{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-09-27-01", "volume": "bmtnabi_1862-09-27_01", "ocr_sha256": "b3608058ccd3e695a8ff8617837be29b541a8b32442fa8ded057f899bf948384", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/09/27_01/bmtnabi_1862-09-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "305", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 451, "texte": "Inhalt.\nDie musicalischen Instrumente auf der Ausstellung in London. 111. (Orgel Harmonium Blas-Instrumente). Eine\nStimme aus Frankreich über Musik- und Gesang-Vereine. Aus Frankfurt am Main (Eine Wirkung der Kritik). Von A. Schind-\nler. 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Nr. 29, 11. Nr. 32.)\nAusser der Masse von Ciavieren aller Arten waren\nvon den Tasten-Instrumenten auch die Orgel und das\nHarmonium zahlreich vertreten.\nUeber die englischen Orgeln der Ausstellung von\n1851 konnte man kein günstiges Urtheil fällen; mit Aus-\nnahme von Hill standen die englischen Orgelbauer damals\nnicht auf der Höhe der deutschen und der französischen.\nZwar sind die Flöten-Register in den grossen Orgeln der\nenglischen Kirchen gut, aber der ganze mechanische Theil\nder Arbeit war bei den ausgestellten sehr vernachlässigt,\ndie Einrichtungen des Gebläses nicht zweckmässig und\nwirksam genug, und selbst das Material mangelhaft, da\ndas reine Zinn sehr spärlich angewandt erschien. Die Re-\ngulirung und Vertheilung des Windes liess sehr viel zu\nwünschen übrig, und Ordnung, Licht und Zugänglichkeit\nim Innern war nichts weniger als musterhaft.\nDie jetzige Ausstellung zeigte einen bedeutenden Fort-\nschritt, den man übrigens schon seit mehreren Jahren be-\nsonders bei den Orgeln in den Concertsälen Englands\nwahrnehmen konnte. 'Namentlich haben die Orgeln von\nWillis eine förmliche Revolution des bisher dort üblichen\nSystems bekundet. Ihr Haupt-Vorzug auch bei den In-\nstrumenten von Hill besteht in den volltönigen, mächti-\ngen Principal-Stimmen und in dem Wohllaut der Labial-\nStimmen, so dass sie in der Disposition und Intonirung\nderselben mit den guten deutschen Orgeln übereinstim-\nmen, während die Franzosen in ihnen die Schärfe und\nKraft der Zungenwerke vermissen.\nDie grosse Orgel, welche Willis ausgestellt hat, ent-\nhält sechszig Stimmen auf vier Manualen und einem Pedal.\nSie hat einen Bourdon von 32 Fuss und vier sechszehn-\nfüssige offene von Holz und von Metall, eilf achtfüssige\nFlötenstimraen verschiedener Art, ein Salicional von acht\nFuss, neun Prästant-Flöten von vier Fuss, ein fünffaches\nCornet, eine Vox humana, eine Vox angelica, zwei Trom-\npeten, eine Posaune, ein Ophiklei'd, ein Contra-Fagott\n(die letztgenannten alle von 16 Fuss), zwei Bassethörner,\neine Posaune von acht Fuss, eine Tuba von acht Fuss,\nmehrere Clairons, mehrere Gedackt-Register: Clarinette,\nOboe und Fagott, einen sanften Schweller und dreizehn\nCombinalions- und Koppelungs-Pedale. Bei der Anwen-\ndung des pneumatischen Hebels von Barker ist eine Ver-\nbesserung angebracht, welche die Spielart noch mehr er-\nleichtert; bei den Bälgen geht die Falte nicht nach innen,\nsondern nach aussen, wodurch (nach Herrn Willis' An-\ngabe) die Windströmung gleich beim Heben des Balges\ndieselbe Kraft haben soll, wie bei ganz offener Falte.\nEine Orgel von Walker in London hat ebenfalls\nvier Hand-Claviere und ein freies Pedal, 51 Stimmen und\n2604 Pfeifen. Im Pedal befindet sich ein Bourdon von\n32 Fuss, ein offener von 16, ein gedeckter von 16 und\nein Principal von 8 Fuss; das Haupt-Manual hat ein 16-\nfüssiges Principal, auch Viola di Gamba und Salicional,\nsiebenfache Mixtur u. s. w. Das zweite Manual hat nur\nvier Stimmen: Principal 8, Flöte 8, Flöte 4 und Tuba 8\nFuss. Das dritte bietet zwölf Register: Bourdon 16, offene\nFlöte 8, Gamba 8, Bourdon 8, Hohlflöte 4, Prästant\nMixtur vierfach, Bombarde 16, Horn 8 Fuss, Oboe und\nClairon. Das Positiv acht Stimmen: Gemshorn, Dulciana,\nVox angelica,offene Flöte 8 Fuss, Spitzflöte 4 Fuss\nu. s. w. Im Pedal ist auch noch eine sechszehnfiissige Po-\nsaune und eine Trompete vorhanden mithin vollständig\nvorherrschende Labialstimmen, die von schönem Tone sind.\nEine Orgel von Bevvington hat 44 Register, drei\nClaviere und Pedal, ein 16füssiges Principal und drei 16«\nfüssige Bässe im Pedal; nur vier Zungenstimmen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5335, "texte": "Eine andere von Hedgeland hat 40 Register, drei\nClaviere und Pedal, fünf löfüssige Pedalstimmen, nur drei\nZungenstimmen: Trompete, Clairon und Posaune. Schöner\nKlang, edler Ton und gute mechanische Arbeit sind ihre\nVorzüge.\nEine curiose Orgel steht im nördlichen Transept, cu-\nrios namentlich von Anblick, weil die Pfeifen, die im Pro-\nspecte stehen, sich in allerlei bunten Farben und sonder-\nbar auffallender Anordnung zeigen. Vielleicht sind die Er-\nbauer,, Forster und Andrews in Hull, Anhänger der\npolychromen Kirchen-Decoration. Der Prospect macht\neinen unangenehmen Eindruck. Das Werk enthält 38\nStimmen, darunter als löfüssige: fünfßourdons, eineßom-\nbarde, ein Ophikleid, eine Bass-Posaune; ferner über ein\nDutzend achtfüssiger Stimmen und mehr Zungen-Register,\nals die übrigen englischen Orgeln haben. Man sollte dess-\nhalb auf eine grossartige Wirkung schliessen, allein es\nist das Gegentheil der Fall: der Körper hat keine Lunge,\ndas Gebläse ist ganz ungenügend, aber auch das Material\nmangelhaft.\nVon auswärtigen Orgelbauern war kein einziges Werk\nauf der Ausstellung. Wahrscheinlich haben sie die Kosten\nder Aufstellung gescheut; übrigens wäre auch der ihnen\nzugewiesene Raum viel zu klein gewesen, um einiger\nMaassen bedeutendere Werke aufzustellen, da die Englän-\nder von dem jedenfalls schon zu kleinen Räume fast die\nHälfte für sich in Anspruch genommen halten.\nDas Harmonium gehört eigentlich zu der Gattung\nvon Instrumenten, welche aus der Reihe derjenigen Ton-\nwerkzeuge heraustreten, die für die Ausführung der wirk-\nlichen Musik als Mittel, die Gedanken der Tondichter auf\nmannigfach ausdrucksvolle Weise darzustellen, nothwendig\nsind. Es gehört in die Classe der Inventions-Instrumente,\nderen hauptsächliches Resultat nur eine besondere Klang-\nwirkung ist. Diese kann an und für sich interessant sein,\nwie z. B. bei der Glasharmonika, aber ihre Natur verlangt\neine besonders dafür geschriebene Musik, die Tonschöpfun-\ngen der grossen Meister sind für sie todt, und abgesehen\nvon dieser Beschränktheit ihres Gebietes ist die Wirkung\nauch der besten dennoch auf die Dauer nicht zu ertragen.\nTrotz alledem ist das gewöhnliche Harmonium in un-\nserer Zeit für einige Länder ein Bedürfniss geworden,\nz. B. für Frankreich und noch mehr für England und\nAmerica, für die Leitung des Gesanges in Elementarschu-\nlen, geistlichen Vereinen, religiösen Secten und für häus-\nliche Andachtsübungen. Der Hauptsitz der Fabrication ist\nFrankreich, und das Harmonium ist ein so bedeutender\nHandels-Artikel geworden, dass die Ausfuhr allen Glauben\nübersteigt. Es war also natürlich, dass die französischen\nFabricanten die londoner Ausstellung reichlich damit ver-\nsorgten, da der grösste Theil der ganzen Fabrication auf\nden Absatz im Auslande berechnet ist. Bekanntlich wer-\nden die Harmoniums jetzt mit mehreren Registern verse-\nhen, wie denn überhaupt der Bau derselben in jeder Hin-\nsicht, besonders auch in der Mechanik der Windzulüh-\nrung, sehr vervollkommnet worden ist. Aus den Werk-\nstätten von Alexandre, Debain, Mustel und Rodolphe\n(Harmonium mit zwei Ciavieren und 23 Registern, von\ndenen übrigens viele ganz gleichen Klang haben!) in Pa-\nris sind viele gute Instrumente ausgestellt, unter ihnen auch\nein „Harmonichord\" von Debain, welches das gewöhn-\nliche Harmonium mit einem einsaitigen Pianoforte ver-\nbindet. Bei aller Achtung vor dem mechanischen Genie\ndes Erfinders und vor der Virtuosität des Herrn Lefebure-\nWely aus Paris, welcher das Instrument spielte, bleibt es\nam Ende doch nur ein Curiosum, das für die wahre Ton-\nkunst keine Bedeutung hat.\nAus Deutschland, wo das Harmonium bekanntlich\nnoch wenig Boden gewonnen hat, fanden sich nur aus\nStuttgart Instrumente aus den Werkstätten von Schied-\nmeyer, Ross & Comp, und Kraser vor, welche mit\nden französischen coucurriren können.\nVon der Orgel und dem Harmonium ist der Ueber-\ngangzu denßlas-Instrumenten ein natürlicher. Keine\nandere Gattung von Tonwerkzeugen bekundet so wie diese\nden Fortschritt unserer Zeit gegen das vorige Jahrhundert,\ndenn die Unmöglichkeit, gewisse Notenfolgen und so ge-\nnannte Passagen auf ihnen hervorzubringen, welche noch\nin den ersten Jahrzehenden unseres Jahrhunderts bis auf\ndie Erfindungen von Theobald Böhm in München allge-\nmein angenommen wurde, ist heutzutage verschwunden.\nAuch die diesjährige Ausstellung in London liefert den\nBeweis, dass die Verbesserungen der letzten Zeit vortreff-\nlich angewandt und vervollkommnet worden sind, und dass\nder Fortschritt in diesem Zweige des Instrumentenbaues\nauch jetzt noch nicht still steht. Aus allen Ländern, na-\nmentlich aber aus Frankreich und Deutschland, waren\nausgezeichnete Leistungen anzuerkennen.\nDie Oboen von Triebert sind längst sehr geschätzt.\nEine neue Oboe von ihm mit Anwendung des Böhm'schen\nSystems hat einen grossen Ton und viel Reinheit, aber\ndieser Ton ist kein Oboeton mehr. In dem Fagott dessel-\nben Fabricanten soll die Menge von Klappen die Reinheit\ndes Tones in allen Lagen befördern, was jedoch nicht als\nganz gelungen erscheinen konnte. Ein Fagott von Gautrot\nin Paris hatte nicht weniger als dreiundzwanzig Klappen!\nUnter den vielen vorzüglichen Flöten war trotz der treff-\nlichen Reinheit aller übrigen Töne bei ihnen dennoch keine\nzu finden, welche das Problem, die tiefsten Töne eben so\nrein als die anderen wiederzugeben, genügend gelöst hätte;"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5237, "texte": "wie bei allen bisherigen, so konnten auch bei den besten\ndie tiefen Töne nur durch die geschickte Behandlung des\nInstrumentes, namentlich durch stärkeres Anblasen, in reine\nStimmung (d. h. nicht etwas zu tief gegen die höheren\nTöne) gebracht werden, wodurch der Ton aber an Weich-\nheit verliert. Einige Instrumente aus der Werkstatt der\nEngländer Clinton & Comp, machten sich durch eine Mo-\ndification des Böhm sehen Systems bemerkbar, nach wel-\ncher die Löcher an Weite von den hohen zu den tiefen\nTönen progressiv zunehmen, was eine Verbesserung der\ntiefen Töne erzeugt. Es waren auch einige Flöten von\nMetall da, unter anderen eine, die wohl viele Liebhaber\nfinden dürfte, nicht um geblasen, sondern um eingeschmol-\nzen zu werden. Sie ist nämlich aus reinem Golde gearbei-\ntet und kostet 135 Guineen. Ein Dilettant hatte sie sich\nzu seinem Privat-Vergnügen machen lassen; natürlich\nkonnte das nur ein Engländer sein. Eine andere von Alu-\nminium hatte einen sehr dumpfen Ton.\nDie Clarinette, bekanntlich das jüngste Glied der Fa-\nmilie der Holz-Blas-Instrumente, hatte noch im Jahre 1809\n(vgl. X. Lefebvre's Clarinettenschule für das pariser Con-\nservatorium) nur sechs Klappen, jetzt siebenzehn. Die C-\nClarinette und die Bass-Clarinette von Adolf Sax erregten\nganz besondere Anerkennung. Ein Curiosum, das jedoch\nvielleicht eine Zukunft hat, war eine Doppel-Clarinette des\nFranzosen Büffet, nämlich A- und zusammen,\nzwei Röhre an Einem Instrumente, nebst einem Mecha-\nnismus, durch den man augenblicklich in und umge-\nkehrt A in B verwandeln kann.\nDas Saxophon mit seiner ganzen Familie erfreute sich\ndes allgemeinen Beifalls der Preisrichter und des Publi-\ncums. Es gehört in das Gebiet der Clarinette, weil sein\nTon auch durch eine schwingende Zunge (Blatt) im Schna-\nbel erzeugt wird; aber die akustischen Bedingungen im\nMaterial und im Bau des Rohrs sind sehr verschieden von\ndem Bau der Clarinette. Das Saxophon ist ein parabolischer\nKegel von Metall, dessen Tonleiter durch ein Klappen-Sy-\nstem hervorgebracht wird. Der Klappen sind je nach den ver-\nschiedenen Gattungen und Dimensionen des Instruments 19\nbis 22. Durch die Schwingungsknoten seiner Luftsäule we-\nsentlich von der Clarinette verschieden, wird das Saxophon\nin Octaven gestimmt, welche alle rein sind, was bei jener\nnicht der Fall ist. Es existiren acht Arten desselben: Bass-,\nBariton- (Tenor-), Alt- und Sopran-Saxophon, jedes in zwei\nAbstufungen. Der Klang ist vielleicht der schönste und sym-\npathischste, den man hören kann; er ist mit keinem Tone\nirgend eines anderen Instrumentes zu vergleichen. Sehr\nweich und melancholisch, eignet er sich mehr für getra-\ngene Töne als für schnelle Passagen, wiewohl er leicht\nund genau articulirt anspricht, so dass ein geschickter Cla-\nrinettist auch glänzende Concertsachen darauf vortragen\nkann, wie z. B. Wuille in Paris schon oft bewiesen hat.\nDie Ausdrucksfähigkeit des Tones ist ganz wunderbar :\nsie geht vom zartesten pianissimo bis zum mächtigsten\nforte. Adolph Sax, der Erfinder dieses trefflichen Instru-\nmentes, war selbst in London und führte seine Schöpfun-\ngen als geschickter Bläser den versammelten Preisrich-\ntern selbst vor.\nNachschrift der Redaction. Die von Rotter-\ndam aus uns zugegangene Reclamation gegen das Urtheil\ndes Herrn Felis über die Pianoforte-Fabrication in Holland\nist nicht zur Aufnahme geeignet. Erstens geschieht darin\nHerrn Felis Unrecht in doppelter Hinsicht: einmal, weil\ndas Urtheil über das einzige Instrument, das aus Holland\nin London vorhanden war, nicht sein persönliches, sondern\ndas der ganzen Jury ist, und dann, weil sein Ausdruck:\n„In Holland scheint die Fabrication von Pianofortes\nnoch wenig vorgeschritten zu sein, wenn man nach den\nseltenen Proben auf den Ausstellungen von Paris und\nLondon urtheilt\" u. s. w. doch wahrlich sehr beschei-\nden ist. Zweitens aber spricht die gewiss ganz gut ge-\nmeinte Apologie der holländischen Ciavierbauer über die\n„ungünstige Lage derselben und ihre Ueberflügelung durch\ndie Einfuhr ausländischer Instrumente gemäss dem hollän-\ndischen Freihandels-System, wodurch die holländischen\nCiavierbauer gehindert würden, mit dem Auslande zu con-\ncurriren, wesshalb sie denn auch die internationalen Aus-\nstellungen nicht beschickten.\" Ist das denn nicht eine Be-\nstätigung der „Situation peu? Höchstens kann\nes als eine Erklärung der Thatsache gelten; als eine\nRechtfertigung des Zurückbleibens eines Gewerbzweiges\nim Vergleich zu anderen Ländern kann dieses ab-\ngestandene Schutzzöllner-Argument heutzutage schwerlich\nBilligung finden. Und der Satz gegen Ende derselben\nApologie: „Nach unserer Meinung sind die Piano-Fabri-\ncanten in Holland sogar zu loben, dass sie sich trotz dem\nüberwältigenden Strome ausländischer Instrumente von\ndem niedrigen Standpunkte von Reparateurs, wie sie gros-\nsentheils noch vor zwanzig Jahren waren, zu selbstständi-\ngen Clavierbauern emporgehoben haben\" berechtigt\ndieses aufrichtige Geständniss nicht ebenfalls zu dem\nSchlüsse, dass wohl noch einige zwanzig Jahre nöthig sein\nwerden, um die gewiss sehr ehrenwerthe Thätigkeit der\nholländischen Instrumentenmacher auf die gleiche Höhe\nder französischen, englischen und deutschen Fabrication,\nderen Alter über ein Jahrhundert hinausgeht, zu bringen?\n[*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "308", "page_fin": "310", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.2.3", "titre_corps": "Eine Stimme aus Frankreich über Musik- und Gesang-Vereine", "titre_sommaire": "Eine Stimme aus Frankreich über Musik- und Gesang-Vereine", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5553, "texte": "Eine Stimme aus Frankreich über Musik- und\nGesang-Vereine\n*).\nEin beunruhigendes Symptom, das sich in den Gauen\nvon Frankreich, in welchen das Musiktreiben sich verallge-\nmeinert, überall in gleichem Grade zeigt, ist die Unfruchtbar-\nkeit der Saat künstlerischer Elemente, die durch jene Ver-\nbreitung ausgestreut wird. Man beobachte die Provinzen, in\ndenen gegenwärtig der Unterricht und die Ausübung des Ge-\nsanges und der Instrumentalmusik concentrirt ist, die Depar-\ntements der Seine, des Rheines, der Rhone, der Gironde, der\nGaronne und besonders des äussersten Südens: überall bietet\nsich dieselbe Wahrnehmung dar. Man betrachte die Menge\nvon Musikschulen, die mit den Local-Conservatorien in\nVerbindung stehen, von Unterrichts-Classen dieses oder\njenes Musiklehrers von Ruf, von Orchester-, von Harmo-\nnie-, von Männergesang-Vereinen, ja, selbst von Vereinen\nfür Kammermusik und Kirchenmusik, welche sich der Aus-\nführung von classischer Musik widmen: wie viele gibt es\ndenn unter ihnen allen, die wirklich wissen, was sie wol-\nlen, die, ohne rechts oder links abzuweichen, entschlossen\nden geraden Weg nach einem bestimmten Ziele zu ver-\nfolgen im Stande sind? Wenn der feste Wille nicht zu\nder Natur-Anlage hinzutritt, so entgeht man den Verlockun-\ngen nicht, die vom Wege abführen. Vergebens hat der\nHimmel glückliches Talent gegeben: die Zerstreuung ent-\nkräftigt es, und die Blume verwelkt noch vor ihrer Blüthe.\nSo tauchen viele musicalische Gesellschaften auf und\ndrängen und ergänzen einander in wer weiss wie kurzer\nZeit. Wie mancher Verein beginnt freudig und triumphi-\nrend, als wollte er die unsterbliche Palme davontragen,\nund schon fehlt dem Sieger der Athem: der erste Erfolg\nhat seine Kräfte erschöpft.\nHört man alle die Namen der künstlerischen Vereine,\nliest man alle die Aufzählungen von Erfolgen und Sieges-\npreisen, welche die Presse mit Sympathie in ihre Spalten\neinträgt, so sollte man an eine allgemeine musicalische\nWeltbewegung glauben, an einen Ueberreichthum von\nWerken und Talenten, der Zeugniss von der markigen\nKraft gibt, welche männliche Jahrhundertc erzeugt. Die\nMenge von Talenten, nun ja, sie ist eines der Kennzeichen\nunserer Zeit: aber ach! wie reissend schnell verbleichen\nalle diese schimmernden Leuchten!\nDas getreueste Bild der Periode, welche jetzt unsere\nvolksmässigen Musik- und Gesang-Vereine durchlaufen,\nsind die Tausende von Sternschnuppen, welche in den\nwarmen Augustnächten am Himmel aufglänzen und ver-\nschwinden. Es zeigten sich doch recht schätzenswerthe\nEigenschaften in dem oder jenem Vereine, dessen erster\nAnlauf uns im vorigen Jahre Freude machte; was ist denn\naus ihm geworden? Er hat den Weg verloren, er hat sich\ndurch Irrlichter auf trügerischen Boden locken lassen:\nman sucht ihn vergebens wieder irgendwo aufzufinden;\nman muss immer wieder mit jenem Redner der Alten aus-\nrufen: „Das Jahr hat seinen Frühling umsonst gehabt!\"\nWir könnten diese Musterung in allen grossen Mittel-\npunkten der Bevölkerung Frankreichs fortsetzen, und es\nwürde uns nicht an Belegen unserer Behauptung fehlen ;\nwir wollen indessen für jetzt sie nur auf die Provinzen des\nSüdens beschränken.\nWie oft haben die Provence, Guienne, Languedoc voll\nHoffnung einen Namen begrüsst, der gross zu werden ver-\nsprach! Was für schöne Stimmen und wie viel Geschick!\nWie viel Fähigkeit, Begeisterung und Eifer! Wie reissende,\nunerwartete Fortschritte! Da besass eine Stadt eine phil-\nharmonische Gesellschaft, deren Tüchtigkeit und dauernde\nAnstrengungen das Publicum in die reinen Schönheiten\nder grossen Meister einweihten und mit den hervorstechen-\nden Werken der Zeitgenossen bekannt machten. Eine\nandere hegte und pflegte einen Männer-Gesangverein, der\nvor allen übrigen berühmt war, der die gemeinen Traller-\nliedchen und die Gassenhauer verschmähte, welche nur\nallzu sehr bei diesen Vereinen überhand nehmen, der den\neigentlichen Gesang studirte und sein Repertoire mit Ur-\ntheil und Geschmack wählte. Noch eine andere zeichnete\nsich durch ihr Harmonie-Musikcorps aus, das mit den be-\nsten Regiments-Musiken der Armee in die Schranken tre-\nten konnte, so dass jene heissblütigen südlichen Provinzen\nin ihrer Begeisterung und Tüchtigkeit in der edelsten\nWeise zu dem Glauben der deutschen Minnesänger zu-\nrückkehren zu wollen schienen. Glänzender Aufschwung,\nleuchtende Hoffnungen wo seid ihr geblieben?\n\n*) Dieser Aufsatz bespricht zwar zunächst die musicalischen Di-\nlettanten-Vereine im südlichen Frankreich, enthält aber, abge-\nsehen von den interessanten Aufschlüssen über die Verbreitung\nder Musiklust in jenen Gegenden, so viele schlagende Bemer-\nkungen über das heutige populäre Musiktreiben überhaupt,\ndass ich ihn Ihnen zur Benutzung für die Niederrheinische\nMusik-Zeitung übersende. Wenn die Leser in Deutschland\nauch nicht alle sagen werden: „ Tout comme chez nous /\" so\nwerden doch sicher Viele ihren Mitlesern, die da jene franzö-\nsischen Zustände belächeln, mit Horaz zurufen: „Quid ridesf\nMutato nomine de te Fabula narratur(„Was lachst du?\nVertausche die Namen, und die Schilderung trifft dich selbst!\")\nDas Wichtigste dabei ist, dass der Aufsatz von einem fran-\nzösischen Musiker, Mathieu de Monter, herrührt, der\ndadurch beweist, wie sehr er sich ein freies, selbstständiges\nUrtheil über die Zustände seines Vaterlandes bewahrt hat. Eine\nderartige Aufrichtigkeit ist wahrlich bei Weitem erspriesslicher\nfür die Anregung eines ernsteren künstlerischen Strebens, als\ndie stehende Lobpreisung der Mittelmässigkeit, zu welcher sich\nder blinde Local-Patriotismus oft genug verpflichtet glaubt,\nP."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5438, "texte": "Verschiedene Ursachen haben das gleiche Ergebniss\nherbeigeführt, dass die musicalischen Vereine auf halbem\nWege stehen geblieben sind, d. b. stehen geblieben in\nihren künstlerischen Fortschritten, denn ihr numerischer\nBestand wächst täglich. Stolz oder Faulheit, geckenhafte\nEinbildung oder Misstrauen in sich selbst, ungeschickte\nLeitung, verunglückte öffentliche Proben, Mangel an ma-\nteriellen Ermunterungen, örtliche Rivalitäten, Verlockun-\ngen des geselligen Lebens, des Theaters u. s. w., ohne\nvon den begründeten Hindernissen zu reden, welche die\nNotwendigkeit des Berufs und der Geschäfte so oft der\nAusübung der Kunst selbst in Mussestunden entgegen-\nstellen das sind einige von den Einflüssen, welche den\nLebenssaft vor der gehofften Blülhe im Keim vertrocknen.\nUnd doch deuten wir hier nur auf Vereine hin, welche\nviel Aufsehen gemacht haben. Aber um diese herum und\ntief unter ihnen steht eine Masse von Gesellschaften, die\nauch einen Augenblick lang Sympathie geweckt haben.\nIn geschlossenen Reihen schien eine starke Legion in gu-\nter Ordnung vorzurücken, und dennoch änderte sich der\nAnblick jedes Jahr. Ein neues Auftreten verdrängte das\nandere, aber der mit Beifall begrüsste Verein erhob sich\nnicht über die anderen. Das alles beweist eine auffallende\nFruchtbarkeit auf dem Gebiete der Kunst; aber woher\nkommt es, dass eine relative Vervollkommnung nicht mehr\nerreicht wird? Warum bleiben die musicalischen Vereine\nauf einem gegebenen Punkte stehen? Warum bildet sich\naus ihrer Mitte heraus nicht eine Classe des Fortschrittes\nund der Action, eine Art von Schule, welche die Schwä-\ncheren unterstützt und fördert und die Zerstreuten um\nsich sammelt?\nDie Ursachen davon liegen in der Organisation der\nVereine, in ihrer Zusammensetzung, in ihren Gewohnhei-\nten und in dem Geiste, der in ihnen lebt. Man werfe nur\neinen prüfenden Blick auf das Ganze dieser Vereine selbst,\nwelche sich im Süden in jeder Stadt, in jedem Dorfe bil-\nden, um die Rhone mit den Pyrenäen durch das gemein-\nsame Band der Harmonie zu verbinden, und es wird einem\nklar, warum nichts für die Kunst dabei herauskommt.\nUnbeständig und leichten Sinnes, theilen die Südlän-\nder nicht die gegenwärtigen Bestrebungen des Nordens,\ndie darauf ausgehen, sich von dem lange getragenen Joche\ndes Vorortes Paris in Sachen der Kunst frei zu machen\nund sich Institute und eine musicalische Bildung zu ver-\nschaffen, die ihren moralischen und intellectuellen Bedürf-\nnissen entspricht. Im Süden singt und musicirt man bloss,\num zu singen und zu musiciren, ein höheres Ziel kennt\nman nicht; an eine Opposition gegen l*aris denkt man\nnicht. In diesem vom Himmel gesegneten Lande vom Var\nbis zur Garonne hat die Natur den Bewohnern unstreitig\nschöne musicalische Anlagen gespendet, aber sie treiben\ndie Musik mit einer Unabhängigkeit von Gesetz und Ord-\nnung, welche das heisse Klima nicht ganz entschuldigen\nkann, und bei einer ernsten Arbeit sagen sie gern mit dem\nträgen Bedienten in der alten Komödie: „Gott sei Dank!\nich bin fertig, nun arbeite du weiter!\" Es gibt in derThat\nkaum ein Land, das in musicalischer Beziehung günstiger\nbedacht wäre. Die Bewohner besitzen Anlage und Trieb\nzum Gesänge, die Melodie ist ihnen angeboren, ihr leb-\nhafter Verstand fasst die harmonischen Verhältnisse schnell\nund leicht auf, ihr Inneres ist für jeden Gefühls-Eindruck\nempfänglich, sie haben Sinn für Poesie und ein gefälliges,\neinnehmendes Wesen; zu allem dem hat die Natur ihnen\nschöne, kräftige, umfangreiche und sympathische Stimmen\nverliehen. Und dennoch bleiben sie in künstlerischer Be-\nziehung auf einem relativ niedrigen Standpunkte stehen.\nWarum? Weil es zweierlei ist, ein Kunstwerk zu verste-\nhen und in sich aufzunehmen, und es zu reproduciren,\nweil zwischen Jenem und Diesem, zwischen der Auffassung\nund der Wiedergabe eine Kluft liegt, welche nur ein ern-\nstes Studium ausfüllen kann, und weil der Südländer nicht\nfür ausdauerndes Studiren gemacht ist und die strenge\nNothwendigkeit der ernsten Arbeit gern von sich abweist.\nOhne diese gibt es aber natürlich keinen wirklichen Fort-\nschritt in der Kunst.\nWie die Individuen, so verschmähen auch die glück-\nlich begabten Völker im Vertrauen auf ihre natürlichen\nFähigkeiten die beharrliche Arbeit. Ihr erster Anlauf ist\nkühn, energisch und hat etwas Ursprüngliches; aber bald\ntritt Nachlass, Zweifel, Entmuthigung, Ueberdruss ein, weil\ndie einzige sichere Führerin zum Ziele, die Arbeit, nicht\nim Bunde mit der Lust an der Sache ist. So fehlt denn\nauch den musicalischen Vereinen im Süden die Haupt-\nsache: Arbeit, Ausdauer, Gründlichkeit und Sicherheit in\nWissen und Können. Ist es da zu verwundern, wenn sie\nrückwärts gehen und der Kunst nicht den geringsten Vor-\ntheil bringen?\nWerfen wir zunächst einen Blick auf die philharmo-\nnischen Gesellschaften oder Orchester-Vereine. Diejenigen,\ndie noch am Leben sind, verdanken ihre Gründung gewis-\nsenhaften Künstlern, welche in mancher Stadt mit Be-\ndauern die Zersplitterung der musicalischen Bestrebungen\nsahen und mit Leidwesen bemerkten, wie bald von musi-\ncalischen jugendlichen Talenten kaum noch ein Schatten\nübrig blieb, wenn sie sich eine Weile im bürgerlichen Le-\nben bewegt hatten. Ihr Ziel war, die Musiker, die es ernst\nmit ihrer Kunst meinen, um einen Mittelpunkt zu vereini-\ngen, dem Dilettantismus eine neue Richtung zu geben, die\nKunst auf die echten Traditionen zurückzuführen, die sie\nfast ganz verlassen hatte, Sinn und Geschmack des Publi-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1391, "texte": "cums durch Vorführung classischer Tonwerke zu bilden.\nAber dieses schöne Programm wurde weder lange, noch\ngetreu befolgt. Mochten nun die Dirigenten ihrer Aufgabe\nnicht gewachsen sein, oder es den Mitgliedern an Tüchtig-\nkeit oder an gutem Willen fehlen, kurz, Abspannung, Läs-\nsigkeit, Ueberdruss lähmten bald die Entwicklung dieser\nVereine. Man entsagte desshalb zuerst der classischen Mu-\nsik und machte sich an die engbrüstigen, leichten, flitter-\nglänzenden Mode-Compositionen. Die Disciplin erschlaffte,\nProben und Uebungen wurden schlecht besucht, dazu Zwi-\nstigkeiten zwischen den Vorständen und den technischen\nDirigenten, Provincial- und Local-Eifersüchteleien, Scan-\ndal u. s. w.\nDie Zahl dieser Gesellschaften hat sehr abgenommen.\nMit Ausnahme des Gedeihens einiger von ihnen in grossen\nStädten, bieten die wenigen, welche in kleineren Verhält-\nnissen den Verwüstungen der Faulheit, Eifersucht und\nEitelkeit noch widerstanden haben, ein jammervolles Schau-\nspiel dar. Ihr Repertoire zerfällt in Trümmer, wie ihre In-\nstrumente. Seit zwölf Jahren spielt man zu bestimmtem\nTag und Stunde, in demselben Locale, in demselben schwar-\nzen Frack und weisser Halsbinde, vor demselben Publicum\ndieselben Sachen ab: alte Contretänze, abgedroschene Wal-\nzer, Gavotten aus dem vorigen Jahrhundert, die Ouvertü-\nren zu La Chasse du jeune Hezum\nzu den Diamants de la couronne!\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "310", "page_fin": "311", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.6", "debut_caractere": 1393, "fin_caractere_exclue": 5155, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\n(Eine Wirkung der Kritik.)\nSeit ihrem Bestehen war es eine der Aufgaben der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung, dem Verkehrten, Indu-\nstriellen, überhaupt der künstlerischen Anmaassung kräf-\ntigst entgegen zu treten und dem Guten und wahrhaft\nSchönen in der Tonkunst ein schützender Hort zu sein.\nAuch heute kommt dieses Organ wieder in den Fall, aus\ndenselben Gründen seine Stimme laut werden zu lassen.\nDer hierorts prakticirende Ciavierlehrer Herr August\nBuhl halte es im Laufe des letzten Winters unternom-\nmen, vier Matineen zu veranstalten, um Werke classischer\nund sonst namhafter Componisten aus weit zurückgehen-\nden Epochen bis auf unsere Zeit zum Vortrag zu bringen.\nSo kamen z. B. in der ersten Versammlung Compositionen\nvon Ebner, Scarlatti, Couperin, Beethoven und C. M. von\nWeber zum Vortrag. Da den intelligenten Musikern und\nMusikfreunden die Fähigkeiten des Herrn Buhl hinsicht-\nlich Auffassung und Reproducirung classischer Werke\nlängst bekannt waren, so war in diesem Theile des Publi-\ncums das Erstaunen über ein Wagniss von solcher Bedeu-\ntung ein allgemeines. In welcher Weise sich die Local-\nKritik in nicht weniger denn fünf Blättern zu diesem\nwahrhaft abenteuerlichen Unternehmen verhalten, wie die\nAussprüche der verschiedenen Beurtheiler in allen die Lei-\nstungen des Herrn Buhl betreffenden Punkten überein-\nstimmten, so zwar, dass dieselben als kunstrichterliche\nProteste gegen sündhafte, kaum noch da gewesene Ver-\nstümmelung classischer Musik Geltung haben konnten,\ndas hat der Unterzeichnete in dem Aufsatze „Die musica-\nlische Kritik\" in Nr. 12 d. 81. mit zu berühren Grund\ngehabt. Beispielsweise soll zur Constatirung der Thatsachen\nnur eine Stelle aus der Beurtheilung in Nr. 15 des Feuille-\ntons der N. Frankf. Zeitung über die erste dieser Matineen\nhier angezogen werden. Der Kritiker bemerkt dort:\n„Die Ausführung der Compositionen so verschiedener\nMeister kann offenbar nur einem Musiker gelingen, der\nfähig ist, alle die Verschiedenheiten des Stils aufzufassen\nund getreu wiederzugeben. Es ist wohl unbestreitbar, dass\njeder dieser Componisten sein besonderes Genre hat, durch\nwelches er sich von den anderen eben so unterscheidet,\nwie in der Dichtkunst Schiller von Göthe durch die ganze\nManier seiner Poesieen unterschieden ist. Das war nicht\nBeethoven, Ebner, Scarlatti, Couperin und Weber, was\nwir hier zu hören bekamen; nein, das war Buhl, immer\nwieder Buhl, nichts als Buhl! Das Talent jener Interpre-\ntation sollte ja gerade in einem gänzlichen Vergessen der\neigenen Individualität bestehen, welche völlig in der des\nMeisters aufgehen, sich mit ihr verschmelzen muss; doch\ndavon fanden wir nichts. Buhl gehört zu jenen Pianisten\nder Neuzeit, die glauben, den Nagel auf den Kopf zu tref-\nfen, wenn sie ein Meisterwerk nach ihrem eigenen Sinne\ninterpretiren und ausführen, indem sie es nach ihrem\nGutdünken in einem beliebig gewählten, bald mehr, bald\nweniger raschen oder schleppenden Tempo nehmen. Solche\nKünstler können eine Composition wohl zerstören und ver-\nderben, aber gewiss nicht sie getreu wiedergeben.\"\nSollte man nicht für gewiss annehmen dürfen, dass\nnach einer Reihe ähnlicher, die Blätter füllender Verur-\nteilungen der betreffende Musiker zur Erkenntniss seiner\nselbst kommen und sich von einem Gebiete zurückziehen\nwerde, dessen inneres Wesen ihm für alle Zeit verschlos-\nsen bleiben wird, weil ihm die Haupterfordernisse dazu\nabgehen, als Geist und Gemüth, gesunde Begriffe von der\nPsyche des Tones, Kenntniss des Charaktergepräges über-\nhaupt? Der „Frankfurter Anzeiger\" vom 6. d. Mts. be-\nlehrt uns eines Anderen. Darin tritt Herr Buhl mit fol-\n' *\ngender Bekanntmachung hervor:\n„Für die bevorstehenden Wintermonate werde ich\neinen besonderen Cursus für das Studium der Cla-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2700, "texte": "Vier-Sonaten von Beethoven errichten. Derselbe soll\nin wöchentlich einmaliger Zusammenkunft in meiner Woh-\nnung Statt haben und jedes Mal zwei Stunden währen\"\nu. s. w.\nDas wäre also der ostensible Beweis von Wirkung\nder wohlmeinend warnenden, aber auch unbefangenen\nKritik auf Herrn Buhl!\nSeitens der Sanitäts-Polizei wird das unbedachte, oft\nauch unwissende Publicum vor leiblichen Uebeln gewarnt,\nvor ansteckenden Blattern, giftigen Schwämmen, tollen\nHunden u. s. f.—vor Uebeln, die der Seele Gefahr drohen,\nwarnt die Kirche Uebeln aber, die dem reinen Wesen\nder Kunst und Wissenschaft Gefahr drohen, stellt sich die\nfurchtlose Kritik entgegen; wer ihre Warnungen hört und\nbeachtet, wird nicht in den Fall gerathen, Mühe, Zeit und\nauch materielle Verluste beklagen zu müssen. Hat der Un-\nterzeichnete bei Gelegenheit der öffentlichen Productionen\ndes Herrn Buhl seine Stimme nicht ebenfalls erhoben und\nnur beigehend derselben in diesen Blättern Erwähnung\ngethan, so geschah es, weil die fünf Kunst-Anwalte hier\nnach bester Erkenntniss ihr Amt gehandhabt haben, meine\nBetheiligung daher überflüssig geschienen. Anders stellen\nsich die Dinge jetzt, und Pflicht wird es mir, nun das Wort\nzu nehmen.\nWer zu erwägen versteht, welch grosser Unterschied\nhinsichtlich der schlimmen Nachwirkungen eines tiefge-\ndachten, aber schlecht verstandenen Tonwerkes obwaltet,\nob durch dessen Ausführung eine zahlreiche Versammlung\ngleichsam Übergossen, oder ob dasselbe einem jugend-\nlichen Talente tropfenweise eingegeben wird, der wird\nMitleid fühlen mit der so methodisch verderbten Jugend\nund dem verwegenen Lehrer ein Quos ego zurufen, dem\nnach Umständen ein Quousque tandem nachfolgen soll,\nwobei der missachteten Kritik die gebührende Genug-\ntuung zu Theil werden wird. Handelte es sich in unse-\nrem Falle um nothwendige Rüge einzelner, wenn selbst\nschwerer Irrthümer neben richtig und verständig begriffe-\nnen Theilen eines grossen Ganzen, dann wäre es vielleicht\nbillig, Concessionen zu machen und das Verfehlte über\ndem Richtigen zu vergessen, weil man doch auf vorausge-\ngangenes Studium und redliche Absichten schliessen könnte.\nAllein das ist es alles nicht; der Autodidact Buhl scheint\nvielmehr mit Vorsatz an die That zu gehen und sich zu\nsagen: Ich will es ganz anders machen, als die Anderen,\nund Geläufigkeit der Finger nebst Mangel alles ästhe-\ntischen Gefühls verhelfen ihm auch wirklich dazu, dass er\nin dieser seiner Weise als Original figurirt, allerdings als\nabschreckendes.—Und zu solch industriellem, ja, schmäh-\nlichem Gebahrensoll Beethoven'sMusik den benöthigten\nStoff bieten, um grundsätzlich in ein schleichendes Gift\nfür die lernbegierige Jugend umgemodelt zu werden!?\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-09-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-09-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-09-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "311", "page_fin": "312", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.7", "debut_caractere": 2702, "fin_caractere_exclue": 5679, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMein. Die Herbstprüfungen an unserem Conservatorium\nder Musik unter Oberleitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nF. Hiller haben an den ersten drei Tagen dieser Woche Statt ge-\nfunden und sehr erfreuliche Resultate geliefert. Das Winter-Semester\nbeginnt Mittwoch den 1. October.\nConcert-Gesellscliaft. Es finden im Gürzenich unter Lei-\ntung des Herrn F. Hiller zehn Abonnements-Concerte\nStatt, und zwar:\nam 21. October am 13. Januar\n„4. November i „ 27. „\no* / 1862. ' in . \"\n*25 ( „ 10. Februar .\n„ 16. December J „ d. März\n„ 29. „\n„ 14. April /\nEs werden nur feste, numerirte Plätze zum Preise von 7 Thalern\nausgegeben vom I.—lo. October in der Musicalienhandlung von B.\nBreuer, grosse Budengasse 1. Die Direction bilden die Herren\nJ. M. Farina, F. Heuser, G. Möller, J. Nacken, O. Oster,\nJ. B. Plasman. K. Schnitzler.\nFrankfurt am üfValn« Herr Concertmeister Straus hat\nso eben eine neue Organisirung seines Quartetts zu Stande gebracht.\nIn Folge andauernder Kränklichkeit des Herrn Brinkmann war\nes zunächst nothwendig, für einen zweckentsprechenden Ersatz am\nVioloncell zu sorgen. Der doppelt achtungswerthe Künstler Herr\nSiedentopf (zugleich ausgezeichneter Meister in der Kupferstecher-\nkunst), der in früheren Jahren bereits in den WolfFschen Quartetten\ndas Violoncell handhabte, hat sich sofort zur Uebernahme dieser\nStimme bereit erklärt. Da jedoch die Theater-Direction die fernere\nMitwirkung der beiden Orchester-Mitglieder Stein und Welcker\nvon erschwerenden Bedingungen abhängig gemacht, so mussten auch\nfür diese vortrefflichen Bestandtheile des Vereins tüchtige Musiker\naufgesucht werden. Auch diese haben sich auffinden lassen. Herr\nDietz wird an der zweiten Violine und Herr Mohr an der Viola\nPlatz nehmen. Letzterem ist die gesammte Quartett-Literatur der\nClassiker gleichfalls wohl bekannt. Es lässt sich demnach erwarten,\ndass es diesem umgestalteten Vereine bei zweckmässig angewandtem\nFleisse gelingen werde, unsere erhabenen Originale zum Wohlgefallen\ndes sinnigen Pubiieums, wie nicht minder zur Befriedigung der Ken-\nner in ihrer angeborenen Urkräftigkeit, folglich mit Beseiti-\ngung alles der Modei'nität Anklebenden, erklingen lassen zu können.\nBeigehend sei noch bemerkt, dass Herr Straus mit dem Theater-\nOrchester nicht mehr in Verbindung steht, daher seinem Streben für\nmöglichst gediegene Ausführung der Quartette keinerlei Hinderungen\nmehr in den Weg treten werden, indem auch die Mitwirkenden keine\ndas Unternehmen gefährdenden Verbindlichkeiten zu erfüllen haben.\nEndlich sei noch eine bescheidene Frage hier gestattet: Werden\nim Laufe des kommenden Winters auch wieder Quartette von Volk-\nmann, Kubinstein und Hager zu hören sein?\nISerlifi. Das Kroll'sche Etablissement ist im Subhastations-\nTermine am 9. d. Mts. für 109,000 Thlr. vom Musik-Director Herrn\nJ. Engel erstanden worden.\nWien. Die wichtigste Nachricht ist die erfolgte vertragsmäs*\nsige Anerkennung der italienischen Monarchie des Herrn Me •"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4556, "texte": "relli über die von ihm für Wien engagirte Oper. Am 24. Februar\n1863 beginnt im Karltheater dessen italiänische Opern-Gesellschaft\ndie Vorstellungen. Der Contract wurde am 11. Sept. unterzeichnet.\nDie italiänische Saison wird vom 24. Februar bis 20. April dauern\nund dreissig Opern-Vorstellungen in sich schliessen. Herr Merclli\nhat Fräulein patti mit einer Monats-Gage von 1000 Livres Sterl.,\nsage 13,000 Fl. österr. Währung, engagirt. Nach den ersten fünf-\nzehn Vorstellungen wird Fräulein Trebelli eintreffen und mit der\nPatti alterniren. Als erster Tenor ist Herr Giuglini, als Altistin\ndie Filippini und als Baritonist Herr Faure engagirt.\nDer bezüglich der Einführung der Normal-Diapasons in der k. k.\nHofcapelle von dem k. k. Oberst-Hofmeister-Amte ausgeübten ra-\nschen Initiative und beschlossenen ungesäumten Durchführung wird\nman es zu danken haben, dass die neue Stimmung in der Hofcapelle\nvielleicht noch früher als im Hof-Operntheater in Gebrauch kommt.\nDie neuen Instrumente, von welchen die Instrumentenmacher Herr\nKoch sämmtliche Clarinetten und Oboen, Herr Ziegler die Flö-\nten, Herr Stahl die Fagotte und Herr Ulimann die Blech-Instru-\nmente anfertigen, werden in kürzester Zeit abgeliefert und sogleich\nnach der Aufstellung der neuen Buk o w'sehen Orgel, welche Auf-\nstellung rüstig vorwärts schreitet, in Anwendung gelangen.\nHerr Herb eck erfuhr die ihm zu Theil gewordene kaiserliche\nAuszeichnung der Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes auf tele-\ngraphischem Wege in Triest, wohin er sich mit einem Theile des\nwiener Männer-Gesangvereins zur Mitwirkung beim dortigen Schil-\nler-Feste begeben hatte. Herr Herbeck ist bekanntlich artistischer\nDirector der Concerte der Gesellschaft der Musikfreunde und des\nMänner-Gesangvereins.\nUeber das vor Kurzem in Speyer unter Leitung des Dr. Faisst\naus Stuttgart abgehaltene zweite pfälzische Sängerfest erfahren wir,\ndass dasselbe in würdigster Weise und von schönen Erfolgen beglei-\ntet verlaufen ist. Es hatten «ich 48 Vereine au 3 42 Städten bethei-\nligt. Das Fest-Concert bot mitunter sehr schöne Leistungen sowohl\ndes Gesammtchors als einzelner Vereine dar, und es zeigte sich in\nder Wahl der vorgetragenen Lieder, so wie in deren Ausführung ein\nrecht anerkennenswerthes Streben nach künstlerischer Gediegenheit.\nDer Hof-Capellmeister Franz Abt in Braunschweig hat von\ndem Könige von Hannover die grosse goldene Medaille für Kunst\nund Wissenschaft erhalten.\nAm 15. Sept. fand die 451. Vorstellung von Meyer-\nbeer's Robert lesdiable Statt.\nDer Bau des neuen Opernhauses schreitet jetzt schnell vor: die\nVorderseite ist schon mehrere Meter über den Fundamenten hoch\nsichtbar. Im hinteren Theile des Gebäudes hat man grosse Mühe\ngehabt, die Quellen, aut die man stiess, zu bewältigen; erst jetzt\nist es gelungen, eine undurchdringliche Decke auf diesen wasserrei-\nchen Grund zu legen, und nun arbeitet man an- dem Fundament der\nBühne. Nach dem neuesten Plane soll das Haus durch Abbruch\nmehrerer Gebäude, womit man hier bekanntlich keine Umstände\nmacht, freigelegt werden.\nAuber hat die Partitur einer neuen Oper für die Opöra comique\nbeendigt. Sie heisst „Za Fiancee du roi de Garbe\" in drei Acten.\nDas Buch ist die letzte Arbeit von Scribe in Genossenschaft mit\nde Saiut-Georges. Ferner stehen ebenfalls dreiactige Opern von\nMaillart und Gevaert bei demselben Theater in Aussicht.\nDie italiänische Oper, wiederum unter der Direction des\nHerrn Calzado, eröffnet am 2. October mit Norma. Die Vorstel-\nlungen dauern bis zum 30. April. Das Repertoire bringt wie gewöhn-\nlich die alten Geschichten, fünf Opern von Rossini (darunter auch\nMaometto 11, oder Die Belagerung von Korinth), drei von Bel-\nlini, fünf von Donizetti (auch Poliuto), zwei von Mercadante,\ndie Cantatrice Villanese von Fioravanti, die Serva padrona von\nPergolese, sechs von Verdi (neu in Paris I Lombardi und Gio-\nvanna d'Arco), II Matrimonio segreto von Cimarosa, Don Gio-\nvanni, Figaro und Cosl fan tutte von Mozart, Martha und Stra-\ndella (neu) von Flotow. Zu letzterer hat Flotow mehrere neue\nNummern geschrieben. Auf der Personalliste figuriren unter An-\nderen Tamberlik (aber erst im März und April), Delle Sedie;\ndie Damen Penco, Frezzolini (!), Battu, Adelina Patti\nAlboni, Trebelli u. s. w.\nDas neue Thiätre lyrique auf dem Platz Chatelet wird am 1.\nOctober eröffnet, wahrscheinlich mit der Oper Ondine von Semet.\nLitolff componirt eine dreiactige Oper von Ed. Plouvier für\ndie nächste Saison in Baden-Baden.\nDer englische Componist Balfe ist hier, um seine „Zigeunerin\"\nauf dem Thöätre lyrique in Scene zu setzen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie musicalischen Instrumente auf der Ausstellung in London. 111. (Orgel Harmonium Blas-Instrumente). Eine\nStimme aus Frankreich über Musik- und Gesang-Vereine. Aus Frankfurt am Main (Eine Wirkung der Kritik). Von A. Schind-\nler. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Conservatorium der Musik, Concert-Gesellschaft Frankfurt am Main, Quartett-\nVerein Berlin, das KrolFsche Etablissement Wien, italienische Oper, Normal-Stimmung Paris, Theater).\n\nDie musicalischen Instrumente auf der Ausstellung\nin London.\nIII.\n[Orgel Harmonium Blas-Instrumente.]\n(I. s. Nr. 29, 11. Nr. 32.)\nAusser der Masse von Ciavieren aller Arten waren\nvon den Tasten-Instrumenten auch die Orgel und das\nHarmonium zahlreich vertreten.\nUeber die englischen Orgeln der Ausstellung von\n1851 konnte man kein günstiges Urtheil fällen; mit Aus-\nnahme von Hill standen die englischen Orgelbauer damals\nnicht auf der Höhe der deutschen und der französischen.\nZwar sind die Flöten-Register in den grossen Orgeln der\nenglischen Kirchen gut, aber der ganze mechanische Theil\nder Arbeit war bei den ausgestellten sehr vernachlässigt,\ndie Einrichtungen des Gebläses nicht zweckmässig und\nwirksam genug, und selbst das Material mangelhaft, da\ndas reine Zinn sehr spärlich angewandt erschien. Die Re-\ngulirung und Vertheilung des Windes liess sehr viel zu\nwünschen übrig, und Ordnung, Licht und Zugänglichkeit\nim Innern war nichts weniger als musterhaft.\nDie jetzige Ausstellung zeigte einen bedeutenden Fort-\nschritt, den man übrigens schon seit mehreren Jahren be-\nsonders bei den Orgeln in den Concertsälen Englands\nwahrnehmen konnte. 'Namentlich haben die Orgeln von\nWillis eine förmliche Revolution des bisher dort üblichen\nSystems bekundet. Ihr Haupt-Vorzug auch bei den In-\nstrumenten von Hill besteht in den volltönigen, mächti-\ngen Principal-Stimmen und in dem Wohllaut der Labial-\nStimmen, so dass sie in der Disposition und Intonirung\nderselben mit den guten deutschen Orgeln übereinstim-\nmen, während die Franzosen in ihnen die Schärfe und\nKraft der Zungenwerke vermissen.\nDie grosse Orgel, welche Willis ausgestellt hat, ent-\nhält sechszig Stimmen auf vier Manualen und einem Pedal.\nSie hat einen Bourdon von 32 Fuss und vier sechszehn-\nfüssige offene von Holz und von Metall, eilf achtfüssige\nFlötenstimraen verschiedener Art, ein Salicional von acht\nFuss, neun Prästant-Flöten von vier Fuss, ein fünffaches\nCornet, eine Vox humana, eine Vox angelica, zwei Trom-\npeten, eine Posaune, ein Ophiklei'd, ein Contra-Fagott\n(die letztgenannten alle von 16 Fuss), zwei Bassethörner,\neine Posaune von acht Fuss, eine Tuba von acht Fuss,\nmehrere Clairons, mehrere Gedackt-Register: Clarinette,\nOboe und Fagott, einen sanften Schweller und dreizehn\nCombinalions- und Koppelungs-Pedale. Bei der Anwen-\ndung des pneumatischen Hebels von Barker ist eine Ver-\nbesserung angebracht, welche die Spielart noch mehr er-\nleichtert; bei den Bälgen geht die Falte nicht nach innen,\nsondern nach aussen, wodurch (nach Herrn Willis' An-\ngabe) die Windströmung gleich beim Heben des Balges\ndieselbe Kraft haben soll, wie bei ganz offener Falte.\nEine Orgel von Walker in London hat ebenfalls\nvier Hand-Claviere und ein freies Pedal, 51 Stimmen und\n2604 Pfeifen. Im Pedal befindet sich ein Bourdon von\n32 Fuss, ein offener von 16, ein gedeckter von 16 und\nein Principal von 8 Fuss; das Haupt-Manual hat ein 16-\nfüssiges Principal, auch Viola di Gamba und Salicional,\nsiebenfache Mixtur u. s. w. Das zweite Manual hat nur\nvier Stimmen: Principal 8, Flöte 8, Flöte 4 und Tuba 8\nFuss. Das dritte bietet zwölf Register: Bourdon 16, offene\nFlöte 8, Gamba 8, Bourdon 8, Hohlflöte 4, Prästant\nMixtur vierfach, Bombarde 16, Horn 8 Fuss, Oboe und\nClairon. Das Positiv acht Stimmen: Gemshorn, Dulciana,\nVox angelica,offene Flöte 8 Fuss, Spitzflöte 4 Fuss\nu. s. w. Im Pedal ist auch noch eine sechszehnfiissige Po-\nsaune und eine Trompete vorhanden mithin vollständig\nvorherrschende Labialstimmen, die von schönem Tone sind.\nEine Orgel von Bevvington hat 44 Register, drei\nClaviere und Pedal, ein 16füssiges Principal und drei 16«\nfüssige Bässe im Pedal; nur vier Zungenstimmen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.2", "texte": "Eine andere von Hedgeland hat 40 Register, drei\nClaviere und Pedal, fünf löfüssige Pedalstimmen, nur drei\nZungenstimmen: Trompete, Clairon und Posaune. Schöner\nKlang, edler Ton und gute mechanische Arbeit sind ihre\nVorzüge.\nEine curiose Orgel steht im nördlichen Transept, cu-\nrios namentlich von Anblick, weil die Pfeifen, die im Pro-\nspecte stehen, sich in allerlei bunten Farben und sonder-\nbar auffallender Anordnung zeigen. Vielleicht sind die Er-\nbauer,, Forster und Andrews in Hull, Anhänger der\npolychromen Kirchen-Decoration. Der Prospect macht\neinen unangenehmen Eindruck. Das Werk enthält 38\nStimmen, darunter als löfüssige: fünfßourdons, eineßom-\nbarde, ein Ophikleid, eine Bass-Posaune; ferner über ein\nDutzend achtfüssiger Stimmen und mehr Zungen-Register,\nals die übrigen englischen Orgeln haben. Man sollte dess-\nhalb auf eine grossartige Wirkung schliessen, allein es\nist das Gegentheil der Fall: der Körper hat keine Lunge,\ndas Gebläse ist ganz ungenügend, aber auch das Material\nmangelhaft.\nVon auswärtigen Orgelbauern war kein einziges Werk\nauf der Ausstellung. Wahrscheinlich haben sie die Kosten\nder Aufstellung gescheut; übrigens wäre auch der ihnen\nzugewiesene Raum viel zu klein gewesen, um einiger\nMaassen bedeutendere Werke aufzustellen, da die Englän-\nder von dem jedenfalls schon zu kleinen Räume fast die\nHälfte für sich in Anspruch genommen halten.\nDas Harmonium gehört eigentlich zu der Gattung\nvon Instrumenten, welche aus der Reihe derjenigen Ton-\nwerkzeuge heraustreten, die für die Ausführung der wirk-\nlichen Musik als Mittel, die Gedanken der Tondichter auf\nmannigfach ausdrucksvolle Weise darzustellen, nothwendig\nsind. Es gehört in die Classe der Inventions-Instrumente,\nderen hauptsächliches Resultat nur eine besondere Klang-\nwirkung ist. Diese kann an und für sich interessant sein,\nwie z. B. bei der Glasharmonika, aber ihre Natur verlangt\neine besonders dafür geschriebene Musik, die Tonschöpfun-\ngen der grossen Meister sind für sie todt, und abgesehen\nvon dieser Beschränktheit ihres Gebietes ist die Wirkung\nauch der besten dennoch auf die Dauer nicht zu ertragen.\nTrotz alledem ist das gewöhnliche Harmonium in un-\nserer Zeit für einige Länder ein Bedürfniss geworden,\nz. B. für Frankreich und noch mehr für England und\nAmerica, für die Leitung des Gesanges in Elementarschu-\nlen, geistlichen Vereinen, religiösen Secten und für häus-\nliche Andachtsübungen. Der Hauptsitz der Fabrication ist\nFrankreich, und das Harmonium ist ein so bedeutender\nHandels-Artikel geworden, dass die Ausfuhr allen Glauben\nübersteigt. Es war also natürlich, dass die französischen\nFabricanten die londoner Ausstellung reichlich damit ver-\nsorgten, da der grösste Theil der ganzen Fabrication auf\nden Absatz im Auslande berechnet ist. Bekanntlich wer-\nden die Harmoniums jetzt mit mehreren Registern verse-\nhen, wie denn überhaupt der Bau derselben in jeder Hin-\nsicht, besonders auch in der Mechanik der Windzulüh-\nrung, sehr vervollkommnet worden ist. Aus den Werk-\nstätten von Alexandre, Debain, Mustel und Rodolphe\n(Harmonium mit zwei Ciavieren und 23 Registern, von\ndenen übrigens viele ganz gleichen Klang haben!) in Pa-\nris sind viele gute Instrumente ausgestellt, unter ihnen auch\nein „Harmonichord\" von Debain, welches das gewöhn-\nliche Harmonium mit einem einsaitigen Pianoforte ver-\nbindet. Bei aller Achtung vor dem mechanischen Genie\ndes Erfinders und vor der Virtuosität des Herrn Lefebure-\nWely aus Paris, welcher das Instrument spielte, bleibt es\nam Ende doch nur ein Curiosum, das für die wahre Ton-\nkunst keine Bedeutung hat.\nAus Deutschland, wo das Harmonium bekanntlich\nnoch wenig Boden gewonnen hat, fanden sich nur aus\nStuttgart Instrumente aus den Werkstätten von Schied-\nmeyer, Ross & Comp, und Kraser vor, welche mit\nden französischen coucurriren können.\nVon der Orgel und dem Harmonium ist der Ueber-\ngangzu denßlas-Instrumenten ein natürlicher. Keine\nandere Gattung von Tonwerkzeugen bekundet so wie diese\nden Fortschritt unserer Zeit gegen das vorige Jahrhundert,\ndenn die Unmöglichkeit, gewisse Notenfolgen und so ge-\nnannte Passagen auf ihnen hervorzubringen, welche noch\nin den ersten Jahrzehenden unseres Jahrhunderts bis auf\ndie Erfindungen von Theobald Böhm in München allge-\nmein angenommen wurde, ist heutzutage verschwunden.\nAuch die diesjährige Ausstellung in London liefert den\nBeweis, dass die Verbesserungen der letzten Zeit vortreff-\nlich angewandt und vervollkommnet worden sind, und dass\nder Fortschritt in diesem Zweige des Instrumentenbaues\nauch jetzt noch nicht still steht. Aus allen Ländern, na-\nmentlich aber aus Frankreich und Deutschland, waren\nausgezeichnete Leistungen anzuerkennen.\nDie Oboen von Triebert sind längst sehr geschätzt.\nEine neue Oboe von ihm mit Anwendung des Böhm'schen\nSystems hat einen grossen Ton und viel Reinheit, aber\ndieser Ton ist kein Oboeton mehr. In dem Fagott dessel-\nben Fabricanten soll die Menge von Klappen die Reinheit\ndes Tones in allen Lagen befördern, was jedoch nicht als\nganz gelungen erscheinen konnte. Ein Fagott von Gautrot\nin Paris hatte nicht weniger als dreiundzwanzig Klappen!\nUnter den vielen vorzüglichen Flöten war trotz der treff-\nlichen Reinheit aller übrigen Töne bei ihnen dennoch keine\nzu finden, welche das Problem, die tiefsten Töne eben so\nrein als die anderen wiederzugeben, genügend gelöst hätte;"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.3", "texte": "wie bei allen bisherigen, so konnten auch bei den besten\ndie tiefen Töne nur durch die geschickte Behandlung des\nInstrumentes, namentlich durch stärkeres Anblasen, in reine\nStimmung (d. h. nicht etwas zu tief gegen die höheren\nTöne) gebracht werden, wodurch der Ton aber an Weich-\nheit verliert. Einige Instrumente aus der Werkstatt der\nEngländer Clinton & Comp, machten sich durch eine Mo-\ndification des Böhm sehen Systems bemerkbar, nach wel-\ncher die Löcher an Weite von den hohen zu den tiefen\nTönen progressiv zunehmen, was eine Verbesserung der\ntiefen Töne erzeugt. Es waren auch einige Flöten von\nMetall da, unter anderen eine, die wohl viele Liebhaber\nfinden dürfte, nicht um geblasen, sondern um eingeschmol-\nzen zu werden. Sie ist nämlich aus reinem Golde gearbei-\ntet und kostet 135 Guineen. Ein Dilettant hatte sie sich\nzu seinem Privat-Vergnügen machen lassen; natürlich\nkonnte das nur ein Engländer sein. Eine andere von Alu-\nminium hatte einen sehr dumpfen Ton.\nDie Clarinette, bekanntlich das jüngste Glied der Fa-\nmilie der Holz-Blas-Instrumente, hatte noch im Jahre 1809\n(vgl. X. Lefebvre's Clarinettenschule für das pariser Con-\nservatorium) nur sechs Klappen, jetzt siebenzehn. Die C-\nClarinette und die Bass-Clarinette von Adolf Sax erregten\nganz besondere Anerkennung. Ein Curiosum, das jedoch\nvielleicht eine Zukunft hat, war eine Doppel-Clarinette des\nFranzosen Büffet, nämlich A- und zusammen,\nzwei Röhre an Einem Instrumente, nebst einem Mecha-\nnismus, durch den man augenblicklich in und umge-\nkehrt A in B verwandeln kann.\nDas Saxophon mit seiner ganzen Familie erfreute sich\ndes allgemeinen Beifalls der Preisrichter und des Publi-\ncums. Es gehört in das Gebiet der Clarinette, weil sein\nTon auch durch eine schwingende Zunge (Blatt) im Schna-\nbel erzeugt wird; aber die akustischen Bedingungen im\nMaterial und im Bau des Rohrs sind sehr verschieden von\ndem Bau der Clarinette. Das Saxophon ist ein parabolischer\nKegel von Metall, dessen Tonleiter durch ein Klappen-Sy-\nstem hervorgebracht wird. Der Klappen sind je nach den ver-\nschiedenen Gattungen und Dimensionen des Instruments 19\nbis 22. Durch die Schwingungsknoten seiner Luftsäule we-\nsentlich von der Clarinette verschieden, wird das Saxophon\nin Octaven gestimmt, welche alle rein sind, was bei jener\nnicht der Fall ist. Es existiren acht Arten desselben: Bass-,\nBariton- (Tenor-), Alt- und Sopran-Saxophon, jedes in zwei\nAbstufungen. Der Klang ist vielleicht der schönste und sym-\npathischste, den man hören kann; er ist mit keinem Tone\nirgend eines anderen Instrumentes zu vergleichen. Sehr\nweich und melancholisch, eignet er sich mehr für getra-\ngene Töne als für schnelle Passagen, wiewohl er leicht\nund genau articulirt anspricht, so dass ein geschickter Cla-\nrinettist auch glänzende Concertsachen darauf vortragen\nkann, wie z. B. Wuille in Paris schon oft bewiesen hat.\nDie Ausdrucksfähigkeit des Tones ist ganz wunderbar :\nsie geht vom zartesten pianissimo bis zum mächtigsten\nforte. Adolph Sax, der Erfinder dieses trefflichen Instru-\nmentes, war selbst in London und führte seine Schöpfun-\ngen als geschickter Bläser den versammelten Preisrich-\ntern selbst vor.\nNachschrift der Redaction. Die von Rotter-\ndam aus uns zugegangene Reclamation gegen das Urtheil\ndes Herrn Felis über die Pianoforte-Fabrication in Holland\nist nicht zur Aufnahme geeignet. Erstens geschieht darin\nHerrn Felis Unrecht in doppelter Hinsicht: einmal, weil\ndas Urtheil über das einzige Instrument, das aus Holland\nin London vorhanden war, nicht sein persönliches, sondern\ndas der ganzen Jury ist, und dann, weil sein Ausdruck:\n„In Holland scheint die Fabrication von Pianofortes\nnoch wenig vorgeschritten zu sein, wenn man nach den\nseltenen Proben auf den Ausstellungen von Paris und\nLondon urtheilt\" u. s. w. doch wahrlich sehr beschei-\nden ist. Zweitens aber spricht die gewiss ganz gut ge-\nmeinte Apologie der holländischen Ciavierbauer über die\n„ungünstige Lage derselben und ihre Ueberflügelung durch\ndie Einfuhr ausländischer Instrumente gemäss dem hollän-\ndischen Freihandels-System, wodurch die holländischen\nCiavierbauer gehindert würden, mit dem Auslande zu con-\ncurriren, wesshalb sie denn auch die internationalen Aus-\nstellungen nicht beschickten.\" Ist das denn nicht eine Be-\nstätigung der „Situation peu? Höchstens kann\nes als eine Erklärung der Thatsache gelten; als eine\nRechtfertigung des Zurückbleibens eines Gewerbzweiges\nim Vergleich zu anderen Ländern kann dieses ab-\ngestandene Schutzzöllner-Argument heutzutage schwerlich\nBilligung finden. Und der Satz gegen Ende derselben\nApologie: „Nach unserer Meinung sind die Piano-Fabri-\ncanten in Holland sogar zu loben, dass sie sich trotz dem\nüberwältigenden Strome ausländischer Instrumente von\ndem niedrigen Standpunkte von Reparateurs, wie sie gros-\nsentheils noch vor zwanzig Jahren waren, zu selbstständi-\ngen Clavierbauern emporgehoben haben\" berechtigt\ndieses aufrichtige Geständniss nicht ebenfalls zu dem\nSchlüsse, dass wohl noch einige zwanzig Jahre nöthig sein\nwerden, um die gewiss sehr ehrenwerthe Thätigkeit der\nholländischen Instrumentenmacher auf die gleiche Höhe\nder französischen, englischen und deutschen Fabrication,\nderen Alter über ein Jahrhundert hinausgeht, zu bringen?\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.4", "texte": "Eine Stimme aus Frankreich über Musik- und\nGesang-Vereine\n*).\nEin beunruhigendes Symptom, das sich in den Gauen\nvon Frankreich, in welchen das Musiktreiben sich verallge-\nmeinert, überall in gleichem Grade zeigt, ist die Unfruchtbar-\nkeit der Saat künstlerischer Elemente, die durch jene Ver-\nbreitung ausgestreut wird. Man beobachte die Provinzen, in\ndenen gegenwärtig der Unterricht und die Ausübung des Ge-\nsanges und der Instrumentalmusik concentrirt ist, die Depar-\ntements der Seine, des Rheines, der Rhone, der Gironde, der\nGaronne und besonders des äussersten Südens: überall bietet\nsich dieselbe Wahrnehmung dar. Man betrachte die Menge\nvon Musikschulen, die mit den Local-Conservatorien in\nVerbindung stehen, von Unterrichts-Classen dieses oder\njenes Musiklehrers von Ruf, von Orchester-, von Harmo-\nnie-, von Männergesang-Vereinen, ja, selbst von Vereinen\nfür Kammermusik und Kirchenmusik, welche sich der Aus-\nführung von classischer Musik widmen: wie viele gibt es\ndenn unter ihnen allen, die wirklich wissen, was sie wol-\nlen, die, ohne rechts oder links abzuweichen, entschlossen\nden geraden Weg nach einem bestimmten Ziele zu ver-\nfolgen im Stande sind? Wenn der feste Wille nicht zu\nder Natur-Anlage hinzutritt, so entgeht man den Verlockun-\ngen nicht, die vom Wege abführen. Vergebens hat der\nHimmel glückliches Talent gegeben: die Zerstreuung ent-\nkräftigt es, und die Blume verwelkt noch vor ihrer Blüthe.\nSo tauchen viele musicalische Gesellschaften auf und\ndrängen und ergänzen einander in wer weiss wie kurzer\nZeit. Wie mancher Verein beginnt freudig und triumphi-\nrend, als wollte er die unsterbliche Palme davontragen,\nund schon fehlt dem Sieger der Athem: der erste Erfolg\nhat seine Kräfte erschöpft.\nHört man alle die Namen der künstlerischen Vereine,\nliest man alle die Aufzählungen von Erfolgen und Sieges-\npreisen, welche die Presse mit Sympathie in ihre Spalten\neinträgt, so sollte man an eine allgemeine musicalische\nWeltbewegung glauben, an einen Ueberreichthum von\nWerken und Talenten, der Zeugniss von der markigen\nKraft gibt, welche männliche Jahrhundertc erzeugt. Die\nMenge von Talenten, nun ja, sie ist eines der Kennzeichen\nunserer Zeit: aber ach! wie reissend schnell verbleichen\nalle diese schimmernden Leuchten!\nDas getreueste Bild der Periode, welche jetzt unsere\nvolksmässigen Musik- und Gesang-Vereine durchlaufen,\nsind die Tausende von Sternschnuppen, welche in den\nwarmen Augustnächten am Himmel aufglänzen und ver-\nschwinden. Es zeigten sich doch recht schätzenswerthe\nEigenschaften in dem oder jenem Vereine, dessen erster\nAnlauf uns im vorigen Jahre Freude machte; was ist denn\naus ihm geworden? Er hat den Weg verloren, er hat sich\ndurch Irrlichter auf trügerischen Boden locken lassen:\nman sucht ihn vergebens wieder irgendwo aufzufinden;\nman muss immer wieder mit jenem Redner der Alten aus-\nrufen: „Das Jahr hat seinen Frühling umsonst gehabt!\"\nWir könnten diese Musterung in allen grossen Mittel-\npunkten der Bevölkerung Frankreichs fortsetzen, und es\nwürde uns nicht an Belegen unserer Behauptung fehlen ;\nwir wollen indessen für jetzt sie nur auf die Provinzen des\nSüdens beschränken.\nWie oft haben die Provence, Guienne, Languedoc voll\nHoffnung einen Namen begrüsst, der gross zu werden ver-\nsprach! Was für schöne Stimmen und wie viel Geschick!\nWie viel Fähigkeit, Begeisterung und Eifer! Wie reissende,\nunerwartete Fortschritte! Da besass eine Stadt eine phil-\nharmonische Gesellschaft, deren Tüchtigkeit und dauernde\nAnstrengungen das Publicum in die reinen Schönheiten\nder grossen Meister einweihten und mit den hervorstechen-\nden Werken der Zeitgenossen bekannt machten. Eine\nandere hegte und pflegte einen Männer-Gesangverein, der\nvor allen übrigen berühmt war, der die gemeinen Traller-\nliedchen und die Gassenhauer verschmähte, welche nur\nallzu sehr bei diesen Vereinen überhand nehmen, der den\neigentlichen Gesang studirte und sein Repertoire mit Ur-\ntheil und Geschmack wählte. Noch eine andere zeichnete\nsich durch ihr Harmonie-Musikcorps aus, das mit den be-\nsten Regiments-Musiken der Armee in die Schranken tre-\nten konnte, so dass jene heissblütigen südlichen Provinzen\nin ihrer Begeisterung und Tüchtigkeit in der edelsten\nWeise zu dem Glauben der deutschen Minnesänger zu-\nrückkehren zu wollen schienen. Glänzender Aufschwung,\nleuchtende Hoffnungen wo seid ihr geblieben?\n\n*) Dieser Aufsatz bespricht zwar zunächst die musicalischen Di-\nlettanten-Vereine im südlichen Frankreich, enthält aber, abge-\nsehen von den interessanten Aufschlüssen über die Verbreitung\nder Musiklust in jenen Gegenden, so viele schlagende Bemer-\nkungen über das heutige populäre Musiktreiben überhaupt,\ndass ich ihn Ihnen zur Benutzung für die Niederrheinische\nMusik-Zeitung übersende. Wenn die Leser in Deutschland\nauch nicht alle sagen werden: „ Tout comme chez nous /\" so\nwerden doch sicher Viele ihren Mitlesern, die da jene franzö-\nsischen Zustände belächeln, mit Horaz zurufen: „Quid ridesf\nMutato nomine de te Fabula narratur(„Was lachst du?\nVertausche die Namen, und die Schilderung trifft dich selbst!\")\nDas Wichtigste dabei ist, dass der Aufsatz von einem fran-\nzösischen Musiker, Mathieu de Monter, herrührt, der\ndadurch beweist, wie sehr er sich ein freies, selbstständiges\nUrtheil über die Zustände seines Vaterlandes bewahrt hat. Eine\nderartige Aufrichtigkeit ist wahrlich bei Weitem erspriesslicher\nfür die Anregung eines ernsteren künstlerischen Strebens, als\ndie stehende Lobpreisung der Mittelmässigkeit, zu welcher sich\nder blinde Local-Patriotismus oft genug verpflichtet glaubt,\nP."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.5", "texte": "Verschiedene Ursachen haben das gleiche Ergebniss\nherbeigeführt, dass die musicalischen Vereine auf halbem\nWege stehen geblieben sind, d. b. stehen geblieben in\nihren künstlerischen Fortschritten, denn ihr numerischer\nBestand wächst täglich. Stolz oder Faulheit, geckenhafte\nEinbildung oder Misstrauen in sich selbst, ungeschickte\nLeitung, verunglückte öffentliche Proben, Mangel an ma-\nteriellen Ermunterungen, örtliche Rivalitäten, Verlockun-\ngen des geselligen Lebens, des Theaters u. s. w., ohne\nvon den begründeten Hindernissen zu reden, welche die\nNotwendigkeit des Berufs und der Geschäfte so oft der\nAusübung der Kunst selbst in Mussestunden entgegen-\nstellen das sind einige von den Einflüssen, welche den\nLebenssaft vor der gehofften Blülhe im Keim vertrocknen.\nUnd doch deuten wir hier nur auf Vereine hin, welche\nviel Aufsehen gemacht haben. Aber um diese herum und\ntief unter ihnen steht eine Masse von Gesellschaften, die\nauch einen Augenblick lang Sympathie geweckt haben.\nIn geschlossenen Reihen schien eine starke Legion in gu-\nter Ordnung vorzurücken, und dennoch änderte sich der\nAnblick jedes Jahr. Ein neues Auftreten verdrängte das\nandere, aber der mit Beifall begrüsste Verein erhob sich\nnicht über die anderen. Das alles beweist eine auffallende\nFruchtbarkeit auf dem Gebiete der Kunst; aber woher\nkommt es, dass eine relative Vervollkommnung nicht mehr\nerreicht wird? Warum bleiben die musicalischen Vereine\nauf einem gegebenen Punkte stehen? Warum bildet sich\naus ihrer Mitte heraus nicht eine Classe des Fortschrittes\nund der Action, eine Art von Schule, welche die Schwä-\ncheren unterstützt und fördert und die Zerstreuten um\nsich sammelt?\nDie Ursachen davon liegen in der Organisation der\nVereine, in ihrer Zusammensetzung, in ihren Gewohnhei-\nten und in dem Geiste, der in ihnen lebt. Man werfe nur\neinen prüfenden Blick auf das Ganze dieser Vereine selbst,\nwelche sich im Süden in jeder Stadt, in jedem Dorfe bil-\nden, um die Rhone mit den Pyrenäen durch das gemein-\nsame Band der Harmonie zu verbinden, und es wird einem\nklar, warum nichts für die Kunst dabei herauskommt.\nUnbeständig und leichten Sinnes, theilen die Südlän-\nder nicht die gegenwärtigen Bestrebungen des Nordens,\ndie darauf ausgehen, sich von dem lange getragenen Joche\ndes Vorortes Paris in Sachen der Kunst frei zu machen\nund sich Institute und eine musicalische Bildung zu ver-\nschaffen, die ihren moralischen und intellectuellen Bedürf-\nnissen entspricht. Im Süden singt und musicirt man bloss,\num zu singen und zu musiciren, ein höheres Ziel kennt\nman nicht; an eine Opposition gegen l*aris denkt man\nnicht. In diesem vom Himmel gesegneten Lande vom Var\nbis zur Garonne hat die Natur den Bewohnern unstreitig\nschöne musicalische Anlagen gespendet, aber sie treiben\ndie Musik mit einer Unabhängigkeit von Gesetz und Ord-\nnung, welche das heisse Klima nicht ganz entschuldigen\nkann, und bei einer ernsten Arbeit sagen sie gern mit dem\nträgen Bedienten in der alten Komödie: „Gott sei Dank!\nich bin fertig, nun arbeite du weiter!\" Es gibt in derThat\nkaum ein Land, das in musicalischer Beziehung günstiger\nbedacht wäre. Die Bewohner besitzen Anlage und Trieb\nzum Gesänge, die Melodie ist ihnen angeboren, ihr leb-\nhafter Verstand fasst die harmonischen Verhältnisse schnell\nund leicht auf, ihr Inneres ist für jeden Gefühls-Eindruck\nempfänglich, sie haben Sinn für Poesie und ein gefälliges,\neinnehmendes Wesen; zu allem dem hat die Natur ihnen\nschöne, kräftige, umfangreiche und sympathische Stimmen\nverliehen. Und dennoch bleiben sie in künstlerischer Be-\nziehung auf einem relativ niedrigen Standpunkte stehen.\nWarum? Weil es zweierlei ist, ein Kunstwerk zu verste-\nhen und in sich aufzunehmen, und es zu reproduciren,\nweil zwischen Jenem und Diesem, zwischen der Auffassung\nund der Wiedergabe eine Kluft liegt, welche nur ein ern-\nstes Studium ausfüllen kann, und weil der Südländer nicht\nfür ausdauerndes Studiren gemacht ist und die strenge\nNothwendigkeit der ernsten Arbeit gern von sich abweist.\nOhne diese gibt es aber natürlich keinen wirklichen Fort-\nschritt in der Kunst.\nWie die Individuen, so verschmähen auch die glück-\nlich begabten Völker im Vertrauen auf ihre natürlichen\nFähigkeiten die beharrliche Arbeit. Ihr erster Anlauf ist\nkühn, energisch und hat etwas Ursprüngliches; aber bald\ntritt Nachlass, Zweifel, Entmuthigung, Ueberdruss ein, weil\ndie einzige sichere Führerin zum Ziele, die Arbeit, nicht\nim Bunde mit der Lust an der Sache ist. So fehlt denn\nauch den musicalischen Vereinen im Süden die Haupt-\nsache: Arbeit, Ausdauer, Gründlichkeit und Sicherheit in\nWissen und Können. Ist es da zu verwundern, wenn sie\nrückwärts gehen und der Kunst nicht den geringsten Vor-\ntheil bringen?\nWerfen wir zunächst einen Blick auf die philharmo-\nnischen Gesellschaften oder Orchester-Vereine. Diejenigen,\ndie noch am Leben sind, verdanken ihre Gründung gewis-\nsenhaften Künstlern, welche in mancher Stadt mit Be-\ndauern die Zersplitterung der musicalischen Bestrebungen\nsahen und mit Leidwesen bemerkten, wie bald von musi-\ncalischen jugendlichen Talenten kaum noch ein Schatten\nübrig blieb, wenn sie sich eine Weile im bürgerlichen Le-\nben bewegt hatten. Ihr Ziel war, die Musiker, die es ernst\nmit ihrer Kunst meinen, um einen Mittelpunkt zu vereini-\ngen, dem Dilettantismus eine neue Richtung zu geben, die\nKunst auf die echten Traditionen zurückzuführen, die sie\nfast ganz verlassen hatte, Sinn und Geschmack des Publi-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.6", "texte": "cums durch Vorführung classischer Tonwerke zu bilden.\nAber dieses schöne Programm wurde weder lange, noch\ngetreu befolgt. Mochten nun die Dirigenten ihrer Aufgabe\nnicht gewachsen sein, oder es den Mitgliedern an Tüchtig-\nkeit oder an gutem Willen fehlen, kurz, Abspannung, Läs-\nsigkeit, Ueberdruss lähmten bald die Entwicklung dieser\nVereine. Man entsagte desshalb zuerst der classischen Mu-\nsik und machte sich an die engbrüstigen, leichten, flitter-\nglänzenden Mode-Compositionen. Die Disciplin erschlaffte,\nProben und Uebungen wurden schlecht besucht, dazu Zwi-\nstigkeiten zwischen den Vorständen und den technischen\nDirigenten, Provincial- und Local-Eifersüchteleien, Scan-\ndal u. s. w.\nDie Zahl dieser Gesellschaften hat sehr abgenommen.\nMit Ausnahme des Gedeihens einiger von ihnen in grossen\nStädten, bieten die wenigen, welche in kleineren Verhält-\nnissen den Verwüstungen der Faulheit, Eifersucht und\nEitelkeit noch widerstanden haben, ein jammervolles Schau-\nspiel dar. Ihr Repertoire zerfällt in Trümmer, wie ihre In-\nstrumente. Seit zwölf Jahren spielt man zu bestimmtem\nTag und Stunde, in demselben Locale, in demselben schwar-\nzen Frack und weisser Halsbinde, vor demselben Publicum\ndieselben Sachen ab: alte Contretänze, abgedroschene Wal-\nzer, Gavotten aus dem vorigen Jahrhundert, die Ouvertü-\nren zu La Chasse du jeune Hezum\nzu den Diamants de la couronne!\n(Schluss folgt.)\n\nAus Frankfurt am Main.\n\n(Eine Wirkung der Kritik.)\nSeit ihrem Bestehen war es eine der Aufgaben der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung, dem Verkehrten, Indu-\nstriellen, überhaupt der künstlerischen Anmaassung kräf-\ntigst entgegen zu treten und dem Guten und wahrhaft\nSchönen in der Tonkunst ein schützender Hort zu sein.\nAuch heute kommt dieses Organ wieder in den Fall, aus\ndenselben Gründen seine Stimme laut werden zu lassen.\nDer hierorts prakticirende Ciavierlehrer Herr August\nBuhl halte es im Laufe des letzten Winters unternom-\nmen, vier Matineen zu veranstalten, um Werke classischer\nund sonst namhafter Componisten aus weit zurückgehen-\nden Epochen bis auf unsere Zeit zum Vortrag zu bringen.\nSo kamen z. B. in der ersten Versammlung Compositionen\nvon Ebner, Scarlatti, Couperin, Beethoven und C. M. von\nWeber zum Vortrag. Da den intelligenten Musikern und\nMusikfreunden die Fähigkeiten des Herrn Buhl hinsicht-\nlich Auffassung und Reproducirung classischer Werke\nlängst bekannt waren, so war in diesem Theile des Publi-\ncums das Erstaunen über ein Wagniss von solcher Bedeu-\ntung ein allgemeines. In welcher Weise sich die Local-\nKritik in nicht weniger denn fünf Blättern zu diesem\nwahrhaft abenteuerlichen Unternehmen verhalten, wie die\nAussprüche der verschiedenen Beurtheiler in allen die Lei-\nstungen des Herrn Buhl betreffenden Punkten überein-\nstimmten, so zwar, dass dieselben als kunstrichterliche\nProteste gegen sündhafte, kaum noch da gewesene Ver-\nstümmelung classischer Musik Geltung haben konnten,\ndas hat der Unterzeichnete in dem Aufsatze „Die musica-\nlische Kritik\" in Nr. 12 d. 81. mit zu berühren Grund\ngehabt. Beispielsweise soll zur Constatirung der Thatsachen\nnur eine Stelle aus der Beurtheilung in Nr. 15 des Feuille-\ntons der N. Frankf. Zeitung über die erste dieser Matineen\nhier angezogen werden. Der Kritiker bemerkt dort:\n„Die Ausführung der Compositionen so verschiedener\nMeister kann offenbar nur einem Musiker gelingen, der\nfähig ist, alle die Verschiedenheiten des Stils aufzufassen\nund getreu wiederzugeben. Es ist wohl unbestreitbar, dass\njeder dieser Componisten sein besonderes Genre hat, durch\nwelches er sich von den anderen eben so unterscheidet,\nwie in der Dichtkunst Schiller von Göthe durch die ganze\nManier seiner Poesieen unterschieden ist. Das war nicht\nBeethoven, Ebner, Scarlatti, Couperin und Weber, was\nwir hier zu hören bekamen; nein, das war Buhl, immer\nwieder Buhl, nichts als Buhl! Das Talent jener Interpre-\ntation sollte ja gerade in einem gänzlichen Vergessen der\neigenen Individualität bestehen, welche völlig in der des\nMeisters aufgehen, sich mit ihr verschmelzen muss; doch\ndavon fanden wir nichts. Buhl gehört zu jenen Pianisten\nder Neuzeit, die glauben, den Nagel auf den Kopf zu tref-\nfen, wenn sie ein Meisterwerk nach ihrem eigenen Sinne\ninterpretiren und ausführen, indem sie es nach ihrem\nGutdünken in einem beliebig gewählten, bald mehr, bald\nweniger raschen oder schleppenden Tempo nehmen. Solche\nKünstler können eine Composition wohl zerstören und ver-\nderben, aber gewiss nicht sie getreu wiedergeben.\"\nSollte man nicht für gewiss annehmen dürfen, dass\nnach einer Reihe ähnlicher, die Blätter füllender Verur-\nteilungen der betreffende Musiker zur Erkenntniss seiner\nselbst kommen und sich von einem Gebiete zurückziehen\nwerde, dessen inneres Wesen ihm für alle Zeit verschlos-\nsen bleiben wird, weil ihm die Haupterfordernisse dazu\nabgehen, als Geist und Gemüth, gesunde Begriffe von der\nPsyche des Tones, Kenntniss des Charaktergepräges über-\nhaupt? Der „Frankfurter Anzeiger\" vom 6. d. Mts. be-\nlehrt uns eines Anderen. Darin tritt Herr Buhl mit fol-\n' *\ngender Bekanntmachung hervor:\n„Für die bevorstehenden Wintermonate werde ich\neinen besonderen Cursus für das Studium der Cla-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.7", "texte": "Vier-Sonaten von Beethoven errichten. Derselbe soll\nin wöchentlich einmaliger Zusammenkunft in meiner Woh-\nnung Statt haben und jedes Mal zwei Stunden währen\"\nu. s. w.\nDas wäre also der ostensible Beweis von Wirkung\nder wohlmeinend warnenden, aber auch unbefangenen\nKritik auf Herrn Buhl!\nSeitens der Sanitäts-Polizei wird das unbedachte, oft\nauch unwissende Publicum vor leiblichen Uebeln gewarnt,\nvor ansteckenden Blattern, giftigen Schwämmen, tollen\nHunden u. s. f.—vor Uebeln, die der Seele Gefahr drohen,\nwarnt die Kirche Uebeln aber, die dem reinen Wesen\nder Kunst und Wissenschaft Gefahr drohen, stellt sich die\nfurchtlose Kritik entgegen; wer ihre Warnungen hört und\nbeachtet, wird nicht in den Fall gerathen, Mühe, Zeit und\nauch materielle Verluste beklagen zu müssen. Hat der Un-\nterzeichnete bei Gelegenheit der öffentlichen Productionen\ndes Herrn Buhl seine Stimme nicht ebenfalls erhoben und\nnur beigehend derselben in diesen Blättern Erwähnung\ngethan, so geschah es, weil die fünf Kunst-Anwalte hier\nnach bester Erkenntniss ihr Amt gehandhabt haben, meine\nBetheiligung daher überflüssig geschienen. Anders stellen\nsich die Dinge jetzt, und Pflicht wird es mir, nun das Wort\nzu nehmen.\nWer zu erwägen versteht, welch grosser Unterschied\nhinsichtlich der schlimmen Nachwirkungen eines tiefge-\ndachten, aber schlecht verstandenen Tonwerkes obwaltet,\nob durch dessen Ausführung eine zahlreiche Versammlung\ngleichsam Übergossen, oder ob dasselbe einem jugend-\nlichen Talente tropfenweise eingegeben wird, der wird\nMitleid fühlen mit der so methodisch verderbten Jugend\nund dem verwegenen Lehrer ein Quos ego zurufen, dem\nnach Umständen ein Quousque tandem nachfolgen soll,\nwobei der missachteten Kritik die gebührende Genug-\ntuung zu Theil werden wird. Handelte es sich in unse-\nrem Falle um nothwendige Rüge einzelner, wenn selbst\nschwerer Irrthümer neben richtig und verständig begriffe-\nnen Theilen eines grossen Ganzen, dann wäre es vielleicht\nbillig, Concessionen zu machen und das Verfehlte über\ndem Richtigen zu vergessen, weil man doch auf vorausge-\ngangenes Studium und redliche Absichten schliessen könnte.\nAllein das ist es alles nicht; der Autodidact Buhl scheint\nvielmehr mit Vorsatz an die That zu gehen und sich zu\nsagen: Ich will es ganz anders machen, als die Anderen,\nund Geläufigkeit der Finger nebst Mangel alles ästhe-\ntischen Gefühls verhelfen ihm auch wirklich dazu, dass er\nin dieser seiner Weise als Original figurirt, allerdings als\nabschreckendes.—Und zu solch industriellem, ja, schmäh-\nlichem Gebahrensoll Beethoven'sMusik den benöthigten\nStoff bieten, um grundsätzlich in ein schleichendes Gift\nfür die lernbegierige Jugend umgemodelt zu werden!?\n\nA. Schindler.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMein. Die Herbstprüfungen an unserem Conservatorium\nder Musik unter Oberleitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nF. Hiller haben an den ersten drei Tagen dieser Woche Statt ge-\nfunden und sehr erfreuliche Resultate geliefert. Das Winter-Semester\nbeginnt Mittwoch den 1. October.\nConcert-Gesellscliaft. Es finden im Gürzenich unter Lei-\ntung des Herrn F. Hiller zehn Abonnements-Concerte\nStatt, und zwar:\nam 21. October am 13. Januar\n„4. November i „ 27. „\no* / 1862. ' in . \"\n*25 ( „ 10. Februar .\n„ 16. December J „ d. März\n„ 29. „\n„ 14. April /\nEs werden nur feste, numerirte Plätze zum Preise von 7 Thalern\nausgegeben vom I.—lo. October in der Musicalienhandlung von B.\nBreuer, grosse Budengasse 1. Die Direction bilden die Herren\nJ. M. Farina, F. Heuser, G. Möller, J. Nacken, O. Oster,\nJ. B. Plasman. K. Schnitzler.\nFrankfurt am üfValn« Herr Concertmeister Straus hat\nso eben eine neue Organisirung seines Quartetts zu Stande gebracht.\nIn Folge andauernder Kränklichkeit des Herrn Brinkmann war\nes zunächst nothwendig, für einen zweckentsprechenden Ersatz am\nVioloncell zu sorgen. Der doppelt achtungswerthe Künstler Herr\nSiedentopf (zugleich ausgezeichneter Meister in der Kupferstecher-\nkunst), der in früheren Jahren bereits in den WolfFschen Quartetten\ndas Violoncell handhabte, hat sich sofort zur Uebernahme dieser\nStimme bereit erklärt. Da jedoch die Theater-Direction die fernere\nMitwirkung der beiden Orchester-Mitglieder Stein und Welcker\nvon erschwerenden Bedingungen abhängig gemacht, so mussten auch\nfür diese vortrefflichen Bestandtheile des Vereins tüchtige Musiker\naufgesucht werden. Auch diese haben sich auffinden lassen. Herr\nDietz wird an der zweiten Violine und Herr Mohr an der Viola\nPlatz nehmen. Letzterem ist die gesammte Quartett-Literatur der\nClassiker gleichfalls wohl bekannt. Es lässt sich demnach erwarten,\ndass es diesem umgestalteten Vereine bei zweckmässig angewandtem\nFleisse gelingen werde, unsere erhabenen Originale zum Wohlgefallen\ndes sinnigen Pubiieums, wie nicht minder zur Befriedigung der Ken-\nner in ihrer angeborenen Urkräftigkeit, folglich mit Beseiti-\ngung alles der Modei'nität Anklebenden, erklingen lassen zu können.\nBeigehend sei noch bemerkt, dass Herr Straus mit dem Theater-\nOrchester nicht mehr in Verbindung steht, daher seinem Streben für\nmöglichst gediegene Ausführung der Quartette keinerlei Hinderungen\nmehr in den Weg treten werden, indem auch die Mitwirkenden keine\ndas Unternehmen gefährdenden Verbindlichkeiten zu erfüllen haben.\nEndlich sei noch eine bescheidene Frage hier gestattet: Werden\nim Laufe des kommenden Winters auch wieder Quartette von Volk-\nmann, Kubinstein und Hager zu hören sein?\nISerlifi. Das Kroll'sche Etablissement ist im Subhastations-\nTermine am 9. d. Mts. für 109,000 Thlr. vom Musik-Director Herrn\nJ. Engel erstanden worden.\nWien. Die wichtigste Nachricht ist die erfolgte vertragsmäs*\nsige Anerkennung der italienischen Monarchie des Herrn Me •"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18620927-01.1.8", "texte": "relli über die von ihm für Wien engagirte Oper. Am 24. Februar\n1863 beginnt im Karltheater dessen italiänische Opern-Gesellschaft\ndie Vorstellungen. Der Contract wurde am 11. Sept. unterzeichnet.\nDie italiänische Saison wird vom 24. Februar bis 20. April dauern\nund dreissig Opern-Vorstellungen in sich schliessen. Herr Merclli\nhat Fräulein patti mit einer Monats-Gage von 1000 Livres Sterl.,\nsage 13,000 Fl. österr. Währung, engagirt. Nach den ersten fünf-\nzehn Vorstellungen wird Fräulein Trebelli eintreffen und mit der\nPatti alterniren. Als erster Tenor ist Herr Giuglini, als Altistin\ndie Filippini und als Baritonist Herr Faure engagirt.\nDer bezüglich der Einführung der Normal-Diapasons in der k. k.\nHofcapelle von dem k. k. Oberst-Hofmeister-Amte ausgeübten ra-\nschen Initiative und beschlossenen ungesäumten Durchführung wird\nman es zu danken haben, dass die neue Stimmung in der Hofcapelle\nvielleicht noch früher als im Hof-Operntheater in Gebrauch kommt.\nDie neuen Instrumente, von welchen die Instrumentenmacher Herr\nKoch sämmtliche Clarinetten und Oboen, Herr Ziegler die Flö-\nten, Herr Stahl die Fagotte und Herr Ulimann die Blech-Instru-\nmente anfertigen, werden in kürzester Zeit abgeliefert und sogleich\nnach der Aufstellung der neuen Buk o w'sehen Orgel, welche Auf-\nstellung rüstig vorwärts schreitet, in Anwendung gelangen.\nHerr Herb eck erfuhr die ihm zu Theil gewordene kaiserliche\nAuszeichnung der Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes auf tele-\ngraphischem Wege in Triest, wohin er sich mit einem Theile des\nwiener Männer-Gesangvereins zur Mitwirkung beim dortigen Schil-\nler-Feste begeben hatte. Herr Herbeck ist bekanntlich artistischer\nDirector der Concerte der Gesellschaft der Musikfreunde und des\nMänner-Gesangvereins.\nUeber das vor Kurzem in Speyer unter Leitung des Dr. Faisst\naus Stuttgart abgehaltene zweite pfälzische Sängerfest erfahren wir,\ndass dasselbe in würdigster Weise und von schönen Erfolgen beglei-\ntet verlaufen ist. Es hatten «ich 48 Vereine au 3 42 Städten bethei-\nligt. Das Fest-Concert bot mitunter sehr schöne Leistungen sowohl\ndes Gesammtchors als einzelner Vereine dar, und es zeigte sich in\nder Wahl der vorgetragenen Lieder, so wie in deren Ausführung ein\nrecht anerkennenswerthes Streben nach künstlerischer Gediegenheit.\nDer Hof-Capellmeister Franz Abt in Braunschweig hat von\ndem Könige von Hannover die grosse goldene Medaille für Kunst\nund Wissenschaft erhalten.\nAm 15. Sept. fand die 451. Vorstellung von Meyer-\nbeer's Robert lesdiable Statt.\nDer Bau des neuen Opernhauses schreitet jetzt schnell vor: die\nVorderseite ist schon mehrere Meter über den Fundamenten hoch\nsichtbar. Im hinteren Theile des Gebäudes hat man grosse Mühe\ngehabt, die Quellen, aut die man stiess, zu bewältigen; erst jetzt\nist es gelungen, eine undurchdringliche Decke auf diesen wasserrei-\nchen Grund zu legen, und nun arbeitet man an- dem Fundament der\nBühne. Nach dem neuesten Plane soll das Haus durch Abbruch\nmehrerer Gebäude, womit man hier bekanntlich keine Umstände\nmacht, freigelegt werden.\nAuber hat die Partitur einer neuen Oper für die Opöra comique\nbeendigt. Sie heisst „Za Fiancee du roi de Garbe\" in drei Acten.\nDas Buch ist die letzte Arbeit von Scribe in Genossenschaft mit\nde Saiut-Georges. Ferner stehen ebenfalls dreiactige Opern von\nMaillart und Gevaert bei demselben Theater in Aussicht.\nDie italiänische Oper, wiederum unter der Direction des\nHerrn Calzado, eröffnet am 2. October mit Norma. Die Vorstel-\nlungen dauern bis zum 30. April. Das Repertoire bringt wie gewöhn-\nlich die alten Geschichten, fünf Opern von Rossini (darunter auch\nMaometto 11, oder Die Belagerung von Korinth), drei von Bel-\nlini, fünf von Donizetti (auch Poliuto), zwei von Mercadante,\ndie Cantatrice Villanese von Fioravanti, die Serva padrona von\nPergolese, sechs von Verdi (neu in Paris I Lombardi und Gio-\nvanna d'Arco), II Matrimonio segreto von Cimarosa, Don Gio-\nvanni, Figaro und Cosl fan tutte von Mozart, Martha und Stra-\ndella (neu) von Flotow. Zu letzterer hat Flotow mehrere neue\nNummern geschrieben. Auf der Personalliste figuriren unter An-\nderen Tamberlik (aber erst im März und April), Delle Sedie;\ndie Damen Penco, Frezzolini (!), Battu, Adelina Patti\nAlboni, Trebelli u. s. w.\nDas neue Thiätre lyrique auf dem Platz Chatelet wird am 1.\nOctober eröffnet, wahrscheinlich mit der Oper Ondine von Semet.\nLitolff componirt eine dreiactige Oper von Ed. Plouvier für\ndie nächste Saison in Baden-Baden.\nDer englische Componist Balfe ist hier, um seine „Zigeunerin\"\nauf dem Thöätre lyrique in Scene zu setzen."}]}