{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-02-07-01", "volume": "bmtnabi_1863-02-07_01", "ocr_sha256": "a8294501b59e0c155b55b6415f86e47c7a63b71e9488497c3b090fcc7a77470f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/02/07_01/bmtnabi_1863-02-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 487, "texte": "Inhalt.\nLouise Köster« 11. Die Instrumentalmusik zum Drama. König Oedipus in Kolonos. Zur Concert-AufFührung der\nMusik von F. Mendelssohn-Bartholdy. Zur Geschichte des Liedes. Dr. Holland, Geschichte der Dichtkunst in Altbaiern. Von Dr. Dom.\nMetten 1 eiter. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Concert des kölner Männer-Gesangvereins, 111. Soiree für Kammermu-\nsik, Benefiz-Concert des Herrn Peters Weimar, Hofconcert —A. Dorffel's Leihanstalt in Leipzig Paris, Adelina Patti u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "43", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.2.2", "titre_corps": "Louise Köster.", "titre_sommaire": "Louise Köster.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.1", "debut_caractere": 489, "fin_caractere_exclue": 4172, "texte": "Louise Köster.\n(Schluss. S. Nr. 5.)\nDie Gestalten Mozart'scher Opern, welche Frau Köster\nins Leben rief, sind Donna Anna im Don Juan, die Gräfin\nin Figaro's Hochzeit (mit Frau Tuczek als Susanna), die\nKönigin der Nacht in der Zauberflöte, die Vitellia in Titus.\nDann warßeethoven'sLeonore eine ihrer schönsten Rollen;\nferner in Spontini's Vestalin die Julia, und in C. M. von\nWeber's Opern Agathe, Euryanthe (einige Male auch die\nEglantine) und Rezia; in Meyerbeer's Robert die Alice, in\nden Hugenotten die Valentine und im Propheten die Bertha.\nAls Leonore und Valentine brauchte sie den Vergleich\nmit der Schröder-Devrient nicht zu scheuen, wiewohl die\nletztere beide Rollen anders auffasste, heroischer und leiden-\nschaftlicher als die Köster, welche zwar im Fidelio eine\nergreifende Steigerung des entschlossenen Charakters der\nliebenden Gattin bis zu dem Gipfelpunkte in der Kerker-\nscene entwickelte, aber nirgends das künstlerische Maass\nüberschritt, was der Schröder-Devrient besonders in der\nletzten Periode ihres Bühnenlebens wohl zuweilen wider-\nfuhr, womit wir übrigens nicht läugnen wollen, dass gerade\nsolche Momente oft ihre genialsten und hinreissendsten\nwaren.\nLouise Schlegel wurde am 22. Februar 1823 zu\nLübeck geboren. Stimme und theatralisches Geschick zeig-\nten sich sehr früh bei ihr: noch nicht acht Jahre alt, trat\nsie schon als Genius in der Teufelsmühle von Wenzel\nMüller auf, dann im Jahre 1831 als Lilly im Donau-\nweibchen, und im Jahre 1836 schon als Irma in Auber's\nMaurer und Schlosser, alle diese Rollen immer in Lübeck.\nVon da kam sie nach Leipzig, wo sie von Pohlenz den\nersten kunstgemässen Unterricht in Gesang und Musik be-\nkam und schon im Winter von 1837 auf 1838 als\nfünfzehnjähriges Mädchen in den Gewandhaus-Concerlen\nsang, im März 1838 in Lübeck als Prinzessin von Navarra\nin Johann von Paris und als Giulietta in Romeo auftrat,\nund im Juni bei dem Musikfeste zu Magdeburg unter\nFriedrich Sehneider's Direction mitwirkte und allgemeine\nBewunderung erregte.\nIn demselben Jahre wurde sie bei der leipziger Bühne\nangestellt, trat als Prinzessin von Navarra am 15. September\nauf und sang bis zum 1. Jan. 1839 die Agathe 2 Mal, die\nRezia 5 Mal, die Giulietta im Romeo, und auch schon die\nAlice 2 und die Valentine 3 Mal. Im Laufe des Jahres\nvermehrte sie ihr Repertoire durch Halevy's Ginevra und\nRecha, Auber's Zeila im Feensee, gab im Mai und Juni\nfünf Gastrollen in Berlin, später auch in Dresden und\nHamburg und nahm im December 1840 ein Engagement\nam Hoftheater in Schwerin an, wo sie bis zum Mai 1844\nblieb. Hier sang sie im Jahre 1841 zum ersten Male die\nDonna Anna, die Leonore und die Gräfin in Figaro's\nHochzeit und Spohr's Jessonda, 1842 die Julia in der\nVestalin, nachher auch die Amine in Bellini's Nacht-\nwandlerin, die Lucrezia Borgia, die Elvira in der Stummen\nvon Portici u. s. w. In Wien gastirte sie zum eisten Male\nim Herbste 1841.\nNach ihrer Verheirathung mit dem Dichter Hans\nKöster wurde sie am Stadttheater zu Breslau angestellt,\nwo sie am 10. August als Euryanthe zuerst auftrat, bis\nAnfang Mai 1845 (jetzt auch die Amazily in Spontini's\nCortez, die Desdemona und die Norma) sang, dann aber\nzwei Jahre sich von der Bühne zurückzog, um ihre ange-\ngriffene Gesundheit wieder zu stärken.\nIm Jahre 1847 gab sie im Sommer wieder Gastrollen\nin Berlin und wurde an der königlichen Oper angestellt.\nIhre Antrittsrolle war die Vestalin (am 5. Oclober). Seit-\ndem widmete sie sich ausschliesslich dieser Bühne und\nnahm selten Urlaub zu Gastspielen, höchstens auf acht\nTage; nur in Wien sang sie im Jahre 1853 von Mitte\nJuni bis Ende August. Niemals liess sie sich zu der Aus-\nbeutung ihres Talents und Bufcs durch Hetzjagden nach"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4852, "texte": "Beifall und Geld herab, wie sie andere Künstlerinnen in\nden letzten Jahrzehenden unserer Theatergeschichte alle\nJahre regelmässig anstellten und noch anstellen. Seit 1853\nhat sie nur noch ein einziges Mal auswärts gesungen, die\nArmide in Weimar auf besondere Einladung des Hofes.\nAm Rheineist sie nur zwei Mal gewesen; im Jahre\n1851 sang sie im Juni bei unserem niederrheini-\nschen Musikfeste in Aachen neben Fräulein Boch-\nkolz und Fräulein Schloss und gab darauf vier Vor-\nstellungen in Frankfurt am Main. In dem Berichte über\ndas Musikfest sprachen wir uns damals folgender Maassen\nüber sie aus: „Bei Frau Köster, die wir am Rheine zum\nersten Male hörten, hatten wir ein grösseres Volumen der\nStimme erwartet, welche in den hohen Tönen etwas\nscharf ist und an die Fassmann erinnert. Ihr Gesang ist\nvorzüglich, ihr mezza voce wunderschön bei sich gleich\nbleibender Klangfarbe der Stimme, und an dem Vortrage\nder Recitative und Arien konnte man die dramatische\nKünstlerin erkennen, an deren Zauber von der Bühne\nherab wir gern glauben. In dem dritten Fest-Concert sang\nsie die Arie der Gräfin („Nur zu flüchtig!;) aus Figaro's\nHochzeit sehr schön und gab nach dem Hervorrufe noch\nzwei Lieder zu, welche ihr besonders das Lied vom\nRhein Jubel und Fanfaren nebst Blumenregen ein-\ntrugen; sie scheint .uns jedoch als dramatische Sängerin\nauf weit höherer Stufe zu stehen, denn als Liedersänge-\nrin.\" (Rhein. Musik-Ztg. 1851. Nr. 52.) Ausserdem\nsang sie am ersten Tage die Sopran-Partie im I. Theil\nvon Händel's „Judas Maccabäus\" und am zweiten Tage\ndie Partie der „Ilia\" in den Scenen aus Mozart's „Ido-\nmeneo\". Später sahen wir die Elektra im Idomeneo,\nihre eigentliche Rolle in dieser Oper, auf der berliner\nBühne und bewunderten die vortreffliche Auffassung und\nDarstellung dieser gewaltigen Partie, in welcher Mozart\nzum ersten Male sein Genie zu individueller musicalischer\nCharakteristik einer dramatischen Gestalt gezeigt hat.\nWenn 0. Jahn von den beiden grossen Arien sagt, dass\n„sie der lebendigste Ausdruck einer glühenden, kraftvollen\nLeidenschaft sind, die durch eine Beimischung von stolzer\nWürde über das Unedle, welches so heftige Ausbrüche\nder Eifersucht und Rachelust leicht annehme, gänzlich\nhinausgehoben wird\", so passt dies recht eigentlich auf\ndie Ausführung dieser Musik in Verbindung mit der Dar-\nstellung durch Louise Köster.\nDie neuen Partieen, wodurch sie ihr grosses Reper-\ntoire vervollständigte und deren Reihenfolge zugleich als\nein historischer Beitrag zu den Leistungen des Opern-In-\nstituts in Berlin gelten kann, sind folgende:\n1847, Adriano in Richard Wagner's Rienzi, 5 Mal\nvom 26. October bis 25. December, dann nicht wieder.\n1848, Königin der Nacht, zum ersten Male am\n20. Juni und noch 5 Mal in demselben Jahre; bis 1862\neinunddreissig Mal. Alceste den 29. November.\nConstanze im „Wasserträger\" den 31.December.\n1849, Mairose in Halevy's „Thal von Andorra\"\nden 8. April (9 Mal im Ganzen). Armide von Gluck\nden 15. October (24 Mal im Ganzen).\n1850, Bertha in Meyerbeer's „Prophet\" den 28.\nApril (12 Mal bis zum 23. Juni, 26 Mal im Ganzen).\nDie Grossfürstin von Flotow den 19. November (12\nMal bis zum April 1851, später nur noch 1 Mal).\n1851, Iphigenia in Aulis von Gluck den 3. Juni\n(im Ganzen nur 4 Mal).—Olympia von Spontini den 15.\nOctober (im Ganzen 15 Mal).\n1852, Pamina den 25. April. Vitellia den 15.\nOctober.\n1853, Indra von Flotow den 22. März. lph-\nigenia auf Tauris von Gluck den 28. Mai (15 Mal im\nGanzen).\n1854, Eurydice in Gluck's „Orpheus\" den 24.\nOctober (5 Mal).\n1855, Elektra in Mozarl's „Idomeneo\" den 15.\nOctober (6 Mal).\n1857, Leonore in Yerdi's „Troubadour\" den 24.\nMärz.— Isabella im Robert den 11. December (6 Mal).\n1858, Lodo isk a von Cherubini den 25. Mai (2 Mal).\nConstanze in der „Entführung\" von Mozart den 1. Fe-\nbruar (8 Mal). ; > i\n1859, Elvira in Verdi's „Hernani\" den 16. Mai\n(2 Mal).\n1860, Rebekka in Marschner's „Templer\" den 5.\nJuni (8 Mal),\nEndlich ersehen wir aus dem Rollen-Verzeichniss, dass\nFrau Dr. Koste r die A r m i d e 24 Mal, die Bertha 26,\ndie Königin der Nacht 31, die Vesta lin 34, die\nRezia 52, die Gräfin im Figaro 59, die Donna Anna\n68, endlich die Leonore im Fidelio 80 Mal gesungen\nhat! Das beweist denn doch, dass das Publicum in Deutsch-\nland noch an manchen Orten und namentlich in Berlin\neinen recht guten Geschmack in dem Zeiträume von 1838\nbis 1862 gehabt hat.\nVon dem Könige hat die Künstlerin bei ihrer Ab-\nschieds-Vorstellung von der Bühne ein kostbares Brillant-\nArmband, von der Königin einen überaus werthvollen\nSchmuck erhalten. Beim Empfange durch die Allerhöch-\nsten Herrschaften während des Zwischenactes wurde sie\nzunächst durch Ihre Majestät die Königin, welche aufs\nhuldvollste in die öffentlichen und häuslichen Verhältnisse\nder Künstlerin einging, über den ehrenden Erfolg ihres\nFestabends beglückwünscht. Als Ihre Majestät schliesslich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1673, "texte": "die Hoffnung aussprachen, „der Künstlerin wenigstens zeit-\nweise wieder auf dem Gebiete der classischen Oper zu be-\ngegnen\", äusserte der König, der inzwischen ebenfalls ein-\ngetreten war, „das eben sei durch die Ernennung zum\nEhren-Mitg 1 iede heute Abend abgemacht\", und beide\nMajestäten ertheilten der tiefbewegten Frau die wärmsten\nVersicherungen der Anerkennung und des Wohlwollens.\nDie Huldigung, welche der Künstlerin auf der Bühne\ngebracht wurde, bestand darin, dass das gesammte Opern-\nPersonal sich versammelt hatte, an der Spitze der General-\nIntendant von Hülsen. Die Beriefizianlin, von Herrn Ca-\npellmeister Taubert geführt, erschien, und Herr von Hül-\nsen hielt eine Anrede, in welcher er die Verdienste, welche\ndie Künstlerin sich um die königliche Bühne erworben,\nbesonders betonte und ihr im Namen Seiner Majestät des\nKönigs dessen Dank aussprach. Hiernach überreichte Frau\nHarriers-Wippern der scheidenden Künstlerin ein Geschenk\nvon sämnritlichen Op ern-Mitgliedern, eine grosse silberne\nMedaille, deren eine Seite das Bild der Frau Köster, die\nandere eine Ansicht des königlichen Opernhauses und,\ndurch Guirlanden getrennt, acht der vorzüglichsten Rollen\nder Künstlerin zeigt.\nUnter den vielfachen Gaben der Erinnerung und der\nFreundschaft, welche Louise Köster während der letzten\nWochen und Tage dargebracht wurden, befindet sich eine\nAquarell-Arabeske von Fräulein Malvina Frommann,\nwelche sich durch sinnige Erfindung und künstlerische\nAusführung besonders auszeichnet: eine heilige Cäcilia,\nvon Arabesken umschlungen, die in zwei Phantasieblumen\nausgehen, deren Staubfäden in künstlich verschlungener\nSchrift die Hauptrollen der Künstlerin tragen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "45", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.2.3", "titre_corps": "Die Instrumentalmusik zum Drama.", "titre_sommaire": "Die Instrumentalmusik zum Drama.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.3", "debut_caractere": 1675, "fin_caractere_exclue": 5135, "texte": "Die Instrumentalmusik zum Drama.\nDer Gedanke, zu Schauspielen Musik zu schreiben,\ndie den Inhalt derselben theils im Allgemeinen charakte-\nristisch durch eine Ouvertüre andeute und das Publicum\nin die Stimmung, welche zur Auffassung des Drama's\nwünschenswert!) ist, zu versetzen suche, theils einzelne Mo-\nmente der Handlung und gewisse Situationen und Gefühle\nder dramatischen Personen entweder vorbereite oder\nmit entsprechenden Harmonieen begleite, oder die Em-\npfindung, welche sie erregen, in Tönen nachklingen\nlasse dieser Gedanke findet seine erste Veranlassung\no\nschon in den Traditionen über die Tragödie der Alten.\nUnsere Vorstellungen über die Art der Verbindung der\nMusik mit der Poesie in der griechischen Tragödie sind\nzwar durchaus nicht zu vollkommener Klarheit gediehen,\nallein so viel ist doch wahrscheinlich, dass der Vortrag\nmehr dem Melodramatischen, als dem Opernhaften ähn-\nlich gewesen sei.\nUnter den Neueren regte J. J. Rousseau zuerst das\nMelodrama durch seinen „Pygmalion\" an, ein Werk,\nwelches er in seinen späteren Jahren gedichtet und com-\nponirt hat. Es ist jedoch nicht ausgemacht, ob Georg\nBenda, welcher in Deutschland das erste Melodrama:\n„Ariadne auf Naxos\" im Jahre 1774 aul' die Buhne\nbrachte, das Werk Rousseau's gekannt oder auch nur da-\nvon Kunde gehabt habe. Georg Benda (1721 —1795)\nder bedeutendste Musiker dieser Künstlerfamilie, die aus\nBöhmen stammte, war erst in Berlin, dann seit 1748 Ca-\npellmeister in Gotha und genoss eines ausgebreiteten Rufes\nals Componist von Opern, Sinfonieen, Concerten u. s. w.\nIm Jahre 1772 kam die Seiler'sche Schauspieler-Gesell-\nschaft von Weimar nach Gotha; sie besass in der bewun-\nderten Brandes eine ausgezeichnete Künstlerin, und diese\nbegeisterte Benda zu dem genannten Melodrama, das einen\nUngeheuern Erfolg in Deutschland halte, auch in Paris\nmehrere Aufführungen erlebte. Der „Ariadne\", von dem\nManne der Brandes nach Gerstenberg's Gedichte der neuen\nGattung gemäss eingerichtet, folgte eine „Medea\", von\nGotter gedichtet, die nicht minderen Beifall fand. Ein\ndrittes Melodrama mit Chören: „Almansor und Nadine\",\nwurde in Wien gegeben, fand aber weniger Verbreitung,\nals die beiden ersten. Auch in der Medea hatte er schon\neinen Chor angebracht. Dichter und Componisten die\nFülle bemächtigten sich derselben Gattung, ohne jedoch\ndem Erfolge der Ariadne und Medea beizukommen.\nDer Gefallen des Publicums an den Melodramen verlor\nsich durch die Vervollkommnung der Oper, und später\nkamen sie durch den Missbrauch, den die Franzosen mit\ndem Melodrama trieben, bekanntlich in Misscredit. Son-\nderbarer Weise führt aber das neueste Wagner'sche Sy-\nstem der Oper und die Programm-Musik in ihrer letzten\nConsequenz, weil sie dem Worte die Hauptrolle zuweist und\ndie Bedeutung der Musik ihm unterordnet, wieder auf das\ngesprochene Drama mit Musik zurück. Auch haben wir\nja schon von Schumann und einigen Nachahmern Gedichte\nmit Pianoforte-Begleitung nicht für Gesang, sondern für\nDeclamation. Das ist also schon wieder förmliche Melo-\ndramalik derselben Art, wie nach Benda's Zeit, als man\nMusik für Orchester zur Declamation oder plastisch-\nmimischer Darstellung von Gedichten componirte, wie\nBernh. Anselm Weber (der um Gluck's Opern in Berlin\nhochverdiente Capellmeister) zu Schiller's „Gang nach dem\nEisenhammer\", Zumsteeg zu Klopstock's „Frühling\",\nLintpaintner zu Schiller's „Glocke\", A. Romberg zum\n„Taucher\" u. s. w.\nDass die Anwendung des Melodrams stellenweise im\n'\n\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5344, "texte": "Schauspiel und sogar in der Oper sehr wirkungsvoll sein\nkann, die Gattung also an und für sich durchaus nicht zu\nverwerfen ist, wenn nur der rechte Mann darüber kömmt,\nzeigten Cherubini im 3. Acte des Wasserträgers, Beethoven\nim 2. Acte des Fidelio in der Kerkerscene und im letzten\nActe von Egmont, und besonders C. M. VOH Weber in\nPreciosa und im 2. Acte des Freischütz in der Beschwö-\nrungs-Scene in der Wolfsschlucht.\nNach der Ouvertüre zum Drama „Ariadne\" war der\nGedanke ganz natürlich, auch zu Schauspielen, besonders\nzu Tragödien, Ouvertüren zu schreiben, zunächst wohl\nzu solchen, in denen der Dichter an gewissen Stellen Musik\nverlangte, z. B. zu Liedern, Aufzügen u. dgl. Auch darin\nging der schon genannte B. A. Weber voran, indem er zu\nSchiller's „Wilhelm Teil\" nicht nur die Lieder des Fischers,\nHirten u. s. w. und den Gesang der Mönche an Gessler's\nLeiche, sondern auch eine Ouvertüre componirte. Eben\nso zur „Jungfrau von Orleans\" Ouvertüre, Krönungs-\nmarsch und Musik hinter der Scene während des Mono-\nlogs. Muster in dieser Art lieferte nachher bekanntlich\nBeethoven in seinen Eröffnungs-Sinfonieen zu den Tra-\ngödien Coriolan und Egmont. Von der Flut der nach-\nfolgenden Drama-Ouvertüren, besonders in der letzten\nPeriode unserer Zeit, wollen wir schweigen: sie brachte\nhie und da wohl ein gutes Orchesterstück, aber die Ueber-\nschriften waren meist eben so bedeutungslos, wie die\n„Forellen\", „Lorelei's\", „Novellelten\" und ähnliche Kinde-\nreien an der Spitze von Ciavierstücken.\nDa man nun einmal zu Ouvertüren zu Schauspielen\ngekommen war, so entwickelte sich daraus leicht der Ge-\ndanke von Zwischenacts-Musik im Drama, entweder\nals Nachklang des Eindrucks der letzten Scene eines Actes,\noder häufiger als Vorbereitung der Stimmung für den fol-\ngenden, zuweilen auch Beides verbunden. Auch fehlte es\ndazu nicht an Vorbildern in der Oper, z. B. Cherubini's\nVorspiele zum zweiten und dritten Acte des Wasserträgers,\nBeethoven's zum zweiten Acte des Fidelio, Weber's zum\ndritten Acte des Freischütz u. s. w.\nSo sind wir denn zu einer Gattung von Musik gekom-\nmen, welche offenbar als ein Fortschritt zu betrachten,\nallein nichts Anderes ist, als eine Entwicklung der melo-\ndramatischen Gattung, angewandt auf das reine Drama\ndurch Eröfihungs- und Zvvischenacts:Musik, wozu denn\nauch die Composition von denjenigen Accessorien des Dra-\nma's, bei denen der Dichter Musik fordert (Chöre, Lieder,\nMärsche, Tänze), und das rein Melodramatische gehört.\nIn d ieser Gattung, die wir für einen Gewinn der\nKunst halten, haben uns Beethoven zum Egmont, C. M.\nvon Weber zur Preciosa, F. Mendelssohn-Bartholdy zum\nSommernachtstraum und mit vorherrschendem Chorge-\nsange zu der Antigone, zum Oedipus und zur Athalia treff-\nliche Werke geliefert. Ihnen haben sich Meyerbeer durch\ndie Musik zu Struensee, Schumann durch die zu Manfred\nangeschlossen, Anderer nicht zu gedenken, deren Leistun-\ngen nicht so bekannt geworden sind.\nNun wird uns aber der reine Genuss dieser Art von\nMusik im Theater meist sehr verkümmert. Unser Publi-\ncum ist nun einmal kein athenisches; es hält fünf Acte\neiner Tragödie hinter einander mit gespannter Aufmerk-\nsamkeit nicht aus, es muss dazwischen Pausen haben, die\nMänner, um frische Luft zu schöpfen und ans Büffet oder in\nden Foyer zu gehen, die Damen, um die Toiletten zu mu-\nstern und zu plaudern und wohl uns, wenn sie nur im\nZwischenact plaudern! Indessen vor dem Aufziehen des\nVorhangs hat das Theater-Publicum Bespect; so wie der\nSchleier, der die Geheimnisse der Zukunft verhüllt, empor-\nrauscht, legen sich die Wogen der Unterhaltung, und Alles\nsucht sich schnell, so gut wie möglich, aus der nüchtern-\nsten Prosa wieder in die poetische Illusion zu versetzen.\nWie die Begierenden den Volks-Charakter, so müssen die\nBegisseurs die Volks-Sitten studiren, folglich die Musik zu\nSchauspielen so viel als möglich bei offener Scene ge-\nben, wobei dann auch kleine Zwischenpausen durch Sen-\nken des Vorhangs anzubringen sind. (Wir haben ein aus-\nführliches Scenarium zu Beethoven's Egmont-Musik\nBehufs einer derartigen Einrichtung schon im I. Jahr-\ngang d. 81., in Nr. 6 vom 6. August 1853, gegeben:\nallein es ist wohl, wie so mancher andere Versuch, zu\nwürdiger Aufführung classischer Meisterwerke beizutra-\ngen, ein Stück „Danaiden-Arbeit\" gewesen, denn unsere\nIntendanten, Begisseure und Capellmeister haben keine\nZeit, dergleichen-zu lesen!)\nDa nun die melodramatische Musik, die musicalische\nIllustration des Drama's, in den Theatern selten eine wür-\ndige und ungestörte Ausführung erlebt, so versuchte man,\nsie in den Concertsaal zu verpflanzen, und mit Beeilt.\nGeschieht dies aber, so muss durchaus durch Declamation\nder Zuhörer auf die Bedeutung der Musik aufmerksam\ngemacht, ja, wo möglich, durch das gesprochene Wort ein\nAnklang derjenigen Stimmung in ihm geweckt werden,\nwelche der Componist aus der Handlung des Drama's ge-\nrade aufgegriffen hat*)_. Die so genannten „verbindenden\nGedichte\", die man dazu benutzt, verfehlen grösstentheils\nihren Zweck durch ihre Länge, die aus dem Bestreben\nentsteht, dem Publicum die ganze Handlung des Drama's\nvorzuerzählen. Dies ist aber unnöthig und wird fast immer\n\n*) Ganz ohne erläuternde Declamation, als eine Art von Sinfonie\nin mehreren Sätzen, lässt sich von den oben angeführten Com-\npositionen allenfalls nur Sommernaehtstraum-\nM usik aufführen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3573, "texte": "langweilig, daher dem Eindruck der Musik eher schädlich,\nals förderlich. Unserer Ansicht nach muss eine solche De-\nclamation vor allen Dingen kurz den HauptstofF des Dra-\nma's und die Scene, wo die Handlung vorgeht, angeben,\ndann aber nur diejenigen Momente hervorheben, an welche\ndie Musik sich anschliesst oder welche sie vorbereitet*).\nMeyerbeer's Musik zu „St r u ensee\", deren Auf-\nführung hier in Köln im 5. Gürzenich-Concerte ohne\nDeclamation Statt fand, konnte desshalb, zumal bei der\nUnbekanntschaft des grossen Publicums mit der Tragödie\nvon Michael Beer, nicht zu vollem Verständniss und zu\neinheitlichem Eindrucke gelangen. Die Andeutungen im\nProgramme reichten dazu nicht aus. Freilich müssen wir\ngestehen, dass die uns zu Gesicht gekommenen verbinden-\nden Gedichte die beabsichtigte Wirkung ebenfalls schwer-\nlich erzielt haben würden. Meyerbeer hat diese Musik im\nJahre 1845 componirt, nach Robert (1831), den Huge-\nnotten (1836), dem Feldlager in Schlesien (1842), und\nvor dem Propheten (1849), mithin in derZeit der höchsten\nBlüthe des grossen Meisters.\nDie Partitur enthält eine grosse Ouvertüre, die aus\neinem Andante religioso und einem feurig stürmischen\nAllegro appassionatobesteht, in welches das Thema des\nAndante's wieder eingreift. Dieses Thema ist aus dem\nMelodrama, in welchem Struensee's Vater ihn zuerst\nwiedersieht, genommen, kehrt aber auch bei Struensee's\nTraume, bei seiner Ergebung in sein Schicksal und bei\ndem Abschiede von seinem Vater, der ihn segnet, wieder.\nEs konnte nicht gut einem anderen fnstrumente, als der\nHarfe gegeben werden, wie denn Meyerbeer in solchen\nDingen immer das Richtige trifft; die Harfe ist daher von\nAnfang bis zu Ende in dieser Musik wesentlich. Der Zeit-\npunkt, in welchem sie entstand, lässt schon darauf schliessen,\nwas sich auch vollkommen bestätigt, dass sie alle Eigen-\ntümlichkeiten von Meyerbeer's Stil in der Periode seiner\nvollsten Productionskraft enthält. Ausser der Ouvertüre\ngibt er noch 13 Nummern, theils Zwischenacte, theils\nMelodramen: überall treten sowohl die vorzüglichen, als\nseltsamen Eigenschaften jenes Stils hervor; geniale Züge,\ntüchtige Durcharbeitung, ästhetisches Urtheil, originelle\nund effectvolle Instrumentirung, ausdrucksvolle melodische\nStellen erscheinen neben Gemachtem und Erkünsteltem,\naus Neigung zum drastisch Wirksamen und zu bedeutungs-\nvollem Detail durch Reflexion Gesuchtem, Begeisterung\nneben Klügelei. Der „Aufruhr\" der Garden (Entreact\nNr. 3) hat uns wenig befriedigt, obwohl er sehr geschickt\ngemacht ist. Das eingewebte dänische Volkslied: „Held\nChristian steht am hohen Mast\", ist trotz eines Anklangs\nan die Marseillaise viel zu zahm zu einem Revolutionsliede:\nindess mag der Chor, der es nach M.'s Vorschrift hinter\ndem Vorhange und allmählich in immer weiterer Ent-\nfernung singen soll, alsdann mehr Effect machen, als im\nConcertsaale. Der ganzen zweiten Hälfte der Partitur,\nwelche mit der glänzenden „Polonaise\" Nr. 8 (S. 107 bis\n143) beginnt, worauf die Musik in der „Dorfschenke\"\nNr. 9 (S. 144 —170) folgt, dann den Nummern, welche\ntheils die tragischen Scenen vorbereiten, theils sie melo-\ndramatisch begleiten, wandte si'ch bei der hiesigen Auf-\nführung der Beifall des Publicums am meisten zu. Auch\nunserer Ansicht nach bilden sie den vorzüglicheren Theil\nder Struensee-Musik und sind reich an wirklichen Schön-\nheiten.\n\n*) Wir geben am Schlüsse dieses Artikels verbindende Worte zu\nMendelssohn's Musik zum „Oedipus in Kolonos\", welche\nkeinen anderen Anspruch machen, als zur praktischen Erläu-\nterung der oben ausgesprochenen Ansicht zu dienen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "47", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.2.4", "titre_corps": "König Oedipus in Kolonos.", "titre_sommaire": "König Oedipus in Kolonos.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.5", "debut_caractere": 3575, "fin_caractere_exclue": 5178, "texte": "König Oedipus in Kolonos.\nZur Concert-Aufführung der Musik von F. Mendels-\nsohn-Bartholdy.\n(Introductio n.)\nWas eines grossen Dichters Geist geschaffen,\nUnd was das Volk der Griechen in Athen\nVor länger als zweitausend Jahren tief\nBewegt, im Bilde soll es sich euch zeigen,\nWozu den Rahmen uns die Tonkunst leiht.\nFolgt in Gedanken denn uns nach Athen,\nWo Theseus herrscht, der Held aus Aegeus1 Stamme.\nIn seinem Reiche liegt die Stadt Kolonos:\nDorthin und in den Hain der Eumeniden\nFühr1 ich euch jetzt. Es naht ein blinder Greis,\nGestützt auf einen Stab und auf die Schulter\nDer Tochter, die ihn liebevoll geleitet.\nIn ihm erscheint euch Oedipus, der König\nVon Theben, einst beneidet in der Fülle\nDes Glückes, jetzt ein Mann des schnöden Jammers!\nDes Schicksals grauenvolle Wogen rissen\nIhn mit sich in den Abgrund. Schrecklich hellte\nDes Sehers Spruch die Nacht des Unheils auf,\nDas den Unschuldigen mit Fluch umstrickte:\n„Vernimm, o Laios' Sohn! Du hast den eig'nen Vater\nErschlagen und der eig'nen Mutter dich vermählt!\"\nDa raubt' in Schmerz und Wahnsinn Oedipus\nSich selbst das Licht der Augen; arm, verbannt\nIrrt' er umher: die eig'nen Söhne haben\nVertrieben ihn, das Volk im Grimm verhöhnt\nDen Fluchbeladenen. Doch einen Trost\nVergönnt ein Gott: es ist der Tochter Liebe.\nEs führt Antigone den Vater, ist\nSein Siab, sein Aug1 und nimmt die Gaben an,\nDie einem Könige das Leben fristen!\nEr setzt sich nieder auf den rauhen Stein:\nDoch Ruhe ward dem Müden nicht beschieden.\nKolonos' Bürger nah'n : er weichet scheu\nVon hinnen, denn er weiss es nicht, ob sie\nIhm neues Leiden bringen, oder Frieden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4887, "texte": "(Nr. 1. „0 schau', er entfloh!\"*])\n(Dann Nr. Ib. 5 Tacte D-dur —.)\nDa naht ein neuer Flüchtling sich aus Theben :\nIsmene ist's, des Königs and're Tochter.\nDoch neuen Jammer nur berichtet sie.\nDer jüng're Bruder stiess den älteren\nVom Thron, Eteokles den Polynikes,\nUnd dieser rückt mit Heeresmacht vor Theben.\nUnd ein Orakel auch verkündet sie:\n„Dass Theben Unheil drohe, wenn Oedipus\nDereinstens nicht in Thebens Erde ruhe.\"\nDrum wird der Fürsten Einer, Kreon, kommen,\nDen König zu versuchen, heimzukehren,\nDoch an der Heimat Gränze nur zu wohnen.\nDer König, zornentbrannt, flucht seinen Söhnen,\nUnd niemals werd' er diesen Ort verlassen,\nWohin ein Gott ihn sieht barlich geführt.\nIm Hain der Eumeniden soll sich sein\nGeschick erfüllen; diese Göttinnen\nDurch Opfer zu versöhnen, geht Ismene\nAuf sein Geheiss zum stillen Heiligthum.\nDas regt die Männer von Kolonos auf;\nVon Neuem drängen ihre Fragen ihn.\n(Nr. 2. „Grausam ist es.\" Ohne die Worte des Melodrams,\nbis zum Schlüsse in D moll. S, 18.)\nDas Unheil, das die Götter über ihn\nVerhängt, verkündet Oedipus den Männern. '\nUnd wenn die That auch Grau'n erregt, so ruft\nDes Thäters Unschuld doch das Mitleid wach.\nDa tritt zu ihnen ihres Landes Herr,\nTheseus, der König von Athen. Es spricht\nVertrauend würdig Oedipus ihn an,\nUnd bittet um ein Grab an diesem Haine.\nDer Edle weigert es dem Edeln nicht;\nWer kann den Staubgebor'nen glücklich preisen,\nBevor das Ziel des Lebens er errungen?\n„Ich bin ein Mensch\" so spricht des Aegeus Sohn :\n„Auch mir kann jeder Tag das Unglück bringen.\nDas weiss ich wohl; doch Eines weiss ich auch,\nDass Keiner mit Gewalt, so lang' ich hier\nGebiete, Dich von hinnen führen soll.\"\n(Nr. 3. „Zur rossprangenden Flur.\")\nSo winket auf Kolonos' Prachtgefilden\nDem Oedipus mit seinen Töchtern endlich\nDie goldne Ruhe nach der Qual des Lebens.\nDa dröhnt der Rosse Huf, es blinken Waffen:\nDas Unheil, das Ismene schon verkündet,\nEs bricht herein. Kreon, der Fürst von Theben,\nHat frech die Jungfrau vom Altar hinweg\nGerissen, wo nach Oedipus' Gebot\nDurch Opfer sie die Eumeniden sühnte.\nJetzt tritt er kühn heran, durch schlaue Rede\nDen blinden Greis zur Rückkehr zu bewegen.\nDer aber schleudert ihm des Zornes Blitz,\nEin Rachegeist der undankbaren Heimat,\nIns Antlitz, reisst der Falschheit Mantel ihm\nVon Haupt und Schultern, stellt den Heuchler hin,\nDer nur für sich um Gunst und Macht gebuhlt,\nIn seines Eigennutzes ganzer Blosse.\nDa ruft Kreon: „So büsse deinen Stolz!\nOhnmächt'ger Bettler!\" und mit frechem Hohn\nReisst er Antigone, des Blinden Stab\nUnd Auge, aus des Vaters Armen: Seht,\nDie Krieger führen sie hinweg und Er,\nDer Frevler, legt die Hand selbst an den König !\n(Nr. 4. „Wohin, Fremdling?\" S. 33 bis S. 34. Dann S. 3G:\n„Ha, welch dreister Stolz !ik)\nVom Ruf der Seinen aufgeschreckt, erscheint\nTheseus, der dem Poseidon Opfer brachte.\nDoch hat er kaum den argen Raub vernommen,\nSo tönet laut sein königlich Gebot:\n„Vom Altar weg sprengt mit verhängtem Zügel\nDen Frevlern nach und stellet sie zum Kampfe.\nSchamloser Fürst! Du bleibst in meinen Händen.\nDu aber, Oedipus, vertrau' auf mich:\nWenn mich der Tod nicht abruft, rast' ich nicht,\n*\nBis ich Dir Deine Kinder wieder gebe!\"\n(Nr. 5. „Ach, wrär' ich bald\")\nSie kehren an der Hand des Theseus wieder;,\nAntigone stürzt in des Vaters Arme :\n„0, dass die Götter ein Mal, Vater, nur\nDein Auge öffneten, dass Du ihn schautest,\nDen besten Mann, der uns Dir wiederschenkt!\"\n„Seid ihr es wirklich?\" ruft der blinde Greis :\n„Der Quell der Freudenthränen ist versiecht,\nMein Liebstes aber halt' ich fest umschlungen,\nEs soll unselig doch mein Tod nicht sein,\nWenn sich die jammervolle Irrfahrt endet!\"\n(Nr. 6. „Wer ein längeres Lebenstheil.\")\nDie Männer von Kolonos steh'n gerührt:\nUnd dennoch regt in ihrem Innern sich\nDie dunkle Ahnung eines Unheils, das\nDem Lande drohe, wenn den blinden Gast\nNicht sein Geschick erreicht. Doch droben waltet\nAllmächtig Zeus: er wird sein Schicksal lösen,\nDess Nahen schon des Donners Stimme kündet.\n(Nr. 7. „Auf uns bricht von dem blinden Greis.\")\nAuf diesen Ruf erscheint der König Theseus.\nUnd Oedipus beginnt; „Die Gottheit drängt mich,\nDie gegenwärtige. Folgt mir, o Kinder,\nUnd Du, o König! Das erlosch'ne Licht\nUmklärt auf einmal meiner Augen Höhlen,\nZum letzten Mal, ich fühl' es, leuchtet's mir.\nIch will euch leiten, wie ihr mich geleitet,\nZum heil'gen Ort, dorthin, wo mir vergönnt ist,\nZu ruhen in des Grabes Schooss. Seid glücklich!\nIm Glück gedenket mein, des Scheidenden!\"\n(Nr. 8. Quartett und Chor: „Ist es verstattet.\")\nWie er verschied, kein Sterblicher vermag\nEs zu verkünden. Nicht Zeus1 feuriges\nGeschoss hat ihn entrafft, ein Sturm vom Meere\n\n*] Bis zu dem Schlüsse in A-moll- S. 15 des Ciavier-Auszugs.\nDie Worte des Melodrams werden nicht gesprochen. S. 13\nsingt der Chor: „So bist du Oedipus!\" anstatt: „So bist du\nder!\" Nach dem Schlüsse in A-moll eine kleine Pause,\ndann Nr. lb ohne Worte."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 192, "texte": "Ihn nicht entführt. Die Götter winkten, und\nDas Thor der seligen Gefilde that sich auf:\nDort wandelt er entsühnt mit seinen Ahnen.\n(Von Nr. 9 der Schluss-Chor: „So las st denn ab von\nKlag e!u)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.2.5", "titre_corps": "Zur Geschickte des Liedes.", "titre_sommaire": "Zur Geschickte des Liedes.", "signature_source": "Dom. Mettenleiter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.7", "debut_caractere": 194, "fin_caractere_exclue": 4902, "texte": "Zur Geschickte des Liedes.\nDr. Dom. Mettenleiter.\n„Dr. Holland, Geschichte der Dichtkunst in\nAltbaiern. Pustet, Regensburg, 1862.\" Behandelt\nauch dies auf Veranlassung und durch Unterstützung Kö-\nnigs Max herausgegebene gelehrte Werk mehr die Dicht-\nkunst, so war es doch nicht zu vermeiden, die Musik, so\nweit sie mit dem Kirchenliede zusammenfällt, herein zu\nziehen. Da dieser Theil der ausgezeichneten, nicht genug\nzu empfehlenden Arbeit hohes musicalisches Interesse bietet,\nhoffte ich nichts Ueberflüssiges zu thun, wenn ich das Be-\nzügliche im Auszuge andeutete. In drei Abtheilungen ver-\nbreitet sich das Buch über Kirchenlied, Minnesang\nund Volkslied. Im Eingange sagt der Verfasser be-\nzüglich des Kirchenliedes, dass es jetzt „eine glücklicher\nWeise antiquirte Meinung\" ist, als habe vor dem 16. Jahr-\nhunderte kein deutsches Kirchenlied existirt; es ist vielmehr\ndas Gegentheil wahr. In den deutschen Sängerschulen zu\nFulda, Eichstädt, Würzburg, welche der heilige Bonifaz\ngegründet hat, galt als Norm im Singen das Antiphonar\ndes Papstes Gregor d. Gr. Eine ähnliche Schule gründete\nCorbinian zu Freising, wo die Musik so in Blülhe kam,\ndass der Ruf davon nach Italien erscholl, und Papst\nJohann VIII. sogar baierische Orgelspieler nach Rom\nberief.\nIn Baiern haben sich als Kirchenlieder-Dichter hervor-\ngethan der als epischer Dichter bekannte Metellus aus\nTegernsee; der Bischof Heribert von Eichstätt, der auch\ndieMelodieen zu seinen Liedern setzte und\ndieselben öffentlich singen liess; Arnold von\nVohburg, Conrad von Scheyern und der grosse Philosoph\nund Meister Albert der Grosse. Die Verfasser der zahl-\nreichen Kirchenlieder vom 10. bis 16. Jahrhundert können\nnicht namhaft gemacht werden, weil zuverlässige Angaben\nhierüber fehlen. Hier muss bemerkt werden, was der Autor\nS. 417 schreibt: „Für die Wahrheit, dass solche Lie-\nder auch öffentlich gesungen wurden, gibt\nPropst Gerhoh Zeugniss, der ungefähr um 1148 in seinem\ngoldenen Commentar der Psalmen schreibt, dass im\nMunde der weltlichen Gottesstreiter Gottes\nLob allgemeiner werde; denn es sei Keiner im gan-\nzen christlichen Reiche, der die hässlichen weltlichen Lieder\nöffentlich zu singen wage, sondern die ganze Welt\nsjubelt Chfistus Lob auch in Liedern der Volk-\nspräche, am meisten unter den Deutschen, deren\nSprache zu wohlklingenden Liedern geeigneter\nist.\" In der folgenden Zeit ist ausser Walther von der\nVogelweide, wenigstens unter den Minnesängern, die zu\nBaiern gehören, keiner zu finden, der besonders mit re-\nligiöser Dichtung sich befasst hätte. Der berühmte Pre-\ndiger Berhtold munterte zwar zum Singen beim\nGottesdienste auf, dass er aber selbst Kirchenlieder ge-\nschrieben hat, ist nicht bekannt.\nDie folgenden Jahrhunderte, insbesondere das 15.\nJahrhundert, sind überaus reich an geistlichen Liedern,\nnamentlich an populär gewordenen Ueberselzungen der\nalten lateinischen Kirchenhymnen, so dass der Verfasser\nam Schlüsse dieser Abtheilung mit Recht sagen kann:\n„So war denn der weltlich-geist 1 iche Gesang und\ndas Kirchenlied schon lange vorbereitet und aus-\ngewachsen, als die Reformation kam, und mit kluger\nBerechnung die volksthümliche Sangeslust für ihre\nZwecke gestaltete.\"\nAls zweite Abart der lyrischen Dichtung betrachtet\nder Verfasser den Minnesang. Unter den Minnesängern\nist der vorzüglichste Walther von der Vogelweide. Von\ndiesem heisst es S. 470: „Was immer an Minnelust und\nMinneleid durch das Herz eines Dichters ziehen kann, das\nhat er im reichsten Grade empfunden und erlebt, und diese\nZustände und Gefühle schildert er mit der zartesten Rein-\nheit und innigster Klarheit; eine rührende Unschuld und\nheitere Naivetät tönt aus seinen Liedern, so dass er mit\nkeinem seiner Zeitgenossen verglichen werden kann.\"\nMit dem Minnesänger Neidhart von Reuenthal tritt\ndie Lyrik in ein neues Stadium. Sie verlässt den tiefen\nErnst, welcher die Lieder älterer Zeit kennzeichnet, und\nneigt sich zur leichtfertigen, gemeinen Lebensanschauung\nhin. Dieser Verfall erreicht in den Meistersängern seinen\nHöhepunkt. Dagegen entfaltet sich die volksthümliche Lyrik\nin reicher Fülle. Als Beweis hiefür werden von dem Nürn-\nberger Hans Rosenplüt einige Proben mitgetheilt.\nDas dritte Buch des Werkes bildet die Geschichte der\ndramatischen Dichtung. Aus der Li tu rgi eist das re-\nligiöse Drama hervorgegangen und aus der Entartung\ndieses das weltliche Schauspiel und die Oper. Meisterhaft\nhat der Verfasser die mannigfaltige Entwicklung und all-\nmähliche Verkümmerung des religiösen Schauspiels ge-\nschildert. Ueberhaupt muss genanntes Werk als ein vor-\ntreffliches bezeichnet werden. Der Verfasser versteht den\nmassenhaften Stoff zu beherrschen und denselben in an-\nziehender Weise dem Leser zugänglich zu machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6570, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Der kölner Männer-Gesangverein hat am 2.\nFebruar ein Vocal- und Instrumental-Concert im grossen Gürzenich-\nsaale unter der Leitung des königlichen Musik-Directors Herrn\nFranz Weber zum Besten des Baufonds der Mauritiuskirche ge-\ngeben. Es waren an 2500 Personen anwesend. Fräulein Adeline\nBüchner und Herr Simons (von Düsseldorf) ärnteten durch Solo-\nVorträge stürmischen Beifall, und Herr Louis Brassin erregte\ndurch sein bewundernswertes Clavierspiel gewaltigen Enthusiasmus.\nWir berichten darüber, so wie über die dritte Soiree des Kam-\nmermusik-Vereins und das Gastspiel des Herrn Marchesi an\nder Oper in nächster Nummer. Auch das Benefiz-Concert des\nHerrn Peters, Dirigenten der Dickopfsehen Capelle, im Kometen-\nsaale den 30. Januar, war über die Maassen zahlreich besucht und\nbrachte ausser mehreren recht gut ausgeführten Orchesterstücken\n(Sinfonie Nr. 15 in G-dur von Haydn mit gewaltigem Applaus, und\nOuvertüren von Cherubini und C. M. von Weber) auch einige\nPianosachen, namentlich den ersten Satz von Hummel1 s herrlichem\nA-moll-QoTiQ.ZYi, welches Herr Emil Kayser, Zögling des hiesigen\nConservatoriums, sehr brav vortrug. Wir hatten grosse Freude da-\nran, diese echte Clavier-Composition, welche die Pianofortehelden\nunserer Zeit verschmähen, wieder einmal in einem Concert popu-\nlaire zu hören. Auch brachte sie dem Spieler rauschenden Beifall.\nLiszt's neueste musicalische Schöpfung: „Die heilige Elisa-\nbeth\", mit einem Texte von Otto Roquette, wird wahrscheinlich,\neinem Wunsche des Grossherzogs von Weimar zufolge, zuerst auf\nder Wartburg aufgeführt werden.\nWeimar. Das bei uns am Neujahrsabende regelmässig in\nden Räumen des grossherzoglichen Schlosses Statt findende Hof-\nConcert brachte diesmal ausserordentlich interessante Genüsse. Nicht\nnur, dass die Capelle mit gewohnter Präcision die Wagner'sche, dem\nstillen nürnberger Zunftsänger-Leben seltsam rauschend voranstür-\nmende Meistersänger-Ouverture und die etwas farblose Meyerbeer1-\nsche Welt-Ausstellungs-Introduction vorführte, auch die individuelle\nund persönliche Kunstleistung war auf das glänzendste vertreten.\nCamillo Sivori, der kleine Geiger aus Genua, schon vor Jahren\nin Deutschland als Schüler Paganini's gefeiert, taucht mit seinem\nmächtigen Geigenspiel wieder auf. Zu allgemeiner Bewunderung trug\ner drei bedeutende Piecen vor. Neben ihm glänzte Johanna\nJachmann-Wagner in den anziehendsten beaux restes ihres mu-\nsicalischen Ruhmes. Sie sang Rossini, deutsche Lieder und Gluck\nmit einer Stimme, deren sonorer Klang dem Schauspiele jetzt ange-\nhört, die aber auch noch in der Oper unbestreitbar die alte mäch-\ntige Wirkung hervorbringen würde. Aus tiefster Seele quoll ihr: „Ich\ngrolle nicht*', ihr Gluck'sches: „Unaussprechlich ist mein Schmerz\".\nEs geschah auf besonderen Wunsch der Grossherzogin, dass die\ngrosse Opern-Tragödin sich im „classischen Weimar\" noch einmal\nauf dem Gebiete zeigte, wo ihr sonst die reichsten Lorbern blühten.\nAm 19. Januar hat Hans von Bülow ein Concert zum Besten\nder Schiller-Stiftung gegeben, wozu in gewohnter Huld der Gross-\nherzog die Räume des Theaters zu benutzen gestattete. Eine Ouver-\ntüre von Lassen, ein Prolog von Gutzkow eröffneten den Abend.\nA. Dörffel's Leihanstalt in Leipzig. Es ist heutzutage\neine Notwendigkeit für jeden Musiker, sich mit den zur Musik ge-\nhörigen wissenschaftlichen Studien und Lehren bekannt zu machen,\nda ein blosser Praktiker gar leicht in das Handwerkerthum oder in.\noberflächliche, wenn auch oft glänzende, Seichtigkeit verfallen\nmöchte. So allgemein nun unter den praktischen Musikern der\nWunsch nach mehrseitiger Bildung in ihrem Fache hervorgetreten\nist, so hat es doch bis jetzt an einer Anstalt gefehlt, welche für ein\nbilligeres Honorar die oft so kostbaren musicalisch-theoretischen und\nhistorischen Werke, so wie die Partituren älterer und neuerer Mei-\nster hätte leihen können. Wir freuen uns daher aufrichtig, dass die-\nsem Uebelstande durch einen tüchtig wissenschaftlich gebildeten, so\nwie praktischen Musiker abgeholfen ist, nämlich durch Herrn Al-\nfred Dörffel in Leipzig, der schon vor einem Jahre eine Leih-\nanstalt für musicalische Literatur für heimische und auswärtige\nAbonnenten gegründet hat, eine Anstalt, die nicht nur die seltensten\nWerke, wie z. B. Glareanus1 Dodecachord, Gerbert's Scriptores eccle-\nsiastici, De cantu et musica sacra desselben Verfassers u. s. w., son-\ndern auch die meisten hervorragenden Componisten, wie Beethoven,\nMozart, Mendelssohn, Schumann, Hiller u. s. w. in ihren sämmt-\nlichen Werken vollständig besitzt. Die historisch geordnete Parti-\nturen-Sammlung würde für Kunstjünger und praktische Musiker ganz\nbesonders zu empfehlen sein. Wir machen also alle sich für die\nTonkunst Interessirenden auf diese Anstalt aufmerksam, da wir uns\ndurch eigene Anschauung und Benutzung derselben überzeugt haben,\ndass sie ihr von vorn herein reichhaltiges Material nicht nur binnen\neinem Jahre mit vielen wichtigen Werken vervollständigt hat, son-\ndern auch mit Anstrengung aller Kräfte von Tag zu Tag zu ver-\nmehren sucht. Ein jeder Musiker und Freund der Tonkunst möge\nsich daher einen Katalog beziehen und aus dem von Herrn Dörffel\ntrefflich geschriebenen Vorworte zu der reichhaltigen Sammlung von\nmusicalischen Werken den Standpunkt dieses überaus wichtigen In-\nstituts kennen lernen. Die Bestellungen sind unter dem Titel: „Leih-\nanstalt für musicalische Literatur von Alfred Dörffel in Leipzig,\nPetersstrasse Nr. 24 im grossen Reiter\", anzubringen, worauf in der\nkürzesten Zeit die gewünschte Antwort und Auskunft erfolgen wird.\nMöge zum Nutzen der Kunst und Wissenschaft die Unterstützung\ndes Publicums eine immer regere und theilnahmvollere werden.\nAdelina Patti hat am Mittwoch den 28. Januar zu\nihrem Benefiz in der italiänisehen Oper Don Giovanni gegeben. Die\nOper wurde am Donnerstag, Samstag und Sonntag bei überfülltern\nHause wiederholt. Der Kaiser und die Kaiserin liessen die Künst-\nlerin in ihre Loge rufen und übersandten ihr am folgenden Tage\nein prächtiges Armband von Diamanten und Smaragden. Die Sän-\ngerin bleibt bis zum 15. Februar in Paris.\nDer König von Holland hat Herrn Dufour, Herausgeber der\nRevue et Gazette musicale, den Orden der Eichenkrone ertheilt.\nVon fremden Künstlern wird Frau Clara Schumann (erstes\nConcert den 15. Februar) erwartet. Jean Becker ist angekom-\nmen (erstes Concert den 25. Februar im Saale von Herz). Becker\nbeabsichtigt, drei historische Concerte zu geben; im ersten wird er\nitaliänische, im zweiten deutsche, im dritten französische und belgi-\nsche Compositionen spielen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nLouise Köster« 11. Die Instrumentalmusik zum Drama. König Oedipus in Kolonos. Zur Concert-AufFührung der\nMusik von F. Mendelssohn-Bartholdy. Zur Geschichte des Liedes. Dr. Holland, Geschichte der Dichtkunst in Altbaiern. Von Dr. Dom.\nMetten 1 eiter. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Concert des kölner Männer-Gesangvereins, 111. Soiree für Kammermu-\nsik, Benefiz-Concert des Herrn Peters Weimar, Hofconcert —A. Dorffel's Leihanstalt in Leipzig Paris, Adelina Patti u. s. w.).\n\nLouise Köster.\n(Schluss. S. Nr. 5.)\nDie Gestalten Mozart'scher Opern, welche Frau Köster\nins Leben rief, sind Donna Anna im Don Juan, die Gräfin\nin Figaro's Hochzeit (mit Frau Tuczek als Susanna), die\nKönigin der Nacht in der Zauberflöte, die Vitellia in Titus.\nDann warßeethoven'sLeonore eine ihrer schönsten Rollen;\nferner in Spontini's Vestalin die Julia, und in C. M. von\nWeber's Opern Agathe, Euryanthe (einige Male auch die\nEglantine) und Rezia; in Meyerbeer's Robert die Alice, in\nden Hugenotten die Valentine und im Propheten die Bertha.\nAls Leonore und Valentine brauchte sie den Vergleich\nmit der Schröder-Devrient nicht zu scheuen, wiewohl die\nletztere beide Rollen anders auffasste, heroischer und leiden-\nschaftlicher als die Köster, welche zwar im Fidelio eine\nergreifende Steigerung des entschlossenen Charakters der\nliebenden Gattin bis zu dem Gipfelpunkte in der Kerker-\nscene entwickelte, aber nirgends das künstlerische Maass\nüberschritt, was der Schröder-Devrient besonders in der\nletzten Periode ihres Bühnenlebens wohl zuweilen wider-\nfuhr, womit wir übrigens nicht läugnen wollen, dass gerade\nsolche Momente oft ihre genialsten und hinreissendsten\nwaren.\nLouise Schlegel wurde am 22. Februar 1823 zu\nLübeck geboren. Stimme und theatralisches Geschick zeig-\nten sich sehr früh bei ihr: noch nicht acht Jahre alt, trat\nsie schon als Genius in der Teufelsmühle von Wenzel\nMüller auf, dann im Jahre 1831 als Lilly im Donau-\nweibchen, und im Jahre 1836 schon als Irma in Auber's\nMaurer und Schlosser, alle diese Rollen immer in Lübeck.\nVon da kam sie nach Leipzig, wo sie von Pohlenz den\nersten kunstgemässen Unterricht in Gesang und Musik be-\nkam und schon im Winter von 1837 auf 1838 als\nfünfzehnjähriges Mädchen in den Gewandhaus-Concerlen\nsang, im März 1838 in Lübeck als Prinzessin von Navarra\nin Johann von Paris und als Giulietta in Romeo auftrat,\nund im Juni bei dem Musikfeste zu Magdeburg unter\nFriedrich Sehneider's Direction mitwirkte und allgemeine\nBewunderung erregte.\nIn demselben Jahre wurde sie bei der leipziger Bühne\nangestellt, trat als Prinzessin von Navarra am 15. September\nauf und sang bis zum 1. Jan. 1839 die Agathe 2 Mal, die\nRezia 5 Mal, die Giulietta im Romeo, und auch schon die\nAlice 2 und die Valentine 3 Mal. Im Laufe des Jahres\nvermehrte sie ihr Repertoire durch Halevy's Ginevra und\nRecha, Auber's Zeila im Feensee, gab im Mai und Juni\nfünf Gastrollen in Berlin, später auch in Dresden und\nHamburg und nahm im December 1840 ein Engagement\nam Hoftheater in Schwerin an, wo sie bis zum Mai 1844\nblieb. Hier sang sie im Jahre 1841 zum ersten Male die\nDonna Anna, die Leonore und die Gräfin in Figaro's\nHochzeit und Spohr's Jessonda, 1842 die Julia in der\nVestalin, nachher auch die Amine in Bellini's Nacht-\nwandlerin, die Lucrezia Borgia, die Elvira in der Stummen\nvon Portici u. s. w. In Wien gastirte sie zum eisten Male\nim Herbste 1841.\nNach ihrer Verheirathung mit dem Dichter Hans\nKöster wurde sie am Stadttheater zu Breslau angestellt,\nwo sie am 10. August als Euryanthe zuerst auftrat, bis\nAnfang Mai 1845 (jetzt auch die Amazily in Spontini's\nCortez, die Desdemona und die Norma) sang, dann aber\nzwei Jahre sich von der Bühne zurückzog, um ihre ange-\ngriffene Gesundheit wieder zu stärken.\nIm Jahre 1847 gab sie im Sommer wieder Gastrollen\nin Berlin und wurde an der königlichen Oper angestellt.\nIhre Antrittsrolle war die Vestalin (am 5. Oclober). Seit-\ndem widmete sie sich ausschliesslich dieser Bühne und\nnahm selten Urlaub zu Gastspielen, höchstens auf acht\nTage; nur in Wien sang sie im Jahre 1853 von Mitte\nJuni bis Ende August. Niemals liess sie sich zu der Aus-\nbeutung ihres Talents und Bufcs durch Hetzjagden nach"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.2", "texte": "Beifall und Geld herab, wie sie andere Künstlerinnen in\nden letzten Jahrzehenden unserer Theatergeschichte alle\nJahre regelmässig anstellten und noch anstellen. Seit 1853\nhat sie nur noch ein einziges Mal auswärts gesungen, die\nArmide in Weimar auf besondere Einladung des Hofes.\nAm Rheineist sie nur zwei Mal gewesen; im Jahre\n1851 sang sie im Juni bei unserem niederrheini-\nschen Musikfeste in Aachen neben Fräulein Boch-\nkolz und Fräulein Schloss und gab darauf vier Vor-\nstellungen in Frankfurt am Main. In dem Berichte über\ndas Musikfest sprachen wir uns damals folgender Maassen\nüber sie aus: „Bei Frau Köster, die wir am Rheine zum\nersten Male hörten, hatten wir ein grösseres Volumen der\nStimme erwartet, welche in den hohen Tönen etwas\nscharf ist und an die Fassmann erinnert. Ihr Gesang ist\nvorzüglich, ihr mezza voce wunderschön bei sich gleich\nbleibender Klangfarbe der Stimme, und an dem Vortrage\nder Recitative und Arien konnte man die dramatische\nKünstlerin erkennen, an deren Zauber von der Bühne\nherab wir gern glauben. In dem dritten Fest-Concert sang\nsie die Arie der Gräfin („Nur zu flüchtig!;) aus Figaro's\nHochzeit sehr schön und gab nach dem Hervorrufe noch\nzwei Lieder zu, welche ihr besonders das Lied vom\nRhein Jubel und Fanfaren nebst Blumenregen ein-\ntrugen; sie scheint .uns jedoch als dramatische Sängerin\nauf weit höherer Stufe zu stehen, denn als Liedersänge-\nrin.\" (Rhein. Musik-Ztg. 1851. Nr. 52.) Ausserdem\nsang sie am ersten Tage die Sopran-Partie im I. Theil\nvon Händel's „Judas Maccabäus\" und am zweiten Tage\ndie Partie der „Ilia\" in den Scenen aus Mozart's „Ido-\nmeneo\". Später sahen wir die Elektra im Idomeneo,\nihre eigentliche Rolle in dieser Oper, auf der berliner\nBühne und bewunderten die vortreffliche Auffassung und\nDarstellung dieser gewaltigen Partie, in welcher Mozart\nzum ersten Male sein Genie zu individueller musicalischer\nCharakteristik einer dramatischen Gestalt gezeigt hat.\nWenn 0. Jahn von den beiden grossen Arien sagt, dass\n„sie der lebendigste Ausdruck einer glühenden, kraftvollen\nLeidenschaft sind, die durch eine Beimischung von stolzer\nWürde über das Unedle, welches so heftige Ausbrüche\nder Eifersucht und Rachelust leicht annehme, gänzlich\nhinausgehoben wird\", so passt dies recht eigentlich auf\ndie Ausführung dieser Musik in Verbindung mit der Dar-\nstellung durch Louise Köster.\nDie neuen Partieen, wodurch sie ihr grosses Reper-\ntoire vervollständigte und deren Reihenfolge zugleich als\nein historischer Beitrag zu den Leistungen des Opern-In-\nstituts in Berlin gelten kann, sind folgende:\n1847, Adriano in Richard Wagner's Rienzi, 5 Mal\nvom 26. October bis 25. December, dann nicht wieder.\n1848, Königin der Nacht, zum ersten Male am\n20. Juni und noch 5 Mal in demselben Jahre; bis 1862\neinunddreissig Mal. Alceste den 29. November.\nConstanze im „Wasserträger\" den 31.December.\n1849, Mairose in Halevy's „Thal von Andorra\"\nden 8. April (9 Mal im Ganzen). Armide von Gluck\nden 15. October (24 Mal im Ganzen).\n1850, Bertha in Meyerbeer's „Prophet\" den 28.\nApril (12 Mal bis zum 23. Juni, 26 Mal im Ganzen).\nDie Grossfürstin von Flotow den 19. November (12\nMal bis zum April 1851, später nur noch 1 Mal).\n1851, Iphigenia in Aulis von Gluck den 3. Juni\n(im Ganzen nur 4 Mal).—Olympia von Spontini den 15.\nOctober (im Ganzen 15 Mal).\n1852, Pamina den 25. April. Vitellia den 15.\nOctober.\n1853, Indra von Flotow den 22. März. lph-\nigenia auf Tauris von Gluck den 28. Mai (15 Mal im\nGanzen).\n1854, Eurydice in Gluck's „Orpheus\" den 24.\nOctober (5 Mal).\n1855, Elektra in Mozarl's „Idomeneo\" den 15.\nOctober (6 Mal).\n1857, Leonore in Yerdi's „Troubadour\" den 24.\nMärz.— Isabella im Robert den 11. December (6 Mal).\n1858, Lodo isk a von Cherubini den 25. Mai (2 Mal).\nConstanze in der „Entführung\" von Mozart den 1. Fe-\nbruar (8 Mal). ; > i\n1859, Elvira in Verdi's „Hernani\" den 16. Mai\n(2 Mal).\n1860, Rebekka in Marschner's „Templer\" den 5.\nJuni (8 Mal),\nEndlich ersehen wir aus dem Rollen-Verzeichniss, dass\nFrau Dr. Koste r die A r m i d e 24 Mal, die Bertha 26,\ndie Königin der Nacht 31, die Vesta lin 34, die\nRezia 52, die Gräfin im Figaro 59, die Donna Anna\n68, endlich die Leonore im Fidelio 80 Mal gesungen\nhat! Das beweist denn doch, dass das Publicum in Deutsch-\nland noch an manchen Orten und namentlich in Berlin\neinen recht guten Geschmack in dem Zeiträume von 1838\nbis 1862 gehabt hat.\nVon dem Könige hat die Künstlerin bei ihrer Ab-\nschieds-Vorstellung von der Bühne ein kostbares Brillant-\nArmband, von der Königin einen überaus werthvollen\nSchmuck erhalten. Beim Empfange durch die Allerhöch-\nsten Herrschaften während des Zwischenactes wurde sie\nzunächst durch Ihre Majestät die Königin, welche aufs\nhuldvollste in die öffentlichen und häuslichen Verhältnisse\nder Künstlerin einging, über den ehrenden Erfolg ihres\nFestabends beglückwünscht. Als Ihre Majestät schliesslich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.3", "texte": "die Hoffnung aussprachen, „der Künstlerin wenigstens zeit-\nweise wieder auf dem Gebiete der classischen Oper zu be-\ngegnen\", äusserte der König, der inzwischen ebenfalls ein-\ngetreten war, „das eben sei durch die Ernennung zum\nEhren-Mitg 1 iede heute Abend abgemacht\", und beide\nMajestäten ertheilten der tiefbewegten Frau die wärmsten\nVersicherungen der Anerkennung und des Wohlwollens.\nDie Huldigung, welche der Künstlerin auf der Bühne\ngebracht wurde, bestand darin, dass das gesammte Opern-\nPersonal sich versammelt hatte, an der Spitze der General-\nIntendant von Hülsen. Die Beriefizianlin, von Herrn Ca-\npellmeister Taubert geführt, erschien, und Herr von Hül-\nsen hielt eine Anrede, in welcher er die Verdienste, welche\ndie Künstlerin sich um die königliche Bühne erworben,\nbesonders betonte und ihr im Namen Seiner Majestät des\nKönigs dessen Dank aussprach. Hiernach überreichte Frau\nHarriers-Wippern der scheidenden Künstlerin ein Geschenk\nvon sämnritlichen Op ern-Mitgliedern, eine grosse silberne\nMedaille, deren eine Seite das Bild der Frau Köster, die\nandere eine Ansicht des königlichen Opernhauses und,\ndurch Guirlanden getrennt, acht der vorzüglichsten Rollen\nder Künstlerin zeigt.\nUnter den vielfachen Gaben der Erinnerung und der\nFreundschaft, welche Louise Köster während der letzten\nWochen und Tage dargebracht wurden, befindet sich eine\nAquarell-Arabeske von Fräulein Malvina Frommann,\nwelche sich durch sinnige Erfindung und künstlerische\nAusführung besonders auszeichnet: eine heilige Cäcilia,\nvon Arabesken umschlungen, die in zwei Phantasieblumen\nausgehen, deren Staubfäden in künstlich verschlungener\nSchrift die Hauptrollen der Künstlerin tragen.\n\nDie Instrumentalmusik zum Drama.\nDer Gedanke, zu Schauspielen Musik zu schreiben,\ndie den Inhalt derselben theils im Allgemeinen charakte-\nristisch durch eine Ouvertüre andeute und das Publicum\nin die Stimmung, welche zur Auffassung des Drama's\nwünschenswert!) ist, zu versetzen suche, theils einzelne Mo-\nmente der Handlung und gewisse Situationen und Gefühle\nder dramatischen Personen entweder vorbereite oder\nmit entsprechenden Harmonieen begleite, oder die Em-\npfindung, welche sie erregen, in Tönen nachklingen\nlasse dieser Gedanke findet seine erste Veranlassung\no\nschon in den Traditionen über die Tragödie der Alten.\nUnsere Vorstellungen über die Art der Verbindung der\nMusik mit der Poesie in der griechischen Tragödie sind\nzwar durchaus nicht zu vollkommener Klarheit gediehen,\nallein so viel ist doch wahrscheinlich, dass der Vortrag\nmehr dem Melodramatischen, als dem Opernhaften ähn-\nlich gewesen sei.\nUnter den Neueren regte J. J. Rousseau zuerst das\nMelodrama durch seinen „Pygmalion\" an, ein Werk,\nwelches er in seinen späteren Jahren gedichtet und com-\nponirt hat. Es ist jedoch nicht ausgemacht, ob Georg\nBenda, welcher in Deutschland das erste Melodrama:\n„Ariadne auf Naxos\" im Jahre 1774 aul' die Buhne\nbrachte, das Werk Rousseau's gekannt oder auch nur da-\nvon Kunde gehabt habe. Georg Benda (1721 —1795)\nder bedeutendste Musiker dieser Künstlerfamilie, die aus\nBöhmen stammte, war erst in Berlin, dann seit 1748 Ca-\npellmeister in Gotha und genoss eines ausgebreiteten Rufes\nals Componist von Opern, Sinfonieen, Concerten u. s. w.\nIm Jahre 1772 kam die Seiler'sche Schauspieler-Gesell-\nschaft von Weimar nach Gotha; sie besass in der bewun-\nderten Brandes eine ausgezeichnete Künstlerin, und diese\nbegeisterte Benda zu dem genannten Melodrama, das einen\nUngeheuern Erfolg in Deutschland halte, auch in Paris\nmehrere Aufführungen erlebte. Der „Ariadne\", von dem\nManne der Brandes nach Gerstenberg's Gedichte der neuen\nGattung gemäss eingerichtet, folgte eine „Medea\", von\nGotter gedichtet, die nicht minderen Beifall fand. Ein\ndrittes Melodrama mit Chören: „Almansor und Nadine\",\nwurde in Wien gegeben, fand aber weniger Verbreitung,\nals die beiden ersten. Auch in der Medea hatte er schon\neinen Chor angebracht. Dichter und Componisten die\nFülle bemächtigten sich derselben Gattung, ohne jedoch\ndem Erfolge der Ariadne und Medea beizukommen.\nDer Gefallen des Publicums an den Melodramen verlor\nsich durch die Vervollkommnung der Oper, und später\nkamen sie durch den Missbrauch, den die Franzosen mit\ndem Melodrama trieben, bekanntlich in Misscredit. Son-\nderbarer Weise führt aber das neueste Wagner'sche Sy-\nstem der Oper und die Programm-Musik in ihrer letzten\nConsequenz, weil sie dem Worte die Hauptrolle zuweist und\ndie Bedeutung der Musik ihm unterordnet, wieder auf das\ngesprochene Drama mit Musik zurück. Auch haben wir\nja schon von Schumann und einigen Nachahmern Gedichte\nmit Pianoforte-Begleitung nicht für Gesang, sondern für\nDeclamation. Das ist also schon wieder förmliche Melo-\ndramalik derselben Art, wie nach Benda's Zeit, als man\nMusik für Orchester zur Declamation oder plastisch-\nmimischer Darstellung von Gedichten componirte, wie\nBernh. Anselm Weber (der um Gluck's Opern in Berlin\nhochverdiente Capellmeister) zu Schiller's „Gang nach dem\nEisenhammer\", Zumsteeg zu Klopstock's „Frühling\",\nLintpaintner zu Schiller's „Glocke\", A. Romberg zum\n„Taucher\" u. s. w.\nDass die Anwendung des Melodrams stellenweise im\n'\n\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.4", "texte": "Schauspiel und sogar in der Oper sehr wirkungsvoll sein\nkann, die Gattung also an und für sich durchaus nicht zu\nverwerfen ist, wenn nur der rechte Mann darüber kömmt,\nzeigten Cherubini im 3. Acte des Wasserträgers, Beethoven\nim 2. Acte des Fidelio in der Kerkerscene und im letzten\nActe von Egmont, und besonders C. M. VOH Weber in\nPreciosa und im 2. Acte des Freischütz in der Beschwö-\nrungs-Scene in der Wolfsschlucht.\nNach der Ouvertüre zum Drama „Ariadne\" war der\nGedanke ganz natürlich, auch zu Schauspielen, besonders\nzu Tragödien, Ouvertüren zu schreiben, zunächst wohl\nzu solchen, in denen der Dichter an gewissen Stellen Musik\nverlangte, z. B. zu Liedern, Aufzügen u. dgl. Auch darin\nging der schon genannte B. A. Weber voran, indem er zu\nSchiller's „Wilhelm Teil\" nicht nur die Lieder des Fischers,\nHirten u. s. w. und den Gesang der Mönche an Gessler's\nLeiche, sondern auch eine Ouvertüre componirte. Eben\nso zur „Jungfrau von Orleans\" Ouvertüre, Krönungs-\nmarsch und Musik hinter der Scene während des Mono-\nlogs. Muster in dieser Art lieferte nachher bekanntlich\nBeethoven in seinen Eröffnungs-Sinfonieen zu den Tra-\ngödien Coriolan und Egmont. Von der Flut der nach-\nfolgenden Drama-Ouvertüren, besonders in der letzten\nPeriode unserer Zeit, wollen wir schweigen: sie brachte\nhie und da wohl ein gutes Orchesterstück, aber die Ueber-\nschriften waren meist eben so bedeutungslos, wie die\n„Forellen\", „Lorelei's\", „Novellelten\" und ähnliche Kinde-\nreien an der Spitze von Ciavierstücken.\nDa man nun einmal zu Ouvertüren zu Schauspielen\ngekommen war, so entwickelte sich daraus leicht der Ge-\ndanke von Zwischenacts-Musik im Drama, entweder\nals Nachklang des Eindrucks der letzten Scene eines Actes,\noder häufiger als Vorbereitung der Stimmung für den fol-\ngenden, zuweilen auch Beides verbunden. Auch fehlte es\ndazu nicht an Vorbildern in der Oper, z. B. Cherubini's\nVorspiele zum zweiten und dritten Acte des Wasserträgers,\nBeethoven's zum zweiten Acte des Fidelio, Weber's zum\ndritten Acte des Freischütz u. s. w.\nSo sind wir denn zu einer Gattung von Musik gekom-\nmen, welche offenbar als ein Fortschritt zu betrachten,\nallein nichts Anderes ist, als eine Entwicklung der melo-\ndramatischen Gattung, angewandt auf das reine Drama\ndurch Eröfihungs- und Zvvischenacts:Musik, wozu denn\nauch die Composition von denjenigen Accessorien des Dra-\nma's, bei denen der Dichter Musik fordert (Chöre, Lieder,\nMärsche, Tänze), und das rein Melodramatische gehört.\nIn d ieser Gattung, die wir für einen Gewinn der\nKunst halten, haben uns Beethoven zum Egmont, C. M.\nvon Weber zur Preciosa, F. Mendelssohn-Bartholdy zum\nSommernachtstraum und mit vorherrschendem Chorge-\nsange zu der Antigone, zum Oedipus und zur Athalia treff-\nliche Werke geliefert. Ihnen haben sich Meyerbeer durch\ndie Musik zu Struensee, Schumann durch die zu Manfred\nangeschlossen, Anderer nicht zu gedenken, deren Leistun-\ngen nicht so bekannt geworden sind.\nNun wird uns aber der reine Genuss dieser Art von\nMusik im Theater meist sehr verkümmert. Unser Publi-\ncum ist nun einmal kein athenisches; es hält fünf Acte\neiner Tragödie hinter einander mit gespannter Aufmerk-\nsamkeit nicht aus, es muss dazwischen Pausen haben, die\nMänner, um frische Luft zu schöpfen und ans Büffet oder in\nden Foyer zu gehen, die Damen, um die Toiletten zu mu-\nstern und zu plaudern und wohl uns, wenn sie nur im\nZwischenact plaudern! Indessen vor dem Aufziehen des\nVorhangs hat das Theater-Publicum Bespect; so wie der\nSchleier, der die Geheimnisse der Zukunft verhüllt, empor-\nrauscht, legen sich die Wogen der Unterhaltung, und Alles\nsucht sich schnell, so gut wie möglich, aus der nüchtern-\nsten Prosa wieder in die poetische Illusion zu versetzen.\nWie die Begierenden den Volks-Charakter, so müssen die\nBegisseurs die Volks-Sitten studiren, folglich die Musik zu\nSchauspielen so viel als möglich bei offener Scene ge-\nben, wobei dann auch kleine Zwischenpausen durch Sen-\nken des Vorhangs anzubringen sind. (Wir haben ein aus-\nführliches Scenarium zu Beethoven's Egmont-Musik\nBehufs einer derartigen Einrichtung schon im I. Jahr-\ngang d. 81., in Nr. 6 vom 6. August 1853, gegeben:\nallein es ist wohl, wie so mancher andere Versuch, zu\nwürdiger Aufführung classischer Meisterwerke beizutra-\ngen, ein Stück „Danaiden-Arbeit\" gewesen, denn unsere\nIntendanten, Begisseure und Capellmeister haben keine\nZeit, dergleichen-zu lesen!)\nDa nun die melodramatische Musik, die musicalische\nIllustration des Drama's, in den Theatern selten eine wür-\ndige und ungestörte Ausführung erlebt, so versuchte man,\nsie in den Concertsaal zu verpflanzen, und mit Beeilt.\nGeschieht dies aber, so muss durchaus durch Declamation\nder Zuhörer auf die Bedeutung der Musik aufmerksam\ngemacht, ja, wo möglich, durch das gesprochene Wort ein\nAnklang derjenigen Stimmung in ihm geweckt werden,\nwelche der Componist aus der Handlung des Drama's ge-\nrade aufgegriffen hat*)_. Die so genannten „verbindenden\nGedichte\", die man dazu benutzt, verfehlen grösstentheils\nihren Zweck durch ihre Länge, die aus dem Bestreben\nentsteht, dem Publicum die ganze Handlung des Drama's\nvorzuerzählen. Dies ist aber unnöthig und wird fast immer\n\n*) Ganz ohne erläuternde Declamation, als eine Art von Sinfonie\nin mehreren Sätzen, lässt sich von den oben angeführten Com-\npositionen allenfalls nur Sommernaehtstraum-\nM usik aufführen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.5", "texte": "langweilig, daher dem Eindruck der Musik eher schädlich,\nals förderlich. Unserer Ansicht nach muss eine solche De-\nclamation vor allen Dingen kurz den HauptstofF des Dra-\nma's und die Scene, wo die Handlung vorgeht, angeben,\ndann aber nur diejenigen Momente hervorheben, an welche\ndie Musik sich anschliesst oder welche sie vorbereitet*).\nMeyerbeer's Musik zu „St r u ensee\", deren Auf-\nführung hier in Köln im 5. Gürzenich-Concerte ohne\nDeclamation Statt fand, konnte desshalb, zumal bei der\nUnbekanntschaft des grossen Publicums mit der Tragödie\nvon Michael Beer, nicht zu vollem Verständniss und zu\neinheitlichem Eindrucke gelangen. Die Andeutungen im\nProgramme reichten dazu nicht aus. Freilich müssen wir\ngestehen, dass die uns zu Gesicht gekommenen verbinden-\nden Gedichte die beabsichtigte Wirkung ebenfalls schwer-\nlich erzielt haben würden. Meyerbeer hat diese Musik im\nJahre 1845 componirt, nach Robert (1831), den Huge-\nnotten (1836), dem Feldlager in Schlesien (1842), und\nvor dem Propheten (1849), mithin in derZeit der höchsten\nBlüthe des grossen Meisters.\nDie Partitur enthält eine grosse Ouvertüre, die aus\neinem Andante religioso und einem feurig stürmischen\nAllegro appassionatobesteht, in welches das Thema des\nAndante's wieder eingreift. Dieses Thema ist aus dem\nMelodrama, in welchem Struensee's Vater ihn zuerst\nwiedersieht, genommen, kehrt aber auch bei Struensee's\nTraume, bei seiner Ergebung in sein Schicksal und bei\ndem Abschiede von seinem Vater, der ihn segnet, wieder.\nEs konnte nicht gut einem anderen fnstrumente, als der\nHarfe gegeben werden, wie denn Meyerbeer in solchen\nDingen immer das Richtige trifft; die Harfe ist daher von\nAnfang bis zu Ende in dieser Musik wesentlich. Der Zeit-\npunkt, in welchem sie entstand, lässt schon darauf schliessen,\nwas sich auch vollkommen bestätigt, dass sie alle Eigen-\ntümlichkeiten von Meyerbeer's Stil in der Periode seiner\nvollsten Productionskraft enthält. Ausser der Ouvertüre\ngibt er noch 13 Nummern, theils Zwischenacte, theils\nMelodramen: überall treten sowohl die vorzüglichen, als\nseltsamen Eigenschaften jenes Stils hervor; geniale Züge,\ntüchtige Durcharbeitung, ästhetisches Urtheil, originelle\nund effectvolle Instrumentirung, ausdrucksvolle melodische\nStellen erscheinen neben Gemachtem und Erkünsteltem,\naus Neigung zum drastisch Wirksamen und zu bedeutungs-\nvollem Detail durch Reflexion Gesuchtem, Begeisterung\nneben Klügelei. Der „Aufruhr\" der Garden (Entreact\nNr. 3) hat uns wenig befriedigt, obwohl er sehr geschickt\ngemacht ist. Das eingewebte dänische Volkslied: „Held\nChristian steht am hohen Mast\", ist trotz eines Anklangs\nan die Marseillaise viel zu zahm zu einem Revolutionsliede:\nindess mag der Chor, der es nach M.'s Vorschrift hinter\ndem Vorhange und allmählich in immer weiterer Ent-\nfernung singen soll, alsdann mehr Effect machen, als im\nConcertsaale. Der ganzen zweiten Hälfte der Partitur,\nwelche mit der glänzenden „Polonaise\" Nr. 8 (S. 107 bis\n143) beginnt, worauf die Musik in der „Dorfschenke\"\nNr. 9 (S. 144 —170) folgt, dann den Nummern, welche\ntheils die tragischen Scenen vorbereiten, theils sie melo-\ndramatisch begleiten, wandte si'ch bei der hiesigen Auf-\nführung der Beifall des Publicums am meisten zu. Auch\nunserer Ansicht nach bilden sie den vorzüglicheren Theil\nder Struensee-Musik und sind reich an wirklichen Schön-\nheiten.\n\n*) Wir geben am Schlüsse dieses Artikels verbindende Worte zu\nMendelssohn's Musik zum „Oedipus in Kolonos\", welche\nkeinen anderen Anspruch machen, als zur praktischen Erläu-\nterung der oben ausgesprochenen Ansicht zu dienen.\n\nKönig Oedipus in Kolonos.\nZur Concert-Aufführung der Musik von F. Mendels-\nsohn-Bartholdy.\n(Introductio n.)\nWas eines grossen Dichters Geist geschaffen,\nUnd was das Volk der Griechen in Athen\nVor länger als zweitausend Jahren tief\nBewegt, im Bilde soll es sich euch zeigen,\nWozu den Rahmen uns die Tonkunst leiht.\nFolgt in Gedanken denn uns nach Athen,\nWo Theseus herrscht, der Held aus Aegeus1 Stamme.\nIn seinem Reiche liegt die Stadt Kolonos:\nDorthin und in den Hain der Eumeniden\nFühr1 ich euch jetzt. Es naht ein blinder Greis,\nGestützt auf einen Stab und auf die Schulter\nDer Tochter, die ihn liebevoll geleitet.\nIn ihm erscheint euch Oedipus, der König\nVon Theben, einst beneidet in der Fülle\nDes Glückes, jetzt ein Mann des schnöden Jammers!\nDes Schicksals grauenvolle Wogen rissen\nIhn mit sich in den Abgrund. Schrecklich hellte\nDes Sehers Spruch die Nacht des Unheils auf,\nDas den Unschuldigen mit Fluch umstrickte:\n„Vernimm, o Laios' Sohn! Du hast den eig'nen Vater\nErschlagen und der eig'nen Mutter dich vermählt!\"\nDa raubt' in Schmerz und Wahnsinn Oedipus\nSich selbst das Licht der Augen; arm, verbannt\nIrrt' er umher: die eig'nen Söhne haben\nVertrieben ihn, das Volk im Grimm verhöhnt\nDen Fluchbeladenen. Doch einen Trost\nVergönnt ein Gott: es ist der Tochter Liebe.\nEs führt Antigone den Vater, ist\nSein Siab, sein Aug1 und nimmt die Gaben an,\nDie einem Könige das Leben fristen!\nEr setzt sich nieder auf den rauhen Stein:\nDoch Ruhe ward dem Müden nicht beschieden.\nKolonos' Bürger nah'n : er weichet scheu\nVon hinnen, denn er weiss es nicht, ob sie\nIhm neues Leiden bringen, oder Frieden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.6", "texte": "(Nr. 1. „0 schau', er entfloh!\"*])\n(Dann Nr. Ib. 5 Tacte D-dur —.)\nDa naht ein neuer Flüchtling sich aus Theben :\nIsmene ist's, des Königs and're Tochter.\nDoch neuen Jammer nur berichtet sie.\nDer jüng're Bruder stiess den älteren\nVom Thron, Eteokles den Polynikes,\nUnd dieser rückt mit Heeresmacht vor Theben.\nUnd ein Orakel auch verkündet sie:\n„Dass Theben Unheil drohe, wenn Oedipus\nDereinstens nicht in Thebens Erde ruhe.\"\nDrum wird der Fürsten Einer, Kreon, kommen,\nDen König zu versuchen, heimzukehren,\nDoch an der Heimat Gränze nur zu wohnen.\nDer König, zornentbrannt, flucht seinen Söhnen,\nUnd niemals werd' er diesen Ort verlassen,\nWohin ein Gott ihn sieht barlich geführt.\nIm Hain der Eumeniden soll sich sein\nGeschick erfüllen; diese Göttinnen\nDurch Opfer zu versöhnen, geht Ismene\nAuf sein Geheiss zum stillen Heiligthum.\nDas regt die Männer von Kolonos auf;\nVon Neuem drängen ihre Fragen ihn.\n(Nr. 2. „Grausam ist es.\" Ohne die Worte des Melodrams,\nbis zum Schlüsse in D moll. S, 18.)\nDas Unheil, das die Götter über ihn\nVerhängt, verkündet Oedipus den Männern. '\nUnd wenn die That auch Grau'n erregt, so ruft\nDes Thäters Unschuld doch das Mitleid wach.\nDa tritt zu ihnen ihres Landes Herr,\nTheseus, der König von Athen. Es spricht\nVertrauend würdig Oedipus ihn an,\nUnd bittet um ein Grab an diesem Haine.\nDer Edle weigert es dem Edeln nicht;\nWer kann den Staubgebor'nen glücklich preisen,\nBevor das Ziel des Lebens er errungen?\n„Ich bin ein Mensch\" so spricht des Aegeus Sohn :\n„Auch mir kann jeder Tag das Unglück bringen.\nDas weiss ich wohl; doch Eines weiss ich auch,\nDass Keiner mit Gewalt, so lang' ich hier\nGebiete, Dich von hinnen führen soll.\"\n(Nr. 3. „Zur rossprangenden Flur.\")\nSo winket auf Kolonos' Prachtgefilden\nDem Oedipus mit seinen Töchtern endlich\nDie goldne Ruhe nach der Qual des Lebens.\nDa dröhnt der Rosse Huf, es blinken Waffen:\nDas Unheil, das Ismene schon verkündet,\nEs bricht herein. Kreon, der Fürst von Theben,\nHat frech die Jungfrau vom Altar hinweg\nGerissen, wo nach Oedipus' Gebot\nDurch Opfer sie die Eumeniden sühnte.\nJetzt tritt er kühn heran, durch schlaue Rede\nDen blinden Greis zur Rückkehr zu bewegen.\nDer aber schleudert ihm des Zornes Blitz,\nEin Rachegeist der undankbaren Heimat,\nIns Antlitz, reisst der Falschheit Mantel ihm\nVon Haupt und Schultern, stellt den Heuchler hin,\nDer nur für sich um Gunst und Macht gebuhlt,\nIn seines Eigennutzes ganzer Blosse.\nDa ruft Kreon: „So büsse deinen Stolz!\nOhnmächt'ger Bettler!\" und mit frechem Hohn\nReisst er Antigone, des Blinden Stab\nUnd Auge, aus des Vaters Armen: Seht,\nDie Krieger führen sie hinweg und Er,\nDer Frevler, legt die Hand selbst an den König !\n(Nr. 4. „Wohin, Fremdling?\" S. 33 bis S. 34. Dann S. 3G:\n„Ha, welch dreister Stolz !ik)\nVom Ruf der Seinen aufgeschreckt, erscheint\nTheseus, der dem Poseidon Opfer brachte.\nDoch hat er kaum den argen Raub vernommen,\nSo tönet laut sein königlich Gebot:\n„Vom Altar weg sprengt mit verhängtem Zügel\nDen Frevlern nach und stellet sie zum Kampfe.\nSchamloser Fürst! Du bleibst in meinen Händen.\nDu aber, Oedipus, vertrau' auf mich:\nWenn mich der Tod nicht abruft, rast' ich nicht,\n*\nBis ich Dir Deine Kinder wieder gebe!\"\n(Nr. 5. „Ach, wrär' ich bald\")\nSie kehren an der Hand des Theseus wieder;,\nAntigone stürzt in des Vaters Arme :\n„0, dass die Götter ein Mal, Vater, nur\nDein Auge öffneten, dass Du ihn schautest,\nDen besten Mann, der uns Dir wiederschenkt!\"\n„Seid ihr es wirklich?\" ruft der blinde Greis :\n„Der Quell der Freudenthränen ist versiecht,\nMein Liebstes aber halt' ich fest umschlungen,\nEs soll unselig doch mein Tod nicht sein,\nWenn sich die jammervolle Irrfahrt endet!\"\n(Nr. 6. „Wer ein längeres Lebenstheil.\")\nDie Männer von Kolonos steh'n gerührt:\nUnd dennoch regt in ihrem Innern sich\nDie dunkle Ahnung eines Unheils, das\nDem Lande drohe, wenn den blinden Gast\nNicht sein Geschick erreicht. Doch droben waltet\nAllmächtig Zeus: er wird sein Schicksal lösen,\nDess Nahen schon des Donners Stimme kündet.\n(Nr. 7. „Auf uns bricht von dem blinden Greis.\")\nAuf diesen Ruf erscheint der König Theseus.\nUnd Oedipus beginnt; „Die Gottheit drängt mich,\nDie gegenwärtige. Folgt mir, o Kinder,\nUnd Du, o König! Das erlosch'ne Licht\nUmklärt auf einmal meiner Augen Höhlen,\nZum letzten Mal, ich fühl' es, leuchtet's mir.\nIch will euch leiten, wie ihr mich geleitet,\nZum heil'gen Ort, dorthin, wo mir vergönnt ist,\nZu ruhen in des Grabes Schooss. Seid glücklich!\nIm Glück gedenket mein, des Scheidenden!\"\n(Nr. 8. Quartett und Chor: „Ist es verstattet.\")\nWie er verschied, kein Sterblicher vermag\nEs zu verkünden. Nicht Zeus1 feuriges\nGeschoss hat ihn entrafft, ein Sturm vom Meere\n\n*] Bis zu dem Schlüsse in A-moll- S. 15 des Ciavier-Auszugs.\nDie Worte des Melodrams werden nicht gesprochen. S. 13\nsingt der Chor: „So bist du Oedipus!\" anstatt: „So bist du\nder!\" Nach dem Schlüsse in A-moll eine kleine Pause,\ndann Nr. lb ohne Worte."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.7", "texte": "Ihn nicht entführt. Die Götter winkten, und\nDas Thor der seligen Gefilde that sich auf:\nDort wandelt er entsühnt mit seinen Ahnen.\n(Von Nr. 9 der Schluss-Chor: „So las st denn ab von\nKlag e!u)\n\nZur Geschickte des Liedes.\nDr. Dom. Mettenleiter.\n„Dr. Holland, Geschichte der Dichtkunst in\nAltbaiern. Pustet, Regensburg, 1862.\" Behandelt\nauch dies auf Veranlassung und durch Unterstützung Kö-\nnigs Max herausgegebene gelehrte Werk mehr die Dicht-\nkunst, so war es doch nicht zu vermeiden, die Musik, so\nweit sie mit dem Kirchenliede zusammenfällt, herein zu\nziehen. Da dieser Theil der ausgezeichneten, nicht genug\nzu empfehlenden Arbeit hohes musicalisches Interesse bietet,\nhoffte ich nichts Ueberflüssiges zu thun, wenn ich das Be-\nzügliche im Auszuge andeutete. In drei Abtheilungen ver-\nbreitet sich das Buch über Kirchenlied, Minnesang\nund Volkslied. Im Eingange sagt der Verfasser be-\nzüglich des Kirchenliedes, dass es jetzt „eine glücklicher\nWeise antiquirte Meinung\" ist, als habe vor dem 16. Jahr-\nhunderte kein deutsches Kirchenlied existirt; es ist vielmehr\ndas Gegentheil wahr. In den deutschen Sängerschulen zu\nFulda, Eichstädt, Würzburg, welche der heilige Bonifaz\ngegründet hat, galt als Norm im Singen das Antiphonar\ndes Papstes Gregor d. Gr. Eine ähnliche Schule gründete\nCorbinian zu Freising, wo die Musik so in Blülhe kam,\ndass der Ruf davon nach Italien erscholl, und Papst\nJohann VIII. sogar baierische Orgelspieler nach Rom\nberief.\nIn Baiern haben sich als Kirchenlieder-Dichter hervor-\ngethan der als epischer Dichter bekannte Metellus aus\nTegernsee; der Bischof Heribert von Eichstätt, der auch\ndieMelodieen zu seinen Liedern setzte und\ndieselben öffentlich singen liess; Arnold von\nVohburg, Conrad von Scheyern und der grosse Philosoph\nund Meister Albert der Grosse. Die Verfasser der zahl-\nreichen Kirchenlieder vom 10. bis 16. Jahrhundert können\nnicht namhaft gemacht werden, weil zuverlässige Angaben\nhierüber fehlen. Hier muss bemerkt werden, was der Autor\nS. 417 schreibt: „Für die Wahrheit, dass solche Lie-\nder auch öffentlich gesungen wurden, gibt\nPropst Gerhoh Zeugniss, der ungefähr um 1148 in seinem\ngoldenen Commentar der Psalmen schreibt, dass im\nMunde der weltlichen Gottesstreiter Gottes\nLob allgemeiner werde; denn es sei Keiner im gan-\nzen christlichen Reiche, der die hässlichen weltlichen Lieder\nöffentlich zu singen wage, sondern die ganze Welt\nsjubelt Chfistus Lob auch in Liedern der Volk-\nspräche, am meisten unter den Deutschen, deren\nSprache zu wohlklingenden Liedern geeigneter\nist.\" In der folgenden Zeit ist ausser Walther von der\nVogelweide, wenigstens unter den Minnesängern, die zu\nBaiern gehören, keiner zu finden, der besonders mit re-\nligiöser Dichtung sich befasst hätte. Der berühmte Pre-\ndiger Berhtold munterte zwar zum Singen beim\nGottesdienste auf, dass er aber selbst Kirchenlieder ge-\nschrieben hat, ist nicht bekannt.\nDie folgenden Jahrhunderte, insbesondere das 15.\nJahrhundert, sind überaus reich an geistlichen Liedern,\nnamentlich an populär gewordenen Ueberselzungen der\nalten lateinischen Kirchenhymnen, so dass der Verfasser\nam Schlüsse dieser Abtheilung mit Recht sagen kann:\n„So war denn der weltlich-geist 1 iche Gesang und\ndas Kirchenlied schon lange vorbereitet und aus-\ngewachsen, als die Reformation kam, und mit kluger\nBerechnung die volksthümliche Sangeslust für ihre\nZwecke gestaltete.\"\nAls zweite Abart der lyrischen Dichtung betrachtet\nder Verfasser den Minnesang. Unter den Minnesängern\nist der vorzüglichste Walther von der Vogelweide. Von\ndiesem heisst es S. 470: „Was immer an Minnelust und\nMinneleid durch das Herz eines Dichters ziehen kann, das\nhat er im reichsten Grade empfunden und erlebt, und diese\nZustände und Gefühle schildert er mit der zartesten Rein-\nheit und innigster Klarheit; eine rührende Unschuld und\nheitere Naivetät tönt aus seinen Liedern, so dass er mit\nkeinem seiner Zeitgenossen verglichen werden kann.\"\nMit dem Minnesänger Neidhart von Reuenthal tritt\ndie Lyrik in ein neues Stadium. Sie verlässt den tiefen\nErnst, welcher die Lieder älterer Zeit kennzeichnet, und\nneigt sich zur leichtfertigen, gemeinen Lebensanschauung\nhin. Dieser Verfall erreicht in den Meistersängern seinen\nHöhepunkt. Dagegen entfaltet sich die volksthümliche Lyrik\nin reicher Fülle. Als Beweis hiefür werden von dem Nürn-\nberger Hans Rosenplüt einige Proben mitgetheilt.\nDas dritte Buch des Werkes bildet die Geschichte der\ndramatischen Dichtung. Aus der Li tu rgi eist das re-\nligiöse Drama hervorgegangen und aus der Entartung\ndieses das weltliche Schauspiel und die Oper. Meisterhaft\nhat der Verfasser die mannigfaltige Entwicklung und all-\nmähliche Verkümmerung des religiösen Schauspiels ge-\nschildert. Ueberhaupt muss genanntes Werk als ein vor-\ntreffliches bezeichnet werden. Der Verfasser versteht den\nmassenhaften Stoff zu beherrschen und denselben in an-\nziehender Weise dem Leser zugänglich zu machen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630207-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Der kölner Männer-Gesangverein hat am 2.\nFebruar ein Vocal- und Instrumental-Concert im grossen Gürzenich-\nsaale unter der Leitung des königlichen Musik-Directors Herrn\nFranz Weber zum Besten des Baufonds der Mauritiuskirche ge-\ngeben. Es waren an 2500 Personen anwesend. Fräulein Adeline\nBüchner und Herr Simons (von Düsseldorf) ärnteten durch Solo-\nVorträge stürmischen Beifall, und Herr Louis Brassin erregte\ndurch sein bewundernswertes Clavierspiel gewaltigen Enthusiasmus.\nWir berichten darüber, so wie über die dritte Soiree des Kam-\nmermusik-Vereins und das Gastspiel des Herrn Marchesi an\nder Oper in nächster Nummer. Auch das Benefiz-Concert des\nHerrn Peters, Dirigenten der Dickopfsehen Capelle, im Kometen-\nsaale den 30. Januar, war über die Maassen zahlreich besucht und\nbrachte ausser mehreren recht gut ausgeführten Orchesterstücken\n(Sinfonie Nr. 15 in G-dur von Haydn mit gewaltigem Applaus, und\nOuvertüren von Cherubini und C. M. von Weber) auch einige\nPianosachen, namentlich den ersten Satz von Hummel1 s herrlichem\nA-moll-QoTiQ.ZYi, welches Herr Emil Kayser, Zögling des hiesigen\nConservatoriums, sehr brav vortrug. Wir hatten grosse Freude da-\nran, diese echte Clavier-Composition, welche die Pianofortehelden\nunserer Zeit verschmähen, wieder einmal in einem Concert popu-\nlaire zu hören. Auch brachte sie dem Spieler rauschenden Beifall.\nLiszt's neueste musicalische Schöpfung: „Die heilige Elisa-\nbeth\", mit einem Texte von Otto Roquette, wird wahrscheinlich,\neinem Wunsche des Grossherzogs von Weimar zufolge, zuerst auf\nder Wartburg aufgeführt werden.\nWeimar. Das bei uns am Neujahrsabende regelmässig in\nden Räumen des grossherzoglichen Schlosses Statt findende Hof-\nConcert brachte diesmal ausserordentlich interessante Genüsse. Nicht\nnur, dass die Capelle mit gewohnter Präcision die Wagner'sche, dem\nstillen nürnberger Zunftsänger-Leben seltsam rauschend voranstür-\nmende Meistersänger-Ouverture und die etwas farblose Meyerbeer1-\nsche Welt-Ausstellungs-Introduction vorführte, auch die individuelle\nund persönliche Kunstleistung war auf das glänzendste vertreten.\nCamillo Sivori, der kleine Geiger aus Genua, schon vor Jahren\nin Deutschland als Schüler Paganini's gefeiert, taucht mit seinem\nmächtigen Geigenspiel wieder auf. Zu allgemeiner Bewunderung trug\ner drei bedeutende Piecen vor. Neben ihm glänzte Johanna\nJachmann-Wagner in den anziehendsten beaux restes ihres mu-\nsicalischen Ruhmes. Sie sang Rossini, deutsche Lieder und Gluck\nmit einer Stimme, deren sonorer Klang dem Schauspiele jetzt ange-\nhört, die aber auch noch in der Oper unbestreitbar die alte mäch-\ntige Wirkung hervorbringen würde. Aus tiefster Seele quoll ihr: „Ich\ngrolle nicht*', ihr Gluck'sches: „Unaussprechlich ist mein Schmerz\".\nEs geschah auf besonderen Wunsch der Grossherzogin, dass die\ngrosse Opern-Tragödin sich im „classischen Weimar\" noch einmal\nauf dem Gebiete zeigte, wo ihr sonst die reichsten Lorbern blühten.\nAm 19. Januar hat Hans von Bülow ein Concert zum Besten\nder Schiller-Stiftung gegeben, wozu in gewohnter Huld der Gross-\nherzog die Räume des Theaters zu benutzen gestattete. Eine Ouver-\ntüre von Lassen, ein Prolog von Gutzkow eröffneten den Abend.\nA. Dörffel's Leihanstalt in Leipzig. Es ist heutzutage\neine Notwendigkeit für jeden Musiker, sich mit den zur Musik ge-\nhörigen wissenschaftlichen Studien und Lehren bekannt zu machen,\nda ein blosser Praktiker gar leicht in das Handwerkerthum oder in.\noberflächliche, wenn auch oft glänzende, Seichtigkeit verfallen\nmöchte. So allgemein nun unter den praktischen Musikern der\nWunsch nach mehrseitiger Bildung in ihrem Fache hervorgetreten\nist, so hat es doch bis jetzt an einer Anstalt gefehlt, welche für ein\nbilligeres Honorar die oft so kostbaren musicalisch-theoretischen und\nhistorischen Werke, so wie die Partituren älterer und neuerer Mei-\nster hätte leihen können. Wir freuen uns daher aufrichtig, dass die-\nsem Uebelstande durch einen tüchtig wissenschaftlich gebildeten, so\nwie praktischen Musiker abgeholfen ist, nämlich durch Herrn Al-\nfred Dörffel in Leipzig, der schon vor einem Jahre eine Leih-\nanstalt für musicalische Literatur für heimische und auswärtige\nAbonnenten gegründet hat, eine Anstalt, die nicht nur die seltensten\nWerke, wie z. B. Glareanus1 Dodecachord, Gerbert's Scriptores eccle-\nsiastici, De cantu et musica sacra desselben Verfassers u. s. w., son-\ndern auch die meisten hervorragenden Componisten, wie Beethoven,\nMozart, Mendelssohn, Schumann, Hiller u. s. w. in ihren sämmt-\nlichen Werken vollständig besitzt. Die historisch geordnete Parti-\nturen-Sammlung würde für Kunstjünger und praktische Musiker ganz\nbesonders zu empfehlen sein. Wir machen also alle sich für die\nTonkunst Interessirenden auf diese Anstalt aufmerksam, da wir uns\ndurch eigene Anschauung und Benutzung derselben überzeugt haben,\ndass sie ihr von vorn herein reichhaltiges Material nicht nur binnen\neinem Jahre mit vielen wichtigen Werken vervollständigt hat, son-\ndern auch mit Anstrengung aller Kräfte von Tag zu Tag zu ver-\nmehren sucht. Ein jeder Musiker und Freund der Tonkunst möge\nsich daher einen Katalog beziehen und aus dem von Herrn Dörffel\ntrefflich geschriebenen Vorworte zu der reichhaltigen Sammlung von\nmusicalischen Werken den Standpunkt dieses überaus wichtigen In-\nstituts kennen lernen. Die Bestellungen sind unter dem Titel: „Leih-\nanstalt für musicalische Literatur von Alfred Dörffel in Leipzig,\nPetersstrasse Nr. 24 im grossen Reiter\", anzubringen, worauf in der\nkürzesten Zeit die gewünschte Antwort und Auskunft erfolgen wird.\nMöge zum Nutzen der Kunst und Wissenschaft die Unterstützung\ndes Publicums eine immer regere und theilnahmvollere werden.\nAdelina Patti hat am Mittwoch den 28. Januar zu\nihrem Benefiz in der italiänisehen Oper Don Giovanni gegeben. Die\nOper wurde am Donnerstag, Samstag und Sonntag bei überfülltern\nHause wiederholt. Der Kaiser und die Kaiserin liessen die Künst-\nlerin in ihre Loge rufen und übersandten ihr am folgenden Tage\nein prächtiges Armband von Diamanten und Smaragden. Die Sän-\ngerin bleibt bis zum 15. Februar in Paris.\nDer König von Holland hat Herrn Dufour, Herausgeber der\nRevue et Gazette musicale, den Orden der Eichenkrone ertheilt.\nVon fremden Künstlern wird Frau Clara Schumann (erstes\nConcert den 15. Februar) erwartet. Jean Becker ist angekom-\nmen (erstes Concert den 25. Februar im Saale von Herz). Becker\nbeabsichtigt, drei historische Concerte zu geben; im ersten wird er\nitaliänische, im zweiten deutsche, im dritten französische und belgi-\nsche Compositionen spielen."}]}