{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-12-13-01", "volume": "bmtnabi_1862-12-13_01", "ocr_sha256": "a59c836b6d8fd32146f2a55dcedf27ff422dc47bd68de2433769159994d121f8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/12/13_01/bmtnabi_1862-12-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-12-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "393", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 433, "texte": "Inhalt.\nBetrachtungen zu Schumann's Faust und Manfred. Von Ed. Krüger. Schluss. Aus Amsterdam (Cäcilien-Verein\nPopuläre Concerte Felix Meritis Oper). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Erste Soiree für Kammermusik, Gebrüder\nMüller Crefeld, Concert von Fräulein Josephine von Jansard Schulpforta, Gedächtnissfeier München, Oper, Auszeichnung\nParis, Alfred Jaell Petersburg, Verlobungen An die deutschen Sänger für Uhland's Denkmal)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-13-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-13_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-12-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "398", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.2.2", "titre_corps": "Betrachtungen zu Schumann’s Faust und Manfred.", "titre_sommaire": "Betrachtungen zu Schumann’s Faust und Manfred.", "signature_source": "Ed. 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Dieser\nSpruch bewährt sich an Milton, an Goethe, an Schumann\nauf verschiedene Weise. Milton in seiner mild prosaischen\nDidaktik war nicht hoch genug zu solchem Fluge; Goethe's\nweltlich Evangelium hatte ihm das himmlische so weit ver-\nschleiert, dass der Greis am wenigsten im Stande war, den\nHimmel zu malen, den er früh verloren; Schumann, dem\nvon jung an der dunkle Schleier ums Haupt gewoben war,\nwäre der fähiger gewesen, das Vollkommene wieder zu\nbringen? dessen lieblichste Jugendlieder niemals ohne glü-\nhende Tropfen sind, zum Zeichen, „dass das reinste Glück\nder Welt schon eine Ahnung von Weh enthält\"?—Frei-\nlich will oder soll alle echte Kunst nach Verklärung rin-\ngen, aber die menschlich höchste Art solcher ahnenden\nHimmels-Darstellungen im Kunstwerk, das heisst solcher,\ndie erstlich von dem schaffenden Künstler selber geglaubt\nsind, und danach von dessen Jüngern und Hörern, diese\nArt heiliger Kunst ist allzeit selten gewesen; Einige sagen,\nsie sei heute verloren. Im Mittelalter war ein Hauch da-\nvon dem göttlichen Dante verliehen, dem die Bilder des\nHimmels noch vollkommener gelangen, als die der Hölle.\nNach Ausgang des Mittelalters sind solche Töne nicht wie-\nder vernommen; Anklänge daran haben Palestrina, Eccard\nund Händel —P. Gerhard, Meyfart*) und Angelus Sile-\nsius; die volle Dantische Hoheit aber ist nicht wiederge-\nkehrt, weder bei Römischen noch Evangelischen.\nWas Goethe aus dem Himmel erzählt, ist zum grös-\nseren Theile unwahr und missrathen, dem Tone nach bald\ngeziert allegorisch oder altklug diplomatisch, bald unkind-\nlich naiv; allerdings schwebt ihm Wahrhaftes vor, aber\nes fehlt ihm zu voller Gestaltung die Tiefe der Erkenntniss\nund—die Jugend. So sind die Goethe'schen Himmelsbil-\nder Erzeugnisse jener „Anempfindung\", die dem jugend-\nlichen Dichter so verhasst war, und sind dennoch nicht\nalles christlichen Gehaltes bar und ledig. Die Töne aber,\nwomit Schumann den Goethe'schen Himmel überkleidet\nhat, sind meist noch schwächer als jene Worte; es fehlt\nnicht allein die kirchliche oder heilige Idee, sondern gar\ndie künstlerische, es ist wenig Anschauung, das Meiste er-\nsonnen, erquält, gemacht—„eine Studie bloss\", sagte\nSchumann selbst einstmals von einem weit besser gelun-\ngenen Werke, das Andere lobten, in herber Selbstkritik.\nSogar jener Engel-Hymnus, der die gerettete Seele be-\ngrüsst, wo ein christlicher Gehalt nicht aufflammt, aber\nleise hindurch zieht, ist von Schumann verflacht, statt ihn\nim Tonbilde durch alle Kräfte der melodischen Declama-\ntion und Harmonik zu vertiefen. Goethe sagt:\nGerettet ist das edle Glied\nDer Geisterwelt vom Bosen.\nWer immer strebend sich bemüht,\nDen können wir erlösen»\nUnd hat an ihm die Liebe gar\nVon oben Theil genommen,\nBegegnet ihm die sel'ge Schar\nMit herzlichem Willkommen\nwas offenbar mehr pelagianisch als biblisch klingt, aber\nselbst in dieser Verschleierung das wahre Licht durch-\nschimmern lässt. Es ist unweifelhaft anzunehmen, dass\n\n*) Joh. Matthäus Meyfart, 1590—1642, ist der Dichter des\nLiedes: du hochgebaute Stadt\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4484, "texte": "Goethe das Streben, Können und Lieben zusam-\nmen wirken lässt, also diesen drei Worten das declama-\ntorische Uebergewicht zufällt. Und eben diese Worte sind\nvon dem sonst so scharfsinnig declamirenden T'onsetzer in\nSchatten gestellt, statt sie hell aufleuchten zu lassen (S.\n122, 1).— Und Wäre nur Ersatz für den logischen Man-\ngel bei der Tonschönheit der selbstständigen Melodie zu\nfinden! denn es kann ja die Melodie als Ganzes einen\nGeistgehalt haben, der die rational grammatische oder\nrhetorische Declamation weit überläuft, wie das z. B. in\nMozarl's bezaubernder Bildniss-Arie, in Schumann's Wald-\ngespräch u. A. wirklich der Fall ist. Ob nun dieser Hym-\nnus: „Gerettet ist\", so überwältigend melodisch wirke,\ndas muss Jeder selbst erleben. Uns scheint er einen gar\ndidaktischen Anstrich zu haben, und der folgende Rosen-\nchor S. 123 haucht auch nicht jenen Rosenduft, „vor dem\ndie Teufel entweichen und stürzen ärschlings in die Hölle\",\nwie Mephisto klagt, sondern er klingt in elegantem Con-\nversations-Tone, von niedlich pickenden Geigen-Accorden\ndurchbrochen, ganz irdisch Attegretto, vom Himmlischen\nauch keine Anempfindung:\nHöher hebt sich der folgende Gesang der jüngeren\nEngel: „Nebelnd um Felsenhöh'n\", im Tacte 3 gegen 2,\nSang und Klang gegenbildlich concertirend. Er klingt me-\nlodischer, duftiger, nicht himmlischer, eher eifenhaft, und\nist interessant durch fugirten Anstrich; dass die pickenden\nGeigen fast unausgesetzt zwischenein huschen (S. 123\n131), ist ein Eigensinn, dergleichen auch manche treff-\nliche Lieder von Fr. Schubert wie ein Drathnetz um-\nspinnt. Der Ausklang dieser Scene ist lieblich in dem Kna-\nbenchor: „Freudig empfangen wir\" (S. 137).\nDarauf.folgt ein grosser Chor: „Gerettet ist das edle\nGlied\", die ersten vier Zeilen jener Strophe ohne die\nLiebes-Theilnahme wiederholend mit fugirten Ansätzen\n(139 —151), leider noch entfernter von dem Klange, der\naus der Sphären-Harmonie zu uns hernieder weht; er ist\nsinnverwandt dem Freiheit schäumenden Schluss-Chor des\nersten Theils der Peri: „Heilig ist das Blut, für die Frei-\nheit verspritzt im Heldenmuth\", verwandt in Sinn und\nharmonischer Fügung; im genialen Wurf der Melodie\nsteht jedoch der Peri-Chor voran. Dass dieser Faust-Chor\nsich bei angemessener Breite fast durchgehends im Diato-\nnon (einige neuere Theoreten sagen Tonalität) bewegt\nund daher harmonisch feine Kunst zeigt, ist lobend hervor-\nzuheben; daneben jedoch sind die Repercussionen oft sehr\ngewaltthätig, z. B. 145, 1, 6—2, 2; 147, 2, 3 4;\ndie äusserst disparat angewandten Orgelpunkte, 19 Tacte\n/, S. 143 —145; ähnlich 146, 147, 148, und manche\nharmonische Willküren, als 142, 2, 1: 3; 143, 1, 4\nes\n9 11\nt} 4; 145, 2, 3: 7; —l5l, 1,2: und über\nf es\neinander gethürmt. Die müssen wir uns nun schon gefal-\nlen lassen.\nDie Einzelgestalten, die der Dichter aus den himmli-\nschen Chören heraustreten lässt, bringen poetische Mittel-\nglieder und Steigerungen, musicalisch schöne Ruhepunkte\nund Gegensätze im rollenden Getriebe der Chöre. Die\nAnachoreten bilden den Uebergang in die jenseitige Welt;\nihr Gang durch Kluft und Wald, Schlucht und Fels, in\nden zeilenweise antwortenden, zerstreuten Gesängen abge-\nbildet, ist sanghaft milde ohne Landschaftsmalerei, die hier\nvielleicht erwartet würde nach Vorgang anderer ähnlicher\nScenen in der Peri.\nWas darauf die drei heiligen singen, der\necstaÜcus, profundus, seraphicus, zeigt Schumann's grosse\nGewandtheit in charakteristischer Declamation, während\ndie melodische Schwungkraft unentschieden schwebt zwi-\nschen Glanz und Trübe. Goethe's wunderliche Verse\n~ _ bewältigt der P. ecstaticus in der rhythmi-\nschen Phrase S. 107 ....\nwelche, zwölf Mal wiederholt, eher gelenksteif als eksta-\ntisch klingen würde, wenn nicht die mannigfaltige Modu-\nlation und die chromatische Schlangenfigur, die durch hohe\nund tiefe Geigen sich hindurchwindet, einen lüsternen Reiz\nhineinwürfe. Der P. Profundus singt in edlen mensch-\nlichen Tönen, zu Anfang salbungsvoll, wie Sarastro, später\nziehen mehr modern romantische Wendungen hindurch.\nP. seraphicus (S. 114) beginnt eine rhythmische\nPhrase, die sich nachher auch in Chören angewandt findet:\nspäter mehrmals:\nSie lässt sich ein und ein paar Mal ertragen, wird aber\nu. A. in dem Gegenbilde der drei Büsserinnen: Magna\npeccatrix, Mulier samaritana, Mulier aegyptiaca, S. 161,\ndurch 32 Tacte hindurch geführt, sehr langweilig, zumal\nan letzter Stelle geringe melodische Bewegung Statt findet\nund die drei Weiber homophon, aber mit verschiedenen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5405, "texte": "Worten, daher ganz unverständlich singen; dazu kommt,\ndass das Tempo (vgl. 152, 156, 158, 161), wenn wir\nSchumann's allgemeine Bezeichnungen recht verstehen,\netwa von M M \\=• 80 bis zu J = 100 gesteigert, einen\nMittelweg zwischen Gespräch und Psalmodie halten soll;\ndas frühere S. 115 möchte wohl auf J = 126 zu setzen\nsein.\nDr. Marianus (Nr. 5, S. 152), unter dessen Hülle\nGoethe den verklärten Faust einführt, ist vom Compo-\nnislen in deutlicherer Farbe als vom Dichter gezeichnet,\nmit warmer Recitation menschlichen Klanges, seinen frü-\nheren irdischen Tönen dramatisch verwandt. Auch den\nnächsten Satz: „Dir, der Unberührbaren\", u. s. w. hat\nder Tondichter aus seiner prosaischen Verständigkeit her-\nausgehoben in melodisch edlere Gestalt. Die strenge Lied-\nform, deren sich Faust bedient, gibt Anlass zu einem ant-\nwortenden Chor, der scheinbar achtstimmig aufgebaut\nwird aus zwei vierstimmigen, in Octaven gehenden; die\ndichte, gleichsam lastende Harmonie ist von schöner Wir-\nkung an dieser Stelle. Nicht so glücklich ist der Chor der\nBüsserinnen—Schumann nimmt ihn als Solo-Sextett—aus-\ngeführt. Er ist kalt declamirt und mit bald stillstehenden\n(159, T. 6 8), bald excentrischen (159, Z. 2 160,\nZ. I—3)1—3) Harmonieen mehr verziert als ausgelegt. Unter\nden letzteren werden die Tacte 160, 2, 3 5 nach Hän-\ndel-Mozart'schen Grundsätzen für unsingbar gelten. Dann\nfolgt der vorhin besprochene, trocken psalmodirte Chor\nmit Terzett der Büsserinnen (161 164), wo jedoch die\nfeierlich emporsteigenden Grundbässe nebst dem eingeweb-\nten Cantus firmus:„Vernimm unser Flehen\", von schö-\nner Klangwirkung sind*). Vollkommener und plastischer\nwürde die Wirkung sein, wenn dieser energische Anhub\nder Bass-Melodie in der ersten Hälfte mehr rhythmisch\nklar construirt wäre, als hier geschieht (P. 161 ff.). Die\nandere Hälfte ist melodisch und rhythmisch klarer.\nDer dramatische Schlussist die Versöhnung des\nDr. Marianus mit der Unapoenitentium durch die Mater\ngloriosa. Gretchen, Una poenitentsingt, wie vorhin\nbemerkt, in höchst ausdrucksvollen, aber mehr theatrali-\nschen als himmlischen Tönen ihr: „Neige, neige, du Ohne-\ngleiche, dein Antlitz gnädig meinem Glück\" (164). In\ndem hinzutretenden Chor seliger Knaben: „Er überwächst\nuns schon an mächt'gen Gliedern\", tritt eine Recitation\nzwischen Gretchen's Melodie, zusammen ein interessantes\nEnsemble, bei dem allerdings die wunderlichsten harmoni-\nschen Verschiebungen und Prolepsen ohne sichtbaren Grund\nverbraucht sind, aber eine ergreifende Wirkung nicht ab-\nzuläugnen ist. Hiernach kündet milder, klarer Hörnerton\ndie letzte Scene an: Gretchen folgt Maria zu höheren\nSphären, Faust folgt ihnen beiden und betet . . . wiederum\nin Worten voll diplomatischer Rhethorik, welche Schumann\naber glücklich umgestaltet hat zu einer in langsam stei-\ngenden Halbtönen recitirenden Psalmodie, welcher S. 169,\n3 bis 170, 4 eine merkwürdige Modulation zugesellt ist.\nDem dramatischen Schlüsse folgt nun ein lyrischer,\nder Chorus mysticus,der das Ergebniss des grossen Wel-\nten-Drama's sententiös zusammenfassen will; es sind Worte,\ndie in sich geheimnissvoll genug sind, um den räthselfreu-\ndigen Tondichter zu einem letzten kühnen Griffe zu begei-\nstern. Schumann gibt zwei Lösungen: einen kürzeren Chor\nvon 46 und einen längeren von 53 Zeilenseiten; die ersten\nneun Seiten sind beiden gemeinsam. Die äussere Anlage\nist zweichörig, mit dem Solo-Quartett zusammen ein zwölf-\nstimmiger Satz, wozu noch ausserdem füllende Instrumen-\ntal-Accorde eintreten.\nSolche Füllung galt den Altmeistern für ein Opus su-\npererogationis, bedenklich genug, um einen Riegel vorzu-\nschieben durch die Regel, es müsse bei allem Mehrchöri-\ngen jeder Chor für sich verständlich sein, womit sie die\nSauberkeit der Stimmführung zu erhalten glaubten. Ein\nContinuo fondamentale mit Untergrundbässen, die nur zu-\nweilen, gleichsam zufällig, allein gehen, wird wohl von\nSeb. Bach so verwandt, dass der Chor auch ohne sol-\nches ad libitum wechselndes Fundament verständlich bleibt;\nseltener finden sich rein selbstständige Grundstimmen wie\nim Credo der 11-moll-Messe, dann aber auch melodisch\nangelegt, oft contrapunktirend durchgeführt, nicht zufällig\neintretend und schwindend; niemals aber solche Füllstim-\nmen, die hin und her springen, bald yocal, bald instrumen-\ntal dazwischen fahrend. Wie jene Grundbässe, so sind auch\nganze Instrumental-Chöre mit selbstsländigen Melismen bei\nBach und seines Gleichen zum Vocale gesetzt, aber dann\nwiederum durchgeführt, nicht musivisch mit dem Gesänge\ndurchflochten.—Mozart geht einen Schritt weiter, indem\ner das Instrumentale, zumal in Opern-Arien, mit dem Vo-\ncalen concertiren lässt: ein liebliches Echospiel verliebter\nDramatik, das ihm von Nägeli mit Unrecht zum Vor-\nwurf gemacht ist; aber auch Mozart verharrt noch bei der\nsubstantiellen Stimmführung, die vom Vocalen ihre Regel\nempfängt.—Dieser keuschen Praxis längst entfremdet, ha-\nben wir uns nun einmal an das Vielerlei der umschlingen-\nden Ranken und Reben gewöhnen müssen .... Nun, der\nDeutsche lernt Vieles ertragen, möge er nur auch die\nWahrheit tragen und hegen, dass organische Regeln und\nGesetze der Kunst mehr sind als blosse\ndie man bloss für die Schule lernt, und dass das gesetzlich\norganische Gebilde am sichersten ist, dauernd zu wirken,\n\n*) Auffallend ist der Druckfehler in Goethe's Worten: Dein Ver-\nzeihen angemessen, statt ungemessen, hier beibehalten, 164,\n3, 3.\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5033, "texte": "sowohl ethisch als pathetisch. Was Schumann den Stim-\nmen Gewaltthätiges angethan, das wird nicht besser da-\ndurch, dass man sich auf den Vorgang Beetboven's und\nWeber's beruft. Beethoven, der überhaupt, wie schon\nHoffmann bemerkte, dem vocalen Gebiete durch einsam\nschwärmerische Vertiefung entfremdet war, hat Manches\ngethan, was nicht nachahmenswert!) ist oder im besten\nFalle unnachahmlich bleibt; Weber dagegen hat seiner\nschönen, ganz volkstümlichen Melodie: „WTas gleicht\nwohl auf Erden\", damit geschadet, dass er in der Oper\ndie Hörner das Thema blasen, die Jäger als Statisten\naccordisch begleiten lässt! Solches Ueberwältigen des Men-\nschen unter stärkere Naturgewalten das ist ganz modern\nspeculativ, ganz pantheistisch gedacht. Der Mensch wird\nMaschine, glücklichen Falls ein Fugenstein im fest gemau-\nerten Gewölbe der Ideen, gelegentlich auch Blatt, Blume,\nPflanze während die Pflanze raisonnirt, die Rose ver-\nliebt ist, die Blumen Rache dürsten, die Nachtigall mit der\nPurpurnelke koset u. s. w.\nIndessen einem Chorus mystkus mag Vieles hingehen:\nwill er uns doch Neues, nie Gehörtes aussagen. Jene for-\nmellen Bedenken sollen uns nicht hindern, zu vernehmen,\nwas etwa der Genius offenbaren möge, titanisch oder\nmenschlich, dämonisch oder göttlich. Von den zwei Bear-\nbeitungen des Chors ist die zweite für die selbst stän-\ndige Aufführung des (himmlischen) dritten Theiles be-\nstimmt. Die erste Bearbeitung ist fliessender, einheitlicher,\ndie zweite durch überraschende Einzelheiten und eine hel-\nlere Melodie des „Ewig Weiblichen\" interessanter. Der\nbeiden Bearbeitungen gemeinsame erste Theil (S. 171\nbis 179) enthält alle acht Zeilen der Goethe'schen Worte:\n„Alles Vergängliche .... das ewig Weibliche zieht uns\nhinan\", und ruht auf dem Thema:\nAus dem Thema und seinem Contrapunkte erwächst ein\nFugalo von 27 Tacten, dessen Schluss ein langes Meiisma\nin gegenläufigen Terzen mit Fermate zu dem Worte\n„Hinan\". Dieses Fugato zeigt die Schumann'sche Art mit\nallen ihren Absonderlichkeiten: nackt hineingeworfene Dis-\nsonanzen, Stimm-Eintritte und Orgelpunkte ohne rhythmi-\nsche Haltpunkte, chromatische Gegenbewegungen, dieses\nalles jedoch noch in leidlicher Weise, so dass das Ganze\nübersehbar bleibt, auch wohlklingend.\nNach dem Scheidepunkte der zwei Bearbeitungen geht\ndie erste weiter in stockenden Figuren mit selteneren\nmelodischen Verweilungen, unter denen die wirksamste\nist zu den Worten: „Das ewig Weibliche\"; das „Unbe-\nschreibliche\" wogt dazwischen in fremder Modulation ara-\nbeskenhafter Bildung. Die Melodie zum Ewig Weiblichen\nhat eher den Charakter eines kecken Angriffes, als eines\nüberirdischen Hymnus; dass der homophon-synkoptische\nAnfang wiederum anders klingt und wirkt, als geschrie-\nben, sei hier nur erwähnt. Andere Haupt-Melodieen kom-\nmen nicht vor, sondern melismalische Ansätze, die zu har-\nmonischer Verwendung Anlass geben (auf die Worte:\n„liier ist es gethan\" ■— „Das Unzulängliche\" u. s. w.\n„Das Unbeschreibliche\" u. s. w.). Diese drei, mit dem\nAnfangs-Thema: „Alles Vergängliche\",canonisch imitirend\nverschlungen, geben interessante Zwischenstücke voll ent-\nlegener Modulationen; dabei sind aber die Hauptmassen\nrhythmisch gut gegliedert, nämlich: I. Auslegung des\nHaupt-Thema's, 23 Tacte in f. 11. Erste melismatische\nDeclamation, 25 Tacte von Des nach Ges. 111. Dieselbe\nmit dem ersten Thema verflochten, 24 Tacte von Ges nach\nAs. IV. Zweites Meiisma, mit dem früheren (allerersten)\nThema: „Alles Vergängliche\", durchflochten, 42 Tacte\nvon 4s nach C, V. Drittes Meiisma mit dem Thema: „Das\newig Weibliche\", durchwebt, Embroglio von 60 Tacten\nvon Cnach F.VI. Schluss, 42 Tacte in mit beiden\nDominanten, ohne ausschweifende Modulation, mit sanftem\nFlügelschlage der Instrumente ausklingend; der Schluss\nalso zum ganzen Chor (d. h. das erste, beiden Chören\ngemeinsame Thema 36 Tacte mitgerechnet) 42 : 205\nein Sechstel; ein allerdings ziemlich enges Verhältniss, aber\nrichtig, um ein Gegengewicht des Diatonon gegen die fer-\nnen Modulationen der melismalischen Gewebe herzustel-\nlen. Beethoven hat scheinbar noch engere Verhältnisse,\nindem die Schluss-Tacte der C-moll-Sinfonie gegen das\nVorige 40 : 187, etwas weniger als ein Fünftel des Gan-\nzen = (187 + 40) : 40 = betragen; aber hier ist das\nTempo am Schlüsse halbirt, nicht bloss wie bei Schu-\nmann allmählich beschleunigt. Solche rhythmische Fra-\ngen sind jetzt häufig und ernstlich aufzuwerfen, weil die\ngrössere Massen-Rhythmik, durch die Ueberwucht des\nselbstständigen Instrumentale bewirkt und erhöht, bei vie-\nlen modernen Werken den Haupt-Effect ausmacht und\nsomit die melodischen Effecte theils alterirt, tbeils zurück-\ndrängt.\nDie zweite Bearbeitung des Schluss-Chors ist in der\ngrossen rhythmischen Architektur nicht so klar, reicher an\nunerwarteten Inganni, vielleicht durch den Reiz der Ueber-\nraschungen stellenweise wirksamer. Der Haupt-Melodieen\nsind fünf, von denen sich das zweite Thema am meisten\nfür canonische Führung eignet, und es ist auch von dieser\nin einfachen und augmentirten Formen Gebrauch gemacht;"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4625, "texte": "die übrigen sind nur harmonisch brauchbar, daher nur\nselten imitirt und in rhythmische Gegenslellungen gebracht.\nDas erste Thema ist wohl ansprechender als das erste\nThema der früheren (kleineren) Bearbeitung; es spricht\nsich gerade, klar und einpräglich aus; das zweite wird als-\nbald melismatisch zergliedert in stockender Declamation\n(S. 220, 3); die übrigen wirken als Zwischensätze an ih-\nrer Stelle, aber die Aufmerksamkeit verweilt am liebsten\nbei dem ersten und dritten Thema; Durchflechtungen ver-\nschiedener Themen finden nicht Statt; einige Umkehrun-\ngen und Augmentationen des zweiten sind interessant (S.\n236, 237); überraschend ist das echte Schumannianum\nkurz vor dem Schlüsse, ein eilftactiger doppelter Orgel-\npunkt in der höchsten Höhe, dem die tiefen Stimmen das\nfünfte Thema entgegen singen (S. 251—253):\nDer Schluss— beginnend S. 254, 5 gibt das erste Thema\naugmentirt (doch in beschleunigter Bewegung) mit har-\nmonisch einfachen Gegenstimmen, die endlich sanft mixo-\nlydisch ausklingen.\nEs thut nicht noth, alles Ungewöhnliche und Befrem-\ndende neben den wirklichen Schönheiten, was in diesem\nChorus mysticusdem Leser und Hörer auffallen mag, ein-\nzeln aufzuzählen. Eben weil so Vieles darin neu ist, muss\nJeder selbst erleben, was darin von künstlerischen That-\nsachen enthalten ist. Soll und muss Einer aber Urtheil\ngeben, so ihue er es nicht mit Umschweifen, aus Furcht,\nsich zu blamiren, sondern spreche frei heraus, dass das\nMystische hier nicht mystisch, das Himmlische nicht himm-\nlisch gesungen ist. Befangene Kritiker entschuldigen gern\nMisslungenes mit der Schwierigkeit der Aufgabe (vergl.\nBrendel, Musik der Gegenwart u. s. w., S. 229. S. d.\n81. 1855, S. 338b) oder vertrösten auf zehnmalige An-\nhörung. Aber jenes Horazische decies repetita placebit, Art.\njooet. 365, heisst doch nicht: „Wenn du's zehn Mal wie-\nderholst, dann wird's dir gefallen\", sondern nur: „Das\nVollkommene bewährt sich erst recht in der Wieder-\nholung.\" Und die Schwierigkeit der Aufgabe? Wer\ngibt denn auf? Nur dem Hof-Poeten wird aufgegeben\nvon aussen her, und selbst der hat als ehrlicher Mann das\nRecht, zu sagen: Non possumus.Jeder andere Künstler\nist frei, denn „der Mensch ist frei\"— wie Graf\nLaurencin so neu als tiefsinnig lehrt. Zwingen kann man\nzum Schweigen, nie zum Reden. Welcher Mensch könnte\nmich zwingen, mehr zu sagen, als ich weiss, oder zu sa-\ngen, was ich nicht weiss?—oder einen Text, einen\nStoff zu wählen, der mir nicht anklingt, nicht bildkräftig\nist? Und wer eine Last auf sich nimmt, die seine Kräfte\nübersteigt, dem darf man doch wohl sagen, dass es so ist,\nwenn er selbst darunter keucht? Das Gesagte gilt von\nGoethe, wie von Schumann. Die echte Mystik ist aus dem\n„Bewusstsein der Neuzeit\" fast entwichen: sie schlummert\naber dennoch tief im Grunde der Herzen, wie alle echten\nGüter unverlierbar sind, daher wir recht wohl merken,\nwo sie nicht sei, und im Gemüthe auch eben sowohl\nspüren, wo sie wirklich ist. Wer Dante, Tauler und\nSuso kennt, wer angeweht ist von dem Hauche der alt-\nkirchlichen Kunst, wer aus Jakob Böhme, Fr. Baader oder\nSchelling nur einen Athemzug vernommen, der weiss wohl,\nwo die überweltliche Schau des kündlich grossen Geheim-\nnisses von Natur und Geist wirklich vorhanden ist,\nund lässt sich nicht berücken von Spiritus-Flämmchen.\nWie für alle Dichtung und Kunst, so insbesondere für die\nmystische, gilt das Gesetz, dass der Künstler daran glau-\nben müsse, an seinen Stoff und sein Werk, ehe Andere\ndaran glauben und sie gläubig aufnehmen können.\nDas Ergebniss der Betrachtungen über Schumann's\nManfred und Faust, welches wir gefunden, ist nicht ein\nvereinzeltes, sondern von mehreren Seiten theilweise offen-\nkundig bezeugtes, theils auch in freundlichem Gespräche\nerworbenes. Mag nun von Seiten der Freunde des Künst-\nlers Gegenrede kommen: sie kann der Entscheidung über\nwichtige künstlerische Fragen förderlich sein; die Kern-\nfrage wird erst die Nachwelt entscheiden, auf die sich alle\nParteien so gern berufen. Seltsam ist übrigens bei dem\nParteiengetriebe unserer Zeit, dass Schumann ähnliche\nEhre widerfährt, wie Seb, Bach, nämlich die, von Hoch-\nConservativen und Roth-Radicalen in Ehren gehalten, von\nbeiden auf die Fahne geschrieben zu werden. Doch sehen\nEinsichtige leicht, in wie verschiedenem Sinne sowohl diese\nVerehrung als jene Parallele zu verstehen sei. Kommt\nüberhaupt auf Parteifragen so viel an? Wir meinen, es\nist ein Trost, dass sich alle Parteien zu ihrem und der\nWelt Heile unter einander verzehren; nur „die Gegen-\nwart\" erhitzt sich an dem Scheingefechte, ihr ist die Neu-\ntralität unerträglich; vgl. die niedliche Erzählung aus dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 269, "texte": "Jahre 1777 in d. 81., 1854, Nr. 48, S. 380. Wer\nüber zwanzig Jahre zurück denken kann, der erinnert sich\nnoch der Kämpfe um Mendelssohn's Geltung, die heute\nnicht mehr beunruhigen; ist nun Einer, der damals sagte,\nwas heute gilt, ein Reactionär oder ein Stumpfsinniger?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-13-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-13_01#c009", "volume": "bmtnabi_1862-12-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "399", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.2.3", "titre_corps": "Aus Amsterdam.", "titre_sommaire": "Aus Amsterdam.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.6", "debut_caractere": 271, "fin_caractere_exclue": 4932, "texte": "Aus Amsterdam.\nDen 3. December 1862.\nDas erste Concert des Cäcilien-Vereins fand am\n13. November unter der Leitung des Herrn Bunte, des\nSeniors der hiesigen Orchester-Dirigenten, Statt. Das Pro-\ngramm bestand aus Schumann's Sinfonie Nr. 111., der\nFaust-Ouverture von Richard Wagner, der symphoni-\nschen Dichtung „Festklänge\" von Liszt und zum Schlüsse\n(glücklicher Weise!) der J.-Jwr-Sinfonie von Beethoven\nein Programm, das in Weimar selbst nicht würdiger\nhätte aufgestellt werden können! Die Gasse des Vereins\nist das auch gewahr geworden, und die Aufnahme der\nCompositionen von Wagner und Liszt war nichts weniger\nals enthusiastisch. Namentlich erschien Liszt's Werk als\nein Meisterstück von harmonischen Härten und musicali-\nschem Irrsinn. Die Ausführung war trotz der grossen\nSchwierigkeiten, welche alle die genannten Werke enthal-\nten, im Ganzen gut.\nDie Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst hat\npopuläre Concerte nach Art der Pasdeloup'schen in\nParis veranstaltet; ihre Leitung ist Herrn Verhülst über-\ntragen worden, und trotz der Opposition einer furchtba-\nren Verschwörung gegen das Unternehmen und gegen\nVerhülst's Direction hat gestern das erste dieser Concerte\nin dem grossen Parksaale unter Mitwirkung des eminenten\nViolinisten Jean Becker Statt gefunden. Der Saal war\ngedrängt voll; man schätzt die Zahl der Zuhörer auf\n2000, und fast eben so viele mussten abgewiesen werden.\nDas Programm brachte Weber's Oberon-Ouverture, die\nSinfonie in Gvon Mozart, Op. 45, Beethoven's Violin-\nConcert, Mendelssohn's Hochzeitsmarsch und die Sinfonie\nNr. 5 von Beethoven. Das war doch einmal ein Pro-\ngramm, wie man es nur wünschen kann! Die Ausführung\nwar in der That vollkommen, das Orchester that unter\nder Leitung von Verhülst Wunder; Herr Becker spielte\ndas Beethoven'sche Concert auf herrliche Weise, der En-\nthusiasmus des Publicums kannte keine Gränzen, man\nglaubte sich nach Neapel versetzt und nicht im Nebellande\nRembrandt's zu sein. Becker wurde zwei Mal gerufen und\nvon Bravo's erdrückt, und auch Verhülst wurde vom Pu-\nblicum und vom Orchester mit stürmischem Zuruf geehrt.\nDieselbe Gesellschaft wird ihr erstes Fest-Concert am 10.\nDecember geben und darin Schumann's »Paradies und\nPeri\" und einen Psalm, componirt von dem verstorbenen\nvan Bree, aufführen.\nDie italiänische Oper von Merelli eröffnet heute Abend\nihre Vorstellungen mit Rossini's „Tancred\", in welchem\nFräulein Trebelli auftritt.\nDie deutsche Oper ist, wenn man das Ganze ins Auge\nfasst, nicht viel über dem Mittelmässigen erhaben, wiewohl\neinzelne Mitglieder verdienstvoll sind und gefallen.\nDie Epidemie der Virtuosen-Concerte fängt schon an\nzu grassiren: man erwartet Frau Schumann, Piatti, Gode-\nfroi, Rubinstein und andere Künstler\nM a t i n o.\nNachtrag*). Das alte, berühmte Concert-Institut Fe-\nlix Meritis, welches übrigens einiger Reformen in gar\nmancher Hinsicht bedürfen möchte, gab sein erstes Con-\ncert am 28. November. Die technische Leitung des Orche-\nsters ist Herrn J. M. Coenen übertragen worden. Zwei\nOuvertüren von H. Marschner und von F. Mendelssohn,\nund Mozart's grosse (7-<fer-Sinfonie wurden im Ganzen\ngut ausgeführt. Eine tüchtige Clavierspielerin, Fräulein\nElisabeth von Schultz, hatte sich durch die Wahl des\nEs-dur-Concertes von Beethoven eine schwierige Aufgabe\ngestellt, die sie zwar nicht in jener vollkommenen Weise,\nwelche diese grossartige Composition verlangt, lös'te, aber\ndoch beifallswürdig. Am meisten sprach ihr Vortrag des\nNotturno in Des von Chopin an. Ausserdem gab sie auch\nnoch einen Bravour-Walzer von Liszt, aus Gounod's\nm\n„Faust\" übertragen, zum Besten. Die Sängerin Inez\nFabbri trug zwei Arien, eine von Mozart und eine von\nVerdi, vor und erhielt lebhaften Applaus. Ausserdem sang\nder hübsche Tenor Adams Beethoven's „Adelaide\".\nDie deutsche Oper wird bis jetzt nicht so besucht,\nwie sie es verdiente. Das Personal, unter welchem Karl\nFormes als Celebrität glänzt, hat in den Damen Bywa-\nter und Bevendorf zwei beifallswerthe Sängerinnen; die\nTenoristen Chrudimsky und Böhlken können bei den\njetzigen Zuständen der Oper überhaupt eben genügen, das\nGanze aber lässt, zumal im Chor und Orchester, gar Man-\nches zu wünschen übrig. In voriger Woche hörten wir\neine Wiederholung des „Freischütz\" (eine bessere Auf-\nführung, als die erste war) und der „Norma\", und die\nerste Vorstellung von „Robert der Teufel\" mit Formes als\nBertram, Fräulein Bywater als Alice und Chrudimsky als\nRobert. Wer Formes in dieser Rolle nicht gesehen hat,\nkann kaum eine Ahnung von dem haben, was Meyerbeer\nhineingelegt hat. Formes zeigte sich darin als eminenten\nSchauspieler und Sänger, seine Stimme war an diesem\n\n*) Von einem anderen Correspondenten."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Abende sehr kräftig und sonor, das tiefe F und selbst Es\nklangen voll und seine Intonation war reiner, als bei sei-\nnem ersten Auftreten im Freischütz. Er machte eine unge-\nheure Wirkung auf das Publicum, welches eigentlich an\ndiesem Abende zum ersten Male sich enthusiasmirt zeigte.\nDiese Oper wird hoffentlich öfter wiederholt werden und\nihre Anziehungskraft bewähren. Nächste Woche werden\n„Die lustigen Weiber von Windsor\" von Nicolai hier\nzum ersten Male in Scene gehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-13-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-13_01#c010", "volume": "bmtnabi_1862-12-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "400", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.7", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 7408, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nH.oXn. Am Dinstag den 2. d. Mts. haben die seit Jahren von\nsteigender Theilnahme des Publicums getragenen Soireen für\nKammermusik für diesen Winter wieder begonnen, und zwar die-\nses Mal im zweiten Saale des Gürzenich ; aber auch dieser wird sich\nzu klein erweisen, wenn der Besuch in demselben Maasse zunimmt,\nwie bisher. Es ist dieser wachsende Sinn für die ernsteste Gattung\nder Musik ein sehr erfreuliches Zeichen der wahren Kunstliebe un-\nserer Bevölkerung, und wenn wir uns fragen, wodurch er geweckt\nund erzielt worden ist, so müssen wir sagen: nicht allein durch die\nimmer vollkommener gewordene Ausführung, sondern hauptsächlich\nauch durch die richtige Auswahl der vorzuführenden Musikstücke.\nUnser Publicum will classische Musik, d. h. es liebt die Erzeug-\nnisse jener schönen Periode der Instrumental-Musik, welche Haydn\neröffnet und Beethoven geschlossen hat, es liebt die Kunstwerke die-\nser Periode vorzugsweise. Dies hindert nicht, dass es auch In-\nteresse für Compositionen älterer Meister habe und auf der anderen\nSeite auch die Producte der nächstclassischen Zeit, die Werke eines\nSchubert, Mendelssohn, Schumann, Hiller u. s. w., schätze. Allein\nvon den zwei Extremen, welche jetzt in gewissen Kreisen herrschen,\ndie da für Bacb's Contrapunkt Verehrung heucheln, dann aber\nüber Haydn, Mozart und den Beethoven von Op. 1 bis 100 hinweg\nspringend bei der Zerrissenheit der Synkopen- und Yorhalts-Musik\nder Neuen und Neuesten seligen Weltschmerz empfinden und sich\nim färb- und formlosen Dunst der Ton-Romantik und melodielosen\nDisharmonie beduseln, von diesen Kreisen und deren Schiboleth ist\ndas kölner Publicum weit entfernt. Weil nun aber unser Verein für\nKammermusik es sich nur zur Aufgabe setzt, den Geschmack durch\nVorführung classischer Werke zu heben und zu veredeln, nicht aber\ndie Thorheit begeht, neue ästhetische Gesetztafeln dem freien Volke\nder Zuhörer octroyiren zu wollen, so strömen ihm natürlich immer\nzahlreicher alle diejenigen Musikfreunde zu, die sich nach Höherem\nsehnen und sich dahin gezogen fühlen, wo nach des Tages Last\nund Bürde die Kunst uns in das Reich der Ideale trägt.\nDas gegenwärtige Geigen-Quartett bilden die Herren Concert-\nmeister Grunwald und von Königslöw, welche an der ersten\nVioline und Bratsche abwechseln, Herr Derckum (zweite Violine)\nund Herr A. Schmit (Violoncello). Das Pianoforte findet an Herrn\nCapellmeister F. Hiller und den Professoren am Conservatorium\nBreunung, Bargiel und J. Seiss seine Vertreter.\nDen Anfang der Soiree machte der Vortrag des Violin-Quartetts\nOp. 29 in A-moll von Franz Schubert, eine sehr ansprechende,\nreizende Composition, welche frei von dem Vorwurf allzu gedehnter\nAusführung und Wiederholung der Motive ist. Darauf führte uns\nHiller eines von seinen neueren Werken, das grosse Trio in E-dur,\nOp. 74, für Pianoforte, Violine und Violoncell (mit den Herren Grun-\nwald und Schmit) vor, eine originelle, geistvolle und glänzende\nComposition; namentlich fesselten das Scherzo und Adagio durch\nNeuheit, Anmuth und melodischen Fluss der Motive die Zuhörer, und\ndas übermütliig schäumende und sprudelnde Finale rief, auch durch\ndie Bravour der Ausführung durch die drei Künstler, stürmischen\nApplaus hervor. Den Schluss der Soiree machte der vollendete, im\nAdagio hinreissend schöne, im Scherzo und Finale höchst charakte-\nristische und durch keine Ziererei oder affectirte Coquetterie gestörte\nVortrag des ersten Quartetts (F-dur) von Beethoven's Op. 18.\nAm Dinstag darauf gaben die Gebrüder Müller aus Meinin-\ngen hier eine sehr besuchte Soiree im Hotel Disch. Sie bewährten\nden grossen Ruf, der ihnen vorausgegangen und den auch wir in\ndiesen Blättern (Nr. 43) verbreitet haben. Ihr Zusammenspiel ist in\nder That durch eine, man möchte sagen: auf die äusserste Spitze\ngetriebene Einheit bewundernswerth; es sind nicht vier Künstler, die\nvier Instrumente spielen, sondern ein Einziger, welcher die vier In-\nstrumente wieder wie ein einziges handhabt. Dies ist nun bezau-\nbernd schön bei grossartigem Ausdruck, bei der Miniatur aber kann\nman sich doch des Gefühls nicht immer erwehren, dass die Kunst\nauch in allzu genau berechnete Detailmalerei übergehen kann, welche\nmehr die Absicht des Vortrages verräth, als den Charakter der Com-\nposition wiedergibt. Namentlich dürfte dies bei Compositionen (z. B.\ndem Quartett in B-dur von Haydn, welches den Abend eröffnete),\nwelche gerade in der grössten Einfachheit und dem natürlichsten\nFluss des Vortrages ihre Schönheit am besten offenbaren, nicht zu\nbilligen sein, da sie moderne Verzierungen oder vielmehr Verunzie-\nrungen, wie rubcito und Aelinliches, nicht wohl vertragen\nkönnen. Die Wahl der zwei folgenden Quartette (lvob. Schumann\nOp. 41 Nr, 3 in und Beethoven Op. 131 in Cw-moll) war\nfür das hiesige Publicum keine passende, zumal für einen ersten\nAbend; trotzdem erregte die vollendete Virtuosität der Ausführung\nBewunderung und lebhaften Applaus.\nCrefeld. Am 25. November gab die kaiserlich russische Hof-\nsängerin, Fräulein Joseph ine von Jansard, eine geborene Polin,\nauf dem Conservatorium zu Mailand und durch den Unterricht der\nberühmten Sängerin Bosio gebildet, hier ein zweites Concert, in\nwelchem sie von der Liedertafel u. s. w. und den Herren Musik-\nDirectoren Wilhelm und H. Wolff unterstützt wurde. Sie trug\neine Cavatine aus Maria di Rohan von Donizetti, ein Duett mit\nTenor aus Verdi's Traviata, Casta diva von Bellini, eine Scene aus\nErnani und die Partie der Lucia in dem grossen Sextett vor und\närntete durch alle diese Leistungen rauschenden Beifall. Ihre lieb-\nliche, umfangreiche, mehr reizende als kräftige Sopranstimme wird\nvon einer trefflichen Schule und vollendeter Coloraturfertigkeit un-\nterstützt, wie das auch in diesen Blättern schon von Aachen her\nrühmlich anerkannt worden ist.\nVon Ritter's praktischem Lehr-Cursus im Orgelspiel\nerscheint im Laufe des nächsten Jahres eine umgearbeitete (achte)\nAuflage, Damit es zugleich eine verbessserte werden könne, richtet\nder Verfasser an alle diejenigen Herren Lehrer im Orgelspiel, welche\ndas Werk benutzt haben, die ergebene und dringende Bitte, ihm\nkurz und bündig ihre gemachten Erfahrungen, so viel dieselben auf\nAbänderungen hinzielen, gelälligst durch die \"V erlagshandlung (G. W .\nKörner in Erfurt) ertheilen zu wollen, und sich eines aufrichti-\ngen Dankes dafür versichert zu halten.\nSclllilpfortSfe« Der wiederkehrende 18. October wurde hier\nauch diesmal durch einen Gedenkact gefeiert. Selbstverständlich er-\ntönten dabei die Körn er'sehen eindringlich wirkenden Lieder: Va-\nter, ich rufe Dich, und: Lützow's wilde Jagd, worauf Trostlied von\nArndt folgte, so wie „Die Elf von Wesel«, mit kräftiger Melodie\nvon C. T. Seiffert vierstimmig componirt, welch letzteres Chorlied\nnächstens, in ein Gesangheft aufgenommen, in Druck erscheinen\nwird. Uebrigens zeigte sich auch während der Sommermonate regsa-\nmes musicalisches Leben in Sehulpforta, indem einige sehr musica-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4246, "texte": "isch begabte Damen unter den Curgästen zu Kösen uns durch meh-\nrere Gesangs-Vorträge aas Oratorien von Händel, Graun und Men-\ndelssohn erfreuten, wozu die Orgelbegleitung von dem Musik-Direc-\ntor Seiffert und sodann von demselben im Anstaltssaale ein be-\nsonderes Concert veranstaltet wurde, wobei der schulpfortaer Gesang-\nverein mehrere geistliche Tonstücke, z. B. einen Chor von Beet-\nhoven: Himmel rühmen des Ewigen Ehre\", und eine Cantate\nvon F. W. Berner, und zum Scliluss eine Hymne vom Herzog\nvon S.-C. zur allgemeinen Befriedigung ausführte.\nDer König von Preussen hat der königlich hannoverschen Hof-\nschauspielerin Frau Niemann-Seebach, deren Gast-Vorstellungen\nderselbe im Victoria-Thater zu wiederholten Malen beigewohnt, ein\nkostbares Armband zum Geschenke gemacht.\nKindermann in München wurde jüngst durch die Erneue-\nrung seines Contractes mit der dortigen Hofbühne derselben für\nseine Lebenszeit gesichert. Eben so ist der Tenorist Sontheim\nin Stuttgart durch einen glänzenden Contract dort gefesselt und\nhat vom Könige von Würtemberg die grosse goldene Medaille mit\ndem Bande des Kron-Ordens erhalten.\nPaa*is« In dem fünften populären Concerte von Pasdeloup\nspielte Alfred Jaell das Es-dur-Q onQQrt von Beethoven und ärn-\ntete rauschenden Beifall, so wie zweimaligen Hervorruf. Ausserdem\nkamen in diesem Concerte Weber's Jubel-Ouverture, Beethoven's\nOuvertüre zu „Coriolan\", die Sinfonie in G-dur von Haydn und\neine Composition von Eameau zur Aufführung. Diese und das Fi-\nnale der Haydn'schen Sinfonie mussten wiederholt werden.\nIn Petersburg haben sich die beiden dort gastirenden Sän-\ngerinnen Fräulein Lagrua und Bianchi mit zwei Brüdern, den\nFürsten Labanosoff, verlobt. Beide werden nach ihrer Hochzeit\nmit ihren Gatten nach Italien reisen.\nAlt die deiifsefien länger!\nDeutschland hat seinen edelsten Sänger, das deutsche Volk sei-\nnen besten Bürger verloren: die ganze Nation stimmt ein in den\nSchmerz um Ludwig Uhland's Hingang. Was der herrliche Mann,\nder unbeugsame Charakter in einer öffentlichen Laufbahn voll Ehre\nseinem Volke gewesen, das wird dankbare Erinnerung noch späten\nGeschlechtern zum leuchtenden Vorbilde verkünden. Und seine\nDichtung, erfüllt mit der Gluth der reinsten hingebenden Vaterlands-\nliebe, vollendet in schöner Form, der echteste Ausdruck des deut-\nschen Dichtergeistes, wird fortleben, unsterblich, so lange es ein\ndeutsches Volk gibt, so lange ein Lessing, ein Goethe und Schiller\nnicht vergessen sein werden. Wie Schiller ist Uhland der Liebling\ndes deutschen Volkes, seine Lieder sind das Eigenthum Aller, ja}\nsie sind, die echten Volkslieder, ins Volk gedrungen, auch wo der\nName des Dichters unbekannt blieb. Ewig wird Ui,T id der Sänger\nder Jugend sein, ewig werden seine Lieder den Funken der begei-\nsterten Vaterlandsliebe in empfänglichen Herzen anfachen. Ihm, dem\nStolze Deutschlands, auch in einem äusserlichen Zeichen den Dank\nder Nation darzubringen, dieser Wunsch liegt jetzt in Aller Herzen.\nWir wagen es denn, im Namen des deutschen, im Namen des\nschwäbischen Sängerbundes den Aufruf ergehen zu lassen,\num Beiträge für ein Ludwig Uhland in seiner Vaterstadt Tü-\nbingen zu errichtendes Denkmal. Wir wenden uns mit un-\nseicr Bitte an die ganze deutsche Nation, welche Uhland verehrt\nund mit inniger Liebe im Herzen trägt. Wir wenden uns ganz be-\nsonders an die deutschen Sänger, die berufenen Vertreter des\ndeutschen Volkes, wo es dem volkstümlichsten Meister im Reiche\ndeutschen Gesanges gilt. Möge das vaterländische Werk gelingen,\nein Zeichen der Einigkeit des deutschen Volkes!\nBereits ist in Uhland's Vaterstadt Tübingen ein Verein für das\nDenkmal zusammengetreten, welcher auf die freundschaftlichste\nWeise sich mit uns verständigt hat. Es wird uns hiernach zustehen,\nbei den Hauptfragen in Betreff der Errichtung des Denkmals unsere\nStimme abzugeben; wir werden sie im Sinne der deutschen Sänger\ngeltend machen.\nDie Beiträge bitten wir an uns (am besten an die Adresse des\nKaufmannes Wilhelm Wiedemann in Stuttgart) einzusenden»\nWir werden über dieselben öffentliche Rechenschaft ablegen.\nStuttgart, den 23. November 1862.\nDer geschäftsführende Ausschuss des deutschen und Ausschuss des\nschwäbischen Sängerbundes:\nDr. Pfaff. Dr. Elben. Dr. J. Faisst. Raur. W. Wiedemann."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBetrachtungen zu Schumann's Faust und Manfred. Von Ed. Krüger. Schluss. Aus Amsterdam (Cäcilien-Verein\nPopuläre Concerte Felix Meritis Oper). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Erste Soiree für Kammermusik, Gebrüder\nMüller Crefeld, Concert von Fräulein Josephine von Jansard Schulpforta, Gedächtnissfeier München, Oper, Auszeichnung\nParis, Alfred Jaell Petersburg, Verlobungen An die deutschen Sänger für Uhland's Denkmal).\n\nBetrachtungen zu Schumann’s Faust und Manfred.\nVon Ed. Krüger.\n(Schluss. S. Nr. 48 und 49.)\nDie dritte Abtheilung umfasst die Himmels-Scenen,\nwelche in Goethe's Worten etwa zwölf Seiten füllen, bei\nSchumann 160 Seiten Clavier-Auszug, mit der Abthei-\nlungs-Ueberschrift: Faust's Verklärung. Es ist ein al-\nter Spruch, dass dem Menschen leichter gelinge, das nie-\ndere Erdenleben darzustellen und irdisches Leid bis in die\nHölle hinab mit richtigen Farben abzubilden, als die reine\nSchönheit des Himmels; das verlorene Paradies stehe ihm\nvor Augen, das wiedergefundene erreiche er nicht. Dieser\nSpruch bewährt sich an Milton, an Goethe, an Schumann\nauf verschiedene Weise. Milton in seiner mild prosaischen\nDidaktik war nicht hoch genug zu solchem Fluge; Goethe's\nweltlich Evangelium hatte ihm das himmlische so weit ver-\nschleiert, dass der Greis am wenigsten im Stande war, den\nHimmel zu malen, den er früh verloren; Schumann, dem\nvon jung an der dunkle Schleier ums Haupt gewoben war,\nwäre der fähiger gewesen, das Vollkommene wieder zu\nbringen? dessen lieblichste Jugendlieder niemals ohne glü-\nhende Tropfen sind, zum Zeichen, „dass das reinste Glück\nder Welt schon eine Ahnung von Weh enthält\"?—Frei-\nlich will oder soll alle echte Kunst nach Verklärung rin-\ngen, aber die menschlich höchste Art solcher ahnenden\nHimmels-Darstellungen im Kunstwerk, das heisst solcher,\ndie erstlich von dem schaffenden Künstler selber geglaubt\nsind, und danach von dessen Jüngern und Hörern, diese\nArt heiliger Kunst ist allzeit selten gewesen; Einige sagen,\nsie sei heute verloren. Im Mittelalter war ein Hauch da-\nvon dem göttlichen Dante verliehen, dem die Bilder des\nHimmels noch vollkommener gelangen, als die der Hölle.\nNach Ausgang des Mittelalters sind solche Töne nicht wie-\nder vernommen; Anklänge daran haben Palestrina, Eccard\nund Händel —P. Gerhard, Meyfart*) und Angelus Sile-\nsius; die volle Dantische Hoheit aber ist nicht wiederge-\nkehrt, weder bei Römischen noch Evangelischen.\nWas Goethe aus dem Himmel erzählt, ist zum grös-\nseren Theile unwahr und missrathen, dem Tone nach bald\ngeziert allegorisch oder altklug diplomatisch, bald unkind-\nlich naiv; allerdings schwebt ihm Wahrhaftes vor, aber\nes fehlt ihm zu voller Gestaltung die Tiefe der Erkenntniss\nund—die Jugend. So sind die Goethe'schen Himmelsbil-\nder Erzeugnisse jener „Anempfindung\", die dem jugend-\nlichen Dichter so verhasst war, und sind dennoch nicht\nalles christlichen Gehaltes bar und ledig. Die Töne aber,\nwomit Schumann den Goethe'schen Himmel überkleidet\nhat, sind meist noch schwächer als jene Worte; es fehlt\nnicht allein die kirchliche oder heilige Idee, sondern gar\ndie künstlerische, es ist wenig Anschauung, das Meiste er-\nsonnen, erquält, gemacht—„eine Studie bloss\", sagte\nSchumann selbst einstmals von einem weit besser gelun-\ngenen Werke, das Andere lobten, in herber Selbstkritik.\nSogar jener Engel-Hymnus, der die gerettete Seele be-\ngrüsst, wo ein christlicher Gehalt nicht aufflammt, aber\nleise hindurch zieht, ist von Schumann verflacht, statt ihn\nim Tonbilde durch alle Kräfte der melodischen Declama-\ntion und Harmonik zu vertiefen. Goethe sagt:\nGerettet ist das edle Glied\nDer Geisterwelt vom Bosen.\nWer immer strebend sich bemüht,\nDen können wir erlösen»\nUnd hat an ihm die Liebe gar\nVon oben Theil genommen,\nBegegnet ihm die sel'ge Schar\nMit herzlichem Willkommen\nwas offenbar mehr pelagianisch als biblisch klingt, aber\nselbst in dieser Verschleierung das wahre Licht durch-\nschimmern lässt. Es ist unweifelhaft anzunehmen, dass\n\n*) Joh. Matthäus Meyfart, 1590—1642, ist der Dichter des\nLiedes: du hochgebaute Stadt\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.2", "texte": "Goethe das Streben, Können und Lieben zusam-\nmen wirken lässt, also diesen drei Worten das declama-\ntorische Uebergewicht zufällt. Und eben diese Worte sind\nvon dem sonst so scharfsinnig declamirenden T'onsetzer in\nSchatten gestellt, statt sie hell aufleuchten zu lassen (S.\n122, 1).— Und Wäre nur Ersatz für den logischen Man-\ngel bei der Tonschönheit der selbstständigen Melodie zu\nfinden! denn es kann ja die Melodie als Ganzes einen\nGeistgehalt haben, der die rational grammatische oder\nrhetorische Declamation weit überläuft, wie das z. B. in\nMozarl's bezaubernder Bildniss-Arie, in Schumann's Wald-\ngespräch u. A. wirklich der Fall ist. Ob nun dieser Hym-\nnus: „Gerettet ist\", so überwältigend melodisch wirke,\ndas muss Jeder selbst erleben. Uns scheint er einen gar\ndidaktischen Anstrich zu haben, und der folgende Rosen-\nchor S. 123 haucht auch nicht jenen Rosenduft, „vor dem\ndie Teufel entweichen und stürzen ärschlings in die Hölle\",\nwie Mephisto klagt, sondern er klingt in elegantem Con-\nversations-Tone, von niedlich pickenden Geigen-Accorden\ndurchbrochen, ganz irdisch Attegretto, vom Himmlischen\nauch keine Anempfindung:\nHöher hebt sich der folgende Gesang der jüngeren\nEngel: „Nebelnd um Felsenhöh'n\", im Tacte 3 gegen 2,\nSang und Klang gegenbildlich concertirend. Er klingt me-\nlodischer, duftiger, nicht himmlischer, eher eifenhaft, und\nist interessant durch fugirten Anstrich; dass die pickenden\nGeigen fast unausgesetzt zwischenein huschen (S. 123\n131), ist ein Eigensinn, dergleichen auch manche treff-\nliche Lieder von Fr. Schubert wie ein Drathnetz um-\nspinnt. Der Ausklang dieser Scene ist lieblich in dem Kna-\nbenchor: „Freudig empfangen wir\" (S. 137).\nDarauf.folgt ein grosser Chor: „Gerettet ist das edle\nGlied\", die ersten vier Zeilen jener Strophe ohne die\nLiebes-Theilnahme wiederholend mit fugirten Ansätzen\n(139 —151), leider noch entfernter von dem Klange, der\naus der Sphären-Harmonie zu uns hernieder weht; er ist\nsinnverwandt dem Freiheit schäumenden Schluss-Chor des\nersten Theils der Peri: „Heilig ist das Blut, für die Frei-\nheit verspritzt im Heldenmuth\", verwandt in Sinn und\nharmonischer Fügung; im genialen Wurf der Melodie\nsteht jedoch der Peri-Chor voran. Dass dieser Faust-Chor\nsich bei angemessener Breite fast durchgehends im Diato-\nnon (einige neuere Theoreten sagen Tonalität) bewegt\nund daher harmonisch feine Kunst zeigt, ist lobend hervor-\nzuheben; daneben jedoch sind die Repercussionen oft sehr\ngewaltthätig, z. B. 145, 1, 6—2, 2; 147, 2, 3 4;\ndie äusserst disparat angewandten Orgelpunkte, 19 Tacte\n/, S. 143 —145; ähnlich 146, 147, 148, und manche\nharmonische Willküren, als 142, 2, 1: 3; 143, 1, 4\nes\n9 11\nt} 4; 145, 2, 3: 7; —l5l, 1,2: und über\nf es\neinander gethürmt. Die müssen wir uns nun schon gefal-\nlen lassen.\nDie Einzelgestalten, die der Dichter aus den himmli-\nschen Chören heraustreten lässt, bringen poetische Mittel-\nglieder und Steigerungen, musicalisch schöne Ruhepunkte\nund Gegensätze im rollenden Getriebe der Chöre. Die\nAnachoreten bilden den Uebergang in die jenseitige Welt;\nihr Gang durch Kluft und Wald, Schlucht und Fels, in\nden zeilenweise antwortenden, zerstreuten Gesängen abge-\nbildet, ist sanghaft milde ohne Landschaftsmalerei, die hier\nvielleicht erwartet würde nach Vorgang anderer ähnlicher\nScenen in der Peri.\nWas darauf die drei heiligen singen, der\necstaÜcus, profundus, seraphicus, zeigt Schumann's grosse\nGewandtheit in charakteristischer Declamation, während\ndie melodische Schwungkraft unentschieden schwebt zwi-\nschen Glanz und Trübe. Goethe's wunderliche Verse\n~ _ bewältigt der P. ecstaticus in der rhythmi-\nschen Phrase S. 107 ....\nwelche, zwölf Mal wiederholt, eher gelenksteif als eksta-\ntisch klingen würde, wenn nicht die mannigfaltige Modu-\nlation und die chromatische Schlangenfigur, die durch hohe\nund tiefe Geigen sich hindurchwindet, einen lüsternen Reiz\nhineinwürfe. Der P. Profundus singt in edlen mensch-\nlichen Tönen, zu Anfang salbungsvoll, wie Sarastro, später\nziehen mehr modern romantische Wendungen hindurch.\nP. seraphicus (S. 114) beginnt eine rhythmische\nPhrase, die sich nachher auch in Chören angewandt findet:\nspäter mehrmals:\nSie lässt sich ein und ein paar Mal ertragen, wird aber\nu. A. in dem Gegenbilde der drei Büsserinnen: Magna\npeccatrix, Mulier samaritana, Mulier aegyptiaca, S. 161,\ndurch 32 Tacte hindurch geführt, sehr langweilig, zumal\nan letzter Stelle geringe melodische Bewegung Statt findet\nund die drei Weiber homophon, aber mit verschiedenen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.3", "texte": "Worten, daher ganz unverständlich singen; dazu kommt,\ndass das Tempo (vgl. 152, 156, 158, 161), wenn wir\nSchumann's allgemeine Bezeichnungen recht verstehen,\netwa von M M \\=• 80 bis zu J = 100 gesteigert, einen\nMittelweg zwischen Gespräch und Psalmodie halten soll;\ndas frühere S. 115 möchte wohl auf J = 126 zu setzen\nsein.\nDr. Marianus (Nr. 5, S. 152), unter dessen Hülle\nGoethe den verklärten Faust einführt, ist vom Compo-\nnislen in deutlicherer Farbe als vom Dichter gezeichnet,\nmit warmer Recitation menschlichen Klanges, seinen frü-\nheren irdischen Tönen dramatisch verwandt. Auch den\nnächsten Satz: „Dir, der Unberührbaren\", u. s. w. hat\nder Tondichter aus seiner prosaischen Verständigkeit her-\nausgehoben in melodisch edlere Gestalt. Die strenge Lied-\nform, deren sich Faust bedient, gibt Anlass zu einem ant-\nwortenden Chor, der scheinbar achtstimmig aufgebaut\nwird aus zwei vierstimmigen, in Octaven gehenden; die\ndichte, gleichsam lastende Harmonie ist von schöner Wir-\nkung an dieser Stelle. Nicht so glücklich ist der Chor der\nBüsserinnen—Schumann nimmt ihn als Solo-Sextett—aus-\ngeführt. Er ist kalt declamirt und mit bald stillstehenden\n(159, T. 6 8), bald excentrischen (159, Z. 2 160,\nZ. I—3)1—3) Harmonieen mehr verziert als ausgelegt. Unter\nden letzteren werden die Tacte 160, 2, 3 5 nach Hän-\ndel-Mozart'schen Grundsätzen für unsingbar gelten. Dann\nfolgt der vorhin besprochene, trocken psalmodirte Chor\nmit Terzett der Büsserinnen (161 164), wo jedoch die\nfeierlich emporsteigenden Grundbässe nebst dem eingeweb-\nten Cantus firmus:„Vernimm unser Flehen\", von schö-\nner Klangwirkung sind*). Vollkommener und plastischer\nwürde die Wirkung sein, wenn dieser energische Anhub\nder Bass-Melodie in der ersten Hälfte mehr rhythmisch\nklar construirt wäre, als hier geschieht (P. 161 ff.). Die\nandere Hälfte ist melodisch und rhythmisch klarer.\nDer dramatische Schlussist die Versöhnung des\nDr. Marianus mit der Unapoenitentium durch die Mater\ngloriosa. Gretchen, Una poenitentsingt, wie vorhin\nbemerkt, in höchst ausdrucksvollen, aber mehr theatrali-\nschen als himmlischen Tönen ihr: „Neige, neige, du Ohne-\ngleiche, dein Antlitz gnädig meinem Glück\" (164). In\ndem hinzutretenden Chor seliger Knaben: „Er überwächst\nuns schon an mächt'gen Gliedern\", tritt eine Recitation\nzwischen Gretchen's Melodie, zusammen ein interessantes\nEnsemble, bei dem allerdings die wunderlichsten harmoni-\nschen Verschiebungen und Prolepsen ohne sichtbaren Grund\nverbraucht sind, aber eine ergreifende Wirkung nicht ab-\nzuläugnen ist. Hiernach kündet milder, klarer Hörnerton\ndie letzte Scene an: Gretchen folgt Maria zu höheren\nSphären, Faust folgt ihnen beiden und betet . . . wiederum\nin Worten voll diplomatischer Rhethorik, welche Schumann\naber glücklich umgestaltet hat zu einer in langsam stei-\ngenden Halbtönen recitirenden Psalmodie, welcher S. 169,\n3 bis 170, 4 eine merkwürdige Modulation zugesellt ist.\nDem dramatischen Schlüsse folgt nun ein lyrischer,\nder Chorus mysticus,der das Ergebniss des grossen Wel-\nten-Drama's sententiös zusammenfassen will; es sind Worte,\ndie in sich geheimnissvoll genug sind, um den räthselfreu-\ndigen Tondichter zu einem letzten kühnen Griffe zu begei-\nstern. Schumann gibt zwei Lösungen: einen kürzeren Chor\nvon 46 und einen längeren von 53 Zeilenseiten; die ersten\nneun Seiten sind beiden gemeinsam. Die äussere Anlage\nist zweichörig, mit dem Solo-Quartett zusammen ein zwölf-\nstimmiger Satz, wozu noch ausserdem füllende Instrumen-\ntal-Accorde eintreten.\nSolche Füllung galt den Altmeistern für ein Opus su-\npererogationis, bedenklich genug, um einen Riegel vorzu-\nschieben durch die Regel, es müsse bei allem Mehrchöri-\ngen jeder Chor für sich verständlich sein, womit sie die\nSauberkeit der Stimmführung zu erhalten glaubten. Ein\nContinuo fondamentale mit Untergrundbässen, die nur zu-\nweilen, gleichsam zufällig, allein gehen, wird wohl von\nSeb. Bach so verwandt, dass der Chor auch ohne sol-\nches ad libitum wechselndes Fundament verständlich bleibt;\nseltener finden sich rein selbstständige Grundstimmen wie\nim Credo der 11-moll-Messe, dann aber auch melodisch\nangelegt, oft contrapunktirend durchgeführt, nicht zufällig\neintretend und schwindend; niemals aber solche Füllstim-\nmen, die hin und her springen, bald yocal, bald instrumen-\ntal dazwischen fahrend. Wie jene Grundbässe, so sind auch\nganze Instrumental-Chöre mit selbstsländigen Melismen bei\nBach und seines Gleichen zum Vocale gesetzt, aber dann\nwiederum durchgeführt, nicht musivisch mit dem Gesänge\ndurchflochten.—Mozart geht einen Schritt weiter, indem\ner das Instrumentale, zumal in Opern-Arien, mit dem Vo-\ncalen concertiren lässt: ein liebliches Echospiel verliebter\nDramatik, das ihm von Nägeli mit Unrecht zum Vor-\nwurf gemacht ist; aber auch Mozart verharrt noch bei der\nsubstantiellen Stimmführung, die vom Vocalen ihre Regel\nempfängt.—Dieser keuschen Praxis längst entfremdet, ha-\nben wir uns nun einmal an das Vielerlei der umschlingen-\nden Ranken und Reben gewöhnen müssen .... Nun, der\nDeutsche lernt Vieles ertragen, möge er nur auch die\nWahrheit tragen und hegen, dass organische Regeln und\nGesetze der Kunst mehr sind als blosse\ndie man bloss für die Schule lernt, und dass das gesetzlich\norganische Gebilde am sichersten ist, dauernd zu wirken,\n\n*) Auffallend ist der Druckfehler in Goethe's Worten: Dein Ver-\nzeihen angemessen, statt ungemessen, hier beibehalten, 164,\n3, 3.\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.4", "texte": "sowohl ethisch als pathetisch. Was Schumann den Stim-\nmen Gewaltthätiges angethan, das wird nicht besser da-\ndurch, dass man sich auf den Vorgang Beetboven's und\nWeber's beruft. Beethoven, der überhaupt, wie schon\nHoffmann bemerkte, dem vocalen Gebiete durch einsam\nschwärmerische Vertiefung entfremdet war, hat Manches\ngethan, was nicht nachahmenswert!) ist oder im besten\nFalle unnachahmlich bleibt; Weber dagegen hat seiner\nschönen, ganz volkstümlichen Melodie: „WTas gleicht\nwohl auf Erden\", damit geschadet, dass er in der Oper\ndie Hörner das Thema blasen, die Jäger als Statisten\naccordisch begleiten lässt! Solches Ueberwältigen des Men-\nschen unter stärkere Naturgewalten das ist ganz modern\nspeculativ, ganz pantheistisch gedacht. Der Mensch wird\nMaschine, glücklichen Falls ein Fugenstein im fest gemau-\nerten Gewölbe der Ideen, gelegentlich auch Blatt, Blume,\nPflanze während die Pflanze raisonnirt, die Rose ver-\nliebt ist, die Blumen Rache dürsten, die Nachtigall mit der\nPurpurnelke koset u. s. w.\nIndessen einem Chorus mystkus mag Vieles hingehen:\nwill er uns doch Neues, nie Gehörtes aussagen. Jene for-\nmellen Bedenken sollen uns nicht hindern, zu vernehmen,\nwas etwa der Genius offenbaren möge, titanisch oder\nmenschlich, dämonisch oder göttlich. Von den zwei Bear-\nbeitungen des Chors ist die zweite für die selbst stän-\ndige Aufführung des (himmlischen) dritten Theiles be-\nstimmt. Die erste Bearbeitung ist fliessender, einheitlicher,\ndie zweite durch überraschende Einzelheiten und eine hel-\nlere Melodie des „Ewig Weiblichen\" interessanter. Der\nbeiden Bearbeitungen gemeinsame erste Theil (S. 171\nbis 179) enthält alle acht Zeilen der Goethe'schen Worte:\n„Alles Vergängliche .... das ewig Weibliche zieht uns\nhinan\", und ruht auf dem Thema:\nAus dem Thema und seinem Contrapunkte erwächst ein\nFugalo von 27 Tacten, dessen Schluss ein langes Meiisma\nin gegenläufigen Terzen mit Fermate zu dem Worte\n„Hinan\". Dieses Fugato zeigt die Schumann'sche Art mit\nallen ihren Absonderlichkeiten: nackt hineingeworfene Dis-\nsonanzen, Stimm-Eintritte und Orgelpunkte ohne rhythmi-\nsche Haltpunkte, chromatische Gegenbewegungen, dieses\nalles jedoch noch in leidlicher Weise, so dass das Ganze\nübersehbar bleibt, auch wohlklingend.\nNach dem Scheidepunkte der zwei Bearbeitungen geht\ndie erste weiter in stockenden Figuren mit selteneren\nmelodischen Verweilungen, unter denen die wirksamste\nist zu den Worten: „Das ewig Weibliche\"; das „Unbe-\nschreibliche\" wogt dazwischen in fremder Modulation ara-\nbeskenhafter Bildung. Die Melodie zum Ewig Weiblichen\nhat eher den Charakter eines kecken Angriffes, als eines\nüberirdischen Hymnus; dass der homophon-synkoptische\nAnfang wiederum anders klingt und wirkt, als geschrie-\nben, sei hier nur erwähnt. Andere Haupt-Melodieen kom-\nmen nicht vor, sondern melismalische Ansätze, die zu har-\nmonischer Verwendung Anlass geben (auf die Worte:\n„liier ist es gethan\" ■— „Das Unzulängliche\" u. s. w.\n„Das Unbeschreibliche\" u. s. w.). Diese drei, mit dem\nAnfangs-Thema: „Alles Vergängliche\",canonisch imitirend\nverschlungen, geben interessante Zwischenstücke voll ent-\nlegener Modulationen; dabei sind aber die Hauptmassen\nrhythmisch gut gegliedert, nämlich: I. Auslegung des\nHaupt-Thema's, 23 Tacte in f. 11. Erste melismatische\nDeclamation, 25 Tacte von Des nach Ges. 111. Dieselbe\nmit dem ersten Thema verflochten, 24 Tacte von Ges nach\nAs. IV. Zweites Meiisma, mit dem früheren (allerersten)\nThema: „Alles Vergängliche\", durchflochten, 42 Tacte\nvon 4s nach C, V. Drittes Meiisma mit dem Thema: „Das\newig Weibliche\", durchwebt, Embroglio von 60 Tacten\nvon Cnach F.VI. Schluss, 42 Tacte in mit beiden\nDominanten, ohne ausschweifende Modulation, mit sanftem\nFlügelschlage der Instrumente ausklingend; der Schluss\nalso zum ganzen Chor (d. h. das erste, beiden Chören\ngemeinsame Thema 36 Tacte mitgerechnet) 42 : 205\nein Sechstel; ein allerdings ziemlich enges Verhältniss, aber\nrichtig, um ein Gegengewicht des Diatonon gegen die fer-\nnen Modulationen der melismalischen Gewebe herzustel-\nlen. Beethoven hat scheinbar noch engere Verhältnisse,\nindem die Schluss-Tacte der C-moll-Sinfonie gegen das\nVorige 40 : 187, etwas weniger als ein Fünftel des Gan-\nzen = (187 + 40) : 40 = betragen; aber hier ist das\nTempo am Schlüsse halbirt, nicht bloss wie bei Schu-\nmann allmählich beschleunigt. Solche rhythmische Fra-\ngen sind jetzt häufig und ernstlich aufzuwerfen, weil die\ngrössere Massen-Rhythmik, durch die Ueberwucht des\nselbstständigen Instrumentale bewirkt und erhöht, bei vie-\nlen modernen Werken den Haupt-Effect ausmacht und\nsomit die melodischen Effecte theils alterirt, tbeils zurück-\ndrängt.\nDie zweite Bearbeitung des Schluss-Chors ist in der\ngrossen rhythmischen Architektur nicht so klar, reicher an\nunerwarteten Inganni, vielleicht durch den Reiz der Ueber-\nraschungen stellenweise wirksamer. Der Haupt-Melodieen\nsind fünf, von denen sich das zweite Thema am meisten\nfür canonische Führung eignet, und es ist auch von dieser\nin einfachen und augmentirten Formen Gebrauch gemacht;"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.5", "texte": "die übrigen sind nur harmonisch brauchbar, daher nur\nselten imitirt und in rhythmische Gegenslellungen gebracht.\nDas erste Thema ist wohl ansprechender als das erste\nThema der früheren (kleineren) Bearbeitung; es spricht\nsich gerade, klar und einpräglich aus; das zweite wird als-\nbald melismatisch zergliedert in stockender Declamation\n(S. 220, 3); die übrigen wirken als Zwischensätze an ih-\nrer Stelle, aber die Aufmerksamkeit verweilt am liebsten\nbei dem ersten und dritten Thema; Durchflechtungen ver-\nschiedener Themen finden nicht Statt; einige Umkehrun-\ngen und Augmentationen des zweiten sind interessant (S.\n236, 237); überraschend ist das echte Schumannianum\nkurz vor dem Schlüsse, ein eilftactiger doppelter Orgel-\npunkt in der höchsten Höhe, dem die tiefen Stimmen das\nfünfte Thema entgegen singen (S. 251—253):\nDer Schluss— beginnend S. 254, 5 gibt das erste Thema\naugmentirt (doch in beschleunigter Bewegung) mit har-\nmonisch einfachen Gegenstimmen, die endlich sanft mixo-\nlydisch ausklingen.\nEs thut nicht noth, alles Ungewöhnliche und Befrem-\ndende neben den wirklichen Schönheiten, was in diesem\nChorus mysticusdem Leser und Hörer auffallen mag, ein-\nzeln aufzuzählen. Eben weil so Vieles darin neu ist, muss\nJeder selbst erleben, was darin von künstlerischen That-\nsachen enthalten ist. Soll und muss Einer aber Urtheil\ngeben, so ihue er es nicht mit Umschweifen, aus Furcht,\nsich zu blamiren, sondern spreche frei heraus, dass das\nMystische hier nicht mystisch, das Himmlische nicht himm-\nlisch gesungen ist. Befangene Kritiker entschuldigen gern\nMisslungenes mit der Schwierigkeit der Aufgabe (vergl.\nBrendel, Musik der Gegenwart u. s. w., S. 229. S. d.\n81. 1855, S. 338b) oder vertrösten auf zehnmalige An-\nhörung. Aber jenes Horazische decies repetita placebit, Art.\njooet. 365, heisst doch nicht: „Wenn du's zehn Mal wie-\nderholst, dann wird's dir gefallen\", sondern nur: „Das\nVollkommene bewährt sich erst recht in der Wieder-\nholung.\" Und die Schwierigkeit der Aufgabe? Wer\ngibt denn auf? Nur dem Hof-Poeten wird aufgegeben\nvon aussen her, und selbst der hat als ehrlicher Mann das\nRecht, zu sagen: Non possumus.Jeder andere Künstler\nist frei, denn „der Mensch ist frei\"— wie Graf\nLaurencin so neu als tiefsinnig lehrt. Zwingen kann man\nzum Schweigen, nie zum Reden. Welcher Mensch könnte\nmich zwingen, mehr zu sagen, als ich weiss, oder zu sa-\ngen, was ich nicht weiss?—oder einen Text, einen\nStoff zu wählen, der mir nicht anklingt, nicht bildkräftig\nist? Und wer eine Last auf sich nimmt, die seine Kräfte\nübersteigt, dem darf man doch wohl sagen, dass es so ist,\nwenn er selbst darunter keucht? Das Gesagte gilt von\nGoethe, wie von Schumann. Die echte Mystik ist aus dem\n„Bewusstsein der Neuzeit\" fast entwichen: sie schlummert\naber dennoch tief im Grunde der Herzen, wie alle echten\nGüter unverlierbar sind, daher wir recht wohl merken,\nwo sie nicht sei, und im Gemüthe auch eben sowohl\nspüren, wo sie wirklich ist. Wer Dante, Tauler und\nSuso kennt, wer angeweht ist von dem Hauche der alt-\nkirchlichen Kunst, wer aus Jakob Böhme, Fr. Baader oder\nSchelling nur einen Athemzug vernommen, der weiss wohl,\nwo die überweltliche Schau des kündlich grossen Geheim-\nnisses von Natur und Geist wirklich vorhanden ist,\nund lässt sich nicht berücken von Spiritus-Flämmchen.\nWie für alle Dichtung und Kunst, so insbesondere für die\nmystische, gilt das Gesetz, dass der Künstler daran glau-\nben müsse, an seinen Stoff und sein Werk, ehe Andere\ndaran glauben und sie gläubig aufnehmen können.\nDas Ergebniss der Betrachtungen über Schumann's\nManfred und Faust, welches wir gefunden, ist nicht ein\nvereinzeltes, sondern von mehreren Seiten theilweise offen-\nkundig bezeugtes, theils auch in freundlichem Gespräche\nerworbenes. Mag nun von Seiten der Freunde des Künst-\nlers Gegenrede kommen: sie kann der Entscheidung über\nwichtige künstlerische Fragen förderlich sein; die Kern-\nfrage wird erst die Nachwelt entscheiden, auf die sich alle\nParteien so gern berufen. Seltsam ist übrigens bei dem\nParteiengetriebe unserer Zeit, dass Schumann ähnliche\nEhre widerfährt, wie Seb, Bach, nämlich die, von Hoch-\nConservativen und Roth-Radicalen in Ehren gehalten, von\nbeiden auf die Fahne geschrieben zu werden. Doch sehen\nEinsichtige leicht, in wie verschiedenem Sinne sowohl diese\nVerehrung als jene Parallele zu verstehen sei. Kommt\nüberhaupt auf Parteifragen so viel an? Wir meinen, es\nist ein Trost, dass sich alle Parteien zu ihrem und der\nWelt Heile unter einander verzehren; nur „die Gegen-\nwart\" erhitzt sich an dem Scheingefechte, ihr ist die Neu-\ntralität unerträglich; vgl. die niedliche Erzählung aus dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.6", "texte": "Jahre 1777 in d. 81., 1854, Nr. 48, S. 380. Wer\nüber zwanzig Jahre zurück denken kann, der erinnert sich\nnoch der Kämpfe um Mendelssohn's Geltung, die heute\nnicht mehr beunruhigen; ist nun Einer, der damals sagte,\nwas heute gilt, ein Reactionär oder ein Stumpfsinniger?\n\nAus Amsterdam.\nDen 3. December 1862.\nDas erste Concert des Cäcilien-Vereins fand am\n13. November unter der Leitung des Herrn Bunte, des\nSeniors der hiesigen Orchester-Dirigenten, Statt. Das Pro-\ngramm bestand aus Schumann's Sinfonie Nr. 111., der\nFaust-Ouverture von Richard Wagner, der symphoni-\nschen Dichtung „Festklänge\" von Liszt und zum Schlüsse\n(glücklicher Weise!) der J.-Jwr-Sinfonie von Beethoven\nein Programm, das in Weimar selbst nicht würdiger\nhätte aufgestellt werden können! Die Gasse des Vereins\nist das auch gewahr geworden, und die Aufnahme der\nCompositionen von Wagner und Liszt war nichts weniger\nals enthusiastisch. Namentlich erschien Liszt's Werk als\nein Meisterstück von harmonischen Härten und musicali-\nschem Irrsinn. Die Ausführung war trotz der grossen\nSchwierigkeiten, welche alle die genannten Werke enthal-\nten, im Ganzen gut.\nDie Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst hat\npopuläre Concerte nach Art der Pasdeloup'schen in\nParis veranstaltet; ihre Leitung ist Herrn Verhülst über-\ntragen worden, und trotz der Opposition einer furchtba-\nren Verschwörung gegen das Unternehmen und gegen\nVerhülst's Direction hat gestern das erste dieser Concerte\nin dem grossen Parksaale unter Mitwirkung des eminenten\nViolinisten Jean Becker Statt gefunden. Der Saal war\ngedrängt voll; man schätzt die Zahl der Zuhörer auf\n2000, und fast eben so viele mussten abgewiesen werden.\nDas Programm brachte Weber's Oberon-Ouverture, die\nSinfonie in Gvon Mozart, Op. 45, Beethoven's Violin-\nConcert, Mendelssohn's Hochzeitsmarsch und die Sinfonie\nNr. 5 von Beethoven. Das war doch einmal ein Pro-\ngramm, wie man es nur wünschen kann! Die Ausführung\nwar in der That vollkommen, das Orchester that unter\nder Leitung von Verhülst Wunder; Herr Becker spielte\ndas Beethoven'sche Concert auf herrliche Weise, der En-\nthusiasmus des Publicums kannte keine Gränzen, man\nglaubte sich nach Neapel versetzt und nicht im Nebellande\nRembrandt's zu sein. Becker wurde zwei Mal gerufen und\nvon Bravo's erdrückt, und auch Verhülst wurde vom Pu-\nblicum und vom Orchester mit stürmischem Zuruf geehrt.\nDieselbe Gesellschaft wird ihr erstes Fest-Concert am 10.\nDecember geben und darin Schumann's »Paradies und\nPeri\" und einen Psalm, componirt von dem verstorbenen\nvan Bree, aufführen.\nDie italiänische Oper von Merelli eröffnet heute Abend\nihre Vorstellungen mit Rossini's „Tancred\", in welchem\nFräulein Trebelli auftritt.\nDie deutsche Oper ist, wenn man das Ganze ins Auge\nfasst, nicht viel über dem Mittelmässigen erhaben, wiewohl\neinzelne Mitglieder verdienstvoll sind und gefallen.\nDie Epidemie der Virtuosen-Concerte fängt schon an\nzu grassiren: man erwartet Frau Schumann, Piatti, Gode-\nfroi, Rubinstein und andere Künstler\nM a t i n o.\nNachtrag*). Das alte, berühmte Concert-Institut Fe-\nlix Meritis, welches übrigens einiger Reformen in gar\nmancher Hinsicht bedürfen möchte, gab sein erstes Con-\ncert am 28. November. Die technische Leitung des Orche-\nsters ist Herrn J. M. Coenen übertragen worden. Zwei\nOuvertüren von H. Marschner und von F. Mendelssohn,\nund Mozart's grosse (7-<fer-Sinfonie wurden im Ganzen\ngut ausgeführt. Eine tüchtige Clavierspielerin, Fräulein\nElisabeth von Schultz, hatte sich durch die Wahl des\nEs-dur-Concertes von Beethoven eine schwierige Aufgabe\ngestellt, die sie zwar nicht in jener vollkommenen Weise,\nwelche diese grossartige Composition verlangt, lös'te, aber\ndoch beifallswürdig. Am meisten sprach ihr Vortrag des\nNotturno in Des von Chopin an. Ausserdem gab sie auch\nnoch einen Bravour-Walzer von Liszt, aus Gounod's\nm\n„Faust\" übertragen, zum Besten. Die Sängerin Inez\nFabbri trug zwei Arien, eine von Mozart und eine von\nVerdi, vor und erhielt lebhaften Applaus. Ausserdem sang\nder hübsche Tenor Adams Beethoven's „Adelaide\".\nDie deutsche Oper wird bis jetzt nicht so besucht,\nwie sie es verdiente. Das Personal, unter welchem Karl\nFormes als Celebrität glänzt, hat in den Damen Bywa-\nter und Bevendorf zwei beifallswerthe Sängerinnen; die\nTenoristen Chrudimsky und Böhlken können bei den\njetzigen Zuständen der Oper überhaupt eben genügen, das\nGanze aber lässt, zumal im Chor und Orchester, gar Man-\nches zu wünschen übrig. In voriger Woche hörten wir\neine Wiederholung des „Freischütz\" (eine bessere Auf-\nführung, als die erste war) und der „Norma\", und die\nerste Vorstellung von „Robert der Teufel\" mit Formes als\nBertram, Fräulein Bywater als Alice und Chrudimsky als\nRobert. Wer Formes in dieser Rolle nicht gesehen hat,\nkann kaum eine Ahnung von dem haben, was Meyerbeer\nhineingelegt hat. Formes zeigte sich darin als eminenten\nSchauspieler und Sänger, seine Stimme war an diesem\n\n*) Von einem anderen Correspondenten."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.7", "texte": "Abende sehr kräftig und sonor, das tiefe F und selbst Es\nklangen voll und seine Intonation war reiner, als bei sei-\nnem ersten Auftreten im Freischütz. Er machte eine unge-\nheure Wirkung auf das Publicum, welches eigentlich an\ndiesem Abende zum ersten Male sich enthusiasmirt zeigte.\nDiese Oper wird hoffentlich öfter wiederholt werden und\nihre Anziehungskraft bewähren. Nächste Woche werden\n„Die lustigen Weiber von Windsor\" von Nicolai hier\nzum ersten Male in Scene gehen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nH.oXn. Am Dinstag den 2. d. Mts. haben die seit Jahren von\nsteigender Theilnahme des Publicums getragenen Soireen für\nKammermusik für diesen Winter wieder begonnen, und zwar die-\nses Mal im zweiten Saale des Gürzenich ; aber auch dieser wird sich\nzu klein erweisen, wenn der Besuch in demselben Maasse zunimmt,\nwie bisher. Es ist dieser wachsende Sinn für die ernsteste Gattung\nder Musik ein sehr erfreuliches Zeichen der wahren Kunstliebe un-\nserer Bevölkerung, und wenn wir uns fragen, wodurch er geweckt\nund erzielt worden ist, so müssen wir sagen: nicht allein durch die\nimmer vollkommener gewordene Ausführung, sondern hauptsächlich\nauch durch die richtige Auswahl der vorzuführenden Musikstücke.\nUnser Publicum will classische Musik, d. h. es liebt die Erzeug-\nnisse jener schönen Periode der Instrumental-Musik, welche Haydn\neröffnet und Beethoven geschlossen hat, es liebt die Kunstwerke die-\nser Periode vorzugsweise. Dies hindert nicht, dass es auch In-\nteresse für Compositionen älterer Meister habe und auf der anderen\nSeite auch die Producte der nächstclassischen Zeit, die Werke eines\nSchubert, Mendelssohn, Schumann, Hiller u. s. w., schätze. Allein\nvon den zwei Extremen, welche jetzt in gewissen Kreisen herrschen,\ndie da für Bacb's Contrapunkt Verehrung heucheln, dann aber\nüber Haydn, Mozart und den Beethoven von Op. 1 bis 100 hinweg\nspringend bei der Zerrissenheit der Synkopen- und Yorhalts-Musik\nder Neuen und Neuesten seligen Weltschmerz empfinden und sich\nim färb- und formlosen Dunst der Ton-Romantik und melodielosen\nDisharmonie beduseln, von diesen Kreisen und deren Schiboleth ist\ndas kölner Publicum weit entfernt. Weil nun aber unser Verein für\nKammermusik es sich nur zur Aufgabe setzt, den Geschmack durch\nVorführung classischer Werke zu heben und zu veredeln, nicht aber\ndie Thorheit begeht, neue ästhetische Gesetztafeln dem freien Volke\nder Zuhörer octroyiren zu wollen, so strömen ihm natürlich immer\nzahlreicher alle diejenigen Musikfreunde zu, die sich nach Höherem\nsehnen und sich dahin gezogen fühlen, wo nach des Tages Last\nund Bürde die Kunst uns in das Reich der Ideale trägt.\nDas gegenwärtige Geigen-Quartett bilden die Herren Concert-\nmeister Grunwald und von Königslöw, welche an der ersten\nVioline und Bratsche abwechseln, Herr Derckum (zweite Violine)\nund Herr A. Schmit (Violoncello). Das Pianoforte findet an Herrn\nCapellmeister F. Hiller und den Professoren am Conservatorium\nBreunung, Bargiel und J. Seiss seine Vertreter.\nDen Anfang der Soiree machte der Vortrag des Violin-Quartetts\nOp. 29 in A-moll von Franz Schubert, eine sehr ansprechende,\nreizende Composition, welche frei von dem Vorwurf allzu gedehnter\nAusführung und Wiederholung der Motive ist. Darauf führte uns\nHiller eines von seinen neueren Werken, das grosse Trio in E-dur,\nOp. 74, für Pianoforte, Violine und Violoncell (mit den Herren Grun-\nwald und Schmit) vor, eine originelle, geistvolle und glänzende\nComposition; namentlich fesselten das Scherzo und Adagio durch\nNeuheit, Anmuth und melodischen Fluss der Motive die Zuhörer, und\ndas übermütliig schäumende und sprudelnde Finale rief, auch durch\ndie Bravour der Ausführung durch die drei Künstler, stürmischen\nApplaus hervor. Den Schluss der Soiree machte der vollendete, im\nAdagio hinreissend schöne, im Scherzo und Finale höchst charakte-\nristische und durch keine Ziererei oder affectirte Coquetterie gestörte\nVortrag des ersten Quartetts (F-dur) von Beethoven's Op. 18.\nAm Dinstag darauf gaben die Gebrüder Müller aus Meinin-\ngen hier eine sehr besuchte Soiree im Hotel Disch. Sie bewährten\nden grossen Ruf, der ihnen vorausgegangen und den auch wir in\ndiesen Blättern (Nr. 43) verbreitet haben. Ihr Zusammenspiel ist in\nder That durch eine, man möchte sagen: auf die äusserste Spitze\ngetriebene Einheit bewundernswerth; es sind nicht vier Künstler, die\nvier Instrumente spielen, sondern ein Einziger, welcher die vier In-\nstrumente wieder wie ein einziges handhabt. Dies ist nun bezau-\nbernd schön bei grossartigem Ausdruck, bei der Miniatur aber kann\nman sich doch des Gefühls nicht immer erwehren, dass die Kunst\nauch in allzu genau berechnete Detailmalerei übergehen kann, welche\nmehr die Absicht des Vortrages verräth, als den Charakter der Com-\nposition wiedergibt. Namentlich dürfte dies bei Compositionen (z. B.\ndem Quartett in B-dur von Haydn, welches den Abend eröffnete),\nwelche gerade in der grössten Einfachheit und dem natürlichsten\nFluss des Vortrages ihre Schönheit am besten offenbaren, nicht zu\nbilligen sein, da sie moderne Verzierungen oder vielmehr Verunzie-\nrungen, wie rubcito und Aelinliches, nicht wohl vertragen\nkönnen. Die Wahl der zwei folgenden Quartette (lvob. Schumann\nOp. 41 Nr, 3 in und Beethoven Op. 131 in Cw-moll) war\nfür das hiesige Publicum keine passende, zumal für einen ersten\nAbend; trotzdem erregte die vollendete Virtuosität der Ausführung\nBewunderung und lebhaften Applaus.\nCrefeld. Am 25. November gab die kaiserlich russische Hof-\nsängerin, Fräulein Joseph ine von Jansard, eine geborene Polin,\nauf dem Conservatorium zu Mailand und durch den Unterricht der\nberühmten Sängerin Bosio gebildet, hier ein zweites Concert, in\nwelchem sie von der Liedertafel u. s. w. und den Herren Musik-\nDirectoren Wilhelm und H. Wolff unterstützt wurde. Sie trug\neine Cavatine aus Maria di Rohan von Donizetti, ein Duett mit\nTenor aus Verdi's Traviata, Casta diva von Bellini, eine Scene aus\nErnani und die Partie der Lucia in dem grossen Sextett vor und\närntete durch alle diese Leistungen rauschenden Beifall. Ihre lieb-\nliche, umfangreiche, mehr reizende als kräftige Sopranstimme wird\nvon einer trefflichen Schule und vollendeter Coloraturfertigkeit un-\nterstützt, wie das auch in diesen Blättern schon von Aachen her\nrühmlich anerkannt worden ist.\nVon Ritter's praktischem Lehr-Cursus im Orgelspiel\nerscheint im Laufe des nächsten Jahres eine umgearbeitete (achte)\nAuflage, Damit es zugleich eine verbessserte werden könne, richtet\nder Verfasser an alle diejenigen Herren Lehrer im Orgelspiel, welche\ndas Werk benutzt haben, die ergebene und dringende Bitte, ihm\nkurz und bündig ihre gemachten Erfahrungen, so viel dieselben auf\nAbänderungen hinzielen, gelälligst durch die \"V erlagshandlung (G. W .\nKörner in Erfurt) ertheilen zu wollen, und sich eines aufrichti-\ngen Dankes dafür versichert zu halten.\nSclllilpfortSfe« Der wiederkehrende 18. October wurde hier\nauch diesmal durch einen Gedenkact gefeiert. Selbstverständlich er-\ntönten dabei die Körn er'sehen eindringlich wirkenden Lieder: Va-\nter, ich rufe Dich, und: Lützow's wilde Jagd, worauf Trostlied von\nArndt folgte, so wie „Die Elf von Wesel«, mit kräftiger Melodie\nvon C. T. Seiffert vierstimmig componirt, welch letzteres Chorlied\nnächstens, in ein Gesangheft aufgenommen, in Druck erscheinen\nwird. Uebrigens zeigte sich auch während der Sommermonate regsa-\nmes musicalisches Leben in Sehulpforta, indem einige sehr musica-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621213-01.1.8", "texte": "isch begabte Damen unter den Curgästen zu Kösen uns durch meh-\nrere Gesangs-Vorträge aas Oratorien von Händel, Graun und Men-\ndelssohn erfreuten, wozu die Orgelbegleitung von dem Musik-Direc-\ntor Seiffert und sodann von demselben im Anstaltssaale ein be-\nsonderes Concert veranstaltet wurde, wobei der schulpfortaer Gesang-\nverein mehrere geistliche Tonstücke, z. B. einen Chor von Beet-\nhoven: Himmel rühmen des Ewigen Ehre\", und eine Cantate\nvon F. W. Berner, und zum Scliluss eine Hymne vom Herzog\nvon S.-C. zur allgemeinen Befriedigung ausführte.\nDer König von Preussen hat der königlich hannoverschen Hof-\nschauspielerin Frau Niemann-Seebach, deren Gast-Vorstellungen\nderselbe im Victoria-Thater zu wiederholten Malen beigewohnt, ein\nkostbares Armband zum Geschenke gemacht.\nKindermann in München wurde jüngst durch die Erneue-\nrung seines Contractes mit der dortigen Hofbühne derselben für\nseine Lebenszeit gesichert. Eben so ist der Tenorist Sontheim\nin Stuttgart durch einen glänzenden Contract dort gefesselt und\nhat vom Könige von Würtemberg die grosse goldene Medaille mit\ndem Bande des Kron-Ordens erhalten.\nPaa*is« In dem fünften populären Concerte von Pasdeloup\nspielte Alfred Jaell das Es-dur-Q onQQrt von Beethoven und ärn-\ntete rauschenden Beifall, so wie zweimaligen Hervorruf. Ausserdem\nkamen in diesem Concerte Weber's Jubel-Ouverture, Beethoven's\nOuvertüre zu „Coriolan\", die Sinfonie in G-dur von Haydn und\neine Composition von Eameau zur Aufführung. Diese und das Fi-\nnale der Haydn'schen Sinfonie mussten wiederholt werden.\nIn Petersburg haben sich die beiden dort gastirenden Sän-\ngerinnen Fräulein Lagrua und Bianchi mit zwei Brüdern, den\nFürsten Labanosoff, verlobt. Beide werden nach ihrer Hochzeit\nmit ihren Gatten nach Italien reisen.\nAlt die deiifsefien länger!\nDeutschland hat seinen edelsten Sänger, das deutsche Volk sei-\nnen besten Bürger verloren: die ganze Nation stimmt ein in den\nSchmerz um Ludwig Uhland's Hingang. Was der herrliche Mann,\nder unbeugsame Charakter in einer öffentlichen Laufbahn voll Ehre\nseinem Volke gewesen, das wird dankbare Erinnerung noch späten\nGeschlechtern zum leuchtenden Vorbilde verkünden. Und seine\nDichtung, erfüllt mit der Gluth der reinsten hingebenden Vaterlands-\nliebe, vollendet in schöner Form, der echteste Ausdruck des deut-\nschen Dichtergeistes, wird fortleben, unsterblich, so lange es ein\ndeutsches Volk gibt, so lange ein Lessing, ein Goethe und Schiller\nnicht vergessen sein werden. Wie Schiller ist Uhland der Liebling\ndes deutschen Volkes, seine Lieder sind das Eigenthum Aller, ja}\nsie sind, die echten Volkslieder, ins Volk gedrungen, auch wo der\nName des Dichters unbekannt blieb. Ewig wird Ui,T id der Sänger\nder Jugend sein, ewig werden seine Lieder den Funken der begei-\nsterten Vaterlandsliebe in empfänglichen Herzen anfachen. Ihm, dem\nStolze Deutschlands, auch in einem äusserlichen Zeichen den Dank\nder Nation darzubringen, dieser Wunsch liegt jetzt in Aller Herzen.\nWir wagen es denn, im Namen des deutschen, im Namen des\nschwäbischen Sängerbundes den Aufruf ergehen zu lassen,\num Beiträge für ein Ludwig Uhland in seiner Vaterstadt Tü-\nbingen zu errichtendes Denkmal. Wir wenden uns mit un-\nseicr Bitte an die ganze deutsche Nation, welche Uhland verehrt\nund mit inniger Liebe im Herzen trägt. Wir wenden uns ganz be-\nsonders an die deutschen Sänger, die berufenen Vertreter des\ndeutschen Volkes, wo es dem volkstümlichsten Meister im Reiche\ndeutschen Gesanges gilt. Möge das vaterländische Werk gelingen,\nein Zeichen der Einigkeit des deutschen Volkes!\nBereits ist in Uhland's Vaterstadt Tübingen ein Verein für das\nDenkmal zusammengetreten, welcher auf die freundschaftlichste\nWeise sich mit uns verständigt hat. Es wird uns hiernach zustehen,\nbei den Hauptfragen in Betreff der Errichtung des Denkmals unsere\nStimme abzugeben; wir werden sie im Sinne der deutschen Sänger\ngeltend machen.\nDie Beiträge bitten wir an uns (am besten an die Adresse des\nKaufmannes Wilhelm Wiedemann in Stuttgart) einzusenden»\nWir werden über dieselben öffentliche Rechenschaft ablegen.\nStuttgart, den 23. November 1862.\nDer geschäftsführende Ausschuss des deutschen und Ausschuss des\nschwäbischen Sängerbundes:\nDr. Pfaff. Dr. Elben. Dr. J. Faisst. Raur. W. Wiedemann."}]}