{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-11-08-01", "volume": "bmtnabi_1862-11-08_01", "ocr_sha256": "980705ca9aaa7f18e0ee670702e7a30c0cf66de0b2eb2a508d7f148b8e40eb98", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/11/08_01/bmtnabi_1862-11-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-11-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 147, "texte": "Inhalt.\nMusik ™ r; -»-• * - »*•*.\nTTrr-^'z<Kao' \"* L :^:r;r;j:rS'\ni Leipzig, Heu Isidor Seiss Wien. Oper „Wanda\", Opernschule - Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-11-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "356", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.2.2", "titre_corps": "Aus Andreas Zöllner’s Leben", "titre_sommaire": "Aus Andreas Zöllner’s Leben", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.1", "debut_caractere": 149, "fin_caractere_exclue": 3969, "texte": "Aus Andreas Zöllner’s Leben\n*).\nJohann Andreas Daniel Zöllner war der zweite\nSohn des Schlossermeisters Johann Christoph Zöllner in\nArnstadt, wo er den 8. Dscember 1804 geboren wurde.\nEin Nachbar des väterlichen Hauses, Stadt-Musicant da-\nselbst, entdeckte die bedeutende rnusicalische Anlage des\nKnaben, gab ihm den ersten Unterricht auf der Geige und\n]iess ihn bald bei seinen Tanzmusiken u. s. w. mitspielen,\num so lieber, da der Kleine es „ohne Gage\" that und\nschon in seinem eilften Jahre einige recht hübsche Tänze\ncomponirte.\nDer Vater gab der Neigung des Sohnes nach und\nbrachte ihn nach Gotha, wo der tüchtige Violinspieler\nBärwolf sein Lehrer wurde. Zöllner bewohnte ein Stüb-\nchen über dem Pferdestall im Hause eines Oekonomen\nund war sehr fleissig, meist ganze Nächte hindurch. In\nGotha lernte er auch die dichterisch begabten Jünglinge\nLudwig Storch und Ludwig Bechstein kennen; mit Letz-\nterem wurde er besonders befreundet, wie er denn auch\nzu der grössten Anzahl seiner Lieder-Compositionen Texte\nvon Bechstein gewählt hat.\nIn dem Umgange mit seinen Altersgenossen zeigte\nZöllner schon damals die liebenswürdige Gutherzigkeit und\nden Anllug von Humor, die ihm auch in den späteren\nJahren eigen blieben. Auf einer der vielen Wanderun-\ngen mit Bechstein kam er einmal an einem Sonntag-Mor-\ngen nach einem Kirchdorfe; der Cantor ersuchte den jun-\ngen Tonkünstler, zur Eröffnung des Gottesdienstes die\nOrgel zu spielen. Zöllner präludirte sehr ernst, ging aber\nnach und nach in die Ouvertüre zum Freischütz über,\nder damals neu war, und war eben daran, auch ein Stück-\nchen Wolfsschlucht zum Besten zu geben, als der er-\nschrockene Cantor rief: „Der Herr Pfarrer, der Herr\nPfarrer!\" Zöllner ging aber ganz ruhig in den Choral:\n„Brich an, du schönes Morgenlicht\", über, und Alles war\nsehr erbaut.\nAndreas Romberg, der schon 1815 an Spohr's Stelle\nnach Gotha gekommen, nahm sich des talentvollen Jüng-\nlings an und gab ihm Unterricht in der Harmonielehre;\nauch haben Romberg's Compositionen Schiller'scher Ge-\ndichte („Die Glocke\", „Die Sehnsucht\", „Die Macht des\nGesanges\" u. s. w.) Einfluss auf die Richtung gehabt, die\nZöllner nachmals einschlug. Zur Feier des°Geburtstages\ndes Herzogs August am 23. November 1820 componirte\nder sechszehnjährige Tonkünstler einen Festmarsch und\nhatte die Ehre, sich vor Spohr hören zu lassen, der zur\nLeitung zweier Fest-Concerte wiederum dorthin berufen\nworden war und sich sehr anerkennend über ihn aus-\nsprach. Bald darauf spielte er auch in einem Hof-Concerte,\nschlug jedoch eine Anstellung bei der Hofcapelle aus und\ntrat, 18 Jahre alt, die Stelle eines Musik-Directors bei der\nTheater-Unternehmung von Gerlach in Erfurt an.\nHier hatten G. Fischer und Dr. Stöpel wesentlichen\nEinfluss auf seine weitere Bildung. Zwei Jahre hielt er\n„die Hundearbeit\" aus (wie er an einen Freund schrieb),\n„den oft musicalisch ganz ungebildeten Acteurs und\nActricen die Gesänge einzupauken; und doch will ich lie-\nber Nichtmusicalische fügt er hinzu —, aber von gu-\ntem Gehör, einüben, als die so genannten Geschulten,\n\n*) Wir haben die kleine Schrift: „Aus des Lieder-Compo-\nnisten Andreas Zöllner Leben und Streben. Eine\nSkizze von Aug. Wilh. Müller, Archidiaconus an der Stadt-\nkirche zu Meiningen. Magdeburg, bei Heinrichshofen. 1862.\"\n64 S. 8. - erst spät erhalten, theilen jedoch gern die wesent-\nlichsten biographischen Nachrichten daraus mit dem Wunsche\nmit, dass auch durch diese Blätter die Lage der Hinter-\nbliebenen des deutschen Lieder-Componisten in weiteren\nKreisen bekannt werde, zur Nachahmung des von der Bür-\nger-Sänger zunft zu München zuerst und von anderen\nVereinen nach ihr gegebenen Beispiels zu Veranstaltung von\nConcerten, Sammlungen u. s. w. zum Besten derselben, deren\nErträge an den Vorstand des Sängerkranzes in Mei-\nningen einzusenden sind. Die Kedaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5229, "texte": "denn jene lassen sich nicht mehr von dem schlechten Or-\nchester irre machen.\"\nEr lebte darauf einige Zeit in Arnstadt, componirte\nTänze, gab Violin-Concerte an fürstlichen Höfen und er-\nfreute gesellige Kreise durch seine ausgezeichnet schöne\nTenorstimme, die an ihn den Antrag von Seiten einer be-\ndeutenden Bühne veranlasste, den er jedoch abwies. Da-\ngegen schloss er sich der Reise Gerlach's nach Hildburg-\nhausen an und spielte dort in der Aufführung von We-\nber's Freischütz die erste Violine. Der dortige Herzog\nFriedrich hörte ihn und trug ihm an, in seine Capelle zu\ntreten. „Ich will Sie nicht drängen,\" sagte der wohl-\nwollende Fürst zu ihm „bleiben Sie einige Tage hier,\nLogis und Verpflegung finden Sie in meinem Schlosse.\"\nZöllner bezog ein Zimmer mit schöner Aussicht in\nder herzoglichen Residenz, und es ward ihm in Hildburg-\nhausen bald recht heimisch zu Muthe. Eines Morgens\nklopfte es an seine Thür, der Herzog trat ein und über-\nreichte ihm mit grosser Freundlichkeit das Ansteliungs-\nDecret.\n„Hier, lieber Zöllner,\" sagte er, „bringe ich Ihnen\neigenhändig Ihre Bestallung von der Kammer. Hätte sie\nIhnen ein Diener gebracht, so hätten Sie dem ein Trink-\ngeld geben müssen; das ersparen Sie auf diese Weise. Ich\nnehme nichts in Anspruch.\"\nZöllner gefiel seine neue Stellung immer mehr. Der\nHerzog wandte ihm fortwährend sein freundliches Wohl-\nwollen zu, und er erwarb sich in Hildburghausen bald\nviele innige Freunde. Abends musste Zöllner oft mit dem\nfürstlichen Gönner speisen, namentlich wenn vom Herzog\nselbst geschossenes Wildpret, insbesondere auch Rebhüh-\nner, auf der Tafel waren. Nach Tisch wurde dann um neu\naus der Münze kommende Kupfermünzen, oft bis nach\nMitternacht, Häufeins gespielt, wobei mancher Scherz un-\nterlief. Sein Dienst-Einkommen war gering. Der Herzog\nsprach darüber mehrfach sein Bedauern aus. „Geldzulage\nkann ich Ihnen leider nicht geben,\" sagte er unter Ande-\nrem, „aber Holz sollen Sie so viel erhalten, wie Sie wol-\nlen, und sollten es fünfzig Klafter sein.\"\n„Mein Himmel!\" erwiederte Zöllner, „was soll ich\nmit so viel Holz thun?\" „Sie können's ja verkaufen!\" ent-\ngegnete der Herzog.\n„Das geht ja nicht; ich kann doch als Kammermu-\nsicus nicht mit Holz hocken.\" „Nun, wie Sie wollen,\"\nschloss der Herzog, „ aber ich hätte es Ihnen gern gegeben.\"\nHildburghausen fiel bald darauf an Sachsen-Meinin-\ngen, und hier in Meiningen fand Zöllner durch Empfeh-\nlung seines Jugendfreundes Nohr, der daselbst Concert-\nmeister war, im Jahre 1827 eine Anstellung in der her-\nzoglichen Capelle. Im folgenden Jahre verheirathete er\nsich mit Emilie Oberländer aus Hildburghausen. Un-\ngeachtet er den liebsten Wunsch seines Herzens dadurch\nerfüllt sah, war doch sein Streben nach Vollendung seiner\nhöheren musicalischen Ausbildung so mächtig, dass er\nnoch in demselben Jahre einen sechsmonatlichen Urlaub\nnahm, um bei dem tüchtigen Theoretiker Umbreit, Or-\nganisten in Rehstätt bei Arnstadt, dem Schüler Kittel's\n(der noch J. Seb. Bach's Unterricht genossen hatte), den\nContrapunkt zu studiren.\n„In Meiningen fühlte er sich gar bald heimisch und\nerwarb sich rasch durch die Tüchtigkeit und Gediegenheit\nseines ganzen Wesens, durch die Biederkeit und Redlich-\nkeit seiner Gesinnung und-seines Handelns, durch seine\nanspruchlose Bescheidenheit, durch seine strenge Gerech-\ntigkeitsliebe und sittlichen Ernst, so wie daneben durch\neinen heiteren fröhlichen Sinn in geselligen Kreisen und\ndurch eine seltene Liebenswürdigkeit im persönlichen Um-\ngange die Liebe und Hochachtung aller seiner Mitbürger\nin hohem Grade. Der Herzog erfreute sich sehr an seinem\nreichen Talente, und alle seine Compositionen, selbst die\naus der ersten Zeit seines musicalischen Schaffens in Go-\ntha, kamen nach dem Wunsche desselben zur Aufführung.\n„Nach seiner Rückkehr nach Meiningen begann die\nHaupt-Blüthezeit seiner Lieder-Compositionen. Den ersten\nVersuch hatte er mehrere Jahre vorher mit einem Gedichte\nBechstein's gemacht. Als dieser noch in Arnstadt war,\nbesuchte er oft mit seinen Freunden ein sehr beliebtes\nBier-Local. Die schöne Tochter des Besitzers gab ihm Ver-\nanlassung, für seine Freunde unter dem Titel: „„Amor\nim Bierkeiler''\", ein humoristisch-satyrisches Gedicht zu\nfertigen, und dieses componirte Zöllner. Daran schlössen\nsich dann eine lange Reihe von Lieder-Compositionen, von\ndenen die meisten in Druck erschienen sind.\n„Ueberhaupt sind über 200 Lieder und grössere Ge-\nsangs-Piecen von Zöllner in Druck erschienen. Der bei\nWeitem grösste Theil derselben, 190, gehört dem Män-\nnergesange an, 25 dem gemischten Gesänge, und\ndie übrigen sind Gesänge mit Pianofo r te-Begieitu ng.\"\nDer Verfasser lässt hierauf das Verzeichniss der Lie-\nder-Compositionen folgen, „was er für um so nöthi ger\nhielt, da manche der besten seinem Namensvetter Karl\nZöllner in Leipzig zugeschrieben worden sind\". In jenem\nVerzeichnisse finden wir denn auch als von Andreas her-\nrührend die bekannten und so häufig gesungenen Stücke:\n„Das Gebet der Erde\", das „Doppelständchen\", „Dein\nWohl, mein Liebchen\", „Mein Stern\", „Streit der Wein-\nund der Wassertrinker\", „Der Gerichtshof\", „Die Liebe\"\nu. s. w. u. s. w.\nVon grösseren Tonstücken hat Zöllner die einactige\nOperette: „Felix oder das Jawort\", und die romantische"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5622, "texte": "Oper in vier Acten: „Der Einsiedler\", beide mit Text von\nBechstein (bei der zweiten pseudonym), geschrieben.\nAm 10. Januar 1838 gründete er die Liedertafel,\nden ersten Männer-Gesangverein in Meiningen. Es folgt\ndann in dem biographischen Schriftchen die Aufzählung\nder Sängerfeste, bei denen Zöllner theils thätig mitwirkte,\ntheils durch seine Compositionen und persönlich gefeiert\nvvurde.\nEr war ein grosser Freund der Natur und der Wan-\nderungen. In früheren Jahren weilte er besonders gern in\nLiebenstein, jenem reizenden Badeorte, der auch ein Lieb-\nlings-Aufenthalt von Jean Paul Richter war. Er liebte je-\ndoch auch die Geselligkeit, besonders des Nachmittags,\nwährend er die Abende fast regelmässig im Kreise der\nSeinen zubrachte. „Freilich bot ihm das Haus auch manche\nschmerzliche Prüfung. Mehrere von seinen acht Kindern\nwaren von frühester Kindheit an von schwerer Krankheit\nheimgesucht, und ais sie erstarkten und heranwuchsen,\nda wuchsen mit ihnen auch die Sorgen für ihre Erziehung\nund für ihr Fortkommen.\n„Und diese Sorgen waren es wohl auch zumeist, die\nseine ohnedies schwächliche Gesundheit immer mehr unter-\ngruben und namentlich in den letzten sieben Jahren sei-\nnes Lebens oft Monate lang den höchst peinlichen Zustand\nfast gänzlicher Schlaflosigkeit herbeiführten.\n„Um mit allen Kräften für das Wohl seiner Familie\nthätig zu sein und zugleich auch die Tonkunst auf die-\nsem Wege zu fördern, hatte er schon im Jahre 1829\nangefangen, Musik-Unterricht zu ertheilen. Wie uneigen-\nnützig er dabei war, davon können Viele Zeugniss geben.\nNicht selten hat er leider dabei schnöden Undank geärntet.\n„Von 1839 —43 leitete Zöllner mit dem ausgezeich-\nnetsten Erfolge den Gesang-Unterricht in der hiesigen\nRealschule, und bis zu seinem Tode war er als Musikleh-\nrer in dem Bernhardt'schen Institute thätig.\"\nIm Jahre 1833 war er in den Freimaurer-Orden ge-\ntreten und verwaltete Jahre lang das Amt des Schatzmei-\nsters der Loge in Meiningen. Im Jahre 1847 erannte ihn\nder Herzog zum Musik-Director.\nUnter den zahlreichen Ehrenzusendungen, die ihm zu\nTheil wurden, wollen wir hier am Rheine besonders zweier\nFässer 1857 er Hochheimer gedenken, die die Gebrüder\nWalter in Mainz den beiden Autoren des Trinkliedes:\n„Rhein und Main\", Müller von der Werra und Andreas\nZöllner, im Jahre 1859 zusandten. Unser Verfasser macht\ndabei die gar nicht üble Bemerkung: „Höchst wünschens-\nwerth wäre es, wenn dieses edle Vorbild der Herren Wal-\nter recht fleissige Nachahmung fände, so dass den Dichtern\nund Componisten, die oft Jahre lang keinen Tropfen Wein\nim Hause haben, dieser wahre Liederqueil sich öffnete.\"\nDas letzte Sängerfest, dem Zöllner beiwohnte, war\nder dritte Sängertag in Coburg, 21. 23. Juni 1860.\nHier erst machte er die persönliche Bekanntschaft seines\nNamensbruders Karl Zöllner aus Leipzig. Beide waren\njene Tage hindurch unzertrennlich. Karl erzählte unter\nAnderem, dass die Verwechslungen am häufigsten „Das\nGebet der Erde\" und „Dein Wohl, mein Liebchen!\" be-\ntroffen hätten, welche man ihm zu Ehren oft gesungen*).\nIn A. Zöllner's häuslichen Verhältnissen wechselten\nFreude und Leid. Seine älteste Tochter kehrte aus Ame-\nrica, wo sie ihren Mann, einen jungen Tonkünstler, ver-\nloren, mit zwei Kindern ins Vaterhaus zurück; die zweite\nist mit einem wackern Landwirthe verlobt. Er selbst litt\nan der Brust, wiederkehrende Blutstürze griffen seine Ge-\nsundheit sehr an, so dass er seinem Lieblings-Instrumente,\nder Geige, ganz entsagen musste.\nBis acht Tage vor seinem Tode besuchte er noch re-\ngelmässig die Nachmittags-Gesellschaft im „Johannes\",\nwo er stets seine vertrautesten Freunde fand. Charakte-\nristisch ist, was er in diesem Kreise nach der Bestattung\neines Bekannten äusserte: „Es ist unrecht, den Grabge-\nsängen so traurige Melodieen zu geben. Ich habe mir mei-\nnen Grabgesang in ganz anderer Weise componirt. Als\nGrundzug klingt die Melodie durch: „„Freut euch des\nLebens, weil noch das Lämpchen glüht\"\". Man muss die\nLeidtragenden erheben, trösten und erheitern.\" In der\nThat hat sich dieser Grabgesang in seinem Nachlass vor-\ngefunden. Am 23. Februar 1862 warf ihn eine Lun-\ngen-Entzündung aufs Lager; die Kraft zum Widerstande\n\n*) Karl Zöllner, geboren 17. März 1800 zu Mittelhausen im\nWeimarischen, wurde, 14 Jahre alt, Thomasschüler in Leipzig,\nwo sich sein musicalisches Talent besonders unter Schicht's\nLeitung ausbildete. Er lebte in Leipzig als Gesanglehrer an\nverschiedenen Schulen und war als Componist vierstimmiger\nMännergesänge geschätzt. Er starb den 25. September 1860,\nalso kaum drei Monate nach dem Feste in Coburg. Als in\nden Concerten für die Hinterbliebenen Kar Ts auch er\nstarb arm die oben erwähnten Verwechslungen auch noch\nvorkamen, sagte Andreas, wie unser Gewährsmann berich-\ntet: „Es freut mich, wenn mein Name eine Kleinigkeit zu je-\nnen Unterstützungen beiträgt. Gott Lob, dass ich noch lebe\nund für die Meinigen sorgen kann!\" Er ahnte nicht, dass\nauch die Seinigen bald in dieselbe Lage kommen würden!\nBeide sind nicht zu verwechseln mit Karl Heinrich\nZöllner aus Oels in Schlesien (geb. 1792, gest. 1830 zu\nWandsbeck bei Hamburg), dem genialen Organisten und Cla-\nvierspieler, tüchtigen Componisten und Kritiker. Leider liess\nsein regelloses, wüstes Leben ihn nicht zu einer andauernden\nkünstlerischen Wirksamkeit kommen. Wenn diese umfang-\nreiche, pausbackige, kupferfarbige, dickfingerige Falstaff-Figur\ndie Nacht hindurch poculirt hatte und dann des Morgens früh\nauf die Orgel ging, so dauerte es dennoch nicht lange, und das\nFeuer des Genies sprühte wieder aus seinen Augen, und Hände\nund Füsse waren geschäftig, Alles zum Staunen zu bringen.\nL. B.\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1744, "texte": "fehlte dem geschwächten Körper; am 2. März dieses Jah-\nres, Nachts halb 11 Uhr, verschied er bei vollem Bewusst-\nsein. „Grüsse die Freunde! Grüsse sie alle!\" waren die\nletzten Worte, die er an seine treue Gattin richtete.\nAm 5. März wurde er beerdigt; zwölf Sänger aus den\nvier Vereinen der Stadt Meiningen trugen den Sarg und\nversenkten ihn neben der Ruhestätte seines vor zwei Jah-\nren dahingeschiedenen Freundes Ludwig Bechstein.\nNoch an demselben Tage erliess der Sängerkranz\nin Meiningen einen Aufruf zur Unterstützung der Hinter-\nbliebenen.\n„Ein Misston\" heisst es darin „beunruhigte das\nirdische Leben des theuren Freundes, die Sorge für seine\nzahlreiche, grösstentheis noch nicht versorgte Familie. Diese\nsieht nun jetzt, nachdem sie den Versorger verloren hat,\nmit um so grösserer Besorgniss in die Zukunft, insbeson-\ndere da der jüngste Sohn, als Zögling der Bau-Akademie\nzu München, noch wesentlicher Unterstützung bedarf. Es\nist unserer Ansicht nach eine heilige Pflicht für Deutsch-\nlands Sänger, sich der Familie liebethätig anzunehmen\nund Alles aufzubieten, um sie vor Mangel zu bewahren.\nAuf diese Weise kann die deutsche Sängerwelt am besten\nden Dank bethäligen, welchen sie dem Vollendeten für\nso reiche Kunstgenüsse schuldig ist.\"\nMögen denn die Tausende von deutschen Sängern\ndurch Concerte und Liedertafeln und Beiträge bekunden,\ndass ihre Begeisterung für das Vaterland und das deutsche\nLied nicht ein Erzeugniss augenblicklicher festlicher Stim-\nmung, sondern wahrer Herzens-Gesinnung ist! Mögen für\ndie Familie eines der edelsten Sangmeister in Deutschland\nimmer mehr reichliche Spenden fliessen, denn\ntrotz des rühmlichen Vorganges vieler Vereine sind noch\nlange nicht genug Mittel zur Erreichung des\nZweckes vorhanden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-11-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "356", "page_fin": "357", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.2.3", "titre_corps": "Operntheater in Wien.", "titre_sommaire": "Operntheater in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.4", "debut_caractere": 1746, "fin_caractere_exclue": 5134, "texte": "Operntheater in Wien.\n[„Wanda\", romantische Oper in drei Acten von Dr. Theodor\nvon Bakody, deutsch bearbeitet von Otto Precht!er,\nMusik von Franz Doppler.]\nDie erste neue Oper, welche in dieser Saison vorge-\nführt wurde, ist die vor zwölf Jahren im pesther National-\nTheater zum ersten Male gegebene „Wanda\", Text von\nBakody, Musik von Franz Doppler.\nDer gewählte Stoff ist bei Weitem nicht so schlecht,\nals man es nachgerade bei einem Operntexte vorauszu-\nsetzen gewohnt ist. Die Situationen folgen einander in ein-\nfach verständlicher Weise, einzelne Momente, namentlich\nder Schluss des zweiten Actes, sind entsprechende Unter-\nlagen zur musicalisch-dramatischen Ausarbeitung; von je-\nnem specifischen Libretto-Unsinn, welcher bei mancher\nOper den musicalischen Genuss verleidet, ist „Wanda\"\nnicht in verletzender Weise behaftet. Was endlich die\nPrechtler'sche Uebersetzung anbelangt, so muss zur\nEntschuldigung mancher Härten bedacht werden, wie\nschwierig es sei, einer bereits in anderer Sprache compo-\nnirten Musik eine Uebersetzung unterzulegen, namentlich\nbei der verschiedenartigen Prosodie der beiden Sprachen.\nAuch in der Beurtheilung von Doppler's Musik muss,\nwenn nicht die Zeit, so doch der Ort, wo sie entstanden\nist, berücksichtigt werden. Das Publicum des pesther Na-\ntional-Theaters theilt bekanntlich seine musicalischen Sym-\npathieen zwischen den Anklängen heimischer Gesangs- und\nTanzweisen und der rohen Effect-Arbeit der Neu-Italiäner.\nDoppler's Musik neigt sich indessen nicht übermässig zu\ndem letztgenannten Fehler und hat sich die erstgenannte\nEigenthümlichkeit in so fern zu Gute kommen lassen, als\nsie sich allerdings an volksthümliche Weisen lehnt, zwar\nnicht an ungarische, sondern an polnische und türkische,\nwie sie das Buch dem Componisten gleichsam entgegen-\nbrachte.\nDie geschickte Benutzung dieser verhältnissmässig sel-\nten dramatisch-musicalisch verwertheten Elemente ist an\nDoppler's Oper entschieden das Beste. Die im polnischen\nVolkstone gehaltenen Chöre der Bauern im ersten Acte\nsind in ihrer scharf rhythmirten Weise warm und schwung-\nvoll. Noch interessanter in seiner Art ist der Gesang des\nDerwisch mit dem Chor der betenden Muselmänner. Nur\nschien uns hier der Mittelsatz: „Der Du über Welten\nthronest\", zu unruhig schwankend, die ruhige Harmonie\ndieser sonst so stimmungsvollen Nummer störend.\nAber nicht nur die national gehaltenen, auch die übri-\ngen Chöre sind fast durchweg kräftig gehalten, mitunter\nsogar charaktervoll, wie z. B. der Rückzug der Tataren-\nkrieger vor dem drohenden Befehle Fendi's. Den sonstigen\nEnsemblesätzen, Finalen u.s. W.ist ziemliche Effect-Kennt-\nniss nachzurühmen; der erzielte Effect ist indessen von der\nmodernen Trompeten-Rohheit nicht freizusprechen.\nDie schwächste Seite der neuen Oper liegt unstreitig\nin der charakterlosen Gestaltung der einzelnen Personen.\nMit Recht strebt der Componist vorwiegend nach melodi-\nschen Wirkungen, und wir sind gewiss die Letzten, die\nihm das verdenken. Wenn nur die Melodie bei ihm sich\nnicht immer in banales Phrasenwerk verlöre, wenn nur\njede Gestalt ihren ausgeprägten Charakter, die Melodie\neine eigenthümliche und bezeichnende Form, der musica-\nlische Ausdruck eine dramatische Färbung hätte. Der\nComponist zeigt sich stärker in Episoden, als in den Haupt-\nMomenten, wo sein Werk culminiren soll; hier mangelt\nihm die schöpferische Kraft, wenn er es auch sonst an"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2322, "texte": "vielfachen Proben von Verständniss, Geschicklichkeit und\nselbst von Talent nicht fehlen lässt.\nDie Aufführung, die dem neuen Werke zu Theil\nward, war von sehr ungleichem Werthe und mitunter\nnicht sonderlich geeignet, die Schattenseiten desselben sorg-\nsam zu verdecken.\nVor Allem kann man Fräulein Wildauer wohl als\nSängerin von Geschmack und guter Methode hochstellen,\nals Darstellerin eines freilich beschränkten Rollenkreises\nnach Verdienst schätzen, und dabei doch finden, dass die\nTitel-Heldin Wanda in den Händen einer jugendlichen\nSängerin mit frischer Stimme und aus dem Innern\nschöpfendem Talente besser aufgehoben wäre. Freilich be-\nsitzt das Operntheater kein solches Mitglied, und bei Fräu-\nlein Wildauer kann man stets sicher sein, dass es an der\näusseren Wirkung auf einen Theil des ihr überdies freund-\nlich gesinnten Publicums nicht fehlen werde.\nDessgleichen ist es eine ausgemachte Sache, dass Herr\nWalter kein Helden-Tenor ist. Dass er aber aus Noth\nseinem eigentlichen Wirkungskreise entzogen und in Hel-\nden-Partieen beschäftigt werden „müsse\". Herr Walter\ngab sich alle Mühe, sang die milderen Stellen seiner Partie\nvortrefflich, vermochte aber den Wechsel und die Steige-\nrung heftiger Gefühle im Duett Timur's mit Wanda nur\nannähernd, nicht überzeugend auszudrücken.\nDie Herren Hrabanek, Mayerhofer, Lay und\nBähr genügten den Anforderungen des Textes und der\nComposition.\nDas Orchester, von Herrn Dessoff geleitet, hielt sich\nganz tüchtig; die Chöre, diesmal vortrefflich eingeübt, wa-\nren ganz ausnehmend kräftig und exact.\nUnter aller Kritik war dagegen die äussere Ausstat-\ntung der neuen Oper, nicht so sehr der neuen Decoratio-\nnen wegen, die bloss unbedeutend, als der Costüme we-\ngen, von deren Erbärmlichkeit und Geschmacklosigkeit\nman sich, wenn man es nicht mit angesehen hat, nicht\nleicht einen Begriff machen kann. Indem wir dieses schrei-\nben, geht freilich ein Ballet in Scene, auf welches viele\nTausende vergeudet werden; —da erklärt sich leicht die\nKnauserei an dem Werke eines noch wenig bekannten\neinheimischen Componisten!\nUeber den Erfolg des ersten Abends konnte sich Herr\nDoppler übrigens nicht beklagen. Er wurde mit den Sän-\ngern nach jedem Acte mehrmals gerufen.\nDie Oper erhält sich übrigens unter fortwährend gün-\nstiger Aufnahme auf dem Repertoire.\n(Wiener Recensionen.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-11-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "359", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.2.4", "titre_corps": "Die Cursaal-Concerte und die Oper in Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Die Cursaal-Concerte und die Oper in Wiesbaden.", "signature_source": "L. 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Da aber die Schatten\nvon den Bergen sich immer früher und früher am Nach-\nmittage über die Ebene erstreckten, so sorgten die Thea-\nter-Intendanz und die Administration des Cursaales dafür,\ndie längeren Abende durch reichlich dargebotene Kunst-\ngenüsse zu verschönern.\nMan muss es der Letzteren nachrühmen, dass sie auch\ndieses Jahr mit gewohnter Liberalität eine grosse Anzahl\nbedeutender Künstler veranlasst hat, in ihren Concerten\naufzutreten. Dass bei der Wahl derselben auch Missgriffe\nvorgekommen, vielleicht auch hier und da persönliche Ein-\nflüsse gewaltet haben, ist eben so wenig zu läugnen, als\ndass die Aufstellung der Programme dem Fremden-Publi-\ncum aus allen Ländern und aus Regionen der Gesellschaft,\nin denen die Kunst nur als Zeitvertreib und Zerstreuungs-\nmittel betrachtet wird, Concessionen machen musste. Im-\nmerhin defilirt doch dabei eine stattliche Reihe von Be-\nrühmtheiten, und es gibt unter ihnen auch Künstler, welche\ndas Wagniss, dem Bade-Publicum gediegene Musik zu\nbieten, mit Glück bestehen und auch den besseren Ge-\nschmack und höhere Ansprüche an die Kunst befriedigen.\nZu diesen konnten wir in diesem Sommer das Geigen-\nQuartett der Gebrüder Müller, Hans von Bülow,\nLotto, Alfred Jaell, Louis Brassin, Vieuxtemps\n(bis auf den leidigen Yankee, hier ameri-\ncain genannt!), zuletzt noch Dionys Pruckner zählen,\nwelcher das Concertstück in F-moll von C. M. v. Weber\nrecht gut vortrug. Von Sängerinnen und Sängern können\nwir nur Frau Dustmann-Meyer und Herrn Karl\nSchneider in diese Kategorie aufnehmen, während wir\nnatürlich der Virtuosität einer Künstlerin wie Fräulein\nArtot volle Berechtigung zuerkennen und ihr\ngern einräumen, zu singen, was sie wolle (z. B. eine Ca-\nvatine aus Donizetti's Maria di Rohan, ein Rondo aus Rös-\nsings Cenerentola und den unvermeidlichen Bado von\nArditi), weil die Art, wie sie es singt, Einen nicht zur\nBesinnung über den Inhalt der Composition kommen lässt.\nDas Theater ist in der That bei den doch immer nicht\ngrossen Mitteln, über welche die Intendanz verfügen kann,\nauf eine Leistungsfähigkeit in der Oper gebracht, welche\ndie höchste Anerkennung verdient. Wir legen dabei ganz\nbesonderen Werth auf das Ganze der Aufführungen, auf\nein Zusammenwirken und Ineinandergreifen der vorhan-\ndenen Kräfte, wie man es heutzutage wahrlich nur selten\nfindet. Hauptsächlich desshalb bietet die Oper in Wiesba-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5448, "texte": "den dem wahren Kunstfreunde einen schönen Genuss;\nman fühlt sich dabei in einer wirklich musicalischen\nSphäre und erkennt sehr bald, dass die Leitung des Ca-\npellmeisters Hagen mit künstlerischem Geiste über dem\nGanzen waltet, dass ein gediegener und vielerfahrener Mu-\nsiker, ein Dirigent ersten Ranges an der Spitze steht. Eine\nBühne, welche Mozart's „Zauberflöte\" so aufführen\nkann, wie wir sie am 18. October hier gesehen haben,\nnimmt einen ehrenvollen Platz in der musicalischen Welt\nein, welcher weit über ihre äusseren Verhältnisse hinaus-\ngeht. Es fehlte dabei durchaus nicht an einzelnen vorzüg-\niichen Leistungen, z. B. von Fräulein Tipka als Königin\nder Nacht, Fräulein Huttary als Pamina, Herrn Caf-\nfieri als Tamino; allein diese findet man auch anderswo,\nwiewohl ein Tenor wie Herr Caffieri jetzt selbst an gros-\nsen Hofbühnen vergeblich gesucht werden dürfte; allein\nwas die Wiesbadener Aufführung auszeichnet, ist die ge-\nwissenhafte Reproduction der Oper als eines Kunstwerkes\nim Ganzen, bei welcher z. B. sowohl die drei Damen als\ndie drei Genien angeleitet worden waren, die Bedeutung\nihrer Aufgabe zu erkennen, die sie dann auch musicalisch\ntüchtig lösten, und die Gewissenhaftigkeit im Orchester\nsich bis auf die Anschaffung der vorgeschriebenen Basset-\nhörner erstreckte, welche recht gut geblasen wurden. So\nging denn das unsterbliche Meisterwerk Mozart's nicht wie\neine durch Glanz und Prunk blendende, aber wie eine\nGeist und Herz innig erfreuende, wohlthuende Erschei-\nnung an uns vorüber und hinterliess, wenigstens in jedem\nfür wahre Kunst empfänglichen Gemüthe, einen dauern-\nden Eindruck.\nAber auch die Aufführungen von Marschner's\n„Templer und Jüdin\" und von Verdi's „Trovatore\" wa-\nren lobenswerth und zeigten die einzelnen Mitglieder der\nBühne in hellem Lichte. Fräulein Lehmann ist eine dra-\nmatische Sängerin von grossen Mitteln und eine talentvolle\nSchauspielerin, bei welcher nur der gänzliche Mangel\neiner halbwegs deutlichen Aussprache des Deutschen (sie\nist eine Dänin) zu bedauern ist. An höherer Vollendung\ndes kunstgemässen Gesanges fehlt freilich auch noch viel,\naber angeborene Darstellungsgabe in Verbindung mit\neiner kräftigen und wenn sie nicht forcirt wird voll-\ntönenden und wohllautenden Stimme machen ihre Re-\nbecca und Azucena zu durchschlagenden Leistungen, zumal\n1 ür das Publicum unserer Zeit. Die Stelle der Frau Deetz,\ndie gegenwärtig bei der deutschen Oper zu Rotterdam\nebenfalls schon der Liebling des Publicums geworden,\nwas sie hier in hohem Grade war, ist freilich nicht voll-\nständig ersetzt durch Fräulein Huttary, aber diese junge\nDame (aus Prag, wenn wir nicht irren) vereinigt mit einer\nlieblichen Erscheinung eine frische, starke, bildungsfähige\nStimme und wird unter der guten Anleitung, die hier\nnicht fehlen wird, ihr vielversprechendes Talent schnell\nentwickeln.\nHerr Bertram bewährte sich als Templer und Graf\nde Luna, besonders in ersterer Rolle, als ein tüchtiger,\nmusicalisch gebildeter Sänger. Seine Baritonstimme ist aus-\ngiebig genug, lässt jedoch an wohllautender Fülle und So-\nnorität Einiges zu wünschen übrig. Die anstrengende und\ngrosse Forderungen an den Sänger und Darsteller ma-\nchende Partie des Bois Guilbert führte er recht wacker\nund mit Ausdauer in Kraft und Feuer durch, und es ist\nimmer erfreulich, einen Sänger zu hören, der mit Marsch-\nner's Musik so vertraut ist, wie Herr Bertram.\nDer glänzendste Stern der hiesigen Oper ist unstreitig\nHerr Caffieri. Anfangs in Köln zu anderem Lebensberufe\nbestimmt, fühlte er noch früh genug, dass ihm die Natur\ndurch die Gabe einer prächtigen Tenorstimme gewisser\nMaassen die Pflicht aufgelegt hatte, diese Stimme auszu-\nbilden und sich der Kunst zu widmen. Er verliess desshalb\nin Marseille den kaufmännischen Beruf und ging nach Ita-\nlien. Dort studirte er in Florenz und Neapel italiänische\nSprache und Gesang, begann seine Theater-Laufbahn auf\ndem Teatro nuovo in Neapel und war bei der Scala in\nMailand engagirt, als ihn die politischen Zustände in Ita-\nlien, nachdem er sechs Jahre in dem schönen Lande zu-\ngebracht, wieder nach Deutschland führten. Während er\nin Mannheim kurze Zeit, dann zwei und ein halbes Jahr\nin Breslau sang, arbeitete er eifrig an seiner Fortbildung\nund ist jetzt seit anderthalb Jahr Mitglied des Hoftheaters\nin Wiesbaden. Nach den Leistungen, die wir von ihm die-\nsen Sommer gehört Florestan in Fidelio, Raoul in den\nHugenotten, Ivanhoe in Templer und Jüdin, Tamino in\nder Zauberflöte, Lohengrin, Manrico im Troubadour—,\nmüssen wir Herrn Caffieri zu den ausgezeichnetsten Teno-\nristen unserer Zeit zählen, ja, was die Frische und Kraft\nder Stimme betrifft, dürfte er von Keinem übertroffen\nwerden. Er schlägt das berühmte von Tamberlik u. s. w.\nmit der Bruststimme mit einer nicht etwa bis zu schnei-\ndender Schärfe hinaufgetriebenen, sondern klang- und ton-\nvollen natürlichen Kraft an, und trotz dieser Kraft macht\ndie Biegsamkeit seines Organs im Vortrage zarten Gesan-\nges, welchen Rollen wie Tamino und Ivanhoe an so vielen\nStellen erfordern, einen Schmelz möglich, der sich die\nSympathieen der Zuhörer auf der Stelle erwirbt. Wir sind\nallerdings der Ansicht, dass der italiänische Gesang seine\nVorzüge bis jetzt noch mehr ins Licht stellt, als der deut-\nsche, aber die Gewissenhaftigkeit, mit welcher er z. B. den\nTamino und den Florestan singt, geben uns die Gewiss-\nheit, dass er auch die deutsche Musik vorkommen zu wür-\ndigen weiss und ihres Vortrages immer mehr und mehr"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3014, "texte": "Meister werden wird. Unsere Meinung über diesen Sänger\ntheilte auch Herr Calzado, der Director der italiänischen\nOper in Paris, der in Wiesbaden war, um Herrn Caffieri\nglänzende Anerbietungen für Paris zu machen, welche die-\nser wegen seiner Verbindlichkeiten gegen die hiesige Bühne\nablehnte. Es ist sehr zu wünschen, dass dieser noch junge\nund eifrig emporstrebende Künstler den deutschen Büh-\nnen erhalten werde.\nAn Herrn Karl Schneider hat Wiesbaden freilich\neinen schwer zu vergessenden Verlust erlitten, denn er\nsteht als lyrischer Tenor und als kunstgebildeter Sänger\nauf einer hohen Stufe. Der Versuch, ihn bei der hiesigen\nBühne durch einen Tenoristen, der als Graf Almaviva in\nRossini's „Barbier\" auftrat, auch nur einiger Maassen zu\nersetzen, schlug gänzlich fehl.\nIn Mainz hörten wir am 15. October zur Vorfeier\ndes Schiller-Festes Händel's Oratorium „Judas Macca-\nbäus\" im Theater unter Herrn Riehl'sLeitung. Den Chor\nbildeten der mainzer und ein grosser Theil des Wiesbade-\nner Singvereins, welchen letzteren jetzt Herr Capellmeister\nHagen leitet. Die Ausführung des Werkes war nur theil-\nweise gelungen, wennschon die Chöre, mit frischen Stim-\nmen besetzt, meist gut gingen; allein weder mit der Auf-\nlassung der Tempi, die oft zu schnell genommen wurden,\nnoch mit der technischen Leitung des Dirigenten konnten\nwir uns einverstanden erklären. Die Präcision der Einsätze\nmangelte häufig; Nuancen im Vortrage fehlten zwar nicht,\nallein sie waren zu grell contrastirend und hörten sich als\ngar zu schulmässig abgesetzt an. Das Orchester war\nschwach und nicht immer mit dem Dirigenten einig; na-\nmentlich war die Begleitung der Recitative fast nie präcis.\nWoher Herr Riehl sich das Recht nahm, in dem Chor\nNr. 21, G-dur,3/8-Tact: „Dringt ein in die Feinde!\"\nzwei verschiedene Tempi anzuwenden, ist uns ein\nIläthsel. Nachdem er nämlich im Allegro, das er beinahe\nwie ein Presto nahm, begonnen, setzte er plötzlich bei dem\nMittelsatz in D-dur(„ That thpovfr,\ntions may Jcnow\") mit Andante ein, fiel dann mit den Sechs-\nzehnteln der Geigen in G-dur wieder ins Allegro, brachte\ndas Andante dann nochmals an und so fort wechselnd bis\nzum Schluss ja, selbst vom Nachspiel des Orchesters\nliess er die ersten acht Tacte Allegro, die letzten acht An-\ndante spielen!!— Von den Solisten war der Judas Macca-\nbäus durch Herrn Zottmayr vom Theater zu Frankfurt\nam besten vertreten; dem Bassisten fehlte Auffassung und\nrichtiger Vortrag besonders des Recitativs, denn er sang\nz. B. in Nr. 8 „Hinfort sei Maccabäus euer Fürst!\"\n{piano), und den Schluss:\nsang er, verführt durch die Uebersetzung, die von „See-\ngen\", statt von „Sieg\" spricht, sehr sentimental piano.\nDie beiden Israelitinnen (Sopran 1 u. 2) waren ihrer Auf-\ngabe ebenfalls nicht ganz gewachsen, ja, sie detonirten in\ndem letzten Duett des zweiten Theiles: „Nein, niemals\nbeugten wir das Knie\", auf consequente Weise von An-\nfang bis zu Ende. Am besten und würdigsten ging der\nSchluss-Chor des ersten Theiles: „Hör' uns, o Herr, der\nGnade Gott!\"\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-11-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.2.5", "titre_corps": "Erstes Abonnements-Concert in Elberfeld.", "titre_sommaire": "Erstes Abonnements-Concert in Elberfeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.7", "debut_caractere": 3016, "fin_caractere_exclue": 6146, "texte": "Erstes Abonnements-Concert in Elberfeld.\nSamstag, den 1. November.\nZur Eröffnung der Winter-Concerte war die Aufführung von\nSchümanns Werk: „Scenen aus Göthens Faust\", gewählt\nworden, und sie fand am ]. d. Mts. im grossen Saale des Casino\ndurch die Mitwirkung eines zahlreichen Chor- und Orchester-Perso-\nnals unter der tüchtigen Leitung des Musik-Directors Herrn Her-\nmann Schornstein Statt. Das Unternehmen, diese Musik, welche\nneben einem guten Chor viele und musicalisch ganz durchgebildete\nSolisten und ein sehr gutes Orchester erfordert, aufzuführen, war\neine allerdings sehr ehrenvolle Aufgabe denn Elberfeld war die\nzweite Stadt, welche nach der ersten Aufführung zu Köln im vori-\ngen Winter sich das grosse Vermächtniss Schümanns an die deut-\nsche Nation aneignete —, aber auch eine sehr schwierige, und da\nbei Kunst-Productionen der Spruch: ~/n magnis et volulsse sat est\",\neigentlich keine Gültigkeit haben darf, sondern vielmehr der andere:\nTu videas, quid valeant humeri, quid ferre recusent! so dürfen wir\nauch nicht verschweigen, dass ein Theil der aufgebotenen Kräfte\ndieser Aufgabe nicht gewachsen war. Dies zeigte sich jedoch haupt-\nsächlich nur in der dritten Abtheilung, obwohl auch hier der An-\nfangs-Clior; „Waldung, sie schwankt heran\", recht schön ausgeführt\nwurde, was auch bei den kräftigen Stellen des gewaltigen Chors:\n„Gerettet ist das edle Glied\", so wie bei der ersten Abtheilung in\nder Scene im Dom mit dem Dies irae der Fall war. Bei letzterem\nverstärkte auch die Orgel die Wirkung des Orchesters auf gross-\nartige Weise. Es verdient mithin die sorgfältige Einstudirung des\nWerkes und die Leitung des Ganzen die volle Anerkennung der\nFreunde dieser grossen, wunderbaren Composition, die dadurch doch\nwieder einen weiteren Schritt vorwärts auf dem Boden, den sie sich\nerobern muss, gemacht hat. Wenn wir nun noch sagen, dass Ju-\nlius Stockhausen die Partie des Faust gesungen und in der\ndritten Abtheilung auch die Partie des Pater profundus und des\nDoctor Marianus übernommen hatte, so brauchen wir nicht hinzu-\nzufügen, dass der bewundernswerthe Vortrag dieser Sologesänge sei-\nnen mächtigen Zauber auch in so fern über das Ganze übte, als\ndie kleineren Mängel der Aufführung gegen die Vollkommenheit\neiner solchen Darstellung der Haupt-Partieen verschwanden. Freilich\nstand Stockhausen unter den übrigen Solisten auch einzig und hoch\nhervorragend da; aber wo wird das nicht der Fall sein, wenn er\ndiese Musik singt, aus welcher er ein besonderes tiefes Studium ge-\nmacht hat und die er mit grosser Liebe als ein wahrer Apostel\nSchumann's umfasst und wreiter trägt? Selbst Fräulein Henriette\nRöhn aus Mannheim, eine Sängerin, die wir sehr hoch schätzen\nund die auch an jenem Abende ihrem Rufe treu blieb, vermochte\ndoch nicht, sich zu dein idealen Vortrage zu erheben, den der Ge-\nsang des „Gretchen\" verlangt; es ist das nun einmal nicht ihr Genre,\nund das muss man auch bedenken, der Gesang: „Ach neige, du\nSchmerzensreiche\", gehört eben nicht zu den gelungensten in dem\nWerke. Die Herren Göbbels (Tenor) von Aachen und Fassben-\nder (Bass) vom Theater zu Elberfeld führten ihre Partieen correct"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 178, "texte": "aus, aber ohne mit bedeutendem Eindruck in das Ganze einzugrei-\nfen. 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November in dem zweiten Gesell-\nschafts-Concerte im Gürzenich berichten wir in der nächsten\nNummer.\nKarlsruhe« Am Freitag den 14. November wird F. Hil-\nlens neue Oper „Die Katakomben\" hier gegeben. Der Compo-\nnist verweilt bereits unter uns, um den General-Proben beizuwohnen.\n** Leipzig, 2. November. Ich freue mich, Ihnen mittheilen\nzu können, dass Herr Isidor Seiss aus Köln in unserem vier-\nten Gewandhaus-Concerte am 30. October mit grossem Er-\nfolg aufgetreten ist. Das Es-dur-Concert von C. M. von Weber,\nmit welchem er sich, wie ich mich erinnere, bei Ihnen so glänzend\neingeführt hat, machte auch hier durch den brillanten und zugleich\nsehr ausdrucksvollen Vortrag grosse Wirkung; wir heben mit Ver-\ngnügen den trefflichen, tonvollen Anschlag und das echt musicali-\nsche Spiel des jungen Künstlers hervor. Die Wahl der kleineren\nCiavierstücke, die er an demselben Abende spielte, war nicht so\nglücklich getroffen, als die des Concertes. Eine Gigue von Berger,\neine Etüde von Chopin und ein wenig bekanntes Scherzo aus Op.\nIG von Mendelssohn, obwohl feine und reizende Stücke, rauschen\nan dem grossen Publicum zu schnell vorüber, als dass es sich da-\nfür recht interessiren könnte. Es dürfte der Rath an Herrn Seiss zu\nrechtfertigen sein, vor der Menge auch den Virtuosen neben dem\nMusiker mehr zur Geltung zu bringen. [Das heisst doch hoffentlich\nund von Leipzig aus! in übrigens gediegenen Compositionen;\nnur dann sind wir damit einverstanden. Die Redaction.]\nAus Wien wird zur Ergänzung des oben gegebenen Berichtes\nüber die Oper „Wanda\" mitgetheilt, dass die Gerüchte über das\nHonorar des Componisten, die zwischen 300 und 3000 Gulden\nschwankten, durch einen officiellen Brief des Herrn Doppler nicht\naufgeklärt worden sind, da derselbe sich in dieser Beziehung nur\n„der vollsten Zufriedenheit\" rühmt.\nEben daher ist die Nachricht, dass J. Stockhausen und Frau\nBellart-Sulz er für den Gesang-Unterricht an der neuen Opern-\nschule (s. Nr. 44) angestellt werden sollen. Die verwitwete Frau\nMarsch n er -Jan da aus Hannover hat die Absicht, sich ebenfalls\nals Gesanglehrerin in Wien niederzulassen.\nDeutsche Tonhalle«\nUeber die auf unser Preis-Ausschreiben vom October 1861 s. Z.\neingekommenen sechszehn Compositionen des Preisgedichtes von Dr.\nK. A. Mayer für vierstimmigen Männergesang mit Harmonie-Beglei-\ntung habenj die vereinssatzungsmässig erwählten Herren Franz\nLachner, Heinrich Neeb und Joseph Strauss gefälligst das\nPreisrichter-Amt ausgeübt, in der Beurtheilung dieser Werke aber\nkeine zureichende Stimmenmehrheit sich ergeben (Satz. 14 h). Jedoch\nei hielt das Werk des Herrn F. Lux in Mainz eine Stimme für den\nPreis und eine Belobung; das Werk des Herrn V. E. Becker in\nWürzburg wurde durch zwei Stimmen und die Werke der Herren\nEd. Guth und Lberh. Kuhn hier jedes durch eine Stimme be-\nsonders belobt.\nDiejenigen der übrigen Herren Preisbewerber, welche ihre Werke\nzurückbegehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an uns erge-\nhen lassen, und zwar in den nächsten sechs Monaten, da wir für\ndie Werke nicht länger haften können.\nMannheim, 23. October 1862.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMusik ™ r; -»-• * - »*•*.\nTTrr-^'z<Kao' \"* L :^:r;r;j:rS'\ni Leipzig, Heu Isidor Seiss Wien. Oper „Wanda\", Opernschule - Deutsche Tonhalle).\n\nAus Andreas Zöllner’s Leben\n*).\nJohann Andreas Daniel Zöllner war der zweite\nSohn des Schlossermeisters Johann Christoph Zöllner in\nArnstadt, wo er den 8. Dscember 1804 geboren wurde.\nEin Nachbar des väterlichen Hauses, Stadt-Musicant da-\nselbst, entdeckte die bedeutende rnusicalische Anlage des\nKnaben, gab ihm den ersten Unterricht auf der Geige und\n]iess ihn bald bei seinen Tanzmusiken u. s. w. mitspielen,\num so lieber, da der Kleine es „ohne Gage\" that und\nschon in seinem eilften Jahre einige recht hübsche Tänze\ncomponirte.\nDer Vater gab der Neigung des Sohnes nach und\nbrachte ihn nach Gotha, wo der tüchtige Violinspieler\nBärwolf sein Lehrer wurde. Zöllner bewohnte ein Stüb-\nchen über dem Pferdestall im Hause eines Oekonomen\nund war sehr fleissig, meist ganze Nächte hindurch. In\nGotha lernte er auch die dichterisch begabten Jünglinge\nLudwig Storch und Ludwig Bechstein kennen; mit Letz-\nterem wurde er besonders befreundet, wie er denn auch\nzu der grössten Anzahl seiner Lieder-Compositionen Texte\nvon Bechstein gewählt hat.\nIn dem Umgange mit seinen Altersgenossen zeigte\nZöllner schon damals die liebenswürdige Gutherzigkeit und\nden Anllug von Humor, die ihm auch in den späteren\nJahren eigen blieben. Auf einer der vielen Wanderun-\ngen mit Bechstein kam er einmal an einem Sonntag-Mor-\ngen nach einem Kirchdorfe; der Cantor ersuchte den jun-\ngen Tonkünstler, zur Eröffnung des Gottesdienstes die\nOrgel zu spielen. Zöllner präludirte sehr ernst, ging aber\nnach und nach in die Ouvertüre zum Freischütz über,\nder damals neu war, und war eben daran, auch ein Stück-\nchen Wolfsschlucht zum Besten zu geben, als der er-\nschrockene Cantor rief: „Der Herr Pfarrer, der Herr\nPfarrer!\" Zöllner ging aber ganz ruhig in den Choral:\n„Brich an, du schönes Morgenlicht\", über, und Alles war\nsehr erbaut.\nAndreas Romberg, der schon 1815 an Spohr's Stelle\nnach Gotha gekommen, nahm sich des talentvollen Jüng-\nlings an und gab ihm Unterricht in der Harmonielehre;\nauch haben Romberg's Compositionen Schiller'scher Ge-\ndichte („Die Glocke\", „Die Sehnsucht\", „Die Macht des\nGesanges\" u. s. w.) Einfluss auf die Richtung gehabt, die\nZöllner nachmals einschlug. Zur Feier des°Geburtstages\ndes Herzogs August am 23. November 1820 componirte\nder sechszehnjährige Tonkünstler einen Festmarsch und\nhatte die Ehre, sich vor Spohr hören zu lassen, der zur\nLeitung zweier Fest-Concerte wiederum dorthin berufen\nworden war und sich sehr anerkennend über ihn aus-\nsprach. Bald darauf spielte er auch in einem Hof-Concerte,\nschlug jedoch eine Anstellung bei der Hofcapelle aus und\ntrat, 18 Jahre alt, die Stelle eines Musik-Directors bei der\nTheater-Unternehmung von Gerlach in Erfurt an.\nHier hatten G. Fischer und Dr. Stöpel wesentlichen\nEinfluss auf seine weitere Bildung. Zwei Jahre hielt er\n„die Hundearbeit\" aus (wie er an einen Freund schrieb),\n„den oft musicalisch ganz ungebildeten Acteurs und\nActricen die Gesänge einzupauken; und doch will ich lie-\nber Nichtmusicalische fügt er hinzu —, aber von gu-\ntem Gehör, einüben, als die so genannten Geschulten,\n\n*) Wir haben die kleine Schrift: „Aus des Lieder-Compo-\nnisten Andreas Zöllner Leben und Streben. Eine\nSkizze von Aug. Wilh. Müller, Archidiaconus an der Stadt-\nkirche zu Meiningen. Magdeburg, bei Heinrichshofen. 1862.\"\n64 S. 8. - erst spät erhalten, theilen jedoch gern die wesent-\nlichsten biographischen Nachrichten daraus mit dem Wunsche\nmit, dass auch durch diese Blätter die Lage der Hinter-\nbliebenen des deutschen Lieder-Componisten in weiteren\nKreisen bekannt werde, zur Nachahmung des von der Bür-\nger-Sänger zunft zu München zuerst und von anderen\nVereinen nach ihr gegebenen Beispiels zu Veranstaltung von\nConcerten, Sammlungen u. s. w. zum Besten derselben, deren\nErträge an den Vorstand des Sängerkranzes in Mei-\nningen einzusenden sind. Die Kedaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.2", "texte": "denn jene lassen sich nicht mehr von dem schlechten Or-\nchester irre machen.\"\nEr lebte darauf einige Zeit in Arnstadt, componirte\nTänze, gab Violin-Concerte an fürstlichen Höfen und er-\nfreute gesellige Kreise durch seine ausgezeichnet schöne\nTenorstimme, die an ihn den Antrag von Seiten einer be-\ndeutenden Bühne veranlasste, den er jedoch abwies. Da-\ngegen schloss er sich der Reise Gerlach's nach Hildburg-\nhausen an und spielte dort in der Aufführung von We-\nber's Freischütz die erste Violine. Der dortige Herzog\nFriedrich hörte ihn und trug ihm an, in seine Capelle zu\ntreten. „Ich will Sie nicht drängen,\" sagte der wohl-\nwollende Fürst zu ihm „bleiben Sie einige Tage hier,\nLogis und Verpflegung finden Sie in meinem Schlosse.\"\nZöllner bezog ein Zimmer mit schöner Aussicht in\nder herzoglichen Residenz, und es ward ihm in Hildburg-\nhausen bald recht heimisch zu Muthe. Eines Morgens\nklopfte es an seine Thür, der Herzog trat ein und über-\nreichte ihm mit grosser Freundlichkeit das Ansteliungs-\nDecret.\n„Hier, lieber Zöllner,\" sagte er, „bringe ich Ihnen\neigenhändig Ihre Bestallung von der Kammer. Hätte sie\nIhnen ein Diener gebracht, so hätten Sie dem ein Trink-\ngeld geben müssen; das ersparen Sie auf diese Weise. Ich\nnehme nichts in Anspruch.\"\nZöllner gefiel seine neue Stellung immer mehr. Der\nHerzog wandte ihm fortwährend sein freundliches Wohl-\nwollen zu, und er erwarb sich in Hildburghausen bald\nviele innige Freunde. Abends musste Zöllner oft mit dem\nfürstlichen Gönner speisen, namentlich wenn vom Herzog\nselbst geschossenes Wildpret, insbesondere auch Rebhüh-\nner, auf der Tafel waren. Nach Tisch wurde dann um neu\naus der Münze kommende Kupfermünzen, oft bis nach\nMitternacht, Häufeins gespielt, wobei mancher Scherz un-\nterlief. Sein Dienst-Einkommen war gering. Der Herzog\nsprach darüber mehrfach sein Bedauern aus. „Geldzulage\nkann ich Ihnen leider nicht geben,\" sagte er unter Ande-\nrem, „aber Holz sollen Sie so viel erhalten, wie Sie wol-\nlen, und sollten es fünfzig Klafter sein.\"\n„Mein Himmel!\" erwiederte Zöllner, „was soll ich\nmit so viel Holz thun?\" „Sie können's ja verkaufen!\" ent-\ngegnete der Herzog.\n„Das geht ja nicht; ich kann doch als Kammermu-\nsicus nicht mit Holz hocken.\" „Nun, wie Sie wollen,\"\nschloss der Herzog, „ aber ich hätte es Ihnen gern gegeben.\"\nHildburghausen fiel bald darauf an Sachsen-Meinin-\ngen, und hier in Meiningen fand Zöllner durch Empfeh-\nlung seines Jugendfreundes Nohr, der daselbst Concert-\nmeister war, im Jahre 1827 eine Anstellung in der her-\nzoglichen Capelle. Im folgenden Jahre verheirathete er\nsich mit Emilie Oberländer aus Hildburghausen. Un-\ngeachtet er den liebsten Wunsch seines Herzens dadurch\nerfüllt sah, war doch sein Streben nach Vollendung seiner\nhöheren musicalischen Ausbildung so mächtig, dass er\nnoch in demselben Jahre einen sechsmonatlichen Urlaub\nnahm, um bei dem tüchtigen Theoretiker Umbreit, Or-\nganisten in Rehstätt bei Arnstadt, dem Schüler Kittel's\n(der noch J. Seb. Bach's Unterricht genossen hatte), den\nContrapunkt zu studiren.\n„In Meiningen fühlte er sich gar bald heimisch und\nerwarb sich rasch durch die Tüchtigkeit und Gediegenheit\nseines ganzen Wesens, durch die Biederkeit und Redlich-\nkeit seiner Gesinnung und-seines Handelns, durch seine\nanspruchlose Bescheidenheit, durch seine strenge Gerech-\ntigkeitsliebe und sittlichen Ernst, so wie daneben durch\neinen heiteren fröhlichen Sinn in geselligen Kreisen und\ndurch eine seltene Liebenswürdigkeit im persönlichen Um-\ngange die Liebe und Hochachtung aller seiner Mitbürger\nin hohem Grade. Der Herzog erfreute sich sehr an seinem\nreichen Talente, und alle seine Compositionen, selbst die\naus der ersten Zeit seines musicalischen Schaffens in Go-\ntha, kamen nach dem Wunsche desselben zur Aufführung.\n„Nach seiner Rückkehr nach Meiningen begann die\nHaupt-Blüthezeit seiner Lieder-Compositionen. Den ersten\nVersuch hatte er mehrere Jahre vorher mit einem Gedichte\nBechstein's gemacht. Als dieser noch in Arnstadt war,\nbesuchte er oft mit seinen Freunden ein sehr beliebtes\nBier-Local. Die schöne Tochter des Besitzers gab ihm Ver-\nanlassung, für seine Freunde unter dem Titel: „„Amor\nim Bierkeiler''\", ein humoristisch-satyrisches Gedicht zu\nfertigen, und dieses componirte Zöllner. Daran schlössen\nsich dann eine lange Reihe von Lieder-Compositionen, von\ndenen die meisten in Druck erschienen sind.\n„Ueberhaupt sind über 200 Lieder und grössere Ge-\nsangs-Piecen von Zöllner in Druck erschienen. Der bei\nWeitem grösste Theil derselben, 190, gehört dem Män-\nnergesange an, 25 dem gemischten Gesänge, und\ndie übrigen sind Gesänge mit Pianofo r te-Begieitu ng.\"\nDer Verfasser lässt hierauf das Verzeichniss der Lie-\nder-Compositionen folgen, „was er für um so nöthi ger\nhielt, da manche der besten seinem Namensvetter Karl\nZöllner in Leipzig zugeschrieben worden sind\". In jenem\nVerzeichnisse finden wir denn auch als von Andreas her-\nrührend die bekannten und so häufig gesungenen Stücke:\n„Das Gebet der Erde\", das „Doppelständchen\", „Dein\nWohl, mein Liebchen\", „Mein Stern\", „Streit der Wein-\nund der Wassertrinker\", „Der Gerichtshof\", „Die Liebe\"\nu. s. w. u. s. w.\nVon grösseren Tonstücken hat Zöllner die einactige\nOperette: „Felix oder das Jawort\", und die romantische"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.3", "texte": "Oper in vier Acten: „Der Einsiedler\", beide mit Text von\nBechstein (bei der zweiten pseudonym), geschrieben.\nAm 10. Januar 1838 gründete er die Liedertafel,\nden ersten Männer-Gesangverein in Meiningen. Es folgt\ndann in dem biographischen Schriftchen die Aufzählung\nder Sängerfeste, bei denen Zöllner theils thätig mitwirkte,\ntheils durch seine Compositionen und persönlich gefeiert\nvvurde.\nEr war ein grosser Freund der Natur und der Wan-\nderungen. In früheren Jahren weilte er besonders gern in\nLiebenstein, jenem reizenden Badeorte, der auch ein Lieb-\nlings-Aufenthalt von Jean Paul Richter war. Er liebte je-\ndoch auch die Geselligkeit, besonders des Nachmittags,\nwährend er die Abende fast regelmässig im Kreise der\nSeinen zubrachte. „Freilich bot ihm das Haus auch manche\nschmerzliche Prüfung. Mehrere von seinen acht Kindern\nwaren von frühester Kindheit an von schwerer Krankheit\nheimgesucht, und ais sie erstarkten und heranwuchsen,\nda wuchsen mit ihnen auch die Sorgen für ihre Erziehung\nund für ihr Fortkommen.\n„Und diese Sorgen waren es wohl auch zumeist, die\nseine ohnedies schwächliche Gesundheit immer mehr unter-\ngruben und namentlich in den letzten sieben Jahren sei-\nnes Lebens oft Monate lang den höchst peinlichen Zustand\nfast gänzlicher Schlaflosigkeit herbeiführten.\n„Um mit allen Kräften für das Wohl seiner Familie\nthätig zu sein und zugleich auch die Tonkunst auf die-\nsem Wege zu fördern, hatte er schon im Jahre 1829\nangefangen, Musik-Unterricht zu ertheilen. Wie uneigen-\nnützig er dabei war, davon können Viele Zeugniss geben.\nNicht selten hat er leider dabei schnöden Undank geärntet.\n„Von 1839 —43 leitete Zöllner mit dem ausgezeich-\nnetsten Erfolge den Gesang-Unterricht in der hiesigen\nRealschule, und bis zu seinem Tode war er als Musikleh-\nrer in dem Bernhardt'schen Institute thätig.\"\nIm Jahre 1833 war er in den Freimaurer-Orden ge-\ntreten und verwaltete Jahre lang das Amt des Schatzmei-\nsters der Loge in Meiningen. Im Jahre 1847 erannte ihn\nder Herzog zum Musik-Director.\nUnter den zahlreichen Ehrenzusendungen, die ihm zu\nTheil wurden, wollen wir hier am Rheine besonders zweier\nFässer 1857 er Hochheimer gedenken, die die Gebrüder\nWalter in Mainz den beiden Autoren des Trinkliedes:\n„Rhein und Main\", Müller von der Werra und Andreas\nZöllner, im Jahre 1859 zusandten. Unser Verfasser macht\ndabei die gar nicht üble Bemerkung: „Höchst wünschens-\nwerth wäre es, wenn dieses edle Vorbild der Herren Wal-\nter recht fleissige Nachahmung fände, so dass den Dichtern\nund Componisten, die oft Jahre lang keinen Tropfen Wein\nim Hause haben, dieser wahre Liederqueil sich öffnete.\"\nDas letzte Sängerfest, dem Zöllner beiwohnte, war\nder dritte Sängertag in Coburg, 21. 23. Juni 1860.\nHier erst machte er die persönliche Bekanntschaft seines\nNamensbruders Karl Zöllner aus Leipzig. Beide waren\njene Tage hindurch unzertrennlich. Karl erzählte unter\nAnderem, dass die Verwechslungen am häufigsten „Das\nGebet der Erde\" und „Dein Wohl, mein Liebchen!\" be-\ntroffen hätten, welche man ihm zu Ehren oft gesungen*).\nIn A. Zöllner's häuslichen Verhältnissen wechselten\nFreude und Leid. Seine älteste Tochter kehrte aus Ame-\nrica, wo sie ihren Mann, einen jungen Tonkünstler, ver-\nloren, mit zwei Kindern ins Vaterhaus zurück; die zweite\nist mit einem wackern Landwirthe verlobt. Er selbst litt\nan der Brust, wiederkehrende Blutstürze griffen seine Ge-\nsundheit sehr an, so dass er seinem Lieblings-Instrumente,\nder Geige, ganz entsagen musste.\nBis acht Tage vor seinem Tode besuchte er noch re-\ngelmässig die Nachmittags-Gesellschaft im „Johannes\",\nwo er stets seine vertrautesten Freunde fand. Charakte-\nristisch ist, was er in diesem Kreise nach der Bestattung\neines Bekannten äusserte: „Es ist unrecht, den Grabge-\nsängen so traurige Melodieen zu geben. Ich habe mir mei-\nnen Grabgesang in ganz anderer Weise componirt. Als\nGrundzug klingt die Melodie durch: „„Freut euch des\nLebens, weil noch das Lämpchen glüht\"\". Man muss die\nLeidtragenden erheben, trösten und erheitern.\" In der\nThat hat sich dieser Grabgesang in seinem Nachlass vor-\ngefunden. Am 23. Februar 1862 warf ihn eine Lun-\ngen-Entzündung aufs Lager; die Kraft zum Widerstande\n\n*) Karl Zöllner, geboren 17. März 1800 zu Mittelhausen im\nWeimarischen, wurde, 14 Jahre alt, Thomasschüler in Leipzig,\nwo sich sein musicalisches Talent besonders unter Schicht's\nLeitung ausbildete. Er lebte in Leipzig als Gesanglehrer an\nverschiedenen Schulen und war als Componist vierstimmiger\nMännergesänge geschätzt. Er starb den 25. September 1860,\nalso kaum drei Monate nach dem Feste in Coburg. Als in\nden Concerten für die Hinterbliebenen Kar Ts auch er\nstarb arm die oben erwähnten Verwechslungen auch noch\nvorkamen, sagte Andreas, wie unser Gewährsmann berich-\ntet: „Es freut mich, wenn mein Name eine Kleinigkeit zu je-\nnen Unterstützungen beiträgt. Gott Lob, dass ich noch lebe\nund für die Meinigen sorgen kann!\" Er ahnte nicht, dass\nauch die Seinigen bald in dieselbe Lage kommen würden!\nBeide sind nicht zu verwechseln mit Karl Heinrich\nZöllner aus Oels in Schlesien (geb. 1792, gest. 1830 zu\nWandsbeck bei Hamburg), dem genialen Organisten und Cla-\nvierspieler, tüchtigen Componisten und Kritiker. Leider liess\nsein regelloses, wüstes Leben ihn nicht zu einer andauernden\nkünstlerischen Wirksamkeit kommen. Wenn diese umfang-\nreiche, pausbackige, kupferfarbige, dickfingerige Falstaff-Figur\ndie Nacht hindurch poculirt hatte und dann des Morgens früh\nauf die Orgel ging, so dauerte es dennoch nicht lange, und das\nFeuer des Genies sprühte wieder aus seinen Augen, und Hände\nund Füsse waren geschäftig, Alles zum Staunen zu bringen.\nL. B.\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.4", "texte": "fehlte dem geschwächten Körper; am 2. März dieses Jah-\nres, Nachts halb 11 Uhr, verschied er bei vollem Bewusst-\nsein. „Grüsse die Freunde! Grüsse sie alle!\" waren die\nletzten Worte, die er an seine treue Gattin richtete.\nAm 5. März wurde er beerdigt; zwölf Sänger aus den\nvier Vereinen der Stadt Meiningen trugen den Sarg und\nversenkten ihn neben der Ruhestätte seines vor zwei Jah-\nren dahingeschiedenen Freundes Ludwig Bechstein.\nNoch an demselben Tage erliess der Sängerkranz\nin Meiningen einen Aufruf zur Unterstützung der Hinter-\nbliebenen.\n„Ein Misston\" heisst es darin „beunruhigte das\nirdische Leben des theuren Freundes, die Sorge für seine\nzahlreiche, grösstentheis noch nicht versorgte Familie. Diese\nsieht nun jetzt, nachdem sie den Versorger verloren hat,\nmit um so grösserer Besorgniss in die Zukunft, insbeson-\ndere da der jüngste Sohn, als Zögling der Bau-Akademie\nzu München, noch wesentlicher Unterstützung bedarf. Es\nist unserer Ansicht nach eine heilige Pflicht für Deutsch-\nlands Sänger, sich der Familie liebethätig anzunehmen\nund Alles aufzubieten, um sie vor Mangel zu bewahren.\nAuf diese Weise kann die deutsche Sängerwelt am besten\nden Dank bethäligen, welchen sie dem Vollendeten für\nso reiche Kunstgenüsse schuldig ist.\"\nMögen denn die Tausende von deutschen Sängern\ndurch Concerte und Liedertafeln und Beiträge bekunden,\ndass ihre Begeisterung für das Vaterland und das deutsche\nLied nicht ein Erzeugniss augenblicklicher festlicher Stim-\nmung, sondern wahrer Herzens-Gesinnung ist! Mögen für\ndie Familie eines der edelsten Sangmeister in Deutschland\nimmer mehr reichliche Spenden fliessen, denn\ntrotz des rühmlichen Vorganges vieler Vereine sind noch\nlange nicht genug Mittel zur Erreichung des\nZweckes vorhanden.\n\nOperntheater in Wien.\n[„Wanda\", romantische Oper in drei Acten von Dr. Theodor\nvon Bakody, deutsch bearbeitet von Otto Precht!er,\nMusik von Franz Doppler.]\nDie erste neue Oper, welche in dieser Saison vorge-\nführt wurde, ist die vor zwölf Jahren im pesther National-\nTheater zum ersten Male gegebene „Wanda\", Text von\nBakody, Musik von Franz Doppler.\nDer gewählte Stoff ist bei Weitem nicht so schlecht,\nals man es nachgerade bei einem Operntexte vorauszu-\nsetzen gewohnt ist. Die Situationen folgen einander in ein-\nfach verständlicher Weise, einzelne Momente, namentlich\nder Schluss des zweiten Actes, sind entsprechende Unter-\nlagen zur musicalisch-dramatischen Ausarbeitung; von je-\nnem specifischen Libretto-Unsinn, welcher bei mancher\nOper den musicalischen Genuss verleidet, ist „Wanda\"\nnicht in verletzender Weise behaftet. Was endlich die\nPrechtler'sche Uebersetzung anbelangt, so muss zur\nEntschuldigung mancher Härten bedacht werden, wie\nschwierig es sei, einer bereits in anderer Sprache compo-\nnirten Musik eine Uebersetzung unterzulegen, namentlich\nbei der verschiedenartigen Prosodie der beiden Sprachen.\nAuch in der Beurtheilung von Doppler's Musik muss,\nwenn nicht die Zeit, so doch der Ort, wo sie entstanden\nist, berücksichtigt werden. Das Publicum des pesther Na-\ntional-Theaters theilt bekanntlich seine musicalischen Sym-\npathieen zwischen den Anklängen heimischer Gesangs- und\nTanzweisen und der rohen Effect-Arbeit der Neu-Italiäner.\nDoppler's Musik neigt sich indessen nicht übermässig zu\ndem letztgenannten Fehler und hat sich die erstgenannte\nEigenthümlichkeit in so fern zu Gute kommen lassen, als\nsie sich allerdings an volksthümliche Weisen lehnt, zwar\nnicht an ungarische, sondern an polnische und türkische,\nwie sie das Buch dem Componisten gleichsam entgegen-\nbrachte.\nDie geschickte Benutzung dieser verhältnissmässig sel-\nten dramatisch-musicalisch verwertheten Elemente ist an\nDoppler's Oper entschieden das Beste. Die im polnischen\nVolkstone gehaltenen Chöre der Bauern im ersten Acte\nsind in ihrer scharf rhythmirten Weise warm und schwung-\nvoll. Noch interessanter in seiner Art ist der Gesang des\nDerwisch mit dem Chor der betenden Muselmänner. Nur\nschien uns hier der Mittelsatz: „Der Du über Welten\nthronest\", zu unruhig schwankend, die ruhige Harmonie\ndieser sonst so stimmungsvollen Nummer störend.\nAber nicht nur die national gehaltenen, auch die übri-\ngen Chöre sind fast durchweg kräftig gehalten, mitunter\nsogar charaktervoll, wie z. B. der Rückzug der Tataren-\nkrieger vor dem drohenden Befehle Fendi's. Den sonstigen\nEnsemblesätzen, Finalen u.s. W.ist ziemliche Effect-Kennt-\nniss nachzurühmen; der erzielte Effect ist indessen von der\nmodernen Trompeten-Rohheit nicht freizusprechen.\nDie schwächste Seite der neuen Oper liegt unstreitig\nin der charakterlosen Gestaltung der einzelnen Personen.\nMit Recht strebt der Componist vorwiegend nach melodi-\nschen Wirkungen, und wir sind gewiss die Letzten, die\nihm das verdenken. Wenn nur die Melodie bei ihm sich\nnicht immer in banales Phrasenwerk verlöre, wenn nur\njede Gestalt ihren ausgeprägten Charakter, die Melodie\neine eigenthümliche und bezeichnende Form, der musica-\nlische Ausdruck eine dramatische Färbung hätte. Der\nComponist zeigt sich stärker in Episoden, als in den Haupt-\nMomenten, wo sein Werk culminiren soll; hier mangelt\nihm die schöpferische Kraft, wenn er es auch sonst an"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.5", "texte": "vielfachen Proben von Verständniss, Geschicklichkeit und\nselbst von Talent nicht fehlen lässt.\nDie Aufführung, die dem neuen Werke zu Theil\nward, war von sehr ungleichem Werthe und mitunter\nnicht sonderlich geeignet, die Schattenseiten desselben sorg-\nsam zu verdecken.\nVor Allem kann man Fräulein Wildauer wohl als\nSängerin von Geschmack und guter Methode hochstellen,\nals Darstellerin eines freilich beschränkten Rollenkreises\nnach Verdienst schätzen, und dabei doch finden, dass die\nTitel-Heldin Wanda in den Händen einer jugendlichen\nSängerin mit frischer Stimme und aus dem Innern\nschöpfendem Talente besser aufgehoben wäre. Freilich be-\nsitzt das Operntheater kein solches Mitglied, und bei Fräu-\nlein Wildauer kann man stets sicher sein, dass es an der\näusseren Wirkung auf einen Theil des ihr überdies freund-\nlich gesinnten Publicums nicht fehlen werde.\nDessgleichen ist es eine ausgemachte Sache, dass Herr\nWalter kein Helden-Tenor ist. Dass er aber aus Noth\nseinem eigentlichen Wirkungskreise entzogen und in Hel-\nden-Partieen beschäftigt werden „müsse\". Herr Walter\ngab sich alle Mühe, sang die milderen Stellen seiner Partie\nvortrefflich, vermochte aber den Wechsel und die Steige-\nrung heftiger Gefühle im Duett Timur's mit Wanda nur\nannähernd, nicht überzeugend auszudrücken.\nDie Herren Hrabanek, Mayerhofer, Lay und\nBähr genügten den Anforderungen des Textes und der\nComposition.\nDas Orchester, von Herrn Dessoff geleitet, hielt sich\nganz tüchtig; die Chöre, diesmal vortrefflich eingeübt, wa-\nren ganz ausnehmend kräftig und exact.\nUnter aller Kritik war dagegen die äussere Ausstat-\ntung der neuen Oper, nicht so sehr der neuen Decoratio-\nnen wegen, die bloss unbedeutend, als der Costüme we-\ngen, von deren Erbärmlichkeit und Geschmacklosigkeit\nman sich, wenn man es nicht mit angesehen hat, nicht\nleicht einen Begriff machen kann. Indem wir dieses schrei-\nben, geht freilich ein Ballet in Scene, auf welches viele\nTausende vergeudet werden; —da erklärt sich leicht die\nKnauserei an dem Werke eines noch wenig bekannten\neinheimischen Componisten!\nUeber den Erfolg des ersten Abends konnte sich Herr\nDoppler übrigens nicht beklagen. Er wurde mit den Sän-\ngern nach jedem Acte mehrmals gerufen.\nDie Oper erhält sich übrigens unter fortwährend gün-\nstiger Aufnahme auf dem Repertoire.\n(Wiener Recensionen.)\n\nDie Cursaal-Concerte und die Oper in Wiesbaden.\n\nDie schönen Herbsttage haben die hiesige Saison,\nwenn auch nicht in Bezug auf die eigentlichen Badegäste,\nso doch auf die Vergnügungs- und Erholungs-Reisenden,\nbis spät in den October verlängert. Da aber die Schatten\nvon den Bergen sich immer früher und früher am Nach-\nmittage über die Ebene erstreckten, so sorgten die Thea-\nter-Intendanz und die Administration des Cursaales dafür,\ndie längeren Abende durch reichlich dargebotene Kunst-\ngenüsse zu verschönern.\nMan muss es der Letzteren nachrühmen, dass sie auch\ndieses Jahr mit gewohnter Liberalität eine grosse Anzahl\nbedeutender Künstler veranlasst hat, in ihren Concerten\naufzutreten. Dass bei der Wahl derselben auch Missgriffe\nvorgekommen, vielleicht auch hier und da persönliche Ein-\nflüsse gewaltet haben, ist eben so wenig zu läugnen, als\ndass die Aufstellung der Programme dem Fremden-Publi-\ncum aus allen Ländern und aus Regionen der Gesellschaft,\nin denen die Kunst nur als Zeitvertreib und Zerstreuungs-\nmittel betrachtet wird, Concessionen machen musste. Im-\nmerhin defilirt doch dabei eine stattliche Reihe von Be-\nrühmtheiten, und es gibt unter ihnen auch Künstler, welche\ndas Wagniss, dem Bade-Publicum gediegene Musik zu\nbieten, mit Glück bestehen und auch den besseren Ge-\nschmack und höhere Ansprüche an die Kunst befriedigen.\nZu diesen konnten wir in diesem Sommer das Geigen-\nQuartett der Gebrüder Müller, Hans von Bülow,\nLotto, Alfred Jaell, Louis Brassin, Vieuxtemps\n(bis auf den leidigen Yankee, hier ameri-\ncain genannt!), zuletzt noch Dionys Pruckner zählen,\nwelcher das Concertstück in F-moll von C. M. v. Weber\nrecht gut vortrug. Von Sängerinnen und Sängern können\nwir nur Frau Dustmann-Meyer und Herrn Karl\nSchneider in diese Kategorie aufnehmen, während wir\nnatürlich der Virtuosität einer Künstlerin wie Fräulein\nArtot volle Berechtigung zuerkennen und ihr\ngern einräumen, zu singen, was sie wolle (z. B. eine Ca-\nvatine aus Donizetti's Maria di Rohan, ein Rondo aus Rös-\nsings Cenerentola und den unvermeidlichen Bado von\nArditi), weil die Art, wie sie es singt, Einen nicht zur\nBesinnung über den Inhalt der Composition kommen lässt.\nDas Theater ist in der That bei den doch immer nicht\ngrossen Mitteln, über welche die Intendanz verfügen kann,\nauf eine Leistungsfähigkeit in der Oper gebracht, welche\ndie höchste Anerkennung verdient. Wir legen dabei ganz\nbesonderen Werth auf das Ganze der Aufführungen, auf\nein Zusammenwirken und Ineinandergreifen der vorhan-\ndenen Kräfte, wie man es heutzutage wahrlich nur selten\nfindet. Hauptsächlich desshalb bietet die Oper in Wiesba-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.6", "texte": "den dem wahren Kunstfreunde einen schönen Genuss;\nman fühlt sich dabei in einer wirklich musicalischen\nSphäre und erkennt sehr bald, dass die Leitung des Ca-\npellmeisters Hagen mit künstlerischem Geiste über dem\nGanzen waltet, dass ein gediegener und vielerfahrener Mu-\nsiker, ein Dirigent ersten Ranges an der Spitze steht. Eine\nBühne, welche Mozart's „Zauberflöte\" so aufführen\nkann, wie wir sie am 18. October hier gesehen haben,\nnimmt einen ehrenvollen Platz in der musicalischen Welt\nein, welcher weit über ihre äusseren Verhältnisse hinaus-\ngeht. Es fehlte dabei durchaus nicht an einzelnen vorzüg-\niichen Leistungen, z. B. von Fräulein Tipka als Königin\nder Nacht, Fräulein Huttary als Pamina, Herrn Caf-\nfieri als Tamino; allein diese findet man auch anderswo,\nwiewohl ein Tenor wie Herr Caffieri jetzt selbst an gros-\nsen Hofbühnen vergeblich gesucht werden dürfte; allein\nwas die Wiesbadener Aufführung auszeichnet, ist die ge-\nwissenhafte Reproduction der Oper als eines Kunstwerkes\nim Ganzen, bei welcher z. B. sowohl die drei Damen als\ndie drei Genien angeleitet worden waren, die Bedeutung\nihrer Aufgabe zu erkennen, die sie dann auch musicalisch\ntüchtig lösten, und die Gewissenhaftigkeit im Orchester\nsich bis auf die Anschaffung der vorgeschriebenen Basset-\nhörner erstreckte, welche recht gut geblasen wurden. So\nging denn das unsterbliche Meisterwerk Mozart's nicht wie\neine durch Glanz und Prunk blendende, aber wie eine\nGeist und Herz innig erfreuende, wohlthuende Erschei-\nnung an uns vorüber und hinterliess, wenigstens in jedem\nfür wahre Kunst empfänglichen Gemüthe, einen dauern-\nden Eindruck.\nAber auch die Aufführungen von Marschner's\n„Templer und Jüdin\" und von Verdi's „Trovatore\" wa-\nren lobenswerth und zeigten die einzelnen Mitglieder der\nBühne in hellem Lichte. Fräulein Lehmann ist eine dra-\nmatische Sängerin von grossen Mitteln und eine talentvolle\nSchauspielerin, bei welcher nur der gänzliche Mangel\neiner halbwegs deutlichen Aussprache des Deutschen (sie\nist eine Dänin) zu bedauern ist. An höherer Vollendung\ndes kunstgemässen Gesanges fehlt freilich auch noch viel,\naber angeborene Darstellungsgabe in Verbindung mit\neiner kräftigen und wenn sie nicht forcirt wird voll-\ntönenden und wohllautenden Stimme machen ihre Re-\nbecca und Azucena zu durchschlagenden Leistungen, zumal\n1 ür das Publicum unserer Zeit. Die Stelle der Frau Deetz,\ndie gegenwärtig bei der deutschen Oper zu Rotterdam\nebenfalls schon der Liebling des Publicums geworden,\nwas sie hier in hohem Grade war, ist freilich nicht voll-\nständig ersetzt durch Fräulein Huttary, aber diese junge\nDame (aus Prag, wenn wir nicht irren) vereinigt mit einer\nlieblichen Erscheinung eine frische, starke, bildungsfähige\nStimme und wird unter der guten Anleitung, die hier\nnicht fehlen wird, ihr vielversprechendes Talent schnell\nentwickeln.\nHerr Bertram bewährte sich als Templer und Graf\nde Luna, besonders in ersterer Rolle, als ein tüchtiger,\nmusicalisch gebildeter Sänger. Seine Baritonstimme ist aus-\ngiebig genug, lässt jedoch an wohllautender Fülle und So-\nnorität Einiges zu wünschen übrig. Die anstrengende und\ngrosse Forderungen an den Sänger und Darsteller ma-\nchende Partie des Bois Guilbert führte er recht wacker\nund mit Ausdauer in Kraft und Feuer durch, und es ist\nimmer erfreulich, einen Sänger zu hören, der mit Marsch-\nner's Musik so vertraut ist, wie Herr Bertram.\nDer glänzendste Stern der hiesigen Oper ist unstreitig\nHerr Caffieri. Anfangs in Köln zu anderem Lebensberufe\nbestimmt, fühlte er noch früh genug, dass ihm die Natur\ndurch die Gabe einer prächtigen Tenorstimme gewisser\nMaassen die Pflicht aufgelegt hatte, diese Stimme auszu-\nbilden und sich der Kunst zu widmen. Er verliess desshalb\nin Marseille den kaufmännischen Beruf und ging nach Ita-\nlien. Dort studirte er in Florenz und Neapel italiänische\nSprache und Gesang, begann seine Theater-Laufbahn auf\ndem Teatro nuovo in Neapel und war bei der Scala in\nMailand engagirt, als ihn die politischen Zustände in Ita-\nlien, nachdem er sechs Jahre in dem schönen Lande zu-\ngebracht, wieder nach Deutschland führten. Während er\nin Mannheim kurze Zeit, dann zwei und ein halbes Jahr\nin Breslau sang, arbeitete er eifrig an seiner Fortbildung\nund ist jetzt seit anderthalb Jahr Mitglied des Hoftheaters\nin Wiesbaden. Nach den Leistungen, die wir von ihm die-\nsen Sommer gehört Florestan in Fidelio, Raoul in den\nHugenotten, Ivanhoe in Templer und Jüdin, Tamino in\nder Zauberflöte, Lohengrin, Manrico im Troubadour—,\nmüssen wir Herrn Caffieri zu den ausgezeichnetsten Teno-\nristen unserer Zeit zählen, ja, was die Frische und Kraft\nder Stimme betrifft, dürfte er von Keinem übertroffen\nwerden. Er schlägt das berühmte von Tamberlik u. s. w.\nmit der Bruststimme mit einer nicht etwa bis zu schnei-\ndender Schärfe hinaufgetriebenen, sondern klang- und ton-\nvollen natürlichen Kraft an, und trotz dieser Kraft macht\ndie Biegsamkeit seines Organs im Vortrage zarten Gesan-\nges, welchen Rollen wie Tamino und Ivanhoe an so vielen\nStellen erfordern, einen Schmelz möglich, der sich die\nSympathieen der Zuhörer auf der Stelle erwirbt. Wir sind\nallerdings der Ansicht, dass der italiänische Gesang seine\nVorzüge bis jetzt noch mehr ins Licht stellt, als der deut-\nsche, aber die Gewissenhaftigkeit, mit welcher er z. B. den\nTamino und den Florestan singt, geben uns die Gewiss-\nheit, dass er auch die deutsche Musik vorkommen zu wür-\ndigen weiss und ihres Vortrages immer mehr und mehr"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.7", "texte": "Meister werden wird. Unsere Meinung über diesen Sänger\ntheilte auch Herr Calzado, der Director der italiänischen\nOper in Paris, der in Wiesbaden war, um Herrn Caffieri\nglänzende Anerbietungen für Paris zu machen, welche die-\nser wegen seiner Verbindlichkeiten gegen die hiesige Bühne\nablehnte. Es ist sehr zu wünschen, dass dieser noch junge\nund eifrig emporstrebende Künstler den deutschen Büh-\nnen erhalten werde.\nAn Herrn Karl Schneider hat Wiesbaden freilich\neinen schwer zu vergessenden Verlust erlitten, denn er\nsteht als lyrischer Tenor und als kunstgebildeter Sänger\nauf einer hohen Stufe. Der Versuch, ihn bei der hiesigen\nBühne durch einen Tenoristen, der als Graf Almaviva in\nRossini's „Barbier\" auftrat, auch nur einiger Maassen zu\nersetzen, schlug gänzlich fehl.\nIn Mainz hörten wir am 15. October zur Vorfeier\ndes Schiller-Festes Händel's Oratorium „Judas Macca-\nbäus\" im Theater unter Herrn Riehl'sLeitung. Den Chor\nbildeten der mainzer und ein grosser Theil des Wiesbade-\nner Singvereins, welchen letzteren jetzt Herr Capellmeister\nHagen leitet. Die Ausführung des Werkes war nur theil-\nweise gelungen, wennschon die Chöre, mit frischen Stim-\nmen besetzt, meist gut gingen; allein weder mit der Auf-\nlassung der Tempi, die oft zu schnell genommen wurden,\nnoch mit der technischen Leitung des Dirigenten konnten\nwir uns einverstanden erklären. Die Präcision der Einsätze\nmangelte häufig; Nuancen im Vortrage fehlten zwar nicht,\nallein sie waren zu grell contrastirend und hörten sich als\ngar zu schulmässig abgesetzt an. Das Orchester war\nschwach und nicht immer mit dem Dirigenten einig; na-\nmentlich war die Begleitung der Recitative fast nie präcis.\nWoher Herr Riehl sich das Recht nahm, in dem Chor\nNr. 21, G-dur,3/8-Tact: „Dringt ein in die Feinde!\"\nzwei verschiedene Tempi anzuwenden, ist uns ein\nIläthsel. Nachdem er nämlich im Allegro, das er beinahe\nwie ein Presto nahm, begonnen, setzte er plötzlich bei dem\nMittelsatz in D-dur(„ That thpovfr,\ntions may Jcnow\") mit Andante ein, fiel dann mit den Sechs-\nzehnteln der Geigen in G-dur wieder ins Allegro, brachte\ndas Andante dann nochmals an und so fort wechselnd bis\nzum Schluss ja, selbst vom Nachspiel des Orchesters\nliess er die ersten acht Tacte Allegro, die letzten acht An-\ndante spielen!!— Von den Solisten war der Judas Macca-\nbäus durch Herrn Zottmayr vom Theater zu Frankfurt\nam besten vertreten; dem Bassisten fehlte Auffassung und\nrichtiger Vortrag besonders des Recitativs, denn er sang\nz. B. in Nr. 8 „Hinfort sei Maccabäus euer Fürst!\"\n{piano), und den Schluss:\nsang er, verführt durch die Uebersetzung, die von „See-\ngen\", statt von „Sieg\" spricht, sehr sentimental piano.\nDie beiden Israelitinnen (Sopran 1 u. 2) waren ihrer Auf-\ngabe ebenfalls nicht ganz gewachsen, ja, sie detonirten in\ndem letzten Duett des zweiten Theiles: „Nein, niemals\nbeugten wir das Knie\", auf consequente Weise von An-\nfang bis zu Ende. Am besten und würdigsten ging der\nSchluss-Chor des ersten Theiles: „Hör' uns, o Herr, der\nGnade Gott!\"\n\nL. B.\n\nErstes Abonnements-Concert in Elberfeld.\nSamstag, den 1. November.\nZur Eröffnung der Winter-Concerte war die Aufführung von\nSchümanns Werk: „Scenen aus Göthens Faust\", gewählt\nworden, und sie fand am ]. d. Mts. im grossen Saale des Casino\ndurch die Mitwirkung eines zahlreichen Chor- und Orchester-Perso-\nnals unter der tüchtigen Leitung des Musik-Directors Herrn Her-\nmann Schornstein Statt. Das Unternehmen, diese Musik, welche\nneben einem guten Chor viele und musicalisch ganz durchgebildete\nSolisten und ein sehr gutes Orchester erfordert, aufzuführen, war\neine allerdings sehr ehrenvolle Aufgabe denn Elberfeld war die\nzweite Stadt, welche nach der ersten Aufführung zu Köln im vori-\ngen Winter sich das grosse Vermächtniss Schümanns an die deut-\nsche Nation aneignete —, aber auch eine sehr schwierige, und da\nbei Kunst-Productionen der Spruch: ~/n magnis et volulsse sat est\",\neigentlich keine Gültigkeit haben darf, sondern vielmehr der andere:\nTu videas, quid valeant humeri, quid ferre recusent! so dürfen wir\nauch nicht verschweigen, dass ein Theil der aufgebotenen Kräfte\ndieser Aufgabe nicht gewachsen war. Dies zeigte sich jedoch haupt-\nsächlich nur in der dritten Abtheilung, obwohl auch hier der An-\nfangs-Clior; „Waldung, sie schwankt heran\", recht schön ausgeführt\nwurde, was auch bei den kräftigen Stellen des gewaltigen Chors:\n„Gerettet ist das edle Glied\", so wie bei der ersten Abtheilung in\nder Scene im Dom mit dem Dies irae der Fall war. Bei letzterem\nverstärkte auch die Orgel die Wirkung des Orchesters auf gross-\nartige Weise. Es verdient mithin die sorgfältige Einstudirung des\nWerkes und die Leitung des Ganzen die volle Anerkennung der\nFreunde dieser grossen, wunderbaren Composition, die dadurch doch\nwieder einen weiteren Schritt vorwärts auf dem Boden, den sie sich\nerobern muss, gemacht hat. Wenn wir nun noch sagen, dass Ju-\nlius Stockhausen die Partie des Faust gesungen und in der\ndritten Abtheilung auch die Partie des Pater profundus und des\nDoctor Marianus übernommen hatte, so brauchen wir nicht hinzu-\nzufügen, dass der bewundernswerthe Vortrag dieser Sologesänge sei-\nnen mächtigen Zauber auch in so fern über das Ganze übte, als\ndie kleineren Mängel der Aufführung gegen die Vollkommenheit\neiner solchen Darstellung der Haupt-Partieen verschwanden. Freilich\nstand Stockhausen unter den übrigen Solisten auch einzig und hoch\nhervorragend da; aber wo wird das nicht der Fall sein, wenn er\ndiese Musik singt, aus welcher er ein besonderes tiefes Studium ge-\nmacht hat und die er mit grosser Liebe als ein wahrer Apostel\nSchumann's umfasst und wreiter trägt? Selbst Fräulein Henriette\nRöhn aus Mannheim, eine Sängerin, die wir sehr hoch schätzen\nund die auch an jenem Abende ihrem Rufe treu blieb, vermochte\ndoch nicht, sich zu dein idealen Vortrage zu erheben, den der Ge-\nsang des „Gretchen\" verlangt; es ist das nun einmal nicht ihr Genre,\nund das muss man auch bedenken, der Gesang: „Ach neige, du\nSchmerzensreiche\", gehört eben nicht zu den gelungensten in dem\nWerke. Die Herren Göbbels (Tenor) von Aachen und Fassben-\nder (Bass) vom Theater zu Elberfeld führten ihre Partieen correct"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621108-01.1.8", "texte": "aus, aber ohne mit bedeutendem Eindruck in das Ganze einzugrei-\nfen. Am besten gelang Herrn GÖbbels der Vortrag der ersten Strophe\ndes Pater ecstaticus in der dritten Abtheilung.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Ueber die Aufführung des „Paulus'* am Todestage\nMendelssohn's am 4. November in dem zweiten Gesell-\nschafts-Concerte im Gürzenich berichten wir in der nächsten\nNummer.\nKarlsruhe« Am Freitag den 14. November wird F. Hil-\nlens neue Oper „Die Katakomben\" hier gegeben. Der Compo-\nnist verweilt bereits unter uns, um den General-Proben beizuwohnen.\n** Leipzig, 2. November. Ich freue mich, Ihnen mittheilen\nzu können, dass Herr Isidor Seiss aus Köln in unserem vier-\nten Gewandhaus-Concerte am 30. October mit grossem Er-\nfolg aufgetreten ist. Das Es-dur-Concert von C. M. von Weber,\nmit welchem er sich, wie ich mich erinnere, bei Ihnen so glänzend\neingeführt hat, machte auch hier durch den brillanten und zugleich\nsehr ausdrucksvollen Vortrag grosse Wirkung; wir heben mit Ver-\ngnügen den trefflichen, tonvollen Anschlag und das echt musicali-\nsche Spiel des jungen Künstlers hervor. Die Wahl der kleineren\nCiavierstücke, die er an demselben Abende spielte, war nicht so\nglücklich getroffen, als die des Concertes. Eine Gigue von Berger,\neine Etüde von Chopin und ein wenig bekanntes Scherzo aus Op.\nIG von Mendelssohn, obwohl feine und reizende Stücke, rauschen\nan dem grossen Publicum zu schnell vorüber, als dass es sich da-\nfür recht interessiren könnte. Es dürfte der Rath an Herrn Seiss zu\nrechtfertigen sein, vor der Menge auch den Virtuosen neben dem\nMusiker mehr zur Geltung zu bringen. [Das heisst doch hoffentlich\nund von Leipzig aus! in übrigens gediegenen Compositionen;\nnur dann sind wir damit einverstanden. Die Redaction.]\nAus Wien wird zur Ergänzung des oben gegebenen Berichtes\nüber die Oper „Wanda\" mitgetheilt, dass die Gerüchte über das\nHonorar des Componisten, die zwischen 300 und 3000 Gulden\nschwankten, durch einen officiellen Brief des Herrn Doppler nicht\naufgeklärt worden sind, da derselbe sich in dieser Beziehung nur\n„der vollsten Zufriedenheit\" rühmt.\nEben daher ist die Nachricht, dass J. Stockhausen und Frau\nBellart-Sulz er für den Gesang-Unterricht an der neuen Opern-\nschule (s. Nr. 44) angestellt werden sollen. Die verwitwete Frau\nMarsch n er -Jan da aus Hannover hat die Absicht, sich ebenfalls\nals Gesanglehrerin in Wien niederzulassen.\nDeutsche Tonhalle«\nUeber die auf unser Preis-Ausschreiben vom October 1861 s. Z.\neingekommenen sechszehn Compositionen des Preisgedichtes von Dr.\nK. A. Mayer für vierstimmigen Männergesang mit Harmonie-Beglei-\ntung habenj die vereinssatzungsmässig erwählten Herren Franz\nLachner, Heinrich Neeb und Joseph Strauss gefälligst das\nPreisrichter-Amt ausgeübt, in der Beurtheilung dieser Werke aber\nkeine zureichende Stimmenmehrheit sich ergeben (Satz. 14 h). Jedoch\nei hielt das Werk des Herrn F. Lux in Mainz eine Stimme für den\nPreis und eine Belobung; das Werk des Herrn V. E. Becker in\nWürzburg wurde durch zwei Stimmen und die Werke der Herren\nEd. Guth und Lberh. Kuhn hier jedes durch eine Stimme be-\nsonders belobt.\nDiejenigen der übrigen Herren Preisbewerber, welche ihre Werke\nzurückbegehren, wollen dieses Verlangen unmittelbar an uns erge-\nhen lassen, und zwar in den nächsten sechs Monaten, da wir für\ndie Werke nicht länger haften können.\nMannheim, 23. October 1862.\nDer Vorstand."}]}