{"numero_id": "bm-bmtnabi-1862-12-27-01", "volume": "bmtnabi_1862-12-27_01", "ocr_sha256": "1e91b0ccf1c7729d01b2a5a178d5ff32474a624d734d93e67f19d2229c16d565", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1862/12/27_01/bmtnabi_1862-12-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1862-12-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nViertes Gesellschafts-Concert in Köln, Requiem von Bernhard Scholz, Die Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nin Holland. Aus New-York (Theodor Eisfeld Concerte, Einrichtung der philharmonischen Gesellschaft Liederkranz-Concerte\nOper. Von St. Aus Aachen (Winter-Concerte Robert Pflughaupt Liedertafel Concordia). Von N. 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December Statt und wurde von Herrn Capellmei-\nster Scholz selbst dirigirt. Sowohl der äussere Erfolg des\nWerkes bei unserem Publicum, welches, obwohl gegen\nNeuestes aus der Zeit etwas misstrauisch, dasselbe mit leb-\nhaftem, wiederholtem Beifalle aufnahm, als seine Bedeu-\ntung an und für sich und in Beziehung auf die fortschrei-\ntende Entwicklung des talentvollen Componisten fordern\neine eingehendere Besprechung, als sonst noch nicht ver-\nöffentlichten Werken zu Theil zu werden pflegt.\nScholz bekundet in diesem Werke eine starke musi-\ncalische Ausdrucksweise; die Erfindung ist, wenn auch\nnicht von überraschender Neuheit, doch immer würdig,\nnur an einigen wenigen Stellen etwas gewöhnlich; die po-\nlyphone Schreibweise steht dem Componisten in bedeuten-\nder Weise zu Gebote; das Orchester behandelt er mit\nSicherheit und Wirkung, auch den Chor in den meisten\nFällen, und eigentlich nur dann nicht, wenn die Perioden\nzu kurzathmig sind oder der syllabische Gesang vorherrscht.\nAuch die Solostimmen haben manches echt Vocale, melo-\ndiös Wirkungsvolle; ihren Ensembles schadet die häufige\n\"Absicht des Componisten, durch allzu kunstreiche selbst-\nständige Stimmführung den höchsten Anforderungen Ge-\nnüge zu leisten. Die Vereinigung tiefsinnigster contrapunk-\ntischer Kunst mit melodischem Beiz ist aber nur den gröss-\nten Genies gelungen. In Sologesängen ist jedoch der me-\nlodische Beiz, verbunden mit Wahrheit des Ausdrucks,\ndas Erste und Notwendigste, und Scholz hätte öfters wohl\nbesser gethan, seine Polyphonie diesem Beize zu opfern,\nals umgekehrt.\nUeberhaupt sind es in den weniger wirksamen Studien\ndes Werkes die allzu hoch gespannten Intentionen des\nComponisten, welche ihm geschadet. Abgesehen von jenen\ncontrapunktischen Sätzen, wo er sich zuweilen in Einzel-\nheiten verliert, welche den musicalischen Fluss einiger\nMaassen hemmen, begegnet ihm Aehnliches hinsichtlich\ndes Ausdrucks der einzelnen Theile des Gedichtes; ein\nAusdruck, welcher sich hier und da in eine Art von De-\ntailmalerei verliert, die zu oft zu wechseln genöthigt ist,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5320, "texte": "als dass sie auch nur das, was sie darsteilen soll, hinrei-\nchend eindringlich hervorheben könnte.\nGehen wir an eine Uebersicht der einzelnen Theile\ndes Werkes.\nDer Introitus, „Requiem aeternam\", ist vielleicht der\ngelungenste Satz der Messe. Ein sehr wirksames Vorspiel\nin D-mollleitet denselben ein; der Chor beginnt in\nmit einer breiten, melodisch und harmonisch interessanten\nPeriode, die in der Haupt-Tonart sehr befriedigend ab-\nschliesst, und welche man bedauert, nicht noch einmal zu\nhören. Die kurze Solostelle auf dem Worte „exaudiu ist\ntheilweise ein wenig gewaltsam contrapunktisch, auch in\nden folgenden Chorstellen kommen einige harmonische\nGewaltsamkeiten vor und (was wir auch an manchen an-\nderen Orten tadeln müssen) einige allzu schnelle, wenn\nauch an und für sich selbst zu rechtfertigende Modulatio-\nnen. Aber die Totalwirkung des ganzen Satzes leidet we-\nnig darunter, und der Schluss, wo der Chor auf der Quint\nd, averhallt, während das Orchester sich in Erinnerungen\nan das mehrfach benutzte Vorspiel ergeht, macht einen\nfrommen und ergreifenden Eindruck.\nDer zweite Theil, die herrliche Hymne „Dies iraeK\nbehandelnd, ist in seiner ersten Hälfte weniger abgerun-\ndet. Er beginnt mit einigen Tacten des Gregorianischen\nGesanges, der aber schnell verschwindet und von seinem\neigenthümlichen Charakter keine Spuren hinterlässt. Das\nzunächst Folgende ist dramatische Malerei im modernsten\nSinne des Wortes. Die Motive wechseln schnell mit den\nauszudrückenden oder auszumalenden Textesworten. Hat\nauch der Componist den einzelnen kürzeren Perioden mög-\nlichst logische Durcharbeitung gegeben, hat das Ganze\nauch einen leidlich übersichtlichen Bau, so mangelt doch\njene innere Einheit, die in dieser verhältnissmässig knap-\npen Behandlungsweise vielleicht nur einem Meister wie\nCherubini erreichbar war. Das ein bewegtes\nAndante, in welchem die Solostimmen mit dem Chor ab-\nwechseln, ist schon viel ruhiger und einheitlicher gestaltet\nund enthält Stellen von einfacher, echter Schönheit. Das\nConfutatis, ein sehr energisches Allegro, hat in seiner er-\nsten Hälfte ein sehr wirksames, den Chor etwas erdrücken-\ndes Instrumentenspiel. Das Oro supflex, von dem Solo-\nQuartett gesungen und von dem Chor einige Mal durch\nden schneidenden Ausruf: voca me! unterbrochen, ist ori-\nginel und schön; am meisten einfache Schönheit hat aber\nvielleicht das folgende Lacrymosa. obwohl grösstentheils\nim 5/4-Tact geschrieben. Ohne contrapunktischer Feinhei-\nten, canonischer Einsätze u. dgl. zu entbehren, fliesst es in\nnatürlich melodischer Weise hin, und die Coda auf\n(im 4/vTact) schliesst das Ganze in weihevoller Weise ab.\nDas Offertorium, „Domine Jein ist für\nDoppelchor geschrieben und bekundet nicht allein die\nTüchtigkeit des Componisten in der mehrstimmigen Schreib-\nweise, es enthält auch gleich zu Anfang einen Satz von\ngrossartiger Wirkung. Etwas gar zu absichtlich, fast zu\nnaiv, gemalt erscheinen uns die Worte: ne cadant in\nöbscurum. Die Doppelfuge: Q Ahrahae, ist eine\ntreffliche Arbeit, lebendig und fliessend, sie würde in ihrem\nersten Theile noch wirkungsvoller sein, wenn nicht die\nbeiden Haupt-Thema's in schnellen Rhythmen, bei wel-\nchen viel auszusprechen ist, sich bewegten und so den Chor\nverhinderten, klanglich gehörig zu wirken. Das Solo-Quar-\ntett in A-moll: Hostias et preces,ist weich und innig; die\nWiederkehr eines Theiles der Fuge mit einem glänzenden,\nquasi achlstimmigen Orgelpunkte gibt einen, wir möchten\nsagen: brillanten, aber durchaus nicht aus dem Charakter\nfallenden Schluss ab.\nDer Anfang des „Sanctusu(in in breiten, acbt-\nstimmigen Harmonieen hat Grossartigkeit, die nur unter\neinigen allzu schnellen Modulationen leidet. Das (vierstim-\nmige) Fugato: Dleni sunt coeli,ist tüchtig und kräftig;\nweniger sagen uns die fanfarenartigen Accorde auf das\nHosannah zu, die uns hier wirklich nicht am Platze zu\nsein scheinen. Der kurze Salz, der im Quartett nach dem\nBenedictus (Ges-dur) hinüberleitet, macht sich vortreff-\nlich: das Haupt-Motiv des Benedictus, von der Alt-Solo-\nstimme zuerst gebracht, ist ausdrucksvoll und von melodi-\nschem Reize. Leider hat der Componist die Wirkung des\nSatzes durch seine Länge einestheils, anderestheils durch\ndie zu gekünstelte Führung der Stimmen abgeschwächt,\nobschon es an schönen Stellen nicht fehlt; namentlich ist\nder Eintritt des Chors gegen das Ende mit dem Haupt-\nThema in B-dur sehr wohlthuend, wirklich schön; einige\nkleine Zwischensätze, die aber folgen, sind im Charakter\netwas kleinlich, fielen vielleicht besser ganz aus.\nDas Agnus Deiist nebst dem der abgerundetste,\nschönste Satz des Werkes, vielleicht übertrifft er jenes noch.\nIn D-moll beginnend, sich bei den Worten\n(etwas plötzlich) über fisnach wendend, bringt es vor\ndem letzten Schlüsse nochmals einen Theil des Vorspiels\ndes ersten Satzes, was sich hier trefflich macht und Anfang\nund Ende in poetischer Weise innerlich verbindet. Ein\npaar etwas scharfe Dissonanzen wünschten wir heraus, ein\npaar Modulationen etwas gemildert das ist aber auch\nalles. Der Eindruck ist musicalisch durchaus befriedigend,\nder Ausdruck ist fromm, feierlich, erhebend—die richtigen\nMittel führen zum richtigen Zwecke.\nDie Behandlung des Requiem im Allgemeinen ist eine\nsehr selbstständige. Ein Anlehnen an Mozart oder Cheru-\nbini ist uns nirgend aufgefallen. Dass hier und da ein ähn-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1417, "texte": "licher Ausdruck vorwaltet, ist gar nicht zu vermeiden;\naber weder in der Form der einzelnen Stücke, noch in\nder Behandlung der Theile derselben ist Nachahmung vor-\nhanden. Eher spricht aus gewissen Klängen eine grosse\nVertrautheit mit Beethoven's grosser D-dur-Messe; aber\ndiese Anklänge sind so bescheiden, dass wir weit entfernt\nsind, sie dem Componisten zum Vorwurf machen zu wollen.\nDie Ausführung musste den Componisten wohl er-\nfreuen; Chor und Orchester lös'ten ihre nicht leichte\nAufgabe auf befriedigende Weise; neben Fräulein Ger-\ntrud von Conraths (Sopran) von Köln waren die übrigen\ndrei Solostimmen durch Mitglieder der Hofoper in Hanno-\nver besetzt, nämlich Fräulein A. Weiss (Alt), Herrn Dr.\nGunz (Tenor) und Herrn Beltzacher (Bass). In der zweiten\nAbtheilung des Concertes trug Fräulein Weiss noch die\nKirchen-Arie von Stradella mit schöner, volltönender\nStimme vor, und Herr Gunz erfreute durch die Arie von\nBoieldieu: „Komm, holde Dame\", jenes reizende Cabinet-\nstück aus der classischen, echt französischen Gesanggat-\ntung, welche Herrn Gunz nach seiner ganzen Eigenthüm-\nlichkeit am meisten zuzusagen scheint.\nWir fügen zu, dass das Progamm ausser den ge-\nnannten Sachen noch Mozart's erste Sinfonie in D-dur,\nChopin's Adagio und Rondo aus dem E-moll-Concert\nfür Pianoforte und Orchester, sehr correct und elegant ge-\nspielt von Herrn Isidor Seiss, und Mendelssohn's\nOuvertüre zu Ruy Blas brachte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1862-12-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "411", "page_fin": "412", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.2.3", "titre_corps": "Die Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst in Holland.", "titre_sommaire": "Die Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst in Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.3", "debut_caractere": 1419, "fin_caractere_exclue": 4895, "texte": "Die Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nin Holland.\nDieser ehrenwerthe Verein setzt seine Thätigkeit mit\nEifer und mit Erfolg fort. Aus dem Protocoll der 33. Ge-\nneral-Versammlung theilen wir auszugsweise mit, was in\nBezug auf die musicalischen Zustände in unserem Nach-\nbarlande und insbesondere auf die Wirksamkeit der Ge-\nsellschaft im Vereinsjahre 1861 —1862 (November bis\nNovember) von allgemeinem Interesse ist.\nDer Verein zählt in siebenzehn Abtheilungen, die über\nganz Holland verbreitet sind, 1647 beitragende Mitglie-\nder, unter denen 99 Tonkünstler von Fach. Das Eintritts-\ngeld beträgt 2 Fl. 25 C., der jährliche Beitrag 6 Fl.\nDer Künstler-Fonds, für welchen er aus eigenen\nMitteln ein Capital von 24,600 FI. in 2V2procentigen\nStaatspapieren angelegt hat, zahlte im abgelaufenen Jahre\nPensionen an fünf Künstler-Witwen und drei Künstler.\nDie Bibliothek, aus welcher sämmtliche Abtheilungen\nBehufs Aufführungen oder Studien Werke kostenfrei ge-\nliehen erhalten, besitzt in genügender Anzahl von Chor-\nund Orchesterstimmen 30 Oratorien, 10 Messen, 20 Psal-\nmen, 48 grössere und 54 kleinere 27 grössere\nund 35 kleinere weltliche Gesangwerke, 34 Opern, 30\nSinfonieen und 60 Ouvertüren.\nDie Rechnung der Ausgabe (1861 —1862) von8742\nFl. ergibt ein Guthaben von 2500 FI. Der Reserve-Fonds\nbeträgt ein Capital von 43,300, der Künstler-Fonds\n24,600, der Musikfest-Fonds 9500 Fl. Für Herausgabe\nniederländischer Compositionen sind 1081 FI. ausgegeben.\nMit Unterstützung des Vereins sind in diesem Jahre heraus-\ngegeben eine Orgel-Phantasie Nr. 2 von J. Worp in\nGroningen und die Monographie über Mattheus le\nMaistre, Tonkünstler aus dem XVI. Jahrhundert, mit\nvielen musicalischen Beilagen, verfasst von L. Otto Kade\nin Schwerin. Letzteres Werk wirft zugleich ein neues\nLicht auf die grosse CollectioOper um\nXVI., wovon die Gesellschaft 12 Bände, redigirt von\nFranz Commer in Berlin, herausgegeben hat (welche\n321 Compositionen niederländischer Musiker enthalten}\nund noch 21 Bände in Manuscript besitzt.\nDurch die verschiedenen Abtheilungen sind in demsel-\nben Jahre aufgeführt worden von Beethoven 4 Werke,\nvan Bree 1, Franz Coenen 1, Fesca 1, Gade 3,\nHändel 2, Hauptmann 1, Haydn 2, Hiller 4, Hol\n1, Marx 3, Mendelssohn 9, Mozart, Nicolai, Rei-\nnecke, Romberg je 1, Schumann 3, Spohr, Vier-\nlingjel.\nVon den vorjährigen Preisbewerbungen hat nur die\nComposition von Heije's Gedicht: „Ada von Holland14,\nfür Soli, Chor und Orchester eine „ehrenvolle Erwäh-\nnung\" erhalten; Componist ist Herr Joh. M. Coenen,\nMusik-Director in Amsterdam. Ueber die zwei eingesandten\nViolin- Concerte sind die Beurtheilungen der Preisrich-\nter noch nicht eingegangen.\nAls Preis-Aufgabe für 1863 (Einsendungs-Termin der\nletzte December 1863) ist eine Sinfonie für grosses\nOrchester bestimmt. Prämie 150 Fl. und fernere 150 Fl.\n(zur Unterstützung der Herausgabe) durch Ankauf von\nExemplaren.—Ausserdem sind bis 1. Mai 1863 frankirte\nEinsendungen von Werken für Chor (Soli) und Orchester\nmit unterlegter Clavier-Begleitung freigestellt; der Verein\nwird den Einsendern die eingegangenen Beurtheilungen\nmitlheilen und die Herausgabe der für trefflich erach-\nteten unterstützen.\nIm October 1864 soll ein Concurs um ein Stipendium\nfür diejenigen, welche sich als höhere Gesanglehrer\nausbilden wollen, Statt finden; der Erwählte erhält für\ndas erste Jahr 700, für das zweite 7—800 Fl.\nEin allgemeines Musik fest soll im nächsten Jahre\ngehalten werden. — Der Verein wird sich um die Einfüh-\n\nL J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 470, "texte": "rung einer Normalstimmung (das a von 870 Schwin-\ngungen) bemühen.—Auch zu grösserer Verbreitung der\nmusicalischen periodischen Literatur sollen\nMaassregeln getroffen werden.\n(Ueber sämmtliche Angelegenheiten des Vereins hat\nman sich um nähere Auskunft an die Herren A. C. G.\nVermeulen, General-Secretär in Rotterdam, oder an\nHerrn J. P. Heije, Hauptvorstands-Secretär, in Amster-\ndam zu wenden; bei Letzterem sind auch die ausführli-\ncheren „Verhandlungen\" zu bekommen.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1862-12-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "412", "page_fin": "413", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.2.4", "titre_corps": "Aus New-York.", "titre_sommaire": "Aus New-York.", "signature_source": "St", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.4", "debut_caractere": 472, "fin_caractere_exclue": 4917, "texte": "Aus New-York.\n\n[ Theodor Eisfeld Concerte, Einrichtung der philharmonischen Ge-\nsellschaft Liederkranz-Concerte Oper.]\nDen 10. December 1862.\nDie diesjährige Concert-Season scheint sich besser zu\ngestalten, als die von 1861 bis 1862. Das Publicum von\nNew-York hat sich an den Kriegslärm und den Kriegs-\njammer gewöhnt und will sich seine Vergnügungen und\nErholungen nicht verkümmern lassen. Die Concerte der\nbeiden philharmonischen Gesellschaften—in Brooklyn (für\nVocal- und Instrumental-Musik) und in New-York (nur\nfür Instrumental-Musik) sind zahlreich besucht, eben so\ndie Subscriptions-Concerte (vier in der Season) des „deut-\nschen Liederkranzes\". Da Herr Karl Bergmann mit\neiner kleinen Opern-Gesellschaft nach Santiago di Cuba\ngegangen ist, so liegt die ganze Last der Leitung der Pro-\nben und der Direction der Concerte auf Herrn Theodor\nEisfeld. Obwohl die Gesundheit dieses trefflichen Musi-\nkers seit dem unglücklichen Schiffbruche auf dem Dam-\npfer Austria etwas angegriffen ist, so ist er doch immer\nmit rastlosem Eifer die belebende Seele unserer Musik-\nZustände, indem er als Lehrer und als Dirigent seinen\nGrundsätzen treu bleibt, Sinn und Theilnahme für die\nelassische Musik zu nähren und zu vergrössern, und da-\ndurch die Hauptstütze unseres Musiklebens ist.\nDas erste Concert der Phi in New-\nYork hatte folgendes Programm: Beethoven's Sinfonie\ninB-dur, Nr. 4; F. Schu bert's Phantasie in C für Piano-\nlorte, Op. 15 (mit Orchester von Liszt), gespielt von Wil-\nliam Mason. Im zweiten Theile Schumanns Ouver-\ntüre zu Manfred, Mendelssohn's Violin-Concert, gespielt\nvon E. Mollenhauer, Ballade in Op. 17, von Cho-\npin (W. Mason) und F. Hilier's Ouvertüre zu „Ein\nTraum in der Christnacht\". Das Orchester zählt 28 Vio-\nlinen, 12 Bratschen, 9 Violoncelle, 9 Contrabässe und die\nnöthigen Blas-Instrumente, unter denen 4 Hörner und 3\nPosaunen, an der ersten Trompete Ihr Landsmann, Herr\nL. Schreiber aus Köln.\nDie Gesellschaft, 1842 gegründet, ist jetzt in ihre ein-\nundzwanzigste Season getreten. Sie hält wöchentlich statut-\ngemäss zwei Proben vom 1. October bis 1. Mai und gibt\njedes Jahr fünf öffentliche Concerte, in deren Direction\nsich in voriger Season die Herren Eisfeld und Bergmann\ntheilten. Aus den Programmen der vorjährigen Concerte\nkönnen Sie ungefähr die Richtung ersehen, welche unser\nerstes musicalisches Institut einschlagen muss. Denn da die\nAmericaner einmal glauben, dass sie vor allen anderen\nNationen den Fortschritt vertreten, so müssen wir ihnen\nauch die Producte der neuesten deutschen Schule zu kosten\ngeben, denn nur unter der Aegide des Zauberwortes\n„Neu\" können wir das gute Alte aufs Programm bringen.\nSie finden daher Berlioz mit seinem römischen Carneval,\nR. Wagner mit der Ouvertüre zu Rienzi, F. Liszt mit\nseinen Preludesund seinem Orpheus, Brahms mit seiner\nSerenade Op. 16 neben Beethoven's C-moS-Sinfonie,\nFidelio-Ouverture, Violin-Concert (E. Mollenhauer), Cla-\nvier-Concert in C(Ernst Hartmann), Mozart's Sinfonie\nin D,Clavier-Concert in D(Rieh. Hoffmann), F. Schu-\nberts C-cfer-Sinfonie, Chopin's Concert und A.\nHenselt's Concert-Variationen Op. 1 (Mr. S. B. Mills),\nC. M. von Weber's, Marschner's und Mendels-\nsohn's Ouvertüren und R. Schumann s Sinfonie in\nmoll Nr. IV.\nDie Gesellschaft (Präsident H. C. Timm, Vice-Präsi-\ndent Theodor Eisfeld) zählte am Schlüsse der vorigen Sea-\nson an activen und nicht activen Mitgliedern 1126 und\n18 Ehren-Mitglieder, unter denen Vieuxtemps, Ole Bull,\nJenny Lind, Sivori, Karl Eckert, Thalberg u. s. w. Die\nEinnahme betrug 6710 Doli., die Ausgabe 6223 Doli.,\nUeberschuss 487 Doli. Ausserdem ist ein Tilgungs-Fonds\nvon 1009 Doli, vorhanden. Unter den Ausgaben erschei-\nnen 3878 Doli, für das Orchester, 800 Doli, für Miethe\ndes Saales Irving Hall, für Solisten 188 Doli., für Anzei-\ngen 368 Doli. (!)\nDer Jahresbeitrag beträgt für die activen Orchester-\nMitglieder, welche nur nach Prüfung ihrer Leistungen\nund eben so wie alle anderen durch Ballotage aufgenom-\nmen werden, 3 Doli, neben einem Eintrittsgelde von 10\nDoli. Trotzdem drängen sich die geschicktesten Musiker\nzu der Ehre der Mitgliedschaft und zu dem Vortheil der-\nselben; denn nach Abzug der laufenden Ausgaben wird\nder ganze Rest der Einnahme unter sie als „Divi-\ndende\" vertheilt. Musiker, die nicht im Orchester mit-\nwirken, zahlen 3 Doli, jährlich; die übrigen Gesellschafts-\nMitglieder 5 Doli., wofür sie Proben und Concerten bei-\nwohnen und das Recht haben, für jedes Concert 2 Extra-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3878, "texte": "Billets, jedes zu 1 Doli., zu erhalten. Eine besondere Classe\nbilden noch die Subscribing Membres, welche für einen\nBeitrag von 10 Doli, für jedes Concert 3 Billels erhalten.\nFerner steht dem Vorstande gesetzlich eine bestimmte An-\nzahl von Billets zur Verfügung, um sie aus „courtesy\"\nan Personen zu vertheilen, „welche Aufmerksamkeit ver-\ndienen\".\nIch iheile Ihnen diese Einrichtungen mit, weil sie\ncharakteristisch für den Geist und die Sitte des Landes\nsind. Namentlich ist die Aufnahme der Orchester-Musiker\nals Gesellschafts-Mitglieder eine echt republicanische An-\nordnung.\nDas erste Concert der Broo brachte\nunter Eisfeld's Direction R. Schumann's Sinfonie Nr. 1\nin B-dur,Cherubini's Medea- und Weber's Oberon-\nOuverture und Solostücke für Gesang und Pianoforte\n(Herr Goltschalk).\nDer German Liederlcranz hat vier Concerte in Irving\nHall angekündigt (Subscriptions-Preis 2 Doli.), in denen\nunter Leitung des Herrn A. Paur, Dirigenten des Vereins,\nsowohl verdienstvolle Gesangwerke neuerer Componisten\nals classische Compositionen alter Meister mit vollem Chor\nund Orchester aufgeführt werden sollen. Das Programm\ndes ersten Concertes am 18. v. Mts. brachte die Ouver-\ntüre „Michel Angelo\" von Gade: „Gesang der Geister\nüber dem Wasser\" von F. Hiller; von F.\nSchubert (Madame Rotter); Hymne an die Musik (Män-\nnerchor) von V. Lachner; Violin-Concert von Mendels-\nsohn (Herr Bruno Wollenhaupt). Zweiter Theil: Finale\naus „Lorelei\" von Mendelssohn (Solo Mad. Rotter),\nPhantasie für die Violine von Vieuxtemps; Sturmes-\nmythe von F. Lachner (Männerchor mit Orchester);\nOuvertüre „Reiselust\" von Lobe.\nFür die drei anderen Concerte sind Gade's Comala,\nSchumann's Manfred und Mignon's Lotti's\neifixus, ein Chor von Palestrina, das Gbria aus Beetho-\nven's grosser Messe in D und das Credo aus Liszt's\nGraner Messe in Aussicht gestellt. Auch dieses Programm,\ndas der Subscriptions-Liste beigedruckt ist, bekundet meine\nobige Bemerkung. Die musicalische Fortschritts-Partei in\nDeutschland wird mit New-York zufrieden sein!\nEine deutsche Oper bei deren Personal Sie alte\nBekannte vom Rheine finden würden, zunächst den Direc-\ntor Karl Anschütz aus Coblenz, dann Madame J ohann-\nsen (Primadonna), neben ihr Frau Rotter, die Sänger\nLotti, Quint, Weinlig, Hartmann, Graff u. A.\nmacht sehr gute Geschäfte. Die Gesellschaft tritt vor\nkeiner Schwierigkeit zurück, und wenn auch vollkommene\nKunstleistungen hier nicht zu erwarten und wie neulich\nJemand sagte—auch nicht nöthig sind, so zieht doch die\ndeutsche Musik und das gute Ensemble die Menge von\nLandsleuten, die in New-York wohnen oder es auf Wo-\nchen und Tage besuchen, fortwährend an. Wir sahen un-\nter Anderem Mozart's Entführung und Zauberflöte, Fide-\nlio, Martha, Stradella, Czaar und Zimmermann, Johann\nvon Paris, Postillon von Lonjumeau, Wildschütz u. s. w.\nEine itaiiänische Oper unter dem Impresario\nGran ist seit Mitte November in Thätigkeit. Erste Sänge-\nrinnen sind Signora Guerrabella (frühere Miss Ward) und\nSignora Lorini (frühere Miss Whiting), beide new-yorker\nKinder; Tenor Brignoli, Bariton Amedio, Basso Susini\nu. s. w. Als Neuigkeit brachten sie Meyerbeer's „Dinorah\",\ndie ziemlichen Erfolg hatte.\nEndlich wird auch noch eine englische Oper den\nVersuch erneuern, sich Geltung zu verschaffen: sie mag\nals „americanische\" bei dem durch die kriegerische Stim-\nmung gehobenen Patriotismus vielleicht eine Zeit lang\nGlück machen. Sie zählt die Sängerin Miss Kellog, den\nneu entdeckten new-yorker Tenor Castle, welcher in der\nThat eine sehr schöne Stimme hat, u. s. w. zu Mitgliedern.\nSie sehen aus diesem flüchtigen Berichte, dass das\nalte Wort: Inter arma silent artes, hier zu Lande bis jetzt\nwenigstens noch nicht gilt. Die grosse Entfernung des\nKriegstheaters von hier trägt freilich dazu bei. Sollten uns\ndie Südländer einmal näher auf den Hals rücken, so dürf-\nten auch die Kehlen und Saiten verstummen.\n\nSt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1862-12-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "415", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.2.5", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.5", "debut_caractere": 3880, "fin_caractere_exclue": 4939, "texte": "Aus Aachen.\n\nDen 20. December 1862.\nUm am Schlüsse des Jahres keinen Rückstand in mei-\nnen Berichten zu lassen, will ich, wenn auch nur mit\ntlüchtiger Feder, die bisherigen Faits accomplis der dies-\njährigen musicalischen Saison in Ihrem urkundlichen Co-\ndex der niederrheinischen Musikstädte verzeichnen.\nUnsere Winter-Concerte unter der Leitung des Musik-\nDirectors Herrn Wüllner begannen am 23. October im\nSaale Bernaerts vor einer Zuhörerschaft, die von Jahr zu\nJahr zunimmt. Das erste Concert wurde mit Schumann's\nSinfonie in D-molleröffnet und schloss mit Beethoven's\ngrosser Leonoren-Ouverture Nr. 3 zwei Prachtstücken\nder Instrumental-Musik, denen eine vollkommen gelungene\nAufführung zu Theil wurde. Die Wahl der Chorgesang-\nstücke mochte sich wohl nach dem hier gewöhnlichen\nnicht sehr eifrigen Andränge der Sänger zu dem ersten\nConcerte gerichtet haben und beschränkte sich auf Gade's\nhübsches Idyll „Frühlings-Botschaft\" und die Cantate von\nBach: „Liebster Gott, wann werd' ich sterben\", in wel-\ncher der berühmte Stockhausen, dieser echte Meister"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5354, "texte": "des Gesanges, das Publicum durch den ergreifenden Vor-\ntrag der Arie: „Doch weichet, ihr Tollen\", entzückte.\nAusserdem gab er uns durch den Vortrag der Seneschall-\nArie von Boieldieu und zweier Lieder von F. Schubert\nden Beweis, dass er alle Gattungen mit gleicher Vollkom-\nmenheit der Charakteristik und des Ausdrucks beherrscht.\nHerr Fleischhauer gab uns durch den Vortrag eines\nreizenden Violin-Concertes von Mozart eine neue Probe\nseines Talentes, welches vorzügliche Technik mit Ausdruck\nvereinigt.\nDas zweite Concert glänzte durch Einheit des Pro-\ngramms, indem es HändeTs „Athalia\" brachte, eines\nder ersten Oratorien des Meisters, in welchem aber schon\nalle Zeichen seines erhabenen Genies leuchten. Es ist reich\nan Contrasten, und diese bieten sowohl dem Meister Gele-\ngenheit, davon nach seiner genialen Weise Vortheil zu\nziehen, als sie auch das Publicum bei reger Theilnahme\nerhalten. Die Chöre, deren Ausführung nicht so schwierig\nist, wie bei andern Händel'schen,sind reich an Charakteristi-\nschem, und man weiss nicht, welchen man den Vorzug\ngeben soll, den sanften, melodischen und salbungsvollen\nder Jungfrauen, der Leviten und Israeliten, oder den stren-\ngen und kräftigen der Begleiter der Königin und der Baals-\npriester. Unser Concertchor war dabei in seinem wahren\nElemente und bewährte seinen alten Ruf. Die grosse Zahl\nder Solo-Partieen es sind deren sechs ist vielleicht\ndaran Schuld, dass keine derselben eine hervorragende ist.\nSie waren in sehr guten Händen, und es genügt, wenn\nich Ihnen nur Namen nenne wie Fräulein Schreck, diese\nausgezeichnete, bei jeder Aufführung Händel'scher Ora-\ntorien unentbehrlich gewordene Sängerin; wie Frau\nNeuss-Deutz, eine der schönsten Zierden unserer Con-\ncerte, deren grosse Gefälligkeit ihrem schönen Talente\ngleichkommt und deren reine, sympathische Stimme ganz\nfür die Partie der sanften Josabelh geeignet war; dazu\nFrau Wickop, welche die Titelrolle mit Geschick durch-\nführte, Fräulein Wenigmann, Schwester unserer treff-\nlichen Quartettisten, die sich als Joas durch einfachen, be-\nscheidenen Vortrag allgemeinen Beifall erwarb, und die\nSänger Herren Ackens und Göbbels. Die ergänzende\nInstrumentirung des Herrn Grimm,, Musik-Directors in\nMünster, hat unsere Achtung für die musicalische Tüch-\ntigkeit, die dieser Künstler auf dem Gebiete classischer\nMusik bereits gezeigt hat, noch höher gesteigert.\nAuf dem Programm des dritten Concertes ragten\nBeethoven's Sinfonie in VIII., jenes für die Em-\npfänglichkeit des grossen Publicums zu geistreiche, zu spe-\ncifische, zu poetische, aber von allen Kennern um so mehr\ngeschätzte Werk, und Weber's hinreissende Oberon-\nOuverture hervor. Dann hörten wir auch die Ouvertüre\nzu Medea von Bargiel, welche der Componist selbst diri-\ngirte. Sie fand eine ausserordentlich warme Aufnahme und\nhatte einen Erfolg, den sie in vollem Maasse verdient. Sie\nzeichnet sich besonders durch Klarheit aus, eine Haupt-\nEigenschaft jedes wahren Kunstwerkes, die Conception ist\noriginel, ein gelungenes Gemälde des furchtbaren Drama's\nund seines tragischen Pathos; die Motive sind melodisch,\nklar und gut verarbeitet, die Instrumentirung zeigt eine\ngründliche Kenntniss des Orchesters, das Ganze hat Ein-\nheit und Steigerung. Eine Serenade von Schubert für\nFrauenstimmen, ein schönes Motett von Haydn, von\nHiller instrumentirt, und drei Psalmen von Marcello\nbildeten die Aufgabe für den Chor, der indess in den\nPsalmen nicht ein so festes und sicheres Ensemble zeigte,\nwie in den anderen Stücken.\nEin ausgezeichneter Pianist, Herr Robert Pflug-\nhaupt, liess sich an demselben Abende hören. Das Spiel\ndieses Virtuosen ragt hervor durch Reinlichkeit, Eleganz\nund vollendete Technik; mit einer bewundernswerlhen\nEgalität der gebundenen Tonleitern und einem schönen\nStaccato verbindet er den schätzbarsten Vorzug für jeden\nInstrumentalisten: Ton und Ausdruck durch feine Schatti-\nrung; Beides hat bei ihm die höchste Stufe der Vollkom-\nmenheit erreicht, wie eS sich besonders im Adagio des\nD-moll-Concertes von Mendelssohn und im Notturno Op.\n10 Nr. 1 von Chopin zeigte. Aber auch in den complicir-\ntesten Allegro-Passagen beeinträchtigt die Schwierigkeit\nnicht im Geringsten die Correctheit, Deutlichkeit und den\nAusdruck. Er spielte ferner noch Variationen von eigener\nComposition, ein Werk, welches wohl zu sehr die Bekun-\ndung musicalischen Wissens anstrebt, um unmittelbaren\nEindruck zu machen, und eine Phantasie von Liszt über\nMotive aus dem Trovatore. Uebrigens ist Herrn Pflug-\nhaupt's Bescheidenheit eben so lobenswerth, wie sein\nTalent.\nUnsere Liedertafel feierte am 22. November ihren\nachtundzwanzigjährigen Stiftungstag im Saale Bernaerts.\nIn der zahlreichen Gesellschaft herrschte die ungezwun-\ngenste Gemüthlichkeit und frohe Laune, erhöht durch eine\nsehr gelungene Aufführung der köstlichen Operette „Da 9\nIncognito\" von Ihrem talentvollen Mitbürger Herrn Kip-\nper; dem bescheidenen Componisten wurde wie seinem\nWerke eine warme, herzliche Aufnahme zu Theil. Am\nfolgenden Abende gab der Männer-Gesangverein „Con-\ncordia\", der nahe daran ist, sein fünfundzwanzigjähriges\nBestehen zu feiern, eine schöne Soiree zu Ehren der hei-\nligen Cäcilia, welche diesen Verein unter ihren besonderen\nSchutz genommen zu haben scheint. Die Vocal-Partie be-\nstand aus einer guten Auswahl von Chorgesängen, darun-\nter ein hübsches Ständchen von Herrn Ackens, dem Di-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 798, "texte": "rigenten des Vereins. Fräulein Schulze, auf deren Talent\nich Sie schon früher aufmerksam gemacht habe, gab eine\nneue Probe desselben durch das Andante Op. 32 von\nThalberg, Impromptu Op. 90 Nr. 2 von F. Schubert und\nBeethoven's Trio Op. 11, dessen Vortrag (mit den Herren\nSchadler und-J. Wenigmann) ihre Befähigung zur richti-\ngen Auffassung auch der classischen Musik bewies. Die\nConcordia sprach ihren Dank durch eine Serenade aus,\nwelche sie der Künstlerin brachte.\nUeber die Kammermusik-Soireen und den Instrumen-\ntal-Verein nächstens. In letzterem hörten wir neulich eine\nOuvertüre von W. Wenigmann, ein recht verdienstliches\nWerk, das ein glückliches Talent verrieth.—Die Gebrüder\nMüller aus Meiningen spielten am 16. d. Mts. im Cur-\nhaussaale und bewährten auch hier ihren glänzenden Ruf.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1862-12-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1862-12-27_01#c006", "volume": "bmtnabi_1862-12-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "416", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.7", "debut_caractere": 800, "fin_caractere_exclue": 6564, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nVon Fdl. David's Oper „Lalla Boolchu ist im Verlage von B.\nSchottes Söhnen in Mainz der vollständige Ciavier-Auszug mit deut-\nschem und französischem Texte und vorgedrucktem Libretto in der\nUebersetzung von E. Pasqud erschienen, worauf wir mit dem Bemer-\nken aufmerksam machen, dass sämmtliche Gesangsnummern der Oper,\nvierzehn an der Zahl, so wie die Ouvertüre dieser Oper, auch ein-\nzeln zu haben sind.\nDie Allg. Zeitung vom 11. December schreibt aus Frankfurt\nam Main, 8. December: „In der vorgestern abgehaltenen General-\nVersammlung unserer Theater-Actien-Gesellschaft wurde von Seiten\nder Verwaltung mitgetheilt, dass im abgelaufenen Theaterjahre das\nDeficit 7000 Fl. betrage. Hinsichtlich der Kunstleistungen ist das\nInstitut jedoch vollkommen bankerott.\"\nHeidelberg, 9. December. Vorigen Donnerstag Abend fand\ndas dritte Concert des hiesigen Musikvereins im grossen Saale des\nMuseums Statt. Es wurde der Anfang gemacht mit Beethoven's\nEgmont-Ouverture und mit der C-dwr-Sinfonie von Mozart geschlos-\nsen. Die Ausführung dieser herrlichen Tonschöpfungen unter der\nhöchst tüchtigen Leitung des Herrn Musik-Directors Bocli war eine\nrecht gute. An demselben Abende trat ein Künstler auf, den wir als\neine sehr beachtungswerthe musicalische Erscheinung bezeichnen\nmüssen. Der Pianist Theodor Beggrow aus St. Petersburg, der\nseine Studien unter Moscheies im Conservatorium zu Leipzig gemacht\nund sich kürzlich mit seiner Gattin, geborenen Fräulein Wolf,\neiner rühmlichst bekannten Sängerin und vielseitig gebildeten Künst-\nlerin, hier niedergelassen, gehört zu denjenigen Künstlern, welche\ndie Kunst um der Kunst und nicht um ihres Ich's willen lieben.\nMan hört und sieht es ihm an, dass er nichts will, als dem, was er\nvorträgt, volle Geltung verschaffen; er dringt in den Geist der Com-\nposition ein, er lebt in ihr und hält es für das höchste Ziel, die\nmusicalischen Gestalten eben so rein vorzuführen, wie sie vor ihn\nhingetreten sind, und jeden Zug, der das klare Bild verletzen könnte,\nzu entfernen. Und er ist dieser Aufgabe vollkommen gewachsen durch\ndie volle Meisterschaft über das Instrument und durch eine unge-\nmeine Ruhe und Klarheit im Vortrage. Aber weil der wahre Künst-\nler die objective Darstellung als seinen höchsten Zweck erkennt und\nseine ganze Individualität gewisser Maassen zurücktreten lässt, so\nverliert dadurch zuweilen die Innigkeit und Wärme, die Seele des\nTones, ein wenig an ihrer Intensität, worauf wir auch Herrn Beg-\ngrow freundlich aufmerksam machen wollen. Er trug das C-moll-\nConcert von Beethoven so einfach, so reizend und elegant, nament-\nlich den letzten Satz zugleich so anmuthig vor, dass wir den feinen\nSinn und das tiefe Verständniss, so wie die reichen Mittel, worüber\ner zu verfügen weiss, nur bewundern konnten. Da war keine unnö-\ntige Verzierung, keine Effecthascherei, kein ungewöhnlich schnelles\nTempo, nichts von allem dem, was uns bei so manchen Virtuosen\noft mit Widerwillen erfüllte. Das Publicum folgte dem Vortrage mit\ngespannter Theilnahme, die am Schiasse in stürmischen Beifall aus-\nbrach. Hiernach hörten wir noch von ihm ein Scherzo von Chopin,\nwobei wir wiederum manchen feinen und zarten Zug seines Spiel»\nbemerkten, so dass wir mit Freude sagen können, dass Theodor\nBeggrow zu den edelsten Jüngern der wahren Kunst gehört.\nv. A.\nBei J. J. Weber in Leipzig ist ein Werk von Ernst Pas quo\nüber Goethe's Theaterleitung unter der Presse.\nFranz Lachner hat eine zweite Suite für Orchester compo-\nnirt, welche am 24. November in München in einem der abonnir-\nten Concerte der musicalischen Akademie zur Aufführung kam und\nseinem ersten Werke dieser Gattung an geistvoller Erfindung und\nkunstreicher Ausarbeitung nicht nachstehen soll.\nDer Violin-Virtuose Sivori concertirt so eben mit ausserordent-\nlichem Erfolge in München. General-Intendant v. Dingelstedt hat\nihm eine Einladung zugehen lassen, am 1. Januar bei einem Huf-\nConcerte in Weimar mitzuwirken.\nWiesii Das erste Concert der Herren Ja eil und Laub fand\nam 21. d. Mts. im Musikvereins-Saale unter Mitwirkung des Herrn\nWachtel Statt. Das Programm enthielt unter Anderem so bedeu-\ntende Kunstwerke wie Schumann's Ciavier- und Beethoven's Violin-\nConcert.\nDie Aufnahme-Prüfungen für die Zöglinge der k. k. Opernschule\nbeginnen Anfangs Januar. Es haben sich über fünfzig Aspiranten\ndes weiblichen Geschlechts und eine fast gleiche Anzahl Herren\ngemeldet.\nDer wiener Gemeinderath hat in seiner letzten Sitzung den Be-\nschluss gefasst, dem zu errichtenden Uhland-Denkmale einen Beitrag\nvon 500 Gulden aus Communalmitteln zu widmen.\nFräulein Art6t setzt bei zahlreichem Besuche ihr Gastspiel am\nTreumann-Theater fort. Vorgestern sang sie bloss die in den Opern\n„Der Barbier\" und „Die Regimentstochter\" angebrachten Einlagen.\nDie Pausen wurden mit den Lustspielen „Der Enkel\" und „Wo\nbringt man seine Abende zu\" ausgefüllt. Für Montag ist Bellim'*\n„Nachtwandlerin\" in folgender Besetzung zur Aufführung angesetzt:\nAmine: Fräulein Artöt; Elvin: Herr Nachbauer, Tenorist aus Prag;\nCarlo: Herr Robinson, und Lise: Fräulein Schwöder.\nAls eine Seltenheit verdient erwähnt zu werden, dass die Hof-\nOpernsängerin Fräulein Bettelheim in Wien in der letzten Kam-\nmermusik-Sitzung der Herren Helmesberger und Genossen als vor-\ntreffliche Clavierspielerin mit C-moll-Tvio auftrat. 16\nderselben Sitzung wurde ein neues Quintett für Streich-Instru-\nmente von Karl Goldmark gemacht, das Beifall fand, aber doch\nvon Kennern dem früher gehörten Quartett desselben Componisten\nnicht gleichgestellt wurde. Den Schluss machte Schumann's F-dur-\nQuartett.\nBern* Im zweiten Abonnements-Concerte unter der Direction\ndes Herrn Musik-Directors Franck kamen Beethoven's Pastoral-\nSinfonie und Weber's Oberon-Ouvertüre zur Aufführung, und Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4350, "texte": "Franck erfreute uns durch den trefflichen Vortrag eines Clavier-Con-\ncertes eigener Composition. f~ Im ersten Concerte ärntete Fräulein\nBochkolz-Falconi durch ihre bekannte Virtuosität im Vortrage\nvon Meyerbeer's Walzer-Arie aus dem Pardon de Ploermel und\neiner Arie von Rossini .stürmischen Applaus ein, Herr Brassin}\nder Violinist, spielte ei» Violin-Sölo mit vielem Beifall.\nAm 20. d. Mts. wurde die Stumme von Portici in Neapel\nzum ersten Male unter-grossem Jubel gegeben.\nBrüssel. Am 5. December kam Gounod's Oper „Die Königin\nvon Saba\" zum ersten Male im Thöätre de la Monnaie zur Auf-\nführung, und zwar vor einem gefüllten Hause und mit grossem Er-\nfolge. Fast jeder Nummer folgte lebhafter Beifall, und der kleine\nFrauenchor am Anfange des dritten Actes musste wiederholt werden.\nAuch das Ballet, so wie die Inscenirung überhaupt war vortrefflich\nund fand laute Anerkennung* Am Schlüsse der Vorstellung wurde\nder anwesende Componist gerufen und mit enthusiastischem Zurufe\nbegrüsst, so dass er hier in Brüssel glänzend entschädigt wurde für\ndie kalte Aufnahme, die sein Werk in Paris gefunden hat.\nParis. Zum Director der Op6ra comique ist Herr Adolphe\nde Leuven ernannt, da Herr Perrin, wie wir schon angezeigt ha-\nben (Nr. 51), die Direction der grossen Oper erhalten hat. Als Di-\nrecteur de la sehne ist ihm Herr Ritt, bisher Verwalter des Thea-\nters Ambigu comique, an die Seite gesetzt.\nAm 16. December fand in der Optra comique die tausendste\nVorstellung von Boieldieu's Dame blanche Statt, welcher der\nerste Act von Jean de Paris vorausging. Die Büste des Meisters\nwurde von dem Sänger-Personale bekränzt und ein Festgedicht von\nMery wurde vorgetragen. Das Haus war übervoll; der Kaiser und\ndie Kaiserin waren zugegen. Die Einnahme betrug an 7000 Fr. Herr\nBoieldieu Sohn hat die Tantieme dieser Vorstellung den brodlosen\nFabrikarbeitern in Rouen, der Geburtsstadt seines Vaters, überwie-\nsen. (Hört! hört! Den Einnahme-Antheil jeder Vorstellung rund nur\nzu 400 Fr. gerechnet, macht 400,000 Fr. Aufführungs-Honorar an\nBoieldieu und seine Familie bloss aus Paris, ohne die unzähli-\ngen Aufführungen in der Provinz zu rechnen! Wie viel haben Don\nJuan, Die Zauberflöte, Der Freischütz ihren Schöpfern eingebracht??\nUnd ist es etwa jetzt in Deutschland besser? Wir haben kaum ein\nhalbes Dutzend Bühnen, welche Tantiemen geben!)\nVieuxtemps hat in dem letzten Concert populaire (den 21.\nDecember) Beethoven's Violin-Concert gespielt! In Paris! und\nvor einem Publicum von 30U0 Menschen! Wer hätte sich das noch\nvor zolin Jahren träumen lassen ! Im vorhergehenden Concerte hatte\ner seine Ballade-Polonaise mit ungeheurem Beifalle gespielt und\nwar drei Mal gerufen worden.\nDenkmal ffftr Franz Schubert.\nDer Männer-Gesangverein von Wien hat am 6. Juni d. J, be-\nschlossen, das Andenken des grossen Tonmeisters Franz Schu-\nbert durch Errichtung eines würdigen Monumentes in dessen Vater-\nstadt Wien zu verewigen, und zu diesem Zwecke einen Fonds ge-\ngründet, welchem er zugleich einen Beitrag von 500 Fl. in fünf-\nprocentigen Obligationen aus seiner Casse als ersten Gründungs-\nBeitrag widmete. Musste sich der Verein speciel mit Rücksicht auf\ndie Neugestaltung und die Bauverhältnisse Wiens die Bestimmungen\nüber die Gestaltung und Ausführung des Monumentes für eine spä-\ntere Zeit vorbehalten, so wird doch zur Bildung des Fonds, nebst\nden Erträgnissen seiner eigenen selbstständigen Unternehmungen,\njeder Beitrag von musicalischen Corporationen und Gesinnungsgenos-\nsen, so wie jede Betheiligung, welche des Zweckes würdig ist, will-\nkommen sein. Mit der Verwaltung des Fonds wurde die Vereins-\nLeitung betraut und der Vereins-Cassirer mit der Verbuchung und\nöffentlichen Rechnungslegung beauftragt.\nIn Folge unseres ersten Gründungs-Beitrages und der Widmung\neines Betrages von 4235 Fl. österr. W. als Reinerträgniss eines vom\nGesangvereine „Biedersinn\" unter Mitwirkung der meisten nieder-\nösterreichischen Gesangvereine zum Besten des Schubert-Fonds ver-\nanstalteten Sängerfestes besteht dieser bereits aus G5OO Fl. in Obli-\ngationen und einem kleinen Baarbetrage.\nGestützt auf diese Thatsachen, laden wir hiermit alle geehrten\nGesangvereine und musicalischen Corporationen freundlichst ein, in\nirgend einer Weise nach Möglichkeit sich an dem Werke zu be-\ntheiligen.\nFür die Vereinsleitung:\nF. Schierer, Vorstand. Dr. Billing, Schriftführer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nViertes Gesellschafts-Concert in Köln, Requiem von Bernhard Scholz, Die Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nin Holland. Aus New-York (Theodor Eisfeld Concerte, Einrichtung der philharmonischen Gesellschaft Liederkranz-Concerte\nOper. Von St. Aus Aachen (Winter-Concerte Robert Pflughaupt Liedertafel Concordia). Von N. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Mainz, Ciavier-Auszug von „Lalla Bookh\" München, F, Lachner, Sivori Wien, Concerte, Prüfungen u. s.w.).\n\nRequiem für Solostimmen, Chor und Orchester von\nBernhard Scholz.\nDie erste Aufführung dieser neuen Composition fand\nin dem vierten Gesellschafts-Concerte hier in Köln\nam 16. December Statt und wurde von Herrn Capellmei-\nster Scholz selbst dirigirt. Sowohl der äussere Erfolg des\nWerkes bei unserem Publicum, welches, obwohl gegen\nNeuestes aus der Zeit etwas misstrauisch, dasselbe mit leb-\nhaftem, wiederholtem Beifalle aufnahm, als seine Bedeu-\ntung an und für sich und in Beziehung auf die fortschrei-\ntende Entwicklung des talentvollen Componisten fordern\neine eingehendere Besprechung, als sonst noch nicht ver-\nöffentlichten Werken zu Theil zu werden pflegt.\nScholz bekundet in diesem Werke eine starke musi-\ncalische Ausdrucksweise; die Erfindung ist, wenn auch\nnicht von überraschender Neuheit, doch immer würdig,\nnur an einigen wenigen Stellen etwas gewöhnlich; die po-\nlyphone Schreibweise steht dem Componisten in bedeuten-\nder Weise zu Gebote; das Orchester behandelt er mit\nSicherheit und Wirkung, auch den Chor in den meisten\nFällen, und eigentlich nur dann nicht, wenn die Perioden\nzu kurzathmig sind oder der syllabische Gesang vorherrscht.\nAuch die Solostimmen haben manches echt Vocale, melo-\ndiös Wirkungsvolle; ihren Ensembles schadet die häufige\n\"Absicht des Componisten, durch allzu kunstreiche selbst-\nständige Stimmführung den höchsten Anforderungen Ge-\nnüge zu leisten. Die Vereinigung tiefsinnigster contrapunk-\ntischer Kunst mit melodischem Beiz ist aber nur den gröss-\nten Genies gelungen. In Sologesängen ist jedoch der me-\nlodische Beiz, verbunden mit Wahrheit des Ausdrucks,\ndas Erste und Notwendigste, und Scholz hätte öfters wohl\nbesser gethan, seine Polyphonie diesem Beize zu opfern,\nals umgekehrt.\nUeberhaupt sind es in den weniger wirksamen Studien\ndes Werkes die allzu hoch gespannten Intentionen des\nComponisten, welche ihm geschadet. Abgesehen von jenen\ncontrapunktischen Sätzen, wo er sich zuweilen in Einzel-\nheiten verliert, welche den musicalischen Fluss einiger\nMaassen hemmen, begegnet ihm Aehnliches hinsichtlich\ndes Ausdrucks der einzelnen Theile des Gedichtes; ein\nAusdruck, welcher sich hier und da in eine Art von De-\ntailmalerei verliert, die zu oft zu wechseln genöthigt ist,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.2", "texte": "als dass sie auch nur das, was sie darsteilen soll, hinrei-\nchend eindringlich hervorheben könnte.\nGehen wir an eine Uebersicht der einzelnen Theile\ndes Werkes.\nDer Introitus, „Requiem aeternam\", ist vielleicht der\ngelungenste Satz der Messe. Ein sehr wirksames Vorspiel\nin D-mollleitet denselben ein; der Chor beginnt in\nmit einer breiten, melodisch und harmonisch interessanten\nPeriode, die in der Haupt-Tonart sehr befriedigend ab-\nschliesst, und welche man bedauert, nicht noch einmal zu\nhören. Die kurze Solostelle auf dem Worte „exaudiu ist\ntheilweise ein wenig gewaltsam contrapunktisch, auch in\nden folgenden Chorstellen kommen einige harmonische\nGewaltsamkeiten vor und (was wir auch an manchen an-\nderen Orten tadeln müssen) einige allzu schnelle, wenn\nauch an und für sich selbst zu rechtfertigende Modulatio-\nnen. Aber die Totalwirkung des ganzen Satzes leidet we-\nnig darunter, und der Schluss, wo der Chor auf der Quint\nd, averhallt, während das Orchester sich in Erinnerungen\nan das mehrfach benutzte Vorspiel ergeht, macht einen\nfrommen und ergreifenden Eindruck.\nDer zweite Theil, die herrliche Hymne „Dies iraeK\nbehandelnd, ist in seiner ersten Hälfte weniger abgerun-\ndet. Er beginnt mit einigen Tacten des Gregorianischen\nGesanges, der aber schnell verschwindet und von seinem\neigenthümlichen Charakter keine Spuren hinterlässt. Das\nzunächst Folgende ist dramatische Malerei im modernsten\nSinne des Wortes. Die Motive wechseln schnell mit den\nauszudrückenden oder auszumalenden Textesworten. Hat\nauch der Componist den einzelnen kürzeren Perioden mög-\nlichst logische Durcharbeitung gegeben, hat das Ganze\nauch einen leidlich übersichtlichen Bau, so mangelt doch\njene innere Einheit, die in dieser verhältnissmässig knap-\npen Behandlungsweise vielleicht nur einem Meister wie\nCherubini erreichbar war. Das ein bewegtes\nAndante, in welchem die Solostimmen mit dem Chor ab-\nwechseln, ist schon viel ruhiger und einheitlicher gestaltet\nund enthält Stellen von einfacher, echter Schönheit. Das\nConfutatis, ein sehr energisches Allegro, hat in seiner er-\nsten Hälfte ein sehr wirksames, den Chor etwas erdrücken-\ndes Instrumentenspiel. Das Oro supflex, von dem Solo-\nQuartett gesungen und von dem Chor einige Mal durch\nden schneidenden Ausruf: voca me! unterbrochen, ist ori-\nginel und schön; am meisten einfache Schönheit hat aber\nvielleicht das folgende Lacrymosa. obwohl grösstentheils\nim 5/4-Tact geschrieben. Ohne contrapunktischer Feinhei-\nten, canonischer Einsätze u. dgl. zu entbehren, fliesst es in\nnatürlich melodischer Weise hin, und die Coda auf\n(im 4/vTact) schliesst das Ganze in weihevoller Weise ab.\nDas Offertorium, „Domine Jein ist für\nDoppelchor geschrieben und bekundet nicht allein die\nTüchtigkeit des Componisten in der mehrstimmigen Schreib-\nweise, es enthält auch gleich zu Anfang einen Satz von\ngrossartiger Wirkung. Etwas gar zu absichtlich, fast zu\nnaiv, gemalt erscheinen uns die Worte: ne cadant in\nöbscurum. Die Doppelfuge: Q Ahrahae, ist eine\ntreffliche Arbeit, lebendig und fliessend, sie würde in ihrem\nersten Theile noch wirkungsvoller sein, wenn nicht die\nbeiden Haupt-Thema's in schnellen Rhythmen, bei wel-\nchen viel auszusprechen ist, sich bewegten und so den Chor\nverhinderten, klanglich gehörig zu wirken. Das Solo-Quar-\ntett in A-moll: Hostias et preces,ist weich und innig; die\nWiederkehr eines Theiles der Fuge mit einem glänzenden,\nquasi achlstimmigen Orgelpunkte gibt einen, wir möchten\nsagen: brillanten, aber durchaus nicht aus dem Charakter\nfallenden Schluss ab.\nDer Anfang des „Sanctusu(in in breiten, acbt-\nstimmigen Harmonieen hat Grossartigkeit, die nur unter\neinigen allzu schnellen Modulationen leidet. Das (vierstim-\nmige) Fugato: Dleni sunt coeli,ist tüchtig und kräftig;\nweniger sagen uns die fanfarenartigen Accorde auf das\nHosannah zu, die uns hier wirklich nicht am Platze zu\nsein scheinen. Der kurze Salz, der im Quartett nach dem\nBenedictus (Ges-dur) hinüberleitet, macht sich vortreff-\nlich: das Haupt-Motiv des Benedictus, von der Alt-Solo-\nstimme zuerst gebracht, ist ausdrucksvoll und von melodi-\nschem Reize. Leider hat der Componist die Wirkung des\nSatzes durch seine Länge einestheils, anderestheils durch\ndie zu gekünstelte Führung der Stimmen abgeschwächt,\nobschon es an schönen Stellen nicht fehlt; namentlich ist\nder Eintritt des Chors gegen das Ende mit dem Haupt-\nThema in B-dur sehr wohlthuend, wirklich schön; einige\nkleine Zwischensätze, die aber folgen, sind im Charakter\netwas kleinlich, fielen vielleicht besser ganz aus.\nDas Agnus Deiist nebst dem der abgerundetste,\nschönste Satz des Werkes, vielleicht übertrifft er jenes noch.\nIn D-moll beginnend, sich bei den Worten\n(etwas plötzlich) über fisnach wendend, bringt es vor\ndem letzten Schlüsse nochmals einen Theil des Vorspiels\ndes ersten Satzes, was sich hier trefflich macht und Anfang\nund Ende in poetischer Weise innerlich verbindet. Ein\npaar etwas scharfe Dissonanzen wünschten wir heraus, ein\npaar Modulationen etwas gemildert das ist aber auch\nalles. Der Eindruck ist musicalisch durchaus befriedigend,\nder Ausdruck ist fromm, feierlich, erhebend—die richtigen\nMittel führen zum richtigen Zwecke.\nDie Behandlung des Requiem im Allgemeinen ist eine\nsehr selbstständige. Ein Anlehnen an Mozart oder Cheru-\nbini ist uns nirgend aufgefallen. Dass hier und da ein ähn-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.3", "texte": "licher Ausdruck vorwaltet, ist gar nicht zu vermeiden;\naber weder in der Form der einzelnen Stücke, noch in\nder Behandlung der Theile derselben ist Nachahmung vor-\nhanden. Eher spricht aus gewissen Klängen eine grosse\nVertrautheit mit Beethoven's grosser D-dur-Messe; aber\ndiese Anklänge sind so bescheiden, dass wir weit entfernt\nsind, sie dem Componisten zum Vorwurf machen zu wollen.\nDie Ausführung musste den Componisten wohl er-\nfreuen; Chor und Orchester lös'ten ihre nicht leichte\nAufgabe auf befriedigende Weise; neben Fräulein Ger-\ntrud von Conraths (Sopran) von Köln waren die übrigen\ndrei Solostimmen durch Mitglieder der Hofoper in Hanno-\nver besetzt, nämlich Fräulein A. Weiss (Alt), Herrn Dr.\nGunz (Tenor) und Herrn Beltzacher (Bass). In der zweiten\nAbtheilung des Concertes trug Fräulein Weiss noch die\nKirchen-Arie von Stradella mit schöner, volltönender\nStimme vor, und Herr Gunz erfreute durch die Arie von\nBoieldieu: „Komm, holde Dame\", jenes reizende Cabinet-\nstück aus der classischen, echt französischen Gesanggat-\ntung, welche Herrn Gunz nach seiner ganzen Eigenthüm-\nlichkeit am meisten zuzusagen scheint.\nWir fügen zu, dass das Progamm ausser den ge-\nnannten Sachen noch Mozart's erste Sinfonie in D-dur,\nChopin's Adagio und Rondo aus dem E-moll-Concert\nfür Pianoforte und Orchester, sehr correct und elegant ge-\nspielt von Herrn Isidor Seiss, und Mendelssohn's\nOuvertüre zu Ruy Blas brachte.\n\nDie Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nin Holland.\nDieser ehrenwerthe Verein setzt seine Thätigkeit mit\nEifer und mit Erfolg fort. Aus dem Protocoll der 33. Ge-\nneral-Versammlung theilen wir auszugsweise mit, was in\nBezug auf die musicalischen Zustände in unserem Nach-\nbarlande und insbesondere auf die Wirksamkeit der Ge-\nsellschaft im Vereinsjahre 1861 —1862 (November bis\nNovember) von allgemeinem Interesse ist.\nDer Verein zählt in siebenzehn Abtheilungen, die über\nganz Holland verbreitet sind, 1647 beitragende Mitglie-\nder, unter denen 99 Tonkünstler von Fach. Das Eintritts-\ngeld beträgt 2 Fl. 25 C., der jährliche Beitrag 6 Fl.\nDer Künstler-Fonds, für welchen er aus eigenen\nMitteln ein Capital von 24,600 FI. in 2V2procentigen\nStaatspapieren angelegt hat, zahlte im abgelaufenen Jahre\nPensionen an fünf Künstler-Witwen und drei Künstler.\nDie Bibliothek, aus welcher sämmtliche Abtheilungen\nBehufs Aufführungen oder Studien Werke kostenfrei ge-\nliehen erhalten, besitzt in genügender Anzahl von Chor-\nund Orchesterstimmen 30 Oratorien, 10 Messen, 20 Psal-\nmen, 48 grössere und 54 kleinere 27 grössere\nund 35 kleinere weltliche Gesangwerke, 34 Opern, 30\nSinfonieen und 60 Ouvertüren.\nDie Rechnung der Ausgabe (1861 —1862) von8742\nFl. ergibt ein Guthaben von 2500 FI. Der Reserve-Fonds\nbeträgt ein Capital von 43,300, der Künstler-Fonds\n24,600, der Musikfest-Fonds 9500 Fl. Für Herausgabe\nniederländischer Compositionen sind 1081 FI. ausgegeben.\nMit Unterstützung des Vereins sind in diesem Jahre heraus-\ngegeben eine Orgel-Phantasie Nr. 2 von J. Worp in\nGroningen und die Monographie über Mattheus le\nMaistre, Tonkünstler aus dem XVI. Jahrhundert, mit\nvielen musicalischen Beilagen, verfasst von L. Otto Kade\nin Schwerin. Letzteres Werk wirft zugleich ein neues\nLicht auf die grosse CollectioOper um\nXVI., wovon die Gesellschaft 12 Bände, redigirt von\nFranz Commer in Berlin, herausgegeben hat (welche\n321 Compositionen niederländischer Musiker enthalten}\nund noch 21 Bände in Manuscript besitzt.\nDurch die verschiedenen Abtheilungen sind in demsel-\nben Jahre aufgeführt worden von Beethoven 4 Werke,\nvan Bree 1, Franz Coenen 1, Fesca 1, Gade 3,\nHändel 2, Hauptmann 1, Haydn 2, Hiller 4, Hol\n1, Marx 3, Mendelssohn 9, Mozart, Nicolai, Rei-\nnecke, Romberg je 1, Schumann 3, Spohr, Vier-\nlingjel.\nVon den vorjährigen Preisbewerbungen hat nur die\nComposition von Heije's Gedicht: „Ada von Holland14,\nfür Soli, Chor und Orchester eine „ehrenvolle Erwäh-\nnung\" erhalten; Componist ist Herr Joh. M. Coenen,\nMusik-Director in Amsterdam. Ueber die zwei eingesandten\nViolin- Concerte sind die Beurtheilungen der Preisrich-\nter noch nicht eingegangen.\nAls Preis-Aufgabe für 1863 (Einsendungs-Termin der\nletzte December 1863) ist eine Sinfonie für grosses\nOrchester bestimmt. Prämie 150 Fl. und fernere 150 Fl.\n(zur Unterstützung der Herausgabe) durch Ankauf von\nExemplaren.—Ausserdem sind bis 1. Mai 1863 frankirte\nEinsendungen von Werken für Chor (Soli) und Orchester\nmit unterlegter Clavier-Begleitung freigestellt; der Verein\nwird den Einsendern die eingegangenen Beurtheilungen\nmitlheilen und die Herausgabe der für trefflich erach-\nteten unterstützen.\nIm October 1864 soll ein Concurs um ein Stipendium\nfür diejenigen, welche sich als höhere Gesanglehrer\nausbilden wollen, Statt finden; der Erwählte erhält für\ndas erste Jahr 700, für das zweite 7—800 Fl.\nEin allgemeines Musik fest soll im nächsten Jahre\ngehalten werden. — Der Verein wird sich um die Einfüh-\n\nL J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.4", "texte": "rung einer Normalstimmung (das a von 870 Schwin-\ngungen) bemühen.—Auch zu grösserer Verbreitung der\nmusicalischen periodischen Literatur sollen\nMaassregeln getroffen werden.\n(Ueber sämmtliche Angelegenheiten des Vereins hat\nman sich um nähere Auskunft an die Herren A. C. G.\nVermeulen, General-Secretär in Rotterdam, oder an\nHerrn J. P. Heije, Hauptvorstands-Secretär, in Amster-\ndam zu wenden; bei Letzterem sind auch die ausführli-\ncheren „Verhandlungen\" zu bekommen.)\n\nAus New-York.\n\n[ Theodor Eisfeld Concerte, Einrichtung der philharmonischen Ge-\nsellschaft Liederkranz-Concerte Oper.]\nDen 10. December 1862.\nDie diesjährige Concert-Season scheint sich besser zu\ngestalten, als die von 1861 bis 1862. Das Publicum von\nNew-York hat sich an den Kriegslärm und den Kriegs-\njammer gewöhnt und will sich seine Vergnügungen und\nErholungen nicht verkümmern lassen. Die Concerte der\nbeiden philharmonischen Gesellschaften—in Brooklyn (für\nVocal- und Instrumental-Musik) und in New-York (nur\nfür Instrumental-Musik) sind zahlreich besucht, eben so\ndie Subscriptions-Concerte (vier in der Season) des „deut-\nschen Liederkranzes\". Da Herr Karl Bergmann mit\neiner kleinen Opern-Gesellschaft nach Santiago di Cuba\ngegangen ist, so liegt die ganze Last der Leitung der Pro-\nben und der Direction der Concerte auf Herrn Theodor\nEisfeld. Obwohl die Gesundheit dieses trefflichen Musi-\nkers seit dem unglücklichen Schiffbruche auf dem Dam-\npfer Austria etwas angegriffen ist, so ist er doch immer\nmit rastlosem Eifer die belebende Seele unserer Musik-\nZustände, indem er als Lehrer und als Dirigent seinen\nGrundsätzen treu bleibt, Sinn und Theilnahme für die\nelassische Musik zu nähren und zu vergrössern, und da-\ndurch die Hauptstütze unseres Musiklebens ist.\nDas erste Concert der Phi in New-\nYork hatte folgendes Programm: Beethoven's Sinfonie\ninB-dur, Nr. 4; F. Schu bert's Phantasie in C für Piano-\nlorte, Op. 15 (mit Orchester von Liszt), gespielt von Wil-\nliam Mason. Im zweiten Theile Schumanns Ouver-\ntüre zu Manfred, Mendelssohn's Violin-Concert, gespielt\nvon E. Mollenhauer, Ballade in Op. 17, von Cho-\npin (W. Mason) und F. Hilier's Ouvertüre zu „Ein\nTraum in der Christnacht\". Das Orchester zählt 28 Vio-\nlinen, 12 Bratschen, 9 Violoncelle, 9 Contrabässe und die\nnöthigen Blas-Instrumente, unter denen 4 Hörner und 3\nPosaunen, an der ersten Trompete Ihr Landsmann, Herr\nL. Schreiber aus Köln.\nDie Gesellschaft, 1842 gegründet, ist jetzt in ihre ein-\nundzwanzigste Season getreten. Sie hält wöchentlich statut-\ngemäss zwei Proben vom 1. October bis 1. Mai und gibt\njedes Jahr fünf öffentliche Concerte, in deren Direction\nsich in voriger Season die Herren Eisfeld und Bergmann\ntheilten. Aus den Programmen der vorjährigen Concerte\nkönnen Sie ungefähr die Richtung ersehen, welche unser\nerstes musicalisches Institut einschlagen muss. Denn da die\nAmericaner einmal glauben, dass sie vor allen anderen\nNationen den Fortschritt vertreten, so müssen wir ihnen\nauch die Producte der neuesten deutschen Schule zu kosten\ngeben, denn nur unter der Aegide des Zauberwortes\n„Neu\" können wir das gute Alte aufs Programm bringen.\nSie finden daher Berlioz mit seinem römischen Carneval,\nR. Wagner mit der Ouvertüre zu Rienzi, F. Liszt mit\nseinen Preludesund seinem Orpheus, Brahms mit seiner\nSerenade Op. 16 neben Beethoven's C-moS-Sinfonie,\nFidelio-Ouverture, Violin-Concert (E. Mollenhauer), Cla-\nvier-Concert in C(Ernst Hartmann), Mozart's Sinfonie\nin D,Clavier-Concert in D(Rieh. Hoffmann), F. Schu-\nberts C-cfer-Sinfonie, Chopin's Concert und A.\nHenselt's Concert-Variationen Op. 1 (Mr. S. B. Mills),\nC. M. von Weber's, Marschner's und Mendels-\nsohn's Ouvertüren und R. Schumann s Sinfonie in\nmoll Nr. IV.\nDie Gesellschaft (Präsident H. C. Timm, Vice-Präsi-\ndent Theodor Eisfeld) zählte am Schlüsse der vorigen Sea-\nson an activen und nicht activen Mitgliedern 1126 und\n18 Ehren-Mitglieder, unter denen Vieuxtemps, Ole Bull,\nJenny Lind, Sivori, Karl Eckert, Thalberg u. s. w. Die\nEinnahme betrug 6710 Doli., die Ausgabe 6223 Doli.,\nUeberschuss 487 Doli. Ausserdem ist ein Tilgungs-Fonds\nvon 1009 Doli, vorhanden. Unter den Ausgaben erschei-\nnen 3878 Doli, für das Orchester, 800 Doli, für Miethe\ndes Saales Irving Hall, für Solisten 188 Doli., für Anzei-\ngen 368 Doli. (!)\nDer Jahresbeitrag beträgt für die activen Orchester-\nMitglieder, welche nur nach Prüfung ihrer Leistungen\nund eben so wie alle anderen durch Ballotage aufgenom-\nmen werden, 3 Doli, neben einem Eintrittsgelde von 10\nDoli. Trotzdem drängen sich die geschicktesten Musiker\nzu der Ehre der Mitgliedschaft und zu dem Vortheil der-\nselben; denn nach Abzug der laufenden Ausgaben wird\nder ganze Rest der Einnahme unter sie als „Divi-\ndende\" vertheilt. Musiker, die nicht im Orchester mit-\nwirken, zahlen 3 Doli, jährlich; die übrigen Gesellschafts-\nMitglieder 5 Doli., wofür sie Proben und Concerten bei-\nwohnen und das Recht haben, für jedes Concert 2 Extra-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.5", "texte": "Billets, jedes zu 1 Doli., zu erhalten. Eine besondere Classe\nbilden noch die Subscribing Membres, welche für einen\nBeitrag von 10 Doli, für jedes Concert 3 Billels erhalten.\nFerner steht dem Vorstande gesetzlich eine bestimmte An-\nzahl von Billets zur Verfügung, um sie aus „courtesy\"\nan Personen zu vertheilen, „welche Aufmerksamkeit ver-\ndienen\".\nIch iheile Ihnen diese Einrichtungen mit, weil sie\ncharakteristisch für den Geist und die Sitte des Landes\nsind. Namentlich ist die Aufnahme der Orchester-Musiker\nals Gesellschafts-Mitglieder eine echt republicanische An-\nordnung.\nDas erste Concert der Broo brachte\nunter Eisfeld's Direction R. Schumann's Sinfonie Nr. 1\nin B-dur,Cherubini's Medea- und Weber's Oberon-\nOuverture und Solostücke für Gesang und Pianoforte\n(Herr Goltschalk).\nDer German Liederlcranz hat vier Concerte in Irving\nHall angekündigt (Subscriptions-Preis 2 Doli.), in denen\nunter Leitung des Herrn A. Paur, Dirigenten des Vereins,\nsowohl verdienstvolle Gesangwerke neuerer Componisten\nals classische Compositionen alter Meister mit vollem Chor\nund Orchester aufgeführt werden sollen. Das Programm\ndes ersten Concertes am 18. v. Mts. brachte die Ouver-\ntüre „Michel Angelo\" von Gade: „Gesang der Geister\nüber dem Wasser\" von F. Hiller; von F.\nSchubert (Madame Rotter); Hymne an die Musik (Män-\nnerchor) von V. Lachner; Violin-Concert von Mendels-\nsohn (Herr Bruno Wollenhaupt). Zweiter Theil: Finale\naus „Lorelei\" von Mendelssohn (Solo Mad. Rotter),\nPhantasie für die Violine von Vieuxtemps; Sturmes-\nmythe von F. Lachner (Männerchor mit Orchester);\nOuvertüre „Reiselust\" von Lobe.\nFür die drei anderen Concerte sind Gade's Comala,\nSchumann's Manfred und Mignon's Lotti's\neifixus, ein Chor von Palestrina, das Gbria aus Beetho-\nven's grosser Messe in D und das Credo aus Liszt's\nGraner Messe in Aussicht gestellt. Auch dieses Programm,\ndas der Subscriptions-Liste beigedruckt ist, bekundet meine\nobige Bemerkung. Die musicalische Fortschritts-Partei in\nDeutschland wird mit New-York zufrieden sein!\nEine deutsche Oper bei deren Personal Sie alte\nBekannte vom Rheine finden würden, zunächst den Direc-\ntor Karl Anschütz aus Coblenz, dann Madame J ohann-\nsen (Primadonna), neben ihr Frau Rotter, die Sänger\nLotti, Quint, Weinlig, Hartmann, Graff u. A.\nmacht sehr gute Geschäfte. Die Gesellschaft tritt vor\nkeiner Schwierigkeit zurück, und wenn auch vollkommene\nKunstleistungen hier nicht zu erwarten und wie neulich\nJemand sagte—auch nicht nöthig sind, so zieht doch die\ndeutsche Musik und das gute Ensemble die Menge von\nLandsleuten, die in New-York wohnen oder es auf Wo-\nchen und Tage besuchen, fortwährend an. Wir sahen un-\nter Anderem Mozart's Entführung und Zauberflöte, Fide-\nlio, Martha, Stradella, Czaar und Zimmermann, Johann\nvon Paris, Postillon von Lonjumeau, Wildschütz u. s. w.\nEine itaiiänische Oper unter dem Impresario\nGran ist seit Mitte November in Thätigkeit. Erste Sänge-\nrinnen sind Signora Guerrabella (frühere Miss Ward) und\nSignora Lorini (frühere Miss Whiting), beide new-yorker\nKinder; Tenor Brignoli, Bariton Amedio, Basso Susini\nu. s. w. Als Neuigkeit brachten sie Meyerbeer's „Dinorah\",\ndie ziemlichen Erfolg hatte.\nEndlich wird auch noch eine englische Oper den\nVersuch erneuern, sich Geltung zu verschaffen: sie mag\nals „americanische\" bei dem durch die kriegerische Stim-\nmung gehobenen Patriotismus vielleicht eine Zeit lang\nGlück machen. Sie zählt die Sängerin Miss Kellog, den\nneu entdeckten new-yorker Tenor Castle, welcher in der\nThat eine sehr schöne Stimme hat, u. s. w. zu Mitgliedern.\nSie sehen aus diesem flüchtigen Berichte, dass das\nalte Wort: Inter arma silent artes, hier zu Lande bis jetzt\nwenigstens noch nicht gilt. Die grosse Entfernung des\nKriegstheaters von hier trägt freilich dazu bei. Sollten uns\ndie Südländer einmal näher auf den Hals rücken, so dürf-\nten auch die Kehlen und Saiten verstummen.\n\nSt.\n\nAus Aachen.\n\nDen 20. December 1862.\nUm am Schlüsse des Jahres keinen Rückstand in mei-\nnen Berichten zu lassen, will ich, wenn auch nur mit\ntlüchtiger Feder, die bisherigen Faits accomplis der dies-\njährigen musicalischen Saison in Ihrem urkundlichen Co-\ndex der niederrheinischen Musikstädte verzeichnen.\nUnsere Winter-Concerte unter der Leitung des Musik-\nDirectors Herrn Wüllner begannen am 23. October im\nSaale Bernaerts vor einer Zuhörerschaft, die von Jahr zu\nJahr zunimmt. Das erste Concert wurde mit Schumann's\nSinfonie in D-molleröffnet und schloss mit Beethoven's\ngrosser Leonoren-Ouverture Nr. 3 zwei Prachtstücken\nder Instrumental-Musik, denen eine vollkommen gelungene\nAufführung zu Theil wurde. Die Wahl der Chorgesang-\nstücke mochte sich wohl nach dem hier gewöhnlichen\nnicht sehr eifrigen Andränge der Sänger zu dem ersten\nConcerte gerichtet haben und beschränkte sich auf Gade's\nhübsches Idyll „Frühlings-Botschaft\" und die Cantate von\nBach: „Liebster Gott, wann werd' ich sterben\", in wel-\ncher der berühmte Stockhausen, dieser echte Meister"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.6", "texte": "des Gesanges, das Publicum durch den ergreifenden Vor-\ntrag der Arie: „Doch weichet, ihr Tollen\", entzückte.\nAusserdem gab er uns durch den Vortrag der Seneschall-\nArie von Boieldieu und zweier Lieder von F. Schubert\nden Beweis, dass er alle Gattungen mit gleicher Vollkom-\nmenheit der Charakteristik und des Ausdrucks beherrscht.\nHerr Fleischhauer gab uns durch den Vortrag eines\nreizenden Violin-Concertes von Mozart eine neue Probe\nseines Talentes, welches vorzügliche Technik mit Ausdruck\nvereinigt.\nDas zweite Concert glänzte durch Einheit des Pro-\ngramms, indem es HändeTs „Athalia\" brachte, eines\nder ersten Oratorien des Meisters, in welchem aber schon\nalle Zeichen seines erhabenen Genies leuchten. Es ist reich\nan Contrasten, und diese bieten sowohl dem Meister Gele-\ngenheit, davon nach seiner genialen Weise Vortheil zu\nziehen, als sie auch das Publicum bei reger Theilnahme\nerhalten. Die Chöre, deren Ausführung nicht so schwierig\nist, wie bei andern Händel'schen,sind reich an Charakteristi-\nschem, und man weiss nicht, welchen man den Vorzug\ngeben soll, den sanften, melodischen und salbungsvollen\nder Jungfrauen, der Leviten und Israeliten, oder den stren-\ngen und kräftigen der Begleiter der Königin und der Baals-\npriester. Unser Concertchor war dabei in seinem wahren\nElemente und bewährte seinen alten Ruf. Die grosse Zahl\nder Solo-Partieen es sind deren sechs ist vielleicht\ndaran Schuld, dass keine derselben eine hervorragende ist.\nSie waren in sehr guten Händen, und es genügt, wenn\nich Ihnen nur Namen nenne wie Fräulein Schreck, diese\nausgezeichnete, bei jeder Aufführung Händel'scher Ora-\ntorien unentbehrlich gewordene Sängerin; wie Frau\nNeuss-Deutz, eine der schönsten Zierden unserer Con-\ncerte, deren grosse Gefälligkeit ihrem schönen Talente\ngleichkommt und deren reine, sympathische Stimme ganz\nfür die Partie der sanften Josabelh geeignet war; dazu\nFrau Wickop, welche die Titelrolle mit Geschick durch-\nführte, Fräulein Wenigmann, Schwester unserer treff-\nlichen Quartettisten, die sich als Joas durch einfachen, be-\nscheidenen Vortrag allgemeinen Beifall erwarb, und die\nSänger Herren Ackens und Göbbels. Die ergänzende\nInstrumentirung des Herrn Grimm,, Musik-Directors in\nMünster, hat unsere Achtung für die musicalische Tüch-\ntigkeit, die dieser Künstler auf dem Gebiete classischer\nMusik bereits gezeigt hat, noch höher gesteigert.\nAuf dem Programm des dritten Concertes ragten\nBeethoven's Sinfonie in VIII., jenes für die Em-\npfänglichkeit des grossen Publicums zu geistreiche, zu spe-\ncifische, zu poetische, aber von allen Kennern um so mehr\ngeschätzte Werk, und Weber's hinreissende Oberon-\nOuverture hervor. Dann hörten wir auch die Ouvertüre\nzu Medea von Bargiel, welche der Componist selbst diri-\ngirte. Sie fand eine ausserordentlich warme Aufnahme und\nhatte einen Erfolg, den sie in vollem Maasse verdient. Sie\nzeichnet sich besonders durch Klarheit aus, eine Haupt-\nEigenschaft jedes wahren Kunstwerkes, die Conception ist\noriginel, ein gelungenes Gemälde des furchtbaren Drama's\nund seines tragischen Pathos; die Motive sind melodisch,\nklar und gut verarbeitet, die Instrumentirung zeigt eine\ngründliche Kenntniss des Orchesters, das Ganze hat Ein-\nheit und Steigerung. Eine Serenade von Schubert für\nFrauenstimmen, ein schönes Motett von Haydn, von\nHiller instrumentirt, und drei Psalmen von Marcello\nbildeten die Aufgabe für den Chor, der indess in den\nPsalmen nicht ein so festes und sicheres Ensemble zeigte,\nwie in den anderen Stücken.\nEin ausgezeichneter Pianist, Herr Robert Pflug-\nhaupt, liess sich an demselben Abende hören. Das Spiel\ndieses Virtuosen ragt hervor durch Reinlichkeit, Eleganz\nund vollendete Technik; mit einer bewundernswerlhen\nEgalität der gebundenen Tonleitern und einem schönen\nStaccato verbindet er den schätzbarsten Vorzug für jeden\nInstrumentalisten: Ton und Ausdruck durch feine Schatti-\nrung; Beides hat bei ihm die höchste Stufe der Vollkom-\nmenheit erreicht, wie eS sich besonders im Adagio des\nD-moll-Concertes von Mendelssohn und im Notturno Op.\n10 Nr. 1 von Chopin zeigte. Aber auch in den complicir-\ntesten Allegro-Passagen beeinträchtigt die Schwierigkeit\nnicht im Geringsten die Correctheit, Deutlichkeit und den\nAusdruck. Er spielte ferner noch Variationen von eigener\nComposition, ein Werk, welches wohl zu sehr die Bekun-\ndung musicalischen Wissens anstrebt, um unmittelbaren\nEindruck zu machen, und eine Phantasie von Liszt über\nMotive aus dem Trovatore. Uebrigens ist Herrn Pflug-\nhaupt's Bescheidenheit eben so lobenswerth, wie sein\nTalent.\nUnsere Liedertafel feierte am 22. November ihren\nachtundzwanzigjährigen Stiftungstag im Saale Bernaerts.\nIn der zahlreichen Gesellschaft herrschte die ungezwun-\ngenste Gemüthlichkeit und frohe Laune, erhöht durch eine\nsehr gelungene Aufführung der köstlichen Operette „Da 9\nIncognito\" von Ihrem talentvollen Mitbürger Herrn Kip-\nper; dem bescheidenen Componisten wurde wie seinem\nWerke eine warme, herzliche Aufnahme zu Theil. Am\nfolgenden Abende gab der Männer-Gesangverein „Con-\ncordia\", der nahe daran ist, sein fünfundzwanzigjähriges\nBestehen zu feiern, eine schöne Soiree zu Ehren der hei-\nligen Cäcilia, welche diesen Verein unter ihren besonderen\nSchutz genommen zu haben scheint. Die Vocal-Partie be-\nstand aus einer guten Auswahl von Chorgesängen, darun-\nter ein hübsches Ständchen von Herrn Ackens, dem Di-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.7", "texte": "rigenten des Vereins. Fräulein Schulze, auf deren Talent\nich Sie schon früher aufmerksam gemacht habe, gab eine\nneue Probe desselben durch das Andante Op. 32 von\nThalberg, Impromptu Op. 90 Nr. 2 von F. Schubert und\nBeethoven's Trio Op. 11, dessen Vortrag (mit den Herren\nSchadler und-J. Wenigmann) ihre Befähigung zur richti-\ngen Auffassung auch der classischen Musik bewies. Die\nConcordia sprach ihren Dank durch eine Serenade aus,\nwelche sie der Künstlerin brachte.\nUeber die Kammermusik-Soireen und den Instrumen-\ntal-Verein nächstens. In letzterem hörten wir neulich eine\nOuvertüre von W. Wenigmann, ein recht verdienstliches\nWerk, das ein glückliches Talent verrieth.—Die Gebrüder\nMüller aus Meiningen spielten am 16. d. Mts. im Cur-\nhaussaale und bewährten auch hier ihren glänzenden Ruf.\n\nN.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nVon Fdl. David's Oper „Lalla Boolchu ist im Verlage von B.\nSchottes Söhnen in Mainz der vollständige Ciavier-Auszug mit deut-\nschem und französischem Texte und vorgedrucktem Libretto in der\nUebersetzung von E. Pasqud erschienen, worauf wir mit dem Bemer-\nken aufmerksam machen, dass sämmtliche Gesangsnummern der Oper,\nvierzehn an der Zahl, so wie die Ouvertüre dieser Oper, auch ein-\nzeln zu haben sind.\nDie Allg. Zeitung vom 11. December schreibt aus Frankfurt\nam Main, 8. December: „In der vorgestern abgehaltenen General-\nVersammlung unserer Theater-Actien-Gesellschaft wurde von Seiten\nder Verwaltung mitgetheilt, dass im abgelaufenen Theaterjahre das\nDeficit 7000 Fl. betrage. Hinsichtlich der Kunstleistungen ist das\nInstitut jedoch vollkommen bankerott.\"\nHeidelberg, 9. December. Vorigen Donnerstag Abend fand\ndas dritte Concert des hiesigen Musikvereins im grossen Saale des\nMuseums Statt. Es wurde der Anfang gemacht mit Beethoven's\nEgmont-Ouverture und mit der C-dwr-Sinfonie von Mozart geschlos-\nsen. Die Ausführung dieser herrlichen Tonschöpfungen unter der\nhöchst tüchtigen Leitung des Herrn Musik-Directors Bocli war eine\nrecht gute. An demselben Abende trat ein Künstler auf, den wir als\neine sehr beachtungswerthe musicalische Erscheinung bezeichnen\nmüssen. Der Pianist Theodor Beggrow aus St. Petersburg, der\nseine Studien unter Moscheies im Conservatorium zu Leipzig gemacht\nund sich kürzlich mit seiner Gattin, geborenen Fräulein Wolf,\neiner rühmlichst bekannten Sängerin und vielseitig gebildeten Künst-\nlerin, hier niedergelassen, gehört zu denjenigen Künstlern, welche\ndie Kunst um der Kunst und nicht um ihres Ich's willen lieben.\nMan hört und sieht es ihm an, dass er nichts will, als dem, was er\nvorträgt, volle Geltung verschaffen; er dringt in den Geist der Com-\nposition ein, er lebt in ihr und hält es für das höchste Ziel, die\nmusicalischen Gestalten eben so rein vorzuführen, wie sie vor ihn\nhingetreten sind, und jeden Zug, der das klare Bild verletzen könnte,\nzu entfernen. Und er ist dieser Aufgabe vollkommen gewachsen durch\ndie volle Meisterschaft über das Instrument und durch eine unge-\nmeine Ruhe und Klarheit im Vortrage. Aber weil der wahre Künst-\nler die objective Darstellung als seinen höchsten Zweck erkennt und\nseine ganze Individualität gewisser Maassen zurücktreten lässt, so\nverliert dadurch zuweilen die Innigkeit und Wärme, die Seele des\nTones, ein wenig an ihrer Intensität, worauf wir auch Herrn Beg-\ngrow freundlich aufmerksam machen wollen. Er trug das C-moll-\nConcert von Beethoven so einfach, so reizend und elegant, nament-\nlich den letzten Satz zugleich so anmuthig vor, dass wir den feinen\nSinn und das tiefe Verständniss, so wie die reichen Mittel, worüber\ner zu verfügen weiss, nur bewundern konnten. Da war keine unnö-\ntige Verzierung, keine Effecthascherei, kein ungewöhnlich schnelles\nTempo, nichts von allem dem, was uns bei so manchen Virtuosen\noft mit Widerwillen erfüllte. Das Publicum folgte dem Vortrage mit\ngespannter Theilnahme, die am Schiasse in stürmischen Beifall aus-\nbrach. Hiernach hörten wir noch von ihm ein Scherzo von Chopin,\nwobei wir wiederum manchen feinen und zarten Zug seines Spiel»\nbemerkten, so dass wir mit Freude sagen können, dass Theodor\nBeggrow zu den edelsten Jüngern der wahren Kunst gehört.\nv. A.\nBei J. J. Weber in Leipzig ist ein Werk von Ernst Pas quo\nüber Goethe's Theaterleitung unter der Presse.\nFranz Lachner hat eine zweite Suite für Orchester compo-\nnirt, welche am 24. November in München in einem der abonnir-\nten Concerte der musicalischen Akademie zur Aufführung kam und\nseinem ersten Werke dieser Gattung an geistvoller Erfindung und\nkunstreicher Ausarbeitung nicht nachstehen soll.\nDer Violin-Virtuose Sivori concertirt so eben mit ausserordent-\nlichem Erfolge in München. General-Intendant v. Dingelstedt hat\nihm eine Einladung zugehen lassen, am 1. Januar bei einem Huf-\nConcerte in Weimar mitzuwirken.\nWiesii Das erste Concert der Herren Ja eil und Laub fand\nam 21. d. Mts. im Musikvereins-Saale unter Mitwirkung des Herrn\nWachtel Statt. Das Programm enthielt unter Anderem so bedeu-\ntende Kunstwerke wie Schumann's Ciavier- und Beethoven's Violin-\nConcert.\nDie Aufnahme-Prüfungen für die Zöglinge der k. k. Opernschule\nbeginnen Anfangs Januar. Es haben sich über fünfzig Aspiranten\ndes weiblichen Geschlechts und eine fast gleiche Anzahl Herren\ngemeldet.\nDer wiener Gemeinderath hat in seiner letzten Sitzung den Be-\nschluss gefasst, dem zu errichtenden Uhland-Denkmale einen Beitrag\nvon 500 Gulden aus Communalmitteln zu widmen.\nFräulein Art6t setzt bei zahlreichem Besuche ihr Gastspiel am\nTreumann-Theater fort. Vorgestern sang sie bloss die in den Opern\n„Der Barbier\" und „Die Regimentstochter\" angebrachten Einlagen.\nDie Pausen wurden mit den Lustspielen „Der Enkel\" und „Wo\nbringt man seine Abende zu\" ausgefüllt. Für Montag ist Bellim'*\n„Nachtwandlerin\" in folgender Besetzung zur Aufführung angesetzt:\nAmine: Fräulein Artöt; Elvin: Herr Nachbauer, Tenorist aus Prag;\nCarlo: Herr Robinson, und Lise: Fräulein Schwöder.\nAls eine Seltenheit verdient erwähnt zu werden, dass die Hof-\nOpernsängerin Fräulein Bettelheim in Wien in der letzten Kam-\nmermusik-Sitzung der Herren Helmesberger und Genossen als vor-\ntreffliche Clavierspielerin mit C-moll-Tvio auftrat. 16\nderselben Sitzung wurde ein neues Quintett für Streich-Instru-\nmente von Karl Goldmark gemacht, das Beifall fand, aber doch\nvon Kennern dem früher gehörten Quartett desselben Componisten\nnicht gleichgestellt wurde. Den Schluss machte Schumann's F-dur-\nQuartett.\nBern* Im zweiten Abonnements-Concerte unter der Direction\ndes Herrn Musik-Directors Franck kamen Beethoven's Pastoral-\nSinfonie und Weber's Oberon-Ouvertüre zur Aufführung, und Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18621227-01.1.8", "texte": "Franck erfreute uns durch den trefflichen Vortrag eines Clavier-Con-\ncertes eigener Composition. f~ Im ersten Concerte ärntete Fräulein\nBochkolz-Falconi durch ihre bekannte Virtuosität im Vortrage\nvon Meyerbeer's Walzer-Arie aus dem Pardon de Ploermel und\neiner Arie von Rossini .stürmischen Applaus ein, Herr Brassin}\nder Violinist, spielte ei» Violin-Sölo mit vielem Beifall.\nAm 20. d. Mts. wurde die Stumme von Portici in Neapel\nzum ersten Male unter-grossem Jubel gegeben.\nBrüssel. Am 5. December kam Gounod's Oper „Die Königin\nvon Saba\" zum ersten Male im Thöätre de la Monnaie zur Auf-\nführung, und zwar vor einem gefüllten Hause und mit grossem Er-\nfolge. Fast jeder Nummer folgte lebhafter Beifall, und der kleine\nFrauenchor am Anfange des dritten Actes musste wiederholt werden.\nAuch das Ballet, so wie die Inscenirung überhaupt war vortrefflich\nund fand laute Anerkennung* Am Schlüsse der Vorstellung wurde\nder anwesende Componist gerufen und mit enthusiastischem Zurufe\nbegrüsst, so dass er hier in Brüssel glänzend entschädigt wurde für\ndie kalte Aufnahme, die sein Werk in Paris gefunden hat.\nParis. Zum Director der Op6ra comique ist Herr Adolphe\nde Leuven ernannt, da Herr Perrin, wie wir schon angezeigt ha-\nben (Nr. 51), die Direction der grossen Oper erhalten hat. Als Di-\nrecteur de la sehne ist ihm Herr Ritt, bisher Verwalter des Thea-\nters Ambigu comique, an die Seite gesetzt.\nAm 16. December fand in der Optra comique die tausendste\nVorstellung von Boieldieu's Dame blanche Statt, welcher der\nerste Act von Jean de Paris vorausging. Die Büste des Meisters\nwurde von dem Sänger-Personale bekränzt und ein Festgedicht von\nMery wurde vorgetragen. Das Haus war übervoll; der Kaiser und\ndie Kaiserin waren zugegen. Die Einnahme betrug an 7000 Fr. Herr\nBoieldieu Sohn hat die Tantieme dieser Vorstellung den brodlosen\nFabrikarbeitern in Rouen, der Geburtsstadt seines Vaters, überwie-\nsen. (Hört! hört! Den Einnahme-Antheil jeder Vorstellung rund nur\nzu 400 Fr. gerechnet, macht 400,000 Fr. Aufführungs-Honorar an\nBoieldieu und seine Familie bloss aus Paris, ohne die unzähli-\ngen Aufführungen in der Provinz zu rechnen! Wie viel haben Don\nJuan, Die Zauberflöte, Der Freischütz ihren Schöpfern eingebracht??\nUnd ist es etwa jetzt in Deutschland besser? Wir haben kaum ein\nhalbes Dutzend Bühnen, welche Tantiemen geben!)\nVieuxtemps hat in dem letzten Concert populaire (den 21.\nDecember) Beethoven's Violin-Concert gespielt! In Paris! und\nvor einem Publicum von 30U0 Menschen! Wer hätte sich das noch\nvor zolin Jahren träumen lassen ! Im vorhergehenden Concerte hatte\ner seine Ballade-Polonaise mit ungeheurem Beifalle gespielt und\nwar drei Mal gerufen worden.\nDenkmal ffftr Franz Schubert.\nDer Männer-Gesangverein von Wien hat am 6. Juni d. J, be-\nschlossen, das Andenken des grossen Tonmeisters Franz Schu-\nbert durch Errichtung eines würdigen Monumentes in dessen Vater-\nstadt Wien zu verewigen, und zu diesem Zwecke einen Fonds ge-\ngründet, welchem er zugleich einen Beitrag von 500 Fl. in fünf-\nprocentigen Obligationen aus seiner Casse als ersten Gründungs-\nBeitrag widmete. Musste sich der Verein speciel mit Rücksicht auf\ndie Neugestaltung und die Bauverhältnisse Wiens die Bestimmungen\nüber die Gestaltung und Ausführung des Monumentes für eine spä-\ntere Zeit vorbehalten, so wird doch zur Bildung des Fonds, nebst\nden Erträgnissen seiner eigenen selbstständigen Unternehmungen,\njeder Beitrag von musicalischen Corporationen und Gesinnungsgenos-\nsen, so wie jede Betheiligung, welche des Zweckes würdig ist, will-\nkommen sein. Mit der Verwaltung des Fonds wurde die Vereins-\nLeitung betraut und der Vereins-Cassirer mit der Verbuchung und\nöffentlichen Rechnungslegung beauftragt.\nIn Folge unseres ersten Gründungs-Beitrages und der Widmung\neines Betrages von 4235 Fl. österr. W. als Reinerträgniss eines vom\nGesangvereine „Biedersinn\" unter Mitwirkung der meisten nieder-\nösterreichischen Gesangvereine zum Besten des Schubert-Fonds ver-\nanstalteten Sängerfestes besteht dieser bereits aus G5OO Fl. in Obli-\ngationen und einem kleinen Baarbetrage.\nGestützt auf diese Thatsachen, laden wir hiermit alle geehrten\nGesangvereine und musicalischen Corporationen freundlichst ein, in\nirgend einer Weise nach Möglichkeit sich an dem Werke zu be-\ntheiligen.\nFür die Vereinsleitung:\nF. Schierer, Vorstand. Dr. Billing, Schriftführer."}]}