{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-01-24-01", "volume": "bmtnabi_1863-01-24_01", "ocr_sha256": "bd6610d66f97f7425d7ba29841d9781afe26afa0a854befe176b01689d210f66", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/01/24_01/bmtnabi_1863-01-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 415, "texte": "Inhalt.\nErinnerungen an Halevy. IL Duette für zwei Violinen von Wilhelm Speyer. Von A. S. Aus Wien (Erläuterndes\nProgramm zu der Musik-Aufführung von Bichard Wagner im Theater an der Wien). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln,\nZweiter Musikabend der Schüler des Conservatoriums Amsterdam, Concerte der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst, Jean Becker,\nFrau Schumann, Italiänische Oper, Eichard Hol, Verhülst)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "29", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.2.2", "titre_corps": "Erinnerungen an Halévy.", "titre_sommaire": "Erinnerungen an Halévy.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.1", "debut_caractere": 417, "fin_caractere_exclue": 4146, "texte": "Erinnerungen an Halévy.\nII.\n(l. s. Nr. 2.)\nIm Herbste 1839 war Mario nach Paris gekommen\nund hatte den „Robert\" und den „Grafen Ory\" mit gros-\nsem Erfolge gesungen. Die Direction bat Halevy um eine\nneue Op er für Mario. Er schrieb in ziemlich kurzer Zeit\ndie dreiactige Oper Le Drapier, welche trotz Mario durch-\nfiel (im Januar 1840).\nUngefähr um dieselbe Zeit wurde Halevy zum Direc-\ntor der Musik des Herzogs von Orleans ernannt. Nach\ndessen Tode (1842) vertraute die Frau Herzogin ihm die\nLeitung des musicalischen Unterrichts ihrer Söhne an und\ngab ihm fortwährend Beweise ihrer hohen Gunst.\nDie Composition des Guitarrero von Scribe (21. Ja-\nnuar 1841), einer komischen Oper auf dem geschichtli-\nchen Hintergrunde der Restauration des Hauses Braganza\nin Portugal, hielt sich namentlich durch Roger's Leistung\neinige Zeit auf dem Repertoire, trat aber gegen den Er-\nfolg von La Reine de Chypre(22. December 1841) sehr\nzurück. Diese Oper war die dritte fünfactige, welche Ha-\nlevy binnen sechs Jahren geschrieben; der Text war von\nde Saint-Georges, in der Aufführung glänzten Duprez,\nMassol, Madame StoJtz.\nIm Jahre 1842 verheirathete sich Halevy mit Fräulein\nLeonie Rodrigues. Dasselbe Jahr brachte ihm aber einen\nschmerzlichen Verlust durch den Tod Cherubini's, den 15.\nMärz 1842, der ihm Lehrer, Vater und Freund gewesen\nwar. An demselben 15. März des folgenden Jahres hatte\ndie Oper Charles Vl.unläugbaren Erfolg, erlebte an hun-\ndert Vorstellungen und verschwand nur durch politische\nVerhältnisse von der pariser Bühne. [Man wollte einen\nwahnsinnigen König von Frankreich nicht auf der Bühne\nsehen und verbot die Fortsetzung der Aufführungen; auch\nmofihtem die populären Scenen von Paris zur Zeit der\nKämpfe der Burgund und Orleans dem Hofe nicht beha-\ngen, zumal da sie dem Parterre grossen Jubel machten.]\nIn der Provinz indess wurde die Oper fort und fort gege-\nben. [L£on meint: „auch im Auslände\"; wir erin-\nnern uns nicht, dass sie auf deutschen Bühnen gegeben\nworden.] Das Verbot war dem Componisten sehr schmerz-\nlich; er hielt das Werk für eines seiner besten.\nEine komische Oper, eigentlich eine Opera hujf'a: nLe\nLazzarone\", und dennoch für die Scene der grossen Oper\nbreit angelegt und dort (1844) aufgeführt, hielt sich nicht.\nUm d iese Zeit trat Halevy auch als Schriftsteller auf.\nDie erste öffentliche Probe seines Talentes in dieser Be-\nziehung waren die Lettres de Gervasius im Feuilleton des\nConstitutionnelvon 1844. [Leon Halevy geht darüber\nweg; wir erinnern uns dunkel, dass wir in diesen Briefen,\ndie sich über Musik etwas arg phantastisch ausliessen,\neinen Einfluss von Hoffmannrs Ansichten und Schreibart\nin den „Kreisleriana\" u. s. w. wahrzunehmen glaubten.]\nAm 15. März 1845, dem Todestage Cherubini's, erschien\nin einer anderen Zeitschrift eine Studie von ihm über Che-\nrubini, die durch Inhalt und Stil sehr ansprach, aber nur\nbis 1791 (Aufführung der Oper Lodoiska) geht, da leider\nihre Fortsetzung durch das Eingehen des Journals unter-\nbrochen wurde*). Sie beginnt folgender Maassen:\n„In dem Augenblicke, wo ich diese Zeilen schreibe,\nsind drei Jahre über Cherubini's Grab dahingegangen. Er\nstarb, von Jahren belastet, aber muthig kämpfend gegen\nden Tod, wie er bis zum letzten Tage muthig gegen das\nAlter gekämpft halte, und das Alter hatte auch vor ihm\nRespect gezeigt. Er hatte die ganze Willenskraft, das un-\n\n*) Es war dies der Moniteur des Ärts•, revue litteraire et ar-\ntistiquey eine Wochenschrift, herausgegeben von Gido, 1840,\ndie sich nur ein Jahr hielt. Da uns Etüde bei unse-\nrem Aufsatze über Cherubini (Ende des Jahrgangs 1861\nund in den ersten Nummern von 1862) noch unbekannt war (\nso theilen wir den Anfang davon zugleich als Probe von Ha-\nUvy's Stil mit. Die Redaction^"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5406, "texte": "getrübte Urtheils'Vermögen, die reine Geistesklarheit be-\nhalten. Gesund und jung und kräftig an Geist, fühlte sich\nder Achtzigjährige seiner Umgebung gleich, die meist aus\nMenschen bestand, die entweder die reiferen Mannesjahre\nnoch kaum erreicht oder kaum überschritten hatten. Nur\nungern erkannte er die Rechte des jüngeren Alters an, das\nWort „Greis\" war ihm im Gefühl seiner Kräftigkeit un-\nangenehm; er glaubte, es stecke etwas Besonderes dahin-\nter, wenn man es ihn hören liess. Wie schonend man es\nauch gebrauchte, wie sehr man es auch mit Ruhm und\nEhre verschönerte, er mochte es nicht leiden, denn die\nBilder von Schwäche, Abnahme, Mitleid der Welt schweb-\nten dabei gleich seiner Einbildungskraft vor. Er liess vom\nAlter in Bezug auf sich selbst nichts gelten, als die Ehr-\nerbietung; es bestand bei ihm nur in der Autorität.\n„Man würde jedoch fehl schliessen,wenn man Cheru-\nbini desshalb für eitel oder anmaassend halten wollte; die-\nser scheinbare Stolz barg eine höchst bescheidene Ge-\nsinnung, die ihre Quelle in dem Triebe der Selbsterhaltung\nund in dem berechtigten Selbstbewusstsein hatte. Es war\ndie immer wache Furcht vor dem Anderswerden und vor\nder Abnahme der Geisteskräfte. In so fern benutzte er den\nStolz als Gegenwehr gegen das Alter. Sein klarer Ver-\nstand war zu aufmerksam und besorgt, um die fortdauern-\nden Angriffe dieses Feindes nicht zu gewahren, um seine\nerkältenden Einflüsse nicht zu fühlen: allein er wollte sie\nsich selbst nicht eingestehen; er wusste wohl, dass er ver-\nloren sei, sobald er nicht mehr stark dagegen bliebe. Män-\nner von solchem Charakter, die vom Leben nichts als die\ngeistige Kraft schätzen, leben in ewigem Widerstehen und\nfallen mit den Waffen in der Hand. „ „Ich fange an, alt\nzu werden,\"8 sagte er einmal zu mir, und war damals\nschon über die achtzig hinaus. Diese Aeusserung machte\neinen trüben Eindruck auf mich; bei jedem anderen Men-\nschen wäre sie ohne Bedeutung gewesen, bei Cherubini\nwar sie ein Geständniss und erfüllte mich mit banger\nAhnung. Sein Tod fing für mich schon damit an. Drei\nMonate nachher war er nicht mehr.\n„Sein Leben war frei geblieben von der Betrübniss\njener Periode, in welcher die Verstandeskräfte nach und\nnach schwinden und das Licht der Seele sich verdunkelt,\nfrei von der peinlichen Uebergangszeit, während welcher\nder Tod sich einnistet. Bei Cherubini ersparte die Vor-\nsehung seinen Freunden dieses traurige Schauspiel, das\num so betrübender ist, wenn eine so hochragende Intelli-\ngenz abstirbt. Man sollte sagen, die Muse, welche der\nPinsel von Ingres neben ihn gestellt hat, habe schützend\nihn der Gefahr entzogen, der die anderen Sterblichen er-\nliegen.8 ' .\nIn dem Capitel: „Cherubini als italiänischer Compo-\nnist\", findet sich folgende interessante Betrachtung über\ndie Lage der Componisten in Italien.\n„Ein Componist in Italien hat ein glückliches Leben.\nImmerwährend in Athem, immerwährend angeregt durch\nein neues Publicum, ein neues Künstler-Personal, erneuert\ner sich gewisser Maassen selbst durch diesen ewigen Wech-\nsel in nie ruhender Thätigkeit. Sobald eine Oper von ihm\ngegeben ist, wird der Maestro durch das schöne Land\nnach anderen Städten, die alle schön sind, entführt. Auf\nder Stelle geht's wieder an die Arbeit. Die Aufregung,\nein gewisser nervöser Zustand, ohne den kaum ein genia-\nles Werk zu Stande gebracht wird, die Begeisterung, mit\nwelcher er seine letzte Oper vollendete, hat ihn noch nicht\nverlassen, während er schon wieder eine neue beginnt.\nHat er einen Erfolg errungen, so begleitet der ihn und\ngaloppirt mit ihm durch's ganze Land. Er macht ihn stolz\nund glücklich die Stimmung hilft ihm, ein neues Meister-\nwerk zu schaffen. Hat er Unglück mit einer Oper? Wie\nleicht kommt er darüber hinweg! Der Himmel lächelt, der\nsanfte Hauch des Zephyrs umweht ihn: fort! fort! Was\nwaren das für schlechte Sänger! die Primadonna detonirte,\nder Tenor alle Augenblicke falsch, der Bariton immer zu\ntief! Und was für ein abscheuliches Libretto! Und das\nOrchester schlecht und das Publicum boshaft. Wie froh\nist er, diese verdammte Stadt hinter sich zu haben! Hier,\nhier, wo er jetzt ist, wo man ihn mit Sehnsucht erwartet\ndas ist eine herrliche Stadt! Hier begegnet er auf der\nPromenade keinem Zeugen seines Unfalls, kein schaden-\nfrohes Lächeln lauert im Hinterhalt auf ihn, alle Sänger\nsind hier vollkommene Künstler, alle Herzen und Hände\nbefreundet. Und dann war zu Cherubini's Zeit die Presse\nnoch nicht so geschäftig, wie heute, es gab keine Tau-\nsende von Blättern, die mit Windesschnelle und unerbitt-\nlich das Echo einer unglücklichen Niederlage in alle Welt\ntrugen. Während der Ruf des Erfolgs durch die allge-\nmeine Theilnahme schnell über den weiten Raum drang,\nverlor sich das Gerücht vom Unfall schon unterwegs.8\nDie nächste Oper Halevy's waren Les Mousquetaires\nde la Reine, deren erste Vorstellung am 3. Februar 1846\nin der komischen Oper Statt fand. Das Werk wurde mit\ngrosser Sorgfalt in Scene gesetzt, Roger, Mocker und Ma-\ndame Darcier hatten die Hauptrollen. Es machte grosses\nGlück, erlebte eine grosse Zahl von Vorstellungen und wurde\nauch neuerdings wieder aufgenommen. Für die Theater in\nder Provinz blieb es sechszehn Jahre lang das beliebteste\nEröffnungsstück, da es auch am geeignetsten war, ein Opern-\nPersonal in allen wichtigen Gesangfächern vorzuführen.\nIn demselben Jahre schrieb eine Gelegenheits-\nMusik, eine Cantate: Les Flages du Nil (Text von Leon"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5323, "texte": "Halevy), welche zu Ehren von Ibrahim Pascha, dem Vice-\nkönig von Aegypten, im Salon des Ministers des öffent-\nlichen Unterrichts, Herrn von Salvandy, aufgeführt wurde.\nIm Mai desselben Jahres las er zum ersten Male in der\nöffentlichen Sitzung der fünf Akademieen des Instituts eine\nAbhandlung „über den Ursprung der Oper in Frank-\nreich\". Sie schloss mit den Worten: „Ein deutscher Mu-\nsiker war es, der in Paris das Werk vollendete, welches\nzweihundert Jahre vorher in Florenz angefangen worden\nwar. Was die älteren Meister durch Forschung über das\nAntike und durch Vorliebe für dasselbe zu erreichen ge-\nsucht hatten, errieth dieser Tondichter aus seinem Innern\nund verwirklichte es durch sein angeborenes tiefes Gefühl\nfür alles Grosse, Einfache und Wahre. Dieses Genie, die-\nser Schöpfer der lyrischen Tragödie war Gluck, der Com-\nponist der Alceste, des Orpheus, der beiden Iphigenien\nund der Armide.\"\nEs kamen die Februar-Tage von 1848. Sie waren\nnatürlich der Kunst und den Theatern nicht günstig. Einer\nder tüchtigsten Directoren, Herr Perrin, jetzt an der gros-\nsen Oper, hatte gerade um diese Zeit das Theater der ko-\nmischen Oper übernommen und das Buch einer neuen\nOper Halevy anvertraut. Sie konnte am 11. November\n1848 in Scene gehen und rettete durch mehr als hundert\nVorstellungen hinter einander die Theater-Direction vor\ndem gänzlichen Ruin, den sie vor Augen sah. Es war\nVal d'Andorre, jenes liebliche Idyll aus der Hirtenwelt\nder Pyrenäen, welches die Menge nach dem Opernhause\nzog, wie in den ruhigsten und glücklichsten Zeiten. Der\nSänger Bataille zeichnete sich darin aus und gab dieselbe\nRolle wieder in neuen hundert Vorstellungen, welche das-\nselbe Werk zehn Jahre später auf dem\nerlebte. Der populäre Erfolg der „Rosen-Fee\", welche\nder komischen Oper ebenfalls viel Geld einbrachte (mit\nMadame Ugalde, Bataille u. s. w.), beschloss eine glück-\nliche zehnjährige Periode in Halevy's Leben.\nUebrigens rührt aus dem Jahre 1849 auch noch die\nComposition des „Gefesselten Prometheus\" (Text\nvon Leon Halevy) her, eine Cantate, welche im Conserva-\ntorium aufgeführt wurde und in welcher besonders die\nBecitative und ein Chor der Oceaniden gefielen. Die Par-\ntitur ist gestochen worden.\nNach London berufen, brachte Halevy dort im Jahre\n1850 die Oper La Tempesta zur Aufführung. Das Buch\nwar nach Shakespeare's „Sturm\" von Scribe, der aber nur\ndas Scenarium entwarf, und einem italiänischen Theater-\ndichter bearbeitet; Halevy hatte es in sehr kurzer Zeit in\nMusik gesetzt, und diese trug eben nicht zur Vergrösse-\nrung seines Rufes bei. Auch in Paris machte das Werk\n(1851) im italiänischen Operntheater kein Glück.\nEben so vorübergehend waren die Vorstellungen von\n„Pique Dameuin der komischen (Ende 1850) und vom\n„Juif errani\" in der grossen Oper (23. April 1852),\nwelchem letzteren Werke nur die Pracht der Ausstattung\nund die Schaulust der grossen Menge einen kurzen Erfolg\nfür die Gasse verschafften, aber nicht für den Ruhm des\nComponisten*). Auch die Oper „Der Nabob\", im Jahre\n1853 auf dem Theater der komischen Oper aufgeführt,\nhielt sich nach einem unzweifelhaften ersten Erfolge doch\nnicht lange **).\nDie letzten drei Opern Halevy's waren „ Jaguarita,\"\nauf dem Theätre lyrique(lBss), „\nan der komischen Oper (1856) und „La Magicienne* an\nder grossen Oper (den IT. März 1858). Die erste mit\nMadame Cabel und die letzte mit Gueymard und den Da-\nmen Borghi-Mamo und Lauters erlebten viele Wiederho-\nlungen; die „Valentine\" aber blieb nicht lange auf dem\nRepertoire.\nWir wollen nun noch einen Blick auf Halevv's schrift-\nV\nstellerische Thäligkeit werfen.\nAm 29. Juli 1854 wurde Halevy zum immerwähren-\nden Secretär der Akademie der schönen Künste ernannt\n—eine Auszeichnung, welche zum ersten Male einem Ton-\nkünstler zu Theil wurde und namentlich in Betracht der\ndrei letzten Vorgänger in dieser Stelle eine besondere An-\nerkennung der literarischen Befähigung desselben zu einer\nso hohen Stellung in sich schloss. Diese Vorgänger waren\nLebreton, Quatremere de Quincy und Raoul-Rochette,\nMitglieder der Academie des Lnscriptions et helles lettres\nund Gelehrte von europäischem Rufe. Raoul-Rochette war\nam 5. Juli 1854 gestorben.\nHalevy war, wie oben schon erwähnt, als Schriftsteller\nin mehreren Zeitschriften und durch Vorträge, die er in\nden Sitzungen der Akademie gehalten, aufgetreten. Die\nmeisten dieser Aufsätze hat er später gesammelt unter dem\nTitel Souvenirs et Portraitsherausgegeben. Sie behandeln\nmeist musicalische Stoffe, theils historisch, theils ästhetisch.\nInteressant sind: Gregorio Allegri***), Der Kohlenhändler\n\n*) Vom Jähre 1850 an (Erster Jahrgang der Rheinischen,\nbeziehungsweise Nieder rheinischen Musik-Zeitung)\nkann man die Reihe der Erzeugnisse der Muse Halevy's in\ndiesen Blättern verfolgen. Die Redaction.\n**) Vergl. die anerkennende Beurtheilung in Nr. 11 und 12 des\nJahrgangs 1853 d, 81. Die Redaction.\n***) Haldvy scheint das Miserere in den ersten Stimmen nicht von\nmännlichen JSoprani gehört zu haben, wie Mendelssohn im\nJahre 1831, 'wo der berühmte Hauptsopran Mariano noch\nin der Sixtina sang, sondern von Knabenstimmen, denn er\nerklärt sich daraus und aus dem Verlorensein der Traditionen\ndes Vortrages den geringeren Eindruck, den der Gesang auf\nuns macht im Gegensatz zu den Erzählungen über die Wir-\nkung auf die früheren Generationen. Die Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5237, "texte": "Britton in London, Origine Der\nOrganist Frohberger, Die Denkreden (so genannten\nüber Fontaine, Bluet, David d'Angers, Paul Delaroche,\nDesnoyers, Simart, Onslow, Adam.\nIn der Biographie Frohberger's findet sich folgende\nStelle über die Orgel, welche bei einem französischen Mu-\nsiker, gegenüber der Unkenntniss des Instrumentes und\nder leichtfertigen und unwürdigen Behandlung desselben\nin Frankreich, auszuzeichnen ist:\n„Die Orgel erfordert sehr ernste Studien. Der Orga-\nnist muss alle Geheimnisse der Composition kennen und\neine reichquellende Phantasie haben. Dann gehört auch\neine tüchtige Manneskraft dazu, das Instrument zu bemei-\nstern, welches seine harmonischen Schätze eifersüchtig\nwahrt und sie sich nicht ohne Widerstand abgewinnen\nlässt. Wer es aber bezwingt, dem lohnt es mit Wucher\nseine Anstrengungen, es regt auf, es begeistert seinen Mei-\nster. Stumm und schweigend steht die Orgel da, ihre Luft\nist wie in einem Gefängniss eingeschlossen. Sobald aber\neine geschickte Hand die Tasten berührt und den Strö-\nmungen des belebenden Hauches die Pforten öffnet, so\nbricht die Harmonie mächtig aus und erscheint wie ein\nprachtvoller Bau: die tiefen Stimmen tragen wie feste Säu-\nlen die Töne der hohen Region, dazwischen füllen die\nmittleren den Raum, der jene von einander trennt, die\nTasten rühren sich behende, die Luft strömt schnell wie\nder Gedanke durch alle Canäle und weilt oder schwindet\nim tönenden Hauche, Accorde drängen sich wie Woge\nauf Woge, die ganze Kirche füllt Ein mächtiger Klang.\nWie man in dunkler Nacht die Sterne am Himmel sieht,\nso wähnt man hier Tausende von gleichsam sichtbaren\nTönen an den Gewölben funkeln zu sehen. Die andächtige\nMenge wird im Innern durch solche Klänge erregt, wäh-\nrend diese den Organisten begeistern, dass er dem Drange\nder Harmonieen in seiner Seele immer mehr gehorchen\nund dem Strome der Töne die Thore öffnen muss.\"\nVon Schriften rein musicalischen Inhalts sind noch zu\nerwähnen seine Abhandlung über die Normalstimmung\nund seine Legons de lecture musicale, ein theoretisches\nWerk, 1852 im Auftrage der Aufsichts-Behörde über die\npariser Stadtschulen geschrieben, in zweiter, mit Uebungs-\nstücken und Solfeggien vermehrter Ausgabe 1860 ge-\ndruckt. Die Vorrede schliesst Halevy nach einer Verherr-\nlichung der Tonkunst mit den Worten: „So hat Gott uns\ndie Musik gegeben, auf dass alle Stimmen auf Erden in\nTönen ihre vereinigten Gebete in harmonischem Rhyth-\nmus zu ihm erheben.\"\nDiese Worte sind bezeichnend für Halevy's Charakter.\nEr blieb dem Glauben seiner Väter treu, und wenngleich\ner auch mehrere religiöse Gesänge für die katholische\nKirche geschrieben hat, so machte er doch dabei eine\nAusnahme. Sein Bruder erzählt: „Eines Tages sah ich ihn\nbeim Sommeraufenthalt auf dem Lande beschäftigt, ein\nAgnus Dei für die Kirche des kleinen Ortes zu componi-\nren, wo er wohnte. Wir kamen dadurch auf confessionelle\nDuldung zu sprechen, worauf er sagte: „ „Findest du nicht,\ndass das Agnus Dei und das für\njeden Cultus passt? Uebrigens hast du ja längst bemerken\nmüssen, dass ich kein Credo componire.\"\"\nZum Schlüsse geben wir noch die interessanten Noti-\nzen aus Halevy's Aufsatz über die Remuneration der\nComponisten und Dichter in Frankreich, aus denen her-\nvorgeht, dass auch in dieser Hinsicht nicht alles, was\nglänzt, Gold ist, und man auch dort Beispiele hat, dass\nStaat und Land ihre grossen Künstler ebenfalls, wie an-\nderswo, nicht übermässig belohnen.\nFrüher (es geht nicht aus der Darstellung hervor, ob\nzu Zeiten des ersten Kaiserreichs oder der Restauration)\nbestand der Grundsatz, dass der Componist, von welchem\ndrei fünfaclige Werke an der grossen Oper über vier-\nzig Vorstellungen erlebten, eine Staats-Pension erhielt,\nwelche sich mit der Anzahl der Opern, welche fernerhin\njenes Ziel überstiegen, steigerte. Dagegen war der Ein-\nnahme-Äntheil, der bis zur vierzigsten Vorstellung 500\nFrancs (250 für den Dichter und 250 für den Compo-\nnisten) für jede Vorstellung betrug, von der einundvierzig-\nsten an auf 200 Francs im Ganzen herabgesetzt worden.\nHalevy hatte zehn Werke auf die Scene der grossen\nOper gebracht, von denen nur zwei und\nLazzarone) unter der Anzahl von vierzig Vorstellungen ge-\nblieben waren; „Guido\", „Die Königin von Cypern\" hat-\nten über 100, „Die Jüdin\" an 300 erlebt, „Karl VI.\"\nwar bis zu dessen Verbot nahe an 100 gekommen. Die\nStaats-Pension wäre ihm also reichlich zugefallen. Allein\nseine Laufbahn begann erst 1831 und nach der Juli-Re-\nvolution von 1830 hatte die Regierung die Pension für\ndie Componisten nach der vierzigsten Vorstellung abge-\nschafft, und zwar ohne den Einnabme-Antheil von der\neinundvierzigsten Vorstellung an wieder auf 500 Francs\nzu erhöhen; dieser blieb nach wie vor auf 200 Francs\nreducirt! Dem gemäss verminderte sich der Ertrag\neines Werkes mit dessen Erfolg, anstatt sich zu vergrös-\nsern. Die Maassregel war unlogisch und ungerecht. Hale-\nvy's sämmtliche Productionen für das Theater fielen in\ndiese Periode von 1831 —IBSB.\nErst das neue Kaiserreich hat diese Ungerechtigkeit\ngesühnt. Mit dem 1. Januar 1861 trat das neue Reglement\ndes Ministers Grafen Walewski in Kraft, wodurch zwar\ndie Pensions-Verleihung nicht wieder aufgenommen, aber\nder Einnahme-Antheil auf 500 Francs für jede Vorstellung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 910, "texte": "in infinitumwieder festgesetzt wurde. Auch Auber hatte,\nwie Halevy, darunter gelitten. Beide waren die einzigen\nfranzösischen Componisten, die seit Rameau die Ehre\nder grossen Oper aufrecht erhalten hatten, und dennoch\nwurden ihre besten Werke lange Jahre hindurch ganz\nund gar vernachlässigt. Die „Stumme von Portici\" ist erst\nEnde des Jahres 1862 wieder in Scene gesetzt worden;\n„Die Jüdin\" ist seit der neuen Ordnung, die für Halevy\nzu spät kam, da er im folgenden Jahre (den 17. März\n1862) starb, nur drei Mal aufgeführt worden, und wäh-\nrend er in Nizza dahinstarb, dachte die Direction nicht\ndaran, sie nur ein einziges Mal wieder zu bringen. Hätte\ndie grosse Oper ihr Haus am Tage seines Begräbnisses\nnach dem Beispiele der Opera comique und des Theätre\niyrique geschlossen, was sie nicht gethan, so wäre dies der\neinzige Abend gewesen, den sie seit einem Jahre dem gros-\nsen Componisten gewidmet hätte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "30", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.2.3", "titre_corps": "Duette für zwei Violinen von Wilhelm Speyer.", "titre_sommaire": "Duette für zwei Violinen von Wilhelm Speyer.", "signature_source": "A. 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Von welch urkräftiger Gesundheit ein musicalisches\nWerk sein muss, das so contrairen Luftströmungen in der\nKunst-Atmosphäre zu widerstehen im Stande, von dem so-\ngar noch weitere Vervielfältigungen nothwendig werden,\ndies alles in einer Epoche, in der die Kunststrebungen des\nTages meist schnell als abgenutzt bei Seite gelegt und ver-\ngessen werden, das zu untersuchen und darzulegen, könnte\nfür uns nur eine angenehme Aufgabe sein, wenn nicht\nlängst schon eine andere kritische Feder sich diesem Ge-\nSchäfte unterzogen hätte. Denn schon nach dem erstmali-\ngen Erscheinen des ersteren dieser Werke (Opus 4), das\nnun in zweiter Auflage vorliegt, hat die Allgem. Musik-\nZeitung in ihrem zweiundzwanzigsten Jahrgange, Nr. 52,\neinen die Eigenschaften und Vorzüge dieser drei Duette\nauseinander setzenden Bericht gebracht, der, weil er die\nLeistungen berühmter Componisten in demselben Zweige\nzum Ausgang nimmt, auch für unsere Tage noch von ent-\nschiedenem Interesse ist, darum der Vergessenheit entzo-\ngen zu werden verdient. Das Interesse steigert sich noch\ndurch den besonderen Umstand, dass wir zugleich einem\nvergleichenden Urlheile des vorliegenden Werkes mit glei-\nchen Erzeugnissen eines der hervorragendsten französi-\nschen Meister dort begegnen, Baillot's nämlich, dessen\nUnterricht im Violinspiel Herr Speyer vordem genossen\nhatte. Der Bericht der AHg. Musik-Zeitung (deren Wie-\ndererstehen wir zugleich mit Gegenwärtigem begrüssen),\nbeginnt, wie folgt:\n„Die guten Werke dieser Art sind so selten, dass es\neine Pflicht für diejenigen ist, welche öffentlich über Ton-\nkunst reden, die musicalische Welt aufmerksam 2U ma-\nchen auf das, was Ausgezeichnetes für solchen Zweig der\nTonkunst geleistet und geboten wird. Viotti, A. Romberg\nund Spohr haben in dem engeren Kreise des zweistimmi-\ngen Satzes dargethan, dass weder das erfindungsreiche Ge-\nmüth des Tonsetzers, noch dessen praktische Anwendung\nder tiefen theoretischen Kunde hier beschränkt sei, und\ndass das wahre Genie überall seine Bahn finde, wo es\nTreffliches wirken und schaffen könne. Allein für die so\ngenannte neuere Schule der französischen Geiger waren\ndie Duette jener Meister, was den praktischen Theil be-\ntrifft, zu einfach: die so vielfache und verschiedenartige An-\nwendung des Bogens, geleitet durch die weiteste Kennt-\nniss aller Nuancen, in denen sich dem Instrumente Vor-\ntheile abgewinnen lassen, verlangte etwas Pikantes, etwas\nmehr diesem angenommenen Erforderniss Entsprechendes.\nBaillot versuchte in seinen Duetten, diesem von französi-\nschen Geigern gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen, doch kam\nsein Compositions-Talent der Urtheilskraft, welche der\ngrosse Geiger für diesen Gegenstand erworben, nicht gleich,\nund man vermisste noch immer den edlen Grundstoff, das\nhöhere, mehr als blülhenreiche Nuancirungen und Kennt-\nniss vielseitiger Stricharten erzeugende Talent.\n„Die drei Duette, welche wir vor Augen haben,\nnähern sich in Hinsicht auf praktisches Verhältniss, heraus-\nzuhebende Ausschmückungen und Stricharten einiger\nMaassen den Baillot'schen, nur dürften sie, was Neuheit\nder Erfindung und Runde des Satzes betrifft, höher stehen.\nWas die Form, die glücklich und einsichtsvoll erfundenen\nMotive, den Fluss und die Zusammenstellung des reichen\nund mannigfachen Stoffes angeht, so möchte ein kundiger\nComponist aus diesen Duetten leicht interessante Quar-\ntette bilden können. Neuheit der Melodieen und Passagen,\nwelche letzteren zwar gut in der Hand liegen, aber den-\nnoch einen geschickten und geübten Spieler erfordern,\noriginelle, doch nicht gezwängte, contrapunktische Wen-\ndungen, Gegenstellungen in pikanten Sätzen und ausdrucks-\nvollen Melodieen sind ausgezeichnete Vorzüge dieser Com-\n\n*) Von diesen Wandlungen war schon wiederholt in diesem Blatte\ndie Rede, zuletzt in dem Artikel nDas Quartett-Spiela in Nr.\n15 und 16 des vorigen Jahrgangs."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 745, "texte": "Positionen.\" —Folgt nun auf 4y2 Spalten das Detail dieser\nCompositionen, das den Violinspielern angelegentlichst em-\npfohlen werden kann, weil daraus viel, auch in Hinsicht\ndes Charakteristischen im Allgemeinen und Speciellen, zu\nlernen ist.\nImgleichen, wenn auch kürzer gehalten, lautet der\nkritische Bericht in Nr. 19 des achtundzwanzigsten Jahr-\ngangs der Allg. Musik-Zeitung über Opus 15, das nun\nschon in dritter Auflage vorliegt. Dieses Werk nicht min-\nder, wie Op. 4, erfordert ziemlich weit vorgeschrittene\nSpieler, die auch bereits in dem wichtigen Capitel „rhyth-\nmische Gliederung\", darin von dem Componisten Meister-\nhaftes geleistet ist, praktische Begriffe erworben, wie diese\nvon dem künstlerischen Vortrage bedingt werden.\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.6", "debut_caractere": 747, "fin_caractere_exclue": 4892, "texte": "Aus Wien.\nIch kann Ihnen nichts Interessanteres aus unserem\nMusikleben mittheilen, als folgendes Actenstück zur Ge-\nschichte der Tonkunst im Jahre 1862.\n„Erläuterndes Programm zu der Musik-Auffüh-\nrung von Richard Wagner.\n(Im Theater an der Wien am 26. December 1862.)\n„I.\n„Die Meistersänger von Nürnberg.\n„1. Vorspiel.\n„2. a)Versammlung der Meistersängerzunft.\n(Für Orchester allein.)\nb) Pogner's Anrede an die Versammlung.\n„II.\n„Die Walküre.\n„(Erstes Hauptsück des grossen Bühnen-Festspiels: „ „Der\nRing des Nibelungen\"\".)\n„1. Der Rittder Walküren. (Für Orchester allein.)\n„Die Scene stellt den Gipfel eines Felsenberges dar,\nZüge finsterer Wolken jagen, wie vom Sturme getrieben,\nam Felsensaume vorbei; abwechselnd bricht in ihnen Blitzes-\nglanz aus; eine Walküre zu Ross wird dann sichtbar;\nüber ihrem Sattel hängt ein erschlagener Krieger. Immer\nmehr der Walküren kommen auf diese Weise angezo-\ngen; mit wildjauchzenden Zurufen begrüssen sie sich von\nferner und näher. Endlich sind sie alle auf dem Gipfel die-\nses von der Sage später so genannten Brunhildensteines\nangelangt, stellen die Luftrosse zur Weide und rühmen\nsich gegenseitig ihrer Beute. (Diese Beute sind die Lei-\nchen im Kampfe erchlagener Helden, die sie auf der Wahl-\nstatt erkoren, um von ihnen nach Walhall geleitet zu wer-\nden, wo sie von Wotan, dem Schlachtenvater, zu ewiger\nWonne neu erweckt und von den Walküren als „ „Wunsch-\nmädchen\" \" herrlich kewirthet werden.)\n„2, Siegmund's Liebesgesang.\n„Siegmund, von übermächtigen Feinden verfolgt, ist\ntodmüde und waffenlos in Hunting's Haus gelangt und\nvon dessen jungem Weibe Sieglind gepflegt und erquickt\nworden. Zwischen beiden treten alsbald ahnungsvolle Be-\nziehungen hervor. Siegmund ist von seiner Zwillingsschwe-\nster in frühester Kindheit getrennt worden; in seiner wild-\neinsamen Jugend fand er nie, was ihm tief innig, heimisch\nverwandt gewesen wäre. Sieglind, im zarten Alter der\nHeimat entrissen, ist, kaum herangereift, einem finsteren,\nfeindseligen Manne zum Weibe gegeben worden. Die Be-\ngegnung Siegmund's weckt ihr fernschlummernde Erinne-\nrungen; Siegmund ersieht in ihr nur das Langersehnte,\nInnigverwandte. Ihre Ahnung zu vergewissern, wagt Sieg-\nlind in nächtlicher Weile, den Gast aufzusuchen; hingeris-\nsen von ihrem Nahen, zieht sie der Sehnsüchtige an seine\nBrust. Da springt mit einem Krach die Thür des Saales\nweit auf: Sieglind reisst sich erschreckt los. Und hier\nbeginnt der Gesang.\n„3. Wotan's Abschied und F\"euerzauber.\n„Die Walküre Brunhilde, Wotan's liebstes\nWunschmädchen war von ihm, dem Schlachtengotte, zu-\nerst beauftragt gewesen, Siegmund geger Hunting den Sieg\nzu verleihen. Da er später seinen Lieblingshelden höheren\nRücksichten aufzuopfern befiehlt und dem gemäss den der\nWalküre ertheilten Befehl zurücknahm, wagte diese, von\nerhabenem Mitleiden gerührt, dennoch ihren einstigen\nSchutzbefohlenen (wie sie meint, Wotan's eigenem Sinne\ngemäss) zu beschirmen. Hierüber ergrimmt, verfolgt Wo-\ntan die ungehorsame Walküre, um sie zu bestrafen. Auf\njenem Walkürenfelsen sucht sie Schutz vor dem nacheilen-\nden Schlachtengott; hier von ihm erreicht und aus der\nschwesterlichen Schar der übrigen Walküren ausgeschie-\nden, unterwirft sie sich ihm, um ihre Strafe zu empfangen.\nEinsam auf den Felsen gebannt, soll sie in Schlaf versenkt\nwerden und dem vorüberziehenden Manne zum Weibe be-\nstimmt sein, der sie da fände und erweckte. Entsetzt von\nder ihr drohenden Schmach, sucht sie von dem Gott min-\ndestens eine Gewähr dafür zu erhalten, dass nie der Zufall\n1 * * y ' *\neinem feigen Prahler sie angehörig machen möge. Er wei-\ngert jede Theilnahme an ihrem ferneren Schicksale. Da\nstürzt sie sich verzweiflungsvoll auf ihre Kniee; die seinen\numwindend, fleht sie ihn mit herzzerreissender Klage an,\nsich nicht selbst zu entehren, indem er sie, die einst ihm\nso innig vertraut gewesen, der niedrigsten Schmach Preis\ngebe; die schutzlos Schlafende möge er wenigstens mit\nscheuchenden Schrecken umgeben; auf sein Gebot ent-\nbrenne ein Feuer: „„den Fels umglühe lodernde Gluth ;\nes leck' ihre Zunge, es fresse ihr Zahn den Zagen, der\nfrech es wagte, dem furchtbaren Felsen zu nahen.\"\" Von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4278, "texte": "diesem verzweiflungsvollen Flehen tief ergriffen, flammt\nWotan's Herz in voller Liebe zu dem theuersten Kinde\nauf; er zieht sie zu sich und blickt ihr mit erhabener Rüh-\nrung in die Augen. Hier beginnt der Vortrag dieses\nBruchstückes.\n„III.\n„Das Rheingold. Vorspiel der „„Ring\ndes Nibelungen\"\".\n„1. Der R aub des Rheingoldes.\n„Auf felszackigem Grunde des Rheines spielten, munter\ngleich Fischen hin und her schnellend, die drei Rheintöch-\nter, welche hier zur Rewachung des kostbarsten Schatzes\nsich zu vereinigen pflegten. Der Nibelung Alberich, ein\nzwerghaft dämonisches Wesen, in den tiefen Schachten der\nErde zu Hause, drang aus seinen Kluften herab, schaute\ndem Spiel der Mädchen zu und entbrannte bald in verliebte\nSehnsucht. Von dem einen der Mädchen zum anderen sich\nwendend, von jeder erst angezogen, dann höhnisch verlas-\nsen, von allen geneckt, verspottet und geflohen, hält er,\nnachdem er bald dahin, bald dorthin vergebens den aus-\ngelassenen Kindern nachgeklettert, vor Wuth schäumend,\nathemlos an und streckt drohend die geballte Faust nach\nihnen hinauf. In dieser Stellung verbleibt er, den Blick\naufwärts gerichtet, wo er nun von dem folgenden Schau-\nspiele angezogen und gefesselt wird.\n„Durch die Flut ist von oben her ein immer lichterer\nSchein gedrungen, der sich an einer hohen Stelle des mitt-\nleren Riffes allmählich zu einem blendend hellstrahlenden\nGoldglanze entzündet; ein zauberisch goldenes Licht bricht\nvon hier durch das Wasser. Hier beginnt der Gesang.\n„2. Einzug der Götter in Walhall.\n„Den Ring, den Alberich aus dem Rheingolde sich\ngeschmiedet, mitsammt dem Horte, den der Nibelung sich\ndurch diesen mächtigen Reif gewann, hat Wotan, nach-\ndem er Beides Alberich entrissen, an die Riesenbrüder\nFasolt und Fafner als Bezahlung des Baues der nun\nvollendeten Götterburg abgetreten. Zwischen den Brüdern\nentspann sich sogleich Streit um den Besitz des Ringes;\nvon Fafner erschlagen, sank Fasolt todt zu Boden. Die\nGötter stehen bestürzt: Wotan erkennt die Kraft des Flu-\nches, mit dem Alberich den ihm geraubten Ring belegt.\nMissmuthig deutet Donner auf den in Nebel gehüllten\nHintergrund und macht sich daran, kraft seines göttlichen\nAmtes diese zu zerstreuen. Hier beginnt der Gesang.\"\nWagner versucht hier denselben Weg einzuschlagen,\nwie vor zwei Jahren in Paris, nämlich durch grosse, mit\nAufwand veranstaltete Concerte die Aufführung einer von\nseinen Opern vorzubereiten. Dieses Mal ist dies „Tristan\nund Isolde\". Da aber das wiener Publicum seinen Tann-\nhäuser und seinen Lohengrin längst kennt und im Allge-\nmeinen mit Befriedigung, theilweise mit Enthusiasmus auf-\ngenommen hat, so können seine Concerte doch nur als ein\nManöver betrachtet werden, sich eine Partei im Publicum\nfür den Erfolg des Tristan zu bilden, der nach allem, was\ndavon verlautet, sehr zweifelhaft sein soll. Ob das Gerücht,\ndass Ander jetzt ganz und gar von seiner Rolle begeistert\nsei, wahr sei oder nicht, weiss ich nicht; gewiss ist aber,\ndass die Direction Herrn Schnorr von Carolsfeld aus Dres-\nden zu Gastrollen kommen lassen will, damit Ander sich\nausschliesslich seiner Aufgabe widmen könne. Wenn man\nalle diese Rücksichten und Begünstigungen, welche ihre\nQuelle in höheren Regionen haben sollen, gewahrt, so\nwürde man sich freuen müssen, dass für einen deutschen\nOpern-Componisten so viel gethan wird, wenn dasselbe\nfür die deutsche Oper überhaupt geschähe. Das ist aber\nleider nicht der Fall; denn z. B. von Hiller's „Katakom-\nben\", welche hiesige Musiker, die sie aus der Partitur\nkennen, als ein ganz ausgezeichnetes Werk schildern, zu\ndessen Aufführung man uns auch Hoffnung machte, von\ndenen ist für jetzt gar nicht mehr die Rede. Es ist eine\neigene Sache um die Kunst, sich geltend zu machen. Wag-\nner könnte ein Buch darüber schreiben, so gut versteht\ner sie; er hat einen Nimbus um sich zu verbreiten gewusst,\nder die Menschen dermaassen blendet, dass sie selbst die\ngrellsten Widersprüche gegen seine eigenen ästhetischen\nGrundsätze nicht wahrnehmen oder ihm verzeihen. Denn\nwas kann seinem System von Poesie-Musik und Drama der\nZukunft mehr widersprechen, als abgerissene Stücke aus\nOpern zu geben, wobei aller Zusammenhang des Gedichtes\naufhört und die Musik nur als solche, also ganz gegen\nseine Lehre, in Betracht kommen kann?\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-01-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-01-24_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "Matino", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.7", "debut_caractere": 4280, "fin_caractere_exclue": 5385, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nKolli* Am 19. Januar fand der zweite Musik abend der\nSchüler des Conservatoriums vor einer zahlreichen Zuhörer-\nschaft Statt« Die Vorträge der Zöglinge wurden mit vielem Beifall\naufgenommen; die Ausführungen von Ciavierstücken wie Hummel\nConcert in As, I. Satz (Fräulein' Anna Schmidt aus Köln), Hum-\nmel Concert in A-moll, 111. Satz (Fräulein Anna Kaufmann aus\nKöln), Field Concert in As-dur, I. Satz (Fräulein Mathilde\nBruch aus Köln), Rondo von C. M. von Weber aus der Sonate\nin C-dur (Herr Aug. Bungardt aus Mülheim an der Ruhr); von\nYiolinsachen wie Spohr 9. Concert, I. Satz (Herr Philipp Bor-\nchardt aus Köln), David Variationen (Herr Leonard Wolf\naus Crefeld); von Gesängen wie Mozart Sopran-Arie aus Idome-\nneo (Fräulein Hermine Kemper aus Detmold), Alt-Arie mit obli-\ngater Violine aus der Matthäus-Passion von Bach (Fräulein Adele\nAssmann aus Barmen) und Mendelssohn zwei Lieder, für clrei\nFrauenstimmen eingerichtet von M. Bruch zeigten auf erfreu-\nliche Weise den vorgerückten Standpunkt der Vortragenden und den\nsteigenden Erfolg der Wirksamkeit der Anstalt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2743, "texte": "+ Amsterdam, 19. Januar. Das erste Concert der Gesell-\n-7 \\\nschaft zur Beförderung der Tonkunst brachte im December y. J.\nSchumann's „Paradies und Per!\" und einen Psalm von van Bree;\ndie Soli wurden von Frau Offermans van Hove und einer ausge-\nzeichneten Pilettantin, Frau Cuypers, den Herren Schneider von\nRotterdam und Rudolfi vom deutschen Theater gesungen, und die\nAusführung war im Allgemeinen ganz gut, wenn auch bei Einzel-\nnem in Bezug auf Feinheit des Ausdrucks Manches zu wünschen\nübrig blieb. Richard Hol dirigirte und that sein Bestes zum Ge-\nlingen des Ganzen.\nDieselbe Gesellschaft gab den 28. December v. J. ihr zweites\nPopulär-Concert unter Verhülst's Direction. Das Programm ent-\nhielt die Sinfonie Nr. 111. von Mendelssohn, die Ouvertüren zu\nOlympia von Spontini und zu Egmont von Beethoven, Chöre von\nMozart, Mendelssohn und Schumann. Der Saal war überfüllt, der\nErfolg der Ausführungen ganz ungemein; die Egmont-Ouverture\nmusste wiederholt werden. Die Chöre, durch Dilettanten besetzt,\nwaren schwach und hatten nur massigen Beifall. Verhülst wurde\nam Schlüsse des Concertes stürmisch gerufen. Das dritte Concert findet\nden 25. Januar unter Mitwirkung von Schneider aus Rotterdam Statt.\nDer eminente Geiger Jean Becker fährt fort, in Holland Lor-\nbern zu pflückenhier- hat er zum dritten Male in dem Studenten-\nConcerte gespielt,, und zwar Mendelssohn's Concert, ein Intermezzo\nmit Orchester von de Hartog und ein Capriccio von seiner Compo-\nsition, alles mit betäubendem Applaus und Hervorruf nach jedem Stücke.\nDie Concerte in Felix Meritis haben, ausser dem Spiel von Frau\nSchumann in dem letzten, nichts besonders Bemerkenswerthes ge-\nbracht. Die grosse Künstlerin hat, wie immer,. Triumphe gefeiert,\nist auch für den Haag, Rotterdam und Utrecht engagirt und wird\nhier aucli in der nächsten Sitzung für Kammermusik, welche Herr\nFranz Cöenen gibt, mitwirken.,\nDie italiänische Oper stirbt seit der Abreise der Trebelli,\nwelche der Abgott des Publicums war, aus Mangel an Theilnahme\nallmählich dahin, obschon sie in Mademoiselle Filippi und Madame\nLafont zwei talentvolle Sängerinnen besitzt. Die italiänische Musik\nfindet keine zahlreichen Verehrer in Holland.\nDer junge Componist Richard Hol verlässt uns, um sich in\nUtrecht niederzulassen,, wo er zum Dirigenten der städtischen Con-\ncerte an Kuffbratli's Stelle, der ehrenvoll pensionirt worden, gewählt\nist. Ver hülst ist zum Musik-Director der-Section Amsterdam\nvon der Gesellschaft zur Beförderung derc Tonkunst ernannt worden\nund wird nun hier sein Domicil nehmen. Dies ist eine Eroberung\nfür unsere Stadt, und wir haben allen Grund, zu hoffen, dass seine\nAnwesenheit einen belebenden und glücklichen Einfluss auf unsere\nmusicalischen Zustände haben wird..\n\nMatino."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nErinnerungen an Halevy. IL Duette für zwei Violinen von Wilhelm Speyer. Von A. S. Aus Wien (Erläuterndes\nProgramm zu der Musik-Aufführung von Bichard Wagner im Theater an der Wien). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln,\nZweiter Musikabend der Schüler des Conservatoriums Amsterdam, Concerte der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst, Jean Becker,\nFrau Schumann, Italiänische Oper, Eichard Hol, Verhülst).\n\nErinnerungen an Halévy.\nII.\n(l. s. Nr. 2.)\nIm Herbste 1839 war Mario nach Paris gekommen\nund hatte den „Robert\" und den „Grafen Ory\" mit gros-\nsem Erfolge gesungen. Die Direction bat Halevy um eine\nneue Op er für Mario. Er schrieb in ziemlich kurzer Zeit\ndie dreiactige Oper Le Drapier, welche trotz Mario durch-\nfiel (im Januar 1840).\nUngefähr um dieselbe Zeit wurde Halevy zum Direc-\ntor der Musik des Herzogs von Orleans ernannt. Nach\ndessen Tode (1842) vertraute die Frau Herzogin ihm die\nLeitung des musicalischen Unterrichts ihrer Söhne an und\ngab ihm fortwährend Beweise ihrer hohen Gunst.\nDie Composition des Guitarrero von Scribe (21. Ja-\nnuar 1841), einer komischen Oper auf dem geschichtli-\nchen Hintergrunde der Restauration des Hauses Braganza\nin Portugal, hielt sich namentlich durch Roger's Leistung\neinige Zeit auf dem Repertoire, trat aber gegen den Er-\nfolg von La Reine de Chypre(22. December 1841) sehr\nzurück. Diese Oper war die dritte fünfactige, welche Ha-\nlevy binnen sechs Jahren geschrieben; der Text war von\nde Saint-Georges, in der Aufführung glänzten Duprez,\nMassol, Madame StoJtz.\nIm Jahre 1842 verheirathete sich Halevy mit Fräulein\nLeonie Rodrigues. Dasselbe Jahr brachte ihm aber einen\nschmerzlichen Verlust durch den Tod Cherubini's, den 15.\nMärz 1842, der ihm Lehrer, Vater und Freund gewesen\nwar. An demselben 15. März des folgenden Jahres hatte\ndie Oper Charles Vl.unläugbaren Erfolg, erlebte an hun-\ndert Vorstellungen und verschwand nur durch politische\nVerhältnisse von der pariser Bühne. [Man wollte einen\nwahnsinnigen König von Frankreich nicht auf der Bühne\nsehen und verbot die Fortsetzung der Aufführungen; auch\nmofihtem die populären Scenen von Paris zur Zeit der\nKämpfe der Burgund und Orleans dem Hofe nicht beha-\ngen, zumal da sie dem Parterre grossen Jubel machten.]\nIn der Provinz indess wurde die Oper fort und fort gege-\nben. [L£on meint: „auch im Auslände\"; wir erin-\nnern uns nicht, dass sie auf deutschen Bühnen gegeben\nworden.] Das Verbot war dem Componisten sehr schmerz-\nlich; er hielt das Werk für eines seiner besten.\nEine komische Oper, eigentlich eine Opera hujf'a: nLe\nLazzarone\", und dennoch für die Scene der grossen Oper\nbreit angelegt und dort (1844) aufgeführt, hielt sich nicht.\nUm d iese Zeit trat Halevy auch als Schriftsteller auf.\nDie erste öffentliche Probe seines Talentes in dieser Be-\nziehung waren die Lettres de Gervasius im Feuilleton des\nConstitutionnelvon 1844. [Leon Halevy geht darüber\nweg; wir erinnern uns dunkel, dass wir in diesen Briefen,\ndie sich über Musik etwas arg phantastisch ausliessen,\neinen Einfluss von Hoffmannrs Ansichten und Schreibart\nin den „Kreisleriana\" u. s. w. wahrzunehmen glaubten.]\nAm 15. März 1845, dem Todestage Cherubini's, erschien\nin einer anderen Zeitschrift eine Studie von ihm über Che-\nrubini, die durch Inhalt und Stil sehr ansprach, aber nur\nbis 1791 (Aufführung der Oper Lodoiska) geht, da leider\nihre Fortsetzung durch das Eingehen des Journals unter-\nbrochen wurde*). Sie beginnt folgender Maassen:\n„In dem Augenblicke, wo ich diese Zeilen schreibe,\nsind drei Jahre über Cherubini's Grab dahingegangen. Er\nstarb, von Jahren belastet, aber muthig kämpfend gegen\nden Tod, wie er bis zum letzten Tage muthig gegen das\nAlter gekämpft halte, und das Alter hatte auch vor ihm\nRespect gezeigt. Er hatte die ganze Willenskraft, das un-\n\n*) Es war dies der Moniteur des Ärts•, revue litteraire et ar-\ntistiquey eine Wochenschrift, herausgegeben von Gido, 1840,\ndie sich nur ein Jahr hielt. Da uns Etüde bei unse-\nrem Aufsatze über Cherubini (Ende des Jahrgangs 1861\nund in den ersten Nummern von 1862) noch unbekannt war (\nso theilen wir den Anfang davon zugleich als Probe von Ha-\nUvy's Stil mit. Die Redaction^"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.2", "texte": "getrübte Urtheils'Vermögen, die reine Geistesklarheit be-\nhalten. Gesund und jung und kräftig an Geist, fühlte sich\nder Achtzigjährige seiner Umgebung gleich, die meist aus\nMenschen bestand, die entweder die reiferen Mannesjahre\nnoch kaum erreicht oder kaum überschritten hatten. Nur\nungern erkannte er die Rechte des jüngeren Alters an, das\nWort „Greis\" war ihm im Gefühl seiner Kräftigkeit un-\nangenehm; er glaubte, es stecke etwas Besonderes dahin-\nter, wenn man es ihn hören liess. Wie schonend man es\nauch gebrauchte, wie sehr man es auch mit Ruhm und\nEhre verschönerte, er mochte es nicht leiden, denn die\nBilder von Schwäche, Abnahme, Mitleid der Welt schweb-\nten dabei gleich seiner Einbildungskraft vor. Er liess vom\nAlter in Bezug auf sich selbst nichts gelten, als die Ehr-\nerbietung; es bestand bei ihm nur in der Autorität.\n„Man würde jedoch fehl schliessen,wenn man Cheru-\nbini desshalb für eitel oder anmaassend halten wollte; die-\nser scheinbare Stolz barg eine höchst bescheidene Ge-\nsinnung, die ihre Quelle in dem Triebe der Selbsterhaltung\nund in dem berechtigten Selbstbewusstsein hatte. Es war\ndie immer wache Furcht vor dem Anderswerden und vor\nder Abnahme der Geisteskräfte. In so fern benutzte er den\nStolz als Gegenwehr gegen das Alter. Sein klarer Ver-\nstand war zu aufmerksam und besorgt, um die fortdauern-\nden Angriffe dieses Feindes nicht zu gewahren, um seine\nerkältenden Einflüsse nicht zu fühlen: allein er wollte sie\nsich selbst nicht eingestehen; er wusste wohl, dass er ver-\nloren sei, sobald er nicht mehr stark dagegen bliebe. Män-\nner von solchem Charakter, die vom Leben nichts als die\ngeistige Kraft schätzen, leben in ewigem Widerstehen und\nfallen mit den Waffen in der Hand. „ „Ich fange an, alt\nzu werden,\"8 sagte er einmal zu mir, und war damals\nschon über die achtzig hinaus. Diese Aeusserung machte\neinen trüben Eindruck auf mich; bei jedem anderen Men-\nschen wäre sie ohne Bedeutung gewesen, bei Cherubini\nwar sie ein Geständniss und erfüllte mich mit banger\nAhnung. Sein Tod fing für mich schon damit an. Drei\nMonate nachher war er nicht mehr.\n„Sein Leben war frei geblieben von der Betrübniss\njener Periode, in welcher die Verstandeskräfte nach und\nnach schwinden und das Licht der Seele sich verdunkelt,\nfrei von der peinlichen Uebergangszeit, während welcher\nder Tod sich einnistet. Bei Cherubini ersparte die Vor-\nsehung seinen Freunden dieses traurige Schauspiel, das\num so betrübender ist, wenn eine so hochragende Intelli-\ngenz abstirbt. Man sollte sagen, die Muse, welche der\nPinsel von Ingres neben ihn gestellt hat, habe schützend\nihn der Gefahr entzogen, der die anderen Sterblichen er-\nliegen.8 ' .\nIn dem Capitel: „Cherubini als italiänischer Compo-\nnist\", findet sich folgende interessante Betrachtung über\ndie Lage der Componisten in Italien.\n„Ein Componist in Italien hat ein glückliches Leben.\nImmerwährend in Athem, immerwährend angeregt durch\nein neues Publicum, ein neues Künstler-Personal, erneuert\ner sich gewisser Maassen selbst durch diesen ewigen Wech-\nsel in nie ruhender Thätigkeit. Sobald eine Oper von ihm\ngegeben ist, wird der Maestro durch das schöne Land\nnach anderen Städten, die alle schön sind, entführt. Auf\nder Stelle geht's wieder an die Arbeit. Die Aufregung,\nein gewisser nervöser Zustand, ohne den kaum ein genia-\nles Werk zu Stande gebracht wird, die Begeisterung, mit\nwelcher er seine letzte Oper vollendete, hat ihn noch nicht\nverlassen, während er schon wieder eine neue beginnt.\nHat er einen Erfolg errungen, so begleitet der ihn und\ngaloppirt mit ihm durch's ganze Land. Er macht ihn stolz\nund glücklich die Stimmung hilft ihm, ein neues Meister-\nwerk zu schaffen. Hat er Unglück mit einer Oper? Wie\nleicht kommt er darüber hinweg! Der Himmel lächelt, der\nsanfte Hauch des Zephyrs umweht ihn: fort! fort! Was\nwaren das für schlechte Sänger! die Primadonna detonirte,\nder Tenor alle Augenblicke falsch, der Bariton immer zu\ntief! Und was für ein abscheuliches Libretto! Und das\nOrchester schlecht und das Publicum boshaft. Wie froh\nist er, diese verdammte Stadt hinter sich zu haben! Hier,\nhier, wo er jetzt ist, wo man ihn mit Sehnsucht erwartet\ndas ist eine herrliche Stadt! Hier begegnet er auf der\nPromenade keinem Zeugen seines Unfalls, kein schaden-\nfrohes Lächeln lauert im Hinterhalt auf ihn, alle Sänger\nsind hier vollkommene Künstler, alle Herzen und Hände\nbefreundet. Und dann war zu Cherubini's Zeit die Presse\nnoch nicht so geschäftig, wie heute, es gab keine Tau-\nsende von Blättern, die mit Windesschnelle und unerbitt-\nlich das Echo einer unglücklichen Niederlage in alle Welt\ntrugen. Während der Ruf des Erfolgs durch die allge-\nmeine Theilnahme schnell über den weiten Raum drang,\nverlor sich das Gerücht vom Unfall schon unterwegs.8\nDie nächste Oper Halevy's waren Les Mousquetaires\nde la Reine, deren erste Vorstellung am 3. Februar 1846\nin der komischen Oper Statt fand. Das Werk wurde mit\ngrosser Sorgfalt in Scene gesetzt, Roger, Mocker und Ma-\ndame Darcier hatten die Hauptrollen. Es machte grosses\nGlück, erlebte eine grosse Zahl von Vorstellungen und wurde\nauch neuerdings wieder aufgenommen. Für die Theater in\nder Provinz blieb es sechszehn Jahre lang das beliebteste\nEröffnungsstück, da es auch am geeignetsten war, ein Opern-\nPersonal in allen wichtigen Gesangfächern vorzuführen.\nIn demselben Jahre schrieb eine Gelegenheits-\nMusik, eine Cantate: Les Flages du Nil (Text von Leon"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.3", "texte": "Halevy), welche zu Ehren von Ibrahim Pascha, dem Vice-\nkönig von Aegypten, im Salon des Ministers des öffent-\nlichen Unterrichts, Herrn von Salvandy, aufgeführt wurde.\nIm Mai desselben Jahres las er zum ersten Male in der\nöffentlichen Sitzung der fünf Akademieen des Instituts eine\nAbhandlung „über den Ursprung der Oper in Frank-\nreich\". Sie schloss mit den Worten: „Ein deutscher Mu-\nsiker war es, der in Paris das Werk vollendete, welches\nzweihundert Jahre vorher in Florenz angefangen worden\nwar. Was die älteren Meister durch Forschung über das\nAntike und durch Vorliebe für dasselbe zu erreichen ge-\nsucht hatten, errieth dieser Tondichter aus seinem Innern\nund verwirklichte es durch sein angeborenes tiefes Gefühl\nfür alles Grosse, Einfache und Wahre. Dieses Genie, die-\nser Schöpfer der lyrischen Tragödie war Gluck, der Com-\nponist der Alceste, des Orpheus, der beiden Iphigenien\nund der Armide.\"\nEs kamen die Februar-Tage von 1848. Sie waren\nnatürlich der Kunst und den Theatern nicht günstig. Einer\nder tüchtigsten Directoren, Herr Perrin, jetzt an der gros-\nsen Oper, hatte gerade um diese Zeit das Theater der ko-\nmischen Oper übernommen und das Buch einer neuen\nOper Halevy anvertraut. Sie konnte am 11. November\n1848 in Scene gehen und rettete durch mehr als hundert\nVorstellungen hinter einander die Theater-Direction vor\ndem gänzlichen Ruin, den sie vor Augen sah. Es war\nVal d'Andorre, jenes liebliche Idyll aus der Hirtenwelt\nder Pyrenäen, welches die Menge nach dem Opernhause\nzog, wie in den ruhigsten und glücklichsten Zeiten. Der\nSänger Bataille zeichnete sich darin aus und gab dieselbe\nRolle wieder in neuen hundert Vorstellungen, welche das-\nselbe Werk zehn Jahre später auf dem\nerlebte. Der populäre Erfolg der „Rosen-Fee\", welche\nder komischen Oper ebenfalls viel Geld einbrachte (mit\nMadame Ugalde, Bataille u. s. w.), beschloss eine glück-\nliche zehnjährige Periode in Halevy's Leben.\nUebrigens rührt aus dem Jahre 1849 auch noch die\nComposition des „Gefesselten Prometheus\" (Text\nvon Leon Halevy) her, eine Cantate, welche im Conserva-\ntorium aufgeführt wurde und in welcher besonders die\nBecitative und ein Chor der Oceaniden gefielen. Die Par-\ntitur ist gestochen worden.\nNach London berufen, brachte Halevy dort im Jahre\n1850 die Oper La Tempesta zur Aufführung. Das Buch\nwar nach Shakespeare's „Sturm\" von Scribe, der aber nur\ndas Scenarium entwarf, und einem italiänischen Theater-\ndichter bearbeitet; Halevy hatte es in sehr kurzer Zeit in\nMusik gesetzt, und diese trug eben nicht zur Vergrösse-\nrung seines Rufes bei. Auch in Paris machte das Werk\n(1851) im italiänischen Operntheater kein Glück.\nEben so vorübergehend waren die Vorstellungen von\n„Pique Dameuin der komischen (Ende 1850) und vom\n„Juif errani\" in der grossen Oper (23. April 1852),\nwelchem letzteren Werke nur die Pracht der Ausstattung\nund die Schaulust der grossen Menge einen kurzen Erfolg\nfür die Gasse verschafften, aber nicht für den Ruhm des\nComponisten*). Auch die Oper „Der Nabob\", im Jahre\n1853 auf dem Theater der komischen Oper aufgeführt,\nhielt sich nach einem unzweifelhaften ersten Erfolge doch\nnicht lange **).\nDie letzten drei Opern Halevy's waren „ Jaguarita,\"\nauf dem Theätre lyrique(lBss), „\nan der komischen Oper (1856) und „La Magicienne* an\nder grossen Oper (den IT. März 1858). Die erste mit\nMadame Cabel und die letzte mit Gueymard und den Da-\nmen Borghi-Mamo und Lauters erlebten viele Wiederho-\nlungen; die „Valentine\" aber blieb nicht lange auf dem\nRepertoire.\nWir wollen nun noch einen Blick auf Halevv's schrift-\nV\nstellerische Thäligkeit werfen.\nAm 29. Juli 1854 wurde Halevy zum immerwähren-\nden Secretär der Akademie der schönen Künste ernannt\n—eine Auszeichnung, welche zum ersten Male einem Ton-\nkünstler zu Theil wurde und namentlich in Betracht der\ndrei letzten Vorgänger in dieser Stelle eine besondere An-\nerkennung der literarischen Befähigung desselben zu einer\nso hohen Stellung in sich schloss. Diese Vorgänger waren\nLebreton, Quatremere de Quincy und Raoul-Rochette,\nMitglieder der Academie des Lnscriptions et helles lettres\nund Gelehrte von europäischem Rufe. Raoul-Rochette war\nam 5. Juli 1854 gestorben.\nHalevy war, wie oben schon erwähnt, als Schriftsteller\nin mehreren Zeitschriften und durch Vorträge, die er in\nden Sitzungen der Akademie gehalten, aufgetreten. Die\nmeisten dieser Aufsätze hat er später gesammelt unter dem\nTitel Souvenirs et Portraitsherausgegeben. Sie behandeln\nmeist musicalische Stoffe, theils historisch, theils ästhetisch.\nInteressant sind: Gregorio Allegri***), Der Kohlenhändler\n\n*) Vom Jähre 1850 an (Erster Jahrgang der Rheinischen,\nbeziehungsweise Nieder rheinischen Musik-Zeitung)\nkann man die Reihe der Erzeugnisse der Muse Halevy's in\ndiesen Blättern verfolgen. Die Redaction.\n**) Vergl. die anerkennende Beurtheilung in Nr. 11 und 12 des\nJahrgangs 1853 d, 81. Die Redaction.\n***) Haldvy scheint das Miserere in den ersten Stimmen nicht von\nmännlichen JSoprani gehört zu haben, wie Mendelssohn im\nJahre 1831, 'wo der berühmte Hauptsopran Mariano noch\nin der Sixtina sang, sondern von Knabenstimmen, denn er\nerklärt sich daraus und aus dem Verlorensein der Traditionen\ndes Vortrages den geringeren Eindruck, den der Gesang auf\nuns macht im Gegensatz zu den Erzählungen über die Wir-\nkung auf die früheren Generationen. Die Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.4", "texte": "Britton in London, Origine Der\nOrganist Frohberger, Die Denkreden (so genannten\nüber Fontaine, Bluet, David d'Angers, Paul Delaroche,\nDesnoyers, Simart, Onslow, Adam.\nIn der Biographie Frohberger's findet sich folgende\nStelle über die Orgel, welche bei einem französischen Mu-\nsiker, gegenüber der Unkenntniss des Instrumentes und\nder leichtfertigen und unwürdigen Behandlung desselben\nin Frankreich, auszuzeichnen ist:\n„Die Orgel erfordert sehr ernste Studien. Der Orga-\nnist muss alle Geheimnisse der Composition kennen und\neine reichquellende Phantasie haben. Dann gehört auch\neine tüchtige Manneskraft dazu, das Instrument zu bemei-\nstern, welches seine harmonischen Schätze eifersüchtig\nwahrt und sie sich nicht ohne Widerstand abgewinnen\nlässt. Wer es aber bezwingt, dem lohnt es mit Wucher\nseine Anstrengungen, es regt auf, es begeistert seinen Mei-\nster. Stumm und schweigend steht die Orgel da, ihre Luft\nist wie in einem Gefängniss eingeschlossen. Sobald aber\neine geschickte Hand die Tasten berührt und den Strö-\nmungen des belebenden Hauches die Pforten öffnet, so\nbricht die Harmonie mächtig aus und erscheint wie ein\nprachtvoller Bau: die tiefen Stimmen tragen wie feste Säu-\nlen die Töne der hohen Region, dazwischen füllen die\nmittleren den Raum, der jene von einander trennt, die\nTasten rühren sich behende, die Luft strömt schnell wie\nder Gedanke durch alle Canäle und weilt oder schwindet\nim tönenden Hauche, Accorde drängen sich wie Woge\nauf Woge, die ganze Kirche füllt Ein mächtiger Klang.\nWie man in dunkler Nacht die Sterne am Himmel sieht,\nso wähnt man hier Tausende von gleichsam sichtbaren\nTönen an den Gewölben funkeln zu sehen. Die andächtige\nMenge wird im Innern durch solche Klänge erregt, wäh-\nrend diese den Organisten begeistern, dass er dem Drange\nder Harmonieen in seiner Seele immer mehr gehorchen\nund dem Strome der Töne die Thore öffnen muss.\"\nVon Schriften rein musicalischen Inhalts sind noch zu\nerwähnen seine Abhandlung über die Normalstimmung\nund seine Legons de lecture musicale, ein theoretisches\nWerk, 1852 im Auftrage der Aufsichts-Behörde über die\npariser Stadtschulen geschrieben, in zweiter, mit Uebungs-\nstücken und Solfeggien vermehrter Ausgabe 1860 ge-\ndruckt. Die Vorrede schliesst Halevy nach einer Verherr-\nlichung der Tonkunst mit den Worten: „So hat Gott uns\ndie Musik gegeben, auf dass alle Stimmen auf Erden in\nTönen ihre vereinigten Gebete in harmonischem Rhyth-\nmus zu ihm erheben.\"\nDiese Worte sind bezeichnend für Halevy's Charakter.\nEr blieb dem Glauben seiner Väter treu, und wenngleich\ner auch mehrere religiöse Gesänge für die katholische\nKirche geschrieben hat, so machte er doch dabei eine\nAusnahme. Sein Bruder erzählt: „Eines Tages sah ich ihn\nbeim Sommeraufenthalt auf dem Lande beschäftigt, ein\nAgnus Dei für die Kirche des kleinen Ortes zu componi-\nren, wo er wohnte. Wir kamen dadurch auf confessionelle\nDuldung zu sprechen, worauf er sagte: „ „Findest du nicht,\ndass das Agnus Dei und das für\njeden Cultus passt? Uebrigens hast du ja längst bemerken\nmüssen, dass ich kein Credo componire.\"\"\nZum Schlüsse geben wir noch die interessanten Noti-\nzen aus Halevy's Aufsatz über die Remuneration der\nComponisten und Dichter in Frankreich, aus denen her-\nvorgeht, dass auch in dieser Hinsicht nicht alles, was\nglänzt, Gold ist, und man auch dort Beispiele hat, dass\nStaat und Land ihre grossen Künstler ebenfalls, wie an-\nderswo, nicht übermässig belohnen.\nFrüher (es geht nicht aus der Darstellung hervor, ob\nzu Zeiten des ersten Kaiserreichs oder der Restauration)\nbestand der Grundsatz, dass der Componist, von welchem\ndrei fünfaclige Werke an der grossen Oper über vier-\nzig Vorstellungen erlebten, eine Staats-Pension erhielt,\nwelche sich mit der Anzahl der Opern, welche fernerhin\njenes Ziel überstiegen, steigerte. Dagegen war der Ein-\nnahme-Äntheil, der bis zur vierzigsten Vorstellung 500\nFrancs (250 für den Dichter und 250 für den Compo-\nnisten) für jede Vorstellung betrug, von der einundvierzig-\nsten an auf 200 Francs im Ganzen herabgesetzt worden.\nHalevy hatte zehn Werke auf die Scene der grossen\nOper gebracht, von denen nur zwei und\nLazzarone) unter der Anzahl von vierzig Vorstellungen ge-\nblieben waren; „Guido\", „Die Königin von Cypern\" hat-\nten über 100, „Die Jüdin\" an 300 erlebt, „Karl VI.\"\nwar bis zu dessen Verbot nahe an 100 gekommen. Die\nStaats-Pension wäre ihm also reichlich zugefallen. Allein\nseine Laufbahn begann erst 1831 und nach der Juli-Re-\nvolution von 1830 hatte die Regierung die Pension für\ndie Componisten nach der vierzigsten Vorstellung abge-\nschafft, und zwar ohne den Einnabme-Antheil von der\neinundvierzigsten Vorstellung an wieder auf 500 Francs\nzu erhöhen; dieser blieb nach wie vor auf 200 Francs\nreducirt! Dem gemäss verminderte sich der Ertrag\neines Werkes mit dessen Erfolg, anstatt sich zu vergrös-\nsern. Die Maassregel war unlogisch und ungerecht. Hale-\nvy's sämmtliche Productionen für das Theater fielen in\ndiese Periode von 1831 —IBSB.\nErst das neue Kaiserreich hat diese Ungerechtigkeit\ngesühnt. Mit dem 1. Januar 1861 trat das neue Reglement\ndes Ministers Grafen Walewski in Kraft, wodurch zwar\ndie Pensions-Verleihung nicht wieder aufgenommen, aber\nder Einnahme-Antheil auf 500 Francs für jede Vorstellung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.5", "texte": "in infinitumwieder festgesetzt wurde. Auch Auber hatte,\nwie Halevy, darunter gelitten. Beide waren die einzigen\nfranzösischen Componisten, die seit Rameau die Ehre\nder grossen Oper aufrecht erhalten hatten, und dennoch\nwurden ihre besten Werke lange Jahre hindurch ganz\nund gar vernachlässigt. Die „Stumme von Portici\" ist erst\nEnde des Jahres 1862 wieder in Scene gesetzt worden;\n„Die Jüdin\" ist seit der neuen Ordnung, die für Halevy\nzu spät kam, da er im folgenden Jahre (den 17. März\n1862) starb, nur drei Mal aufgeführt worden, und wäh-\nrend er in Nizza dahinstarb, dachte die Direction nicht\ndaran, sie nur ein einziges Mal wieder zu bringen. Hätte\ndie grosse Oper ihr Haus am Tage seines Begräbnisses\nnach dem Beispiele der Opera comique und des Theätre\niyrique geschlossen, was sie nicht gethan, so wäre dies der\neinzige Abend gewesen, den sie seit einem Jahre dem gros-\nsen Componisten gewidmet hätte.\n\nDuette für zwei Violinen von Wilhelm Speyer.\n\n*\nDiese Duette, Op. 4 mit drei und Op. 15 mit zwei\nNummern, sind in zweiter und dritter Auflage bei Joh.\nAndre in Offenbach erschienen eine Seltenheit in der\nThat, Werke, deren Entstehen um drei bis vier Jahr-\nzehende zurückdatirt, in mehrmaligen Auflagen vor uns\nzu sehen, unerachtet dieselben einem Zweige musicalischer\nLiteratur angehören, der, wie alles, was in den Bereich\nder Violine fällt, in den letzten dreissig Jahren sowohl in\nTheorie wie in Praxis so wesentliche Wandlungen erlitten\nhat*). Von welch urkräftiger Gesundheit ein musicalisches\nWerk sein muss, das so contrairen Luftströmungen in der\nKunst-Atmosphäre zu widerstehen im Stande, von dem so-\ngar noch weitere Vervielfältigungen nothwendig werden,\ndies alles in einer Epoche, in der die Kunststrebungen des\nTages meist schnell als abgenutzt bei Seite gelegt und ver-\ngessen werden, das zu untersuchen und darzulegen, könnte\nfür uns nur eine angenehme Aufgabe sein, wenn nicht\nlängst schon eine andere kritische Feder sich diesem Ge-\nSchäfte unterzogen hätte. Denn schon nach dem erstmali-\ngen Erscheinen des ersteren dieser Werke (Opus 4), das\nnun in zweiter Auflage vorliegt, hat die Allgem. Musik-\nZeitung in ihrem zweiundzwanzigsten Jahrgange, Nr. 52,\neinen die Eigenschaften und Vorzüge dieser drei Duette\nauseinander setzenden Bericht gebracht, der, weil er die\nLeistungen berühmter Componisten in demselben Zweige\nzum Ausgang nimmt, auch für unsere Tage noch von ent-\nschiedenem Interesse ist, darum der Vergessenheit entzo-\ngen zu werden verdient. Das Interesse steigert sich noch\ndurch den besonderen Umstand, dass wir zugleich einem\nvergleichenden Urlheile des vorliegenden Werkes mit glei-\nchen Erzeugnissen eines der hervorragendsten französi-\nschen Meister dort begegnen, Baillot's nämlich, dessen\nUnterricht im Violinspiel Herr Speyer vordem genossen\nhatte. Der Bericht der AHg. Musik-Zeitung (deren Wie-\ndererstehen wir zugleich mit Gegenwärtigem begrüssen),\nbeginnt, wie folgt:\n„Die guten Werke dieser Art sind so selten, dass es\neine Pflicht für diejenigen ist, welche öffentlich über Ton-\nkunst reden, die musicalische Welt aufmerksam 2U ma-\nchen auf das, was Ausgezeichnetes für solchen Zweig der\nTonkunst geleistet und geboten wird. Viotti, A. Romberg\nund Spohr haben in dem engeren Kreise des zweistimmi-\ngen Satzes dargethan, dass weder das erfindungsreiche Ge-\nmüth des Tonsetzers, noch dessen praktische Anwendung\nder tiefen theoretischen Kunde hier beschränkt sei, und\ndass das wahre Genie überall seine Bahn finde, wo es\nTreffliches wirken und schaffen könne. Allein für die so\ngenannte neuere Schule der französischen Geiger waren\ndie Duette jener Meister, was den praktischen Theil be-\ntrifft, zu einfach: die so vielfache und verschiedenartige An-\nwendung des Bogens, geleitet durch die weiteste Kennt-\nniss aller Nuancen, in denen sich dem Instrumente Vor-\ntheile abgewinnen lassen, verlangte etwas Pikantes, etwas\nmehr diesem angenommenen Erforderniss Entsprechendes.\nBaillot versuchte in seinen Duetten, diesem von französi-\nschen Geigern gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen, doch kam\nsein Compositions-Talent der Urtheilskraft, welche der\ngrosse Geiger für diesen Gegenstand erworben, nicht gleich,\nund man vermisste noch immer den edlen Grundstoff, das\nhöhere, mehr als blülhenreiche Nuancirungen und Kennt-\nniss vielseitiger Stricharten erzeugende Talent.\n„Die drei Duette, welche wir vor Augen haben,\nnähern sich in Hinsicht auf praktisches Verhältniss, heraus-\nzuhebende Ausschmückungen und Stricharten einiger\nMaassen den Baillot'schen, nur dürften sie, was Neuheit\nder Erfindung und Runde des Satzes betrifft, höher stehen.\nWas die Form, die glücklich und einsichtsvoll erfundenen\nMotive, den Fluss und die Zusammenstellung des reichen\nund mannigfachen Stoffes angeht, so möchte ein kundiger\nComponist aus diesen Duetten leicht interessante Quar-\ntette bilden können. Neuheit der Melodieen und Passagen,\nwelche letzteren zwar gut in der Hand liegen, aber den-\nnoch einen geschickten und geübten Spieler erfordern,\noriginelle, doch nicht gezwängte, contrapunktische Wen-\ndungen, Gegenstellungen in pikanten Sätzen und ausdrucks-\nvollen Melodieen sind ausgezeichnete Vorzüge dieser Com-\n\n*) Von diesen Wandlungen war schon wiederholt in diesem Blatte\ndie Rede, zuletzt in dem Artikel nDas Quartett-Spiela in Nr.\n15 und 16 des vorigen Jahrgangs."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.6", "texte": "Positionen.\" —Folgt nun auf 4y2 Spalten das Detail dieser\nCompositionen, das den Violinspielern angelegentlichst em-\npfohlen werden kann, weil daraus viel, auch in Hinsicht\ndes Charakteristischen im Allgemeinen und Speciellen, zu\nlernen ist.\nImgleichen, wenn auch kürzer gehalten, lautet der\nkritische Bericht in Nr. 19 des achtundzwanzigsten Jahr-\ngangs der Allg. Musik-Zeitung über Opus 15, das nun\nschon in dritter Auflage vorliegt. Dieses Werk nicht min-\nder, wie Op. 4, erfordert ziemlich weit vorgeschrittene\nSpieler, die auch bereits in dem wichtigen Capitel „rhyth-\nmische Gliederung\", darin von dem Componisten Meister-\nhaftes geleistet ist, praktische Begriffe erworben, wie diese\nvon dem künstlerischen Vortrage bedingt werden.\n\nA. S.\n\nAus Wien.\nIch kann Ihnen nichts Interessanteres aus unserem\nMusikleben mittheilen, als folgendes Actenstück zur Ge-\nschichte der Tonkunst im Jahre 1862.\n„Erläuterndes Programm zu der Musik-Auffüh-\nrung von Richard Wagner.\n(Im Theater an der Wien am 26. December 1862.)\n„I.\n„Die Meistersänger von Nürnberg.\n„1. Vorspiel.\n„2. a)Versammlung der Meistersängerzunft.\n(Für Orchester allein.)\nb) Pogner's Anrede an die Versammlung.\n„II.\n„Die Walküre.\n„(Erstes Hauptsück des grossen Bühnen-Festspiels: „ „Der\nRing des Nibelungen\"\".)\n„1. Der Rittder Walküren. (Für Orchester allein.)\n„Die Scene stellt den Gipfel eines Felsenberges dar,\nZüge finsterer Wolken jagen, wie vom Sturme getrieben,\nam Felsensaume vorbei; abwechselnd bricht in ihnen Blitzes-\nglanz aus; eine Walküre zu Ross wird dann sichtbar;\nüber ihrem Sattel hängt ein erschlagener Krieger. Immer\nmehr der Walküren kommen auf diese Weise angezo-\ngen; mit wildjauchzenden Zurufen begrüssen sie sich von\nferner und näher. Endlich sind sie alle auf dem Gipfel die-\nses von der Sage später so genannten Brunhildensteines\nangelangt, stellen die Luftrosse zur Weide und rühmen\nsich gegenseitig ihrer Beute. (Diese Beute sind die Lei-\nchen im Kampfe erchlagener Helden, die sie auf der Wahl-\nstatt erkoren, um von ihnen nach Walhall geleitet zu wer-\nden, wo sie von Wotan, dem Schlachtenvater, zu ewiger\nWonne neu erweckt und von den Walküren als „ „Wunsch-\nmädchen\" \" herrlich kewirthet werden.)\n„2, Siegmund's Liebesgesang.\n„Siegmund, von übermächtigen Feinden verfolgt, ist\ntodmüde und waffenlos in Hunting's Haus gelangt und\nvon dessen jungem Weibe Sieglind gepflegt und erquickt\nworden. Zwischen beiden treten alsbald ahnungsvolle Be-\nziehungen hervor. Siegmund ist von seiner Zwillingsschwe-\nster in frühester Kindheit getrennt worden; in seiner wild-\neinsamen Jugend fand er nie, was ihm tief innig, heimisch\nverwandt gewesen wäre. Sieglind, im zarten Alter der\nHeimat entrissen, ist, kaum herangereift, einem finsteren,\nfeindseligen Manne zum Weibe gegeben worden. Die Be-\ngegnung Siegmund's weckt ihr fernschlummernde Erinne-\nrungen; Siegmund ersieht in ihr nur das Langersehnte,\nInnigverwandte. Ihre Ahnung zu vergewissern, wagt Sieg-\nlind in nächtlicher Weile, den Gast aufzusuchen; hingeris-\nsen von ihrem Nahen, zieht sie der Sehnsüchtige an seine\nBrust. Da springt mit einem Krach die Thür des Saales\nweit auf: Sieglind reisst sich erschreckt los. Und hier\nbeginnt der Gesang.\n„3. Wotan's Abschied und F\"euerzauber.\n„Die Walküre Brunhilde, Wotan's liebstes\nWunschmädchen war von ihm, dem Schlachtengotte, zu-\nerst beauftragt gewesen, Siegmund geger Hunting den Sieg\nzu verleihen. Da er später seinen Lieblingshelden höheren\nRücksichten aufzuopfern befiehlt und dem gemäss den der\nWalküre ertheilten Befehl zurücknahm, wagte diese, von\nerhabenem Mitleiden gerührt, dennoch ihren einstigen\nSchutzbefohlenen (wie sie meint, Wotan's eigenem Sinne\ngemäss) zu beschirmen. Hierüber ergrimmt, verfolgt Wo-\ntan die ungehorsame Walküre, um sie zu bestrafen. Auf\njenem Walkürenfelsen sucht sie Schutz vor dem nacheilen-\nden Schlachtengott; hier von ihm erreicht und aus der\nschwesterlichen Schar der übrigen Walküren ausgeschie-\nden, unterwirft sie sich ihm, um ihre Strafe zu empfangen.\nEinsam auf den Felsen gebannt, soll sie in Schlaf versenkt\nwerden und dem vorüberziehenden Manne zum Weibe be-\nstimmt sein, der sie da fände und erweckte. Entsetzt von\nder ihr drohenden Schmach, sucht sie von dem Gott min-\ndestens eine Gewähr dafür zu erhalten, dass nie der Zufall\n1 * * y ' *\neinem feigen Prahler sie angehörig machen möge. Er wei-\ngert jede Theilnahme an ihrem ferneren Schicksale. Da\nstürzt sie sich verzweiflungsvoll auf ihre Kniee; die seinen\numwindend, fleht sie ihn mit herzzerreissender Klage an,\nsich nicht selbst zu entehren, indem er sie, die einst ihm\nso innig vertraut gewesen, der niedrigsten Schmach Preis\ngebe; die schutzlos Schlafende möge er wenigstens mit\nscheuchenden Schrecken umgeben; auf sein Gebot ent-\nbrenne ein Feuer: „„den Fels umglühe lodernde Gluth ;\nes leck' ihre Zunge, es fresse ihr Zahn den Zagen, der\nfrech es wagte, dem furchtbaren Felsen zu nahen.\"\" Von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.7", "texte": "diesem verzweiflungsvollen Flehen tief ergriffen, flammt\nWotan's Herz in voller Liebe zu dem theuersten Kinde\nauf; er zieht sie zu sich und blickt ihr mit erhabener Rüh-\nrung in die Augen. Hier beginnt der Vortrag dieses\nBruchstückes.\n„III.\n„Das Rheingold. Vorspiel der „„Ring\ndes Nibelungen\"\".\n„1. Der R aub des Rheingoldes.\n„Auf felszackigem Grunde des Rheines spielten, munter\ngleich Fischen hin und her schnellend, die drei Rheintöch-\nter, welche hier zur Rewachung des kostbarsten Schatzes\nsich zu vereinigen pflegten. Der Nibelung Alberich, ein\nzwerghaft dämonisches Wesen, in den tiefen Schachten der\nErde zu Hause, drang aus seinen Kluften herab, schaute\ndem Spiel der Mädchen zu und entbrannte bald in verliebte\nSehnsucht. Von dem einen der Mädchen zum anderen sich\nwendend, von jeder erst angezogen, dann höhnisch verlas-\nsen, von allen geneckt, verspottet und geflohen, hält er,\nnachdem er bald dahin, bald dorthin vergebens den aus-\ngelassenen Kindern nachgeklettert, vor Wuth schäumend,\nathemlos an und streckt drohend die geballte Faust nach\nihnen hinauf. In dieser Stellung verbleibt er, den Blick\naufwärts gerichtet, wo er nun von dem folgenden Schau-\nspiele angezogen und gefesselt wird.\n„Durch die Flut ist von oben her ein immer lichterer\nSchein gedrungen, der sich an einer hohen Stelle des mitt-\nleren Riffes allmählich zu einem blendend hellstrahlenden\nGoldglanze entzündet; ein zauberisch goldenes Licht bricht\nvon hier durch das Wasser. Hier beginnt der Gesang.\n„2. Einzug der Götter in Walhall.\n„Den Ring, den Alberich aus dem Rheingolde sich\ngeschmiedet, mitsammt dem Horte, den der Nibelung sich\ndurch diesen mächtigen Reif gewann, hat Wotan, nach-\ndem er Beides Alberich entrissen, an die Riesenbrüder\nFasolt und Fafner als Bezahlung des Baues der nun\nvollendeten Götterburg abgetreten. Zwischen den Brüdern\nentspann sich sogleich Streit um den Besitz des Ringes;\nvon Fafner erschlagen, sank Fasolt todt zu Boden. Die\nGötter stehen bestürzt: Wotan erkennt die Kraft des Flu-\nches, mit dem Alberich den ihm geraubten Ring belegt.\nMissmuthig deutet Donner auf den in Nebel gehüllten\nHintergrund und macht sich daran, kraft seines göttlichen\nAmtes diese zu zerstreuen. Hier beginnt der Gesang.\"\nWagner versucht hier denselben Weg einzuschlagen,\nwie vor zwei Jahren in Paris, nämlich durch grosse, mit\nAufwand veranstaltete Concerte die Aufführung einer von\nseinen Opern vorzubereiten. Dieses Mal ist dies „Tristan\nund Isolde\". Da aber das wiener Publicum seinen Tann-\nhäuser und seinen Lohengrin längst kennt und im Allge-\nmeinen mit Befriedigung, theilweise mit Enthusiasmus auf-\ngenommen hat, so können seine Concerte doch nur als ein\nManöver betrachtet werden, sich eine Partei im Publicum\nfür den Erfolg des Tristan zu bilden, der nach allem, was\ndavon verlautet, sehr zweifelhaft sein soll. Ob das Gerücht,\ndass Ander jetzt ganz und gar von seiner Rolle begeistert\nsei, wahr sei oder nicht, weiss ich nicht; gewiss ist aber,\ndass die Direction Herrn Schnorr von Carolsfeld aus Dres-\nden zu Gastrollen kommen lassen will, damit Ander sich\nausschliesslich seiner Aufgabe widmen könne. Wenn man\nalle diese Rücksichten und Begünstigungen, welche ihre\nQuelle in höheren Regionen haben sollen, gewahrt, so\nwürde man sich freuen müssen, dass für einen deutschen\nOpern-Componisten so viel gethan wird, wenn dasselbe\nfür die deutsche Oper überhaupt geschähe. Das ist aber\nleider nicht der Fall; denn z. B. von Hiller's „Katakom-\nben\", welche hiesige Musiker, die sie aus der Partitur\nkennen, als ein ganz ausgezeichnetes Werk schildern, zu\ndessen Aufführung man uns auch Hoffnung machte, von\ndenen ist für jetzt gar nicht mehr die Rede. Es ist eine\neigene Sache um die Kunst, sich geltend zu machen. Wag-\nner könnte ein Buch darüber schreiben, so gut versteht\ner sie; er hat einen Nimbus um sich zu verbreiten gewusst,\nder die Menschen dermaassen blendet, dass sie selbst die\ngrellsten Widersprüche gegen seine eigenen ästhetischen\nGrundsätze nicht wahrnehmen oder ihm verzeihen. Denn\nwas kann seinem System von Poesie-Musik und Drama der\nZukunft mehr widersprechen, als abgerissene Stücke aus\nOpern zu geben, wobei aller Zusammenhang des Gedichtes\naufhört und die Musik nur als solche, also ganz gegen\nseine Lehre, in Betracht kommen kann?\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nKolli* Am 19. Januar fand der zweite Musik abend der\nSchüler des Conservatoriums vor einer zahlreichen Zuhörer-\nschaft Statt« Die Vorträge der Zöglinge wurden mit vielem Beifall\naufgenommen; die Ausführungen von Ciavierstücken wie Hummel\nConcert in As, I. Satz (Fräulein' Anna Schmidt aus Köln), Hum-\nmel Concert in A-moll, 111. Satz (Fräulein Anna Kaufmann aus\nKöln), Field Concert in As-dur, I. Satz (Fräulein Mathilde\nBruch aus Köln), Rondo von C. M. von Weber aus der Sonate\nin C-dur (Herr Aug. Bungardt aus Mülheim an der Ruhr); von\nYiolinsachen wie Spohr 9. Concert, I. Satz (Herr Philipp Bor-\nchardt aus Köln), David Variationen (Herr Leonard Wolf\naus Crefeld); von Gesängen wie Mozart Sopran-Arie aus Idome-\nneo (Fräulein Hermine Kemper aus Detmold), Alt-Arie mit obli-\ngater Violine aus der Matthäus-Passion von Bach (Fräulein Adele\nAssmann aus Barmen) und Mendelssohn zwei Lieder, für clrei\nFrauenstimmen eingerichtet von M. Bruch zeigten auf erfreu-\nliche Weise den vorgerückten Standpunkt der Vortragenden und den\nsteigenden Erfolg der Wirksamkeit der Anstalt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630124-01.1.8", "texte": "+ Amsterdam, 19. Januar. Das erste Concert der Gesell-\n-7 \\\nschaft zur Beförderung der Tonkunst brachte im December y. J.\nSchumann's „Paradies und Per!\" und einen Psalm von van Bree;\ndie Soli wurden von Frau Offermans van Hove und einer ausge-\nzeichneten Pilettantin, Frau Cuypers, den Herren Schneider von\nRotterdam und Rudolfi vom deutschen Theater gesungen, und die\nAusführung war im Allgemeinen ganz gut, wenn auch bei Einzel-\nnem in Bezug auf Feinheit des Ausdrucks Manches zu wünschen\nübrig blieb. Richard Hol dirigirte und that sein Bestes zum Ge-\nlingen des Ganzen.\nDieselbe Gesellschaft gab den 28. December v. J. ihr zweites\nPopulär-Concert unter Verhülst's Direction. Das Programm ent-\nhielt die Sinfonie Nr. 111. von Mendelssohn, die Ouvertüren zu\nOlympia von Spontini und zu Egmont von Beethoven, Chöre von\nMozart, Mendelssohn und Schumann. Der Saal war überfüllt, der\nErfolg der Ausführungen ganz ungemein; die Egmont-Ouverture\nmusste wiederholt werden. Die Chöre, durch Dilettanten besetzt,\nwaren schwach und hatten nur massigen Beifall. Verhülst wurde\nam Schlüsse des Concertes stürmisch gerufen. Das dritte Concert findet\nden 25. Januar unter Mitwirkung von Schneider aus Rotterdam Statt.\nDer eminente Geiger Jean Becker fährt fort, in Holland Lor-\nbern zu pflückenhier- hat er zum dritten Male in dem Studenten-\nConcerte gespielt,, und zwar Mendelssohn's Concert, ein Intermezzo\nmit Orchester von de Hartog und ein Capriccio von seiner Compo-\nsition, alles mit betäubendem Applaus und Hervorruf nach jedem Stücke.\nDie Concerte in Felix Meritis haben, ausser dem Spiel von Frau\nSchumann in dem letzten, nichts besonders Bemerkenswerthes ge-\nbracht. Die grosse Künstlerin hat, wie immer,. Triumphe gefeiert,\nist auch für den Haag, Rotterdam und Utrecht engagirt und wird\nhier aucli in der nächsten Sitzung für Kammermusik, welche Herr\nFranz Cöenen gibt, mitwirken.,\nDie italiänische Oper stirbt seit der Abreise der Trebelli,\nwelche der Abgott des Publicums war, aus Mangel an Theilnahme\nallmählich dahin, obschon sie in Mademoiselle Filippi und Madame\nLafont zwei talentvolle Sängerinnen besitzt. Die italiänische Musik\nfindet keine zahlreichen Verehrer in Holland.\nDer junge Componist Richard Hol verlässt uns, um sich in\nUtrecht niederzulassen,, wo er zum Dirigenten der städtischen Con-\ncerte an Kuffbratli's Stelle, der ehrenvoll pensionirt worden, gewählt\nist. Ver hülst ist zum Musik-Director der-Section Amsterdam\nvon der Gesellschaft zur Beförderung derc Tonkunst ernannt worden\nund wird nun hier sein Domicil nehmen. Dies ist eine Eroberung\nfür unsere Stadt, und wir haben allen Grund, zu hoffen, dass seine\nAnwesenheit einen belebenden und glücklichen Einfluss auf unsere\nmusicalischen Zustände haben wird..\n\nMatino."}]}