{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-11-15-01", "volume": "bmtnabi_1862-11-15_01", "ocr_sha256": "2f3dbe671419120deb59d3675b283ba888e2615a4794e76572a8eea058c04309", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/11/15_01/bmtnabi_1862-11-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 435, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Die grosse Oper: Halevy's „Jüdin\" - Die komische Oper: Pergolese's maitresse« Gre-\ntrys ~Z6mire et Azor\" Das Thiätre lyrique). Von B. P. Alexander von Zarzycki. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Sing-Akademie Bonn, Erstes Abonnements-Concert Barmen, Erstes\nAbonnements-Concert Würzburg, Soiree für Kammermusik Karlsruhe, F. Hiller's Oper „Die Katakomben\")."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "366", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Seit dem Brande der Magazinhäuser des Opern-\nthealers, bei welchem ein Theil der Decorationen der „Jü-\ndin\" in Flammen aufgegangen, war die Oper nicht gege-\nben worden. Nun regte der Tod des berühmten Compo-\nnisten die Theilnahme ganz besonders an und die erste\nVorstellung war zugleich eine Gedenkfeier: nach dem gros-\nsen Terzett des zweiten Actes, als man die Sänger heraus-\nrief, hob sich der Vorhang, und man sah die Büste Ha-\nlevy's, welche von den Damen Sax (Rachel), Vandenheu-\nvel-Duprez (Eudoxia) und den Herren Gueymard (Eleazar),\nObin (Cardinal) und Dulaurens (Prinz Leopold) unter dem\nEnthusiasmus des brechend vollen Hauses bekränzt wurde.\nDie Besetzung der Bollen ist vortrefflich in musicalischer\nHinsicht; in der Darstellung erreicht aber Fräulein Sax\ndie frühere Bachel, Madame Falcon, keineswegs, ja, es\nist eigentlich unverantwortlich, dass auf dem ersten Opern-\ntheater Frankreichs in Scenen der höchsten tragischen\nLeidenschaft, wie die Anklage Leopold's vor allem Volke,\ndie Sängerin mehr mit dem Publicum beschäftigt ist, als\nmit der Situation auf der Bühne. Und wo ist die alte\nstrenge Censur der Regie dieses Kunst-Instituts in Bezug\nauf die Treue der Costüme und der ganzen äusseren Er-\nscheinung geblieben, wenn der Darstellerin der Jüdin er-\nlaubt wird, in der allermodernsten Frisur mit hoch über\nder Stirn aufgedrehtem Haar zu erscheinen? Und das ist\nbei Fräulein Sax um so auffallender, weil sie scharf blon-\ndes Haar hat, das dem Bilde einer israelitischen Schönheit\nohnedies nicht günstig ist.\nDer Eleazar ist eine der besten Schrei-Partieen Guey-\nmapd's, die Ausdauer und Kraft der Stimme ist bewunderns-\nwerth, ein Duett mit dem Cardinal (Obin) ist ein wirkliches\nPrachtstück. Der Tenorist Dulaurens ist in der Provinz\nentdeckt worden; er hat eine fast erschreckend starke\nStimme voll des reinsten Metalls, welche er in der letzten\nZeit auch besser als Anfangs behandeln lernt, wie er in\nder Jüdin und besonders auch in Bossini's Teil bewie-\nsen hat. Die Partie des Leopold trat durch ihn ganz an-\nders als sonst hervor; namentlich im Terzett des zweiten\nActes wirkte er Wunder, und Gueymard rettete seine\nUeberlegenbeit hauptsächlich nur durch sein vortreffliches\nSpiel. Es ist immerhin erfreulich, dass Halevy's Meister-\nwerk sich mit so glänzendem Erfolge seit dem Juni bis\nheute (Anfang November) auf dem Repertoire erhält, nur\nmit einer kurzen Unterbrechung, die ein Urlaub Guey-\nmard's veranlasste.\nIm „Teil\" trat zum ersten Male Madame Marie\nCinti-Damoreau auf, die Tochter der grossen Sängerin,\nwelche vor Jahren mit Nourrit und Levasseur dem Ge-\nschrei, das den französischen Opernsängern den Namen\nder liurleurs(Heuler) zugezogen hatte, ein Ende machte\nund der wahren Kunst des Gesanges wieder ihr Becht ver-\nschaffte. Die Tochter ist ein Diminutiv der Mutter, sehr\nreine Intonation, Feinheit und Geschmack im Vortrage\nsind bei etwas geringerem Stimm-Material da. Jedoch ist\ndie Stimme, wenigstens in den Solostücken, ausreichend\nhörbar und hat jedenfalls das eine Gute, dass sie die Be-\nsitzerin nicht zum Schreien verführen wird.\nIm Theater der komischen Oper sind die Wieder-,\naufnahmen alter Opern aus dem vorigen Jahrhundert im\nGange. Ohne Erfolg blieb Dalayrac's Musik zu der ein-\nactigen Oper „Die zwei Worte oder die Nacht im Walde\";"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5072, "texte": "der Inhalt des Buches, eine läppische Räubergeschichte,\nkonnte die Musik, die viele Banalitäten und Längen hat,\nnicht heben. Dagegen sind „ von\nPergolese und „Zemire und Azor\" von Gretry\" mit\neinem Beifalle aufgenommen worden, der alle Erwartung\nüberstieg.\nDie zweiactige Oper „La Padrotia\" hat Per-\ngolese (Giovanni Battista Jesi aus Pergola, geb.\n1707, sehr jung, schon 1739, gestorben) im Jahre 1730\ngeschrieben und damit in Italien Glück gemacht. Im Jahre\n1752 kam das Werk mit der Gesellschaft der italiänischen\nBouffons unter Bambini nach Paris. Diese Gesellschaft gab\nso genannte Intermezzi im Theater der\nde Musique, und zwar an denselben drei Wochentagen,\nan denen grosse Oper war, wie Rousseau ausdrücklich\nsagt. Er setzt hinzu: „Die Vergleichung der beiden Mu-\nsikgattungen an einem und demselben Abende zog den\nFranzosen die Stopfen aus den Ohren\nfrangaises)', nach dem lebendigen, natürlichen und cha-\nrakteristischen Gesänge der Italiäner konnte kein Mensch\ndie Schlepperei der französischen Musik ertragen; sobald\ndie italiänische Komödie aus war, ging Alles nach Hause,\nund man sah sich am Ende gezwungen, die Reihenfolge\nzu ändern und die Operetten der Bouffons zuletzt zu\ngeben.\"\nKein Wunder, dass die Partei der französischen\nMusik gegen die Italiäner eingenommen war und mit\nCabalen und Einflüsterungen bei Hofe nicht eher ruhte,\nbis sie nach siebenzehn Monaten wieder verabschiedet\nwurden.\nAber damit war wenig gewonnen, denn die Revolu-\ntion des Geschmacks war einmal im Zuge und liess sich\nnicht mehr hemmen. Die Italiäner hatten etwa ein Dutzend\nkomischer Opern auf ihrem Repertoire, darunter zwei von\nPergolese, die Serva padrona und II Maestro di mu-\nsica,den Parataggiovon Jomelli und von\nLeo, Componisten, die uns nur durch ihre Kirchen-Mu-\nsikstücke bekannt sind. Viele von diesen Partituren blieben\nin Paris, man machte sich an die Uebersetzung des Tex-\ntes, und so wurde schon den 14. August 1154 La ser-\nvante maitresse, übersetzt von Baurans, auf dem Theätre\nFavart gegeben.\nBald darauf (1757) kam Duni aus Italien nach Pa-\nris und componirte französiche Originaltexte nach der\nW eise der italiänischen o<pera bujfa, ihm folgten Phili-\ndor und Monsigny und diesen Gretry; kurz, die echte\nfranzösische komische Oper entwickelte sich aus jenem\nAnstoss, den die Italiäner in der Reaction des gesun-\nden Sinnes gegen den steifen, von der Hof-Aristokratie\noctroyirten Geschmack gegeben hatten. Die O-ouffons\ntriumphirten über die „Acteurs\nmusique\" !*)\nBei der jetzigen Wiederaufnahme der vor mehr als\nhundert Jahren zuerst hier gehörten Oper hat man nichts\nbinzugethan., als eine Ouvertüre, da Pergolese keine dazu\ngeschrieben hat. Gevaert hat den glücklichen Gedanken\ngehabt, dazu eine Clavier-Sonale von Scarlalti zu be-\nnutzen, die er sehr hübsch und den einfachen Orchester-\nmitteln, wie sie in der Oper angewandt sind, gemäss in-\nstrumentirt hat.\nDiese bestehen nämlich, mit sehr wenigen Ausnah-\nmen, nur im Geigen-Quartett und Contrabass. Aber auch\ndas Quartett ist meist nicht wirklich vierstimmig, da der\nBass durchweg in der tieferen, und die Bratsche ebenfalls\nsehr häufig in der höheren Octave mit dem Violonceli\ngehen. Auch die beiden Violinen gehen oft mit einander\nin Octaven. Trotzdem liegen doch auch schon charakte-\nristische Figuren im Orchester, die mitunter auch in leb-\nhaften Imitationen auftreten, so dass die Begleitung doch\nnicht monoton wird, zumal da zuweilen, doch meist nur\nals Verstärkung der Harmonie, zwei Fagotte, zwei Hoboen,\nzwei Hörner und eine Flöte (vielleicht auch zwei, aber\nunisono) mit drein klingen.\nDie Hauptsache ist natürlich der Gesang, und den\nführen nur zwei Personen aus, ein alter Murrkopf und\nseine hübsche junge Magd. Neben ihnen spielt ein Diener\nnoch eine stumme Rolle, der nur dazu da ist, Püffe und\nScheltworte vom Herrn und von der Magd anzunehmen\nund sich dabei so komisch wie möglich zu geberden.\nPandolphe (im Original Überto), ein alter Junggeselle, ist\nschwach von Verstand,, bequem, ärgerlich, polternd, aber\nohne Charakter; die Magd Zerbine lebhaft, keck, witzig\nund listig, bringt es endlich fertig, dass der Alte sie hei-\nrathet. Das ist die ganze Handlung. Der Text nach der\nalten Uebersetzung von Baurans ist beibehalten.\nDas ganze Interesse liegt mithin in der Musik und in\ndem charakteristischen Ausdruck derselben durch die Me-\nlodie, den Rhythmus und die Accentuation des Wortes.\nMan kann sie mit Einem Worte nicht besser charakteri-\nsiren, als wenn man sie komisch nennt, denn das ist sie\nin vollem Maasse, und man muss dabei recht von Herzen\nlachen, wenn man überhaupt noch lachen kann und es\nsich nicht ä la Mephisto vor Grämelei und blasirter Gähn-\n\n*) Ueber den Einfiuss, den die Musik jener komischen Oper auch\nauf die Vorbereitung des pariser Publicums zur richtigen Auf-\nfassung und Würdigung der späteren Musik Gluck's ausübte\nein Moment, das zu wenig in der Geschichte der Gluck'-\nschen Periode geltend gemacht worden ist —, vergleiche den\nAufsatz: „Zur Geschichte der komischen Oper\", in\nder Rheinischen Musik-Zeitung, 1851—1852, S. 593\nund 601. Die Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4919, "texte": "sucht abgewöhnt hat. Die Einfälle des Componisten sind\nwunderbar spassig, in den Arien trifft jede Note den Nagel\nauf den Kopf, jede Arie ist ein vollständiges Charakterbild,\ndas nicht zu verkennen ist, und zu dem auch alle Details\nder Musik passen. Freilich gehört guter Gesang und gutes\nSpiel in beiden Rollen dazu, im Bass drastische und derbe,\nim Sopran feine und schalkhafte Betonung, und in beiden\neine ganz untadelhafte Aussprache. Uebrigens kann man\ndie Musik erst ganz würdigen, wenn man den italiänischen\nOriginaltext ins Auge fasst, da der französische doch Man-\nches verwischt. So ist gleich in der ersten Arie des Alten,\nwo er seinen Unmuth ausschüttet: „Warten, wenn Nie-\nmand kommt, im Bette liegen und nicht schlafen, sich ab-\nmühen ohne Dank, sind drei Dinge zum Sterben!\"—der\nSchluss so componirt:\nwobei der Ausdruck sprechender ist, als mit dem franzö-\nsischen: „Sont trois sujetsd'aller Ein köstli-\ncher Zug ist dabei in den ersten Tacten das Nachschlagen\ndes Basses im Orchester, der in den letzten Tacten mit der\nSingstimme zugleich brummt. Die Besetzung war gut.\nDasselbe kann man nicht von Boieldieu's\nParis sagen, in welchem ein neuer Tenor Warnots nicht\neben glücklich, der Bariton Crosti (Seneschall) mit schöner\nStimme und guter Schule seine Parade-Arie durch schlep-\npendes Tempo verunstaltete, und Prinzessin und Page un-\ngenügend waren. Man sah da einmal wieder recht deut-\nlich, was für Leute dazu gehören, die echte, altfranzösische\nOper zu singen, nicht die figurirte und modernisirte der\nComponisten von Auber an.\nIm September brachte die Direction der komischen\nOper Marmontel's „Zemire und Azor\", Musik von\nGretry, wieder auf die Bühne, und zwar dieses Mal mit\nhistorischer Treue. Diese ging so weit, dass man nicht nur\nalles, was Adolf Adam bei der Wiederaufnahme im Jahre\n1846 namentlich im Orchester hinzugethan, wieder aus-\nmerzte, sondern auch die Gesangstücke und die Ballet-\nmusik, welche damals weggelassen worden, wieder her-\nstellte, Auch damit noch nicht zufrieden, hatte man die\nBühne so eingerichtet, wie bei der ersten Vorstellung der\nOper den 9. Nov. 1771 am Hofe zu Fontainebleau; die\nDecorationen zeigten den Styl jener Zeit, eben so die Co-\nstüme, und ein neuer Vorhang in den Zwischenacten stellte\ndie Hauptscene des dritten Actes nach einem damals be-\nrühmten Kupferstiche dar. Die Pariser hatten also einen\necht „retrospectiven\" Genuss, und die Direction macht\ngute Geschäfte und hat die Kosten der glänzenden Aus-\nstattung nicht zu bereuen.\nWenn man schon hei der ersten Erscheinung der\nOper, welche ursprünglich La hicss, weil\nsich die schöne Zemire in den thierähnlichen verwunsche-\nnen Prinzen Azor verliebt, den Witz machte, dass\nGretry's Musik und la BeteMarmontel's Poesie sei, so hat\ndoch der läppische Inhalt des Märchens die grosse Ver-\nbreitung der Oper nicht gehindert. Hat doch auch Spohr\nin Deutschland denselben Gegenstand zu einer Oper be-\nnutzt*). Gretry war, erst achtunclzvvanzig Jahre alt, aus\nseiner Geburtsstadt Lüttich vor fünf Jahren nach Paris\ngekommen, hatte bereits zwei Opern: (1768)\nund Le Tableau parlant(l769) auf die pariser Bühne\ngebracht und damit bedeutenden Erfolg gehabt. Der Him-\nmel hatte ihm die Gabe der Melodie verliehen und einen\ngewissen Instinkt für Harmonie; diesen hat er aber nie-\nmals zu wirklicher Wissenschaft ausgebildet, obwohl er in\nRom, wo er neun Jahre zubrachte (von seinem neunzehn-\nten bis siebenundzwanzigsten Lebensjahre), bei Casali Con-\ntrapunkt studirt hatte. Dafür aber halte ihm die Natur\nden richtigen Sinn für den melodischen Ausdruck der\nWahrheit der Empfindung gegeben, und in dieser Bezie-\nhung begründete er einen grossen Fortschritt der aus-\ndrucksvollen, an die Dichtung in Wort und Situation sich\nanschliessenden Musik, und man darf dreist sagen, dass er\ntrotz der verschiedenen Gattung dramatischer Musik, in\nwelcher Beide arbeiteten, dennoch im Princip ein wirkli-\ncher Vorgänger Gluck's war. Ja, man braucht nur seine\nEssais sur la musique zu lesen—denn er war auch Schrift-\nsteller—, um sich zu überzeugen, dass ihm auch der Feh-\nler Gluck's und seiner Nachahmer, den W ortausdruck auf\ndie Spitze zu treiben, nicht fremd war, so dass Mehul von\nmanchem Gesuchten in diesem Genre sagte, das sei Esprit,\naber keine Musik, und Andere meinten: „Gretry mache\nsehr ähnliche Portraits, sei aber kein Maler.\" Noch mehr:\nmit dem neuesten Gluckisten in Deutschland hatte er auch\ndie gränzenlose Eitelkeit gemein, nur seine eigene Musik\nfür Musik zu halten und auf jede andere ohne alles Hehl\nvornehm herabzublicken. Einst kam er mit einem Freunde\nan einem Abende ins Theater, wo sein „Richard Löwen-\nherz\" als zweites Stück gegeben werden sollte; vorherging\neine sehr beliebte und in der That vortreffliche Operette,\n\n*) Spohr's „Zemire und Azor\" ist 1818 geschrieben und wurde\nzuerst im Jahre 1819 im März zu Frankfurt am Main, wo\nSpohr damals Capellmeister war, gegeben.\nDie E e daction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5343, "texte": "deren zweiter Act eben begann, als sie in die Loge traten.\n,0 weh,\" sagte Gretry ganz laut, „wir sind zu früh ge-\nkommen!\"— Eben so enthalten seine Essais merkwürdi ge\nAeusserungen über sein System und seine Selbstliebe. So\nsagt er z. B. über die Stelle einer Arie in seinem Amant\no\njaloux, wo dem Liebhaber sich ein Zweifel aufdrängt:\n„Die Pause im Gesänge, das Abbrechen der Phrase ist\nvorzüglich gut getroffen, denn die zwei folgenden halben\nTöne im Orchester drücken die Geberde aus, die\nLopez macht; ich konnte sie ihn etwa auf oder\nsingen lassen, allein die Pause ist viel ausdrucksvoller.\"\nWas er selbst über „Zemire und Azor\" schreibt, ist\nvollends köstlich. Da heisst es unter Anderem:\n„Die Idee, den Ali in dem Duett mit dem Kaufmann:\n„Le temps est beau\" „tTen suis bien aise!\" gähnen\nzu lassen, fiel mir bei dem Ritornell ein, wo die gehalte-\nnen Noten des Fagotts mich darauf brachten. Das Gähnen\neines Sclaven, der von Weindunst berauscht einschläft, hat\neben so gut sein Charakteristisches, als das Ja oder Nein\neiner bestimmten Person. Indem ich den richtigen Aus-\ndruck des Gähnens Ali's zu finden suchte (en cherchant\nle baillement convenable), bemerkte ich, dass meine Ver-\nsuche meine ganze Familie, die bei mir im Zimmer war,\nzum wirklichen Gähnen brachten. Nun spielte ich ihr mein\nDuett vor, um sie über die Schläfrigkeit zu trösten, die sie\nbei mir vermutheten. Oft habe ich nachher im Theater gar\nViele gähnen gesehen, und war so kühn, zu hoffen, dass\nes nicht vor Langerweile geschah. Das Terzett:\nlaisses-moi la pleurer!u habe ich drei Mal auf verschie-\ndene Art componirt. Zwei Mal war es fertig, als Diderot\nmich besuchte. Er war ohne Zweifel nicht damit zufrie-\nden, denn ohne zu loben oder zu tadeln, fing er an zu de-\nclamiren: „Ah! laissez moi,\nIch legte diesem declamatorischen Schall Töne unter, und\nder weitere Verlauf des Stückes fand sich von selbst.*)\nMeine Oper Zemire hatte in der Provinz eben so glänzen-\nden Erfolg, als bei Hofe und in Paris; sie rettete mehrere\nTheater-Directionen vom Bankerott und wurde fast in alle\nSprachen übersetzt. Ein Franzose hat mir versichert, dass\ner in drei Theatern gewesen, wo man an einem und dem-\nselben Tage Zemire und Azor mit vlaemischem, deutschem\nund französischem Text gab; es war auf einer Messe in\nDeutschland**). In London gab man sie italienisch; als\nman da ein Rondo einschob, das nicht von mir war, rief\nman, als es gesungen war: Fort damit, das ist nicht\nGretry's Musik!\"\nNun, bei allen diesen Schwächen war Gretry denn\ndoch vorherrschend Musiker, so dass, wie später ebenfalls\nbei Gluck, die Musik mit der Reflexion durchging und die\nvom Verstände gesuchte Charakteristik durch das Genie\nzu einem musicalischen Kunstwerke wurde. Wenn auch\ndie Langweiligkeit mancher Situationen in Zemire und\nAzor nicht ohne nachtheilige Einwirkung auf die Compo-\nsition geblieben ist, so schlug doch auch heute noch die\ngrössere Anzahl der Nummern der Partitur mit vollstän-\ndigem Erfolg durch, und musicalische Witze, die aus\nGretry's Princip fliessen, wie z. B. in der Arie, in welcher\nAli seine Reise durch die Luft beschreibt, wo er singt:\nLa tete tou-ou-ou-ou-ourne d'y penser!\nwerden verzeihlich und wirklich komisch, wenn sie so wie\nvon Ponchard gesungen werden. Neben dieser drastischen\nKomik, die auch in dem oben bereits erwähnten Duett\nzwischen Ali und Sander, ferner in der Gespenster-Arie\nAli's und sonst noch hervortritt, hat Gr&ry für die Em-\npfindung, sowohl für zarte als leidenschaftliche, wahre und\nhöchst ansprechende Töne gefunden, die sich in den Arien\nder Zemire und des Azor (z. B. in dem reizenden Canta-\nbile: „Du moment qu'on aime\", das der Tenor Warnots,\nder seit seinem Debüt grosse Fortschritte gemacht hat,\nwiederholen musste), in den Terzetten u. s. w. als echt\nmelodisches Gut, welches nicht alt wird, bewähren.\nDie Instrumentirung ist allerdings einfach, aber kei-\nneswegs leer oder charakterlos; wenn auch das Quartett\ndie Hauptrolle spielt, so ist doch die bescheidene Anwen-\ndung der Blas-lnstrumerite da, wo sie Statt findet, sehr\nwirksam. Ein Violin- und ein Flöten-Solo sind mit Ge-\nschmack angebracht. Die Ouvertüre hat den Zuschnitt der\ndamaligen italiänischen Muster, d. h. drei kurze Sätze, ein\nlebhaftes Tempo, dann ein melodiöses Andante und zum\nSchluss ein rauschendes Allegro—eine Form, die Rousseau\nals aus praktischen Gründen entstanden und angenommen\nerklärte. „Nummer 1 zwingt die lärmenden Zuschauer zu\nallmählicher Ruhe auf ihren Plätzen; ist das durch ein\nkräftiges Forte erreicht, so macht eine sanfte, schmei-\nchelnde Melodie in Nummer 2 sie aufmerksam und ihre\nStimmung für das Sentimentale empfänglich; und in Num-\nmer 3 bereitet das geräuschvolle Allegro durch den Con-\ntrast auf die Stille vor, welche der Beginn des Gesanges\nfordert.\" Welch eine Bahn hat seitdem die Ouvertüre bis\nzu Mozart, Beethoven, Spontini, Weber durchlaufen!\nDie „Weisse Frau\" von Boieldieu kann man\neigentlich nicht zu den wieder aufgenommenen Opern zäh-\nlen, denn sie ist im Grunde niemals vom Repertoire des\nTheaters der Opera comiquegekommen, auf welchem sie\n\n*) Es ist beinahe, als hätte Gretry L. Köhler's „Melodie der\nSprache\" gelesen! Die Redaction.\n**) Auf einer Kirmess in Holland oder Flandern könnte es im-\nmerhin möglich gewesen sein. In Deutschland wurde übrigens\ndie Oper allerdings auch häufig gegeben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5354, "texte": "sich siebenunddreissig Jahre lang erhalten hat, ein Erfolg, :\nder in Paris wenigstens ohne Beispiel ist. Ihre erste Vor-\nstellung fand im December 1825 Statt. Es ist aber anzu-\nerkennen, dass die Direction Herr E. Perrin—die dies-\njährige Aufführung sehr sorgfältig mit neuen Decorationen\nu. s. w. in Scene gesetzt hat. Auch hat endlich der Chor,\ndurch frische Stimmen verstärkt, aufgehört, eine steife Gar-\nnitur auf beiden Seiten der Bühne zu bilden, und nimmt\nTheil an der Handlung. In der Besetzung war es haupt-\nsächlich Roger, der in diesem Jahre nach langer Zeit\nwieder mit seinem unvergleichlichen George Brown das\nPublicum herbeizog. Er nahm denn auch in dieser Rolle\nim September Abschied von der Bühne, und an seine\nStelle trat Leon Achard.\nEr ist der Sohn des einst beliebten Spiel-Tenors Achard\nim Theater des Palais Royal in Paris, hat das Conservatorium\nbesucht und trat zuerst im Theä auf. Sein treff-\nlicher Tonansatz, die reine Klarheit des Klanges seiner\nStimme und die deutliche Aussprache machten Aufsehen,\nallein die Direction wusste ihn nicht zu schätzen, und er\nging nach Lyon. Dort blieb er einige Jahre, zur Freude\naller verständigen Musikfreunde, die lieber singen als\nschreien hören und nicht zu ihrem vollständigen musicali-\nschen Genüsse die Aufregung der Angst verlangen, dem\nersten Tenor möchte eine Pulsader in der Brust springen.\nSein Ruf drang endlich auch nach Paris, Herr Perrin\nmachte sich auf, fand in ihm, was er suchte, und mehr,\nals er erwartete, und der Sänger widerstand nicht den\nSilberklängen, mit denen der Director seine Anträge be-\ngleitete.\nAm 4. October trat er in Paris als George Brown auf,\nund das ganz gefüllte Haus bestätigte einstimmig das Ur-\niheil der Lyoner. Seine Stimme hat nichts an ihrer Frische\n■verloren, aber an Umfang und Kraft gewonnen. Er schlägt\ndas a, b und hin der Höhe mit Leichtigkeit aus der Brust\nan; vielleicht hat er auch noch das aber man\njnöchte ihn im Namen der Kunst und seiner Gesundheit\nbeschwören, es drin zu lassen. Dabei hat sich die Stimme\nvollkommen gesetzt und ist so biegsam, dass Achard uns\nendlich wieder einmal die vermittelten Uebergänge aus\ndem forte zum piano und umgekehrt zu hören gibt, welche\ndie neueste grosse Schule des französischen Gesanges gar\nnicht mehr kennt. Endlich ist seine Vocalisation geläufig\nund correct, und das will ebenfalls heutzutage bei Männer-\nstimmen viel sagen. Sein Erfolg war sogleich durch den\nVortrag der ersten Arie: Qent-\nschieden, die er mit ungewöhnlichem Schwung und Humor\nsang. In der zweiten: Viens, gentille dame! und dem fol-\ngenden Duett entfaltete er einen solchen Reiz des Aus-\ndrucks und des Colorils, dass man wohl behaupten kann,\ner habe als lyrischer Tenor, wie wir sagen\nbei den Franzosen), keinen Nebenbuhler zu fürchten.\nSein Spiel scheint freilich noch der Ausbildung und\nSicherheit zu bedürfen, auch ist er kein schlanker Jüng-\nling mehr, sondern ein wenig wohlbeleibt, und der Vor-\ntrag des Dialogs ist noch zu hastig. Das wird sich indess\nschon bessern bei den hiesigen Umgebungen. Im Gesänge\nüberragt er diese Umgebungen aber unendlich, denn das\nEnsemble in der jetzigen „Weissen Dame\" ist mit dem\nfrüheren nicht zu vergleichen.\nAm 30. October fand die Einweihung des neuen\nTheätre lyriqueauf dem Platze Chätelet, der zu einem so\nschönen Garten umgeschafTen ist, Statt. Das neue Gebäude\nund die Umgebung strahlten in glänzender Erleuchtung,\ndie grosse Fontaine warf ihren wie Feuer schimmernden\nStrahl hoch über die Castanienbäume empor, doch alles\ndas war nichts gegen die Pracht im Innern des Hauses.\nAus einer geräumigen Vorhalle führt eine doppelte, breite\nsteinerne Treppe nach dem ersten Stock, wo der Foyer\nund die ersten Ranglogen sind. Der Foyer zum Promeni-\nren, im Verhältniss zu seiner Länge etwas schmal, ist ein-\nfach decorirt und hat an beiden Enden einen Salon mit\nschwellenden Div.ans.\nDer Zuschauerraum fasst jedenfalls mehr Menschen,\nals das alte Theater, und man sitzt bei Weitem bequemer.\nDie Sperrsitze (stalles)sind gut gepolstert und mit Leder\nüberzogen, sie klappen sich von selbst in die Höhe, wenn\nman aufsteht. Die Logen haben jede ein allerliebstes klei-\nnes Vorzimmer mit einem Sopha, auf dem man im roman-\ntischen Halbdunkel, ungeblendet vom strahlenden Lichte\nund dem Glänze der Toiletten, dem Gesänge lauschen\nkann. Das Parterre ist sehr klein, so dass man es vom\nBalcon aus gar nicht sehen kann; die Sperrsitze, welche\nwie in der italiänischen Oper auch von Damen besucht\nwerden können, nehmen fast den ganzen unteren Raum ein.\nEs ist also das neue Opernhaus ein ziemlich aristokra-\ntisches, auch in Bezug auf die Eintritts-Preise, welche hö-\nher als früher sind. Dasjenige Publicum, welches bei sei-\nnen Vergnügungen seine Gasse berücksichtigen muss, wird\nsich nicht hieher drängen. Ob die Direction—Herr Car-\nvalho ihre Rechnung dabei finden wird, muss die Zu-\nkunft lehren. Indess die Fremden werden hinströmen, denn\nso viel ist gewiss, man kann in ganz Paris kein schöneres\nSchauspielhaus sehen. Der Reichthum der Decoration\neinigt sich mit dem elegantesten Geschmack, das Gold ist\nverschwenderisch angebracht, aber die Verzierungen und\nArchitekturstücke, die es bedeckt, sind nicht plump und\nschwerfällig. Das Proscenium ist wunderbar prächtig. Nur\nder Vorhang entspricht der Pracht des Ganzen nicht. Das\nLicht fällt durch eine grosse Glaskuppel von oben herab,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1612, "texte": "wie im neuen Cirque olympiqueund im\nGatte; es ist fast zu blendend und fällt Einem so heiss\nund drückend wie Sonnenlicht auf den Kopf. Die Erfah-\nrung wird wohl Mittel an die Hand geben, es nach Will-\nkür zu massigen.\nDer grösste Vorzug des neuen Hauses besteht aber\nin der Akustik; Stimmen und Instrumente klingen wun-\nderbar voll und schön. Ob dieses herrliche Resultat den\nBerechnungen des Architekten des Theaters, Herrn Da-\nvioud, oder dem glücklichen Ungefähr zu verdanken ist,\nkann uns gleichgültig sein; kurz, es ist vorhanden und wird\nhoffentlich dazu beitragen, das Schreien der Sänger wenig-\nstens von dieser Bühne fern zu halten.\nDie Eröffnung begann mit einer „Hymne an die Mu-\nsik\", von Gounod für diese Feierlichkeit componirt, aus-\ngeführt vom Orchester und dem sämmtlichen Sänger-Per-\nsonale. Und welch ein Personal! Die Damen Viardot, Ca-\nbel, Faure-Lefebvre, Miolan-Carvalho, Girard, Moreau,\nGonetti, Willfeme und noch vier andere; die Herren Ba-\ntaille, Monjauze, Sainte-Foy, Balanque, Legrand, Wartel,\nGirardot, Leroy und noch sieben andere Sänger! Gounod's\nKomposition ist voll hübscher Effecte, aber ohne hervor-\nstechende Motive. Darauf folgte ein Concert, in welchem\ndie bedeutendsten von den genannten Künstlern auftraten,\nauch Mad. Viardot mit der Arie aus dem dritten Act des\nOrpheus; von Orchesterstücken wurde nur Weber's Obe-\nron-Ouverture gemacht.\nUeber die grosse Oper und die Italiäner späterhin.\nDie erstere hat Mario auf 24 Vorstellungen engagirt: er\nerhält monatlich 15,000 Francs und wird in diesen Ta-\ngen auftreten. Worin? Als Masaniello in der Stummen\nvon Portici!\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-15_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "367", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.2.3", "titre_corps": "Alexander von Zarzycki.", "titre_sommaire": "Alexander von Zarzycki.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.6", "debut_caractere": 1614, "fin_caractere_exclue": 5177, "texte": "Alexander von Zarzycki.\nPolen hat in den letzten Jahrzehenden in seiner Lite-\nratur durch die Werke bedeutender Genies einen Auf-\nschwung genommen, der namentlich auch durch die Er-\nzeugnisse der Poesie gegen die Vernichtung der polnischen\nNationalität protestirt und dieser wenigstens in literarischen\nDenkmälern Existenz und Fortdauer mit Erfolg zu sichern\nstrebt. Auch die Tonkunst, für welche die Slawen von Na-\ntur eine grosse Empfänglichkeit besitzen, ist in diesem\nStreben nicht zurück geblieben und hat seit Chopin und\ngrossentheiis durch ihn gar manche Blüthen getrieben,\nwelche sowohl bei Componisten als bei Virtuosen den va-\nterländischen Boden und die Eigenthümlichkeit des Cha-\nrakters der Nation nicht verläugnen.\nDen Vertretern dieser Richtung schliesst sich Herr\nA. von Zarzycki, der sich in den letzten drei Jahren in\nParis aufgehalten hat, als Pianist und Componist an. Schon\nim Jahre 1860 gab er dort ein Concert mit Orchester im\nSaale Herz, in welchem er ein Concert in drei Sätzen für\nPianoforte und Orchester, eine grosse Polonaise, ebenfalls\nmit Orchester, und drei Salonstücke, Alles von eigener\nComposition, dazwischen eine Mazurka von Chopin und\nzwei Etüden von Henselt vortrug. Man schrieb uns da-\nmals darüber, dass das Concert eines der glänzendsten der\nSaison gewesen; der junge polnische Künstler habe ein\nausserordentliches Talent bekundet, sein Spiel sei im höch-\nsten Grade correct und reinlich bei meisterhafter Technik\nim schnellsten Tempo und einer staunensvverthen Bewäl-\ntigung der rapidesten Octavengänge. Der Vortrag sei glän-\nzend und schwungvoll, entbehre aber auch keineswegs der\nLeichtigkeit und Anmuth. Ueber die Composition nament-\nlich des Concertes waren die Stimmen getheilt, indem die\nEinen darin eigenlhümlichen und ursprünglichen Geist\nfanden, Andere eine zu weit gehende Anhänglichkeit an\ndiejenige neueste Schule, welche die Melodie vernachläs-\nsigt und in orchestraler Behandlung des Instrumentes und\nharmonischen Klangwirkungen zu glänzen sucht.\nWir kennen jenes Concert nicht, müssen aber nach\nden Stücken von Herrn Zarzycki, die wir gesehen und\ntheils von ihm selbst vortragen gehört haben einem ziem-\nlich lang aber höchst interessant ausgesponnenen Scherzo\nund den als Op. 1 und 3 in Paris bei Maho erschienenen\nPoesies musicales, Heft I. und 11. auf die Seite derjeni-\ngen treten, die dem Verfasser ein nicht ungewöhnliches\nCompositions-Talent zusprechen. Die nächstens von ihm\nbei Breitkopf & Härtel in Leipzig erscheinenden Op. 4\nund 5, Grande Valseund Barcawerden uns in Stand\nsetzen, unser Urtheil fester zu stellen.\nAls Virtuose hat sich Herr Zarzycki bei uns in Köln\nam letzten Samstag in der musicalischen Gesellschaft durch\nden Vortrag des von Chopin, des oben\nerwähnten Scherzo's von seiner Composition, einer Fuge\nvon J. S. Bach und der Transscription des Gounod'schen\nWalzers (aus Faust) von Liszt auf glänzende Weise ein-\ngeführt, so dass wir ihm bei seinem Eintritte in Deutsch-\nland, welches er bereisen will Önd wo er zunächst im Ge-\nwandhause zu Leipzig auftreten wird, nicht nur unseren\naufrichtigen Glückwunsch mitgeben, sondern ihm auch\neinen schönen Erfolg zu prophezeien nicht anstehen. Wenn\nwir auch beim ersten Satze des Chopin'schen Concertes\ndem Urtheil von Paris her über sein Spiel noch nicht ganz\nbeistimmen konnten, so überzeugten wir uns doch sehr\nbald, dass die Schuld an den Mängeln des Instrumentes\nund nicht den Fingern des Spielers lag; sobald er sich an\ndiese Mängel gewöhnt hatte, wurde er ihrer Herr und\nspielte den letzten Satz ganz vortrefflich unter allgemei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 142, "texte": "nem Applaus der Zuhörer. Eben so tüchtig zeigte er sich\nin den nachherigen Stücken, welche die verschiedenartig-\nste Vortragsweise verlangten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.2.4", "titre_corps": "Bweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Bweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.7", "debut_caractere": 144, "fin_caractere_exclue": 6579, "texte": "Bweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 4. November 1862.\nDem Andenken Felix Mendelssohn-B ar tholdy: s, obwohl\nes durch jede Aufführung eines seiner Werke immer von Neuem\nlebendig erhalten wird, wurde am 4. November durch die Aufführung\nseines Oratoriums „Paulus\" in unserem zweiten Concerte eine er-\nhebende Feier zu Theil. Es war ja am 4. November 1847, Abends\num 9 Uhr 26 Minuten, als seine schöne Seele die irdische Hülle\nveiliess, und keines seiner Werke konnte an dem Jahrestage seines\nTodes zu eindrucksvollerer Erinnerung an den Meister gewählt wer-\nden, als dasjenige, in welchem er zuerst auf die grossartigste Weise\n(die Schwingen seines Genies entfaltete, die dann seinen Ruhm in\nkurzer Zeit in alle Welt trugen. Sahen wir doch dieses Oratorium\nhier am Rheine vor unseren Augen entstehen, brachte er es uns\ndoch als die schönste Frühlingsgabe am 22. Mai 1836 zum Musik-\nfeste nach Düsseldorf, als Gabe des wirklichen Frühlings und der\nschaffenden Frühlingskraft seines Geistes. Er wollte sein Werk zuerst\nvon dem niederrheinischen Chor hören, dessen frische, volltönende\n•Stimmen er seit 1833 kennen gelernt hatte, wo er zum ersten Male\nunser Musikfest in Düsseldorf leitete, und darauf im Jahre 1835,\nwo er in Köln HändeFs „Salomon\" nach der Original-Partitur mit\ndazu ausgeschriebener Orgelstimme (wie wir ihn im vorigen Jahre\nhier wieder gehört haben) aufführte, wieder seine grosse Freude\ndaran hatte, die er auch noch in späteren Jahren überall unverhohlen\naussprach. Damals erhielt er von Köln neben der londoner Partitur-\nAusgabe von Werken eine Dank-Adresse für die Leitung\ndes Festes, welche über 600 Unterschriften sämmtlicher Mitwirken-\nden trug.\nDie Aufführung des „Paulus\" in Düsseldorf verbreitete die Kunde\nvon der Trefflichkeit des Werkes durch Deutschland, und man kann\ndie Jahre 1837 und 1838 die „Paulus-Jahre\" in der Geschichte der\nMusik nennen. Zu den glänzendsten Aufführungen im Jahre 1837\ngehörten die zu Leipzig in der Paulinerkirche am 16. März, im\nAugust wieder zu Düsseldorf unter Jul. Rietz zu Ehren des Mei-\nsters, der mit seiner jungen Gattin sein liebes Düsseldorf wieder\nbesuchte, zu Birmingham am Musikfeste am 20. September, zu Ber-\nlin ebenfalls im September u. s. w. In den genannten beiden Jah-\nren hat man mehr als fünfzig Aufführungen des „Paulus\" in ein-\nundvierzig Städten von Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Hol-\nland und England gezählt. Mendelssohn selbst dirigirte ihn zum letz-\nten Male in Leipzig am Charfreitage des Jahres 1847. Nach der\nersten Aufführung in Düsseldorf hatte er zwar an den Chören we-\nnig, Vieles aber an den Sologesängen, sowohl an den Recitativen\nals an den Arien geändert. Die Angabe bei Lampadius („F. Men-\ndelssolm-Bartholdy\", ein Denkmal u. s. w., Leipzig, 1848), S. 83,\ndass er zu der Aufführung in Leipzig am 15. September 1838 nach\ni\ndem Choral Nr, 9 (.F-moll) eine neue Arie für Alt (?) eingeschaltet\nhabe: „Der Du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt\nwieder, Menschenkinder!\" beruht auf einem Irrthum. Diese Arie\nin F-dur, 76 Tacte, °,4, ist für Soprau geschrieben und wurde be-\nreits bei der ersten Aufführung in Düsseldorf gesungen. Schreiber\nüieses besitzt eine Copie derselben, die Mendelssohn selbst damals\nbesorgt hat. In den gedruckten „Paulus\" hat er sie nicht aufgenom-\nmen, wahrscheinlich weil er der Ansicht war, dass sie den Eindruck\ndes Chors: „Siehe, wir preisen selig\", schwächen würde, zumal da\nnach der ersten Anordnung drei Nummern (der Choral in F-moll,\ndas Arioso in F-dur und der genannte Choral in Es-dur) von glei-\ncher Stimmung auf einander folgten. Interessant ist aber jene Notiz\nbei Lampadius desshalb, weil sie beweist, dass Mendelssohn doch\ndieses Arioso recht lieb hatte und es noch Ende 1838 wieder ein-\nlegte.\nDie gegenwärtige Aufführung am 4. November hier in Köln war\nausgezeichnet durch Zahl und Tüchtigkeit der Mitwirkenden in Chor\nund Orchester, durch Präcision und sowohl Kraft und Feuer, als\nZartheit und Wohllaut in den Chören, und durch ausdrucksvollen\nVortrag der Sologesänge. Eine so ergreifende Aufführung, wie na-\nmentlich die des ganzen ersten Theiles war, erinnern wir uns kaum\nje gehört zu haben. Viel trug zu dieser grossen Wirkung gewiss\nauch das jetzt sehr verstärkte und vervollkommnete Orchester\nund das Eingreifen der Orgel bei, welche, gespielt von Herrn\nMusik-Director Weber, nicht nur bei den Chören und Chorälen\nnamentlich bei dem Pracht-Chor im zweiten Theile: „Aber unser\nGott ist im Himmel\", der erst durch sie in seiner ganzen Erhaben-\nheit sich offenbarte —, sondern auch bei einzelnen Sologesängen\nganz wunderbare, zuweilen wahrhaft erschütternde Effecte (z. B. in\ndem Recitativ des Paulus Nr. 36: „Wie der Prophet spricht\") her-\nvorbrachte. Die Herren Ibach in Barmen haben in dieser Orgel,\ndie schon jetzt mit ihren wenigen Stimmen der Kirchenmusik einen\nganz neuen Zauber im Concertsaale verleiht, ein Meisterwerk aufge-\nstellt. Was wird erst der Eindruck sein, wenn, wie wir nicht zwei-\nfeln, das Werk durch Munificenz der edlen Kunstfreunde, die es\nuns seit dem Musikfeste bis jetzt erhalten haben, vervollständigt, als\ndauernde Zierde des schönsten Concertsaales in Deutschland daste-\nhen wird! Aber auch der Chor war, wie schon gesagt, vortrefflich;\nder Preis gebührt dem Sopran, der zuweilen, z. B. in dem Chor:\n„Siehe, wir preisen selig\", mit so viel Ausdruck sang, als wäre es\neine einzige Stimme, deren Ton von der tiefsten Empfindung die\nFarbe erhielt.\nDie Haupt-Soli wurden von Fräulein Adeline Büchner aus\nKöln (Sopran) und Adele As mann aus Barmen (Alt), den Herren\nDr. Gunz aus Hannover (Tenor) und Heinrich Beer aus Bre-\nmen (Bass) gesungen. Fräulein Büchner, eine Schülerin der Gesang-\nlehrerin Frau Dr. Rademaclier liierselbst, hat eine sehr wohlklin-\ngende, leicht ansprechende und ausserordentlich sympathische Stim-\nme ; ihre Intonation ist rein und sicher, der Vortrag correct und\ninnig gefühlt, ausdrucksvoll ohne Affectation oder störende Manieren,\nIhre eminente musicalische Natur geht schon daraus hervor, dass sie\nalle ihre Partieen aus dem Gedächtnisse singt, und mit einer Sicher-\nheit, die in Erstaunen setzt. Eine sehr gute Aussprache und richtige\nDeclamation vollenden den schönen Eindruck ihres Gesanges, der\ndurch eine, wir möchten sagen: kindliche Einfachheit etwas eigen-\nthümlich Fesselndes und Rührendes hat.- Fräulein Asmann ist im"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 982, "texte": "Besitze einer ebenfalls sehr ansprechenden Altstimme; ihre Tonbil-\ndung ist unter der Sorgfalt des Herrn Professors Böhme vollkom-\nmener geworden, der Vortrag ist ganz correct und der Ausdruck be-\nkommt mehr Wärme. In Herrn Dr. Gunz lernten wir einen guten\nSänger mit schöner, biegsamer und schmelzvoller Stimme kennen.\nIn einigen Recitativen hätten wir etwas mehr Nachdruck gewünscht,\ndagegen war alles Lyrische, besonders der Vortrag der Cavatine:\n„Sei getreu bis in den Tod\", vortrefflich. Herr Beer war ein würdi-\nger Vertreter des Paulus; seine Auffassung der Partie hat uns sehr\nzugesagt; der Vortrag, unterstützt durch eine klangvolle, kräftige\nStimme (deren Vibrirung Herr Beer nur mehr beherrschen muss,\ndamit er nicht auch da, wo es durchaus nicht hingehört, ins Tre-\nmuliren gerathe) und durch eine deutliche Aussprache, wurde den\nverschiedenen Situationen und Seelenstimmungen des Paulus ganz\ngerecht und war besonders in den heroischen Stellen energisch und\nergreifend."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-15_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "368", "page_fin": "368", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.8", "debut_caractere": 984, "fin_caractere_exclue": 5985, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm Dinstag den 11. d. Mts. veranstaltete die Sing-\nAkademie unter der Leitung ihres Dirigenten, des königlichen\nMusik-Directors Herrn Franz Weber, eine öffentliche Sitzung vor\neinem eingeladenen Publicum, das sich sehr zahlreich im grossen\nSaale des Casino eingefunden hatte. Es wurden mit Pianoforte-Be-\ngleitung aufgeführt: „Athalia\" von F. Mendelssohn und Soli und\nChöre aus dem Psalm „Non nobis, JDomineu von demselben; ferner\n„Christus am Oelberg\" von Beethoven» Die Soli waren von Mit-\ngliedern der Akademie ganz gut besetzt; in dem Beethoven'schen\nOratorium zeichneten sich namentlich Fräulein Rothenberger\n(Seraph) und Herr A. Pütz (Partie des Christus) aus. Die Chöre\nwaren, wiß immar, sehr gut eingeübt, und das Ganze bewährte den\nSinn der Mitglieder der Akademie für die ernste Gattung der Ora-\ntorien-Musik, und das bekannte Talent des Dirigenten, diesen Sinn\n2U nähren und zu eifriger Theilnahme an den Uebungen anzuregen.\nISoiftis, 9. November. Unsere Abonnements-Concerte sind in\ndiesem Winter auf sechs mit erhöhten Preisen und Verloosung der\nPlätze festgesetzt. Die Theilnahme ist erfreulich, und in dem ersten\nConcerte am 6. d. Mts. waren alle Räume im Haupt- und den Ne-\nbensälen im goldenen Stern besetzt. Zur Aufführung kamen unter\nLeitung des städtischen Musik-Directors Herrn B. J. Brambach\nim ersten Theile: Weber's Ouvertüre zu „Euryanthe\"; Beetho-\nven's Violin-Concert, vorgetragen von Herrn Concertmeister Grün-\nwald aus Köln; der 114. Psalm für Chor und Orchester von Men-\ndelssohn; Adagio von L. Spohr und „Papageno-Rondo\" von\nErnst für die Violine (Herr Grunwald). Zweiter Theil: Sinfonia\neroica von Beethoven. Die Ouvertüre und auch die beiden ersten\nSätze der Sinfonie wurden recht gut ausgeführt, in den beiden letz-\nten Sätzen der Eroica bemerkten wir einige Ungenauigkeiten. Vor-\ntrefflich zeigte sich der Chor in dem Psalm: „Als Israel aus Aegyp-\nten zog\"; er hat nicht nur an Zahl, sondern auch an Präcision und\nSicherheit bedeutend gewonnen; die Einsätze waren kräftig und\nwurden nicht bloss von den Koryphäen und ihrer nächsten Umge-\nbung; sondern von sämmtlichen Mitgliedern fest angepackt, auch\ndie Stellen ohne Begleitung rein und klangvoll intonirt. Herrn Con-\ncertmeister J. Grunwald' s Spiel war der Glanzstern des Abends:\nAuffassung und Vortrag des Beethoven'schen Concertes waren vor-\ntieillich und rissen das Auditorium nach jedem Satze zur Bewunde-\nrung hin, während nachher in dem Bravourstücke von Ernst die\neminente Virtuosität des Künstlers hervortrat und rauschenden Ap-\nplaus ärntete.\nBai'ilieil* Unser erstes Abonn ements-Concert sollte\nam 25. October Robert Schumann's „Paradies und Peri\" brin-\ngen, aber da die Peri uns wegen plötzlichen Unwohlseins im Stich\nliess, so konnten wir nicht ins Paradies kommen und mussten im\nConcordia-Saale uns an einem obwohl improvisirten, doch recht ge-\nnussreichen Concerte genügen lassen. Cherubini's Ouvertüre zu\n„Faniska\" eröffnete dasselbe. Darauf sang Herr Musik-Director C.\nJohn aus Halle die Arie des Pylades: „Nur einen Wunsch\", aus\nGluck's „Iphigenie in Tauris\" mit hübscher und klangvoller Stim-\nme, nachher auch zwei Lieder von Schubert und Schumann, deren\neines er auf dringendes Verlangen des Publicums wiederholen musste.\nHerr J. Grunwald aus Köln spielte ein Violin-Concert von Spohr\nmit herrlichem Tone und entzückendem, echt künstlerischem Vor-\ntrage, und den Schluss des ersten Theiles bildete die Aufführung\ndes Kyrie aus einer Messe von unserem Musik-Director Herrn\nAnton Krause für Soli und Chor mit Orgel- und Orchester-Be-\ngleitung, welche allgemein ansprach und auf das ganze Werk be-\ngierig machte. Den zweiten Theil füllte die Sinfonie Nr. 11. in D-\ndur von Beethoven, welche zwar etwas besser ausgeführt wurde\nals die Cherubini'sche Ouvertüre, aber dennoch Manches zu wün-\nschen übrig liess.\nAm 25. October hatten wir hier einen seltenen\nGenuss durch die Soiree für Kammermusik, welche Herr\nAugust Kömpel, unterstützt von Mitgliedern des hiesigen Or-\nchesters und Musik-Instituts, veranstaltet hatte. Wir hörten Beet-\nhoven's Quartett in B-dur, Op. 18, Nr. 6, Spohr's Quatuor bril-\nlant in E-dur, Op. 43, und F. Men delssohn-Bartholdy' s Oc-\ntett für vier Violinen, zwei Bratschen und zwei Violoncelle. Wir\nwissen nicht, welchem von diesen Vorträgen wir die Palme geben\nsollen; wenn das classische Spiel im Beethoven'schen Quartett im\nhöchsten Grade fesselte, der Glanz der Bravour der Solo-Violine in\nSpohr's Quartett, das ein wahres Concertstück ist, zur Bewunderung\nhinriss, so machte doch zuletzt die feurige Composition Mendels-\nsohn's und die schwungvolle Gesammt-Ausführung derselben einen\nprächtigen Eindruck, der zu anhaltendem Applaus begeisterte.\n15. November. Gestern Abend wurde Fer-\ndinand Hiller's Oper „Die Katakomben\" auf dem hiesigen\nHoftheater mit glänzender Ausstattung und vollständigem Erfolg ge-\ngeben. Begeisterter Beifall wurde allen Nummern zu Theil; der\nComponist und sämmtliclie Darsteller wurden nach jedem Acte\ngerufen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Die grosse Oper: Halevy's „Jüdin\" - Die komische Oper: Pergolese's maitresse« Gre-\ntrys ~Z6mire et Azor\" Das Thiätre lyrique). Von B. P. Alexander von Zarzycki. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Sing-Akademie Bonn, Erstes Abonnements-Concert Barmen, Erstes\nAbonnements-Concert Würzburg, Soiree für Kammermusik Karlsruhe, F. Hiller's Oper „Die Katakomben\").\n\nPariser Briefe.\n\nDie grosse Oper: Hal^vy's „Jüdin\" Die komische\nOper: Pe rgolese' s „La Servante maitresseu, Gr^fcry's „Zemire\net Azoru Das Thöätre lyrique.]\nDie grosse Oper hat in der letzten Hälfte des Som-\nmers nichts Neues gebracht, und eben so wenig steht bis\njetzt für den Winter ein neues Werk in Aussicht. Dafür\nist aber Halevy's „Jüdin\" mit grosser Sorgfalt und Pracht\nneu in Scene gesetzt worden und hat durch eine grosse\nZahl von Vorstellungen das Publicum fortwährend ange-\nzogen. Seit dem Brande der Magazinhäuser des Opern-\nthealers, bei welchem ein Theil der Decorationen der „Jü-\ndin\" in Flammen aufgegangen, war die Oper nicht gege-\nben worden. Nun regte der Tod des berühmten Compo-\nnisten die Theilnahme ganz besonders an und die erste\nVorstellung war zugleich eine Gedenkfeier: nach dem gros-\nsen Terzett des zweiten Actes, als man die Sänger heraus-\nrief, hob sich der Vorhang, und man sah die Büste Ha-\nlevy's, welche von den Damen Sax (Rachel), Vandenheu-\nvel-Duprez (Eudoxia) und den Herren Gueymard (Eleazar),\nObin (Cardinal) und Dulaurens (Prinz Leopold) unter dem\nEnthusiasmus des brechend vollen Hauses bekränzt wurde.\nDie Besetzung der Bollen ist vortrefflich in musicalischer\nHinsicht; in der Darstellung erreicht aber Fräulein Sax\ndie frühere Bachel, Madame Falcon, keineswegs, ja, es\nist eigentlich unverantwortlich, dass auf dem ersten Opern-\ntheater Frankreichs in Scenen der höchsten tragischen\nLeidenschaft, wie die Anklage Leopold's vor allem Volke,\ndie Sängerin mehr mit dem Publicum beschäftigt ist, als\nmit der Situation auf der Bühne. Und wo ist die alte\nstrenge Censur der Regie dieses Kunst-Instituts in Bezug\nauf die Treue der Costüme und der ganzen äusseren Er-\nscheinung geblieben, wenn der Darstellerin der Jüdin er-\nlaubt wird, in der allermodernsten Frisur mit hoch über\nder Stirn aufgedrehtem Haar zu erscheinen? Und das ist\nbei Fräulein Sax um so auffallender, weil sie scharf blon-\ndes Haar hat, das dem Bilde einer israelitischen Schönheit\nohnedies nicht günstig ist.\nDer Eleazar ist eine der besten Schrei-Partieen Guey-\nmapd's, die Ausdauer und Kraft der Stimme ist bewunderns-\nwerth, ein Duett mit dem Cardinal (Obin) ist ein wirkliches\nPrachtstück. Der Tenorist Dulaurens ist in der Provinz\nentdeckt worden; er hat eine fast erschreckend starke\nStimme voll des reinsten Metalls, welche er in der letzten\nZeit auch besser als Anfangs behandeln lernt, wie er in\nder Jüdin und besonders auch in Bossini's Teil bewie-\nsen hat. Die Partie des Leopold trat durch ihn ganz an-\nders als sonst hervor; namentlich im Terzett des zweiten\nActes wirkte er Wunder, und Gueymard rettete seine\nUeberlegenbeit hauptsächlich nur durch sein vortreffliches\nSpiel. Es ist immerhin erfreulich, dass Halevy's Meister-\nwerk sich mit so glänzendem Erfolge seit dem Juni bis\nheute (Anfang November) auf dem Repertoire erhält, nur\nmit einer kurzen Unterbrechung, die ein Urlaub Guey-\nmard's veranlasste.\nIm „Teil\" trat zum ersten Male Madame Marie\nCinti-Damoreau auf, die Tochter der grossen Sängerin,\nwelche vor Jahren mit Nourrit und Levasseur dem Ge-\nschrei, das den französischen Opernsängern den Namen\nder liurleurs(Heuler) zugezogen hatte, ein Ende machte\nund der wahren Kunst des Gesanges wieder ihr Becht ver-\nschaffte. Die Tochter ist ein Diminutiv der Mutter, sehr\nreine Intonation, Feinheit und Geschmack im Vortrage\nsind bei etwas geringerem Stimm-Material da. Jedoch ist\ndie Stimme, wenigstens in den Solostücken, ausreichend\nhörbar und hat jedenfalls das eine Gute, dass sie die Be-\nsitzerin nicht zum Schreien verführen wird.\nIm Theater der komischen Oper sind die Wieder-,\naufnahmen alter Opern aus dem vorigen Jahrhundert im\nGange. Ohne Erfolg blieb Dalayrac's Musik zu der ein-\nactigen Oper „Die zwei Worte oder die Nacht im Walde\";"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.2", "texte": "der Inhalt des Buches, eine läppische Räubergeschichte,\nkonnte die Musik, die viele Banalitäten und Längen hat,\nnicht heben. Dagegen sind „ von\nPergolese und „Zemire und Azor\" von Gretry\" mit\neinem Beifalle aufgenommen worden, der alle Erwartung\nüberstieg.\nDie zweiactige Oper „La Padrotia\" hat Per-\ngolese (Giovanni Battista Jesi aus Pergola, geb.\n1707, sehr jung, schon 1739, gestorben) im Jahre 1730\ngeschrieben und damit in Italien Glück gemacht. Im Jahre\n1752 kam das Werk mit der Gesellschaft der italiänischen\nBouffons unter Bambini nach Paris. Diese Gesellschaft gab\nso genannte Intermezzi im Theater der\nde Musique, und zwar an denselben drei Wochentagen,\nan denen grosse Oper war, wie Rousseau ausdrücklich\nsagt. Er setzt hinzu: „Die Vergleichung der beiden Mu-\nsikgattungen an einem und demselben Abende zog den\nFranzosen die Stopfen aus den Ohren\nfrangaises)', nach dem lebendigen, natürlichen und cha-\nrakteristischen Gesänge der Italiäner konnte kein Mensch\ndie Schlepperei der französischen Musik ertragen; sobald\ndie italiänische Komödie aus war, ging Alles nach Hause,\nund man sah sich am Ende gezwungen, die Reihenfolge\nzu ändern und die Operetten der Bouffons zuletzt zu\ngeben.\"\nKein Wunder, dass die Partei der französischen\nMusik gegen die Italiäner eingenommen war und mit\nCabalen und Einflüsterungen bei Hofe nicht eher ruhte,\nbis sie nach siebenzehn Monaten wieder verabschiedet\nwurden.\nAber damit war wenig gewonnen, denn die Revolu-\ntion des Geschmacks war einmal im Zuge und liess sich\nnicht mehr hemmen. Die Italiäner hatten etwa ein Dutzend\nkomischer Opern auf ihrem Repertoire, darunter zwei von\nPergolese, die Serva padrona und II Maestro di mu-\nsica,den Parataggiovon Jomelli und von\nLeo, Componisten, die uns nur durch ihre Kirchen-Mu-\nsikstücke bekannt sind. Viele von diesen Partituren blieben\nin Paris, man machte sich an die Uebersetzung des Tex-\ntes, und so wurde schon den 14. August 1154 La ser-\nvante maitresse, übersetzt von Baurans, auf dem Theätre\nFavart gegeben.\nBald darauf (1757) kam Duni aus Italien nach Pa-\nris und componirte französiche Originaltexte nach der\nW eise der italiänischen o<pera bujfa, ihm folgten Phili-\ndor und Monsigny und diesen Gretry; kurz, die echte\nfranzösische komische Oper entwickelte sich aus jenem\nAnstoss, den die Italiäner in der Reaction des gesun-\nden Sinnes gegen den steifen, von der Hof-Aristokratie\noctroyirten Geschmack gegeben hatten. Die O-ouffons\ntriumphirten über die „Acteurs\nmusique\" !*)\nBei der jetzigen Wiederaufnahme der vor mehr als\nhundert Jahren zuerst hier gehörten Oper hat man nichts\nbinzugethan., als eine Ouvertüre, da Pergolese keine dazu\ngeschrieben hat. Gevaert hat den glücklichen Gedanken\ngehabt, dazu eine Clavier-Sonale von Scarlalti zu be-\nnutzen, die er sehr hübsch und den einfachen Orchester-\nmitteln, wie sie in der Oper angewandt sind, gemäss in-\nstrumentirt hat.\nDiese bestehen nämlich, mit sehr wenigen Ausnah-\nmen, nur im Geigen-Quartett und Contrabass. Aber auch\ndas Quartett ist meist nicht wirklich vierstimmig, da der\nBass durchweg in der tieferen, und die Bratsche ebenfalls\nsehr häufig in der höheren Octave mit dem Violonceli\ngehen. Auch die beiden Violinen gehen oft mit einander\nin Octaven. Trotzdem liegen doch auch schon charakte-\nristische Figuren im Orchester, die mitunter auch in leb-\nhaften Imitationen auftreten, so dass die Begleitung doch\nnicht monoton wird, zumal da zuweilen, doch meist nur\nals Verstärkung der Harmonie, zwei Fagotte, zwei Hoboen,\nzwei Hörner und eine Flöte (vielleicht auch zwei, aber\nunisono) mit drein klingen.\nDie Hauptsache ist natürlich der Gesang, und den\nführen nur zwei Personen aus, ein alter Murrkopf und\nseine hübsche junge Magd. Neben ihnen spielt ein Diener\nnoch eine stumme Rolle, der nur dazu da ist, Püffe und\nScheltworte vom Herrn und von der Magd anzunehmen\nund sich dabei so komisch wie möglich zu geberden.\nPandolphe (im Original Überto), ein alter Junggeselle, ist\nschwach von Verstand,, bequem, ärgerlich, polternd, aber\nohne Charakter; die Magd Zerbine lebhaft, keck, witzig\nund listig, bringt es endlich fertig, dass der Alte sie hei-\nrathet. Das ist die ganze Handlung. Der Text nach der\nalten Uebersetzung von Baurans ist beibehalten.\nDas ganze Interesse liegt mithin in der Musik und in\ndem charakteristischen Ausdruck derselben durch die Me-\nlodie, den Rhythmus und die Accentuation des Wortes.\nMan kann sie mit Einem Worte nicht besser charakteri-\nsiren, als wenn man sie komisch nennt, denn das ist sie\nin vollem Maasse, und man muss dabei recht von Herzen\nlachen, wenn man überhaupt noch lachen kann und es\nsich nicht ä la Mephisto vor Grämelei und blasirter Gähn-\n\n*) Ueber den Einfiuss, den die Musik jener komischen Oper auch\nauf die Vorbereitung des pariser Publicums zur richtigen Auf-\nfassung und Würdigung der späteren Musik Gluck's ausübte\nein Moment, das zu wenig in der Geschichte der Gluck'-\nschen Periode geltend gemacht worden ist —, vergleiche den\nAufsatz: „Zur Geschichte der komischen Oper\", in\nder Rheinischen Musik-Zeitung, 1851—1852, S. 593\nund 601. Die Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.3", "texte": "sucht abgewöhnt hat. Die Einfälle des Componisten sind\nwunderbar spassig, in den Arien trifft jede Note den Nagel\nauf den Kopf, jede Arie ist ein vollständiges Charakterbild,\ndas nicht zu verkennen ist, und zu dem auch alle Details\nder Musik passen. Freilich gehört guter Gesang und gutes\nSpiel in beiden Rollen dazu, im Bass drastische und derbe,\nim Sopran feine und schalkhafte Betonung, und in beiden\neine ganz untadelhafte Aussprache. Uebrigens kann man\ndie Musik erst ganz würdigen, wenn man den italiänischen\nOriginaltext ins Auge fasst, da der französische doch Man-\nches verwischt. So ist gleich in der ersten Arie des Alten,\nwo er seinen Unmuth ausschüttet: „Warten, wenn Nie-\nmand kommt, im Bette liegen und nicht schlafen, sich ab-\nmühen ohne Dank, sind drei Dinge zum Sterben!\"—der\nSchluss so componirt:\nwobei der Ausdruck sprechender ist, als mit dem franzö-\nsischen: „Sont trois sujetsd'aller Ein köstli-\ncher Zug ist dabei in den ersten Tacten das Nachschlagen\ndes Basses im Orchester, der in den letzten Tacten mit der\nSingstimme zugleich brummt. Die Besetzung war gut.\nDasselbe kann man nicht von Boieldieu's\nParis sagen, in welchem ein neuer Tenor Warnots nicht\neben glücklich, der Bariton Crosti (Seneschall) mit schöner\nStimme und guter Schule seine Parade-Arie durch schlep-\npendes Tempo verunstaltete, und Prinzessin und Page un-\ngenügend waren. Man sah da einmal wieder recht deut-\nlich, was für Leute dazu gehören, die echte, altfranzösische\nOper zu singen, nicht die figurirte und modernisirte der\nComponisten von Auber an.\nIm September brachte die Direction der komischen\nOper Marmontel's „Zemire und Azor\", Musik von\nGretry, wieder auf die Bühne, und zwar dieses Mal mit\nhistorischer Treue. Diese ging so weit, dass man nicht nur\nalles, was Adolf Adam bei der Wiederaufnahme im Jahre\n1846 namentlich im Orchester hinzugethan, wieder aus-\nmerzte, sondern auch die Gesangstücke und die Ballet-\nmusik, welche damals weggelassen worden, wieder her-\nstellte, Auch damit noch nicht zufrieden, hatte man die\nBühne so eingerichtet, wie bei der ersten Vorstellung der\nOper den 9. Nov. 1771 am Hofe zu Fontainebleau; die\nDecorationen zeigten den Styl jener Zeit, eben so die Co-\nstüme, und ein neuer Vorhang in den Zwischenacten stellte\ndie Hauptscene des dritten Actes nach einem damals be-\nrühmten Kupferstiche dar. Die Pariser hatten also einen\necht „retrospectiven\" Genuss, und die Direction macht\ngute Geschäfte und hat die Kosten der glänzenden Aus-\nstattung nicht zu bereuen.\nWenn man schon hei der ersten Erscheinung der\nOper, welche ursprünglich La hicss, weil\nsich die schöne Zemire in den thierähnlichen verwunsche-\nnen Prinzen Azor verliebt, den Witz machte, dass\nGretry's Musik und la BeteMarmontel's Poesie sei, so hat\ndoch der läppische Inhalt des Märchens die grosse Ver-\nbreitung der Oper nicht gehindert. Hat doch auch Spohr\nin Deutschland denselben Gegenstand zu einer Oper be-\nnutzt*). Gretry war, erst achtunclzvvanzig Jahre alt, aus\nseiner Geburtsstadt Lüttich vor fünf Jahren nach Paris\ngekommen, hatte bereits zwei Opern: (1768)\nund Le Tableau parlant(l769) auf die pariser Bühne\ngebracht und damit bedeutenden Erfolg gehabt. Der Him-\nmel hatte ihm die Gabe der Melodie verliehen und einen\ngewissen Instinkt für Harmonie; diesen hat er aber nie-\nmals zu wirklicher Wissenschaft ausgebildet, obwohl er in\nRom, wo er neun Jahre zubrachte (von seinem neunzehn-\nten bis siebenundzwanzigsten Lebensjahre), bei Casali Con-\ntrapunkt studirt hatte. Dafür aber halte ihm die Natur\nden richtigen Sinn für den melodischen Ausdruck der\nWahrheit der Empfindung gegeben, und in dieser Bezie-\nhung begründete er einen grossen Fortschritt der aus-\ndrucksvollen, an die Dichtung in Wort und Situation sich\nanschliessenden Musik, und man darf dreist sagen, dass er\ntrotz der verschiedenen Gattung dramatischer Musik, in\nwelcher Beide arbeiteten, dennoch im Princip ein wirkli-\ncher Vorgänger Gluck's war. Ja, man braucht nur seine\nEssais sur la musique zu lesen—denn er war auch Schrift-\nsteller—, um sich zu überzeugen, dass ihm auch der Feh-\nler Gluck's und seiner Nachahmer, den W ortausdruck auf\ndie Spitze zu treiben, nicht fremd war, so dass Mehul von\nmanchem Gesuchten in diesem Genre sagte, das sei Esprit,\naber keine Musik, und Andere meinten: „Gretry mache\nsehr ähnliche Portraits, sei aber kein Maler.\" Noch mehr:\nmit dem neuesten Gluckisten in Deutschland hatte er auch\ndie gränzenlose Eitelkeit gemein, nur seine eigene Musik\nfür Musik zu halten und auf jede andere ohne alles Hehl\nvornehm herabzublicken. Einst kam er mit einem Freunde\nan einem Abende ins Theater, wo sein „Richard Löwen-\nherz\" als zweites Stück gegeben werden sollte; vorherging\neine sehr beliebte und in der That vortreffliche Operette,\n\n*) Spohr's „Zemire und Azor\" ist 1818 geschrieben und wurde\nzuerst im Jahre 1819 im März zu Frankfurt am Main, wo\nSpohr damals Capellmeister war, gegeben.\nDie E e daction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.4", "texte": "deren zweiter Act eben begann, als sie in die Loge traten.\n,0 weh,\" sagte Gretry ganz laut, „wir sind zu früh ge-\nkommen!\"— Eben so enthalten seine Essais merkwürdi ge\nAeusserungen über sein System und seine Selbstliebe. So\nsagt er z. B. über die Stelle einer Arie in seinem Amant\no\njaloux, wo dem Liebhaber sich ein Zweifel aufdrängt:\n„Die Pause im Gesänge, das Abbrechen der Phrase ist\nvorzüglich gut getroffen, denn die zwei folgenden halben\nTöne im Orchester drücken die Geberde aus, die\nLopez macht; ich konnte sie ihn etwa auf oder\nsingen lassen, allein die Pause ist viel ausdrucksvoller.\"\nWas er selbst über „Zemire und Azor\" schreibt, ist\nvollends köstlich. Da heisst es unter Anderem:\n„Die Idee, den Ali in dem Duett mit dem Kaufmann:\n„Le temps est beau\" „tTen suis bien aise!\" gähnen\nzu lassen, fiel mir bei dem Ritornell ein, wo die gehalte-\nnen Noten des Fagotts mich darauf brachten. Das Gähnen\neines Sclaven, der von Weindunst berauscht einschläft, hat\neben so gut sein Charakteristisches, als das Ja oder Nein\neiner bestimmten Person. Indem ich den richtigen Aus-\ndruck des Gähnens Ali's zu finden suchte (en cherchant\nle baillement convenable), bemerkte ich, dass meine Ver-\nsuche meine ganze Familie, die bei mir im Zimmer war,\nzum wirklichen Gähnen brachten. Nun spielte ich ihr mein\nDuett vor, um sie über die Schläfrigkeit zu trösten, die sie\nbei mir vermutheten. Oft habe ich nachher im Theater gar\nViele gähnen gesehen, und war so kühn, zu hoffen, dass\nes nicht vor Langerweile geschah. Das Terzett:\nlaisses-moi la pleurer!u habe ich drei Mal auf verschie-\ndene Art componirt. Zwei Mal war es fertig, als Diderot\nmich besuchte. Er war ohne Zweifel nicht damit zufrie-\nden, denn ohne zu loben oder zu tadeln, fing er an zu de-\nclamiren: „Ah! laissez moi,\nIch legte diesem declamatorischen Schall Töne unter, und\nder weitere Verlauf des Stückes fand sich von selbst.*)\nMeine Oper Zemire hatte in der Provinz eben so glänzen-\nden Erfolg, als bei Hofe und in Paris; sie rettete mehrere\nTheater-Directionen vom Bankerott und wurde fast in alle\nSprachen übersetzt. Ein Franzose hat mir versichert, dass\ner in drei Theatern gewesen, wo man an einem und dem-\nselben Tage Zemire und Azor mit vlaemischem, deutschem\nund französischem Text gab; es war auf einer Messe in\nDeutschland**). In London gab man sie italienisch; als\nman da ein Rondo einschob, das nicht von mir war, rief\nman, als es gesungen war: Fort damit, das ist nicht\nGretry's Musik!\"\nNun, bei allen diesen Schwächen war Gretry denn\ndoch vorherrschend Musiker, so dass, wie später ebenfalls\nbei Gluck, die Musik mit der Reflexion durchging und die\nvom Verstände gesuchte Charakteristik durch das Genie\nzu einem musicalischen Kunstwerke wurde. Wenn auch\ndie Langweiligkeit mancher Situationen in Zemire und\nAzor nicht ohne nachtheilige Einwirkung auf die Compo-\nsition geblieben ist, so schlug doch auch heute noch die\ngrössere Anzahl der Nummern der Partitur mit vollstän-\ndigem Erfolg durch, und musicalische Witze, die aus\nGretry's Princip fliessen, wie z. B. in der Arie, in welcher\nAli seine Reise durch die Luft beschreibt, wo er singt:\nLa tete tou-ou-ou-ou-ourne d'y penser!\nwerden verzeihlich und wirklich komisch, wenn sie so wie\nvon Ponchard gesungen werden. Neben dieser drastischen\nKomik, die auch in dem oben bereits erwähnten Duett\nzwischen Ali und Sander, ferner in der Gespenster-Arie\nAli's und sonst noch hervortritt, hat Gr&ry für die Em-\npfindung, sowohl für zarte als leidenschaftliche, wahre und\nhöchst ansprechende Töne gefunden, die sich in den Arien\nder Zemire und des Azor (z. B. in dem reizenden Canta-\nbile: „Du moment qu'on aime\", das der Tenor Warnots,\nder seit seinem Debüt grosse Fortschritte gemacht hat,\nwiederholen musste), in den Terzetten u. s. w. als echt\nmelodisches Gut, welches nicht alt wird, bewähren.\nDie Instrumentirung ist allerdings einfach, aber kei-\nneswegs leer oder charakterlos; wenn auch das Quartett\ndie Hauptrolle spielt, so ist doch die bescheidene Anwen-\ndung der Blas-lnstrumerite da, wo sie Statt findet, sehr\nwirksam. Ein Violin- und ein Flöten-Solo sind mit Ge-\nschmack angebracht. Die Ouvertüre hat den Zuschnitt der\ndamaligen italiänischen Muster, d. h. drei kurze Sätze, ein\nlebhaftes Tempo, dann ein melodiöses Andante und zum\nSchluss ein rauschendes Allegro—eine Form, die Rousseau\nals aus praktischen Gründen entstanden und angenommen\nerklärte. „Nummer 1 zwingt die lärmenden Zuschauer zu\nallmählicher Ruhe auf ihren Plätzen; ist das durch ein\nkräftiges Forte erreicht, so macht eine sanfte, schmei-\nchelnde Melodie in Nummer 2 sie aufmerksam und ihre\nStimmung für das Sentimentale empfänglich; und in Num-\nmer 3 bereitet das geräuschvolle Allegro durch den Con-\ntrast auf die Stille vor, welche der Beginn des Gesanges\nfordert.\" Welch eine Bahn hat seitdem die Ouvertüre bis\nzu Mozart, Beethoven, Spontini, Weber durchlaufen!\nDie „Weisse Frau\" von Boieldieu kann man\neigentlich nicht zu den wieder aufgenommenen Opern zäh-\nlen, denn sie ist im Grunde niemals vom Repertoire des\nTheaters der Opera comiquegekommen, auf welchem sie\n\n*) Es ist beinahe, als hätte Gretry L. Köhler's „Melodie der\nSprache\" gelesen! Die Redaction.\n**) Auf einer Kirmess in Holland oder Flandern könnte es im-\nmerhin möglich gewesen sein. In Deutschland wurde übrigens\ndie Oper allerdings auch häufig gegeben.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.5", "texte": "sich siebenunddreissig Jahre lang erhalten hat, ein Erfolg, :\nder in Paris wenigstens ohne Beispiel ist. Ihre erste Vor-\nstellung fand im December 1825 Statt. Es ist aber anzu-\nerkennen, dass die Direction Herr E. Perrin—die dies-\njährige Aufführung sehr sorgfältig mit neuen Decorationen\nu. s. w. in Scene gesetzt hat. Auch hat endlich der Chor,\ndurch frische Stimmen verstärkt, aufgehört, eine steife Gar-\nnitur auf beiden Seiten der Bühne zu bilden, und nimmt\nTheil an der Handlung. In der Besetzung war es haupt-\nsächlich Roger, der in diesem Jahre nach langer Zeit\nwieder mit seinem unvergleichlichen George Brown das\nPublicum herbeizog. Er nahm denn auch in dieser Rolle\nim September Abschied von der Bühne, und an seine\nStelle trat Leon Achard.\nEr ist der Sohn des einst beliebten Spiel-Tenors Achard\nim Theater des Palais Royal in Paris, hat das Conservatorium\nbesucht und trat zuerst im Theä auf. Sein treff-\nlicher Tonansatz, die reine Klarheit des Klanges seiner\nStimme und die deutliche Aussprache machten Aufsehen,\nallein die Direction wusste ihn nicht zu schätzen, und er\nging nach Lyon. Dort blieb er einige Jahre, zur Freude\naller verständigen Musikfreunde, die lieber singen als\nschreien hören und nicht zu ihrem vollständigen musicali-\nschen Genüsse die Aufregung der Angst verlangen, dem\nersten Tenor möchte eine Pulsader in der Brust springen.\nSein Ruf drang endlich auch nach Paris, Herr Perrin\nmachte sich auf, fand in ihm, was er suchte, und mehr,\nals er erwartete, und der Sänger widerstand nicht den\nSilberklängen, mit denen der Director seine Anträge be-\ngleitete.\nAm 4. October trat er in Paris als George Brown auf,\nund das ganz gefüllte Haus bestätigte einstimmig das Ur-\niheil der Lyoner. Seine Stimme hat nichts an ihrer Frische\n■verloren, aber an Umfang und Kraft gewonnen. Er schlägt\ndas a, b und hin der Höhe mit Leichtigkeit aus der Brust\nan; vielleicht hat er auch noch das aber man\njnöchte ihn im Namen der Kunst und seiner Gesundheit\nbeschwören, es drin zu lassen. Dabei hat sich die Stimme\nvollkommen gesetzt und ist so biegsam, dass Achard uns\nendlich wieder einmal die vermittelten Uebergänge aus\ndem forte zum piano und umgekehrt zu hören gibt, welche\ndie neueste grosse Schule des französischen Gesanges gar\nnicht mehr kennt. Endlich ist seine Vocalisation geläufig\nund correct, und das will ebenfalls heutzutage bei Männer-\nstimmen viel sagen. Sein Erfolg war sogleich durch den\nVortrag der ersten Arie: Qent-\nschieden, die er mit ungewöhnlichem Schwung und Humor\nsang. In der zweiten: Viens, gentille dame! und dem fol-\ngenden Duett entfaltete er einen solchen Reiz des Aus-\ndrucks und des Colorils, dass man wohl behaupten kann,\ner habe als lyrischer Tenor, wie wir sagen\nbei den Franzosen), keinen Nebenbuhler zu fürchten.\nSein Spiel scheint freilich noch der Ausbildung und\nSicherheit zu bedürfen, auch ist er kein schlanker Jüng-\nling mehr, sondern ein wenig wohlbeleibt, und der Vor-\ntrag des Dialogs ist noch zu hastig. Das wird sich indess\nschon bessern bei den hiesigen Umgebungen. Im Gesänge\nüberragt er diese Umgebungen aber unendlich, denn das\nEnsemble in der jetzigen „Weissen Dame\" ist mit dem\nfrüheren nicht zu vergleichen.\nAm 30. October fand die Einweihung des neuen\nTheätre lyriqueauf dem Platze Chätelet, der zu einem so\nschönen Garten umgeschafTen ist, Statt. Das neue Gebäude\nund die Umgebung strahlten in glänzender Erleuchtung,\ndie grosse Fontaine warf ihren wie Feuer schimmernden\nStrahl hoch über die Castanienbäume empor, doch alles\ndas war nichts gegen die Pracht im Innern des Hauses.\nAus einer geräumigen Vorhalle führt eine doppelte, breite\nsteinerne Treppe nach dem ersten Stock, wo der Foyer\nund die ersten Ranglogen sind. Der Foyer zum Promeni-\nren, im Verhältniss zu seiner Länge etwas schmal, ist ein-\nfach decorirt und hat an beiden Enden einen Salon mit\nschwellenden Div.ans.\nDer Zuschauerraum fasst jedenfalls mehr Menschen,\nals das alte Theater, und man sitzt bei Weitem bequemer.\nDie Sperrsitze (stalles)sind gut gepolstert und mit Leder\nüberzogen, sie klappen sich von selbst in die Höhe, wenn\nman aufsteht. Die Logen haben jede ein allerliebstes klei-\nnes Vorzimmer mit einem Sopha, auf dem man im roman-\ntischen Halbdunkel, ungeblendet vom strahlenden Lichte\nund dem Glänze der Toiletten, dem Gesänge lauschen\nkann. Das Parterre ist sehr klein, so dass man es vom\nBalcon aus gar nicht sehen kann; die Sperrsitze, welche\nwie in der italiänischen Oper auch von Damen besucht\nwerden können, nehmen fast den ganzen unteren Raum ein.\nEs ist also das neue Opernhaus ein ziemlich aristokra-\ntisches, auch in Bezug auf die Eintritts-Preise, welche hö-\nher als früher sind. Dasjenige Publicum, welches bei sei-\nnen Vergnügungen seine Gasse berücksichtigen muss, wird\nsich nicht hieher drängen. Ob die Direction—Herr Car-\nvalho ihre Rechnung dabei finden wird, muss die Zu-\nkunft lehren. Indess die Fremden werden hinströmen, denn\nso viel ist gewiss, man kann in ganz Paris kein schöneres\nSchauspielhaus sehen. Der Reichthum der Decoration\neinigt sich mit dem elegantesten Geschmack, das Gold ist\nverschwenderisch angebracht, aber die Verzierungen und\nArchitekturstücke, die es bedeckt, sind nicht plump und\nschwerfällig. Das Proscenium ist wunderbar prächtig. Nur\nder Vorhang entspricht der Pracht des Ganzen nicht. Das\nLicht fällt durch eine grosse Glaskuppel von oben herab,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.6", "texte": "wie im neuen Cirque olympiqueund im\nGatte; es ist fast zu blendend und fällt Einem so heiss\nund drückend wie Sonnenlicht auf den Kopf. Die Erfah-\nrung wird wohl Mittel an die Hand geben, es nach Will-\nkür zu massigen.\nDer grösste Vorzug des neuen Hauses besteht aber\nin der Akustik; Stimmen und Instrumente klingen wun-\nderbar voll und schön. Ob dieses herrliche Resultat den\nBerechnungen des Architekten des Theaters, Herrn Da-\nvioud, oder dem glücklichen Ungefähr zu verdanken ist,\nkann uns gleichgültig sein; kurz, es ist vorhanden und wird\nhoffentlich dazu beitragen, das Schreien der Sänger wenig-\nstens von dieser Bühne fern zu halten.\nDie Eröffnung begann mit einer „Hymne an die Mu-\nsik\", von Gounod für diese Feierlichkeit componirt, aus-\ngeführt vom Orchester und dem sämmtlichen Sänger-Per-\nsonale. Und welch ein Personal! Die Damen Viardot, Ca-\nbel, Faure-Lefebvre, Miolan-Carvalho, Girard, Moreau,\nGonetti, Willfeme und noch vier andere; die Herren Ba-\ntaille, Monjauze, Sainte-Foy, Balanque, Legrand, Wartel,\nGirardot, Leroy und noch sieben andere Sänger! Gounod's\nKomposition ist voll hübscher Effecte, aber ohne hervor-\nstechende Motive. Darauf folgte ein Concert, in welchem\ndie bedeutendsten von den genannten Künstlern auftraten,\nauch Mad. Viardot mit der Arie aus dem dritten Act des\nOrpheus; von Orchesterstücken wurde nur Weber's Obe-\nron-Ouverture gemacht.\nUeber die grosse Oper und die Italiäner späterhin.\nDie erstere hat Mario auf 24 Vorstellungen engagirt: er\nerhält monatlich 15,000 Francs und wird in diesen Ta-\ngen auftreten. Worin? Als Masaniello in der Stummen\nvon Portici!\n\nB. P.\n\nAlexander von Zarzycki.\nPolen hat in den letzten Jahrzehenden in seiner Lite-\nratur durch die Werke bedeutender Genies einen Auf-\nschwung genommen, der namentlich auch durch die Er-\nzeugnisse der Poesie gegen die Vernichtung der polnischen\nNationalität protestirt und dieser wenigstens in literarischen\nDenkmälern Existenz und Fortdauer mit Erfolg zu sichern\nstrebt. Auch die Tonkunst, für welche die Slawen von Na-\ntur eine grosse Empfänglichkeit besitzen, ist in diesem\nStreben nicht zurück geblieben und hat seit Chopin und\ngrossentheiis durch ihn gar manche Blüthen getrieben,\nwelche sowohl bei Componisten als bei Virtuosen den va-\nterländischen Boden und die Eigenthümlichkeit des Cha-\nrakters der Nation nicht verläugnen.\nDen Vertretern dieser Richtung schliesst sich Herr\nA. von Zarzycki, der sich in den letzten drei Jahren in\nParis aufgehalten hat, als Pianist und Componist an. Schon\nim Jahre 1860 gab er dort ein Concert mit Orchester im\nSaale Herz, in welchem er ein Concert in drei Sätzen für\nPianoforte und Orchester, eine grosse Polonaise, ebenfalls\nmit Orchester, und drei Salonstücke, Alles von eigener\nComposition, dazwischen eine Mazurka von Chopin und\nzwei Etüden von Henselt vortrug. Man schrieb uns da-\nmals darüber, dass das Concert eines der glänzendsten der\nSaison gewesen; der junge polnische Künstler habe ein\nausserordentliches Talent bekundet, sein Spiel sei im höch-\nsten Grade correct und reinlich bei meisterhafter Technik\nim schnellsten Tempo und einer staunensvverthen Bewäl-\ntigung der rapidesten Octavengänge. Der Vortrag sei glän-\nzend und schwungvoll, entbehre aber auch keineswegs der\nLeichtigkeit und Anmuth. Ueber die Composition nament-\nlich des Concertes waren die Stimmen getheilt, indem die\nEinen darin eigenlhümlichen und ursprünglichen Geist\nfanden, Andere eine zu weit gehende Anhänglichkeit an\ndiejenige neueste Schule, welche die Melodie vernachläs-\nsigt und in orchestraler Behandlung des Instrumentes und\nharmonischen Klangwirkungen zu glänzen sucht.\nWir kennen jenes Concert nicht, müssen aber nach\nden Stücken von Herrn Zarzycki, die wir gesehen und\ntheils von ihm selbst vortragen gehört haben einem ziem-\nlich lang aber höchst interessant ausgesponnenen Scherzo\nund den als Op. 1 und 3 in Paris bei Maho erschienenen\nPoesies musicales, Heft I. und 11. auf die Seite derjeni-\ngen treten, die dem Verfasser ein nicht ungewöhnliches\nCompositions-Talent zusprechen. Die nächstens von ihm\nbei Breitkopf & Härtel in Leipzig erscheinenden Op. 4\nund 5, Grande Valseund Barcawerden uns in Stand\nsetzen, unser Urtheil fester zu stellen.\nAls Virtuose hat sich Herr Zarzycki bei uns in Köln\nam letzten Samstag in der musicalischen Gesellschaft durch\nden Vortrag des von Chopin, des oben\nerwähnten Scherzo's von seiner Composition, einer Fuge\nvon J. S. Bach und der Transscription des Gounod'schen\nWalzers (aus Faust) von Liszt auf glänzende Weise ein-\ngeführt, so dass wir ihm bei seinem Eintritte in Deutsch-\nland, welches er bereisen will Önd wo er zunächst im Ge-\nwandhause zu Leipzig auftreten wird, nicht nur unseren\naufrichtigen Glückwunsch mitgeben, sondern ihm auch\neinen schönen Erfolg zu prophezeien nicht anstehen. Wenn\nwir auch beim ersten Satze des Chopin'schen Concertes\ndem Urtheil von Paris her über sein Spiel noch nicht ganz\nbeistimmen konnten, so überzeugten wir uns doch sehr\nbald, dass die Schuld an den Mängeln des Instrumentes\nund nicht den Fingern des Spielers lag; sobald er sich an\ndiese Mängel gewöhnt hatte, wurde er ihrer Herr und\nspielte den letzten Satz ganz vortrefflich unter allgemei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.7", "texte": "nem Applaus der Zuhörer. Eben so tüchtig zeigte er sich\nin den nachherigen Stücken, welche die verschiedenartig-\nste Vortragsweise verlangten.\n\nBweites Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 4. November 1862.\nDem Andenken Felix Mendelssohn-B ar tholdy: s, obwohl\nes durch jede Aufführung eines seiner Werke immer von Neuem\nlebendig erhalten wird, wurde am 4. November durch die Aufführung\nseines Oratoriums „Paulus\" in unserem zweiten Concerte eine er-\nhebende Feier zu Theil. Es war ja am 4. November 1847, Abends\num 9 Uhr 26 Minuten, als seine schöne Seele die irdische Hülle\nveiliess, und keines seiner Werke konnte an dem Jahrestage seines\nTodes zu eindrucksvollerer Erinnerung an den Meister gewählt wer-\nden, als dasjenige, in welchem er zuerst auf die grossartigste Weise\n(die Schwingen seines Genies entfaltete, die dann seinen Ruhm in\nkurzer Zeit in alle Welt trugen. Sahen wir doch dieses Oratorium\nhier am Rheine vor unseren Augen entstehen, brachte er es uns\ndoch als die schönste Frühlingsgabe am 22. Mai 1836 zum Musik-\nfeste nach Düsseldorf, als Gabe des wirklichen Frühlings und der\nschaffenden Frühlingskraft seines Geistes. Er wollte sein Werk zuerst\nvon dem niederrheinischen Chor hören, dessen frische, volltönende\n•Stimmen er seit 1833 kennen gelernt hatte, wo er zum ersten Male\nunser Musikfest in Düsseldorf leitete, und darauf im Jahre 1835,\nwo er in Köln HändeFs „Salomon\" nach der Original-Partitur mit\ndazu ausgeschriebener Orgelstimme (wie wir ihn im vorigen Jahre\nhier wieder gehört haben) aufführte, wieder seine grosse Freude\ndaran hatte, die er auch noch in späteren Jahren überall unverhohlen\naussprach. Damals erhielt er von Köln neben der londoner Partitur-\nAusgabe von Werken eine Dank-Adresse für die Leitung\ndes Festes, welche über 600 Unterschriften sämmtlicher Mitwirken-\nden trug.\nDie Aufführung des „Paulus\" in Düsseldorf verbreitete die Kunde\nvon der Trefflichkeit des Werkes durch Deutschland, und man kann\ndie Jahre 1837 und 1838 die „Paulus-Jahre\" in der Geschichte der\nMusik nennen. Zu den glänzendsten Aufführungen im Jahre 1837\ngehörten die zu Leipzig in der Paulinerkirche am 16. März, im\nAugust wieder zu Düsseldorf unter Jul. Rietz zu Ehren des Mei-\nsters, der mit seiner jungen Gattin sein liebes Düsseldorf wieder\nbesuchte, zu Birmingham am Musikfeste am 20. September, zu Ber-\nlin ebenfalls im September u. s. w. In den genannten beiden Jah-\nren hat man mehr als fünfzig Aufführungen des „Paulus\" in ein-\nundvierzig Städten von Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Hol-\nland und England gezählt. Mendelssohn selbst dirigirte ihn zum letz-\nten Male in Leipzig am Charfreitage des Jahres 1847. Nach der\nersten Aufführung in Düsseldorf hatte er zwar an den Chören we-\nnig, Vieles aber an den Sologesängen, sowohl an den Recitativen\nals an den Arien geändert. Die Angabe bei Lampadius („F. Men-\ndelssolm-Bartholdy\", ein Denkmal u. s. w., Leipzig, 1848), S. 83,\ndass er zu der Aufführung in Leipzig am 15. September 1838 nach\ni\ndem Choral Nr, 9 (.F-moll) eine neue Arie für Alt (?) eingeschaltet\nhabe: „Der Du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt\nwieder, Menschenkinder!\" beruht auf einem Irrthum. Diese Arie\nin F-dur, 76 Tacte, °,4, ist für Soprau geschrieben und wurde be-\nreits bei der ersten Aufführung in Düsseldorf gesungen. Schreiber\nüieses besitzt eine Copie derselben, die Mendelssohn selbst damals\nbesorgt hat. In den gedruckten „Paulus\" hat er sie nicht aufgenom-\nmen, wahrscheinlich weil er der Ansicht war, dass sie den Eindruck\ndes Chors: „Siehe, wir preisen selig\", schwächen würde, zumal da\nnach der ersten Anordnung drei Nummern (der Choral in F-moll,\ndas Arioso in F-dur und der genannte Choral in Es-dur) von glei-\ncher Stimmung auf einander folgten. Interessant ist aber jene Notiz\nbei Lampadius desshalb, weil sie beweist, dass Mendelssohn doch\ndieses Arioso recht lieb hatte und es noch Ende 1838 wieder ein-\nlegte.\nDie gegenwärtige Aufführung am 4. November hier in Köln war\nausgezeichnet durch Zahl und Tüchtigkeit der Mitwirkenden in Chor\nund Orchester, durch Präcision und sowohl Kraft und Feuer, als\nZartheit und Wohllaut in den Chören, und durch ausdrucksvollen\nVortrag der Sologesänge. Eine so ergreifende Aufführung, wie na-\nmentlich die des ganzen ersten Theiles war, erinnern wir uns kaum\nje gehört zu haben. Viel trug zu dieser grossen Wirkung gewiss\nauch das jetzt sehr verstärkte und vervollkommnete Orchester\nund das Eingreifen der Orgel bei, welche, gespielt von Herrn\nMusik-Director Weber, nicht nur bei den Chören und Chorälen\nnamentlich bei dem Pracht-Chor im zweiten Theile: „Aber unser\nGott ist im Himmel\", der erst durch sie in seiner ganzen Erhaben-\nheit sich offenbarte —, sondern auch bei einzelnen Sologesängen\nganz wunderbare, zuweilen wahrhaft erschütternde Effecte (z. B. in\ndem Recitativ des Paulus Nr. 36: „Wie der Prophet spricht\") her-\nvorbrachte. Die Herren Ibach in Barmen haben in dieser Orgel,\ndie schon jetzt mit ihren wenigen Stimmen der Kirchenmusik einen\nganz neuen Zauber im Concertsaale verleiht, ein Meisterwerk aufge-\nstellt. Was wird erst der Eindruck sein, wenn, wie wir nicht zwei-\nfeln, das Werk durch Munificenz der edlen Kunstfreunde, die es\nuns seit dem Musikfeste bis jetzt erhalten haben, vervollständigt, als\ndauernde Zierde des schönsten Concertsaales in Deutschland daste-\nhen wird! Aber auch der Chor war, wie schon gesagt, vortrefflich;\nder Preis gebührt dem Sopran, der zuweilen, z. B. in dem Chor:\n„Siehe, wir preisen selig\", mit so viel Ausdruck sang, als wäre es\neine einzige Stimme, deren Ton von der tiefsten Empfindung die\nFarbe erhielt.\nDie Haupt-Soli wurden von Fräulein Adeline Büchner aus\nKöln (Sopran) und Adele As mann aus Barmen (Alt), den Herren\nDr. Gunz aus Hannover (Tenor) und Heinrich Beer aus Bre-\nmen (Bass) gesungen. Fräulein Büchner, eine Schülerin der Gesang-\nlehrerin Frau Dr. Rademaclier liierselbst, hat eine sehr wohlklin-\ngende, leicht ansprechende und ausserordentlich sympathische Stim-\nme ; ihre Intonation ist rein und sicher, der Vortrag correct und\ninnig gefühlt, ausdrucksvoll ohne Affectation oder störende Manieren,\nIhre eminente musicalische Natur geht schon daraus hervor, dass sie\nalle ihre Partieen aus dem Gedächtnisse singt, und mit einer Sicher-\nheit, die in Erstaunen setzt. Eine sehr gute Aussprache und richtige\nDeclamation vollenden den schönen Eindruck ihres Gesanges, der\ndurch eine, wir möchten sagen: kindliche Einfachheit etwas eigen-\nthümlich Fesselndes und Rührendes hat.- Fräulein Asmann ist im"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621115-01.1.8", "texte": "Besitze einer ebenfalls sehr ansprechenden Altstimme; ihre Tonbil-\ndung ist unter der Sorgfalt des Herrn Professors Böhme vollkom-\nmener geworden, der Vortrag ist ganz correct und der Ausdruck be-\nkommt mehr Wärme. In Herrn Dr. Gunz lernten wir einen guten\nSänger mit schöner, biegsamer und schmelzvoller Stimme kennen.\nIn einigen Recitativen hätten wir etwas mehr Nachdruck gewünscht,\ndagegen war alles Lyrische, besonders der Vortrag der Cavatine:\n„Sei getreu bis in den Tod\", vortrefflich. Herr Beer war ein würdi-\nger Vertreter des Paulus; seine Auffassung der Partie hat uns sehr\nzugesagt; der Vortrag, unterstützt durch eine klangvolle, kräftige\nStimme (deren Vibrirung Herr Beer nur mehr beherrschen muss,\ndamit er nicht auch da, wo es durchaus nicht hingehört, ins Tre-\nmuliren gerathe) und durch eine deutliche Aussprache, wurde den\nverschiedenen Situationen und Seelenstimmungen des Paulus ganz\ngerecht und war besonders in den heroischen Stellen energisch und\nergreifend.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm Dinstag den 11. d. Mts. veranstaltete die Sing-\nAkademie unter der Leitung ihres Dirigenten, des königlichen\nMusik-Directors Herrn Franz Weber, eine öffentliche Sitzung vor\neinem eingeladenen Publicum, das sich sehr zahlreich im grossen\nSaale des Casino eingefunden hatte. Es wurden mit Pianoforte-Be-\ngleitung aufgeführt: „Athalia\" von F. Mendelssohn und Soli und\nChöre aus dem Psalm „Non nobis, JDomineu von demselben; ferner\n„Christus am Oelberg\" von Beethoven» Die Soli waren von Mit-\ngliedern der Akademie ganz gut besetzt; in dem Beethoven'schen\nOratorium zeichneten sich namentlich Fräulein Rothenberger\n(Seraph) und Herr A. Pütz (Partie des Christus) aus. Die Chöre\nwaren, wiß immar, sehr gut eingeübt, und das Ganze bewährte den\nSinn der Mitglieder der Akademie für die ernste Gattung der Ora-\ntorien-Musik, und das bekannte Talent des Dirigenten, diesen Sinn\n2U nähren und zu eifriger Theilnahme an den Uebungen anzuregen.\nISoiftis, 9. November. Unsere Abonnements-Concerte sind in\ndiesem Winter auf sechs mit erhöhten Preisen und Verloosung der\nPlätze festgesetzt. Die Theilnahme ist erfreulich, und in dem ersten\nConcerte am 6. d. Mts. waren alle Räume im Haupt- und den Ne-\nbensälen im goldenen Stern besetzt. Zur Aufführung kamen unter\nLeitung des städtischen Musik-Directors Herrn B. J. Brambach\nim ersten Theile: Weber's Ouvertüre zu „Euryanthe\"; Beetho-\nven's Violin-Concert, vorgetragen von Herrn Concertmeister Grün-\nwald aus Köln; der 114. Psalm für Chor und Orchester von Men-\ndelssohn; Adagio von L. Spohr und „Papageno-Rondo\" von\nErnst für die Violine (Herr Grunwald). Zweiter Theil: Sinfonia\neroica von Beethoven. Die Ouvertüre und auch die beiden ersten\nSätze der Sinfonie wurden recht gut ausgeführt, in den beiden letz-\nten Sätzen der Eroica bemerkten wir einige Ungenauigkeiten. Vor-\ntrefflich zeigte sich der Chor in dem Psalm: „Als Israel aus Aegyp-\nten zog\"; er hat nicht nur an Zahl, sondern auch an Präcision und\nSicherheit bedeutend gewonnen; die Einsätze waren kräftig und\nwurden nicht bloss von den Koryphäen und ihrer nächsten Umge-\nbung; sondern von sämmtlichen Mitgliedern fest angepackt, auch\ndie Stellen ohne Begleitung rein und klangvoll intonirt. Herrn Con-\ncertmeister J. Grunwald' s Spiel war der Glanzstern des Abends:\nAuffassung und Vortrag des Beethoven'schen Concertes waren vor-\ntieillich und rissen das Auditorium nach jedem Satze zur Bewunde-\nrung hin, während nachher in dem Bravourstücke von Ernst die\neminente Virtuosität des Künstlers hervortrat und rauschenden Ap-\nplaus ärntete.\nBai'ilieil* Unser erstes Abonn ements-Concert sollte\nam 25. October Robert Schumann's „Paradies und Peri\" brin-\ngen, aber da die Peri uns wegen plötzlichen Unwohlseins im Stich\nliess, so konnten wir nicht ins Paradies kommen und mussten im\nConcordia-Saale uns an einem obwohl improvisirten, doch recht ge-\nnussreichen Concerte genügen lassen. Cherubini's Ouvertüre zu\n„Faniska\" eröffnete dasselbe. Darauf sang Herr Musik-Director C.\nJohn aus Halle die Arie des Pylades: „Nur einen Wunsch\", aus\nGluck's „Iphigenie in Tauris\" mit hübscher und klangvoller Stim-\nme, nachher auch zwei Lieder von Schubert und Schumann, deren\neines er auf dringendes Verlangen des Publicums wiederholen musste.\nHerr J. Grunwald aus Köln spielte ein Violin-Concert von Spohr\nmit herrlichem Tone und entzückendem, echt künstlerischem Vor-\ntrage, und den Schluss des ersten Theiles bildete die Aufführung\ndes Kyrie aus einer Messe von unserem Musik-Director Herrn\nAnton Krause für Soli und Chor mit Orgel- und Orchester-Be-\ngleitung, welche allgemein ansprach und auf das ganze Werk be-\ngierig machte. Den zweiten Theil füllte die Sinfonie Nr. 11. in D-\ndur von Beethoven, welche zwar etwas besser ausgeführt wurde\nals die Cherubini'sche Ouvertüre, aber dennoch Manches zu wün-\nschen übrig liess.\nAm 25. October hatten wir hier einen seltenen\nGenuss durch die Soiree für Kammermusik, welche Herr\nAugust Kömpel, unterstützt von Mitgliedern des hiesigen Or-\nchesters und Musik-Instituts, veranstaltet hatte. Wir hörten Beet-\nhoven's Quartett in B-dur, Op. 18, Nr. 6, Spohr's Quatuor bril-\nlant in E-dur, Op. 43, und F. Men delssohn-Bartholdy' s Oc-\ntett für vier Violinen, zwei Bratschen und zwei Violoncelle. Wir\nwissen nicht, welchem von diesen Vorträgen wir die Palme geben\nsollen; wenn das classische Spiel im Beethoven'schen Quartett im\nhöchsten Grade fesselte, der Glanz der Bravour der Solo-Violine in\nSpohr's Quartett, das ein wahres Concertstück ist, zur Bewunderung\nhinriss, so machte doch zuletzt die feurige Composition Mendels-\nsohn's und die schwungvolle Gesammt-Ausführung derselben einen\nprächtigen Eindruck, der zu anhaltendem Applaus begeisterte.\n15. November. Gestern Abend wurde Fer-\ndinand Hiller's Oper „Die Katakomben\" auf dem hiesigen\nHoftheater mit glänzender Ausstattung und vollständigem Erfolg ge-\ngeben. Begeisterter Beifall wurde allen Nummern zu Theil; der\nComponist und sämmtliclie Darsteller wurden nach jedem Acte\ngerufen."}]}