{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-09-20-01", "volume": "bmtnabi_1862-09-20_01", "ocr_sha256": "a9a114ebd6c2ab690893369263cac747da2c7a01007e67f76af7d3565496f2d9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/09/20_01/bmtnabi_1862-09-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-09-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "297", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 409, "texte": "Inhalt.\nDas Wesen nnd die Nothwendigkeit der musicalischen Form. 11. Die heutigen Bühnensänger. (Schluss.) Aus Zü-\nrieh (Musik-Anfführungeij). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Stiftungsfest des kölner Männer-Gesangvereins Karlsruhe,\nmerkwürdiger Fund Plauen, Voigtländisches Sängerfest Danzig, Auszeichnung Wien, Herr Beck, Ignaz Assmayer f Eine Ju-\nbelfeier Paris, Bariton Caron, Theätre lyrique, Verdi)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-09-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "301", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.2.2", "titre_corps": "Das Wesen und die Nothwendigkeit der musicalischen Form.", "titre_sommaire": "Das Wesen und die Nothwendigkeit der musicalischen Form.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.1", "debut_caractere": 411, "fin_caractere_exclue": 3971, "texte": "Das Wesen und die Nothwendigkeit der musicalischen\nForm.\nII.\n(I. s. Nr. 37.)\nAuf einem höheren Standpunkte als das in der vori-\ngen Nummer besprochene Büchlein steht das Werk:\nElemente der Musik von Arrey von Dommer.\nMit 152 musicalischen Beispielen. Leipzig, T. 0.\nWeigel. 1862. 368 S. Gr. 8.\nWiewohl dieses weit mehr umfasst als die musicalische\nFormenlehre, so wollen wir doch, weil wir einmal bei der\nBetrachtung der Formen sind und auch die Hälfte des von\nDommer'schen Werkes diesen gewidmet ist, die Anzeige\ndesselben hier anschliessen.\nNach dem vorgedruckten Prospect hat die Verlags-\nhandlung von T. 0. Weigel in Leipzig den Plan, eine\nSammlung von Handbüchern herauszugeben, welche eine\nkunstwissenschaftliche Encyclopädie unter dem Titel: „Ele-\nmente der Kunstwissenschaft\", bilden sollen. Das\nUnternehmen wird sich vornehmlich auf die bildenden\nKünste und auf die Musik erstrecken, und im Laufe der\nnächsten zwei Jahre sollen ausser dem obigen Werke er-\nscheinen: Ernst Förster, Vorschule der Kunstgeschichte\nC. von Lützow, Geschichte der antiken Kunst G. G.\nUngewitter, Elemente der romanischen und gothischen\nBaukunst Franz Reber, Die Baukunst des Alterthums\nA. von Dommer, Geschichte der Musik.\nWenn die übrigen Werke mit eben so viel Kenntniss\nder Sache, übersichtlicher Klarheit ohne Weitschweifig-\nkeit, Freiheit von Befangenheit in Dogmen einer besonde-\nren Schule und anziehender Darstellung geschrieben sind\noder geschrieben werden (wir wissen nicht, ob von Dom-\nmer's Buch das erste der Folge ist), so können wir der\nVerlagshandlung nur Glück wünschen zu einem Unterneh-\nmen, dessen äussere Ausstattung durch schönen, scharfen\nund nicht zu kleinen Wort- und Notendruck auf Velinpa-\npier zu der Aufnahme beiträgt, welche es verdient und\ngewiss in weiten Kreisen finden wird.\nEs wird vor allen Dingen darauf ankommen, in den\nprojectirten Büchern den richtigen Grad der so genannten\nPopularität zu treffen, den wir im Allgemeinen dahin be-\nstimmen möchten, dass auf dem Fundamente der Kunst-\nwissenschaft die Elemente der Kunstlehre, die zum Ver-\nständiss des Kunstwerkes nöthig sind, so dargestellt wer-\nden, dass sie dem Freunde der Kunst dieses Verständ-\nniss vermitteln und ihn auch in Stand setzen, darauf\nweiter zu bauen, wenn Neigung und Talent dazu treiben,\naber auch so, dass sie zugleich den bereits fertigen\nKünstler durch die Gesichtspunkte, unter denen sie in\nZusammenhang mit der höheren Kunstlehre gebracht sind,\ninteressiren, und den werdenden Künstler vor dem\nHandwerk bewahren oder, wenn er demselben schon zu\nverfallen beginnt, von ihm ablenken und zu edlerer Rich-\ntung hinführen. Die Aufgabe der Popularität der Darstel-\nlung in solcher Weise befriedigend zu lösen, ist keineswegs\neine leichte Sache, zumal für den deutschen Schriftsteller,\nder sich schwerer vo:i der Fachsprache und den Fach-\nVoraussetzungen losmacht, als z. B. der französische. Da-\ngegen bewahrt aber auch den Deutschen seine Gewissen-\nhaftigkeit vor jener Oberflächlichkeit in der Kenntniss der\nSache, welche der Franzose gar oft durch die Glätte der\nForm zu verdecken weiss. Wenn nun von Dommer in der\n„Uebersicht\" sagt: „Das Kunstwerk fordert Verständniss\nalso dasjenige, was, um es ohne Hehl auszusprechen,\ndem allergrössten Theile der Kunst-Liebhaber, also denen,\nwelche nur Zeitvertreib und äusserliches Vergnügen suchen,\nso wie auch einer reichlichen Anzahl solcher Musiker, de-\nnen die Kunst nur Handwerk ist, vollständig abgeht—%\nund dann jenes Verständniss des Kunstwerkes durch sein\nBuch vermitteln will, so liegt darin, dass er eben nur in"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5153, "texte": "jenem guten Sinne des Wortes „populär\" sein will; und\ndas hat er auch unserer Meinung nach erreicht.\nDas Ganze zerfällt in folgende Abschnitte: Vor-\nbereitung. Cap. 1. Der Schall. 2. Das Tonsystem.—B.\nDie Elemente und Mittel der Ton-Darstellung.\n3. Zeitmaass. 4. Melodie. 5. Harmonie. 6. Contrapunkt.\nImitation. 7. Thema. Periodenbau. Thematische Arbeit.\nC.Die Formen. 8. Im Allgemeinen. 9. Canon und\nFuge. 10. Vocalmusik. Wesen derselben. Formen, Reci-\ntativ, Lied, Arie u. s. w. 11. Die Formen der Instrumen-\ntal-Musik: einsätzige, phantasieartige, cvklische Formen\n(Sonate—Sinfonie). 12. Kirchenmusik. Vocal- und Instru-\nmental-Musik auf dramatischem Gebiete. Cantate; Orato-\nrium (Oper); Passion.\nDie Angabe der Literatur, Nachweisung der Hülfs-\nmittel zu weiterem Studium ist nur dem ersten Abschnitt,\ndem akustischen, als besonderer Anhang zugefügt; bei den\nübrigen werden allerdings mehrere Werke im Text gele-\ngentlich angeführt bei einer zweiten Auflage dürfte je-\ndoch nach jedem Abschnitt die Angabe einer Auswahl der\nbesten Lehrbücher u. s. w. über den jedesmaligen Gegen-\nstand wünschenswerth sein, natürlich nur eine durch das\nUrtheil des Verfassers beschränkte.\nIn der Hauptfrage über die Aufgabe der Tonkunst,\nwomit dann der Streit über Inhalt und Form zusammen-\nhängt, sucht der Verfasser zu vermitteln zwischen den zwei\nAnsichten, welche die Musik, man könnte wie bei der\nMathematik sagen: in reine und angewandte zerlegen.\nMan ersieht dies zum Theil schon aus dem, was im vori-\ngen Artikel (Nr. 31) aus seinem Buche angeführt worden\nist. Capitel 8, S. 174, präcisirt er nun die Aufgabe der\nMusik auf folgende Weise:\n„Die Tonkunst soll Gefühle und durch das Ge-\nfühl Vorstellungen in uns anregen. Dieses vermag sie\nentweder\n„1. rein durch sich selbst; oder\n„2. mit Hülfe einer ihr absichtlich zu Grunde ge-\nlegten poetischen Idee; oder indem sie endlich\n„3. Objecte aus der sinnlichen Aussenwelt\nunmittelbar selbst in den Kreis ihrer Darstel-\nlung zu ziehen versucht.\"\nDas sieht nun freilich gerade so aus, als wenn der\nVerfasser in Nummer 3 der Programm-Musik ganz die-\nselbe Berechtigung zuerkenne, wie den beiden anderen\nGattungen. Dem ist aber nicht also, wie sich allenfalls aus\ndem Worte „versucht\" schon schliessen lässt. Er verwirft\ndie Programm-Musik ganz und gar und bezieht den Ver-\nsuch des Ausdrucks sinnlicher Erscheinungen bloss auf die\nso genannte Naturmalerei, welcher er übrigens auch, wie\nnatürlich, nur ein sehr beschränktes Recht einräumt.\nWenn wir also von Vermittlung sprachen, so bezieht\nsich das nur auf die versuchte Vereinigung derjenigen Mu-\nsik, welche durch irgend eine aussermusicalische Idee an-\ngeregt ist, mit der reinen oder reinmusicalischen, welche\nauch dem Verfasser, wie uns, stets die Hauptsache bleibt.\nWeil dieses letztere nun aber doch der Fall ist, hätte auch\ndie Zweitheilung des Verfahrens, durch welches die Ton-\nkunst ihre Aufgabe lös't, überhaupt schwinden können,\nindem Nummer 2 doch nur ein der reinen Musik unter-\ngeordnetes Verfahren angibt. Der Verfasser scheint aber\nim Folgenden zuweilen dahin zu neigen, für dieses zweite\nVerfahren eine volle Gleichberechtigung geltend zu ma-\nchen, womit wir nicht übereinstimmen können. Doch hö-\nren wir ihn selbst:\n„Im ersten Falle (Nr. 1) ist das Tonwerk eine reine\nDichtung in Tönen, welche allein durch lebensvolle\nSchönheit und logische Entwicklung absolut musicalischer\nGedanken in entsprechend eigentümlich charaktervollen\nund abgerundeten Formen Geist und Gemüth anregt und\nerfreut, und als Erzeugniss einer noch nicht zu einer\nvollen Klarheit über sich selbst (?) gelangten,\nzu einem deutlichen Gefühle concentrirten\nStimmung wiederum eine ähnliche Stimmung im\nHörer erweckt, ohne ihn jedoch in Stand zu setzen, über\nderen Veranlassung und eigentlichen Inhalt (?) deutliche\nRechenschaft sich geben zu können.\" (Man sieht, wie stark\nhier schon die Forderungen eines aussermusicalischen so\ngenannten „Inhalts\" in die eigentliche Definition binein-\nspielen und die im Grunde ganz unnölhigen Zusätze ver-\nanlasst haben. Auch im Folgenden, wiewohl es die Zu-\nsätze zum Theil widerlegt, ist doch auch wieder von\n„Nichtauffindenkönnen eines bestimmten Gefühls-Inhalts\"\ndie Rede. Der Verfasser nennt die Erzeugnisse jener rei-\nnen Musik „Stimmungsbilder\" und fährt dann fort:)\n„Darum entbehrt diese reine Musik noch keineswegs\nder Idealität, wir dürften sonst vielen anerkannten Meister-\nwerken von S. Bach, Haydn, Mozart und auch Beethoven\nkeinen höheren denn formalen Kunstwerth beimessen. Eine\njede Gemüthsstimmung hängt aber auf das innigste zusam-\nmen mit der ganzen Gefühlsweise des Individuums, und\ndiese ist wiederum ein Ergebniss nicht des einzelnen Mo-\nmentes, sondern des gesammten vorangegangenen\nLebens und seiner Ideen, Empfindungen und\nErfahrungen. Es kann desshalb ein Tonsatz, in welchem\nwir einen bestimmten, über sich hinausgreifenden Gefühls-\nInhalt durchaus nicht auffinden können, doch einen tiefen\nseelischen und durchaus idealen Eindruck hervorbringen\nund uns in bestimmter Weise ansprechen, weil die Stim-\nmung, aus der er entsprungen, keine rein momentane und\ndem Künstler einzig und allein eigene, sondern bei aller"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5384, "texte": "Subjectivität doch eine dem allgemeinen Seelenleben, mit-\nhin auch den damit zusammenhangenden Zeit-Ideen ange-\nhörende ist. Man hat gesagt, dass der eigentliche Stoff der\nMusik diese unbestimmten Empfindungen seien, und ihr\ndesshalb die Fähigkeit, darzustellen, überhaupt abge-\nsprochen, weil Unbestimmtes nicht dargestellt werden\nkönne. Von einer Bestimmtheit des logischen Denkens\nkann in der Musik allerdings nicht die Rede sein, sie lehnt\nim Gegentheil jeden Verstandes-Nachweis ab. Aber Ge-\nfühl und Phantasie des Künstlers können ihrer Sache sehr\ngewiss sein, ohne eine verstandesmässige Erklärung dafür\nzu haben. Uebrigens ist der Ton ziemlich verständlich,\nwenn das Ziel des dargestellten Affectes eine merklich her-\nvortretende und dem musicalischen Ausdruck zugängliche\nGemüthsbewegung ist. Auf die einzelnen Umstände eines\njeden Affectes und die Eigenheiten dessen, in dem er er-\nregt ist, kann der Tonkünstler allerdings sich nicht ein-\nlassen, und in so fern kann von völliger Deutlichkeit frei-\nlich nicht die Rede sein. Wenn die Musik also auch durch\nwiederholte Eindrücke die Empfindungen und Leidenschaf-\nten veredelt und reinigt, so kann sie darum doch auf den\nVerstand nicht wirken, wenn hiermit deutliche Einsicht\noder Erweiterung der Erkenntniss bezeichnet sein soll.\nDarum kann Niemand sagen: dieses Musikstück ist lehr-\nreich. Hierin hat man Veranlassung gefunden, der Ton-\nkunst überhaupt alle ethische Wirkung abzusprechen. [?]\n„Zweitens wurde erwähnt, dass in einem Tonstücke\ndie Absicht vorwalten könne, in einem bestimmten\nGefühlsgange eine poetische Idee zur Anschau-\nung zu bringen. In diesem Falle liegt ihm ein mit psy-\nchologischer Folgerichtigkeit planmässig geordnetes inneres\nErlebniss zu Grunde, welches mit zu durchleben das Ton-\nwerk den Hörer veranlassen soll.\n„Die Musik ist alsdann nicht mehr absichtsloser Aus-\ndruck einer unaussprechlichen Stimmung, sondern Darstel-\nlungsmittel für concrete Gefühle und Erlebnisse\nder Seele, jedoch selbstverständlich, ohne von ihrem We-\nsen und ihren natureigenen Formen als Tonkunst etwas\nzu opfern oder die von ihrer Naturbestimmung ihr gezo-\ngenen Gränzen zu überschreiten. Um jener Absicht unge-\nachtet ebenfalls reine Musik zu geben, muss der Tonkünst-\nler den Plan oder Gedanken selbst fallen lassen, aber\nden in ihm dadurch erregten Empfindungsgang\nverfolgen und im Hörer ebenfalls zu erregen suchen.\n„Es ist darum noch nicht erforderlich, dass dieses Ge-\nmüths-Ereigniss im Künstler selbst vorgehe; es kann\neben so gut ein nur gedachtes, wie durch gedanken-\nvolle Beobachtung des ausser ihm Gelegenen\nvermitteltes, dennoch aber mitempfundenes sein.\nIn jedem höher entwickelten Menschen liegt die Sehnsucht,\ndas ganze All in seine Subjectivität zurückzunehmen und\nfolglich auch mit seiner Empfindungsweise zu identificiren.\nDies ist eine der edelsten Begabungen, welche namentlich\nder productive Künstler in höchster Weise ausgebildet\nhaben muss, wenn er der Objectivität überhaupt fähig sein\nwill. Durch diese Fähigkeit des Künstlers, in seiner Em-\npfindung mit ausser ihm Gegebenen sich zu identificiren,\nvermag er Stimmungen, Leidenschaften, Gefühle und alle\nArten innerer Hergänge an sich oder wie sie an anderen\nrealen oder gedachten Personen erscheinen, mit Vorsatz\nzum Inhalt einer Kunst-Darstellung zu machen. Diese wird\nnun bereits objectiv, indem ihr ein Gefühls-Ereigniss\nunterliegen kann, welches der Künstler vielleicht nicht in\nsich selbst erlebt, sondern nur gedichtet oder beobachtet\nund mitempfunden hat.\n„In wie fern das mit der Musik verbundene\nWort im Gesänge zu deren bestimmterem Verständnisse\nbeiträgt, wird fernerhin bei der Vocal-Musik sich zeigen.\nIn der reinen Instrumental-Musik kann aber bei alledem\nder Ideengang des Werkes nur geahnt und eben so\nwenig verstandesmässig nachgewiesen werden, wie der\nStimmungsgehalt jener eines dichterischen Vorwurfs ent-\nbehrenden Musik auf bestimmte Vorstellungen sich zurück-\nführen lässt. Aber auch schon dieses, wenngleich nur ah-\nnende Miterleben verleiht dem Tonwerke eine jenes rein\nMusicalische bei Weitem überragende [?] dichterische Bedeu-\ntung, indem es mit jenem nicht nur die gleichen rein mu-\nsicalisch und formal schönen Eigenschaften gemein hat,\nsondern durch die bewusste dichterische Absicht zu einer\nnoch reicheren und interessanteren Mannigfaltigkeit sich\nentwickeln muss — ausserdem aber die Thätigkeit der\nPhantasie im Hörer nicht nur nicht beschränkt, sondern\nim Gegentheil noch lebhafter erregt. Es braucht kaum\ngesagt zu werden, dass hiermit Werke gemeint sind, an\nderen Spitze Beethoven's C -mund i>-moÄ-Symphonie\nstehen.\n„Namentlich in unserer mit specifisch musicalischer\nProductionskr.aft nichts weniger wie reich ausgestatteten\nZeit ist die Frage gestellt, ob der Instrumental-Componist\nzur Befruchtung seiner musicaiischen Phantasie nicht je-\nderzeit besser thue, ein bestimmtes Gefühls-Object für\nseine Darstellung zu wählen. (Wir möchten das Gegen-\ntheil wünschen. Hat denn der Verfasser den Unsinn, der\nmit den Ueberschriften der Musikstücke getrieben wird,\nganz vergessen?) Schon an sich lässt sich hiergegen nichts\neinwenden; überdies zeigen ja, wie bekannt, manche\nWerke eines der grössten Tonmeister offen und deutlich,\ndass ihnen ein so planmässig geordnetes Gefühls-Erlebniss,\nund zwar mit der Absicht, es durch die Musik mitempfin-\nden zu lassen, in derThat zu Grunde gelegt ist. Doch bei\n\n11"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5231, "texte": "alledem kann es uns wenigstens völlig gleichgültig sein, ob\nder Instrumental-Componist nach einem dichterischen Plane\narbeitel oder nicht, wenn nur Stoff und Durchbildung an\nsich musicalischer Natur sind und die Ausführung nicht\nan der Absicht materieller Deutlichkeit und Copisterei\nhaftet. Der Inhalt muss vollständig in Gefühl, dieses in mu-\nsicalischen Ausdruck und Form, die Seelenbewegung voll-\nständig in Tonbewegung aufgehen.\n„Wie jene reine Stimmungsmusik als die natürliche\nGrundlage aller Musik, so auch dieser höheren dichteri-\nschen angesehen werden muss, erscheint nun drittens die\nso genannte Programm-Musik, welche i hrObject\nunmittelbar in die musicalische Darstellung\nhineinziehen will, als ein Niedergang zum Unnatürli-\nchen und Unwahren. Denn abgesehen davon, die sie häu-\nfig genug der Musik an sich unzugängliche Objecte wählt,\nräumt sie auch dem blossen Verstände auf Kosten des Ge-\nfühls ein zu wesentliches Uebergewicht ein, indem sie ihn\nauffordert, dem Tonsatze Schritt für Schritt zu folgen, und\nzu begreifen, was mit dieser oder jener Periode, Accord-\nwendung, Melodie u. dgl. gemeint sei. Da das Wesen der\nMusik eine solche Zudringlichkeit schon von vorn herein\naufs bestimmteste ablehnt, gibt der Programm-Componist\neine Erklärung seines Tonstückes durch ein Gedicht oder\nsonst eine hinweisende Auseinandersetzung.\n„Ein so specialisirter Inhalt kann aber nicht versuchen\nin die Musik einzugehen, ohne ihr Zumuthungen zu stel-\nlen, welche mindestens ein völliges Verkennen ihrer Natur\nvoraussetzen lassen. Ihre sonst selbstständige Kunstform\nwird, wenn beibehalten, in den meisten Fällen reines Sche-\nma, also unwahr und völlig überflüssig, denn die Selbst-\nständigkeit der Musik selbst hat aufgehört oder wenn\nnicht, durch das Wort-Programm bestimmt, also gleich-\nfalls unfrei, wenn nicht geradezu unmusicalisch. Man darf\ndieses Verhältniss nicht mit dem des Textes zur Vocalmu-\nsik verwechseln, denn ein solcher ist von vorn herein für\ndie Verbindung mit Musik eingerichtet, fordert die Musik\nzu seiner Ergänzung.\n„Jene eigene mitschöpferische Phantasie-Thätigkeit,\nwelche das wahrhafte Tonkunstwerk, sowohl der Instru-\nmental- wie Vocal-Musik, zu einem unversiegbaren Quell\nstets neuer Gefühle und Vorstellungen und neuen Genus-\nses macht, soll der Hörer der Programm-Musik dem ein-\nseitigen Verstandes-Vergnügen, zu vergleichen, wie Dieses\noder Jenes copirt sei, aufopfern. Zu wie ausgedehnter Herr-\nschaft die an äusseren Dingen hangende Naturmalerei hier\ngelangt, beweisen manche Werke der neuesten Zeit. Und\nwelche Gegenstände den Programm-Componisten bisweilen\nbegeistern mögen, bleibe besser ununtersucht, denn die\nnicht selten grobsinnliche Musik lässt auf Anregungen von\neben nicht edlerer Natur scbliessen. Die versuchte Recht-\nfertigung, dass wir in dieser oder jener Programm-Com-\nposition nicht Copieen von der sinnlichen Aussenwelt ange-\nhörenden Gegenständen erhielten, sondern Analogieen von\nderen Einwirkungen auf das Gefühl, ist sehr leicht dadurch\nzu widerlegen, dass äussere Ereignisse (also etwa Natur-\nSchauspiele von höchster Grossartigkeit) oft eine von ihrer\neigenen Erscheinungsform ganz abweichende Gemüthsbe-\nwegung veranlassen.\n„Aus allem Vorangegangenen hat sich nun bereits zur\nGenüge deutlich ergeben, dass nur Gefühle und Stim-\nmungen, dessgleichen Ideen letztere jedoch nur, so\nweit sie durch die den Gefühlen und Bewegun-\ngen des menschlichen Herzens gesetzte Begrän-\nzung vermittelt werden können, der Musik ei-\ngene Stoffe sind.\n„Versucht die Musik wirklich, äussere Gegen-\nstände, Ereignisse, Handlungen, Naturerscheinungen\nu. a. m. malend nachzuahmen, so greift sie in ein ihr frem-\ndes Gebiet über und begibt sich hiedurch ihrer eigentli-\nchen Bedeutung, indem sie den ihr natureigenen Inhalt\neinem fremden opfert, den sie höchstens mit äusserlich de-\ncorativem Schein, niemals aber mit innerer Wesentlichkeit\ndarstellen kann. Sie hat den Zweck, solche Bewegungen\nin der Seele hervorzurufen, welche nicht bloss auf der\nwahrgenommenen Uebereinstimmung mit einem körper-\nlichen Urbilde begründet sind, sondern wodurch Geist und\nGemüth unmittelbar zu Vorstellungen und Empfindungen\nveranlasst werden. Ahmt der Tonkünstler den Gesang einer\nNachtigall nach, so gibt er nicht mehr als ein Landschafts-\nmaler oder ein Poet, die uns eine der Natur bloss ent-\nlehnte Schilderung darbieten. Wie dieses aber keineswegs\ndie vornehmste Aufgabe der Malerei oder Dichtkunst ist,\nso erscheint eine solche Musik auch nur als ein Prisma,\nwelches schöne Farben wiederspiegelt, die darum noch\nlange kein Gemälde ausmachen. Die Musik bewegt das\nGemüth unmittelbar, ohne irgend einen Hinweis auf äus-\nsere Gegenstände zu Hülfe nehmen zu müssen, oder über-\nhaupt irgend einer anderen, begrifflichen oder sinnlichen\nVermittlung zu bedürfen, als der durch sich selbst, durch\nden Ton und die Tonverbindung.\n„Will man der Tonmalerei eine Berechtigung zuer-\nkennen, so kann es in der reinen Instrumental-Musik nur\ndann geschehen, wenn die Musik, die Absicht auf malende\nSchilderung gänzlich hinweggedacht, auch an und durch\nsich selbst schön und bedeutend ist und nicht erborgte\nFormen angenommen hat. In diesem Falle hört sie aber\nauch auf, reine Naturmalerei zu sein, wenigstens ist es"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 127, "texte": "gleichgültig, ob sie eine solche ist oder nicht, indem sie\nalsdann durch eigene Kunstform selbstständig wird.\"\n(Sehluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-09-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "301", "page_fin": "302", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.2.3", "titre_corps": "Die heutigen Bühnensänger.", "titre_sommaire": "Die heutigen Bühnensänger.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.5", "debut_caractere": 129, "fin_caractere_exclue": 5216, "texte": "Die heutigen Bühnensänger.\n(Sehluss. S. Nr. 37.)\n„Die Schuld an diesem beregten Uebelslande fällt al-\nlerdings zunächst den Bühnen-Vorständen zu; sie\nsollten unter keinen Umständen gestatten, dass ein Natu-\nralist, und wäre er mit den schönsten Mitteln ausgestaltet,\ndie Bühne betritt, ehe er sich die dazu nölhige künstleri-\nsche Bildung angeeignet hat. Ja, sie sollten es für eine un-\nerlässliche Pflicht erachten, selbst für eine solche Bil-\ndung Sorge zu tragen und die Entwicklung des Kunst-\njüngers aufs angelegentlichste zu überwachen und ihn dem\nEdelsten zuzuführen. Aber von einem solchen Princip sind\nunsere Bühnen-Vorstände weit entfernt; die Befriedigung\ndes augenblicklichen Bedürfnisses, die Ergänzung einer\nentstandenen Lücke gilt ihnen viel mehr, als die zweck-\nmässige Förderung der Kunst, mit deren Leitung sie be-\ntraut sind. Sie schneiden, wie ein auf der Bühne heimisches\nSprüchwort in derber Weise sagt, in der Noth ein Mit-\nglied vom Galgen herunter und hängen es wieder auf, wenn\nsie dessen nicht mehr bedürfen. Und so wahr und treffend\ndiese Aeusserung ist, so erschöpfend bezeichnet sie in aller\nKürze den künstlerischen Standpunkt, den die Directionen\nbei der Leitung der Bühne einnehmen.\n»Einen zweiten Grund von unserem Mangel an Ge-\nsangskräften haben wir in der Operngattung zu suchen,\nwelche etwa seil Anfang der zwanziger Jahre unser Be-\npertorium vorzugsweise beherrscht. Bedenkt man die Länge\ndieser so genannten grossen Opern, ihre angreifende\nStimmlage, ihre erdrückende Instrumentirung, so wird man\nbei genügender Kenntniss des menschlichen Organs es\nauch begreiflich finden, wenn ein solches sich vor der Zeit\nabnutzt. Zudem ist das deutsche Publicum so sehr an eine\nrohe Stimmgewalt gewöhnt, dass es die edelsten künstleri-\nschen Eigenschaften nicht schätzt, wenn diese nicht von\neiner jugendlichen Frische und Kraft der Stimme getragen\nwerden, und ist daher ein jeder Sänger gezwungen, die\nBühne zu verlassen, sobald er durch Zeit und Anstrengung\nden materiellen Klang seines Organs verloren hat. Da nun\naber eine künstlerische Keife nicht leicht im Frühling des\nLebens gewonnen werden kann, so haben wir damit auch\ndie Erklärung gefunden, wesshalb wir in der Sängerwelt\nvorzugsweise nur Mittelmässiges antreffen. Selbst bei dauer-\nhafterer Beschaffenheit einer Stimme und dem beseeltesten\nStreben ihres Besitzers muss dieser dennoch seiner künst-\nlerischen Wirksamkeit bereits ein Ziel setzen, wenn die\nAusübenden in allen übrigen Künsten noch in voller Kraft\nihrer weiteren Vollendung nachstreben können.\n„Ausser diesen angeführten Gründen gibt es noch ver-\nschiedene andere Ursachen, welche einen nachtheiligen Ein-\nfluss auf die Stimmen ausüben und zu ihrer frühen Zer-\nstörung beitragen. Von diesen ist vor Allem die unnatür-\nliche Stimmlage hervorzuheben, in welcher viele unserer\nheutigen Opern-Partieen geschrieben sind. Die Componi-\nsten, die naturgemässe Construction der Stimme nicht ken-\nnend oder nicht achtend, aber eine möglichst effectvolle\nAccentuirung erstrebend, setzen ihre Partieen vorzugsweise\nin einer Stimmlage, welche bei der ohnehin hinaufgetrie-\nbenen Orchesterstimmung gar nicht auszuführen ist, ohne\nden Sänger ungewöhnlich anzustrengen und eine fühlbare\nErmattung seiner Kehle zu hinterlassen. Es kann daher\nauch bei öfterer Bepetition solcher Opern gar nicht aus-\nbleiben, dass die Stimme gründlich angegriffen und in\nihren edelsten Theilen verletzt werde. Und dies wird um\nso schneller geschehen, wenn die Stimme entweder keine\nleicht ansprechende Höhe, also kein vollkommen ausgebil-\ndetes Falset, oder auch nur einzelne schwächere Töne in\nihrer Scala besitzt, welche bei öfterer Anstrengung sich\ndann bald zu Lücken ausbilden und den Ruin der Stimme\nvollenden.\n„Ein mit seiner Stimme und seiner Kunst vollkommen\nvertrauter Sänger wird sich zwar vor solchen Gefahren zu\nhüten wissen und alles das entweder punktiren oder trans-\nponiren, was ihm unbequem in der Stimme liegt, aber nicht\nso der ungebildete Naturalist. Dieser wird gerade dasje-\nnige, was ihm am schwersten ist, mit ganzer Gewalt seiner\nStimme abzwingen und dadurch ihr schlimmster Feind\nwerden. Bei solcher Unmündigkeit des Sängers sollte nun\nfreilich der Musik-Director die Vormundschaft desselben\nübernehmen; aber dieser ist in den meisten Fällen so we-\nnig in der Gesangskunst bewandert, dass er jenem nicht\nnur keine Erleichterung verschafft, sondern sich häufig ge-\ngen eine solche noch in unverständiger Weise opponirt.\n„Was ferner zum schnellen Verbrauch der Stimmen\nnicht wenig beiträgt, ist die mangelhafte Pflege derselben.\nHierzu ist zuvörderst das Versäumniss täglicher Scalenübun-\ngen zu rechnen. Sodann beruht die nöthige Pflege der\nStimme in dem Verhalten des Sängers vor und nach der\nAusführung einer bedeutenden Opern-Partie. (Hier folgen\npraktische Vorschriften.)\n„Um den gegebenen Vorschriften nachzukommen,\nsollte ein jeder Sänger, der es redlich und ernst mit der\nKunst und seinen Kräften meint, sich nie zu jener schnö-\nden Sitte bequemen, welche namentlich an manchen Mit-\ntel- und kleinen Bühnen herrscht, am Tage der Opern-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4090, "texte": "Aufführung auch die Probe davon zu machen,\nselbst nicht einmal eine so genannte Scenen-Probe.\n„Der Geschäftsgang einer Bühne kann nie so compli-\ncirt sein, dass bei zweckmässiger Einrichtung dieser Miss-\nbrauch mit den Kräften der Sänger nicht vermeidbar wäre,\nindem in vielen Fällen nicht die Notwendigkeit, sondern\nder Mangel an praktischer Disposition oder Bequemlichkeit\nund Faulheit der Directoren Veranlassung zu demselben\ngibt. Der Sänger, welcher am Abende eine bedeutende\nPartie zu singen hat, ist benöthigt, seine Kräfte dafür zu\nschonen, welche unbedingt durch die vorausgehende Probe,\nselbst wenn er auf derselben nur markirte, geschwächt\nwerden müssen. Schon das stundenlange Herumlungern\nauf dem Theater in schlechter Temperatur und Luft, die\nzerstreuende Unterhaltung, der durch Langeweile ange-\nregte Besuch einer Restauration, die verspätete Esszeit\nu. s. w., das alles sind Dinge, die ihn körperlich und gei-\nstig abmatten und seine künstlerische Frische, seinen mo-\nralischen Ernst beeinträchtigen. Wohl weiss ich, dass es\nnicht wenige Sänger gibt, die auch ohne geschäftliche Nö-\nthigung am Morgen eines Operntages das Cafe und Billard\nnicht vermeiden können, und an nichts weniger denken,\nals an ihre künstlerische Pflicht. Gibt es doch selbst solche,\nwelche unmittelbar vor der Oper die Kneipe besuchen,\nnach reichlichem Genuss von Bier und Tabak kurz vor\nBeginn der Vorstellung in die Garderobe rennen, um sich\nmit aller Hast in die „Lumpen\" zu werfen; allein von die-\nsen kann bei Besprechung künstlerischer Interessen füglich\nnicht die Rede sein, und weder das Ordenskleid des Prie-\nsters noch der purpurne Königsmantel wird ihre plebeji-\nsche Natur zu verbergen vermögen. Denjenigen Sängern\naber, denen ein wirklich künstlerischer Sinn innewohnt\nund deren Stellung es erlaubt, gerechte Forderungen an\ndie Bühnen-Directionen zu richten oder nachtheiligen Miss-\nbräuchen eine wirksame Opposition entgegenzustellen, ihnen\nlege ich die ernste Mahnung dringend ans Herz, jede\nProbe am Tage einer Vorstellung entschieden\nzu verhindern, und die Directionen auf jede erlaubte\nWeise zu zwingen, sie von dieser, Stimme und Kunst schwä-\nchenden Einrichtung zu befreien.\"\nNach mehreren, von jedem Sänger wohl zu beherzi-\ngenden Verhaltungsregeln, namentlich auch den Directio-\nnen gegenüber, schliesst der Verfasser so (S. 65):\n„Schliesslich habe ich noch einer Unsitte zu erwäh-\nnen, welche nicht wenig zur frühen Zerstörung mancher\nStimmen beiträgt; ich meine das bei manchen Bühnen\neingeführte Spiel-Honorar. Der Zweck dieser schnö-\nden Einrichtung von Seiten der Directoren ist, das Mitglied\ndadurch in ein entschiedenes Abhängigkeits-Verhältniss zu\nbringen, um jede, auch die unverschämteste Zumuthung\nan dasselbe wagen zu können und doch der gefügigen\nEinwilligung sicher zu sein. Und leider wird dieser Zweck\nnur allzu gut erreicht, da der Künstler dadurch dem Tage-\nlöhner gleichgestellt ist, der nur dann seinen Lohn erhält,\nwenn er arbeitet. Natürlich muss zugleich der Sänger in\nder Ausübung seiner Kunst handwerksmässig werden; für\ndas Spiel-Honorar übernimmt er eine Partie von heute auf\nmorgen; für das Spiel-Honorar versieht er Statistendienste,\nwenn es verlangt wird, u. dgl. m. Durch solche Unwürdig-\nkeiten werden die Stimmkräfte eines Sängers nicht allein\nvor der Zeit aufgerieben, er selbst wird demoralisirt und\nseines Ehrgefühls dieser mächtigen Triebfeder, ohne\nwelche nichts Bedeutendes zu Stande kommt beraubt\nwerden, und schliesslich sehen wir darin einen nicht gerin-\ngen Beitrag zu den durch und durch verderbten deutschen\nBühnen-Verhältnissen. Alle diese angeführten Dinge, denen\nsich leicht noch mehrere anreihen Hessen, tragen nicht we-\nnig dazu bei, unser deutsches Opern-Personal so lücken-\nhaft zu lassen, wie es schon seit einer Reihe von Jahren\nbefunden wird; und wenn die grösseren Bühnen nicht mit\nder Anlegung von Pflanzschulen der dramatischen Gesangs-\nkunst vorangehen, aus denen der Oper wirklich gebildete,\ngesinnungskräftige Sänger erwachsen, so dürfte die herr-\nschende Sängernoth noch lange nicht ihre Endschaft er-\nreicht haben.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-09-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "302", "page_fin": "303", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.2.4", "titre_corps": "Aus Zürich.", "titre_sommaire": "Aus Zürich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.6", "debut_caractere": 4092, "fin_caractere_exclue": 5279, "texte": "Aus Zürich.\nWenn in unserem schweizerischen Vaterlande die grös-\nseren Städte in der Winter-Saison durch Abonnements-,\nso wie weitere Concerte einen belebtem Charakter anneh-\nmen, so ermangelt dagegen die übrige Jahreszeit namhaf-\nter Musik-Aufführungen, und die kunstliebenden Seelen\nmüssen eben von einem Winter zum anderen an den em-\npfangenen Genüssen zehren, so gut es geht: ein Uebelstand,\ndem nun bei uns in Zürich durch Errichtung eines stehen-\nden Orchesters gründlich dürfte abgeholfen werden. Desto\nwillkommener ist in ausserwinterlicher Zeit eine etwaige\ngrössere Musik-Aufführung, und desto anerkennenswer-\nther, wenn sie an Orten zu Stande kommt, die keineswegs\nüber Kräfte zu gebieten haben, wie die grösseren Plätze:\nBasel, Zürich,\" Bern. Unter den Musik-Gesellschaften klei-\nnerer Orte zeichnet sich nun ganz entschieden seit gerau-\nmer Zeit diejenige von Zofingen, Cantons Aargau, aus,\nund wir dürfen behaupten, dass diese freundliche Stadt,\ndie nicht nur unter den Musensöhnen einen guten Klang\nhat, sondern so ziemlich allgemein der Mittelpunkt der ver-\nschiedensten Vereine der Schweiz ist und mit liebenswür-\ndiger Bereitwilligkeit zu allem Guten und Edeln die Hand"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3436, "texte": "bietet, in musicalischen Dingen leistet, was verhältnissmäs-\nsig kaum ein Ort in der Schweiz. So hat die dortige Mu-\nsik-Gesellschaft unter Anderem sich zur Aufgabe gemacht,\nalle zwei Jahre etwas Namhaftes öffentlich zu bieten, sei\nes mit oder ohne cantonalen Charakter. Das Erstere war\nvor zwei Jahren der Fall, wo mit bedeutendem Mittel- und\nKraft-Aufwand eine Musik aufgeführt wurde, auf die wir\nsehr gespannt waren, und die uns in ihrem eigentümlich\ngrossartigen Bau und ihren Schönheiten nun\nhöchst willkommen entgegen trat; es war Hiller's „Saul\".\nIn Folge dieser glänzenden Aufführung wurde dann eine\nRestauration der Kirche beschlossen und seither so glück-\nlich ausgeführt, dass nun der musicalisch-akustische Effect\nbedeutend gehoben ist, wovon denn eine neuliche Auffüh-\nrung die glänzende Probe wies.\nEs wurde nämlich, wenn auch diesmal nur local, doch\nmit Beiziehung einiger Kräfte aus dem eigenen Canton, so\nwie aus Basel, der Lobgesang von Mendelssohn vor-\ngeführt. Vorauf ging ein Orgel-Concert, in welchem der\ngediegene Organist Herr Jucker von Basel Bach'sche und\neigene Arbeiten, und sodann der Organist und Musik-Di-\nrector des Ortes, Herr Eugen Petzold, die verschiede-\nnen Orgelstimmen auf vortheilhafte Weise vorzuführen und\nin seinem freien Vortrage einige Haupt-Motive des nun\nfolgenden Stückes so sinnreich zu verweben wusste, dass\nman in der That nicht besser auf das Mendelssohn'sche\nMeisterwerk vorbereitet werden konnte. Die Aufführung\nselber glauben wir am besten dadurch bezeichnen zu kön-\nnen, dass wir sagen: es waltete der Charakter der freiesten\nLiebe in ihr, einer Liebe zur Sache, wie sie in dieser\nWeise eben so bei gebildeten Dilettanten-Vereinigungen\nvorkommen dürfte, als in jenen Kreisen, welche mehr\ndurch Beruf und Pflicht zusammengeführt werden. Dieses\nUrtheil gilt von dem Instrumenten- und Sängerchor wie\nvon den Solisten. War auch die Stärke des ersteren etwas\nüberwiegend, so thaten die Chorsänger mit ihren kräftigen\nStimmen ihr Bestes, um demselben Stand zu halten, und\nhielten es auch. Ausserordentlich war der Eindruck, den\ndie erste unbegleitete Strophe des sechsstimmigen Chorals:\n„Nun danket Alle Gott!\" im Gegensatz zu dem Cantus\nfirmus der zweiten, vollbegleiteten Strophe machte. Die\nSolostimmen waren besetzt von Herrn Egglinger von\nBasel und den Fräulein Rosa Suter und Louisa Senn\nvon Zofingen; Ersterer hervorgegangen aus der Gesang-\nschule von Herrn Reiter in Basel, letztere Beiden aus der-\njenigen von Herrn Petzold in Zofingen, der die Satisfaction\nhat, durch Heranziehung tüchtiger Gesangeskräfte nicht\nnur in seinem Wirkungsorte ein blühendes Musikwesen\ngeschaffen zu haben, sondern auch durch mehrere seiner\nSchüler die Frucht seiner Bemühungen in fernere Kreise\nverpflanzt zu wissen. Wir haben uns an dem glockenrei-\nnen, seelenvollen Gesänge dieser vorzüglichen Solisten herz-\nlich erfreut, und Jedermann musste gestehen, dass beson-\nders das letzte Duett: „Drum sing' ich mit meinem Liede\",\nin seinem Vortrage gar nichts zu wünschen übrig liess.\nEs war, als ob der Geist des verklärten Meisters über dem\nGanzen schwebe und durch die Hand des Dirigenten die\nAusübenden wie die Hörenden inspirire: es war nicht ein\nblosses Concert, es war ein Gottesdienst.\nNicht unbemerkt können wir hierbei lassen, dass die\nin den Hauptstellen der Chöre hinzutretende Orgel den-\nselben eine Würde und Gravität verlieh, wie wir solches\nin der Schweiz nur selten zu hören bekommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-09-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "303", "page_fin": "304", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhalungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhalungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.7", "debut_caractere": 3438, "fin_caractere_exclue": 5824, "texte": "Tages- und Unterhalungs-Blatt.\nHoll®, 12. September. Der kölner Männer-Gesangverein\nfeierte gestern zugleich mit der einundzwanzigsten Stiftungsfeier die\nEröffnung seines neuen Vereinslocales, als welches ihm von der\nstädtischen Verwaltung in anerkennenswerther Weise die neben dem\nRathhause liegende ehemalige Rathscapelle, nachdem dieselbe reno-\nvirt worden, überlassen worden ist. In ihren geschmackvoll mit\nBlumen, Büsten und den zahlreichen Ehrenpreisen des Vereins ge-\nschmückten Räumen hatten sich am Abende in der Mitte der Ver-\neins-Mitglieder die Vertreter der städtischen Behörden, so wie an-\ndere zahlreiche Ehrengäste versammelt. Der Ober-Bürgermeister,\nHerr Geheimerath Stupp, übergab mit einer sinnigen Ansprache das\nLocal seiner neuen Bestimmung, worauf von dem Präsidenten dos\nVereins, Herrn Gymnasial-Oberlehrer Vack, der Dank des Vereins\nzugleich mit einem Hoch auf den hohen Protector, Se. Majestät\nden König Wilhelm 1., ausgebracht wurde. Darauf folgte die künst-\nlerische Einweihung durch den Vortrag einer Reihe von Liedern,\ndie in der prächtigen Halle wunderbar schön klangen. Gegen neun\nUhr begab sieh sodann die Fest-Versammlung nach dem Wiener\nHofe, wo der Beschluss der schönen Feier mit einem durch Gesang\nund Reden gewürzten Festmahle gemacht wurde.\nKarlsruhe. Einen merkwürdigen Fund hat man bei Durch-\nsehung alter Registraturen im Bereiche der grossherzoglich badi-\nschen Hof-Verwaltung gemacht. Es fanden sich nämlich die wohl-\nerhaltenen und schön ausgestatteten Partituren von etwa zwanzig\nOpern und Balletten Lulli's, worunter dessen Alceste und seine\nerste Oper Cadmus. Dieser historisch und musicalisch interessante\nFund ist bereits der grossherzoglichen Hof-Bibliothek einverleibt.\n3Flauen, 13. August, Heute Nachmittag ist das Voigtländische\nSängerfest geschlossen worden, und die Sänger, unsere lieben Gäste,\nhaben uns verlassen. Es waren schöne, herrliche Tage für uns und\nunsere Gäste. In der Kürze will ich Ihnen nur melden, dass, ob-\nschon ein eigentliches Preissingen nicht beabsichtigt war, doch\ndie hiesige Kaufmannschaft einen Preis, bestehend in einem silber-\nnen Pocal? gestiftet hat, und dass dieser Preis von dem aus den\nDirigenten sämmtlicher anwesenden Vereine gebildeten Richter-Col-\nlegium der Liedertafel in Gera, und zwar für das Lied von\nJulius Sturm: „Im Wald\"5 componirt von Capellmeister W. Tschircb,\nzuerkannt worden ist."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3567, "texte": "Alexander Batta bat nach einem Concerte in Wiesbaden\nvom Könige von Holland die goldene Verdienst-Medaille erhalten.\nDftnzig, 17. September. Se. Hoheit der Herzog Ernst zu\nSachsen-Coburg-Gotha hat dem königlichen Musik-Director\nF. W. Markull hierselbst das dem Ernestinischen Haus-Orden\naffiliirte Verdienstkreuz für Kunst und Wissenschaft verliehen, und\nzwar, wie es in dem betreffenden Diplome heisst, „in ehrender An-\nerkennung seiner Leistungen in der Musik, so wie als Zeichen\nHöchsten Wohlwollens\". Derselbe hatte in letzter Zeit wiederholent-\nlich Gelegenheit, Sr. Hoheit näher bekannt zu werden, theils durch\ndie Kedaction eines „Mozart-Albums\", zu welchem Herzog\nErnst als Protector des Mozart-Vereins in Gotha eine Composition\nlieferte, theils durch eine eigene Composition: „Die Gunst des Au-\ngenblicks\" (Gedicht von Schiller), für Männerstimmen und Harmo-\nniemusik, welche vor einigen Monaten veröffentlicht wurde und de-\nren Widmung der kunstsinnige Fürst annahm.\nDer Hof-Opernsänger Beck ist nach Beendigung sei-\nnes Gastspiels in Wiesbaden, Pesth, Prag hier als „fliegender Hollän-\nder\" wieder aufgetreten. Das zahlreich erschienene Publicum spen-\ndete ihm reichsten Beifall. In dem neuen Contracte, welcher mit\ndem Orchester-Personale des Hof-Operntheaters jüngst abgeschlossen\nwurde, ist den Mitgliedern nach zehnjähriger Dienstzeit Pensions-\nberechtigung und nach zwanzigjähriger vorzüglicher Verwendung\nein Nebengehalt aus Staatsmitteln auf Lebenszeit zugesichert.\nAm 31. August starb zu Wien der Hof-Capellmeister Ignaz\nAssmayer. Er wurde zu Salzburg am 11. Februar 1789 geboren;\ner war ein Schüler Michael Haydn's und lebte seit 1815 in Wien,\nwo er 1825 zum Hof-Organisten und 1838 zum Hof-Capellmeister er-\nnannt wurde. Das Leichenbegängniss fand unter zahlreichster Be-\ntheiligung der zur Kunst gehörigen Persönlichkeiten in der Schotten-\nkirche Statt.\nIn diesem Monat werden es gerade einhundert Jahre, dass Mo-\nzart zum ersten Male die Mauern Wiens betreten hat. Er stand\ndamals im Alter von sechs Jahren und wohnte mit seinem Vater\nim Einkehr-Wirthshause „Zum weissen Ochsen\" (heute Hotel zur\nStadt London Nr. 684) auf dem alten Fleischmarkte. Der kleine\nMozart spielte damals bekanntlich bei Hofe vor der Kaiserin Maria\nTheresia und wurde von ihr und ihrem Gemahl Franz von Lothrin-\ngen mit Liebkosungen und Geschenken überhäuft. Diese hundert-\njährige Jubiläumsfeier wird von einem hervorragenden musicalischen\nKreise Wiens in dem genannten Hotel glänzend gefeiert werden.\nAls der englische Geschichtschreiber Burney im Jahre 1771\nJ. A. Hasse in Wien besuchte, rieth ihm dieser, vor allen Dingen,\nwenn er nach Hamburg käme, sich von K. Ph. E. Bach auf dem\nClavichord vorspielen zu lassen, und dann sich um eine Symphonie\nin E-moll von K. Ph. E. Bach zu bemühen. Hasse hielt diese Sym-\nphonie für die beste, die er in seinem Leben gehört.\nJParis« Ein junger Bariton, Caron, der in dem diesjährigen\nConcurs im Conservatorium die ersten Preise erhalten hat, wird\nnächstens in der grossen Oper debütiren.\nDas neue Thedtre lyrique soll mit einer neuen komischen Oper\n„Undine\", componirt von Theodor Semet, Text von Lokroy und\nLeo Mestepes, seine Vorstellungen eröffnen.\nVerdi ist nach Petersburg abgereist, um daselbst die Vorberei-\ntungen zur Aufführung seiner Oper „La Forza del Destinou zu\nleiten.\nAm 7. September lieferte eine Armee von 900 Militär-Musikern\nunter Musard's Anführung den pariser Ohren im eine\nSchlacht, bei deren Schluss die Retraite von fünfzig Trompeten\ngeblasen wurde.\nTamburini wird die Winter-Saison in Nizza zubringen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas Wesen nnd die Nothwendigkeit der musicalischen Form. 11. Die heutigen Bühnensänger. (Schluss.) Aus Zü-\nrieh (Musik-Anfführungeij). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Stiftungsfest des kölner Männer-Gesangvereins Karlsruhe,\nmerkwürdiger Fund Plauen, Voigtländisches Sängerfest Danzig, Auszeichnung Wien, Herr Beck, Ignaz Assmayer f Eine Ju-\nbelfeier Paris, Bariton Caron, Theätre lyrique, Verdi).\n\nDas Wesen und die Nothwendigkeit der musicalischen\nForm.\nII.\n(I. s. Nr. 37.)\nAuf einem höheren Standpunkte als das in der vori-\ngen Nummer besprochene Büchlein steht das Werk:\nElemente der Musik von Arrey von Dommer.\nMit 152 musicalischen Beispielen. Leipzig, T. 0.\nWeigel. 1862. 368 S. Gr. 8.\nWiewohl dieses weit mehr umfasst als die musicalische\nFormenlehre, so wollen wir doch, weil wir einmal bei der\nBetrachtung der Formen sind und auch die Hälfte des von\nDommer'schen Werkes diesen gewidmet ist, die Anzeige\ndesselben hier anschliessen.\nNach dem vorgedruckten Prospect hat die Verlags-\nhandlung von T. 0. Weigel in Leipzig den Plan, eine\nSammlung von Handbüchern herauszugeben, welche eine\nkunstwissenschaftliche Encyclopädie unter dem Titel: „Ele-\nmente der Kunstwissenschaft\", bilden sollen. Das\nUnternehmen wird sich vornehmlich auf die bildenden\nKünste und auf die Musik erstrecken, und im Laufe der\nnächsten zwei Jahre sollen ausser dem obigen Werke er-\nscheinen: Ernst Förster, Vorschule der Kunstgeschichte\nC. von Lützow, Geschichte der antiken Kunst G. G.\nUngewitter, Elemente der romanischen und gothischen\nBaukunst Franz Reber, Die Baukunst des Alterthums\nA. von Dommer, Geschichte der Musik.\nWenn die übrigen Werke mit eben so viel Kenntniss\nder Sache, übersichtlicher Klarheit ohne Weitschweifig-\nkeit, Freiheit von Befangenheit in Dogmen einer besonde-\nren Schule und anziehender Darstellung geschrieben sind\noder geschrieben werden (wir wissen nicht, ob von Dom-\nmer's Buch das erste der Folge ist), so können wir der\nVerlagshandlung nur Glück wünschen zu einem Unterneh-\nmen, dessen äussere Ausstattung durch schönen, scharfen\nund nicht zu kleinen Wort- und Notendruck auf Velinpa-\npier zu der Aufnahme beiträgt, welche es verdient und\ngewiss in weiten Kreisen finden wird.\nEs wird vor allen Dingen darauf ankommen, in den\nprojectirten Büchern den richtigen Grad der so genannten\nPopularität zu treffen, den wir im Allgemeinen dahin be-\nstimmen möchten, dass auf dem Fundamente der Kunst-\nwissenschaft die Elemente der Kunstlehre, die zum Ver-\nständiss des Kunstwerkes nöthig sind, so dargestellt wer-\nden, dass sie dem Freunde der Kunst dieses Verständ-\nniss vermitteln und ihn auch in Stand setzen, darauf\nweiter zu bauen, wenn Neigung und Talent dazu treiben,\naber auch so, dass sie zugleich den bereits fertigen\nKünstler durch die Gesichtspunkte, unter denen sie in\nZusammenhang mit der höheren Kunstlehre gebracht sind,\ninteressiren, und den werdenden Künstler vor dem\nHandwerk bewahren oder, wenn er demselben schon zu\nverfallen beginnt, von ihm ablenken und zu edlerer Rich-\ntung hinführen. Die Aufgabe der Popularität der Darstel-\nlung in solcher Weise befriedigend zu lösen, ist keineswegs\neine leichte Sache, zumal für den deutschen Schriftsteller,\nder sich schwerer vo:i der Fachsprache und den Fach-\nVoraussetzungen losmacht, als z. B. der französische. Da-\ngegen bewahrt aber auch den Deutschen seine Gewissen-\nhaftigkeit vor jener Oberflächlichkeit in der Kenntniss der\nSache, welche der Franzose gar oft durch die Glätte der\nForm zu verdecken weiss. Wenn nun von Dommer in der\n„Uebersicht\" sagt: „Das Kunstwerk fordert Verständniss\nalso dasjenige, was, um es ohne Hehl auszusprechen,\ndem allergrössten Theile der Kunst-Liebhaber, also denen,\nwelche nur Zeitvertreib und äusserliches Vergnügen suchen,\nso wie auch einer reichlichen Anzahl solcher Musiker, de-\nnen die Kunst nur Handwerk ist, vollständig abgeht—%\nund dann jenes Verständniss des Kunstwerkes durch sein\nBuch vermitteln will, so liegt darin, dass er eben nur in"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.2", "texte": "jenem guten Sinne des Wortes „populär\" sein will; und\ndas hat er auch unserer Meinung nach erreicht.\nDas Ganze zerfällt in folgende Abschnitte: Vor-\nbereitung. Cap. 1. Der Schall. 2. Das Tonsystem.—B.\nDie Elemente und Mittel der Ton-Darstellung.\n3. Zeitmaass. 4. Melodie. 5. Harmonie. 6. Contrapunkt.\nImitation. 7. Thema. Periodenbau. Thematische Arbeit.\nC.Die Formen. 8. Im Allgemeinen. 9. Canon und\nFuge. 10. Vocalmusik. Wesen derselben. Formen, Reci-\ntativ, Lied, Arie u. s. w. 11. Die Formen der Instrumen-\ntal-Musik: einsätzige, phantasieartige, cvklische Formen\n(Sonate—Sinfonie). 12. Kirchenmusik. Vocal- und Instru-\nmental-Musik auf dramatischem Gebiete. Cantate; Orato-\nrium (Oper); Passion.\nDie Angabe der Literatur, Nachweisung der Hülfs-\nmittel zu weiterem Studium ist nur dem ersten Abschnitt,\ndem akustischen, als besonderer Anhang zugefügt; bei den\nübrigen werden allerdings mehrere Werke im Text gele-\ngentlich angeführt bei einer zweiten Auflage dürfte je-\ndoch nach jedem Abschnitt die Angabe einer Auswahl der\nbesten Lehrbücher u. s. w. über den jedesmaligen Gegen-\nstand wünschenswerth sein, natürlich nur eine durch das\nUrtheil des Verfassers beschränkte.\nIn der Hauptfrage über die Aufgabe der Tonkunst,\nwomit dann der Streit über Inhalt und Form zusammen-\nhängt, sucht der Verfasser zu vermitteln zwischen den zwei\nAnsichten, welche die Musik, man könnte wie bei der\nMathematik sagen: in reine und angewandte zerlegen.\nMan ersieht dies zum Theil schon aus dem, was im vori-\ngen Artikel (Nr. 31) aus seinem Buche angeführt worden\nist. Capitel 8, S. 174, präcisirt er nun die Aufgabe der\nMusik auf folgende Weise:\n„Die Tonkunst soll Gefühle und durch das Ge-\nfühl Vorstellungen in uns anregen. Dieses vermag sie\nentweder\n„1. rein durch sich selbst; oder\n„2. mit Hülfe einer ihr absichtlich zu Grunde ge-\nlegten poetischen Idee; oder indem sie endlich\n„3. Objecte aus der sinnlichen Aussenwelt\nunmittelbar selbst in den Kreis ihrer Darstel-\nlung zu ziehen versucht.\"\nDas sieht nun freilich gerade so aus, als wenn der\nVerfasser in Nummer 3 der Programm-Musik ganz die-\nselbe Berechtigung zuerkenne, wie den beiden anderen\nGattungen. Dem ist aber nicht also, wie sich allenfalls aus\ndem Worte „versucht\" schon schliessen lässt. Er verwirft\ndie Programm-Musik ganz und gar und bezieht den Ver-\nsuch des Ausdrucks sinnlicher Erscheinungen bloss auf die\nso genannte Naturmalerei, welcher er übrigens auch, wie\nnatürlich, nur ein sehr beschränktes Recht einräumt.\nWenn wir also von Vermittlung sprachen, so bezieht\nsich das nur auf die versuchte Vereinigung derjenigen Mu-\nsik, welche durch irgend eine aussermusicalische Idee an-\ngeregt ist, mit der reinen oder reinmusicalischen, welche\nauch dem Verfasser, wie uns, stets die Hauptsache bleibt.\nWeil dieses letztere nun aber doch der Fall ist, hätte auch\ndie Zweitheilung des Verfahrens, durch welches die Ton-\nkunst ihre Aufgabe lös't, überhaupt schwinden können,\nindem Nummer 2 doch nur ein der reinen Musik unter-\ngeordnetes Verfahren angibt. Der Verfasser scheint aber\nim Folgenden zuweilen dahin zu neigen, für dieses zweite\nVerfahren eine volle Gleichberechtigung geltend zu ma-\nchen, womit wir nicht übereinstimmen können. Doch hö-\nren wir ihn selbst:\n„Im ersten Falle (Nr. 1) ist das Tonwerk eine reine\nDichtung in Tönen, welche allein durch lebensvolle\nSchönheit und logische Entwicklung absolut musicalischer\nGedanken in entsprechend eigentümlich charaktervollen\nund abgerundeten Formen Geist und Gemüth anregt und\nerfreut, und als Erzeugniss einer noch nicht zu einer\nvollen Klarheit über sich selbst (?) gelangten,\nzu einem deutlichen Gefühle concentrirten\nStimmung wiederum eine ähnliche Stimmung im\nHörer erweckt, ohne ihn jedoch in Stand zu setzen, über\nderen Veranlassung und eigentlichen Inhalt (?) deutliche\nRechenschaft sich geben zu können.\" (Man sieht, wie stark\nhier schon die Forderungen eines aussermusicalischen so\ngenannten „Inhalts\" in die eigentliche Definition binein-\nspielen und die im Grunde ganz unnölhigen Zusätze ver-\nanlasst haben. Auch im Folgenden, wiewohl es die Zu-\nsätze zum Theil widerlegt, ist doch auch wieder von\n„Nichtauffindenkönnen eines bestimmten Gefühls-Inhalts\"\ndie Rede. Der Verfasser nennt die Erzeugnisse jener rei-\nnen Musik „Stimmungsbilder\" und fährt dann fort:)\n„Darum entbehrt diese reine Musik noch keineswegs\nder Idealität, wir dürften sonst vielen anerkannten Meister-\nwerken von S. Bach, Haydn, Mozart und auch Beethoven\nkeinen höheren denn formalen Kunstwerth beimessen. Eine\njede Gemüthsstimmung hängt aber auf das innigste zusam-\nmen mit der ganzen Gefühlsweise des Individuums, und\ndiese ist wiederum ein Ergebniss nicht des einzelnen Mo-\nmentes, sondern des gesammten vorangegangenen\nLebens und seiner Ideen, Empfindungen und\nErfahrungen. Es kann desshalb ein Tonsatz, in welchem\nwir einen bestimmten, über sich hinausgreifenden Gefühls-\nInhalt durchaus nicht auffinden können, doch einen tiefen\nseelischen und durchaus idealen Eindruck hervorbringen\nund uns in bestimmter Weise ansprechen, weil die Stim-\nmung, aus der er entsprungen, keine rein momentane und\ndem Künstler einzig und allein eigene, sondern bei aller"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.3", "texte": "Subjectivität doch eine dem allgemeinen Seelenleben, mit-\nhin auch den damit zusammenhangenden Zeit-Ideen ange-\nhörende ist. Man hat gesagt, dass der eigentliche Stoff der\nMusik diese unbestimmten Empfindungen seien, und ihr\ndesshalb die Fähigkeit, darzustellen, überhaupt abge-\nsprochen, weil Unbestimmtes nicht dargestellt werden\nkönne. Von einer Bestimmtheit des logischen Denkens\nkann in der Musik allerdings nicht die Rede sein, sie lehnt\nim Gegentheil jeden Verstandes-Nachweis ab. Aber Ge-\nfühl und Phantasie des Künstlers können ihrer Sache sehr\ngewiss sein, ohne eine verstandesmässige Erklärung dafür\nzu haben. Uebrigens ist der Ton ziemlich verständlich,\nwenn das Ziel des dargestellten Affectes eine merklich her-\nvortretende und dem musicalischen Ausdruck zugängliche\nGemüthsbewegung ist. Auf die einzelnen Umstände eines\njeden Affectes und die Eigenheiten dessen, in dem er er-\nregt ist, kann der Tonkünstler allerdings sich nicht ein-\nlassen, und in so fern kann von völliger Deutlichkeit frei-\nlich nicht die Rede sein. Wenn die Musik also auch durch\nwiederholte Eindrücke die Empfindungen und Leidenschaf-\nten veredelt und reinigt, so kann sie darum doch auf den\nVerstand nicht wirken, wenn hiermit deutliche Einsicht\noder Erweiterung der Erkenntniss bezeichnet sein soll.\nDarum kann Niemand sagen: dieses Musikstück ist lehr-\nreich. Hierin hat man Veranlassung gefunden, der Ton-\nkunst überhaupt alle ethische Wirkung abzusprechen. [?]\n„Zweitens wurde erwähnt, dass in einem Tonstücke\ndie Absicht vorwalten könne, in einem bestimmten\nGefühlsgange eine poetische Idee zur Anschau-\nung zu bringen. In diesem Falle liegt ihm ein mit psy-\nchologischer Folgerichtigkeit planmässig geordnetes inneres\nErlebniss zu Grunde, welches mit zu durchleben das Ton-\nwerk den Hörer veranlassen soll.\n„Die Musik ist alsdann nicht mehr absichtsloser Aus-\ndruck einer unaussprechlichen Stimmung, sondern Darstel-\nlungsmittel für concrete Gefühle und Erlebnisse\nder Seele, jedoch selbstverständlich, ohne von ihrem We-\nsen und ihren natureigenen Formen als Tonkunst etwas\nzu opfern oder die von ihrer Naturbestimmung ihr gezo-\ngenen Gränzen zu überschreiten. Um jener Absicht unge-\nachtet ebenfalls reine Musik zu geben, muss der Tonkünst-\nler den Plan oder Gedanken selbst fallen lassen, aber\nden in ihm dadurch erregten Empfindungsgang\nverfolgen und im Hörer ebenfalls zu erregen suchen.\n„Es ist darum noch nicht erforderlich, dass dieses Ge-\nmüths-Ereigniss im Künstler selbst vorgehe; es kann\neben so gut ein nur gedachtes, wie durch gedanken-\nvolle Beobachtung des ausser ihm Gelegenen\nvermitteltes, dennoch aber mitempfundenes sein.\nIn jedem höher entwickelten Menschen liegt die Sehnsucht,\ndas ganze All in seine Subjectivität zurückzunehmen und\nfolglich auch mit seiner Empfindungsweise zu identificiren.\nDies ist eine der edelsten Begabungen, welche namentlich\nder productive Künstler in höchster Weise ausgebildet\nhaben muss, wenn er der Objectivität überhaupt fähig sein\nwill. Durch diese Fähigkeit des Künstlers, in seiner Em-\npfindung mit ausser ihm Gegebenen sich zu identificiren,\nvermag er Stimmungen, Leidenschaften, Gefühle und alle\nArten innerer Hergänge an sich oder wie sie an anderen\nrealen oder gedachten Personen erscheinen, mit Vorsatz\nzum Inhalt einer Kunst-Darstellung zu machen. Diese wird\nnun bereits objectiv, indem ihr ein Gefühls-Ereigniss\nunterliegen kann, welches der Künstler vielleicht nicht in\nsich selbst erlebt, sondern nur gedichtet oder beobachtet\nund mitempfunden hat.\n„In wie fern das mit der Musik verbundene\nWort im Gesänge zu deren bestimmterem Verständnisse\nbeiträgt, wird fernerhin bei der Vocal-Musik sich zeigen.\nIn der reinen Instrumental-Musik kann aber bei alledem\nder Ideengang des Werkes nur geahnt und eben so\nwenig verstandesmässig nachgewiesen werden, wie der\nStimmungsgehalt jener eines dichterischen Vorwurfs ent-\nbehrenden Musik auf bestimmte Vorstellungen sich zurück-\nführen lässt. Aber auch schon dieses, wenngleich nur ah-\nnende Miterleben verleiht dem Tonwerke eine jenes rein\nMusicalische bei Weitem überragende [?] dichterische Bedeu-\ntung, indem es mit jenem nicht nur die gleichen rein mu-\nsicalisch und formal schönen Eigenschaften gemein hat,\nsondern durch die bewusste dichterische Absicht zu einer\nnoch reicheren und interessanteren Mannigfaltigkeit sich\nentwickeln muss — ausserdem aber die Thätigkeit der\nPhantasie im Hörer nicht nur nicht beschränkt, sondern\nim Gegentheil noch lebhafter erregt. Es braucht kaum\ngesagt zu werden, dass hiermit Werke gemeint sind, an\nderen Spitze Beethoven's C -mund i>-moÄ-Symphonie\nstehen.\n„Namentlich in unserer mit specifisch musicalischer\nProductionskr.aft nichts weniger wie reich ausgestatteten\nZeit ist die Frage gestellt, ob der Instrumental-Componist\nzur Befruchtung seiner musicaiischen Phantasie nicht je-\nderzeit besser thue, ein bestimmtes Gefühls-Object für\nseine Darstellung zu wählen. (Wir möchten das Gegen-\ntheil wünschen. Hat denn der Verfasser den Unsinn, der\nmit den Ueberschriften der Musikstücke getrieben wird,\nganz vergessen?) Schon an sich lässt sich hiergegen nichts\neinwenden; überdies zeigen ja, wie bekannt, manche\nWerke eines der grössten Tonmeister offen und deutlich,\ndass ihnen ein so planmässig geordnetes Gefühls-Erlebniss,\nund zwar mit der Absicht, es durch die Musik mitempfin-\nden zu lassen, in derThat zu Grunde gelegt ist. Doch bei\n\n11"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.4", "texte": "alledem kann es uns wenigstens völlig gleichgültig sein, ob\nder Instrumental-Componist nach einem dichterischen Plane\narbeitel oder nicht, wenn nur Stoff und Durchbildung an\nsich musicalischer Natur sind und die Ausführung nicht\nan der Absicht materieller Deutlichkeit und Copisterei\nhaftet. Der Inhalt muss vollständig in Gefühl, dieses in mu-\nsicalischen Ausdruck und Form, die Seelenbewegung voll-\nständig in Tonbewegung aufgehen.\n„Wie jene reine Stimmungsmusik als die natürliche\nGrundlage aller Musik, so auch dieser höheren dichteri-\nschen angesehen werden muss, erscheint nun drittens die\nso genannte Programm-Musik, welche i hrObject\nunmittelbar in die musicalische Darstellung\nhineinziehen will, als ein Niedergang zum Unnatürli-\nchen und Unwahren. Denn abgesehen davon, die sie häu-\nfig genug der Musik an sich unzugängliche Objecte wählt,\nräumt sie auch dem blossen Verstände auf Kosten des Ge-\nfühls ein zu wesentliches Uebergewicht ein, indem sie ihn\nauffordert, dem Tonsatze Schritt für Schritt zu folgen, und\nzu begreifen, was mit dieser oder jener Periode, Accord-\nwendung, Melodie u. dgl. gemeint sei. Da das Wesen der\nMusik eine solche Zudringlichkeit schon von vorn herein\naufs bestimmteste ablehnt, gibt der Programm-Componist\neine Erklärung seines Tonstückes durch ein Gedicht oder\nsonst eine hinweisende Auseinandersetzung.\n„Ein so specialisirter Inhalt kann aber nicht versuchen\nin die Musik einzugehen, ohne ihr Zumuthungen zu stel-\nlen, welche mindestens ein völliges Verkennen ihrer Natur\nvoraussetzen lassen. Ihre sonst selbstständige Kunstform\nwird, wenn beibehalten, in den meisten Fällen reines Sche-\nma, also unwahr und völlig überflüssig, denn die Selbst-\nständigkeit der Musik selbst hat aufgehört oder wenn\nnicht, durch das Wort-Programm bestimmt, also gleich-\nfalls unfrei, wenn nicht geradezu unmusicalisch. Man darf\ndieses Verhältniss nicht mit dem des Textes zur Vocalmu-\nsik verwechseln, denn ein solcher ist von vorn herein für\ndie Verbindung mit Musik eingerichtet, fordert die Musik\nzu seiner Ergänzung.\n„Jene eigene mitschöpferische Phantasie-Thätigkeit,\nwelche das wahrhafte Tonkunstwerk, sowohl der Instru-\nmental- wie Vocal-Musik, zu einem unversiegbaren Quell\nstets neuer Gefühle und Vorstellungen und neuen Genus-\nses macht, soll der Hörer der Programm-Musik dem ein-\nseitigen Verstandes-Vergnügen, zu vergleichen, wie Dieses\noder Jenes copirt sei, aufopfern. Zu wie ausgedehnter Herr-\nschaft die an äusseren Dingen hangende Naturmalerei hier\ngelangt, beweisen manche Werke der neuesten Zeit. Und\nwelche Gegenstände den Programm-Componisten bisweilen\nbegeistern mögen, bleibe besser ununtersucht, denn die\nnicht selten grobsinnliche Musik lässt auf Anregungen von\neben nicht edlerer Natur scbliessen. Die versuchte Recht-\nfertigung, dass wir in dieser oder jener Programm-Com-\nposition nicht Copieen von der sinnlichen Aussenwelt ange-\nhörenden Gegenständen erhielten, sondern Analogieen von\nderen Einwirkungen auf das Gefühl, ist sehr leicht dadurch\nzu widerlegen, dass äussere Ereignisse (also etwa Natur-\nSchauspiele von höchster Grossartigkeit) oft eine von ihrer\neigenen Erscheinungsform ganz abweichende Gemüthsbe-\nwegung veranlassen.\n„Aus allem Vorangegangenen hat sich nun bereits zur\nGenüge deutlich ergeben, dass nur Gefühle und Stim-\nmungen, dessgleichen Ideen letztere jedoch nur, so\nweit sie durch die den Gefühlen und Bewegun-\ngen des menschlichen Herzens gesetzte Begrän-\nzung vermittelt werden können, der Musik ei-\ngene Stoffe sind.\n„Versucht die Musik wirklich, äussere Gegen-\nstände, Ereignisse, Handlungen, Naturerscheinungen\nu. a. m. malend nachzuahmen, so greift sie in ein ihr frem-\ndes Gebiet über und begibt sich hiedurch ihrer eigentli-\nchen Bedeutung, indem sie den ihr natureigenen Inhalt\neinem fremden opfert, den sie höchstens mit äusserlich de-\ncorativem Schein, niemals aber mit innerer Wesentlichkeit\ndarstellen kann. Sie hat den Zweck, solche Bewegungen\nin der Seele hervorzurufen, welche nicht bloss auf der\nwahrgenommenen Uebereinstimmung mit einem körper-\nlichen Urbilde begründet sind, sondern wodurch Geist und\nGemüth unmittelbar zu Vorstellungen und Empfindungen\nveranlasst werden. Ahmt der Tonkünstler den Gesang einer\nNachtigall nach, so gibt er nicht mehr als ein Landschafts-\nmaler oder ein Poet, die uns eine der Natur bloss ent-\nlehnte Schilderung darbieten. Wie dieses aber keineswegs\ndie vornehmste Aufgabe der Malerei oder Dichtkunst ist,\nso erscheint eine solche Musik auch nur als ein Prisma,\nwelches schöne Farben wiederspiegelt, die darum noch\nlange kein Gemälde ausmachen. Die Musik bewegt das\nGemüth unmittelbar, ohne irgend einen Hinweis auf äus-\nsere Gegenstände zu Hülfe nehmen zu müssen, oder über-\nhaupt irgend einer anderen, begrifflichen oder sinnlichen\nVermittlung zu bedürfen, als der durch sich selbst, durch\nden Ton und die Tonverbindung.\n„Will man der Tonmalerei eine Berechtigung zuer-\nkennen, so kann es in der reinen Instrumental-Musik nur\ndann geschehen, wenn die Musik, die Absicht auf malende\nSchilderung gänzlich hinweggedacht, auch an und durch\nsich selbst schön und bedeutend ist und nicht erborgte\nFormen angenommen hat. In diesem Falle hört sie aber\nauch auf, reine Naturmalerei zu sein, wenigstens ist es"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.5", "texte": "gleichgültig, ob sie eine solche ist oder nicht, indem sie\nalsdann durch eigene Kunstform selbstständig wird.\"\n(Sehluss folgt.)\n\nDie heutigen Bühnensänger.\n(Sehluss. S. Nr. 37.)\n„Die Schuld an diesem beregten Uebelslande fällt al-\nlerdings zunächst den Bühnen-Vorständen zu; sie\nsollten unter keinen Umständen gestatten, dass ein Natu-\nralist, und wäre er mit den schönsten Mitteln ausgestaltet,\ndie Bühne betritt, ehe er sich die dazu nölhige künstleri-\nsche Bildung angeeignet hat. Ja, sie sollten es für eine un-\nerlässliche Pflicht erachten, selbst für eine solche Bil-\ndung Sorge zu tragen und die Entwicklung des Kunst-\njüngers aufs angelegentlichste zu überwachen und ihn dem\nEdelsten zuzuführen. Aber von einem solchen Princip sind\nunsere Bühnen-Vorstände weit entfernt; die Befriedigung\ndes augenblicklichen Bedürfnisses, die Ergänzung einer\nentstandenen Lücke gilt ihnen viel mehr, als die zweck-\nmässige Förderung der Kunst, mit deren Leitung sie be-\ntraut sind. Sie schneiden, wie ein auf der Bühne heimisches\nSprüchwort in derber Weise sagt, in der Noth ein Mit-\nglied vom Galgen herunter und hängen es wieder auf, wenn\nsie dessen nicht mehr bedürfen. Und so wahr und treffend\ndiese Aeusserung ist, so erschöpfend bezeichnet sie in aller\nKürze den künstlerischen Standpunkt, den die Directionen\nbei der Leitung der Bühne einnehmen.\n»Einen zweiten Grund von unserem Mangel an Ge-\nsangskräften haben wir in der Operngattung zu suchen,\nwelche etwa seil Anfang der zwanziger Jahre unser Be-\npertorium vorzugsweise beherrscht. Bedenkt man die Länge\ndieser so genannten grossen Opern, ihre angreifende\nStimmlage, ihre erdrückende Instrumentirung, so wird man\nbei genügender Kenntniss des menschlichen Organs es\nauch begreiflich finden, wenn ein solches sich vor der Zeit\nabnutzt. Zudem ist das deutsche Publicum so sehr an eine\nrohe Stimmgewalt gewöhnt, dass es die edelsten künstleri-\nschen Eigenschaften nicht schätzt, wenn diese nicht von\neiner jugendlichen Frische und Kraft der Stimme getragen\nwerden, und ist daher ein jeder Sänger gezwungen, die\nBühne zu verlassen, sobald er durch Zeit und Anstrengung\nden materiellen Klang seines Organs verloren hat. Da nun\naber eine künstlerische Keife nicht leicht im Frühling des\nLebens gewonnen werden kann, so haben wir damit auch\ndie Erklärung gefunden, wesshalb wir in der Sängerwelt\nvorzugsweise nur Mittelmässiges antreffen. Selbst bei dauer-\nhafterer Beschaffenheit einer Stimme und dem beseeltesten\nStreben ihres Besitzers muss dieser dennoch seiner künst-\nlerischen Wirksamkeit bereits ein Ziel setzen, wenn die\nAusübenden in allen übrigen Künsten noch in voller Kraft\nihrer weiteren Vollendung nachstreben können.\n„Ausser diesen angeführten Gründen gibt es noch ver-\nschiedene andere Ursachen, welche einen nachtheiligen Ein-\nfluss auf die Stimmen ausüben und zu ihrer frühen Zer-\nstörung beitragen. Von diesen ist vor Allem die unnatür-\nliche Stimmlage hervorzuheben, in welcher viele unserer\nheutigen Opern-Partieen geschrieben sind. Die Componi-\nsten, die naturgemässe Construction der Stimme nicht ken-\nnend oder nicht achtend, aber eine möglichst effectvolle\nAccentuirung erstrebend, setzen ihre Partieen vorzugsweise\nin einer Stimmlage, welche bei der ohnehin hinaufgetrie-\nbenen Orchesterstimmung gar nicht auszuführen ist, ohne\nden Sänger ungewöhnlich anzustrengen und eine fühlbare\nErmattung seiner Kehle zu hinterlassen. Es kann daher\nauch bei öfterer Bepetition solcher Opern gar nicht aus-\nbleiben, dass die Stimme gründlich angegriffen und in\nihren edelsten Theilen verletzt werde. Und dies wird um\nso schneller geschehen, wenn die Stimme entweder keine\nleicht ansprechende Höhe, also kein vollkommen ausgebil-\ndetes Falset, oder auch nur einzelne schwächere Töne in\nihrer Scala besitzt, welche bei öfterer Anstrengung sich\ndann bald zu Lücken ausbilden und den Ruin der Stimme\nvollenden.\n„Ein mit seiner Stimme und seiner Kunst vollkommen\nvertrauter Sänger wird sich zwar vor solchen Gefahren zu\nhüten wissen und alles das entweder punktiren oder trans-\nponiren, was ihm unbequem in der Stimme liegt, aber nicht\nso der ungebildete Naturalist. Dieser wird gerade dasje-\nnige, was ihm am schwersten ist, mit ganzer Gewalt seiner\nStimme abzwingen und dadurch ihr schlimmster Feind\nwerden. Bei solcher Unmündigkeit des Sängers sollte nun\nfreilich der Musik-Director die Vormundschaft desselben\nübernehmen; aber dieser ist in den meisten Fällen so we-\nnig in der Gesangskunst bewandert, dass er jenem nicht\nnur keine Erleichterung verschafft, sondern sich häufig ge-\ngen eine solche noch in unverständiger Weise opponirt.\n„Was ferner zum schnellen Verbrauch der Stimmen\nnicht wenig beiträgt, ist die mangelhafte Pflege derselben.\nHierzu ist zuvörderst das Versäumniss täglicher Scalenübun-\ngen zu rechnen. Sodann beruht die nöthige Pflege der\nStimme in dem Verhalten des Sängers vor und nach der\nAusführung einer bedeutenden Opern-Partie. (Hier folgen\npraktische Vorschriften.)\n„Um den gegebenen Vorschriften nachzukommen,\nsollte ein jeder Sänger, der es redlich und ernst mit der\nKunst und seinen Kräften meint, sich nie zu jener schnö-\nden Sitte bequemen, welche namentlich an manchen Mit-\ntel- und kleinen Bühnen herrscht, am Tage der Opern-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.6", "texte": "Aufführung auch die Probe davon zu machen,\nselbst nicht einmal eine so genannte Scenen-Probe.\n„Der Geschäftsgang einer Bühne kann nie so compli-\ncirt sein, dass bei zweckmässiger Einrichtung dieser Miss-\nbrauch mit den Kräften der Sänger nicht vermeidbar wäre,\nindem in vielen Fällen nicht die Notwendigkeit, sondern\nder Mangel an praktischer Disposition oder Bequemlichkeit\nund Faulheit der Directoren Veranlassung zu demselben\ngibt. Der Sänger, welcher am Abende eine bedeutende\nPartie zu singen hat, ist benöthigt, seine Kräfte dafür zu\nschonen, welche unbedingt durch die vorausgehende Probe,\nselbst wenn er auf derselben nur markirte, geschwächt\nwerden müssen. Schon das stundenlange Herumlungern\nauf dem Theater in schlechter Temperatur und Luft, die\nzerstreuende Unterhaltung, der durch Langeweile ange-\nregte Besuch einer Restauration, die verspätete Esszeit\nu. s. w., das alles sind Dinge, die ihn körperlich und gei-\nstig abmatten und seine künstlerische Frische, seinen mo-\nralischen Ernst beeinträchtigen. Wohl weiss ich, dass es\nnicht wenige Sänger gibt, die auch ohne geschäftliche Nö-\nthigung am Morgen eines Operntages das Cafe und Billard\nnicht vermeiden können, und an nichts weniger denken,\nals an ihre künstlerische Pflicht. Gibt es doch selbst solche,\nwelche unmittelbar vor der Oper die Kneipe besuchen,\nnach reichlichem Genuss von Bier und Tabak kurz vor\nBeginn der Vorstellung in die Garderobe rennen, um sich\nmit aller Hast in die „Lumpen\" zu werfen; allein von die-\nsen kann bei Besprechung künstlerischer Interessen füglich\nnicht die Rede sein, und weder das Ordenskleid des Prie-\nsters noch der purpurne Königsmantel wird ihre plebeji-\nsche Natur zu verbergen vermögen. Denjenigen Sängern\naber, denen ein wirklich künstlerischer Sinn innewohnt\nund deren Stellung es erlaubt, gerechte Forderungen an\ndie Bühnen-Directionen zu richten oder nachtheiligen Miss-\nbräuchen eine wirksame Opposition entgegenzustellen, ihnen\nlege ich die ernste Mahnung dringend ans Herz, jede\nProbe am Tage einer Vorstellung entschieden\nzu verhindern, und die Directionen auf jede erlaubte\nWeise zu zwingen, sie von dieser, Stimme und Kunst schwä-\nchenden Einrichtung zu befreien.\"\nNach mehreren, von jedem Sänger wohl zu beherzi-\ngenden Verhaltungsregeln, namentlich auch den Directio-\nnen gegenüber, schliesst der Verfasser so (S. 65):\n„Schliesslich habe ich noch einer Unsitte zu erwäh-\nnen, welche nicht wenig zur frühen Zerstörung mancher\nStimmen beiträgt; ich meine das bei manchen Bühnen\neingeführte Spiel-Honorar. Der Zweck dieser schnö-\nden Einrichtung von Seiten der Directoren ist, das Mitglied\ndadurch in ein entschiedenes Abhängigkeits-Verhältniss zu\nbringen, um jede, auch die unverschämteste Zumuthung\nan dasselbe wagen zu können und doch der gefügigen\nEinwilligung sicher zu sein. Und leider wird dieser Zweck\nnur allzu gut erreicht, da der Künstler dadurch dem Tage-\nlöhner gleichgestellt ist, der nur dann seinen Lohn erhält,\nwenn er arbeitet. Natürlich muss zugleich der Sänger in\nder Ausübung seiner Kunst handwerksmässig werden; für\ndas Spiel-Honorar übernimmt er eine Partie von heute auf\nmorgen; für das Spiel-Honorar versieht er Statistendienste,\nwenn es verlangt wird, u. dgl. m. Durch solche Unwürdig-\nkeiten werden die Stimmkräfte eines Sängers nicht allein\nvor der Zeit aufgerieben, er selbst wird demoralisirt und\nseines Ehrgefühls dieser mächtigen Triebfeder, ohne\nwelche nichts Bedeutendes zu Stande kommt beraubt\nwerden, und schliesslich sehen wir darin einen nicht gerin-\ngen Beitrag zu den durch und durch verderbten deutschen\nBühnen-Verhältnissen. Alle diese angeführten Dinge, denen\nsich leicht noch mehrere anreihen Hessen, tragen nicht we-\nnig dazu bei, unser deutsches Opern-Personal so lücken-\nhaft zu lassen, wie es schon seit einer Reihe von Jahren\nbefunden wird; und wenn die grösseren Bühnen nicht mit\nder Anlegung von Pflanzschulen der dramatischen Gesangs-\nkunst vorangehen, aus denen der Oper wirklich gebildete,\ngesinnungskräftige Sänger erwachsen, so dürfte die herr-\nschende Sängernoth noch lange nicht ihre Endschaft er-\nreicht haben.\"\n\nAus Zürich.\nWenn in unserem schweizerischen Vaterlande die grös-\nseren Städte in der Winter-Saison durch Abonnements-,\nso wie weitere Concerte einen belebtem Charakter anneh-\nmen, so ermangelt dagegen die übrige Jahreszeit namhaf-\nter Musik-Aufführungen, und die kunstliebenden Seelen\nmüssen eben von einem Winter zum anderen an den em-\npfangenen Genüssen zehren, so gut es geht: ein Uebelstand,\ndem nun bei uns in Zürich durch Errichtung eines stehen-\nden Orchesters gründlich dürfte abgeholfen werden. Desto\nwillkommener ist in ausserwinterlicher Zeit eine etwaige\ngrössere Musik-Aufführung, und desto anerkennenswer-\nther, wenn sie an Orten zu Stande kommt, die keineswegs\nüber Kräfte zu gebieten haben, wie die grösseren Plätze:\nBasel, Zürich,\" Bern. Unter den Musik-Gesellschaften klei-\nnerer Orte zeichnet sich nun ganz entschieden seit gerau-\nmer Zeit diejenige von Zofingen, Cantons Aargau, aus,\nund wir dürfen behaupten, dass diese freundliche Stadt,\ndie nicht nur unter den Musensöhnen einen guten Klang\nhat, sondern so ziemlich allgemein der Mittelpunkt der ver-\nschiedensten Vereine der Schweiz ist und mit liebenswür-\ndiger Bereitwilligkeit zu allem Guten und Edeln die Hand"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.7", "texte": "bietet, in musicalischen Dingen leistet, was verhältnissmäs-\nsig kaum ein Ort in der Schweiz. So hat die dortige Mu-\nsik-Gesellschaft unter Anderem sich zur Aufgabe gemacht,\nalle zwei Jahre etwas Namhaftes öffentlich zu bieten, sei\nes mit oder ohne cantonalen Charakter. Das Erstere war\nvor zwei Jahren der Fall, wo mit bedeutendem Mittel- und\nKraft-Aufwand eine Musik aufgeführt wurde, auf die wir\nsehr gespannt waren, und die uns in ihrem eigentümlich\ngrossartigen Bau und ihren Schönheiten nun\nhöchst willkommen entgegen trat; es war Hiller's „Saul\".\nIn Folge dieser glänzenden Aufführung wurde dann eine\nRestauration der Kirche beschlossen und seither so glück-\nlich ausgeführt, dass nun der musicalisch-akustische Effect\nbedeutend gehoben ist, wovon denn eine neuliche Auffüh-\nrung die glänzende Probe wies.\nEs wurde nämlich, wenn auch diesmal nur local, doch\nmit Beiziehung einiger Kräfte aus dem eigenen Canton, so\nwie aus Basel, der Lobgesang von Mendelssohn vor-\ngeführt. Vorauf ging ein Orgel-Concert, in welchem der\ngediegene Organist Herr Jucker von Basel Bach'sche und\neigene Arbeiten, und sodann der Organist und Musik-Di-\nrector des Ortes, Herr Eugen Petzold, die verschiede-\nnen Orgelstimmen auf vortheilhafte Weise vorzuführen und\nin seinem freien Vortrage einige Haupt-Motive des nun\nfolgenden Stückes so sinnreich zu verweben wusste, dass\nman in der That nicht besser auf das Mendelssohn'sche\nMeisterwerk vorbereitet werden konnte. Die Aufführung\nselber glauben wir am besten dadurch bezeichnen zu kön-\nnen, dass wir sagen: es waltete der Charakter der freiesten\nLiebe in ihr, einer Liebe zur Sache, wie sie in dieser\nWeise eben so bei gebildeten Dilettanten-Vereinigungen\nvorkommen dürfte, als in jenen Kreisen, welche mehr\ndurch Beruf und Pflicht zusammengeführt werden. Dieses\nUrtheil gilt von dem Instrumenten- und Sängerchor wie\nvon den Solisten. War auch die Stärke des ersteren etwas\nüberwiegend, so thaten die Chorsänger mit ihren kräftigen\nStimmen ihr Bestes, um demselben Stand zu halten, und\nhielten es auch. Ausserordentlich war der Eindruck, den\ndie erste unbegleitete Strophe des sechsstimmigen Chorals:\n„Nun danket Alle Gott!\" im Gegensatz zu dem Cantus\nfirmus der zweiten, vollbegleiteten Strophe machte. Die\nSolostimmen waren besetzt von Herrn Egglinger von\nBasel und den Fräulein Rosa Suter und Louisa Senn\nvon Zofingen; Ersterer hervorgegangen aus der Gesang-\nschule von Herrn Reiter in Basel, letztere Beiden aus der-\njenigen von Herrn Petzold in Zofingen, der die Satisfaction\nhat, durch Heranziehung tüchtiger Gesangeskräfte nicht\nnur in seinem Wirkungsorte ein blühendes Musikwesen\ngeschaffen zu haben, sondern auch durch mehrere seiner\nSchüler die Frucht seiner Bemühungen in fernere Kreise\nverpflanzt zu wissen. Wir haben uns an dem glockenrei-\nnen, seelenvollen Gesänge dieser vorzüglichen Solisten herz-\nlich erfreut, und Jedermann musste gestehen, dass beson-\nders das letzte Duett: „Drum sing' ich mit meinem Liede\",\nin seinem Vortrage gar nichts zu wünschen übrig liess.\nEs war, als ob der Geist des verklärten Meisters über dem\nGanzen schwebe und durch die Hand des Dirigenten die\nAusübenden wie die Hörenden inspirire: es war nicht ein\nblosses Concert, es war ein Gottesdienst.\nNicht unbemerkt können wir hierbei lassen, dass die\nin den Hauptstellen der Chöre hinzutretende Orgel den-\nselben eine Würde und Gravität verlieh, wie wir solches\nin der Schweiz nur selten zu hören bekommen.\n\nTages- und Unterhalungs-Blatt.\nHoll®, 12. September. Der kölner Männer-Gesangverein\nfeierte gestern zugleich mit der einundzwanzigsten Stiftungsfeier die\nEröffnung seines neuen Vereinslocales, als welches ihm von der\nstädtischen Verwaltung in anerkennenswerther Weise die neben dem\nRathhause liegende ehemalige Rathscapelle, nachdem dieselbe reno-\nvirt worden, überlassen worden ist. In ihren geschmackvoll mit\nBlumen, Büsten und den zahlreichen Ehrenpreisen des Vereins ge-\nschmückten Räumen hatten sich am Abende in der Mitte der Ver-\neins-Mitglieder die Vertreter der städtischen Behörden, so wie an-\ndere zahlreiche Ehrengäste versammelt. Der Ober-Bürgermeister,\nHerr Geheimerath Stupp, übergab mit einer sinnigen Ansprache das\nLocal seiner neuen Bestimmung, worauf von dem Präsidenten dos\nVereins, Herrn Gymnasial-Oberlehrer Vack, der Dank des Vereins\nzugleich mit einem Hoch auf den hohen Protector, Se. Majestät\nden König Wilhelm 1., ausgebracht wurde. Darauf folgte die künst-\nlerische Einweihung durch den Vortrag einer Reihe von Liedern,\ndie in der prächtigen Halle wunderbar schön klangen. Gegen neun\nUhr begab sieh sodann die Fest-Versammlung nach dem Wiener\nHofe, wo der Beschluss der schönen Feier mit einem durch Gesang\nund Reden gewürzten Festmahle gemacht wurde.\nKarlsruhe. Einen merkwürdigen Fund hat man bei Durch-\nsehung alter Registraturen im Bereiche der grossherzoglich badi-\nschen Hof-Verwaltung gemacht. Es fanden sich nämlich die wohl-\nerhaltenen und schön ausgestatteten Partituren von etwa zwanzig\nOpern und Balletten Lulli's, worunter dessen Alceste und seine\nerste Oper Cadmus. Dieser historisch und musicalisch interessante\nFund ist bereits der grossherzoglichen Hof-Bibliothek einverleibt.\n3Flauen, 13. August, Heute Nachmittag ist das Voigtländische\nSängerfest geschlossen worden, und die Sänger, unsere lieben Gäste,\nhaben uns verlassen. Es waren schöne, herrliche Tage für uns und\nunsere Gäste. In der Kürze will ich Ihnen nur melden, dass, ob-\nschon ein eigentliches Preissingen nicht beabsichtigt war, doch\ndie hiesige Kaufmannschaft einen Preis, bestehend in einem silber-\nnen Pocal? gestiftet hat, und dass dieser Preis von dem aus den\nDirigenten sämmtlicher anwesenden Vereine gebildeten Richter-Col-\nlegium der Liedertafel in Gera, und zwar für das Lied von\nJulius Sturm: „Im Wald\"5 componirt von Capellmeister W. Tschircb,\nzuerkannt worden ist."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620920-01.1.8", "texte": "Alexander Batta bat nach einem Concerte in Wiesbaden\nvom Könige von Holland die goldene Verdienst-Medaille erhalten.\nDftnzig, 17. September. Se. Hoheit der Herzog Ernst zu\nSachsen-Coburg-Gotha hat dem königlichen Musik-Director\nF. W. Markull hierselbst das dem Ernestinischen Haus-Orden\naffiliirte Verdienstkreuz für Kunst und Wissenschaft verliehen, und\nzwar, wie es in dem betreffenden Diplome heisst, „in ehrender An-\nerkennung seiner Leistungen in der Musik, so wie als Zeichen\nHöchsten Wohlwollens\". Derselbe hatte in letzter Zeit wiederholent-\nlich Gelegenheit, Sr. Hoheit näher bekannt zu werden, theils durch\ndie Kedaction eines „Mozart-Albums\", zu welchem Herzog\nErnst als Protector des Mozart-Vereins in Gotha eine Composition\nlieferte, theils durch eine eigene Composition: „Die Gunst des Au-\ngenblicks\" (Gedicht von Schiller), für Männerstimmen und Harmo-\nniemusik, welche vor einigen Monaten veröffentlicht wurde und de-\nren Widmung der kunstsinnige Fürst annahm.\nDer Hof-Opernsänger Beck ist nach Beendigung sei-\nnes Gastspiels in Wiesbaden, Pesth, Prag hier als „fliegender Hollän-\nder\" wieder aufgetreten. Das zahlreich erschienene Publicum spen-\ndete ihm reichsten Beifall. In dem neuen Contracte, welcher mit\ndem Orchester-Personale des Hof-Operntheaters jüngst abgeschlossen\nwurde, ist den Mitgliedern nach zehnjähriger Dienstzeit Pensions-\nberechtigung und nach zwanzigjähriger vorzüglicher Verwendung\nein Nebengehalt aus Staatsmitteln auf Lebenszeit zugesichert.\nAm 31. August starb zu Wien der Hof-Capellmeister Ignaz\nAssmayer. Er wurde zu Salzburg am 11. Februar 1789 geboren;\ner war ein Schüler Michael Haydn's und lebte seit 1815 in Wien,\nwo er 1825 zum Hof-Organisten und 1838 zum Hof-Capellmeister er-\nnannt wurde. Das Leichenbegängniss fand unter zahlreichster Be-\ntheiligung der zur Kunst gehörigen Persönlichkeiten in der Schotten-\nkirche Statt.\nIn diesem Monat werden es gerade einhundert Jahre, dass Mo-\nzart zum ersten Male die Mauern Wiens betreten hat. Er stand\ndamals im Alter von sechs Jahren und wohnte mit seinem Vater\nim Einkehr-Wirthshause „Zum weissen Ochsen\" (heute Hotel zur\nStadt London Nr. 684) auf dem alten Fleischmarkte. Der kleine\nMozart spielte damals bekanntlich bei Hofe vor der Kaiserin Maria\nTheresia und wurde von ihr und ihrem Gemahl Franz von Lothrin-\ngen mit Liebkosungen und Geschenken überhäuft. Diese hundert-\njährige Jubiläumsfeier wird von einem hervorragenden musicalischen\nKreise Wiens in dem genannten Hotel glänzend gefeiert werden.\nAls der englische Geschichtschreiber Burney im Jahre 1771\nJ. A. Hasse in Wien besuchte, rieth ihm dieser, vor allen Dingen,\nwenn er nach Hamburg käme, sich von K. Ph. E. Bach auf dem\nClavichord vorspielen zu lassen, und dann sich um eine Symphonie\nin E-moll von K. Ph. E. Bach zu bemühen. Hasse hielt diese Sym-\nphonie für die beste, die er in seinem Leben gehört.\nJParis« Ein junger Bariton, Caron, der in dem diesjährigen\nConcurs im Conservatorium die ersten Preise erhalten hat, wird\nnächstens in der grossen Oper debütiren.\nDas neue Thedtre lyrique soll mit einer neuen komischen Oper\n„Undine\", componirt von Theodor Semet, Text von Lokroy und\nLeo Mestepes, seine Vorstellungen eröffnen.\nVerdi ist nach Petersburg abgereist, um daselbst die Vorberei-\ntungen zur Aufführung seiner Oper „La Forza del Destinou zu\nleiten.\nAm 7. September lieferte eine Armee von 900 Militär-Musikern\nunter Musard's Anführung den pariser Ohren im eine\nSchlacht, bei deren Schluss die Retraite von fünfzig Trompeten\ngeblasen wurde.\nTamburini wird die Winter-Saison in Nizza zubringen."}]}