{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_sha256": "9a4b946eb3aad5fa6c98c062a9109e8a1b2c20f0861b47e20e1ec8b39dc89df7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/01/17_01/bmtnabi_1863-01-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 357, "texte": "Inhalt.\nRückblick, 11. Die schönsten deutschen Volkslieder mit ihren eigentümlichen Singweisen. Gesammelt und heraus-\ngegeben von Georg Scherer. Spanische Volks-Singschule. Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Benachrichtigung\nyon der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Tages- und Unterhaltungsblatt (München, Auftreten von Herrn Sivori)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-17_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "20", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.2.2", "titre_corps": "Rückblick.", "titre_sommaire": "Rückblick.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.1", "debut_caractere": 359, "fin_caractere_exclue": 4078, "texte": "Rückblick.\nII.\n(I. s. Nr. 2.)\nAus dem Gesagten geht, wie es uns scheint, schon\nzur Genüge hervor, dass wir die Mittelmässigkeit in\nder Production durchaus nicht dem Dilettantismus in der\nTonkunst in die Schuhe schieben, sondern der überhand\nnehmenden Menge von Musikern, die sich ohne höheren\nBeruf in den Tempel der Kunst drängen. Der Dilettantis-\nmus zählt im Gegentheil heutzutage Männer und Frauen\nvon hoher Bildung, literarischen Studien und durch Lec-\nture geläutertem Geschmack, auch durch aufmerksames\nHören guter Musik und ernste Beschäftigung mit der mu-\nsicalischen Theorie berechtigtem und gereiftem Urtheil.\nSolche ragen nicht nur wie einzelne schlanke Stämme aus\ndem wuchernden Unterholz der klimpernden und pimpern-\nden Menge hervor, sondern sie sind überall im gebildeten\nEuropa, namentlich aber in Deutschland, in grosser Zahl\nvorhanden, und wenn aufrichtig gestanden die musi-\ncalischen Zeitschriften und die gesammte Literatur über\nMusik diese Kreise von Dilettanten nicht zu Lesern hätten,\nso würden sie ein sehr kleines Publicum haben.\nDenn es ist kaum glaublich, was uns so oft von nah\nund fern berichtet wird, wie wenig und welche Blätter\neine Menge von Musikern lesen, und wie sie lesen, wenn\nsie es überhaupt thun. Einer von unseren eifrigsten und\ngeschätztesten Mitarbeitern schreibt desshalb an uns nie-\nmals anders, als mit der Anrede: „Geehrter Danaiden-\nChef!\" denn er hält alle Bemühungen und Aufsätze,\ndie für Musiker von Fach bestimmt sind, für Danaiden-\nArbeit. „Die Componisten\", meint er, „blättern, wie die Vir-\ntuosen, nach ihrem Namen: jene, um der Recensionen\nihrer Tages-Producte willen, die doch kein Mensch liest,\nas sie selbst; diese wegen der Reclame ihrer unübertreff-\nlichen Technik, wobei sie so sehr an „ „Elektrisiren, Ent-\nzücken, Bezaubern, Enthusiasmiren, Fanatismen\"\" u. s. w.\ngewöhnt sind, dass sie ein eingehendes Urtheil, selbst das\nanerkennende, als nüchtern und kalt bei Seite legen. Un-\ntersteht sich ein Blatt gar, einem Sänger oder Instrumen-\ntalkünstler einen Verweis über seine Unarten, oder auch\nnur einen guten Rath zu geben, so wirft er es gewiss un-\nter den Tisch und tritt es mit Füssen (historisch!), sei die\nkritische Rüge auch noch so gut begründet, während er\nandererseits auch über die unverschämteste und liederlichst\ngeschriebene Lobhudelei nicht erröthet, sondern sie in\nsein dickes Album legt, um sie bei fortgesetztem Handel\nin Bravour seinen Kunden zu präsenliren. Aber die Inten-\ndanten, die Capellmeister, die Dirigenten: die beachten\ndoch gewiss die Kunstblätter ihres Faches! Meinen Sie?\nDa thun Sie mir leid in Ihrem naiven Glauben. Erhaben\nüber Welt und Zeit und folglich auch über Zeitschrif-\nten, mit Ausnahme der Theater-Chroniken—, sind sie zu\nsehr daran gewöhnt, Ton und Tempo anzugeben, um\nnicht jeden Zweifel an ihrer Unfehlbarkeit für ein Maje-\nstäts-Verbrechen zu halten, sind übrigens in der Regel\nauch zu sehr beschäftigt, um sich Zeit zum Lesen zu neh-\nmen. Haben Sie mir doch selbst erzählt, dass Sie die Er-\nfahrung gemacht haben, von Capellmeistern, welche die\nNiederrheinische Musik-Zeitung lesen—durch die Post be-\nziehen, wollt' ich sagen, Anfragen über Inhalt und Werth\nvon Opern erhalten zu haben, über die, und nicht einmal\nvor langer Zeit, Ihre Zeitung bereits ausführliche Analy-\nsen gebracht hatte!\"— Doch hören wir mit dergleichen\nStimmen eines Predigers in der Wüste auf; man könnte\nuns sonst beschuldigen, dass wir unter fremder Firma eine\nOratio pro domo einschwärzen wollten, während es uns\ndoch nur um ein paar Worte pro studio et labore zu\nthun ist.\nZurück also zu unserem Thema, zur Productionssucht.\nTrotz dem Unsinn, der in der Behauptung einer all-\ngemeinen Befähigung der Menschen zum Genie-Werden"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5332, "texte": "in die Augen springt, liegt dennoch ein Bisschen Wahr-\nheit in dem Ausspruche; allein das Wahre darin gereicht\nder Kunst nicht zum Heile, sondern zum Verderben. Es\nlässt sich nämlich nicht läugnen, dass ein gewisser Grad\nvon Kunst-Talent beinahe Gemeingut geworden ist. Wir\nmeinen das Talent der musicalischen Technik, diese im\nweitesten Sinne genommen, so dass sie die Einsicht in die\nForm und Factur zugleich mit der Ausübung umfasst. Die\nerlernte Bekanntschaft mit den Elementen der Harmonie-\nlehre und mit den gewöhnlichen Formen, selbst eine\nHandhabung der letzteren, welche auch bei mangelnder\nAnlage zu künstlerischem Berufe durch Fleiss und Uebung\nbis auf einen gewissen Grad erlangt werden kann, ver-\nführt zum Componiren, und an die Stelle des Dranges,\ndes unwillkürlichen inneren Zwanges zum künstlerischen\nSchaffen tritt der willkürliche Vorsatz, tritt das Wollen\nanstatt des Müssens. Die glühende Flamme der Begei-\nsterung soll ein Funke ersetzen, der nach mühsamen\nVersuchen aus dem Steine geschlagen wird; in Ermange-\nlung des lebendigen Quells wird ein künstlicher Brunnen\ngebohrt, der nach einigen Zügen versiegt; statt des ewi-\ngen Dranges des Genies, der nicht ruht und rastet, bis\ner ein Kunstgebilde gestaltet hat, treibt die oberflächliche\nBekanntschaft mit dem Handwerk, die Eitelkeit und Selbst-\nüberschätzung, am Ende der Erwerb und die Noth zum\nComponiren. Hier könnte man dem Einwurf: „Wir müs-\nsen doch leben!\" wahrlich mit Recht Richelieu's eiskalte\nPhrase: »Je wen vois pas la necessite\" —entgegen halten.\nDaher denn die Ueberschwemmung des Marktes mit\nmittelmässiger Waare, von der entschieden schlechten und\nfaulen zu schweigen, welche bei der ernsten Kritik natür-\nlich gar nicht in Betracht kommen kann. Jene Erzeugnisse\nder Mittelmässigkeit haben sehr häufig einen gewissen\nmusicalischen Inhalt, das lässt sich nicht läugnen: allein\nsieht man ihnen recht genau ins Gesicht, so entdeckt man,\noft auch schon beim ersten Anblick, die Grundzüge einer\nüber die ganze Erde verbreiteten Familien-Aebnlichkeit,\nderen Physiognomieen nur nach den verschiedenen Wir-\nkungen der Wahlverwandtschaften bei der Zeugung auch\nverschieden ausgeprägt erscheinen. Im Grunde ist Alles\nnur Reproduction, ist Frucht der zum Theil bewussten,\nöfter vielleicht unbewussten Anempfindung und Ausbeu-\ntung der Ursprünglichkeit früherer Meister oder ganzer\nKunst-Perioden. Bekannte Melodieen oder Stücke dersel-\nben anders harmonisirt, in anderen Rhythmus gebracht,\n—und wie sehr kann dieser allein nicht schon eine und die-\nselbe Tonfolge verstellen und unkenntlich machen, (wie\nz. B. jüngst in einer Gesellschaft von Musikern Keiner in\nder aus dem Stegreif aufgezeichneten Melodie eines Schalks\ndie Note für Note benutzte Periode aus dem Freischütz-\nFinale:\nu. s. w. wie-\nder erkannte!) dann in der Verkleidung anderer Modu-\nlationen weiter ausgeführt, ferner umschlungen von den\nbunten Blumengewinden der modernen Verzierungskunst,\nendlich überstreut mit den Füttern und dem Schmelz der\nvollendeten Technik—: sie machen sich geltend, sie blen-\nden und sind am Ende doch nur die alten Gestalten in\nanderer Tracht und anderer Frisur. Daher denn eine\nzahllose Menge von Tonsetzern, aber nur wenig Ton-\ndichter in unserem Zeitalter, wo man Alles in der Welt\nwerden kann nur kein Genie: id quod erat demon-\nstrandum.\nVon diesem Treiben wandten sich höher begabte Gei-\nster mit Unwillen und Entschiedenheit ab, traten ihm theils\ndurch scharfe Kritik, theils durch eigene künstlerische Lei-\nstungen entgegen. Am reinsten und edelsten von Seiten\nder Gesinnung und des sittlichen Ernstes und auch zu ge-\nnialem Schaffen am meisten befähigt verfolgte Schumann\neine neue Richtung; er hatte vor Berlioz, der ein gleiches\nZiel anstrebte, vor allem Anderen die deutsche Tiefe und\nInnigkeit voraus. Allein man kann bei aller Bewunderung\nvon Schumann's Begabung, die sich als ursprünglich schö-\npferisch hauptsächlich im Lyrischen offenbarte, doch nicht\nverkennen, dass ihn der Ekel an dem Gemeinen und die\nScheu vor dem Mittelmässigen und Dagewesenen sowohl\nin der Wahl seiner poetischen Stoffe als in der musicali-\nschen Darstellung derselben zum entgegengesetzten Ex-\ntrem, zum Absonderlichen, führte, dem er späterhin\nimmer mehr verfiel, je eifriger er strebte, die Kluft zwi-\nschen dem Wollen und Können bei rastloser Durchfüh-\nrung grosser Vorwürfe durch Reflexion auszufüllen. Da-\nher theilte er denn mit Beethoven das Schicksal, dass auch\nseine letzten Werke, wie die letzten Tonschöpfungen jenes\nHeros, von dem er ohne Frage eine Ader in sich hatte,\nder neuesten Schule einen Vorwand zu einem Gebahren\ngegeben haben, welches die Tonkunst dem sichtbaren Ver-\nfall entgegenfübrt.\nDas Schlimmste dabei ist, dass auch talentvolle Com-\nponisten dem Hange zum Absonderlichen und Seltsamen\naus Furcht vor dem Gewöhnlichen, dass sie dem Compli-\ncirten und Gesuchten aus Verkennung des Einfachen und\nNatürlichen verfallen, worüber wir in dem Artikel über\ndie allgemeine Biographie der Musiker von Fetis in Nr. 1\ndieses Jahrgangs bereits gesprochen haben. Selbst Manche\nvon den Besten unserer Zeit haben sich zuweilen oder\nauch in einer ganzen Periode ihres Schaffens nicht ganz\nfrei von dem Einflüsse jener Ansichten und Theorieen ge-\nhalten, wofür die Partei des so genannten Fortschritts\nPropaganda machte. Wir können sie mit Recht Partei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5265, "texte": "nennen, da ihre Verfechter selbst ganz offen in der musi-\ncalischen Literatur, wie in der politischen, auf „Partei-\nblätter\" bestehen. Parteiblälter in der Kunst!\nNein, unsere Zeitschrift ist nie ein Parteiblatt gewesen\nund soll auch keines werden. Wir wollen uns die Freiheit\ndes Urtheils bewahren, die Selbstständigkeit, welche über\nden Parteien steht, gäbe es dergleichen, die Treue der\neigenen Ueberzeugung, die Festigkeit im Glauben an das,\nwas wir für wahr, gut und schön erkannt haben. An der\nKraft, die Wahrheit überall zu erkennen, kann es uns\nfreilich fehlen, nicht aber an dem ernsten, unabhängigen\nWillen, für sie zu zeugen.\nDie Propagandisten des unbedingten Fortschritts su-\nchen die Menge gegen uns einzunehmen, indem sie uns\nden Vorwurf machen, dass wir, weil überhaupt gegen\ndas Neue eingenommen, die Gegenwart gar nicht oder\ndoch zu wenig berücksichtigten, und sie sind dann mit\nden Schlagwörtern von Reaction, Zopf, Perrücke u. dgl.\nfreigebig.\nEs ist uns nie eingefallen, das Neue an sich zu ver-\nschmähen, eben so wenig, die Compositionen der Gegen-\nwart und der nächsten Vergangenheit nur aus dem\nGrunde, weil sie neu sind, zu vernachlässigen. Beides wäre\nfür eine Zeitschrift ein Widerspruch im Beiwort. Allein\nwährend wir das Schöne im Neuen überall freudig\nbegrüssen, treten wir der anmaassenden Lehre, dass nur\ndas Neue schön sei, allerdings entgegen, und am ent-\nschiedensten da, wo wir uns überzeugen, dass das Neue\nnicht der Ursprünglichkeit, dem Quell der Begeisterung\nentsprungen, sondern von der Sucht nach dem Absonder-\nlichen und Ungehörten, oder richtiger: Unerhörten, aus-\ngeheckt worden ist. Mit den Schein-Originalen, denen die\nungestalte Formlosigkeit für eine Tochter der Freiheit,\ndie Auswüchse eines krankhaften Stammes für treibende\nSchösslinge, die Zuckungen einer überreizten Phantasie\nfür geniale Anflüge gelten, werden wir uns niemals be-\nfreunden.\nThatsachen und Zahlen entscheiden, sagt ein altes\nWort. Man wird es uns also nicht verargen, wenn wir\ndie Frage aufwerfen, welche musicalische Zeitschrift in\nden letzten zehn Jahren mehr neue grössere Werke\nbesprochen habe, als die unsrige? welche ferner einen\nweiteren Blick in das ganze musicalische Gebiet der Ge-\ngenwart, auch des Auslandes, geöffnet habe?\nVon deutschen Componisten finden wir in den ge-\nnannten Jahrgängen: von Flotow drei Opern (Die Matrosen,\nDie Grossfürstin, Indra); Gade(Comala u.s. w.); Herzog E.\n(Casilda, Santa Chiara); Hiller Oratorien und Cantaten\n(Saul, Ver sacrum1 Lorelei, Heloise, „0 weint um sie\", Ge-\nsänge u.s. w. und die Oper „Die Katakomben\"); Meyerbeer\nProphet (10 Artikel), Nordstern (3 Artikel), Dinorah (3\nArtikel); Schumann (Paradies und Peri, Wilhelm Meister,\nMignon's Requiem, Der Rose Pilgerfahrt, Scenen aus\nFaust, letztere in vier Artikeln); Liszt (Clavier-Compositio-\nnen, An die Künstler, Clavier-Concert, Preludes, Tasso,\nDie Ideale, Prometheus, die Graner Messe); Marschner\n(Austin, Goldschmidt von Ulm); Thalberg (Florinde); C. A.\nMangold (Gudrun, Frithiof); Wagner (Tannhäuser in 13\nArtikeln Analyse des Werkes, Lohengrin in 7 Artikeln,\nFliegende Holländer, Tristan); Dorn (Nibelungen); Rein-\nthaler (Jephta, Oratorium); Ulrich, Esser, Rietz, Eduard\nFranck (Sinfonieen); Kühmstedt (Oratorium); 0. Nicolai\n(Die Heimkehr); ß. Scholz (Oper Carlo Rosa, Requiem);\nAbert (Anna von Landskron); Nagiller (Herzog Friedrich);\nvon Perfall (Dornröschen, Rübezahl, Undine); W. Tschirch\n(Meister Martin); Reinecke, Bargiel, Max Bruch, Dietrich,\nBrambach, Wüllner, Vierling, Veit, Judassohn, Volkmann\nu, s. w. u. s. w.\nDie musicalische Production des Auslandes findet\nin keiner anderen deutschen Zeitschrift eine so conse-\nquente, ausführliche und, wir dürfen es mit Dank an die\nBearbeiter dieser Rubrik aussprechen, interessante Berück-\nsichtigung, als in der unsrigen.\nDie neuen Compositionen der Franzosen für die drei\nOperntheater in Paris sind in diesen Blättern nicht bloss\nverzeichnet, sondern ausführlich besprochen worden, und\nmanche von ihnen, die später ihren Weg auch nach\nDeutschland fanden, hatten schon Jahre vorher in unseren\npariser Briefen ihre Analyse und Charakteristik gefunden,\nz. B. Meyerbeer's Nordstern und Dinorah, Adam's Gi-\nralda, Gounod's Faust, Felicien David s Herculanum, MaiI-\nlart's Glöckchen des Eremiten u, s. w. Die vorhandenen\nJahrgänge berichten über Compositionen von Adam, Auber\n(6 Opern), Gounod (4 Opern), Halevy (6), Adrien Boiel-\ndieu, Felicien David (2 Opern und 2 Cantaten), Grisar,\nLimnander, Ambr. Thomas (4 Opern), Clapisson (4), Ge-\nvaert (2), Victor Masse, Maiilart (2); Berlioz\nfance du Christ, Oratorium) u. s. w. — Die Italiäner Alary,\nVerdi, Raimondi (Oratorium), eben so Costa in London\n(das Oratorium „Eli\") haben ebenfalls in verschiedenen\nArtikeln Beachtung gefunden.\nWie kann man also der Niederrheinischen Musik-Zei-\ntung vorwerfen wollen, dass sie das Neue nicht berück-\nsichtige?—Möglich, dass ein oder das andere Werk eines\nneueren Componisten, das vielleicht mit Recht eine ge-\nwisse Bedeutung beansprucht, unerwähnt geblieben; ab-\nsichtlich ist dies aber keineswegs geschehen. Zuweilen\nmag es durch Mangel an rechtzeitiger Zusendung verschul-\ndet worden sein, sonst aber auch wohl durch die massen-\nhafte Anhäufung des Stoffes, unter der auch das Beach-\nr t\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 363, "texte": "tungswerthe sich leicht verliert. Doch darüber ist Schwei-\ngen besser, weil wir sonst wieder auf die Ueberfüllung\ndes musicalischen Marktes zurückkommen, von der wir\nausgegangen sind. Einen Beitrag zu dem Thema über die\nCompositionslust unseres Geschlechtes gibt übrigens wei-\nter unten noch der Berichtaus Wien über die zweiund-\ndreissig eingesandten Sinfonieen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "21", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.2.3", "titre_corps": "Deutsche Volkslieder.", "titre_sommaire": "Deutsche Volkslieder.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.4", "debut_caractere": 365, "fin_caractere_exclue": 5110, "texte": "Deutsche Volkslieder.\nEine allerliebste Neujahrsgabe sind:\nDie schönsten deutschen Volkslieder mit ihren\neigentümlichen Singweisen. Gesammelt und her-\nausgegeben von Georg Scherer. Stuttgart, Ver-\nlag von G. Scherer. 1863. IX u. 126 S. kl. Fol.\nDie vierstimmige Bearbeitung der Melodieen ist von\nK.-M. Kunz. Die Ausstattung, auch im Noten- und Text-\ndruck vortrefflich, enthält noch eine besondere Zierde\ndurch ein Titelkupfer und 54 feine Holzschnitte nach\nOriginal-Zeichnungen von J. Grünenwald, Andr. Müller,\nKarl Piloty, Arthur von Ramberg, Ludwig Richter (22),\nM. von Schwind und Alex. Strähuber. Diese Holzschnitte\nsind nicht bloss im Vergleich mit der grössten Zahl der heut-\nzutage zur Mode gewordenen so genannten Illustrationen,\nsondern auch an und für sich von wirklichem Kunstwerthe.\nDas Buch enthält fünfzig Lieder, gewählt aus etwa\n25 Liedersammmlungen, von Nicolai (1777) und Herder\n(1778) an bis auf unsere Zeit. Ob es nun gerade „die\nschönsten\" sind, wollen wir nicht entscheiden; dass sie\naber mit poetischem Sinn und Geschmack ausgewählt sind,\ndas lässt sich behaupten.\nFür uns ist die Melodie, die Seele des Volksliedes, die\nHauptsache. Die meisten der hier mitgetheilten Lieder hat\nder Herausgeber seit einer Reihe von Jahren nach dem\nlebendigen Gesänge aus dem Munde des Volkes, haupt-\nsächlich in Süd- und West-Deutschland, theils selbst auf-\ngezeichnet, theils haben ihn Freunde dabei unterstützt.\nDas auf diesem Wege gewonnene Material wurde mit den\ngedruckten Sammlungen verglichen und danach die mög-\nlichst echte Fassung herzustellen versucht. Von der An-\ngabe der verschiedenen Lesarten in den Melodieen ist ab-\ngesehen worden, dagegen haben zwei Melodieen auf ein\nLied öfter vollständige Aufnahme gefunden.\nUeber den vierstimmigen Satz spricht sich die Vorrede\nfolgender Maassen aus:\n„Volkslieder sind der harmonischen Begleitung wohl\nfähig, aber sie bedürfen derselben nicht. Das Volk singt\nsie ein-, in der Regel jedoch zweistimmig. Mit dem drei-\nstimmigen Satze wäre das harmonische Bedürfniss bei den\nmeisten Liedern am einfachsten und natürlichsten befrie-\ndigt, allein der vierstimmige Satz ist vorgezogen worden,\nweil wir an die volle Harmonie schon zu sehr gewöhnt\nsind.\" Die Singstimmen sind auf zwei Noten-Systemen\ngedruckt und so eingerichtet, „dass jedes Lied auch ein-\nstimmig am Ciavier gesungen werden kann\". Das kann\nfreilich geschehen, wird aber nicht die eindringliche Wir-\nkung machen, welche eine einstimmige Melodie mit ur-\nsprünglicher Clavier-Begleitung hervorbringt. Den hier ge-\ngebenen Liedern wird der vierstimmige Vortrag immer den\nmeisten Reiz verleihen, und in dieser Beziehung dürften\nsie sich allerdings dem Wunsche der Herausgeber gemäss\nals echte Hausmusik bewähren und dazu beitragen, den\nvollständigen Chor von Frauen- und Männerstimmen, der\ndurch das Männer-Quartett etwas vernachlässigt worden\nist, in Familien und in geselligen Kreisen wieder mehr in\nAufnahme zu bringen.\nDie Grundsätze, nach denen Herr K.-M. Kunz har-\nmonisirt hat, sind zu billigen, allein keineswegs leicht\ndurchzuführen, da man beinahe behaupten kann, dass un-\nseren heutigen Musikern nichts schwerer fällt, als die ein-\nfache Harmonie. Wenn er sagt, dass der unmittelbare\nZusammenhang unseres Volksliedes mit der Volks-Melodik\ndes sechszehnten Jahrhunderts schwer nachzuweisen sei,\nso ist das in gewisser Hinsicht wohl wahr; allein den Satz:\n„Die Volks-Melodie, wie sie heute gesungen wird\" (soll\nwohl heissen: „wie sie heute notirt ist\", denn vom Vor-\ntrage kann ja hier nicht die Rede sein), trägt das Gepräge\njener musicalischen Periode, in welcher die Melodik in\nGretry und Gluck (?), in Haydn und Mozart ihre Entwick-\nlung und ihren Abschluss (?) gefunden hat\"—diesen Satz\nkönnen wir nicht unterschreiben. Die Volks-Melodie ist\nbei Weitem älter: sie hat die strophische Gliederung des\nLiedes schon im sechszehnten Jahrhundert durch die\nknappe musicalische Form vollendet. Nicht nur der Cho-\nral, der bekanntlich aus dem Volksliede entstanden ist,\nzeigt und beweist dieses, sondern auch die in alten Samm-\nlungen erhaltenen Melodieen von Liebes-, Tanz-, Jagd-,\nTrink- und Schmauseliedern, so wie die Volks-Melodieen,\nwelche von den Niederländern, Franzosen und Deutschen\nals Cantus firmus zu ihren contrapunktischen Kirchen-\nMusikstücken benutzt wurden. Das Material liefern die\nälteren Sammlungen von Georg Forster 1539 mit mehr\nals viertehalb Hundert Liedern mit Melodieen in fünf\nTheilen und mehreren Auflagen; von Johann Ott, Nürn-\nberg, 1544, „Hundert und fünfzehn Liedlein\"; von\nFranz Commer in den niederdeutschen „Souter-Lied-\nkens\" (.Musicorum Batavorum Collectio Tom. XI.) u. s. w.\nDer Vorredner drückt wohl nur nicht deutlich genug\naus, was er meint. Dies tritt besonders auch in folgendem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2834, "texte": "Satze hervor: „Die Harmonisirung soll möglichst, homo-\ngen sein mit jener Harmonie, die der Zeit angehört, in\nwelcher dieMelodieen entstanden sind oder ihre\njetzige Gestalt erhalten haben\" —denn von der ursprüng-\nlichen Harmonie aus der Zeit der Entstehung der Volks-\nlieder ist uns wenig bekannt, die erste Harmonisirung aber,\nwelche wir aus den eben angeführten Quellen kennen, ist\nmeist contrapunktisch, passt also ganz und gar nicht für\nunsere Zeit. Indessen Herr Kunz dachte auch nicht daran,\njene wieder herzustellen; seine Meinung ist, wie aus dem\nFolgenden und aus der Ansicht der vorliegenden Lieder\nselbst hervorgeht, nur die, zu der Einfachheit Gr&ry's,\nHaydn's und Mozart's bei der Harmonie des Volksliedes\nzurückzukehren, was übrigens auch von guten Bearbeitern\nder Volkslieder, wie J. Rietz, Silcher, Erk u. s. w., schon\nimmer geschehen ist.\nSehr löblich ist gewiss das Bestreben, beim Harmo-\nnisiren des Volksliedes den Wohlklang als oberstes Ge-\nsetz anzuerkennen, der dann auch die Singbarkeit jeder\nStimme zur Bedingung macht; Herr Kunz ist sogar der\nAnsicht, dass ihm selbst die Correctheit des Satzes, sobald\nsie mit ihm collidirt, weichen müsse. Nun, es kommt frei-\n«\nlieh darauf an, was man correct nennt, denn eine wahre\nund wirkliche Incorrectheit, d. h. eine solche, die man\nhört und nicht bloss sieht, dürfte denn doch den Wohl-\nklang aufheben.\nWas über den Vortrag bemerkt wird, ist sehr rich-\ntig und dürfte auch von manchen Männer-Chorvereinen zu\nbeherzigen sein. „Das Volkslied\", heisst es S. VII, „soll\nman singen, nicht vortragen. Alles Nuanciren und zur\nGeltung bringen wollen ist hier vom Uebel. Die Volks-\nMelodie hat kein Sentimento,welches dem Inhalt des Tex-\ntes so charakterisirend folgt und dessen Gefühls-Ausdruck\nmusicalisch darstellt, wie es die neueren Componisten thun\nund theilweise thun müssen. Was musicalisch Charakte-\nristisches darin ist, ist es entweder nur zufällig oder all-\ngemein. Dieselbe Melodie muss z. B. in einer Ballade die\nheiteren und die tragischen Scenen zum Ausdruck bringen;\nes wäre albern, wenn hier die Sänger mit Hülfe von Nuan-\ncirungen ausgleichen wollten. (Und doch geschieht das so\noft!) Das schliesst jedoch nicht aus, dass Hebung und Sen-\nkung der Melodie hervorgehoben werden; forte und piano,\nihre Mittelstufen und Uebergänge mögen und müssen da\nsein und ergeben sich für den gesunden musicalischen Sinn\nvon selbst. Aber das moderne Geseufze und Gewinsel, das\newige Blasbalgziehen mit cresc und mit\npianissimo und fortissimound dergleichen passt nicht für\nVolkslied. Von demselben Gesichtspunkte wie die\nVortragszeichen sind auch die beigesetzten Tempi zu be-\ntrachten.\"\nAngaben über Alter, Heimat u. s. w. der gegebenen\nLieder enthalten die «Anmerkungen\" am Ende des Bu-\nches, so wie auch Nachweise der Quellen und Sammlun-\ngen, denen sie entnommen sind."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "22", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.2.4", "titre_corps": "Spanische Volks-Singschule.", "titre_sommaire": "Spanische Volks-Singschule.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.5", "debut_caractere": 2836, "fin_caractere_exclue": 5039, "texte": "Spanische Volks-Singschule.\nAus Valencia geht uns eine Gesanglehre für Volks-\nschulen und Lyceen [Colegios)zu, welche wir als einen\nBeweis der neu erwachten Liebe zum Volksgesange in\nSpanien erwähnen, welcher seit der Revolution und dem\nBefreiungskriege fast nicht mehr in Betracht kam. Denn\nobwohl die Franzosen unter Napoleon vertrieben waren,\nso hatte doch französische Sitte und französischer Geschmack\nmanchen Riss in den National-Charakter gemacht; in der\nMusik gab später der bourbonische Hof den Ton für fran-\nzösische und italiänische Tanzmelodieen und Operngesänge\nan, die romantischen Gitarristen verschwanden wie die\nBoleros von nationalem Charakter, da selbst spanische\nComponisten von ausländischen Mustern das wieder her-\nübernahmen, was diese für echt spanisch ausgaben. Einen\nBlick in die Musik-Zustände gewährt die Prüfungs-Com-\nmission des Real Conservatorio de musica y declamazion\nin dem Gutachten, welches dem Büchlein vorgedruckt ist,\nindem sie sagt: „Das Studium der Musik zu verbreiten\nund zu popularisiren, ist eine der edelsten Beschäftigungen\neines Künstlers, weil sie nicht nur der Kunst, sondern der\nMenschheit zum Nutzen gereicht. Dies haben die erleuch-\ntetsten Regierungen Europa's in Deutschland, Belgien und\nFrankreich anerkannt und unterstützen desshalb sowohl\nden musicalischen Elementar-Unterricht in den Schulen,\nals die Vereine und Institute, welche das Studium der\nTonkunst von höherem künstlerischem Standpunkte aus\nbetrachten. In Spanien, wo der Sinn für Musik sich jetzt\nvon Tag zu Tag durch die Bemühungen einiger edelge-\nsinnter Künstler wieder emporhebt, fehlte es noch an\neinem Werke, welches die Bestrebungen dieser wenigen\nmuthigen Männer durch Erleichterung der Methode unter-\nstützte.\" Als ein solches Werk empfiehlt nun die Com-\nmission diese\nEdision manual del Metodo de Solfeo (solfeggio) y\nPrincipios de Carito\ny Colegios por D. Pascual Perez y Gascon. (72\nS. in kl. Fol.)\nDas Gutachten ist an erster Stelle von Hilarion Eslava\nunterschrieben, der durch eine neue Sammlung der älteren\nspanischen Kirchen-Componisten rühmlichst bekannt ist.\nHerr Perez y Gascon ist erster Organist an der Me-\ntropolitankirche zu Valencia. Er hat in seinem Leitfaden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 734, "texte": "einen ganz guten methodischen Stufengang befolgt; die\nEinkleidung des Lehrstoffes in Frage und Antwort mag\nwohl als praktisch für die Lehrer, deren es nach den\nAeusserungen der Commission noch nicht viele, geschweige\ndenn tüchtige, geben mag, den Umständen gemäss sein.\nDie Beispiele sind gut gewählt, gehen aber oft über den\nElementar-Unterricht hinaus und enthalten förmliche\nSolfeggien.\nEin Anhang enthält auf 22 Seiten zwei- und drei-\nstimmige kurze Gesangstücke, die mit\n(Güte Gottes) beginnen und mit Rataplan endigen, dem\nein recht patriotischer Soldaten-Text untergelegt ist. Es\nfindet sich auch Nationales unter diesen Melodieen, von\ndenen folgende eine der am meisten charakteristischen ist,\ndie vielleicht zu benutzen wäre."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-17_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "23", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.2.5", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.6", "debut_caractere": 736, "fin_caractere_exclue": 4206, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 13. Januar 1863.\nProgramm. Erster Theil. 1. Cherubini,\nOuvertüre zum Wasserträger. 2. Mendelssohn, So-\npran-Arie aus dem Oratorium „Elias\". Frau Zademak-\nDoria. 3. Volkmann, Concert für Violoncell (zum\nersten Male). Herr Alex. Schmit. 4. J. Haydn, Mo-\ntette für Chor und Orchester, instrumentirt von F. Hill er\n(z. ersten M.). 5. Meyerbeer, Musik zum Trauerspiel\n„Struensee\" von Mich. Beer (z. ersten M.).\nZweiter Theil. 6. Noc für Harfe\nmit Orchester. Herr Krüger aus Stuttgart. 7. „Palm-\nsonntagmorgen\" von E. Geibel, für Sopransolo (Frau\nZademak), Frauenchor und Orchester componirt von\nF. Hi 11er (z. ersten M.). 8. Mendelssohn, Ouver-\ntüre zur Athalia.\nlieber den Mangel an Neuem konnte man nicht kla-\ngen. Das Bedeutendste davon war Meyerbeer's Musik zum\nTrauerspiel „Struensee\", das einnehmendste und mit dem\nallgemeinsten Beifall Aufgenommene Hiller's „Palmsonntag-\nmorgen\". Die Ouvertüre von Cherubini, dieses Muster\neines Musikstückes von spannendem und drängendem, lei-\ndenschaftlich aufregendem und sanft beruhigendem, jubeln-\ndem Inhalt, diese Schöpfung einer überreichen Phantasie\nin den Schranken einer vollendet schönen Form, wurde\ntrefflich ausgeführt. Wie kam es aber, dass die Violinen\nund Violen in dem Crescendo der letzten Tacte der In-\ntroduction ein wenig erlahmten? Freilich nahmen sie mit\nden Bässen zusammen ihre glänzende Revanche in den\nprächtigen Kraftstellen des Allegro, welche so ausgeführt,\neine Kraft entwickeln, die imposanter und musicalischer\nist, als wenn die Neueren die ganze Heermusik der me-\ntallenen Mündungen überall gleich ins Feuer führen, wo-\ndurch sie als schlechte Taktiker sich von vorn herein der\nReserven berauben.\nFrau Zademak-Doria, die Primadonna unserer\nOper, sang die Arie: „Höre, Israel!\" von ihrer kräftigen\nStimme voll schöner Klangfülle unterstützt, mit richtiger\nAuffassung und edlem Ausdruck, was man nur selten bei\nunseren jetzigen Opernsängerinnen rühmen kann, wenn sie\ndas Gebiet des Oratoriums betreten. Der Vortrag hielt\nzwischen dem Dramatischen und Lyrischen die richtige\nMitte und war namentlich im Adagio von schöner Wir-\nkung. Der Künstlerin wurde mit Recht lebhafter Beifall\nund Hervorruf zu Theil.\nDas Violoncell-Concert von Volkmann ist wieder\neine von jenen neueren Compositionen, die den Zuhörer in\neiner Spannung erhalten, welche zu keiner Lösung führt\nund desswegen nothwendig ermüdet. Wenn doch nur die\nComponisten der neuesten Zeit bedenken wollten, dass\nohne Formvollendung und Formklarheit kein augenblick-\nlicher und eben so wenig ein nachhaltiger Eindruck eines\nMusikstückes auf die Masse des gebildeten Publicums mög-\nlich ist und dass auch dem theoretisch geschulten Zuhörer\nder Genuss verleidet wird, wenn er, um die zwar vorhan-\ndene, aber absichtlich versteckte und verhüllte, von aller-\nlei Ungehörigkeit überwucherte Form zu verfolgen, das\nGefühl hinter den Verstand zurückschieben muss. Bei\neiner Behandlung, welche die klare Strömung entweder\nnicht herzustellen vermag oder sie absichtlich trübt, blei-\nben auch die zerstreuten melodischen Stellen unwirksam.\nLobenswerth ist an Volkmann's Concert, dass er die Natur\ndes Instrumentes, für welches er schreibt, nicht so miss-\nachtet, wie die Virtuosen-Componisten thun, welche die\nVioloncell zur Violine machen: nur an einigen Stellen ha-\nben uns die Contraste zwischen einzelnen tiefsten und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2782, "texte": "höchsten Noten zu grell und zu gesucht geschienen, die\nBravourstellen aber bleiben bei aller ihrer Schwierigkeit in\no\nden vollen Tonregionen des Instruments. Herr A. Schmit\nhat durch sein glänzendes Spiel, dem rauschender Beifall\nund Ilervorruf folgte, sein vollgültiges Hecht zum Eintritt\nin die Reihe der ersten Künstler auf dem so schwierigen\no\nInstrumente bekundet: er hat auch an Ton unendlich ge-\nwonnen, und sein Vortrag der sangbaren und dankbaren\nStellen war eben so schön, als seine Bravour bewunderns-\nwert!).\nDie Motette: „Herr, Du bist's, dem Kuhm und Ehre\ngebührt\", hörten wir zum ersten Male und konnten sie\nauch in dieser Gestalt nur zum ersten Male hören, da\nF. Hiller sie aus zwei Chorgesängen J. Haydn's, die sich\nin dessen Gesangmusik mit Clavier-Begleitung finden, zu-\nsammengestellt und die Begleitung für das Orchester, und\nzwar mit bekanntem Geschick, instrumentirt hatte. Sie ge-\nfiel in dieser Form, ohne gerade tiefen Eindruck zu machen.\nUeber die Musik von Meyerbeer zu ~Struensee\"\nund deren Aufführung müssen wir die ausführlichere Be-\nsprechung bei heute mangelndem Räume auf die nächste\nNummer verschieben.\nIm zweiten Theile hörten wir ein Concertstück, Noc-\nturne espagnol,dessen Componist nicht genannt war, für\nHarfe, vorgetragen von Herrn Krüger, Mitglied der kö-\nniglichen Capelle zu Stuttgart, welcher auch die Harfen-\nstimme in Meyerbeer's Struensee-Musik und in Mendels-\nsohn's Ouvertüre zur Athalia ausführte. Wir lernten in\nHerrn Krüger einen bedeutenden Künstler auf seinem In-\nstrumente kennen, der nicht leicht seinen Meister finden\ndürfte. Er versteht dem spröden Werkzeuge Nuancen des\nTons zu entlocken, die man kaum erwarten sollte; allein\ndie wahrhaft musicalische Wirkung scheitert am Ende\ndoch immer an der Natur des Tons der Harfe, der im\nOrchester eine vortreffliche Wirkung macht, aber im län-\ngeren Solostück ermüdet, zumal bei so flachen Composi-\ntionen, wie die meisten Harfenstücke aufweisen, wovon\nauch dieses Nocturnokeine Ausnahme machte. Herr\nKrüger ärntete durch sein meisterhaftes Spiel den lebhaf-\ntesten Beifall.\nEine höchst ansprechende neue Composition führte\nuns F. Hiller zum ersten Male vor. Dieses Sopransolo\nmit Frauenchor, welcher nicht bloss den Refrain singt,\nsondern ganz mit der Solostimme verwebt ist, fliesst so\nklar und anmuthig und doch innig empfunden dahin, und\nist so sehr Melodie von Anfang bis zu Ende, dass es auf\nder Stelle ins Herz dringt und einen Sturm von Beifall\nhervorrief, der sich mehrere Male wiederholte. Zu dem\nVortrage des Solo's gehört eine volle Sopranstimme, wie\nsie Frau Zademak besitzt, da dieselbe an manchen Stellen\nden Chor auch im Forte beherrschen muss; sonst ist die\nAusführung leicht.\nEine recht gute Ausführung von Mendelssohn's\nAthalia-Ouverture beschloss das Concert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-17_01#c008", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "24", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.2.6", "titre_corps": "Benachrichtigung.", "titre_sommaire": "Benachrichtigung.", "signature_source": "M. A. Becker", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.7", "debut_caractere": 2784, "fin_caractere_exclue": 6050, "texte": "Benachrichtigung.\n\nUnterm 20. April 18(>] hat die Gesellschaft der Musikfreunde im\nSinne des §. 2 ihrer Statuten die P. T. Herren Tonsetzer -eingela-\nden, symphonische Tonwerke, die bisher weder im Musikhandel er-\nschienen, noch öffentlich aufgeführt wurden, zu dem Zwecke einzu-\nsenden, dass die zwei als vorzüglichste erkannten in der Con-\ncertzeit 18(31 1862 dem wiener musicalischen Publicum durch die\nGesellschaft vorgeführt werden.\nAls Preisrichter, welche der Direction die Prüfung und Begut-\nachtung der eingesandten Tonwerke freundlichst zugesichert hatten,\nwurden in der Einladung genannt die Herren: Dr. Ambros in\nPrag, Ferdinand Hiller in Köln, Dr. Franz Liszt in Weimar,\nKarl Rein ecke in Leipzig und Robert Volkmann in Pesth.\nDie Entscheidung der Angelegenheit hat sich um ein ganzes\nJahr verzögert, und die Umstände der Verzögerung konnten von der\nDirection nicht vorausgesehen werden.\nEiner bestand in der unerwartet grossen Zahl der eingesandten\nTonwerke. Es gelangten nämlich zweiunddreissig Symphonie-Parti-\nturen an die Direction, welche von Wien aus den Weg an die\nWohnorte der einzelnen Preisrichter machen mussten. Ein anderer\nAnstand ergab sich durch die Bemüssigung, für den Dr. Franz Liszt,\ndessen Aufenthalt mittlerweile verändert war, einen Preisrichter an\neinem näheren Orte gewinnen, was nach längerer Bemühung in der\nPerson des Herrn Vincenz Lachner in Mannheim geschah.\nDie eingesandten Tonwerke wurden mit laufenden Nummern nach\nder Folge ihres Einlangens bezeichnet und mit einem Verzeichnisse,\nwelches die Nummern und das Motto jeder Symphonie enthielt,\ndurch Vermittlung der Musicalienhandlung Wessely und Büsing in\nWien der Reihe nach an die Herren Preisrichter versandt und die-\nsen zugleich in besonderer Zuschrift die Richtschnur bei der Beur-\nteilung durch nachstehende Fragepunkte bezeichnet:\nci) Sind unter den zur Prüfung eingesandten Symphonieen über-\nhaupt solche, deren öffentliche Aufführung im Interesse der Kunst\nund zur Aufmunterung musicalischer Talente wünschenswerth er-\nscheint? welche können als solche bezeichnet werden?\nb) Unter den aut diese Art ausgeschiedenen Symphonieen sind\ndie zwei vorzüglichsten und weiter diejenigen zwei zu be-\nzeichnen, welche etwa nächst diesen zu berücksichtigen wären.\nDie Gutachten der Herren Preisrichter erfolgten in nachstehen-\nder Ordnung: unterm 9. November 1861 von Ferdinand Hiller in\nKöln; unterm 2. Januar 1862 von Karl Reinecke in Leipzig; unterm\n20. März 1862 von Dr. Ambros in Prag; unterm 29. Mai 1862 von\nRobert Volkmann in Pesth: endlich unterm 9. November 1862 von\nVincenz Lachner in Mannheim.\nHerr Ferdinand Hiller bezeichnete unter den eingesandten Sym-\nphonieen als der öffentlichen Aufführung würdig: in erster Reihe\nNr. 31 mit dem Motto: „An das Vaterland\"; in zweiter Reihe Nr.\n17 mit dem Motto: „Trotz allem Freundeswort\" u. s. w.; in dritter\nReihe Nr. 18 mit dem Motto: „Antik, romantisch\" u. s. w., und\nsonst keine.\nHerr Karl Reinecke bezeichnete als die zwei vorzüglichsten:\nNr. 14 mit dem Motto: „Wie reich du dich in Lob ergehst\" u. s.w.,\nund Nr. 31 (irrig mit Nr. 5 bezeichnet): „An das Vaterland\", und\nals relativ bedeutend Nr. 26 mit dem Motto: „Nur immer heiter\"\nu. s. w., und Nr. 2o mit dem Motto: „Wer ein Kleines recht voll-\nbringt\" u. s. w."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4047, "texte": "Herr Dr. Ambros bezeichnete als die vorzüglichste Nr. 31 : „An\ndas Vaterland\"; in zweiter Reihe Nr. 6 mit dem Motto: „iWus, tan-\ndis que de joieu u. s. w.; in dritter Reihe Nr. 12 mit dem Motto:\n„Herbstlich öde steht das Thal\" u. s. w., und führte nebenbei als\nbedeutendes Tonstück die Symphonie-Ode Nr. 28 mit dem Motto:\n„Nur jene Form eines Tonstückes\" u. s. w. an.\nHerr Robert Volkmann setzte die Symphonie-Ode Nr. 28 an den\nersten Platz und bezeichnete in zweiter Reihe Nr. 6, in dritter Reihe\nNr. 17, während er an den Symphonieen Nr 31, Nr. 26, Nr. 18\nund Nr. 14 mit dem Motto: „Wie reich du dich in Lob ergehst\"\nu. s. w. interessante Einzelheiten hervorhob.\nHerr Vincenz Lachner endlich stellte nachstehende Symphonieen\nin folgender Rangordnung über die anderen: Erstens Nr. 18, Zwei-\ntens Nr. 31, Drittens Nr. 17.\nWie zu ersehen ist, ergab sich aus der Zusammenstellung der\nvorstehenden Urtheile kein sicherer Anhaltspunkt für die Bestim-\nmung von einer, noch weniger von zwei Symphonieen, die im\nSinne der von der Direction ergangenen Einladung in der diesjähri-\ngen Concertzeit aufgeführt werden sollten; und da es der Direction\ndarum zu thun war, dem Urtheile der Herren Preisrichter in keiner\nHinsicht vorzugreifen, so wurde denselben der Stand der Angelegen-\nheit mit Schreiben vom 24. November 1. J. bekannt gegeben, und\ndas Ersuchen gestellt, sich über die Reihenfolge der als vorzüg-\nlich bezeichneten Symphonieen mit Rücksicht auf den Erfolg der\nersten Beurtheilung auszusprechen.\nIn Folge dessen entschieden sich die einzelnen Herren Preisrich-\nter für nachstehende Rangordnung:\nHiller: Nr. 31, Nr 17.\nReinecke: Nr. 31, Nr. 17, Nr. 18, Nr. 6.\nVolkmann: Nr. 31, Nr. 28, Nr. 6, Nr. 17.\nAmbros: Nr. 31, Nr. 17, Nr. 6, Nr. 28.\nLachner: Nr. 31, Nr. 18, Nr. 17,\nwobei zu bemerken ist, dass die Herren Reinecke, Volkmann und\nLachner sich in Bezug auf Nr. 31 der früheren Stimmenmehrheit\nfügten und Herr Lachner es der Direction überliess, die Rangord-\nnung zwischen Nr. 18 und 17, wenn dies zur Verständigung nöthig\nwäre, umzukehren, so dass Nr. 17 auf den zweiten, Nr. 18 auf den\ndritten Platz zu stehen kommt.\nDie gefertigte Direction beehrt sich somit, in Folge Beschlusses\nvom 27. December 1. J. Nachstehendes zur Kenntniss zu bringen :\n1. Von den auf die Einladung vom 20. April 1861 eingesandten\nSymphonieen werden in der diesjährigen Concertzeit zwei, und\nzwar Nr. 31 mit dem Motto: „An das Vaterland\", und Nr. 17 mit\ndem Motto: „Trotz allem Freundeswort\", durch die Kräfte der Ge-\nsellschaft öffentlich aufgeführt.\n2. Die Aufführung beider Symphonieen in demselben Con-\ncor te findet am 15. Februar 1863 im Saale der Gesellschaft der\nMusikfreunde unter der Leitung des artistischen Directors J. Her-\nbeck Statt.\n3. Die zur Aufführung bestimmten Symphonieen bleiben Eigen-\nthum des Verfassers. Sie werden im Concert-Programme bloss mit\ndem von den Verfassern gewählten Motto bezeichnet. Unmittelbar\nnach der Aufführung erfolgt die Eröffnung des versiegelten Zettels\nund die Bekanntgebung des Tonsetzers.\n4. Ueber die anderen von den Herren Preisrichtern bezeichneten\nSymphonieen, nämlich Nr. 18, Nr. 6 und Nr. '2B, behält sich die\nDirection eine Bestimmung im Einvernehmen mit den Verfassern vor,\nwelche hiermit zur gefälligen Angabe ihrer Adresse aufgefordert werden.\n5. Die nicht berücksichtigten Tonwerke mit den versiegelten Zet-\nteln können vom 6. Januar 1863 an in der Kanzlei der Gesell-\nschaft (Wien, unter den Tuchlauben) gegen Empfangs-Bestätigung\nerhoben werden.\nDie Direction fühlt sich verpflichtet, den Herren Ferdinand Hil-\nler in Köln, Karl Reinecke in Leipzig, Vincenz Lachner in Mann-\nheim, Robert Volkmann in Pesth und Dr. Ambros in Prag für die\nMühe, den bereitwilligen Eifer und die zeitraubende Theilnahme,\nwomit sie diese Unternehmung unterstützt haben, ihren verbindlich-\nsten Dank hiermit öffentlich auszusprechen.\nWien, am 28. December 1862.\nFür die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde:\nFürst Konstantin Czartoryski m. p.,\nPräses der Direction.\n\nM. A. Becker m. p.,\nReferent des Conservatoriums."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-17-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-17_01#c009", "volume": "bmtnabi_1863-01-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.8", "debut_caractere": 4049, "fin_caractere_exclue": 6453, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf* München, 11. Januar. Sie werden ohne Zweifel gehört ha-\nben, dass Sivori, dieser eben so liebenswürdige als grosse Künst-\nler, dessen hinreissendes Spiel Sie in Ihrer Zeitung nach seiner wie-\nderholten Anwesenheit in Köln gewürdigt haben, im Monat Decem-\nber v. J. hier war. Vielleicht sind Sie aber von den kolossalen Er-\nfolgen, die er in dem sonst ziemlich apathischen München errangen,\nnoch nicht direct unterrichtet, da es auch in diesen Gauen wie über-\nall Leute gibt, die, wenn das Sonnenlicht geläugnet werden soll,\num Beweisgründe nicht verlegen sind. Da Sie aber zu den vorur-\ntheilsfreien Deutschen gehören, die nicht den Musiker, und zwar oft\nungehört, verurtheilen, weil er Italiäner oder Franzose ist, so wer-\nden Sie Sich freuen, wenn ich Ihnen sage, dass Sivori's Erfolge\nwirkliche und einem Anfangs beinahe feindlichen Publicum abgerun-\ngene sind. —Er spielte im Laufe von 14 Tagen drei Mal im gros-\nsen Theater, ein Mal im Odeon und zwei Mal (Kammermusik) im\nMuseum, stets bei überfüllten Sälen. Im Odeons-Concerte spielte er\ndas Concert von Mendelssohn. Wie vortrefflich er es spielt, brauche\nich Ihnen nicht zu sagen, da Sie seine Leistungen als Concert- und\nQuartettspieler kennon. Aber interessant dürfte auch für Sie viel-\nleicht unwillkommen für gewisse Hochtory's der Kunst ein Auto-\ngraphon von Mendelssohn sein, das mir vorliegt, in welchem er\nzu London im Jahre 1845 in den wärmsten Ausdrücken über Auf-\nfassung, Tempi, Vortragsweise u. s. w. seinen Dank an Sivori aus-\nspricht, den er damals noch gar nicht persönlich kannte. Dass Men-\ndelssohn kein Schmeichler war, weiss Jeder. In der letzten Sitzung\nfür Kammermusik trug Sivori das Quartett in C-dur Op. II vom Grafen\nL. Stainlein, die Sonate Op. 96 für Ciavier und Violine von\nBeethoven, Mendelssohn's Qiartett in E-moll und zwei Lie-\nder ohne Worte von seiner Composition vor. Das schöne Quartett\nvon Stainlein, das vor einigen Jahren in den Kammermusik-Mati-\nneen zu Paris so ausserordentlichen Erfolg hatte, erhielt auch hier\nden lebhaftesten Beifall, wozu eben so wie bei dem E-moll-Quartett\nvon Mendelssohn, das hier noch nie Öffentlich gehört worden, die\nmeisterhafte Ausführung beitrug, die, von Vielen nicht erwartet, zur\nBewunderung zwang. Am 30. v. Mts. ist Sivori von hier nach\nWeimar gereist, wohin er vom Grossherzog berufen, um im Neu-\njahrs-Concerte bei Hofe mitzuwirken."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nRückblick, 11. Die schönsten deutschen Volkslieder mit ihren eigentümlichen Singweisen. Gesammelt und heraus-\ngegeben von Georg Scherer. Spanische Volks-Singschule. Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Benachrichtigung\nyon der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Tages- und Unterhaltungsblatt (München, Auftreten von Herrn Sivori).\n\nRückblick.\nII.\n(I. s. Nr. 2.)\nAus dem Gesagten geht, wie es uns scheint, schon\nzur Genüge hervor, dass wir die Mittelmässigkeit in\nder Production durchaus nicht dem Dilettantismus in der\nTonkunst in die Schuhe schieben, sondern der überhand\nnehmenden Menge von Musikern, die sich ohne höheren\nBeruf in den Tempel der Kunst drängen. Der Dilettantis-\nmus zählt im Gegentheil heutzutage Männer und Frauen\nvon hoher Bildung, literarischen Studien und durch Lec-\nture geläutertem Geschmack, auch durch aufmerksames\nHören guter Musik und ernste Beschäftigung mit der mu-\nsicalischen Theorie berechtigtem und gereiftem Urtheil.\nSolche ragen nicht nur wie einzelne schlanke Stämme aus\ndem wuchernden Unterholz der klimpernden und pimpern-\nden Menge hervor, sondern sie sind überall im gebildeten\nEuropa, namentlich aber in Deutschland, in grosser Zahl\nvorhanden, und wenn aufrichtig gestanden die musi-\ncalischen Zeitschriften und die gesammte Literatur über\nMusik diese Kreise von Dilettanten nicht zu Lesern hätten,\nso würden sie ein sehr kleines Publicum haben.\nDenn es ist kaum glaublich, was uns so oft von nah\nund fern berichtet wird, wie wenig und welche Blätter\neine Menge von Musikern lesen, und wie sie lesen, wenn\nsie es überhaupt thun. Einer von unseren eifrigsten und\ngeschätztesten Mitarbeitern schreibt desshalb an uns nie-\nmals anders, als mit der Anrede: „Geehrter Danaiden-\nChef!\" denn er hält alle Bemühungen und Aufsätze,\ndie für Musiker von Fach bestimmt sind, für Danaiden-\nArbeit. „Die Componisten\", meint er, „blättern, wie die Vir-\ntuosen, nach ihrem Namen: jene, um der Recensionen\nihrer Tages-Producte willen, die doch kein Mensch liest,\nas sie selbst; diese wegen der Reclame ihrer unübertreff-\nlichen Technik, wobei sie so sehr an „ „Elektrisiren, Ent-\nzücken, Bezaubern, Enthusiasmiren, Fanatismen\"\" u. s. w.\ngewöhnt sind, dass sie ein eingehendes Urtheil, selbst das\nanerkennende, als nüchtern und kalt bei Seite legen. Un-\ntersteht sich ein Blatt gar, einem Sänger oder Instrumen-\ntalkünstler einen Verweis über seine Unarten, oder auch\nnur einen guten Rath zu geben, so wirft er es gewiss un-\nter den Tisch und tritt es mit Füssen (historisch!), sei die\nkritische Rüge auch noch so gut begründet, während er\nandererseits auch über die unverschämteste und liederlichst\ngeschriebene Lobhudelei nicht erröthet, sondern sie in\nsein dickes Album legt, um sie bei fortgesetztem Handel\nin Bravour seinen Kunden zu präsenliren. Aber die Inten-\ndanten, die Capellmeister, die Dirigenten: die beachten\ndoch gewiss die Kunstblätter ihres Faches! Meinen Sie?\nDa thun Sie mir leid in Ihrem naiven Glauben. Erhaben\nüber Welt und Zeit und folglich auch über Zeitschrif-\nten, mit Ausnahme der Theater-Chroniken—, sind sie zu\nsehr daran gewöhnt, Ton und Tempo anzugeben, um\nnicht jeden Zweifel an ihrer Unfehlbarkeit für ein Maje-\nstäts-Verbrechen zu halten, sind übrigens in der Regel\nauch zu sehr beschäftigt, um sich Zeit zum Lesen zu neh-\nmen. Haben Sie mir doch selbst erzählt, dass Sie die Er-\nfahrung gemacht haben, von Capellmeistern, welche die\nNiederrheinische Musik-Zeitung lesen—durch die Post be-\nziehen, wollt' ich sagen, Anfragen über Inhalt und Werth\nvon Opern erhalten zu haben, über die, und nicht einmal\nvor langer Zeit, Ihre Zeitung bereits ausführliche Analy-\nsen gebracht hatte!\"— Doch hören wir mit dergleichen\nStimmen eines Predigers in der Wüste auf; man könnte\nuns sonst beschuldigen, dass wir unter fremder Firma eine\nOratio pro domo einschwärzen wollten, während es uns\ndoch nur um ein paar Worte pro studio et labore zu\nthun ist.\nZurück also zu unserem Thema, zur Productionssucht.\nTrotz dem Unsinn, der in der Behauptung einer all-\ngemeinen Befähigung der Menschen zum Genie-Werden"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.2", "texte": "in die Augen springt, liegt dennoch ein Bisschen Wahr-\nheit in dem Ausspruche; allein das Wahre darin gereicht\nder Kunst nicht zum Heile, sondern zum Verderben. Es\nlässt sich nämlich nicht läugnen, dass ein gewisser Grad\nvon Kunst-Talent beinahe Gemeingut geworden ist. Wir\nmeinen das Talent der musicalischen Technik, diese im\nweitesten Sinne genommen, so dass sie die Einsicht in die\nForm und Factur zugleich mit der Ausübung umfasst. Die\nerlernte Bekanntschaft mit den Elementen der Harmonie-\nlehre und mit den gewöhnlichen Formen, selbst eine\nHandhabung der letzteren, welche auch bei mangelnder\nAnlage zu künstlerischem Berufe durch Fleiss und Uebung\nbis auf einen gewissen Grad erlangt werden kann, ver-\nführt zum Componiren, und an die Stelle des Dranges,\ndes unwillkürlichen inneren Zwanges zum künstlerischen\nSchaffen tritt der willkürliche Vorsatz, tritt das Wollen\nanstatt des Müssens. Die glühende Flamme der Begei-\nsterung soll ein Funke ersetzen, der nach mühsamen\nVersuchen aus dem Steine geschlagen wird; in Ermange-\nlung des lebendigen Quells wird ein künstlicher Brunnen\ngebohrt, der nach einigen Zügen versiegt; statt des ewi-\ngen Dranges des Genies, der nicht ruht und rastet, bis\ner ein Kunstgebilde gestaltet hat, treibt die oberflächliche\nBekanntschaft mit dem Handwerk, die Eitelkeit und Selbst-\nüberschätzung, am Ende der Erwerb und die Noth zum\nComponiren. Hier könnte man dem Einwurf: „Wir müs-\nsen doch leben!\" wahrlich mit Recht Richelieu's eiskalte\nPhrase: »Je wen vois pas la necessite\" —entgegen halten.\nDaher denn die Ueberschwemmung des Marktes mit\nmittelmässiger Waare, von der entschieden schlechten und\nfaulen zu schweigen, welche bei der ernsten Kritik natür-\nlich gar nicht in Betracht kommen kann. Jene Erzeugnisse\nder Mittelmässigkeit haben sehr häufig einen gewissen\nmusicalischen Inhalt, das lässt sich nicht läugnen: allein\nsieht man ihnen recht genau ins Gesicht, so entdeckt man,\noft auch schon beim ersten Anblick, die Grundzüge einer\nüber die ganze Erde verbreiteten Familien-Aebnlichkeit,\nderen Physiognomieen nur nach den verschiedenen Wir-\nkungen der Wahlverwandtschaften bei der Zeugung auch\nverschieden ausgeprägt erscheinen. Im Grunde ist Alles\nnur Reproduction, ist Frucht der zum Theil bewussten,\nöfter vielleicht unbewussten Anempfindung und Ausbeu-\ntung der Ursprünglichkeit früherer Meister oder ganzer\nKunst-Perioden. Bekannte Melodieen oder Stücke dersel-\nben anders harmonisirt, in anderen Rhythmus gebracht,\n—und wie sehr kann dieser allein nicht schon eine und die-\nselbe Tonfolge verstellen und unkenntlich machen, (wie\nz. B. jüngst in einer Gesellschaft von Musikern Keiner in\nder aus dem Stegreif aufgezeichneten Melodie eines Schalks\ndie Note für Note benutzte Periode aus dem Freischütz-\nFinale:\nu. s. w. wie-\nder erkannte!) dann in der Verkleidung anderer Modu-\nlationen weiter ausgeführt, ferner umschlungen von den\nbunten Blumengewinden der modernen Verzierungskunst,\nendlich überstreut mit den Füttern und dem Schmelz der\nvollendeten Technik—: sie machen sich geltend, sie blen-\nden und sind am Ende doch nur die alten Gestalten in\nanderer Tracht und anderer Frisur. Daher denn eine\nzahllose Menge von Tonsetzern, aber nur wenig Ton-\ndichter in unserem Zeitalter, wo man Alles in der Welt\nwerden kann nur kein Genie: id quod erat demon-\nstrandum.\nVon diesem Treiben wandten sich höher begabte Gei-\nster mit Unwillen und Entschiedenheit ab, traten ihm theils\ndurch scharfe Kritik, theils durch eigene künstlerische Lei-\nstungen entgegen. Am reinsten und edelsten von Seiten\nder Gesinnung und des sittlichen Ernstes und auch zu ge-\nnialem Schaffen am meisten befähigt verfolgte Schumann\neine neue Richtung; er hatte vor Berlioz, der ein gleiches\nZiel anstrebte, vor allem Anderen die deutsche Tiefe und\nInnigkeit voraus. Allein man kann bei aller Bewunderung\nvon Schumann's Begabung, die sich als ursprünglich schö-\npferisch hauptsächlich im Lyrischen offenbarte, doch nicht\nverkennen, dass ihn der Ekel an dem Gemeinen und die\nScheu vor dem Mittelmässigen und Dagewesenen sowohl\nin der Wahl seiner poetischen Stoffe als in der musicali-\nschen Darstellung derselben zum entgegengesetzten Ex-\ntrem, zum Absonderlichen, führte, dem er späterhin\nimmer mehr verfiel, je eifriger er strebte, die Kluft zwi-\nschen dem Wollen und Können bei rastloser Durchfüh-\nrung grosser Vorwürfe durch Reflexion auszufüllen. Da-\nher theilte er denn mit Beethoven das Schicksal, dass auch\nseine letzten Werke, wie die letzten Tonschöpfungen jenes\nHeros, von dem er ohne Frage eine Ader in sich hatte,\nder neuesten Schule einen Vorwand zu einem Gebahren\ngegeben haben, welches die Tonkunst dem sichtbaren Ver-\nfall entgegenfübrt.\nDas Schlimmste dabei ist, dass auch talentvolle Com-\nponisten dem Hange zum Absonderlichen und Seltsamen\naus Furcht vor dem Gewöhnlichen, dass sie dem Compli-\ncirten und Gesuchten aus Verkennung des Einfachen und\nNatürlichen verfallen, worüber wir in dem Artikel über\ndie allgemeine Biographie der Musiker von Fetis in Nr. 1\ndieses Jahrgangs bereits gesprochen haben. Selbst Manche\nvon den Besten unserer Zeit haben sich zuweilen oder\nauch in einer ganzen Periode ihres Schaffens nicht ganz\nfrei von dem Einflüsse jener Ansichten und Theorieen ge-\nhalten, wofür die Partei des so genannten Fortschritts\nPropaganda machte. Wir können sie mit Recht Partei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.3", "texte": "nennen, da ihre Verfechter selbst ganz offen in der musi-\ncalischen Literatur, wie in der politischen, auf „Partei-\nblätter\" bestehen. Parteiblälter in der Kunst!\nNein, unsere Zeitschrift ist nie ein Parteiblatt gewesen\nund soll auch keines werden. Wir wollen uns die Freiheit\ndes Urtheils bewahren, die Selbstständigkeit, welche über\nden Parteien steht, gäbe es dergleichen, die Treue der\neigenen Ueberzeugung, die Festigkeit im Glauben an das,\nwas wir für wahr, gut und schön erkannt haben. An der\nKraft, die Wahrheit überall zu erkennen, kann es uns\nfreilich fehlen, nicht aber an dem ernsten, unabhängigen\nWillen, für sie zu zeugen.\nDie Propagandisten des unbedingten Fortschritts su-\nchen die Menge gegen uns einzunehmen, indem sie uns\nden Vorwurf machen, dass wir, weil überhaupt gegen\ndas Neue eingenommen, die Gegenwart gar nicht oder\ndoch zu wenig berücksichtigten, und sie sind dann mit\nden Schlagwörtern von Reaction, Zopf, Perrücke u. dgl.\nfreigebig.\nEs ist uns nie eingefallen, das Neue an sich zu ver-\nschmähen, eben so wenig, die Compositionen der Gegen-\nwart und der nächsten Vergangenheit nur aus dem\nGrunde, weil sie neu sind, zu vernachlässigen. Beides wäre\nfür eine Zeitschrift ein Widerspruch im Beiwort. Allein\nwährend wir das Schöne im Neuen überall freudig\nbegrüssen, treten wir der anmaassenden Lehre, dass nur\ndas Neue schön sei, allerdings entgegen, und am ent-\nschiedensten da, wo wir uns überzeugen, dass das Neue\nnicht der Ursprünglichkeit, dem Quell der Begeisterung\nentsprungen, sondern von der Sucht nach dem Absonder-\nlichen und Ungehörten, oder richtiger: Unerhörten, aus-\ngeheckt worden ist. Mit den Schein-Originalen, denen die\nungestalte Formlosigkeit für eine Tochter der Freiheit,\ndie Auswüchse eines krankhaften Stammes für treibende\nSchösslinge, die Zuckungen einer überreizten Phantasie\nfür geniale Anflüge gelten, werden wir uns niemals be-\nfreunden.\nThatsachen und Zahlen entscheiden, sagt ein altes\nWort. Man wird es uns also nicht verargen, wenn wir\ndie Frage aufwerfen, welche musicalische Zeitschrift in\nden letzten zehn Jahren mehr neue grössere Werke\nbesprochen habe, als die unsrige? welche ferner einen\nweiteren Blick in das ganze musicalische Gebiet der Ge-\ngenwart, auch des Auslandes, geöffnet habe?\nVon deutschen Componisten finden wir in den ge-\nnannten Jahrgängen: von Flotow drei Opern (Die Matrosen,\nDie Grossfürstin, Indra); Gade(Comala u.s. w.); Herzog E.\n(Casilda, Santa Chiara); Hiller Oratorien und Cantaten\n(Saul, Ver sacrum1 Lorelei, Heloise, „0 weint um sie\", Ge-\nsänge u.s. w. und die Oper „Die Katakomben\"); Meyerbeer\nProphet (10 Artikel), Nordstern (3 Artikel), Dinorah (3\nArtikel); Schumann (Paradies und Peri, Wilhelm Meister,\nMignon's Requiem, Der Rose Pilgerfahrt, Scenen aus\nFaust, letztere in vier Artikeln); Liszt (Clavier-Compositio-\nnen, An die Künstler, Clavier-Concert, Preludes, Tasso,\nDie Ideale, Prometheus, die Graner Messe); Marschner\n(Austin, Goldschmidt von Ulm); Thalberg (Florinde); C. A.\nMangold (Gudrun, Frithiof); Wagner (Tannhäuser in 13\nArtikeln Analyse des Werkes, Lohengrin in 7 Artikeln,\nFliegende Holländer, Tristan); Dorn (Nibelungen); Rein-\nthaler (Jephta, Oratorium); Ulrich, Esser, Rietz, Eduard\nFranck (Sinfonieen); Kühmstedt (Oratorium); 0. Nicolai\n(Die Heimkehr); ß. Scholz (Oper Carlo Rosa, Requiem);\nAbert (Anna von Landskron); Nagiller (Herzog Friedrich);\nvon Perfall (Dornröschen, Rübezahl, Undine); W. Tschirch\n(Meister Martin); Reinecke, Bargiel, Max Bruch, Dietrich,\nBrambach, Wüllner, Vierling, Veit, Judassohn, Volkmann\nu, s. w. u. s. w.\nDie musicalische Production des Auslandes findet\nin keiner anderen deutschen Zeitschrift eine so conse-\nquente, ausführliche und, wir dürfen es mit Dank an die\nBearbeiter dieser Rubrik aussprechen, interessante Berück-\nsichtigung, als in der unsrigen.\nDie neuen Compositionen der Franzosen für die drei\nOperntheater in Paris sind in diesen Blättern nicht bloss\nverzeichnet, sondern ausführlich besprochen worden, und\nmanche von ihnen, die später ihren Weg auch nach\nDeutschland fanden, hatten schon Jahre vorher in unseren\npariser Briefen ihre Analyse und Charakteristik gefunden,\nz. B. Meyerbeer's Nordstern und Dinorah, Adam's Gi-\nralda, Gounod's Faust, Felicien David s Herculanum, MaiI-\nlart's Glöckchen des Eremiten u, s. w. Die vorhandenen\nJahrgänge berichten über Compositionen von Adam, Auber\n(6 Opern), Gounod (4 Opern), Halevy (6), Adrien Boiel-\ndieu, Felicien David (2 Opern und 2 Cantaten), Grisar,\nLimnander, Ambr. Thomas (4 Opern), Clapisson (4), Ge-\nvaert (2), Victor Masse, Maiilart (2); Berlioz\nfance du Christ, Oratorium) u. s. w. — Die Italiäner Alary,\nVerdi, Raimondi (Oratorium), eben so Costa in London\n(das Oratorium „Eli\") haben ebenfalls in verschiedenen\nArtikeln Beachtung gefunden.\nWie kann man also der Niederrheinischen Musik-Zei-\ntung vorwerfen wollen, dass sie das Neue nicht berück-\nsichtige?—Möglich, dass ein oder das andere Werk eines\nneueren Componisten, das vielleicht mit Recht eine ge-\nwisse Bedeutung beansprucht, unerwähnt geblieben; ab-\nsichtlich ist dies aber keineswegs geschehen. Zuweilen\nmag es durch Mangel an rechtzeitiger Zusendung verschul-\ndet worden sein, sonst aber auch wohl durch die massen-\nhafte Anhäufung des Stoffes, unter der auch das Beach-\nr t\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.4", "texte": "tungswerthe sich leicht verliert. Doch darüber ist Schwei-\ngen besser, weil wir sonst wieder auf die Ueberfüllung\ndes musicalischen Marktes zurückkommen, von der wir\nausgegangen sind. Einen Beitrag zu dem Thema über die\nCompositionslust unseres Geschlechtes gibt übrigens wei-\nter unten noch der Berichtaus Wien über die zweiund-\ndreissig eingesandten Sinfonieen!\n\nDeutsche Volkslieder.\nEine allerliebste Neujahrsgabe sind:\nDie schönsten deutschen Volkslieder mit ihren\neigentümlichen Singweisen. Gesammelt und her-\nausgegeben von Georg Scherer. Stuttgart, Ver-\nlag von G. Scherer. 1863. IX u. 126 S. kl. Fol.\nDie vierstimmige Bearbeitung der Melodieen ist von\nK.-M. Kunz. Die Ausstattung, auch im Noten- und Text-\ndruck vortrefflich, enthält noch eine besondere Zierde\ndurch ein Titelkupfer und 54 feine Holzschnitte nach\nOriginal-Zeichnungen von J. Grünenwald, Andr. Müller,\nKarl Piloty, Arthur von Ramberg, Ludwig Richter (22),\nM. von Schwind und Alex. Strähuber. Diese Holzschnitte\nsind nicht bloss im Vergleich mit der grössten Zahl der heut-\nzutage zur Mode gewordenen so genannten Illustrationen,\nsondern auch an und für sich von wirklichem Kunstwerthe.\nDas Buch enthält fünfzig Lieder, gewählt aus etwa\n25 Liedersammmlungen, von Nicolai (1777) und Herder\n(1778) an bis auf unsere Zeit. Ob es nun gerade „die\nschönsten\" sind, wollen wir nicht entscheiden; dass sie\naber mit poetischem Sinn und Geschmack ausgewählt sind,\ndas lässt sich behaupten.\nFür uns ist die Melodie, die Seele des Volksliedes, die\nHauptsache. Die meisten der hier mitgetheilten Lieder hat\nder Herausgeber seit einer Reihe von Jahren nach dem\nlebendigen Gesänge aus dem Munde des Volkes, haupt-\nsächlich in Süd- und West-Deutschland, theils selbst auf-\ngezeichnet, theils haben ihn Freunde dabei unterstützt.\nDas auf diesem Wege gewonnene Material wurde mit den\ngedruckten Sammlungen verglichen und danach die mög-\nlichst echte Fassung herzustellen versucht. Von der An-\ngabe der verschiedenen Lesarten in den Melodieen ist ab-\ngesehen worden, dagegen haben zwei Melodieen auf ein\nLied öfter vollständige Aufnahme gefunden.\nUeber den vierstimmigen Satz spricht sich die Vorrede\nfolgender Maassen aus:\n„Volkslieder sind der harmonischen Begleitung wohl\nfähig, aber sie bedürfen derselben nicht. Das Volk singt\nsie ein-, in der Regel jedoch zweistimmig. Mit dem drei-\nstimmigen Satze wäre das harmonische Bedürfniss bei den\nmeisten Liedern am einfachsten und natürlichsten befrie-\ndigt, allein der vierstimmige Satz ist vorgezogen worden,\nweil wir an die volle Harmonie schon zu sehr gewöhnt\nsind.\" Die Singstimmen sind auf zwei Noten-Systemen\ngedruckt und so eingerichtet, „dass jedes Lied auch ein-\nstimmig am Ciavier gesungen werden kann\". Das kann\nfreilich geschehen, wird aber nicht die eindringliche Wir-\nkung machen, welche eine einstimmige Melodie mit ur-\nsprünglicher Clavier-Begleitung hervorbringt. Den hier ge-\ngebenen Liedern wird der vierstimmige Vortrag immer den\nmeisten Reiz verleihen, und in dieser Beziehung dürften\nsie sich allerdings dem Wunsche der Herausgeber gemäss\nals echte Hausmusik bewähren und dazu beitragen, den\nvollständigen Chor von Frauen- und Männerstimmen, der\ndurch das Männer-Quartett etwas vernachlässigt worden\nist, in Familien und in geselligen Kreisen wieder mehr in\nAufnahme zu bringen.\nDie Grundsätze, nach denen Herr K.-M. Kunz har-\nmonisirt hat, sind zu billigen, allein keineswegs leicht\ndurchzuführen, da man beinahe behaupten kann, dass un-\nseren heutigen Musikern nichts schwerer fällt, als die ein-\nfache Harmonie. Wenn er sagt, dass der unmittelbare\nZusammenhang unseres Volksliedes mit der Volks-Melodik\ndes sechszehnten Jahrhunderts schwer nachzuweisen sei,\nso ist das in gewisser Hinsicht wohl wahr; allein den Satz:\n„Die Volks-Melodie, wie sie heute gesungen wird\" (soll\nwohl heissen: „wie sie heute notirt ist\", denn vom Vor-\ntrage kann ja hier nicht die Rede sein), trägt das Gepräge\njener musicalischen Periode, in welcher die Melodik in\nGretry und Gluck (?), in Haydn und Mozart ihre Entwick-\nlung und ihren Abschluss (?) gefunden hat\"—diesen Satz\nkönnen wir nicht unterschreiben. Die Volks-Melodie ist\nbei Weitem älter: sie hat die strophische Gliederung des\nLiedes schon im sechszehnten Jahrhundert durch die\nknappe musicalische Form vollendet. Nicht nur der Cho-\nral, der bekanntlich aus dem Volksliede entstanden ist,\nzeigt und beweist dieses, sondern auch die in alten Samm-\nlungen erhaltenen Melodieen von Liebes-, Tanz-, Jagd-,\nTrink- und Schmauseliedern, so wie die Volks-Melodieen,\nwelche von den Niederländern, Franzosen und Deutschen\nals Cantus firmus zu ihren contrapunktischen Kirchen-\nMusikstücken benutzt wurden. Das Material liefern die\nälteren Sammlungen von Georg Forster 1539 mit mehr\nals viertehalb Hundert Liedern mit Melodieen in fünf\nTheilen und mehreren Auflagen; von Johann Ott, Nürn-\nberg, 1544, „Hundert und fünfzehn Liedlein\"; von\nFranz Commer in den niederdeutschen „Souter-Lied-\nkens\" (.Musicorum Batavorum Collectio Tom. XI.) u. s. w.\nDer Vorredner drückt wohl nur nicht deutlich genug\naus, was er meint. Dies tritt besonders auch in folgendem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.5", "texte": "Satze hervor: „Die Harmonisirung soll möglichst, homo-\ngen sein mit jener Harmonie, die der Zeit angehört, in\nwelcher dieMelodieen entstanden sind oder ihre\njetzige Gestalt erhalten haben\" —denn von der ursprüng-\nlichen Harmonie aus der Zeit der Entstehung der Volks-\nlieder ist uns wenig bekannt, die erste Harmonisirung aber,\nwelche wir aus den eben angeführten Quellen kennen, ist\nmeist contrapunktisch, passt also ganz und gar nicht für\nunsere Zeit. Indessen Herr Kunz dachte auch nicht daran,\njene wieder herzustellen; seine Meinung ist, wie aus dem\nFolgenden und aus der Ansicht der vorliegenden Lieder\nselbst hervorgeht, nur die, zu der Einfachheit Gr&ry's,\nHaydn's und Mozart's bei der Harmonie des Volksliedes\nzurückzukehren, was übrigens auch von guten Bearbeitern\nder Volkslieder, wie J. Rietz, Silcher, Erk u. s. w., schon\nimmer geschehen ist.\nSehr löblich ist gewiss das Bestreben, beim Harmo-\nnisiren des Volksliedes den Wohlklang als oberstes Ge-\nsetz anzuerkennen, der dann auch die Singbarkeit jeder\nStimme zur Bedingung macht; Herr Kunz ist sogar der\nAnsicht, dass ihm selbst die Correctheit des Satzes, sobald\nsie mit ihm collidirt, weichen müsse. Nun, es kommt frei-\n«\nlieh darauf an, was man correct nennt, denn eine wahre\nund wirkliche Incorrectheit, d. h. eine solche, die man\nhört und nicht bloss sieht, dürfte denn doch den Wohl-\nklang aufheben.\nWas über den Vortrag bemerkt wird, ist sehr rich-\ntig und dürfte auch von manchen Männer-Chorvereinen zu\nbeherzigen sein. „Das Volkslied\", heisst es S. VII, „soll\nman singen, nicht vortragen. Alles Nuanciren und zur\nGeltung bringen wollen ist hier vom Uebel. Die Volks-\nMelodie hat kein Sentimento,welches dem Inhalt des Tex-\ntes so charakterisirend folgt und dessen Gefühls-Ausdruck\nmusicalisch darstellt, wie es die neueren Componisten thun\nund theilweise thun müssen. Was musicalisch Charakte-\nristisches darin ist, ist es entweder nur zufällig oder all-\ngemein. Dieselbe Melodie muss z. B. in einer Ballade die\nheiteren und die tragischen Scenen zum Ausdruck bringen;\nes wäre albern, wenn hier die Sänger mit Hülfe von Nuan-\ncirungen ausgleichen wollten. (Und doch geschieht das so\noft!) Das schliesst jedoch nicht aus, dass Hebung und Sen-\nkung der Melodie hervorgehoben werden; forte und piano,\nihre Mittelstufen und Uebergänge mögen und müssen da\nsein und ergeben sich für den gesunden musicalischen Sinn\nvon selbst. Aber das moderne Geseufze und Gewinsel, das\newige Blasbalgziehen mit cresc und mit\npianissimo und fortissimound dergleichen passt nicht für\nVolkslied. Von demselben Gesichtspunkte wie die\nVortragszeichen sind auch die beigesetzten Tempi zu be-\ntrachten.\"\nAngaben über Alter, Heimat u. s. w. der gegebenen\nLieder enthalten die «Anmerkungen\" am Ende des Bu-\nches, so wie auch Nachweise der Quellen und Sammlun-\ngen, denen sie entnommen sind.\n\nSpanische Volks-Singschule.\nAus Valencia geht uns eine Gesanglehre für Volks-\nschulen und Lyceen [Colegios)zu, welche wir als einen\nBeweis der neu erwachten Liebe zum Volksgesange in\nSpanien erwähnen, welcher seit der Revolution und dem\nBefreiungskriege fast nicht mehr in Betracht kam. Denn\nobwohl die Franzosen unter Napoleon vertrieben waren,\nso hatte doch französische Sitte und französischer Geschmack\nmanchen Riss in den National-Charakter gemacht; in der\nMusik gab später der bourbonische Hof den Ton für fran-\nzösische und italiänische Tanzmelodieen und Operngesänge\nan, die romantischen Gitarristen verschwanden wie die\nBoleros von nationalem Charakter, da selbst spanische\nComponisten von ausländischen Mustern das wieder her-\nübernahmen, was diese für echt spanisch ausgaben. Einen\nBlick in die Musik-Zustände gewährt die Prüfungs-Com-\nmission des Real Conservatorio de musica y declamazion\nin dem Gutachten, welches dem Büchlein vorgedruckt ist,\nindem sie sagt: „Das Studium der Musik zu verbreiten\nund zu popularisiren, ist eine der edelsten Beschäftigungen\neines Künstlers, weil sie nicht nur der Kunst, sondern der\nMenschheit zum Nutzen gereicht. Dies haben die erleuch-\ntetsten Regierungen Europa's in Deutschland, Belgien und\nFrankreich anerkannt und unterstützen desshalb sowohl\nden musicalischen Elementar-Unterricht in den Schulen,\nals die Vereine und Institute, welche das Studium der\nTonkunst von höherem künstlerischem Standpunkte aus\nbetrachten. In Spanien, wo der Sinn für Musik sich jetzt\nvon Tag zu Tag durch die Bemühungen einiger edelge-\nsinnter Künstler wieder emporhebt, fehlte es noch an\neinem Werke, welches die Bestrebungen dieser wenigen\nmuthigen Männer durch Erleichterung der Methode unter-\nstützte.\" Als ein solches Werk empfiehlt nun die Com-\nmission diese\nEdision manual del Metodo de Solfeo (solfeggio) y\nPrincipios de Carito\ny Colegios por D. Pascual Perez y Gascon. (72\nS. in kl. Fol.)\nDas Gutachten ist an erster Stelle von Hilarion Eslava\nunterschrieben, der durch eine neue Sammlung der älteren\nspanischen Kirchen-Componisten rühmlichst bekannt ist.\nHerr Perez y Gascon ist erster Organist an der Me-\ntropolitankirche zu Valencia. Er hat in seinem Leitfaden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.6", "texte": "einen ganz guten methodischen Stufengang befolgt; die\nEinkleidung des Lehrstoffes in Frage und Antwort mag\nwohl als praktisch für die Lehrer, deren es nach den\nAeusserungen der Commission noch nicht viele, geschweige\ndenn tüchtige, geben mag, den Umständen gemäss sein.\nDie Beispiele sind gut gewählt, gehen aber oft über den\nElementar-Unterricht hinaus und enthalten förmliche\nSolfeggien.\nEin Anhang enthält auf 22 Seiten zwei- und drei-\nstimmige kurze Gesangstücke, die mit\n(Güte Gottes) beginnen und mit Rataplan endigen, dem\nein recht patriotischer Soldaten-Text untergelegt ist. Es\nfindet sich auch Nationales unter diesen Melodieen, von\ndenen folgende eine der am meisten charakteristischen ist,\ndie vielleicht zu benutzen wäre.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 13. Januar 1863.\nProgramm. Erster Theil. 1. Cherubini,\nOuvertüre zum Wasserträger. 2. Mendelssohn, So-\npran-Arie aus dem Oratorium „Elias\". Frau Zademak-\nDoria. 3. Volkmann, Concert für Violoncell (zum\nersten Male). Herr Alex. Schmit. 4. J. Haydn, Mo-\ntette für Chor und Orchester, instrumentirt von F. Hill er\n(z. ersten M.). 5. Meyerbeer, Musik zum Trauerspiel\n„Struensee\" von Mich. Beer (z. ersten M.).\nZweiter Theil. 6. Noc für Harfe\nmit Orchester. Herr Krüger aus Stuttgart. 7. „Palm-\nsonntagmorgen\" von E. Geibel, für Sopransolo (Frau\nZademak), Frauenchor und Orchester componirt von\nF. Hi 11er (z. ersten M.). 8. Mendelssohn, Ouver-\ntüre zur Athalia.\nlieber den Mangel an Neuem konnte man nicht kla-\ngen. Das Bedeutendste davon war Meyerbeer's Musik zum\nTrauerspiel „Struensee\", das einnehmendste und mit dem\nallgemeinsten Beifall Aufgenommene Hiller's „Palmsonntag-\nmorgen\". Die Ouvertüre von Cherubini, dieses Muster\neines Musikstückes von spannendem und drängendem, lei-\ndenschaftlich aufregendem und sanft beruhigendem, jubeln-\ndem Inhalt, diese Schöpfung einer überreichen Phantasie\nin den Schranken einer vollendet schönen Form, wurde\ntrefflich ausgeführt. Wie kam es aber, dass die Violinen\nund Violen in dem Crescendo der letzten Tacte der In-\ntroduction ein wenig erlahmten? Freilich nahmen sie mit\nden Bässen zusammen ihre glänzende Revanche in den\nprächtigen Kraftstellen des Allegro, welche so ausgeführt,\neine Kraft entwickeln, die imposanter und musicalischer\nist, als wenn die Neueren die ganze Heermusik der me-\ntallenen Mündungen überall gleich ins Feuer führen, wo-\ndurch sie als schlechte Taktiker sich von vorn herein der\nReserven berauben.\nFrau Zademak-Doria, die Primadonna unserer\nOper, sang die Arie: „Höre, Israel!\" von ihrer kräftigen\nStimme voll schöner Klangfülle unterstützt, mit richtiger\nAuffassung und edlem Ausdruck, was man nur selten bei\nunseren jetzigen Opernsängerinnen rühmen kann, wenn sie\ndas Gebiet des Oratoriums betreten. Der Vortrag hielt\nzwischen dem Dramatischen und Lyrischen die richtige\nMitte und war namentlich im Adagio von schöner Wir-\nkung. Der Künstlerin wurde mit Recht lebhafter Beifall\nund Hervorruf zu Theil.\nDas Violoncell-Concert von Volkmann ist wieder\neine von jenen neueren Compositionen, die den Zuhörer in\neiner Spannung erhalten, welche zu keiner Lösung führt\nund desswegen nothwendig ermüdet. Wenn doch nur die\nComponisten der neuesten Zeit bedenken wollten, dass\nohne Formvollendung und Formklarheit kein augenblick-\nlicher und eben so wenig ein nachhaltiger Eindruck eines\nMusikstückes auf die Masse des gebildeten Publicums mög-\nlich ist und dass auch dem theoretisch geschulten Zuhörer\nder Genuss verleidet wird, wenn er, um die zwar vorhan-\ndene, aber absichtlich versteckte und verhüllte, von aller-\nlei Ungehörigkeit überwucherte Form zu verfolgen, das\nGefühl hinter den Verstand zurückschieben muss. Bei\neiner Behandlung, welche die klare Strömung entweder\nnicht herzustellen vermag oder sie absichtlich trübt, blei-\nben auch die zerstreuten melodischen Stellen unwirksam.\nLobenswerth ist an Volkmann's Concert, dass er die Natur\ndes Instrumentes, für welches er schreibt, nicht so miss-\nachtet, wie die Virtuosen-Componisten thun, welche die\nVioloncell zur Violine machen: nur an einigen Stellen ha-\nben uns die Contraste zwischen einzelnen tiefsten und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.7", "texte": "höchsten Noten zu grell und zu gesucht geschienen, die\nBravourstellen aber bleiben bei aller ihrer Schwierigkeit in\no\nden vollen Tonregionen des Instruments. Herr A. Schmit\nhat durch sein glänzendes Spiel, dem rauschender Beifall\nund Ilervorruf folgte, sein vollgültiges Hecht zum Eintritt\nin die Reihe der ersten Künstler auf dem so schwierigen\no\nInstrumente bekundet: er hat auch an Ton unendlich ge-\nwonnen, und sein Vortrag der sangbaren und dankbaren\nStellen war eben so schön, als seine Bravour bewunderns-\nwert!).\nDie Motette: „Herr, Du bist's, dem Kuhm und Ehre\ngebührt\", hörten wir zum ersten Male und konnten sie\nauch in dieser Gestalt nur zum ersten Male hören, da\nF. Hiller sie aus zwei Chorgesängen J. Haydn's, die sich\nin dessen Gesangmusik mit Clavier-Begleitung finden, zu-\nsammengestellt und die Begleitung für das Orchester, und\nzwar mit bekanntem Geschick, instrumentirt hatte. Sie ge-\nfiel in dieser Form, ohne gerade tiefen Eindruck zu machen.\nUeber die Musik von Meyerbeer zu ~Struensee\"\nund deren Aufführung müssen wir die ausführlichere Be-\nsprechung bei heute mangelndem Räume auf die nächste\nNummer verschieben.\nIm zweiten Theile hörten wir ein Concertstück, Noc-\nturne espagnol,dessen Componist nicht genannt war, für\nHarfe, vorgetragen von Herrn Krüger, Mitglied der kö-\nniglichen Capelle zu Stuttgart, welcher auch die Harfen-\nstimme in Meyerbeer's Struensee-Musik und in Mendels-\nsohn's Ouvertüre zur Athalia ausführte. Wir lernten in\nHerrn Krüger einen bedeutenden Künstler auf seinem In-\nstrumente kennen, der nicht leicht seinen Meister finden\ndürfte. Er versteht dem spröden Werkzeuge Nuancen des\nTons zu entlocken, die man kaum erwarten sollte; allein\ndie wahrhaft musicalische Wirkung scheitert am Ende\ndoch immer an der Natur des Tons der Harfe, der im\nOrchester eine vortreffliche Wirkung macht, aber im län-\ngeren Solostück ermüdet, zumal bei so flachen Composi-\ntionen, wie die meisten Harfenstücke aufweisen, wovon\nauch dieses Nocturnokeine Ausnahme machte. Herr\nKrüger ärntete durch sein meisterhaftes Spiel den lebhaf-\ntesten Beifall.\nEine höchst ansprechende neue Composition führte\nuns F. Hiller zum ersten Male vor. Dieses Sopransolo\nmit Frauenchor, welcher nicht bloss den Refrain singt,\nsondern ganz mit der Solostimme verwebt ist, fliesst so\nklar und anmuthig und doch innig empfunden dahin, und\nist so sehr Melodie von Anfang bis zu Ende, dass es auf\nder Stelle ins Herz dringt und einen Sturm von Beifall\nhervorrief, der sich mehrere Male wiederholte. Zu dem\nVortrage des Solo's gehört eine volle Sopranstimme, wie\nsie Frau Zademak besitzt, da dieselbe an manchen Stellen\nden Chor auch im Forte beherrschen muss; sonst ist die\nAusführung leicht.\nEine recht gute Ausführung von Mendelssohn's\nAthalia-Ouverture beschloss das Concert.\n\nBenachrichtigung.\n\nUnterm 20. April 18(>] hat die Gesellschaft der Musikfreunde im\nSinne des §. 2 ihrer Statuten die P. T. Herren Tonsetzer -eingela-\nden, symphonische Tonwerke, die bisher weder im Musikhandel er-\nschienen, noch öffentlich aufgeführt wurden, zu dem Zwecke einzu-\nsenden, dass die zwei als vorzüglichste erkannten in der Con-\ncertzeit 18(31 1862 dem wiener musicalischen Publicum durch die\nGesellschaft vorgeführt werden.\nAls Preisrichter, welche der Direction die Prüfung und Begut-\nachtung der eingesandten Tonwerke freundlichst zugesichert hatten,\nwurden in der Einladung genannt die Herren: Dr. Ambros in\nPrag, Ferdinand Hiller in Köln, Dr. Franz Liszt in Weimar,\nKarl Rein ecke in Leipzig und Robert Volkmann in Pesth.\nDie Entscheidung der Angelegenheit hat sich um ein ganzes\nJahr verzögert, und die Umstände der Verzögerung konnten von der\nDirection nicht vorausgesehen werden.\nEiner bestand in der unerwartet grossen Zahl der eingesandten\nTonwerke. Es gelangten nämlich zweiunddreissig Symphonie-Parti-\nturen an die Direction, welche von Wien aus den Weg an die\nWohnorte der einzelnen Preisrichter machen mussten. Ein anderer\nAnstand ergab sich durch die Bemüssigung, für den Dr. Franz Liszt,\ndessen Aufenthalt mittlerweile verändert war, einen Preisrichter an\neinem näheren Orte gewinnen, was nach längerer Bemühung in der\nPerson des Herrn Vincenz Lachner in Mannheim geschah.\nDie eingesandten Tonwerke wurden mit laufenden Nummern nach\nder Folge ihres Einlangens bezeichnet und mit einem Verzeichnisse,\nwelches die Nummern und das Motto jeder Symphonie enthielt,\ndurch Vermittlung der Musicalienhandlung Wessely und Büsing in\nWien der Reihe nach an die Herren Preisrichter versandt und die-\nsen zugleich in besonderer Zuschrift die Richtschnur bei der Beur-\nteilung durch nachstehende Fragepunkte bezeichnet:\nci) Sind unter den zur Prüfung eingesandten Symphonieen über-\nhaupt solche, deren öffentliche Aufführung im Interesse der Kunst\nund zur Aufmunterung musicalischer Talente wünschenswerth er-\nscheint? welche können als solche bezeichnet werden?\nb) Unter den aut diese Art ausgeschiedenen Symphonieen sind\ndie zwei vorzüglichsten und weiter diejenigen zwei zu be-\nzeichnen, welche etwa nächst diesen zu berücksichtigen wären.\nDie Gutachten der Herren Preisrichter erfolgten in nachstehen-\nder Ordnung: unterm 9. November 1861 von Ferdinand Hiller in\nKöln; unterm 2. Januar 1862 von Karl Reinecke in Leipzig; unterm\n20. März 1862 von Dr. Ambros in Prag; unterm 29. Mai 1862 von\nRobert Volkmann in Pesth: endlich unterm 9. November 1862 von\nVincenz Lachner in Mannheim.\nHerr Ferdinand Hiller bezeichnete unter den eingesandten Sym-\nphonieen als der öffentlichen Aufführung würdig: in erster Reihe\nNr. 31 mit dem Motto: „An das Vaterland\"; in zweiter Reihe Nr.\n17 mit dem Motto: „Trotz allem Freundeswort\" u. s. w.; in dritter\nReihe Nr. 18 mit dem Motto: „Antik, romantisch\" u. s. w., und\nsonst keine.\nHerr Karl Reinecke bezeichnete als die zwei vorzüglichsten:\nNr. 14 mit dem Motto: „Wie reich du dich in Lob ergehst\" u. s.w.,\nund Nr. 31 (irrig mit Nr. 5 bezeichnet): „An das Vaterland\", und\nals relativ bedeutend Nr. 26 mit dem Motto: „Nur immer heiter\"\nu. s. w., und Nr. 2o mit dem Motto: „Wer ein Kleines recht voll-\nbringt\" u. s. w."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630117-01.1.8", "texte": "Herr Dr. Ambros bezeichnete als die vorzüglichste Nr. 31 : „An\ndas Vaterland\"; in zweiter Reihe Nr. 6 mit dem Motto: „iWus, tan-\ndis que de joieu u. s. w.; in dritter Reihe Nr. 12 mit dem Motto:\n„Herbstlich öde steht das Thal\" u. s. w., und führte nebenbei als\nbedeutendes Tonstück die Symphonie-Ode Nr. 28 mit dem Motto:\n„Nur jene Form eines Tonstückes\" u. s. w. an.\nHerr Robert Volkmann setzte die Symphonie-Ode Nr. 28 an den\nersten Platz und bezeichnete in zweiter Reihe Nr. 6, in dritter Reihe\nNr. 17, während er an den Symphonieen Nr 31, Nr. 26, Nr. 18\nund Nr. 14 mit dem Motto: „Wie reich du dich in Lob ergehst\"\nu. s. w. interessante Einzelheiten hervorhob.\nHerr Vincenz Lachner endlich stellte nachstehende Symphonieen\nin folgender Rangordnung über die anderen: Erstens Nr. 18, Zwei-\ntens Nr. 31, Drittens Nr. 17.\nWie zu ersehen ist, ergab sich aus der Zusammenstellung der\nvorstehenden Urtheile kein sicherer Anhaltspunkt für die Bestim-\nmung von einer, noch weniger von zwei Symphonieen, die im\nSinne der von der Direction ergangenen Einladung in der diesjähri-\ngen Concertzeit aufgeführt werden sollten; und da es der Direction\ndarum zu thun war, dem Urtheile der Herren Preisrichter in keiner\nHinsicht vorzugreifen, so wurde denselben der Stand der Angelegen-\nheit mit Schreiben vom 24. November 1. J. bekannt gegeben, und\ndas Ersuchen gestellt, sich über die Reihenfolge der als vorzüg-\nlich bezeichneten Symphonieen mit Rücksicht auf den Erfolg der\nersten Beurtheilung auszusprechen.\nIn Folge dessen entschieden sich die einzelnen Herren Preisrich-\nter für nachstehende Rangordnung:\nHiller: Nr. 31, Nr 17.\nReinecke: Nr. 31, Nr. 17, Nr. 18, Nr. 6.\nVolkmann: Nr. 31, Nr. 28, Nr. 6, Nr. 17.\nAmbros: Nr. 31, Nr. 17, Nr. 6, Nr. 28.\nLachner: Nr. 31, Nr. 18, Nr. 17,\nwobei zu bemerken ist, dass die Herren Reinecke, Volkmann und\nLachner sich in Bezug auf Nr. 31 der früheren Stimmenmehrheit\nfügten und Herr Lachner es der Direction überliess, die Rangord-\nnung zwischen Nr. 18 und 17, wenn dies zur Verständigung nöthig\nwäre, umzukehren, so dass Nr. 17 auf den zweiten, Nr. 18 auf den\ndritten Platz zu stehen kommt.\nDie gefertigte Direction beehrt sich somit, in Folge Beschlusses\nvom 27. December 1. J. Nachstehendes zur Kenntniss zu bringen :\n1. Von den auf die Einladung vom 20. April 1861 eingesandten\nSymphonieen werden in der diesjährigen Concertzeit zwei, und\nzwar Nr. 31 mit dem Motto: „An das Vaterland\", und Nr. 17 mit\ndem Motto: „Trotz allem Freundeswort\", durch die Kräfte der Ge-\nsellschaft öffentlich aufgeführt.\n2. Die Aufführung beider Symphonieen in demselben Con-\ncor te findet am 15. Februar 1863 im Saale der Gesellschaft der\nMusikfreunde unter der Leitung des artistischen Directors J. Her-\nbeck Statt.\n3. Die zur Aufführung bestimmten Symphonieen bleiben Eigen-\nthum des Verfassers. Sie werden im Concert-Programme bloss mit\ndem von den Verfassern gewählten Motto bezeichnet. Unmittelbar\nnach der Aufführung erfolgt die Eröffnung des versiegelten Zettels\nund die Bekanntgebung des Tonsetzers.\n4. Ueber die anderen von den Herren Preisrichtern bezeichneten\nSymphonieen, nämlich Nr. 18, Nr. 6 und Nr. '2B, behält sich die\nDirection eine Bestimmung im Einvernehmen mit den Verfassern vor,\nwelche hiermit zur gefälligen Angabe ihrer Adresse aufgefordert werden.\n5. Die nicht berücksichtigten Tonwerke mit den versiegelten Zet-\nteln können vom 6. Januar 1863 an in der Kanzlei der Gesell-\nschaft (Wien, unter den Tuchlauben) gegen Empfangs-Bestätigung\nerhoben werden.\nDie Direction fühlt sich verpflichtet, den Herren Ferdinand Hil-\nler in Köln, Karl Reinecke in Leipzig, Vincenz Lachner in Mann-\nheim, Robert Volkmann in Pesth und Dr. Ambros in Prag für die\nMühe, den bereitwilligen Eifer und die zeitraubende Theilnahme,\nwomit sie diese Unternehmung unterstützt haben, ihren verbindlich-\nsten Dank hiermit öffentlich auszusprechen.\nWien, am 28. December 1862.\nFür die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde:\nFürst Konstantin Czartoryski m. p.,\nPräses der Direction.\n\nM. A. Becker m. p.,\nReferent des Conservatoriums.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf* München, 11. Januar. Sie werden ohne Zweifel gehört ha-\nben, dass Sivori, dieser eben so liebenswürdige als grosse Künst-\nler, dessen hinreissendes Spiel Sie in Ihrer Zeitung nach seiner wie-\nderholten Anwesenheit in Köln gewürdigt haben, im Monat Decem-\nber v. J. hier war. Vielleicht sind Sie aber von den kolossalen Er-\nfolgen, die er in dem sonst ziemlich apathischen München errangen,\nnoch nicht direct unterrichtet, da es auch in diesen Gauen wie über-\nall Leute gibt, die, wenn das Sonnenlicht geläugnet werden soll,\num Beweisgründe nicht verlegen sind. Da Sie aber zu den vorur-\ntheilsfreien Deutschen gehören, die nicht den Musiker, und zwar oft\nungehört, verurtheilen, weil er Italiäner oder Franzose ist, so wer-\nden Sie Sich freuen, wenn ich Ihnen sage, dass Sivori's Erfolge\nwirkliche und einem Anfangs beinahe feindlichen Publicum abgerun-\ngene sind. —Er spielte im Laufe von 14 Tagen drei Mal im gros-\nsen Theater, ein Mal im Odeon und zwei Mal (Kammermusik) im\nMuseum, stets bei überfüllten Sälen. Im Odeons-Concerte spielte er\ndas Concert von Mendelssohn. Wie vortrefflich er es spielt, brauche\nich Ihnen nicht zu sagen, da Sie seine Leistungen als Concert- und\nQuartettspieler kennon. Aber interessant dürfte auch für Sie viel-\nleicht unwillkommen für gewisse Hochtory's der Kunst ein Auto-\ngraphon von Mendelssohn sein, das mir vorliegt, in welchem er\nzu London im Jahre 1845 in den wärmsten Ausdrücken über Auf-\nfassung, Tempi, Vortragsweise u. s. w. seinen Dank an Sivori aus-\nspricht, den er damals noch gar nicht persönlich kannte. Dass Men-\ndelssohn kein Schmeichler war, weiss Jeder. In der letzten Sitzung\nfür Kammermusik trug Sivori das Quartett in C-dur Op. II vom Grafen\nL. Stainlein, die Sonate Op. 96 für Ciavier und Violine von\nBeethoven, Mendelssohn's Qiartett in E-moll und zwei Lie-\nder ohne Worte von seiner Composition vor. Das schöne Quartett\nvon Stainlein, das vor einigen Jahren in den Kammermusik-Mati-\nneen zu Paris so ausserordentlichen Erfolg hatte, erhielt auch hier\nden lebhaftesten Beifall, wozu eben so wie bei dem E-moll-Quartett\nvon Mendelssohn, das hier noch nie Öffentlich gehört worden, die\nmeisterhafte Ausführung beitrug, die, von Vielen nicht erwartet, zur\nBewunderung zwang. Am 30. v. Mts. ist Sivori von hier nach\nWeimar gereist, wohin er vom Grossherzog berufen, um im Neu-\njahrs-Concerte bei Hofe mitzuwirken."}]}