{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-10-11-01", "volume": "bmtnabi_1862-10-11_01", "ocr_sha256": "9b17adfce88f52aea9c0dec99a6652097a56ab7e2fdd1a8099b48a30bce120d4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/10/11_01/bmtnabi_1862-10-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-10-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-10-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 340, "texte": "Inhalt.\nFranz Joseph Fetis. I. Das Musikfest in Gloucester. Künstler-Besoldungen im Anfange des vorigen Jahrhun-\nderts - Tages- und Unterhaltungsblatt (Coburg, Erster deutscher Sängertag - Leipzig, neue Lustspiele, Gewandhaus-Concerte\nSalzburg, Deutsches Kunstlerfest Pesth, National-Theater Liverpool, eine reisende Künstler-Gesellschaft)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-10-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-10-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "324", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.2.2", "titre_corps": "Franz Joseph Fétis", "titre_sommaire": "Franz Joseph Fétis", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.1", "debut_caractere": 342, "fin_caractere_exclue": 4361, "texte": "Franz Joseph Fétis\n*).\nI.\nFranz Joseph Fetis, geboren zu Möns in Belgien\nden 25. März 1784, ist der Sohn eines Organisten, der\nzugleich Musiklehrer und Leiter der Concerte in jener\nStadt war. Für den Beruf seines Vaters bestimmt, lernte\ner die Elemente der Musik so früh, dass er schon im Alter\nvon sechs Jahren die Solfeggien in allen Schlüsseln vom\nBlatt las. Das erste Instrument, das man ihm in die Hand\ngab, war die Violine; mit sieben Jahren schrieb er Duette\ndafür und fing an, Ciavier zu lernen. Noch vor seinem\nneunten Jahre schrieb er ein Concert für die Violine xnit\nOrchester, wiewohl er von Harmonielehre nichts weiter\nverstand, als was er aus der Musik, die er spielte und\nhörte, geschöpft hatte. Dieses Stück trug sein Vater in dem\nLiebhaber-Concerte seiner Vaterstadt vor, und es fand als\ndas Werk eines Wunderkindes günstige Aufnahme. Mit\nneun Jahren war Fetis Organist des adeligen Stiftes Sainte-\nWandru, begleitete den Chorgesang der Stiftsdamen und\nalte Messen deutscher und italiänischer Meister.\nUm diese Zeit begann er das Studium der alten Spra-\nchen, allein der zweite Einfall der Franzosen in Belgien\nberaubte ihn der Mittel und Wege, sich in den Sprachen\nund in der Musik auszubilden, da Schulen und Kirchen\ngeschlossen wurden. Glücklicher Weise nahm ein alter\nDruckerei-Factor sich seines Lateins an, und die Bildung\neines Künstler- und Dilettanten-Vereins verschaffte ihm\nGelegenheit, Instrumental-Musik von Haydn und Mozart\nzu hören und zu spielen. Die Werke dieser grossen Mei-\nster, welche damals gerade im Glänze der Neuheit strahl-\nten, weihten ihn in die Geheimnisse einer neuen Harmonie\nein, von welcher er bisher keine Ahnung gehabt hatte.\nEr machte sich auf der Stelle daran, sie nachzuahmen,\nund schrieb zwei Concerte für Ciavier, eine concertirende\nSinfonie für zwei Violinen, Bratsche und Violoncell mit\nOrchester, Clavier-Sonaten, vierhändige Phantasieen, eine\nMesse in D,ein Stabat materin für zwei Chöre\nund zwei Orchester und Violin-Quartette. Ehe er noch\ndas fünfzehnte Jahr erreicht hatte, bildete das alles eine\nzahlreiche Beihe von Compositionen, in welchen seine\nFreunde einiges Talent zu entdecken glaubten. Sie ver-\nmochten den Vater des jungen Fetis, ihn nach Paris auf\ndas Conservatorium zu schicken, und im October 1800\ntrat er ein. In der Harmonie-Classe von Bey, welcher da-\nmals das Orchester der grossen Oper dirigirte, lernte er\ndie Theorie der Tonkunst nach Bameau's System, denn\nBey kannte kein anderes und glaubte auch nicht, dass ein\nanderes möglich sei. Diesem Umstände ist wohl die Bich-\ntung zuzuschreiben, welcher Fetis seitdem folgte, denn\nkurz darauf erschien Catel's System der Harmonie und er-\nregte lebhafte Erörterungen innerhalb und ausserhalb des\nConservatoriums. Zum ersten Male wurde Bameau in\nFrankreich direct angegriffen, und seine Anhänger waren\nempört über den Gegner. Zu jung, um Partei zu ergrei-\nfen, begnügte sich F&is, Catel's Traite d'harmonie zu le-\nsen und mit Bameau's Theorie zu vergleichen. Dieses Stu-\ndium bezeichnete die ersten Schritte, die er auf der Lauf-\nbahn that, die er seitdem einschlug. Das Studium des\nDeutschen und Italienischen, welches er mit Eifer trieb,\n\n*) Der berühmte belgische Musikgelehrte gibt in dem 111. Theile\nder neuen Ausgabe seines unschätzbaren Werkes:\nuniverselle des Musiciens:i3 einen biographischen Artikel über\nsich selbst, den wir unseren Lesern mit einigen Auslassungen\nmittheilen. Er leitet ihn mit folgender Anmerkung ein: j,Es\nhat immer etwas Komisches, wenn man von sich selbst spricht,\nund die Sache wird noch komischer, wenn man lang und breit\nvon sich redet. Und doch legt mir das Werk, das ich schreibe,\ndie Verpflichtung auf, Beides zu thun, und die Gefahr der\nFolgen, die es haben wird, nicht zu scheuen. Mein Künstler-\nleben ist zu thätig gewesen, und ich habe zu sehr danach ge-\ntrachtet, die öffentliche Aufmerksamkeit auf meine Bestrebun-\ngen zu ziehen, als dass ich es nicht für nothwendig halten\nsollte, mich über die Hauptzwecke, die ich dabei befolgte,\nauszusprechen.\""}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5511, "texte": "setzte ihn bald darauf in Stand, Rirnberger und Sabba-\ntini mit Rameau und Catel zu vergleichen.\nDrei Monate nach seinem Eintritte in Rey's Ciasse\nwar er zum Repetitor derselben ernannt worden; im fol-\ngenden Jahre erhielt er den ersten Preis. Im Clavierspiel\nwar Boieldieu sein Lehrer, und als dieser nach Russland\nging, leitete Pradher seine Pianoforte-Studien.\nIm Anfange des Jahres 1803 verliess Fetis Paris, um\nzu reisen, und kehrte erst in der zweiten Hälfte des fol-\ngenden Jahres dahin zurück, nachdem er den Contrapunkt\nund die Fuge nach der deutseben Schule in den Schriften\nvon Marpurg, Kirnberger und Albrechtsberger studirt\nhatte. Das besondere Studium der Werke von Joh. Seba-\nstian Bach, Händel, Haydn und Mozart hatte eine leiden-\nschaftliche Liebe zu der deutschen Schule in ihm erzeugt,\nund alles, was er damals schrieb, trug das Gepräge ihres\nStils, z. R. eine Sinfonie für Orchester, eine Ouvertüre,\nSonaten und Capriccio's für Pianoforte, ferner Harmonie-\nmusik für acht Rias-Instrumente, welche in Paris bei Le-\nmoine gedruckt wurden. Seine literarischen Studien und\nalles, was er über Musik las, regten ihn jetzt zum Reginn\nseiner Forschungen über die Theorie und die Geschichte\nder Tonkunst an. Seine erste Arbeit der Art hatte den\nZweck, die Erfindungen Guido's von Arezzo zu prüfen und\ndie Geschichte der Notenschrift ins Licht zu stellen. Er\nhatte schon viel Material dazu gesammelt und es nach sei-\nnen Ideen geordnet, aber es hat sich Alles verloren, als\ner im Jahre 1811 Paris verlassen.\nMit Roquefort und Delaulnaye befreundet, fasste er\nmit diesen musicalischen Schriftstellern den Plan, eine Mu-\nsik-Zeitung herauszugeben, von der einige Rogen in Quarto\ngegen Ende des Jahres 1804 erschienen; allein das Un-\nternehmen musste aufgegeben werden, da die musicalische\nLiteratur und Kritik damals nur geringe Theilnahme fand.\nObwohl zu jener Zeit die italiänische Oper in Paris eine\ntreffliche Gesellschaft besass, darunter Rerühmtheiten wie\nNozzari, die Strinasacchi, Marianne Sessi und etwas später\nTacchinardi und Rarilli, so blieb doch das Haus leer und\nnur durch die Unterstützung der Regierung konnte sich\ndie Oper halten. Die meisten französischen Musiker waren\nenthusiastische Verehrer der Musik und der Schule von\nMehul, und schätzten die Werke von Cimarosa, Paesiello\nund Guglielmi auffallend gering; aber Fetis, schon damals\nder eklektischen Richtung sich zuneigend, welche er spä-\nter in seinen kritischen Arbeiten verfolgt hat, liess sich\ndurch seine Liebe zu den Formen der deutschen Musik\nnicht hindern, die Vorstellungen der Italiäner, namentlich\nder Opera bujfa,eifrig zu besuchen, und dies war ihm\nspäterhin von grossem Nutzen bei der Untersuchung über\ndie unterscheidenden Eigentümlichkeiten der verschiede-\nnen Schulen. Um dieselbe Zeit klärten ihn einige Unter-\nredungen mit Cherubini über die ungemeine Wichtigkeit\nder Traditionen der alten italiänischen Schule für die Com-\npositionslehre auf, und über die Notwendigkeit, die Po-\nlyphonie der Gesangwerke nach diesen Traditionen zu stu-\ndiren. So wurden Palestrina's Werke Gegenstand seiner\neifrigsten Beschäftigung, und er schrieb eine Menge von\nEirchenstücken in der Manier dieses Meisters, des uner-\nreichbaren Musters idealer Vollkommenheit. Nun las er\nauch die theoretischen Werke der Italiäner mit Aufmerk-\nsamkeit, namentlich Zarlino, Zacconi, Cerreto, und von\nden Neueren P. Martini und Paolucci. Seine Gedanken\nrichteten sich auf die Nothwendigkeit, die Grundsätze der\nSchreibart nach den Ueberlieferungen dieser grossen Schule\ndarzulegen, und nur den Instrumental-Stil der deutschen\nSchule als einen besonderen Theil der allgemeinen Theorie\nder Musik zu betrachten wie er sie späterhin in seinem\nTratte du conirepoint et de la entwickelt hat.\nIm Jahre 1806 liess sich Fetis in eine ungeheure Ar-\nbeit ein, deren Umfang er nicht bemessen hatte, die er\nmehrere Male unterbrochen, jedoch immer muthig wieder\naufgenommen und endlich nach dreissig Jahren von For-\nschung und Ausdauer vollendet hat. Sie betrifft eine Re-\nvision des gesammten römischen Kirchengesanges nach\nden authentischsten und ältesten Handschriften, verglichen\nmit den besten Ausgaben. Die erste französische Revolution\nhatte eine grosse Menge von Gesangbüchern vernichtet,\nein Umstand, der sich besonders erst dann fühlbar machte,\nals Napoleon den katholischen Cultus wieder hergestellt\nhalte. Ein Nachkomme des Hauses Ballard fasste darauf\nden Plan, neue Ausgaben der Chorhefte des römischen\nund des pariser Kirchengesanges zu veranstalten. Er\nwandte sich an Felis mit dem Antrage, sich der Wieder-\nherstellung des echten Chorals u. s. w. Rehufs dieser Aus-\ngaben zu unterziehen. Fetis nahm den Antrag für den rö-\nmischen Kirchengesang an, nicht für den pariser, der nach\nseiner Ansicht keine Redeutung hatte. Er machte sich so-\ngleich ans Werk. Allein sehr bald fand er so widerspre-\nchende und seltsame Varianten in den Manuscripten, dass\ner sich von der Nothwendigkeit, auf die Quellen zurück-\nzugehen, überzeugte, um den ursprünglichen Gesang wie-\nder herzustellen und die Ursachen seiner Verunstaltung\naufzudecken. Von diesem Augenblicke an wurde die Ar-\nbeit eine fast gränzenlose, und es gehörte ein Benedictiner-\nMuth dazu, sie zu bewältigen.\nNicht erst in unseren Tagen hat sich das Redürfniss\ngezeigt, den römischen Kirchengesang auf seine ursprüng-\nliche Gestalt zurückzuführen; mehrere Päpste hatten be-\nreits dieselbe Nothwendigkeit erkannt. Bekanntlich beauf-\ntragte Gregor XIII. Pietro Luigi von Palestrina mit dieser"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5387, "texte": "Arbeit, und dieser Tonmeister verwandte, von seinem\nSchüler Guidetti unterstützt, mehrere Jahre darauf, ohne\nsie zu vollenden. Paul V. befahl dem Nachfolger Palestri-\nna's, Ruggiero Giovanelli, das Antiphonarium und das\nGraduale zu verbessern; als Ergebniss seiner Arbeit (wenn\nüberhaupt die Ueberlieferung richtig ist) erschien nur das\nGraduale zu Rom 1614 in Medicis' Druckerei. Dieses\nGraduale, das Directorium Cvon Guidetti, das Gra-\nduale und Antiphonarium von Venedig von 1580 und an-\ndere Ausgaben des sechszehnten Jahrhunderts hat Fetis\nmit 246 Manuscripten auf den Bibliotheken von Paris,\nCambrai, Arras, dem britischen Museum in London, der\nBibliothek der Herzoge von Burgund in Brüssel u. s. w.\nverglichen. Unter diesen Manuscripten stammten mehrere\naus dem neunten, einige aus dem zehnten, viele aus dem\neilften und aus dem Anfange des zwölften Jahrhunderts.\nDie späteren mussten mit grosser Genauigkeit geprüft\nwerden, weil die Uebertragung des Choralgesanges und\nseiner Verzierungen aus der Neumen- in die Notenschrift\ndie ursprüngliche Melodie vielfach geändert hatte. Diese\ngrosse Arbeit, die Fetis zu einer Zeit begonnen hatte, wo\ner noch nicht die gehörigen Kenntnisse dazu besass, ist\njetzt beendigt: das Graduale und das Antiphonarium liegen\nzum Druck bereit; allein wahrscheinlich wird die Frucht\neiner so andauernden Anstrengung niemals das Tageslicht\nerblicken. Nach den heftigen Streitigkeiten, zu denen sich\ndie Geistlichen in Frankreich in Bezug auf das, was sie\nHerstellungen des Gregorianischen Choralgesanges nennen,\nhaben hinreissen lassen, wird sich der Anreger des ersten\nGedankens zu dieser Wiederherstellung und der Unter-\nnehmer der ersten mühsamen Arbeiten zur Verwirklichung\ndesselben wohl hüten, die Angriffe aller Parteien auf sich\nzu ziehen. Bei der gegenwärtigen Lage dieser Frage würde\ner durch die Veröffentlichung der Früchte seiner Nacht-\nwachen die Ruhe seiner letzten Lebensjahre ohne irgend\neine Aussicht auf Erfolg gestört sehen!\nZu der Zeit, als sich in Paris eine Reaction gegen die\ndramatische Musik von und Cherubini zunächst\ndurch Deila Maria geltend machte und Gretry's Opern\nwieder aufgenommen wurden, schrieb F&is für den be-\nrühmten Schauspieler und Sänger Elleviou eine neue Mu-\nsik zu der älteren Oper L'E welche\nDuni früher componirt hatte. Elleviou zog indess vor, Du-\nni's Composition wieder auf die Bühne zu bringen; sie\nhatte zwar keinen Erfolg, allein die Musik von Fetis kam\nnun auch nicht zur Aufführung.\nIm Jahre 1806 hatte sich Fetis, erst zweiundzwanzig\nJahre alt, verheirathet. Seine Gattin, Enkelin des gelehrten\nChevalier Keralio, Unter-Gouverneurs der Kriegsschule,\nfür den Napoleon dankbare Zuneigung bewahrt hatte, und\nNichte eines Marechal de Camp, der Erzieher des Prinzen\nvon Parma gewesen, war die einzige Erbin eines bedeu-\ntenden Vermögens. Diese Verbindung änderte seine äus-\nsere Lage, vom Künstler von Fach wurde er Kunstfreund,\nliess aber keineswegs in der Thätigkeit für die Kunst nach.\nEin unerwarteter Bankerott eines der ersten Häuser von\nParis und falsche Speculationen der Eltern seiner Frau\nbrachten diese um das zu hoffende Vermögen; er selbst\nliess sich durch unvorsichtige Gefälligkeit hinreissen, Ver-\npflichtungen mit zu unterschreiben, welche diejenigen, für\ndie er sie übernahm, nicht vor dem Sturz bewahrten und\nsein Leben mehr als fünfundzwanzig Jahre lang mit Sorge\nerfüllt haben.\nEr musste im Jahre 1811 Paris verlassen, um sich\neine neue Existenz zu suchen, und zog sich aufs Land im\nDepartement der Ardennen zurück, wo er beinahe drei\nJahre lang fern von aller musicalischen Anregung lebte.\nFr schrieb indess doch dort eine fünfstimmige Messe mit\nOrgel, Violoncell und Contrabass, die er für eine seiner\nbesten Arbeiten hält. Sie ist zu Brüssel in der Kirche\nNotre Dame du Sablon am 6. October 1856 zur Feier\nseiner goldenen Hochzeit aufgeführt worden. Uebri-\ngens war seine Hauptbeschäftigung in dieser Zeit das Stu-\ndium der Philosophie in Bezug auf dessen Notwendigkeit\nfür die Forschungen über Theorie und Entwicklung der\nTonkunst. Er hat diese ruhige Studienzeit immer als die\nglücklichste seines Lebens betrachtet.\nIn dieser Epoche begannen die Worte Früchte zu\ntragen, welche der berühmte Lagrange einmal in einer\nUnterredung über Musik mit ihm äusserte. „Es liegt Etwas\nin Ihrer Kunst,\" —sagte der grosse Mathematiker— „das\nich nicht begreife. Wir glauben Alles durch Zahlen-Ver-\nhältnisse und durch die Temperatur erklären zu können;\nindessen dürfte doch der Widerspruch mancher Musiker,\ndie sich negirend dagegen verhalten, nicht so unbegründet\nsein, wie man glaubt, und vielleicht hat sich Rameau in\nfalsche Consequenzen verstrickt. Wahrscheinlich gibt es\nnoch ein unbekanntes Etwas, worin die Wahrheit steckt;\nich habe viel darüber nachgedacht, aber das Grund-Ele-\nment fehlt mir. Wer dieses Kriterium entdeckt, das sich\nJahrhunderte lang dem forschenden Geiste entzogen, wird\ngrossen Ruhm damit ärnten. Sie sollten darauf denken:\nes dürfte wohl verdienen, die Aufgabe eines Lebens zu\nwerden.\" — Der tiefe Sinn dieser Worte ging dem Musi-\nker erst durch das Studium der Philosophie auf,\nwelches ihm die Notwendigkeit zeigte, alle verschiedenen\nLehrsätze der Kunst aus einem obersten Gesetze abzulei-\nten. Weiteres Nachdenken führte ihn zu der Ueberzeu-\ngung, dass das Ton-System (die Tonalität) die Grundlage\naller Regeln der Harmonie ist, und dass diese auch für\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2997, "texte": "die Melodie ganz dieselben und folglich beide Zweige der\nTonkunst unzertrennlich sind.\nIm Monat December 1813 nahm Fetis die Stelle\neines Organisten an der Collegiatkirche Sanct Peter in\nDouai an, womit das Amt eines Gesang- und Harmonie-\nLehrers an einer städtischen Musikschule verbunden war.\nEr hatte als Organist früher einen gewissen Ruf durch\neine Art Wettstreit erlangt, den er zu Paris in der Kirche\nSt. Sulpice mit Wölfle und Nicolo Isouard bestand; allein\nseit vielen Jahren hatte er nicht mehr Orgel gespielt. Die\nOrgel in Douai war ein vortreff liches Instrument von Dal-\nlery: sie hatte sechundlunfzig Stimmen, vier Manuale und\nein Pedal. Felis benutzte die trefflichen Hülfsmittel, die\nsie ihm bot, zur eifrigsten Uebung und zum genauen Stu-\ndium der Werke der italiänischen und deutschen Meister\ndes Orgelspiels, und verfasste ein Werk unter dem Titel:\nLa Science de l'orgariiste, wovon mehrere Bogen gestochen\nsind, das aber noch nicht vollendet ist.\nAls Gesanglehrer sah er bald ein, dass die Methode,\ndas Notenlesen, Tactschlagen und Treffen zugleich zu leh-\nren, nicht in geeigneter Weise zum Ziele führe, und rich-\ntete den Unterricht in der Schule zu Douai so ein, dass\ner getrennt gegeben wurde, woraus später sein Elemen-\ntarbuch : Solfeges progressifs,\nprincipes de musique,hervorging.\nDie ernstesten Forschungen über die Theorie der\nHarmonie führten ihn auf Entdeckungen über die Natur\nder Accorde u. s. w., welche gegen die bisherigen Annah-\nmen von Rameau, Kirnberger und Catel neu waren. Eine\nvollständige neue Harmonielehre wurde vollendet, und\nFetis trat darüber in Correspondenz mit der Academie\ndes beaux Arts in Paris. Den gewünschten Druck dersel-\nben hielt er jedoch aus Achtung und Dankbarkeit für\nCatel, der ihm fortwährend ein wahrer Freund geblieben,\nzurück, und sie erschien erst im Jahre 1844. Im März\n1824 gab er jedoch auf Andringen eines Verlegers seine\nMethode elementaire d'harmonie\nheraus, welche nach und nach das verbreitetste Lehrbuch\nin Frankreich und Belgien wurde, auch Uebersetzungen\nins Italiänische und Englische erlebte.\nSchon im Jahre 1806 hatte Fetis die Vorarbeiten zu\nseiner Biographie des Musiciens begonnen, deren zweite\nAuflage er jetzt (1862) herausgibt. In Douai nahm er sie\nwieder auf. Er schrieb ferner ein Requiem zur Todtenfeier\nLudwig's XVI. in Douai am 20. April 1814, ein Sextett\nfür Pianoforte zu vier Händen, zwei Violinen, Alt und\nBass (Op. 5, Paris, bei Michel Ozy, zweite Auflage bei\nBrandus, 1858), viele mehrstimmige Gesangstücke für die\nSchule in Douai und eine Menge von Orgelstücken. Alles\ndas arbeitete er binnen vier und einem halben Jahre in\nDouai, während er zehn Stunden täglich als Organist\nin der Kirche, Lehrer in der Musikschule und Privatlehrer\nin der Stadt beschäftigt war. Um das leisten zu können,\ngewöhnte sich Fetis in Douai, täglich secbszehn bis acht-\nzehn Stunden zu arbeiten, und seitdem hat er sein Leben\nin derselben Thätigkeit hingebracht, ohne sie je anders\nals durch Reisen zu unterbrechen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-10-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-10-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "326", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest in Gloucester.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Gloucester.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.4", "debut_caractere": 2999, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "Das Musikfest in Gloucester.\nIn der Woche vom 8. —l3. September feierte der\nmusicalische Bund der drei Städte Worcester, Here-\nford und Gloucester sein hundert neununddreissigstes\nMusikfest in letztgenannter Stadt; die Oratorien wurden\nin der prächtigen Kathedrale, die Abend-Concerte in der\nGrafschaftshalle aufgeführt.\nWie so Vieles überall in der Welt, so haben auch in\nEngland die Musikfeste ihre Gegner; auch dieses Mal pre-\ndigte wieder wie gewöblich ein hochgestellter Geistlicher\nin der benachbarten Stadt Cheltenham in donnerndem\nZorne gegen die Entweihung der Kirche. Der leitende\nAusschuss wich wahrscheinlich desshalb von der alten\nSitte, den täglichen Gottesdienst auf die Frübstunden zu\nverlegen, dieses Mal ab und liess am ersten Festtage den\nvollständigen Kirchendienst mit Liturgie, Predigt und Ge-\nsängen um halb eilf Uhr beginnen, welchem dann um halb\nzwei das Oratorium „Die Schöpfung\" folgte. Das Resultat\nzeigte, dass dies ein Missgriff'war. Allerdings war die Kir-\nche während des Gottesdienstes voll, weil der Zutritt un-\nentgeltlich war, wiewohl Viele, welche Billets für das\nOratorium hatten, schon ihre Plätze in Besitz genommen;\nallein beim Beginne des Oratoriums waren ganze Reihen\nder reservirten Plätze leer. Nach den Gebeten, Evangelien-\nund Epistel-Vorlesung durch drei verschiedene Geistliche\nbetrat der Lord-Bischof die Kanzel und hielt eine lange\nPredigt über einen langen Text aus der Offenbarung:\n„Und ich sah, und ich hörte die Stimme von Engeln rings\num den Thron, und die Thiere und die Aeltesten, und de-\nren waren zehntausend Mal zehntausend, und Alle sangen:\nWürdig ist das Lamm u. s. w. und die vier Thiere sag-\nten: Amen! und die vierundzwanzig Aeltesten fielen nieder\nund beteten an.\" Ich überlasse es den Lesern, die Bezie-\nhungen auf das nachfolgende Oratorium herauszufinden.\nDie Chorgesänge, auch ein und ein\nwurden von einem Chor von etwa 50 —6O Personen aus-\ngeführt.\nKurz nach halb zwei Uhr begann „Die Schöpfung\".\nZu den Monster-Concerten in London und im Krystall-\nPalaste bildete die Zahl des ausführenden Personals einen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5345, "texte": "wohlthätigen Gegensatz, da die Gesammtzahl der im Chor\nund im Orchester Mitwirkenden nur dreihundert betrug.\nDie Ausführung bestätigte auch hier den Erfahrungssatz,\ndass die Wirkung in Bezug auf Kraft keineswegs im glei-\nchen Verhältnisse der Zahl der Sänger zu- oder abnimmt.\nDer Chor füllte die Kirche vollkommen aus und war in\nder Halle mehr als hinlänglich stark. Die Chöre gingen\nim Ganzen gut, die Solo-Partieen waren, wie gewöhnlich,\ndurch die theils altberühmten londoner Oratoriensänger\nSims Beeves (Tenor) und Weiss (Bass), theils durch die\nGrössen der letzten Season besetzt, d. h. dieses Mal vor\nAllen durch Fräulein Titjens, welche bei keinem Con-\ncerte von Bedeutung fehlen darf und auch hier durch den\nganz vortrefflichen Vortrag der beiden Arien: „Nun beut\ndie Flur\", und: „Auf stolzem Fittig\", begeisternd wirkte.\nDie Zahl der Zuhörer betrug etwa 850 900; die Samm-\nlung für den Unterstützungs-Fonds der Armen-Stiftungen\nergab nach dem Gottesdienste 116 L. St., nach dem Ora-\ntorium nur 53 L. So war also die Predigt für den wohl-\nthätigen Zweck wirksamer gewesen, als das Oratorium,\nwas in der Anordnung lag, dass man fünf und eine halbe\nStunde aushalten musste, wonach für die Bückfahrt nach\nHause, das Mittagessen und die Toilette zum Abend-Con-\ncerte doch gar zu wenig Zeit übrig blieb. Uebrigens mochte\ndas schöne Wetter auch Manchen zu anderen Ausflügen\nveranlasst haben.\nDas Abend-Concert war ein Concert nach der ge-\nwöhnlichen Musikfest-Schablone, brachte nichts Neues und\ndauerte von acht bis halb zwölf Uhr Nachts. Wenn ich\nsage: nichts Neues, so meine ich damit, was neu für die\nBesucher der Ausstellung und der Concerte in London ge-\nwesen wäre. In Gloucester waren freilich neu und desshalb\nunvermeidlich Meyerbeer's Ausstellungs-Ouverture und\nVerdi's Cantate. Das Orchester war unter Sainton's Lei-\ntung ziemlich gut, was sich besonders bei der Ausführung\nvon Beethoven's Egmont-Ouverture zeigte, welche, ob-\nwohl freilich noch lange nicht vollkommen gut, doch un-\nstreitig das Beste war, was der ganze Abend darbot; trotz-\ndem rührte sich kaum eine oder die andere Hand zum\nApplaus. „Solche Musik\" —bemerkte einer meiner Nach-\nbarn— „ist nicht für den Geschmack des Käse-Landes!\"\nSainton spielte eine Phantasie über schottische Lieder\nfür die Violine, seine Frau (ehemals Miss Dolby) sang,\nFräulein Titjens, Miss Wilkinson, Laura Baxter, Parepa\n(Schattenwalzer aus Dinorah!) u. s. w. u. s. w. sangen Soli\nund Duette von allen möglichen Gattungen. Zum Schluss\n.goss der Begen in Strömen herab.\nAm anderen Tage war Mendelssohn's „Elias\" in\nder Kirche. Der Dirigent, Herr Amott, Organist in Glou-\ncester, zeigte sich heute seiner Aufgabe besser gewachsen,\nals in Haydn's „Schöpfung\", wo die Tempi nicht immer\nrichtig waren und überhaupt Manches über's Knie gebro-\nchen wurde. Besonders war zu loben, dass von Uebertrei-\nbung des Tempo's, wie man es oft in London hört, nichts\nvorkam. Die Soli waren getheilt, ein hier in England ge-\nwöhnliches Verfahren, denn das Publicum will für sein\nGeld viele Berühmtheiten hören. Miss Parepa sang die\nPartie, der Witwe, Fräulein Titjens die Sopran-Partie im\nzweiten Theile; eben so war die Alt-Partie zwischen Miss\nLaura Baxter (schöne Stimme, trat zum ersten Male bei\neinem Musikfeste auf) und Madame Sainton-Dolby vertheilt.\nFräulein Titjens trug die Arie: „Höre, Israel!\" so ein-\nfach gross und mächtig eindrucksvoll vor, dass es kaum\nmöglich sein dürfte, sie je besser zu hören. Sie ist eine\nOratoriensängerin geworden, wie es vielleicht, namentlich\nwas den Vollklang der Stimme und die Behandlung des\nTones betrifft, keine bessere jetzt gibt. In dem „Heilig\"\nklang ihr Sopran so klar und bezaubernd durch, dass der\ngrösste Tbeil der Zuhörer sich erhob und während des\nganzen Stückes stehen blieb, was sonst nur bei dem Hal-\nlelujah im „Messias\" in England Statt findet. Den Elias\nsang Weiss mit voller, wohllautender und kräftiger Stim-\nme; bei seiner Partie war man denn doch so vernünftig\ngewesen, den Propheten nicht in zwei Hälften zu theilen.\nDer Schluss-Chor wurde durch die unausstehliche Eile\neines grossen Theiles des Publicums, so bald wie möglich\nhinaus zu kommen, sehr gestört. Die Zahl der Zuhörer\nbetrug 1326, die Sammlung beim Ausgange 177 L. St.\nDas Programm des Äbend-Concertes machte in so\nfem eine Ausnahme von der Begel, dass es im ersten\nTheile nur Mozart brachte, Stücke aus Idomeneo, Ent-\nführung aus dem Serail, Figaro, Titus und das Finale aus\nder Zauberflöte. Dann folgte Sterndale Bennett's\nInauguration Ode, mehrere Sologesänge und von Orche-\nsterwerken nur Weber's Freischütz-Ouverture und Men-\ndelssohn's Hochzeitsmarsch.\nDas dritte Eirchen-Concert brachte Mendelssoh n's\nLobgesang und eine Auswahl von Chören und Sologe-\nsängen aus Händel's Judas Maccabäus. Die Ausfüh-\nrung des Werkes von Mendelssohn war eben nicht lobens-\nwert!), unruhig und ungenau; die Händel'schen Chöre gin-\ngen besser. Der Glanzpunkt von Sims Beeves war das:\n„Hüter, ist die Nacht bald hin?\" Der Zuhörer waren\n1070; die Sammlung brachte 157 L. St.\nWenn die zwei vorhergehenden Abend-Concerte nicht\nsehr stark besucht waren, so entschädigte das dritte die\nCasse durch einen vollbesetzten Saal. Es mochte wohl\nBenedicts Undine mehr „ziehen\", wie man zu sagen\npflegt, als die anderen Neuigkeiten. Ihr Buf war schon\ndurch die Aufführungen in Norwich vor zwei Jahren, in"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3167, "texte": "London, in Hereford u. s. w. begründet. Die Besetzung\nwar folgende; Undine—Fräulein Titjens; Bertaida—Mad.\nSainton-Dolby; Huldbrand Sims Reeves; Kühleborn,\nWeiss. Die Ausführung liess viel zu wünschen übrig, ob-\nwohl die „Undine\" den grossen Vorzug gehabt hatte, am\nMontag probirt worden zu sein, eine Ehre, die ausser ihr\nnur dem „Lobgesang\", dem „Judas Maccabäus\", der\nCantate von Verdi und der Ode von Sterndale Bennett zu\nTheil geworden; alle übrigen Sachen: „Die Schöpfung\",\n„Elias\", „Messias\", sämmtliche Orchester- und Solostücke\nwurden und werden gewöhnlich ohne Probe gemacht!\nDaher wurde denn auch selbst eine so bekannte Ouver-\ntüre wie Rossini's zu Wilhelm Teil dermaassen verhunzt,\ndass es ein Scandal war. Unter den übrigen fünfzehn Num-\nmern ausser der „Undine\" kamen ein Flöten-Solo, com-\nponirt und allerdings vorzüglich geblasen von Pratten,\nein Bravour-Walzer durch Fräulein Titjens, etwas Bellini,\netwas Auber, etwas Balfe und ein Pater noster von Meyer-\nbeer a capella mit einem hässlichen Orchesterschlusse vor.\nZum Schlüsse natürlich das God save ihe Queen, sehr or-\ndinär vorgetragen. Aber, wie gesagt, der Saal bis unter\ndie Thüren voll und das Publicum bezaubert! Und dennoch\nwaren nur 569 Personen da, wiewohl der Saal im Jahre\n1856 noch 757 fasste und 1859 noch 635; wenn es\naber mit dem Sichbreitmachen der Damen in ihren mo-\ndernen Reifröcken verhäitnissmässig so fortgeht, so wer-\nden 1865 nur ein paar Hundert hineingehen.\nDie letzte Aufführung in der Kirche, Händel's\n„Messias\", hatte eine noch einmal so zahlreiche Zuhö-\nrerschaft, als die frühere, angezogen. Der Messias ist nun\neinmal das bekannteste und beliebteste Oratorium in Eng-\nland. Es ist wahrlich rührend, wahrzunehmen, wie die\nVerehrung und Bewunderung Händel's sich wie eine hei-\nlige Tradition fortgepflanzt hat, zu sehen, wie die Wagen\nder Farmers zu allen Stadtthoren hereinfahren, beladen\nmit ganzen Familien, wie die Geistlichen und Vicare zu\nder Kathedrale eilen, da sie mit der Sonne aufgebrochen,\num zur rechten Zeit in die Stadt zu kommen, wie Vornehm\nund Gering sich drängt, um den Messias zu hören, von\ndem Vater und Grossvater und Grossmutter erzählt haben.\nWie oft habe ich bei solchen Gelegenheiten die katholi-\nschen Bischöfe aus Frankreich und Deutschland, welche\ndie volle Kirchenmusik mit Gesang und Orchester verdam-\nmen wollen, hieher gewünscht, damit sie sich durch die\nThatsache überzeugten, wie tief eine so herrliche geistliche\nMusik in das Herz und in den Glauben des Volkes ein-\ndringt!\nDie Ausführung des Werkes war die beste von allen,\nwas wohl darin seinen Grund hat, dass die grösste Zahl\nder Sänger und Instrumentalisten dieses Oratorium schon\nso viele Male mit aufgeführt hat. Die Sammlung beim\nAusgange brachte 449 L. St. (an 3000 Thlr.) auf, worin\ndie Gaben der Ausschuss-Mitglieder mitbegriffen sind, denn\nin England fordert die Ehre der Comite-Mitgliedschaft\nnicht bloss, ein etwaiges Deficit der Kosten zu decken, son-\ndern auch zu den Collecten für milde Zwecke beizutragen.\nDafür hatten aber auch dieses Mal vierundfünfzig Per-\nsonen die Ehre, zum Comite zu gehören.\nEin glänzender Ball beschloss Freitags den\nber Nachts das Fest."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-10-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-10-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "327", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.2.4", "titre_corps": "Künstler-Besoldungen im Anfange des vorigen Jahrhunderts.", "titre_sommaire": "Künstler-Besoldungen im Anfange des vorigen Jahrhunderts.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.6", "debut_caractere": 3169, "fin_caractere_exclue": 4988, "texte": "Künstler-Besoldungen im Anfange des vorigen\nJahrhunderts.\nDer Kurprinz von Sachsen, nachmaliger Kurfürst Fried-\nrich August 11., schloss im Jahre 1717 in Venedig für\ndie italiänische Oper in Dresden auf Ein Jahr, vom 1.\nSeptember an gerechnet, folgende Contracte ab:\nAntonio Lotti, Capellmeister, und seine Gattin\nSanta Stella Lotti zusammen 2100 Louisd'or zu 5\nThlr. = 10,500 Thlr.—Margherita Zani Marucini, zweite\nSopranistin, 4000 Thlr.—Lucia Gaggi Bavarini, Altistin,\n3000 Thlr. Francesco Bernardi Senesino, erster So-\npranist, 7000 Thlr. Verselli, zweiter Sopranist, 4500\nThlr. Der Tenorist Guicciardi 3000, der Dichter Luchini\n1000, der erste Contrabassist 1000 Thlr. u. s. w. Der\nViolinist Verecini 1200 Thlr. Ausserdem erhielten\ndiese Künstler reichliches Reisegeld, hatten ferner Woh-\nnung, Kost, Licht und Heizung frei oder Entschädigung\ndafür, Senesino und Verselli obenein eine Equipage zur\nVerfügung!\nDer Etat des sämmtlichen Theater-Personals im An-\nfange des August 1719 war folgender:\nCapell- und Kammermusik. Capellmeister J. C.\nSchmidt und J. Dav. Heinichen jeder 1200 Thlr., Concert-\nmeister Volumier 1200, Violinist Veracini 1200, Orga-\nnisten Petzold 450 und J. W. Schmidt 300, Pantaleon\nHebenstreit 1200, Theorbisten Weiss 1000, Arigoni\n400, Violdagambist G. Bentley 400, sieben Violinisten\n(darunter J. G. Pisendel 500 Thlr.) 2930, fünf Bratschi-\nsten 1168, fünf Violoncellisten (drei Franzosen und zwei\nItaliäner) 1750, drei Contrabassisten (darunter Personelli\nmit 800 und Job. Dism. Zelenka mit 400 Thlr.) 1400,\nzwei Flötisten (darunter Pierre Gabr. Buffardin 500 Thlr.)\n900, fünf Oboisten (darunter F. le Riehe mit 2600, Joh.\nChrist. Richter mit 600 Thlr.) 3080, zwei Waldhornisten\n640, drei Fagottisten 940, ein Instrumenten-Inspector\n140, ein Notist, Joh. Jak. Lindner, 80, ein Clavierstim-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1803, "texte": "mer, Joh. Heinrich Gräbner, 150, ein Capelldiener 100\nThir. Summa: 21,820 Thlr.\nItaliänische Oper*). Capellmeister A. Lotti 9975\nThlr. Poet Stef. Pallavicini 1333 Thlr. 8 Gr. Sängerin-\nnen: Santa Stella Lotti (s. A. Lotti). Marg. Durastanti\n5225, Mar. Ant. Laurenti, genannt Coralli, 2375, Vit-\ntoria Tesi 2375, Madelaine du Salvay 2000, Livia Con-\nstantini 1600 Thlr. Sänger: Francescoßernardi, genannt\nSenesino, 6650, Matteo Berselli 4275, Giuseppe Maria\nBoschi 3325, Francesco Guicciardi 2850, Lucrezio Bor-\nsari 1333 Thlr. 8 Gr.; zwei Souffleure 320 Thlr.—\nSumma 43,636 Thlr. 16 Gr.\nMusiciens vocals frangais: Margh. Prache de\nTiIby(Z)ESSMS-Sopran) 400 Thlr.\nBeauregard {llautecontre - Alt) 400 Thlr.\n{Taille-Tenor) 500 Thlr. J. Dav. Brot {Basse) 600\nThlr. - Summa 1900 Thlr.\nComedie frangaise: 10 Schauspieler, 11 Schau-\nspielerinnen und 1 Souffleurin. Summa 10,866 Thlr.\n16 Gr.\nDanse.Balletmeister Duparc 10130 Thlr. Unter-\nBalletmeister Nie. Corette 400 Thlr. 10 Tänzer und 10\nTänzerinnen 9433 Thlr. Summa 10,833 Thlr.\nComedie italienne. 16 Schauspieler und Schau-\nspielerinnen. Summa 5333 Thlr. 8 Gr.\nZur italiänischen Oper gehören: zwei Baumeister\n2666 Thlr. 16 Gr. und 960 Thlr.; sechs Maler 3288\nThlr.; fünf Zimmerleute 3384 Thlr.; ein Dolmetscher\n120 Thlr. Summa 10,418 Thlr. 16 Gr.\nBeamten-, Officianten- und Handwerker-Personal.—\nInspector des Komödien- und Opernhauses, so wie Theater-\nmaler: Wilhelm Kastell 100 Thlr.; zwei französische De-\nkorateure, jeder 166 Thlr. 16 Gr.; Inspector der Garde-\nrobe, Geh. Kämmerier Joh. Friedr. Tränkel, 200 Thlr.;\n«in französischer Costümezeichner 500 Thlr.; ein Opern-\nschneider 100 Thlr.; dessen Gehülfe 50 Thlr.; ein Ko-\nmödien-Tischler 24 Thlr.; ein Komödien-Schlosser 20\nThlr. Summa 1426 Thlr. 8 Gr.\nSumma des Gesammt-Etats: 106,234 Thlr. 16 Gr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-10-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-10-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "327", "page_fin": "328", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.7", "debut_caractere": 1805, "fin_caractere_exclue": 6318, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nCoburg« Folgende Sängerbünde sind bei dem hier Statt fin-\ndenden ersten deutschen Sängertage durch 68 Abgeordnete vertreten,\nwobei zugleich die ungefähre Anzahl der Mitglieder jedes Bundes\nangegeben ist. 1) Schwäbischer Sängerbund 6300. 2) Pfälzischer Sän-\ngerbund 1500. 3) Badischer Sängerbund 2000. 4) Fränkischer Sän-\ngerbund 4000. 5) Nordfränkischer Sängerbund 400. 6) Rheinischer\nSängerbund 1150. 7) Märkischer Centrai-Sängerbund 1634. 8) Sän-\ngerbund der Männer-Gesangvereine des Regierungsbezirkes Cöslin\n280. 9) Sängerbund der coburg'schen Land-Liedertafeln 500. 10) Main-\nthals-Sängerbund 1000. 11) Niederösterreichischer Sängerbund, im\nEntstehen begriffen, circa 2000. 12) Schlesischer Sängerbund 736.\n13) Verbündete frankfurter Männer-Gesangvereine 580. 14) Vogtlän-\ndisclier Sängerbund 886. 15) Baierischer Sängerbund 2000. 16) Salz-\nburger Sängerbund, in der Bildung begriffen, 203. 17) Nahe-Sänger-\nbund 520. 18) Oberösterreichischer Sängerbund circa 700. 19) All-\ngemeiner Sängerverein Dresden 451. 20) Mittelrheinischer Sänger-\nbund 502. 21) Rhein- und Main-Sängerbund 400. 22) Sängerbund im\nNieder-Erzgebirge 177. 23) Mecklenburg'scher Sängerbund 400. 24)\nOsterländisclier Sängerbund 871. 25) Deutscher Provincial-Sänger-\nbund zu Bromberg 370. 26) Niedersächsischer Sängerbund 946. 27)\nVereinigte norddeutsche Liedertafeln 1136. 28) Sängerbund Deutscher\nin Russland 700. 29) Thüringer Sängerbund, Vorort Rudolstadt, 850.\n30) Vereinigte Männer-Gesangvereine Magdeburgs 600. 31) Sänger-\nbund an der Saale 420. 32) Provincial-Liedertafel 400. 33) Deutscher\nSängerbund Giessen 600. 34) Harz-Sängerbund 650. 35) Sängerbund\nder Provinz Preussen circa 1700. 36) Hessischer Sängerbund circa\n600. 37) Henneberger Sängerbund, Vorort Gotha, 1500. 38) Märki-\nscher Sängerbund 1500. 39) Im Entstehen begriffen Erzgebirgischer\nSängerbund 1500. Im Ganzen also über 43,000 Sänger. Die Wahl\neines geschäftsführenden Ausschusses für den deutschen Sängerbund\nfiel einheitlich auf den bisherigen Ausschuss des schwäbischen\nSängerbundes, nämlich die Herren Dr. Karl Pfaff, Dr. Otto El-\nben, Professor J. Faisst, J. Baur und Wilh. Wiedemann. Als zehn\nweitere Ausschuss-Mitglieder wurden gewählt die Herren Dr. Gerster\nin Nürnberg, Reg.-Rath Fentsch in München, Dr. Meyer in Thorn,\nStaatsrath v. Rösing in Hannover, Musik-Director Tschirch in Ber-\nlin, Dr. Hölzl in Straubing, Assessor Eberhardt in Coburg, Hof- und\nGerichts-Advocat Baur in Wien, Musik-Director Otto in Dresden\nund Capellmeister Abt in Braunschweig.\nJjeipzig« Ein Lustspiel von Dr. August Diezmann, betitelt:\n„Im achtzehnten Jahrhundert\", ist in Vorbereitung und wird nach\nder Michaelis-Messe zur Aufführung kommen. Es ist der erste dra-\nmatische Versuch des bekannten Uebersetzers und Redacteurs.\nVon Roderich Benedix kommt auf derselben Bühne ein historisches\nLustspiel in vier Aufzügen: „Brandenburgischer Landsturm\", aus\nder Zeit nach dem dreissigjährigen Kriege (Juni 1675) zur Darstel-\nlung. Der Charakterspieler Czaschke wird darin als Führer der\nBauern, Wachtmeister Störtebecker, eine dankbare Rolle haben.\nAm 16. September wurden die üblichen Einladungen zum Abon-\nnement auf die „Grossen Concerte\" im Gewandhause veröffentlicht.\nDanach fand das erste Concert am 5. October Statt (erster eigent-\nlicher Mess-Sonntag). Wie gewöhnlich werden auch Sperrsitze offe-\nrirt; ein naives Gemüth kann sich mit der Illusion tragen, eines\nsolchen habhaft zu werden. Allein die bisherigen Inhaber behalten\nihre Plätze, neue können nicht geschafft werden: wozu also die\nAnkündigung? Sie klingt fast wie Hohn. Und zum Hohn hat die\nDirection wahrlich nicht das Zeug, wenn sie auch auf die Lorbern\nihrer Vorgänger im Amte stolz genug ist und an dem kindlich from-\nmen Glauben festhält, der alte Ruhm des Gewandhauses glänze\nnoch, wie vordem.\nAm 6. September, dem letzten Tage des deutschen Künst-\nlerfestes in Salzburg, bezeichnete Herr v. Schmerling es in\nseiner Ansprache an die Versammlung als einen höchst erfreulichen\nMoment in seinem bewegten Leben, die Freude zu haben, in diesem\nKreise zu erscheinen. Es sei ihm die ernste Aufgabe geworden, in\ndie schwierige Gestaltung und schwierigen Verhältnisse Oesterreichs\neinzugreifen \\ es sei ihm aber auch durch den hochverehrten und\ngeliebten Monarchen der ehrenvolle Beruf geworden, der Kunst und\n\n*) Joh. Christ. Hesse und seine Gattin standen nicht mit auf dem\nEtat, da sie nur auf acht Monate engagirt waren mit 800\nThlr., 320 Thlr. Reisegeld und 1000 Thlr. Gratification."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5805, "texte": "ihrer Entwicklung in Oesterreich seine Kräfte widmen zu dürfen.\nEr verkenne nicht, wie reich und weittragend die Aufgabe sei, in\nwelcher in Oesterreich zu wirken sein wird; aber durchdrungen von\nder Bedeutung der ihm verliehenen Aufgabe, rechne er es sich zu\neiner der schönsten Berufs-Aufgaben seines Lebens, in dieser Rich-\ntung volle Thätigkeit entwickeln zu können; es dränge ihn, dies\nhier in diesem Kreise auszusprechen. Besonders geehrt fühle er sich\ndurch die freundliche Aufnahme, die er heute zu finden schon Gele-\ngenheit hatte, und entnehme ferner hieraus, dass in dieser Stadt,\nwelche die Künstler zum Sitze ihrer Thätigkeit erwählten, Gesin-\nnungen herrschen, die bezeugen, wie sehr alle Genossen von Oester-\nreich von dem Gefühle durchdrungen sind, als deutsche Brüder ent-\ngegenzukommen, und wie sie bemüht sein werden, dass das Band,\nwelches sie auch in künstlerischer Beziehung an einander knüpft,\ngefördert und befestigt werde. Den Schluss der Festlichkeiten\nbildete das am Sonntag Abend vom Dom-Musikverein und Mozarteum\nin der Aula academica veranstaltete Concert. Bei demselben wirk-\nten von heimischen Kräften das von Dilettanten verstärkte Mozar-\nteums-Orchester, die Liedertafel und Sing-Akademie und in den Ein-\nzel-Vorträgen unsere heimischen Virtuosen Herren Bennewitz und\nHegenbart, von den Gästen die k. k. Hof-Opernsängerin Frau Dust-\nmann und der k. k. Hof-Opernsänger Herr Mayerhofer mit. Unter\nder Direction des Capellmeisters Herrn Schläger wurden in der\nersten Abtheilung Cherubim's Ouvertüre zu den „Abenceragen\", in\nder zweiten Abtheilung Mozart's Maurerische Trauermusik aufge-\nführt. Frau Du st mann sang nebst der Don-Juan-Arie noch zwei\nLieder: „Das Heideröslein\" von Schubert und Mozart's „Veilchen\",\ndann im Vereine mit Herrn Mayerhofer das Duett aus „Figaro's\nHochzeit\". Herr Mayerhofer sang ferner die „Theilung der Erde\"\nund eine Mozart'sche Arie, wenn wir nicht irren, aus der 1775 am\nmünchener Hofe aufgeführten Operette ~Finta Giardiniera\", mit so\nwohlthuend jugendschmelzvoller, kräftiger Stimme, mit so natürli-\nchem, nichts weniger als coquettem Ausdrucke, dass wir uns für\ndiesen in seinem äusseren Wesen auch sehr anspruchslosen Sänger\nvollständig eingenommen fühlten. Das von Frau Dustmann, Fräu-\nlein Marie Edle v. Hillepr andt, den Herren Mayerhofe r und\nBielziczky sehr hübsch vorgetragene Schumann'sche Quartett mit\ngemischtem Chor, „Romanze vom Gänsebuben\", gehörte zu den\nwerthvollsten Nummern des Concertes und musste wiederholt werden.\nDen würdigen Schluss des Concertes bildete der 98. Psalm für Solo,\nDoppelchor und Orchester von Mendelssohn. Der Gesammt-Eindruck\ndes Concertes war ein durchweg befriedigender.\n(W. 81. f. Th. u. M.)\nDas National-Theater soll endlich die Frage wegen\neines artistischen Leiters gelöst haben, und Herr Radnotfay wird\ndas Ruder in die Hand nehmen; ein kühnes und gefährliches Wag-\nniss, zu dem aufrichtig ein gutes Gelingen zu wünschen ist. Frau\nv. Bulyovsky soll eingeladen werden, noch in diesem Herbste\nein Engagement bezweckendes Gastspiel in diesem Hause zu eröff-\nnen. Ein Abschieds- und Erinnerungszeichen soll dem Ende dieses\nMonats scheidenden Capellmeister Karl Doppler überreicht wer-\nden. Unser Musikvereins-Conservatorium hat in seiner letzten Sitzung\nbeschlossen, im Laufe dieses Winters vier philharmonische Concerte\nzu veranstalten und den Herrn Paul Rosty zur Betheiligung an\ndem Arrangement aufzufordern; ferner soll unser berühmter Lands-\nmann Franz Liszt, der bekanntlich seinen bisherigen Wohnsitz\nWeimar mit Rom vertauschte, eingeladen werden, seinen bleibenden\nAufenthalt in Pesth zu nehmen.\nLiverpool, 28. September. Die Künstler-Gesellschaft,\nwelche gegenwärtig (bis zum 2. November) eine Concert-Tour durch\nEngland und Schottland mit fast beispiellosem Erfolg macht,\nbesteht aus der Sängerin Adelina Patti, den Virtuosen Alfred\nJa eil (Piano) und Laub (Violine), den Sängern W. Swift (Tenor)\nund Ciampi (Bass), dem Accompagneur Strakosch (Schwager\nder Demoiselle Patti) und dem arrangirenden Agenten. Die elegant\ngedruckten Programm-Hefte enthalten ausser den Texten der Ge-\nsänge das Portrait der Patti und eine pomphafte Biographie dersel-\nben. Ihr Gesang ist in der That reizend: ausgezeichnete Schule,\nvollendete Coloratur, glockenreine, wohllautende Höhe sind ihre be-\nsonderen Vorzüge, und die Stimme, obwohl nicht besonders volu-\nminös, gewinnt unendlich durch eine Art von Kindlichkeit, möchte\nman sagen, die wahrhaft bezaubernd ist. Von dem, was sie singt,\nsind die Rossini'schen Sachen das Beste, aber den grössten Applaus\nerzielt sie durch Eckerts Schweizergegang und durch englische Bal-\nladen. Von den gediegeneren Instrumentalstücken macht jedesmal\nam Schlüsse des Concerts Beethoven's grosse (Kreutzer-) Sonate, von\nJaell und Laub vollendet vorgetragen, grossen Eindruck, was bei\nein ein Publicum von 3—4000 Zuhörern, wie es der Concertsaal in\nManchester und die prachtvolle, kolossale St. Georgs Hall in Liver-\npool versammelt sah, viel sagen will. Von brillanten Ciaviersachen\nmuss Jaell seine Transscription der englischen Ballade Home, sweet\nhome, jedes Mal wiederholen; auch sein Op. 117, La Fontaine, er-\nregt stürmischen Applaus, während auch die kleinen Stücke classi-\nscher Art von Bach, Händel, Chopin selbst in den grossen Locali-\ntäten ihren Erfolg nicht verfehlen. Ein prachtvoller Flügel vom lon-\ndoner Erard macht die Reise mit. Laub begeistert die Engländer\nam meisten durch Mendelssohn's Concert. ln den ersten sieben-\nzehn Tagen hat die Gesellschaft dreizehn Concerte gegeben (!)\nin den Städten Plymouth, Exeter, Bath, Clifton, Bristol, Salisbury,\nSouthampton, Brighton, Scarborough, Liverpool, Manchester in\nden letzteren beiden Städten je zwei Concerte. Die nächsten werden\nin Birmingham, Derby, Newcastle, Edinburgh, Glasgow u. s. w.\nStatt finden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Joseph Fetis. I. Das Musikfest in Gloucester. Künstler-Besoldungen im Anfange des vorigen Jahrhun-\nderts - Tages- und Unterhaltungsblatt (Coburg, Erster deutscher Sängertag - Leipzig, neue Lustspiele, Gewandhaus-Concerte\nSalzburg, Deutsches Kunstlerfest Pesth, National-Theater Liverpool, eine reisende Künstler-Gesellschaft).\n\nFranz Joseph Fétis\n*).\nI.\nFranz Joseph Fetis, geboren zu Möns in Belgien\nden 25. März 1784, ist der Sohn eines Organisten, der\nzugleich Musiklehrer und Leiter der Concerte in jener\nStadt war. Für den Beruf seines Vaters bestimmt, lernte\ner die Elemente der Musik so früh, dass er schon im Alter\nvon sechs Jahren die Solfeggien in allen Schlüsseln vom\nBlatt las. Das erste Instrument, das man ihm in die Hand\ngab, war die Violine; mit sieben Jahren schrieb er Duette\ndafür und fing an, Ciavier zu lernen. Noch vor seinem\nneunten Jahre schrieb er ein Concert für die Violine xnit\nOrchester, wiewohl er von Harmonielehre nichts weiter\nverstand, als was er aus der Musik, die er spielte und\nhörte, geschöpft hatte. Dieses Stück trug sein Vater in dem\nLiebhaber-Concerte seiner Vaterstadt vor, und es fand als\ndas Werk eines Wunderkindes günstige Aufnahme. Mit\nneun Jahren war Fetis Organist des adeligen Stiftes Sainte-\nWandru, begleitete den Chorgesang der Stiftsdamen und\nalte Messen deutscher und italiänischer Meister.\nUm diese Zeit begann er das Studium der alten Spra-\nchen, allein der zweite Einfall der Franzosen in Belgien\nberaubte ihn der Mittel und Wege, sich in den Sprachen\nund in der Musik auszubilden, da Schulen und Kirchen\ngeschlossen wurden. Glücklicher Weise nahm ein alter\nDruckerei-Factor sich seines Lateins an, und die Bildung\neines Künstler- und Dilettanten-Vereins verschaffte ihm\nGelegenheit, Instrumental-Musik von Haydn und Mozart\nzu hören und zu spielen. Die Werke dieser grossen Mei-\nster, welche damals gerade im Glänze der Neuheit strahl-\nten, weihten ihn in die Geheimnisse einer neuen Harmonie\nein, von welcher er bisher keine Ahnung gehabt hatte.\nEr machte sich auf der Stelle daran, sie nachzuahmen,\nund schrieb zwei Concerte für Ciavier, eine concertirende\nSinfonie für zwei Violinen, Bratsche und Violoncell mit\nOrchester, Clavier-Sonaten, vierhändige Phantasieen, eine\nMesse in D,ein Stabat materin für zwei Chöre\nund zwei Orchester und Violin-Quartette. Ehe er noch\ndas fünfzehnte Jahr erreicht hatte, bildete das alles eine\nzahlreiche Beihe von Compositionen, in welchen seine\nFreunde einiges Talent zu entdecken glaubten. Sie ver-\nmochten den Vater des jungen Fetis, ihn nach Paris auf\ndas Conservatorium zu schicken, und im October 1800\ntrat er ein. In der Harmonie-Classe von Bey, welcher da-\nmals das Orchester der grossen Oper dirigirte, lernte er\ndie Theorie der Tonkunst nach Bameau's System, denn\nBey kannte kein anderes und glaubte auch nicht, dass ein\nanderes möglich sei. Diesem Umstände ist wohl die Bich-\ntung zuzuschreiben, welcher Fetis seitdem folgte, denn\nkurz darauf erschien Catel's System der Harmonie und er-\nregte lebhafte Erörterungen innerhalb und ausserhalb des\nConservatoriums. Zum ersten Male wurde Bameau in\nFrankreich direct angegriffen, und seine Anhänger waren\nempört über den Gegner. Zu jung, um Partei zu ergrei-\nfen, begnügte sich F&is, Catel's Traite d'harmonie zu le-\nsen und mit Bameau's Theorie zu vergleichen. Dieses Stu-\ndium bezeichnete die ersten Schritte, die er auf der Lauf-\nbahn that, die er seitdem einschlug. Das Studium des\nDeutschen und Italienischen, welches er mit Eifer trieb,\n\n*) Der berühmte belgische Musikgelehrte gibt in dem 111. Theile\nder neuen Ausgabe seines unschätzbaren Werkes:\nuniverselle des Musiciens:i3 einen biographischen Artikel über\nsich selbst, den wir unseren Lesern mit einigen Auslassungen\nmittheilen. Er leitet ihn mit folgender Anmerkung ein: j,Es\nhat immer etwas Komisches, wenn man von sich selbst spricht,\nund die Sache wird noch komischer, wenn man lang und breit\nvon sich redet. Und doch legt mir das Werk, das ich schreibe,\ndie Verpflichtung auf, Beides zu thun, und die Gefahr der\nFolgen, die es haben wird, nicht zu scheuen. Mein Künstler-\nleben ist zu thätig gewesen, und ich habe zu sehr danach ge-\ntrachtet, die öffentliche Aufmerksamkeit auf meine Bestrebun-\ngen zu ziehen, als dass ich es nicht für nothwendig halten\nsollte, mich über die Hauptzwecke, die ich dabei befolgte,\nauszusprechen.\""}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.2", "texte": "setzte ihn bald darauf in Stand, Rirnberger und Sabba-\ntini mit Rameau und Catel zu vergleichen.\nDrei Monate nach seinem Eintritte in Rey's Ciasse\nwar er zum Repetitor derselben ernannt worden; im fol-\ngenden Jahre erhielt er den ersten Preis. Im Clavierspiel\nwar Boieldieu sein Lehrer, und als dieser nach Russland\nging, leitete Pradher seine Pianoforte-Studien.\nIm Anfange des Jahres 1803 verliess Fetis Paris, um\nzu reisen, und kehrte erst in der zweiten Hälfte des fol-\ngenden Jahres dahin zurück, nachdem er den Contrapunkt\nund die Fuge nach der deutseben Schule in den Schriften\nvon Marpurg, Kirnberger und Albrechtsberger studirt\nhatte. Das besondere Studium der Werke von Joh. Seba-\nstian Bach, Händel, Haydn und Mozart hatte eine leiden-\nschaftliche Liebe zu der deutschen Schule in ihm erzeugt,\nund alles, was er damals schrieb, trug das Gepräge ihres\nStils, z. R. eine Sinfonie für Orchester, eine Ouvertüre,\nSonaten und Capriccio's für Pianoforte, ferner Harmonie-\nmusik für acht Rias-Instrumente, welche in Paris bei Le-\nmoine gedruckt wurden. Seine literarischen Studien und\nalles, was er über Musik las, regten ihn jetzt zum Reginn\nseiner Forschungen über die Theorie und die Geschichte\nder Tonkunst an. Seine erste Arbeit der Art hatte den\nZweck, die Erfindungen Guido's von Arezzo zu prüfen und\ndie Geschichte der Notenschrift ins Licht zu stellen. Er\nhatte schon viel Material dazu gesammelt und es nach sei-\nnen Ideen geordnet, aber es hat sich Alles verloren, als\ner im Jahre 1811 Paris verlassen.\nMit Roquefort und Delaulnaye befreundet, fasste er\nmit diesen musicalischen Schriftstellern den Plan, eine Mu-\nsik-Zeitung herauszugeben, von der einige Rogen in Quarto\ngegen Ende des Jahres 1804 erschienen; allein das Un-\nternehmen musste aufgegeben werden, da die musicalische\nLiteratur und Kritik damals nur geringe Theilnahme fand.\nObwohl zu jener Zeit die italiänische Oper in Paris eine\ntreffliche Gesellschaft besass, darunter Rerühmtheiten wie\nNozzari, die Strinasacchi, Marianne Sessi und etwas später\nTacchinardi und Rarilli, so blieb doch das Haus leer und\nnur durch die Unterstützung der Regierung konnte sich\ndie Oper halten. Die meisten französischen Musiker waren\nenthusiastische Verehrer der Musik und der Schule von\nMehul, und schätzten die Werke von Cimarosa, Paesiello\nund Guglielmi auffallend gering; aber Fetis, schon damals\nder eklektischen Richtung sich zuneigend, welche er spä-\nter in seinen kritischen Arbeiten verfolgt hat, liess sich\ndurch seine Liebe zu den Formen der deutschen Musik\nnicht hindern, die Vorstellungen der Italiäner, namentlich\nder Opera bujfa,eifrig zu besuchen, und dies war ihm\nspäterhin von grossem Nutzen bei der Untersuchung über\ndie unterscheidenden Eigentümlichkeiten der verschiede-\nnen Schulen. Um dieselbe Zeit klärten ihn einige Unter-\nredungen mit Cherubini über die ungemeine Wichtigkeit\nder Traditionen der alten italiänischen Schule für die Com-\npositionslehre auf, und über die Notwendigkeit, die Po-\nlyphonie der Gesangwerke nach diesen Traditionen zu stu-\ndiren. So wurden Palestrina's Werke Gegenstand seiner\neifrigsten Beschäftigung, und er schrieb eine Menge von\nEirchenstücken in der Manier dieses Meisters, des uner-\nreichbaren Musters idealer Vollkommenheit. Nun las er\nauch die theoretischen Werke der Italiäner mit Aufmerk-\nsamkeit, namentlich Zarlino, Zacconi, Cerreto, und von\nden Neueren P. Martini und Paolucci. Seine Gedanken\nrichteten sich auf die Nothwendigkeit, die Grundsätze der\nSchreibart nach den Ueberlieferungen dieser grossen Schule\ndarzulegen, und nur den Instrumental-Stil der deutschen\nSchule als einen besonderen Theil der allgemeinen Theorie\nder Musik zu betrachten wie er sie späterhin in seinem\nTratte du conirepoint et de la entwickelt hat.\nIm Jahre 1806 liess sich Fetis in eine ungeheure Ar-\nbeit ein, deren Umfang er nicht bemessen hatte, die er\nmehrere Male unterbrochen, jedoch immer muthig wieder\naufgenommen und endlich nach dreissig Jahren von For-\nschung und Ausdauer vollendet hat. Sie betrifft eine Re-\nvision des gesammten römischen Kirchengesanges nach\nden authentischsten und ältesten Handschriften, verglichen\nmit den besten Ausgaben. Die erste französische Revolution\nhatte eine grosse Menge von Gesangbüchern vernichtet,\nein Umstand, der sich besonders erst dann fühlbar machte,\nals Napoleon den katholischen Cultus wieder hergestellt\nhalte. Ein Nachkomme des Hauses Ballard fasste darauf\nden Plan, neue Ausgaben der Chorhefte des römischen\nund des pariser Kirchengesanges zu veranstalten. Er\nwandte sich an Felis mit dem Antrage, sich der Wieder-\nherstellung des echten Chorals u. s. w. Rehufs dieser Aus-\ngaben zu unterziehen. Fetis nahm den Antrag für den rö-\nmischen Kirchengesang an, nicht für den pariser, der nach\nseiner Ansicht keine Redeutung hatte. Er machte sich so-\ngleich ans Werk. Allein sehr bald fand er so widerspre-\nchende und seltsame Varianten in den Manuscripten, dass\ner sich von der Nothwendigkeit, auf die Quellen zurück-\nzugehen, überzeugte, um den ursprünglichen Gesang wie-\nder herzustellen und die Ursachen seiner Verunstaltung\naufzudecken. Von diesem Augenblicke an wurde die Ar-\nbeit eine fast gränzenlose, und es gehörte ein Benedictiner-\nMuth dazu, sie zu bewältigen.\nNicht erst in unseren Tagen hat sich das Redürfniss\ngezeigt, den römischen Kirchengesang auf seine ursprüng-\nliche Gestalt zurückzuführen; mehrere Päpste hatten be-\nreits dieselbe Nothwendigkeit erkannt. Bekanntlich beauf-\ntragte Gregor XIII. Pietro Luigi von Palestrina mit dieser"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.3", "texte": "Arbeit, und dieser Tonmeister verwandte, von seinem\nSchüler Guidetti unterstützt, mehrere Jahre darauf, ohne\nsie zu vollenden. Paul V. befahl dem Nachfolger Palestri-\nna's, Ruggiero Giovanelli, das Antiphonarium und das\nGraduale zu verbessern; als Ergebniss seiner Arbeit (wenn\nüberhaupt die Ueberlieferung richtig ist) erschien nur das\nGraduale zu Rom 1614 in Medicis' Druckerei. Dieses\nGraduale, das Directorium Cvon Guidetti, das Gra-\nduale und Antiphonarium von Venedig von 1580 und an-\ndere Ausgaben des sechszehnten Jahrhunderts hat Fetis\nmit 246 Manuscripten auf den Bibliotheken von Paris,\nCambrai, Arras, dem britischen Museum in London, der\nBibliothek der Herzoge von Burgund in Brüssel u. s. w.\nverglichen. Unter diesen Manuscripten stammten mehrere\naus dem neunten, einige aus dem zehnten, viele aus dem\neilften und aus dem Anfange des zwölften Jahrhunderts.\nDie späteren mussten mit grosser Genauigkeit geprüft\nwerden, weil die Uebertragung des Choralgesanges und\nseiner Verzierungen aus der Neumen- in die Notenschrift\ndie ursprüngliche Melodie vielfach geändert hatte. Diese\ngrosse Arbeit, die Fetis zu einer Zeit begonnen hatte, wo\ner noch nicht die gehörigen Kenntnisse dazu besass, ist\njetzt beendigt: das Graduale und das Antiphonarium liegen\nzum Druck bereit; allein wahrscheinlich wird die Frucht\neiner so andauernden Anstrengung niemals das Tageslicht\nerblicken. Nach den heftigen Streitigkeiten, zu denen sich\ndie Geistlichen in Frankreich in Bezug auf das, was sie\nHerstellungen des Gregorianischen Choralgesanges nennen,\nhaben hinreissen lassen, wird sich der Anreger des ersten\nGedankens zu dieser Wiederherstellung und der Unter-\nnehmer der ersten mühsamen Arbeiten zur Verwirklichung\ndesselben wohl hüten, die Angriffe aller Parteien auf sich\nzu ziehen. Bei der gegenwärtigen Lage dieser Frage würde\ner durch die Veröffentlichung der Früchte seiner Nacht-\nwachen die Ruhe seiner letzten Lebensjahre ohne irgend\neine Aussicht auf Erfolg gestört sehen!\nZu der Zeit, als sich in Paris eine Reaction gegen die\ndramatische Musik von und Cherubini zunächst\ndurch Deila Maria geltend machte und Gretry's Opern\nwieder aufgenommen wurden, schrieb F&is für den be-\nrühmten Schauspieler und Sänger Elleviou eine neue Mu-\nsik zu der älteren Oper L'E welche\nDuni früher componirt hatte. Elleviou zog indess vor, Du-\nni's Composition wieder auf die Bühne zu bringen; sie\nhatte zwar keinen Erfolg, allein die Musik von Fetis kam\nnun auch nicht zur Aufführung.\nIm Jahre 1806 hatte sich Fetis, erst zweiundzwanzig\nJahre alt, verheirathet. Seine Gattin, Enkelin des gelehrten\nChevalier Keralio, Unter-Gouverneurs der Kriegsschule,\nfür den Napoleon dankbare Zuneigung bewahrt hatte, und\nNichte eines Marechal de Camp, der Erzieher des Prinzen\nvon Parma gewesen, war die einzige Erbin eines bedeu-\ntenden Vermögens. Diese Verbindung änderte seine äus-\nsere Lage, vom Künstler von Fach wurde er Kunstfreund,\nliess aber keineswegs in der Thätigkeit für die Kunst nach.\nEin unerwarteter Bankerott eines der ersten Häuser von\nParis und falsche Speculationen der Eltern seiner Frau\nbrachten diese um das zu hoffende Vermögen; er selbst\nliess sich durch unvorsichtige Gefälligkeit hinreissen, Ver-\npflichtungen mit zu unterschreiben, welche diejenigen, für\ndie er sie übernahm, nicht vor dem Sturz bewahrten und\nsein Leben mehr als fünfundzwanzig Jahre lang mit Sorge\nerfüllt haben.\nEr musste im Jahre 1811 Paris verlassen, um sich\neine neue Existenz zu suchen, und zog sich aufs Land im\nDepartement der Ardennen zurück, wo er beinahe drei\nJahre lang fern von aller musicalischen Anregung lebte.\nFr schrieb indess doch dort eine fünfstimmige Messe mit\nOrgel, Violoncell und Contrabass, die er für eine seiner\nbesten Arbeiten hält. Sie ist zu Brüssel in der Kirche\nNotre Dame du Sablon am 6. October 1856 zur Feier\nseiner goldenen Hochzeit aufgeführt worden. Uebri-\ngens war seine Hauptbeschäftigung in dieser Zeit das Stu-\ndium der Philosophie in Bezug auf dessen Notwendigkeit\nfür die Forschungen über Theorie und Entwicklung der\nTonkunst. Er hat diese ruhige Studienzeit immer als die\nglücklichste seines Lebens betrachtet.\nIn dieser Epoche begannen die Worte Früchte zu\ntragen, welche der berühmte Lagrange einmal in einer\nUnterredung über Musik mit ihm äusserte. „Es liegt Etwas\nin Ihrer Kunst,\" —sagte der grosse Mathematiker— „das\nich nicht begreife. Wir glauben Alles durch Zahlen-Ver-\nhältnisse und durch die Temperatur erklären zu können;\nindessen dürfte doch der Widerspruch mancher Musiker,\ndie sich negirend dagegen verhalten, nicht so unbegründet\nsein, wie man glaubt, und vielleicht hat sich Rameau in\nfalsche Consequenzen verstrickt. Wahrscheinlich gibt es\nnoch ein unbekanntes Etwas, worin die Wahrheit steckt;\nich habe viel darüber nachgedacht, aber das Grund-Ele-\nment fehlt mir. Wer dieses Kriterium entdeckt, das sich\nJahrhunderte lang dem forschenden Geiste entzogen, wird\ngrossen Ruhm damit ärnten. Sie sollten darauf denken:\nes dürfte wohl verdienen, die Aufgabe eines Lebens zu\nwerden.\" — Der tiefe Sinn dieser Worte ging dem Musi-\nker erst durch das Studium der Philosophie auf,\nwelches ihm die Notwendigkeit zeigte, alle verschiedenen\nLehrsätze der Kunst aus einem obersten Gesetze abzulei-\nten. Weiteres Nachdenken führte ihn zu der Ueberzeu-\ngung, dass das Ton-System (die Tonalität) die Grundlage\naller Regeln der Harmonie ist, und dass diese auch für\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.4", "texte": "die Melodie ganz dieselben und folglich beide Zweige der\nTonkunst unzertrennlich sind.\nIm Monat December 1813 nahm Fetis die Stelle\neines Organisten an der Collegiatkirche Sanct Peter in\nDouai an, womit das Amt eines Gesang- und Harmonie-\nLehrers an einer städtischen Musikschule verbunden war.\nEr hatte als Organist früher einen gewissen Ruf durch\neine Art Wettstreit erlangt, den er zu Paris in der Kirche\nSt. Sulpice mit Wölfle und Nicolo Isouard bestand; allein\nseit vielen Jahren hatte er nicht mehr Orgel gespielt. Die\nOrgel in Douai war ein vortreff liches Instrument von Dal-\nlery: sie hatte sechundlunfzig Stimmen, vier Manuale und\nein Pedal. Felis benutzte die trefflichen Hülfsmittel, die\nsie ihm bot, zur eifrigsten Uebung und zum genauen Stu-\ndium der Werke der italiänischen und deutschen Meister\ndes Orgelspiels, und verfasste ein Werk unter dem Titel:\nLa Science de l'orgariiste, wovon mehrere Bogen gestochen\nsind, das aber noch nicht vollendet ist.\nAls Gesanglehrer sah er bald ein, dass die Methode,\ndas Notenlesen, Tactschlagen und Treffen zugleich zu leh-\nren, nicht in geeigneter Weise zum Ziele führe, und rich-\ntete den Unterricht in der Schule zu Douai so ein, dass\ner getrennt gegeben wurde, woraus später sein Elemen-\ntarbuch : Solfeges progressifs,\nprincipes de musique,hervorging.\nDie ernstesten Forschungen über die Theorie der\nHarmonie führten ihn auf Entdeckungen über die Natur\nder Accorde u. s. w., welche gegen die bisherigen Annah-\nmen von Rameau, Kirnberger und Catel neu waren. Eine\nvollständige neue Harmonielehre wurde vollendet, und\nFetis trat darüber in Correspondenz mit der Academie\ndes beaux Arts in Paris. Den gewünschten Druck dersel-\nben hielt er jedoch aus Achtung und Dankbarkeit für\nCatel, der ihm fortwährend ein wahrer Freund geblieben,\nzurück, und sie erschien erst im Jahre 1844. Im März\n1824 gab er jedoch auf Andringen eines Verlegers seine\nMethode elementaire d'harmonie\nheraus, welche nach und nach das verbreitetste Lehrbuch\nin Frankreich und Belgien wurde, auch Uebersetzungen\nins Italiänische und Englische erlebte.\nSchon im Jahre 1806 hatte Fetis die Vorarbeiten zu\nseiner Biographie des Musiciens begonnen, deren zweite\nAuflage er jetzt (1862) herausgibt. In Douai nahm er sie\nwieder auf. Er schrieb ferner ein Requiem zur Todtenfeier\nLudwig's XVI. in Douai am 20. April 1814, ein Sextett\nfür Pianoforte zu vier Händen, zwei Violinen, Alt und\nBass (Op. 5, Paris, bei Michel Ozy, zweite Auflage bei\nBrandus, 1858), viele mehrstimmige Gesangstücke für die\nSchule in Douai und eine Menge von Orgelstücken. Alles\ndas arbeitete er binnen vier und einem halben Jahre in\nDouai, während er zehn Stunden täglich als Organist\nin der Kirche, Lehrer in der Musikschule und Privatlehrer\nin der Stadt beschäftigt war. Um das leisten zu können,\ngewöhnte sich Fetis in Douai, täglich secbszehn bis acht-\nzehn Stunden zu arbeiten, und seitdem hat er sein Leben\nin derselben Thätigkeit hingebracht, ohne sie je anders\nals durch Reisen zu unterbrechen.\n\nDas Musikfest in Gloucester.\nIn der Woche vom 8. —l3. September feierte der\nmusicalische Bund der drei Städte Worcester, Here-\nford und Gloucester sein hundert neununddreissigstes\nMusikfest in letztgenannter Stadt; die Oratorien wurden\nin der prächtigen Kathedrale, die Abend-Concerte in der\nGrafschaftshalle aufgeführt.\nWie so Vieles überall in der Welt, so haben auch in\nEngland die Musikfeste ihre Gegner; auch dieses Mal pre-\ndigte wieder wie gewöblich ein hochgestellter Geistlicher\nin der benachbarten Stadt Cheltenham in donnerndem\nZorne gegen die Entweihung der Kirche. Der leitende\nAusschuss wich wahrscheinlich desshalb von der alten\nSitte, den täglichen Gottesdienst auf die Frübstunden zu\nverlegen, dieses Mal ab und liess am ersten Festtage den\nvollständigen Kirchendienst mit Liturgie, Predigt und Ge-\nsängen um halb eilf Uhr beginnen, welchem dann um halb\nzwei das Oratorium „Die Schöpfung\" folgte. Das Resultat\nzeigte, dass dies ein Missgriff'war. Allerdings war die Kir-\nche während des Gottesdienstes voll, weil der Zutritt un-\nentgeltlich war, wiewohl Viele, welche Billets für das\nOratorium hatten, schon ihre Plätze in Besitz genommen;\nallein beim Beginne des Oratoriums waren ganze Reihen\nder reservirten Plätze leer. Nach den Gebeten, Evangelien-\nund Epistel-Vorlesung durch drei verschiedene Geistliche\nbetrat der Lord-Bischof die Kanzel und hielt eine lange\nPredigt über einen langen Text aus der Offenbarung:\n„Und ich sah, und ich hörte die Stimme von Engeln rings\num den Thron, und die Thiere und die Aeltesten, und de-\nren waren zehntausend Mal zehntausend, und Alle sangen:\nWürdig ist das Lamm u. s. w. und die vier Thiere sag-\nten: Amen! und die vierundzwanzig Aeltesten fielen nieder\nund beteten an.\" Ich überlasse es den Lesern, die Bezie-\nhungen auf das nachfolgende Oratorium herauszufinden.\nDie Chorgesänge, auch ein und ein\nwurden von einem Chor von etwa 50 —6O Personen aus-\ngeführt.\nKurz nach halb zwei Uhr begann „Die Schöpfung\".\nZu den Monster-Concerten in London und im Krystall-\nPalaste bildete die Zahl des ausführenden Personals einen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.5", "texte": "wohlthätigen Gegensatz, da die Gesammtzahl der im Chor\nund im Orchester Mitwirkenden nur dreihundert betrug.\nDie Ausführung bestätigte auch hier den Erfahrungssatz,\ndass die Wirkung in Bezug auf Kraft keineswegs im glei-\nchen Verhältnisse der Zahl der Sänger zu- oder abnimmt.\nDer Chor füllte die Kirche vollkommen aus und war in\nder Halle mehr als hinlänglich stark. Die Chöre gingen\nim Ganzen gut, die Solo-Partieen waren, wie gewöhnlich,\ndurch die theils altberühmten londoner Oratoriensänger\nSims Beeves (Tenor) und Weiss (Bass), theils durch die\nGrössen der letzten Season besetzt, d. h. dieses Mal vor\nAllen durch Fräulein Titjens, welche bei keinem Con-\ncerte von Bedeutung fehlen darf und auch hier durch den\nganz vortrefflichen Vortrag der beiden Arien: „Nun beut\ndie Flur\", und: „Auf stolzem Fittig\", begeisternd wirkte.\nDie Zahl der Zuhörer betrug etwa 850 900; die Samm-\nlung für den Unterstützungs-Fonds der Armen-Stiftungen\nergab nach dem Gottesdienste 116 L. St., nach dem Ora-\ntorium nur 53 L. So war also die Predigt für den wohl-\nthätigen Zweck wirksamer gewesen, als das Oratorium,\nwas in der Anordnung lag, dass man fünf und eine halbe\nStunde aushalten musste, wonach für die Bückfahrt nach\nHause, das Mittagessen und die Toilette zum Abend-Con-\ncerte doch gar zu wenig Zeit übrig blieb. Uebrigens mochte\ndas schöne Wetter auch Manchen zu anderen Ausflügen\nveranlasst haben.\nDas Abend-Concert war ein Concert nach der ge-\nwöhnlichen Musikfest-Schablone, brachte nichts Neues und\ndauerte von acht bis halb zwölf Uhr Nachts. Wenn ich\nsage: nichts Neues, so meine ich damit, was neu für die\nBesucher der Ausstellung und der Concerte in London ge-\nwesen wäre. In Gloucester waren freilich neu und desshalb\nunvermeidlich Meyerbeer's Ausstellungs-Ouverture und\nVerdi's Cantate. Das Orchester war unter Sainton's Lei-\ntung ziemlich gut, was sich besonders bei der Ausführung\nvon Beethoven's Egmont-Ouverture zeigte, welche, ob-\nwohl freilich noch lange nicht vollkommen gut, doch un-\nstreitig das Beste war, was der ganze Abend darbot; trotz-\ndem rührte sich kaum eine oder die andere Hand zum\nApplaus. „Solche Musik\" —bemerkte einer meiner Nach-\nbarn— „ist nicht für den Geschmack des Käse-Landes!\"\nSainton spielte eine Phantasie über schottische Lieder\nfür die Violine, seine Frau (ehemals Miss Dolby) sang,\nFräulein Titjens, Miss Wilkinson, Laura Baxter, Parepa\n(Schattenwalzer aus Dinorah!) u. s. w. u. s. w. sangen Soli\nund Duette von allen möglichen Gattungen. Zum Schluss\n.goss der Begen in Strömen herab.\nAm anderen Tage war Mendelssohn's „Elias\" in\nder Kirche. Der Dirigent, Herr Amott, Organist in Glou-\ncester, zeigte sich heute seiner Aufgabe besser gewachsen,\nals in Haydn's „Schöpfung\", wo die Tempi nicht immer\nrichtig waren und überhaupt Manches über's Knie gebro-\nchen wurde. Besonders war zu loben, dass von Uebertrei-\nbung des Tempo's, wie man es oft in London hört, nichts\nvorkam. Die Soli waren getheilt, ein hier in England ge-\nwöhnliches Verfahren, denn das Publicum will für sein\nGeld viele Berühmtheiten hören. Miss Parepa sang die\nPartie, der Witwe, Fräulein Titjens die Sopran-Partie im\nzweiten Theile; eben so war die Alt-Partie zwischen Miss\nLaura Baxter (schöne Stimme, trat zum ersten Male bei\neinem Musikfeste auf) und Madame Sainton-Dolby vertheilt.\nFräulein Titjens trug die Arie: „Höre, Israel!\" so ein-\nfach gross und mächtig eindrucksvoll vor, dass es kaum\nmöglich sein dürfte, sie je besser zu hören. Sie ist eine\nOratoriensängerin geworden, wie es vielleicht, namentlich\nwas den Vollklang der Stimme und die Behandlung des\nTones betrifft, keine bessere jetzt gibt. In dem „Heilig\"\nklang ihr Sopran so klar und bezaubernd durch, dass der\ngrösste Tbeil der Zuhörer sich erhob und während des\nganzen Stückes stehen blieb, was sonst nur bei dem Hal-\nlelujah im „Messias\" in England Statt findet. Den Elias\nsang Weiss mit voller, wohllautender und kräftiger Stim-\nme; bei seiner Partie war man denn doch so vernünftig\ngewesen, den Propheten nicht in zwei Hälften zu theilen.\nDer Schluss-Chor wurde durch die unausstehliche Eile\neines grossen Theiles des Publicums, so bald wie möglich\nhinaus zu kommen, sehr gestört. Die Zahl der Zuhörer\nbetrug 1326, die Sammlung beim Ausgange 177 L. St.\nDas Programm des Äbend-Concertes machte in so\nfem eine Ausnahme von der Begel, dass es im ersten\nTheile nur Mozart brachte, Stücke aus Idomeneo, Ent-\nführung aus dem Serail, Figaro, Titus und das Finale aus\nder Zauberflöte. Dann folgte Sterndale Bennett's\nInauguration Ode, mehrere Sologesänge und von Orche-\nsterwerken nur Weber's Freischütz-Ouverture und Men-\ndelssohn's Hochzeitsmarsch.\nDas dritte Eirchen-Concert brachte Mendelssoh n's\nLobgesang und eine Auswahl von Chören und Sologe-\nsängen aus Händel's Judas Maccabäus. Die Ausfüh-\nrung des Werkes von Mendelssohn war eben nicht lobens-\nwert!), unruhig und ungenau; die Händel'schen Chöre gin-\ngen besser. Der Glanzpunkt von Sims Beeves war das:\n„Hüter, ist die Nacht bald hin?\" Der Zuhörer waren\n1070; die Sammlung brachte 157 L. St.\nWenn die zwei vorhergehenden Abend-Concerte nicht\nsehr stark besucht waren, so entschädigte das dritte die\nCasse durch einen vollbesetzten Saal. Es mochte wohl\nBenedicts Undine mehr „ziehen\", wie man zu sagen\npflegt, als die anderen Neuigkeiten. Ihr Buf war schon\ndurch die Aufführungen in Norwich vor zwei Jahren, in"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.6", "texte": "London, in Hereford u. s. w. begründet. Die Besetzung\nwar folgende; Undine—Fräulein Titjens; Bertaida—Mad.\nSainton-Dolby; Huldbrand Sims Reeves; Kühleborn,\nWeiss. Die Ausführung liess viel zu wünschen übrig, ob-\nwohl die „Undine\" den grossen Vorzug gehabt hatte, am\nMontag probirt worden zu sein, eine Ehre, die ausser ihr\nnur dem „Lobgesang\", dem „Judas Maccabäus\", der\nCantate von Verdi und der Ode von Sterndale Bennett zu\nTheil geworden; alle übrigen Sachen: „Die Schöpfung\",\n„Elias\", „Messias\", sämmtliche Orchester- und Solostücke\nwurden und werden gewöhnlich ohne Probe gemacht!\nDaher wurde denn auch selbst eine so bekannte Ouver-\ntüre wie Rossini's zu Wilhelm Teil dermaassen verhunzt,\ndass es ein Scandal war. Unter den übrigen fünfzehn Num-\nmern ausser der „Undine\" kamen ein Flöten-Solo, com-\nponirt und allerdings vorzüglich geblasen von Pratten,\nein Bravour-Walzer durch Fräulein Titjens, etwas Bellini,\netwas Auber, etwas Balfe und ein Pater noster von Meyer-\nbeer a capella mit einem hässlichen Orchesterschlusse vor.\nZum Schlüsse natürlich das God save ihe Queen, sehr or-\ndinär vorgetragen. Aber, wie gesagt, der Saal bis unter\ndie Thüren voll und das Publicum bezaubert! Und dennoch\nwaren nur 569 Personen da, wiewohl der Saal im Jahre\n1856 noch 757 fasste und 1859 noch 635; wenn es\naber mit dem Sichbreitmachen der Damen in ihren mo-\ndernen Reifröcken verhäitnissmässig so fortgeht, so wer-\nden 1865 nur ein paar Hundert hineingehen.\nDie letzte Aufführung in der Kirche, Händel's\n„Messias\", hatte eine noch einmal so zahlreiche Zuhö-\nrerschaft, als die frühere, angezogen. Der Messias ist nun\neinmal das bekannteste und beliebteste Oratorium in Eng-\nland. Es ist wahrlich rührend, wahrzunehmen, wie die\nVerehrung und Bewunderung Händel's sich wie eine hei-\nlige Tradition fortgepflanzt hat, zu sehen, wie die Wagen\nder Farmers zu allen Stadtthoren hereinfahren, beladen\nmit ganzen Familien, wie die Geistlichen und Vicare zu\nder Kathedrale eilen, da sie mit der Sonne aufgebrochen,\num zur rechten Zeit in die Stadt zu kommen, wie Vornehm\nund Gering sich drängt, um den Messias zu hören, von\ndem Vater und Grossvater und Grossmutter erzählt haben.\nWie oft habe ich bei solchen Gelegenheiten die katholi-\nschen Bischöfe aus Frankreich und Deutschland, welche\ndie volle Kirchenmusik mit Gesang und Orchester verdam-\nmen wollen, hieher gewünscht, damit sie sich durch die\nThatsache überzeugten, wie tief eine so herrliche geistliche\nMusik in das Herz und in den Glauben des Volkes ein-\ndringt!\nDie Ausführung des Werkes war die beste von allen,\nwas wohl darin seinen Grund hat, dass die grösste Zahl\nder Sänger und Instrumentalisten dieses Oratorium schon\nso viele Male mit aufgeführt hat. Die Sammlung beim\nAusgange brachte 449 L. St. (an 3000 Thlr.) auf, worin\ndie Gaben der Ausschuss-Mitglieder mitbegriffen sind, denn\nin England fordert die Ehre der Comite-Mitgliedschaft\nnicht bloss, ein etwaiges Deficit der Kosten zu decken, son-\ndern auch zu den Collecten für milde Zwecke beizutragen.\nDafür hatten aber auch dieses Mal vierundfünfzig Per-\nsonen die Ehre, zum Comite zu gehören.\nEin glänzender Ball beschloss Freitags den\nber Nachts das Fest.\n\nKünstler-Besoldungen im Anfange des vorigen\nJahrhunderts.\nDer Kurprinz von Sachsen, nachmaliger Kurfürst Fried-\nrich August 11., schloss im Jahre 1717 in Venedig für\ndie italiänische Oper in Dresden auf Ein Jahr, vom 1.\nSeptember an gerechnet, folgende Contracte ab:\nAntonio Lotti, Capellmeister, und seine Gattin\nSanta Stella Lotti zusammen 2100 Louisd'or zu 5\nThlr. = 10,500 Thlr.—Margherita Zani Marucini, zweite\nSopranistin, 4000 Thlr.—Lucia Gaggi Bavarini, Altistin,\n3000 Thlr. Francesco Bernardi Senesino, erster So-\npranist, 7000 Thlr. Verselli, zweiter Sopranist, 4500\nThlr. Der Tenorist Guicciardi 3000, der Dichter Luchini\n1000, der erste Contrabassist 1000 Thlr. u. s. w. Der\nViolinist Verecini 1200 Thlr. Ausserdem erhielten\ndiese Künstler reichliches Reisegeld, hatten ferner Woh-\nnung, Kost, Licht und Heizung frei oder Entschädigung\ndafür, Senesino und Verselli obenein eine Equipage zur\nVerfügung!\nDer Etat des sämmtlichen Theater-Personals im An-\nfange des August 1719 war folgender:\nCapell- und Kammermusik. Capellmeister J. C.\nSchmidt und J. Dav. Heinichen jeder 1200 Thlr., Concert-\nmeister Volumier 1200, Violinist Veracini 1200, Orga-\nnisten Petzold 450 und J. W. Schmidt 300, Pantaleon\nHebenstreit 1200, Theorbisten Weiss 1000, Arigoni\n400, Violdagambist G. Bentley 400, sieben Violinisten\n(darunter J. G. Pisendel 500 Thlr.) 2930, fünf Bratschi-\nsten 1168, fünf Violoncellisten (drei Franzosen und zwei\nItaliäner) 1750, drei Contrabassisten (darunter Personelli\nmit 800 und Job. Dism. Zelenka mit 400 Thlr.) 1400,\nzwei Flötisten (darunter Pierre Gabr. Buffardin 500 Thlr.)\n900, fünf Oboisten (darunter F. le Riehe mit 2600, Joh.\nChrist. Richter mit 600 Thlr.) 3080, zwei Waldhornisten\n640, drei Fagottisten 940, ein Instrumenten-Inspector\n140, ein Notist, Joh. Jak. Lindner, 80, ein Clavierstim-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.7", "texte": "mer, Joh. Heinrich Gräbner, 150, ein Capelldiener 100\nThir. Summa: 21,820 Thlr.\nItaliänische Oper*). Capellmeister A. Lotti 9975\nThlr. Poet Stef. Pallavicini 1333 Thlr. 8 Gr. Sängerin-\nnen: Santa Stella Lotti (s. A. Lotti). Marg. Durastanti\n5225, Mar. Ant. Laurenti, genannt Coralli, 2375, Vit-\ntoria Tesi 2375, Madelaine du Salvay 2000, Livia Con-\nstantini 1600 Thlr. Sänger: Francescoßernardi, genannt\nSenesino, 6650, Matteo Berselli 4275, Giuseppe Maria\nBoschi 3325, Francesco Guicciardi 2850, Lucrezio Bor-\nsari 1333 Thlr. 8 Gr.; zwei Souffleure 320 Thlr.—\nSumma 43,636 Thlr. 16 Gr.\nMusiciens vocals frangais: Margh. Prache de\nTiIby(Z)ESSMS-Sopran) 400 Thlr.\nBeauregard {llautecontre - Alt) 400 Thlr.\n{Taille-Tenor) 500 Thlr. J. Dav. Brot {Basse) 600\nThlr. - Summa 1900 Thlr.\nComedie frangaise: 10 Schauspieler, 11 Schau-\nspielerinnen und 1 Souffleurin. Summa 10,866 Thlr.\n16 Gr.\nDanse.Balletmeister Duparc 10130 Thlr. Unter-\nBalletmeister Nie. Corette 400 Thlr. 10 Tänzer und 10\nTänzerinnen 9433 Thlr. Summa 10,833 Thlr.\nComedie italienne. 16 Schauspieler und Schau-\nspielerinnen. Summa 5333 Thlr. 8 Gr.\nZur italiänischen Oper gehören: zwei Baumeister\n2666 Thlr. 16 Gr. und 960 Thlr.; sechs Maler 3288\nThlr.; fünf Zimmerleute 3384 Thlr.; ein Dolmetscher\n120 Thlr. Summa 10,418 Thlr. 16 Gr.\nBeamten-, Officianten- und Handwerker-Personal.—\nInspector des Komödien- und Opernhauses, so wie Theater-\nmaler: Wilhelm Kastell 100 Thlr.; zwei französische De-\nkorateure, jeder 166 Thlr. 16 Gr.; Inspector der Garde-\nrobe, Geh. Kämmerier Joh. Friedr. Tränkel, 200 Thlr.;\n«in französischer Costümezeichner 500 Thlr.; ein Opern-\nschneider 100 Thlr.; dessen Gehülfe 50 Thlr.; ein Ko-\nmödien-Tischler 24 Thlr.; ein Komödien-Schlosser 20\nThlr. Summa 1426 Thlr. 8 Gr.\nSumma des Gesammt-Etats: 106,234 Thlr. 16 Gr.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nCoburg« Folgende Sängerbünde sind bei dem hier Statt fin-\ndenden ersten deutschen Sängertage durch 68 Abgeordnete vertreten,\nwobei zugleich die ungefähre Anzahl der Mitglieder jedes Bundes\nangegeben ist. 1) Schwäbischer Sängerbund 6300. 2) Pfälzischer Sän-\ngerbund 1500. 3) Badischer Sängerbund 2000. 4) Fränkischer Sän-\ngerbund 4000. 5) Nordfränkischer Sängerbund 400. 6) Rheinischer\nSängerbund 1150. 7) Märkischer Centrai-Sängerbund 1634. 8) Sän-\ngerbund der Männer-Gesangvereine des Regierungsbezirkes Cöslin\n280. 9) Sängerbund der coburg'schen Land-Liedertafeln 500. 10) Main-\nthals-Sängerbund 1000. 11) Niederösterreichischer Sängerbund, im\nEntstehen begriffen, circa 2000. 12) Schlesischer Sängerbund 736.\n13) Verbündete frankfurter Männer-Gesangvereine 580. 14) Vogtlän-\ndisclier Sängerbund 886. 15) Baierischer Sängerbund 2000. 16) Salz-\nburger Sängerbund, in der Bildung begriffen, 203. 17) Nahe-Sänger-\nbund 520. 18) Oberösterreichischer Sängerbund circa 700. 19) All-\ngemeiner Sängerverein Dresden 451. 20) Mittelrheinischer Sänger-\nbund 502. 21) Rhein- und Main-Sängerbund 400. 22) Sängerbund im\nNieder-Erzgebirge 177. 23) Mecklenburg'scher Sängerbund 400. 24)\nOsterländisclier Sängerbund 871. 25) Deutscher Provincial-Sänger-\nbund zu Bromberg 370. 26) Niedersächsischer Sängerbund 946. 27)\nVereinigte norddeutsche Liedertafeln 1136. 28) Sängerbund Deutscher\nin Russland 700. 29) Thüringer Sängerbund, Vorort Rudolstadt, 850.\n30) Vereinigte Männer-Gesangvereine Magdeburgs 600. 31) Sänger-\nbund an der Saale 420. 32) Provincial-Liedertafel 400. 33) Deutscher\nSängerbund Giessen 600. 34) Harz-Sängerbund 650. 35) Sängerbund\nder Provinz Preussen circa 1700. 36) Hessischer Sängerbund circa\n600. 37) Henneberger Sängerbund, Vorort Gotha, 1500. 38) Märki-\nscher Sängerbund 1500. 39) Im Entstehen begriffen Erzgebirgischer\nSängerbund 1500. Im Ganzen also über 43,000 Sänger. Die Wahl\neines geschäftsführenden Ausschusses für den deutschen Sängerbund\nfiel einheitlich auf den bisherigen Ausschuss des schwäbischen\nSängerbundes, nämlich die Herren Dr. Karl Pfaff, Dr. Otto El-\nben, Professor J. Faisst, J. Baur und Wilh. Wiedemann. Als zehn\nweitere Ausschuss-Mitglieder wurden gewählt die Herren Dr. Gerster\nin Nürnberg, Reg.-Rath Fentsch in München, Dr. Meyer in Thorn,\nStaatsrath v. Rösing in Hannover, Musik-Director Tschirch in Ber-\nlin, Dr. Hölzl in Straubing, Assessor Eberhardt in Coburg, Hof- und\nGerichts-Advocat Baur in Wien, Musik-Director Otto in Dresden\nund Capellmeister Abt in Braunschweig.\nJjeipzig« Ein Lustspiel von Dr. August Diezmann, betitelt:\n„Im achtzehnten Jahrhundert\", ist in Vorbereitung und wird nach\nder Michaelis-Messe zur Aufführung kommen. Es ist der erste dra-\nmatische Versuch des bekannten Uebersetzers und Redacteurs.\nVon Roderich Benedix kommt auf derselben Bühne ein historisches\nLustspiel in vier Aufzügen: „Brandenburgischer Landsturm\", aus\nder Zeit nach dem dreissigjährigen Kriege (Juni 1675) zur Darstel-\nlung. Der Charakterspieler Czaschke wird darin als Führer der\nBauern, Wachtmeister Störtebecker, eine dankbare Rolle haben.\nAm 16. September wurden die üblichen Einladungen zum Abon-\nnement auf die „Grossen Concerte\" im Gewandhause veröffentlicht.\nDanach fand das erste Concert am 5. October Statt (erster eigent-\nlicher Mess-Sonntag). Wie gewöhnlich werden auch Sperrsitze offe-\nrirt; ein naives Gemüth kann sich mit der Illusion tragen, eines\nsolchen habhaft zu werden. Allein die bisherigen Inhaber behalten\nihre Plätze, neue können nicht geschafft werden: wozu also die\nAnkündigung? Sie klingt fast wie Hohn. Und zum Hohn hat die\nDirection wahrlich nicht das Zeug, wenn sie auch auf die Lorbern\nihrer Vorgänger im Amte stolz genug ist und an dem kindlich from-\nmen Glauben festhält, der alte Ruhm des Gewandhauses glänze\nnoch, wie vordem.\nAm 6. September, dem letzten Tage des deutschen Künst-\nlerfestes in Salzburg, bezeichnete Herr v. Schmerling es in\nseiner Ansprache an die Versammlung als einen höchst erfreulichen\nMoment in seinem bewegten Leben, die Freude zu haben, in diesem\nKreise zu erscheinen. Es sei ihm die ernste Aufgabe geworden, in\ndie schwierige Gestaltung und schwierigen Verhältnisse Oesterreichs\neinzugreifen \\ es sei ihm aber auch durch den hochverehrten und\ngeliebten Monarchen der ehrenvolle Beruf geworden, der Kunst und\n\n*) Joh. Christ. Hesse und seine Gattin standen nicht mit auf dem\nEtat, da sie nur auf acht Monate engagirt waren mit 800\nThlr., 320 Thlr. Reisegeld und 1000 Thlr. Gratification."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621011-01.1.8", "texte": "ihrer Entwicklung in Oesterreich seine Kräfte widmen zu dürfen.\nEr verkenne nicht, wie reich und weittragend die Aufgabe sei, in\nwelcher in Oesterreich zu wirken sein wird; aber durchdrungen von\nder Bedeutung der ihm verliehenen Aufgabe, rechne er es sich zu\neiner der schönsten Berufs-Aufgaben seines Lebens, in dieser Rich-\ntung volle Thätigkeit entwickeln zu können; es dränge ihn, dies\nhier in diesem Kreise auszusprechen. Besonders geehrt fühle er sich\ndurch die freundliche Aufnahme, die er heute zu finden schon Gele-\ngenheit hatte, und entnehme ferner hieraus, dass in dieser Stadt,\nwelche die Künstler zum Sitze ihrer Thätigkeit erwählten, Gesin-\nnungen herrschen, die bezeugen, wie sehr alle Genossen von Oester-\nreich von dem Gefühle durchdrungen sind, als deutsche Brüder ent-\ngegenzukommen, und wie sie bemüht sein werden, dass das Band,\nwelches sie auch in künstlerischer Beziehung an einander knüpft,\ngefördert und befestigt werde. Den Schluss der Festlichkeiten\nbildete das am Sonntag Abend vom Dom-Musikverein und Mozarteum\nin der Aula academica veranstaltete Concert. Bei demselben wirk-\nten von heimischen Kräften das von Dilettanten verstärkte Mozar-\nteums-Orchester, die Liedertafel und Sing-Akademie und in den Ein-\nzel-Vorträgen unsere heimischen Virtuosen Herren Bennewitz und\nHegenbart, von den Gästen die k. k. Hof-Opernsängerin Frau Dust-\nmann und der k. k. Hof-Opernsänger Herr Mayerhofer mit. Unter\nder Direction des Capellmeisters Herrn Schläger wurden in der\nersten Abtheilung Cherubim's Ouvertüre zu den „Abenceragen\", in\nder zweiten Abtheilung Mozart's Maurerische Trauermusik aufge-\nführt. Frau Du st mann sang nebst der Don-Juan-Arie noch zwei\nLieder: „Das Heideröslein\" von Schubert und Mozart's „Veilchen\",\ndann im Vereine mit Herrn Mayerhofer das Duett aus „Figaro's\nHochzeit\". Herr Mayerhofer sang ferner die „Theilung der Erde\"\nund eine Mozart'sche Arie, wenn wir nicht irren, aus der 1775 am\nmünchener Hofe aufgeführten Operette ~Finta Giardiniera\", mit so\nwohlthuend jugendschmelzvoller, kräftiger Stimme, mit so natürli-\nchem, nichts weniger als coquettem Ausdrucke, dass wir uns für\ndiesen in seinem äusseren Wesen auch sehr anspruchslosen Sänger\nvollständig eingenommen fühlten. Das von Frau Dustmann, Fräu-\nlein Marie Edle v. Hillepr andt, den Herren Mayerhofe r und\nBielziczky sehr hübsch vorgetragene Schumann'sche Quartett mit\ngemischtem Chor, „Romanze vom Gänsebuben\", gehörte zu den\nwerthvollsten Nummern des Concertes und musste wiederholt werden.\nDen würdigen Schluss des Concertes bildete der 98. Psalm für Solo,\nDoppelchor und Orchester von Mendelssohn. Der Gesammt-Eindruck\ndes Concertes war ein durchweg befriedigender.\n(W. 81. f. Th. u. M.)\nDas National-Theater soll endlich die Frage wegen\neines artistischen Leiters gelöst haben, und Herr Radnotfay wird\ndas Ruder in die Hand nehmen; ein kühnes und gefährliches Wag-\nniss, zu dem aufrichtig ein gutes Gelingen zu wünschen ist. Frau\nv. Bulyovsky soll eingeladen werden, noch in diesem Herbste\nein Engagement bezweckendes Gastspiel in diesem Hause zu eröff-\nnen. Ein Abschieds- und Erinnerungszeichen soll dem Ende dieses\nMonats scheidenden Capellmeister Karl Doppler überreicht wer-\nden. Unser Musikvereins-Conservatorium hat in seiner letzten Sitzung\nbeschlossen, im Laufe dieses Winters vier philharmonische Concerte\nzu veranstalten und den Herrn Paul Rosty zur Betheiligung an\ndem Arrangement aufzufordern; ferner soll unser berühmter Lands-\nmann Franz Liszt, der bekanntlich seinen bisherigen Wohnsitz\nWeimar mit Rom vertauschte, eingeladen werden, seinen bleibenden\nAufenthalt in Pesth zu nehmen.\nLiverpool, 28. September. Die Künstler-Gesellschaft,\nwelche gegenwärtig (bis zum 2. November) eine Concert-Tour durch\nEngland und Schottland mit fast beispiellosem Erfolg macht,\nbesteht aus der Sängerin Adelina Patti, den Virtuosen Alfred\nJa eil (Piano) und Laub (Violine), den Sängern W. Swift (Tenor)\nund Ciampi (Bass), dem Accompagneur Strakosch (Schwager\nder Demoiselle Patti) und dem arrangirenden Agenten. Die elegant\ngedruckten Programm-Hefte enthalten ausser den Texten der Ge-\nsänge das Portrait der Patti und eine pomphafte Biographie dersel-\nben. Ihr Gesang ist in der That reizend: ausgezeichnete Schule,\nvollendete Coloratur, glockenreine, wohllautende Höhe sind ihre be-\nsonderen Vorzüge, und die Stimme, obwohl nicht besonders volu-\nminös, gewinnt unendlich durch eine Art von Kindlichkeit, möchte\nman sagen, die wahrhaft bezaubernd ist. Von dem, was sie singt,\nsind die Rossini'schen Sachen das Beste, aber den grössten Applaus\nerzielt sie durch Eckerts Schweizergegang und durch englische Bal-\nladen. Von den gediegeneren Instrumentalstücken macht jedesmal\nam Schlüsse des Concerts Beethoven's grosse (Kreutzer-) Sonate, von\nJaell und Laub vollendet vorgetragen, grossen Eindruck, was bei\nein ein Publicum von 3—4000 Zuhörern, wie es der Concertsaal in\nManchester und die prachtvolle, kolossale St. Georgs Hall in Liver-\npool versammelt sah, viel sagen will. Von brillanten Ciaviersachen\nmuss Jaell seine Transscription der englischen Ballade Home, sweet\nhome, jedes Mal wiederholen; auch sein Op. 117, La Fontaine, er-\nregt stürmischen Applaus, während auch die kleinen Stücke classi-\nscher Art von Bach, Händel, Chopin selbst in den grossen Locali-\ntäten ihren Erfolg nicht verfehlen. Ein prachtvoller Flügel vom lon-\ndoner Erard macht die Reise mit. Laub begeistert die Engländer\nam meisten durch Mendelssohn's Concert. ln den ersten sieben-\nzehn Tagen hat die Gesellschaft dreizehn Concerte gegeben (!)\nin den Städten Plymouth, Exeter, Bath, Clifton, Bristol, Salisbury,\nSouthampton, Brighton, Scarborough, Liverpool, Manchester in\nden letzteren beiden Städten je zwei Concerte. Die nächsten werden\nin Birmingham, Derby, Newcastle, Edinburgh, Glasgow u. s. w.\nStatt finden."}]}