{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-09-06-01", "volume": "bmtnabi_1862-09-06_01", "ocr_sha256": "219e360e015e00cca737ff48c505b5d1875d0842de7d92c9bcb18badcbb7d522", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/09/06_01/bmtnabi_1862-09-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 443, "texte": "Inhalt.\nBemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroica(Schluss). Von L. B. Gesangfest des sieg-rheinischen Lelirer-Ver-\neins zu Brühl den 20. August 1862. Die Orgel in der Neuenkirche zu Arnstadt und deren Wiederherstellung als ein Denkmal Johann\nSebastian Bachs. lages- und Unterha 1 tungsblatt (Köln, Kölner Sängerbund, Karl Formes, Victoria-Theater Roderich Bene-\ndix' dramatische Werke Eisenstadt, Familienfest Italiänische Gesangfeste)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "285", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.2.2", "titre_corps": "Bemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroiea.", "titre_sommaire": "Bemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroiea.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.1", "debut_caractere": 445, "fin_caractere_exclue": 3549, "texte": "Bemerkungen über den Vortrag der Sinfonia\neroiea.\n\n(Schluss. S. Nr. 33, 34 und 35.)\nBei den folgenden Sälzen können wir uns kürzer fas-\nsen, da sich namentlich im Trauermarsch bei Weitem\ndie meisten Stellen mit eigentümlicher Vortragsweise als\nneue Belege zu den von uns zum ersten Allegro gemach-\nten Bemerkungen ergeben.\nMan beachte z. B. das cresund T. 14 und\n15, besonders die Stelle S. 89, welche in fünf Tacten die\nSchattirungen von cresc., decresc., cresc. sfp darbietet\n(wobei zweifelsohne in der Clarinette das erste ge-\nrade so wie in der Fagottstimme ausgeführt werden muss,\nwiewohl die Bezeichnung vergessen ist) u. s. w.; dann das\nmerkwürdige sf nach dem Solo espressivo des Violoncells\n(S. 86) mit dem folgenden piano'.\n(verglichen mit S. 115, T. 1 und 2); ferner das sf auf\ndem fisin der zweiten Flöte und zweiten Oboe (S. 111)\nals Ausdrucks-Veränderung im Haupt-Thema zugleich mit\nden Betonungen des zweiten und vierten Achtels in den\nBässen; die sf in dem Coda (S. 119) auf das synkopirte\nf, es und d in der ersten und auf d, c und c in der zwei-\nten Violine, welche der ganzen jop-Stelle gemäss nicht zu\nstark betont werden dürfen u. s. w.\nAufmerksam machen wollen wir nur noch auf die\nSechszehntel-Pause S. 91, T. 4, in den Violinen (und S.\n117):\nDass ein deutscher Paukenschläger im zehnten Tacte\nvor dem Schlüsse das §o\\o-c ppnicht durch eine Tremo-\nlando-Verzierung\nverhunzt, wie wir es ein-\nmal von einem belgischen bei einem Musikfeste in Aachen\ngehört haben, brauchen wir nicht erst zu sagen; von sol-\nchen Dingen kann man wirklich Nervenzuckungen be-\nkommen.\nEinige Kunstrichter, die sich mit dem Bau des ganzen\nunnachahmlich schönen Satzes, in welchem man nicht\nweiss, ob das Schmerzliche oder das Erhabene am ergrei-\nfendsten ausgedrückt ist, nicht ganz versöhnen können,\nvergessen, dass der Satz nicht bloss ein Trauermarsch,\nsondern zugleich das Adagio einer Sinfonie ist. Wäre\nbloss von einem Leichenzuge die Rede, so würden zu die-\nsem Zwecke auch wir den Marsch in der ils-rfw-Sonate\nvorziehen. Allein in dem Adagio der Eroica führt der\nTondichter unsere Phantasie nicht bloss zu einer feierlichen\nBestattung des Helden, sondern er erhebt sie auch am\nGrabe desselben zur Erinnerung und zum Preise dessen,\nwas der Held gethan und was ihn überlebt. Die trösten-\nden Melodieen der Oboe, Flöte und des Fagotts im\nTrio, die das forüssimoin G-dvorbereiten, weisen auf\ndie Strahlenkrone des Ruhmes hin, welche die Nachwelt\nihm darbringt, noch deutlicher im zweiten Theile, wo\ndie Hörner mit der Oboe zugleich das Motiv der vorberei-\ntenden Melodie aufnehmen, die Trompeten leise und feier-\nlich darein tönen, dann drei Tacte lang im Klange wach-\nsen und endlich immer stärker [senvpre piü forte) mit so\nwürdigem und breit heroischem Ausdruck, als sie nur\nkönnen, über dem ganzen Orchester hell aufleuchtend,\nzum hohen g emporsteigen, und dann mit allem, was\nKlang hat, in das glänzende C-dur fallen. Kann der Ein-\ndruck des Trio's unter den Umgebungen von Trauertönen\nin Moll auf das Gemüth und die Phantasie des Hörers wohl\nein anderer sein, als der angedeutete? Wir glauben es"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5496, "texte": "kaum. Uebrigens hat den Componisten gewiss auch schon\nin dem Gegensatze des Trio's in zu dem ersten Satze\nin Moll bei dem Marsche in der yls-Är-Sonate eine ähn-\nliche Idee geleitet, wie bei dem Trauermarsche in der\nSinfonie.\nHalten wir diesen Eindruck fest, dann sind auch die\nerste gewaltige Episode des kräftigen, wir möchten sagen:\ngeharnischten Fugato (S. 100 106), und die zweite\n(S. 107 109), die mit dem As ff der Bässe beginnt,\nganz am Orte, und weit entfernt, Tadel zu motiviren, ge-\nhören sie mit zu den wunderbarsten Erzeugnissen des\nBeethoven'schen Genius. In den Marsch im eigentlichsten\nSinne passen sie freilich nicht hinein, aber wohl in den\nCharakter des ganzen Satzes, und wir möchten behaupten,\ndass sie nicht nur musicalisch, sondern auch poetisch schön\nsind, denn sie regen die Gedanken an Grossartiges und\nSchwererrungenes an, und diese sind wahrlich im Adagio\neiner heroischen Sinfonie ganz an der Stelle. Dass ihre\nAusführung mit aller Kraft durchweg breit und im streng\nfest gehaltenen Tempo Statt finden muss, versteht sich von\nselbst. Bei der Wiederkehr der ersten Tacte des Thema's\nin G-mollnach dem Fugato (S. 107) achte man ja darauf,\ndass die ersten Violinen das hohe as ohne scharfen Accent\nsotto voce im sich gleich bleibenden piano aushalten (vom\n„ Ausstossen eines herzzerreissenden Schrei's\", wie einige\nAusleger meinen, ist nicht die Rede), damit das tiefe\nim schroffsten Gegensatze der Kraft auftrete. Es genügt\naber nicht, dass die Bässe diesem den Accent eines\nsforzando geben und dann im Tone nachlassen, wie man\ndas oft hört, sondern sie müssen ihren Strich so in der\nGewalt haben, dass es den ganzen Tact durch jf ertönt\nwie ein zweiunddreissigfüssiger Orgelton; eben so in\nsämmtlichen Streich-Instrumenten im folgenden Tacte. Je\nschärfer die Bässe alsdann in den folgenden Tacten nicht\nbloss jedes Mal das erste, sondern alle drei Sechszehntel\n4er Triolen ff abstossen, was bei dem langsamen Tempo\nrecht wohl möglich ist, desto erschütternder wird die Wir-\nkung sein. Es wäre möglich, dass diese Stelle, bei welcher\neine lebhafte Phantasie gleichsam die Gräber sich öffnen\nund auf den Ruf der Trompeten die gepanzerten Reiter-\nscharen heranrasseln sieht, dem Dichter von Zedlitz den\nGedanken zu seiner „Nächtlichen Heerschau\" eingegeben\nhabe. Das wäre etwas für die Bonapartisten!\nMit dem Scherzo tritt die absolute Musik ohne irgend\neine Nebenabsicht wieder in ihre Rechte. Der Satz ist wei-\nter nichts und will weiter nichts sein als der dritte Satz\neiner Sinfonie, den Beethoven aus dem Menuetto der frü-\nheren Componisten unter dem Namen Scherzo zu einer\nbedeutenden Selbstständigkeit erweitert hat. Man betrachte\nnur die sämmtlichen dritten Sätze in seinen Sinfonieen von\nder zweiten bis zur letzten, und man wird sich überzeugen,\ndass das Beethoven'sche Scherzo eine geniale Eroberung\nauf dem Gebiete der reinen Musik ist, eine Erweiterung\nder Form der Sinfonie, welche den dritten Satz derselben\nan Umfang und Durchführung den drei anderen gleich-\nstellt. Und in dem Scherzo der Eroica hat er diese Er-\noberung zum ersten Male vollkommen geltend gemacht;\ndie leitenden Gedanken darin sind rein musicalische Ge-\ndanken, und alle ohjectiven Deutungen derselben, alle\nVersuche, die aussermusicalischen Veranlassungen zum\nEinschub dieses heiteren Satzes in die ernste Heldenfeier\naufzufinden, mit Einem Worte, ihm ein Programm, das\nzum ersten und zweiten Satze stimmt, unterzulegen, sind\nnichts als Faselei. Dieses Scherzo ist und bleibt für die\nAusleger eine harte Nuss. Wenn man liest, wie H. Ber-\nlioz (in seinen Etudes analyiiques über Beethoven'sche Sin-\nfonieen) darin „Leichenspiele\" sieht, „die alle Augenblicke\ndurch Trauergedanken (!) verdüstert werden, Spiele, wie\nsie die Krieger der Iliade um die Grabhügel ihrer Anfüh-\nrer feierten\" Ulibischeff „eine Menge von Bienen, die\num den Stock schwärmen, oder von Soldatengruppen, die\nherbeieilen und sich um das Zelt des Generals drängen\"\n—Richard Wagner „die Kraft in ihrer muthigen Heiter-\nkeit, dort (im ersten und zweiten Satze) den tief und kräf-\ntig leidenden, hier den froh und heiter thätigen Menschen,\nwelche beiden Seiten der Meister im vierten Satze zu-\nsammenfasse, um uns endlich den ganzen harmonisch mit\nsich einigen Menschen zu zeigen\"—, so wird man wahr-\nlich versucht, dem Regiments-Musikmeister Recht zu ge-\nben, der da meinte, das Scherzo nach dem Trauermarsch\nsei ganz aus dem militärischen Leben gegriffen, denn auch\ner blase mit seinem Corps ein lustiges Stück, wenn sie\nvom Begräbniss eines Generals zurückmarschirten!\nMusicalisch ist das Scherzo dem ersten Satze durch\ndie Tonart und durch die drei Hörner verwandt, welchen\nhier, wie dort, namentlich im Trio, eine Hauptrolle zuge-\ntheilt ist. Ihr Solo weckt sowohl durch den Klang, als\ndurch die aufsteigende Melodie, wenn sie nicht durch über-\ntriebenes Tempo zu einem Jagdstückchen gemacht wird,\ndie Erinnerung an ähnliche Klänge und ähnlichen Auf-\nschwung in vielen Stellen des ersten Allegro s und im\nTrio des Trauermarsches. Aufgabe des Dirigenten wird\nes also vor Allem auch hier wiederum sein, ein zu schnel-\nles Tempo des ganzen Scherzo's und besonders des Trio's\nzu verhüten; es dürfte sogar beim Einsatz des letzteren\nein poco meno Allegro, wie es bei anderen Trio's (z. B.\nin der IV. Sinfonie) geradezu vorgeschrieben ist, gar nicht\nvom Uebel sein, damit den Hornisten Zeit gegeben werde,\ndie Stelle breit und würdig, nicht hopsermässig, zu blasen.\nSie sind zugleich zu erinnern, das Schluss-Viertel jedes"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4134, "texte": "Gliedes ihrer Melodie (T. 7 BT. 15 u. s. w.)\nkurz abzubrechen, damit nicht z. B. ihr ,\nTact 7, noch in den Es-dur-Accou. s. w. der Saiten-\nInstrumente hineinklinge, was besonders dann leicht der\nFall ist, wenn die Hörner weit von den Violinen entfernt\nstehen. Das Echo des Schlussfalles des Horn-Solo's in den\nGeigen und Oboen (Flöten):\nhört man gewöhnlich zu stark, besonders in den Oboen.\nUeber das sempre pianissvmo ist schon oben gesprochen.\nWir kommen nun zu dem Finale der Sinfonie, in\nwelchem B. Wagner „das klare und verdeutlichende Ge-\ngenbild des ersten Satzes\" sieht, das uns „den ganzen mit\nsich einigen Menschen zeigt\", bestehend aus der „festen\nmännlichen Individualität (das erste Haupt-Thema) und\ndem weiblichen Elemente (das zweite Thema) als über-\nwältigender Gewalt der Liebe\"! Die ganze Hohlheit\nprogrammatistischer Phraserimacherei kann sich nicht är-\nger bloss stellen, als in diesen und ähnlichen Deutungen\ndes Schlusssatzes der dritten Sinfonie; denn das Haupt-\nThema desselben (es ist nur eines, nicht zwei) war schon\nlange vorher da, ehe der erste Satz, dessen „Gegenbild\"\nes sein soll, existirte.\nDieses Thema hat seine besondere Geschichte. Seine\nursprüngliche Gestalt erscheint zuerst in der Nr. 2 von\nSechs Contretänzen. (Nach dem thematischen Ver-\nzeichniss von Breitkopf & Härtel sind diese bei Simrock\nin Bonn erschienen; uns liegen sie in der Ausgabe von\nF. P. Dunst in Frankfurt am Main vor.) Sie gehören in die\nfrüheste Zeit Beethoven's, und die Nr. 2 ragt sehr zu ih-\nrem Vortheil vor den übrigen Nummern hervor. Die er-\nsten vier Tacte sind ganz so, wie später, nur dass der\nGrundbass nicht nach bhinauf, sondern gleich herabsteigt:\nDie folgenden vier Tacte lauten so :\nalso mit einer Bratschen-Figur in der linken Hand (ohne\ndie späteren Grundbass-Noten) und einer gewöhnlicheren\nAccentuation der Melodie im vorletzten Tacte. Der zweite\nTheil ist ganz so, wie er nachher erscheint, auch eben so\nmit p, die drei Achtel mit /, die Fermate wieder mit p\nbezeichnet nur dass der Schluss-Taet noch die später\nvertilgte triviale Trommel-Figur hat:\nAlsdann finden wir das Thema bekanntlich im Finale\nder Musik zu dem Ballet „Die Menschen des Prome-\ntheus\" als erste Benutzung für Orchestermusik wieder.\nHier fussen wir auf sicherem historischem Boden; das\nBallet wurde den 28. März 1801 zum ersten Male in\nWien aufgeführt. In demselben Jahre erschien der Ciavier-\nAuszug der Musik mit der Opuszahl 24, welches die\nrichtige ist (in den Katalogen ist sie durch die Bezeichnung\nmit Op. 43 oder auch 49 in eine falsche Reihenfolge ge-\nstellt, wie dies leider sehr oft bei den Beethoven'schen\nWerken der Fall ist. Vgl. Jahrg. IX., 1861, Nr. 12 d. Bl.).\nHier hat das Thema schon die vollkommenere und in den\nSchlüssen geschmackvollere Gestalt.\nAls unmittelbares Vorbild der Bearbeitung desselben\nim Finale der Sinfonie müssen wir aber die „Fünfzehn\nVariationen für Pianoforte, dem Grafen Moriz\nLychnowski gewidmet, Op. 35\", betrachten. Sie erschie-\nnen 1803 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig, ein Jahr vor\nder Sinfonie Nr. 11. in D-dur (erste Aufführung 1804)\nund zwei Jahre vor der Sinfonie Nr. 111. (erste Auffüh-\nrung 1805, erste Ausgabe 1807).\nHier hat Beethoven in der zweiten Hälfte die ur-\nsprüngliche Bratschen-Figur in den Discant(in die Violine),\nunmittelbar unter dem zweigestrichenen der Melodie,\ngelegt und die füllenden Accorde der linken Hand gege-\nben mit den Grundnoten:\nEs ging ihm aber dabei der Gedanke auf, das Thema\ndurch eine Einleitung vorzubereiten, und diese Vorbe-\nreitung bewerkstelligte er auf eine ganz neue und geniale\nWeise, indem er sie nicht durch melodische Andeutungen\nund Hinleitungen auf dasselbe ausführte, sondern aus dem\nThema selbst das einfache harmonische Grund-Element,\ngleichsam das harmonische Skelett, nahm: den Bass, und\ndiesen mit nach und nach immer reicheren melodischen\nArabesken umwand, bis derselbe endlich durch den Hin-\nzutritt der eigentlichen Melodie sich in seiner wahren Na-\ntur und Bestimmung als Träger des reizenden Gesanges\noffenbart. Damit man aber wisse, woran man sei, schrieb\ner deutlich genug darüber: Introduzione col Basso del\nTema.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4830, "texte": "Und so lässt er denn nach dem des Es-dur-\nDreiklanges das trockene, nackte Skelett des Grundbasses\nganz leise hereinschreiten; es macht eine Pause, schlägt\ndann mit drei scharfen Achteln drein, macht wieder eine\nPause und schleicht sich wie ein Gespenst still wieder\nweg. Das heisst wahrlich dem Zuhörer etwas zu ralhen\naufgeben! Nichts kann spannender sein denn was soll\nman von dieser sonderbaren, fast schauerlichen Erschei-\nnung denken? Für ein Thema kann doch kein Mensch\ndiesen Wechsel der Tonica und Dominante nehmen,\nvollends in der zweiten Hälfte den Wechsel des Negativen\nund Positiven:\nAber nur Geduld; zunächst („$ Due\") windet sich schon\neine melodische Achtel-Figur um das Fundament; dann\nbilden zwei mit dem Bass, der in die mittlere lonregion\nverlegt wird, ein Terzett („a Tre\"\\\\ dann wird der Bass\ngar in die höchste Region versetzt, wo er sich sehr stolz\nbreit macht, während unter ihm drei andere Stimmen (na\nQuattro\") sich ziemlich ungestüm hervordrängen, bis auf\neinmal in mildem Lichte die warme, süsse Melodie eines\nThema's erscheint, und wir über ihren Reiz beinahe ver-\ngessen worden, dass wir ihr Fundament schon vier Mal\ngehört haben, wenn nicht im zweiten Theile die Ilammer-\nschläge der drei Achtel uns gar laut daran erinnerten.\nAuf dieses Thema machte Beethoven nun fünfzehn\nVariationen, denen er nach einem Largo ein Finale alla\nfuga Allegro con brio, %-Tact, als Epilog anfügt und dazu\ndie vier ersten Tacte des Basses vorn Thema zum Motiv\nnimmt. Aber auch dieses Fugato ist nichts Anderes als\neine grossartig erweiterte Vorbereitung zur Wiederkehr\ndes Ilaupt-Thema's, welches der Meister endlich vollstän-\ndig, aber mit mannigfachen begleitenden Verzierungen,\nund wohl zu merken! im Andant wiederbringt,\nwährend früher das Tempo bis zum Largo\nvace gewesen war. Zum Schlüsse steigert er es auf pracht-\nvolle, schon ganz orchestermässige Weise, indem er es in\nvollen Accorden in die mittlere Tonregion legt und die\nOberstimme in brillanten Figuren, aber immer mit kräfti-\ngem Vortrag, darüber hinstürmen lässt*).\nVergleicht man nun dieses 35. Werk mit dem Finale\ndes 55. Werkes, der Sinfonia so erhellt, dass das\nletztere nach Inhalt und Form und Charakter in dem er-\nsteren vollkommen vorgebildet ist. Die Hauptmomente des\nGanzen finden sich in beiden: die Vorbereitung oder Ein-\nleitung des Thema's durch den Bass desselben das voll-\nständige Thema selbst—, das Fugato auf die vier ersten\nTacte des Thema-Basses endlich die Wiederkehr des\nvollständigen Thema's in langsamerem Tempo. Zwei\nThema's können wir in dem Finale nicht gelten lassen;\ndie Fugato-Sätze sind nur breiter und entwickelter ausge-\nsponnene Vorbereitungen zu einer jedesmaligen Wieder-\nkehr des Thema's, zuerst in D-dur mit einer Violinen-\nund Flöten-Variation (S. 184—189), dann in C (S. 198)\nund endlich wieder in Es poco Andante (S. 211). Der\nenergische Satz in G-moll (S. 191 —198), welchem der\nBass des ganzen nicht bloss der ersten vier\nTacte, zu Grunde liegt, ist eine variationähnliche Episode.\nSo anders und grossartiger das Ganze ausgeführt ist,\nals in Op. 35, so finden sich doch auch selbst im Einzel-\nnen manche gar merkwürdige, sowohl ganz gleiche als\nähnliche Sätze. So hat z. B. die erste Violine gleich zu\ndem zweiten viertactigen Gliede des Thema's (S. 171) die\nBegleitung in Sechszehnteln gerade so, wie sie schon im\nContretanz und nachher in Op. 35 vorkommt; zu der\nWiederholung des ersten Theils vom Thema (S. 172) ha-\nben die Bässe die Figuren aus dir vierten Variation von\nOp. 35; in den fugirten Sätzen lässt sich die Aehnlichkeit\nder Anlage mit dem Allegro von Op. 35 gar\nnicht verkennen, man vergleiche nur z. B. die Umkehrung\ndes Haupt-Motivs:\ndie verschiedenen Anklänge an die Melodie des Thema's\nz. B. (S. 203):\nbald darauf eben so im zweiten und dritten Horn u. s. w.,\nwas sich Alles schon in Op. 35 findet.\nEs ist also bis zur Evidenz offenbar, dass das Finale\nder Eroica keineswegs aus der poetischen Idee, welche\nzum ersten und zweiten Satze Veranlassung gab, entstan-\nden ist, sondern dass dessen Thema und selbst die Bear-\nbeitung desselben wenigstens in den Hauptzügen schon\nvorher vorhanden war. Beethoven brauchte ein Sinfonie-\nFinale und fand, dass eine alte Lieblings-Melodie von ihm\nund auch die Art der Ausdehnung und Durchführung, die\ner ihr in einem früheren Werke für das Ciavier gegeben,\nsich vortrefflich zu einem Instrumental-Satze eignete, und\n\n*) Beiläufig gesagt, ist es uns unbegreiflich, warum unsere heuti-\ngen Pianisten, d. h. diejenigen, welche Beethoven'sche Sonaten\nund Concerte spielen, diese Variationen Op. 35 nicht öf-\nfentlich vortragen, da sie doch dadurch ihr Repertoire durch\nein wahrhaft classisclies und doch höchst glänzendes Concert-\nstück bereichern könnten, welches übrigens auch Gelegenheit\ngenug bietet, einen hohen Grad technischer Fertigkeit zu zeigen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2858, "texte": "sein Genie sorgte dafür, dass dieser Satz eine charakte-\nristische Farbe erhielt, welche das Colorit des Gemäldes\nkeineswegs verdirbt, sondern der musicalischen Einheit\nund Abrundung des ganzen Werkes vorteilhaft ist.\nUebrigens ist eine so oft wiederholte Benutzung eines\nund desselben Thema's nicht nur bei Beethoven, sondern\nwohl überhaupt in der ganzen musicalischen Literatur eine\nSeltenheit, denn die obige Analyse zeigt, dass sie weit über\nden Gebrauch hinausgeht, den andere grosse Componisten,\nz. B. Händel, von ihrem Hab' und Gut machten, wenn sie\neinzelne Stücke aus einem Werke in das andere versetz-\nten. Bei Beethoven selbst findet sich eine doppelte Be-\nnutzung eines bestimmt ausgesprochenen musicalischen Ge-\ndankens nur noch ein Mal vor, worauf A. Schindler, 1., S.\n112 der dritten Auflage, aufmerksam macht. Es betrifft\ndieser Fall den ersten Tb eil des Menuetto in\nin dem bekannten Septett Op. 20 aus dem Jahre 1800,\nwelcher sich in G-dur auch im Schlusssatz von Nr. 2 der bei-\nden kleinen Clavier-Sonaten findet, welche 1805 gedruckt\nwurden. Offenbar sind diese Sonaten aber eine weit frü-\nhere Arbeit Beelhoven's, und Schindlers Ansicht, dass\ndem Thema in G-dur der Zeit nach der Vorrang gebühre,\nist gewiss die richtige. Der zweite Theil und das Trio sind\nim Septett ganz anders, als in der Sonate.\nFür den Vortrag des Finale der Eroica bemerken\nwir, dass das Thema und dessen Begleitung beim ersten\nEintritt desselben beim crese. und sf im fünften und sechs-\nten Tacte (S. 171) den Charakter nicht verlie-\nren darf, und dass namentlich das decresc. im siebenten\nTacte in allen Instrumenten sorgfälliger, als es gewöhn-\nlich geschieht, zu beobachten ist, damit das bei der\nWiederholung recht contrastirend hervortrete. Im zweiten\nTheile des Thema's (S. 173) befindet sich in der Partitur\nein grosser Fehler, indem in der Oboe und ersten Violine\ndas decrescendo, welches erst unter das vierte Achtel ge-\nhört, schon unter dem zweiten steht. Derselbe Fehler fin-\ndet sich auch Jn der Orchesterstimme der ersten Violine,\nwährend in den Blas-Instrumenten überall die ersten drei\nAchtel richtig mit f bezeichnet sind.\nS. 184 beobachte man den oft besprochenen Einsatz\ndes Thema's mit fis piano nach den vier jf-Tacten.\nEben so S. 198 das dritte gvor dem Thema in\nAlles Uebrige ergibt sich von selbst. Nur auf das\nTempo des Poco Andante(S. 211) müssen wir noch auf-\nmerksam machen; es wird gewöhnlich zu langsam ge-\nnommen ein seltener Fall heutzutage! Man übersehe\naber das nicht; im Opus 35 ist das Gegenbild oder\nVorbild desselben Andante -con moto überschrieben, was\nzu berücksichtigen ist. Dagegen wird man wohl thun,\ndas letzte Presto nicht allzu buchstäblich zu verstehen;\nein lebhaftes Allegroist vollkommen genügend und er-\nmöglicht eine grössere Kraft in den Streich- und eine\nschärfere Accentuation in den Blas-Instrumenten.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-06-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-06_01#c014", "volume": "bmtnabi_1862-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "285", "page_fin": "286", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.2.3", "titre_corps": "Gesangfest des sieg-rheinischen Lehrer-Vereins zu Brühl den 20. August 1862.", "titre_sommaire": "Gesangfest des sieg-rheinischen Lehrer-Vereins zu Brühl den 20. August 1862.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.5", "debut_caractere": 2860, "fin_caractere_exclue": 5107, "texte": "Gesangfest des sieg-rheinischen Lehrer-Vereins zu\nBrühl den 20. August 1862.\nDer sieg-rheinische Lehrer-Verein, der von Herrn\nPfarrer Weber zu Grav-Rheindorf bei Bonn gestiftet ist\nund unter dem Präsidium dieses unermüdlich thätigen und\nfür die Sache des katholischen Kirchengesanges begeister-\nten Mannes, und der musicalischen Leitung des Herrn\nMusik-Direclors Toepler am Lehrer-Seminarium zu\nBrühl, eines eben so gründlichen Kenners der älteren\ngeistlichen Musik als trefflichen Dirigenten, bereits eine\njahrelange segensreiche Wirksamkeit übt, hielt am 20.\nAugust d. J. in Brühl eine in ihrem musicalisch-kirchli-\nchen Theile sehr würdige und erbauliche, und in der ge-\nselligen Vereinigung der Mitglieder sehr heitere und an-\nregende Feier seines in der Regel jährlichen Gesangfestes.\nDie Ausführung der Gesänge war dieses Mal dadurch\nnoch besonders anziehend, dass Herr Toepler bei seinem\nlängeren Aufenthalte in Regensburg im Herbste des vori-\ngen Jahres nicht nur Gelegenheit hatte, den lateinischen\nChoral- und harmonischen Kircbengesang, wie er dort auf\naltem Fusse wiederhergestellt ist und eifrig gepflegt wird,\nzu hören und über dessen Vortrag persönliche Unter-\nredungen mit dem vor Kurzem gestorbenen hochverdien-\nten Canonicus Dr. Proske zu pflegen, sondern auch von\ninteressanten, noch ungedruckten alten Kirchengesängen\nAbschrift zu nehmen. Seiner Mittheilung nach liegen in\nden dortigen Kirchen-Archiven noch eine Menge von mu-\nsicalischen Schätzen begraben. Durch die Güte der Herren\nDr. Mettenleiler, Chor-Dirigent Wesselack und Dom-Ca-\npellmeisler Schrems in Regensburg erhielt er mehrere\nStücke, von denen er fünf zur diesjährigen Festfeier be-\nstimmte und sie in dem Hefte: „Gesänge zum Ge-\nbrauche für die Mitglieder des sieg-rheinischen\nLehrer-Gesangvereins für das Fest im Jahre\n1862\", abdrucken liess. Es sind dieses:\n1. Gaudeamus omnes in Domino diem festum cele-\nbrantesvon Giovanelli (Ruggiero, geb. um 1560 zu\nVelletri, 1594 Nachfolger von Palestrina als Capellmeister\nan St. Peter im Vatican, starb nach 1615). Der Satz\nsteht in F-dur (wurde aber in der Tönhöhe von G ge-\nsungen) und ist durchweg achtstimmig für zwei vollstän-\ndige Chöre von Sopran, Alt, Tenor und Bass; 76 Tacte\n(4/4-Tact und 12 Tacte 3/2-Tact)."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4318, "texte": "2. Litaniae Lauretanae von Palestrina, vierstim-\nmig für Sopran, Alt, Tenor und Bass, (in der Ton-\nhöhe von B),4/j-Tact, abwechselnd vom Chor und vier\nSolostimmen gesungen, 270 Tacte.\n3. Ave Maria von J. ß. Casali (Giovanni Bat-\ntista, 1759 Capellmeister in St. Johann im Lateran zu\nRom, gestorben 1792 *j) in für zwei vollständige\nChöre, 4/4-Tact alla breve mit einem Älleluja in 74-Tact\nzusammen 127 Tacte.\n4. Adoramus te, Christe, von Or-\nlandus Lassus, in F, für vier Männerstimmen. 31\nTacte.\n5. Magnificat anima mea Dominum von Zachariis\n(Caesar de Zaccariis oder Zachriis, gegen Ende des XVI.\nJahrhunderts am baierischen Hofe zu München, war aber\nvon Cremona gebürtig. Gerber, N. Tonk.-Lexikon), für\nvier Männerstimmen kurz, vier Zeilen 4to.\nAusserdem befindet sich noch in dem Hefte ein Veni\ncreator Spiritus aus dem lütticher Antiphonarium, harmo-\nnisirt für vier Männerstimmen von Toepler.\nVon bereits gedruckten Stücken wurden von Orlan-\ndus Lassus noch gesungen: „Es sind doch selig Alle,\ndie im rechten Glauben wandeln hie\", fünfstimmig, für\nSopran, 2 Alt, Tenor und Bass und der Psalm III.:\n„Beatus vir qid timet\",für vier (der letzte Satz für fünf)\nMännerstimmen (Soli und Chor). Beide aus Commer's\nMusiea saera genommen.\nZu den lateinischen Messgesängen, welche (mit Aus-\nnahme des Kyrie) einstimmig, meist abwechselnd vom\nKinderchor und vom Männerchor ausgeführt wurden, halte\nHerr Toepler die Harmonie für die Orgelbegleitung ge-\nsetzt. Auf der Orgel trug Herr Seminarlehrer Hoffmann\nein Stück von Prescobaldi und einige recht ansprechende\nPräludien vor, wie er denn auch die Begleitung der Cho-\nralgesänge sehr gut ausführte. Ueberhaupt machten diese\neinfachen Messgesänge einen ergreifenden Eindruck, zumal\nwenn sie vom Kinderchor, der 240 Knaben und Mädchen\nzählte, angestimmt wurden.\nBringt man aber die unendlichen Schwierigkeiten in\nAnschlag, welche die getrennte Einübung in den verschie-\ndenen, oft viele Stunden weit von einander entfernten Schu-\nlen allein schon mit sich bringt, abgesehen von der poly-\nphonen Stimmführung in den mehrstimmigen Gesängen,\nwelche keineswegs leicht ins Ohr fällt, sondern rhythmisch\nund melodisch sehr sorgfältig studirt sein will, so muss\nman erstaunen, dass die Ausführungen so befriedigend\nund bei einzelnen Stücken, z. B. dem doppelchörigen\nMaria mit dem AUeluja,einem ausgezeichnet schönen Mu-\nsikslücke, wirklich sehr lobenswerth in Bezug auf Rein-\nheit und Präcision ausfielen, was jJie grösste Anerkennung\nder musicalischen Bildung und des amtlichen Eifers sämmt-\nlicher Lehrer des Kreises und den erfolgreichen Einiluss\ndes trefflichen Dirigenten auf sehr erfreuliche Weise be-\nkundete.\nEs ist keine Frage, dass der kirchliche Gesang, auf\nso ernste Weise in den Schulen betrieben, nicht nur für\ndie würdigere Feier des Gottesdienstes, sondern für das\nLeben überhaupt eine grosse Bedeutung hat, denn eine\nbessere Art, den Volksgesang zu veredeln, kann es nicht\ngeben. Auch die Streitfrage, welche gegenwärtig die ka-\ntholische Kirche in Bezug auf den musicalischen Theil des\nGottesdienstes bewegt, dürfte durch solche Beispiele, wie\nsie der sieg-rheinische Verein gibt, auf dem Wege der\nErfahrung am besten vermittelt werden. Wenn aber\nder höhere Cierus sich für diese Frage ganz besonders in-\nteressirt, so ist es auch an ihm, die Bestrebungen von\nVereinen, wie der in Rede stehende, und die Gründung\nähnlicher zu unterstützen und zu fördern, und darauf einen\nTheil seiner Einkünfte zu verwenden, denn ohne Geldmit-\ntel lässt sich die Steigerung und weitere Verbreitung des\nWirkens solcher Vereinigungen nicht erreichen. Es war\ndaher eine sehr dankbar aufzunehmende Mittheilung, welche\nder Herr Delegat des Herrn Cardinais und Erzbischofs\nvon Köln den bei dem Gesangfeste Betheiligten machte,\ndass Se. Eminenz dem Vereine zur Förderung seiner\nZwecke eine ansehnliche Beisteuer übersende.\n) Weil zwei Jahre läng Gretr y s Lehrer und gab ilim einen\nEmpfehlungabrief an einen Freund in Genf mit, des Anfangs:\n„Ich schicke Ihnen hiermit einen meiner Schüler, einen wäh-\nlen Esel in dei Musik, der nichts versteht, aber einen recht\nliebenswürdigen jungen Mann von guten Sitten.« Casali hat\nauch eine Oper, Campaspe,für Venedig (1740) geschrieben;\nsie ist verschollen, während die Opern des „wahren Esels\"\nnoch jetzt wieder in Paris in Scene gesetzt werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-06-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-06_01#c015", "volume": "bmtnabi_1862-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "287", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.2.4", "titre_corps": "Die Orgel in der Neuenkirche zu Arnstadt und deren Wiederherstellung als ein Denkmal Johann Sebastian Bach’s.", "titre_sommaire": "Die Orgel in der Neuenkirche zu Arnstadt und deren Wiederherstellung als ein Denkmal Johann Sebastian Bach’s.", "signature_source": "Heinrich Bernhard Stade ; Organist", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.6", "debut_caractere": 4320, "fin_caractere_exclue": 4853, "texte": "Die Orgel in der Neuenkirche zu Arnstadt und de-\nren Wiederherstellung als ein Denkmal Johann\nSebastian Bach’s.\n\nDa es ein schöner Charakterzug des gegenwärtigen\nGeschlechtes ist, den Meistern der Kunst innige Verehrung\nund Dankbarkeit durch Errichtung von Vereinen und Stif-\ntungen, Weihung von Denkmälern und Erinnerungszei-\nchen u. s. w. darzubringen, so war auch zu hoffen, dass\ndas Vorhaben, dem grössten Herrscher im Reiche der Töne\nund dem unerreichten Meister auf der Orgel, Johann\nSebastian Bach, durch Wiederherstellung der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2669, "texte": "Orgel, welche er in seiner ersten amtlichen Wirksam-\nkeit in Arnstadt von seinem achtzehnten Jahre an vier\nJahre lang spielte, ein Denkmal zu gründen, bei allen\nKunstgenossen und Kunstfreunden Anklang finden würde.\nDiese Hoffnung ist nicht getäuscht worden. Der in\ndiesen Blättern im vorigen Jahre erlassene Aufruf (1861,\nNr. 3, vgl. Nr. 4, S. 32) ist nicht überhört worden. Durch\nVerkauf einer Lithographie der „Bach-Orgel\" mit\nhinzugefügtem Facsimile der Handschrift von J. Seb.\nBach (s. 1861, Nr. 42, S. 335) wurden die Mittel zur\nAusführung des Vorhabens angestrebt.\nEin grosser Theil der Mitglieder des Bach-Vereins,\nviele Kunst-Institute und Gesang-Vereine in und ausser\nDeutschland und einzelne hochherzige Freunde der Kunst\nhaben unter Beifalls-Erklärungen ihre Gaben dem beab-\nsichtigten Denkmal zugewandt, und erreichen dieselben\nim Anschluss an die ansehnlichen Geschenke des regieren-\nden Herrn Fürsten von Schwarzburg-Sondershau-\nsen und an diejenigen anderer kunstsinniger Fürsten, so\nwie mit Zurechnung eines angemessenen Beitrags der\nStadt Arnstadt bereits die Höhe von über zwei Drittel\nder erforderlichen Geldmittel, so dass mit fernerer Zu-\nnahme der Theilnehmer für diesen edlen Zweck unter den\nKunstvertretern der Gegenwart das Bach-Denkmal bald\nerstehen dürfte.\nMöchten darum alle, welche sich der Tonkunst rüh-\nmen, eingedenk sein, dass Johann Sebastian Bach, der Mei-\nster aller Meister, auch ihr Meister und der Grund ist, auf\nwelchen sie bauen, und darum ihre Gaben als Zuschuss\nzu dem fehlenden Drittel und als Opfer des Dankes gegen\nden unsterblichen Kunst-Heros uns einsenden.\nDie Namen der Betheiligten werden auf einer Ge-\ndenktafel den künftigen Geschlechtern redendes Zeugniss\ngeben von der Theilnahme, welche das gegenwärtige Ge-\nschlecht dem Würdigsten unter den hochbegeisterten Trä-\ngern der Kunst zugewandt hat.\nZugleich wird die Herausgabe eines Musikwerkes als\n„Bach-Album\" beabsichtigt, um aus dessen Erlös ein\nCapital und durch dessen Zinsen die Mittel zur künftigen\nInstalthaltung der Bach-Orgel zu gewinnen.\nGeld-Beiträge unter Begleitung von Original-Com-\npositionen werden daher doppelt dankbar entgegenge-\nnommen; und indem ich hiermit noch allen hocherzigen\nMeistern und Jüngern und Verehrern der Kunst, welche\nbereits so gütig waren, dem Bach-Denkmal ihre Unter-\nstützung zuzuwenden, den wärmsten und verbindlichsten\nDank abstatte, scheide ich mit der Hoffnung, alle meine\nübrigen, dem Grossmeister der Töne, Johann Sebastian\nBach, in Verehrung ergebene Kunstgenossen dem ange-\nfangenen Werke ihre hülfreiche Hand bald bieten zu\nsehen.\nArnstadt, am 1. September 1862.\n\nHeinrich Bernhard Stade,\nStadt-Cantor und Organist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-06-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-06_01#c016", "volume": "bmtnabi_1862-09-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "287", "page_fin": "288", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.7", "debut_caractere": 2671, "fin_caractere_exclue": 5727, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* Der Kölner Sängerb und hatte am 30. August seine\ndritte diesjährige Liedertafel veranstaltet, und zwar in dem Gar-\nten und den unteren Sälen des Hotels Bellevue in Deutz. Das\nschönste Wetter begünstigte das ländliche Fest, zu dem die einge-\nladenen Damen und Herren zahlreich hinströmten und das sich\ndurch Gesänge, Instrumental-Musik, Schattenspiel-Vorstellungen, Illu-\nmination, Feuerwerk und die heiterste Geselligkeit auszeichnete und\nbis nach Mitternacht dauerte. Das Programm war im Wechsel von\nErnst und Scherz würdig gehalten, ja, einige Gesänge, wie Mendels-\n„Wasserfahrt\", Schärtlich's „Hoffnung\", Kreutzens „Tag des\nHerrn\", waren fast zu ernst für den Zweck des Abends; um so\nehrenvoller für Sänger und Publicum war es, dass auch diese Lie-\nder mit grossem Beifalle aufgenommen wurden. Am meisten schlu-\ngen Kücken's „Am Neckar, am Rhein\", Marschner's „Ich liebe, was\nfein ist\", und Mendelssohn's „Froher Wandersmann\" sowohl durch\nihren Inhalt als durch die Ausführung durch. Jedenfalls hat der\nVerein bewiesen, dass es ihm unter der Leitung des Herrn Bitter\nimmer mehr Ernst wird, auch künstlerischen Forderungen zu ent-\nsprechen.\nKarl Formes ist bei seiner Anwesenheit unter uns auf der\nRückkehr von London nach dem Schlüsse der dortigen Opern-Sai-\nson in Flotow's „Martha\" als Plumket zum Vortheil des Besitzers\nder Königshalle aufgetreten und wurde von dem vollbesetzten Hause\nmit rauschenden Ehrenbezeigungen gefeiert. Seine Leistung war in\nGesang und Spiel eine ganz vortreffliche; es that einem wohl, ein-\nmal wieder einen wirklichen Bassisten zu hören, die in der ganzen\nWelt immer seltener werden. Seine Stimme hat noch immer die\nsonore Fülle, durch welche sie sich von je her auszeichnete, ja, die\ntiefen Töne haben sogar an Klang gewonnen. Dem Vernehmen nach\nwird er zu demselben Zwecke am Montag den 8. d. Mts. noch ein-\nmal, und zwar als Figaro in Mozart's „Figaro's Hochzeit\" auf-\ntreten.\nIm Victoria-Theater ist „Das Glöckchen des Eremiten\"\n[Les Dragons de Villars)} Musik von Maillart, bereits\neinige Male mit Beifall gegeben worden. Frau L'Arronge ist die\nTrägerin der Vorstellungen; sie spielt und singt die Hauptrolle, die\nRose Friquet, recht gut; ihre grosse musicalische Sicherheit und die\ngute Schule lassen über die nicht vorzügliche Klangfarbe ihrer Mit-\ntelcöne hinwegsehen, zumal da die Höhe und alles, was sie mit hal-\nber Stimme vorträgt, recht schön und anmuthig klingt.\nRoderich Benedix' dramatische Werke erscheinen in\nzweiter Auflage. Der I. Band ist bereits ausgegeben („Das bemooste\nHaupt\" „Die Männerfeindinnen\" ?:Die Sclavin\").\nIn Eisenstadt nächst Oedenburg ward am 17. August ein\nschönes Familienfest gefeiertj nämlich der sechszigste Hochzeitstag\ndes 84jährigen fürstlich Esterhazy'schen Kammermusicus Anton\nPrinster. Im Jahre 1800 wurde derselbe, so wie sein Bruder, von\nJoseph Haydn, der zu jener Zeit den Posten eines Capellmeisters\nbeim Fürsten Nikolaus Esterliazy versah, für die eisenstädter Capelle\ngewonnen. Beide Brüder waren ausgezeichnete Virtuosen auf dem"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1502, "texte": "Waldhorn, und Keichardt nannte sie wegen ihres unvergleichlichen\nZusammenspiels „die musicalischen Dioskuren\". Der greise Jubilar\nist der älteste Bruder von Fanny Elsler's Mutter, und die berühmte\nKünstlerin, welche sich in jeder Lage, zu jeder Zeit ihrer glänzen-\nden Künstler-Laufbahn stets die gleiche Liebe und Pietät für alle\nGlieder ihrer zahlreichen Familie bewahrt hat, ,war eigens hieher-\ngekommen, um mit ihrem alten Verwandten den Tag festlich zu\nbegehen.\nBei den in Turin und Mailand projectirten Gesangfesten,\nwelche eine zahlreiche Betheiligung von Seiten der französischen\nGesangvereine finden, werden vier Concerte Statt finden und der\nErtrag derselben in Wohlthätigkeits-Cassen fliessen. Zwei der Con-\ncerte werden am 16. und 18. September in Turin, und zwar in dem\nprachtvollen Palaste Yalentino gegeben; das dritte Concert findet\nam 20. September im Scala-Theater und das vierte am 21. in der\nArena in Mailand Statt. Die italiänische Regierung stellt den fran-\nzösischen Sängern in Cette und Marseille Staatsdampfer zur Hin-\nund Rückfahrt zur Verfügung, und man hofft, dass sich die franzö-\nsischen Eisenbahnen in dieser Beziehung nicht minder wohlwollend\nzeigen werden, Eugen Delaporte, der Dirigent der pariser Or-\npheonisten, wird die Leitung der Concerte übernehmen, und der\nitaliänische Gesang, componirt von Prati, der bei dem Feste zur\nAufführung kommen soll, führt den Titel: Francia aIV Italia.\n(Wenn nur von Norden oder Süden keine Störung der Entente cor-\ndiale eintritt!)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBemerkungen über den Vortrag der Sinfonia eroica(Schluss). Von L. B. Gesangfest des sieg-rheinischen Lelirer-Ver-\neins zu Brühl den 20. August 1862. Die Orgel in der Neuenkirche zu Arnstadt und deren Wiederherstellung als ein Denkmal Johann\nSebastian Bachs. lages- und Unterha 1 tungsblatt (Köln, Kölner Sängerbund, Karl Formes, Victoria-Theater Roderich Bene-\ndix' dramatische Werke Eisenstadt, Familienfest Italiänische Gesangfeste).\n\nBemerkungen über den Vortrag der Sinfonia\neroiea.\n\n(Schluss. S. Nr. 33, 34 und 35.)\nBei den folgenden Sälzen können wir uns kürzer fas-\nsen, da sich namentlich im Trauermarsch bei Weitem\ndie meisten Stellen mit eigentümlicher Vortragsweise als\nneue Belege zu den von uns zum ersten Allegro gemach-\nten Bemerkungen ergeben.\nMan beachte z. B. das cresund T. 14 und\n15, besonders die Stelle S. 89, welche in fünf Tacten die\nSchattirungen von cresc., decresc., cresc. sfp darbietet\n(wobei zweifelsohne in der Clarinette das erste ge-\nrade so wie in der Fagottstimme ausgeführt werden muss,\nwiewohl die Bezeichnung vergessen ist) u. s. w.; dann das\nmerkwürdige sf nach dem Solo espressivo des Violoncells\n(S. 86) mit dem folgenden piano'.\n(verglichen mit S. 115, T. 1 und 2); ferner das sf auf\ndem fisin der zweiten Flöte und zweiten Oboe (S. 111)\nals Ausdrucks-Veränderung im Haupt-Thema zugleich mit\nden Betonungen des zweiten und vierten Achtels in den\nBässen; die sf in dem Coda (S. 119) auf das synkopirte\nf, es und d in der ersten und auf d, c und c in der zwei-\nten Violine, welche der ganzen jop-Stelle gemäss nicht zu\nstark betont werden dürfen u. s. w.\nAufmerksam machen wollen wir nur noch auf die\nSechszehntel-Pause S. 91, T. 4, in den Violinen (und S.\n117):\nDass ein deutscher Paukenschläger im zehnten Tacte\nvor dem Schlüsse das §o\\o-c ppnicht durch eine Tremo-\nlando-Verzierung\nverhunzt, wie wir es ein-\nmal von einem belgischen bei einem Musikfeste in Aachen\ngehört haben, brauchen wir nicht erst zu sagen; von sol-\nchen Dingen kann man wirklich Nervenzuckungen be-\nkommen.\nEinige Kunstrichter, die sich mit dem Bau des ganzen\nunnachahmlich schönen Satzes, in welchem man nicht\nweiss, ob das Schmerzliche oder das Erhabene am ergrei-\nfendsten ausgedrückt ist, nicht ganz versöhnen können,\nvergessen, dass der Satz nicht bloss ein Trauermarsch,\nsondern zugleich das Adagio einer Sinfonie ist. Wäre\nbloss von einem Leichenzuge die Rede, so würden zu die-\nsem Zwecke auch wir den Marsch in der ils-rfw-Sonate\nvorziehen. Allein in dem Adagio der Eroica führt der\nTondichter unsere Phantasie nicht bloss zu einer feierlichen\nBestattung des Helden, sondern er erhebt sie auch am\nGrabe desselben zur Erinnerung und zum Preise dessen,\nwas der Held gethan und was ihn überlebt. Die trösten-\nden Melodieen der Oboe, Flöte und des Fagotts im\nTrio, die das forüssimoin G-dvorbereiten, weisen auf\ndie Strahlenkrone des Ruhmes hin, welche die Nachwelt\nihm darbringt, noch deutlicher im zweiten Theile, wo\ndie Hörner mit der Oboe zugleich das Motiv der vorberei-\ntenden Melodie aufnehmen, die Trompeten leise und feier-\nlich darein tönen, dann drei Tacte lang im Klange wach-\nsen und endlich immer stärker [senvpre piü forte) mit so\nwürdigem und breit heroischem Ausdruck, als sie nur\nkönnen, über dem ganzen Orchester hell aufleuchtend,\nzum hohen g emporsteigen, und dann mit allem, was\nKlang hat, in das glänzende C-dur fallen. Kann der Ein-\ndruck des Trio's unter den Umgebungen von Trauertönen\nin Moll auf das Gemüth und die Phantasie des Hörers wohl\nein anderer sein, als der angedeutete? Wir glauben es"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.2", "texte": "kaum. Uebrigens hat den Componisten gewiss auch schon\nin dem Gegensatze des Trio's in zu dem ersten Satze\nin Moll bei dem Marsche in der yls-Är-Sonate eine ähn-\nliche Idee geleitet, wie bei dem Trauermarsche in der\nSinfonie.\nHalten wir diesen Eindruck fest, dann sind auch die\nerste gewaltige Episode des kräftigen, wir möchten sagen:\ngeharnischten Fugato (S. 100 106), und die zweite\n(S. 107 109), die mit dem As ff der Bässe beginnt,\nganz am Orte, und weit entfernt, Tadel zu motiviren, ge-\nhören sie mit zu den wunderbarsten Erzeugnissen des\nBeethoven'schen Genius. In den Marsch im eigentlichsten\nSinne passen sie freilich nicht hinein, aber wohl in den\nCharakter des ganzen Satzes, und wir möchten behaupten,\ndass sie nicht nur musicalisch, sondern auch poetisch schön\nsind, denn sie regen die Gedanken an Grossartiges und\nSchwererrungenes an, und diese sind wahrlich im Adagio\neiner heroischen Sinfonie ganz an der Stelle. Dass ihre\nAusführung mit aller Kraft durchweg breit und im streng\nfest gehaltenen Tempo Statt finden muss, versteht sich von\nselbst. Bei der Wiederkehr der ersten Tacte des Thema's\nin G-mollnach dem Fugato (S. 107) achte man ja darauf,\ndass die ersten Violinen das hohe as ohne scharfen Accent\nsotto voce im sich gleich bleibenden piano aushalten (vom\n„ Ausstossen eines herzzerreissenden Schrei's\", wie einige\nAusleger meinen, ist nicht die Rede), damit das tiefe\nim schroffsten Gegensatze der Kraft auftrete. Es genügt\naber nicht, dass die Bässe diesem den Accent eines\nsforzando geben und dann im Tone nachlassen, wie man\ndas oft hört, sondern sie müssen ihren Strich so in der\nGewalt haben, dass es den ganzen Tact durch jf ertönt\nwie ein zweiunddreissigfüssiger Orgelton; eben so in\nsämmtlichen Streich-Instrumenten im folgenden Tacte. Je\nschärfer die Bässe alsdann in den folgenden Tacten nicht\nbloss jedes Mal das erste, sondern alle drei Sechszehntel\n4er Triolen ff abstossen, was bei dem langsamen Tempo\nrecht wohl möglich ist, desto erschütternder wird die Wir-\nkung sein. Es wäre möglich, dass diese Stelle, bei welcher\neine lebhafte Phantasie gleichsam die Gräber sich öffnen\nund auf den Ruf der Trompeten die gepanzerten Reiter-\nscharen heranrasseln sieht, dem Dichter von Zedlitz den\nGedanken zu seiner „Nächtlichen Heerschau\" eingegeben\nhabe. Das wäre etwas für die Bonapartisten!\nMit dem Scherzo tritt die absolute Musik ohne irgend\neine Nebenabsicht wieder in ihre Rechte. Der Satz ist wei-\nter nichts und will weiter nichts sein als der dritte Satz\neiner Sinfonie, den Beethoven aus dem Menuetto der frü-\nheren Componisten unter dem Namen Scherzo zu einer\nbedeutenden Selbstständigkeit erweitert hat. Man betrachte\nnur die sämmtlichen dritten Sätze in seinen Sinfonieen von\nder zweiten bis zur letzten, und man wird sich überzeugen,\ndass das Beethoven'sche Scherzo eine geniale Eroberung\nauf dem Gebiete der reinen Musik ist, eine Erweiterung\nder Form der Sinfonie, welche den dritten Satz derselben\nan Umfang und Durchführung den drei anderen gleich-\nstellt. Und in dem Scherzo der Eroica hat er diese Er-\noberung zum ersten Male vollkommen geltend gemacht;\ndie leitenden Gedanken darin sind rein musicalische Ge-\ndanken, und alle ohjectiven Deutungen derselben, alle\nVersuche, die aussermusicalischen Veranlassungen zum\nEinschub dieses heiteren Satzes in die ernste Heldenfeier\naufzufinden, mit Einem Worte, ihm ein Programm, das\nzum ersten und zweiten Satze stimmt, unterzulegen, sind\nnichts als Faselei. Dieses Scherzo ist und bleibt für die\nAusleger eine harte Nuss. Wenn man liest, wie H. Ber-\nlioz (in seinen Etudes analyiiques über Beethoven'sche Sin-\nfonieen) darin „Leichenspiele\" sieht, „die alle Augenblicke\ndurch Trauergedanken (!) verdüstert werden, Spiele, wie\nsie die Krieger der Iliade um die Grabhügel ihrer Anfüh-\nrer feierten\" Ulibischeff „eine Menge von Bienen, die\num den Stock schwärmen, oder von Soldatengruppen, die\nherbeieilen und sich um das Zelt des Generals drängen\"\n—Richard Wagner „die Kraft in ihrer muthigen Heiter-\nkeit, dort (im ersten und zweiten Satze) den tief und kräf-\ntig leidenden, hier den froh und heiter thätigen Menschen,\nwelche beiden Seiten der Meister im vierten Satze zu-\nsammenfasse, um uns endlich den ganzen harmonisch mit\nsich einigen Menschen zu zeigen\"—, so wird man wahr-\nlich versucht, dem Regiments-Musikmeister Recht zu ge-\nben, der da meinte, das Scherzo nach dem Trauermarsch\nsei ganz aus dem militärischen Leben gegriffen, denn auch\ner blase mit seinem Corps ein lustiges Stück, wenn sie\nvom Begräbniss eines Generals zurückmarschirten!\nMusicalisch ist das Scherzo dem ersten Satze durch\ndie Tonart und durch die drei Hörner verwandt, welchen\nhier, wie dort, namentlich im Trio, eine Hauptrolle zuge-\ntheilt ist. Ihr Solo weckt sowohl durch den Klang, als\ndurch die aufsteigende Melodie, wenn sie nicht durch über-\ntriebenes Tempo zu einem Jagdstückchen gemacht wird,\ndie Erinnerung an ähnliche Klänge und ähnlichen Auf-\nschwung in vielen Stellen des ersten Allegro s und im\nTrio des Trauermarsches. Aufgabe des Dirigenten wird\nes also vor Allem auch hier wiederum sein, ein zu schnel-\nles Tempo des ganzen Scherzo's und besonders des Trio's\nzu verhüten; es dürfte sogar beim Einsatz des letzteren\nein poco meno Allegro, wie es bei anderen Trio's (z. B.\nin der IV. Sinfonie) geradezu vorgeschrieben ist, gar nicht\nvom Uebel sein, damit den Hornisten Zeit gegeben werde,\ndie Stelle breit und würdig, nicht hopsermässig, zu blasen.\nSie sind zugleich zu erinnern, das Schluss-Viertel jedes"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.3", "texte": "Gliedes ihrer Melodie (T. 7 BT. 15 u. s. w.)\nkurz abzubrechen, damit nicht z. B. ihr ,\nTact 7, noch in den Es-dur-Accou. s. w. der Saiten-\nInstrumente hineinklinge, was besonders dann leicht der\nFall ist, wenn die Hörner weit von den Violinen entfernt\nstehen. Das Echo des Schlussfalles des Horn-Solo's in den\nGeigen und Oboen (Flöten):\nhört man gewöhnlich zu stark, besonders in den Oboen.\nUeber das sempre pianissvmo ist schon oben gesprochen.\nWir kommen nun zu dem Finale der Sinfonie, in\nwelchem B. Wagner „das klare und verdeutlichende Ge-\ngenbild des ersten Satzes\" sieht, das uns „den ganzen mit\nsich einigen Menschen zeigt\", bestehend aus der „festen\nmännlichen Individualität (das erste Haupt-Thema) und\ndem weiblichen Elemente (das zweite Thema) als über-\nwältigender Gewalt der Liebe\"! Die ganze Hohlheit\nprogrammatistischer Phraserimacherei kann sich nicht är-\nger bloss stellen, als in diesen und ähnlichen Deutungen\ndes Schlusssatzes der dritten Sinfonie; denn das Haupt-\nThema desselben (es ist nur eines, nicht zwei) war schon\nlange vorher da, ehe der erste Satz, dessen „Gegenbild\"\nes sein soll, existirte.\nDieses Thema hat seine besondere Geschichte. Seine\nursprüngliche Gestalt erscheint zuerst in der Nr. 2 von\nSechs Contretänzen. (Nach dem thematischen Ver-\nzeichniss von Breitkopf & Härtel sind diese bei Simrock\nin Bonn erschienen; uns liegen sie in der Ausgabe von\nF. P. Dunst in Frankfurt am Main vor.) Sie gehören in die\nfrüheste Zeit Beethoven's, und die Nr. 2 ragt sehr zu ih-\nrem Vortheil vor den übrigen Nummern hervor. Die er-\nsten vier Tacte sind ganz so, wie später, nur dass der\nGrundbass nicht nach bhinauf, sondern gleich herabsteigt:\nDie folgenden vier Tacte lauten so :\nalso mit einer Bratschen-Figur in der linken Hand (ohne\ndie späteren Grundbass-Noten) und einer gewöhnlicheren\nAccentuation der Melodie im vorletzten Tacte. Der zweite\nTheil ist ganz so, wie er nachher erscheint, auch eben so\nmit p, die drei Achtel mit /, die Fermate wieder mit p\nbezeichnet nur dass der Schluss-Taet noch die später\nvertilgte triviale Trommel-Figur hat:\nAlsdann finden wir das Thema bekanntlich im Finale\nder Musik zu dem Ballet „Die Menschen des Prome-\ntheus\" als erste Benutzung für Orchestermusik wieder.\nHier fussen wir auf sicherem historischem Boden; das\nBallet wurde den 28. März 1801 zum ersten Male in\nWien aufgeführt. In demselben Jahre erschien der Ciavier-\nAuszug der Musik mit der Opuszahl 24, welches die\nrichtige ist (in den Katalogen ist sie durch die Bezeichnung\nmit Op. 43 oder auch 49 in eine falsche Reihenfolge ge-\nstellt, wie dies leider sehr oft bei den Beethoven'schen\nWerken der Fall ist. Vgl. Jahrg. IX., 1861, Nr. 12 d. Bl.).\nHier hat das Thema schon die vollkommenere und in den\nSchlüssen geschmackvollere Gestalt.\nAls unmittelbares Vorbild der Bearbeitung desselben\nim Finale der Sinfonie müssen wir aber die „Fünfzehn\nVariationen für Pianoforte, dem Grafen Moriz\nLychnowski gewidmet, Op. 35\", betrachten. Sie erschie-\nnen 1803 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig, ein Jahr vor\nder Sinfonie Nr. 11. in D-dur (erste Aufführung 1804)\nund zwei Jahre vor der Sinfonie Nr. 111. (erste Auffüh-\nrung 1805, erste Ausgabe 1807).\nHier hat Beethoven in der zweiten Hälfte die ur-\nsprüngliche Bratschen-Figur in den Discant(in die Violine),\nunmittelbar unter dem zweigestrichenen der Melodie,\ngelegt und die füllenden Accorde der linken Hand gege-\nben mit den Grundnoten:\nEs ging ihm aber dabei der Gedanke auf, das Thema\ndurch eine Einleitung vorzubereiten, und diese Vorbe-\nreitung bewerkstelligte er auf eine ganz neue und geniale\nWeise, indem er sie nicht durch melodische Andeutungen\nund Hinleitungen auf dasselbe ausführte, sondern aus dem\nThema selbst das einfache harmonische Grund-Element,\ngleichsam das harmonische Skelett, nahm: den Bass, und\ndiesen mit nach und nach immer reicheren melodischen\nArabesken umwand, bis derselbe endlich durch den Hin-\nzutritt der eigentlichen Melodie sich in seiner wahren Na-\ntur und Bestimmung als Träger des reizenden Gesanges\noffenbart. Damit man aber wisse, woran man sei, schrieb\ner deutlich genug darüber: Introduzione col Basso del\nTema.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.4", "texte": "Und so lässt er denn nach dem des Es-dur-\nDreiklanges das trockene, nackte Skelett des Grundbasses\nganz leise hereinschreiten; es macht eine Pause, schlägt\ndann mit drei scharfen Achteln drein, macht wieder eine\nPause und schleicht sich wie ein Gespenst still wieder\nweg. Das heisst wahrlich dem Zuhörer etwas zu ralhen\naufgeben! Nichts kann spannender sein denn was soll\nman von dieser sonderbaren, fast schauerlichen Erschei-\nnung denken? Für ein Thema kann doch kein Mensch\ndiesen Wechsel der Tonica und Dominante nehmen,\nvollends in der zweiten Hälfte den Wechsel des Negativen\nund Positiven:\nAber nur Geduld; zunächst („$ Due\") windet sich schon\neine melodische Achtel-Figur um das Fundament; dann\nbilden zwei mit dem Bass, der in die mittlere lonregion\nverlegt wird, ein Terzett („a Tre\"\\\\ dann wird der Bass\ngar in die höchste Region versetzt, wo er sich sehr stolz\nbreit macht, während unter ihm drei andere Stimmen (na\nQuattro\") sich ziemlich ungestüm hervordrängen, bis auf\neinmal in mildem Lichte die warme, süsse Melodie eines\nThema's erscheint, und wir über ihren Reiz beinahe ver-\ngessen worden, dass wir ihr Fundament schon vier Mal\ngehört haben, wenn nicht im zweiten Theile die Ilammer-\nschläge der drei Achtel uns gar laut daran erinnerten.\nAuf dieses Thema machte Beethoven nun fünfzehn\nVariationen, denen er nach einem Largo ein Finale alla\nfuga Allegro con brio, %-Tact, als Epilog anfügt und dazu\ndie vier ersten Tacte des Basses vorn Thema zum Motiv\nnimmt. Aber auch dieses Fugato ist nichts Anderes als\neine grossartig erweiterte Vorbereitung zur Wiederkehr\ndes Ilaupt-Thema's, welches der Meister endlich vollstän-\ndig, aber mit mannigfachen begleitenden Verzierungen,\nund wohl zu merken! im Andant wiederbringt,\nwährend früher das Tempo bis zum Largo\nvace gewesen war. Zum Schlüsse steigert er es auf pracht-\nvolle, schon ganz orchestermässige Weise, indem er es in\nvollen Accorden in die mittlere Tonregion legt und die\nOberstimme in brillanten Figuren, aber immer mit kräfti-\ngem Vortrag, darüber hinstürmen lässt*).\nVergleicht man nun dieses 35. Werk mit dem Finale\ndes 55. Werkes, der Sinfonia so erhellt, dass das\nletztere nach Inhalt und Form und Charakter in dem er-\nsteren vollkommen vorgebildet ist. Die Hauptmomente des\nGanzen finden sich in beiden: die Vorbereitung oder Ein-\nleitung des Thema's durch den Bass desselben das voll-\nständige Thema selbst—, das Fugato auf die vier ersten\nTacte des Thema-Basses endlich die Wiederkehr des\nvollständigen Thema's in langsamerem Tempo. Zwei\nThema's können wir in dem Finale nicht gelten lassen;\ndie Fugato-Sätze sind nur breiter und entwickelter ausge-\nsponnene Vorbereitungen zu einer jedesmaligen Wieder-\nkehr des Thema's, zuerst in D-dur mit einer Violinen-\nund Flöten-Variation (S. 184—189), dann in C (S. 198)\nund endlich wieder in Es poco Andante (S. 211). Der\nenergische Satz in G-moll (S. 191 —198), welchem der\nBass des ganzen nicht bloss der ersten vier\nTacte, zu Grunde liegt, ist eine variationähnliche Episode.\nSo anders und grossartiger das Ganze ausgeführt ist,\nals in Op. 35, so finden sich doch auch selbst im Einzel-\nnen manche gar merkwürdige, sowohl ganz gleiche als\nähnliche Sätze. So hat z. B. die erste Violine gleich zu\ndem zweiten viertactigen Gliede des Thema's (S. 171) die\nBegleitung in Sechszehnteln gerade so, wie sie schon im\nContretanz und nachher in Op. 35 vorkommt; zu der\nWiederholung des ersten Theils vom Thema (S. 172) ha-\nben die Bässe die Figuren aus dir vierten Variation von\nOp. 35; in den fugirten Sätzen lässt sich die Aehnlichkeit\nder Anlage mit dem Allegro von Op. 35 gar\nnicht verkennen, man vergleiche nur z. B. die Umkehrung\ndes Haupt-Motivs:\ndie verschiedenen Anklänge an die Melodie des Thema's\nz. B. (S. 203):\nbald darauf eben so im zweiten und dritten Horn u. s. w.,\nwas sich Alles schon in Op. 35 findet.\nEs ist also bis zur Evidenz offenbar, dass das Finale\nder Eroica keineswegs aus der poetischen Idee, welche\nzum ersten und zweiten Satze Veranlassung gab, entstan-\nden ist, sondern dass dessen Thema und selbst die Bear-\nbeitung desselben wenigstens in den Hauptzügen schon\nvorher vorhanden war. Beethoven brauchte ein Sinfonie-\nFinale und fand, dass eine alte Lieblings-Melodie von ihm\nund auch die Art der Ausdehnung und Durchführung, die\ner ihr in einem früheren Werke für das Ciavier gegeben,\nsich vortrefflich zu einem Instrumental-Satze eignete, und\n\n*) Beiläufig gesagt, ist es uns unbegreiflich, warum unsere heuti-\ngen Pianisten, d. h. diejenigen, welche Beethoven'sche Sonaten\nund Concerte spielen, diese Variationen Op. 35 nicht öf-\nfentlich vortragen, da sie doch dadurch ihr Repertoire durch\nein wahrhaft classisclies und doch höchst glänzendes Concert-\nstück bereichern könnten, welches übrigens auch Gelegenheit\ngenug bietet, einen hohen Grad technischer Fertigkeit zu zeigen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.5", "texte": "sein Genie sorgte dafür, dass dieser Satz eine charakte-\nristische Farbe erhielt, welche das Colorit des Gemäldes\nkeineswegs verdirbt, sondern der musicalischen Einheit\nund Abrundung des ganzen Werkes vorteilhaft ist.\nUebrigens ist eine so oft wiederholte Benutzung eines\nund desselben Thema's nicht nur bei Beethoven, sondern\nwohl überhaupt in der ganzen musicalischen Literatur eine\nSeltenheit, denn die obige Analyse zeigt, dass sie weit über\nden Gebrauch hinausgeht, den andere grosse Componisten,\nz. B. Händel, von ihrem Hab' und Gut machten, wenn sie\neinzelne Stücke aus einem Werke in das andere versetz-\nten. Bei Beethoven selbst findet sich eine doppelte Be-\nnutzung eines bestimmt ausgesprochenen musicalischen Ge-\ndankens nur noch ein Mal vor, worauf A. Schindler, 1., S.\n112 der dritten Auflage, aufmerksam macht. Es betrifft\ndieser Fall den ersten Tb eil des Menuetto in\nin dem bekannten Septett Op. 20 aus dem Jahre 1800,\nwelcher sich in G-dur auch im Schlusssatz von Nr. 2 der bei-\nden kleinen Clavier-Sonaten findet, welche 1805 gedruckt\nwurden. Offenbar sind diese Sonaten aber eine weit frü-\nhere Arbeit Beelhoven's, und Schindlers Ansicht, dass\ndem Thema in G-dur der Zeit nach der Vorrang gebühre,\nist gewiss die richtige. Der zweite Theil und das Trio sind\nim Septett ganz anders, als in der Sonate.\nFür den Vortrag des Finale der Eroica bemerken\nwir, dass das Thema und dessen Begleitung beim ersten\nEintritt desselben beim crese. und sf im fünften und sechs-\nten Tacte (S. 171) den Charakter nicht verlie-\nren darf, und dass namentlich das decresc. im siebenten\nTacte in allen Instrumenten sorgfälliger, als es gewöhn-\nlich geschieht, zu beobachten ist, damit das bei der\nWiederholung recht contrastirend hervortrete. Im zweiten\nTheile des Thema's (S. 173) befindet sich in der Partitur\nein grosser Fehler, indem in der Oboe und ersten Violine\ndas decrescendo, welches erst unter das vierte Achtel ge-\nhört, schon unter dem zweiten steht. Derselbe Fehler fin-\ndet sich auch Jn der Orchesterstimme der ersten Violine,\nwährend in den Blas-Instrumenten überall die ersten drei\nAchtel richtig mit f bezeichnet sind.\nS. 184 beobachte man den oft besprochenen Einsatz\ndes Thema's mit fis piano nach den vier jf-Tacten.\nEben so S. 198 das dritte gvor dem Thema in\nAlles Uebrige ergibt sich von selbst. Nur auf das\nTempo des Poco Andante(S. 211) müssen wir noch auf-\nmerksam machen; es wird gewöhnlich zu langsam ge-\nnommen ein seltener Fall heutzutage! Man übersehe\naber das nicht; im Opus 35 ist das Gegenbild oder\nVorbild desselben Andante -con moto überschrieben, was\nzu berücksichtigen ist. Dagegen wird man wohl thun,\ndas letzte Presto nicht allzu buchstäblich zu verstehen;\nein lebhaftes Allegroist vollkommen genügend und er-\nmöglicht eine grössere Kraft in den Streich- und eine\nschärfere Accentuation in den Blas-Instrumenten.\n\nL. B.\n\nGesangfest des sieg-rheinischen Lehrer-Vereins zu\nBrühl den 20. August 1862.\nDer sieg-rheinische Lehrer-Verein, der von Herrn\nPfarrer Weber zu Grav-Rheindorf bei Bonn gestiftet ist\nund unter dem Präsidium dieses unermüdlich thätigen und\nfür die Sache des katholischen Kirchengesanges begeister-\nten Mannes, und der musicalischen Leitung des Herrn\nMusik-Direclors Toepler am Lehrer-Seminarium zu\nBrühl, eines eben so gründlichen Kenners der älteren\ngeistlichen Musik als trefflichen Dirigenten, bereits eine\njahrelange segensreiche Wirksamkeit übt, hielt am 20.\nAugust d. J. in Brühl eine in ihrem musicalisch-kirchli-\nchen Theile sehr würdige und erbauliche, und in der ge-\nselligen Vereinigung der Mitglieder sehr heitere und an-\nregende Feier seines in der Regel jährlichen Gesangfestes.\nDie Ausführung der Gesänge war dieses Mal dadurch\nnoch besonders anziehend, dass Herr Toepler bei seinem\nlängeren Aufenthalte in Regensburg im Herbste des vori-\ngen Jahres nicht nur Gelegenheit hatte, den lateinischen\nChoral- und harmonischen Kircbengesang, wie er dort auf\naltem Fusse wiederhergestellt ist und eifrig gepflegt wird,\nzu hören und über dessen Vortrag persönliche Unter-\nredungen mit dem vor Kurzem gestorbenen hochverdien-\nten Canonicus Dr. Proske zu pflegen, sondern auch von\ninteressanten, noch ungedruckten alten Kirchengesängen\nAbschrift zu nehmen. Seiner Mittheilung nach liegen in\nden dortigen Kirchen-Archiven noch eine Menge von mu-\nsicalischen Schätzen begraben. Durch die Güte der Herren\nDr. Mettenleiler, Chor-Dirigent Wesselack und Dom-Ca-\npellmeisler Schrems in Regensburg erhielt er mehrere\nStücke, von denen er fünf zur diesjährigen Festfeier be-\nstimmte und sie in dem Hefte: „Gesänge zum Ge-\nbrauche für die Mitglieder des sieg-rheinischen\nLehrer-Gesangvereins für das Fest im Jahre\n1862\", abdrucken liess. Es sind dieses:\n1. Gaudeamus omnes in Domino diem festum cele-\nbrantesvon Giovanelli (Ruggiero, geb. um 1560 zu\nVelletri, 1594 Nachfolger von Palestrina als Capellmeister\nan St. Peter im Vatican, starb nach 1615). Der Satz\nsteht in F-dur (wurde aber in der Tönhöhe von G ge-\nsungen) und ist durchweg achtstimmig für zwei vollstän-\ndige Chöre von Sopran, Alt, Tenor und Bass; 76 Tacte\n(4/4-Tact und 12 Tacte 3/2-Tact)."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.6", "texte": "2. Litaniae Lauretanae von Palestrina, vierstim-\nmig für Sopran, Alt, Tenor und Bass, (in der Ton-\nhöhe von B),4/j-Tact, abwechselnd vom Chor und vier\nSolostimmen gesungen, 270 Tacte.\n3. Ave Maria von J. ß. Casali (Giovanni Bat-\ntista, 1759 Capellmeister in St. Johann im Lateran zu\nRom, gestorben 1792 *j) in für zwei vollständige\nChöre, 4/4-Tact alla breve mit einem Älleluja in 74-Tact\nzusammen 127 Tacte.\n4. Adoramus te, Christe, von Or-\nlandus Lassus, in F, für vier Männerstimmen. 31\nTacte.\n5. Magnificat anima mea Dominum von Zachariis\n(Caesar de Zaccariis oder Zachriis, gegen Ende des XVI.\nJahrhunderts am baierischen Hofe zu München, war aber\nvon Cremona gebürtig. Gerber, N. Tonk.-Lexikon), für\nvier Männerstimmen kurz, vier Zeilen 4to.\nAusserdem befindet sich noch in dem Hefte ein Veni\ncreator Spiritus aus dem lütticher Antiphonarium, harmo-\nnisirt für vier Männerstimmen von Toepler.\nVon bereits gedruckten Stücken wurden von Orlan-\ndus Lassus noch gesungen: „Es sind doch selig Alle,\ndie im rechten Glauben wandeln hie\", fünfstimmig, für\nSopran, 2 Alt, Tenor und Bass und der Psalm III.:\n„Beatus vir qid timet\",für vier (der letzte Satz für fünf)\nMännerstimmen (Soli und Chor). Beide aus Commer's\nMusiea saera genommen.\nZu den lateinischen Messgesängen, welche (mit Aus-\nnahme des Kyrie) einstimmig, meist abwechselnd vom\nKinderchor und vom Männerchor ausgeführt wurden, halte\nHerr Toepler die Harmonie für die Orgelbegleitung ge-\nsetzt. Auf der Orgel trug Herr Seminarlehrer Hoffmann\nein Stück von Prescobaldi und einige recht ansprechende\nPräludien vor, wie er denn auch die Begleitung der Cho-\nralgesänge sehr gut ausführte. Ueberhaupt machten diese\neinfachen Messgesänge einen ergreifenden Eindruck, zumal\nwenn sie vom Kinderchor, der 240 Knaben und Mädchen\nzählte, angestimmt wurden.\nBringt man aber die unendlichen Schwierigkeiten in\nAnschlag, welche die getrennte Einübung in den verschie-\ndenen, oft viele Stunden weit von einander entfernten Schu-\nlen allein schon mit sich bringt, abgesehen von der poly-\nphonen Stimmführung in den mehrstimmigen Gesängen,\nwelche keineswegs leicht ins Ohr fällt, sondern rhythmisch\nund melodisch sehr sorgfältig studirt sein will, so muss\nman erstaunen, dass die Ausführungen so befriedigend\nund bei einzelnen Stücken, z. B. dem doppelchörigen\nMaria mit dem AUeluja,einem ausgezeichnet schönen Mu-\nsikslücke, wirklich sehr lobenswerth in Bezug auf Rein-\nheit und Präcision ausfielen, was jJie grösste Anerkennung\nder musicalischen Bildung und des amtlichen Eifers sämmt-\nlicher Lehrer des Kreises und den erfolgreichen Einiluss\ndes trefflichen Dirigenten auf sehr erfreuliche Weise be-\nkundete.\nEs ist keine Frage, dass der kirchliche Gesang, auf\nso ernste Weise in den Schulen betrieben, nicht nur für\ndie würdigere Feier des Gottesdienstes, sondern für das\nLeben überhaupt eine grosse Bedeutung hat, denn eine\nbessere Art, den Volksgesang zu veredeln, kann es nicht\ngeben. Auch die Streitfrage, welche gegenwärtig die ka-\ntholische Kirche in Bezug auf den musicalischen Theil des\nGottesdienstes bewegt, dürfte durch solche Beispiele, wie\nsie der sieg-rheinische Verein gibt, auf dem Wege der\nErfahrung am besten vermittelt werden. Wenn aber\nder höhere Cierus sich für diese Frage ganz besonders in-\nteressirt, so ist es auch an ihm, die Bestrebungen von\nVereinen, wie der in Rede stehende, und die Gründung\nähnlicher zu unterstützen und zu fördern, und darauf einen\nTheil seiner Einkünfte zu verwenden, denn ohne Geldmit-\ntel lässt sich die Steigerung und weitere Verbreitung des\nWirkens solcher Vereinigungen nicht erreichen. Es war\ndaher eine sehr dankbar aufzunehmende Mittheilung, welche\nder Herr Delegat des Herrn Cardinais und Erzbischofs\nvon Köln den bei dem Gesangfeste Betheiligten machte,\ndass Se. Eminenz dem Vereine zur Förderung seiner\nZwecke eine ansehnliche Beisteuer übersende.\n) Weil zwei Jahre läng Gretr y s Lehrer und gab ilim einen\nEmpfehlungabrief an einen Freund in Genf mit, des Anfangs:\n„Ich schicke Ihnen hiermit einen meiner Schüler, einen wäh-\nlen Esel in dei Musik, der nichts versteht, aber einen recht\nliebenswürdigen jungen Mann von guten Sitten.« Casali hat\nauch eine Oper, Campaspe,für Venedig (1740) geschrieben;\nsie ist verschollen, während die Opern des „wahren Esels\"\nnoch jetzt wieder in Paris in Scene gesetzt werden.\n\nDie Orgel in der Neuenkirche zu Arnstadt und de-\nren Wiederherstellung als ein Denkmal Johann\nSebastian Bach’s.\n\nDa es ein schöner Charakterzug des gegenwärtigen\nGeschlechtes ist, den Meistern der Kunst innige Verehrung\nund Dankbarkeit durch Errichtung von Vereinen und Stif-\ntungen, Weihung von Denkmälern und Erinnerungszei-\nchen u. s. w. darzubringen, so war auch zu hoffen, dass\ndas Vorhaben, dem grössten Herrscher im Reiche der Töne\nund dem unerreichten Meister auf der Orgel, Johann\nSebastian Bach, durch Wiederherstellung der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.7", "texte": "Orgel, welche er in seiner ersten amtlichen Wirksam-\nkeit in Arnstadt von seinem achtzehnten Jahre an vier\nJahre lang spielte, ein Denkmal zu gründen, bei allen\nKunstgenossen und Kunstfreunden Anklang finden würde.\nDiese Hoffnung ist nicht getäuscht worden. Der in\ndiesen Blättern im vorigen Jahre erlassene Aufruf (1861,\nNr. 3, vgl. Nr. 4, S. 32) ist nicht überhört worden. Durch\nVerkauf einer Lithographie der „Bach-Orgel\" mit\nhinzugefügtem Facsimile der Handschrift von J. Seb.\nBach (s. 1861, Nr. 42, S. 335) wurden die Mittel zur\nAusführung des Vorhabens angestrebt.\nEin grosser Theil der Mitglieder des Bach-Vereins,\nviele Kunst-Institute und Gesang-Vereine in und ausser\nDeutschland und einzelne hochherzige Freunde der Kunst\nhaben unter Beifalls-Erklärungen ihre Gaben dem beab-\nsichtigten Denkmal zugewandt, und erreichen dieselben\nim Anschluss an die ansehnlichen Geschenke des regieren-\nden Herrn Fürsten von Schwarzburg-Sondershau-\nsen und an diejenigen anderer kunstsinniger Fürsten, so\nwie mit Zurechnung eines angemessenen Beitrags der\nStadt Arnstadt bereits die Höhe von über zwei Drittel\nder erforderlichen Geldmittel, so dass mit fernerer Zu-\nnahme der Theilnehmer für diesen edlen Zweck unter den\nKunstvertretern der Gegenwart das Bach-Denkmal bald\nerstehen dürfte.\nMöchten darum alle, welche sich der Tonkunst rüh-\nmen, eingedenk sein, dass Johann Sebastian Bach, der Mei-\nster aller Meister, auch ihr Meister und der Grund ist, auf\nwelchen sie bauen, und darum ihre Gaben als Zuschuss\nzu dem fehlenden Drittel und als Opfer des Dankes gegen\nden unsterblichen Kunst-Heros uns einsenden.\nDie Namen der Betheiligten werden auf einer Ge-\ndenktafel den künftigen Geschlechtern redendes Zeugniss\ngeben von der Theilnahme, welche das gegenwärtige Ge-\nschlecht dem Würdigsten unter den hochbegeisterten Trä-\ngern der Kunst zugewandt hat.\nZugleich wird die Herausgabe eines Musikwerkes als\n„Bach-Album\" beabsichtigt, um aus dessen Erlös ein\nCapital und durch dessen Zinsen die Mittel zur künftigen\nInstalthaltung der Bach-Orgel zu gewinnen.\nGeld-Beiträge unter Begleitung von Original-Com-\npositionen werden daher doppelt dankbar entgegenge-\nnommen; und indem ich hiermit noch allen hocherzigen\nMeistern und Jüngern und Verehrern der Kunst, welche\nbereits so gütig waren, dem Bach-Denkmal ihre Unter-\nstützung zuzuwenden, den wärmsten und verbindlichsten\nDank abstatte, scheide ich mit der Hoffnung, alle meine\nübrigen, dem Grossmeister der Töne, Johann Sebastian\nBach, in Verehrung ergebene Kunstgenossen dem ange-\nfangenen Werke ihre hülfreiche Hand bald bieten zu\nsehen.\nArnstadt, am 1. September 1862.\n\nHeinrich Bernhard Stade,\nStadt-Cantor und Organist.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* Der Kölner Sängerb und hatte am 30. August seine\ndritte diesjährige Liedertafel veranstaltet, und zwar in dem Gar-\nten und den unteren Sälen des Hotels Bellevue in Deutz. Das\nschönste Wetter begünstigte das ländliche Fest, zu dem die einge-\nladenen Damen und Herren zahlreich hinströmten und das sich\ndurch Gesänge, Instrumental-Musik, Schattenspiel-Vorstellungen, Illu-\nmination, Feuerwerk und die heiterste Geselligkeit auszeichnete und\nbis nach Mitternacht dauerte. Das Programm war im Wechsel von\nErnst und Scherz würdig gehalten, ja, einige Gesänge, wie Mendels-\n„Wasserfahrt\", Schärtlich's „Hoffnung\", Kreutzens „Tag des\nHerrn\", waren fast zu ernst für den Zweck des Abends; um so\nehrenvoller für Sänger und Publicum war es, dass auch diese Lie-\nder mit grossem Beifalle aufgenommen wurden. Am meisten schlu-\ngen Kücken's „Am Neckar, am Rhein\", Marschner's „Ich liebe, was\nfein ist\", und Mendelssohn's „Froher Wandersmann\" sowohl durch\nihren Inhalt als durch die Ausführung durch. Jedenfalls hat der\nVerein bewiesen, dass es ihm unter der Leitung des Herrn Bitter\nimmer mehr Ernst wird, auch künstlerischen Forderungen zu ent-\nsprechen.\nKarl Formes ist bei seiner Anwesenheit unter uns auf der\nRückkehr von London nach dem Schlüsse der dortigen Opern-Sai-\nson in Flotow's „Martha\" als Plumket zum Vortheil des Besitzers\nder Königshalle aufgetreten und wurde von dem vollbesetzten Hause\nmit rauschenden Ehrenbezeigungen gefeiert. Seine Leistung war in\nGesang und Spiel eine ganz vortreffliche; es that einem wohl, ein-\nmal wieder einen wirklichen Bassisten zu hören, die in der ganzen\nWelt immer seltener werden. Seine Stimme hat noch immer die\nsonore Fülle, durch welche sie sich von je her auszeichnete, ja, die\ntiefen Töne haben sogar an Klang gewonnen. Dem Vernehmen nach\nwird er zu demselben Zwecke am Montag den 8. d. Mts. noch ein-\nmal, und zwar als Figaro in Mozart's „Figaro's Hochzeit\" auf-\ntreten.\nIm Victoria-Theater ist „Das Glöckchen des Eremiten\"\n[Les Dragons de Villars)} Musik von Maillart, bereits\neinige Male mit Beifall gegeben worden. Frau L'Arronge ist die\nTrägerin der Vorstellungen; sie spielt und singt die Hauptrolle, die\nRose Friquet, recht gut; ihre grosse musicalische Sicherheit und die\ngute Schule lassen über die nicht vorzügliche Klangfarbe ihrer Mit-\ntelcöne hinwegsehen, zumal da die Höhe und alles, was sie mit hal-\nber Stimme vorträgt, recht schön und anmuthig klingt.\nRoderich Benedix' dramatische Werke erscheinen in\nzweiter Auflage. Der I. Band ist bereits ausgegeben („Das bemooste\nHaupt\" „Die Männerfeindinnen\" ?:Die Sclavin\").\nIn Eisenstadt nächst Oedenburg ward am 17. August ein\nschönes Familienfest gefeiertj nämlich der sechszigste Hochzeitstag\ndes 84jährigen fürstlich Esterhazy'schen Kammermusicus Anton\nPrinster. Im Jahre 1800 wurde derselbe, so wie sein Bruder, von\nJoseph Haydn, der zu jener Zeit den Posten eines Capellmeisters\nbeim Fürsten Nikolaus Esterliazy versah, für die eisenstädter Capelle\ngewonnen. Beide Brüder waren ausgezeichnete Virtuosen auf dem"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620906-01.1.8", "texte": "Waldhorn, und Keichardt nannte sie wegen ihres unvergleichlichen\nZusammenspiels „die musicalischen Dioskuren\". Der greise Jubilar\nist der älteste Bruder von Fanny Elsler's Mutter, und die berühmte\nKünstlerin, welche sich in jeder Lage, zu jeder Zeit ihrer glänzen-\nden Künstler-Laufbahn stets die gleiche Liebe und Pietät für alle\nGlieder ihrer zahlreichen Familie bewahrt hat, ,war eigens hieher-\ngekommen, um mit ihrem alten Verwandten den Tag festlich zu\nbegehen.\nBei den in Turin und Mailand projectirten Gesangfesten,\nwelche eine zahlreiche Betheiligung von Seiten der französischen\nGesangvereine finden, werden vier Concerte Statt finden und der\nErtrag derselben in Wohlthätigkeits-Cassen fliessen. Zwei der Con-\ncerte werden am 16. und 18. September in Turin, und zwar in dem\nprachtvollen Palaste Yalentino gegeben; das dritte Concert findet\nam 20. September im Scala-Theater und das vierte am 21. in der\nArena in Mailand Statt. Die italiänische Regierung stellt den fran-\nzösischen Sängern in Cette und Marseille Staatsdampfer zur Hin-\nund Rückfahrt zur Verfügung, und man hofft, dass sich die franzö-\nsischen Eisenbahnen in dieser Beziehung nicht minder wohlwollend\nzeigen werden, Eugen Delaporte, der Dirigent der pariser Or-\npheonisten, wird die Leitung der Concerte übernehmen, und der\nitaliänische Gesang, componirt von Prati, der bei dem Feste zur\nAufführung kommen soll, führt den Titel: Francia aIV Italia.\n(Wenn nur von Norden oder Süden keine Störung der Entente cor-\ndiale eintritt!)"}]}