{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-12-20-01", "volume": "bmtnabi_1862-12-20_01", "ocr_sha256": "8d62ac750d7cd75423eb81ab4d09942c4acda656f814ef169ad7732723c32531", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/12/20_01/bmtnabi_1862-12-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-12-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "401", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert's Clavier-Compositionen. Nachtrag zu den Bemerkungen über Schumann1» Faust und Manfred. Von Ed.\nKrüger. Aus Frankfurt am Main (Instrumental-Novitäten in den Museums-Concerten: Ouvertüre von B. Scholz Suite von F.\nLachner). Yon A. S. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Conservatorium der Musik Crefeld, F. Hiller's „Saul\" Bonn,\nF. Hiller's ?,Die Zerstörung von Jerusalem\" Barmen, Gebrüder Seiss Berlin, Reinthaler's„ „Jephtha\", Robert Radecke u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1862-12-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "404", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.2.2", "titre_corps": "Franz Schubert’s Clavier-Compositionen.", "titre_sommaire": "Franz Schubert’s Clavier-Compositionen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.1", "debut_caractere": 479, "fin_caractere_exclue": 4335, "texte": "Franz Schubert’s Clavier-Compositionen.\nL. Holle's Verlag fährt fort auf der rüstig betretenen\nBahn, werthvolle und beliebte Compositionen gemeinnützig\nzu machen durch billige Preise. Wie Aehnliches bereits\nfrüher und von Anderen versucht war an der älteren Ge-\nneration Bach, Haydn, Mozart —, wovon die erneuten\nAusgaben seit zwanzig Jahren fast auf das Vierfache ver-\nmehrt sind, so hat unsere jüngste Zeit auch die jüngere\nGeneration gleicher Ehre werth gehalten und das Bedürf-\nniss gefühlt, sie zu vervielfältigen. Vervielfältigen ist ge-\nmein machen und doch nicht avvilire. Vielmehr ist es ein\naltdeutscher Grundsatz, ja, in gewissem Sinne die Ten-\ndenz aller Geschäftsbewegung, dass das wahre Gute\nGemeingut werde: ein Grundsatz, den die drei letzten\nJahrhunderte, auf der Kunst des Buchdrucks weiter bau-\nend, über alle Gebiete des Geisteslebens, heilige und pro-\nfane, künstlerische und wissenschaftliche, literarische und\nmusicalische, angewandt und für gültig anerkannt haben.\nUeber die Berechtigung zur Vervielfältigung geistigen\nEigentbums ist letzthin viel gestritten worden, und zwar in\ngerichtlicher und aussergerichtlicher Weise. Wir, denen\nkein Beruf obliegt, über Bechtsfragen mitzusprechen, be-\ngnügen uns mit der Anerkennung des Grundsatzes, dass\nwohlerworbene Verlagsrechte zu achten sind und nicht ge-\nkränkt werden dürfen. Der Kampf um das „Wohlerwor-\nbene\" auf unserem Gebiete ist oder scheint nunmehr aus-\ngestritten. Gleichwie wir aber das wahrhaft grossartige\nUnternehmen der ehrenwerthen Breitkopf und Härtel'schen\nHandlung, sämmtliche Werke von Beethoven in Origi-\nnal-Ausgaben kritisch und correct herzustellen, mit dank-\nbarer Achtung begrüssen, so glauben wir andererseits,\ndass abgeleitete Theil-Ausgaben, Chrestomathieen,\nnamentlich Clavier-Auszüge und Bearbeitungen, sei es von\nprivilegienlosen zeitgenössischen Werken, oder von älteren,\ndie erbloses Gemeingut geworden, rechtlich tadellos sind,\nwie denn solche Bearbeitungen, Erneuerungen, Bepro-\nductionen oftmals auch von den ehrenwerthesten Firmen\nunternommen sind und täglich noch werden. Besitzen wir\ndoch heute vom temperirten Ciavier sechs gleichberech-\ntigte Ausgaben, von Beethoven's Sinfonieen unzählige Be-\narbeitungen, zwei-, vier- und achthändig, mit einem, zwei\nund mehreren Begleit-Instrumenten, von namhaften\nFirmen auch ohne Verlagsrecht unternommen, und\nwas dergleichen Beispiele mehr sind. Jedenfalls gereicht\ndie Concurrenz dem Publicum zum Vortheil, und die Ver-\nbreitung Mozart's und Beethoven's in mindestens zehn ver-\nschiedenen Ausgaben wird—zwar nicht dem unverbesser-\nlichen Virtuosenthum, aber den kunstbedürftigen Seelen\nzur Freude gereichen, der Kunst selbst zum Vortheil, weil\nso die classischen Werke wohlfeiler werden als\ndas ephemere Salongeklimper.\nNachdem Holle vorlängst die Schubert'schen Lieder\nin sechs Bänden (vollständig?) wiedergebracht hat, sind\njetzt vier Bände mit 54 Heften Clavier-Composi-\ntionen neu herausgegeben, die für die bevorstehende\nWeihnachtszeit eben recht gelegen kommen,\nEin Bewunderer Schubert's sagte einmal, Schubert sei\nder vocalisirte Beethoven: was Beethoven an vocaler\nSchönheit, an Kraft des echten Menschengesanges mangele,\ndas bringe Schubert in Beethoven'schem Geiste. Andere\nmeinten, eben diese Vocalität stehe so im Vorgrund bei\nihm, dass das Instrumentale dagegen abfiele. Wiederum\nandererseits ward behauptet, er und Chopin ständen allen\njüngeren Zeitgenossen an Originalität voran, namentlich\nwas melodische Erfindung betreffe, während die harmo-\nnische Technik an Willkürlichkeiten leide und einen star-\nken Hang nach der äussersten Linken hin zeige; vor allen\nZeitgenossen und Nachkommen aber zeichne unseren Schu-\nbert die Kraft aus, grossleibige Gestalten mit langathmigen\nCantilenen zu schaffen; denn auch die scheinbar überlan-\ngen unter den späteren Instrumentalien ermatteten bei der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5445, "texte": "Aufführung nicht, weil der Ueberschwang seiner Erfin-\ndung allzeit in Zucht gehalten werde durch den hellen\nVerstand seiner rhythmischen Disposition, so dass die Ge-\nsaramt-Architektur das Einzelne, scheinbar Verfehlte wie-\nder zurechtrücke oder begütige.\nDiese mannigfachen Urtheile, die wir alle an eigener\nHand mit durchgemacht haben, ohne eben allen geradezu\nbeizustimmen, widersprechen einander keineswegs: sie tref-\nfen von verschiedenen Seiten das Richtige, dass er unter\nden Epigonen der Begabteste und künstlerisch Werth-\nvollste gewesen, vielleicht würdig, eine ganze Periode zu\n„repräsentiren\". Sonderbar, dass auf ihn so ganz eigent-\nlich das vielgesungene Lied von der „Zukunft\" gemünzt\nwar: denn die „Gegenwart\" erkannte ihn wenig, über die\nnächsten Kreise hinaus drang sein Name erst ein Jahr-\nzehend nach seinem Tode, und noch heute ist ausser\nDeutschland sein Name nicht so bekannt, wie manche Zei-\ntungsgrössen, die auf die Reclame abonnirt haben. Schu-\nbert dagegen scheute das Abonnement auf den Iluhm eben\nso sehr, wie er überhaupt gegen Lob und Tadel gleich-\ngültig war. S. Kreissie, S. 152, und Schindler, Nie-\nderrheinische Musik-Zeitung, 1857, Nr. 10 und 11. Von\nseinem Leben ist eine gute Uebersicht gegeben durch\nHeinrich v. Kreissie in Wien (1861), welche treu be-\nmüht ist, das rein Thatsächliche zu erzählen, manche\nSchwächen des geliebten Meisters zu nennen sich nicht\nscheut, in die eigentlich wissenschaftlichen Fragen aber\nnicht eingeht.\nDie vorliegende Holle'sche Ausgabe hat das Verdienst,\neinen grossen Theil der Instrumentalien erneut zu bringen\nin guter Ausstattung und Wohlfeilheit; die 54 Hefte\n(Nr. 115 —168) kosten 9V3 Thlr., was etwa ein Fünftel\nder früher gewöhnlichen Preise ausmacht. Wichtig ist uns\nvorzüglich, manches bisher Unbekannte oder Verschollene\nkennen zu lernen, das Bekannte aber auf einen Fleck ver-\nsammelt zu sehen. Unter diesen 54 Heften sind sechs dop-\npelt bearbeitet, zwei- und vierhändig, wahrscheinlich alle\naus Orchestersätzen arrangirt, nämlich 118 = 144; 119\n= 147; 124 = 153; 125 = 156; 127 = 157; 128\n= 158 (Ouvertüren, Märsche und Tänze); nach Abzug\ndieser 12 Hefte bleiben 42 Original-Arbeiten.\nDie vierhändigen Orchester-Ouverturen sind in einer\nWeise arrangirt, die wir nicht aller Orten billigen können.\nZweierlei ist, wie bereits anderswo über die Beethoven'-\nschen Sinfonieen bemerkt, auch hier auffallend: erstlich,\ndass die untere Partie übermässig bedacht ist, während die\nobere Primo gar oft entweder pausirt, wo sie dem\nSecondo-Spieler ein gut Theil Melodie abnehmen könnte,\noder in dünnen Octavengängen da droben umherquiekt;\nder andere Mangel ist, dass nicht Alles so ausgedacht oder\nzusammengestellt ist, um eben auf dem Ciavier klang-\nkräftig zu sein. Denn ausser den gänzlich kraftlosen Dis-\ncant-Tremoli z. B. am Schlüsse des ersten Satzes der D-\ncfer-Sinfonie, ausser den orchestral füllenden Obertönen\nder Pickelflöten z. B. im Menuet der B-dur, welche auf\ndem Ciavier neben den kräftigen tiefen Melodieen ver-\nschwinden ausser diesen Missständen sind noch zu be-\nklagen die zerbrochenen Melodieen, wo sich zuwei-\nlen ganz unnöihig die Hände der Spieler kreuzen aus mehr\nsocialem als musicalischem Bedürfniss, wo dann die beab-\nsichtigte Klangwirkung unverständlich wird, z. B. im\nAdagio der B-dur; dort übernimmt der allezeit arbeit-\nsame Secondist die Stimme der zweiten Violine in der zwei-\ngestrichenen Octave, führt danach auch die Viola-Stimme\nbis in die kleine Octave, wird daneben durchkreuzt vom\nArm des liebevollen Primisten, und die klar gedachten\nEinzelstimmen verschwimmen und verblassen. Und das\nalles, nachdem die geistvoll, klangreich und spielbar ein-\ngerichteten Ciavier-Auszüge von Hummel, Czerny,\nund Klage längst den richtigen Weg gezeigt haben, wie\nman Orchesterklänge in Clavierklänge übersetzt, ohne ein\nSclave des Buchstabens zu sein. Die C-moll ist von Mar-\nkuli sorgfältiger behandelt und theilweise sehr gelungen;\nauffallend ist zu Anfang, dass der sechste und zehnte Tact,\nwelche im Orchester aus demselben Instrumente erklin-\ngen, hier verschiedenen Händen zugetheilt sind. Mar-\nkuli, der sonst als tüchtiger Kenner und Spieler anerkannt\nist, wolle in diesen.Bemerkungen auch unsere Anerkennung\nder Sache wie der Arbeit sehen und die Unarten der ge-\nwöhnlichen Arrangeurs mit bekämpfen helfen. Da alle\nClavier-Auszüge eigentlich nur ein Notbbehelf, fast eine\nNippsache für Dilettanten sind, so brauchten wir ihnen\nnicht so viel Aufmerksamkeit zu ieihen, wenn nicht auch\nhier das Niedere dem Höheren dienen könnte; und\nwirklich dient das Niedere dem Höheren als Vorhalle der\nErkenntnisse daher wir nicht um kleinlicher Rücksichten\nwillen mit Gleichgültigkeit ansehen, wie die Daguerreoty-\npen, Photographieen, Stereoskopen, Lithographieen, Stahl-\nstiche beschaffen sind, an denen wir mühselig emporklet-\ntern sollen zur Kenntniss der Kolossalwerke, deren Origi-\nnale unseren Augen versagt sind. —Dass Markull das Bes-\nsere weiss, ist nächst der C-moll noch sichtbar an der\ntrefflichen Bearbeitung der Rosamunda- und Alfonso-\nOuverture; Fierabras dagegen zeigt noch die gerügten\nUebelstände, welche durch die Eigenthümlichkeit der\nNeueren seit Beethoven, den tiefen Stimmen ein mehr in-\nnerliches Gewicht, als bei Mozart*) üblich, zu geben, nur\n\n*) Mozart und noch mehr Haydn haben sehr oft das Geigen»\nQuartett im Orchester so gestaltet, dass es dreistimmig geht,\nVioline 1? 2 und Bass5 indem Viola, Violoncello und Contra-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "zum Theil entschuldigt werden. Welche von den hier\nvorliegenden Vierhändern original sind, ist nicht angege-\nben; wahrscheinlich jedoch, dass die Märsche —wo nicht\nalle, doch gewiss die Militärmärsche ursprünglich Or-\nchesterstücke sind, die übrigen etwa die Hälfte, 14 von\n26 Nummern sind für original vierhändig anzunehmen\nund tragen auch das Gepräge der sorgfältigsten Arbeit,\ndie den genialen Kern erst zum rechten Glänze erhöhen.\nWunderschön an Arbeit und Kern ist Heft 143, Op. 10,\nVariationen über ein französisches Lied, wo eine mäs-\nsige, minder schön als charakteristische Melodie durch\ninnerlich steigernde Veränderung in Gang, Figurirung und\nTonart immer aufwärts strebend zu dem heiteren Triumph-\nliede Var. 8 erwächst, das an Händel'schen Klang erinnert.\nDass unter den reichlich mitgetheilten Gaben auch\nmanche minder bedeutende, ja, trockene sich befinden,\nwird Niemanden Wunder nehmen, der da weiss, dass auch\nGrösseren als Schubert zuweilen etwas Menschliches be-\ngegnet. Erinnern wir desshalb desto mehr an das Auserle-\nsene, um es den Liebhabern, denen diese Seite der Schu-\nbert'schen Kunst noch nicht so bekannt ist, ans Herz zu\nlegen. Zunächst heben wir heraus die sieben grossen\nClavier-Sonaten, die am meisten dauernden Werth\nin sich tragen, am nächsten an die classische Weise heran-\nreichen und am deutlichsten die eigenthümlicbe Besonder-\nheit Schubert's offenbaren; zu ihnen kommen noch zwei\nPhantasieen, die von der Construction der Sonaten nur\nunerheblich im Aeussern abweichen, und die „allerletzten\nCompositionen\" (Nr. 140 ohne Opus-Zahl, vielleicht aus\ndem Nachlasse), ebenfalls in Sonatenform. Dem classi-\nschen Typus genähert, sagen wir nicht in dem Sinne,\nals wären sie einer Schulregel nachgebildet, denn jedes\nder Schubert'schen Instrumentalien hat eigentümliches\nLeben und neue, oft impertinent originale Erfindung. Clas-\nsisch denken wir vielmehr als das in sich Vollständige, aus\nsich selbst Verständliche, was eigene Ideen trägt und de-\nren Wiederklang hervorruft, daher einpräglich und dau-\nernden Lebens ist. Und diesem Kunst-Ideale stehen Schu-\nbert's Instrumentalien näher, als die der meisten Zeitge-\nnossen und Nachgeborenen. Hervortritt sogleich die Ori-\nginalität der Themen, die gründlich vielseitige Durchar-\nbeitung, die bescheidene Virtuosität, welche sich, einiges\nOctaven-Geklapper abgerechnet, in gesunden Schranken\nhält und der Idee, nicht den Fingern zu. Gefallen da ist.\nVon Modernitäten der krankhaften Art fehlen gänzlich,\nso weit wir gesehen, die verrückten Harfenwürfe oder\nOctaven-Arpeggien, die ausdrücklich zur Verdunkelung\ndes Spiels und zum Broderwerb virtuosischer Proletarier\nerfunden sind, als:\nu. s. vv. Diesen Proletariern der Kunst würde nichts\nSchlimmeres geschehen können, als eine Verbesse-\nrung unserer ConcertHügel nach dem Bach'schen Typus,\nwo die Octaven orgelartig durch Registerzüge sich beifü-\ngen Hessen!— Krankhaft modern mögen zuweilen die ge-\nwaltsamen enharmonischen Fortschritte erscheinen; doch\nsind sie mindestens singbarer oder motivirter, als die der\nanempfindenden Genie's, die keine Ohren am Leibe Sitzen\nhaben. Dass Schubert mit unerwarteten Modulationen\neinige Mal zum Terrorismus hinüberneigt, der sich erfreut\nam Bangemachen der Schreckhaften oder am Erwecken\nder Schläfer, das soll nicht geläugnet werden. Wichtiger\nist die innere Factur. Da fällt auf, dass eine treffliche\nDurcharbeitung nach allen Seiten hin, die möglichsten\nCombinationen erschöpfend, in Beethoven'scher Art ver-\nsucht wird; gründlich, oft eigensinnig, selten contrapunk-\ntisch. Bei manchen sonatenhaften Sätzen*) vermissen wir\nungern das volle selbstständige Gegen-Thema; es ist\noft das kurze Haupt-Thema allein herrschend, nur mit\nGangwerk, allenfalls einigen Umkehrungen und kühnen\nModulationen durchflochten. Das Gespräch zwischen Haupt-\nsatz und Nebensatz (Marx treffender: Seitensatz, als\ngleichsam coordinirter), welches den vorzüglichen Reiz bei\nBeethoven ausmacht und bei Mozart gewöhnlich zu heim-\nlicher, aber desto gewaltigerer Contrapunktik Anlass gibt,\nist bei Schubert selten, am reichsten und bedeutsamsten\nwohl in der ausserdem bei einigen der So-\nnaten. Unter diesen sind wohl die schönsten und unver-\ngänglichsten: Heft 120, Op. 42, Heft 123, Op.\n53, D-dur;Heft 139 a, Op. 147, (nicht\nwie der Titel sagt), mit dem köstlichen Scherzo in G; Heft\n139 b, Op. 164, A-moll; 140, die herrlichen drei So-\nnaten (aus dem Nachlasse?). Von den kleineren\n\nBass in Octaven zusammengehen, wodurch die Bässe mate-\nrielles Gewicht genug erhalten, aber weniger dynamisch me-\nlodisches, als bei Beethoven, der gar häufig Viola, Violon-\ncello und Contrabass gesondert, ja, gar vier- bis fünfstimmig\ngehen lässt, zunächst in polyphoner Absicht, dann auch,\num ein stärkeres Gegengewicht der Geigen gegen die Blä-\nser hinzustellen, da die letzteren bei ihm selbstständiger auf-\ntreten, als bei den älteren Meistern.\n*) Sonatenhaft nach Marx' richtiger Darstellung, aus dem\nRondo abgeleitet, eine durch Gegensätze hindurchgehende ein-\nheitliche Gestalt. Denn wenn in Märschen oder Tänzen ver-\nschiedene Themen aufgeführt werden, so kommen sie eben\nnach einander und beharren in ihrer spröden Selbstsändigkeit,\nohne einander zu durchwirken. In der richtigen Sonate (Sinfo-\nnie u* s. w,) soll jeder Satz für sich sonatenhaft sein.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1805, "texte": "in denen Witz und Zärtlichkeit mit einander ringen, sind\nziemlich bekannt die Moments musieals, Op. 94, fast etu-\ndenhaft, doch geistreich anregend. Unter den vierhändigen\nTonsätzen sind hervorzuheben (ausser den vorhin erwähn-\nten französischen Variationen Op. 10) besonders Heft 146,\nOp. 30; 148, Op. 34, Ouvertüre ohne Namen; 150,\n151, Op. 40, 51, Märsche; 152, Op. 54, ungarisches\nVergnügen; 155, Op. 55, Marsch-Divertissement. Lang-\nweilig ist 161, Op. 103.\nWer nun diese Schubert'schen Ciaviersachen auch\nnur flüchtig durchkostet, wird in jedem Stücke etwas fin-\nden zur Anregung, vielleicht zur Verwunderung, selbst\nzum Widerspruche; aber es ist überall künstlerisches Le-\nben darin. Ob dieses Leben das Höchste sei, welches\nnicht bloss seiner Zeit Spiegel und Schönheit, sondern ein\nfernwirkendes Licht der Zukunft bedeute; ob darin die\nwahren Höhen der Leidenschaft in Zorn und Liebe, die\nedelsten Lebensgestalten im Menschlichen oder Natürli-\nchen erscheinen: das erfahre Jeder, dem es Ernst ist, zu\nerfahren, an sich selber.\nDem thätigen Verleger sagen wir Dank, dass er diese\nSammlung mannigfacher Gemüths-Ergötzungen so allge-\nmein zugänglich gemacht hat. Uebrigens wiederholen wir\nunser Caeterum eenseo: Philipptim\ntuendum! Eine Ausgabe der schönen Ciaviersachen von\nPhilipp Emanuel Bach ob sie Bedürfniss der Zeit\nist, weissage ich nicht —, aber dass sie sich verwerthe\nmindestens so gut wie die längst verschollenen Sachen\nvon Dia bei Ii und Dussek, die doch im Holle'schen\nVerlage (nebst Bertini und Hunten) ihre Stelle ausfül-\nlen, das möchte ich für gewiss ansehen. Und es würde\nHolle's kühnem Unternehmungsgeiste nur Ehre machen\nund sich auch äusserlich lohnen, wenn er hier voranginge,\nwo Andere zaghaft zurücktreten, weil sie Philipp Emanuel\nund seine grossen Wirkungen nicht kennen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-12-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "404", "page_fin": "404", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.2.3", "titre_corps": "Nachtrag zu den Bemerkungen über Schumann’s Faust und Manfred in Nr. 48—50.", "titre_sommaire": "Nachtrag zu den Bemerkungen über Schumann’s Faust und Manfred in Nr. 48—50.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.4", "debut_caractere": 1807, "fin_caractere_exclue": 4037, "texte": "Nachtrag zu den Bemerkungen über Schumann’s\nFaust und Manfred in Nr. 48—50.\nDie äusserliche Herstellung beider Werke ist lobens-\nwerth. Die Partitur des Manfred haben Breitkopf & Här-\ntel in gewohnter Weise splendid und correct gegeben, wo-\nbei man nichts beklagt, als die freigebige Verwendung\nprächtigen Papiers (119 S. Folio), deren Uebermaass sich\ndoch wohl zum Vortheil der Käufer ein wenig einschrän-\nken liesse. Von wem die Uebersetzung ist, wird nicht an-\ngegeben. (Bei einer' Stelle, dem Schlüsse der Incantation,\nwäre erwünscht gewesen, unter vielen Uebersetzungen die\nvon IL Heine zu wählen; er übersetzt:\nLo! the spell now wo\nClanJcless yet his chain has lound thee.\nSieh, der Zauber schon umringt dich,\nKlanglos seine Kett' umschlingt dich\nschöner als Alle, selbst Goethe ... leider hat er nicht den\nganzen Manfred übersetzt, daher er freilich hier nicht in\nFrage kommen konnte.)\nDer Clavier-Auszug des Faust ist sauber und les-\nbar und mit minderem Ueberfluss äusserer Pracht (260\nS. klein Folio), doch auch zu dem nicht gelinden Preise\nvon 7 Thlrn. hergestellt von Friedländer in Berlin. Bei der\nübrigens sorgfältigen Ausführung des Stiches sind einige\nErrata stehen geblieben:\n104, 2, 1 = 107, 3, 1 muss die obere Clavierzeile\nden Bassschlüssel vorzeichnen.\n111, 4, 2: sollte nicht die Oberstimme des Claviers,\nden Parallelstellen gemäss, beginnen mit d, es, e, f, statt\nf, es,e, /? Vgl. 111, 3, 4 - 112, 1, 1.\n126, 2, 3, Basso solo, muss d, statt des sein.\n172, 2 muss in der oberen Ciavierstimme die erste\nFermate wegfallen.\n238, 2, Bass d, c müssen zwei Achtel sein.\n251, 4, Singbass muss haben c, eis, statt c, c.\nDie Metronomisirung, für erfahrene Dirigenten, die\netwas Verstand besitzen, freilich überflüssig, wäre doch\nvielleicht für manche Fälle erwünscht. Da im Manfred die\ndeutschen Tempo-Bezeichnungen, wie es scheint, von\nSchubert selbst metronomisirt, und gleiche Tempo-Namen\nim Faust ohne Metronom verzeichnet sind, so setze ich\ndie Manfredischen zum Vergleich her:\nLangsam J= 63; Bäsch J 152; Leidenschaftlich J 144;\nMajestätisch J 80; Wüthend J 120; Mässig J 120.\nBei den letzten beiden ist zu merken, dass das Wü-\nthend (mit Wuth, furioso) 4/4-Tact ist, Mässig (mode-\nrato) dagegen 3/4. E. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-12-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "404", "page_fin": "406", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.4", "debut_caractere": 4039, "fin_caractere_exclue": 4566, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\n[lnstrumental-Novitäten in den Museums-Concerten: Ouvertüre von\nB, Scholz Suite von F. Lachner.]\n4,Auch lebenden Componisten soll nun die Ehre des Zu«\ntritts zu den Museums-Concerten werden.\"\n(Siehe unseren Bericht in Nr. 43 d. Bl.)\nBereits sind zwei solcher Novitäten zur Aufführung\ngekommen, und zwar: Ouvertüre zu Iphigenia auf Tauris\nvon Capellmeister B. Scholz in Hannover, und Franz\nLachner's schon mehrfach besprochene Suite, erstere im\ndritten und letztere im vierten Concerte. Es sei gestattet,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5380, "texte": "über die Erfolge beider Werke bei unserem Publicum in\nKürze Nachricht zu geben.\nUebele Witterung war schuld, dass ich dem dritten\nConcerte nicht beiwohnen konnte; bin daher um das Ver-\ngnügen gekommen, die Ouvertüre zu hören. Dafür soll\nzur Stelle der Urtheil habende und stets besonnene Refe-\nrent der Süddeutschen Zeitung mein Gewährsmann sein.\nNachdem derselbe über diese Novität im Ganzen günstig\ngeurtheilt, kommt er zu der Bemerkung: „Wie die Ouver-\ntüre gefallen, kann man eigentlich nicht sagen, da unser\nPublicum allen Inslrumentalstücken gegenüber sich ängst-\nlich und ziemlich theilnahmlos verhält. Den unbefangenen\nMusikfreunden gefiel im Allgemeinen das Werk.\" —Diese\nWorte bergen einen tieferen Sinn, als es auf den ersten\nAnblick scheint. Sie liefern den Grundstoff zu einem cul-\nturhistorischen Bilde, das auf den Beschauer eben keinen\nbesonders erfreulichen Eindruck zu machen vermag.\nAengstliches und theilnahmloses Verhalten eines Publicums\nallen Instrumentalstücken gegenüber zeugt nicht von Em-\npfänglichkeit für die Schönheiten dieser Musikgattun\nD '\nwird daher wohl der Schluss ein berechtigter sein, dass in\nder Musikbildung eines so gearteten Publicums eine grosse\nLücke auszufüllen bleibt. Ein Publicum zu gewahren\n(Schreiber dieses beobachtet selber bereits seit 1848 die\nDinge), dessen Kunstliebe nur an berühmten Componisten\nhängt, aber selbst diesen gegenüber nur wie zu alten, täg-\nlich zu sehen gewohnten Bekannten sich verhält, klagt, mit\ndieser wohl nicht löblichen Eigenschaft behaftet, auch seine\nFührer an. Wenn das Repertoire von Orchestermusik ein\nso beschränktes ist, wie seit langen Jahren im hiesigen\nMuseum, so darf es nicht Wunder nehmen, dass das Audi-\ntorium, zu neun Zehntheilen immer dasselbe, es eben nicht\ngern sieht, zur Aufmerksamkeit und Würdigung eines\nneuen Werkes, zumal eines unberühmten Componisten, in\nAnspruch genommen zu werden. Indess scheint der Vor-\nstand die Notwendigkeit einzusehen, die alte Gewohnheit\nnicht länger mehr bestehen zu lassen, und fortzufahren,\nGelegenheit zu geben, jene Lücke in der Musikbildung sei-\nnes Publicums ausfüllen zu machen. Aber es soll nicht\n'verschwiegen werden, dass es unter solchen Umständen\nfür die Herren Componisten wenig Reiz haben könne, den\nReigen eröffnen zu sollen, da dies so ziemlich gleichbedeu-\ntend ist mit Kohlen aus dem Feuer holen.\nDer Abend des 5. December brachte Lachner's Suite\nin D-moll,bestehend aus Präludium, Menuett, Variationen\nund Marsch, Introduction und Fuge. Die Ausführung würde\ngewiss auch den Componisten, der als strenger und gewis-\nsenhafter Dirigent bekannt ist, zufriedengestellt haben.\nDen äusseren Erfolg dieses Werkes betreffend, wird\nsich der Referent in der Süddeutschen Zeitung vielleicht\nwieder zu der Bemerkung veranlasst sehen: Wie die Suite\ngefallen, kann man eigentlich nicht sagen. Dagegen glau-\nben wir es offen sagen zu können: Den Musikern in und\nausser dem Orchester hat sie in hohem Grade gefallen,\nbeim so genannten Publicum aber hat sich der Bei fall\nkaum über einen Succes d'esiimeerhoben*). Diese Suite\nist in jedem Betracht ein interessantes Werk, zu dessen\nVerständniss dem Publicum, das Instrumental-Musik zu\nhören gewohnt, keine Schwierigkeiten entgegentreten. Was\nzunächst die Form (Periodenbau, rhythmische Gliederung)\naller Sätze, mit Ausnahme der Fuge, anbelangt, so hält\nsich Lachner streng an die grossen Vorbilder der histori-\nschen Schule, vermeidet daher „tiefsinnige Verschlingun-\ngen\" wie auch „rhythmische Verschränkungen\", bleibt\ndemnach, selbst bei zuweilen angewandtem grossen Reich-\nthum in der Orchestration, immer klar und verständlich.\nDen melodiösen Theil betreffend, singt es im Menuett und\nin den Variationen fortan, mehrmals in entzückender\nWeise. Ueberhaupt ist die Arbeit in diesen beiden Sätzen\neine eben so superfeine, als auch mit hervortretend gros-\nsen, imponirenden Zügen ausgestattet. Ich habe das schöne\nWerk in der Morgenprobe und in der Aufführung gehört\nund würde es heute mit demselben Vergnügen wieder ge-\nnjessen _ dies gewiss auch die Mehrzahl der gebildeten\nMusikfreunde.\nZeugt das Ganze von glücklicher Erfindung und hoher\nMeisterschaft in Verarbeituug des Stoffes, hat es uns nicht\nbloss gefallen, sondern zu gerechter Bewunderung des\nVermögens bei dessen Autor veranlasst (höret z. B. die\ngewaltige Fuge mit dem kraftvollen Motiv vom Grundbass\neingeführt, mit ihrem überraschenden Widerschlag, Orgel-\npunkt, Erweiterung des Motivs in Bass und Engführung),\nso mag es dennoch gewagt sein, ein und anderes Beden-\nken darüber hier auszusprechen,versteht sich nur im wohl-\ngemeinten Interesse des Werkes, das unserer sterilen\nKunst-Epoche zur Ehre gereicht und ein langes Leben\nverdient.\nZunächst darf gefragt werden, warum das Werk die\nuralte Benennung „Suite\" trägt, warum nicht vielmehr\nden Ehrentitel „Sinfonie\"? Mit Ausnahme der Schlussfuge\nsind die anderen Sätze in optim wie oben gezeigt\nworden, Sinfonie-Sätze nach den Begriffen dieser moder-\nnen Kunstgattung. Nichts gemahnt darin an den Stil un-\nserer Altväter. Die Gestaltung im Allgemeinen und Beson-\nderen ist durchweg eine so moderne—das Wort im besten\nSinne —, dass ich nicht wüsste, wo nur einen Grund zu\nder Benennung Suite nach den Begriffen des siebenzehn-\n\n*) In der N. Zeitschrift f. Musik haben wir über die kürzlich in\nBerlin Statt gefundene Aufführung der Suite von einem „orkan-\nartigen\" Beifall gelesen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2638, "texte": "ten Jahrhunderts heraus zu finden. Selbst die in der Fuge\nzur Anwendung gekommenen contrapunktischen Lehrsätze\ngehören unserer classischen Epoche an, und Marpurg und\nAlbrechtsberger, die Lehrmeister des Fugenbaues, sind als\nLeiter bei ihrer Ausarbeitung in Ehren gehalten. Be-\nkanntlich bestand die Suite in der grauen Vorzeit aus\neiner Reihenfolge damaliger Tanzweisen. Wenn nun ein\nComponist unserer Tage Lust tragen sollte, die gegenwär-\ntig beliebten Tänze, als: Walzer, Cotillon, Franfaise,\nEcossaise, Polka und Mazurka, als Bestandtheile zu einem\nmusicalischen Kunstwerke zu verbinden und dafür den al-\nten Titel „Suite\" zu wählen, wer würde ihm wohl die\nBerechtigung hierzu bestreiten? Denn alle contrapunkti-\nschen Kunststücke und Spitzfindigkeiten der Vorzeit Hessen\nsich anbei in Anwendung bringen, Walzer und Cotillon\nkönnten sogar in verschiedenen Tactarten zusammengehen,\num aus diesem farbenreichen Kranze eine neue Art sin-\nfonischer Dichtungen ins Leben zu rufen, die ohne\nZweifel noch spätere Jahrhunderte in Verwunderung setzen\nwürden. Will es Niemand versuchen?\nEin anderes Bedenken betrifft den Variationen-Satz.\nDem aus sechszehn Tacten bestehenden, im Andante-Schritt\nernst und würdevoll sich bewegenden Thema, von den\nViolen und Violoncellen begonnen, folgen dreiundzwan-\nzig Variationen, meist in der Bewegung des Thema, einige\ndarunter aber im Tempo Allegro, auch in einer anderen\nTactart. So interessant auch jede derselben in Wahl der\nFiguren und des Tongeschlechtes zu nennen, mehr noch,\nwie sehr auch das Interesse durch die Gruppirung dieser\n23 Variationen gesteigert wird, so kann man doch nicht\numhin, sagen zu müssen, dass hiedurch des Guten zu viel\ngethan worden. Der Vortrag dieses Satzes erfordert fast\nmehr Zeit, als die anderen drei Sätze zusammen. Das Ge-\nfühl der Ermüdung macht sich bemerkbar, bevor der\nMarsch eintritt, der auch nicht kurz gehalten ist. Indess\nhat gerade dieser dritte Satz den lautesten Beifall erhalten.\nAllein bei weiteren Aufführungen des Werkes wird der\nReiz der Neuheit nicht mehr mit zu Rathe sitzen.\nEin Drittes und Letztes mag den in\ndem zweitheiligen Trio des Menuetts (aus sechszehn Tacten\nund den üblichen Wiederholungen der Theile bestehend)\nberühren. Dieser Obstinate bewegt sich also:\nAbgesehen von den unvermeidlichen Zusammenstössen, die\nmehr obstinate Dissonanzen erzeugen, als man zu hören\nwünscht, wäre eine Unterbrechung dieses ohne Widerrede\nzu lang gedehnten Spasses wohl am Platze. Unseres Be-\ndünkens wäre es das erste Glied des zweiten Theiles,\nworauf das Haupt-Motiv wieder eintritt, wo ein Schweigen\ndes brummigen Ostinato recht wohlthun würde.\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-20-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-20_01#c007", "volume": "bmtnabi_1862-12-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "408", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.6", "debut_caractere": 2640, "fin_caractere_exclue": 6002, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nl&iSln, 17. December. Unser Conservatorium der Musik\nhielt am verflossenen Sonntag seine General-Versammlung ab.\nDas Interesse der kölner Musikfreunde an diesem Institute, welches\nseit Anfang dieses Jahres im Besitze von Corporationsrechten ist,\nhat sich durch wiederholte und zahlreiche Beitragszeichnungen aufs\nNeue glänzend bethätigt und entspricht dem unverkennbaren Nutzen,\nden dasselbe für das musicalische Leben unserer Stadt hat. In dem\nConservatorium, welches gegenwärtig im Semester durchschnittlich\nvon sechszig Schülern besucht wird, geben ausser dem musicalischen\nLeiter desselben, Herrn Capellmeister Hill er, die Herren Bargiel,\nBöhme, Breunung, Derckum, Grunwald, Hompesch,\nHülle, von Königslöw, Schmit, Seiss, k. Musik-Director\nWeber und Dr. Wey den, gegenwärtig in I*2B Stunden per Woche,\nUnterricht. In den Vorstand wurden gewählt die Herren J. Bei,\nJ. M. Farina, Frz. Heuser, J. Nacken, General-Consul Alb.\nOppenheim, A, Pütz, R. Schnitzler und Commercienratli V.\nWendelstadt.\nCrefeld# Am 6. d. Mts. hatten wir hier eine schöne Auffüh-\nrung des Oratoriums „Saul\" von Ferdinand Hiller unter Lei-\ntung des Herrn Musik-Directors Wolff. Der Chor gab durch Prä-\ncision und Schwung, unterstützt von seinen frischen, kräftigen Stim-\nmen, den erfreulichen Beweis, dass das Werk mit Liebe und Eifer\nstudirt worden war; das Orchester that sein Möglichstes, konnte\naber natürlich den Verhältnissen der Zahl und Kraft nach in den\nStellen, welche eine massenhafte Instrumentalwirkung verlangen,\nnicht vollständig genügen. Ganz besondere Auszeichnung verdient\ndie Auffassung und Durchführung der Haupt-Partie des Saul durch\nHerrn Hill aus Frankfurt am Main, welcher, mit einer sehr klang-\nvollen und wohllautenden Stimme begabt, dem echt künstlerischen\nStandpunkte eine 3 Oratoriensängers in jeder Leistung erfreulich\nnäher tritt. Die anderen Solo-Partieen wurden ganz correct von Di-\nlettanten vorgetragen ; die Ausführung der Partie des Samuel durch\nHerrn Müller vom Stadttheater in Köln wurde durch plötzliche\nHeiserkeit unterbrochen. Das Publicum nahm das Werk mit Begei-\nsterung auf, und es offenbarte sich mannigfach der Wunsch einer\nbaldigen Wiederholung.\n\" .li. «•\nIn Bonn wohnten wir am Donnerstag den 11. d. Mts. einer\nAufführung von Hill er' s Oratorium „Die Zerstörung von Je-\nrusalemu bei, welche unter der Direction des städtischen Musik-\nDirectors Herrn J. Brambach das zahlreiche Publicum, bei wel-\nchem das Werk eine glänzende Aufnahme fand, vollkommen befrie-\ndigte. Der Chorverein hat bedeutende Fortschritte gemacht, zählt\nrecht frische Stimmen unter sich und singt mit sichtbarer Freude\nan der Sache. Die Soli waren recht gut besetzt durch Fräulein\nAdeline Büchner (Israelitin und Chamital), Francisca Schreck\n(Hanna), Herrn A. Pütz (Zedekia und Achicam) und Herrn Hau-\nser vom grossherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe (Jeremias). Letz-\nteren hatten wir in unserer Gegend am Niederrheine noch nicht ge-\nhört; er brachte die anstrengende Haupt-Partie des Oratoriums durch\ndie schönen Mittel seiner sonoren Stimme und künstlerischen, von\nrichtiger Auffassung geleiteten Vortrag zu trefflicher Geltung. Ca-\npellmeister Hiller, der unter den Zuhörern war, wurde bei seinem\nEintritt in den Saal durch Fanfaren des Orchesters und Erhebung des\nsämmtlichen Chor-Personals von seinen Sitzen ehrenvoll begrüsst;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7449, "texte": "auch am Schlüsse des Oratoriums, das seit seiner ersten Aufführung\nzu Leipzig im Jahre 1810 seinen Lauf durch die Welt gemacht hat,\nwurde ihm wiederum mit Trompeten- und Paukenschall ein Hoch\ngebracht, in welches das ganze Publicum begeistert einstimmte.\n■j* E3türmen9 15. December. Einen wahrhaft schönen Genuss\ngewährten uns die Vorträge der Brüder Isidor und Franz Seiss,\ndie am 13. December hier ein zahlreich besuchtes Concert gaben.\nDas Programm brachte die Kreuzer-Sonate von Beethoven und das\nfeurige, übersprudelnde iZ-moZZ-Rondo von Schubert als Ensembles ;\nals Soli von Is. Seiss gespielt ein reizendes Nocturno, 0p.15, F-dur,\nund einen uns unbekannten prächtigen Bole'ro, Op. 19, von Chopin,\nso wie die Lucia-Phantasie von Liszt, und von Franz Seiss vorge-\ntragen die Ernst'sche Othello-Phantasie. Einiger Chöre, von unserer\nLiedertafel in frischer, lebendiger Weise gesungen, erwähnen wir\nmit Vergnügen.\n14. December. Gestern Abend fand die Aufführung\nO\nvon Reinthaler's „Jephtha\" durch die Sing-Akademie unter\nder Leitung des Componisten Statt. Sie war nach den sorgfältigsten\nProben eine feine und abgerundete Wiedergabe des Werkes. Der\nChor vereinigte Correctheit und Wohllaut mit Wärme des Ausdrucks,\ndie Solisten obwohl nicht von der Bühne, da Krause durch einen\nschweren Krankheitsfall an der Ausführung der verhin-\ndert wurde waren ebenfalls vortrefflich (ich nenne Frau Linde\nSopran, eine treffliche Oratoriensängerin aus der Schule des Herrn\nMantius, Fräulein Baer, eine schöne Altstimme, den Tenoristen Geyer\nvom königlichen Dom-Chor, und den Bass, einen talentvollen Schü-\nler des Herrn Krause, Herrn Putsch), die Stimmung des Publicums\neine warme und gehobene. Ihre Majestät die Königin Augusta ge-\nruhten, die Aufführung durch Ihre Allerhöchste Gegenwart auszu-\nzeichnen, sie wohnte derselben von Anfang bis zu Ende bei. Unter\nden anwesenden Kunst Notabilitäten bemerkte man Meyerbeer.\nRobert Radecke gibt mit der Liebig'schen Capelle eine Reihe\nvon Concerten im Saale der Sing-Akademie. Das erste derselben,\nFreitag den 5. December, begann mit dem sinfonistischen Werke\n„Ouvertüre, Scherzo, Finale\" von Rob. Schumann, brachte als-\ndann ein Ave Maria von Karl Roinecke für Chor und Orchester,\ndas Clavier-Concert von A d. Henselt, sehr brav gespielt von einem\nnoch sehr jungen Virtuosen Albert Werkenthin; im zweiten\nTheile: „Nachtstück\" für Orchester von R. Rad ecke (Introduction\nund Allegro), F. Hill er' s „0 weint um sie\" für Solo, Chor und\nOrchester, und zum Schlüsse Beethoven'» Ouvertüre Nr. 3 zu Leo-\nnore. Ueber Hiller's Werk schreibt der Referent der Berliner Allg.\nZeitung: „Eine würdige und innige Composition, die dabei von einer\ntiefen Einheit der Stimmung beseelt erscheint. Wenn wir eine kleine\nAusstellung machen wollten, so könnte diese höchstens die vielleicht\netwas zu weit gesponnene Ausführung betreffen. Dessenungeachtet\nbleibt derselbe edle und gediegene Ton bis zum Schlüsse vorherr-\nschend/'\nAus Stralsund schreibt man uns Rühmendes über eine junge\nCiavierspielerin, Fräulein Alide Topp, eine Schülerin von Herrn\nH. von Bülow in Berlin. In einem öffentlichen Concerte trug sie\nvor Beethoven's Sonate in JEs-dur, Op. 31 Nr. 111., den „Faschings-\nschwank\", Op. 26, von Schumann, das Scherzo aus Weber's As-\ncZwr-Sonate, J. Raff's glänzende Transscription des Sextetts aus dem\nTannhäuser und Liszt's „ Venezia e Najpoli\", eine Ergänzung zu\ndessen Annies de pölerinage. Sie spielte Alles auswendig und ent-\nwickelte einen hohen Grad von Befähigung und bereits erreichter\ntechnischer Fertigkeit.\naiifclYiri aill IfJfetin* Im vierten Museums-Concerte hat-\nten wir das Vergnügen, in Herrn Julius Steffens aus St. Peters-\nBurg einen ausgezeichneten Virtuosen auf dem Violoncell kennen zu\nlernen. Er spielte das zweite Concert von Goltermann und hatte\nsich eines grossen Beifalls zu erfreuen.\nILeipzig. Im siebenten Gewandhaus-Concerte kam neben Beet-\nhoven's Sinfonie Nr. VIII. eine „Ouvertüre aus 1001 Nacht\" von\nTaubert zum ersten Male zu Gehör. Herr Steffens, Violoncellist,\nund Fräulein Anna Reiss, Sängerin, fanden Beifall. Das achte\nConcert am 4. December brachte Schumann' s „Faust-Musik\" mit\nJulius Stockhausen vollständig. Am 5. d. Mts. gab der gefei-\nerte Sänger mit Frau Schumann eine Soiree, in welcher er eine\nArie aus Grdtry's La fausse magie und die 17 Lieder von Heine's\n„Dichterliebe\", componirt von R. Schumann, vortrug. Frau Schu-\nmann spielte Beethoven's einige Stücke von\nScarlatti und Bach und' eine „Novelette\" von R. Schumann.\nDie Concerte der Euterpe dirigirt jetzt Herr Blassmann aus\nDresden. Das eiste brachte am 4. November unter Anderem Bar-\ngiel's Ouvertüre zur Medea. Fräulein Martini, eine junge Sän-\ngerin aus Leipzig, debutirte mit Beifall. Eine Pianistin aus Stock-\nholm, Fräulein Sara Sampson (von der Lessing'sclien abstam-\nmend?) spielte Sachen von Beethoven, Chopin und Liszt (Rigoletto).\nIm zweiten Concerte kamen Schumann's Manfred und die JEroica\nzur Aufiührung; im dritten Spontini's Olympia-Ouverture, Festmarsch\nvon Ed. Lassen, Liszt's „Tasso\". —• Dazwischen Hessen sich der\nder ausgezeichnete Flötist Terschak und Fräulein Emilie Wi-\ngand als Sängerin mit Beifall hören.\nWien. Ueber Tausig's Spiel fällt Ed. Hanslick in der\n„Presse\" bei Gelegenheit des ersten Concertes dieses Clavier-Heros\nein scharfes Urtheil. Er erwähnt allerdings die ungewöhnliche Bega-\nbung, den ausserordentlichen Fleiss, Bravour und Kraft, Ausdauer\nund Gedächtniss desselben, gibt aber dann folgende Charakteristik\nseines Spiels: „Peinlich berührt die Absicht, mit welcher Herr Tau-\nsig die hässlichste aller Anschlagsarten cultivirt: das Stechen in die\nTasten. Nicht nur in eigentlichen Bravourstellen, auch in Cantilenen,\ndie weich und gebunden erklingen sollen, liebt es Herr Tausig, ge-\nstreckten Fingers auf einzelne Töne mit einer Gewalt niederzuste-\nchen, die das Ciavier förmlich wimmern macht. Ein andermal ar-\nbeitet er wieder, als gelte es, eingefrorene Töne aas dem Eise los-\nzuhacken. Was sollen wir von dem Gehör eines Künstlers halten,\nder das heulende Metallgerassel der also misshandelten Saiten nicht\nvernimmt, oder den es nicht stört? AVenn Herr Tausig vollends die\nganze Meute seiner Bravour loslässt, welch ein Würgen und Quet-\nschen, welch ein Erdrosseln der Töne! Könnten wir in dieser\nKampflust das Ueberschäumen einer unbändigen Jugendkraft er-\nblicken, wir würden auch mit ihren Maasslosigkeiten uns vertragen\nlernen. Allein nicht Ueberkraft, sondern im Gegentheil Blasirt-\nheit ist der Grund-Charakter von Tausig's Spiel. Mit jenen aufge-\nregten Metzeleien wechseln lange Perioden nachlässigster Gleichgül-\ntigkeit; sind die Tasten eine Weile gestochen und geschlagen, so\nwerden sie dann in einem kaum vernehmbaren Pianissimo bloss ge-\nstreift, getippt, gefegt. Die eigentlich gesunde Mitte, der ruhig sin-\ngende Anschlag fehlt. Es taucht zwar manche Stelle auf, die nach\nTonschönheit, ja, nach Empfindung klingt, allein es währt niemals\nlange; eine einzige dröhnend herausgestossene Note und der\nschöne Zusammenhang ist wieder vernichtet,\" Dagegen wird sein\nVortrag der Clavier-Partie in Beethoven's Phantasie mit Chor in\neiner Akademie im Hoftheater, und des B-dur-Trio's von Schubert\nin einer Quartett-Soiree in anderen Blättern, jedoch auch mit Ein-\nschränkungen, gelobt.\nJPrag. Die Concerte des Cäcilien -Vereins haben ihren\n33. Jahrgang begonnen. Das erste derselben fand am Samstag den\n6. December, um 4£ Uhr Nachmittags, im Sophieninsel-Saale Statt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2597, "texte": "und brachte uns Rob. Schumanns Musik zu Scenen aus Goethe's\nFaust. Die erste und zweite Abtheilung des Werke« wurden ganz\naufgeführt; die dritte Abtheilung, „Faust's Verklärung*', kommt im\ndritten Concerte zur Aufführung. Die Solo-Partieen hatten Fräulein\nvon Ehrenberg, Frau Prodiaska-Schmid, Fraulein Pisa-\nrowitz, Fräulein Peck und die Herren Bernard, Eilers und\nKren übernommen.\nXSl'lissel» Zur Feier des 73, Geburtstages des Königs wurde\nin der Kathedrale in Anwesenheit der königlichen Familie und aller\namtlichen Körperschaften und Personen ein Te Deum unseres Lands-\nmannes Ed. Lassen, Capellmeisters in Weimar, aufgeführt, und\nhat der Componist bei dieser Gelegenheit den Leopolds-Orden erhal-\nten. Vieuxtemps, de Bdriot und Servais sind zu Officieren\ndesselben Ordens ernannt worden.\nS* Der Rücktritt des Herrn Alplions Koyer von der\nDirection der grossen Oper und die Besetzung dieser bedeutenden\nStelle durch Herrn Emil Perrin, bisherigen Direetor der komi-\nschen Oper, hat die ganze Theater weit hier in Aufregung gesetzt.\nDie Hauptfrage ist nun, wer Herrn Perrin und dessen umsichtige,\nenergische Leitung an dem beliebtesten Operntheater von ganz\nFrankreich ersetzen soll. Eine seiner letzten Anordnungen ist die\nWiederaufnahme einer der ersten Opern, welche Herold geschrie-\nben hat: jUlllusion. St.-Georges hat den Text umgearbeitet, und\nDuprato Recitative dazu geschrieben. Ferner hat er eine neue fran-\nzösische Oper mit Musik von Flot o w, der in Paris war, acqui-\nrirt. Sie heisst La Nuit des dupes und das Buch ist von de St.-\nGeorges. Die Proben sind schon in vollem Gange. Endlich hat Herr\nPerrin auch noch eine neue Oper in drei Acten von Julius Beer,\ndem Neffen Meyerbeer's, angenommen, der im vorigen Jahre mit\nder Fille nicht ohne Beifall debutirte.\nDer Kaiser und die Kaiserin haben am 11. d. Mts. in der ita-\nliänischen Oper der Vorstellung der „Sonnambula\" durch Mademoi-\nselle Adelina Patti von Anfang bis zu Ende beigewohnt.\nFlotow's ~Stradella\" wird daselbst studirt. Mario, der nach sei-\nnem vollständigen Durchfall in der grossen Oper als\nden Ihr londoner Correspondent sehr richtig voraussagte, wieder bei\nden Italiänern singt, hat da seine alten Freunde gefunden. Dem\nFräulein Trebelli, welche auf Urlaub ist, hat Herr Calzado Kraft\neines Artikels des Contractes, der ein Geheimnissist, das Engage-\nment per Telegraph gekündigt.\nFrau Szarvady-Clauss wird in diesem Winter einige Con-\ncerte geben und auserdem in den berühmten Soireen von Maurin\nund Genossen die Clavier-Partie ausführen eine Nachricht, die\ndas ganze musicalische Paris freudig begrüsst.\n\nB. P."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert's Clavier-Compositionen. Nachtrag zu den Bemerkungen über Schumann1» Faust und Manfred. Von Ed.\nKrüger. Aus Frankfurt am Main (Instrumental-Novitäten in den Museums-Concerten: Ouvertüre von B. Scholz Suite von F.\nLachner). Yon A. S. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Conservatorium der Musik Crefeld, F. Hiller's „Saul\" Bonn,\nF. Hiller's ?,Die Zerstörung von Jerusalem\" Barmen, Gebrüder Seiss Berlin, Reinthaler's„ „Jephtha\", Robert Radecke u. s. w.).\n\nFranz Schubert’s Clavier-Compositionen.\nL. Holle's Verlag fährt fort auf der rüstig betretenen\nBahn, werthvolle und beliebte Compositionen gemeinnützig\nzu machen durch billige Preise. Wie Aehnliches bereits\nfrüher und von Anderen versucht war an der älteren Ge-\nneration Bach, Haydn, Mozart —, wovon die erneuten\nAusgaben seit zwanzig Jahren fast auf das Vierfache ver-\nmehrt sind, so hat unsere jüngste Zeit auch die jüngere\nGeneration gleicher Ehre werth gehalten und das Bedürf-\nniss gefühlt, sie zu vervielfältigen. Vervielfältigen ist ge-\nmein machen und doch nicht avvilire. Vielmehr ist es ein\naltdeutscher Grundsatz, ja, in gewissem Sinne die Ten-\ndenz aller Geschäftsbewegung, dass das wahre Gute\nGemeingut werde: ein Grundsatz, den die drei letzten\nJahrhunderte, auf der Kunst des Buchdrucks weiter bau-\nend, über alle Gebiete des Geisteslebens, heilige und pro-\nfane, künstlerische und wissenschaftliche, literarische und\nmusicalische, angewandt und für gültig anerkannt haben.\nUeber die Berechtigung zur Vervielfältigung geistigen\nEigentbums ist letzthin viel gestritten worden, und zwar in\ngerichtlicher und aussergerichtlicher Weise. Wir, denen\nkein Beruf obliegt, über Bechtsfragen mitzusprechen, be-\ngnügen uns mit der Anerkennung des Grundsatzes, dass\nwohlerworbene Verlagsrechte zu achten sind und nicht ge-\nkränkt werden dürfen. Der Kampf um das „Wohlerwor-\nbene\" auf unserem Gebiete ist oder scheint nunmehr aus-\ngestritten. Gleichwie wir aber das wahrhaft grossartige\nUnternehmen der ehrenwerthen Breitkopf und Härtel'schen\nHandlung, sämmtliche Werke von Beethoven in Origi-\nnal-Ausgaben kritisch und correct herzustellen, mit dank-\nbarer Achtung begrüssen, so glauben wir andererseits,\ndass abgeleitete Theil-Ausgaben, Chrestomathieen,\nnamentlich Clavier-Auszüge und Bearbeitungen, sei es von\nprivilegienlosen zeitgenössischen Werken, oder von älteren,\ndie erbloses Gemeingut geworden, rechtlich tadellos sind,\nwie denn solche Bearbeitungen, Erneuerungen, Bepro-\nductionen oftmals auch von den ehrenwerthesten Firmen\nunternommen sind und täglich noch werden. Besitzen wir\ndoch heute vom temperirten Ciavier sechs gleichberech-\ntigte Ausgaben, von Beethoven's Sinfonieen unzählige Be-\narbeitungen, zwei-, vier- und achthändig, mit einem, zwei\nund mehreren Begleit-Instrumenten, von namhaften\nFirmen auch ohne Verlagsrecht unternommen, und\nwas dergleichen Beispiele mehr sind. Jedenfalls gereicht\ndie Concurrenz dem Publicum zum Vortheil, und die Ver-\nbreitung Mozart's und Beethoven's in mindestens zehn ver-\nschiedenen Ausgaben wird—zwar nicht dem unverbesser-\nlichen Virtuosenthum, aber den kunstbedürftigen Seelen\nzur Freude gereichen, der Kunst selbst zum Vortheil, weil\nso die classischen Werke wohlfeiler werden als\ndas ephemere Salongeklimper.\nNachdem Holle vorlängst die Schubert'schen Lieder\nin sechs Bänden (vollständig?) wiedergebracht hat, sind\njetzt vier Bände mit 54 Heften Clavier-Composi-\ntionen neu herausgegeben, die für die bevorstehende\nWeihnachtszeit eben recht gelegen kommen,\nEin Bewunderer Schubert's sagte einmal, Schubert sei\nder vocalisirte Beethoven: was Beethoven an vocaler\nSchönheit, an Kraft des echten Menschengesanges mangele,\ndas bringe Schubert in Beethoven'schem Geiste. Andere\nmeinten, eben diese Vocalität stehe so im Vorgrund bei\nihm, dass das Instrumentale dagegen abfiele. Wiederum\nandererseits ward behauptet, er und Chopin ständen allen\njüngeren Zeitgenossen an Originalität voran, namentlich\nwas melodische Erfindung betreffe, während die harmo-\nnische Technik an Willkürlichkeiten leide und einen star-\nken Hang nach der äussersten Linken hin zeige; vor allen\nZeitgenossen und Nachkommen aber zeichne unseren Schu-\nbert die Kraft aus, grossleibige Gestalten mit langathmigen\nCantilenen zu schaffen; denn auch die scheinbar überlan-\ngen unter den späteren Instrumentalien ermatteten bei der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.2", "texte": "Aufführung nicht, weil der Ueberschwang seiner Erfin-\ndung allzeit in Zucht gehalten werde durch den hellen\nVerstand seiner rhythmischen Disposition, so dass die Ge-\nsaramt-Architektur das Einzelne, scheinbar Verfehlte wie-\nder zurechtrücke oder begütige.\nDiese mannigfachen Urtheile, die wir alle an eigener\nHand mit durchgemacht haben, ohne eben allen geradezu\nbeizustimmen, widersprechen einander keineswegs: sie tref-\nfen von verschiedenen Seiten das Richtige, dass er unter\nden Epigonen der Begabteste und künstlerisch Werth-\nvollste gewesen, vielleicht würdig, eine ganze Periode zu\n„repräsentiren\". Sonderbar, dass auf ihn so ganz eigent-\nlich das vielgesungene Lied von der „Zukunft\" gemünzt\nwar: denn die „Gegenwart\" erkannte ihn wenig, über die\nnächsten Kreise hinaus drang sein Name erst ein Jahr-\nzehend nach seinem Tode, und noch heute ist ausser\nDeutschland sein Name nicht so bekannt, wie manche Zei-\ntungsgrössen, die auf die Reclame abonnirt haben. Schu-\nbert dagegen scheute das Abonnement auf den Iluhm eben\nso sehr, wie er überhaupt gegen Lob und Tadel gleich-\ngültig war. S. Kreissie, S. 152, und Schindler, Nie-\nderrheinische Musik-Zeitung, 1857, Nr. 10 und 11. Von\nseinem Leben ist eine gute Uebersicht gegeben durch\nHeinrich v. Kreissie in Wien (1861), welche treu be-\nmüht ist, das rein Thatsächliche zu erzählen, manche\nSchwächen des geliebten Meisters zu nennen sich nicht\nscheut, in die eigentlich wissenschaftlichen Fragen aber\nnicht eingeht.\nDie vorliegende Holle'sche Ausgabe hat das Verdienst,\neinen grossen Theil der Instrumentalien erneut zu bringen\nin guter Ausstattung und Wohlfeilheit; die 54 Hefte\n(Nr. 115 —168) kosten 9V3 Thlr., was etwa ein Fünftel\nder früher gewöhnlichen Preise ausmacht. Wichtig ist uns\nvorzüglich, manches bisher Unbekannte oder Verschollene\nkennen zu lernen, das Bekannte aber auf einen Fleck ver-\nsammelt zu sehen. Unter diesen 54 Heften sind sechs dop-\npelt bearbeitet, zwei- und vierhändig, wahrscheinlich alle\naus Orchestersätzen arrangirt, nämlich 118 = 144; 119\n= 147; 124 = 153; 125 = 156; 127 = 157; 128\n= 158 (Ouvertüren, Märsche und Tänze); nach Abzug\ndieser 12 Hefte bleiben 42 Original-Arbeiten.\nDie vierhändigen Orchester-Ouverturen sind in einer\nWeise arrangirt, die wir nicht aller Orten billigen können.\nZweierlei ist, wie bereits anderswo über die Beethoven'-\nschen Sinfonieen bemerkt, auch hier auffallend: erstlich,\ndass die untere Partie übermässig bedacht ist, während die\nobere Primo gar oft entweder pausirt, wo sie dem\nSecondo-Spieler ein gut Theil Melodie abnehmen könnte,\noder in dünnen Octavengängen da droben umherquiekt;\nder andere Mangel ist, dass nicht Alles so ausgedacht oder\nzusammengestellt ist, um eben auf dem Ciavier klang-\nkräftig zu sein. Denn ausser den gänzlich kraftlosen Dis-\ncant-Tremoli z. B. am Schlüsse des ersten Satzes der D-\ncfer-Sinfonie, ausser den orchestral füllenden Obertönen\nder Pickelflöten z. B. im Menuet der B-dur, welche auf\ndem Ciavier neben den kräftigen tiefen Melodieen ver-\nschwinden ausser diesen Missständen sind noch zu be-\nklagen die zerbrochenen Melodieen, wo sich zuwei-\nlen ganz unnöihig die Hände der Spieler kreuzen aus mehr\nsocialem als musicalischem Bedürfniss, wo dann die beab-\nsichtigte Klangwirkung unverständlich wird, z. B. im\nAdagio der B-dur; dort übernimmt der allezeit arbeit-\nsame Secondist die Stimme der zweiten Violine in der zwei-\ngestrichenen Octave, führt danach auch die Viola-Stimme\nbis in die kleine Octave, wird daneben durchkreuzt vom\nArm des liebevollen Primisten, und die klar gedachten\nEinzelstimmen verschwimmen und verblassen. Und das\nalles, nachdem die geistvoll, klangreich und spielbar ein-\ngerichteten Ciavier-Auszüge von Hummel, Czerny,\nund Klage längst den richtigen Weg gezeigt haben, wie\nman Orchesterklänge in Clavierklänge übersetzt, ohne ein\nSclave des Buchstabens zu sein. Die C-moll ist von Mar-\nkuli sorgfältiger behandelt und theilweise sehr gelungen;\nauffallend ist zu Anfang, dass der sechste und zehnte Tact,\nwelche im Orchester aus demselben Instrumente erklin-\ngen, hier verschiedenen Händen zugetheilt sind. Mar-\nkuli, der sonst als tüchtiger Kenner und Spieler anerkannt\nist, wolle in diesen.Bemerkungen auch unsere Anerkennung\nder Sache wie der Arbeit sehen und die Unarten der ge-\nwöhnlichen Arrangeurs mit bekämpfen helfen. Da alle\nClavier-Auszüge eigentlich nur ein Notbbehelf, fast eine\nNippsache für Dilettanten sind, so brauchten wir ihnen\nnicht so viel Aufmerksamkeit zu ieihen, wenn nicht auch\nhier das Niedere dem Höheren dienen könnte; und\nwirklich dient das Niedere dem Höheren als Vorhalle der\nErkenntnisse daher wir nicht um kleinlicher Rücksichten\nwillen mit Gleichgültigkeit ansehen, wie die Daguerreoty-\npen, Photographieen, Stereoskopen, Lithographieen, Stahl-\nstiche beschaffen sind, an denen wir mühselig emporklet-\ntern sollen zur Kenntniss der Kolossalwerke, deren Origi-\nnale unseren Augen versagt sind. —Dass Markull das Bes-\nsere weiss, ist nächst der C-moll noch sichtbar an der\ntrefflichen Bearbeitung der Rosamunda- und Alfonso-\nOuverture; Fierabras dagegen zeigt noch die gerügten\nUebelstände, welche durch die Eigenthümlichkeit der\nNeueren seit Beethoven, den tiefen Stimmen ein mehr in-\nnerliches Gewicht, als bei Mozart*) üblich, zu geben, nur\n\n*) Mozart und noch mehr Haydn haben sehr oft das Geigen»\nQuartett im Orchester so gestaltet, dass es dreistimmig geht,\nVioline 1? 2 und Bass5 indem Viola, Violoncello und Contra-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.3", "texte": "zum Theil entschuldigt werden. Welche von den hier\nvorliegenden Vierhändern original sind, ist nicht angege-\nben; wahrscheinlich jedoch, dass die Märsche —wo nicht\nalle, doch gewiss die Militärmärsche ursprünglich Or-\nchesterstücke sind, die übrigen etwa die Hälfte, 14 von\n26 Nummern sind für original vierhändig anzunehmen\nund tragen auch das Gepräge der sorgfältigsten Arbeit,\ndie den genialen Kern erst zum rechten Glänze erhöhen.\nWunderschön an Arbeit und Kern ist Heft 143, Op. 10,\nVariationen über ein französisches Lied, wo eine mäs-\nsige, minder schön als charakteristische Melodie durch\ninnerlich steigernde Veränderung in Gang, Figurirung und\nTonart immer aufwärts strebend zu dem heiteren Triumph-\nliede Var. 8 erwächst, das an Händel'schen Klang erinnert.\nDass unter den reichlich mitgetheilten Gaben auch\nmanche minder bedeutende, ja, trockene sich befinden,\nwird Niemanden Wunder nehmen, der da weiss, dass auch\nGrösseren als Schubert zuweilen etwas Menschliches be-\ngegnet. Erinnern wir desshalb desto mehr an das Auserle-\nsene, um es den Liebhabern, denen diese Seite der Schu-\nbert'schen Kunst noch nicht so bekannt ist, ans Herz zu\nlegen. Zunächst heben wir heraus die sieben grossen\nClavier-Sonaten, die am meisten dauernden Werth\nin sich tragen, am nächsten an die classische Weise heran-\nreichen und am deutlichsten die eigenthümlicbe Besonder-\nheit Schubert's offenbaren; zu ihnen kommen noch zwei\nPhantasieen, die von der Construction der Sonaten nur\nunerheblich im Aeussern abweichen, und die „allerletzten\nCompositionen\" (Nr. 140 ohne Opus-Zahl, vielleicht aus\ndem Nachlasse), ebenfalls in Sonatenform. Dem classi-\nschen Typus genähert, sagen wir nicht in dem Sinne,\nals wären sie einer Schulregel nachgebildet, denn jedes\nder Schubert'schen Instrumentalien hat eigentümliches\nLeben und neue, oft impertinent originale Erfindung. Clas-\nsisch denken wir vielmehr als das in sich Vollständige, aus\nsich selbst Verständliche, was eigene Ideen trägt und de-\nren Wiederklang hervorruft, daher einpräglich und dau-\nernden Lebens ist. Und diesem Kunst-Ideale stehen Schu-\nbert's Instrumentalien näher, als die der meisten Zeitge-\nnossen und Nachgeborenen. Hervortritt sogleich die Ori-\nginalität der Themen, die gründlich vielseitige Durchar-\nbeitung, die bescheidene Virtuosität, welche sich, einiges\nOctaven-Geklapper abgerechnet, in gesunden Schranken\nhält und der Idee, nicht den Fingern zu. Gefallen da ist.\nVon Modernitäten der krankhaften Art fehlen gänzlich,\nso weit wir gesehen, die verrückten Harfenwürfe oder\nOctaven-Arpeggien, die ausdrücklich zur Verdunkelung\ndes Spiels und zum Broderwerb virtuosischer Proletarier\nerfunden sind, als:\nu. s. vv. Diesen Proletariern der Kunst würde nichts\nSchlimmeres geschehen können, als eine Verbesse-\nrung unserer ConcertHügel nach dem Bach'schen Typus,\nwo die Octaven orgelartig durch Registerzüge sich beifü-\ngen Hessen!— Krankhaft modern mögen zuweilen die ge-\nwaltsamen enharmonischen Fortschritte erscheinen; doch\nsind sie mindestens singbarer oder motivirter, als die der\nanempfindenden Genie's, die keine Ohren am Leibe Sitzen\nhaben. Dass Schubert mit unerwarteten Modulationen\neinige Mal zum Terrorismus hinüberneigt, der sich erfreut\nam Bangemachen der Schreckhaften oder am Erwecken\nder Schläfer, das soll nicht geläugnet werden. Wichtiger\nist die innere Factur. Da fällt auf, dass eine treffliche\nDurcharbeitung nach allen Seiten hin, die möglichsten\nCombinationen erschöpfend, in Beethoven'scher Art ver-\nsucht wird; gründlich, oft eigensinnig, selten contrapunk-\ntisch. Bei manchen sonatenhaften Sätzen*) vermissen wir\nungern das volle selbstständige Gegen-Thema; es ist\noft das kurze Haupt-Thema allein herrschend, nur mit\nGangwerk, allenfalls einigen Umkehrungen und kühnen\nModulationen durchflochten. Das Gespräch zwischen Haupt-\nsatz und Nebensatz (Marx treffender: Seitensatz, als\ngleichsam coordinirter), welches den vorzüglichen Reiz bei\nBeethoven ausmacht und bei Mozart gewöhnlich zu heim-\nlicher, aber desto gewaltigerer Contrapunktik Anlass gibt,\nist bei Schubert selten, am reichsten und bedeutsamsten\nwohl in der ausserdem bei einigen der So-\nnaten. Unter diesen sind wohl die schönsten und unver-\ngänglichsten: Heft 120, Op. 42, Heft 123, Op.\n53, D-dur;Heft 139 a, Op. 147, (nicht\nwie der Titel sagt), mit dem köstlichen Scherzo in G; Heft\n139 b, Op. 164, A-moll; 140, die herrlichen drei So-\nnaten (aus dem Nachlasse?). Von den kleineren\n\nBass in Octaven zusammengehen, wodurch die Bässe mate-\nrielles Gewicht genug erhalten, aber weniger dynamisch me-\nlodisches, als bei Beethoven, der gar häufig Viola, Violon-\ncello und Contrabass gesondert, ja, gar vier- bis fünfstimmig\ngehen lässt, zunächst in polyphoner Absicht, dann auch,\num ein stärkeres Gegengewicht der Geigen gegen die Blä-\nser hinzustellen, da die letzteren bei ihm selbstständiger auf-\ntreten, als bei den älteren Meistern.\n*) Sonatenhaft nach Marx' richtiger Darstellung, aus dem\nRondo abgeleitet, eine durch Gegensätze hindurchgehende ein-\nheitliche Gestalt. Denn wenn in Märschen oder Tänzen ver-\nschiedene Themen aufgeführt werden, so kommen sie eben\nnach einander und beharren in ihrer spröden Selbstsändigkeit,\nohne einander zu durchwirken. In der richtigen Sonate (Sinfo-\nnie u* s. w,) soll jeder Satz für sich sonatenhaft sein.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.4", "texte": "in denen Witz und Zärtlichkeit mit einander ringen, sind\nziemlich bekannt die Moments musieals, Op. 94, fast etu-\ndenhaft, doch geistreich anregend. Unter den vierhändigen\nTonsätzen sind hervorzuheben (ausser den vorhin erwähn-\nten französischen Variationen Op. 10) besonders Heft 146,\nOp. 30; 148, Op. 34, Ouvertüre ohne Namen; 150,\n151, Op. 40, 51, Märsche; 152, Op. 54, ungarisches\nVergnügen; 155, Op. 55, Marsch-Divertissement. Lang-\nweilig ist 161, Op. 103.\nWer nun diese Schubert'schen Ciaviersachen auch\nnur flüchtig durchkostet, wird in jedem Stücke etwas fin-\nden zur Anregung, vielleicht zur Verwunderung, selbst\nzum Widerspruche; aber es ist überall künstlerisches Le-\nben darin. Ob dieses Leben das Höchste sei, welches\nnicht bloss seiner Zeit Spiegel und Schönheit, sondern ein\nfernwirkendes Licht der Zukunft bedeute; ob darin die\nwahren Höhen der Leidenschaft in Zorn und Liebe, die\nedelsten Lebensgestalten im Menschlichen oder Natürli-\nchen erscheinen: das erfahre Jeder, dem es Ernst ist, zu\nerfahren, an sich selber.\nDem thätigen Verleger sagen wir Dank, dass er diese\nSammlung mannigfacher Gemüths-Ergötzungen so allge-\nmein zugänglich gemacht hat. Uebrigens wiederholen wir\nunser Caeterum eenseo: Philipptim\ntuendum! Eine Ausgabe der schönen Ciaviersachen von\nPhilipp Emanuel Bach ob sie Bedürfniss der Zeit\nist, weissage ich nicht —, aber dass sie sich verwerthe\nmindestens so gut wie die längst verschollenen Sachen\nvon Dia bei Ii und Dussek, die doch im Holle'schen\nVerlage (nebst Bertini und Hunten) ihre Stelle ausfül-\nlen, das möchte ich für gewiss ansehen. Und es würde\nHolle's kühnem Unternehmungsgeiste nur Ehre machen\nund sich auch äusserlich lohnen, wenn er hier voranginge,\nwo Andere zaghaft zurücktreten, weil sie Philipp Emanuel\nund seine grossen Wirkungen nicht kennen.\n\nNachtrag zu den Bemerkungen über Schumann’s\nFaust und Manfred in Nr. 48—50.\nDie äusserliche Herstellung beider Werke ist lobens-\nwerth. Die Partitur des Manfred haben Breitkopf & Här-\ntel in gewohnter Weise splendid und correct gegeben, wo-\nbei man nichts beklagt, als die freigebige Verwendung\nprächtigen Papiers (119 S. Folio), deren Uebermaass sich\ndoch wohl zum Vortheil der Käufer ein wenig einschrän-\nken liesse. Von wem die Uebersetzung ist, wird nicht an-\ngegeben. (Bei einer' Stelle, dem Schlüsse der Incantation,\nwäre erwünscht gewesen, unter vielen Uebersetzungen die\nvon IL Heine zu wählen; er übersetzt:\nLo! the spell now wo\nClanJcless yet his chain has lound thee.\nSieh, der Zauber schon umringt dich,\nKlanglos seine Kett' umschlingt dich\nschöner als Alle, selbst Goethe ... leider hat er nicht den\nganzen Manfred übersetzt, daher er freilich hier nicht in\nFrage kommen konnte.)\nDer Clavier-Auszug des Faust ist sauber und les-\nbar und mit minderem Ueberfluss äusserer Pracht (260\nS. klein Folio), doch auch zu dem nicht gelinden Preise\nvon 7 Thlrn. hergestellt von Friedländer in Berlin. Bei der\nübrigens sorgfältigen Ausführung des Stiches sind einige\nErrata stehen geblieben:\n104, 2, 1 = 107, 3, 1 muss die obere Clavierzeile\nden Bassschlüssel vorzeichnen.\n111, 4, 2: sollte nicht die Oberstimme des Claviers,\nden Parallelstellen gemäss, beginnen mit d, es, e, f, statt\nf, es,e, /? Vgl. 111, 3, 4 - 112, 1, 1.\n126, 2, 3, Basso solo, muss d, statt des sein.\n172, 2 muss in der oberen Ciavierstimme die erste\nFermate wegfallen.\n238, 2, Bass d, c müssen zwei Achtel sein.\n251, 4, Singbass muss haben c, eis, statt c, c.\nDie Metronomisirung, für erfahrene Dirigenten, die\netwas Verstand besitzen, freilich überflüssig, wäre doch\nvielleicht für manche Fälle erwünscht. Da im Manfred die\ndeutschen Tempo-Bezeichnungen, wie es scheint, von\nSchubert selbst metronomisirt, und gleiche Tempo-Namen\nim Faust ohne Metronom verzeichnet sind, so setze ich\ndie Manfredischen zum Vergleich her:\nLangsam J= 63; Bäsch J 152; Leidenschaftlich J 144;\nMajestätisch J 80; Wüthend J 120; Mässig J 120.\nBei den letzten beiden ist zu merken, dass das Wü-\nthend (mit Wuth, furioso) 4/4-Tact ist, Mässig (mode-\nrato) dagegen 3/4. E. Krüger.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\n[lnstrumental-Novitäten in den Museums-Concerten: Ouvertüre von\nB, Scholz Suite von F. Lachner.]\n4,Auch lebenden Componisten soll nun die Ehre des Zu«\ntritts zu den Museums-Concerten werden.\"\n(Siehe unseren Bericht in Nr. 43 d. Bl.)\nBereits sind zwei solcher Novitäten zur Aufführung\ngekommen, und zwar: Ouvertüre zu Iphigenia auf Tauris\nvon Capellmeister B. Scholz in Hannover, und Franz\nLachner's schon mehrfach besprochene Suite, erstere im\ndritten und letztere im vierten Concerte. Es sei gestattet,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.5", "texte": "über die Erfolge beider Werke bei unserem Publicum in\nKürze Nachricht zu geben.\nUebele Witterung war schuld, dass ich dem dritten\nConcerte nicht beiwohnen konnte; bin daher um das Ver-\ngnügen gekommen, die Ouvertüre zu hören. Dafür soll\nzur Stelle der Urtheil habende und stets besonnene Refe-\nrent der Süddeutschen Zeitung mein Gewährsmann sein.\nNachdem derselbe über diese Novität im Ganzen günstig\ngeurtheilt, kommt er zu der Bemerkung: „Wie die Ouver-\ntüre gefallen, kann man eigentlich nicht sagen, da unser\nPublicum allen Inslrumentalstücken gegenüber sich ängst-\nlich und ziemlich theilnahmlos verhält. Den unbefangenen\nMusikfreunden gefiel im Allgemeinen das Werk.\" —Diese\nWorte bergen einen tieferen Sinn, als es auf den ersten\nAnblick scheint. Sie liefern den Grundstoff zu einem cul-\nturhistorischen Bilde, das auf den Beschauer eben keinen\nbesonders erfreulichen Eindruck zu machen vermag.\nAengstliches und theilnahmloses Verhalten eines Publicums\nallen Instrumentalstücken gegenüber zeugt nicht von Em-\npfänglichkeit für die Schönheiten dieser Musikgattun\nD '\nwird daher wohl der Schluss ein berechtigter sein, dass in\nder Musikbildung eines so gearteten Publicums eine grosse\nLücke auszufüllen bleibt. Ein Publicum zu gewahren\n(Schreiber dieses beobachtet selber bereits seit 1848 die\nDinge), dessen Kunstliebe nur an berühmten Componisten\nhängt, aber selbst diesen gegenüber nur wie zu alten, täg-\nlich zu sehen gewohnten Bekannten sich verhält, klagt, mit\ndieser wohl nicht löblichen Eigenschaft behaftet, auch seine\nFührer an. Wenn das Repertoire von Orchestermusik ein\nso beschränktes ist, wie seit langen Jahren im hiesigen\nMuseum, so darf es nicht Wunder nehmen, dass das Audi-\ntorium, zu neun Zehntheilen immer dasselbe, es eben nicht\ngern sieht, zur Aufmerksamkeit und Würdigung eines\nneuen Werkes, zumal eines unberühmten Componisten, in\nAnspruch genommen zu werden. Indess scheint der Vor-\nstand die Notwendigkeit einzusehen, die alte Gewohnheit\nnicht länger mehr bestehen zu lassen, und fortzufahren,\nGelegenheit zu geben, jene Lücke in der Musikbildung sei-\nnes Publicums ausfüllen zu machen. Aber es soll nicht\n'verschwiegen werden, dass es unter solchen Umständen\nfür die Herren Componisten wenig Reiz haben könne, den\nReigen eröffnen zu sollen, da dies so ziemlich gleichbedeu-\ntend ist mit Kohlen aus dem Feuer holen.\nDer Abend des 5. December brachte Lachner's Suite\nin D-moll,bestehend aus Präludium, Menuett, Variationen\nund Marsch, Introduction und Fuge. Die Ausführung würde\ngewiss auch den Componisten, der als strenger und gewis-\nsenhafter Dirigent bekannt ist, zufriedengestellt haben.\nDen äusseren Erfolg dieses Werkes betreffend, wird\nsich der Referent in der Süddeutschen Zeitung vielleicht\nwieder zu der Bemerkung veranlasst sehen: Wie die Suite\ngefallen, kann man eigentlich nicht sagen. Dagegen glau-\nben wir es offen sagen zu können: Den Musikern in und\nausser dem Orchester hat sie in hohem Grade gefallen,\nbeim so genannten Publicum aber hat sich der Bei fall\nkaum über einen Succes d'esiimeerhoben*). Diese Suite\nist in jedem Betracht ein interessantes Werk, zu dessen\nVerständniss dem Publicum, das Instrumental-Musik zu\nhören gewohnt, keine Schwierigkeiten entgegentreten. Was\nzunächst die Form (Periodenbau, rhythmische Gliederung)\naller Sätze, mit Ausnahme der Fuge, anbelangt, so hält\nsich Lachner streng an die grossen Vorbilder der histori-\nschen Schule, vermeidet daher „tiefsinnige Verschlingun-\ngen\" wie auch „rhythmische Verschränkungen\", bleibt\ndemnach, selbst bei zuweilen angewandtem grossen Reich-\nthum in der Orchestration, immer klar und verständlich.\nDen melodiösen Theil betreffend, singt es im Menuett und\nin den Variationen fortan, mehrmals in entzückender\nWeise. Ueberhaupt ist die Arbeit in diesen beiden Sätzen\neine eben so superfeine, als auch mit hervortretend gros-\nsen, imponirenden Zügen ausgestattet. Ich habe das schöne\nWerk in der Morgenprobe und in der Aufführung gehört\nund würde es heute mit demselben Vergnügen wieder ge-\nnjessen _ dies gewiss auch die Mehrzahl der gebildeten\nMusikfreunde.\nZeugt das Ganze von glücklicher Erfindung und hoher\nMeisterschaft in Verarbeituug des Stoffes, hat es uns nicht\nbloss gefallen, sondern zu gerechter Bewunderung des\nVermögens bei dessen Autor veranlasst (höret z. B. die\ngewaltige Fuge mit dem kraftvollen Motiv vom Grundbass\neingeführt, mit ihrem überraschenden Widerschlag, Orgel-\npunkt, Erweiterung des Motivs in Bass und Engführung),\nso mag es dennoch gewagt sein, ein und anderes Beden-\nken darüber hier auszusprechen,versteht sich nur im wohl-\ngemeinten Interesse des Werkes, das unserer sterilen\nKunst-Epoche zur Ehre gereicht und ein langes Leben\nverdient.\nZunächst darf gefragt werden, warum das Werk die\nuralte Benennung „Suite\" trägt, warum nicht vielmehr\nden Ehrentitel „Sinfonie\"? Mit Ausnahme der Schlussfuge\nsind die anderen Sätze in optim wie oben gezeigt\nworden, Sinfonie-Sätze nach den Begriffen dieser moder-\nnen Kunstgattung. Nichts gemahnt darin an den Stil un-\nserer Altväter. Die Gestaltung im Allgemeinen und Beson-\nderen ist durchweg eine so moderne—das Wort im besten\nSinne —, dass ich nicht wüsste, wo nur einen Grund zu\nder Benennung Suite nach den Begriffen des siebenzehn-\n\n*) In der N. Zeitschrift f. Musik haben wir über die kürzlich in\nBerlin Statt gefundene Aufführung der Suite von einem „orkan-\nartigen\" Beifall gelesen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.6", "texte": "ten Jahrhunderts heraus zu finden. Selbst die in der Fuge\nzur Anwendung gekommenen contrapunktischen Lehrsätze\ngehören unserer classischen Epoche an, und Marpurg und\nAlbrechtsberger, die Lehrmeister des Fugenbaues, sind als\nLeiter bei ihrer Ausarbeitung in Ehren gehalten. Be-\nkanntlich bestand die Suite in der grauen Vorzeit aus\neiner Reihenfolge damaliger Tanzweisen. Wenn nun ein\nComponist unserer Tage Lust tragen sollte, die gegenwär-\ntig beliebten Tänze, als: Walzer, Cotillon, Franfaise,\nEcossaise, Polka und Mazurka, als Bestandtheile zu einem\nmusicalischen Kunstwerke zu verbinden und dafür den al-\nten Titel „Suite\" zu wählen, wer würde ihm wohl die\nBerechtigung hierzu bestreiten? Denn alle contrapunkti-\nschen Kunststücke und Spitzfindigkeiten der Vorzeit Hessen\nsich anbei in Anwendung bringen, Walzer und Cotillon\nkönnten sogar in verschiedenen Tactarten zusammengehen,\num aus diesem farbenreichen Kranze eine neue Art sin-\nfonischer Dichtungen ins Leben zu rufen, die ohne\nZweifel noch spätere Jahrhunderte in Verwunderung setzen\nwürden. Will es Niemand versuchen?\nEin anderes Bedenken betrifft den Variationen-Satz.\nDem aus sechszehn Tacten bestehenden, im Andante-Schritt\nernst und würdevoll sich bewegenden Thema, von den\nViolen und Violoncellen begonnen, folgen dreiundzwan-\nzig Variationen, meist in der Bewegung des Thema, einige\ndarunter aber im Tempo Allegro, auch in einer anderen\nTactart. So interessant auch jede derselben in Wahl der\nFiguren und des Tongeschlechtes zu nennen, mehr noch,\nwie sehr auch das Interesse durch die Gruppirung dieser\n23 Variationen gesteigert wird, so kann man doch nicht\numhin, sagen zu müssen, dass hiedurch des Guten zu viel\ngethan worden. Der Vortrag dieses Satzes erfordert fast\nmehr Zeit, als die anderen drei Sätze zusammen. Das Ge-\nfühl der Ermüdung macht sich bemerkbar, bevor der\nMarsch eintritt, der auch nicht kurz gehalten ist. Indess\nhat gerade dieser dritte Satz den lautesten Beifall erhalten.\nAllein bei weiteren Aufführungen des Werkes wird der\nReiz der Neuheit nicht mehr mit zu Rathe sitzen.\nEin Drittes und Letztes mag den in\ndem zweitheiligen Trio des Menuetts (aus sechszehn Tacten\nund den üblichen Wiederholungen der Theile bestehend)\nberühren. Dieser Obstinate bewegt sich also:\nAbgesehen von den unvermeidlichen Zusammenstössen, die\nmehr obstinate Dissonanzen erzeugen, als man zu hören\nwünscht, wäre eine Unterbrechung dieses ohne Widerrede\nzu lang gedehnten Spasses wohl am Platze. Unseres Be-\ndünkens wäre es das erste Glied des zweiten Theiles,\nworauf das Haupt-Motiv wieder eintritt, wo ein Schweigen\ndes brummigen Ostinato recht wohlthun würde.\n\nA. S.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nl&iSln, 17. December. Unser Conservatorium der Musik\nhielt am verflossenen Sonntag seine General-Versammlung ab.\nDas Interesse der kölner Musikfreunde an diesem Institute, welches\nseit Anfang dieses Jahres im Besitze von Corporationsrechten ist,\nhat sich durch wiederholte und zahlreiche Beitragszeichnungen aufs\nNeue glänzend bethätigt und entspricht dem unverkennbaren Nutzen,\nden dasselbe für das musicalische Leben unserer Stadt hat. In dem\nConservatorium, welches gegenwärtig im Semester durchschnittlich\nvon sechszig Schülern besucht wird, geben ausser dem musicalischen\nLeiter desselben, Herrn Capellmeister Hill er, die Herren Bargiel,\nBöhme, Breunung, Derckum, Grunwald, Hompesch,\nHülle, von Königslöw, Schmit, Seiss, k. Musik-Director\nWeber und Dr. Wey den, gegenwärtig in I*2B Stunden per Woche,\nUnterricht. In den Vorstand wurden gewählt die Herren J. Bei,\nJ. M. Farina, Frz. Heuser, J. Nacken, General-Consul Alb.\nOppenheim, A, Pütz, R. Schnitzler und Commercienratli V.\nWendelstadt.\nCrefeld# Am 6. d. Mts. hatten wir hier eine schöne Auffüh-\nrung des Oratoriums „Saul\" von Ferdinand Hiller unter Lei-\ntung des Herrn Musik-Directors Wolff. Der Chor gab durch Prä-\ncision und Schwung, unterstützt von seinen frischen, kräftigen Stim-\nmen, den erfreulichen Beweis, dass das Werk mit Liebe und Eifer\nstudirt worden war; das Orchester that sein Möglichstes, konnte\naber natürlich den Verhältnissen der Zahl und Kraft nach in den\nStellen, welche eine massenhafte Instrumentalwirkung verlangen,\nnicht vollständig genügen. Ganz besondere Auszeichnung verdient\ndie Auffassung und Durchführung der Haupt-Partie des Saul durch\nHerrn Hill aus Frankfurt am Main, welcher, mit einer sehr klang-\nvollen und wohllautenden Stimme begabt, dem echt künstlerischen\nStandpunkte eine 3 Oratoriensängers in jeder Leistung erfreulich\nnäher tritt. Die anderen Solo-Partieen wurden ganz correct von Di-\nlettanten vorgetragen ; die Ausführung der Partie des Samuel durch\nHerrn Müller vom Stadttheater in Köln wurde durch plötzliche\nHeiserkeit unterbrochen. Das Publicum nahm das Werk mit Begei-\nsterung auf, und es offenbarte sich mannigfach der Wunsch einer\nbaldigen Wiederholung.\n\" .li. «•\nIn Bonn wohnten wir am Donnerstag den 11. d. Mts. einer\nAufführung von Hill er' s Oratorium „Die Zerstörung von Je-\nrusalemu bei, welche unter der Direction des städtischen Musik-\nDirectors Herrn J. Brambach das zahlreiche Publicum, bei wel-\nchem das Werk eine glänzende Aufnahme fand, vollkommen befrie-\ndigte. Der Chorverein hat bedeutende Fortschritte gemacht, zählt\nrecht frische Stimmen unter sich und singt mit sichtbarer Freude\nan der Sache. Die Soli waren recht gut besetzt durch Fräulein\nAdeline Büchner (Israelitin und Chamital), Francisca Schreck\n(Hanna), Herrn A. Pütz (Zedekia und Achicam) und Herrn Hau-\nser vom grossherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe (Jeremias). Letz-\nteren hatten wir in unserer Gegend am Niederrheine noch nicht ge-\nhört; er brachte die anstrengende Haupt-Partie des Oratoriums durch\ndie schönen Mittel seiner sonoren Stimme und künstlerischen, von\nrichtiger Auffassung geleiteten Vortrag zu trefflicher Geltung. Ca-\npellmeister Hiller, der unter den Zuhörern war, wurde bei seinem\nEintritt in den Saal durch Fanfaren des Orchesters und Erhebung des\nsämmtlichen Chor-Personals von seinen Sitzen ehrenvoll begrüsst;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.7", "texte": "auch am Schlüsse des Oratoriums, das seit seiner ersten Aufführung\nzu Leipzig im Jahre 1810 seinen Lauf durch die Welt gemacht hat,\nwurde ihm wiederum mit Trompeten- und Paukenschall ein Hoch\ngebracht, in welches das ganze Publicum begeistert einstimmte.\n■j* E3türmen9 15. December. Einen wahrhaft schönen Genuss\ngewährten uns die Vorträge der Brüder Isidor und Franz Seiss,\ndie am 13. December hier ein zahlreich besuchtes Concert gaben.\nDas Programm brachte die Kreuzer-Sonate von Beethoven und das\nfeurige, übersprudelnde iZ-moZZ-Rondo von Schubert als Ensembles ;\nals Soli von Is. Seiss gespielt ein reizendes Nocturno, 0p.15, F-dur,\nund einen uns unbekannten prächtigen Bole'ro, Op. 19, von Chopin,\nso wie die Lucia-Phantasie von Liszt, und von Franz Seiss vorge-\ntragen die Ernst'sche Othello-Phantasie. Einiger Chöre, von unserer\nLiedertafel in frischer, lebendiger Weise gesungen, erwähnen wir\nmit Vergnügen.\n14. December. Gestern Abend fand die Aufführung\nO\nvon Reinthaler's „Jephtha\" durch die Sing-Akademie unter\nder Leitung des Componisten Statt. Sie war nach den sorgfältigsten\nProben eine feine und abgerundete Wiedergabe des Werkes. Der\nChor vereinigte Correctheit und Wohllaut mit Wärme des Ausdrucks,\ndie Solisten obwohl nicht von der Bühne, da Krause durch einen\nschweren Krankheitsfall an der Ausführung der verhin-\ndert wurde waren ebenfalls vortrefflich (ich nenne Frau Linde\nSopran, eine treffliche Oratoriensängerin aus der Schule des Herrn\nMantius, Fräulein Baer, eine schöne Altstimme, den Tenoristen Geyer\nvom königlichen Dom-Chor, und den Bass, einen talentvollen Schü-\nler des Herrn Krause, Herrn Putsch), die Stimmung des Publicums\neine warme und gehobene. Ihre Majestät die Königin Augusta ge-\nruhten, die Aufführung durch Ihre Allerhöchste Gegenwart auszu-\nzeichnen, sie wohnte derselben von Anfang bis zu Ende bei. Unter\nden anwesenden Kunst Notabilitäten bemerkte man Meyerbeer.\nRobert Radecke gibt mit der Liebig'schen Capelle eine Reihe\nvon Concerten im Saale der Sing-Akademie. Das erste derselben,\nFreitag den 5. December, begann mit dem sinfonistischen Werke\n„Ouvertüre, Scherzo, Finale\" von Rob. Schumann, brachte als-\ndann ein Ave Maria von Karl Roinecke für Chor und Orchester,\ndas Clavier-Concert von A d. Henselt, sehr brav gespielt von einem\nnoch sehr jungen Virtuosen Albert Werkenthin; im zweiten\nTheile: „Nachtstück\" für Orchester von R. Rad ecke (Introduction\nund Allegro), F. Hill er' s „0 weint um sie\" für Solo, Chor und\nOrchester, und zum Schlüsse Beethoven'» Ouvertüre Nr. 3 zu Leo-\nnore. Ueber Hiller's Werk schreibt der Referent der Berliner Allg.\nZeitung: „Eine würdige und innige Composition, die dabei von einer\ntiefen Einheit der Stimmung beseelt erscheint. Wenn wir eine kleine\nAusstellung machen wollten, so könnte diese höchstens die vielleicht\netwas zu weit gesponnene Ausführung betreffen. Dessenungeachtet\nbleibt derselbe edle und gediegene Ton bis zum Schlüsse vorherr-\nschend/'\nAus Stralsund schreibt man uns Rühmendes über eine junge\nCiavierspielerin, Fräulein Alide Topp, eine Schülerin von Herrn\nH. von Bülow in Berlin. In einem öffentlichen Concerte trug sie\nvor Beethoven's Sonate in JEs-dur, Op. 31 Nr. 111., den „Faschings-\nschwank\", Op. 26, von Schumann, das Scherzo aus Weber's As-\ncZwr-Sonate, J. Raff's glänzende Transscription des Sextetts aus dem\nTannhäuser und Liszt's „ Venezia e Najpoli\", eine Ergänzung zu\ndessen Annies de pölerinage. Sie spielte Alles auswendig und ent-\nwickelte einen hohen Grad von Befähigung und bereits erreichter\ntechnischer Fertigkeit.\naiifclYiri aill IfJfetin* Im vierten Museums-Concerte hat-\nten wir das Vergnügen, in Herrn Julius Steffens aus St. Peters-\nBurg einen ausgezeichneten Virtuosen auf dem Violoncell kennen zu\nlernen. Er spielte das zweite Concert von Goltermann und hatte\nsich eines grossen Beifalls zu erfreuen.\nILeipzig. Im siebenten Gewandhaus-Concerte kam neben Beet-\nhoven's Sinfonie Nr. VIII. eine „Ouvertüre aus 1001 Nacht\" von\nTaubert zum ersten Male zu Gehör. Herr Steffens, Violoncellist,\nund Fräulein Anna Reiss, Sängerin, fanden Beifall. Das achte\nConcert am 4. December brachte Schumann' s „Faust-Musik\" mit\nJulius Stockhausen vollständig. Am 5. d. Mts. gab der gefei-\nerte Sänger mit Frau Schumann eine Soiree, in welcher er eine\nArie aus Grdtry's La fausse magie und die 17 Lieder von Heine's\n„Dichterliebe\", componirt von R. Schumann, vortrug. Frau Schu-\nmann spielte Beethoven's einige Stücke von\nScarlatti und Bach und' eine „Novelette\" von R. Schumann.\nDie Concerte der Euterpe dirigirt jetzt Herr Blassmann aus\nDresden. Das eiste brachte am 4. November unter Anderem Bar-\ngiel's Ouvertüre zur Medea. Fräulein Martini, eine junge Sän-\ngerin aus Leipzig, debutirte mit Beifall. Eine Pianistin aus Stock-\nholm, Fräulein Sara Sampson (von der Lessing'sclien abstam-\nmend?) spielte Sachen von Beethoven, Chopin und Liszt (Rigoletto).\nIm zweiten Concerte kamen Schumann's Manfred und die JEroica\nzur Aufiührung; im dritten Spontini's Olympia-Ouverture, Festmarsch\nvon Ed. Lassen, Liszt's „Tasso\". —• Dazwischen Hessen sich der\nder ausgezeichnete Flötist Terschak und Fräulein Emilie Wi-\ngand als Sängerin mit Beifall hören.\nWien. Ueber Tausig's Spiel fällt Ed. Hanslick in der\n„Presse\" bei Gelegenheit des ersten Concertes dieses Clavier-Heros\nein scharfes Urtheil. Er erwähnt allerdings die ungewöhnliche Bega-\nbung, den ausserordentlichen Fleiss, Bravour und Kraft, Ausdauer\nund Gedächtniss desselben, gibt aber dann folgende Charakteristik\nseines Spiels: „Peinlich berührt die Absicht, mit welcher Herr Tau-\nsig die hässlichste aller Anschlagsarten cultivirt: das Stechen in die\nTasten. Nicht nur in eigentlichen Bravourstellen, auch in Cantilenen,\ndie weich und gebunden erklingen sollen, liebt es Herr Tausig, ge-\nstreckten Fingers auf einzelne Töne mit einer Gewalt niederzuste-\nchen, die das Ciavier förmlich wimmern macht. Ein andermal ar-\nbeitet er wieder, als gelte es, eingefrorene Töne aas dem Eise los-\nzuhacken. Was sollen wir von dem Gehör eines Künstlers halten,\nder das heulende Metallgerassel der also misshandelten Saiten nicht\nvernimmt, oder den es nicht stört? AVenn Herr Tausig vollends die\nganze Meute seiner Bravour loslässt, welch ein Würgen und Quet-\nschen, welch ein Erdrosseln der Töne! Könnten wir in dieser\nKampflust das Ueberschäumen einer unbändigen Jugendkraft er-\nblicken, wir würden auch mit ihren Maasslosigkeiten uns vertragen\nlernen. Allein nicht Ueberkraft, sondern im Gegentheil Blasirt-\nheit ist der Grund-Charakter von Tausig's Spiel. Mit jenen aufge-\nregten Metzeleien wechseln lange Perioden nachlässigster Gleichgül-\ntigkeit; sind die Tasten eine Weile gestochen und geschlagen, so\nwerden sie dann in einem kaum vernehmbaren Pianissimo bloss ge-\nstreift, getippt, gefegt. Die eigentlich gesunde Mitte, der ruhig sin-\ngende Anschlag fehlt. Es taucht zwar manche Stelle auf, die nach\nTonschönheit, ja, nach Empfindung klingt, allein es währt niemals\nlange; eine einzige dröhnend herausgestossene Note und der\nschöne Zusammenhang ist wieder vernichtet,\" Dagegen wird sein\nVortrag der Clavier-Partie in Beethoven's Phantasie mit Chor in\neiner Akademie im Hoftheater, und des B-dur-Trio's von Schubert\nin einer Quartett-Soiree in anderen Blättern, jedoch auch mit Ein-\nschränkungen, gelobt.\nJPrag. Die Concerte des Cäcilien -Vereins haben ihren\n33. Jahrgang begonnen. Das erste derselben fand am Samstag den\n6. December, um 4£ Uhr Nachmittags, im Sophieninsel-Saale Statt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621220-01.1.8", "texte": "und brachte uns Rob. Schumanns Musik zu Scenen aus Goethe's\nFaust. Die erste und zweite Abtheilung des Werke« wurden ganz\naufgeführt; die dritte Abtheilung, „Faust's Verklärung*', kommt im\ndritten Concerte zur Aufführung. Die Solo-Partieen hatten Fräulein\nvon Ehrenberg, Frau Prodiaska-Schmid, Fraulein Pisa-\nrowitz, Fräulein Peck und die Herren Bernard, Eilers und\nKren übernommen.\nXSl'lissel» Zur Feier des 73, Geburtstages des Königs wurde\nin der Kathedrale in Anwesenheit der königlichen Familie und aller\namtlichen Körperschaften und Personen ein Te Deum unseres Lands-\nmannes Ed. Lassen, Capellmeisters in Weimar, aufgeführt, und\nhat der Componist bei dieser Gelegenheit den Leopolds-Orden erhal-\nten. Vieuxtemps, de Bdriot und Servais sind zu Officieren\ndesselben Ordens ernannt worden.\nS* Der Rücktritt des Herrn Alplions Koyer von der\nDirection der grossen Oper und die Besetzung dieser bedeutenden\nStelle durch Herrn Emil Perrin, bisherigen Direetor der komi-\nschen Oper, hat die ganze Theater weit hier in Aufregung gesetzt.\nDie Hauptfrage ist nun, wer Herrn Perrin und dessen umsichtige,\nenergische Leitung an dem beliebtesten Operntheater von ganz\nFrankreich ersetzen soll. Eine seiner letzten Anordnungen ist die\nWiederaufnahme einer der ersten Opern, welche Herold geschrie-\nben hat: jUlllusion. St.-Georges hat den Text umgearbeitet, und\nDuprato Recitative dazu geschrieben. Ferner hat er eine neue fran-\nzösische Oper mit Musik von Flot o w, der in Paris war, acqui-\nrirt. Sie heisst La Nuit des dupes und das Buch ist von de St.-\nGeorges. Die Proben sind schon in vollem Gange. Endlich hat Herr\nPerrin auch noch eine neue Oper in drei Acten von Julius Beer,\ndem Neffen Meyerbeer's, angenommen, der im vorigen Jahre mit\nder Fille nicht ohne Beifall debutirte.\nDer Kaiser und die Kaiserin haben am 11. d. Mts. in der ita-\nliänischen Oper der Vorstellung der „Sonnambula\" durch Mademoi-\nselle Adelina Patti von Anfang bis zu Ende beigewohnt.\nFlotow's ~Stradella\" wird daselbst studirt. Mario, der nach sei-\nnem vollständigen Durchfall in der grossen Oper als\nden Ihr londoner Correspondent sehr richtig voraussagte, wieder bei\nden Italiänern singt, hat da seine alten Freunde gefunden. Dem\nFräulein Trebelli, welche auf Urlaub ist, hat Herr Calzado Kraft\neines Artikels des Contractes, der ein Geheimnissist, das Engage-\nment per Telegraph gekündigt.\nFrau Szarvady-Clauss wird in diesem Winter einige Con-\ncerte geben und auserdem in den berühmten Soireen von Maurin\nund Genossen die Clavier-Partie ausführen eine Nachricht, die\ndas ganze musicalische Paris freudig begrüsst.\n\nB. P."}]}