{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_sha256": "bcf7a3b2c88385c8b63b014fc3f21b650327216b8f6f77444d886281895fc3da", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/11/22_01/bmtnabi_1862-11-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "369", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 455, "texte": "Inhalt.\nDer schwäbische Sängerbund. Dreizehnter Jahresbericht. Ludwig Uhland f. Aus Frankfurt am Main (Quintett\nvon A. Sowinski Concertmeister Lauterbach Veränderte Physiognomie der musicalischen Kritik). Von A. S. Katholischer Kirchen-\ngesang. Von R. J. Aus Dresden (Soiree von Ludwig Hartmann). Tages- und Unterhaltungsblatt (Karlsruhe, F. Hiller's\nOper „Die Katakomben\" Frankfurt am Main, „Didaskaliau, Matineen für Kammermusik Hannover, Herr Joachim)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "370", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.2.2", "titre_corps": "Der schwäbische Sängerbund.", "titre_sommaire": "Der schwäbische Sängerbund.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.1", "debut_caractere": 457, "fin_caractere_exclue": 4173, "texte": "Der schwäbische Sängerbund.\nDem dreizehnten Jahresberichte des schwäbi-\nschen Sängerbundes, für 1862 den 12. November aus-\ngegeben, entnehmen wir folgende Notizen von allgemeine-\nrem Interesse.\nA. Der deutsche Sängerbund. Bekanntlich wur-\nden die Vorarbeiten zur Gründung desselben dem Vor-\nstande des schwäbischen Bundes (Dr. K. PfafF, Dr. 0. El-\nben, Professor Dr. J. Faisst, J. Raur, W. Wiedemann in\nStuttgart, Esslingen und Heilbronn) übertragen.\n„Nach Anberaumung des ersten deutschen Sänger-\ntages traten 76 Vertreter von 41 deutschen Sängerbün-\nden zu gemeinschaftlicher Berathung am 21. September\nin Coburg zusammen. Es war in der That ganz Deutsch-\nland vertreten; der liederreiche Süden und Südwesten, so\nwie Thüringen vielleicht etwas stärker, aber auch der Nor-\nden: die Rheinlande, Niedersachsen, Mecklenburg, das\nferne West- und Ostpreussen, Schlesien, und von Oester-\nreich: Salzburg, Ober- und Niederösterreich hatten ihre\nVertreter gesandt; ja, für die deutschen Sänger in Russ-\nland war ein eigener Abgeordneter aus Riga erschienen;\ndie Vertretung des deutschen Sängerbundes in Grossbri-\ntannien fehlte bloss durch einen zufälligen Umstand. Der\nVorsitz wurde an Dr. Otto Elben aus Stuttgart übergeben.\nDie Berathungen waren äusserst lebhaft und nahmen sechs\nStunden in Anspruch; die Versammlung widmete sich mit\naller Aufopferung der hohen Aufgabe; wir möchten be-\nsonders hervorheben, wie dieselbe es verstanden hat, durch\ndie nothwendige Resignation an rechter Stelle die Vollen-\ndung des Werkes zu ermöglichen. Der wichtigste Beschluss\ndes Sängertages ist die Gründung des deutschen\nSängerbundes. Dieser Beschluss wurde einmüthig ge-\nfasst. Bei der Frage, ob dem neu gegründeten Bunde\nSatzungen gegeben werden sollen, erhoben sich einige\nZweifel; insbesondere nahmen einige Abgeordnete aus\nSachsen, wo das dortige Vereinsgesetz Hindernisse bietet,\nAnstoss an förmlichen Satzungen. Die grosse Mehrheit\nentschied sich jedoch für solche. Nunmehr ging die Ver-\nsammlung zur Berathung des von uns veröffentlichten Ent-\nwurfs von Satzungen über u. s. w. Der Sängerlag soll\nnicht bloss je mit dem deutschen Sängerfeste verbunden,\nsondern ausserdem je alle zwei Jahre gehalten werden.\nDie Beiträge sollen nach der Kopfzahl der einzelnen Bünde\nberechnet werden und sind bis zum nächsten Sängertage\nauf 3 Kr. jährlich für jeden Sänger festgestellt worden.\nDas nächste deutsche Sängerfest soll wo möglich am\n18. Juni 1865 zum fünfzigjährigen Gedächtnissfeste der\nSchlacht von Waterloo gefeiert werden; die Feststadt ist\nnoch nicht bestimmt, doch wurde mehrfach von Dresden\ngesprochen. Die Wahl des Sänger-Ausschusses ergab\nfolgendes Resultat: a) als geschäftsführender Aus-\nschuss wurde durch Acclamation einstimmig der Aus-\nschuss unseres Bundes gewählt; derselbe gehört mit sei-\nnen fünf Mitgliedern dem Gesammt-Ausschusse an; b) in\nden Gesam mt-Ausschuss wurden ferner gewählt: Dr.\nmed. Gerster in Nürnberg, Staats-Anwalt Meyer in\nThorn, Reg.-Rath Fentsch in München, Dr. Hölzl in\nStraubing, Musik-Director Jul. Otto in Dresden, Musik-\nDirector R. Tschirch in Berlin, Kreisgerichts-Assessor\nEberhardt in Coburg, Hofgerichts-Advocat Dr. Bauer\nin Wien, Schatzrath v. Rössing in Hannover, Rechts-\nConcipient Beckh in Nürnberg. Von diesen fünfzehn Mit-\ngliedern werden nun demnächst noch zehn weitere Mitglie-\nder cooptirt werden. Die Satzungen werden mit dem Pro-\ntocoll versandt werden.\n„B.Der schwäbische Bund besteht dermalen aus\n355 Einzel-Vereinen. Leider lassen uns die Einzel-Vereine\ngrossentheils ohne die öfter gewünschte und durch Gene-\nral-Versammlungs-Beschluss vom 14. November 1852\nangeordnete genaue Statistik. Rechnen wir nach dem für\nuns maassgebenden Durchschnitt zwanzig Sänger auf einen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2500, "texte": "Verein, so beträgt die Sängerzahl des schwäbischen Sän-\ngerbundes 7100.\n„Von den Ehren-Mitgliedern unseres Bundes haben\nwir im ablaufenden Jahre eines durch den Tod verloren:\nJustinus Kerner, der gemüthvolle schwäbische Sänger,\nist am 21. Februar 1862 heimgegangen. Wir haben\neinen Lorberkranz auf seinen Sarg Namens des Bundes\nniedergelegt. Seine Heimat, das freundliche Weinsberg,\nhat es unternommen, das Andenken des Dichters durch\nein Denkmal zu ehren. Es liess sich erwarten, dass die\nschwäbischen Sänger sich mit Freuden an diesem Unter-\nnehmen betheiligen würden.\n„Für den Sommer 1863 hat Oehringen das allge-\nmeine schwäbische Liederfest übernommen. Wir\nkönnen es nicht unterlassen, hier ein dringendes Mahn-\nwort an die Sänger unseres Bundes zu richten. Wenn\nwir unsere Stelle auch den Gesangesleistungen nach wür-\ndig ausfüllen wollen, so muss mit mehr Ernst und Eifer,\nals dies vielfach bisher geschehen ist, die Einübung der\nFestgesänge vorgenommen werden. Der schwäbische Sän-\ngerbund darf mit seinen Leistungen nicht stehen bleiben\noder gar zurückkommen; eine strengere Disciplin in den\neinzelnen Vereinen, grössere Aufopferung der Sänger für\ndie Gesangübungen überhaupt, besonders aber für die dem\nganzen Bunde gemeinsame Aufgabe der Festgesänge, und\nstrenge Festhaltung des Grundsatzes, dass an den Auffüh-\nrungen nur die Sänger Theil nehmen, welche wirklich\ndie Festgesänge gehörig eingeübt haben, sind somit abso-\nlut nothwendig.\n„Bei dem am 24. August zu Speyer gehaltenen zwei-\nten pfälzischen Sängerfeste war derAusschuss nur durch\nEin Mitglied vertreten, welchem zugleich, wie schon vor\nzwei Jahren, die Direction der allgemeinen Festgesänge\nübertragen war (Dr. Faisst). Der entschiedene Fortschritt\nin den Leistungen der plalzer Sänger, wie er sich in der\ngelungenen Ausführung auch schwierigerer Gesänge zu\nerkennen gab, dürfte für unsere schwäbischen Vereine ein\nbesonderer Sporn zu ernstem Streben sein, damit uns die\nBeschämung erspart bleibe, hinter einem noch so jungen\nNachbarbunde, von welchem mehrere bedeutendere Ver-\neine schon früher sich unserem Bunde angeschlossen hat-\nten, an Leistungsfähigkeit zurückzustehen.\"\nAm Schlüsse des Berichtes bringt der Vorstand die\nfortzusetzenden Beiträge für verschiedene vaterländische\nZwecke in Erinnerung und bittet, „um den norddeutschen\nBrüdern einen herzlichen Gruss aus Schwaben schicken\nzu können, um Beiträge für das Denkmal, welches die\nStadt Hannover dem unvergesslichen Liedersänger Hein-\nrich Marschner setzen will.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "370", "page_fin": "371", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.2.3", "titre_corps": "Ludwig Uhland", "titre_sommaire": "Ludwig Uhland", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.2", "debut_caractere": 2502, "fin_caractere_exclue": 5168, "texte": "Ludwig Uhland\nNur zwei Tage nach dem Erscheinen dieses Berichtes\nverschied das Haupt des schwäbischen Dichterkreises,\nLudwig Uhland, dessen Lieder fast alle zeitgenössischen\ndeutschen Tonsetzer zu Compositionen begeistert haben,\ndie von Tausenden der deutschen Sänger gesungen wor-\nden sind und gesungen werden. Er war geboren zu Tü-\nbingen am 26. April 1787. Als Dichter trat er öffentlich\nzuerst in Seckendorfs Musen-Almanach (1806 und 1807),\ndann im „Poetischen Almanach\" von 1812 und im „Deut-\nschen Dichterwald\" (1813) auf; die erste Ausgabe seiner\nGedichte erschien im Jahre 1815. Eine eben so innige\nals männliche Hingabe an alles Edle und Grosse im Vater-\nlande, mochte es aus der Vergangenheit zu uns herüber\nleuchten oder sich kräftig neu gestalten, zeichnete ihn als\nMensch und Dichter aus; davon zeugen nicht nur seine\nLieder, Balladen und dramatischen Dichtungen, sondern\nsein ganzes Leben und Wirken in Wissenschaft und Staat.\nEr war ein lebendiger Beweis, wie sich ein tiefes Gemüth\nund die echte Romantik mit Klarheit des Verstandes, Ge-\ndiegenheit der Gesinnung und Festigkeit des Charakters\ngar wohl vertragen, wenn für sie alle die Wahrheit die\nGrundlage bildet. Ueber seinen Tod—am 14. November,\nAbends zwischen 8 und 9 Uhr und seine Beerdigung\nentnehmen wir einem Briefe an den Redacteur der Kölni-\nschen Zeitung (Nr. 321) aus Tübingen vom 16. Novem-\nber folgende Zeilen:\n„So eben haben wir Ludwig Uhland zur Erde be-\nstattet. Unser sonst so stilles, abgelegenes Tübingen füllte\nsich schon Vormittags, denn von nah und fern brachten\ndie Bahnzüge ganze Scharen, um dem grossen Dichter die\nletzte Ehre zu bezeigen. Die Stadt, in der er geboren, ge-\nlebt und gestorben, die Universität, der er einige Jahre\nangehört, bis ihn seine Ueberzeugungs-Treue den Dienst\ndes Vaterlandes dem Dienste der Wissenschaft vorziehen\nliess, die Kammer der Abgeordneten, die bürgerlichen\nCollegien von Stuttgart und Tübingen, der schwäbische\nSängerbund und andere auswärtige Sangvereine, Alles\nwollte sich dem grossartigen Zuge anschliessen, der vor\nwenigen Stunden, weit über tausend Menschen umfassend,\nunter Trauermusik und mit zahlreichen umflorten Fahnen\n*\nsich langsam durch die Strassen bewegte. Die Feier am\nGrabe wurde von der akademischen Liedertafel mit einem\nUhland'schen Liede eröffnet. Dann schilderte der Decan\nder hiesigen Stiftskirche, der als Seelsorger dem Entschla-\nfenen seit Jahren nahe gestanden, das Wesen desselben\nnach allen Seiten, was er trotz allen herben Schlägen, die\nsein Leben von aussen getroffen, bis zuletzt den Seinen,\nden Freunden, den Genossen in der Gesinnung, der Dich-\ntung und der Wissenschaft gewesen, was er immerdar weit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3361, "texte": "über die enge schwäbische Heimat hinaus dem deutschen\nVolke bleiben wird. Ueber Alles rührend waren die Verse,\nwelche der treue Freund und Altersgenosse Karl Mayer\nam offenen Grabe vorlas. Mit Befriedigung muss ich her-\nvorheben, dass unsere akademische Jugend, um sich voll-\nzählig an der Todtenfeier des Dichters zu betheiligen, mit\ndessen Liedern sie aufgewachsen, alle ihre, freilich noch\nauf keiner Hochschule beseitigten Zwistigkeiten bei dieser\nGelegenheit suspendirt hat. Die hiesige Burschenschaft, die\nneben ihrer allgemein deutschen Tendenz doch auch stark\nschwäbischem Patriotismus huldigt und seit längerer Zeit\nin Uhland ein Ehren-Mitglied hoch hielt, liess es sich nicht\nnehmen, den auch mit schwarz-roth-goldenen Bändern ge-\nzierten Sarg an das Grab zu tragen. In diesem Augen-\nblicke bewegt sich ein stattlicher Fackelzug der Studenten\nnochmals zum Kirchhofe hinaus, um an dem Grabhügel\nvorüberzuziehen. Allein die Jugend und das männliche Al-\nter haben heute jedenfalls wetteifernd das Bewusstsein zu\nerkennen gegeben, dass nicht nur Schwaben seinen gröss-\nten Mann betrauert, sondern ganz Deutschland den Dich-\nter, dem es bei längerem Leben vergönnt war, nach dem\nUrtheile und in den Augen Aller den ersten Rang einzu-\nnehmen. Allgemein auffallen nur musste es, dass, während\nein Extrazug vorzüglich die Stuttgarter und viele Mitglie-\nder der Stände-Kammern hieherführte, von Seiten der\nStaats-Behörden nichts geschehen ist, um Uhland auch\nnur im Tode eine Huldigung darzubringen.\"\nUeber die Krankheit und die letzten Tage des Dahin-\ngeschiedenen fügt das Schreiben hinzu: „Seit der Erkäl-\ntung, die sich der entschlafene Dichter, der mit übergros-\nser Pietät kein Leichen-Begängniss eines Bekannten ver-\nsäumte, zu Anfang dieses Jahres am Grabe Kerner's oder\nbei einer anderen Gelegenheit auf dem hiesigen Kirchhofe\ngeholt, schwanden ihm, der bisher von keinem körperli-\nchen Unwohlsein gewusst halte, seine Kräfte langsam, aber\nzusehends. Es zeigte sich ein krebsartiges Geschwür auf\nder Brust, das nach dem Urtheile der Aerzte späterhin\nnach innen eine Zersetzung des Blutes, Wassersucht und\nschliesslich ein Gehirnleiden zur Folge hatte. Allein es gab\ndoch noch leidliche Zeiten, da auch ich ihn wohl bei war-\nmem Sonnenschein auf seinem Weinberge sitzend fand und\nein halbes Stündchen über deutsche Sagen-Bildung und\nromanische Dichtung mit ihm verplaudern konnte, Gegen-\nstände, bei deren Erwähnung seine sonst so stumme Art\nin Gesellschaft stets auf der Stelle aufzuleben pllegte, und\nvon denen man annehmen darf, dass ihnen seine Gedan-\nken, so lange sie dem Leben gehörten, zugewandt geblie-\nben. Noch in den letzten Wochen und Tagen, wo ein\nschlummerartiger Zustand immer schlimmer mit asthmati-\nschen Beschwerden abwechselte, hat der Sterbende, bis-\nweilen aufwachend, nach der Folge einiger Verse gefragt,\nauf die er sich nicht besinnen könne, oder sich mit roma-\nnischen Flexionen und einem besonders geliebten Mythen-\no J\nCyklus zu schaffen gemacht. Einmal erwachte er mit der\nBitte, ihm doch die nun endlich erschienene neue Ausgabe\ndes Walther von der Vogelweide (von Wackernagel und\nRieger), des Dichters, an dem von Anfang an sein Herz\nhing, zu geben. Die Ausgabe, in der That eben vollendet\nund ihm gewidmet, traf indess erst am Tage vor dem Tode\nein, zu spät, um von dem brechenden Auge auch nur noch\nerblickt zu werden.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "371", "page_fin": "374", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.3", "debut_caractere": 3363, "fin_caractere_exclue": 5149, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\n[Ein Quintett von A. Sowinski Concertmeister Lau-\nte rbach Veränderte Physiognomie der musicalischen\nKritik.]\nIm vorjährigen Jahrgange dieses Musik-Organs war\nin Nr. 23 nachstehende Notiz aus Paris zu lesen:\n„Eine seltene Erscheinung in Paris ist der Druck\neines Quintetts für Pianoforte, Violine, Viola, Violonceil\nund Contrabass von Albert Sowinski. Es hatte im\nvorjährigen Concerte des Componisten grossen Beifall ge-\nfunden.\"\nHerr Concertmeister Eliason, der, beigehend be-\nmerkt, sich im Besitze eines Talismans zu befinden scheint,\nder es ihm ermöglicht, alljährlich zwei Concerte bei stets\nüberfüllten Räumen und 30 Grad R. Temperatur zu ge-\nben, hatte, nach löblicher Gewohnheit, jedesmal ein noch\nunbekanntes Werk zu Gehör zu bringen, dieses Quintett\nin seinem Concerte am 1. November zur Aufführung ge-\nbracht*). Es soll mir eine angenehme Aufgabe sein, mich\nüber dieses Werk und dessen Autor des Näheren auszu-\nsprechen, zumal der ihm von unserem Publicum gewor-\ndene Beifall nur ein geringer war und die Localblätter\nnur ungünstige Urtheile darüber in die Welt sandten. Das\nWerk, nachdem ich es gehört, liegt mir zu genauer Kennt-\nnissnahme nun auch in Stimmen vor. Die herrschende\nTonart ist E-dur.Vor Allem werden wir von dem Stii-\ngepräge aller vier Sätze [A\nScherzo und Rondo), das im Allgemeinen mit dem übli-\nchen Stilgepräge in dieser Gattung von Kammermusik un-\nserer Zeit contrastirt, angenehm überrascht und vorweg\nfür das Werk eingenommen. Fast könnte dasselbe zu der\nAnnahme verleiten, dass dessen Genesis in das zweite oder\ndritte Jahrzehend zurück zu versetzen sei, wo ein gewisser\nJoh. Nep. Hummel und verschiedene seiner begabten Nach-\n\n*) Die Schottische Musikhandlung in Mainz vermittelt den Debit\ndieses Werkes für Deutschland.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5441, "texte": "eiferer eine gewisse Anzahl von Werken ähnlichen Ge-\npräges der Kunstwelt übergeben haben, von denen unsere\nin neue Bahnen gerathene Fortschritts-Periode keine oder\nnur noch geringe Notiz nimmt. Zur Erklärung dieser selt-\nsamen Erscheinung wird jedoch zu wissen genügen, dass\nHerr Sowinski zu Anfang des vierten Jahrzehends, noch\nim Jünglingsalter stehend, in Wien seine Kunst-Studien\ngemacht, als zur Zeit Hümmel s, Moscheies' und anderer\nverwandter Componisten Werke dort noch an der Tages-\nordnung waren und den höher strebenden Kunstjünger\nan sich zu ziehen nicht verfehlen konnten. Es weht uns\ndaher aus diesem Quintett ein so achtungswerther Cha-\nrakter des Natürlichen, Ungesuchten und Freundlich-Ern-\nsten entgegen, wie derselbe den Meisterwerken jener\nEpoche zu eigen. In rhythmischer Hinsicht zeigt sich der\nComponist als formgewandter Bildner nach den besten\nMustern jener Schule, die (Gottlob!) von den seit Mendels-\nsohn und Schumann in Anwendung gekommenen so ge-\nnannten „verschränkten Rhythmen\" noch nichts gewusst,\nwodurch der Verstand des Verständigsten oft auf eine\nharte Probe gestellt wird. Einer Schöpfung zu begegnen,\ndie nur äusserlich Verwandtes, innerlich aber Selbsteige-\nnes aufweist, kann nur die Achtung vor dem Componisten\nerhöhen, indem derselbe zugleich nicht geringen Muth be-\nkundet, zur Zeit hoch angeschwollener Fluten von Ephe-\nmeriden jeder Sorte mit einem mehrstimmigen Werke\nsolchen Gehaltes hervorzutreten. Es ist uns indess bekannt,\ndass Sowinski in Paris und im ganzen Franzosenlande als\nComponist für das Pianoforte, als Clavierspieler, nicht min-\nder auch als musicalischer Schriftsteller eines festbegrün-\ndeten Rufes geniesst. In letzterer Beziehung hat er sich\nvornehmlich durch sein 1857 bei Le Clerc & Comp, in\nParis erschienenes Werk: „Les Musiciens Polonais et\nSlaves, andern et modernes\", als Lexicograph einen aus-\ngebreiteten Ruf erworben. In Deutschland ist Sowinski\nnun in dieser Mainstadt zum ersten Male mit einer grösse-\nren Composition auf dem Programm erschienen, nachdem\ner sich vor einigen Jahren bereits als Pianist in Concerten\nzu Baden-Baden, Karlsruhe, Mannheim und Wiesbaden\nhören gelassen.\nWie kommt es aber, dass der diesem Quintette in\nParis zu Theil gewordene „grosse Beifall\", der alsbald\ndessen Erscheinen im Druck ermöglicht hat, mit dem Bei-\nfalle in unserem Concertsaale so wenig im Einklänge\nsteht? Die Gründe sind nicht weit zu suchen. In Paris\nward die Hauptstimme vom Componisten selber ausge-\nführt und auch das Ganze im Geiste seines Werkes gelei-\ntet; in Frankfurt hingegen befand sich die mit nicht ge-\nringer Bravour ausgestattete Hauptstimme unter den Hän-\nden eines zwar recht talentvollen, aber noch jugendlichen,\nmit noch zu wenig Selbstbeherrschung versehenen Künstlers,\ndem der höchste Zweck einer Kunstleistung bis jetzt (nach\njugendlicher Sitte) in Ueberwindung von Schwierigkeiten\nzu stehen, und Studium des Charakteristischen noch nicht\nviel Sorge gemacht zu haben scheint. Dem feurigen Ren-\nner den Kappzaum anzulegen, um ihm das Präcipitiren\nin den Allegro-Sätzen zu erschweren, wäre ein verdienst-\nliches Thun des mitwirkenden Concertmeisters gewesen.\nBei Schilderung des Ciavierspiels in dieser freien Stadt\n(Nr. 43) gedachte ich auch des Pianisten Wallenstein*),\nmich dahin äussernd, dass derselbe im Werden begriffen\nsei. Es bedarf wohl kaum der Erklärung, dass das gei-\nstige Wesen damit gemeint ist; denn das Handwerk an-\nlangend, nimmt es Herr Wallenstein schon mit Frau\nSchumann und anderen Koryphäen der Technik auf. Dies\nhat der junge Held den Abend vor Aufführung des So-\nwinski'schen Quintetts in Beethoven's Sonate mit Violine,\nOp. 30, C-moll, bis zur Evidenz bewiesen. Welche von\nden technischen Kunstgrössen vermöchte wohl dieses Werk\nin den Allegro-Sätzen mit mehr Finger-Gewandtheit ab-\nzuspielen? Den tiefernsten Charakter in wohl bemessener\nRuhe und würdig zur Geltung zu bringen, damit kein Pas-\nsagenwerk zu hören, das überlassen wir Anderen. Dass\ndie Violine des Herrn Straus die grösste Mühe hatte, in\ndiesem Wettlaufe gleichzeitig an der Stange anzukommen,\nist begreiflich, wie noch, dass dieselbe nur ein Miniatur-\nbild zu geben vermochte, weil der Pianist in den bloss\nbegleitenden Stellen fortan zu starke Farben aufgetragen.\nOder sollte wohl das Verkennen des Charakteristischen in\ndieser Sonate gar auf Rechnung des Herrn Straus zu\nstehen kommen?\nMögen Virtuosen in solch unkünstlerischer Art, weil\ndies doch schon so an der Tagesordnung, mit dem Werke\neines accreditirten Componisten verfahren, um von der\nunverständigen, von dem Strahlenglanze des Classikers\nvollends geblendeten Menge dennoch mit grossem Beifalle\nbelohnt zu werden (wesshalb dieses Beispiel mit aieser ab-\ngehetzten Sonate hier eingeschaltet wird): dem Werke\neines unbekannten Autors wird solches Verfahren empfind-\nlich schaden, wenn nicht den Tod bringen. War es schon\ndem gebildeten Zuhörer schwer, den ersten Satz des in\nRede stehenden Quintetts in seiner wahrhaften Charak-\nteristik aufzufassen, die bei aller Brillanz einen würdevol-\nlen Ernst offenbart, was sollte wohl das grosse Publicum\ndamit beginnen? Es liess ihn fallen. Der schöne, tief-\nempfundene Andante-Satz, vom Contrabass und Violon-\n\n*) Der Name dieses vielversprechenden Pianisten wird in den\nLocalblättern, wie auch in der Conversation bald Wallenstein,\nbald Wallerstein ausgesprochen. Es wäre an der Zeit, die\nrichtige Schreibart festzustellen (nämlich: Wallen stein)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4949, "texte": "cell eingeführt (diese beiden Instrumente sind überhaupt\nim ganzen Werke stark obligat), vermag den Glauben an\ndas Talent des Componisten nicht zu erhöhen, wenn der\nerste Satz schon kalt gelassen. So wird es auch dem\nScherzo (H-moll) ergehen, wenn selbst dessen Ausführung\neine tadellose wäre, was wirklich der Fall gewesen. Im\nRondo (.Allegro non troppo) befanden wir uns aber wieder\nin der Arena, wo der feurige Renner in zügelloser Schnel-\nligkeit mit dem Piano die Schranken übersprang, so dass\ndie episodische Polacca zum Schlüsse hin vor dicken Staub-\nwolken kaum zu erkennen gewesen. Der darauf laut ge-\nwordene sehr massige Beifall scheint wohl ausschliesslich\nder Mühewaltung des Pianisten gegolten zu haben.\nZur Bekräftigung des Vorstehenden mögen einige\nSätze aus den Referaten zweier hiesigen Kritiker dienen.\nDer Referent in der Didaskalia sagt unter Anderem: „Das\nQuintett ist eigentlich gar nicht ein Quintett; es ist ein\nrecht anmuthig klingendes, melodiöses Concertstück für\nPianoforte\" u. s. w. Der Kritiker hat in so fern nicht\nganz Unrecht, als in einem mehrstimmigen Werke, in wel-\nchem die Hauptstimme fortan so sehr prädominirt, wie es\nbei diesem Quintette der Fall war, der organische Bau\nzerstört wird und nur mehr ein Concertstück übrig bleibt.\nAuch „tiefsinnige contrapunktische Verschlingungen\" hat\ndieser Kritiker nicht entdecken können. Sind denn aber\nderlei „Verschlingungen'' überhaupt in Werken freien\nStils zu suchen? Welche der Beethoven'schen Sinfonieen\nhat denn dergleichen aufzuweisen? Der Beurtheiler im\nConversations-Blatte macht sich aber vollends lächerlich,\nwenn er den ersten und dritten Satz des Quintetts „voll\nvon Reminiscenzen an Mozart und Mendelssohn findet, die\nein Mischlings-Genre zwischen diesen Heroen darin reprä-\nsentiren\". Aus dem Haupt-Motiv des vierten Satzes will\nunser Aristarch eine Strauss'sche Quadrille „geschmeckt\"\nhaben. Des Spasses halber soll der Anfang dieses Motivs\nhier beigesetzt werden:\nSo ergeht es einem noch unbekannten Werke auf\nfremdem Boden, wenn dessen Autor nicht mit einem euro-\npäischen Kufe vor das Publicum treten kann, und wenn\nbei dessen Besetzung und Ausführung nicht die grösste\nSorgfalt obwaltet. Möge jedoch Herr Sowinski die Versi-\ncherung hinnehmen, dass sämmtliche anwesende Fach-\nmusiker von Auszeichnung dieser seiner Composition mit\ngrösstem Interesse gefolgt sind und eben so seine darin\nausgesprochene Kunstgesinnung als auch dargethane Be-\nfähigung zu höheren Kunstgebilden mit collegialem Ver-\ngnügen begrüsst haben.\nZu einem anderen, der Besprechung in diesen Blättern\ngleich würdigen Gegenstande übergehend, gewährt es mir\nein besonderes Vergnügen, der erstmaligen Bekanntschaft\nmit Herrn Concertmeister Lauterbach aus Dresden er-\nwähnen zu können, ein Name, der mit vollem Rechte den\ntüchtigsten Meistern auf der Violine zugezählt wird, auf\ndie unsere zerklüftete Musik-Epoche stolz zu sein Ursache\nhat. Herr Lauterbach spielte im ersten Museums-Concerte\nam 24. October das D-moll-Couceri von Spohr, dann\nnoch Adagio und Rondo aus dem 19. Concerte von Ru-\ndolph Kreutzer (weiter nichts, nicht einmal die Ciaconne,\noder eine Bach'sche Fuge, oder andere derlei Schulstuben-\nstücke aus dem Perrücken-Zeitalter der Musik, welche die\nMode jetzt aus den Antiquarien wieder hervorsucht, wo-\ndurch der Königin unter den Instrumenten was die\nGeige in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts\nnoch nicht war offenbar Gewalt angethan wird, deren\nEigenschaften der ästhetisch gebildete Sinn des neunzehn-\nten Jahrhunderts in entsprechenderer Weise zu verwer-\nthen versteht, als durch ein mehrstimmiges und dennoch\nmonotones Getöne, zuweilen auch Gekratze mit oder\nohne abgespannten Bogen). Herr Lauterbach hatte sich\ndurch diese Vorträge des ausgezeichnetsten Beifalles zu er-\nfreuen, in welchen die Kritik sämmtlicher Blätter mit ein-\ngestimmt hat. Alles an diesem Künstler ist edel und ge-\ndiegen, Ton, Stil und Behandlung des Instrumentes. Feurig\nim Allegro, erreicht er im Adagio das Höchste, was wir\nim Laufe der Jahre in diesen Concerten nur ein oder zwei\nMal zu hören bekamen. Wahrlich, Lipinski hat an ihm\nden würdigsten Nachfolger erhalten! Obgleich Herr Lau-\nlerbach Spohr niemals weder gesehen noch gehört, so\nzeigte seine Leistung im obigen Werke dennoch ein so\ninniges Verständniss der Eigenthümlichkeiten und Anfor-\nderungen von dessen Schule, als wäre er unmittelbar aus\nderselben hervorgegangen. Lauterbach ist aber Schüler\nvon de Beriot, an dessen Methode und Behandlungsweise\nder Geige beim Vortrage obiger Werke nichts mehr er-\ninnert hat. Ein baldiges Wiederkommen des trefflichen\nKünstlers wird unseren Musikfreunden ohne Zweifel recht\nerwünscht sein.\nEs ist nicht besonders erfreulich, sagen zu müssen,\ndass die musicalische Kritik ihre Physiognomie gegen vo-\nrige Winterzeit um ein Wesentliches verändert hat. Die\nam meisten beachtete Stimme in den Spalten der „Zeit\"\nist leider ganz verstummt, vielleicht darum, weil die Süd-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2925, "texte": "deutsche Zeitung, die seit Juli mit der „Zeit\" verschmol-\nzen worden, die Kunstkritik- ausschliesst.— Conversations-\nBlatt behilft sich einstweilen mit einem Provisorium, indem\nHerr Nehrlich, der Beurtheiler in voriger. Saison, noch\nabwesend ist.—Didaskalia tritt mit einem neuen Referen-\nten auf, der schon Zeichen von Sacbkenntniss gegeben.\nDieser, wie auch der provisorische Referent in vorbenann-\ntem Blatte, machen auffällige Concessionen an Kunstgrös-\nsen und unterstützen damit das Publicum in seiner vorge-\nfassten Meinung. Wie beneidenswerth ist doch unsere\nKünstler-Aristokratie! Vor noch nicht langer Zeit gab es\neine andere Aristokratie, die sich über Regeln des An-\nstandes, der guten Erziehung, sogar über Vorschriften der\nhohen Polizei keck hinwegsetzte, ohne dass die öffentlichen\nBlätter einen lauten Tadel gewagt. Diese Aristokratie ist\ndurch die frei gewordene Presse in die gebührenden\nSchranken zurückgewiesen worden; an ihrer Stelle ge-\nwahren wir nun die Künstler-Aristokratie, und zumeist\njene, die von einem Concertsaale zum anderen wandert,\num die bereits tief eingerissene Begriffs-Verwirrung in\nSachen der Kunst noch zu vergrössern. Die „Frankfur-\nter Laterne\" bringt in ihrem Beiblatte ziemlich ausführ-\nliche Musik-Berichte, die nicht frei von Parteilichkeit sind.\nSollte es sich bestätigen, was im Publicum bereits mit\neiner gewissen Bestimmtheit ausgesagt wird, dass nämlich\nletztgenanntes Blatt, dessgleichen auch Didaskalia, ihre Le-\nser mit den von der reichbesetzten Tafel des Herrn Mali-\nbran abfallenden Brosamen nähren, wie im letzten Winter\ndie Neue Frankfurter Zeitung gethan, so wäre solcher\nSchacher in der Kunstkritik hier am Orte eben nicht neu,\ngewiss aber sehr unehrenhaft für die betreffenden Redac-\ntionen. Vorzugsweise müsste die Didaskalia der Vorwurf\ntreffen, so schnöden Handel mit Recht und Wahrheit\nschon wieder zu beginnen, wo das seit langen Jahren\ndarin vorwaltende Princip: „Leben und leben lassen\",\nkaum beseitigt war, nachdem in Folge dessen in ihren\nSpalten so viel gesündigt worden. Hoffentlich ergibt es\nsich, dass eine fremde Inspiration bei diesen beiden Blät-\ntern doch nicht Statt findet. Was schliesslich Herrn Ma-\nübran direct betrifft, so lässt er seinen\nim Journal de Francfort wieder allwöchentlich los. Das-\nselbe französische Feuilletonisten-Geschwätz, wie früher,\ndas jedoch für Deutschland nicht im Geringsten gefähr-\nlich ist, somit wohl auch für Darmstadt nicht, wohin er\nseinen Courrier öfters aussendet. Indess ist doch zu be-\ndauern, dass ein gebildeter Musiker, der sich auch in der\ngrossen Kunstwelt umgesehen, auf deutscher Erde von sei-\nner nationalen Sitte nicht lassen kann, so ungeheure Hau-\nfen von Spreu hinzuschütten, aus denen der Leser nur mit\nMühe einige gesunde Körner herauszufinden vermag. Es\nist keine Frage, ob Herr Malibran Besseres zu leisten ver-\nmöchte, wenn er den französischen Leichtsinn fahren las-\nsen könnte.\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-22_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "374", "page_fin": "375", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.2.5", "titre_corps": "Katholischer Kirchengesang.", "titre_sommaire": "Katholischer Kirchengesang.", "signature_source": "R. 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Bisweilen klingen\nunsere neueren Harmonie-Verbindungen durch und mo-\ndernisiren so fast unwillkürlich die alten Tonarten. Ein\npaar Mal könnte man über die Tonart zweifelhaft bleiben!\nSo z. B. gibt der Ambitus von g—g der Oberstimme in\nder Missa Salve regtnadoch wohl den\nan, während der Verlasser die eilfte Tonart dafür bezeich-\nnet. Wenn auch die alten Meister den Ambitus manchmal\nals Cantus abundanseinführten, so wurde doch im Allge-\nmeinen derselbe festgehalten, und man dürfte es nicht gut\nheissen, diese Licenz nachzuahmen und als Regel zu be-\ntrachten. Dass der Cantus firmhin und wieder in einer\nUnterstimme geführt wird, gibt der Oberstimme noch nicht\ndie Erlaubniss zum Ausschreiten und eine wesentliche\nEigenschaft der alten Tonarten zu verletzen. So dürfte\nauch das Motett Felix es nach dem Ambitus von nach\nder siebente und nicht der achte Ton sein. Die Lage er-\nschiene sonach authentisch und nicht plagal. Womit wir\nnicht wohl einverstanden sein können, ist, dass das im\ndritten Tone geschriebene Graduale in schliesst.\nAn den Muster-Beispielen eines Palestrina, Viltoria, Las-\nsus und besonders Uttendal finden wir das nicht. Der re-\ngelmässige Final-Ton wird bei allen diesen Gesängen, mit\nAusnahme der Psalmodie, festgehalten und erscheint be-\nstimmt in den Motetten mit mehreren Theilen beim letzten\n1 heile, wenn auch die vorhergehenden in einer Confinale\nmeistens in unserer Unter- oder Ober-Dominante\nschiiessen. Häufig liegt von solchen Motetten nur der erste\nTheil vor, und man geräth dann sicherlich auf Irrwege,\nwenn der etwa den Schluss bildende Confinal-Ton als\nechte Finale betrachtet wird. Das Motett\nist mit einem $ in die Obersecunde transponirt. Die Alten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2509, "texte": "kannten doch wohl nur Eine Transposition, die in die\nOberquart mit einem b.Wenn daher nach jüngeren Mei-\nstern auf eine andere Intervall-Stufe transponirt werden\nwill, so dürfte die richtige Vorzeichnung zu wählen sein,\num das Erkennen der Tonart zu ermöglichen. Demnach\nwäre besser mit zwei $ in die Obersecunde transponirt\nworden, da Ein § die Transposition in die Oberquint oder\nUnterquart vermuthen lässt. Es sollte doch wohl das h\n(hier eis) im ersten Tone wesentlich erscheinen, nicht\nzufällig; das wäre durch Vorzeichnung von zwei ge-\nschehen. Die Quartsext-Aceorde könnten Anstoss geben,\nbesonders wo sie nicht bloss als durchgehende auftreten.\nDiese Bedenken mögen den Verfasser, den wir hoch-\nachten und dessen contrapunktische Kenntnisse wir sehr\nanerkennen, überzeugen, dass wir seine Arbeiten schätzen\nund einer eingehenden Durchsicht vollkommen werth ge-\nhalten haben. Ob es aber für den Zweck nicht wirksamer\nwäre, wenn talentvolle Jünger der alten Meister ihre Kräfte\nauf die richtige Auffassung und Darstellung der vorhan-\ndenen Werke der Alten verwendeten, als auf ihre Nach-\nahmung, das ist die Frage, oder vielmehr keine Frage.\nJene Bestrebungen, altkirchliche Gesänge zu verbrei-\nten, treten denn auch erfreulicher Weise immer mehr zu\nTage. So ist bei Adrien le Clere & Comp, in Paris kürz-\nlich eine Sammlung von Kirchengesängen aus dem Mittel-\nalter von Felix Clement unter dem Titel: Choix\nPrincipales Sequences du Mo erschienen. Die\nArbeit ist um so mehr zu schätzen, als die Gesänge auch\neinen Beitrag zur Geschichte der Harmonisirung der Kir-\nchen-Tonarten liefern. Wir finden nur Perfect-Accorde mit\nihrer ersten Umkehrung. Dieses System der Perfect- und\nTerz-Sext-Accorde ist von Capelimeister Clement auch in\nder Orgelbegleitung streng festgehalten, und es dürfte dies\nnamentlich für Jene belehrend sein, welche an der Fest-\nhaltung dieses charakteristischen Systems bei der Or-\ngelbegleitung Anstoss nehmen. Durch Anwendimg anderer\nAccorde würden derartige Gesänge modernisirt und gin-\ngen ihres Charakters verlustig. Darüber sind alle Musik-\ngelehrten einig; wir nennen Fetis statt Aller (vergleiche\nseine eingehende Besprechung des Orgelbuches zum En-\nchiridion von Mettenleiter in der Revue et'Gazeite Mu-\nsicale). Diese Gesänge verdienen übrigens auch aus dem\nGrunde in weiten Kreisen Verbreitung, da sie für eine,\nzwei oder drei Singstimmen geschrieben und leicht aus-\nführbar sind. Wir verfehlen daher nicht, Freunde kirch-\nlicher Werke darauf aufmerksam zu machen.\n\nR. J."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-22_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "375", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.2.6", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.7", "debut_caractere": 2511, "fin_caractere_exclue": 4616, "texte": "Aus Dresden.\n-fff Am 17. d. Mts. gab der Pianist Herr Ludwig Hart mann,\nIhr Landsmann vom Niederrheine, eine Soiree im Saale des Hotel de\nSaxe, in welcher er sein schönes Talent, das ihm hier eine sehr\ngeachtete Stellung verschafft hat, von Neuem bewährte. Durch alle\nStücke, die er vortrug: Sonate Op. 96 für Piano und Violine (Herr\nSeelmann) von Beethoven, Notturno (Op. 15, Nr. 2) von F. Cho-\npin, Polonaise (Op. 72) von C. M. v. Weber, Trio de Salon (Nr. 2)\nvon A. C. Franck (mit den Herren Seelmann und Kummer),\nPhantasie (Die Nachtigall) von F. Liszt und Bravour-Walzer, coni-\nponirt vom Concerigeber, ärntete er den lebhaftesten Beifall der\nzahlreichen Zuhörerschaft. Als Componist führte er sich ausser\ndurch das genannte Bravourstück noch durch zwei recht schöne Lie-\nder ein („Ja, du bist elend\" von Heine, und „Wenn der Frühling\nauf die Berge steigt\" von Mirza-Schaffy), welche Frau Bürde-Ney\nbezaubernd vortrug. Ein ganz besonderes Interesse erhielt die »Soiree\naber noch dadurch, dass die grosse Künstlerin zwei Lieder (neu,\nwie das Programm besagt), von Eichard Wagner gedichtet\nund componirt, vortrug:\nDer Engel»\nIn der Kindheit frühen Tagen\nHört1 ich oft von Engeln sagen,\nDie des Himmels hehre Wonne\nTauschen mit der Erdensonne,\nDass, wo bang' ein Herz in Sorgen\nSchmachtet vor der Welt verborgen,\nDass, wo still es will verbluten\nUnd vergeh'n in Thränenfluten,\nDass, wo brünstig sein Gebet\nEinzig um Erlösung fleht,\nDa der Engel niederschwebt\nUnd es sanft gen Himmel hebt.\nJa, es stieg auch mir ein Engel nieder,\nUnd auf leuchtendem Gefieder\nFührt er ferne jeden Schmerz,\nMeinen Geist nun himmelwärts.\nS clim er z en,\nSonne, weinest jeden Abend\nDir die schönen Augen roth,\nWenn im Meeresspiegel badend\nDich erreicht der frühe Tod;\nDoch erstehest in aller Pracht,\nGlorie der düstern Welt,\nDu am Morgen, neu erwacht,\nWie ein stolzer Siegesheld i\nAch, wie sollte ich da klagen,\nWie, mein Herz, so schwer dich seh1!!,\nMuss die Sonne selbst verzagen,\nMuss die Sonne untergeh'n?\nUnd gebieret Tod nur Leben,\nGeben Schmerzen Wonnen nur:\nO, wie dank' ich, dass gegeben\nSolche Schmerzen mir Natur!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-11-22-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-11-22_01#c008", "volume": "bmtnabi_1862-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.7", "debut_caractere": 4618, "fin_caractere_exclue": 4872, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n17. November» Neulich konnte icli Ihnen\nnur eben telegraphisch den Erfolg melden, uen die eiste Aufführung\nvon F. Hillens Oper „Die Katakomben\" auf dem hiesigen\nHoftheater am 14. November gehabt hatte. Heute kann ich Ihnen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4496, "texte": "mittheilen, dass, so entschieden auch jener Erfolg gewesen, er doch\nverschwindet vor dem grossartigen Eindruck und der begeisterten\nAufnahme, welche die zweite Aufführung am Sonntag den 16. d.\nMts. hervorgebracht hat. Das Haus war buchstäblich überfüllt; von\nnah und fern waren die Zuhörer von allen Orten, bis zu denen die\nKunde von der ersten Vorstellung hatte dringen können, herbeige-\nströmt; auch der Grossherzog, der erst am Vorabende der zweiten\nAufführung liieher zurückgekommen war, die Frau Grossherzogin\nund der ganze Hof wären zugegen. Ein Publicum, zu welchem, wie\nbei Sonntags-Vorstellungen, alle Stände und alle Bildungsstufen ihr\nContingent geliefert, machte bei dem Ernst und der Erhabenheit des\nStoffes, der den Christen Verfolgungen des ersten Jahrhunderts unse-\nrer Zeitrechnung angehört und den Confiict zwischen der alten und\nder neu keimenden Welt darstellt, den Erfolg zweifelhaft. Allein\nschon der erste Act wurde mit sichtbar gespannter Theilnahmö an-\ngehört und dabei auch Beifall, wiewohl gerade kein ungewöhnlicher,\ngespendet*, im zweiten und dritten Acte brach aber der Beifall auf eine\nso glänzende Weise aus und steigerte sich zu einem solchen Enthu-\nsiasmus, dass die Handlung durch wiederholten stürmischen Applaus\noft unterbrochen wurde und der Hervorruf der Sänger, des Compo-\nnisten und des Dichters nicht enden wollte. Hill er, der auch die\nHauptproben alle geleitet hatte, nachdem Herr Musik-Director Kal-\nliwoda die Oper trefflich einstudirt, dirigirte die beiden Auffüh-\nrungen selbst, und auch Moriz Hartmann war anwesend. Beide wur-\nden am Schlüsse der Vorstellung von den höchsten Herrschaften in\nderen Loge auf das huldreichste empfangen, und es wurde ihnen\nin den schmeichelhaftesten Ausdrücken zu dem schönen Erfolge\nGlück gewünscht. Der tiefe Eindruck des Werkes war ein so allge-\nmeiner, dass er die Stimmung des ganzen Publicums zu einer be-\ngeisterten erhob. Vortrefflich war aber auch die Aufführung, sowohl\nim Ganzen, als in den einzelnen Partieen. Namentlich waren die\nbeiden Frauenrollen, die stolze, leidenschaftliche Römerin Livinia und\ndie sanfte, entsagende ionische Christin Clythia, jene durch Frau B oni,\ndiese durch Fräulein Emilie Genast ausgezeichnet gut vertreten.\nAuch der Darsteller des Lucius, Herr Brandes, der das ascetisch\nchristliche Princip repräsentirt und desshalb in meist ruhiger Hal-\ntung eine schwierige Bühnen-Aufgabe durchzuführen hat, wobei ihn\nindess die treffliche Musik unterstützt, sang die lyrischen Stellen\nsehr gut und erhob sich besonders im Finale des zweiten Actes zu\nbegeistertem Aufschwung. Die übrigen Rollen haben geringere Be-\ndeutung; um so mehr Anerkennung verdiente es, dass Künstler wie\nunser Baritonist Haus er und unser erster Bassist Bruillot die\nPartieen des Präfecten und des Senators übernommen hatten. Der\nChor und das Orchester waren vorzüglich und wirkten mit sichtba-\nrer Liebe zur schönen Vollendung des Ganzen mit. Was wir hier\nunter der Leitung Eduard Devrient's gewohnt sind, die Herstel-\nlung eines vollkommenen Ineinandergreifens aller Kräfte der Bühne\nzu einem künstlerischen Ganzen, das kam auch dem neuen Werke\nzu Gut, in welchem wir ein echt deutsches dramatisch-musicalisches\nKunstwerk mit Freuden begriissen.\nFrankfurt am Main. Die Redaction der Didaskalia fand\nsich unterm 6. d. Mts. Veranlasst, Nachstehendes in ihrem Blatte zu\nveröffentlichen: „Die Zahl der Vorlesungen und Concerte wächst so\nmassenhaft an, dass wir uns, wenn auch mit Bedauern, genö-\nthigt sehen, den bisherigen Modus längerer befürwortender Anzeigen\nhiermit aufzugeben und uns künftig auf die allergedrängteste ein-\nfache Registrirung der betreffenden Soireen beschränken zu müssen.\"\nIn der That, seit den letzten Tagen des October bringt fast jeder\nTag ein Concert und wohl auch eine Vorlesung, und wenn man\nhört, dass es nirgends an zahlreicher Zuhörerschaft gefehlt, so muss\nman wohl etwas staunen. Ob wohl andere Städte Frankfurt um\nsolche Profugion von Genüssen beneiden werden?\nDie Herren Heinr. Henkel, Rudolph Becker und Chr.\nSiedentopf in Frankfurt am Main haben für den Winter sechs\nMatineen für Kammermusik angekündigt.\nHannover* Man vernimmt, dass der Concert-Director Joa-\nchim seine hiesige Stellung, trotzdem, dass er nur zwei Monate\nhier zu fungiren brauchte und dafür 2000 Thlr. erhielt, ganz aufge-\nben und sich in London fixiren wolle.\nFlotow's „Martha\" wurde im Scala-Theater in Mailand ge-\ngeben. Trotz der sehr mittelmässigen Aufführung fand die Oper\ndennoch vielfachen Beifall."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDer schwäbische Sängerbund. Dreizehnter Jahresbericht. Ludwig Uhland f. Aus Frankfurt am Main (Quintett\nvon A. Sowinski Concertmeister Lauterbach Veränderte Physiognomie der musicalischen Kritik). Von A. S. Katholischer Kirchen-\ngesang. Von R. J. Aus Dresden (Soiree von Ludwig Hartmann). Tages- und Unterhaltungsblatt (Karlsruhe, F. Hiller's\nOper „Die Katakomben\" Frankfurt am Main, „Didaskaliau, Matineen für Kammermusik Hannover, Herr Joachim).\n\nDer schwäbische Sängerbund.\nDem dreizehnten Jahresberichte des schwäbi-\nschen Sängerbundes, für 1862 den 12. November aus-\ngegeben, entnehmen wir folgende Notizen von allgemeine-\nrem Interesse.\nA. Der deutsche Sängerbund. Bekanntlich wur-\nden die Vorarbeiten zur Gründung desselben dem Vor-\nstande des schwäbischen Bundes (Dr. K. PfafF, Dr. 0. El-\nben, Professor Dr. J. Faisst, J. Raur, W. Wiedemann in\nStuttgart, Esslingen und Heilbronn) übertragen.\n„Nach Anberaumung des ersten deutschen Sänger-\ntages traten 76 Vertreter von 41 deutschen Sängerbün-\nden zu gemeinschaftlicher Berathung am 21. September\nin Coburg zusammen. Es war in der That ganz Deutsch-\nland vertreten; der liederreiche Süden und Südwesten, so\nwie Thüringen vielleicht etwas stärker, aber auch der Nor-\nden: die Rheinlande, Niedersachsen, Mecklenburg, das\nferne West- und Ostpreussen, Schlesien, und von Oester-\nreich: Salzburg, Ober- und Niederösterreich hatten ihre\nVertreter gesandt; ja, für die deutschen Sänger in Russ-\nland war ein eigener Abgeordneter aus Riga erschienen;\ndie Vertretung des deutschen Sängerbundes in Grossbri-\ntannien fehlte bloss durch einen zufälligen Umstand. Der\nVorsitz wurde an Dr. Otto Elben aus Stuttgart übergeben.\nDie Berathungen waren äusserst lebhaft und nahmen sechs\nStunden in Anspruch; die Versammlung widmete sich mit\naller Aufopferung der hohen Aufgabe; wir möchten be-\nsonders hervorheben, wie dieselbe es verstanden hat, durch\ndie nothwendige Resignation an rechter Stelle die Vollen-\ndung des Werkes zu ermöglichen. Der wichtigste Beschluss\ndes Sängertages ist die Gründung des deutschen\nSängerbundes. Dieser Beschluss wurde einmüthig ge-\nfasst. Bei der Frage, ob dem neu gegründeten Bunde\nSatzungen gegeben werden sollen, erhoben sich einige\nZweifel; insbesondere nahmen einige Abgeordnete aus\nSachsen, wo das dortige Vereinsgesetz Hindernisse bietet,\nAnstoss an förmlichen Satzungen. Die grosse Mehrheit\nentschied sich jedoch für solche. Nunmehr ging die Ver-\nsammlung zur Berathung des von uns veröffentlichten Ent-\nwurfs von Satzungen über u. s. w. Der Sängerlag soll\nnicht bloss je mit dem deutschen Sängerfeste verbunden,\nsondern ausserdem je alle zwei Jahre gehalten werden.\nDie Beiträge sollen nach der Kopfzahl der einzelnen Bünde\nberechnet werden und sind bis zum nächsten Sängertage\nauf 3 Kr. jährlich für jeden Sänger festgestellt worden.\nDas nächste deutsche Sängerfest soll wo möglich am\n18. Juni 1865 zum fünfzigjährigen Gedächtnissfeste der\nSchlacht von Waterloo gefeiert werden; die Feststadt ist\nnoch nicht bestimmt, doch wurde mehrfach von Dresden\ngesprochen. Die Wahl des Sänger-Ausschusses ergab\nfolgendes Resultat: a) als geschäftsführender Aus-\nschuss wurde durch Acclamation einstimmig der Aus-\nschuss unseres Bundes gewählt; derselbe gehört mit sei-\nnen fünf Mitgliedern dem Gesammt-Ausschusse an; b) in\nden Gesam mt-Ausschuss wurden ferner gewählt: Dr.\nmed. Gerster in Nürnberg, Staats-Anwalt Meyer in\nThorn, Reg.-Rath Fentsch in München, Dr. Hölzl in\nStraubing, Musik-Director Jul. Otto in Dresden, Musik-\nDirector R. Tschirch in Berlin, Kreisgerichts-Assessor\nEberhardt in Coburg, Hofgerichts-Advocat Dr. Bauer\nin Wien, Schatzrath v. Rössing in Hannover, Rechts-\nConcipient Beckh in Nürnberg. Von diesen fünfzehn Mit-\ngliedern werden nun demnächst noch zehn weitere Mitglie-\nder cooptirt werden. Die Satzungen werden mit dem Pro-\ntocoll versandt werden.\n„B.Der schwäbische Bund besteht dermalen aus\n355 Einzel-Vereinen. Leider lassen uns die Einzel-Vereine\ngrossentheils ohne die öfter gewünschte und durch Gene-\nral-Versammlungs-Beschluss vom 14. November 1852\nangeordnete genaue Statistik. Rechnen wir nach dem für\nuns maassgebenden Durchschnitt zwanzig Sänger auf einen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.2", "texte": "Verein, so beträgt die Sängerzahl des schwäbischen Sän-\ngerbundes 7100.\n„Von den Ehren-Mitgliedern unseres Bundes haben\nwir im ablaufenden Jahre eines durch den Tod verloren:\nJustinus Kerner, der gemüthvolle schwäbische Sänger,\nist am 21. Februar 1862 heimgegangen. Wir haben\neinen Lorberkranz auf seinen Sarg Namens des Bundes\nniedergelegt. Seine Heimat, das freundliche Weinsberg,\nhat es unternommen, das Andenken des Dichters durch\nein Denkmal zu ehren. Es liess sich erwarten, dass die\nschwäbischen Sänger sich mit Freuden an diesem Unter-\nnehmen betheiligen würden.\n„Für den Sommer 1863 hat Oehringen das allge-\nmeine schwäbische Liederfest übernommen. Wir\nkönnen es nicht unterlassen, hier ein dringendes Mahn-\nwort an die Sänger unseres Bundes zu richten. Wenn\nwir unsere Stelle auch den Gesangesleistungen nach wür-\ndig ausfüllen wollen, so muss mit mehr Ernst und Eifer,\nals dies vielfach bisher geschehen ist, die Einübung der\nFestgesänge vorgenommen werden. Der schwäbische Sän-\ngerbund darf mit seinen Leistungen nicht stehen bleiben\noder gar zurückkommen; eine strengere Disciplin in den\neinzelnen Vereinen, grössere Aufopferung der Sänger für\ndie Gesangübungen überhaupt, besonders aber für die dem\nganzen Bunde gemeinsame Aufgabe der Festgesänge, und\nstrenge Festhaltung des Grundsatzes, dass an den Auffüh-\nrungen nur die Sänger Theil nehmen, welche wirklich\ndie Festgesänge gehörig eingeübt haben, sind somit abso-\nlut nothwendig.\n„Bei dem am 24. August zu Speyer gehaltenen zwei-\nten pfälzischen Sängerfeste war derAusschuss nur durch\nEin Mitglied vertreten, welchem zugleich, wie schon vor\nzwei Jahren, die Direction der allgemeinen Festgesänge\nübertragen war (Dr. Faisst). Der entschiedene Fortschritt\nin den Leistungen der plalzer Sänger, wie er sich in der\ngelungenen Ausführung auch schwierigerer Gesänge zu\nerkennen gab, dürfte für unsere schwäbischen Vereine ein\nbesonderer Sporn zu ernstem Streben sein, damit uns die\nBeschämung erspart bleibe, hinter einem noch so jungen\nNachbarbunde, von welchem mehrere bedeutendere Ver-\neine schon früher sich unserem Bunde angeschlossen hat-\nten, an Leistungsfähigkeit zurückzustehen.\"\nAm Schlüsse des Berichtes bringt der Vorstand die\nfortzusetzenden Beiträge für verschiedene vaterländische\nZwecke in Erinnerung und bittet, „um den norddeutschen\nBrüdern einen herzlichen Gruss aus Schwaben schicken\nzu können, um Beiträge für das Denkmal, welches die\nStadt Hannover dem unvergesslichen Liedersänger Hein-\nrich Marschner setzen will.\"\n\nLudwig Uhland\nNur zwei Tage nach dem Erscheinen dieses Berichtes\nverschied das Haupt des schwäbischen Dichterkreises,\nLudwig Uhland, dessen Lieder fast alle zeitgenössischen\ndeutschen Tonsetzer zu Compositionen begeistert haben,\ndie von Tausenden der deutschen Sänger gesungen wor-\nden sind und gesungen werden. Er war geboren zu Tü-\nbingen am 26. April 1787. Als Dichter trat er öffentlich\nzuerst in Seckendorfs Musen-Almanach (1806 und 1807),\ndann im „Poetischen Almanach\" von 1812 und im „Deut-\nschen Dichterwald\" (1813) auf; die erste Ausgabe seiner\nGedichte erschien im Jahre 1815. Eine eben so innige\nals männliche Hingabe an alles Edle und Grosse im Vater-\nlande, mochte es aus der Vergangenheit zu uns herüber\nleuchten oder sich kräftig neu gestalten, zeichnete ihn als\nMensch und Dichter aus; davon zeugen nicht nur seine\nLieder, Balladen und dramatischen Dichtungen, sondern\nsein ganzes Leben und Wirken in Wissenschaft und Staat.\nEr war ein lebendiger Beweis, wie sich ein tiefes Gemüth\nund die echte Romantik mit Klarheit des Verstandes, Ge-\ndiegenheit der Gesinnung und Festigkeit des Charakters\ngar wohl vertragen, wenn für sie alle die Wahrheit die\nGrundlage bildet. Ueber seinen Tod—am 14. November,\nAbends zwischen 8 und 9 Uhr und seine Beerdigung\nentnehmen wir einem Briefe an den Redacteur der Kölni-\nschen Zeitung (Nr. 321) aus Tübingen vom 16. Novem-\nber folgende Zeilen:\n„So eben haben wir Ludwig Uhland zur Erde be-\nstattet. Unser sonst so stilles, abgelegenes Tübingen füllte\nsich schon Vormittags, denn von nah und fern brachten\ndie Bahnzüge ganze Scharen, um dem grossen Dichter die\nletzte Ehre zu bezeigen. Die Stadt, in der er geboren, ge-\nlebt und gestorben, die Universität, der er einige Jahre\nangehört, bis ihn seine Ueberzeugungs-Treue den Dienst\ndes Vaterlandes dem Dienste der Wissenschaft vorziehen\nliess, die Kammer der Abgeordneten, die bürgerlichen\nCollegien von Stuttgart und Tübingen, der schwäbische\nSängerbund und andere auswärtige Sangvereine, Alles\nwollte sich dem grossartigen Zuge anschliessen, der vor\nwenigen Stunden, weit über tausend Menschen umfassend,\nunter Trauermusik und mit zahlreichen umflorten Fahnen\n*\nsich langsam durch die Strassen bewegte. Die Feier am\nGrabe wurde von der akademischen Liedertafel mit einem\nUhland'schen Liede eröffnet. Dann schilderte der Decan\nder hiesigen Stiftskirche, der als Seelsorger dem Entschla-\nfenen seit Jahren nahe gestanden, das Wesen desselben\nnach allen Seiten, was er trotz allen herben Schlägen, die\nsein Leben von aussen getroffen, bis zuletzt den Seinen,\nden Freunden, den Genossen in der Gesinnung, der Dich-\ntung und der Wissenschaft gewesen, was er immerdar weit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.3", "texte": "über die enge schwäbische Heimat hinaus dem deutschen\nVolke bleiben wird. Ueber Alles rührend waren die Verse,\nwelche der treue Freund und Altersgenosse Karl Mayer\nam offenen Grabe vorlas. Mit Befriedigung muss ich her-\nvorheben, dass unsere akademische Jugend, um sich voll-\nzählig an der Todtenfeier des Dichters zu betheiligen, mit\ndessen Liedern sie aufgewachsen, alle ihre, freilich noch\nauf keiner Hochschule beseitigten Zwistigkeiten bei dieser\nGelegenheit suspendirt hat. Die hiesige Burschenschaft, die\nneben ihrer allgemein deutschen Tendenz doch auch stark\nschwäbischem Patriotismus huldigt und seit längerer Zeit\nin Uhland ein Ehren-Mitglied hoch hielt, liess es sich nicht\nnehmen, den auch mit schwarz-roth-goldenen Bändern ge-\nzierten Sarg an das Grab zu tragen. In diesem Augen-\nblicke bewegt sich ein stattlicher Fackelzug der Studenten\nnochmals zum Kirchhofe hinaus, um an dem Grabhügel\nvorüberzuziehen. Allein die Jugend und das männliche Al-\nter haben heute jedenfalls wetteifernd das Bewusstsein zu\nerkennen gegeben, dass nicht nur Schwaben seinen gröss-\nten Mann betrauert, sondern ganz Deutschland den Dich-\nter, dem es bei längerem Leben vergönnt war, nach dem\nUrtheile und in den Augen Aller den ersten Rang einzu-\nnehmen. Allgemein auffallen nur musste es, dass, während\nein Extrazug vorzüglich die Stuttgarter und viele Mitglie-\nder der Stände-Kammern hieherführte, von Seiten der\nStaats-Behörden nichts geschehen ist, um Uhland auch\nnur im Tode eine Huldigung darzubringen.\"\nUeber die Krankheit und die letzten Tage des Dahin-\ngeschiedenen fügt das Schreiben hinzu: „Seit der Erkäl-\ntung, die sich der entschlafene Dichter, der mit übergros-\nser Pietät kein Leichen-Begängniss eines Bekannten ver-\nsäumte, zu Anfang dieses Jahres am Grabe Kerner's oder\nbei einer anderen Gelegenheit auf dem hiesigen Kirchhofe\ngeholt, schwanden ihm, der bisher von keinem körperli-\nchen Unwohlsein gewusst halte, seine Kräfte langsam, aber\nzusehends. Es zeigte sich ein krebsartiges Geschwür auf\nder Brust, das nach dem Urtheile der Aerzte späterhin\nnach innen eine Zersetzung des Blutes, Wassersucht und\nschliesslich ein Gehirnleiden zur Folge hatte. Allein es gab\ndoch noch leidliche Zeiten, da auch ich ihn wohl bei war-\nmem Sonnenschein auf seinem Weinberge sitzend fand und\nein halbes Stündchen über deutsche Sagen-Bildung und\nromanische Dichtung mit ihm verplaudern konnte, Gegen-\nstände, bei deren Erwähnung seine sonst so stumme Art\nin Gesellschaft stets auf der Stelle aufzuleben pllegte, und\nvon denen man annehmen darf, dass ihnen seine Gedan-\nken, so lange sie dem Leben gehörten, zugewandt geblie-\nben. Noch in den letzten Wochen und Tagen, wo ein\nschlummerartiger Zustand immer schlimmer mit asthmati-\nschen Beschwerden abwechselte, hat der Sterbende, bis-\nweilen aufwachend, nach der Folge einiger Verse gefragt,\nauf die er sich nicht besinnen könne, oder sich mit roma-\nnischen Flexionen und einem besonders geliebten Mythen-\no J\nCyklus zu schaffen gemacht. Einmal erwachte er mit der\nBitte, ihm doch die nun endlich erschienene neue Ausgabe\ndes Walther von der Vogelweide (von Wackernagel und\nRieger), des Dichters, an dem von Anfang an sein Herz\nhing, zu geben. Die Ausgabe, in der That eben vollendet\nund ihm gewidmet, traf indess erst am Tage vor dem Tode\nein, zu spät, um von dem brechenden Auge auch nur noch\nerblickt zu werden.\"\n\nAus Frankfurt am Main.\n\n[Ein Quintett von A. Sowinski Concertmeister Lau-\nte rbach Veränderte Physiognomie der musicalischen\nKritik.]\nIm vorjährigen Jahrgange dieses Musik-Organs war\nin Nr. 23 nachstehende Notiz aus Paris zu lesen:\n„Eine seltene Erscheinung in Paris ist der Druck\neines Quintetts für Pianoforte, Violine, Viola, Violonceil\nund Contrabass von Albert Sowinski. Es hatte im\nvorjährigen Concerte des Componisten grossen Beifall ge-\nfunden.\"\nHerr Concertmeister Eliason, der, beigehend be-\nmerkt, sich im Besitze eines Talismans zu befinden scheint,\nder es ihm ermöglicht, alljährlich zwei Concerte bei stets\nüberfüllten Räumen und 30 Grad R. Temperatur zu ge-\nben, hatte, nach löblicher Gewohnheit, jedesmal ein noch\nunbekanntes Werk zu Gehör zu bringen, dieses Quintett\nin seinem Concerte am 1. November zur Aufführung ge-\nbracht*). Es soll mir eine angenehme Aufgabe sein, mich\nüber dieses Werk und dessen Autor des Näheren auszu-\nsprechen, zumal der ihm von unserem Publicum gewor-\ndene Beifall nur ein geringer war und die Localblätter\nnur ungünstige Urtheile darüber in die Welt sandten. Das\nWerk, nachdem ich es gehört, liegt mir zu genauer Kennt-\nnissnahme nun auch in Stimmen vor. Die herrschende\nTonart ist E-dur.Vor Allem werden wir von dem Stii-\ngepräge aller vier Sätze [A\nScherzo und Rondo), das im Allgemeinen mit dem übli-\nchen Stilgepräge in dieser Gattung von Kammermusik un-\nserer Zeit contrastirt, angenehm überrascht und vorweg\nfür das Werk eingenommen. Fast könnte dasselbe zu der\nAnnahme verleiten, dass dessen Genesis in das zweite oder\ndritte Jahrzehend zurück zu versetzen sei, wo ein gewisser\nJoh. Nep. Hummel und verschiedene seiner begabten Nach-\n\n*) Die Schottische Musikhandlung in Mainz vermittelt den Debit\ndieses Werkes für Deutschland.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.4", "texte": "eiferer eine gewisse Anzahl von Werken ähnlichen Ge-\npräges der Kunstwelt übergeben haben, von denen unsere\nin neue Bahnen gerathene Fortschritts-Periode keine oder\nnur noch geringe Notiz nimmt. Zur Erklärung dieser selt-\nsamen Erscheinung wird jedoch zu wissen genügen, dass\nHerr Sowinski zu Anfang des vierten Jahrzehends, noch\nim Jünglingsalter stehend, in Wien seine Kunst-Studien\ngemacht, als zur Zeit Hümmel s, Moscheies' und anderer\nverwandter Componisten Werke dort noch an der Tages-\nordnung waren und den höher strebenden Kunstjünger\nan sich zu ziehen nicht verfehlen konnten. Es weht uns\ndaher aus diesem Quintett ein so achtungswerther Cha-\nrakter des Natürlichen, Ungesuchten und Freundlich-Ern-\nsten entgegen, wie derselbe den Meisterwerken jener\nEpoche zu eigen. In rhythmischer Hinsicht zeigt sich der\nComponist als formgewandter Bildner nach den besten\nMustern jener Schule, die (Gottlob!) von den seit Mendels-\nsohn und Schumann in Anwendung gekommenen so ge-\nnannten „verschränkten Rhythmen\" noch nichts gewusst,\nwodurch der Verstand des Verständigsten oft auf eine\nharte Probe gestellt wird. Einer Schöpfung zu begegnen,\ndie nur äusserlich Verwandtes, innerlich aber Selbsteige-\nnes aufweist, kann nur die Achtung vor dem Componisten\nerhöhen, indem derselbe zugleich nicht geringen Muth be-\nkundet, zur Zeit hoch angeschwollener Fluten von Ephe-\nmeriden jeder Sorte mit einem mehrstimmigen Werke\nsolchen Gehaltes hervorzutreten. Es ist uns indess bekannt,\ndass Sowinski in Paris und im ganzen Franzosenlande als\nComponist für das Pianoforte, als Clavierspieler, nicht min-\nder auch als musicalischer Schriftsteller eines festbegrün-\ndeten Rufes geniesst. In letzterer Beziehung hat er sich\nvornehmlich durch sein 1857 bei Le Clerc & Comp, in\nParis erschienenes Werk: „Les Musiciens Polonais et\nSlaves, andern et modernes\", als Lexicograph einen aus-\ngebreiteten Ruf erworben. In Deutschland ist Sowinski\nnun in dieser Mainstadt zum ersten Male mit einer grösse-\nren Composition auf dem Programm erschienen, nachdem\ner sich vor einigen Jahren bereits als Pianist in Concerten\nzu Baden-Baden, Karlsruhe, Mannheim und Wiesbaden\nhören gelassen.\nWie kommt es aber, dass der diesem Quintette in\nParis zu Theil gewordene „grosse Beifall\", der alsbald\ndessen Erscheinen im Druck ermöglicht hat, mit dem Bei-\nfalle in unserem Concertsaale so wenig im Einklänge\nsteht? Die Gründe sind nicht weit zu suchen. In Paris\nward die Hauptstimme vom Componisten selber ausge-\nführt und auch das Ganze im Geiste seines Werkes gelei-\ntet; in Frankfurt hingegen befand sich die mit nicht ge-\nringer Bravour ausgestattete Hauptstimme unter den Hän-\nden eines zwar recht talentvollen, aber noch jugendlichen,\nmit noch zu wenig Selbstbeherrschung versehenen Künstlers,\ndem der höchste Zweck einer Kunstleistung bis jetzt (nach\njugendlicher Sitte) in Ueberwindung von Schwierigkeiten\nzu stehen, und Studium des Charakteristischen noch nicht\nviel Sorge gemacht zu haben scheint. Dem feurigen Ren-\nner den Kappzaum anzulegen, um ihm das Präcipitiren\nin den Allegro-Sätzen zu erschweren, wäre ein verdienst-\nliches Thun des mitwirkenden Concertmeisters gewesen.\nBei Schilderung des Ciavierspiels in dieser freien Stadt\n(Nr. 43) gedachte ich auch des Pianisten Wallenstein*),\nmich dahin äussernd, dass derselbe im Werden begriffen\nsei. Es bedarf wohl kaum der Erklärung, dass das gei-\nstige Wesen damit gemeint ist; denn das Handwerk an-\nlangend, nimmt es Herr Wallenstein schon mit Frau\nSchumann und anderen Koryphäen der Technik auf. Dies\nhat der junge Held den Abend vor Aufführung des So-\nwinski'schen Quintetts in Beethoven's Sonate mit Violine,\nOp. 30, C-moll, bis zur Evidenz bewiesen. Welche von\nden technischen Kunstgrössen vermöchte wohl dieses Werk\nin den Allegro-Sätzen mit mehr Finger-Gewandtheit ab-\nzuspielen? Den tiefernsten Charakter in wohl bemessener\nRuhe und würdig zur Geltung zu bringen, damit kein Pas-\nsagenwerk zu hören, das überlassen wir Anderen. Dass\ndie Violine des Herrn Straus die grösste Mühe hatte, in\ndiesem Wettlaufe gleichzeitig an der Stange anzukommen,\nist begreiflich, wie noch, dass dieselbe nur ein Miniatur-\nbild zu geben vermochte, weil der Pianist in den bloss\nbegleitenden Stellen fortan zu starke Farben aufgetragen.\nOder sollte wohl das Verkennen des Charakteristischen in\ndieser Sonate gar auf Rechnung des Herrn Straus zu\nstehen kommen?\nMögen Virtuosen in solch unkünstlerischer Art, weil\ndies doch schon so an der Tagesordnung, mit dem Werke\neines accreditirten Componisten verfahren, um von der\nunverständigen, von dem Strahlenglanze des Classikers\nvollends geblendeten Menge dennoch mit grossem Beifalle\nbelohnt zu werden (wesshalb dieses Beispiel mit aieser ab-\ngehetzten Sonate hier eingeschaltet wird): dem Werke\neines unbekannten Autors wird solches Verfahren empfind-\nlich schaden, wenn nicht den Tod bringen. War es schon\ndem gebildeten Zuhörer schwer, den ersten Satz des in\nRede stehenden Quintetts in seiner wahrhaften Charak-\nteristik aufzufassen, die bei aller Brillanz einen würdevol-\nlen Ernst offenbart, was sollte wohl das grosse Publicum\ndamit beginnen? Es liess ihn fallen. Der schöne, tief-\nempfundene Andante-Satz, vom Contrabass und Violon-\n\n*) Der Name dieses vielversprechenden Pianisten wird in den\nLocalblättern, wie auch in der Conversation bald Wallenstein,\nbald Wallerstein ausgesprochen. Es wäre an der Zeit, die\nrichtige Schreibart festzustellen (nämlich: Wallen stein)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.5", "texte": "cell eingeführt (diese beiden Instrumente sind überhaupt\nim ganzen Werke stark obligat), vermag den Glauben an\ndas Talent des Componisten nicht zu erhöhen, wenn der\nerste Satz schon kalt gelassen. So wird es auch dem\nScherzo (H-moll) ergehen, wenn selbst dessen Ausführung\neine tadellose wäre, was wirklich der Fall gewesen. Im\nRondo (.Allegro non troppo) befanden wir uns aber wieder\nin der Arena, wo der feurige Renner in zügelloser Schnel-\nligkeit mit dem Piano die Schranken übersprang, so dass\ndie episodische Polacca zum Schlüsse hin vor dicken Staub-\nwolken kaum zu erkennen gewesen. Der darauf laut ge-\nwordene sehr massige Beifall scheint wohl ausschliesslich\nder Mühewaltung des Pianisten gegolten zu haben.\nZur Bekräftigung des Vorstehenden mögen einige\nSätze aus den Referaten zweier hiesigen Kritiker dienen.\nDer Referent in der Didaskalia sagt unter Anderem: „Das\nQuintett ist eigentlich gar nicht ein Quintett; es ist ein\nrecht anmuthig klingendes, melodiöses Concertstück für\nPianoforte\" u. s. w. Der Kritiker hat in so fern nicht\nganz Unrecht, als in einem mehrstimmigen Werke, in wel-\nchem die Hauptstimme fortan so sehr prädominirt, wie es\nbei diesem Quintette der Fall war, der organische Bau\nzerstört wird und nur mehr ein Concertstück übrig bleibt.\nAuch „tiefsinnige contrapunktische Verschlingungen\" hat\ndieser Kritiker nicht entdecken können. Sind denn aber\nderlei „Verschlingungen'' überhaupt in Werken freien\nStils zu suchen? Welche der Beethoven'schen Sinfonieen\nhat denn dergleichen aufzuweisen? Der Beurtheiler im\nConversations-Blatte macht sich aber vollends lächerlich,\nwenn er den ersten und dritten Satz des Quintetts „voll\nvon Reminiscenzen an Mozart und Mendelssohn findet, die\nein Mischlings-Genre zwischen diesen Heroen darin reprä-\nsentiren\". Aus dem Haupt-Motiv des vierten Satzes will\nunser Aristarch eine Strauss'sche Quadrille „geschmeckt\"\nhaben. Des Spasses halber soll der Anfang dieses Motivs\nhier beigesetzt werden:\nSo ergeht es einem noch unbekannten Werke auf\nfremdem Boden, wenn dessen Autor nicht mit einem euro-\npäischen Kufe vor das Publicum treten kann, und wenn\nbei dessen Besetzung und Ausführung nicht die grösste\nSorgfalt obwaltet. Möge jedoch Herr Sowinski die Versi-\ncherung hinnehmen, dass sämmtliche anwesende Fach-\nmusiker von Auszeichnung dieser seiner Composition mit\ngrösstem Interesse gefolgt sind und eben so seine darin\nausgesprochene Kunstgesinnung als auch dargethane Be-\nfähigung zu höheren Kunstgebilden mit collegialem Ver-\ngnügen begrüsst haben.\nZu einem anderen, der Besprechung in diesen Blättern\ngleich würdigen Gegenstande übergehend, gewährt es mir\nein besonderes Vergnügen, der erstmaligen Bekanntschaft\nmit Herrn Concertmeister Lauterbach aus Dresden er-\nwähnen zu können, ein Name, der mit vollem Rechte den\ntüchtigsten Meistern auf der Violine zugezählt wird, auf\ndie unsere zerklüftete Musik-Epoche stolz zu sein Ursache\nhat. Herr Lauterbach spielte im ersten Museums-Concerte\nam 24. October das D-moll-Couceri von Spohr, dann\nnoch Adagio und Rondo aus dem 19. Concerte von Ru-\ndolph Kreutzer (weiter nichts, nicht einmal die Ciaconne,\noder eine Bach'sche Fuge, oder andere derlei Schulstuben-\nstücke aus dem Perrücken-Zeitalter der Musik, welche die\nMode jetzt aus den Antiquarien wieder hervorsucht, wo-\ndurch der Königin unter den Instrumenten was die\nGeige in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts\nnoch nicht war offenbar Gewalt angethan wird, deren\nEigenschaften der ästhetisch gebildete Sinn des neunzehn-\nten Jahrhunderts in entsprechenderer Weise zu verwer-\nthen versteht, als durch ein mehrstimmiges und dennoch\nmonotones Getöne, zuweilen auch Gekratze mit oder\nohne abgespannten Bogen). Herr Lauterbach hatte sich\ndurch diese Vorträge des ausgezeichnetsten Beifalles zu er-\nfreuen, in welchen die Kritik sämmtlicher Blätter mit ein-\ngestimmt hat. Alles an diesem Künstler ist edel und ge-\ndiegen, Ton, Stil und Behandlung des Instrumentes. Feurig\nim Allegro, erreicht er im Adagio das Höchste, was wir\nim Laufe der Jahre in diesen Concerten nur ein oder zwei\nMal zu hören bekamen. Wahrlich, Lipinski hat an ihm\nden würdigsten Nachfolger erhalten! Obgleich Herr Lau-\nlerbach Spohr niemals weder gesehen noch gehört, so\nzeigte seine Leistung im obigen Werke dennoch ein so\ninniges Verständniss der Eigenthümlichkeiten und Anfor-\nderungen von dessen Schule, als wäre er unmittelbar aus\nderselben hervorgegangen. Lauterbach ist aber Schüler\nvon de Beriot, an dessen Methode und Behandlungsweise\nder Geige beim Vortrage obiger Werke nichts mehr er-\ninnert hat. Ein baldiges Wiederkommen des trefflichen\nKünstlers wird unseren Musikfreunden ohne Zweifel recht\nerwünscht sein.\nEs ist nicht besonders erfreulich, sagen zu müssen,\ndass die musicalische Kritik ihre Physiognomie gegen vo-\nrige Winterzeit um ein Wesentliches verändert hat. Die\nam meisten beachtete Stimme in den Spalten der „Zeit\"\nist leider ganz verstummt, vielleicht darum, weil die Süd-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.6", "texte": "deutsche Zeitung, die seit Juli mit der „Zeit\" verschmol-\nzen worden, die Kunstkritik- ausschliesst.— Conversations-\nBlatt behilft sich einstweilen mit einem Provisorium, indem\nHerr Nehrlich, der Beurtheiler in voriger. Saison, noch\nabwesend ist.—Didaskalia tritt mit einem neuen Referen-\nten auf, der schon Zeichen von Sacbkenntniss gegeben.\nDieser, wie auch der provisorische Referent in vorbenann-\ntem Blatte, machen auffällige Concessionen an Kunstgrös-\nsen und unterstützen damit das Publicum in seiner vorge-\nfassten Meinung. Wie beneidenswerth ist doch unsere\nKünstler-Aristokratie! Vor noch nicht langer Zeit gab es\neine andere Aristokratie, die sich über Regeln des An-\nstandes, der guten Erziehung, sogar über Vorschriften der\nhohen Polizei keck hinwegsetzte, ohne dass die öffentlichen\nBlätter einen lauten Tadel gewagt. Diese Aristokratie ist\ndurch die frei gewordene Presse in die gebührenden\nSchranken zurückgewiesen worden; an ihrer Stelle ge-\nwahren wir nun die Künstler-Aristokratie, und zumeist\njene, die von einem Concertsaale zum anderen wandert,\num die bereits tief eingerissene Begriffs-Verwirrung in\nSachen der Kunst noch zu vergrössern. Die „Frankfur-\nter Laterne\" bringt in ihrem Beiblatte ziemlich ausführ-\nliche Musik-Berichte, die nicht frei von Parteilichkeit sind.\nSollte es sich bestätigen, was im Publicum bereits mit\neiner gewissen Bestimmtheit ausgesagt wird, dass nämlich\nletztgenanntes Blatt, dessgleichen auch Didaskalia, ihre Le-\nser mit den von der reichbesetzten Tafel des Herrn Mali-\nbran abfallenden Brosamen nähren, wie im letzten Winter\ndie Neue Frankfurter Zeitung gethan, so wäre solcher\nSchacher in der Kunstkritik hier am Orte eben nicht neu,\ngewiss aber sehr unehrenhaft für die betreffenden Redac-\ntionen. Vorzugsweise müsste die Didaskalia der Vorwurf\ntreffen, so schnöden Handel mit Recht und Wahrheit\nschon wieder zu beginnen, wo das seit langen Jahren\ndarin vorwaltende Princip: „Leben und leben lassen\",\nkaum beseitigt war, nachdem in Folge dessen in ihren\nSpalten so viel gesündigt worden. Hoffentlich ergibt es\nsich, dass eine fremde Inspiration bei diesen beiden Blät-\ntern doch nicht Statt findet. Was schliesslich Herrn Ma-\nübran direct betrifft, so lässt er seinen\nim Journal de Francfort wieder allwöchentlich los. Das-\nselbe französische Feuilletonisten-Geschwätz, wie früher,\ndas jedoch für Deutschland nicht im Geringsten gefähr-\nlich ist, somit wohl auch für Darmstadt nicht, wohin er\nseinen Courrier öfters aussendet. Indess ist doch zu be-\ndauern, dass ein gebildeter Musiker, der sich auch in der\ngrossen Kunstwelt umgesehen, auf deutscher Erde von sei-\nner nationalen Sitte nicht lassen kann, so ungeheure Hau-\nfen von Spreu hinzuschütten, aus denen der Leser nur mit\nMühe einige gesunde Körner herauszufinden vermag. Es\nist keine Frage, ob Herr Malibran Besseres zu leisten ver-\nmöchte, wenn er den französischen Leichtsinn fahren las-\nsen könnte.\n\nA. S.\n\nKatholischer Kirchengesang.\n\nUnter dem Titel: „Tres\ntetta ad quatuor, quinque et\ncisco Xav.Witt\", sind bei Manz in Regensburg Compo-\nsitionen in den alten Kirchen-Tonarten erschienen, welche\nein anerkennungswerthes Streben, zur Wiedergewinnung\ndes Bodens für den alten katholischen Kirchengesang nach\nKräften beizutragen, bekunden. Wie uns das Vorwort\nsagt, bemühte sich der Verfasser, die Kirchen-Tonarten\nstreng festzuhalten. Das dürfte aber eine Aufgabe sein,\ndie den Mustergebilden der alten Meister gegenüber kaum\nannähernd zu lösen sein würde. Das bestätigen denn auch\nvorliegende Werke an vielen Stellen. Bisweilen klingen\nunsere neueren Harmonie-Verbindungen durch und mo-\ndernisiren so fast unwillkürlich die alten Tonarten. Ein\npaar Mal könnte man über die Tonart zweifelhaft bleiben!\nSo z. B. gibt der Ambitus von g—g der Oberstimme in\nder Missa Salve regtnadoch wohl den\nan, während der Verlasser die eilfte Tonart dafür bezeich-\nnet. Wenn auch die alten Meister den Ambitus manchmal\nals Cantus abundanseinführten, so wurde doch im Allge-\nmeinen derselbe festgehalten, und man dürfte es nicht gut\nheissen, diese Licenz nachzuahmen und als Regel zu be-\ntrachten. Dass der Cantus firmhin und wieder in einer\nUnterstimme geführt wird, gibt der Oberstimme noch nicht\ndie Erlaubniss zum Ausschreiten und eine wesentliche\nEigenschaft der alten Tonarten zu verletzen. So dürfte\nauch das Motett Felix es nach dem Ambitus von nach\nder siebente und nicht der achte Ton sein. Die Lage er-\nschiene sonach authentisch und nicht plagal. Womit wir\nnicht wohl einverstanden sein können, ist, dass das im\ndritten Tone geschriebene Graduale in schliesst.\nAn den Muster-Beispielen eines Palestrina, Viltoria, Las-\nsus und besonders Uttendal finden wir das nicht. Der re-\ngelmässige Final-Ton wird bei allen diesen Gesängen, mit\nAusnahme der Psalmodie, festgehalten und erscheint be-\nstimmt in den Motetten mit mehreren Theilen beim letzten\n1 heile, wenn auch die vorhergehenden in einer Confinale\nmeistens in unserer Unter- oder Ober-Dominante\nschiiessen. Häufig liegt von solchen Motetten nur der erste\nTheil vor, und man geräth dann sicherlich auf Irrwege,\nwenn der etwa den Schluss bildende Confinal-Ton als\nechte Finale betrachtet wird. Das Motett\nist mit einem $ in die Obersecunde transponirt. Die Alten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.7", "texte": "kannten doch wohl nur Eine Transposition, die in die\nOberquart mit einem b.Wenn daher nach jüngeren Mei-\nstern auf eine andere Intervall-Stufe transponirt werden\nwill, so dürfte die richtige Vorzeichnung zu wählen sein,\num das Erkennen der Tonart zu ermöglichen. Demnach\nwäre besser mit zwei $ in die Obersecunde transponirt\nworden, da Ein § die Transposition in die Oberquint oder\nUnterquart vermuthen lässt. Es sollte doch wohl das h\n(hier eis) im ersten Tone wesentlich erscheinen, nicht\nzufällig; das wäre durch Vorzeichnung von zwei ge-\nschehen. Die Quartsext-Aceorde könnten Anstoss geben,\nbesonders wo sie nicht bloss als durchgehende auftreten.\nDiese Bedenken mögen den Verfasser, den wir hoch-\nachten und dessen contrapunktische Kenntnisse wir sehr\nanerkennen, überzeugen, dass wir seine Arbeiten schätzen\nund einer eingehenden Durchsicht vollkommen werth ge-\nhalten haben. Ob es aber für den Zweck nicht wirksamer\nwäre, wenn talentvolle Jünger der alten Meister ihre Kräfte\nauf die richtige Auffassung und Darstellung der vorhan-\ndenen Werke der Alten verwendeten, als auf ihre Nach-\nahmung, das ist die Frage, oder vielmehr keine Frage.\nJene Bestrebungen, altkirchliche Gesänge zu verbrei-\nten, treten denn auch erfreulicher Weise immer mehr zu\nTage. So ist bei Adrien le Clere & Comp, in Paris kürz-\nlich eine Sammlung von Kirchengesängen aus dem Mittel-\nalter von Felix Clement unter dem Titel: Choix\nPrincipales Sequences du Mo erschienen. Die\nArbeit ist um so mehr zu schätzen, als die Gesänge auch\neinen Beitrag zur Geschichte der Harmonisirung der Kir-\nchen-Tonarten liefern. Wir finden nur Perfect-Accorde mit\nihrer ersten Umkehrung. Dieses System der Perfect- und\nTerz-Sext-Accorde ist von Capelimeister Clement auch in\nder Orgelbegleitung streng festgehalten, und es dürfte dies\nnamentlich für Jene belehrend sein, welche an der Fest-\nhaltung dieses charakteristischen Systems bei der Or-\ngelbegleitung Anstoss nehmen. Durch Anwendimg anderer\nAccorde würden derartige Gesänge modernisirt und gin-\ngen ihres Charakters verlustig. Darüber sind alle Musik-\ngelehrten einig; wir nennen Fetis statt Aller (vergleiche\nseine eingehende Besprechung des Orgelbuches zum En-\nchiridion von Mettenleiter in der Revue et'Gazeite Mu-\nsicale). Diese Gesänge verdienen übrigens auch aus dem\nGrunde in weiten Kreisen Verbreitung, da sie für eine,\nzwei oder drei Singstimmen geschrieben und leicht aus-\nführbar sind. Wir verfehlen daher nicht, Freunde kirch-\nlicher Werke darauf aufmerksam zu machen.\n\nR. J.\n\nAus Dresden.\n-fff Am 17. d. Mts. gab der Pianist Herr Ludwig Hart mann,\nIhr Landsmann vom Niederrheine, eine Soiree im Saale des Hotel de\nSaxe, in welcher er sein schönes Talent, das ihm hier eine sehr\ngeachtete Stellung verschafft hat, von Neuem bewährte. Durch alle\nStücke, die er vortrug: Sonate Op. 96 für Piano und Violine (Herr\nSeelmann) von Beethoven, Notturno (Op. 15, Nr. 2) von F. Cho-\npin, Polonaise (Op. 72) von C. M. v. Weber, Trio de Salon (Nr. 2)\nvon A. C. Franck (mit den Herren Seelmann und Kummer),\nPhantasie (Die Nachtigall) von F. Liszt und Bravour-Walzer, coni-\nponirt vom Concerigeber, ärntete er den lebhaftesten Beifall der\nzahlreichen Zuhörerschaft. Als Componist führte er sich ausser\ndurch das genannte Bravourstück noch durch zwei recht schöne Lie-\nder ein („Ja, du bist elend\" von Heine, und „Wenn der Frühling\nauf die Berge steigt\" von Mirza-Schaffy), welche Frau Bürde-Ney\nbezaubernd vortrug. Ein ganz besonderes Interesse erhielt die »Soiree\naber noch dadurch, dass die grosse Künstlerin zwei Lieder (neu,\nwie das Programm besagt), von Eichard Wagner gedichtet\nund componirt, vortrug:\nDer Engel»\nIn der Kindheit frühen Tagen\nHört1 ich oft von Engeln sagen,\nDie des Himmels hehre Wonne\nTauschen mit der Erdensonne,\nDass, wo bang' ein Herz in Sorgen\nSchmachtet vor der Welt verborgen,\nDass, wo still es will verbluten\nUnd vergeh'n in Thränenfluten,\nDass, wo brünstig sein Gebet\nEinzig um Erlösung fleht,\nDa der Engel niederschwebt\nUnd es sanft gen Himmel hebt.\nJa, es stieg auch mir ein Engel nieder,\nUnd auf leuchtendem Gefieder\nFührt er ferne jeden Schmerz,\nMeinen Geist nun himmelwärts.\nS clim er z en,\nSonne, weinest jeden Abend\nDir die schönen Augen roth,\nWenn im Meeresspiegel badend\nDich erreicht der frühe Tod;\nDoch erstehest in aller Pracht,\nGlorie der düstern Welt,\nDu am Morgen, neu erwacht,\nWie ein stolzer Siegesheld i\nAch, wie sollte ich da klagen,\nWie, mein Herz, so schwer dich seh1!!,\nMuss die Sonne selbst verzagen,\nMuss die Sonne untergeh'n?\nUnd gebieret Tod nur Leben,\nGeben Schmerzen Wonnen nur:\nO, wie dank' ich, dass gegeben\nSolche Schmerzen mir Natur!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n17. November» Neulich konnte icli Ihnen\nnur eben telegraphisch den Erfolg melden, uen die eiste Aufführung\nvon F. Hillens Oper „Die Katakomben\" auf dem hiesigen\nHoftheater am 14. November gehabt hatte. Heute kann ich Ihnen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621122-01.1.8", "texte": "mittheilen, dass, so entschieden auch jener Erfolg gewesen, er doch\nverschwindet vor dem grossartigen Eindruck und der begeisterten\nAufnahme, welche die zweite Aufführung am Sonntag den 16. d.\nMts. hervorgebracht hat. Das Haus war buchstäblich überfüllt; von\nnah und fern waren die Zuhörer von allen Orten, bis zu denen die\nKunde von der ersten Vorstellung hatte dringen können, herbeige-\nströmt; auch der Grossherzog, der erst am Vorabende der zweiten\nAufführung liieher zurückgekommen war, die Frau Grossherzogin\nund der ganze Hof wären zugegen. Ein Publicum, zu welchem, wie\nbei Sonntags-Vorstellungen, alle Stände und alle Bildungsstufen ihr\nContingent geliefert, machte bei dem Ernst und der Erhabenheit des\nStoffes, der den Christen Verfolgungen des ersten Jahrhunderts unse-\nrer Zeitrechnung angehört und den Confiict zwischen der alten und\nder neu keimenden Welt darstellt, den Erfolg zweifelhaft. Allein\nschon der erste Act wurde mit sichtbar gespannter Theilnahmö an-\ngehört und dabei auch Beifall, wiewohl gerade kein ungewöhnlicher,\ngespendet*, im zweiten und dritten Acte brach aber der Beifall auf eine\nso glänzende Weise aus und steigerte sich zu einem solchen Enthu-\nsiasmus, dass die Handlung durch wiederholten stürmischen Applaus\noft unterbrochen wurde und der Hervorruf der Sänger, des Compo-\nnisten und des Dichters nicht enden wollte. Hill er, der auch die\nHauptproben alle geleitet hatte, nachdem Herr Musik-Director Kal-\nliwoda die Oper trefflich einstudirt, dirigirte die beiden Auffüh-\nrungen selbst, und auch Moriz Hartmann war anwesend. Beide wur-\nden am Schlüsse der Vorstellung von den höchsten Herrschaften in\nderen Loge auf das huldreichste empfangen, und es wurde ihnen\nin den schmeichelhaftesten Ausdrücken zu dem schönen Erfolge\nGlück gewünscht. Der tiefe Eindruck des Werkes war ein so allge-\nmeiner, dass er die Stimmung des ganzen Publicums zu einer be-\ngeisterten erhob. Vortrefflich war aber auch die Aufführung, sowohl\nim Ganzen, als in den einzelnen Partieen. Namentlich waren die\nbeiden Frauenrollen, die stolze, leidenschaftliche Römerin Livinia und\ndie sanfte, entsagende ionische Christin Clythia, jene durch Frau B oni,\ndiese durch Fräulein Emilie Genast ausgezeichnet gut vertreten.\nAuch der Darsteller des Lucius, Herr Brandes, der das ascetisch\nchristliche Princip repräsentirt und desshalb in meist ruhiger Hal-\ntung eine schwierige Bühnen-Aufgabe durchzuführen hat, wobei ihn\nindess die treffliche Musik unterstützt, sang die lyrischen Stellen\nsehr gut und erhob sich besonders im Finale des zweiten Actes zu\nbegeistertem Aufschwung. Die übrigen Rollen haben geringere Be-\ndeutung; um so mehr Anerkennung verdiente es, dass Künstler wie\nunser Baritonist Haus er und unser erster Bassist Bruillot die\nPartieen des Präfecten und des Senators übernommen hatten. Der\nChor und das Orchester waren vorzüglich und wirkten mit sichtba-\nrer Liebe zur schönen Vollendung des Ganzen mit. Was wir hier\nunter der Leitung Eduard Devrient's gewohnt sind, die Herstel-\nlung eines vollkommenen Ineinandergreifens aller Kräfte der Bühne\nzu einem künstlerischen Ganzen, das kam auch dem neuen Werke\nzu Gut, in welchem wir ein echt deutsches dramatisch-musicalisches\nKunstwerk mit Freuden begriissen.\nFrankfurt am Main. Die Redaction der Didaskalia fand\nsich unterm 6. d. Mts. Veranlasst, Nachstehendes in ihrem Blatte zu\nveröffentlichen: „Die Zahl der Vorlesungen und Concerte wächst so\nmassenhaft an, dass wir uns, wenn auch mit Bedauern, genö-\nthigt sehen, den bisherigen Modus längerer befürwortender Anzeigen\nhiermit aufzugeben und uns künftig auf die allergedrängteste ein-\nfache Registrirung der betreffenden Soireen beschränken zu müssen.\"\nIn der That, seit den letzten Tagen des October bringt fast jeder\nTag ein Concert und wohl auch eine Vorlesung, und wenn man\nhört, dass es nirgends an zahlreicher Zuhörerschaft gefehlt, so muss\nman wohl etwas staunen. Ob wohl andere Städte Frankfurt um\nsolche Profugion von Genüssen beneiden werden?\nDie Herren Heinr. Henkel, Rudolph Becker und Chr.\nSiedentopf in Frankfurt am Main haben für den Winter sechs\nMatineen für Kammermusik angekündigt.\nHannover* Man vernimmt, dass der Concert-Director Joa-\nchim seine hiesige Stellung, trotzdem, dass er nur zwei Monate\nhier zu fungiren brauchte und dafür 2000 Thlr. erhielt, ganz aufge-\nben und sich in London fixiren wolle.\nFlotow's „Martha\" wurde im Scala-Theater in Mailand ge-\ngeben. Trotz der sehr mittelmässigen Aufführung fand die Oper\ndennoch vielfachen Beifall."}]}