{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_sha256": "5ba0c36f8539366c400874526a7aff74ad9bfc30414051c87c3917ea894891e2", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/11/01_01/bmtnabi_1862-11-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "345", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 444, "texte": "Inhalt.\nMoritz Hauptmann (Lebensskizze). Kaiserliche Hof-Opernscliule in Wien. Uebersicht des Opern-Kepertoires\nam Hoftheater zu München. 1861 und 1862 bis Juli* Aus Stuttgart (Wilhelm von Oranien, Oper in vier Acten von Eckert).\nDer wiener Männer-Gesangverein. Tages- und Unterhaitungsblatt (Köln, Stockhausen's Volks-Concert Berlin, Hermann\nder Cherusker\", Frau Köster, J. F. Kelz f, Winter-Concerte Ordens-Verleihung an Gounod Wien, Wagner)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "347", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.2.2", "titre_corps": "Moritz Hauptmann.", "titre_sommaire": "Moritz Hauptmann.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.1", "debut_caractere": 446, "fin_caractere_exclue": 4123, "texte": "Moritz Hauptmann.\nMoritz Hauptmann, dessen Name überall, wo\ndie Tonkunst und ihre Wissenschaft gepflegt wird, mit\nhoher Verehrung genannt wird, hat am 13. October 1862\ndas Alter von 70 Jahren erreicht. Da er seine Laufbahn\nals Musiker vor 50 Jahren in Dresden begonnen, so ist zu\ndiesem doppelten Jubelfeste auf Veranlassung eines Kreises\nseiner Schüler und Verehrer in Leipzig eine Denkschrift\nvon Oscar Paul (Leipzig, Verlag von Alfred Dörffel,\n1862, gr. 8.) in zierlicher Ausstattung erschienen. Den\nbiographischen Nachrichten und der Schilderung Haupt-\nals Künstler und Mensch geht ein Festgedicht von\nAd. Böttger und ein Vorwort von Ad. Felchner vor-\nher, und den Anhang bildet ein Verzeichniss der Compo-\nsitionen und theoretischen Werke Hauptmann's. Die kleine\nSchrift ist, obwohl etwas eilig, doch im Ganzen gut ge-\nschrieben und wird gewiss dazu beitragen, dass der Spruch\nGoethe's, den das Vorwort anführt:\n„Halte das Bild der Würdigen fest! Wie leuchtende Sterne\nTheilte sie aus die Natur durch den unendlichen Raum\"\nsich bei den Verehrern Hauptmann's bewähre.\nAm frühen Morgen begrüsste der Gesang des Tho-\nmaner-Chors den Siebenzigjährigen, der ganze Tag brachte\nGlückwünsche von nah und fern, auch ein Telegramm von\nKöln, und am Abende hatte das Conservatorium eine mu-\nsicalische Feier veranstaltet, bei welcher vierstimmige Lie-\nder von Hauptmann gesungen und unter Anderem dessen\nSonate in G-mollfür Ciavier und Violine durch die Herren\nMoscheies und David, Präludium und Fuge von Mendels-\nsohn durch Herrn C. Reinecke, die Ciaconna von Bach\ndurch Herrn Wilhelmi aus Wiesbaden, Schüler David's,\nvorgetragen wurden.\nDer oben genannten Denkschrift entnehmen wir fol-\ngende Notizen:\nAm 13. October 1792 wurde dem Ober-Landbau-\nmeister Hauptmann zu Dresden ein Sohn geboren, wel-\ncher in der Taufe den Namen Moritz erhielt. Frühzeitig\nentwickelten sich die musicalischen Anlagen des Kindes,\nwelche der Vater nährte und durch Unterweisung im Vio-\nlinspiel befördern liess. Die classischen Wissenschaften je-\ndoch mussten die Oberhand behalten, und so machte der\nKnabe und Jüngling eifrige mathematische, naturwissen-\nschaftliche, Zeichen- und Sprach-Studien. In seinem neun-\nzehnten Jahre trat jedoch Hang und Beruf zur Tonkunst\nso stark hervor, dass der Ober-Landbaumeister auf den\nWunsch seines Sohnes, Musiker zu werden, einging. 1811\nkam Moritz Hauptmann zu Spohr nach Gotha und bildete\nsich hier zu einem guten Violinspieler aus. Auch Compo-\nsitions-Unterricht ertheilte ihm Spohr, und es scheint schon\nhier der Grund zu der späteren Freundschaft der beiden\nTondichter gelegt worden zu sein. Nach einjährigem Stu-\ndium wurde Hauptmann 1812 in Dresden als Violinist\nin der Hofcapelle angestellt, welche Stellung er kaum ein\nJahr bekleidete, indem er 1813 in Wien seinen Aufent-\nhalt als Mitglied des Theater-Orchesters fünf Monate hin-\ndurch nahm. In dieser Stadt traf er mit Spohr zusammen,\nda Letzterer dort Capellmeister an der Oper war. Von\nhier kehrte er nach Dresden zurück, von wo aus er 1815\nals Musiklehrer nach Russland in das Haus des Fürsten\nRepnin berufen wurde. Das abwechselnde Leben in Pe-\ntersburg, Moskau, Pultava, Odessa musste auf den Geist\ndes jungen Mannes einen bedeutenden Einfluss ausüben.\nNamentlich war es der Aufenthalt in Südrussland, welcher\nfür die allseitige Ausbildung seiner Fähigkeiten von Wich-\ntigkeit wurde. Denn hier, wo vom Hören guter Musik\nwenig oder gar keine Bede war, versenkte sich sein Geist\nwiederum in wissenschaftliche Studien. Seine mathemati-\nschen Kenntnisse befähigten ihn, die verschiedenartigsten,\nin das Gebiet der Mathematik einschlagenden Unterneh-\nmungen zu machen, indem er selbst beim Feldmessen be-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5389, "texte": "hülflich war, und die schwierigsten Probleme zu lösen,\nindem er musicalische Combinationen durch mathemati-\nsche begründen konnte. Auch componirte er während sei-\nnes dortigen Aufenthalts unter Anderem für einen Freund\nein Divertimento für Violine und Guitarre (das später als\nOp. 8 bei Spina in Wien erschienen ist). Im Jahre 1820,\nnachdem er fünf Jahre russische Luft geathmet hatte,\nkehrte der Künstler nach Dresden zurück und lebte hier\nzwei Jahre als Privatmann.\n1822 wurde er nach Kassel als Violinspieler berufen,\nin welcher Stadt sich das Freundschafts-Verhältniss zwi-\nschen ihm und Spohr noch weiter entfaltete. Hier wies\nihm Spohr sehr bald Schüler zu, welche sich in der Theo-\nrie und der Composition ausbilden wollten, z. ß. Cursch-\nmann, Norbert Burgmüller, Horsley u. A., und Spohr sagt\nin seiner Biographie (Bd. 11., S. 170), dass Hauptmann\n„vorzügliches Geschick\" dazu entwickelt habe. Die Com-\npositions-Thätigkeit unseres Meisters entfaltete sich hier\nschon in hohem Grade. So lesen wir in Spohr's Biographie\n(Bd. 11., S. 199), dass am fünfzigsten Geburtstage des\nLetzteren, am 5. April 1834, in dem Hause von Spohr's\nSchwiegersohne Zahn eine Cantate von Hauptmann zur\nAufführung kam. Auch arbeitete er an einer später wie-\nderholt aufgeführten Oper, „Der Matrose\", mit, deren\nComposition Spohr, Hauptmann, Baldewein und Grenze-\nbach übernommen hatten. Auch wurde seine Oper „Ma-\nthilde\" zwei Mal mit Beifall aufgeführt.\nUnser Meister unternahm von hier aus Reisen nach\nItalien und Frankreich. Nach einem kurzen Aufenthalte in\nParis, wohin er im Sommer 1842 mit seiner Gattin (geb.\nSusette Hummel, Tochter des Akademie-Directors\nHummel in Kassel, vermählt mit Hauptmann seit dem 27.\nNovember 1841) eine Erholungsreise gemacht hatte, fand\ner bei seiner Rückkehr nach Kassel die Vocation zum\nCantor und Musik-Director an der Thomasschule zu Leip-\nzig (an Weinlig's Stelle) vor. Spohr, von Karlsbad zu-\nrückgekehrt, wurde schmerzlich berührt durch die Kunde\nvon der nahe bevorstehenden Abreise seines Freundes\nHauptmann. „Mochte er sich\", so heisst es in der Biogra-\nphie Spohr's (Bd. 11., S. 267), „auch herzlich darüber\nfreuen, denselben seine Stelle in der Hofcapelle zu Kassel\ngegen jene so viel angemessenere und ehrenvollere vertau-\nschen zu sehen, so war doch augenblicklich das wehmü-\nthige Gefühl vorherrschend, den Umgang eines Mannes\nfortan entbehren zu sollen, der ihm zwanzig Jahre hin-\ndurch als Freund wie als Künstler gleich nahe gestanden\nhatte. Da Hauptmann auch ein thätiges und hochgeehrtes\nMitglied des Cäciiien-Vereins gewesen war, so wurde von\ndiesem auf Spohr's Veranlassung eine Abschiedsfeier ver-\nanstaltet, wobei der musicalische Theil grösstenteils aus\nHauptmann'schen Compositionen bestand. Da aber Spohr\nwenigstens ein Musikstück mit speciellerer Beziehung auf\ndie Feier hinzuzufügen wünschte, so wählte er hierzu die\nzur goldenen Hochzeit seiner Eltern von ihm componirte\nliebliche Cantate, welche, mit untergelegtem passenden\nText versehen, um so mehr das Interesse aller Zuhörer\nfesselte, da Spohr selbst die der Clavier-Begleitung beige-\ngebene obligate Violinstimme dabei übernahm.\"\nHauptmann wurde nun Cantor an der Thomasschule.\nSeine Einführung in diese Anstalt am 12. September\n1842 gab dem damaligen Rector Stallbaum Veranlas-\nsung, zur üblichen Jahresfeier der Thomasschule am 31.\nDecember 1842 eine Inaugural-Rede „über den inneren\nZusammenhang musicalischer Bildung der Jugend mit dem\nGesammtzwecke des Gymnasiums, nebst biographischen\nNachrichten über die Cantoren an der Thomasschule zu\nLeipzig\" zu verfassen, welche sich durch ihre vorzüglichen\nQuellen-Angaben auszeichnet. Was Hauptmann hier in\nLeipzig nicht nur an der Thomasschule gewirkt, sondern\nauch seit der Gründung des Conservatoriums 1843 als\nLehrer dieser Anstalt geleistet, ist oft und allgemein aner-\nkannt worden; einige Notizen hierüber könnten indessen\nwillkommen sein, um das Frühere der Jetztzeit ins Ge-\ndächtniss zu rufen. Besonders müssen die Aufführungen\nhervorgehoben werden, welche unter seiner Leitung theils\nin der Thomaskirche, theils im Gewandhause Statt fanden.\nIn letzterem dirigirte er z. B. im Mai 1847 das in der\nLimburger'schen Stiftung angesetzte Requiem von Mozart.\nIn der ersteren trat unter seiner Direction oftmals seine\nGattin als Solosängerin auf. Was er als Componist in die-\nser Zeit leistete, findet in dem Verzeichniss seiner Werke\nseinen Nachweis. Die grosse Messe in G-moll mit Instru-\nmental-Begleitung, Op. 30, mit welcher er seine öffent-\nliche Amtsthätigkeit am 2. October 1842 begann, hatte,\nwie die Allg. Mus.-Zeitung sagt (44. Jahrg., S. 804), die\ngrosse Achtung, welche ihn empfing, und von der ihm\ngleich bei seiner ersten Ankunft öffentliche Beweise mehr-\nfach gegeben wurden, nur noch mehr befestigt und weiter\nverbreitet. „Ein so durch und durch treffliches Werk\",\nfährt der Referent besagter Zeitung fort, „wie diese Missa,\nreich an Erfindung, meisterhaft und geschmackvoll in der\nArbeit, schreibt nur ein Künstler ersten Ranges. Dass wir\neinen solchen in Herrn Hauptmann gewonnen haben, ist\nunsere feste Ueberzeugung, und dass seine Wirksamkeit\nunser so reges, frisches Musikleben wahrhaft mit fördern\nwerde, unsere Hoffnung.\" Er wurde auch hier zum Eh-\nren-Mitgliede mehrerer Gesellschaften ernannt und nach\nder Herausgabe seines tiefen theoretischen Werkes: „Die\nNatur der Harmonik und der Metrik\", im Sommer 1857"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1467, "texte": "von der Universität Göttingen zum Ehren-Doctor der Phi-\nlosophie und der freien Künste promovirt.\nNächstdem verbreitet sich der Verfasser der Denk-\nschrift über mehrere Compositionen und kritische Werke\nHauptmann's, z. B. die zweistimmigen Lieder ohne Beglei-\nmehrere vierstimmige Gesänge, die Vocai-Messe in\nF-moll, Op. 18, die zwölf dreistimmigen Canons, Op. 50\n(italiänisch und deutsch für drei Soprane), die „Erläute-\nrungen zu J. S. Bach's Kunst der Fuge\" (Leipzig, bei\nPeters, Pr. 15 Sgr.), die Beurtheilungen von Klengel's\nCanons und Fugen, u. s. w. und rühmt schliesslich, auch\naus eigener Erfahrung, die treffliche Wirksamkeit Haupt-\nmann's als Lehrer, womit gewiss alle, die das Glück hatten,\nseines Unterrichts und seiner Anleitung theilhaft zu wer-\nden, übereinstimmen.\nDas Verzeichniss der im Druck erschienenen Compo-\nsitionen Hauptmann's zählt 53 Werke mit Opuszahlen\nund 5 ohne Opuszahl auf. Dazu als theoretische Werke\ndie „Erläuterungen zu Bach's Kunst der Fuge\", „Die Na-\ntur der Harmonik und der Metrik\" (Leipzig, Breitkopf &\nHärtel, Pr. 2 Thlr.), die „Vorreden\" zur Ausgabe der\nMessen (in F-dur, A-dur, G-und von Bach\nund andere kritische Aufsätze.\nWir schliessen mit einem Ausspruche Hauptmann's,\nder aus dem Munde eines so tiefen Denkers in musicali-\nschen Dingen und eines so gelehrten Theoretikers doppelt\nschätzbar ist:„Das Höchste der Kunst ist überall nicht\nfür den Künstler und Kunstkenner ausschliesslich da, son-\ndern für den Menschen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "347", "page_fin": "348", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.2.3", "titre_corps": "Kaiserliche Hof-Opernschule in Wien.", "titre_sommaire": "Kaiserliche Hof-Opernschule in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.3", "debut_caractere": 1469, "fin_caractere_exclue": 4950, "texte": "Kaiserliche Hof-Opernschule in Wien.\nEin sehr erfreuliches Ereignissist die Errichtung einer\nmit dem Opern-Theater zu Wien in Verbindung stehen-\nden Gesangschule. Die Wiener Zeitung vom 4. und 5.\nOctober bringt darüber Folgendes:\n„Grosse Hoffnungen für die deutsche Oper und den\nGesang im Allgemeinen knüpfen sich an dieses Institut,\ndem der Tag, an welchem es an die Oeffentlichkeit tritt,\nein glückverheissender sein möge.\n„Herr Director Salvi hat das-Project des Instituts,\nauf welches wir eingehend zurückkommen, ausgearbeitet\nund ist seit langer Zeit mit unermüdlicher Ausdauer für\nseine Verwirklichung thätig gewesen, und das Project hat\nbei dem hohen Oberkämmerer-Amte rege Theilnahme\nund eine Unterstützung gefunden, deren Resultat nunmehr\nvorliegt.\n„Unsere Oper hat im Laufe der letzten Jahre zu man-\ncherlei schweren Bedenken Anlass gegeben. Um das Gleich-\nGewicht zwischen Anforderungen und Leistungen hei...\nstellen, wurden Versuche mit den ersten Gesangskräften\nDeutschlands angestellt. Die Erfolge waren selten vollstän-\ndig, meistentheils sogar zweifelhaft, und mit bedeuten-\ndem Kosten-Aufwände wurde endlich die Er-\nkenntniss erkauft, dass zur gründlichen und\ndauernden Verbesserung der Opern-Zustände\nein tüchtiger Nachwuchs auf eigenem Boden\nherangebildet werden müsse.\n„Der nächste und unmittelbare Zweck, welcher bei\nErrichtung der Hof-Opernschule ins Auge gefasst wurde,\nkonnte allerdings nur der sein, dem zunehmenden Mangel\nan eigenen Gesangskräften abzuhelfen und gewisser Maas-\nsen für den Hausbedarf zu sorgen. Ein solches Ziel ist an\nund für sich schon der höchsten Anstrengung werth in\nder österreichischen Kaiserstadt, in der ersten Stadt von\nDeutschland. Aber das Unternehmen kann und soll noch\nviel Höheres erreichen. Es soll eine Musterschule werden,\num den Unterricht im Gesänge nicht nur selbst zu erthei-\nlen, sondern in stets sich erweiternden Kreisen denselben\nzu heben und zu veredeln, und dergestalt nicht nur dem\nheimatlichen Kunst-Unterricht zu dienen, sondern im Gros-\nsen und Ganzen die Kunst selbst zu fördern.\n„Es fehlt nicht an einzelnen Gesanglehrern von aus-\ngezeichneten Verdiensten, aber ihr Wirkungskreis kann\nnur ein beschränkter sein, und sie bilden Ausnahmen von\nder Regel. Die meisten Gesanglehrer sind darauf angewie-\nsen, den Anforderungen eines Geschlechtes sich zu beque-\nmen, das in seiner missverstandenen Auffassung des Grund-\nsatzes „Zeit ist Geld\" zu ärnten begehrt, bevor es noch\nrecht gepflügt, gesäet und geeggt. Bei Leuten solchen\nSchlages wird derjenige am höchsten geschätzt, welcher\ndem jungen Volke in möglichst kürzester Zeit eine Menge\nvon Walzen einsetzt, die sie ableiern; je mehr, desto bes-\nser. Unter diesen „ „Schnellsiedern\"\" werden besonders\njene gesucht, welche sich dazu verstehen, mit den Schü-\nlern einen Glücksvertrag einzugehen. Da wird nun Letzte-\nren ebenfalls ein Repertoire „ „eingewerkelt\"\", so reich-\nhaltig als möglich, und in einer Geschwindigkeit, die oft\nan Hexerei gränzt. Die armen Vögel fliegen in der Ueber-\nzeugung ab, dass der Gesang lediglich in der Kehle liege\nund Können gleichbedeutend mit Kunst sei. Bei ihnen\ngelten alle höheren Anforderungen der Kunst für mittel-\nalterlichen Aberglauben. Wie weit sie damit kommen,\nlehrt die Erfahrung in unzähligen traurigen Beispielen;\ndoch für die Gedankenlosen gibt es keine Erfahrung,\nund die schnell vergessene Sternschnuppe, welche einen\nkurzen Augenblick hindurch auf der Bühne erschien, er-\nsetzen gleich ein paar andere.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1978, "texte": "„Solche und verwandte Missstände wird natürlich auch\ndie denkbar vollkommenste Kunstschule nicht ganz abstel-\nlen, aber sie wird verhindern, dass dieselben sich die Allein-\nherrschaft anmaassen, und dass eitel Unkraut auf dem\nAcker wuchere, welcher edle Früchte zu tragen bestimmt\nist. Die kaiserliche Gabe der Opernschule wird dazu die-\nnen, indem sie die begabte Jugend einer gediegenen Bil-\ndung zuführt, das Publicum an die besten Leistungen zu\ngewöhnen, und dem geläuterten Geschmack einen Maass-\nstab in die Hand geben, vor welchem Manches nicht wird\nStand halten können, das jetzt noch sich breit machen darf.\n„Für Eltern, welchen die Zukunft ihrer Kinder wahr-\nhaft am Herzen liegt, bietet die Kunstschule eine unschätz-\nbare Beruhigung. Sie werden über die Begabung ihrer\nSprösslinge freimüthige Auskunft erhalten und nicht län-\nger in der Gefahr schweben, von eigennützigen Meistern\nzu unersetzlichem Zeitverlust und fruchtlosen Geldopfern\nverleitet zu werden.\n„Gross sind die Anforderungen, welche die Kunstwelt\nan die Opernschule stellt. Dieselbe will, wenn auch nicht\nalsogleich im ersten Anlaufe, eine Wiedergeburt der ver-\nfallenden Kunst des theatralischen Gesanges anbahnen,\nnicht nur in Deutschland, sondern weit mehr noch in\nFrankreich und sogar im ersten Heimatlande dieser Kunst,\nin Italien, denn diese fremden Länder beziehen ja aus\nDeutschland viele ihrer besten Kehlen. Aber wie gross\nauch die Anforderungen seien, unerfüllbar sind sie nicht\nbei einer tüchtigen Leitung der Opernschule, wie sie zu\nerwarten wir vollkommen berechtigt sind.\n„An Talenten fehlt es nicht in unserem gesegneten\nVaterlande; es gilt nur, die Schätze mit kundiger Hand\nzu Tage zu fördern. Der fromme Wunsch danach bestand\nschon lange, und nun rufen wir dem beginnenden Werke\nein freudiges „„Glück auf!\"\" zu.\"\nJeder Kunstfreund wird diese Stiftung mit Freuden\nbegrüssen. Wille und Absicht sind gut; mögen die Ein-\nrichtung und die Anstellung vorzüglicher Lehrer ihnen\nentsprechen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "348", "page_fin": "349", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.2.4", "titre_corps": "Uebersicht des Opern-Repertoires am Hoftheater zu München.", "titre_sommaire": "Uebersicht des Opern-Repertoires am Hoftheater zu München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.4", "debut_caractere": 1980, "fin_caractere_exclue": 4880, "texte": "Uebersicht des Opern-Repertoires am Hoftheater\nzu München.\n3861 und 1862 bis Juli.\nIm Jahre 1861 fanden auf dem Hof- und dem Resi-\ndenz-Theater in München im Ganzen 317 Vorstellungen\nStatt, davon 140 der Oper und 42 dem Ballet zufielen.\nNeu waren drei Opern: 1. „Der Hans ist da\", Ope-\nrette in zwei Acten von Fr. Bonn, Musik von Fr. FÖry.\n2. „Orpheus\" von Gluck. 3. „Don Sebastian\" von Do-\nnizetti.\nAusserdem kamen zur Aufführung:\nAdam: „Der Postillon von Lonjumeau\" (2 Mal); Auber:\n„Des Teufels Antheil\" (4 Mal); Beethoven: „Fidelio\"\n(3 Mal); Bellini: „Norma\" (2 Mal), „Die Nachtwandl-\nerin\"; Benedict: „Der Alte vom Berge\"; Boieldieu:\n„Die weisse Frau\" (2 Mal); Cimarosa: „Die heimliche\nEhe\"; Conradi: „Rübezahl\" (7 Mal); Donizetti: „Be-\niisar\" (3Mal), „Lucrezia Borgia\", „Die Tochter des Regi-\nments\"; Floto w: „Alessandro Stradella\" (4 Mal), „Mar-\ntha\" (2Mal); Gluck: „Iphigeniein Aulis\" (3 Mal), „Iphi-\ngenie auf Tauris\"; „Richard Löwenherz\"; Gri-\nsar: „Gute Nacht, Herr Pantalon!\" (2 Mal); Halevy:\n„Die Jüdin\", „Guido und Ginevra\"; Kreutzer: „Das\nNachtlager\"; Lachner: „Katharina Cornaro\" (2 Mal);\nLortzing: „Der Wildschütz\" (3 Mal), „Czaar und Zim-\nmermann\"; Marschner: „Templer und Jüdin\", „Hans\nHeiling\"; Mehul: „Joseph in Aegypten\"; Meyerbeer:\n„Robert der Teufel\", „Der Prophet\" (je 4 Mal), „Die\nHugenotten\" (2 Mal), „Der Nordstern\", „Dinorah\"; Mo-\nzart: „Die Zauberflöte\" (3 Mal), „Der Scbauspiel-Direc-\ntor\" (2 Mal), „Don Juan\"; A. Müller: „Der Maierhof\nhinter den Bergen\"; Nicolai: „Die lustigen Weiber\" (4\nMal); Rossini: „Der Barbier von Sevilla\" (2 Mal); Ver-\ndi: „Der Troubadour\"; Wagner: „Tannhäuser\" (3 Mal),\n„Lohengrin\" (2Mal); Weber: „Oberon\" (sMal), „Frei-\nschütz\" (4 Mal); Weigl: „Die Schweizerfamilie\" (3 Mal);\nSchenk: „Der Dorfbarbier\" (2 Mal). Ferner neu ein-\nstudirt: Dittersdorf: „Doctor und Apotheker\", Boiel-\ndieu: „Rothkäppchen\", Herold: „Maria\", Auber:\n„Maurer und Schlosser\", Mozart: „Figaro's Hochzeit\".\nIm Jahre 1862 sind bis zum 1. Juli folgende Opern\ngegeben: von Gounod: „Faust\" (15 Mal); Mozart:\n„Figaro's Hochzeit\" (4 Mal), „Der Schauspiel-Director\",\n„Idomeneo\", „Don Juan\"; Meyer beer: „Die Hugenot-\nten\" (3 Mal), „Der Nordstern\"; Weber: „Oberon\" (2\nMal), „Freischütz\"; Boieldieu: „Rothkäppchen\" (2 Mal),\n„Die weisse Frau\"; Maillart: „Das Glöcklein des Ere-\nmiten\" (3 Mal); Auber: „Des Teufels Antheil\" (2 Mal),\n„Maurer und Schlosser\"; Adam: „Der Postillon\" (2 Mal);\nGrisar: „Gute Nacht, Herr Pantalon\" (2 Mal); Rossini:\n„Der Barbier von Sevilla\", „Teil\"; Gretry: „Bichard\nLöwenherz\" (2 Mal); Bellini: „Montecchi und Capuleti\"\n(2 Mal); Conradi: „Rübezahl\" (2 Mal). Nur eine Vor-\nstellung erlebten: Beethoven (Fidelio), Kreutzer (Nacht-\nlager), Gluck (Iphigenie auf Tauris), Wagner (Tann-\nhäuser), Lortzing (Der Wildschütz), Flotow (Martha),\nWeigl (Die Schweizerfamilie), Cherubini (Der Wasser-\nträger), Donizetti (Lucrezia Borgia), Mehul (Joseph in\nAegypten)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 151, "texte": "Von diesen waren neu: „Faust\" von Gounod und\n„Das Glöcklein des Eremiten\" von Maillard; neu ein-\nstudirt: „Idomeneo\", „Montecchi und Capuleti\", „Teil\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-01_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "350", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.2.5", "titre_corps": "Aus Stuttgart.", "titre_sommaire": "Aus Stuttgart.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.5", "debut_caractere": 153, "fin_caractere_exclue": 5029, "texte": "Aus Stuttgart.\n[Wilhelm von Oranien, Oper in vier Acten von\nEckert.]\nBei überfülitem und festlich beleuchtetem Hause\nwurde am 27. September, dem Geburtsfeste Sr. Majestät\ndes Königs, Eckert's Oper „Wilhelm von Oranien\" zum\nersten Male gegeben und am 29. September wiederholt.\nDer Stoff ist der Geschichte der Empörung der Nieder-\nlande entnommen, das Buch aber auf eine unverantwort-\nlich leichtfertige Weise zusammengewürfelt, ohne inneren\nZusammenhang der Handlung, ohne die geringste Charak-\nteristik der Haupt-Personen, so dass der Text eine durch-\nschlagende Wirkung selbst der besten Musik geradezu un-\nmöglich macht, und Eckert nur durch das jugendliche\nAlter, in welchem er bereits vor achtzehn Jahren diese\nOper geschrieben hat, entschuldigt werden kann, diesen\nText componirt zu haben.\nSehen wir von diesem Missgriffe ab, so erscheint die\nMusik keineswegs als das Werk eines unreifen Compo-\nnisten, sondern ist Alles einzeln genommen den zer-\nstückten Situationen jedes Mal entsprechend und zeigt in\nden Sologesängen und besonders in den Chören grosse\nGewandtheit. Der Chor spielt von Anfang an eine grosse\nRolle, und zwar Gesammtchor der Niederländer, Doppel-\nchor der Adeligen und des Volkes, Chor des Gefolges der\nRegentin, Chor der spanischen Verschworenen—im Finale\ndes dritten Actes allzusammen nebst Gefecht! Dabei als\nSolisten drei Sopran-, drei Tenor- und drei Bariton- und\nBass-Partieen!\nDie Oper wird durch eine Introduction eingeleitet, die\nein im zweiten Acte von der Seherin Anna van Hove aus-\ngeführtes Motiv andeutet, und geht dann über in den er-\nsten Chor: „Waffen! Gebt uns Waffen!\" der mit unter-\nbrechenden Recitativen von Egmont, Oranien und Brede-\nrode sich schliesslich bis zum Aufruhr steigert und mit\ndem allgemeinen Chor: „Ist uns der Sieg gewiss!\" zum\nAbschluss gelangt. Die Scene ist voll Feuer. Ein Ritornell\ndeutet auf die Ankunft des Pagen, der in einer colorirten\nund vom Frauenchor begleiteten Ariette die Ankunft der\nRegentin meldet. Sie erscheint und singt eine grosse Arie\nvoll von Hoffnung und Wünschen, ohne dass man erfährt,\nfür wen ihr Herz schlägt. Die Comparserie nimmt an ih-\nrer Gemüthsstimmung Theil und entfaltet durch Tanz und\nSpiel ein Bild heiterer und bewegter Lebenslust.\nDie Scene wird durch einen von Brederode jjv..\nAufruhr unterbrochen und gestaltet sich nach und nacn\nzu einem pompösen Ensemble, dessen musicalischen Kern-\npunkt ein Sextett bildet, welches von ergreifender Wir-\nkung ist. Auf die durch Granvella ausgestossene Beschim-\npfung der Niederländer steigern sich die Tonmassen zu\neinem den Actschluss bildenden grossartigen Chor: „Unser\nHeil ist Gottes Sache!\" Der zweite Act beginnt mit einem\nIrinkliede, welches durch frische Melodie und originellen\nRhythmus, so wie durch eine von den vier Hörnern ge-\ntragene Begleitung fesselt. Ein übermüthiges, lebendiges\nBacchanal folgt. Bei dieser Scene sei noch bemerkt, dass\nbei den von Oranien gesungenen Worten: „Dem König\ngetreu bis zum Bettelstab\", das in allen Räumen über-\nfüllte Haus sich wie Ein Mann erhob und in ein dreifach\ndröhnendes Hoch auf Se. Majestät den König ausbrach.\nIn dem Duett zwischen Egmont und Oranien: „Lass\" uns\nmit Vertrauen\", konnte der Componist dem italiänischen\nEinflüsse nicht entgehen; dasselbe wird aber immerhin\nseine Wirkung nicht verfehlen. Ausserdem sind noch zu\nerwähnen eine Romanze des Pagen und eine Cavatine der\nRegentin, erstere wegen ihrer elegischen Färbung, letztere\nwegen ihrer edlen, innigen und interessant harmonisirten\nMelodieen. Für die Handlung aber konnten beide Personen\neben so gut wegbleiben.\nDer Glanzpunkt und die Perle dieses Actes, wenn\nnicht der Oper selbst, ist der darauf folgende Auftritt der\nSeherin Anna van Hove mit ihrer Arie: „Wenn ich mit\nMenschen- und mit Engelzungen redete\". Ueberhaupt hat\nsich Eckert der Charakterzeichnung dieser Rolle mit un-\nverkennbarer Vorliebe hingegeben. Wenn man nur wüss-\nte, was die ganze Rolle soll! Das folgende Quintett mit\nChor konnte zu keiner durchgreifenden Wirkung gelan-\ngen, einerseits wegen der Aufeinanderfolge zweier langsa-\nmen Tempi, andererseits weil es musicalisch gegen die\nArie bedeutend abfällt. Mit einem fanatischen Chor\nschliesst der zweite Act.\nIm dritten Acte heben wir besonders den in Form\neines höchst anmuthigen Ländlers componirten und mit\neinem Choral der Bilderstürmer meisterhaft combinirten\nChor hervor, und ist es wiederum die Seherin, welcher der\nComponist in ihrer Arie: „Baut auf den Herrn!\" in wel-\ncher der Chor ihre Phrasen wiederholt, die Hauptwirkung\nzugedacht hat.\nDer vierte Act beginnt mit einer Verschvvörungs-Scene\nder Spanier, die durch ihre scharfe Charakteristik den er-\nsten Mustern dieser Art kühn an die Seite treten darf. Die\ndumpfen Piccicati der Celli, die unheimlichen Imitationen\nder Verschworenen, verbunden mit einer die Stimmung\ntrefflich schildernden Instrumentation, lassen den Zuhörer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1465, "texte": ", hereinbrechen gewaltiger Ereignisse ahnen, die aber\nnicht folgen. Von der Arie des Stephan ist das Andante\nwarm empfunden, eben so das Terzett zwischen Oranien,\nBrederode und Stephan: „Getreu steh'n wir verbunden\",\nwelches durch Rhvthmus und hinreissende Melodie von\n«J\ngrosser Wirkung ist. Noch ist das Duett zwischen der\nSeherin und Brederode zu erwähnen, in welchem der\nComponist die erwachende und bis zur Gluth sich\nsteigernde Leidenschaft des Letzteren zur Prophetin\ntrefflich zu geben verstanden; nicht minder der Chor:\n„Mächtiger Gott!\" durch seine kräftige und würde-\nvolle Haltung. Fassen wir nun Alles zusammen, um\neine Charakteristik des Ganzen zu geben, so finden wir\ndarin das bedeutende Talent eines dramatischen Compo-\nnisten, und es bleibt gewiss zu bedauern, dass eine so zum\nmusicalischen Schaffen berufene Kraft seit Jahren das\nFeld der dramatischen Kunst unbebaut lassen konnte. Die\nAufführung des Wilhelm von Oranien war in allen\nTheilen eine gelungene; der Eifer eines jeden Einzelnen,\nzum Gelingen des Ganzen nach Kräften beizutragen, war\nein sichtlicher. Die Herren Sontheim (Oranien), Pi-\nschek (Egmont), Sch ütky (Stephan, der Waffenschmied),\nJäger (Brederode), Lipp (Granvella), so wie die Damen\nMarlow (Margarethe), Leisinger (Anna van Hove),\nSchröder (Page) wurden ihrer Aufgabe in jeder Bezie-\nhung gerecht. Der Chor, durch Dilettanten verstärkt, und\ndas Orchester, unter des Componisten persönlicher Lei-\ntung, waren ausgezeichnet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-01_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "350", "page_fin": "351", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.2.6", "titre_corps": "Der wiener Männer-Gesangverein.", "titre_sommaire": "Der wiener Männer-Gesangverein.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.6", "debut_caractere": 1467, "fin_caractere_exclue": 5106, "texte": "Der wiener Männer-Gesangverein.\nDer achte Jahresbericht dieses Vereins, die Zeit vom\n4. October 1861 bis 3. October 1862 umfassend, ver-\nfasst von Dr. H. von Billing, d. Z. Schriftführer, enthält\nauf 76 Seiten in 8. eine Chronik der Erlebnisse und der\nThätigkeit desselben, aus welcher eine erfreulich fortschrei-\ntende Wirksamkeit und eine rege Theilnahme an dem va-\nterländischen und geselligen Leben in der Hauptstadt\nOesterreichs hervorgeht. Als von allgemeinem Interesse\nerwähnen wir daraus, dass Herr Franz Schierer Vor-\nsitzender des Vorstandes und Herr Johann Herbeck\njetzt alleiniger Chormeister des Vereins ist. Unterm 30.\nOctober 1861 hat der Kaiser dem Vereine die grosse gol-\ndene Medaille für Kunst verliehen. Ferdinand Hiller\nund Freiherr von Perfall wurden zu Ehren-Mitgliedern\nernannt. Für die Kunstreise nach London waren von\nden ausübenden und unterstützenden Mitgliedern im Gan-\nzen 25,595 Fl. österr. W. gezeichnet, 80 Chöre ausge-\nwählt und bereits 15 Proben gehalten, als die Sache an\nHerrn Mitchell's Bedingungen scheiterte. Die Sicherung\nvon Her Majesty's Theater für sechs Morgen- und sechs\nÄbend-Concerte vom 19.—31. Mai war dem Vereine\nallerdings genehm; allein „Herr Mitchell liess sich herbei,\ndie Voranstalten, Besorgung des Locals, Ankündigungen,\nZeitungs-Reclamen, Druckkosten u. s. w. zu übernehmen,\nwährend der Verein die Reisekosten hin und zurück, die\ngesammte Verpflegung für 100 Personen, eine Summe\nvon circa 25,000 Fl. österr. W., zu tragen gehabt hätte,\nund schlug eine Theilung der Brutto-Einnahme vor. Aber\nauch dies wollte er nur dann übernehmen, wenn der Verein\nmit einer ausgezeichneten Militär m usik-Capelle\nvon 50 bis 60 Mann in London erschiene. Diese sollte\nmit ihm und separat concertiren. Ein derartiges Verkennen\nder Tendenz und des Standpunktes des Vereins hatte um-\ngehend Ablehnung und Abbruch der Verhandlungen zur\nFolge, und wenn dem Unterstützer des Planes geantwortet\nwurde, dass England nicht Geld genug besitze, um dem\nwiener Männer-Gesangvereine sein Bewusstsein abkaufen\nzu können, so war dies nur eine kleine Genugthuung für\ndie Zumuthung, in London, gleichgültig wie, möglichst\nviel Geld zu machen\" (S. 23 und 24). Bravo!\nFerner heben wir hervor: die Gründung eines Fonds\nfür ein Denkmal Franz Schubert's, die Bildung eines nie-\nderösterreichischen Sängerbundes, Serenade bei der Rück-\nkehr der Kaiserin, Concert beim Begrüssungsfeste der zum\nJuristentage Versammelten, bei der Enthüllung der Bild-\nsäule der Kaiserin Maria Theresia, Sängerfahrt nach Triest\nzum dreitägigen Schillerfeste (150 Sänger und 500 Nicht-\nsänger aus Wien Fahrt auf dem Golf mit vier Dampf-\nschiffen des Lloyd), Verleihung des goldenen Verdienst-\nkreuzes mit der Krone an den Chormeister Johann\nHer beck.\nDie Stiftungs-Messe (von 11. Esser) in der Hofburg-\nkirche St. Augustin nicht mitgerechnet, trat der Verein in\nvier satzungsgemässen Productionen (zwei Liedertafeln und\nzwei Concerten), dann bei eilf ausserordentlichen Veran-\nlassungen öffentlich auf, theils allein, theils in Verbin-\ndung mit anderen Gesangvereinen.\nLiedertafeln im engeren Kreise fanden vier\nStatt; Sängerfahrten wurden drei unternommen, nach\nHütteldorf, nach Sauerbrunn Pötsching und nach Triest.\nDie Programme der öffentlichen Productionen wei-\nsen, die Messe als Gesammtwerk gezählt, eine Zahl von\n124 Vorträgen auf, und zwar 87 Chöre und 37 Quar-\ntette und Solo-Vorträge. Durch Dazurechnung der bei Sän-\ngerfahrten, Liedertafeln im engeren Kreise und anderen\nnicht öffentlichen Productionen zur Aufführung gebrach-\nten Vorträge steigert sich die oben angegebene Zahl auf\n226, und zwar 140 Chöre und 86 Einzel-Vorträge."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2507, "texte": "Die Zahl der ausübenden Mitglieder hob sich\nvon 248 Sängern, dem Stande des Vereins am 30. Sep-\ntember 1861, auf 269. Das Namens-Verzeichniss weist\n58 erste Tenöre, 65 zweite Tenöre, 73 erste Bässe, 73\nzweite Bässe auf. Die Zahl der unterstützenden\nMitglieder beträgt 470.\nDer Rechnungs-Abschluss weist eine Einnahme von\n8183 Fl., Ausgabe von 6316 Fl., mithin einen Ueber-\nschuss von 1867 Fl. nach.\n„Dieser sehr befriedigende Cassenstand fällt dieses\nJahr um so gewichtiger in die Wagschale, als dem Ver-\neine so manche ausserordentliche Ausgabe erwuchs. Denn\nausser den laufenden Auslagen, dem gewöhnlichen Ehren-\nsolde für die beiden Chormeister und einer schon seit Jah-\nren der Witwe eines um den Männergesang vielverdienten\nTonkünstlers zufliessenden Pension hat der Verein aus der\nVereins-Casse noch folgende ausserordentliche Verausga-\nbungen bewilligt und angewiesen: einen ausserordentli-\nchen Ehrensold für Chormeister Herbeck von 300 Fl.\nösterr. W., einen Beitrag für das germanische Museum\n100 Fl. südd. W., für den Unterstützungs-Verein der Un-\nterlehrer in Wien 100 Fl. österr. W., dann einen Beitrag\nvon 120 Fl. zur Anschaffung eines Ehrenpreises, und end-\nlich 500 Fl. für den Schubert-Fonds.\n„Es mag nebenbei bemerkt werden, dass der Verein\neinen Betrag von 1276 Fl. 40 Kr. für die Ueberschwemm-\nten an den Herrn Bürgermeister übergeben und eine\nSumme von über 12,000 Fl. durch seine Mitwirkung\nfür wohlthätige und humanitäre Zwecke erwerben ge-\nholfen.\"\nDas Verzeichniss der Programme von sämmtlichen\nProductionen (S. 62 66) mag für andere Sängervereine\ninteressant sein, allein für Vorträge ernsten Inhalts gibt\nes keine besondere Ausbeute. Wir finden darin 26 scherz-\nhafte Gesänge, wovon freilich 9 auf den Carnevals-Abend\nkommen. Neues bieten A. Rubinstein's Vitium Hun-\ngaricum und Kriegslied, Franz Doppler's Tenor-Solo\nmit Chor aus der Oper Wanda, und j. Herbeck „Zum\nWalde\" mit Hornbegleitung, Fest-Cantate und Te Deurn\nmit Orchester (bei der Enthüllung der Bildsäule von Maria\nTheresia) und einige andere Gelegenheits-Compositionen.\nDas Verzeichniss der „unterstützenden Mitglieder\" be-\nkundet eine rege Theilnahme aus allen Ständen; es zählt\nu. A. die Fürsten Konstantin und Georg Czartoryski, Graf\nund Gräfin Esterhazy, Fürst Job. Liechtenstein, Fürstin\nPalm-Gundelfingen, kaiserliche und Magistrats-Räthe, Doc-\ntoren und Professoren, Kaufleute, Fabricanten und Hand-\nwerker auf. Auch die „ausübenden Mitglieder\" gehören\nallen Classen der Gesellschaft an, unter ihnen 24 Lehrer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-01_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "352", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Batt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Batt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.7", "debut_caractere": 2509, "fin_caractere_exclue": 6236, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Batt.\nliölil. Stockhausen7 s Volks-C oncert. Wenn von der\nEinwirkung der Künste auf das Volk die Hede ist, so wird die\nTonkunst mit Recht als diejenige genannt, welche dem Verständ-\nnisse der grossen Menge bis zu einem gewissen Punkte am näch-\nsten liegt, weil die Empfänglichkeit für sie namentlich bei dem\ndeutschen Volke in einem höheren Grade vorhanden ist! als für an-\ndere Künste. Wäre dem nicht also, so würden die zahllosen musi-\ncalischen Concert-Vereine nicht bestehen und ihre öffentlichen Lei-\nstungen nicht ein so grosses und aufmerksames Publicum finden,\nwie sie es jetzt überall haben. Es ist desshalb ein ganz natürlicher\n1 oitschiitt, dass in den letzten Jahren in grossen Städten so ge-\nnannte „populäre Concertec* gegründet worden sind, deren Zweck\nist, auch den weniger bemittelten Classen der Gesellschaft die Theil-\nnahme an musicalischen Genüssen zu ermöglichen. Die Vocal-Con-\ncerte der Männer-Gesangvereine und die Orchester-Concerte gegen\nmassiges Lintiittsgeld haben, zumal wenn sie ihre Programme durch\ngute Musik ausfüllen, was freilich nicht überall und nicht immer\ngeschieht, einen unläugbaren Einfluss auf die Menge, und man darf\nnur den Vorträgen von classischen Ouvertüren und Sinfonieen in\ndiesen Kreisen beiwohnen, um sich von den Fortschritten des Ge-\nschmacks und der Heranbildung des grossen Publicums für Musik\nedler Gattung zu überzeugen.\nBis jetzt aber hielten sich die einzelnen grossen Künstler noch\nzurück von jenen Concerten und verschmähten es, den weiteren Krei-\nsen aus dem ganzen Volke die Gaben zu spenden, die ihnen ihr\nGenius verliehen. Erst die neueste Zeit hat es gesehen, dass Be-\nrühmtheiten wie Joachim in den Monday populär Concerts in Lon-\ndon, Vieuxtemps u. A. in den Concerts jpopulaires de Musigue clas-\nsique in Paris auftraten und die Kunst nicht zu entweihen -meinten,\nwenn sie die schönsten Blüthen derselben auch vor Tausenden ent-\nfalteten.\nSo hat auch Julius Stockhausen schon früher in Hamburg,\njetzt hier in Köln, am Dinstag den 28. October im grossen Saale\ndes Gürzenich ein Concert zu dem Eintrittspreise von \\ Thaler ge-\ngeben, zu welchem mehr als zweitausend Zuhörer hingeströmt\nsind. Er trug die zwanzig Gesänge aus dem Liederkreis ~Die\nschöne Müllerin\", von Wilhelm Müller und Franz Schu-\nbert, mit geringen Zwischenpausen, wie sie die Handlung dieses\nMonodrama's von selbst gibt, vor. Herr Capellmeister Hill er hatte\ndie Begleitung am Pianoforte übernommen, Fräulein Pauline L'Ar-\nronge vom hiesigen Stadttheater sprach den Prolog und zwischen\nden Gesängen die drei von Schubert nicht componirten Gedichte,\nund Alles zusammen bildete ein so schönes harmonisches Ganzes,\ndass eines der schönsten Werke der musicalischen Literatur durch\nden vollendeten Vortrag, der ihm zu Theil wurde, einen der einheits-\nvollsten und edelsten Kunstgenüsse darbot, die man nur haben kann.\nDiese edeln Volkslieder, die keine andere Nation in solcher Schön-\nheit besitzt, haben in Stockhausen einen Sänger gefunden, der ihnen\ndurch den Hauch der Töne ein solches Leben gibt, dass Poesie und\nMusik vollständig in einander aufgehen, und man nicht weiss, ob\nman die Innigkeit und Wahrheit der Auflassung oder die wunder-\nbare Kunst, dieser Auffassung durch den Gesang Ausdruck zu ge-\nben, mehr bewundern soll. Das stille, entzückte Lauschen der Zu-\nhörerschaft und die nach jedem Liede ausbrechende Begeisterung\nzu schildern, ist unmöglich. Aber auch Fräulein L Arronge verdient\nfür die einfach natürliche und ausdrucksvolle Declamation unseren\nvollsten Dank; Hiller's Spiel war bezaubernd, und an einzelnen me-\nlodischen Stellen (z. B. in Nr. 12, „Pause\", und in Nr. 16, „Die\nliebe Farbe\") ein wahrhafter Nachhall des Sängers und ein Mitgesang."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1414, "texte": "Kea'liii* Am 18. October fand hier die erste Vorstellung des\nSchauspiels „Hermann der Cherusker\" von Hans Köster Statt.\nDer Rücktritt der Frau Köster von der königlichen Oper in\nBerlin steht bereits in sehr kurzer Zeit und noch vor Ende des\nJahres bevor. Am vergangenen Sonntag trat Frau Köster zum letz-\nten Male als Rezia in Weber's „Oberon\" auf.\nDer pensionirte k. Kammermusicus J. F. Kelz, ein ausgezeich-\nneter Cellist/ auch als Componist bekannt, starb hier im 77. Jahre\nseines Lebens.\nDie Reihe der Winter-Concerte in Berlin wurde am 11. October\ndurch die erste Symphonie-Soiree der königlichen Capelle und die\nAufführung des De profundis von Wilsing durch die Sing-Akademie\neröffnet. Dem genannten Werke ging J. Seb. Bach's Orchester-Suite\nin H-moll voran.\nDer Componist Gounod, welcher am 15. October im Hofthea-\nter zu Hannover seine Oper „Faust\" dirigirte, hat den Guelphen-\nOrden vierter Classe erhalten.\nDie fünfzigste Aufführung von Gounod's „Faust\" wurde in\nHamburg gefeiert. Das Haus war festlich geschmückt und das\nPublicum so zahlreich erschienen, dass kein Platz unbesetzt blieb.\nWien. Richard Wagner trifft Ende October von Frankfurt hier\nein, um die Proben seiner Oper „Tristan und Isolde\" persönlich zu\nleiten. Dieselbe gelangt noch im Laufe dieses Jahres im Opernhause\nzur Aufführung; der Componist hat Mehreres an dem Werke geän-\ndert, was früher für die Partie des Tenors unausführbar war."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMoritz Hauptmann (Lebensskizze). Kaiserliche Hof-Opernscliule in Wien. Uebersicht des Opern-Kepertoires\nam Hoftheater zu München. 1861 und 1862 bis Juli* Aus Stuttgart (Wilhelm von Oranien, Oper in vier Acten von Eckert).\nDer wiener Männer-Gesangverein. Tages- und Unterhaitungsblatt (Köln, Stockhausen's Volks-Concert Berlin, Hermann\nder Cherusker\", Frau Köster, J. F. Kelz f, Winter-Concerte Ordens-Verleihung an Gounod Wien, Wagner).\n\nMoritz Hauptmann.\nMoritz Hauptmann, dessen Name überall, wo\ndie Tonkunst und ihre Wissenschaft gepflegt wird, mit\nhoher Verehrung genannt wird, hat am 13. October 1862\ndas Alter von 70 Jahren erreicht. Da er seine Laufbahn\nals Musiker vor 50 Jahren in Dresden begonnen, so ist zu\ndiesem doppelten Jubelfeste auf Veranlassung eines Kreises\nseiner Schüler und Verehrer in Leipzig eine Denkschrift\nvon Oscar Paul (Leipzig, Verlag von Alfred Dörffel,\n1862, gr. 8.) in zierlicher Ausstattung erschienen. Den\nbiographischen Nachrichten und der Schilderung Haupt-\nals Künstler und Mensch geht ein Festgedicht von\nAd. Böttger und ein Vorwort von Ad. Felchner vor-\nher, und den Anhang bildet ein Verzeichniss der Compo-\nsitionen und theoretischen Werke Hauptmann's. Die kleine\nSchrift ist, obwohl etwas eilig, doch im Ganzen gut ge-\nschrieben und wird gewiss dazu beitragen, dass der Spruch\nGoethe's, den das Vorwort anführt:\n„Halte das Bild der Würdigen fest! Wie leuchtende Sterne\nTheilte sie aus die Natur durch den unendlichen Raum\"\nsich bei den Verehrern Hauptmann's bewähre.\nAm frühen Morgen begrüsste der Gesang des Tho-\nmaner-Chors den Siebenzigjährigen, der ganze Tag brachte\nGlückwünsche von nah und fern, auch ein Telegramm von\nKöln, und am Abende hatte das Conservatorium eine mu-\nsicalische Feier veranstaltet, bei welcher vierstimmige Lie-\nder von Hauptmann gesungen und unter Anderem dessen\nSonate in G-mollfür Ciavier und Violine durch die Herren\nMoscheies und David, Präludium und Fuge von Mendels-\nsohn durch Herrn C. Reinecke, die Ciaconna von Bach\ndurch Herrn Wilhelmi aus Wiesbaden, Schüler David's,\nvorgetragen wurden.\nDer oben genannten Denkschrift entnehmen wir fol-\ngende Notizen:\nAm 13. October 1792 wurde dem Ober-Landbau-\nmeister Hauptmann zu Dresden ein Sohn geboren, wel-\ncher in der Taufe den Namen Moritz erhielt. Frühzeitig\nentwickelten sich die musicalischen Anlagen des Kindes,\nwelche der Vater nährte und durch Unterweisung im Vio-\nlinspiel befördern liess. Die classischen Wissenschaften je-\ndoch mussten die Oberhand behalten, und so machte der\nKnabe und Jüngling eifrige mathematische, naturwissen-\nschaftliche, Zeichen- und Sprach-Studien. In seinem neun-\nzehnten Jahre trat jedoch Hang und Beruf zur Tonkunst\nso stark hervor, dass der Ober-Landbaumeister auf den\nWunsch seines Sohnes, Musiker zu werden, einging. 1811\nkam Moritz Hauptmann zu Spohr nach Gotha und bildete\nsich hier zu einem guten Violinspieler aus. Auch Compo-\nsitions-Unterricht ertheilte ihm Spohr, und es scheint schon\nhier der Grund zu der späteren Freundschaft der beiden\nTondichter gelegt worden zu sein. Nach einjährigem Stu-\ndium wurde Hauptmann 1812 in Dresden als Violinist\nin der Hofcapelle angestellt, welche Stellung er kaum ein\nJahr bekleidete, indem er 1813 in Wien seinen Aufent-\nhalt als Mitglied des Theater-Orchesters fünf Monate hin-\ndurch nahm. In dieser Stadt traf er mit Spohr zusammen,\nda Letzterer dort Capellmeister an der Oper war. Von\nhier kehrte er nach Dresden zurück, von wo aus er 1815\nals Musiklehrer nach Russland in das Haus des Fürsten\nRepnin berufen wurde. Das abwechselnde Leben in Pe-\ntersburg, Moskau, Pultava, Odessa musste auf den Geist\ndes jungen Mannes einen bedeutenden Einfluss ausüben.\nNamentlich war es der Aufenthalt in Südrussland, welcher\nfür die allseitige Ausbildung seiner Fähigkeiten von Wich-\ntigkeit wurde. Denn hier, wo vom Hören guter Musik\nwenig oder gar keine Bede war, versenkte sich sein Geist\nwiederum in wissenschaftliche Studien. Seine mathemati-\nschen Kenntnisse befähigten ihn, die verschiedenartigsten,\nin das Gebiet der Mathematik einschlagenden Unterneh-\nmungen zu machen, indem er selbst beim Feldmessen be-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.2", "texte": "hülflich war, und die schwierigsten Probleme zu lösen,\nindem er musicalische Combinationen durch mathemati-\nsche begründen konnte. Auch componirte er während sei-\nnes dortigen Aufenthalts unter Anderem für einen Freund\nein Divertimento für Violine und Guitarre (das später als\nOp. 8 bei Spina in Wien erschienen ist). Im Jahre 1820,\nnachdem er fünf Jahre russische Luft geathmet hatte,\nkehrte der Künstler nach Dresden zurück und lebte hier\nzwei Jahre als Privatmann.\n1822 wurde er nach Kassel als Violinspieler berufen,\nin welcher Stadt sich das Freundschafts-Verhältniss zwi-\nschen ihm und Spohr noch weiter entfaltete. Hier wies\nihm Spohr sehr bald Schüler zu, welche sich in der Theo-\nrie und der Composition ausbilden wollten, z. ß. Cursch-\nmann, Norbert Burgmüller, Horsley u. A., und Spohr sagt\nin seiner Biographie (Bd. 11., S. 170), dass Hauptmann\n„vorzügliches Geschick\" dazu entwickelt habe. Die Com-\npositions-Thätigkeit unseres Meisters entfaltete sich hier\nschon in hohem Grade. So lesen wir in Spohr's Biographie\n(Bd. 11., S. 199), dass am fünfzigsten Geburtstage des\nLetzteren, am 5. April 1834, in dem Hause von Spohr's\nSchwiegersohne Zahn eine Cantate von Hauptmann zur\nAufführung kam. Auch arbeitete er an einer später wie-\nderholt aufgeführten Oper, „Der Matrose\", mit, deren\nComposition Spohr, Hauptmann, Baldewein und Grenze-\nbach übernommen hatten. Auch wurde seine Oper „Ma-\nthilde\" zwei Mal mit Beifall aufgeführt.\nUnser Meister unternahm von hier aus Reisen nach\nItalien und Frankreich. Nach einem kurzen Aufenthalte in\nParis, wohin er im Sommer 1842 mit seiner Gattin (geb.\nSusette Hummel, Tochter des Akademie-Directors\nHummel in Kassel, vermählt mit Hauptmann seit dem 27.\nNovember 1841) eine Erholungsreise gemacht hatte, fand\ner bei seiner Rückkehr nach Kassel die Vocation zum\nCantor und Musik-Director an der Thomasschule zu Leip-\nzig (an Weinlig's Stelle) vor. Spohr, von Karlsbad zu-\nrückgekehrt, wurde schmerzlich berührt durch die Kunde\nvon der nahe bevorstehenden Abreise seines Freundes\nHauptmann. „Mochte er sich\", so heisst es in der Biogra-\nphie Spohr's (Bd. 11., S. 267), „auch herzlich darüber\nfreuen, denselben seine Stelle in der Hofcapelle zu Kassel\ngegen jene so viel angemessenere und ehrenvollere vertau-\nschen zu sehen, so war doch augenblicklich das wehmü-\nthige Gefühl vorherrschend, den Umgang eines Mannes\nfortan entbehren zu sollen, der ihm zwanzig Jahre hin-\ndurch als Freund wie als Künstler gleich nahe gestanden\nhatte. Da Hauptmann auch ein thätiges und hochgeehrtes\nMitglied des Cäciiien-Vereins gewesen war, so wurde von\ndiesem auf Spohr's Veranlassung eine Abschiedsfeier ver-\nanstaltet, wobei der musicalische Theil grösstenteils aus\nHauptmann'schen Compositionen bestand. Da aber Spohr\nwenigstens ein Musikstück mit speciellerer Beziehung auf\ndie Feier hinzuzufügen wünschte, so wählte er hierzu die\nzur goldenen Hochzeit seiner Eltern von ihm componirte\nliebliche Cantate, welche, mit untergelegtem passenden\nText versehen, um so mehr das Interesse aller Zuhörer\nfesselte, da Spohr selbst die der Clavier-Begleitung beige-\ngebene obligate Violinstimme dabei übernahm.\"\nHauptmann wurde nun Cantor an der Thomasschule.\nSeine Einführung in diese Anstalt am 12. September\n1842 gab dem damaligen Rector Stallbaum Veranlas-\nsung, zur üblichen Jahresfeier der Thomasschule am 31.\nDecember 1842 eine Inaugural-Rede „über den inneren\nZusammenhang musicalischer Bildung der Jugend mit dem\nGesammtzwecke des Gymnasiums, nebst biographischen\nNachrichten über die Cantoren an der Thomasschule zu\nLeipzig\" zu verfassen, welche sich durch ihre vorzüglichen\nQuellen-Angaben auszeichnet. Was Hauptmann hier in\nLeipzig nicht nur an der Thomasschule gewirkt, sondern\nauch seit der Gründung des Conservatoriums 1843 als\nLehrer dieser Anstalt geleistet, ist oft und allgemein aner-\nkannt worden; einige Notizen hierüber könnten indessen\nwillkommen sein, um das Frühere der Jetztzeit ins Ge-\ndächtniss zu rufen. Besonders müssen die Aufführungen\nhervorgehoben werden, welche unter seiner Leitung theils\nin der Thomaskirche, theils im Gewandhause Statt fanden.\nIn letzterem dirigirte er z. B. im Mai 1847 das in der\nLimburger'schen Stiftung angesetzte Requiem von Mozart.\nIn der ersteren trat unter seiner Direction oftmals seine\nGattin als Solosängerin auf. Was er als Componist in die-\nser Zeit leistete, findet in dem Verzeichniss seiner Werke\nseinen Nachweis. Die grosse Messe in G-moll mit Instru-\nmental-Begleitung, Op. 30, mit welcher er seine öffent-\nliche Amtsthätigkeit am 2. October 1842 begann, hatte,\nwie die Allg. Mus.-Zeitung sagt (44. Jahrg., S. 804), die\ngrosse Achtung, welche ihn empfing, und von der ihm\ngleich bei seiner ersten Ankunft öffentliche Beweise mehr-\nfach gegeben wurden, nur noch mehr befestigt und weiter\nverbreitet. „Ein so durch und durch treffliches Werk\",\nfährt der Referent besagter Zeitung fort, „wie diese Missa,\nreich an Erfindung, meisterhaft und geschmackvoll in der\nArbeit, schreibt nur ein Künstler ersten Ranges. Dass wir\neinen solchen in Herrn Hauptmann gewonnen haben, ist\nunsere feste Ueberzeugung, und dass seine Wirksamkeit\nunser so reges, frisches Musikleben wahrhaft mit fördern\nwerde, unsere Hoffnung.\" Er wurde auch hier zum Eh-\nren-Mitgliede mehrerer Gesellschaften ernannt und nach\nder Herausgabe seines tiefen theoretischen Werkes: „Die\nNatur der Harmonik und der Metrik\", im Sommer 1857"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.3", "texte": "von der Universität Göttingen zum Ehren-Doctor der Phi-\nlosophie und der freien Künste promovirt.\nNächstdem verbreitet sich der Verfasser der Denk-\nschrift über mehrere Compositionen und kritische Werke\nHauptmann's, z. B. die zweistimmigen Lieder ohne Beglei-\nmehrere vierstimmige Gesänge, die Vocai-Messe in\nF-moll, Op. 18, die zwölf dreistimmigen Canons, Op. 50\n(italiänisch und deutsch für drei Soprane), die „Erläute-\nrungen zu J. S. Bach's Kunst der Fuge\" (Leipzig, bei\nPeters, Pr. 15 Sgr.), die Beurtheilungen von Klengel's\nCanons und Fugen, u. s. w. und rühmt schliesslich, auch\naus eigener Erfahrung, die treffliche Wirksamkeit Haupt-\nmann's als Lehrer, womit gewiss alle, die das Glück hatten,\nseines Unterrichts und seiner Anleitung theilhaft zu wer-\nden, übereinstimmen.\nDas Verzeichniss der im Druck erschienenen Compo-\nsitionen Hauptmann's zählt 53 Werke mit Opuszahlen\nund 5 ohne Opuszahl auf. Dazu als theoretische Werke\ndie „Erläuterungen zu Bach's Kunst der Fuge\", „Die Na-\ntur der Harmonik und der Metrik\" (Leipzig, Breitkopf &\nHärtel, Pr. 2 Thlr.), die „Vorreden\" zur Ausgabe der\nMessen (in F-dur, A-dur, G-und von Bach\nund andere kritische Aufsätze.\nWir schliessen mit einem Ausspruche Hauptmann's,\nder aus dem Munde eines so tiefen Denkers in musicali-\nschen Dingen und eines so gelehrten Theoretikers doppelt\nschätzbar ist:„Das Höchste der Kunst ist überall nicht\nfür den Künstler und Kunstkenner ausschliesslich da, son-\ndern für den Menschen.\"\n\nKaiserliche Hof-Opernschule in Wien.\nEin sehr erfreuliches Ereignissist die Errichtung einer\nmit dem Opern-Theater zu Wien in Verbindung stehen-\nden Gesangschule. Die Wiener Zeitung vom 4. und 5.\nOctober bringt darüber Folgendes:\n„Grosse Hoffnungen für die deutsche Oper und den\nGesang im Allgemeinen knüpfen sich an dieses Institut,\ndem der Tag, an welchem es an die Oeffentlichkeit tritt,\nein glückverheissender sein möge.\n„Herr Director Salvi hat das-Project des Instituts,\nauf welches wir eingehend zurückkommen, ausgearbeitet\nund ist seit langer Zeit mit unermüdlicher Ausdauer für\nseine Verwirklichung thätig gewesen, und das Project hat\nbei dem hohen Oberkämmerer-Amte rege Theilnahme\nund eine Unterstützung gefunden, deren Resultat nunmehr\nvorliegt.\n„Unsere Oper hat im Laufe der letzten Jahre zu man-\ncherlei schweren Bedenken Anlass gegeben. Um das Gleich-\nGewicht zwischen Anforderungen und Leistungen hei...\nstellen, wurden Versuche mit den ersten Gesangskräften\nDeutschlands angestellt. Die Erfolge waren selten vollstän-\ndig, meistentheils sogar zweifelhaft, und mit bedeuten-\ndem Kosten-Aufwände wurde endlich die Er-\nkenntniss erkauft, dass zur gründlichen und\ndauernden Verbesserung der Opern-Zustände\nein tüchtiger Nachwuchs auf eigenem Boden\nherangebildet werden müsse.\n„Der nächste und unmittelbare Zweck, welcher bei\nErrichtung der Hof-Opernschule ins Auge gefasst wurde,\nkonnte allerdings nur der sein, dem zunehmenden Mangel\nan eigenen Gesangskräften abzuhelfen und gewisser Maas-\nsen für den Hausbedarf zu sorgen. Ein solches Ziel ist an\nund für sich schon der höchsten Anstrengung werth in\nder österreichischen Kaiserstadt, in der ersten Stadt von\nDeutschland. Aber das Unternehmen kann und soll noch\nviel Höheres erreichen. Es soll eine Musterschule werden,\num den Unterricht im Gesänge nicht nur selbst zu erthei-\nlen, sondern in stets sich erweiternden Kreisen denselben\nzu heben und zu veredeln, und dergestalt nicht nur dem\nheimatlichen Kunst-Unterricht zu dienen, sondern im Gros-\nsen und Ganzen die Kunst selbst zu fördern.\n„Es fehlt nicht an einzelnen Gesanglehrern von aus-\ngezeichneten Verdiensten, aber ihr Wirkungskreis kann\nnur ein beschränkter sein, und sie bilden Ausnahmen von\nder Regel. Die meisten Gesanglehrer sind darauf angewie-\nsen, den Anforderungen eines Geschlechtes sich zu beque-\nmen, das in seiner missverstandenen Auffassung des Grund-\nsatzes „Zeit ist Geld\" zu ärnten begehrt, bevor es noch\nrecht gepflügt, gesäet und geeggt. Bei Leuten solchen\nSchlages wird derjenige am höchsten geschätzt, welcher\ndem jungen Volke in möglichst kürzester Zeit eine Menge\nvon Walzen einsetzt, die sie ableiern; je mehr, desto bes-\nser. Unter diesen „ „Schnellsiedern\"\" werden besonders\njene gesucht, welche sich dazu verstehen, mit den Schü-\nlern einen Glücksvertrag einzugehen. Da wird nun Letzte-\nren ebenfalls ein Repertoire „ „eingewerkelt\"\", so reich-\nhaltig als möglich, und in einer Geschwindigkeit, die oft\nan Hexerei gränzt. Die armen Vögel fliegen in der Ueber-\nzeugung ab, dass der Gesang lediglich in der Kehle liege\nund Können gleichbedeutend mit Kunst sei. Bei ihnen\ngelten alle höheren Anforderungen der Kunst für mittel-\nalterlichen Aberglauben. Wie weit sie damit kommen,\nlehrt die Erfahrung in unzähligen traurigen Beispielen;\ndoch für die Gedankenlosen gibt es keine Erfahrung,\nund die schnell vergessene Sternschnuppe, welche einen\nkurzen Augenblick hindurch auf der Bühne erschien, er-\nsetzen gleich ein paar andere.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.4", "texte": "„Solche und verwandte Missstände wird natürlich auch\ndie denkbar vollkommenste Kunstschule nicht ganz abstel-\nlen, aber sie wird verhindern, dass dieselben sich die Allein-\nherrschaft anmaassen, und dass eitel Unkraut auf dem\nAcker wuchere, welcher edle Früchte zu tragen bestimmt\nist. Die kaiserliche Gabe der Opernschule wird dazu die-\nnen, indem sie die begabte Jugend einer gediegenen Bil-\ndung zuführt, das Publicum an die besten Leistungen zu\ngewöhnen, und dem geläuterten Geschmack einen Maass-\nstab in die Hand geben, vor welchem Manches nicht wird\nStand halten können, das jetzt noch sich breit machen darf.\n„Für Eltern, welchen die Zukunft ihrer Kinder wahr-\nhaft am Herzen liegt, bietet die Kunstschule eine unschätz-\nbare Beruhigung. Sie werden über die Begabung ihrer\nSprösslinge freimüthige Auskunft erhalten und nicht län-\nger in der Gefahr schweben, von eigennützigen Meistern\nzu unersetzlichem Zeitverlust und fruchtlosen Geldopfern\nverleitet zu werden.\n„Gross sind die Anforderungen, welche die Kunstwelt\nan die Opernschule stellt. Dieselbe will, wenn auch nicht\nalsogleich im ersten Anlaufe, eine Wiedergeburt der ver-\nfallenden Kunst des theatralischen Gesanges anbahnen,\nnicht nur in Deutschland, sondern weit mehr noch in\nFrankreich und sogar im ersten Heimatlande dieser Kunst,\nin Italien, denn diese fremden Länder beziehen ja aus\nDeutschland viele ihrer besten Kehlen. Aber wie gross\nauch die Anforderungen seien, unerfüllbar sind sie nicht\nbei einer tüchtigen Leitung der Opernschule, wie sie zu\nerwarten wir vollkommen berechtigt sind.\n„An Talenten fehlt es nicht in unserem gesegneten\nVaterlande; es gilt nur, die Schätze mit kundiger Hand\nzu Tage zu fördern. Der fromme Wunsch danach bestand\nschon lange, und nun rufen wir dem beginnenden Werke\nein freudiges „„Glück auf!\"\" zu.\"\nJeder Kunstfreund wird diese Stiftung mit Freuden\nbegrüssen. Wille und Absicht sind gut; mögen die Ein-\nrichtung und die Anstellung vorzüglicher Lehrer ihnen\nentsprechen.\n\nUebersicht des Opern-Repertoires am Hoftheater\nzu München.\n3861 und 1862 bis Juli.\nIm Jahre 1861 fanden auf dem Hof- und dem Resi-\ndenz-Theater in München im Ganzen 317 Vorstellungen\nStatt, davon 140 der Oper und 42 dem Ballet zufielen.\nNeu waren drei Opern: 1. „Der Hans ist da\", Ope-\nrette in zwei Acten von Fr. Bonn, Musik von Fr. FÖry.\n2. „Orpheus\" von Gluck. 3. „Don Sebastian\" von Do-\nnizetti.\nAusserdem kamen zur Aufführung:\nAdam: „Der Postillon von Lonjumeau\" (2 Mal); Auber:\n„Des Teufels Antheil\" (4 Mal); Beethoven: „Fidelio\"\n(3 Mal); Bellini: „Norma\" (2 Mal), „Die Nachtwandl-\nerin\"; Benedict: „Der Alte vom Berge\"; Boieldieu:\n„Die weisse Frau\" (2 Mal); Cimarosa: „Die heimliche\nEhe\"; Conradi: „Rübezahl\" (7 Mal); Donizetti: „Be-\niisar\" (3Mal), „Lucrezia Borgia\", „Die Tochter des Regi-\nments\"; Floto w: „Alessandro Stradella\" (4 Mal), „Mar-\ntha\" (2Mal); Gluck: „Iphigeniein Aulis\" (3 Mal), „Iphi-\ngenie auf Tauris\"; „Richard Löwenherz\"; Gri-\nsar: „Gute Nacht, Herr Pantalon!\" (2 Mal); Halevy:\n„Die Jüdin\", „Guido und Ginevra\"; Kreutzer: „Das\nNachtlager\"; Lachner: „Katharina Cornaro\" (2 Mal);\nLortzing: „Der Wildschütz\" (3 Mal), „Czaar und Zim-\nmermann\"; Marschner: „Templer und Jüdin\", „Hans\nHeiling\"; Mehul: „Joseph in Aegypten\"; Meyerbeer:\n„Robert der Teufel\", „Der Prophet\" (je 4 Mal), „Die\nHugenotten\" (2 Mal), „Der Nordstern\", „Dinorah\"; Mo-\nzart: „Die Zauberflöte\" (3 Mal), „Der Scbauspiel-Direc-\ntor\" (2 Mal), „Don Juan\"; A. Müller: „Der Maierhof\nhinter den Bergen\"; Nicolai: „Die lustigen Weiber\" (4\nMal); Rossini: „Der Barbier von Sevilla\" (2 Mal); Ver-\ndi: „Der Troubadour\"; Wagner: „Tannhäuser\" (3 Mal),\n„Lohengrin\" (2Mal); Weber: „Oberon\" (sMal), „Frei-\nschütz\" (4 Mal); Weigl: „Die Schweizerfamilie\" (3 Mal);\nSchenk: „Der Dorfbarbier\" (2 Mal). Ferner neu ein-\nstudirt: Dittersdorf: „Doctor und Apotheker\", Boiel-\ndieu: „Rothkäppchen\", Herold: „Maria\", Auber:\n„Maurer und Schlosser\", Mozart: „Figaro's Hochzeit\".\nIm Jahre 1862 sind bis zum 1. Juli folgende Opern\ngegeben: von Gounod: „Faust\" (15 Mal); Mozart:\n„Figaro's Hochzeit\" (4 Mal), „Der Schauspiel-Director\",\n„Idomeneo\", „Don Juan\"; Meyer beer: „Die Hugenot-\nten\" (3 Mal), „Der Nordstern\"; Weber: „Oberon\" (2\nMal), „Freischütz\"; Boieldieu: „Rothkäppchen\" (2 Mal),\n„Die weisse Frau\"; Maillart: „Das Glöcklein des Ere-\nmiten\" (3 Mal); Auber: „Des Teufels Antheil\" (2 Mal),\n„Maurer und Schlosser\"; Adam: „Der Postillon\" (2 Mal);\nGrisar: „Gute Nacht, Herr Pantalon\" (2 Mal); Rossini:\n„Der Barbier von Sevilla\", „Teil\"; Gretry: „Bichard\nLöwenherz\" (2 Mal); Bellini: „Montecchi und Capuleti\"\n(2 Mal); Conradi: „Rübezahl\" (2 Mal). Nur eine Vor-\nstellung erlebten: Beethoven (Fidelio), Kreutzer (Nacht-\nlager), Gluck (Iphigenie auf Tauris), Wagner (Tann-\nhäuser), Lortzing (Der Wildschütz), Flotow (Martha),\nWeigl (Die Schweizerfamilie), Cherubini (Der Wasser-\nträger), Donizetti (Lucrezia Borgia), Mehul (Joseph in\nAegypten)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.5", "texte": "Von diesen waren neu: „Faust\" von Gounod und\n„Das Glöcklein des Eremiten\" von Maillard; neu ein-\nstudirt: „Idomeneo\", „Montecchi und Capuleti\", „Teil\".\n\nAus Stuttgart.\n[Wilhelm von Oranien, Oper in vier Acten von\nEckert.]\nBei überfülitem und festlich beleuchtetem Hause\nwurde am 27. September, dem Geburtsfeste Sr. Majestät\ndes Königs, Eckert's Oper „Wilhelm von Oranien\" zum\nersten Male gegeben und am 29. September wiederholt.\nDer Stoff ist der Geschichte der Empörung der Nieder-\nlande entnommen, das Buch aber auf eine unverantwort-\nlich leichtfertige Weise zusammengewürfelt, ohne inneren\nZusammenhang der Handlung, ohne die geringste Charak-\nteristik der Haupt-Personen, so dass der Text eine durch-\nschlagende Wirkung selbst der besten Musik geradezu un-\nmöglich macht, und Eckert nur durch das jugendliche\nAlter, in welchem er bereits vor achtzehn Jahren diese\nOper geschrieben hat, entschuldigt werden kann, diesen\nText componirt zu haben.\nSehen wir von diesem Missgriffe ab, so erscheint die\nMusik keineswegs als das Werk eines unreifen Compo-\nnisten, sondern ist Alles einzeln genommen den zer-\nstückten Situationen jedes Mal entsprechend und zeigt in\nden Sologesängen und besonders in den Chören grosse\nGewandtheit. Der Chor spielt von Anfang an eine grosse\nRolle, und zwar Gesammtchor der Niederländer, Doppel-\nchor der Adeligen und des Volkes, Chor des Gefolges der\nRegentin, Chor der spanischen Verschworenen—im Finale\ndes dritten Actes allzusammen nebst Gefecht! Dabei als\nSolisten drei Sopran-, drei Tenor- und drei Bariton- und\nBass-Partieen!\nDie Oper wird durch eine Introduction eingeleitet, die\nein im zweiten Acte von der Seherin Anna van Hove aus-\ngeführtes Motiv andeutet, und geht dann über in den er-\nsten Chor: „Waffen! Gebt uns Waffen!\" der mit unter-\nbrechenden Recitativen von Egmont, Oranien und Brede-\nrode sich schliesslich bis zum Aufruhr steigert und mit\ndem allgemeinen Chor: „Ist uns der Sieg gewiss!\" zum\nAbschluss gelangt. Die Scene ist voll Feuer. Ein Ritornell\ndeutet auf die Ankunft des Pagen, der in einer colorirten\nund vom Frauenchor begleiteten Ariette die Ankunft der\nRegentin meldet. Sie erscheint und singt eine grosse Arie\nvoll von Hoffnung und Wünschen, ohne dass man erfährt,\nfür wen ihr Herz schlägt. Die Comparserie nimmt an ih-\nrer Gemüthsstimmung Theil und entfaltet durch Tanz und\nSpiel ein Bild heiterer und bewegter Lebenslust.\nDie Scene wird durch einen von Brederode jjv..\nAufruhr unterbrochen und gestaltet sich nach und nacn\nzu einem pompösen Ensemble, dessen musicalischen Kern-\npunkt ein Sextett bildet, welches von ergreifender Wir-\nkung ist. Auf die durch Granvella ausgestossene Beschim-\npfung der Niederländer steigern sich die Tonmassen zu\neinem den Actschluss bildenden grossartigen Chor: „Unser\nHeil ist Gottes Sache!\" Der zweite Act beginnt mit einem\nIrinkliede, welches durch frische Melodie und originellen\nRhythmus, so wie durch eine von den vier Hörnern ge-\ntragene Begleitung fesselt. Ein übermüthiges, lebendiges\nBacchanal folgt. Bei dieser Scene sei noch bemerkt, dass\nbei den von Oranien gesungenen Worten: „Dem König\ngetreu bis zum Bettelstab\", das in allen Räumen über-\nfüllte Haus sich wie Ein Mann erhob und in ein dreifach\ndröhnendes Hoch auf Se. Majestät den König ausbrach.\nIn dem Duett zwischen Egmont und Oranien: „Lass\" uns\nmit Vertrauen\", konnte der Componist dem italiänischen\nEinflüsse nicht entgehen; dasselbe wird aber immerhin\nseine Wirkung nicht verfehlen. Ausserdem sind noch zu\nerwähnen eine Romanze des Pagen und eine Cavatine der\nRegentin, erstere wegen ihrer elegischen Färbung, letztere\nwegen ihrer edlen, innigen und interessant harmonisirten\nMelodieen. Für die Handlung aber konnten beide Personen\neben so gut wegbleiben.\nDer Glanzpunkt und die Perle dieses Actes, wenn\nnicht der Oper selbst, ist der darauf folgende Auftritt der\nSeherin Anna van Hove mit ihrer Arie: „Wenn ich mit\nMenschen- und mit Engelzungen redete\". Ueberhaupt hat\nsich Eckert der Charakterzeichnung dieser Rolle mit un-\nverkennbarer Vorliebe hingegeben. Wenn man nur wüss-\nte, was die ganze Rolle soll! Das folgende Quintett mit\nChor konnte zu keiner durchgreifenden Wirkung gelan-\ngen, einerseits wegen der Aufeinanderfolge zweier langsa-\nmen Tempi, andererseits weil es musicalisch gegen die\nArie bedeutend abfällt. Mit einem fanatischen Chor\nschliesst der zweite Act.\nIm dritten Acte heben wir besonders den in Form\neines höchst anmuthigen Ländlers componirten und mit\neinem Choral der Bilderstürmer meisterhaft combinirten\nChor hervor, und ist es wiederum die Seherin, welcher der\nComponist in ihrer Arie: „Baut auf den Herrn!\" in wel-\ncher der Chor ihre Phrasen wiederholt, die Hauptwirkung\nzugedacht hat.\nDer vierte Act beginnt mit einer Verschvvörungs-Scene\nder Spanier, die durch ihre scharfe Charakteristik den er-\nsten Mustern dieser Art kühn an die Seite treten darf. Die\ndumpfen Piccicati der Celli, die unheimlichen Imitationen\nder Verschworenen, verbunden mit einer die Stimmung\ntrefflich schildernden Instrumentation, lassen den Zuhörer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.6", "texte": ", hereinbrechen gewaltiger Ereignisse ahnen, die aber\nnicht folgen. Von der Arie des Stephan ist das Andante\nwarm empfunden, eben so das Terzett zwischen Oranien,\nBrederode und Stephan: „Getreu steh'n wir verbunden\",\nwelches durch Rhvthmus und hinreissende Melodie von\n«J\ngrosser Wirkung ist. Noch ist das Duett zwischen der\nSeherin und Brederode zu erwähnen, in welchem der\nComponist die erwachende und bis zur Gluth sich\nsteigernde Leidenschaft des Letzteren zur Prophetin\ntrefflich zu geben verstanden; nicht minder der Chor:\n„Mächtiger Gott!\" durch seine kräftige und würde-\nvolle Haltung. Fassen wir nun Alles zusammen, um\neine Charakteristik des Ganzen zu geben, so finden wir\ndarin das bedeutende Talent eines dramatischen Compo-\nnisten, und es bleibt gewiss zu bedauern, dass eine so zum\nmusicalischen Schaffen berufene Kraft seit Jahren das\nFeld der dramatischen Kunst unbebaut lassen konnte. Die\nAufführung des Wilhelm von Oranien war in allen\nTheilen eine gelungene; der Eifer eines jeden Einzelnen,\nzum Gelingen des Ganzen nach Kräften beizutragen, war\nein sichtlicher. Die Herren Sontheim (Oranien), Pi-\nschek (Egmont), Sch ütky (Stephan, der Waffenschmied),\nJäger (Brederode), Lipp (Granvella), so wie die Damen\nMarlow (Margarethe), Leisinger (Anna van Hove),\nSchröder (Page) wurden ihrer Aufgabe in jeder Bezie-\nhung gerecht. Der Chor, durch Dilettanten verstärkt, und\ndas Orchester, unter des Componisten persönlicher Lei-\ntung, waren ausgezeichnet.\n\nDer wiener Männer-Gesangverein.\nDer achte Jahresbericht dieses Vereins, die Zeit vom\n4. October 1861 bis 3. October 1862 umfassend, ver-\nfasst von Dr. H. von Billing, d. Z. Schriftführer, enthält\nauf 76 Seiten in 8. eine Chronik der Erlebnisse und der\nThätigkeit desselben, aus welcher eine erfreulich fortschrei-\ntende Wirksamkeit und eine rege Theilnahme an dem va-\nterländischen und geselligen Leben in der Hauptstadt\nOesterreichs hervorgeht. Als von allgemeinem Interesse\nerwähnen wir daraus, dass Herr Franz Schierer Vor-\nsitzender des Vorstandes und Herr Johann Herbeck\njetzt alleiniger Chormeister des Vereins ist. Unterm 30.\nOctober 1861 hat der Kaiser dem Vereine die grosse gol-\ndene Medaille für Kunst verliehen. Ferdinand Hiller\nund Freiherr von Perfall wurden zu Ehren-Mitgliedern\nernannt. Für die Kunstreise nach London waren von\nden ausübenden und unterstützenden Mitgliedern im Gan-\nzen 25,595 Fl. österr. W. gezeichnet, 80 Chöre ausge-\nwählt und bereits 15 Proben gehalten, als die Sache an\nHerrn Mitchell's Bedingungen scheiterte. Die Sicherung\nvon Her Majesty's Theater für sechs Morgen- und sechs\nÄbend-Concerte vom 19.—31. Mai war dem Vereine\nallerdings genehm; allein „Herr Mitchell liess sich herbei,\ndie Voranstalten, Besorgung des Locals, Ankündigungen,\nZeitungs-Reclamen, Druckkosten u. s. w. zu übernehmen,\nwährend der Verein die Reisekosten hin und zurück, die\ngesammte Verpflegung für 100 Personen, eine Summe\nvon circa 25,000 Fl. österr. W., zu tragen gehabt hätte,\nund schlug eine Theilung der Brutto-Einnahme vor. Aber\nauch dies wollte er nur dann übernehmen, wenn der Verein\nmit einer ausgezeichneten Militär m usik-Capelle\nvon 50 bis 60 Mann in London erschiene. Diese sollte\nmit ihm und separat concertiren. Ein derartiges Verkennen\nder Tendenz und des Standpunktes des Vereins hatte um-\ngehend Ablehnung und Abbruch der Verhandlungen zur\nFolge, und wenn dem Unterstützer des Planes geantwortet\nwurde, dass England nicht Geld genug besitze, um dem\nwiener Männer-Gesangvereine sein Bewusstsein abkaufen\nzu können, so war dies nur eine kleine Genugthuung für\ndie Zumuthung, in London, gleichgültig wie, möglichst\nviel Geld zu machen\" (S. 23 und 24). Bravo!\nFerner heben wir hervor: die Gründung eines Fonds\nfür ein Denkmal Franz Schubert's, die Bildung eines nie-\nderösterreichischen Sängerbundes, Serenade bei der Rück-\nkehr der Kaiserin, Concert beim Begrüssungsfeste der zum\nJuristentage Versammelten, bei der Enthüllung der Bild-\nsäule der Kaiserin Maria Theresia, Sängerfahrt nach Triest\nzum dreitägigen Schillerfeste (150 Sänger und 500 Nicht-\nsänger aus Wien Fahrt auf dem Golf mit vier Dampf-\nschiffen des Lloyd), Verleihung des goldenen Verdienst-\nkreuzes mit der Krone an den Chormeister Johann\nHer beck.\nDie Stiftungs-Messe (von 11. Esser) in der Hofburg-\nkirche St. Augustin nicht mitgerechnet, trat der Verein in\nvier satzungsgemässen Productionen (zwei Liedertafeln und\nzwei Concerten), dann bei eilf ausserordentlichen Veran-\nlassungen öffentlich auf, theils allein, theils in Verbin-\ndung mit anderen Gesangvereinen.\nLiedertafeln im engeren Kreise fanden vier\nStatt; Sängerfahrten wurden drei unternommen, nach\nHütteldorf, nach Sauerbrunn Pötsching und nach Triest.\nDie Programme der öffentlichen Productionen wei-\nsen, die Messe als Gesammtwerk gezählt, eine Zahl von\n124 Vorträgen auf, und zwar 87 Chöre und 37 Quar-\ntette und Solo-Vorträge. Durch Dazurechnung der bei Sän-\ngerfahrten, Liedertafeln im engeren Kreise und anderen\nnicht öffentlichen Productionen zur Aufführung gebrach-\nten Vorträge steigert sich die oben angegebene Zahl auf\n226, und zwar 140 Chöre und 86 Einzel-Vorträge."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.7", "texte": "Die Zahl der ausübenden Mitglieder hob sich\nvon 248 Sängern, dem Stande des Vereins am 30. Sep-\ntember 1861, auf 269. Das Namens-Verzeichniss weist\n58 erste Tenöre, 65 zweite Tenöre, 73 erste Bässe, 73\nzweite Bässe auf. Die Zahl der unterstützenden\nMitglieder beträgt 470.\nDer Rechnungs-Abschluss weist eine Einnahme von\n8183 Fl., Ausgabe von 6316 Fl., mithin einen Ueber-\nschuss von 1867 Fl. nach.\n„Dieser sehr befriedigende Cassenstand fällt dieses\nJahr um so gewichtiger in die Wagschale, als dem Ver-\neine so manche ausserordentliche Ausgabe erwuchs. Denn\nausser den laufenden Auslagen, dem gewöhnlichen Ehren-\nsolde für die beiden Chormeister und einer schon seit Jah-\nren der Witwe eines um den Männergesang vielverdienten\nTonkünstlers zufliessenden Pension hat der Verein aus der\nVereins-Casse noch folgende ausserordentliche Verausga-\nbungen bewilligt und angewiesen: einen ausserordentli-\nchen Ehrensold für Chormeister Herbeck von 300 Fl.\nösterr. W., einen Beitrag für das germanische Museum\n100 Fl. südd. W., für den Unterstützungs-Verein der Un-\nterlehrer in Wien 100 Fl. österr. W., dann einen Beitrag\nvon 120 Fl. zur Anschaffung eines Ehrenpreises, und end-\nlich 500 Fl. für den Schubert-Fonds.\n„Es mag nebenbei bemerkt werden, dass der Verein\neinen Betrag von 1276 Fl. 40 Kr. für die Ueberschwemm-\nten an den Herrn Bürgermeister übergeben und eine\nSumme von über 12,000 Fl. durch seine Mitwirkung\nfür wohlthätige und humanitäre Zwecke erwerben ge-\nholfen.\"\nDas Verzeichniss der Programme von sämmtlichen\nProductionen (S. 62 66) mag für andere Sängervereine\ninteressant sein, allein für Vorträge ernsten Inhalts gibt\nes keine besondere Ausbeute. Wir finden darin 26 scherz-\nhafte Gesänge, wovon freilich 9 auf den Carnevals-Abend\nkommen. Neues bieten A. Rubinstein's Vitium Hun-\ngaricum und Kriegslied, Franz Doppler's Tenor-Solo\nmit Chor aus der Oper Wanda, und j. Herbeck „Zum\nWalde\" mit Hornbegleitung, Fest-Cantate und Te Deurn\nmit Orchester (bei der Enthüllung der Bildsäule von Maria\nTheresia) und einige andere Gelegenheits-Compositionen.\nDas Verzeichniss der „unterstützenden Mitglieder\" be-\nkundet eine rege Theilnahme aus allen Ständen; es zählt\nu. A. die Fürsten Konstantin und Georg Czartoryski, Graf\nund Gräfin Esterhazy, Fürst Job. Liechtenstein, Fürstin\nPalm-Gundelfingen, kaiserliche und Magistrats-Räthe, Doc-\ntoren und Professoren, Kaufleute, Fabricanten und Hand-\nwerker auf. Auch die „ausübenden Mitglieder\" gehören\nallen Classen der Gesellschaft an, unter ihnen 24 Lehrer.\n\nTages- und Unterhaltungs-Batt.\nliölil. Stockhausen7 s Volks-C oncert. Wenn von der\nEinwirkung der Künste auf das Volk die Hede ist, so wird die\nTonkunst mit Recht als diejenige genannt, welche dem Verständ-\nnisse der grossen Menge bis zu einem gewissen Punkte am näch-\nsten liegt, weil die Empfänglichkeit für sie namentlich bei dem\ndeutschen Volke in einem höheren Grade vorhanden ist! als für an-\ndere Künste. Wäre dem nicht also, so würden die zahllosen musi-\ncalischen Concert-Vereine nicht bestehen und ihre öffentlichen Lei-\nstungen nicht ein so grosses und aufmerksames Publicum finden,\nwie sie es jetzt überall haben. Es ist desshalb ein ganz natürlicher\n1 oitschiitt, dass in den letzten Jahren in grossen Städten so ge-\nnannte „populäre Concertec* gegründet worden sind, deren Zweck\nist, auch den weniger bemittelten Classen der Gesellschaft die Theil-\nnahme an musicalischen Genüssen zu ermöglichen. Die Vocal-Con-\ncerte der Männer-Gesangvereine und die Orchester-Concerte gegen\nmassiges Lintiittsgeld haben, zumal wenn sie ihre Programme durch\ngute Musik ausfüllen, was freilich nicht überall und nicht immer\ngeschieht, einen unläugbaren Einfluss auf die Menge, und man darf\nnur den Vorträgen von classischen Ouvertüren und Sinfonieen in\ndiesen Kreisen beiwohnen, um sich von den Fortschritten des Ge-\nschmacks und der Heranbildung des grossen Publicums für Musik\nedler Gattung zu überzeugen.\nBis jetzt aber hielten sich die einzelnen grossen Künstler noch\nzurück von jenen Concerten und verschmähten es, den weiteren Krei-\nsen aus dem ganzen Volke die Gaben zu spenden, die ihnen ihr\nGenius verliehen. Erst die neueste Zeit hat es gesehen, dass Be-\nrühmtheiten wie Joachim in den Monday populär Concerts in Lon-\ndon, Vieuxtemps u. A. in den Concerts jpopulaires de Musigue clas-\nsique in Paris auftraten und die Kunst nicht zu entweihen -meinten,\nwenn sie die schönsten Blüthen derselben auch vor Tausenden ent-\nfalteten.\nSo hat auch Julius Stockhausen schon früher in Hamburg,\njetzt hier in Köln, am Dinstag den 28. October im grossen Saale\ndes Gürzenich ein Concert zu dem Eintrittspreise von \\ Thaler ge-\ngeben, zu welchem mehr als zweitausend Zuhörer hingeströmt\nsind. Er trug die zwanzig Gesänge aus dem Liederkreis ~Die\nschöne Müllerin\", von Wilhelm Müller und Franz Schu-\nbert, mit geringen Zwischenpausen, wie sie die Handlung dieses\nMonodrama's von selbst gibt, vor. Herr Capellmeister Hill er hatte\ndie Begleitung am Pianoforte übernommen, Fräulein Pauline L'Ar-\nronge vom hiesigen Stadttheater sprach den Prolog und zwischen\nden Gesängen die drei von Schubert nicht componirten Gedichte,\nund Alles zusammen bildete ein so schönes harmonisches Ganzes,\ndass eines der schönsten Werke der musicalischen Literatur durch\nden vollendeten Vortrag, der ihm zu Theil wurde, einen der einheits-\nvollsten und edelsten Kunstgenüsse darbot, die man nur haben kann.\nDiese edeln Volkslieder, die keine andere Nation in solcher Schön-\nheit besitzt, haben in Stockhausen einen Sänger gefunden, der ihnen\ndurch den Hauch der Töne ein solches Leben gibt, dass Poesie und\nMusik vollständig in einander aufgehen, und man nicht weiss, ob\nman die Innigkeit und Wahrheit der Auflassung oder die wunder-\nbare Kunst, dieser Auffassung durch den Gesang Ausdruck zu ge-\nben, mehr bewundern soll. Das stille, entzückte Lauschen der Zu-\nhörerschaft und die nach jedem Liede ausbrechende Begeisterung\nzu schildern, ist unmöglich. Aber auch Fräulein L Arronge verdient\nfür die einfach natürliche und ausdrucksvolle Declamation unseren\nvollsten Dank; Hiller's Spiel war bezaubernd, und an einzelnen me-\nlodischen Stellen (z. B. in Nr. 12, „Pause\", und in Nr. 16, „Die\nliebe Farbe\") ein wahrhafter Nachhall des Sängers und ein Mitgesang."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621101-01.1.8", "texte": "Kea'liii* Am 18. October fand hier die erste Vorstellung des\nSchauspiels „Hermann der Cherusker\" von Hans Köster Statt.\nDer Rücktritt der Frau Köster von der königlichen Oper in\nBerlin steht bereits in sehr kurzer Zeit und noch vor Ende des\nJahres bevor. Am vergangenen Sonntag trat Frau Köster zum letz-\nten Male als Rezia in Weber's „Oberon\" auf.\nDer pensionirte k. Kammermusicus J. F. Kelz, ein ausgezeich-\nneter Cellist/ auch als Componist bekannt, starb hier im 77. Jahre\nseines Lebens.\nDie Reihe der Winter-Concerte in Berlin wurde am 11. October\ndurch die erste Symphonie-Soiree der königlichen Capelle und die\nAufführung des De profundis von Wilsing durch die Sing-Akademie\neröffnet. Dem genannten Werke ging J. Seb. Bach's Orchester-Suite\nin H-moll voran.\nDer Componist Gounod, welcher am 15. October im Hofthea-\nter zu Hannover seine Oper „Faust\" dirigirte, hat den Guelphen-\nOrden vierter Classe erhalten.\nDie fünfzigste Aufführung von Gounod's „Faust\" wurde in\nHamburg gefeiert. Das Haus war festlich geschmückt und das\nPublicum so zahlreich erschienen, dass kein Platz unbesetzt blieb.\nWien. Richard Wagner trifft Ende October von Frankfurt hier\nein, um die Proben seiner Oper „Tristan und Isolde\" persönlich zu\nleiten. Dieselbe gelangt noch im Laufe dieses Jahres im Opernhause\nzur Aufführung; der Componist hat Mehreres an dem Werke geän-\ndert, was früher für die Partie des Tenors unausführbar war."}]}