eben so\naussergewöhnlichen Erfolg haben wird, wie hier. Offen-\nbach hat einmal wieder in diesem Gesangstücke gezeigt,\ndass er den komisch-syllabischen Stil, der bei vielen Mei-\nstern der neuen französischen Schule ein geistloses Stimm-\ngehämmer geworden ist, auf so künstlerische Weise mit\ndem musicalisch Schönen zu verbinden weiss, dass hier,\nwo noch dazu Text und Situation leicht dazu verführen\nkonnten, nicht ein trocken notirtes Geschwätz, sondern\neine musicalisch umgedichtete Scene vorliegt, die selbst als\nabsolute Musik, als Scherzando mit abwechselndem cano-\nnischen Andante, von trefflicher Wirkung sein würde. Der\nstürmische Beifall des Publicum ruhte nicht eher, bis die\nganze Nummer wiederholt wurde.\nAber auch die anderen Nummern sind sehr gelungen\nund wurden durch schallenden Applaus ausgezeichnet.\nGleich die Ouvertüre mit ihren Anspielungen auf die be-\ndeutendsten Motive der Oper ist einnehmend und interes-\nsant, und es zeigt sich schon in ihr die durchsichtige, feine\nInstrumentirung, welche in allen Nummern dieses neuen\nWerkes unserer Ansicht nach noch einen grossen Fort-\nschritt Offenbach's in der Behandlung des Orchesters be-\nkundet, in welcher er schon in seinen bisherigen Werken\nimmer mehr nach der lichtvollen Ornamentik der Melodie\ndurch die Instrumente strebt, anstatt die Singstimme durch\nden Lärm von Geigen und Oboen und Hörnern und Po-\nsaunen zu unterdrücken. Eine grosse Arie und eine Ro-\nmanze der Ines, die Schwatz-Couplets der Beatrix, ein\nhöchst drastisches Duo luffozwischen Roland und Sar-\nmiento verdienten den lebhaftesten Beifall, der ihnen zu\nTheil wurde.\nNehmen Sie dazu die Virtuosität und echte Komik in\nGesang und Spiel der Demoiselle Girard (Beatrix) und des\nHerrn Wartel (Sarmiento) vom der De-\nmoiselle Baudier (Ines) und besonders auch des Herrn Potel\n(Roland) von den Bouß'es Parisiens, so können Sie Sich\ndenken, dass der Erfolg ein entschiedener war. Das Pu-\nblicum rief sämmtüche Acteurs und den Componisten\nheraus und überhäufle ihn mit Ehren.\nUnter den Zuschauern befand sich auch Meyerbeer,\nder hier gebadet hat und heute über Wiesbaden nach\nSchwalbach geht, um dort die Nachcur zu gebrauchen.\nEr applaudirte viel und sprach sich sehr anerkennend über\ndie Musik aus. Was werden Sie sagen, wenn ich Ihnen\nals Neuigkeit von grossem Interesse mittheile, dass ihn die\ngrossen Aufführungen zu Exeter Hall in London so für\ndie geistliche Musik begeistert haben, dass er mit der Com-\nposition eines Oratoriums für England beschäftigt ist!\nDem ist wirklich also.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDeutsche Gesangfeste. Das alle zwei Jahre wiederkehrende\n„Sängerfest der norddeutschen Liedertafeln\" fand am 13.—15. Juni\nin Hannover Statt. Das Concert der vereinigten Liedertafeln im\nfestlich geschmückten Hoftheater wird als Glanzpunkt des Festes\nbezeichnet. An Instrumentalwerken kamen hierbei zur Aufführung:\nMarschner's Ouvertüre zu „Hans Heiling\" und Wagner's Tannhäu-\nser-Ouverture. Das vierte grosse Gesangfest des „Märkischen Cen-\ntrai-Sängerbundes\" hat unter R. Tschirch's Leitung am 22. und 23.\nJuni in solenner Weise und unter allgemeiner Theilnahme in dem\nfestlich geschmückten Luckenwalde Statt gefunden. Zu Anfang\ndes eigentlichen Concertes wurde ein Festlied von R. Tschirch,\nhierauf die „Deutsche Tricolore\" vom Herzog Ernst von Coburg ge-\nsungen. Die weiteren Gesänge waren: „Die Wacht am Rhein\" von\nWilhelm, „Waldmeisters Hochzeit\" von R. Tschirch und „Des Deut-\nschen Vaterland\". Die Einzelgeßänge fanden auf einer dazu beson-\nders errichteten Tribüne Statt. Tags darauf fand das Kirchen-Con-\ncert Statt. Trotz des schlechten Wetters ist am 22. Juni in\nKarlsruhe das „badische Sängerfest\" gefeiert worden und hatte\nsich eines guten Erfolges zu erfreuen. Das Massen-Concert fand im\ngrossherzoglichen Hoftheater Statt; zwischen 800 bis 900 Sänger\nnahmen daran Theil und etwa 100 bis 150 blieben wegen Mangels\nan Platz noch zurück. In der Hof-Logo befand sich der Grossherzog,\ndie Grossherzogin und der Erbprinz. Die ganze Versammlung des\ngedrängt vollen Hauses stimmte donnernd ein in den Hochruf, den\nder poetische „Festgruss\" dem geliebten Fürsten und seiner deut-\nschen Gesinnung darbrachte. Die Gesammt-Chöre gingen unter Lei-\ntung des Musik-Directors Krug ganz vortrefflich und fanden vielen\nBeifall. Den Einzel-Chören, unter welchen die mannheimer Gäste\nsich besonders hervorthaten, fehlte eben so wenig die wärmste und\nallseitige Anerkennung. Das zehnte „Märkische Volks-Gesangfcstu,\nwelches am 29. und 30. Juni in Neustadt-Eberswalde unter\nLeitung des königlichen Musik-Directors Franz Mücke abgehalten\nwurde, war sehr gelungen. Es hatten sich 56 Vereine mit nahezu\n2000 Sängern angemeldet, davon allein Perlin mit 32 Chören.\nIn Erbach an der Bergstrasse feierte am 29. Juni der „Odenwälder\nSängerbund\" sein erstes Gesangfest. Das Concert-Local war im gräf-\nlichen Schlosshofe; die Aufführungen fanden unter Mitwirkung des\nheidelberger Theater-Orchesters Statt. Die vereinigten deutschen\nGesang-Vereine für Grossbritannien haben am 26. Juni in London\nein grosses deutsches Sängerfest abgehalten, woran über 1000 Sänger\nTheil nahmen. Heinrich Neeb wurde «um Dirigenten gcwähh."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620719-01.1.8", "texte": "Karlsruhe« In der Oper gastirte Fräulein Emilie Genast\naus Weimar, als Concertsängerin rühmlich bekannt, als Rosine im\nvon Sevilla\", Gräfin in „Figaro's Hochzeit\" und Amazili\nin rJessondau. Ihre bisherigen Leistungen genügten, um in ihr eine\nGesangskünstlerin von guter Schule erkennen zu lassen. Ihre nicht\nsehr gross und umfangreich erscheinenden Stimmmittel, bisher nur\nim Concertgesange zur Geltung gebracht, dürften möglicher Weise\nnoch einiger weiteren Ausbildung und dem gemäss umfassenderer\nVerwendung in specifisch-dramatischer Richtung fähig sein. Für eine\ntheatralische Novize bewegt sich Fräulein Genast mit überraschen-\nder Sicherheit auf den Brettern und verbindet mit gewinnender Er-\nscheinung ein feines, verständniss- und empfindungsvolles Spiel. Das\nPublicum nahm ihre dramatischen Probe-Leistungen mit ungewöhn-\nlichem Interesse auf: ihr Engagement, das auf dieselben folgte, wird\nsich in mehrfachem Betracht als ein Gewinn für unsere Oper er-\nweisen; (W. Ree.)\nllof-Capellmeister Eckert in Stuttgart, der zunächst auf ein\nJahr engagirt war, ist nun lebenslänglich als Capellmeister ange-\nstellt. Am 27. September, des Königs Geburtstag, soll seine Oper\n~Wilhelm von Oranien\" zum ersten Male zur Aufführung kommen.\nDem Tenoristen Schnorr von Carolsfeld in Dresden ist von\nder dortigen Hoftheater-Intendanz sein Contract unter glänzenden\nBedingungen bis zum Jahre 1870 verlängert worden.\nCharles Mayer, rühmlichst bekannt als Clavier-Virtuose und\nComponist, ist nach längerer Kränklichkeit am 2. Juli in Dresden\ngestorben. Derselbe war im Jahre 1799 in Königsberg geboren und\nkam schon als Kind nach Russland, da sein Vater, ein tüchtiger\nClarinettist, mehrere Jahre Musik-Director beim Grafen Scherence-\ntieff war. Die Familie lebte dann in Moskau, und schon als Kind\nwurde Charles Mayer ein Schüler J. Field's, des damals so berühm-\nten Clavierspielers, und spielte bereits in seinem neunten Jahre in\nConcerten. Im Jahre 1812 flüchteten seine Eltern nach Petersburg;\nauch Field zog dafiin, und Mayer konnte unter dessen Leitung seine\nAusbildung fortsetzen. Er machte 1814 seine erste, bis nach Frank-\nreich ausgedehnte Kunstreise und kehrte dann nach Petersburg zu-\nrück, wo er als Ciavierlehrer sehr geschätzt und vorzüglich honorirt\nwurde. 1847 siedelte er nach Dresden über, machte von da aus\nnoch mehrere Kunstreisen mit glänzendem Erfolge und war bis zu\nseinem Tode als Ciavierlehrer und Componist unausgesetzt thätig.\nDer Verstorbene hinterlässt eine Witwe und zwei Kinder, von denen\ndas älteste 15 Jahre alt ist, so wie auch eine fünfundachtzigjährige\nMutter, die er bisher aber leider gar kein Vermögen.\nDer Componist Mercadante ist fast gänzlich erblindet.\nEmil Devrient, 1804 geboren und seit 1820 der deutschen\nBühne angehörend, hat nun den Entschluss gefasst, Ende 1863 der\nBühne ..gänzlich\" zu entsagen und sich ins Privatleben zurückzu-\nziehen. Sein dreiundvierzigjähriger Musendienst hat dem Künstler\nnicht nur Lorbern, sondern auch ein ganz stattliches Rittergut und\nausserdem circa 100,000 Thlr. eingebracht.\nDas deutsche Schauspiel. Die Vergleichung der Statistik\ndes k. k. llof-Burgtheaters in Wien mit der oben gegebenen Sta-\ntistik von Berlin ergibt für Wien folgende Stufenleiter der Anzahl\nder Aufführungen von 1861—1862 von Stückui deutscher Dich-\nter: Schiller 31, Birch-Pfeiffer 26, Benedix 21, Schlesinger 18, Laube\n15, Gutzkow 15, Bauernfeld 12, Hollpein 14 („Er experimentirt\"),\nGötlie 11, Freytag 8, Lorm 8, v. Puttlitz 7, Lessing 6, Töpfer 6,\nAdolphi 5, Lederer 4, Mosenthal 3 u. s. w. Ferner 10 Stücke von\nShakespeare mit 18 Aufführungen, noch eines aus dem Englischen\nmit %1 und 43 aus d em Franz ö sisehen mit 130 Aufführungen.\nFür Berlin: Schiller 36, Shakespeare 31, Benedix 28, Raupach\n26, von Puttlitz 17, Hollpein 17, Göthe 13, Scribe 13, Lessing 12,\nWerner-Raupach 12, Birch-Pfeiffer 12, Cosmar 10, Bauernfeld 8,\nvon Kleist 6 u. s. w.\nDie Vorstellungen der Opira comique, welche für das Karl-Thea-\nter in Wien projectirt waren, kommen nicht zu Stande.\nWien. Die Bouffes Parisiens brachten am 25. Juni im Kai-\nTheater eine den Abend ausfüllende Novität: „Ze voyage de Mes-\nsieurs Dunanan phre et Bls.u Op4ra bouffon en trois actes de Mrs.\nSiraudin et Moinaux, musique de Mr. J. Offenbach. Der Erfolg war\nein günstiger, was hauptsächlich der Darstellung zu danken ist.\nPradeau ist wahrhaft komisch und wird von und Ldonce\nauf das Beste unterstützt. Fräulein Geraldine hat zwar sehr wenig\nStimme, hingegen eine Coloratur, um welche manche Prima Donna\nsie beneiden könnte. Die sämmtlichen Darsteller spielen mit einer\nso ausgelassenen Heiterkeit, mit so toller Laune, dass man unwill-\nkürlich mitgerissen wird. Bei einer gemässigten Darstellung wäre es\nnicht gut möglich, über den bodenlosen Unsinn der Handlung hin-\nwegzusehen. Die OfFenbach'sche Musik enthält wieder manche recht\nfrische und lustige Weise. Um einen Act gekürzt, wäre der Erfolg\nein weit dauerhafterer geworden.\nDer Männer-Gesangverein wurde hohen Orts aus eingeladen, bei\nder am 31. August zu Wiener-Neustadt Statt findenden Enthüllungs-\nfeier des Maria-Theresia-Monuments in ähnlicher Weise mitzuwir-\nken, wie es bei der festlichen Enthüllung des Erzherzog-Karl-Mo-\nnuments der Fall war. Die Mitglieder sind dieser Einladung nach-\ngekommen, und Chormeister Herbeck wird aus Anlass dieser\nFeierlichkeit eine Fest-Hymne componiren. Ausser dem wiener\nMänner-Gesangverein werden auch die Liedertafeln von Neustadt\nund Umgebung bei dem Feste mitwirken.\nTherese Milanollo, mit einem höheren Marine-Officier in\nBrüssel verheirathet, will nach langer Pause im nächsten Winter\nwieder die Hauptstädte Europa's als Concertgeberin besuchen,\nFranz Liszt befindet sich fortwährend in Rom und gedenkt\nauch diesen Aufenthalt in nächster Zeit noch nicht zu verlassen.\nIm Real teatro & Oriente zu Madrid ist durch die Bemühungen\ndes Capellmeisters C. Moderati die pariser NormaUtimmung ange-\nnommen worden. Die sämmtlichen Blech-Instrumente hat Alphons\nSax in Paris (rue d* Abbeville 3 bis) dazu geliefert."}]}