{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-08-16-01", "volume": "bmtnabi_1862-08-16_01", "ocr_sha256": "8097ac1a30dc58474811a4dff32d0dc97de9382276282079933bdaed7d778fa7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/08/16_01/bmtnabi_1862-08-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "257", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 416, "texte": "Inhalt.\nBemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroica. Aus Dresden (Hoftheater Orchesterstimmung). Die Mo-\nzart-Stiftung in Frankfurt am Main (Ausschreiben wegen eines Stipendiums). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Kirchen-\nmusik Berlin, „Akademie für die Oper\" Gounod's „Königin von Saba\" Wien, Anton Rubinstein, Evangelischer Chorverein\nBeethoven-Büste Johann Hindle f Monroe (America) Antonie Leissring f)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "262", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.2.2", "titre_corps": "Bemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroica.", "titre_sommaire": "Bemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroica.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.1", "debut_caractere": 418, "fin_caractere_exclue": 4202, "texte": "Bemerkungen über den Vortrag der Sinfonia\neroica.\nWir brauchen den Lesern der Niederrheinischen Mu-\nsik-Zeitung wohl nicht erst die Versicherung zu geben,\ndass bei den folgenden Betrachtungen und Bemerkungen\nüber die Ausführung der Sinfonia eroica nicht auf die\nTraumdeutereien Bezug genommen wird, worin sich die\nästhetischen Ausleger an diesem Meisterwerke üben zu dür-\nfen glauben. Unsere Ansichten über dergleichen Phanta-\nsieen sind bekannt genug, und wie Beethoven selber dar-\nüber dachte, hat uns A. Schindler sowohl an vielen Stellen\nseiner Biographie Beethoven's, als in dieser Zeitschrift oft\ngesagt, namentlich in Nr. 2 des Jahrgangs 1856, wo der\nenergische Protest des Meisters gegen derlei Erklärungen\nund gegen die daraus entstehenden Irrthümer aus einem\nBriefe von 1819 bestätigt wird*).\nMan wird aber vielleicht dennoch einwerfen: „Die\ndritte Sinfonie hat ja aber ein Programm, welches Beet-\nhoven selbst darüber geschrieben; auch wissen wir, dass\ner ursprünglich den ersten Consul Napoleon Bonaparte\ndarin habe darstellen (!) oder wenigstens verherrlichen\nwollen. Folglich muss dieses Programm der richtigen Auf-\nfassung und dem Vortrage zu Grunde gelegt werden.\"\nWir haben unsere Ansicht über den Bonaparte-Spuk\nschon mehrfach ausgesprochen und unter Anderem gezeigt,\ndass Bernadotte, dessen Aufforderung an Beethoven, etwas\nMusicalisches zur Verherrlichung des Helden des Jahrhun-\nderts beizutragen, nicht bezweifelt werden soll (weil Beet-\nhoven selbst sich darüber ausgesprochen und die Sache\nauch in dem Schreiben erwähnte, mit welchem er die\nMissa solemnis an den König von Schweden schickte), diese\nAufforderung nur im Jahre 1798 ergehen lassen konnte\n(vgl. Jahrg. 1861, Nr. 22, S. 171), die Sinfonie aber erst\nim Jahre 1804 componirt und im Januar 1805 zum er-\nsten Male aufgeführt worden ist. Wir fügen diesen Daten\nnur noch hinzu, dass Bonaparte schon am 16. Mai 1804\nvom Senate zum erblichen Kaiser ausgerufen und am 18.\nMai die Verfassung des Kaiserreichs bekannt gemacht\nwurde. Im Jahre 1803 componirte Beethoven (nach\nSchindler) „Christus am Oelberg\", drei Sonaten mit Vio-\nline, Op. 30, drei Sonaten, Op. 31, fünfzehn Variationen,\nOp. 35. Im Jahre 1804 die Sinfonie Nr. 11. in D-dur und\ndas Clavier-Concert in C-moll.lm Jahre 1805 im Januar\nfand die erste und bald darauf die zweite Aufführung der\nEroica Statt. Und doch soll die Heinschrift der Partitur\nmit dem Titelblatt: „Bonaparte.\nund „kein Wort mehr\", wie F. Kies sagt, Ende Mai\noder Anfang Juni 1804 schon fertig gewesen sein? Mög-\nlich! Aber unmöglich ist die zugefügte Angabe, „dass\nBeethoven sie bereits dem General Bernadotte zur Ueber-\nsendung an Napoleon habe einhändigen wollen\", weil Ber-\nnadotte seit dem Jahre 1798 gar nicht wieder in Wien\ngewesen ist.\nFür unseren Zweck ist die Sache gleichgültig; steckte\nder Bonaparte in der Sinfonie, so fuhr er durch das Ab-\nreissen des Titelblattes—ohne Zweifel richtiger: des De-\ndicationsblattes nicht wieder heraus. Wir haben\nuns nicht an das Ries'sche Bonaparte-Programm zu halten,\nsondern an das Beethoven'sche: „Componirt zur Feier des\nAndenkens an einen grossen Mann\" des Andenkens\n{per festeggiare il sovvenire), also an einen gestorbe-\nnen Helden, was denn auch der zweite Satz, der Trauer-\nmarsch, zur Evidenz bestätigt.\n\n*) Diesen J3rief hatte Beethoven im Herbste 1819 zu Mödling bei\nWien Schindlern in die Feder dictirt, gerichtet an Dr. Chri-\nstian Müller in Bremen. Wir wiederholen die schon am an-\ngeführten Orte ausgesprochene Bitte nach Bremen an die\nHerren Reinthal'er, Pelzer, Schmidt, Engel u. s w.\num Erkundigung über das Verbleiben des Nachlasses von Dr.\nMüller, bei welchem sich mehrere Briefe Beethoven's befunden\nhaben müssen, da Müller ihn in Wien besucht hatte und Beide\nlängere Zeit hindurch in Briefwechsel standen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5340, "texte": "Aber freilich, den heutigen Programm-Musikern ist\ndie Anekdote lieber als das urkundliche Document: sie\nmöchten gar zu gern die Eroica durch die Ueberschrift\n„Bonaparte\" als Vorgängerin der Sinfonieen: Faust, Co-\nlumbus, Dante u. s. w. hinstellen!\nFür uns fragt es sich nur: „Kann oder muss das Pro-\ngramm Beethoven's einen Einlluss auf den Vortrag der\nSinfonie haben?\"\nSollte die Idee des Heros vermittels der Musik zur\nErscheinung kommen, so fiel sie in das Gebiet des Schö-\nnen, weil die Musik eine Kunst ist. Sie konnte folglich\nnicht durch die Beflexion, sondern nur durch die Phan-\ntasie des Künstlers innerhalb der Gränzen und durch die\nMittel, welche die Tonkunst dazu darbietet, ausgesprochen\nwerden. Die Phantasie Beethoven's schuf mithin für den\nHauptsatz ein Thema, ein musicalisches Motiv, welches\nneben der ersten Anforderung an dasselbe, dass es schön\nsei, ein gewisses charakteristisches Etwas hat, welches\nim Hörer die Vorstellung des Heroischen erwecken kann,\nkeineswegs aber nothwendig erwecken muss. Es ist aber\nder Triumph des Genie's Beethoven's, dass die rein künst-\nlerische Ihätigkeit dieses Genie's, d. h. die Vereinigung\nder schöplerischen Phantasie mit der bewussten Anwen-\ndung des musicalischen Wissens, jene Idee des Heroischen\ndurch die Haupt-Momente des ersten Satzes uns immer\nlebendiger aufdrängt und unsere Phantasie mit fortreisst,\nweil dieser für die Auffassung des rein musicalisch Schö-\nnen in diesem Satze nun einmal jene Bichtung auf das He-\nroische durch die Ueberschrift eroica gegeben ist. Nicht\naber die Absicht gibt dem Werke den Inhalt,\nsondern die musicalischen Motive und ihre bewunderns-\nwerthe Durchführung. In dieser, in der Durchführung der\nleitenden musicalischen Gedanken, offenbart sich allerdings\nbei Beethoven vorzugsweise das Charakteristische, ja, das\nDramatische seines Stils, denn er erreicht die gewaltige\nWirkung derselben nicht wie Bach, Haydn und Mozart\ndurch die auf Polyphonie und Contrapunkt basirte thema-\ntische Arbeit, sondern durch Wiederholung, Variation,\nModulation, Contrastirung, Ausdehnung, Verbreiterung,\nVorbereitung, Steigerung der Thema's.\nKommen wir nun auf die obige Frage zurück, ob die\nangegebene Idee des Heroischen Einlluss auf den Vortrag\nhaben müsse, so kann sich dieser Einlluss nur auf die\nAuffassung des ersten Satzes (denn von diesem ist zuvör-\nderst nur die Bede) im Ganzen beziehen, d. h. auf das\nTempo und auf das ganz im Allgemeinen Gültige für\ncharakteristischen Vortrag, dass das Grossartige gross und\nschwungvoll, nicht kleinlich und geziert, schläfrig oder sen-\ntimental wiedergegeben werde. Aber auch dies wird durch\nden Ausdruck des Einzelnen gar sehr modificirt, sonst\nmüsste z. B. im ersten Satze Alles kräftig und stark, und\nim Trauermarsch Alles trübe und schwermüthig vorge-\ntragen werden.\nEs bleibt also im Grunde nur das Tempo als derje-\nnige Bestandteil des Vortrages übrig, der durch den Cha-\nrakter des ganzen Stückes bedingt wird. Beim ersten Satze\nder Eroicawird es nicht durch das Heroische überhaupt,\nsondern durch die Art, wie Beethoven das Heroische durch\ndie Musik aufgefasst hat, bestimmt. Die erstere Ansicht\nhat arge Missgriffe im Tempo hervorgebracht und mag\nbei der heutigen Unsitte der Ueberstürzung im Zeitmaasse\nderen wohl noch immer hervorbringen. Beethoven's Haupt-\nThema und dessen ganze Durchführung weist nicht auf\neinen feurigen Helden hin, der im Sturm die Welt erobert,\nsondern auf eine in sich selbst starke, durchweg edle, kräf-\ntig zähe, gegen jedes Hinderniss andrängende, grosse Hel-\ndennatur. Man sollte meinen, dieser Charakter spräche\nsich so deutlich in der Breite und dem Adel des Haupt-\nThema's, in der Weichheit der Mittel-Sätze und in der\nganzen Bhythmik des Allegro's aus, dass an ein Vergreifen\ndes Tempo's gar nicht zu denken wäre, und doch haben\nwir es schon erlebt, dass der erste Satz durch übereiltes\nTempo geradezu eine Caricatur eines der edelsten Ton-\nbilder wurde, die Beethoven und die Kunst überhaupt\ngeschaffen haben.\nAber nicht nur das Erfassen des richtigen Tempo's,\nsondern auch das ruhige Festhalten desselben ist bei\ndem Allegro der Eroica durchaus nothwendig. Wir sind\nabgesagte Feinde nicht nur der so genannten „individuel-\nlen Auffassung\" der Tonwerke von Seiten der Dirigenten\nund Vortragenden, sondern eben so sehr der Schwankun-\ngen im Tempo, und so wie es für jedes Musikstück unse-\nrer Ansicht nach nur Ein Tempo gibt, so vernichtet auch\nein willkürliches Anhalten oder Drängen, das gar zu leicht\nin ein Tempo rubato ausartet, die Würde der classischen\nMusik. Wenn C. M. von Weber sagt: „Es gibt kein lang-\nsames Tempo, in dem nicht Stellen vorkommen, die eine\nraschere Bewegung fordern, um das Gefühl des Schlep-\npenden zu verhindern; es gibt kein Presto, das nicht eben\nso im Gegensatze den ruhigen Vortrag mancher Stellen\nverlangt, um nicht durch Uebereilen die Mittel zum Aus-\ndruck zu benehmen\"—, so können wir die Bichtigkeit\ndieser Bemerkung nur für Solostücke allenfalls einräumen,\nfür Orchesterwerke nicht, die Stellen ausgenommen, wo\nder Componist ein stringendooder vorschreibt.\nNamentlich ist das Eilen gegen den Schluss eines Musik-\nstückes hin etwas Widriges und geradezu Gemeines, wo-\nvor man sich überall, namentlich aber im ersten Allegro\nder Eroica zu hüten hat. Der Einsatz des Horns in der\nCoda (S. 73 der Partitur von Simrock) mit dem Thema"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4760, "texte": "Muss kein auch nur um ein Komma geschwinderes Tempo\nhaben, als das Thema im Violoncell zu Anfang der Sin-\nfonie, zumal da die Figuren der Violinen und nachher der\nBratschen und Bässe sonst zum Schnaderhüpfle werden,\nwas bei übertriebenem Tempo auch mit den früheren um-\ngekehrten Figuren (S. 7 und öfter):\nder Fall ist, die sich alsdann zwischen den energischen\nForte-Schlägen der Bässe und Blas-Instrumente wahrhaft\npossierlich ausnehmen.\nIch höre indess schon die Jung-Musica ausrufen: „Ah,\nwir sollen nach dem Tactmesser spielen! o wie pedan-\ntisch!\"— Nein, meine Herren! Spielen Sie z. B. auf dem\nPianoforte von Chopin bis Liszt was und wie Sie wollen\nund es glauben verantworten zu können. Aber wenn Sie\neine Sinfonie dirigiren es müsste denn Ihre eigene sein\n—, so bleiben Sie hübsch im Tacte, denn der Taet ist\nnun einmal das Fundament aller Form in der Musik. Aber\nim Tact bleiben und nach dem Metronom spielen, ist bei\nallen Vernünftigen immer noch zweierlei, eben so sehr,\nals ein Automat und ein lebendiger Musiker zweierlei sind.\nDesshalb stehen wir auch nicht an, bei dem ersten Satze\nder Eroicaden Dirigenten sogar zu ersuchen, an einzelnen\nStellen—jedoch niemals perioden-, sondern nur taetweise\nunmerklich zurückzuhalten, um die gehörige Breite\nund wuchtige Schwere des Ausdrucks zu erzielen, die zu-\ngleich am besten vor dem so genannt „feurigen\" Durch-\ngehen bewahrt. Solche Stellen sind z. B. gleich auf S. 4\nder vierte und fünfte Tact mit den auf dem\ndritten Viertel (vor der Tonleiter, die zum Eintritt des\nThema's im ff führt):\ndann die gewaltigen, rhythmisch und harmonisch packen-\nden Accorde mit den Zwischenpausen (S. 16); darauf, 12\nTacte vor dem Schlüsse des ersten Theiles, die vier Tacte\nmit den Schlägen auf B, welche mit den dazwischen\nliegenden Vierteln der zweiten Violinen und der\nBratschen gar nicht wuchtig genug herauskommen kön-\nnen. Im zweiten Theile gehört die ganze Reihe von Accor-\nden auf S. 33—36 hieher (jene wunderbar grossartige\nVerbreiterung und Durchführung der eben notirten Figur\nvon S. 4), deren Wirkung um so gewaltiger ist, je gemesse-\nner und andauernder der Aufwand von Kraft ist, mit wel-\nchem sie auftreten; das Drängende und Zwingende liegt\nhier in der rhythmischen Accentuation, in dem Widerstreit\nderselben mit der regelmässigen Tactbetonung und in der\nAlles niederschmetternden Harmonieenfolge, nicht aber im\nBeschleunigen des Tempo's, vielmehr im Gegentheil eines\nsolchen.\nEndlich wollen wir in gleicher Beziehung noch einmal\nan die Coda erinnern. Die Wirkung derselben, welche in\nder Steigerung liegt, wofür sie eines der vollendetsten Mu-\nster ist, die Beethoven uns gegeben hat, wird ganz ver-\nnichtet, wenn das Orchester nicht die höchste Ruhe be-\nwahrt. Das Thema muss in seiner ursprünglichen klaren\nGestalt voll ruhiger Zuversicht in dem ersten Horn erschei-\nnen, die Violinen nehmen es auf, während die drei Hör-\nner einen Tact später imitirend hinzutreten und die Violon-\ncelle in gebundenen Achtelfiguren es umwogen, bis diese\nmit den Bässen und Bratschen zusammen in steigender\nKraft die Führung des Thema's unter dem allmählich\nwachsenden Geschmetter der Trompeten übernehmen und\nes endlich durch die Trompeten und alle Bläser wie eine\nstrahlende Sonne ganz über den Horizont hervortritt. Blei-\nben wir bei diesem Bilde: es gelte uns auch für den Vor-\ntrag; die erhabene Majestät des Schauspiels in der Natur\nliegt in dem langsamen, allmählichen Aufsteigen des leuch-\ntenden Gestirns: ein rasches oder gar plötzliches Hervor-\nspringen würde uns in Erstaunen setzen, aber mit der\nBewunderung und dem Eindrucke des Erhabenen wäre es\nvorbei. Das Tempo der Coda darf nicht nur nicht beschleu-\nnigt werden, sondern der eigentliche Schluss des Satzes,\ndie vier Tacte Dominant-Accorde ff in schwer (pesante)\nabzusetzenden Vierteln bewirken nach den synkopirten No-\nten nur in strengem, lieber noch um ein Komma zurückge-\nhaltenem Tempo das, was sie im Verein mit den Violinen:\nbewirken sollen: den Schluss-Eindruck der concentrirten\nsiegenden Macht eines grossen Gedankens, der eine Welt\numgestaltet. Bei zu schnellem Tempo wird der überkräf-\ntige Ausdruck des Emporklimmens aus der Tiefe zur Höhe\nin den Geigen zu einem nichtssagenden Gefitschel.\nUm Missverständnisse zu vermeiden, erklären wir hier\nnochmals, dass die vorstehenden Andeutungen mehr War-\nnungen als Vorschriften sein sollen; das richtige\nMaass ihrer Anwendung liegt in dem Gefühl des Diri-\ngenten und lässt sich nicht metronomisch vorschreiben.\nSchliesslich wollen wir über das Tempo des ersten Alle-\ngro's nur noch bemerken, dass die episodischen Sätze des-\nselben S. 11 und S. 36 u. s. w. doch wohl einen Jeden,\nder die Bewegung des Thema's zu schnell genommen, auf\ndas rechte Maass zurückführen werden, es müsste ihm\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3112, "texte": "denn alles Versländniss und Gefühl Für melodischen Aus-\ndruck des Elegischen abgehen, das Beethoven durch jene\nSätze mit dem poetischen Hauptgedanken so schön und\nzugleich so echt musicalisch contrastirend verbindet.\nGehen wir nun zu dem Vortrage des Einzelnen über.\nMan kann wohl behaupten, dass der dynamische Aus-\ndruck, abgesehen von Licht und Schatten und deren Ab-\nstufungen durch forte, piano, crescendo, decrescendo\nu. s. w., in Bezug auf Accentuation in keiner Compo-\nsition Beethoven's so eigentümlich angewandt und so ge-\nnau bezeichnet ist, als in dem ersten Satze der heroischen\nSinfonie. Niemals ist vor Beethoven und auch niemals von\nihm selbst vor der Composition dieser Sinfonie der Rhyth-\nmus mit einer solchen geistigen Freiheit behandelt und die\nAccentuation als eine so wesentliche und charaktergebende\nangewandt worden. Sie ist es hauptsächlich, welche diesem\nSatze das Gepräge eines individuellen Lebens durch eigen-\ntümliche Beseelung der Töne gibt.\nBetrachten wir zunächst das Thema in dieser Bezie-\nhung, und wir werden erstaunen über die Mannigfaltig-\nkeit der dynamischen Behandlung des ganzen Thema's und\nseiner einzelnen Bestandtheile.\nNach den ersten zwei Accorden, die nicht bloss die\nTonart feststellen, sondern zugleich etwas Entschiedenes,\nKräftiges ankündigen (wie unpassend wäre hier eine In-\ntroduction gewesen, die z. B. in der 11., IV. und VII. Sin-\nfonie ganz an der Stelle ist), tritt es und mit\nder gewöhnlichen, regelmässigen Betonung der guten\nTacltheile (die man überhaupt in der Musik Quantitäts-\nmessung im Gegensatze zur Accentuation nennep könnte)\nauf:\nEben so gleich darauf in Horn und Clarinette und dann\nfortissimo im Tutti (S. 4). Hier aber erscheint schon bei\nder Erweiterung ein anderer Accent:\nDann S. 10 ein verschiedener im Violoncell und in der\nVioline:\nS. 22 erst accentlos in C-moll, dann mit dem Crescendo\nauf dem Auftact:\nIn der Steigerung des zweiten S. 25 wird aber auf ein-\nmal das letzte Viertel accentuirt:\nSeite 39 erscheint das Thema in C-dur forte zum\nersten Male mit einem Staccato:\nBei dieser Stelle müssen wir auf einen feinen Effect\naufmerksam machen, der fast immer verwischt wird. Beet-\nhoven lässt bei den zwei letzten Tacten zur Verstärkung\ndes entschiedenen Rhythmus der drei scharf gestossenen\nTacttheile die Hörner mit gebenfalls in Vierteln bis zu\ndem sfa einfallen, und dieses Sforzando des Tutti's hört\nman freilich ganz deutlich, aber das imitirende der\nTrompeten allein zwei Tacte später auf eben dem\nletzten Viertel, während die Hörner aushalten und die\nübrigen Instrumente die absteigende Figur in Achteln und\nSechszehnteln ausführen, hört man gewöhnlich nicht.\nEben so wiederholt sich dasselbe in\nWeiterhin finden wir S. 43, wo das erste Fagott das\nThema in B-durbringt, eine neue Accentuation des drit-\nten Tactes in der Wiederholung desselben durch die Vio-\nlinen :\nDer berühmte Einsatz des zweiten Horns (S. 47) mit\nden zwei ersten Tacten des Thema's als fern her wie\n\n*) Beiläufig gesagt, möchten wir wohl einmal hören, wie die\nBässe bei übereiltem Tempo dieses Crescendo auf dem ei-\nnen Viertel herausbringen wollen!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4381, "texte": "Ahnung erklingende Andeutung der Wiederkehr des\nHauptgedankens muss jedenfalls ligato vorgetragen werden,\nwiewohl die Bogen über den Noten in der Hornstimme\n(Original-Ausgabe; Vienna, presso A. Steiner Co.) und\nin der Simrock'schen Partitur fehlen—wahrscheinlich aus\nUnachtsamkeit. Denn alle Anklänge an das Thema in der\nSchluss-Periode (von S. 43 an) der prächtigen Durchfüh-\nrung sind in allen Blas-Instrumenten bezeichnet\n(auch im zweiten Horn selbst etwa dreissig Tacte vorher,\nS. 44), und das vorgezeichnete so wie der einzige\nSinn, den die Stelle haben kann, sprechen entscheidend\nfür den gebundenen Vortrag. Könnte hier von einem hu-\nmoristischen Witz die Rede sein, so wäre es was Ande-\nres; zu einem solchen würde aber der getrennte Vortrag\ndie Stelle verkehren.\nIn dem folgenden Solo des ersten Horns in F-dur und\ndarauf der Flöte in Des-dur ist das Thema zum ersten\nMale mit dolce bezeichnet. Wir haben dieses reizende In-\ntermezzo zwischen dem einfachen Wiedereintritt des Es-\nÄr-Thema's im Violoncell (S. 48) und dem Vollklang des-\nselben im Tutti (S. 50) stets als eine der grössten Schön-\nheiten des ganzen Satzes bewundert. Man vergleiche diese\nzwanzig Tacte nur mit jenen, die im Anfang des Allegro's\nebenfalls beide Momente das einfache Thema und seine\nAusstrahlung im Tutti trennen und zugleich verbinden.\nDort tritt der beginnenden Heldenbahn, dem Aufwärts-\nstreben eine hemmende, herab- und zurückdrängende Ge-\nwalt entgegen:\nDie scharf betonten Synkopen stellen sich wie Felsstücke\ndem Strom entgegen, die er mit Macht durchbrechen\nmuss; hier ist Alles anders, der wilde Kampf ist vorüber,\ndie starrsten Klippen sind überstiegen und es öffnet sich\nein anmuthiges Thal, das die Segnungen des Friedens, die\nFrucht des Sieges ahnen lässt. Die Melodie, den weichsten\nInstrumenten— und Flöte—zum süssen, sanft in-\nnigen, ruhigen Vortrag [dolce)anvertraut, bleibt auf dem\nHöhepunkt des Thema's ruhen:\nes weilt der Blick auf den sanften Abhängen, während die\nMandolinenklänge des Pizzicato's im Bass und dann in der\nersten Violine einen neuen überraschenden Reiz darbieten,\nzumal da, wo sie einen Tact später die aufsteigende Me-\nlodie des Horns und der Flöte nachahmend wiederholen:\nWir werden dieser feinen Imitation noch einmal begeg-\nnen. Der Vortrag der ganzen Stelle, die übrigens vorzugs-\nweise mit zu denen gehört, deren Wirkung ein zu\nschnelles Tempo vernichtet, muss übrigens fern von\naller Ziererei und Sentimentalität bleiben, das dolce muss\nhauptsächlich in der Weichheit des Tones liegen; je ein-\nfacher, ja, je accenlloser was namentlich auch von den\nPizzicato's gilt die Töne dahinschweben, desto wunder-\nbarer werden sie ins Gemüth hineinklingen. Ein schwa-\nches Crescendo auf dem gehaltenen (und ist die ein-\nzige Schattirung, die hier an der Stelle ist.\nAber im letzten Tacte des Flöten-Solo's modulirt das\nOrchester decrescendo nach dem Septimen-Accord von B,\nder leise, unbetonte Anklang des Thema's in der Tiefe\n(S. 50) klingt wie eine Mahnung, den Heldenlauf zu voll-\nenden, und so eilt mit steigender Begeisterung Alles dem\nTutti zu, in welchem das Thema nun wieder in der Haupt-\nTonart seine Schwingen entfaltet. Aber sein Flug steigert\nsich noch mehr, die Accente auf und auf im vierten\nund sechsten Tacte und das piü in den vier folgen-\nden, Tacten drängen fort und fort, bis es im\n(S. 51) mit vollstem Glanz in einer Vollstimmigkeit mit\nPaukenwirbel und hohen Trompeten erscheint, wie sie\nnoch nicht da gewesen ist, und was die Hauptsache ist\nmit dem Accent in allen Instrumenten, was auch\nnoch nicht dagewesen, auf das dritte Viertel:\nwobei denn nun auch in allen Instrumenten das\nverschwindet, weil es zu der hier entwickelten Kraft nicht\npasst.\nEs findet aber zuletzt im Coda wieder seine Stelle\n(S. 73). Wir haben das Coda in Bezug auf das ruhige\nTempo schon oben erwähnt; hier müssen wir aber auf die\nnoch einmal veränderte Accentuation des Vortrags im\nThema aufmerksam machen. Das Thema erscheint hier\nim Horn zuerst als eine Erinnerung an den heroischen\nGedanken, von welchem Alles ausgegangen; die Violin-\nFigur umgaukelt es gleichsam mit dem freudigen Gefühl\nüber das Gelungene. Sein Ausdruck mildert den entschie-\ndenen Willen zu innerer Zufriedenheit, die Melodie bleibt\nhier, wie bei dem Solo im (S. 48), das eine ähn-\nliche Seelenstimmung wiedergibt, auf dem hohen im\nvierten Tact ruhen. Damit aber dieser Ausdruck nicht ver-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1095, "texte": "Loren gehe, soll das letzte Viertel vor dem gehaltenen b\nabgesetzt werden, und der dritte Tact erscheint nun so:\nDazu tritt in Tact 4 die imitirende Oboe mit dem zwei-\nten Horn:\nin derselben Vortragsweise, die im Horn noch geschärft\nist (erinnernd an das Pizzicato der Violoncelle in der Stelle\nS. 48). Die Violinen nehmen das Thema ebenfalls so auf:\nwährend es alle drei Hörner, die Violinen um einen Tact\nspäter imitirend, zum ersten Male in vollen Dreiklän-\ngen bringen und es in dieser siegverkündenden Klarheit\nseinen ursprünglichen Vertretern, den Bässen und Brat-\nschen zuführen, die es mit der alten, stets wachsenden Kraft\ndurch den Jubel der Flöten-, Oboen-, Clarinett- und Fa-\ngott-Figuren durchklingen lassen, bis sie selbst in diesen\nJubel fallen und es den Trompeten und allen hellstimmi-\ngen Bläsern überlassen, es zum triumphirenden Hymnus\nzu gestalten. Aber die Accentuation auf das dritte Vier-\ntel fällt weg, trotz derselben Kraftentwicklung wie auf\nS. 51, denn es ist nicht mehr vom Brechen des Wider-\nstandes die Rede, sondern allein von strahlender Glorie.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-16-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-16_01#c022", "volume": "bmtnabi_1862-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "262", "page_fin": "262", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.2.3", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.6", "debut_caractere": 1097, "fin_caractere_exclue": 3118, "texte": "Aus Dresden.\nDie Wirksamkeit des neuen General-Directors des\nköniglichen Hoftheaters, des Herrn von Könneritz, hat\nmit dem Frühjahr begonnen.\nIn den drei ersten Monaten April bis Juli wurden fol-\ngende Opern gegeben: Figaro's Hochzeit, Zauberllöte,\nFreischütz, Euryanthe, Oberon, Robert der Teufel, Dino-\nrah, Rienzi, Tannhäuser, Lohengrin, Stradella, Wilhelm\nTeil, Der Barbier von Sevilla, Die Stumme, Fra Diavolo,\nDie weisse Dame, Johann von Paris, Norma, Die Nacht-\nwandlerin, Lucia, Der Troubadour, Orpheus in der Un-\nterwelt, Fortunio's Lied. Trauer- und Schauspiele:\nHamlet, Iphigenie, Götz von Berlichingen, Torquato Tasso,\nFaust, Don Carlos, Cabale und Liebe, Wilhelm Teil, Die\nJungfrau von Orleans, Das Käthchen von Heilbronn (in\nder veralteten Holbein'schen Bearbeitung), Medea, Zopf\nund Schwert, Der Erbförster, Philippine Welser, Gott-\nsched und Geliert, Dorf und Stadt, Die Marquise von Vil-\nlette, Lorberbaum und Bettelstab. Ferner 27 Lustspiele\nund Possen.\nEin Fortschritt ist die wöchentliche Bekanntmachung\ndes Repertoires mit der Liste der beurlaubten oder er-\nkrankten Bühnen-Mitglieder. Frau Bürde-Ney soll sehr\nglückliche Resultate für ihre Gesundheit durch den länge-\nren Aufenthalt zu Montreux am Genfer See erzielt haben\nund wird im Laufe des August, wie es heisst, wieder auf-\ntreten.\nIn der beabsichtigten Herabsetzung der Orche-\nsterstimmung ist wieder ein Stillstand eingetreten. Es\nwurden Versuche durch Probirung älterer Opern mit\ntieferer Stimmung gemacht, welche die Beauftragten be-\nfriedigten; bei neueren Opern, z. B. Marschner's Temp-\nler, vermisste man die höhere Stimmung, die für die Wir-\nkung durchaus nothwendig schien. Trotzdem erklärte die\nvon Herrn von Könneritz angeordnete Commission, dass\neine Herabsetzung nothwendig sei. Sollte diese aber durch-\ngreifend nützen, so müsse man unter die pariser Stim-\nmung gehen. Da nun unsere jetzige in Dresden nur um\n12 —l4 Schwingungen höher sei, als die pariser, so werde\nman gut thun, die Erfahrungen an anderen Theatern ab-\nzuwarten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-16-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-16_01#c023", "volume": "bmtnabi_1862-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "262", "page_fin": "263", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.2.4", "titre_corps": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.6", "debut_caractere": 3120, "fin_caractere_exclue": 4047, "texte": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nDie Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main, begrün-\ndet bei dem im Jahre 1838 dahier veranstalteten Sänger-\nfeste, beabsichtigt bei ihrer im Juni 1863 Statt finden-\nden fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier ein Sti-\npendium zu vergeben. Es kommen hierbei nachfolgende\nBestimmungen der Statuten in Betracht:\n§. 1. Die Mozart-Stiftung bezweckt Unterstützung mu-\nsicalischer Talente bei ihrer Ausbildung in der Composi-\ntionslebre.\n§. 2. Jünglinge aus allen Ländern, in denen die deut-\nsche Sprache die Sprache des Volkes ist, können diese\nUnterstützung in Anspruch nehmen, wenn sie unbeschol-\ntenen Rufes sind und besondere musicalische Befähigung\nbesitzen.\n§. 25. Bewerbungen um das Stipendium werden in\nfrankirten Zuschriften bei dem Ausschusse gemacht; die-\nselben müssen nebst Angabe des Alters mit Zeugnissen\nüber die musicalischen Fähigkeiten und Leistungen des\nBewerbers begleitet sein."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1107, "texte": "§. 26. Genügen Zeugnisse und Erkundigungen, so\nwird der Bewerber vom Ausschuss aufgefordert, seine mu-\nsicalische Befähigung durch die That nachzuweisen.\n§. 27. Dem Bewerber wird die Composition eines\nvom Ausschuss bestimmten Liedes und eines Instrumental-\nQuartettsatzes übertragen.\n§. 29. Drei Musiker von anerkannter Autorität üben\ndas Amt der Preisrichter.\n§. 33. Der erwählte Stipendiat wird sodann nach\nWahl des Ausschusses, wobei jedoch der Wunsch des\nSchülers möglichst berücksichtigt werden soll, einem Mei-\nster in der Compositionslehre zum Unterricht übergeben.\nWir laden nunmehr zur Anmeldung bei uns binnen\nzwei Monaten von untengesetztem Datum an alle die-\njenigen ein, welche geneigt und nach obigen Vorschriften\ngeeigenschaftet sind, sich um das Stipendium zu bewerben.\nZugleich ersuchen wir alle verehrlichen Redactioncn deut-\nscher Zeitungen, dieser Bekanntmachung zu deren mög-\nlichster Verbreitung einen Platz in ihren Blättern vergön-\nnen zu wollen, und sind dafür zum Voraus dankbar ver-\npflichtet.\nFrankfurt am Main, den 5. August 1862.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-\nStiftung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-08-16-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-08-16_01#c024", "volume": "bmtnabi_1862-08-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "263", "page_fin": "264", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.7", "debut_caractere": 1109, "fin_caractere_exclue": 6758, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Vor einiger Zeit war bekanntlich davon die Rede, dass\nauch aus dem hiesigen Dome die musicalische Messe mit\nOr ehester-Begleitung entfernt werden sollte. Die Thatsaclien\nsprachen jedoch dagegen. Jetzt erfahren wir durch die „Niederrhei-\nnische Volks-Zeitung\" Nr. 234, dass am 12. August im Dome eine\nProbe zu dem Hochamt bei der Jubelfeier Sr. Eminenz des Herrn\nCardinais und Erzbischofs von Geissei gehalten worden, wobei\nnur Seminaristen- und Knabenstimmen mit Begleitung der Orgel den\nGesang ausführten, was zugleich für eine Probe der Art jind Weise\ngelten sollte, wie in Zukunft der kirchliche Gesang im Dome ein-\ngerichtet werden solle. Wäre dem wirklich so, so wäre eine Stimme\naus dem Schoosse des Dombau-Vereins und der katholischen Kirche,\ndie des Herrn Prof. J. Kreuser, in Nr. 209 des Doijiblattes\nfür die Beibehaltung der vollständigen Musik um so beaclitenswer-\nther. Herr J. Kreuser sagt u. A. S. 3: „So wären wir endlich bei\ndem letzten Zwecke angekommen, dem ebenfalls der Lettner die-\nnen muss und allein dienen kann: wir meinen den musicalischen\nChor bei der musicalischen Messe. Im fünfzehnten Jahrhundert war\ndie Kirchenmusik auf gar arge Irrwege gerathen, verweltlicht und\nzum blossen Ohrenkitzel geworden. Bruder Faber aus Ulm beschreibt\nin seiner Reisefahrt (Evagatorium), wie Herren und Damen zu Ve-\nnedig fast neu aufgeklärt nach St. Marco zogen, nicht um des Got-\ntesdienstes, sondern des Concertes willen. Venedig war dazumal,\nwie jetzt mancher Ort, operntoll, und wahrscheinlich wird das\nSchlechteste am besten gefallen haben. Es ist immer die alte Ge-\nschichte aus Wieland's Abderiten. Aber Palestrina zeigte durch\nThaten, dass würdige Tonkünstler auch noch Würdiges leisten könn-\nten, und die Musica auch eine Sancta sein könne. So wurde die\nKirchenmusik unter Papst Marcellus (1555 gewählt und gestorben)\ndem Pfleger Palestrina's, gerettet, die römische Capelle (woher alle\nCapellmeister ihren Namen haben) und Rom der Mittelpunkt, Sitz\nund Vorbild der neueren, besseren Richtung. Mit den Oratorianern\nund dem heiligen Philippus Neri oder durch sie entwickelte sich\ndas Oratorium; aber diesem trat im Jahre 1624 zu Venedig ein bö-\nser Feind entgegen: die Oper, welche die heilige Tonkunst ganz\nverweltlichte, verfranzöselte und das Gefühl für Schicklichkeit so zu\nBoden schlug, dass selbst jetzt noch Viele es wohl unpassend fänden,\nwenn auf einem Balle statt des Tanzes ein Trauermarsch gespielt\nwürde, aber gar nichts darin finden, wenn der Organist in der Kir-\nche den Jungfernkranz oder sonst eine unwürdige Volksweise vor-\nträgt, oder das Heiligthum durch Tonwerke besudelt wird, die über-\nall hingehören mögen, nur nicht in die Kirche. Das Bewusstsein\ndes Kirchlichen ist sogar in der jetzigen Kunstverpöbelung so sehr\nerloschen, dass man in dem Glauben an die eigene Kunstherrlich-\nkeit es auffallend findet, wenn die Geistlichkeit ihrer Fflicht ge-\ndenkt, den Unrath wegfegt und Verordnungen erlässt, damit die\nheilige Kunst allmählich wieder in die geziemende Bahn geleitet\nwerde. Jedoch genug hiervon.\n„Je mehr der Geist sank, um so mehr vervollkommnete sich die\nWeltlichkeit, ich meine die Instrumente. Händel und Gluck hatten\nihrer noch so wenige, dass nach dem jetzigen Standpunkte die Werke\nder alten Meister für das jetzige, früher unbekannte Orchester neu\neingerichtet werden müssen. Den geliebten Fortschritten folgten bald\ndie reichen Stifter, stellten auch ihre Capellmeister an und vergrös-\nserten ihr Orchester, für welches das frühere Odeum nicht mehr ge-\nnügte. Unser Dom bekam seinen ersten Capellmeister im vorigen\nJahrhundert, und der frühere Archi-Cantor gerietli allmählich in\nRuhestand, ausser in den canonischen Hören.\n„Ich setze nun voraus, dass man mit der kirchlichen Musik nicht\nvollständig brechen wird, ferner dass es unthunlich ist, sich\nder reichen und besseren Hülfsmittel unserer Tage a b -\nzuthun und zur alten Posaune oder Serpent zurückzu-\nkehren; also entsteht die Frage: Wo erhalten wir einen passenden\nPlatz für unser reiches Orchester und den zahlreichen Gesang-\nchor? Münster hat die Frage schon beantwortet und führt seine\nMusiken auf dem Lettner (Apostelgange) aus. Im kölner Dome wird\nschwerlich auch eine andere Stelle ausfindig zu machen sein, als\neben auf dem geräumigen Lettner, und so hoffe ich auch hiermit,\nwie mit vielen anderen Gründen erwiesen zu haben, dass der Lett-\nner im künftigen vollendeten Dome ein nothwendiges und unent-\nbehrliches Stück ist und am allerwenigsten durch ein elendes, selbst\nvergoldetes Gitter ersetzt werden kann.\"\nRichard Genee, dessen kleine zierliche Operetten, vor allen\n„Der Musikfeind\", viel Glück machen, hat wieder eine neue vollen-\ndet, betitelt „Ein Trauerspiel\", welche in der berliner Friedrich-\nWilhelmstadt mit grossem Erfolg zur Aufführung kam.\nDer unter dem Namen „Akademie für die Oper\" zur Auf-\nführung noch nicht in die Oeffentlichkcit gelangter Opern in Ber-\nlin gegründete und in steter Ausdehnung begriffene Verein findet\nsich trotz bereits geschehener Einsendung einer Anzahl sehr be-\nachtenswerther Partituren veranlasst (Behufs grösserer Auswahl),\ndie Componisten zu baldigster Einsendung ihrer Opern an den Ar-\nchivar, Herrn Dr. AI sieben (Askanischer Platz 4 in Berlin), einzu-\nladen. Die Werke werden durch bühnenkundige Kunst-Notabilitäten\ngeprüft, die würdig befundenen öffentlich aufgeführt und deren\nVerfassern eine Anzahl von Bühnen-Empfehlungen zu beliebiger Be-\nnutzung übergeben. Die Statuten sind durch alle Buchhandlungen\ngratis zu beziehen. An der Spitze des \\ ereins steht jetzt der Schrift-\nsteller Baron von Ledebur und der k. Musik-Diiector Naumann."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4904, "texte": "Zur Prüfung eingesandt wurden bis jetzt acht Partituren (darunter\neine von Mazza in Triest); geeignet befunden wurden eine von\nMöhrung und eine von Methfessel in Winterthur.\nGounod's „Königin von Saba\", welche in Paris bekanntlich\nwenig Glück macht, soll nun doch in Darmstadt, wo auch „Faust\"\nzuerst in Deutschland aufgeführt wurde, und zwar mit dem zweiten\nActe, gegeben werden, welcher in Paris gestrichen wurde, und zwar\nnicht wegen Mangels an ausreichender Maschinerie, wie es in meh-\nreren Blättern lieisst, sondern wegen zu grosser Feuergefährlichkeit\ndes darin vorkommenden scenischen Arrangements (vgl. Niederrh.\nMusik-Zeitung Nr. 11 d. Jahrg.). Der Maschinist des darmstädter\nHoftheaters, Herr Brandt, soll bereits nach Paris geschickt worden\nsein, um die scenarischen Einrichtungen der Oper kennen zu lernen.\n(Wieder ein Beweis, wie sehr die deutschen Hoftheater die vater-\nländische Kunst fördern!)\nDie BrendeFsche Musik-Zeitung nimmt Anstoss an dem Titel\nder kürzlich in diesen Blättern erwähnten neuen Oper von Gustav\nSchmidt: „La weil für eine deutsche Oper ein französi-\nscher Titel nicht passend sei, und meint überdies, dass es vielleicht\n„L'Aureole\" oder „La Crdole\" heissen solle; nun ist aber La\nder Name einer Stadt an der Garonne im französischen Departement\nder Gironde, welche der Haupt-Schauplatz der Handlung genannter\nOper ist, und somit wohl auch der Titel derselben gerechtfertigt.\nWien. Anton Rubinstein ist hier eingetroffen und gedenkt\neinige Wochen hier zuzubringen. Seine neue Oper ist von den In-\ntendanzen in Berlin und Dresden bereits angenommen und wird in\nder kommenden Winter-Saison zur Aufführung gebracht. Ohne Zwei-\nfel wird auch die hiesige Hof-Opern-Intendanz die Gelegenheit er-\ngreifen, sich mit dem anwesenden Componisten über die Acquisition\nseines Werkes um so eher zu verständigen, als Rubinstein beim\nEntwürfe seiner neuesten Partitur vorzugsweise die wiener Sänger-\nkräfte im Auge hatte.\nEine Gesellschaft von Kunstfreunden und Musikern (unter den\nLetzteren C. G. P. Grädener, seit Anfang des Jahres Gesangs-Pro-\nfessor am hiesigen Conservatorium, G. Nottenbohn, S. Bagga) hat\nvon der Behörde die Bewilligung zur Bildung eines „Evangelischen\nChorvereins\" erlangt, dessen Haupt-Aufgabe es sein wird, an grös-\nseren Feiertagen in den hiesigen evangelischen Kirchen eine bessere\nKirchenmusik herzustellen. Zugleich wird er in seiner Eigenschaft\nals „Verein\" seinen unterstützenden Mitgliedern Productionen geben.\nEs knüpfen sich viele schöne Hoffnungen an dieses Unternehmen.\nMochte es von Seiten der hiesigen evangelischen Gemeinden lebhafte\nFörderung und Theilnahme finden!\nRubin stein hat in Wien bei den Blas-Instrumenten-Fabrican-\nten Instrumente für ein vollständiges Orchester nach der neuen\nStimmung welche zufolge kaiserlichen Befehls in Russland ein-\nzuführen ist bestellt. Dieselben sind für das kaiserlich russische\nConservatorium bestimmt, welches unter der artistischen Direction\nRubinstein's am 1. September d. J. eröffnet wird.\nDie überlebensgrosse Büste Beethovens (modellirt von Gas-\nser), vom heiligenstadter Verschönerungs-Verein bestellt und für den\nbekannten Beethoven-Weg zwischen Heiligenstadt und Grinzing be-\nstimmt, ist bereits gegossen und wird so eben ciselirt und der Voll-\nendung zugeführt.\nDer Contrabass-Virtuose und Mitglied des Hofburgtheater-Orche-\nsters Johann Hindle, ist, 70 Jahre alt, am 9. August in Wien\ngestorben. Von unbemittelten Eltern stammend, lernte er in einer\nÖffentlichen Musikschule singen und Violoncell spielen, kam später\nzu einem bürgerlichen Geigenmacher in die Lehre, wo er sich aus\neigenem Antriebe ohne alle Anleitung in den Feierstunden auf dem\nContrabass übte. Er wurde später Mitglied des Orchesters am Wie-\ndener Theater, zuletzt an jenem des Hofburgtheaters. Was die Hand-\nhabung seines Instrumentes betrifft, so zeichnete sich sein Spiel durch\nReinheit der Intonation, selbst in den höchsten Applicaturen, Klar-\nheit in den schwierigsten Passagen und eine höchst gewandte Bo-\ngenführung, gepaart mit einer seltenen Kunstfertigkeit, aus.\nIn Salzburg (Duyle'sche Buchhandlung) ist ein Katalog sämmt-\nlicher im Mozarteum befindlichen Autographen und Reliquien\nMozart' s, von Karl Moyses verfasst, erschienen.\nEin Musikfreund in Pesth, der Obergespan Herr von August,\nist im Besitze des Violoncells, worauf Kaiser Joseph 11. in engerem\nCirkel zu spielen pflegte und das er einem seiner Günstlinge\nschenkte. Das Instrument kam nachher noch in verschiedene Hände,\nnamentlich auch in die des Violoncell-Virtuosen Merk, bis es end-\nlich der jetzige Besitzer von dem Kunsthändler Johann Wagner in\nPesth für eine bedeutende Summe erwarb.\nAm 9. März starb zu Monroe in Wisconsin (Nordamerica) die\nin weiteren Kreisen bekannte und beliebte Sängerin und Schauspie-\nlerin Antonie Leissring, früher am Hoftheater in Kassel u. s. w.,\nseit zwölf Jahren mit dem Grafen Alfred Görtz-Writberg\nverheirathet."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroica. Aus Dresden (Hoftheater Orchesterstimmung). Die Mo-\nzart-Stiftung in Frankfurt am Main (Ausschreiben wegen eines Stipendiums). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Kirchen-\nmusik Berlin, „Akademie für die Oper\" Gounod's „Königin von Saba\" Wien, Anton Rubinstein, Evangelischer Chorverein\nBeethoven-Büste Johann Hindle f Monroe (America) Antonie Leissring f).\n\nBemerkungen über den Vortrag der Sinfonia\neroica.\nWir brauchen den Lesern der Niederrheinischen Mu-\nsik-Zeitung wohl nicht erst die Versicherung zu geben,\ndass bei den folgenden Betrachtungen und Bemerkungen\nüber die Ausführung der Sinfonia eroica nicht auf die\nTraumdeutereien Bezug genommen wird, worin sich die\nästhetischen Ausleger an diesem Meisterwerke üben zu dür-\nfen glauben. Unsere Ansichten über dergleichen Phanta-\nsieen sind bekannt genug, und wie Beethoven selber dar-\nüber dachte, hat uns A. Schindler sowohl an vielen Stellen\nseiner Biographie Beethoven's, als in dieser Zeitschrift oft\ngesagt, namentlich in Nr. 2 des Jahrgangs 1856, wo der\nenergische Protest des Meisters gegen derlei Erklärungen\nund gegen die daraus entstehenden Irrthümer aus einem\nBriefe von 1819 bestätigt wird*).\nMan wird aber vielleicht dennoch einwerfen: „Die\ndritte Sinfonie hat ja aber ein Programm, welches Beet-\nhoven selbst darüber geschrieben; auch wissen wir, dass\ner ursprünglich den ersten Consul Napoleon Bonaparte\ndarin habe darstellen (!) oder wenigstens verherrlichen\nwollen. Folglich muss dieses Programm der richtigen Auf-\nfassung und dem Vortrage zu Grunde gelegt werden.\"\nWir haben unsere Ansicht über den Bonaparte-Spuk\nschon mehrfach ausgesprochen und unter Anderem gezeigt,\ndass Bernadotte, dessen Aufforderung an Beethoven, etwas\nMusicalisches zur Verherrlichung des Helden des Jahrhun-\nderts beizutragen, nicht bezweifelt werden soll (weil Beet-\nhoven selbst sich darüber ausgesprochen und die Sache\nauch in dem Schreiben erwähnte, mit welchem er die\nMissa solemnis an den König von Schweden schickte), diese\nAufforderung nur im Jahre 1798 ergehen lassen konnte\n(vgl. Jahrg. 1861, Nr. 22, S. 171), die Sinfonie aber erst\nim Jahre 1804 componirt und im Januar 1805 zum er-\nsten Male aufgeführt worden ist. Wir fügen diesen Daten\nnur noch hinzu, dass Bonaparte schon am 16. Mai 1804\nvom Senate zum erblichen Kaiser ausgerufen und am 18.\nMai die Verfassung des Kaiserreichs bekannt gemacht\nwurde. Im Jahre 1803 componirte Beethoven (nach\nSchindler) „Christus am Oelberg\", drei Sonaten mit Vio-\nline, Op. 30, drei Sonaten, Op. 31, fünfzehn Variationen,\nOp. 35. Im Jahre 1804 die Sinfonie Nr. 11. in D-dur und\ndas Clavier-Concert in C-moll.lm Jahre 1805 im Januar\nfand die erste und bald darauf die zweite Aufführung der\nEroica Statt. Und doch soll die Heinschrift der Partitur\nmit dem Titelblatt: „Bonaparte.\nund „kein Wort mehr\", wie F. Kies sagt, Ende Mai\noder Anfang Juni 1804 schon fertig gewesen sein? Mög-\nlich! Aber unmöglich ist die zugefügte Angabe, „dass\nBeethoven sie bereits dem General Bernadotte zur Ueber-\nsendung an Napoleon habe einhändigen wollen\", weil Ber-\nnadotte seit dem Jahre 1798 gar nicht wieder in Wien\ngewesen ist.\nFür unseren Zweck ist die Sache gleichgültig; steckte\nder Bonaparte in der Sinfonie, so fuhr er durch das Ab-\nreissen des Titelblattes—ohne Zweifel richtiger: des De-\ndicationsblattes nicht wieder heraus. Wir haben\nuns nicht an das Ries'sche Bonaparte-Programm zu halten,\nsondern an das Beethoven'sche: „Componirt zur Feier des\nAndenkens an einen grossen Mann\" des Andenkens\n{per festeggiare il sovvenire), also an einen gestorbe-\nnen Helden, was denn auch der zweite Satz, der Trauer-\nmarsch, zur Evidenz bestätigt.\n\n*) Diesen J3rief hatte Beethoven im Herbste 1819 zu Mödling bei\nWien Schindlern in die Feder dictirt, gerichtet an Dr. Chri-\nstian Müller in Bremen. Wir wiederholen die schon am an-\ngeführten Orte ausgesprochene Bitte nach Bremen an die\nHerren Reinthal'er, Pelzer, Schmidt, Engel u. s w.\num Erkundigung über das Verbleiben des Nachlasses von Dr.\nMüller, bei welchem sich mehrere Briefe Beethoven's befunden\nhaben müssen, da Müller ihn in Wien besucht hatte und Beide\nlängere Zeit hindurch in Briefwechsel standen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.2", "texte": "Aber freilich, den heutigen Programm-Musikern ist\ndie Anekdote lieber als das urkundliche Document: sie\nmöchten gar zu gern die Eroica durch die Ueberschrift\n„Bonaparte\" als Vorgängerin der Sinfonieen: Faust, Co-\nlumbus, Dante u. s. w. hinstellen!\nFür uns fragt es sich nur: „Kann oder muss das Pro-\ngramm Beethoven's einen Einlluss auf den Vortrag der\nSinfonie haben?\"\nSollte die Idee des Heros vermittels der Musik zur\nErscheinung kommen, so fiel sie in das Gebiet des Schö-\nnen, weil die Musik eine Kunst ist. Sie konnte folglich\nnicht durch die Beflexion, sondern nur durch die Phan-\ntasie des Künstlers innerhalb der Gränzen und durch die\nMittel, welche die Tonkunst dazu darbietet, ausgesprochen\nwerden. Die Phantasie Beethoven's schuf mithin für den\nHauptsatz ein Thema, ein musicalisches Motiv, welches\nneben der ersten Anforderung an dasselbe, dass es schön\nsei, ein gewisses charakteristisches Etwas hat, welches\nim Hörer die Vorstellung des Heroischen erwecken kann,\nkeineswegs aber nothwendig erwecken muss. Es ist aber\nder Triumph des Genie's Beethoven's, dass die rein künst-\nlerische Ihätigkeit dieses Genie's, d. h. die Vereinigung\nder schöplerischen Phantasie mit der bewussten Anwen-\ndung des musicalischen Wissens, jene Idee des Heroischen\ndurch die Haupt-Momente des ersten Satzes uns immer\nlebendiger aufdrängt und unsere Phantasie mit fortreisst,\nweil dieser für die Auffassung des rein musicalisch Schö-\nnen in diesem Satze nun einmal jene Bichtung auf das He-\nroische durch die Ueberschrift eroica gegeben ist. Nicht\naber die Absicht gibt dem Werke den Inhalt,\nsondern die musicalischen Motive und ihre bewunderns-\nwerthe Durchführung. In dieser, in der Durchführung der\nleitenden musicalischen Gedanken, offenbart sich allerdings\nbei Beethoven vorzugsweise das Charakteristische, ja, das\nDramatische seines Stils, denn er erreicht die gewaltige\nWirkung derselben nicht wie Bach, Haydn und Mozart\ndurch die auf Polyphonie und Contrapunkt basirte thema-\ntische Arbeit, sondern durch Wiederholung, Variation,\nModulation, Contrastirung, Ausdehnung, Verbreiterung,\nVorbereitung, Steigerung der Thema's.\nKommen wir nun auf die obige Frage zurück, ob die\nangegebene Idee des Heroischen Einlluss auf den Vortrag\nhaben müsse, so kann sich dieser Einlluss nur auf die\nAuffassung des ersten Satzes (denn von diesem ist zuvör-\nderst nur die Bede) im Ganzen beziehen, d. h. auf das\nTempo und auf das ganz im Allgemeinen Gültige für\ncharakteristischen Vortrag, dass das Grossartige gross und\nschwungvoll, nicht kleinlich und geziert, schläfrig oder sen-\ntimental wiedergegeben werde. Aber auch dies wird durch\nden Ausdruck des Einzelnen gar sehr modificirt, sonst\nmüsste z. B. im ersten Satze Alles kräftig und stark, und\nim Trauermarsch Alles trübe und schwermüthig vorge-\ntragen werden.\nEs bleibt also im Grunde nur das Tempo als derje-\nnige Bestandteil des Vortrages übrig, der durch den Cha-\nrakter des ganzen Stückes bedingt wird. Beim ersten Satze\nder Eroicawird es nicht durch das Heroische überhaupt,\nsondern durch die Art, wie Beethoven das Heroische durch\ndie Musik aufgefasst hat, bestimmt. Die erstere Ansicht\nhat arge Missgriffe im Tempo hervorgebracht und mag\nbei der heutigen Unsitte der Ueberstürzung im Zeitmaasse\nderen wohl noch immer hervorbringen. Beethoven's Haupt-\nThema und dessen ganze Durchführung weist nicht auf\neinen feurigen Helden hin, der im Sturm die Welt erobert,\nsondern auf eine in sich selbst starke, durchweg edle, kräf-\ntig zähe, gegen jedes Hinderniss andrängende, grosse Hel-\ndennatur. Man sollte meinen, dieser Charakter spräche\nsich so deutlich in der Breite und dem Adel des Haupt-\nThema's, in der Weichheit der Mittel-Sätze und in der\nganzen Bhythmik des Allegro's aus, dass an ein Vergreifen\ndes Tempo's gar nicht zu denken wäre, und doch haben\nwir es schon erlebt, dass der erste Satz durch übereiltes\nTempo geradezu eine Caricatur eines der edelsten Ton-\nbilder wurde, die Beethoven und die Kunst überhaupt\ngeschaffen haben.\nAber nicht nur das Erfassen des richtigen Tempo's,\nsondern auch das ruhige Festhalten desselben ist bei\ndem Allegro der Eroica durchaus nothwendig. Wir sind\nabgesagte Feinde nicht nur der so genannten „individuel-\nlen Auffassung\" der Tonwerke von Seiten der Dirigenten\nund Vortragenden, sondern eben so sehr der Schwankun-\ngen im Tempo, und so wie es für jedes Musikstück unse-\nrer Ansicht nach nur Ein Tempo gibt, so vernichtet auch\nein willkürliches Anhalten oder Drängen, das gar zu leicht\nin ein Tempo rubato ausartet, die Würde der classischen\nMusik. Wenn C. M. von Weber sagt: „Es gibt kein lang-\nsames Tempo, in dem nicht Stellen vorkommen, die eine\nraschere Bewegung fordern, um das Gefühl des Schlep-\npenden zu verhindern; es gibt kein Presto, das nicht eben\nso im Gegensatze den ruhigen Vortrag mancher Stellen\nverlangt, um nicht durch Uebereilen die Mittel zum Aus-\ndruck zu benehmen\"—, so können wir die Bichtigkeit\ndieser Bemerkung nur für Solostücke allenfalls einräumen,\nfür Orchesterwerke nicht, die Stellen ausgenommen, wo\nder Componist ein stringendooder vorschreibt.\nNamentlich ist das Eilen gegen den Schluss eines Musik-\nstückes hin etwas Widriges und geradezu Gemeines, wo-\nvor man sich überall, namentlich aber im ersten Allegro\nder Eroica zu hüten hat. Der Einsatz des Horns in der\nCoda (S. 73 der Partitur von Simrock) mit dem Thema"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.3", "texte": "Muss kein auch nur um ein Komma geschwinderes Tempo\nhaben, als das Thema im Violoncell zu Anfang der Sin-\nfonie, zumal da die Figuren der Violinen und nachher der\nBratschen und Bässe sonst zum Schnaderhüpfle werden,\nwas bei übertriebenem Tempo auch mit den früheren um-\ngekehrten Figuren (S. 7 und öfter):\nder Fall ist, die sich alsdann zwischen den energischen\nForte-Schlägen der Bässe und Blas-Instrumente wahrhaft\npossierlich ausnehmen.\nIch höre indess schon die Jung-Musica ausrufen: „Ah,\nwir sollen nach dem Tactmesser spielen! o wie pedan-\ntisch!\"— Nein, meine Herren! Spielen Sie z. B. auf dem\nPianoforte von Chopin bis Liszt was und wie Sie wollen\nund es glauben verantworten zu können. Aber wenn Sie\neine Sinfonie dirigiren es müsste denn Ihre eigene sein\n—, so bleiben Sie hübsch im Tacte, denn der Taet ist\nnun einmal das Fundament aller Form in der Musik. Aber\nim Tact bleiben und nach dem Metronom spielen, ist bei\nallen Vernünftigen immer noch zweierlei, eben so sehr,\nals ein Automat und ein lebendiger Musiker zweierlei sind.\nDesshalb stehen wir auch nicht an, bei dem ersten Satze\nder Eroicaden Dirigenten sogar zu ersuchen, an einzelnen\nStellen—jedoch niemals perioden-, sondern nur taetweise\nunmerklich zurückzuhalten, um die gehörige Breite\nund wuchtige Schwere des Ausdrucks zu erzielen, die zu-\ngleich am besten vor dem so genannt „feurigen\" Durch-\ngehen bewahrt. Solche Stellen sind z. B. gleich auf S. 4\nder vierte und fünfte Tact mit den auf dem\ndritten Viertel (vor der Tonleiter, die zum Eintritt des\nThema's im ff führt):\ndann die gewaltigen, rhythmisch und harmonisch packen-\nden Accorde mit den Zwischenpausen (S. 16); darauf, 12\nTacte vor dem Schlüsse des ersten Theiles, die vier Tacte\nmit den Schlägen auf B, welche mit den dazwischen\nliegenden Vierteln der zweiten Violinen und der\nBratschen gar nicht wuchtig genug herauskommen kön-\nnen. Im zweiten Theile gehört die ganze Reihe von Accor-\nden auf S. 33—36 hieher (jene wunderbar grossartige\nVerbreiterung und Durchführung der eben notirten Figur\nvon S. 4), deren Wirkung um so gewaltiger ist, je gemesse-\nner und andauernder der Aufwand von Kraft ist, mit wel-\nchem sie auftreten; das Drängende und Zwingende liegt\nhier in der rhythmischen Accentuation, in dem Widerstreit\nderselben mit der regelmässigen Tactbetonung und in der\nAlles niederschmetternden Harmonieenfolge, nicht aber im\nBeschleunigen des Tempo's, vielmehr im Gegentheil eines\nsolchen.\nEndlich wollen wir in gleicher Beziehung noch einmal\nan die Coda erinnern. Die Wirkung derselben, welche in\nder Steigerung liegt, wofür sie eines der vollendetsten Mu-\nster ist, die Beethoven uns gegeben hat, wird ganz ver-\nnichtet, wenn das Orchester nicht die höchste Ruhe be-\nwahrt. Das Thema muss in seiner ursprünglichen klaren\nGestalt voll ruhiger Zuversicht in dem ersten Horn erschei-\nnen, die Violinen nehmen es auf, während die drei Hör-\nner einen Tact später imitirend hinzutreten und die Violon-\ncelle in gebundenen Achtelfiguren es umwogen, bis diese\nmit den Bässen und Bratschen zusammen in steigender\nKraft die Führung des Thema's unter dem allmählich\nwachsenden Geschmetter der Trompeten übernehmen und\nes endlich durch die Trompeten und alle Bläser wie eine\nstrahlende Sonne ganz über den Horizont hervortritt. Blei-\nben wir bei diesem Bilde: es gelte uns auch für den Vor-\ntrag; die erhabene Majestät des Schauspiels in der Natur\nliegt in dem langsamen, allmählichen Aufsteigen des leuch-\ntenden Gestirns: ein rasches oder gar plötzliches Hervor-\nspringen würde uns in Erstaunen setzen, aber mit der\nBewunderung und dem Eindrucke des Erhabenen wäre es\nvorbei. Das Tempo der Coda darf nicht nur nicht beschleu-\nnigt werden, sondern der eigentliche Schluss des Satzes,\ndie vier Tacte Dominant-Accorde ff in schwer (pesante)\nabzusetzenden Vierteln bewirken nach den synkopirten No-\nten nur in strengem, lieber noch um ein Komma zurückge-\nhaltenem Tempo das, was sie im Verein mit den Violinen:\nbewirken sollen: den Schluss-Eindruck der concentrirten\nsiegenden Macht eines grossen Gedankens, der eine Welt\numgestaltet. Bei zu schnellem Tempo wird der überkräf-\ntige Ausdruck des Emporklimmens aus der Tiefe zur Höhe\nin den Geigen zu einem nichtssagenden Gefitschel.\nUm Missverständnisse zu vermeiden, erklären wir hier\nnochmals, dass die vorstehenden Andeutungen mehr War-\nnungen als Vorschriften sein sollen; das richtige\nMaass ihrer Anwendung liegt in dem Gefühl des Diri-\ngenten und lässt sich nicht metronomisch vorschreiben.\nSchliesslich wollen wir über das Tempo des ersten Alle-\ngro's nur noch bemerken, dass die episodischen Sätze des-\nselben S. 11 und S. 36 u. s. w. doch wohl einen Jeden,\nder die Bewegung des Thema's zu schnell genommen, auf\ndas rechte Maass zurückführen werden, es müsste ihm\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.4", "texte": "denn alles Versländniss und Gefühl Für melodischen Aus-\ndruck des Elegischen abgehen, das Beethoven durch jene\nSätze mit dem poetischen Hauptgedanken so schön und\nzugleich so echt musicalisch contrastirend verbindet.\nGehen wir nun zu dem Vortrage des Einzelnen über.\nMan kann wohl behaupten, dass der dynamische Aus-\ndruck, abgesehen von Licht und Schatten und deren Ab-\nstufungen durch forte, piano, crescendo, decrescendo\nu. s. w., in Bezug auf Accentuation in keiner Compo-\nsition Beethoven's so eigentümlich angewandt und so ge-\nnau bezeichnet ist, als in dem ersten Satze der heroischen\nSinfonie. Niemals ist vor Beethoven und auch niemals von\nihm selbst vor der Composition dieser Sinfonie der Rhyth-\nmus mit einer solchen geistigen Freiheit behandelt und die\nAccentuation als eine so wesentliche und charaktergebende\nangewandt worden. Sie ist es hauptsächlich, welche diesem\nSatze das Gepräge eines individuellen Lebens durch eigen-\ntümliche Beseelung der Töne gibt.\nBetrachten wir zunächst das Thema in dieser Bezie-\nhung, und wir werden erstaunen über die Mannigfaltig-\nkeit der dynamischen Behandlung des ganzen Thema's und\nseiner einzelnen Bestandtheile.\nNach den ersten zwei Accorden, die nicht bloss die\nTonart feststellen, sondern zugleich etwas Entschiedenes,\nKräftiges ankündigen (wie unpassend wäre hier eine In-\ntroduction gewesen, die z. B. in der 11., IV. und VII. Sin-\nfonie ganz an der Stelle ist), tritt es und mit\nder gewöhnlichen, regelmässigen Betonung der guten\nTacltheile (die man überhaupt in der Musik Quantitäts-\nmessung im Gegensatze zur Accentuation nennep könnte)\nauf:\nEben so gleich darauf in Horn und Clarinette und dann\nfortissimo im Tutti (S. 4). Hier aber erscheint schon bei\nder Erweiterung ein anderer Accent:\nDann S. 10 ein verschiedener im Violoncell und in der\nVioline:\nS. 22 erst accentlos in C-moll, dann mit dem Crescendo\nauf dem Auftact:\nIn der Steigerung des zweiten S. 25 wird aber auf ein-\nmal das letzte Viertel accentuirt:\nSeite 39 erscheint das Thema in C-dur forte zum\nersten Male mit einem Staccato:\nBei dieser Stelle müssen wir auf einen feinen Effect\naufmerksam machen, der fast immer verwischt wird. Beet-\nhoven lässt bei den zwei letzten Tacten zur Verstärkung\ndes entschiedenen Rhythmus der drei scharf gestossenen\nTacttheile die Hörner mit gebenfalls in Vierteln bis zu\ndem sfa einfallen, und dieses Sforzando des Tutti's hört\nman freilich ganz deutlich, aber das imitirende der\nTrompeten allein zwei Tacte später auf eben dem\nletzten Viertel, während die Hörner aushalten und die\nübrigen Instrumente die absteigende Figur in Achteln und\nSechszehnteln ausführen, hört man gewöhnlich nicht.\nEben so wiederholt sich dasselbe in\nWeiterhin finden wir S. 43, wo das erste Fagott das\nThema in B-durbringt, eine neue Accentuation des drit-\nten Tactes in der Wiederholung desselben durch die Vio-\nlinen :\nDer berühmte Einsatz des zweiten Horns (S. 47) mit\nden zwei ersten Tacten des Thema's als fern her wie\n\n*) Beiläufig gesagt, möchten wir wohl einmal hören, wie die\nBässe bei übereiltem Tempo dieses Crescendo auf dem ei-\nnen Viertel herausbringen wollen!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.5", "texte": "Ahnung erklingende Andeutung der Wiederkehr des\nHauptgedankens muss jedenfalls ligato vorgetragen werden,\nwiewohl die Bogen über den Noten in der Hornstimme\n(Original-Ausgabe; Vienna, presso A. Steiner Co.) und\nin der Simrock'schen Partitur fehlen—wahrscheinlich aus\nUnachtsamkeit. Denn alle Anklänge an das Thema in der\nSchluss-Periode (von S. 43 an) der prächtigen Durchfüh-\nrung sind in allen Blas-Instrumenten bezeichnet\n(auch im zweiten Horn selbst etwa dreissig Tacte vorher,\nS. 44), und das vorgezeichnete so wie der einzige\nSinn, den die Stelle haben kann, sprechen entscheidend\nfür den gebundenen Vortrag. Könnte hier von einem hu-\nmoristischen Witz die Rede sein, so wäre es was Ande-\nres; zu einem solchen würde aber der getrennte Vortrag\ndie Stelle verkehren.\nIn dem folgenden Solo des ersten Horns in F-dur und\ndarauf der Flöte in Des-dur ist das Thema zum ersten\nMale mit dolce bezeichnet. Wir haben dieses reizende In-\ntermezzo zwischen dem einfachen Wiedereintritt des Es-\nÄr-Thema's im Violoncell (S. 48) und dem Vollklang des-\nselben im Tutti (S. 50) stets als eine der grössten Schön-\nheiten des ganzen Satzes bewundert. Man vergleiche diese\nzwanzig Tacte nur mit jenen, die im Anfang des Allegro's\nebenfalls beide Momente das einfache Thema und seine\nAusstrahlung im Tutti trennen und zugleich verbinden.\nDort tritt der beginnenden Heldenbahn, dem Aufwärts-\nstreben eine hemmende, herab- und zurückdrängende Ge-\nwalt entgegen:\nDie scharf betonten Synkopen stellen sich wie Felsstücke\ndem Strom entgegen, die er mit Macht durchbrechen\nmuss; hier ist Alles anders, der wilde Kampf ist vorüber,\ndie starrsten Klippen sind überstiegen und es öffnet sich\nein anmuthiges Thal, das die Segnungen des Friedens, die\nFrucht des Sieges ahnen lässt. Die Melodie, den weichsten\nInstrumenten— und Flöte—zum süssen, sanft in-\nnigen, ruhigen Vortrag [dolce)anvertraut, bleibt auf dem\nHöhepunkt des Thema's ruhen:\nes weilt der Blick auf den sanften Abhängen, während die\nMandolinenklänge des Pizzicato's im Bass und dann in der\nersten Violine einen neuen überraschenden Reiz darbieten,\nzumal da, wo sie einen Tact später die aufsteigende Me-\nlodie des Horns und der Flöte nachahmend wiederholen:\nWir werden dieser feinen Imitation noch einmal begeg-\nnen. Der Vortrag der ganzen Stelle, die übrigens vorzugs-\nweise mit zu denen gehört, deren Wirkung ein zu\nschnelles Tempo vernichtet, muss übrigens fern von\naller Ziererei und Sentimentalität bleiben, das dolce muss\nhauptsächlich in der Weichheit des Tones liegen; je ein-\nfacher, ja, je accenlloser was namentlich auch von den\nPizzicato's gilt die Töne dahinschweben, desto wunder-\nbarer werden sie ins Gemüth hineinklingen. Ein schwa-\nches Crescendo auf dem gehaltenen (und ist die ein-\nzige Schattirung, die hier an der Stelle ist.\nAber im letzten Tacte des Flöten-Solo's modulirt das\nOrchester decrescendo nach dem Septimen-Accord von B,\nder leise, unbetonte Anklang des Thema's in der Tiefe\n(S. 50) klingt wie eine Mahnung, den Heldenlauf zu voll-\nenden, und so eilt mit steigender Begeisterung Alles dem\nTutti zu, in welchem das Thema nun wieder in der Haupt-\nTonart seine Schwingen entfaltet. Aber sein Flug steigert\nsich noch mehr, die Accente auf und auf im vierten\nund sechsten Tacte und das piü in den vier folgen-\nden, Tacten drängen fort und fort, bis es im\n(S. 51) mit vollstem Glanz in einer Vollstimmigkeit mit\nPaukenwirbel und hohen Trompeten erscheint, wie sie\nnoch nicht da gewesen ist, und was die Hauptsache ist\nmit dem Accent in allen Instrumenten, was auch\nnoch nicht dagewesen, auf das dritte Viertel:\nwobei denn nun auch in allen Instrumenten das\nverschwindet, weil es zu der hier entwickelten Kraft nicht\npasst.\nEs findet aber zuletzt im Coda wieder seine Stelle\n(S. 73). Wir haben das Coda in Bezug auf das ruhige\nTempo schon oben erwähnt; hier müssen wir aber auf die\nnoch einmal veränderte Accentuation des Vortrags im\nThema aufmerksam machen. Das Thema erscheint hier\nim Horn zuerst als eine Erinnerung an den heroischen\nGedanken, von welchem Alles ausgegangen; die Violin-\nFigur umgaukelt es gleichsam mit dem freudigen Gefühl\nüber das Gelungene. Sein Ausdruck mildert den entschie-\ndenen Willen zu innerer Zufriedenheit, die Melodie bleibt\nhier, wie bei dem Solo im (S. 48), das eine ähn-\nliche Seelenstimmung wiedergibt, auf dem hohen im\nvierten Tact ruhen. Damit aber dieser Ausdruck nicht ver-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.6", "texte": "Loren gehe, soll das letzte Viertel vor dem gehaltenen b\nabgesetzt werden, und der dritte Tact erscheint nun so:\nDazu tritt in Tact 4 die imitirende Oboe mit dem zwei-\nten Horn:\nin derselben Vortragsweise, die im Horn noch geschärft\nist (erinnernd an das Pizzicato der Violoncelle in der Stelle\nS. 48). Die Violinen nehmen das Thema ebenfalls so auf:\nwährend es alle drei Hörner, die Violinen um einen Tact\nspäter imitirend, zum ersten Male in vollen Dreiklän-\ngen bringen und es in dieser siegverkündenden Klarheit\nseinen ursprünglichen Vertretern, den Bässen und Brat-\nschen zuführen, die es mit der alten, stets wachsenden Kraft\ndurch den Jubel der Flöten-, Oboen-, Clarinett- und Fa-\ngott-Figuren durchklingen lassen, bis sie selbst in diesen\nJubel fallen und es den Trompeten und allen hellstimmi-\ngen Bläsern überlassen, es zum triumphirenden Hymnus\nzu gestalten. Aber die Accentuation auf das dritte Vier-\ntel fällt weg, trotz derselben Kraftentwicklung wie auf\nS. 51, denn es ist nicht mehr vom Brechen des Wider-\nstandes die Rede, sondern allein von strahlender Glorie.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Dresden.\nDie Wirksamkeit des neuen General-Directors des\nköniglichen Hoftheaters, des Herrn von Könneritz, hat\nmit dem Frühjahr begonnen.\nIn den drei ersten Monaten April bis Juli wurden fol-\ngende Opern gegeben: Figaro's Hochzeit, Zauberllöte,\nFreischütz, Euryanthe, Oberon, Robert der Teufel, Dino-\nrah, Rienzi, Tannhäuser, Lohengrin, Stradella, Wilhelm\nTeil, Der Barbier von Sevilla, Die Stumme, Fra Diavolo,\nDie weisse Dame, Johann von Paris, Norma, Die Nacht-\nwandlerin, Lucia, Der Troubadour, Orpheus in der Un-\nterwelt, Fortunio's Lied. Trauer- und Schauspiele:\nHamlet, Iphigenie, Götz von Berlichingen, Torquato Tasso,\nFaust, Don Carlos, Cabale und Liebe, Wilhelm Teil, Die\nJungfrau von Orleans, Das Käthchen von Heilbronn (in\nder veralteten Holbein'schen Bearbeitung), Medea, Zopf\nund Schwert, Der Erbförster, Philippine Welser, Gott-\nsched und Geliert, Dorf und Stadt, Die Marquise von Vil-\nlette, Lorberbaum und Bettelstab. Ferner 27 Lustspiele\nund Possen.\nEin Fortschritt ist die wöchentliche Bekanntmachung\ndes Repertoires mit der Liste der beurlaubten oder er-\nkrankten Bühnen-Mitglieder. Frau Bürde-Ney soll sehr\nglückliche Resultate für ihre Gesundheit durch den länge-\nren Aufenthalt zu Montreux am Genfer See erzielt haben\nund wird im Laufe des August, wie es heisst, wieder auf-\ntreten.\nIn der beabsichtigten Herabsetzung der Orche-\nsterstimmung ist wieder ein Stillstand eingetreten. Es\nwurden Versuche durch Probirung älterer Opern mit\ntieferer Stimmung gemacht, welche die Beauftragten be-\nfriedigten; bei neueren Opern, z. B. Marschner's Temp-\nler, vermisste man die höhere Stimmung, die für die Wir-\nkung durchaus nothwendig schien. Trotzdem erklärte die\nvon Herrn von Könneritz angeordnete Commission, dass\neine Herabsetzung nothwendig sei. Sollte diese aber durch-\ngreifend nützen, so müsse man unter die pariser Stim-\nmung gehen. Da nun unsere jetzige in Dresden nur um\n12 —l4 Schwingungen höher sei, als die pariser, so werde\nman gut thun, die Erfahrungen an anderen Theatern ab-\nzuwarten.\n\nDie Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nDie Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main, begrün-\ndet bei dem im Jahre 1838 dahier veranstalteten Sänger-\nfeste, beabsichtigt bei ihrer im Juni 1863 Statt finden-\nden fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier ein Sti-\npendium zu vergeben. Es kommen hierbei nachfolgende\nBestimmungen der Statuten in Betracht:\n§. 1. Die Mozart-Stiftung bezweckt Unterstützung mu-\nsicalischer Talente bei ihrer Ausbildung in der Composi-\ntionslebre.\n§. 2. Jünglinge aus allen Ländern, in denen die deut-\nsche Sprache die Sprache des Volkes ist, können diese\nUnterstützung in Anspruch nehmen, wenn sie unbeschol-\ntenen Rufes sind und besondere musicalische Befähigung\nbesitzen.\n§. 25. Bewerbungen um das Stipendium werden in\nfrankirten Zuschriften bei dem Ausschusse gemacht; die-\nselben müssen nebst Angabe des Alters mit Zeugnissen\nüber die musicalischen Fähigkeiten und Leistungen des\nBewerbers begleitet sein."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.7", "texte": "§. 26. Genügen Zeugnisse und Erkundigungen, so\nwird der Bewerber vom Ausschuss aufgefordert, seine mu-\nsicalische Befähigung durch die That nachzuweisen.\n§. 27. Dem Bewerber wird die Composition eines\nvom Ausschuss bestimmten Liedes und eines Instrumental-\nQuartettsatzes übertragen.\n§. 29. Drei Musiker von anerkannter Autorität üben\ndas Amt der Preisrichter.\n§. 33. Der erwählte Stipendiat wird sodann nach\nWahl des Ausschusses, wobei jedoch der Wunsch des\nSchülers möglichst berücksichtigt werden soll, einem Mei-\nster in der Compositionslehre zum Unterricht übergeben.\nWir laden nunmehr zur Anmeldung bei uns binnen\nzwei Monaten von untengesetztem Datum an alle die-\njenigen ein, welche geneigt und nach obigen Vorschriften\ngeeigenschaftet sind, sich um das Stipendium zu bewerben.\nZugleich ersuchen wir alle verehrlichen Redactioncn deut-\nscher Zeitungen, dieser Bekanntmachung zu deren mög-\nlichster Verbreitung einen Platz in ihren Blättern vergön-\nnen zu wollen, und sind dafür zum Voraus dankbar ver-\npflichtet.\nFrankfurt am Main, den 5. August 1862.\nDer Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-\nStiftung.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Vor einiger Zeit war bekanntlich davon die Rede, dass\nauch aus dem hiesigen Dome die musicalische Messe mit\nOr ehester-Begleitung entfernt werden sollte. Die Thatsaclien\nsprachen jedoch dagegen. Jetzt erfahren wir durch die „Niederrhei-\nnische Volks-Zeitung\" Nr. 234, dass am 12. August im Dome eine\nProbe zu dem Hochamt bei der Jubelfeier Sr. Eminenz des Herrn\nCardinais und Erzbischofs von Geissei gehalten worden, wobei\nnur Seminaristen- und Knabenstimmen mit Begleitung der Orgel den\nGesang ausführten, was zugleich für eine Probe der Art jind Weise\ngelten sollte, wie in Zukunft der kirchliche Gesang im Dome ein-\ngerichtet werden solle. Wäre dem wirklich so, so wäre eine Stimme\naus dem Schoosse des Dombau-Vereins und der katholischen Kirche,\ndie des Herrn Prof. J. Kreuser, in Nr. 209 des Doijiblattes\nfür die Beibehaltung der vollständigen Musik um so beaclitenswer-\nther. Herr J. Kreuser sagt u. A. S. 3: „So wären wir endlich bei\ndem letzten Zwecke angekommen, dem ebenfalls der Lettner die-\nnen muss und allein dienen kann: wir meinen den musicalischen\nChor bei der musicalischen Messe. Im fünfzehnten Jahrhundert war\ndie Kirchenmusik auf gar arge Irrwege gerathen, verweltlicht und\nzum blossen Ohrenkitzel geworden. Bruder Faber aus Ulm beschreibt\nin seiner Reisefahrt (Evagatorium), wie Herren und Damen zu Ve-\nnedig fast neu aufgeklärt nach St. Marco zogen, nicht um des Got-\ntesdienstes, sondern des Concertes willen. Venedig war dazumal,\nwie jetzt mancher Ort, operntoll, und wahrscheinlich wird das\nSchlechteste am besten gefallen haben. Es ist immer die alte Ge-\nschichte aus Wieland's Abderiten. Aber Palestrina zeigte durch\nThaten, dass würdige Tonkünstler auch noch Würdiges leisten könn-\nten, und die Musica auch eine Sancta sein könne. So wurde die\nKirchenmusik unter Papst Marcellus (1555 gewählt und gestorben)\ndem Pfleger Palestrina's, gerettet, die römische Capelle (woher alle\nCapellmeister ihren Namen haben) und Rom der Mittelpunkt, Sitz\nund Vorbild der neueren, besseren Richtung. Mit den Oratorianern\nund dem heiligen Philippus Neri oder durch sie entwickelte sich\ndas Oratorium; aber diesem trat im Jahre 1624 zu Venedig ein bö-\nser Feind entgegen: die Oper, welche die heilige Tonkunst ganz\nverweltlichte, verfranzöselte und das Gefühl für Schicklichkeit so zu\nBoden schlug, dass selbst jetzt noch Viele es wohl unpassend fänden,\nwenn auf einem Balle statt des Tanzes ein Trauermarsch gespielt\nwürde, aber gar nichts darin finden, wenn der Organist in der Kir-\nche den Jungfernkranz oder sonst eine unwürdige Volksweise vor-\nträgt, oder das Heiligthum durch Tonwerke besudelt wird, die über-\nall hingehören mögen, nur nicht in die Kirche. Das Bewusstsein\ndes Kirchlichen ist sogar in der jetzigen Kunstverpöbelung so sehr\nerloschen, dass man in dem Glauben an die eigene Kunstherrlich-\nkeit es auffallend findet, wenn die Geistlichkeit ihrer Fflicht ge-\ndenkt, den Unrath wegfegt und Verordnungen erlässt, damit die\nheilige Kunst allmählich wieder in die geziemende Bahn geleitet\nwerde. Jedoch genug hiervon.\n„Je mehr der Geist sank, um so mehr vervollkommnete sich die\nWeltlichkeit, ich meine die Instrumente. Händel und Gluck hatten\nihrer noch so wenige, dass nach dem jetzigen Standpunkte die Werke\nder alten Meister für das jetzige, früher unbekannte Orchester neu\neingerichtet werden müssen. Den geliebten Fortschritten folgten bald\ndie reichen Stifter, stellten auch ihre Capellmeister an und vergrös-\nserten ihr Orchester, für welches das frühere Odeum nicht mehr ge-\nnügte. Unser Dom bekam seinen ersten Capellmeister im vorigen\nJahrhundert, und der frühere Archi-Cantor gerietli allmählich in\nRuhestand, ausser in den canonischen Hören.\n„Ich setze nun voraus, dass man mit der kirchlichen Musik nicht\nvollständig brechen wird, ferner dass es unthunlich ist, sich\nder reichen und besseren Hülfsmittel unserer Tage a b -\nzuthun und zur alten Posaune oder Serpent zurückzu-\nkehren; also entsteht die Frage: Wo erhalten wir einen passenden\nPlatz für unser reiches Orchester und den zahlreichen Gesang-\nchor? Münster hat die Frage schon beantwortet und führt seine\nMusiken auf dem Lettner (Apostelgange) aus. Im kölner Dome wird\nschwerlich auch eine andere Stelle ausfindig zu machen sein, als\neben auf dem geräumigen Lettner, und so hoffe ich auch hiermit,\nwie mit vielen anderen Gründen erwiesen zu haben, dass der Lett-\nner im künftigen vollendeten Dome ein nothwendiges und unent-\nbehrliches Stück ist und am allerwenigsten durch ein elendes, selbst\nvergoldetes Gitter ersetzt werden kann.\"\nRichard Genee, dessen kleine zierliche Operetten, vor allen\n„Der Musikfeind\", viel Glück machen, hat wieder eine neue vollen-\ndet, betitelt „Ein Trauerspiel\", welche in der berliner Friedrich-\nWilhelmstadt mit grossem Erfolg zur Aufführung kam.\nDer unter dem Namen „Akademie für die Oper\" zur Auf-\nführung noch nicht in die Oeffentlichkcit gelangter Opern in Ber-\nlin gegründete und in steter Ausdehnung begriffene Verein findet\nsich trotz bereits geschehener Einsendung einer Anzahl sehr be-\nachtenswerther Partituren veranlasst (Behufs grösserer Auswahl),\ndie Componisten zu baldigster Einsendung ihrer Opern an den Ar-\nchivar, Herrn Dr. AI sieben (Askanischer Platz 4 in Berlin), einzu-\nladen. Die Werke werden durch bühnenkundige Kunst-Notabilitäten\ngeprüft, die würdig befundenen öffentlich aufgeführt und deren\nVerfassern eine Anzahl von Bühnen-Empfehlungen zu beliebiger Be-\nnutzung übergeben. Die Statuten sind durch alle Buchhandlungen\ngratis zu beziehen. An der Spitze des \\ ereins steht jetzt der Schrift-\nsteller Baron von Ledebur und der k. Musik-Diiector Naumann."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620816-01.1.8", "texte": "Zur Prüfung eingesandt wurden bis jetzt acht Partituren (darunter\neine von Mazza in Triest); geeignet befunden wurden eine von\nMöhrung und eine von Methfessel in Winterthur.\nGounod's „Königin von Saba\", welche in Paris bekanntlich\nwenig Glück macht, soll nun doch in Darmstadt, wo auch „Faust\"\nzuerst in Deutschland aufgeführt wurde, und zwar mit dem zweiten\nActe, gegeben werden, welcher in Paris gestrichen wurde, und zwar\nnicht wegen Mangels an ausreichender Maschinerie, wie es in meh-\nreren Blättern lieisst, sondern wegen zu grosser Feuergefährlichkeit\ndes darin vorkommenden scenischen Arrangements (vgl. Niederrh.\nMusik-Zeitung Nr. 11 d. Jahrg.). Der Maschinist des darmstädter\nHoftheaters, Herr Brandt, soll bereits nach Paris geschickt worden\nsein, um die scenarischen Einrichtungen der Oper kennen zu lernen.\n(Wieder ein Beweis, wie sehr die deutschen Hoftheater die vater-\nländische Kunst fördern!)\nDie BrendeFsche Musik-Zeitung nimmt Anstoss an dem Titel\nder kürzlich in diesen Blättern erwähnten neuen Oper von Gustav\nSchmidt: „La weil für eine deutsche Oper ein französi-\nscher Titel nicht passend sei, und meint überdies, dass es vielleicht\n„L'Aureole\" oder „La Crdole\" heissen solle; nun ist aber La\nder Name einer Stadt an der Garonne im französischen Departement\nder Gironde, welche der Haupt-Schauplatz der Handlung genannter\nOper ist, und somit wohl auch der Titel derselben gerechtfertigt.\nWien. Anton Rubinstein ist hier eingetroffen und gedenkt\neinige Wochen hier zuzubringen. Seine neue Oper ist von den In-\ntendanzen in Berlin und Dresden bereits angenommen und wird in\nder kommenden Winter-Saison zur Aufführung gebracht. Ohne Zwei-\nfel wird auch die hiesige Hof-Opern-Intendanz die Gelegenheit er-\ngreifen, sich mit dem anwesenden Componisten über die Acquisition\nseines Werkes um so eher zu verständigen, als Rubinstein beim\nEntwürfe seiner neuesten Partitur vorzugsweise die wiener Sänger-\nkräfte im Auge hatte.\nEine Gesellschaft von Kunstfreunden und Musikern (unter den\nLetzteren C. G. P. Grädener, seit Anfang des Jahres Gesangs-Pro-\nfessor am hiesigen Conservatorium, G. Nottenbohn, S. Bagga) hat\nvon der Behörde die Bewilligung zur Bildung eines „Evangelischen\nChorvereins\" erlangt, dessen Haupt-Aufgabe es sein wird, an grös-\nseren Feiertagen in den hiesigen evangelischen Kirchen eine bessere\nKirchenmusik herzustellen. Zugleich wird er in seiner Eigenschaft\nals „Verein\" seinen unterstützenden Mitgliedern Productionen geben.\nEs knüpfen sich viele schöne Hoffnungen an dieses Unternehmen.\nMochte es von Seiten der hiesigen evangelischen Gemeinden lebhafte\nFörderung und Theilnahme finden!\nRubin stein hat in Wien bei den Blas-Instrumenten-Fabrican-\nten Instrumente für ein vollständiges Orchester nach der neuen\nStimmung welche zufolge kaiserlichen Befehls in Russland ein-\nzuführen ist bestellt. Dieselben sind für das kaiserlich russische\nConservatorium bestimmt, welches unter der artistischen Direction\nRubinstein's am 1. September d. J. eröffnet wird.\nDie überlebensgrosse Büste Beethovens (modellirt von Gas-\nser), vom heiligenstadter Verschönerungs-Verein bestellt und für den\nbekannten Beethoven-Weg zwischen Heiligenstadt und Grinzing be-\nstimmt, ist bereits gegossen und wird so eben ciselirt und der Voll-\nendung zugeführt.\nDer Contrabass-Virtuose und Mitglied des Hofburgtheater-Orche-\nsters Johann Hindle, ist, 70 Jahre alt, am 9. August in Wien\ngestorben. Von unbemittelten Eltern stammend, lernte er in einer\nÖffentlichen Musikschule singen und Violoncell spielen, kam später\nzu einem bürgerlichen Geigenmacher in die Lehre, wo er sich aus\neigenem Antriebe ohne alle Anleitung in den Feierstunden auf dem\nContrabass übte. Er wurde später Mitglied des Orchesters am Wie-\ndener Theater, zuletzt an jenem des Hofburgtheaters. Was die Hand-\nhabung seines Instrumentes betrifft, so zeichnete sich sein Spiel durch\nReinheit der Intonation, selbst in den höchsten Applicaturen, Klar-\nheit in den schwierigsten Passagen und eine höchst gewandte Bo-\ngenführung, gepaart mit einer seltenen Kunstfertigkeit, aus.\nIn Salzburg (Duyle'sche Buchhandlung) ist ein Katalog sämmt-\nlicher im Mozarteum befindlichen Autographen und Reliquien\nMozart' s, von Karl Moyses verfasst, erschienen.\nEin Musikfreund in Pesth, der Obergespan Herr von August,\nist im Besitze des Violoncells, worauf Kaiser Joseph 11. in engerem\nCirkel zu spielen pflegte und das er einem seiner Günstlinge\nschenkte. Das Instrument kam nachher noch in verschiedene Hände,\nnamentlich auch in die des Violoncell-Virtuosen Merk, bis es end-\nlich der jetzige Besitzer von dem Kunsthändler Johann Wagner in\nPesth für eine bedeutende Summe erwarb.\nAm 9. März starb zu Monroe in Wisconsin (Nordamerica) die\nin weiteren Kreisen bekannte und beliebte Sängerin und Schauspie-\nlerin Antonie Leissring, früher am Hoftheater in Kassel u. s. w.,\nseit zwölf Jahren mit dem Grafen Alfred Görtz-Writberg\nverheirathet."}]}