{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-08-09-01", "volume": "bmtnabi_1862-08-09_01", "ocr_sha256": "7d58da6e4bd139066ea8e615ab50bfae0d08cd1c0cedf64053b4ced99e4595bf", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/08/09_01/bmtnabi_1862-08-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-08-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 436, "texte": "Inhalt.\nAusstellung in London. 11. (Franz. Piano's —Deutsche aus Oesterreich und dem Zollverein Rheinpreussen: Gerh.\nAdain in Wesel). E. Seiler, Altes und Neues über die Ausbildung des Gesangorgans. Aus Paris (Die neuen Theater alte und\nneue Opern).— Tages- und Unterhaltungsblatt (Frankfurt a. 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Adam\nin Wesel Aus Hamburg, Schweiz u.s.w.]\n(I. s. Nr. 29.)\nIn dem dritten Briefe über die zu London ausgestell-\nten Pianoforte's spricht Fetis über die Instrumente der\nfranzösischen Ciavierbauer, welche neben Herz und Pleyel\n(s. Art. I.) in Betracht kommen. Unter den pariser Fabri-\ncanten zeichnet er die Firma Kriegelstein aus, und in\nBezug auf feine Arbeit der Mechanik die Instrumente von\nMontal. Letzterer hat, um eine Nuancirung des piano\nhervorzubringen, einen Pedalzug neuer Erfindung ange-\nbracht, durch welchen die Claviatur gesenkt wird, so dass\nder Hammer mit schwächerem Anschlag die Saiten be-\nrührt eine Einrichtung, die mehr eine artige Spielerei,\nals eine Verbesserung von wesentlichem Nutzen für den\nVortrag ist.\nVon den nicht in Paris wohnenden Fabricanten ge-\nbührt dem Hause Boisselot in Marseille der Preis. Den\nausgestellten Concertllüge! hat Boisselot mit längeren und\ndickeren Saiten, als man sonst anwendet, bezogen, und die\nKlangfüll e des Instrumentes soll merkwürdig sein u; d der\nTon trotzdem klar und bestimmt ohne Durcheinander-\nbrausen. Da aber die Dimensionen des Kastens doch\nnicht veigrössert sind, wie Fetis bemerkt, so können wir\nuns keine rechte Vorstellung von dem Verhältnisse der\nLänge der Saiten zu der Länge des Resonanzbodens machen.\nVon schrägsaitigen Pianino's [Piano-bu,ff et), die Roller\nim Jahre 18*27 erfand und damals zuerst in Paris aus-\nstellte, hat Blanchet der Sohn, der jetzt an der Spitze\ndes Hauses Roller & Blanchet steht, ein ausgezeichnetes\nInstrument geliefert.\nMit Recht sagt Fetis von den geradsaitigen Pianos\ndroits, dass sie nur für den Consum gearbeitet würden\nund eigentlich gar nicht in die Classe der Kunsterzeugnisse\nund der Instrumente für Künstler gehörten. In Paris cxi-\nstirt eine Menge Fabriken der einzelnen Bestandtheile sol-\ncher Claviere; daraus werden dann die Instrumente zu-\nsammengesetzt, auf denen man in der Loge des Portiers\nund bis in die Mansarden des sechsten Stockes klimpern\nhört. Sie kommen nur als „currenter Handels-Artikel\" in\nBetracht und werden zu Spottpreisen, z. B. zu 400 Francs,\ngeliefert.\nVon den vier belgischen Ciavierbauern, welche die\nAusstellung beschickt haben, hatnur Sternberg in Brüs-\nsel einen Flügel ausgestellt, dessen Ton in den mittleren\nOctaven und im Discant gelobt wird, während im Bass\nein voller Klang vermisst wird.\nDer vierte Brief von Fetis enthält die für uns wich-\ntigeren Entscheidungen der Jury nebst den Bemerkungen\ndes genannten gelehrten Berichterstalters über die Instru-\nmente deutscher Pianoforte-Fabricanten. Nur eine\nrühmliche Erwähnung der Instrumente der Americaner\nSteinway u. Sohn in New-York geht vorher; diese In-\nstrumente, ein Concertflügel und ein tafelförmiges Piano-\nforte von grösstem Format, haben eine wahrhafte Sensa-\ntion gemacht beim Publicum und bei der Jury, namentlich\ndas letztere. Es ist nach dem System der über einander\ngehenden, sich kreuzenden Saiten gebaut. „Dieses System\"\nsagt Fetis „hatte mir niemals rechtes Vertrauen\neingeflösst, weil die ungehinderte Freiheit der Luftschwin-\ngungen mir eine durchaus nothwendige Bedingung für den\nschönen Ton zu sein schien. Da nun die sich kreuzenden\nSaiten in verschiedenen Richtungen schwingen, so schien\ndaraus eine Störung der Schwingungen nothwendig her-\nvorgehen zu müssen. Allein die Thatsache des vortreffli-\nchen Tones des Instruments von Steinway widerlegt alle\nEinwürfe der Theorie; vielleicht lässt sich die Sache da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5198, "texte": "durch erklären, dass die grossen Dimensionen des Instru-\nments einen grösseren Zwischenraum zwischen den sich\nkreuzenden Saiten herzustellen ermöglichen. Die Wahr-\nnehmung, dass die Steinway sehen Instrumente jeden Mor-\ngen gestimmt werden mussten, schien jedoch nicht für die\nGediegenheit des Baues zu sprechen.\"\nKehren wir nun nach Europa zurück. Ueber die In-\nstrumente aus Oesterreich spricht sich Fetis folgen-\nder Maassen aus.\n„In erster Reihe finde ich da Streicher, welcher\ndie Mechanik mit einfacher Auslösung, die so genannte\nwiener Mechanik, anwendet. Die Arbeit ist gut, alle Theile\ndes Mechanismus leisten genau, was sie sollen, der Ton\nhat Fülle und die Claviatur hat einen leichten Anschlag.\nAlle übrigen wiener Fabricanten, nämlich Bösendorfer,\nEhrbar, Potje, Blümerl, Schneider und Cramer, haben die\nwiener Mechanik bei ihren Erzeugnissen angewandt und\nhaben bloss Flügel ausgestellt. Nur ein Piano droit von\nEhrbar ist da. Wohlfeilheit ist die Haupt-Bedingung\nbei ihren Arbeiten: 500 bis 550 Gulden ist ihr gewöhn-\nlicher Preis. Mag nun auch der Arbeiterlohn in Wien\nnoch so billig sein, so ist es doch rein unmöglich, für ei-\nnen solchen Preis Instrumente herzustellen, welche der\nVollkommenheit und Solidität der Flügel mit englischer\noder französischer Mechanik gleich kommen.\n„Aus dem deutschen Zollverein haben aus\nPreussen (einschliesslich der Rheinprovinz), Sach-\nsen, Würtemberg und Baden achtundzwanzig\nCiavierbauer Instrumente ausgestellt.\n„Von diesen sind dreizehn ausgezeichnet worden,\nund zwar I. durch Medaillen: Gerhard Adam von\nWesel (Rheinprovinz); Bechstein von Berlin; Breit-\nkopf u. II ärtel von Leipzig; Hart u. Pressel, Hundt\nu. Sohn von Stuttgart; Irmler von Leipzig; Gebrüder\nKnacke von Münster; Schiedmeyer u. Sohn von\nStuttgart. ll. Durch „ „ehrenvolle Erwähnung\"\" : An-\ndre von Frankfurt am Main; Kaps von Dresden; E.\nMahlitz von Berlin; Oehler von Stuttgart; Schwech-\nten von Berlin.\n„Bechstein hat die Aufmerksamkeit der Jury durch\nein Concert-Instrument erregt, dessen Ton gut singt; die\nMechanik, gut gearbeitet, ist von Kriegelstein entnommen.\"\nDie Fabrik von Breitkopf u. Härtelist durch In-\nstrumente jeder Art vertreten, Concertflügel, tafelförmige\nClaviere und schrägsaitige Pianino's. Das berühmte Haus\nhat zu grosse musicalische und literarische Unternehmun-\ngen auszuführen, als dass die Chefs desselben auf den In-\nstrumentenbau die Sorgfalt des Meisters verwenden könn-\nten, ohne welche man den Instrumenten nicht diejenigen\nEigenschaften verleihen kann, durch die sie Kunsterzeug-\nnisse werden. Ihre Piano's sind currente Handelsartikel\nvon solider Arbeit, aber es sind keine Kunstproducte.\n„Die Stadt Stuttgart zeichnet sich durch den Betrieb\ndes Ciavierbaues unter den Städten des Zollvereins beson-\nders aus. In erster Reihe führe ich Schiedmeyer u.\nSohn an, aus deren Werkstatt ein Flügel und ein Pianino\nvon der Jury gebilligt worden sind. Hart u. Presse 1,\nwie auch Hundt u. Sohn haben Pianino's von gutem\nTon ausgestellt.\n„Eine besondere Auszeichnung verdient Gerhard\nAdam in Wesel für einen Concertflügel grossen For-\nmats mit Erard'scher sehr gut gearbeiteter Mechanik, des-\nsen Ton ganz vorzüglich ist und sowohl im Bass als Dis-\ncant eine seltene Klangfülle hat.\"\nGerhard Adam halte schon auf der pariser Aus-\nstellung im Jahre 1855 für einen Concertflügel, ein\nPianino und ein Piano in Tafelform die silberne Medaille\nerster Classe, mithin die grösste Auszeichnung nach den\ngoldenen Medaillen (prix d'hoerhalten und war\ndamals der einzige Aussteller aus Preussen, dem die Aus-\nzeichnung der Medaille erster Classe zu Theil wurde. Seit-\ndem hat der verständige Meister, dessen Haus kein Instru-\nment verlässt, das nicht erst durch seine Hand gegangen,\ndurch andauerndes Nachdenken und Versuchen und prü-\nfende Berücksichtigung jeder neuen, oft nur so genannten\nErfindung sich ein festes System für den Bau seiner In-\nstrumente gebildet, welches im Ganzen auf das von Erard\ngegründet, aber durch Vereinfachung und leichtere Spiel-\nart, ohne dass der Anschlag dadurch an Elasticität ver-\nliert, modificirt ist. Er ist dabei zu der Ueberzeugung ge-\nkommen, dass viele mechanische Künsteleien mehr interes-\nsant, als von wesentlichem Einfluss auf die Haupteigen-\nschaft des Pianoforte's sind. Diese Haupteigenschaft ist\nder Ton, und dazu ist vor Allem ausgesuchtes Material\nund die sorgfältigste Bearbeitung desselben unter den Au-\ngen des Meisters vonnöthen. Von Hause aus ohne Ver-\nmögen, hat Adam durch eigene Thätigkeit und Fleiss sich\ndie Mittel erworben, welche zur directen Beziehung des\nbesten Materials und jahrelanger Aufspeicherung dessel-\nben nöthig sind. So hat er aus seiner Fabrik nach und\nnach eine wirkliche Kunstwerkstatt gemacht, deren Er-\nzeugnisse den besten des Auslandes immer mehr zur Seite\ngestellt werden können, ja, viele von jenen durch Gedie-\ngenheit der Arbeit und Dauerhaftigkeit übertreffen. Die\nerfreulichen Resultate dieser Bestrebungen offenbaren sich\nin allen seinen Instrumenten, und sind denn auch jetzt\nwieder durch die internationale Jury der londoner Ausstel-\nlung vollständig anerkannt worden.\n„Die deutschen Hansestädte Bremen, Hamburg\nund Lübeck zählen zehn Aussteller, davon auf Hamburg"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2386, "texte": "allein acht kommen. Von allen hat nur Rachais aus\nHamburg durch ein schrägsaitiges Pianino der Jury\ngenügt.\n„Aus der Schweiz haben Huni u. Hubert aus\nZürich, welche auch schon in Paris 1855 ausgezeichnet\nwurden, einen Flügel mit eigenthümlich modificirter eng-\nlischer Mechanik und ein Pianino ausgestellt und dafür\ndie Medaille erhalten. Eben so Sprecher &Cp., eben-\nfalls aus Zürich.\n„Aus Holland ist so gut wie nichts da; das einzige\nPiano droit von Cuypers aus dem Haag zeichnet sich durch\nkeine besondere Eigenschaft aus.\n„Aus dem Norden von Europa sind Hornung u.\nMüller aus Kopenhagen und Carlsen aus Holstein für\nFlügel, Wulff & Cp. aus Kopenhagen für ein Tafelcla-\nvier prämiirt worden; aus Schweden Malmsjov aus Go-\nthenburg, aus Norwegen die Gebrüder Hals aus Chri-\nstiania.\n„Aus Russland war nur Ein Flügel da (von Beck aus\nPetersburg), der keinen Beweis für die Forlschritte des\nCiavierbaues in Russland lieferte. Jedoch wurde gesagt,\ndass mehrere andere Sendungen wegen des Eises in der\nOstsee nicht hätten abgehen können.\n„Spanien war nur durch zwei Aussteller vertreten;\naus Italien waren zwar drei angemeldet, aber nur Einer,\nda Meglio aus Neapel, hatte einen Flügel geschickt, der\njedoch nur eine „ „ehrenvolle Erwähnung\"\" erhalten hat.\"\nWenn man erwägt, dass in der Jury für Pianoforte's\nnur zwei Deutsche waren, die Herren Pauer von Wien\nund Schiedmeyer von Stuttgart, fürPreussen Niemand,\nso erscheinen die den Ciaviermachern aus Preussen und\ndem Zollverein zuerkannten Auszeichnungen noch werth-\nvoller.\nAm Schlüsse eines Abschnitts seines Berichts sagt Fe-\ntis; „Man darf es sich nicht verhehlen-, dass die Schwie-\nrigkeit des Urtheils unter einer solchen Menge von Instru-\nmenten gross war. Sie verlangte eine vierzehntägige An-\nstrengung. Oft mussten wir auf Instrumente, die wir schon\nvor Tagen gesehen hatten, zurückkommen, auch um den\nRücksichten gerecht zu werden, die wir auf die akustisch\ngünstige oder ungünstige Stellung der Instrumente nehmen\nmussten. Es ist eine mühevolle und undankbare Aufgabe,\nAuszeichnungen zu bewilligen oder zu versagen, deren Fol-\ngen immer im Handel und Verkehr sich fühlbar machen.\nTrotzdem hat die Uebereinstimmung unserer Urtheile, so-\nwohl bei den persönlichen Prüfungen, die wir einzeln an-\nstellten, als bei denen, die wir in Gesammtheit vornahmen,\nuns vollkommen über die Richtigkeit unserer Entscheidun-\ngen beruhigt.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-08-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "251", "page_fin": "254", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.2.3", "titre_corps": "Zur Gesanglehre.", "titre_sommaire": "Zur Gesanglehre.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.3", "debut_caractere": 2388, "fin_caractere_exclue": 4886, "texte": "Zur Gesanglehre.\nErst vor Kurzem ist uns ein im vorigen Jahre erschie-\nnenes Schriftchen zu Gesicht gekommen, welches Empfeh-\nlung verdient, weil es in bündiger Kürze eine Darstellung\nder neueren Resultate der Wissenschaft in Bezug auf die\nErzeugung des Tones im menschlichen Stimmorgan gibt\nund daran einige zweckmässige praktische Winke für den\nGesang-Unterricht knüpft. Es betitelt sich:\nAltes und Neues über die Ausbildung des\nGesangorganes mit besonderer Rücksicht auf\ndie Frauenstimme. Von E. Seiler. Mit einer\nTafel. Leipzig bei Leopold Voss. 1861. 68 S.\n°T 8\nDie Tafel enthält Zeichnungen, welche die anatomische\nBeschaffenheit und die Functionen des Kehlkopfes u. s. w.\nanschaulich machen und ihre Erklärung in dem Anhang:\n„Bau und Thätigkeit der Stimmorgane\" (S. 62) finden.\n„Im Jahre 1855 versuchte Garcia zuerst den vom\nEngländer Liston zu pathologischen Zwecken schon frü-\nher erfundenen Kehlkopfspiegel zur Beobachung des Kehl-\nkopfes während des Singens anzuwenden. Durch Czer-\nmak, Merkel, Türk und Andere, welche dieses Instru-\nment nach ihm mit den glänzendsten Erfolgen zu ärztli-\nchen Untersuchungen benutzten, ist der Kehlkopfspiegel\nschnell allgemein bekannt geworden. Dieser ist ein lang-\ngestielter Planspiegel aus Glas oder Metall, den man, um\ndas Anlaufen zu verhüten, erwärmt, und dann durch den\nMund in die Rachenhöhle führt. Man stellt seine Spiegel-\nfläche schräg nach unten und vorn, so dass dieselbe die\ndurch einen Hohlspiegel aufgefangenen Sonnenstrahlen auf-\nnimmt und in den Kehlkopf hinabwirft, so wie das Bild des\nbeleuchteten Kehlkopfes dem Auge des Beobachters zeigt.\n„Zur Selbstbeobachtung bedarf es noch eines zweiten\nSpiegels, den man so hält, dass man darin das Spiegel-\nbild des in den Rachen eingeführten Kehlkopfspiegels se-\nhen kann.\n„Während Physiologen und Aerzte aus 'Garcia's Be-\nobachtungen den grössten Nutzen für die Wissenschaft zu\nziehen wussten, wurden dieselben von den Gesanglehrern\nmit Misstrauen aufgenommen, kaum beachtet und vielfach\nbezweifelt. Wenn man es auch hier und da versuchte den\nKehlkopf zu beobachten, so gab man diesen Versuch doch\nbald wieder auf, da die Resultate ungenügend ausfielen.\n„Die Beobachtung des Kehlkopfs mittels des Kehlkopf-\nspiegels verlangt nämlich nicht nur eine gewisse, meist\nnur durch Uebung zu erlangende Geschicklichkeit des Be-\nobachtenden, sondern auch in den meisten Fällen von Sei-\nten des Beobachteten eine längere Gewöhnung an die Be-\nrührung des hinteren Gaumens mit dem Spiegel, so wie\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5364, "texte": "die Beherrschung jener Organe, welche gewöhnlich nicht\nunmittelbar dem Willen gehorchen, wie Zunge, Kehl-\ndeckel u. s. w. Erst durch lange fortgesetzte Uebung nach\nder freundlichen Anweisung des Herrn Dr. Merkel ge-\nlang es mir, mich von den Total- und Randschwingungen\nder Stimmbänder zu überzeugen, die Gränzen der Register\nbei Frauenstimmen aufzufinden und den eigenthümlichen\nMechanismus der Kopftöne zu beobachten.\"\nDer Verfasser theilt nun zunächst Garcia's Beobach-\ntungen aus dessen Observations im\nlosoph. Magazin and Journal of Science vol. X. pag. 218\nmit, bemerkt dann aber, dass Garcia leider seine Beobach-\ntungen beider Register nicht an der gleichen Stimme vor-\ngenommen, sondern an einer Tenorstimme (das Brustre-\ngisterj und an einer Sopranstimme (das Falsetregister).\nLeber die dritte Tonreihe, das Kopfregister, wie er es\nselbst nennt, erklärt sich Garcia ebenfalls nicht deutlich.\nHerr Seiler hat nun seine Untersuchungen vorzugsweise\nan weiblichen Organen angestellt, und theilt die Resul-\ntate derselben auf S. 22 —32 mit. Garcia's Eintheilung\nder Register in Brust-, Falset- und Kopfstimme behält\ner bei.\nSehr richtig äussert sich der Verf. in Bezug auf die\nAnwendung der wissenschaftlichen Ermittlungen auf die\nPraxis dahin, dass die nothwendige Kenntniss des Mecha-\nnismus der Tonerzeugung nur ein geringer Theil von dem\nist, was der Gesanglehrer zur künstlerischen Ausbildung\nder Stimme bedarf. „Man kennt damit nur erst das Instru-\nment; die kunstgemässe Behandlung desselben muss man\nerst lernen. Ein vernünftiger Lehrer wird sogar seine\nSchüler mit strengwissenschaftlichen Erklärungen verscho-\nnen, da sie dadurch eben so wenig gefördert werden, als\nein lesen lernendes Kind, dem man erst den Mechanismus\nder Lautbildung begreiflich machen wollte.\" Er theilt\ndesshalb „Praktische Vortheile beim Gesang-Unterricht\"\nmit, in denen wir zwar nichts Neues, aber gute, von der\nErfahrung hergenommene Winke finden. Am interessan-\ntesten ist der Abschnitt 7 von dem „Verhältniss der\nTöne zu den verschiedenen Vocalen.\" Wir theilen\nihn desshalb und zur Empfehlung des Büchleins mit:\n„Die italiänischen Sänger, welche stets auch Compo-\nnisten waren, verstanden es vortrefflich, ihre Gesangstücke\nso einzurichten, dass sie sich angenehm und leicht singen\nliessen, und zugleich der Stimme gestatteten, sich in ihrer\nganzen Schönheit zu zeigen. Worin dies eigentlich gele-\ngen, wusste man bis jetzt nicht genau zu sagen, wenn\nman auch oft äussern hörte, dass diese oder jene Compo-\nsition gesangsmässig oder ungesangsmässig geschrieben sei,\nund es selbst recht gut fühlte, wie man ein Lied leichter\nund schöner singen konnte, als ein anderes in ganz glei-\ncher Lage. Durch die wichtigen wissenschaftlichen Ent-\ndeckungen der neuesten Zeit geht jedoch auch dieses Räth-\nsel seiner vollkommenen Lösung entgegen.\n„Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ent-\ndeckte der Orgelbauer Sorge in Weimar neben den vol-\nlen, kräftigen Orgeltönen schwache Töne, die ohne ange-\nspielt zu sein in bestimmten, höherliegenden Intervallen\nneben dem eigentlichen Tone vernehmbar waren und der\nbekannten akustischen Tonreihe angehörten. Bei der\nmenschlichen Stimme wurde das Mitklingen von Obertönen\nebenfalls vorausgesetzt, allein erst durch die Beobachtungen\ndes Professors Helmholz bestimmt erwiesen.\n„Wenn wir einen Gegenstand betrachten, erhalten wir\nzu gleicher Zeit zwei verschiedene Bilder von demselben,\nwährend wir doch nur eines zu sehen glauben. Eben so,\njedoch in ganz verschiedener Weise, hören wir auch\nmehrere Töne zugleich, und empfinden diese nur als Einen\nTon, der an Klangreichthum gewinnt oder verliert, je nach-\ndem die Obertöne mehr oder weniger mitklingen.\n„Es ist bekannt, dass man keinen Ton singen kann,\nohne dass derselbe den Klang irgend eines Vocales an-\nnimmt. Professor Donders in Utrecht machte nun zuerst\ndie Entdeckung, dass jeder Vocal aus einer charakteristi-\nschen in der Mundhöhle erzeugten Reihe von Tönen, Grund-\nton und höheren Nebentönen bestehe, und dass der Cha-\nrakter des Vocals durch das stärkere Mittönen eines oder\nmehrerer dieser Nebentöne mit dem Grundton bestimmt\nwerde. Professor Helmholz in Heidelberg hat nun hier-\nüber die gründlichsten und umfassendsten Untersuchungen\ngemacht und dadurch sehr interessante Resultate gewonnen,\nwelche er bereits theilweise in verschiedenen Vorträgen\nveröffentlichte. Durch eine Reihe von Stimmgabeln, welche\nim Grundton B und seinen sieben Nebentönen b f einmal\ngestrichenem bund zweimal gestrichenen gestimmt\nwaren und durch elektrische Ströme zum Tönen gebracht\nwurden, konnten verschiedene Vocale deutlich und rein\nhervorgebracht werden, je nachdem man diesen oder jenen\nNebenton mit dem Grundton stärker tönen liess. Klang\nz.B. der Grundton Ballein, oder mit dem zweiten Neben-\nton, so nahm er den Charakter des u an; wurde er kräftig\nvon der Octave und schwach vom zweiten und dritten Ton\nbegleitet, so erklang er als o u. s. w.\n„Ein anderer derartiger, nur auf die Töne der mensch-\nlichen Stimme sich beziehender Versuch des Professor\nHei mholz war folgender. Er klebte eine Glaskugel mit\nzwei Oeffnungen, welche auf irgend einen höheren Ton,\nz. B. auf einmal gestrichenes b, gestimmt war, ins Ohr,\nund sang auf dem eine Octave tiefer liegenden b mit glei-\ncher Kraft die Vocale aeiu, ohne vermehrten Klang zu\nempfinden; nur bei dem oschmetterte es förmlich ins Ohr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4492, "texte": "hinein. Man hört also danach die Obertöne nur dann\ndeutlich mit dem Grundton, und sie tragen nur dann be-\nsonders zu seinem Klangreichthum bei, wenn die dem Vo-\ncale entsprechende Note zu den Obertönen des Grundto-\nnes gehört.\n„Ganz genau sind jedoch die den Tönen eigenen Vo-\ncale nicht zu bestimmen, da dieselben durch verschiedene\nDialecte und Sprachweisen verschiedene Färbungen erhal-\nten und desshalb bald an höheren, bald an tieferen Stellen\ndie Obertöne hören lassen. Da hauptsächlich die Ausbil-\ndung der Frauenstimme in diesem Schriftchen besprochen\nwird, werde ich diese Beobachtungen an dem weiblichen\nOrgane näher beschreiben.\n„Nachdem ich mich durch die freundliche Anweisung\ndes Herrn Professor Helmholz mittels seiner künstlichen\nApparate zur Schärfung des Gehörs von dem Vorhanden-\nsein der Obertöne überzeugt hatte, konnte ich schon leicht\nan dem ungleich volleren und stärkeren Klang, der bei\ngleichem Kraltaufwande sogleich entstand, sobald nur der\ndem Tone zugehörende Vocal gesungen wurde, auch ohne\nkünstliche Gehörschärfung die den Tönen günstigen Vo-\ncale finden.\n„Bei einem richtig gebildeten Gesangton mit entspre-\nchendem Vocale hört man gewöhnlich einen der drei er-\nsten Nebentöne deutlich mitklingen, und es mag wohl auch\nmit an der Bildungsart des Tones liegen, welcher dieser\nNebentöne stärker vorklingt und so den Charakter des\nVocals ändert. Folgendes sind die Resultate meiner Beob-\nachtungen an einer Sopranstimme.\n„Die Töne unterhalb des c\nsind auf und\noam klangvollsten und ein darauf eingeübtes Ohr kann\nauch ohne künstliche Hülfsmittel auf dem\nmit einem dunkeln o die Obertöne hören, von denen die\nOctave und der dritte Ton der akustischen Tonreihe am\nleichtesten vernommen wird. Mit dem c\nhört\nman die Obertöne nur auf einem dunkeln a, mit d\ne\\\nauf einem helleren, mit\nauf dunklem ä,\nbei g\nmit reinem\nsind für alle Vocale günstig, während\nmit i am schönsten klingt, und die darauf folgenden Töne\nmit a. Von e\nan ist es überhaupt schwer,\neinen anderen Vocal als a zu singen, da ein jeder auf die-\nsen hohen Tönen die Färbung des annimmt. Daselbst\nklingen auch auf diesem Vocale die Obertöne vernehmbar,\nbis sie mit\nwieder auf i bemerkbarer wer-\nden; doch ist es mit dem Höherwerden der Töne immer\nschwerer, mit blossem Ohr diese feinen Unterschiede her-\nauszufinden, auch wenn man noch so sehr daran gewöhnt\nist, darauf zu achten. Wie über dem\nalle Vocale die Färbung des annehmen, so erhalten die-\nf\\\nselben unter dem\ndie des o,und die gewand-\ntesten Sängerinnen sind nicht im Stande, alle Vocale auf\nallen diesen Tönen gleich hell und rein zu singen. Die\nweibliche Stimme hat also nur wenige Töne mehr als eine\nOctave, auf welchen jeder Vocal deutlich gesungen werden\nkann, und wieder nur wenige Töne, auf welchen jeder\nVocal einen gleich klangvollen Ton gestattet.\n„Professor Helm holz fand ferner, dass auch das\nOhr auf einen bestimmten Ton gestimmt sei, und giebt als\nsolchen das viergestrichene eßsan. Alle Töne, auf welchen\nderjenige Ton, in welchem das Ohr gestimmt ist, mitklingt,\nscheinen voller und schöner, selbst mit ungünstigen Vocalen,\nund so lässt es sich vielleicht erklären, warum das ab h\nmit allen Vocalen gleich schön gesungen werden kann.\nOft machte ich die Bemerkung, dass Menschen mit reiz-\nbarem Nervensystem das viergestrichene e f oder fis kaum\nertragen konnten, und dass Hunde, welche sonst bei Musik\nganz ruhig blieben, heulend davon liefen, wenn das hohe\nauf der Violine angestrichen wurde.\n„Als ich es versuchte, einige Uehungen so zu compo-\nniren, dass ich den Tönen Silben mit den ihnen zugehö-\nrenden Vocalen unterlegte, war ich selbst überrascht, wie\nleicht sich sonst schwierige Tonverbindungen singen liessen\nund wie schön dabei jeder Ton zur Geltung kam. Bei\neinem Vergleich sogenannter ungesangsmässiger Compo-\nsitionen mit gesangsmässigen, namentlich älteren Werken\nder Italiäner, fand ich, dass letztere auch hier unbewusst\ndie den Tönen günstigen Vocale mit den Textesworten\nfast immer an die richtige Stelle gesetzt hatten. Wenn ich\nhingegen jenen ungesangsmässigen Compositionen nach der\nerwähnten Weise andere Worte unterlegte, liessen sie sich\nebenfalls leicht und angenehm singen und gestatteten der\nStimme eine weit vollkommenere Entfaltung.\n„Die Entdeckung des Herrn Professor Helm holz\nkann, wenn sie erst bekannt und von den Componisten be-\nrücksichtigt sein wird, vom segensreichsten Nutzen für die\nGesangskunst werden. Wenigstens wird es dann nicht\nmehr vorkommen, dass in Gesangvorträgen, wenn die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 260, "texte": "Künstler die Schönheit des Tones nicht der Deutlichkeit\ndes Vocals zum Opfer bringen wollen, sinnentstellende\nAussprachst eisen entstehen. So hört man gewöhnlich in\nder schönen Arie aus dem Freischütz statt „Himmel\",\n„Ilammcl nimm des Dankes Zähren\", u. s. w.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-09-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-09_01#c014", "volume": "bmtnabi_1862-08-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.2.4", "titre_corps": "Aus Paris.", "titre_sommaire": "Aus Paris.", "signature_source": "B. 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Vor Allem überraschte die Be-\nleuchtung, die nach einem ganz neuen System eingerichtet\nist: eine grosse Kuppel ergiesst von oben einen Strom von\nLicht, welcher der Helle des Tageslichtes gleich kommt;\nweder ein Kronleuchter, noch Candelaber, noch Girandolen\nsind vorhanden. Im ersten Augenblicke glaubt man, dass\nes zu hell sei, dass das scharfe Licht blende, weil man an\ndie räucherigen Lampen gewöhnt ist, die nichts als eine\n„sichtbare Dunkelheit\" bewirkten. Später wird man bei\nden Vorstellungen über die Modificationen dieser neuen\nBeleuchtung, ihre Milderung oder Verstärkung u. dergl.\nfür die Effecte auf der Bühne urtheilen können.\nAus dem Circus verfügte man sich nach dem neuen\nTheätre lyrique auf demselben Platze. Auch hier ist kein\nKronleuchter, das Licht fällt ebenfalls vom Plafond herab,\nschien aber nicht so stark, als im Circus. Der Saal ist\nschön und gut eingerichtet, das Foyer geräumig, Corridors\nund Treppen sehr breit und bequem. Alles war mit\nduftenden Blumen geschmückt. Ueber dem Proscenium\nliest man die Namen: Auber, Halevy, Meyerbeer,\nAdam, und um das Amphitheater des Saales herum:\nHerold, Meh uI, Gluck, Mozart, Weber, Boi eI -\nd i e u , Rossini.\nUm die Akustik zu probiren, spielte die Musik der\nGarde de Paris im Cirque I die Ouvertüre zu\n„Wilhelm Teil\" und zur „Stummen von Portici\". Im\nTheätre lyrique hatte Pasdeloup mit seinem trefflichen 1\nOrchester ein Concert veranstaltet, in welchem die Ouver-\ntüre zu „Oberon\", ein Chor aus HaWvy's „Jaguarita\", j\nMarsch und Chor aus Preciosa und der Hochzeitsmarsch\naus der Sommernachtstraum-Musik von Mendelssohn recht\ngut ausgeführt wurden. Es klang recht gut in dem Saal;\nauch der Sologesang eines Tenors, Herrn Caron, vom Con-\nservatoire mit dem ersten Preis entlassen, nahm sich sehr\ngut aus.\nOb nun die Lage dieser Theater, ihre baulichen und\nscenischen Einrichtungen, ihre Grösse und ihre reiche\nAusstattung einen anhaltenden und zahlreichen Besuch\nveranlassen werden, muss die Erfahrung lehren. Möglich,\ndass sich das Publicum in diesen prachtvollen weiten Räu-\nmen sehr klein, sehr bescheiden, sehr hässlich vorkommen\nwird, da man in Paris weit davon entfernt ist, ein be-\nstimmtes Costume für den Theater-Eintritt vorzuschreiben.\nBisher baute man Theater für das Publicum; am Ende\nwäre es nicht unmöglich, dass man jetzt ein Publicum für\ndie Theater schaffen müsste!\nIndessen, Paris ist nun einmal das Eldorado für die\nBewohner der Provinz, und da zu den Sehenswürdigkeiten\ndieses Paradieses, ausser den verbotenen Früchten, vor\nAllem auch die Theater gehören, so wird die Elite der\nBevölkerung von ganz Frankreich schon desswegen für\nPublicum in den Theatern sorgen, um den Zurückbleiben-\nden zu zeigen, das sie eben die Elite ist.\nUebrigens kann man nichts Schöneres sehen, als das\nInnere des neuen Theätre lyrique.Das Gaslicht wird durch\neinen kolossalen Reflector durch die enorme Glaskuppel in\nden Saal und auf die Bühne geworfen, und der Process\ndes Verbrennens, der ganz ausserhalb des Zuschauer-\nRaumes und der Bühne vor sich geht, dient zugleich als\nMittel der Ventilation, welcher die frische Luft durch ei-\nnen Canal von dem Quai der Seine her zugeführt wird.\nDie Vorhalle ist 25 Meter lang und 6 Meter breit, die\nmeisten Treppen münden in ihr; aus zwei Nebensälen füh-\nren Treppen nach den ersten Plätzen. Das Foyer im er-\nsten Stock bildet eine Promenaden-Galerie von 25 Meter\nLänge und 6 Meter Breite, mit 5 grossen Fenstern und\nBalcon nach dem freien Platz hin; an beiden Enden der-\nselben ein Conversationssaal mit Divans und allen möeli-\neben Bequemlichkeiten; darüber im zweiten Stock eine\nGalerie für die Raucher! Was für ein Fortschritt! In\neinem pariser Theater die Cigarre legaüsirt! Der Zu-\nschauer-Raum fasst 1500 Personen. Die Decoration ist\nSculplur und Stuccatur in Weiss und Gold. Die Logen\nersten und zweiten Ranges sind alle als Salonlogen ein-\ngerichtet.\nDie Pariser selbst scheinen jedoch nach und nach der\newigen Wiederholungen von Prophet, Robert u. s. w.\nüberdrüssig zu werden, und man darf wirklich behaupten,\ndass das hiesige musicalische Publicum in einem Fort-\nschritt zu besserem Geschmack schon allein dadurch be-\ngriffen ist, dass es zum guten Alten mit Liebe zurück"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1754, "texte": "kehrt und den Heisshunger nach Neuem und immer Neuem\nallmählich zurückdrängt. Ob die Mode oder Sitte, in den\nConcerten, Matineen u. s. w. mit dem Classischen der\nInstrumental-Musik sich geltend zu machen, ob die Con-\nservatoire-Concerte und noch mehr die Sinfonie-Auffüh-\nrungen von Pasdeloup auf den Geschmack an gediegener\nOpern-Musik einwirken oder nicht, ich mag es nicht ge-\nradezu behaupten, aber es sieht einmal wirklich so aus.\nIn der grossen Oper ist man z. B. zu „Jü-\ndin44 zurückgekehrt und studirt Auber's „Stumme von\nPortici\" ganz neu ein. In der Opera comique greift man\nsogar bis auf P ergo lese's La servante Maitresse zu-\nrück und auf „Azor und Zemirea. Ferner gibt\nman le Magon und Haydee und bereitet man dort eine\nneue Inscenesetzung von Boieldieu's Jean de Paris vor,\nworin der Tenor Warnotz zuerst auftreten wird. Etwas\nspäter wird die Dame blanche mit Achard als George\nBrown folgen, da Roger sich nun zurückgezogen hat und\nvon seinen Renten leben will, die er durch den projectir-\nten Verkauf seines Schlosses und Parks mit den Boieldieu-,\nHalevy-, Mozart-, Rossini-Alleen und Meyerbeer-, Adam-,\nAuber-Plätzen u. s. w. u. s. w. erklecklich zu vergrössern\ndenkt.\nNeu wird Beatrice et Benedict von Hector Ber-\nlioz sein, wovon im Theätre lyrique bereits die General-\nprobe vor einem eingeladenen Auditorium, das sich sehr\nbefriedigt zeigte, Statt gefunden hat. Ob aber für Paris\nneu? das ist die Frage. In Baden-Baden wird die Oper\nam 11. August gegeben. Es wird für Berlioz nichts An-\nderes übrig bleiben, als seine „Trojaner\" auch nach Ba-\nden zu schicken, wenn er sie auf der Scene sehen will.\nAber auch das wird seine Schwierigkeiten haben, da Herr\nBenazet mehr die Griechen (les Grecs), als die Trojaner\nprotegiren soll.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-09-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-09_01#c015", "volume": "bmtnabi_1862-08-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "256", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.7", "debut_caractere": 1756, "fin_caractere_exclue": 6122, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nUnter den wenigen von Dresden nach Frankfurt a. M. zum\ndeutschen Schützenfeste abgegangenen Schützen befand sich auch\nder Kammer-Musicus Heinrich Kummer. Derselbe hat sich nun\nals eben so ausgezeichneten Virtuosen mit der Büchse, wie auf sei-\nnem Instrumente bewährt, und bei 126 Treffern auf die Feldscheibe\n(300 Meter Distanz) einen silbernen Ehrenbecher sich erschossen.\nEiner der besten Büchsenschützen unter den Musikern war der Sän-\nger Staudigl.\nWien« Julius Schwenda} Professor am hiesigen Conser-\nvatorium und Haupt-Mitarbeiter der Redaction der „Recensionen\nüber Theater, Musik u. s. w.a, ist am 3. August nach längerem\nLeiden gestorben. Er stand erst im 39. Lebensjahre.\nMan schreibt aus Wien, dass der musicalische Schriftsteller\nHerr Ferdinand Luib eine umfangreiche Biographie Schubert's\nvollendet habe.\nParis. Bei den neugebauten Theatern: Tkiätre lyrique,\nThiätre du Cirque, de Gaiti und des Folies dramatiques, ist durch\nAnordnung der Regierung der Unterschied der Billetpreise vor Er-\nöffnung der Casse und an der Casse für die kleineren Plätze (Par-\nterre, Galerie u. s. w.) aufgehoben worden. Man will dadurch vor\nallen Dingen den weniger bemittelten Theater-Liebhabern den Zeit-\nverlust ersparen, den ihnen das zwei- bis dreistündige Harren in der\nso genannten Queue an der Casse verursachte, indem sie sich jetzt\nihr schon von Morgens an eben so billig im Bureau\nkaufen können, wie sonst erst an der Casse. Die vorher im Bureau\ngenommenen Plätze (prix de location) sind nämlich hier theurer,\nals die Billets an der Casse. Sogar der officiellc Moniteur enthält\neinen Aufsatz, der die neue Einrichtung preist, als zu den Maass-\nregeln der allgemeinen Napoleonischen Fürsorge für die arbeitenden\nClassen gehörig.\nRossini bewohnt gegenwärtig seine neue Villa zu Passy bei\nParis. Dieselbe befindet sich ganz in der Nähe des Eisenbahnhofes,\nund es heisst, der alte Maestro, dem das Geräusch der Locomotive\nso oft das Ohr zerreisst, habe so eben eine Composition vollendet, in\nwelcher er das Brausen, Röcheln, Stöhnen, Keuchen und Pfeifen der\nDampfmaschine, das Läuten der Glocken, das Schreien der Con-\ndueteure, kurz: das infernalische, jeden Balmzug begleitende Chari-\nvari mit unvergleichlichem Humor dem Zuhörer vorführt. Das sieht\ndem Maestro ähnlich, der den Spass liebt. Indessen ist er doch viel\nernster, als Viele glauben. Wenn ein Künstler mit ihm über Musik\nspricht, so entwickelt er in der Unterhaltung eine ausserordentliche\nHerzenswärme und eine grosse Begeisterung für die Meister seiner\nKunst, besonders aber für unseren unsterblichen Mozart. Man er-\ninnert sich der Gespräche zwischen ihm und Ferdinand Hiller, die\ndieser vor einigen Jahren in der Kölnischen Zeitung veröffentlichte.\nIn diesen höchst interessanten Gesprächen wird auch des talentvollen\nGesangmeisters Piermarini erwähnt, auf welchen Rossini grosse\nStücke hält. Dieser hat nun als Beweis seiner Hochachtung vor\nPiermarini demselben ein Portrait Mozart's verehrt und mit kräf-\ntigen Schriftzügen folgende Worte darunter gesetzt:\n~Mon tres eher Piermarini! Je vous ojfre Vimage de Mozart.\nTirez votre ehajoeau, ainsi que je le fais au maitre des maitres.u\nLouis Eller, geschätzt als Violinvirtuose, ist zu Pau in den\nPyrenäen, kaum vierzig Jahre alt, gestorben.\nLiedersammlung aus der ersten Hälfte des dreizehn-\nten Jahrhunderts. Edmund von Coussemaker, Mitglied\nder königlichen Akademie von Belgien, hat in der Sitzung vom 3.\nJuli einen Bericht über die Auffindung eines alten musicalischen\nManuscriptes abgestattet. Die Bibliothek der medicinischen Facultät\nzu Montpellier besitzt ein Manuscript, welches unter dem Titel:\nBeeueil de Chansons frangaises, in dem Katalog derselben von Libri\nverzeichnet ist. Coussemaker hat es zur Einsicht erhalten; es hat\n800 Seiten in 4to und enthält 350 zwei-, drei- und vierstimmige\nLieder (von letzteren 19), welche vor der zweiten Hälfte des drei-\nzehnten Jahrhunderts componirt sind. Eine grosse Anzahl dieser\nGesänge scheint von niederländischen Componisten herzurühren. Die\nNamen der Componisten sind zwar nirgends genannt, aber die Land-\nschaft Hennegau und die Städte Cambrai, Arras, Tournai werden\ndarin erwähnt. Herr Coussemaker hat bereits mehrere dieser Ge-\nsänge ins neuere Noten-System übertragen und wird eine Denkschritt\ndarüber mit Proben veröffentlichen. (So lauten Nachrichten aus"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 835, "texte": "Belgien und Paris. Die Veröffentlichung der Denkschrift wird abzu-\nwarten sein, um zu beurtheilen, ob die Zeitangabe der Entstehung\ndes Manuscriptes richtig ist und die betreffenden Lieder noch unbe-\nkannt sind, da die Forschungen jetziger Musikgelehrten, wie nament-\nlich des unermüdeten Franz Commer in Berlin, auf diesem Ge-\nbiete sehr umfassende Ausbeute geliefert haben.)\nIn Kopenhagen macht ein ehemaliger dänischer Fischer, Na-\nmens Nyerup, als Masaniello ungeheures Aufsehen, aber nicht als\nRevolutionär, sondern als Tenorist. Als ein Musiker die wunderbare\nStimme dieses jungen Mannes entdeckte, bewog er ihn zu Gesang-\nStudien. Diese hat er zwei Jahre lang fortgesetzt, ist aufgetreten\nund wird als ein Phänomen beschrieben und besungen. Den Ma-\nsaniello in Auber's „Stumme\" hat er fünfzehn Mal hinter einander\nsingen müssen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAusstellung in London. 11. (Franz. Piano's —Deutsche aus Oesterreich und dem Zollverein Rheinpreussen: Gerh.\nAdain in Wesel). E. Seiler, Altes und Neues über die Ausbildung des Gesangorgans. Aus Paris (Die neuen Theater alte und\nneue Opern).— Tages- und Unterhaltungsblatt (Frankfurt a. M., Heinrich Kummer Wien, Julius Schwenda f Biographie\nSchubert's Paris, Theater, Rossini Louis Eller *j* Liedersammlung Kopenhagen, Nyerup).\n\nDie musicalischen Instrumente auf der Ausstellung\nin London.\nII.\n[Französische Piano's Deutsche aus Oesterreich und\ndem Zollverein Aus Rheinpreussen: Gerh. Adam\nin Wesel Aus Hamburg, Schweiz u.s.w.]\n(I. s. Nr. 29.)\nIn dem dritten Briefe über die zu London ausgestell-\nten Pianoforte's spricht Fetis über die Instrumente der\nfranzösischen Ciavierbauer, welche neben Herz und Pleyel\n(s. Art. I.) in Betracht kommen. Unter den pariser Fabri-\ncanten zeichnet er die Firma Kriegelstein aus, und in\nBezug auf feine Arbeit der Mechanik die Instrumente von\nMontal. Letzterer hat, um eine Nuancirung des piano\nhervorzubringen, einen Pedalzug neuer Erfindung ange-\nbracht, durch welchen die Claviatur gesenkt wird, so dass\nder Hammer mit schwächerem Anschlag die Saiten be-\nrührt eine Einrichtung, die mehr eine artige Spielerei,\nals eine Verbesserung von wesentlichem Nutzen für den\nVortrag ist.\nVon den nicht in Paris wohnenden Fabricanten ge-\nbührt dem Hause Boisselot in Marseille der Preis. Den\nausgestellten Concertllüge! hat Boisselot mit längeren und\ndickeren Saiten, als man sonst anwendet, bezogen, und die\nKlangfüll e des Instrumentes soll merkwürdig sein u; d der\nTon trotzdem klar und bestimmt ohne Durcheinander-\nbrausen. Da aber die Dimensionen des Kastens doch\nnicht veigrössert sind, wie Fetis bemerkt, so können wir\nuns keine rechte Vorstellung von dem Verhältnisse der\nLänge der Saiten zu der Länge des Resonanzbodens machen.\nVon schrägsaitigen Pianino's [Piano-bu,ff et), die Roller\nim Jahre 18*27 erfand und damals zuerst in Paris aus-\nstellte, hat Blanchet der Sohn, der jetzt an der Spitze\ndes Hauses Roller & Blanchet steht, ein ausgezeichnetes\nInstrument geliefert.\nMit Recht sagt Fetis von den geradsaitigen Pianos\ndroits, dass sie nur für den Consum gearbeitet würden\nund eigentlich gar nicht in die Classe der Kunsterzeugnisse\nund der Instrumente für Künstler gehörten. In Paris cxi-\nstirt eine Menge Fabriken der einzelnen Bestandtheile sol-\ncher Claviere; daraus werden dann die Instrumente zu-\nsammengesetzt, auf denen man in der Loge des Portiers\nund bis in die Mansarden des sechsten Stockes klimpern\nhört. Sie kommen nur als „currenter Handels-Artikel\" in\nBetracht und werden zu Spottpreisen, z. B. zu 400 Francs,\ngeliefert.\nVon den vier belgischen Ciavierbauern, welche die\nAusstellung beschickt haben, hatnur Sternberg in Brüs-\nsel einen Flügel ausgestellt, dessen Ton in den mittleren\nOctaven und im Discant gelobt wird, während im Bass\nein voller Klang vermisst wird.\nDer vierte Brief von Fetis enthält die für uns wich-\ntigeren Entscheidungen der Jury nebst den Bemerkungen\ndes genannten gelehrten Berichterstalters über die Instru-\nmente deutscher Pianoforte-Fabricanten. Nur eine\nrühmliche Erwähnung der Instrumente der Americaner\nSteinway u. Sohn in New-York geht vorher; diese In-\nstrumente, ein Concertflügel und ein tafelförmiges Piano-\nforte von grösstem Format, haben eine wahrhafte Sensa-\ntion gemacht beim Publicum und bei der Jury, namentlich\ndas letztere. Es ist nach dem System der über einander\ngehenden, sich kreuzenden Saiten gebaut. „Dieses System\"\nsagt Fetis „hatte mir niemals rechtes Vertrauen\neingeflösst, weil die ungehinderte Freiheit der Luftschwin-\ngungen mir eine durchaus nothwendige Bedingung für den\nschönen Ton zu sein schien. Da nun die sich kreuzenden\nSaiten in verschiedenen Richtungen schwingen, so schien\ndaraus eine Störung der Schwingungen nothwendig her-\nvorgehen zu müssen. Allein die Thatsache des vortreffli-\nchen Tones des Instruments von Steinway widerlegt alle\nEinwürfe der Theorie; vielleicht lässt sich die Sache da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.2", "texte": "durch erklären, dass die grossen Dimensionen des Instru-\nments einen grösseren Zwischenraum zwischen den sich\nkreuzenden Saiten herzustellen ermöglichen. Die Wahr-\nnehmung, dass die Steinway sehen Instrumente jeden Mor-\ngen gestimmt werden mussten, schien jedoch nicht für die\nGediegenheit des Baues zu sprechen.\"\nKehren wir nun nach Europa zurück. Ueber die In-\nstrumente aus Oesterreich spricht sich Fetis folgen-\nder Maassen aus.\n„In erster Reihe finde ich da Streicher, welcher\ndie Mechanik mit einfacher Auslösung, die so genannte\nwiener Mechanik, anwendet. Die Arbeit ist gut, alle Theile\ndes Mechanismus leisten genau, was sie sollen, der Ton\nhat Fülle und die Claviatur hat einen leichten Anschlag.\nAlle übrigen wiener Fabricanten, nämlich Bösendorfer,\nEhrbar, Potje, Blümerl, Schneider und Cramer, haben die\nwiener Mechanik bei ihren Erzeugnissen angewandt und\nhaben bloss Flügel ausgestellt. Nur ein Piano droit von\nEhrbar ist da. Wohlfeilheit ist die Haupt-Bedingung\nbei ihren Arbeiten: 500 bis 550 Gulden ist ihr gewöhn-\nlicher Preis. Mag nun auch der Arbeiterlohn in Wien\nnoch so billig sein, so ist es doch rein unmöglich, für ei-\nnen solchen Preis Instrumente herzustellen, welche der\nVollkommenheit und Solidität der Flügel mit englischer\noder französischer Mechanik gleich kommen.\n„Aus dem deutschen Zollverein haben aus\nPreussen (einschliesslich der Rheinprovinz), Sach-\nsen, Würtemberg und Baden achtundzwanzig\nCiavierbauer Instrumente ausgestellt.\n„Von diesen sind dreizehn ausgezeichnet worden,\nund zwar I. durch Medaillen: Gerhard Adam von\nWesel (Rheinprovinz); Bechstein von Berlin; Breit-\nkopf u. II ärtel von Leipzig; Hart u. Pressel, Hundt\nu. Sohn von Stuttgart; Irmler von Leipzig; Gebrüder\nKnacke von Münster; Schiedmeyer u. Sohn von\nStuttgart. ll. Durch „ „ehrenvolle Erwähnung\"\" : An-\ndre von Frankfurt am Main; Kaps von Dresden; E.\nMahlitz von Berlin; Oehler von Stuttgart; Schwech-\nten von Berlin.\n„Bechstein hat die Aufmerksamkeit der Jury durch\nein Concert-Instrument erregt, dessen Ton gut singt; die\nMechanik, gut gearbeitet, ist von Kriegelstein entnommen.\"\nDie Fabrik von Breitkopf u. Härtelist durch In-\nstrumente jeder Art vertreten, Concertflügel, tafelförmige\nClaviere und schrägsaitige Pianino's. Das berühmte Haus\nhat zu grosse musicalische und literarische Unternehmun-\ngen auszuführen, als dass die Chefs desselben auf den In-\nstrumentenbau die Sorgfalt des Meisters verwenden könn-\nten, ohne welche man den Instrumenten nicht diejenigen\nEigenschaften verleihen kann, durch die sie Kunsterzeug-\nnisse werden. Ihre Piano's sind currente Handelsartikel\nvon solider Arbeit, aber es sind keine Kunstproducte.\n„Die Stadt Stuttgart zeichnet sich durch den Betrieb\ndes Ciavierbaues unter den Städten des Zollvereins beson-\nders aus. In erster Reihe führe ich Schiedmeyer u.\nSohn an, aus deren Werkstatt ein Flügel und ein Pianino\nvon der Jury gebilligt worden sind. Hart u. Presse 1,\nwie auch Hundt u. Sohn haben Pianino's von gutem\nTon ausgestellt.\n„Eine besondere Auszeichnung verdient Gerhard\nAdam in Wesel für einen Concertflügel grossen For-\nmats mit Erard'scher sehr gut gearbeiteter Mechanik, des-\nsen Ton ganz vorzüglich ist und sowohl im Bass als Dis-\ncant eine seltene Klangfülle hat.\"\nGerhard Adam halte schon auf der pariser Aus-\nstellung im Jahre 1855 für einen Concertflügel, ein\nPianino und ein Piano in Tafelform die silberne Medaille\nerster Classe, mithin die grösste Auszeichnung nach den\ngoldenen Medaillen (prix d'hoerhalten und war\ndamals der einzige Aussteller aus Preussen, dem die Aus-\nzeichnung der Medaille erster Classe zu Theil wurde. Seit-\ndem hat der verständige Meister, dessen Haus kein Instru-\nment verlässt, das nicht erst durch seine Hand gegangen,\ndurch andauerndes Nachdenken und Versuchen und prü-\nfende Berücksichtigung jeder neuen, oft nur so genannten\nErfindung sich ein festes System für den Bau seiner In-\nstrumente gebildet, welches im Ganzen auf das von Erard\ngegründet, aber durch Vereinfachung und leichtere Spiel-\nart, ohne dass der Anschlag dadurch an Elasticität ver-\nliert, modificirt ist. Er ist dabei zu der Ueberzeugung ge-\nkommen, dass viele mechanische Künsteleien mehr interes-\nsant, als von wesentlichem Einfluss auf die Haupteigen-\nschaft des Pianoforte's sind. Diese Haupteigenschaft ist\nder Ton, und dazu ist vor Allem ausgesuchtes Material\nund die sorgfältigste Bearbeitung desselben unter den Au-\ngen des Meisters vonnöthen. Von Hause aus ohne Ver-\nmögen, hat Adam durch eigene Thätigkeit und Fleiss sich\ndie Mittel erworben, welche zur directen Beziehung des\nbesten Materials und jahrelanger Aufspeicherung dessel-\nben nöthig sind. So hat er aus seiner Fabrik nach und\nnach eine wirkliche Kunstwerkstatt gemacht, deren Er-\nzeugnisse den besten des Auslandes immer mehr zur Seite\ngestellt werden können, ja, viele von jenen durch Gedie-\ngenheit der Arbeit und Dauerhaftigkeit übertreffen. Die\nerfreulichen Resultate dieser Bestrebungen offenbaren sich\nin allen seinen Instrumenten, und sind denn auch jetzt\nwieder durch die internationale Jury der londoner Ausstel-\nlung vollständig anerkannt worden.\n„Die deutschen Hansestädte Bremen, Hamburg\nund Lübeck zählen zehn Aussteller, davon auf Hamburg"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.3", "texte": "allein acht kommen. Von allen hat nur Rachais aus\nHamburg durch ein schrägsaitiges Pianino der Jury\ngenügt.\n„Aus der Schweiz haben Huni u. Hubert aus\nZürich, welche auch schon in Paris 1855 ausgezeichnet\nwurden, einen Flügel mit eigenthümlich modificirter eng-\nlischer Mechanik und ein Pianino ausgestellt und dafür\ndie Medaille erhalten. Eben so Sprecher &Cp., eben-\nfalls aus Zürich.\n„Aus Holland ist so gut wie nichts da; das einzige\nPiano droit von Cuypers aus dem Haag zeichnet sich durch\nkeine besondere Eigenschaft aus.\n„Aus dem Norden von Europa sind Hornung u.\nMüller aus Kopenhagen und Carlsen aus Holstein für\nFlügel, Wulff & Cp. aus Kopenhagen für ein Tafelcla-\nvier prämiirt worden; aus Schweden Malmsjov aus Go-\nthenburg, aus Norwegen die Gebrüder Hals aus Chri-\nstiania.\n„Aus Russland war nur Ein Flügel da (von Beck aus\nPetersburg), der keinen Beweis für die Forlschritte des\nCiavierbaues in Russland lieferte. Jedoch wurde gesagt,\ndass mehrere andere Sendungen wegen des Eises in der\nOstsee nicht hätten abgehen können.\n„Spanien war nur durch zwei Aussteller vertreten;\naus Italien waren zwar drei angemeldet, aber nur Einer,\nda Meglio aus Neapel, hatte einen Flügel geschickt, der\njedoch nur eine „ „ehrenvolle Erwähnung\"\" erhalten hat.\"\nWenn man erwägt, dass in der Jury für Pianoforte's\nnur zwei Deutsche waren, die Herren Pauer von Wien\nund Schiedmeyer von Stuttgart, fürPreussen Niemand,\nso erscheinen die den Ciaviermachern aus Preussen und\ndem Zollverein zuerkannten Auszeichnungen noch werth-\nvoller.\nAm Schlüsse eines Abschnitts seines Berichts sagt Fe-\ntis; „Man darf es sich nicht verhehlen-, dass die Schwie-\nrigkeit des Urtheils unter einer solchen Menge von Instru-\nmenten gross war. Sie verlangte eine vierzehntägige An-\nstrengung. Oft mussten wir auf Instrumente, die wir schon\nvor Tagen gesehen hatten, zurückkommen, auch um den\nRücksichten gerecht zu werden, die wir auf die akustisch\ngünstige oder ungünstige Stellung der Instrumente nehmen\nmussten. Es ist eine mühevolle und undankbare Aufgabe,\nAuszeichnungen zu bewilligen oder zu versagen, deren Fol-\ngen immer im Handel und Verkehr sich fühlbar machen.\nTrotzdem hat die Uebereinstimmung unserer Urtheile, so-\nwohl bei den persönlichen Prüfungen, die wir einzeln an-\nstellten, als bei denen, die wir in Gesammtheit vornahmen,\nuns vollkommen über die Richtigkeit unserer Entscheidun-\ngen beruhigt.\"\n\nZur Gesanglehre.\nErst vor Kurzem ist uns ein im vorigen Jahre erschie-\nnenes Schriftchen zu Gesicht gekommen, welches Empfeh-\nlung verdient, weil es in bündiger Kürze eine Darstellung\nder neueren Resultate der Wissenschaft in Bezug auf die\nErzeugung des Tones im menschlichen Stimmorgan gibt\nund daran einige zweckmässige praktische Winke für den\nGesang-Unterricht knüpft. Es betitelt sich:\nAltes und Neues über die Ausbildung des\nGesangorganes mit besonderer Rücksicht auf\ndie Frauenstimme. Von E. Seiler. Mit einer\nTafel. Leipzig bei Leopold Voss. 1861. 68 S.\n°T 8\nDie Tafel enthält Zeichnungen, welche die anatomische\nBeschaffenheit und die Functionen des Kehlkopfes u. s. w.\nanschaulich machen und ihre Erklärung in dem Anhang:\n„Bau und Thätigkeit der Stimmorgane\" (S. 62) finden.\n„Im Jahre 1855 versuchte Garcia zuerst den vom\nEngländer Liston zu pathologischen Zwecken schon frü-\nher erfundenen Kehlkopfspiegel zur Beobachung des Kehl-\nkopfes während des Singens anzuwenden. Durch Czer-\nmak, Merkel, Türk und Andere, welche dieses Instru-\nment nach ihm mit den glänzendsten Erfolgen zu ärztli-\nchen Untersuchungen benutzten, ist der Kehlkopfspiegel\nschnell allgemein bekannt geworden. Dieser ist ein lang-\ngestielter Planspiegel aus Glas oder Metall, den man, um\ndas Anlaufen zu verhüten, erwärmt, und dann durch den\nMund in die Rachenhöhle führt. Man stellt seine Spiegel-\nfläche schräg nach unten und vorn, so dass dieselbe die\ndurch einen Hohlspiegel aufgefangenen Sonnenstrahlen auf-\nnimmt und in den Kehlkopf hinabwirft, so wie das Bild des\nbeleuchteten Kehlkopfes dem Auge des Beobachters zeigt.\n„Zur Selbstbeobachtung bedarf es noch eines zweiten\nSpiegels, den man so hält, dass man darin das Spiegel-\nbild des in den Rachen eingeführten Kehlkopfspiegels se-\nhen kann.\n„Während Physiologen und Aerzte aus 'Garcia's Be-\nobachtungen den grössten Nutzen für die Wissenschaft zu\nziehen wussten, wurden dieselben von den Gesanglehrern\nmit Misstrauen aufgenommen, kaum beachtet und vielfach\nbezweifelt. Wenn man es auch hier und da versuchte den\nKehlkopf zu beobachten, so gab man diesen Versuch doch\nbald wieder auf, da die Resultate ungenügend ausfielen.\n„Die Beobachtung des Kehlkopfs mittels des Kehlkopf-\nspiegels verlangt nämlich nicht nur eine gewisse, meist\nnur durch Uebung zu erlangende Geschicklichkeit des Be-\nobachtenden, sondern auch in den meisten Fällen von Sei-\nten des Beobachteten eine längere Gewöhnung an die Be-\nrührung des hinteren Gaumens mit dem Spiegel, so wie\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.4", "texte": "die Beherrschung jener Organe, welche gewöhnlich nicht\nunmittelbar dem Willen gehorchen, wie Zunge, Kehl-\ndeckel u. s. w. Erst durch lange fortgesetzte Uebung nach\nder freundlichen Anweisung des Herrn Dr. Merkel ge-\nlang es mir, mich von den Total- und Randschwingungen\nder Stimmbänder zu überzeugen, die Gränzen der Register\nbei Frauenstimmen aufzufinden und den eigenthümlichen\nMechanismus der Kopftöne zu beobachten.\"\nDer Verfasser theilt nun zunächst Garcia's Beobach-\ntungen aus dessen Observations im\nlosoph. Magazin and Journal of Science vol. X. pag. 218\nmit, bemerkt dann aber, dass Garcia leider seine Beobach-\ntungen beider Register nicht an der gleichen Stimme vor-\ngenommen, sondern an einer Tenorstimme (das Brustre-\ngisterj und an einer Sopranstimme (das Falsetregister).\nLeber die dritte Tonreihe, das Kopfregister, wie er es\nselbst nennt, erklärt sich Garcia ebenfalls nicht deutlich.\nHerr Seiler hat nun seine Untersuchungen vorzugsweise\nan weiblichen Organen angestellt, und theilt die Resul-\ntate derselben auf S. 22 —32 mit. Garcia's Eintheilung\nder Register in Brust-, Falset- und Kopfstimme behält\ner bei.\nSehr richtig äussert sich der Verf. in Bezug auf die\nAnwendung der wissenschaftlichen Ermittlungen auf die\nPraxis dahin, dass die nothwendige Kenntniss des Mecha-\nnismus der Tonerzeugung nur ein geringer Theil von dem\nist, was der Gesanglehrer zur künstlerischen Ausbildung\nder Stimme bedarf. „Man kennt damit nur erst das Instru-\nment; die kunstgemässe Behandlung desselben muss man\nerst lernen. Ein vernünftiger Lehrer wird sogar seine\nSchüler mit strengwissenschaftlichen Erklärungen verscho-\nnen, da sie dadurch eben so wenig gefördert werden, als\nein lesen lernendes Kind, dem man erst den Mechanismus\nder Lautbildung begreiflich machen wollte.\" Er theilt\ndesshalb „Praktische Vortheile beim Gesang-Unterricht\"\nmit, in denen wir zwar nichts Neues, aber gute, von der\nErfahrung hergenommene Winke finden. Am interessan-\ntesten ist der Abschnitt 7 von dem „Verhältniss der\nTöne zu den verschiedenen Vocalen.\" Wir theilen\nihn desshalb und zur Empfehlung des Büchleins mit:\n„Die italiänischen Sänger, welche stets auch Compo-\nnisten waren, verstanden es vortrefflich, ihre Gesangstücke\nso einzurichten, dass sie sich angenehm und leicht singen\nliessen, und zugleich der Stimme gestatteten, sich in ihrer\nganzen Schönheit zu zeigen. Worin dies eigentlich gele-\ngen, wusste man bis jetzt nicht genau zu sagen, wenn\nman auch oft äussern hörte, dass diese oder jene Compo-\nsition gesangsmässig oder ungesangsmässig geschrieben sei,\nund es selbst recht gut fühlte, wie man ein Lied leichter\nund schöner singen konnte, als ein anderes in ganz glei-\ncher Lage. Durch die wichtigen wissenschaftlichen Ent-\ndeckungen der neuesten Zeit geht jedoch auch dieses Räth-\nsel seiner vollkommenen Lösung entgegen.\n„Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ent-\ndeckte der Orgelbauer Sorge in Weimar neben den vol-\nlen, kräftigen Orgeltönen schwache Töne, die ohne ange-\nspielt zu sein in bestimmten, höherliegenden Intervallen\nneben dem eigentlichen Tone vernehmbar waren und der\nbekannten akustischen Tonreihe angehörten. Bei der\nmenschlichen Stimme wurde das Mitklingen von Obertönen\nebenfalls vorausgesetzt, allein erst durch die Beobachtungen\ndes Professors Helmholz bestimmt erwiesen.\n„Wenn wir einen Gegenstand betrachten, erhalten wir\nzu gleicher Zeit zwei verschiedene Bilder von demselben,\nwährend wir doch nur eines zu sehen glauben. Eben so,\njedoch in ganz verschiedener Weise, hören wir auch\nmehrere Töne zugleich, und empfinden diese nur als Einen\nTon, der an Klangreichthum gewinnt oder verliert, je nach-\ndem die Obertöne mehr oder weniger mitklingen.\n„Es ist bekannt, dass man keinen Ton singen kann,\nohne dass derselbe den Klang irgend eines Vocales an-\nnimmt. Professor Donders in Utrecht machte nun zuerst\ndie Entdeckung, dass jeder Vocal aus einer charakteristi-\nschen in der Mundhöhle erzeugten Reihe von Tönen, Grund-\nton und höheren Nebentönen bestehe, und dass der Cha-\nrakter des Vocals durch das stärkere Mittönen eines oder\nmehrerer dieser Nebentöne mit dem Grundton bestimmt\nwerde. Professor Helmholz in Heidelberg hat nun hier-\nüber die gründlichsten und umfassendsten Untersuchungen\ngemacht und dadurch sehr interessante Resultate gewonnen,\nwelche er bereits theilweise in verschiedenen Vorträgen\nveröffentlichte. Durch eine Reihe von Stimmgabeln, welche\nim Grundton B und seinen sieben Nebentönen b f einmal\ngestrichenem bund zweimal gestrichenen gestimmt\nwaren und durch elektrische Ströme zum Tönen gebracht\nwurden, konnten verschiedene Vocale deutlich und rein\nhervorgebracht werden, je nachdem man diesen oder jenen\nNebenton mit dem Grundton stärker tönen liess. Klang\nz.B. der Grundton Ballein, oder mit dem zweiten Neben-\nton, so nahm er den Charakter des u an; wurde er kräftig\nvon der Octave und schwach vom zweiten und dritten Ton\nbegleitet, so erklang er als o u. s. w.\n„Ein anderer derartiger, nur auf die Töne der mensch-\nlichen Stimme sich beziehender Versuch des Professor\nHei mholz war folgender. Er klebte eine Glaskugel mit\nzwei Oeffnungen, welche auf irgend einen höheren Ton,\nz. B. auf einmal gestrichenes b, gestimmt war, ins Ohr,\nund sang auf dem eine Octave tiefer liegenden b mit glei-\ncher Kraft die Vocale aeiu, ohne vermehrten Klang zu\nempfinden; nur bei dem oschmetterte es förmlich ins Ohr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.5", "texte": "hinein. Man hört also danach die Obertöne nur dann\ndeutlich mit dem Grundton, und sie tragen nur dann be-\nsonders zu seinem Klangreichthum bei, wenn die dem Vo-\ncale entsprechende Note zu den Obertönen des Grundto-\nnes gehört.\n„Ganz genau sind jedoch die den Tönen eigenen Vo-\ncale nicht zu bestimmen, da dieselben durch verschiedene\nDialecte und Sprachweisen verschiedene Färbungen erhal-\nten und desshalb bald an höheren, bald an tieferen Stellen\ndie Obertöne hören lassen. Da hauptsächlich die Ausbil-\ndung der Frauenstimme in diesem Schriftchen besprochen\nwird, werde ich diese Beobachtungen an dem weiblichen\nOrgane näher beschreiben.\n„Nachdem ich mich durch die freundliche Anweisung\ndes Herrn Professor Helmholz mittels seiner künstlichen\nApparate zur Schärfung des Gehörs von dem Vorhanden-\nsein der Obertöne überzeugt hatte, konnte ich schon leicht\nan dem ungleich volleren und stärkeren Klang, der bei\ngleichem Kraltaufwande sogleich entstand, sobald nur der\ndem Tone zugehörende Vocal gesungen wurde, auch ohne\nkünstliche Gehörschärfung die den Tönen günstigen Vo-\ncale finden.\n„Bei einem richtig gebildeten Gesangton mit entspre-\nchendem Vocale hört man gewöhnlich einen der drei er-\nsten Nebentöne deutlich mitklingen, und es mag wohl auch\nmit an der Bildungsart des Tones liegen, welcher dieser\nNebentöne stärker vorklingt und so den Charakter des\nVocals ändert. Folgendes sind die Resultate meiner Beob-\nachtungen an einer Sopranstimme.\n„Die Töne unterhalb des c\nsind auf und\noam klangvollsten und ein darauf eingeübtes Ohr kann\nauch ohne künstliche Hülfsmittel auf dem\nmit einem dunkeln o die Obertöne hören, von denen die\nOctave und der dritte Ton der akustischen Tonreihe am\nleichtesten vernommen wird. Mit dem c\nhört\nman die Obertöne nur auf einem dunkeln a, mit d\ne\\\nauf einem helleren, mit\nauf dunklem ä,\nbei g\nmit reinem\nsind für alle Vocale günstig, während\nmit i am schönsten klingt, und die darauf folgenden Töne\nmit a. Von e\nan ist es überhaupt schwer,\neinen anderen Vocal als a zu singen, da ein jeder auf die-\nsen hohen Tönen die Färbung des annimmt. Daselbst\nklingen auch auf diesem Vocale die Obertöne vernehmbar,\nbis sie mit\nwieder auf i bemerkbarer wer-\nden; doch ist es mit dem Höherwerden der Töne immer\nschwerer, mit blossem Ohr diese feinen Unterschiede her-\nauszufinden, auch wenn man noch so sehr daran gewöhnt\nist, darauf zu achten. Wie über dem\nalle Vocale die Färbung des annehmen, so erhalten die-\nf\\\nselben unter dem\ndie des o,und die gewand-\ntesten Sängerinnen sind nicht im Stande, alle Vocale auf\nallen diesen Tönen gleich hell und rein zu singen. Die\nweibliche Stimme hat also nur wenige Töne mehr als eine\nOctave, auf welchen jeder Vocal deutlich gesungen werden\nkann, und wieder nur wenige Töne, auf welchen jeder\nVocal einen gleich klangvollen Ton gestattet.\n„Professor Helm holz fand ferner, dass auch das\nOhr auf einen bestimmten Ton gestimmt sei, und giebt als\nsolchen das viergestrichene eßsan. Alle Töne, auf welchen\nderjenige Ton, in welchem das Ohr gestimmt ist, mitklingt,\nscheinen voller und schöner, selbst mit ungünstigen Vocalen,\nund so lässt es sich vielleicht erklären, warum das ab h\nmit allen Vocalen gleich schön gesungen werden kann.\nOft machte ich die Bemerkung, dass Menschen mit reiz-\nbarem Nervensystem das viergestrichene e f oder fis kaum\nertragen konnten, und dass Hunde, welche sonst bei Musik\nganz ruhig blieben, heulend davon liefen, wenn das hohe\nauf der Violine angestrichen wurde.\n„Als ich es versuchte, einige Uehungen so zu compo-\nniren, dass ich den Tönen Silben mit den ihnen zugehö-\nrenden Vocalen unterlegte, war ich selbst überrascht, wie\nleicht sich sonst schwierige Tonverbindungen singen liessen\nund wie schön dabei jeder Ton zur Geltung kam. Bei\neinem Vergleich sogenannter ungesangsmässiger Compo-\nsitionen mit gesangsmässigen, namentlich älteren Werken\nder Italiäner, fand ich, dass letztere auch hier unbewusst\ndie den Tönen günstigen Vocale mit den Textesworten\nfast immer an die richtige Stelle gesetzt hatten. Wenn ich\nhingegen jenen ungesangsmässigen Compositionen nach der\nerwähnten Weise andere Worte unterlegte, liessen sie sich\nebenfalls leicht und angenehm singen und gestatteten der\nStimme eine weit vollkommenere Entfaltung.\n„Die Entdeckung des Herrn Professor Helm holz\nkann, wenn sie erst bekannt und von den Componisten be-\nrücksichtigt sein wird, vom segensreichsten Nutzen für die\nGesangskunst werden. Wenigstens wird es dann nicht\nmehr vorkommen, dass in Gesangvorträgen, wenn die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.6", "texte": "Künstler die Schönheit des Tones nicht der Deutlichkeit\ndes Vocals zum Opfer bringen wollen, sinnentstellende\nAussprachst eisen entstehen. So hört man gewöhnlich in\nder schönen Arie aus dem Freischütz statt „Himmel\",\n„Ilammcl nimm des Dankes Zähren\", u. s. w.\"\n\nAus Paris.\n\nAm 20. Juli sind die beiden neuen Theater, die auf\ndem alten Platze Chatelet erbaut worden sind, eingeweiht\nworden. Der Prinz Napoleon, der Seine-Präfect und eine\ngrosse Anzahl eingeladener Personen waren anwesend.\nZuerst öffneten sich die Thüren des und die\nMenge strömte in die verschiedenen Räume dieses pracht-\nvollen Hauses, dessen Glanz Aller Augen blendete. Ein\nVergleich dieses neuen Theatersaales mit den früheren\nBühnen auf den Boulevards würde gerade so ausfallen, als\nwenn man die alte Strasse St. Jacques mit der Strasse\nRivoli vergleichen wollte. Vor Allem überraschte die Be-\nleuchtung, die nach einem ganz neuen System eingerichtet\nist: eine grosse Kuppel ergiesst von oben einen Strom von\nLicht, welcher der Helle des Tageslichtes gleich kommt;\nweder ein Kronleuchter, noch Candelaber, noch Girandolen\nsind vorhanden. Im ersten Augenblicke glaubt man, dass\nes zu hell sei, dass das scharfe Licht blende, weil man an\ndie räucherigen Lampen gewöhnt ist, die nichts als eine\n„sichtbare Dunkelheit\" bewirkten. Später wird man bei\nden Vorstellungen über die Modificationen dieser neuen\nBeleuchtung, ihre Milderung oder Verstärkung u. dergl.\nfür die Effecte auf der Bühne urtheilen können.\nAus dem Circus verfügte man sich nach dem neuen\nTheätre lyrique auf demselben Platze. Auch hier ist kein\nKronleuchter, das Licht fällt ebenfalls vom Plafond herab,\nschien aber nicht so stark, als im Circus. Der Saal ist\nschön und gut eingerichtet, das Foyer geräumig, Corridors\nund Treppen sehr breit und bequem. Alles war mit\nduftenden Blumen geschmückt. Ueber dem Proscenium\nliest man die Namen: Auber, Halevy, Meyerbeer,\nAdam, und um das Amphitheater des Saales herum:\nHerold, Meh uI, Gluck, Mozart, Weber, Boi eI -\nd i e u , Rossini.\nUm die Akustik zu probiren, spielte die Musik der\nGarde de Paris im Cirque I die Ouvertüre zu\n„Wilhelm Teil\" und zur „Stummen von Portici\". Im\nTheätre lyrique hatte Pasdeloup mit seinem trefflichen 1\nOrchester ein Concert veranstaltet, in welchem die Ouver-\ntüre zu „Oberon\", ein Chor aus HaWvy's „Jaguarita\", j\nMarsch und Chor aus Preciosa und der Hochzeitsmarsch\naus der Sommernachtstraum-Musik von Mendelssohn recht\ngut ausgeführt wurden. Es klang recht gut in dem Saal;\nauch der Sologesang eines Tenors, Herrn Caron, vom Con-\nservatoire mit dem ersten Preis entlassen, nahm sich sehr\ngut aus.\nOb nun die Lage dieser Theater, ihre baulichen und\nscenischen Einrichtungen, ihre Grösse und ihre reiche\nAusstattung einen anhaltenden und zahlreichen Besuch\nveranlassen werden, muss die Erfahrung lehren. Möglich,\ndass sich das Publicum in diesen prachtvollen weiten Räu-\nmen sehr klein, sehr bescheiden, sehr hässlich vorkommen\nwird, da man in Paris weit davon entfernt ist, ein be-\nstimmtes Costume für den Theater-Eintritt vorzuschreiben.\nBisher baute man Theater für das Publicum; am Ende\nwäre es nicht unmöglich, dass man jetzt ein Publicum für\ndie Theater schaffen müsste!\nIndessen, Paris ist nun einmal das Eldorado für die\nBewohner der Provinz, und da zu den Sehenswürdigkeiten\ndieses Paradieses, ausser den verbotenen Früchten, vor\nAllem auch die Theater gehören, so wird die Elite der\nBevölkerung von ganz Frankreich schon desswegen für\nPublicum in den Theatern sorgen, um den Zurückbleiben-\nden zu zeigen, das sie eben die Elite ist.\nUebrigens kann man nichts Schöneres sehen, als das\nInnere des neuen Theätre lyrique.Das Gaslicht wird durch\neinen kolossalen Reflector durch die enorme Glaskuppel in\nden Saal und auf die Bühne geworfen, und der Process\ndes Verbrennens, der ganz ausserhalb des Zuschauer-\nRaumes und der Bühne vor sich geht, dient zugleich als\nMittel der Ventilation, welcher die frische Luft durch ei-\nnen Canal von dem Quai der Seine her zugeführt wird.\nDie Vorhalle ist 25 Meter lang und 6 Meter breit, die\nmeisten Treppen münden in ihr; aus zwei Nebensälen füh-\nren Treppen nach den ersten Plätzen. Das Foyer im er-\nsten Stock bildet eine Promenaden-Galerie von 25 Meter\nLänge und 6 Meter Breite, mit 5 grossen Fenstern und\nBalcon nach dem freien Platz hin; an beiden Enden der-\nselben ein Conversationssaal mit Divans und allen möeli-\neben Bequemlichkeiten; darüber im zweiten Stock eine\nGalerie für die Raucher! Was für ein Fortschritt! In\neinem pariser Theater die Cigarre legaüsirt! Der Zu-\nschauer-Raum fasst 1500 Personen. Die Decoration ist\nSculplur und Stuccatur in Weiss und Gold. Die Logen\nersten und zweiten Ranges sind alle als Salonlogen ein-\ngerichtet.\nDie Pariser selbst scheinen jedoch nach und nach der\newigen Wiederholungen von Prophet, Robert u. s. w.\nüberdrüssig zu werden, und man darf wirklich behaupten,\ndass das hiesige musicalische Publicum in einem Fort-\nschritt zu besserem Geschmack schon allein dadurch be-\ngriffen ist, dass es zum guten Alten mit Liebe zurück"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.7", "texte": "kehrt und den Heisshunger nach Neuem und immer Neuem\nallmählich zurückdrängt. Ob die Mode oder Sitte, in den\nConcerten, Matineen u. s. w. mit dem Classischen der\nInstrumental-Musik sich geltend zu machen, ob die Con-\nservatoire-Concerte und noch mehr die Sinfonie-Auffüh-\nrungen von Pasdeloup auf den Geschmack an gediegener\nOpern-Musik einwirken oder nicht, ich mag es nicht ge-\nradezu behaupten, aber es sieht einmal wirklich so aus.\nIn der grossen Oper ist man z. B. zu „Jü-\ndin44 zurückgekehrt und studirt Auber's „Stumme von\nPortici\" ganz neu ein. In der Opera comique greift man\nsogar bis auf P ergo lese's La servante Maitresse zu-\nrück und auf „Azor und Zemirea. Ferner gibt\nman le Magon und Haydee und bereitet man dort eine\nneue Inscenesetzung von Boieldieu's Jean de Paris vor,\nworin der Tenor Warnotz zuerst auftreten wird. Etwas\nspäter wird die Dame blanche mit Achard als George\nBrown folgen, da Roger sich nun zurückgezogen hat und\nvon seinen Renten leben will, die er durch den projectir-\nten Verkauf seines Schlosses und Parks mit den Boieldieu-,\nHalevy-, Mozart-, Rossini-Alleen und Meyerbeer-, Adam-,\nAuber-Plätzen u. s. w. u. s. w. erklecklich zu vergrössern\ndenkt.\nNeu wird Beatrice et Benedict von Hector Ber-\nlioz sein, wovon im Theätre lyrique bereits die General-\nprobe vor einem eingeladenen Auditorium, das sich sehr\nbefriedigt zeigte, Statt gefunden hat. Ob aber für Paris\nneu? das ist die Frage. In Baden-Baden wird die Oper\nam 11. August gegeben. Es wird für Berlioz nichts An-\nderes übrig bleiben, als seine „Trojaner\" auch nach Ba-\nden zu schicken, wenn er sie auf der Scene sehen will.\nAber auch das wird seine Schwierigkeiten haben, da Herr\nBenazet mehr die Griechen (les Grecs), als die Trojaner\nprotegiren soll.\n\nB. P.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nUnter den wenigen von Dresden nach Frankfurt a. M. zum\ndeutschen Schützenfeste abgegangenen Schützen befand sich auch\nder Kammer-Musicus Heinrich Kummer. Derselbe hat sich nun\nals eben so ausgezeichneten Virtuosen mit der Büchse, wie auf sei-\nnem Instrumente bewährt, und bei 126 Treffern auf die Feldscheibe\n(300 Meter Distanz) einen silbernen Ehrenbecher sich erschossen.\nEiner der besten Büchsenschützen unter den Musikern war der Sän-\nger Staudigl.\nWien« Julius Schwenda} Professor am hiesigen Conser-\nvatorium und Haupt-Mitarbeiter der Redaction der „Recensionen\nüber Theater, Musik u. s. w.a, ist am 3. August nach längerem\nLeiden gestorben. Er stand erst im 39. Lebensjahre.\nMan schreibt aus Wien, dass der musicalische Schriftsteller\nHerr Ferdinand Luib eine umfangreiche Biographie Schubert's\nvollendet habe.\nParis. Bei den neugebauten Theatern: Tkiätre lyrique,\nThiätre du Cirque, de Gaiti und des Folies dramatiques, ist durch\nAnordnung der Regierung der Unterschied der Billetpreise vor Er-\nöffnung der Casse und an der Casse für die kleineren Plätze (Par-\nterre, Galerie u. s. w.) aufgehoben worden. Man will dadurch vor\nallen Dingen den weniger bemittelten Theater-Liebhabern den Zeit-\nverlust ersparen, den ihnen das zwei- bis dreistündige Harren in der\nso genannten Queue an der Casse verursachte, indem sie sich jetzt\nihr schon von Morgens an eben so billig im Bureau\nkaufen können, wie sonst erst an der Casse. Die vorher im Bureau\ngenommenen Plätze (prix de location) sind nämlich hier theurer,\nals die Billets an der Casse. Sogar der officiellc Moniteur enthält\neinen Aufsatz, der die neue Einrichtung preist, als zu den Maass-\nregeln der allgemeinen Napoleonischen Fürsorge für die arbeitenden\nClassen gehörig.\nRossini bewohnt gegenwärtig seine neue Villa zu Passy bei\nParis. Dieselbe befindet sich ganz in der Nähe des Eisenbahnhofes,\nund es heisst, der alte Maestro, dem das Geräusch der Locomotive\nso oft das Ohr zerreisst, habe so eben eine Composition vollendet, in\nwelcher er das Brausen, Röcheln, Stöhnen, Keuchen und Pfeifen der\nDampfmaschine, das Läuten der Glocken, das Schreien der Con-\ndueteure, kurz: das infernalische, jeden Balmzug begleitende Chari-\nvari mit unvergleichlichem Humor dem Zuhörer vorführt. Das sieht\ndem Maestro ähnlich, der den Spass liebt. Indessen ist er doch viel\nernster, als Viele glauben. Wenn ein Künstler mit ihm über Musik\nspricht, so entwickelt er in der Unterhaltung eine ausserordentliche\nHerzenswärme und eine grosse Begeisterung für die Meister seiner\nKunst, besonders aber für unseren unsterblichen Mozart. Man er-\ninnert sich der Gespräche zwischen ihm und Ferdinand Hiller, die\ndieser vor einigen Jahren in der Kölnischen Zeitung veröffentlichte.\nIn diesen höchst interessanten Gesprächen wird auch des talentvollen\nGesangmeisters Piermarini erwähnt, auf welchen Rossini grosse\nStücke hält. Dieser hat nun als Beweis seiner Hochachtung vor\nPiermarini demselben ein Portrait Mozart's verehrt und mit kräf-\ntigen Schriftzügen folgende Worte darunter gesetzt:\n~Mon tres eher Piermarini! Je vous ojfre Vimage de Mozart.\nTirez votre ehajoeau, ainsi que je le fais au maitre des maitres.u\nLouis Eller, geschätzt als Violinvirtuose, ist zu Pau in den\nPyrenäen, kaum vierzig Jahre alt, gestorben.\nLiedersammlung aus der ersten Hälfte des dreizehn-\nten Jahrhunderts. Edmund von Coussemaker, Mitglied\nder königlichen Akademie von Belgien, hat in der Sitzung vom 3.\nJuli einen Bericht über die Auffindung eines alten musicalischen\nManuscriptes abgestattet. Die Bibliothek der medicinischen Facultät\nzu Montpellier besitzt ein Manuscript, welches unter dem Titel:\nBeeueil de Chansons frangaises, in dem Katalog derselben von Libri\nverzeichnet ist. Coussemaker hat es zur Einsicht erhalten; es hat\n800 Seiten in 4to und enthält 350 zwei-, drei- und vierstimmige\nLieder (von letzteren 19), welche vor der zweiten Hälfte des drei-\nzehnten Jahrhunderts componirt sind. Eine grosse Anzahl dieser\nGesänge scheint von niederländischen Componisten herzurühren. Die\nNamen der Componisten sind zwar nirgends genannt, aber die Land-\nschaft Hennegau und die Städte Cambrai, Arras, Tournai werden\ndarin erwähnt. Herr Coussemaker hat bereits mehrere dieser Ge-\nsänge ins neuere Noten-System übertragen und wird eine Denkschritt\ndarüber mit Proben veröffentlichen. (So lauten Nachrichten aus"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620809-01.1.8", "texte": "Belgien und Paris. Die Veröffentlichung der Denkschrift wird abzu-\nwarten sein, um zu beurtheilen, ob die Zeitangabe der Entstehung\ndes Manuscriptes richtig ist und die betreffenden Lieder noch unbe-\nkannt sind, da die Forschungen jetziger Musikgelehrten, wie nament-\nlich des unermüdeten Franz Commer in Berlin, auf diesem Ge-\nbiete sehr umfassende Ausbeute geliefert haben.)\nIn Kopenhagen macht ein ehemaliger dänischer Fischer, Na-\nmens Nyerup, als Masaniello ungeheures Aufsehen, aber nicht als\nRevolutionär, sondern als Tenorist. Als ein Musiker die wunderbare\nStimme dieses jungen Mannes entdeckte, bewog er ihn zu Gesang-\nStudien. Diese hat er zwei Jahre lang fortgesetzt, ist aufgetreten\nund wird als ein Phänomen beschrieben und besungen. Den Ma-\nsaniello in Auber's „Stumme\" hat er fünfzehn Mal hinter einander\nsingen müssen."}]}