{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-02-14-01", "volume": "bmtnabi_1863-02-14_01", "ocr_sha256": "c2d3b4752f55971e47ba05e406fd28d10b1ba6a53b850d7125e52bb1fbb26314", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/02/14_01/bmtnabi_1863-02-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-02-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 471, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Rückschau auf 186*2 C'osi fan tutte Frech's Oratorium „Frühling\" Semet's „Undine\" Mo-\nzart's IRequiem Die Stumme von Portici Adeline Patti). Von B. P. Aus Darmstadt (Gounod's ~Königin von feaba). Das\nCacilien-Concert am 6. Februar in Münster. Aus Petersburg (Plane gegen die italiänische Oper Das russische Nationaltheater).\nVon N. St. Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und U n ter ha 1 tun gs blat t (Danzig, u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-02-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "52", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Nun ist\nin der That in der ersten Hälfte des Winters bis zu Neu-\njahr wenig Musicalisches geschehen, das sich über das ge-\nwöhnliche Kunsttreiben in Paris erhoben hätte;'denn dass\nMario als Raoul von den Franzosen begraben, nach acht\nTagen aber als Almaviva bei den Italiänern wieder aufer-\no\nstanden, und dass Adelina Patti entzückt und Brillanten\nund Smaragde bekommt, sind doch keine Ereignisse für\nDeutschland. Zu erwähnen ist, dass die Italiäner es mit\nMozart's Cosl fan tutte einmal wieder versucht haben\ndie Frezzolini, Alboni, Marie Battü (Despina), Naudin\nu. s. w. —, aber die Oper, welche zuletzt im Jahre 1820\nhier gegeben worden, konnte es trotz der trefflichen Mu-\nsik jetzt so wenig wie früher zu einem dauernden Erfolge\nbringen, da die Handlung gar zu läppisch ist. Auch die\nWiederaufnahme von Cimarosa's\nist verunglückt.\nAis Curiosum ist zu berichten, dass ein deutscher\nComponist, ein Herr J. F. Frech aus Esslingen in Schwa-\nben, Anfangs December ein Oratorium von seiner Com-\npositum im Saale von Herz aufführte. Nach Haydn's\n„Schöpfung\", und „Jahreszeiten\" den „Frühling\" so\nnannte sich das Oratorium noch einmal zu besingen, war\nvon Herrn Frech wenigstens dreist. Sein Streben nach\nEinfachheit wäre recht lobenswerth, wenn es ihn nur nicht\nzu oft auf das Flache, Gewöhnliche und Langweilige führte,\nwofür einzelne gelungene Stellen doch nicht entschädigen\nkönnen. Für das Grosse und Erhabene scheint Herr Frech\nkeine Ader zu haben, denn sein Gewitter und seine Scene\nnach dem Gewitter sind gar zu zahm und kraft- und saft-\nlos. Herr Frech soll Verdienste um den Männergesang und\nden schwäbischen Sängerbund haben, wie man hier sagte:\nwie er aber dazu gekommen ist, in Paris als Componist\naufzutreten, weiss ich nicht.\nDie tausendste Vorstellung von Boieldieu's La\nDame blanche am 16. December v. J. war ein schöner\nAbend für das Theater der komischen Oper. Vorher wurde\nein Act des Jean de Paris gegeben. Die Büste Boieldieu's\nwurde bekränzt und Achard sang Stanzen von Mery zur\nFeier des Tondichters. Der Kaiser und die Kaiserin waren\nzugegen. Die Einnahme betrug an 7000 Francs. Adrien\nBoieldieu schenkte seinen Einnahme-Anthei! den Arbeitern\nin Rouen, der Geburtsstadt seines Vaters.\nDie Wiederaufnahme von Gounod's „Faust\" im\nTheätre lyrique,durch die Erfolge der Oper in Deutsch-\nland veranlasst, hat die Hoffnungen der Direction nicht\nerfüllt. Es scheint entschieden, dass der Inhalt des Stückes,\ndie populäre deutsche Sage, bei Euch der Musik eine bes-\nsere Aufnahme sichert, als hier.\nSonst wüsste ich aus dem Jahre 1862 nichts Bemer-\nkenswerlhes weiter. An neuen Opern hat es so gut wie\nkeine gebracht: nur Grisar's\nhat sich gehalten*); die „Königin von Saba\" ist wieder\nnach Arabien gegangen, von wannen sie gekommen. Ein\nJournal nennt in seiner Musterung des vorigen Jahres diese\nOper „einen zweiten missglückten Versuch, die form- und\nmelodielose Musik in Frankreich zu acclimatisiren\". Da-\ngegen hat Offenbach's „Orpheus in der Unterwelt\"1, aul-\ngefrischt durch Madame Ugalde, bereits über 400 Vor-\nstellungen erlebt, was immerhin charakteristisch igt.\nDas Beste vom vorigen Jahre ist die Bewilligung einer\nansehnlichen Pension für Witwe durch den ge-\nsetzgebenden Körper.\nDas Jahr 1863 brachte uns gleich am 7. Januar im\nTheätre lyrique eine neue dreiactige Oper: Ondme, lext\n\n*) Vgl. Nr. 21 vom vorigen Jahrgang."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5459, "texte": "von Lockroy und Mestepös, Musik von Theodor Sem et.\nDie Text-Verfasser haben aus dem schönen deutschen\nMärchen Undine ein höchst abgeschmacktes Stück gemacht,\ndas keine zwei Worte der Besprechung werlh ist, was man\nuns schon glauben wird, wenn wir nur sagen, dass der\nWassergeist Kühleborn —Fraisondin genannt zu einer\nArt von Kaliban gemacht ist, zu einem komisch sein sol-\nlenden plumpen Kerl, der gern isst und trinkt und sich in\nRohheiten gefällt. Die Musik hat kaum zwei oder drei ge-\nniessbare Nummern, und dabei macht sie durch das Or-\nchester Ansprüche auf den Stil von Weber oder Wagner!\nUm sich von diesem grässlichen Unfälle zu erholen,\nhat die Direction den Plan gefasst, eine komische Oper\nnach Shakespeare's „Der Liebe Mühe umsonst\" mit Mo-\nzart's Musik zu Cosi fan tuttein Scene gehen zu lassen,\nwas noch diesen Monat geschehen soll. Wir sind neugierig.\nAm 9. Januar, dem Tage nach den Obsequien des\nCardinais Morlol, Erzbischofs von Paris, wurde in der\nrestaurirten und mit schönen neuen Glasmalereien ge-\nschmückten Kirche Notre Dame Mozart's Requiem auf-\ngeführt. Die eigentliche Feierlichkeit, zu welcher die Auf-\nführung Statt fand, war die Beisetzung der sterblichen\nReste aller früheren Erzbischöfe von Paris in die Gewölbe\nder restaurirten Kirche. Die geräumigen Hallen waren\ngedrängt voll und das Requiem wurde in grösster Stille\nund Andacht angehört. Leider war die Ausführung nicht\nso würdig und sorgfältig, wie es die erhabene Composition\nverlangt. Bass und Tenor waren zu schwach besetzt, die\nKinderstimmen frisch und sicher, die Solisten unbedeutend.\nDie bewegteren Tempi ermangelten des geistigen Schwungs,\nes ging Alles zu lahm, und das ganz verkehrte Acceleriren\nund Retardiren, welches wahrscheinlich den gänzlichen\nMangel an Nuancen des Ausdrucks ersetzen sollte, war\nunausstehlich. Lobenswerth ist, dass bei dem Bericht dar-\nüber die Revue et Gazette musicale die Gelegenheit er-\ngriff, über Mozart's Musik im Gegensatz der jetzigen einige\nWorte an die Pariser zu richten, wiewohl es vergeblich\nsein wird. „Unsere Gewohnheiten\" —heisst es darin —,\n„die Fortschritte der neueren Instrumentation, Fortschritte,\ndie wir oft zu theuer bezahlen, um darauf stolz sein zu\nkönnen, der Missbrauch des neu aufgefundenen Reich-\nthums an Harmonieen entfernen uns von Tag zu Tag wei-\nter von der Klarheit und formellen Begränztheit, von der\nedelklingenden Kraft, von der künstlerischen Einfachheit\nund Bescheidenheit in Anwendung der Klangmittel, was\nalles bei Haydn und Mozart war und die Werke der Ton-\nkunst aus ihrer Zeit unsterblich machte. Daher finden\ndenn auch die Freunde vom Lärm, von Uebertreibungen,\nvon Schwulst, von rohem und materiellem Effect Mozart's\nRequiem zu ruhig, zu einfach, zu klar. Ja, klar wie der\nHimmel! Wenn der musicalische Gedanke an sich selbst\nschön, frei und lebendig ist und sich auch so entfaltet, was\nsoll dann der sinnebetäubende Luxus der Instrumentation,\nmit dem man ihn umgibt?\" u. s. w.\nEin Ereigniss war die Aufführung der Stummen\nvon Portici von Auber (den 19. Januar). Sie ist jetzt\ngerade siebenunddreissig Jahre alt, im Februar 1828\nwurde sie zuerst gegeben, und was sie für Erfolge auf der\nBühne und im politischen Leben der Staaten gehabt hat,\nist bekannt. Uebrigens hat das Theater noch niemals eine\nRevolution gemacht, die nicht schon völlig reif zum Aus-\nbruche war. Bei der „Stummen\" waren sicher ihre Schö-\npfer, Scribe und Auber, die harmlosesten Politiker von\nder Welt, nicht Schuld an ihrer Wirkung in Brüssel.\nDie jetzige Wiederaufnahme der Oper war schon\nlange im Werke: Michot, der zuerst bestimmte Masaniello,\nwurde krank und musste nach dem Süden gehen; Mario,\nder zweite, zog den Raoul als Debüt vor, und dabei kam\ndie „Stumme\" gut weg; nun blieb nur Gueymard, der\nRetter in der Noth, der, wenn's gilt, durch Dick und Dünn\ngeht. Er wurde denn auch Masaniello, schrie wie gewöhn-\nlich unter lauten Bravo's in dem Freiheits-Duett, war aber\nfür die zarten Gesänge, das Schlummerlied, den Abschied\nvon der Fischerhütte u. s. w. nicht gemacht. Auch die\nRolle der Fenella musste gewechselt werden, da die un-\nglückliche, halb verbrannte Emma Livry noch jetzt nicht\nganz wieder hergestellt ist.\nDurch die Alten, welche sich der ersten Aufführung\nerinnern, ist uns das Räthsel gelöst worden, wie es mög-\nlich gewesen, einer Sprachlosen die Hauptrolle in einer\nOper zu geben. Allerdings kann es im Grunde nichts\nWunderlicheres geben, allein es verliert doch am Gehässi-\ngen, das es für die Aesthetik hat, wenn man die Veran-\nlassung dazu erfährt. Diese entsprang nicht aus einer\nLaune oder einem Haschen nach dem Seltsamen, sondern\nwar eine rein äusserliche. Nach dem Abgange der grossen\nSängerin Madame Branchü hatte man an der grossen Op er\nkeine dramatische Sängerin, welche der Rolle der Fenella,\ndie ursprünglich auch musicalisch die wichtigste sein sollte,\ngewachsen gewesen wäre. Die Damoreau-Cinti war bloss\ntreffliche Coloratursängerin, für die Prinzessin war also\ngesorgt, aber für die Fenella war keine ebenbürtige Sän-\ngerin da. Nun hatte aber eine Tänzerin, Demoiselle No biet,\ndie Kunst der pantomimischen Darstellung ernster Situa-\ntionen auf eine bewunderte Höhe gebracht, und dies brachte\ndie Verfasser der neuen Oper darauf, die Schwester Ma-\nsaniello's stumm zu machen und die Fenella der Noblet\nanzuvertrauen. In Deutschland und überhaupt bei absolu-\nter Kunst-Production wäre das unmöglich gewesen; allein\nin Paris, wo alle Opernrollen für bestimmte Künstler ge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5430, "texte": "schrieben werden, wo die Wirkung zwischen allen Be-\ntheiligten, Dichtern, Componisten und Darstellern bera-\nthen wird, hatte das nichts Auffallendes, und wie Scribe\nund Auber den Masaniello auf Nourrit, die Elvire auf die\nDamoreau u. s. w. berechneten, so strichen sie auch die\nmusicalische Fenella und gaben die pantomimische der\nNoblet.\nAbgesehen von dieser Curiosität, ist es für die Ge-\nschichte der Oper unzweifelhaft, dass die „Stumme von\nPortici\" eine Revolution auf dem französischen Op ern-\nIheater gemacht hat, dass ihr Erscheinen eine Epoche\nbezeichnet, mit welcher die neuere grosse Oper der Fran-\nzosen begann, die man äusserlich als die fünfactige und\nvier- bis fünfstündige charakterisiren kann. Innerlich aber\ntrennte sie durch Inhalt und Form die Oper der alten Zeit\nvon dem musicalischen Urama der neueren und wandte\nden Geschmack des Publicums, welcher der ernsten Op er\nimmer noch als einer Art von antiker Tragödie anhing\n(Gluck, Sacchini, Spontini), auf den Realismus, man möchte\nin Bezug auf Musik sagen: Melodramatismus der Moder-\nnität, von welchem jetzt die Theater leben.\nBisher hatte die Oper, wie das recitirende Drama, die\nFheilnahme der Zuschauer stets auf einzelne hervorragende\nPersonen beschränkt, der Chor griff fast gar nicht in die\nHandlung ein und spielte nur bei Aufzügen, oder reflecti-\nrend, dem Chor der griechischen Tragödie hierin ähnlich,\neine Rolle. In der „Stummen\" aber trat zum ersten Male\ndas \\olk mithandelnd auf, ja, es wurde ihm eigentlich\ndie wichtigste Rolle im ganzen Drama zugetheilt, und so-\nmit war dem Chor eine ganz andere Stellung in der Oper\neingeräumt, wie bisher, und die Musik musste in den Chö-\nren das Volk und dessen momentane Stimmungen und Si-\ntuationen eben so zu charakterisiren suchen, als dies bei\nden einzelnen Hauptpersonen geschah. Dies war offenbar\nein l'ortschritt, den Auber that und den die folgenden\nComponisten ausbeuteten, Rossini im Teil, Meyerbeer in\nden Hugenotten und im Propheten u. s. w. Dieses han-\ndelnde Leben im Chor bedang nun auch mehr Wahrheit\nin der Regie und Scenirung, ja, im Costüme: die zwei\nsteilen Spaliere zu beiden Seiten der Bühne, welche die\nChoristen zu bilden pflegten, verschwanden und machten\nnatürlichen Gruppirungen Platz, wodurch ganz neue plasti-\nsche Effecte erreicht wurden, und die passenden Trachten,\nan die wir jetzt gewöhnt sind, machten einen ganz neuen\nEindruck. Haben wir doch ältere der Oper jetzt\nerzählen hören, welches Aufsehen bei der ersten Auffüh-\nrung die neapolitanischen Fischer und Lazzaroni in ihren\noflenen Westen, blosser Brust und blossen Beinen, ein je-\nder in andere Farben gekleidet, erregt haben, so dass von\nerschreckender Wahrheit, ja, von Scandal die Rede gewe-\nsen, Nimmt man dazu, dass damals die Lull schwer war\nvon revolutionären Dünsten, dass die Musik der Oper in\nvielen Stellen den Ton richtig traf, oft mehr durch hinreis-\nsende Gewalt des Rhythmus, als durch Neuheit der Melo-\ndie, so wird man sich über den ungeheuren Erfolg nicht\nwundern.\nDie drei ersten Vorstellungen haben auch jetzt wieder,\nnachdem die Oper eilf Jahre geruht, gewaltig durchge-\nschlagen, und die Massen strömen bis heute immer noch\nzu. Eine Revolution wird es aber desshalb nicht geben;\ndie dritte Vorstellung sahen sich der Kaiser und die Kai-\nserin ganz gemüthlich mit an und applaudirten gar merk-\nlich; das feurige Freiheits-Duett musste wiederholt wer-\nden, auch das Gebet vor der Revolution. An der Partitur\nist nichts Bedeutendes geändert; nur das erste Allegro der\nArie des Alfonso mit Chor ist gestrichen, dagegen dessen\nRecitativ, weil zum Verständniss der Handlung nothwendig,\nund das grosse Versöhnungs-Duett zwischen Alfonso und\nElvira im Anfange des dritten Actes vor der Markt-Scene,\ndas ich in Deutschland nie gehört habe, wieder hergestellt.\nWenn die Ausführung der Hauptpartieen, hauptsächlich\ndes Masaniello, Manches zu wünschen übrig Hessen, so war\ndagegen die Anordnung und das Leben in den Volksscenen\nganz vortrefflich. Im dritten Acte war vor der Tarantella\nnoch eine ßallet-Scene eingelegt, in welcher eine junge\nTänzerin, Laura Fonta, ein Mädchen von kaum sieben-\nzehn Jahren, mit dem glänzendsten Erfolg auftrat. Auber\nhalte dazu eine recht frische und anmuthige Musik ge-\nO O\nschrieben. Die Fenella, auch eine ganz junge Tänzerin,\nMarie Vernon, zeigte viel Talent, aber auch zuweilen\neine sehr störende Uebertreibung. Der Schluss ist vernünf-\ntiger geändert; die Geographie ist zwar immer die schwache\nSeite der Franzosen gewesen, allein wir sind jetzt an vier-\nzig Jahre weiter gekommen, man fürchtete doch, einige\nZuschauer möchten erfahren haben, dass man von Neapel\nnicht während einiger Tacte bis zum Krater des Vesuvs\nkommen könne, und so liess man die Schwester Masa-\nniello's vor Schmerz bei der Nachricht von seinem Tode\nsterben, und Auber widmete ihr einige sanfte Harmonieen.\nDer Vesuv speite indess zu seinem eigenen Vergnügen\nprachtvoll genug, zuletzt sogar im Wetlkampf mit dem\nelektrischen Lichte des Sonnenaufgangs!\nNun noch ein Wunder! Don Giovanni ist vier\nMal hinter einander bei brechend vollem Hause gegeben\nworden! Ei, haben sich die Pariser so zu Mozart bekehrt?\nDas nicht, aber zu Adelina Patti als Zerline, welche\nübrigens in dieser Rolle mehr als hübsche, feine, coquette\nSchauspielerin glänzt, als durch ihren Gesang. Aber auch\ndieser war reizend, wiewohl sie ihre wunderschönen Tril-\nler und Coloraturen nicht darin anbringen konnte, denn\n\no\nl*j"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 928, "texte": "sie sang Mozart, wie er geschrieben steht, was sehr lo-\nbenswerth war. Ihr Batti, baiti und Vedrai carino waren\nfür Masetto unwiderstehlich, und nicht bloss für ihn: aber\ndem Zuschauer raubten sie doch nicht die leisen Zweifel\nan Zerlinchens Treue. Die übrigen Partner waren ihrer\nAufgabe keineswegs gewachsen: Delle Sedie der plumpe\nSchatten eines Don Juan, die Frezzolini eine Anna, deren\nWollen mit den Trümmern einer abgesungenen Stimme\nkämpft, die Guerra ohne Wollen und Können, und so wei-\nter. Aber die Einnahme fabelhaft: in der ersten Vorstel-\nlung, zum Benefiz der Patti, waren auch der Kaiser und\ndie Kaiserin anwesend: ungeheurer Applaus, Blumen-\nbouquets von noch nie da gewesenen kolossalen Dimen-\nsionen für die junge Heldin des Tages. Sie hat hier die\nAmina, Lucia, Rosina, Norina(in Don Pasquale) und\nZerlina gesungen: am 16. Verlässt sie Paris, um Wien in\nBewegung zu setzen.\nParis, den 8. Februar 1863.\n\nB. 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Januar fand die erste Aufführung der neuen\nGounod'sehen Oper: „Die Königin von Saba\", und zwar\nunter persönlicher Leitung des Componisten Statt. Der\nErfolg übertraf alle Erwartungen. Die Musik ist in brei-\ntem, grossem Stile ausgeführt und enthält prachtvolle Ein-\nzelheiten, die das überaus zahlreiche Publicum in wirkli-\nchen Enthusiasmus versetzten. Wie im Eaust, so ist auch\nin der Königin von Saba der dritte Act musicalisch der\nbedeutendste, und die reizenden Frauenchöre, das Duett\nzwischen Balkis (Frau Bertram-Meyer) und Adoni-\nram (Herr Grimminger), das darauf folgende Quartett\nund Finale (Septett) gehören unbedingt zu dem Besten,\nwas die Neuzeit producirt hat. (!) Die Ausstattung war\neine wahrhaft überraschende. Die Frische und Farben-\npracht der Costüme blendete eben so, wie die prächtigen\nDecorationen (von Schwedler) darunter vorzüglich eine\npanoramatische Ansicht von Jerusalem zur Bewunderung\nhinrissen. Doch das Grossartigste leistete der Maschinen-\nKünstler Karl Brandt in der Vorführung des Gusses\ndes „ehernen Meeres\" (Act IL). Es ist dies ein Bild, eine\nHandlung, wie man wohl noch auf keiner Bühne gesehen.\nBrandt hat alle französischen vorgeschriebenen Feuerwerks-\nKünste verschmäht und sich an die Natur der Sache ge-\nhalten. Dem Hochofen entströmt das glühende Metall;\nbald findet es die Canäle zur Form verstopft, füllt die\nGrube, worin Form und Model stehen, und breitet sich\ndann in feuriger, rothglühender Masse über den Boden,\nden ganzen Bühnenraum aus. Die Glulh erfasst die hohen,\ngeschmückten Säulen des Thrones, das gewaltige Balken-\nwerk, welches im Zusammenbrechen den Hochofen zer-\ntrümmert, während im Vordergrunde das reiche thron-\nartige Gebäude, gleichfalls durch das Feuer zerstört, mit\nseinen Trümmern die Bühne bedeckt. Es war ein er!»rei-\nfender Anblick, und noch nie hat wohl das darmstädter\nHoftheater das Publicum in gleicher Aufregung gesehen.\nBrandt wurde mehrmals gerufen, eben so der Maler\nSchwedler. Von gleich grosser Wirkung ist auch die Apo-\ntheose des fünften Actes. Der Erfolg der ganzen Oper\nwar, wie schon bemerkt, gewaltig, entscheidend. Gounod\nwurde mehrmals jubelnd gerufen. Er empfing vom Gross-\nherzog den Philipps-Orden, vom Orchester ebenfalls eine\nsinnige Anerkennung, und Alles vereinigte sich, ihn für\nden Nichterfolg seines grossen Werkes in Paris zu ent-\nschädigen. Er wird die zweite Aufführung, Sonntag den 1.\nFebruar, abermals persönlich dirigiren. Jetzt hat er Darm-\nstadt verlassen, um, einer Einladung von Berlin folgend,\nalldort seinen Faust zu dirigiren. Eine Menge künstleri-\nscher Notabilitäten, Intendanten, Directoren wohnten der\nAufführung der Oper bei, welche nicht verfehlen wird,\ngleich dem Faust die Runde über alle deutschen Bühnen\nzu machen.\nWir geben diesen Bericht, der uns von guter Hand\nzugeht, als historischen über den Erfolg der „Königin von\nSaba\" in Darmstadt, und weil er zugleich charakteristisch\nfür die jetzigen Zustände der dortigen dramatischen Kunst-\nanstalt ist. Es scheint fast, als kehrte die Zeit wieder, wo\ndeutsche Höfe die Losung für ihre Bühnen-Vorstellungen\naus Frankreich holten! Doch nein dies ist im vorliegen-\nden Falle nur in so fern wahr, als die darmstädter Hof-\nbühne den grossen Kostenaufwand, der den deutschen\nComponisten so oft als Grund der Nichtaufführung ihrer\nOpern entgegen gehalten wird, für eine französische Oper\nnicht gescheut hat; im Uebrigen aber findet dieses Mal\ndas umgekehrte Verhältniss Statt, die deutsche Bühne soll\neiner Oper, die in Paris durchgefallen ist, wieder auf die\nBeine helfen! Und worauf stützt sich diese Hoffnung, die\nauch der geehrte Herr Correspondent in Obigem aus-\nspricht? Auf zwei Dinge: auf den Erfolg von Gounod's\nFaust in Deutschland und auf die Nachahmuns eines dra-\nV«/\nmalischen Stils in der Königin von Saba, nämlich des\nWagner'schen, wofür man in Darmstadt schwärmen soll,\nwie es heisst.\nWir erlauben uns, an der Erfüllung dieser Hoffnung\nzu zweifeln. Gounod's „Faust\" verdankt seine grosse Po-\npularität in Deutschland die Pedanten mögen klagen, so\nviel sie wollen, über die Gutmüthigkeit des deutschen Vol-\nkes, das die Misshandlung seines grossen Dichters ruhig"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2679, "texte": "erträgt —, er verdankt gerade diesem Inhalt, der allbe-\nkannten und echt deutschen Volkssage vom Faust und dem\nTeufel, den grössten Theil seines Erfolges; der Inhalt ver-\nschaffte der Musik Aufmerksamkeit und Theilnahme, und\ndadurch kam ihr Kunstwerth ebenfalls zur Gellung. Die-\nser ist aber im „Faust\" bei Weitem bedeutender, als in\nder „Königin von Saba\". Das Buch vollends der neuen Oper\nist so entsetzlich dumm, dass unser pariser Correspondent\nwahrlich vollkommen Recht hat, wenn er behauptet, dass\ndas so genannte lyrische Drama der Franzosen jetzt zur\nCaricatur geworden sei, und dass alles Unsinnige und\nMonströse, was man im „Juif er im „Jüngsten Ge-\nricht\", in der „ Blutigen Nonne\", „Herkulanum\" u.s.w.\ngesehen habe, nichts sei im Vergleich zu dem Widersinni-\ngen, Ungeschickten und Ungeheuerlichen, das diese „Kö-\nnigin von Saba\" auf die Bühne bringe, wo einst Gluck's,\nCherubini's und Spontini's Werke glänzten*). Es ist wahr,\ndass die Bearbeiter des deutschen Textes für Darmstadt,\nder uns vorliegt, die Herren Dräxler-Manfred und Pasque,\nihr Bestes gethan haben an einzelnen Stellen, wie sie denn\nauch die kolossal lächerliche Phrase Adoniram's, der, als\ner sich selbst verbannt, dem Könige Salomo zuruft:\nn'empörterai que monmanieau!\" und anderes Schwülsti-\nges geändert haben: allein die Missgestalt des Ganzen\nkonnte die Tilgung einzelner Flecken, doch nicht bessern.\nNun ist es aber klar, dass der Wagner'sche musicalische\nStil sich nur an Wagner'schen Dramen oder Legenden\nertragen lässt, und wenn er schon bei Wagner's eigenen\nGedichten oft ins Monotone, Gewöhnliche, Unmelodische\nund bloss Klangreiche umschlägt, wie soll er dann bei sei-\nnem Nachahmer in Verbindung mit einem so unpoetischen\nTexte, der durch seine Schwülstigkeit oft geradezu ins\nPossenhafte fällt, irgendwie auf die Dauer wirken können?\nBevor wir die Partitur gesehen oder einer Auffüh-\nrung beigewohnt, haben wir allen Grund, an der Ansicht\nunseres Correspondenten in der angeführten Nummer 11\ndes vorigen Jahrgangs und an dem übereinstimmenden\nUrtheil der pariser Kritik, welche sonst Gounod mit Recht\nsehr wohl will, festzuhalten. Wir sind neugierig, ob ein\nallgemeinerer Erfolg der Oper in Deutschland den franzö-\nsischen Kritiker Lügen strafen wird, der vor einem Jahre\nsagte: „Wir müssen es mit tiefem Bedauern, aber mit\ndem Freimuth, den man einem Genie, das sich .verirrt,\nschuldig ist, aussprechen, dass Gounod sich in eine um so\nbedauernswertere Stilgattung geworfen hat, als es ihm\nzu einer verzeihlichen Durchführung derselben eben so\nsehr an Wagner's interessanten Excentricitäten, als an der\ndeutschen Tiefe fehlt.\"\n*) S. Nr. 11 vom Jahrgang 1862 und Nr. 14 eben desselben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-02-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "54", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.2.4", "titre_corps": "Das Cäcilien-Concert am 6. Februar in Münster.", "titre_sommaire": "Das Cäcilien-Concert am 6. 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Der Einsender\ndieser Zeilen hat das Concert besucht und ermangelt nicht,\neinige Mittheilungen zu machen.\nVor Allem ist dann von dem neuen Saale zu sprechen,\ndenn es ist gar nicht gleichgültig, ob ein Concert in schön\nund zweckmässig ausgestatteten Räumen gehalten wird,\noder ob der Dirigent mit akustischen Schwierigkeiten und\ndergleichen zu kämpfen hat.\nDer neue Saal ist im Rathhaus-Gebäude errichtet, in\nwelchem sich schon der berühmte so genannte Friedens-\nsaal befindet, misst 80 Fuss in der Länge, 42 in der\nBreite; die Decke, in Eichen-Construction errichtet, läuft\nin der Form eines so genannten Tonnengewölbes spitz zu,\nbei einer Höhe von vielleicht 40 Fuss, das Ganze in gotbi-\nschem Styl reich und in harmonischen Farben geziert, und\nbot der Saal bei glänzender Beleuchtung einen imposanten\nAnblick, welcher durch die vielen in reichem Blumen-\nschmuck prangenden Damen noch erhöht wurde. Zu Con-\ncerten und anderen Festlichkeiten ist das Local ganz ge-\neignet, es steht mit einem Civil-Casino in Verbindung, bat\nausreichende Vorräume, und sogar der Corridor und die\nTreppenfluren sind geheizt! Der Hauptsaal erfreut sich\ndabei einer vorzüglichen Akustik, so dass die Bewohner\nMünsters auf dieses Festlocal stolz sein dürfen.\nUnter Leitung des dortigen Capellmeisters Herrn Ju-\nlius Otto Grimm wurde der „Messias\" von Händel auf-\ngeführt, also ein gutes Zeichen, indem man es als eine\nPflicht angesehen hat, das Festlocal mit einem classischen\nWerke einzuweihen. Das Concert selbst gereicht dem Di-\nrigenten und den Ausführenden zur Ehre, und in Verbin-\ndung mit dem für den folgenden Tag arrangirten Künst-\nler-Concerte verdient es die Benennung eines westfälischen\nMusikfestes; namentlich zeichnete sich der Chor und unter\ndiesem wiederum Alt und Tenor aus, wodurch dann die\neinzelnen Stimmen in den gewaltigen Chören klar und\ndeutlich hervortraten, besser, als wir es in Köln zu hören\ngewohnt sind. Die Bewohner von Münster sind aber auch\nklüger, wie wir in Köln, und halten nicht zehn grosse Con-\ncerte im Jahre, wesshalb denn dort auf die so wichtigen\nChorproben mehr Sorgfalt verwandt werden kann.\nEs war auch eine Orgel im Saale aufgestellt, aber\nkeine vollständige, und fehlten die schweren Register, so\ndass die Orgelbegleitung bei dem vollen Chor gar nicht\nzur Wirkung kam, sogar im Saale nicht gehört werden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2526, "texte": "konnte. In dem Programm war angegeben, dass die In-\nstrumentirung Mozart's zugleich mit der vorgeschriebenen\nOrgelbegleitung Statt finde; wie diese Verbindung ins\nWerk gestellt und was von der Instrumentirung Mozart's\nbeibehalten worden, ist mir nicht klar geworden; fast\ndurchgängig wurde die Orgel nur bei den Recitativen ge-\nbraucht, wogegen die Arien von dem Orchester begleitet\nwurden. Die Soli waren sehr tüchtigen Kräften anvertraut,\nnämlich: Sopran Fräulein von Siebold aus Göttingen,\nAlt Fräulein Weiss aus Hannover, Tenor Herr Otto aus\nBerlin und Bass Herr Bietzacher aus Hannover. Die\nSopranistin, dem Vernehmen nach eine Schülerin des Di-\nrigenten, hat zwar keine sehr starke, aber doch ausrei-\nchende Stimme, und hat ihre Partie mit Nachdenken, Ge-\nmüth und, ich möchte sagen: mit Adel durchgeführt. Die\ndrei anderen Solisten sind bekannter und auch schon in\nKöln gehört worden. Die Stimme des Bassisten Bietzacher\nkam in dem mässig grossen Saale zu schönerer Fintwick-\nlung, als bei seinem letzten Auftreten in Köln, und kann\nman diesem Sänger eine gute Zukunft versprechen, na-\nmentlich wenn er durch fleissiges Studium den noch hol-\nperigen Vortrag der Rouladen zu überwinden verstehen\nwird.\nEs ist mir abermals aufgefallen, dass, wenn auch die\nSolisten einzeln alle vier vortrefflich sind, die Ensembles\nnicht gut gelingen. Im „Messias\" kommen mehrere Quar-\ntette mit Chor vor, wobei die Solisten zuerst dasjenige vor-\nzutragen haben, was später der ganze Chor wiederholt.\nIn d iesen Nummern löste der Chor seine Aufgabe besser,\nwie die Solisten. Diese mögen indess zu entschuldigen sein,\nsie kannten sich vielleicht gar nicht, kamen von verschie-\ndenen Seiten und aus weiter Ferne daher und sollten nun\nnach kurzen Proben sofort das Vollendete leisten!\nDass die dortigen Solisten wirkliche Befähigung be-\nsitzen, hat sich bei dem Duett im dritten Theile gezeigt,\nwelches Fräulein Weiss und Herr Otto sehr gut und über-\neinstimmend vorgetragen haben.\nIch kann die Bemerkung nicht unterdrücken, dass ich\nden Wunsch hege, die Dirigenten möchten die Pietät ge-\ngen grosse Meister dann und wann ausser Acht lassen und\nKürzungen vornehmen; der bei Weitem grösste Theil des\nPublicums würde es gut aufgenommen haben, wenn\ndurch Auslassung einiger Arien und Chöre die vierstündige\nDauer des Concertes verringert worden wäre.\nDem für den folgenden Tag arrangirten Künstler-\nConcerte habe ich nicht beigewohnt; ohne Zweifel ist es\nbei den bedeutenden vorhandenen Kräften sehr gut aus-\ngefallen.\nKöln, im Februar 1863. *"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-02-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "54", "page_fin": "55", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.2.5", "titre_corps": "Aus Petersburg.", "titre_sommaire": "Aus Petersburg.", "signature_source": "N. St", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.6", "debut_caractere": 2528, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "Aus Petersburg.\n\n(Plane gegen die italiänische Oper Das russische\nNationaltheater.)\nDen 25. Januar 1863.\nWiewohl wir jetzt noch inmitten der Saison der ita-\nlienischen Oper sind, so bereitet sich doch schon eine\ndumpf grollende Revolution gegen dieses kaiserliche Kunst-\nInstitut vor. Sie hat ihre Quelle in zwei Dingen: erstens\nsieht man ein, dass die Rosten der Unterhaltung zu enorm\nsind, und zweitens empört sich der Nationalsinn immer\nmehr gegen alles Fremde und will auch in der Kunst und\nLiteratur nur das Einheimische begünstigt wissen. Es\nheisst, der Beschluss sei von der Verwaltung bereits ge-\nfasst, für den nächsten Winter die italiänische Oper fallen\nzu lassen, wenn das Abonnement nicht vollständig die Ko-\nsten deckt. Man hofft dadurch das Gleichgewicht in dem\nTheater-Budget wieder herstellen und dagegen die russi-\nschen Theater unterstützen zu können. Der Vorschlag, die\nitaliänische Oper, wie in London und Paris, auch hier\neinem Privat-Unternehmer zu übergeben, wird ernstlich\nerwogen. Ein solcher würde eben so gut wie seine Colle-\ngen in London, Paris, Wien u. s. w. im Stande sein,, vor-\nzügliche Künstler zu engagiren, wie das sein eigener Vor-\ntheil erheische, während die Verwaltung jetzt alle Enga-\ngements in die Hände von Agenten legt, die gar kein In-\nteresse an der Kunstanstalt selbst haben, und auf diese Weise\nHunderttausende von Franken verschwendet werden, um\neuropäische Celebriläten zu bekommen, wenn auch an gar\nmanchen von ihnen oft schon der freche Zahn der Zeit\nsichtbar genagt hat. Auch würde dann in das ewige Einer-\nlei des Repertoires, das Einen zur Verzweiflung bringt,\neher einiger Wechsel kommen. Kann man sich bei den\njetzigen Zuständen darüber wundern, dass auch die reich-\nsten Dilettanten es müde werden, sich ein so monotones\nVergnügen für so enorme Kosten zu verschaffen? Eine\nLoge im ersten Range kostet für einen Abend 25 Silber-\nrubel (zu 1 Thlr. 2% Sgr.), im zweiten Range 12; ein\nFauteuil im ersten Range 8 Rubel, und der niedrigste\nPreis im ganzen Hause ist immer noch 2 Rubel.\nNun stehen bis jetzt auch das deutsche und das fran-\nzösische Theater unter kaiserlicher Verwaltung; auch auf\ndiese soll nach den Ansichten der Nationalen das Concur-\nrenz-System durch Unternehmer eröffnet und alle Staats-\nUnterstützung nur der russischen Oper und dem russischen\nSchauspiel zugewendet werden.\nIm Princip kann man nichts dagegen haben: ob aber\nPetersburgs hoher Adel, dessen Bildung und Geschmack,\nman mag sagen, was man wolle, noch immer auf Fran-\nzosen- und Deutschthum basirt ist, und die Masse von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2634, "texte": "Fremden die ausländischen Kunst-Institute entbehren kön-\nnen, ob auf der anderen Seite das russische Drama und\nvollends die russische Oper bereits so erstarkt sind, dass\nsie alle Gebildeten befriedigen können, das ist eine andere\nFrage. Denn wenn die kaiserliche Verwaltung aufhört, so\nwerden sich nur sehr schwer Unternehmer finden, welche\ndie grossen Gefahren nicht scheuen, die in Petersburg für\nein Theater als Privat-Unternehmen bestehen, zumal da\nein ungeheures Capital erfordert wird, um, wie es hier\nSitte ist, von vorn herein allen Ausgaben für Hausmiethe\nu. s. w. durch baare Vorausbezahlung gerecht zu werden.\nDas russische Schauspiel und Lustspiel machen in der\nThat grosse Fortschritte; man gibt zwar viele Uebersetzun-\ngen, aber es fehlt auch keineswegs an Nalional-Producten,\nfreilich von sehr verschiedenem Werthe. Der fruchtbarste\ndramatische Schriftsteller ist jetzt Ostrowski; in seinen\nSchauspielen und Sittengemälden fällt er stark in die Ma-\nnier der Frau ßirch-Pfeiffer. Die Darstellung zeigt mitun-\nter treffliche Talente: bei dem weiblichen Personal ist\nSchönheit hier ein Haupt-Erfordefniss, das dann aber auch\nhier, wie anderswo, oft zu Heirathen führt, welche die\nTalente der Kunst wieder entziehen. In diesen Tasen ma-\no\nchen zwei der besten Schauspielerinnen und eine Tänzerin,\nalle drei geborene Russinnen, glänzende Partieen, die eine\nvermählt sich sogar mit einem Officier der Garde-Cuiras-\nsiere! Das ist in der That ein grosser Fortschritt, und man\ndarf nicht mehr sagen, dass die steigende Civilisation in\nRussland nur nach der steigenden Scala der Steuer-Ein-\nnahme von Champagner zu beurtheilen sei!\nMit der russischen Oper will es dagegen nicht recht\nvorwärts; wir haben wohl Componisten, die Op ern auf\nrussische Texte schreiben, aber ihre Musik hat nichts\nEigentümliches mehr, es ist eben Allerwelts-Musik. Seit\nMichael Glinka's „Das Leben für den Czaar\"\n(1839) haben wir eigentlich keine wirkliche National-\nOper wieder gehabt, es war die erste und die letzte.\nSchon seine zweite Oper: „Ruslan und Ludmilla\", ist dem\nCharakter der ersten entfremdet und hat neben den Volks-\nliedern viel Italiänisches,. Französisches und Deutsches.\nDasselbe ist der Fall bei den Opern seines Nachfolgers\nDargomyski. Das hindert indess nicht, dass die Russen\njeden neuen Versuch mit Begeisterung aufnehmen und ihm\nErfolg bereiten, der aber freilich nicht lange vorhält. Man\nist jetzt wieder in der Erwartung eines solchen Versuches:\nin diesen Tagen wird „Natascha\", eine Oper von Vi 1 -\nlebois, einem Erzrussen, obgleich von französischen Ein-\ngewanderten stammend, zur Aufführung kommen. Nom\nverrons !\n\nN. St."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-14-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-14_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-02-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "56", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.2.6", "titre_corps": "Siebentes Gesellschasfts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Siebentes Gesellschasfts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.7", "debut_caractere": 2636, "fin_caractere_exclue": 6434, "texte": "Siebentes Gesellschasfts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 10. Februar 1863.\nProgramm. I. Tlieil. 1. Sinfonie in B-dur von J. Haydn.\n2. Arie aus „Idomeneo\" von Mozart (Frau Lemmens-Sher-\nring ton). 3. Salve Regina für Solostimmen, Chor und Orchester\nvon F. Wüllner. 4. Fünftes Concert für die Violine von Molique\n(Herr Concertmeister L. Strauss). 5. Variationen für Sopran von\nPucitta (Frau Lemmens-Sherrington).\n11. Theil. 6. Les Arp&ges von Vieuxtemps (Herr L. Strauss).\n7. Schatten-Walzer aus Dinorah von Meyerbeer (Frau Lern-\nmens). 8. Ouvertüre zu „Olympia\" von Spontini.\nFrau Lemmens-Sherrington, eine der gefeiertsten Gesanges-\ngrössen in England und als solche auch den Lesern der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung aus den Berichten über die dortigen Musik-\nfeste und die londoner Saisons bekannt, trat zum ersten Male in\nDeutschland auf mit einem Erfolge, der zu den glänzendsten gehört,\ndie wir hier erlebt haben. Der Vortrag der Mozart'schen Arie zeigte\nneben edler Auffassung, dass wir eine wahre Künstlerin vor uns\nhatten, eine Sängerin, deren Stimmbildung duich reinste Intonation,\nuntadelhaften Tonansatz und ganz vortreffliche Behandlung des\nAthems seine Vollendung erreicht hat, die auch bei vorzüglicher\nNaturanlage nur durch die andauerndsten Studien erlangt werden\nkann, und die in unserer Zeit der Herrschaft des rohen Materialis-\nmus immer seltener anzutreffen ist. Diese schöne Bildung einer nicht\ngrossen, aber höchst lieblichen, wohllautenden, biegsamen, sympathi-\nschen Stimme hat die Sängerin denn aucli zu einer vollkommenen\nMeisterin der Technik in der Coloratur und im Triller gemacht: in\nbeiden erinnert sie an Henriette Sontag durch die perlende Abrun-\ndung, die Reinheit und Correctheit. Dabei ist ihre Virtuosität frei\nvon aller Ziererei und Affectation, ihr Auftreten so bescheiden und\nanspruchslos, so gemessenen und doch natürlichen Anstandes, dass\nihr Wesen eben so einnimmt, wie ihr Gesang. Am meisten entzückt\nhaben uns die Variationen über Sul margine dCun rio, womit einst\ndie Catalani ihre Triumphe feierte. Mit dem Dinorah-Walzer können\nwir uns freilich trotz der kunstvollsten, wunderbar nuancirten Aus-\nführung, so dass man das Stück einen Schattirwalzer, statt Schatten-\nwalzer nennen könnte, nicht versöhnen. Dabei fallen uns die fran-\nzösischen Rivalinnen der Frau Lemmens-Sherrington ein; von diesen\nkönnten wir nur Madame Miolan-Carvalho ihr zur Seite stellen,\nMadame Cabel 'braucht ihr zwar an Fertigkeit nicht zu weichen,\naber ihre scharfe, bereits sehr verbrauchte Stimme und ihr forcirter\nVortrag machen jeden Vergleich mit der Anmuth und Natürlichkeit\ndes Gesanges der Frau Lemmens unmöglich. Leider werden wir so\nbald nicht wieder Gelegenheit haben, die liebenswürdige Künstlerin\nzu hören, da sie nach einer kurzen Concert-Tour in Holland schon\nAnfangs März wieder nach England geht, wo freilich neben Ruhm\nund Ehre mehr Guineen zu ärnten sind, als in Deutschland. Doch\nwollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, sie nächsten Winter wieder\nam Rheine zu sehen.\nHerr Concertmeister Ludwig Strauss aus Frankfurt am Main\ngeniesst eines ausgebreiteten Rufes als Violinspieler in der musicali-\nschen Welt. Er rechtfertigte 'diesen auch hier durch den Vortrag des\nfünften Concertes von Molique und der „Arpeggien\" von Vieux-\ntemps mit obligatem Violoncell und Orchester. Ohne gerade Sen-\nsation zu erregen, was hier, wo wir seit langen Jahren durch die\nConcerte und Quartett-Leistungen ausgezeichneter Violinisten, wie\nHartmann, Pixis, Grunewald, v. Königslöw, etwas verwöhnt sind,\närntete Herr Strauss doch namentlich durch den schönen und edeln\nVortrag der beiden ersten Sätze des Concertes von Molique, einer\ngediegenen Composition,- deren Wahl dem Künstler Ehre machte,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 274, "texte": "lebhaften Beifall und hohe Anerkennung. In dem letzten Satze störte\nuns die zu häufig angebrachte Manier, die Ornamente mit springen-\ndem Bogen zu machen, was dem Stile der Composition, besonders\nbei dem zweiten Hauptmotiv des Finale, offenbar widerspricht.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-02-14-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-02-14_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-02-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.8", "debut_caractere": 276, "fin_caractere_exclue": 3948, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDaiizlg« Der hiesige Musik-Director Rehfei dt, welcher einen\nvon ihm gegründeten Gesangverein mit Erfolg leitet, bringt neben\nden anerkannten Meisterwerken der classischen Zeit auch die besse-\nren Versuche jetzt lebender Componisten zur Aufführung. So brachte\ner am vorigen Samstag die Musik zu Shakespeare\\s „Sturm\" von\ndem Capellmeister Taubert in Berlin mit den Kräften seines Ge-\nsangvereins und einem aus den besten hiesigen Musikern zusammen-\ngesetzten Orchester zur Aufführung. Der Eindruck dieses Werkes\nauf das zahlreich versammelte Publicum war im Ganzen ein recht\ngünstiger.\nVon Stuttgart schreibt man uns, dass Herr Concertmeister\nGöltermann bedenklich erkrankt sei.\nUreSileil# Am 17. Januar feierte Tichatscheck den fünf-\nundzwanzigsten Jahrestag seiner Anstellung bei dem hiesigen\nHoftheater. Dieses für einen Tenorsänger seltene Fest fällt in das\ndreiunddreissigste seiner Künstler-Laufbahn, und wer diesen Heros\ndes Gesanges an diesem Abende als Cortez hörte, musste staunen\nüber die fast unvergleichliche Kraft und Frische, die er sich in die-\nser langen Laufbahn, und zwar fast unausgesetzt im Kampfe mit der\nmodernen Instrumentation der grossen Oper erhalten hat. Tichat-\nscheck ist während seines Engagements in Dresden, seine zahlrei-\nchen anstrengenden Gastspiele ungerechnet, in 69 verschiedenen\nPartieen 1414 Mal aufgetreten und hat ausserdem in 25 Concerten\nim Hoftheater mitgewirkt. Er sang während dieses Zeitraumes den\nMax 108, den Hüon 77, den Adolar 50, den Raoul 107, den Robert\n73, den Prophet 72, den Masaniello 92, den Rienzi 64, den Tann-\nhäuser 50, den Lohengrin 19, den Stradella 62, den Ivanhoe 52,\nden Cortez 51, den Sever 42, den George Brown 36, den Rinaldo\n(Armide) 22 Mal. Tichatscheck hatte sich für seinen Ehrentag jede\ngeräuschvolle Ehrenbezeigung verbeten. So erschien zuerst gegen\n10 Uhr eine Deputation seiner Collegen, Herrn Porth au der Spitze,\nwelche ihm ein kostbares und sinniges Ehrengeschenk überreichten.\nEs ist ein Bergkrystall, aus silbernen Felsen hervorspringend, den\nsilberne Lorberzweige schmücken. In goldener Tafel sind die Wid-\nmungsworte, in dem Fels die Namen der Geber eingegraben, und\nein am Fusse des letzteren aufgeschlagenes Buch enthält die Namen\nder hervorragendsten Rollen des Jubilars. Eine goldene Lyra und\nandere Attribute zieren das im Atelier von Wigant angefertigte\nschöne Kunstwerk. Danach erschien eine Deputation der Capelle\nund dann der General-Director des Hoftheaters, Herr v. Könneritz,\nin Begleitung des Herrn Hofrathes Pabst, und machte dem Jubilar\ndie Mittheilung, dass der König ihn zum Kammersänger ernannt\nhabe. Unter der grossen Anzahl der Gliickwünschenden befand sich\nauch der Herr Minister v. Beust. Aus der Nähe und Ferne brachte\nder ganze Tag zahllose Glückwünsche, das Publicum stattete diesel-\nben in der Aufführung des „Cortez\" durch jubelvollen Beifall ab.\nVI feil. Mozart's „Cosl fan tutteu ist im Opern-Theater aber-\nmals verschoben worden. Es waltet ein eigener Unstern über dieser\nOper, und wir fürchten sehr, dass er auch während der Aufführung\nin der wenig entsprechenden Besetzung nicht verschwinden wird.\nIm Laufe der Woche enthielt die Krankenliste des Opern-Theaters\ndie Namen Dustmann, Ander, Walter, Schmid und Draxler.\nDie Geigen-Virtuosin Caroline Femi excellirt augenblicklich\nals Sängerin im Teatro nationale in Turin. In ihrer Benefiz-Vor-\nstellung trat sie als Rosine im „Barbier von Sevilla\" auf und spielte\nim zweiten Acte auf der Geige eine Phantasie von Vieuxtemps.\nDas Theater in Glasgow ist trotz der schnell bereiten und an-\ngestrengten Arbeit von dreizehn kräftigen Feuerspritzen bis auf den\nGrund abgebrannt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Rückschau auf 186*2 C'osi fan tutte Frech's Oratorium „Frühling\" Semet's „Undine\" Mo-\nzart's IRequiem Die Stumme von Portici Adeline Patti). Von B. P. Aus Darmstadt (Gounod's ~Königin von feaba). Das\nCacilien-Concert am 6. Februar in Münster. Aus Petersburg (Plane gegen die italiänische Oper Das russische Nationaltheater).\nVon N. St. Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und U n ter ha 1 tun gs blat t (Danzig, u. s. w.).\n\nPariser Briefe.\n\n(Rückschau auf 1862 C'osi fan tutte Frech's Oratorium „Früh-\nling\"— Semet's „Undine\"—Mozart's Bequiem Die Stumme\nvon Portici Adeline Patti.)\nIch habe länger als sonst geschwiegen: allein wenn\nnichts geschieht, so ist der Historiker überflüssig. Nun ist\nin der That in der ersten Hälfte des Winters bis zu Neu-\njahr wenig Musicalisches geschehen, das sich über das ge-\nwöhnliche Kunsttreiben in Paris erhoben hätte;'denn dass\nMario als Raoul von den Franzosen begraben, nach acht\nTagen aber als Almaviva bei den Italiänern wieder aufer-\no\nstanden, und dass Adelina Patti entzückt und Brillanten\nund Smaragde bekommt, sind doch keine Ereignisse für\nDeutschland. Zu erwähnen ist, dass die Italiäner es mit\nMozart's Cosl fan tutte einmal wieder versucht haben\ndie Frezzolini, Alboni, Marie Battü (Despina), Naudin\nu. s. w. —, aber die Oper, welche zuletzt im Jahre 1820\nhier gegeben worden, konnte es trotz der trefflichen Mu-\nsik jetzt so wenig wie früher zu einem dauernden Erfolge\nbringen, da die Handlung gar zu läppisch ist. Auch die\nWiederaufnahme von Cimarosa's\nist verunglückt.\nAis Curiosum ist zu berichten, dass ein deutscher\nComponist, ein Herr J. F. Frech aus Esslingen in Schwa-\nben, Anfangs December ein Oratorium von seiner Com-\npositum im Saale von Herz aufführte. Nach Haydn's\n„Schöpfung\", und „Jahreszeiten\" den „Frühling\" so\nnannte sich das Oratorium noch einmal zu besingen, war\nvon Herrn Frech wenigstens dreist. Sein Streben nach\nEinfachheit wäre recht lobenswerth, wenn es ihn nur nicht\nzu oft auf das Flache, Gewöhnliche und Langweilige führte,\nwofür einzelne gelungene Stellen doch nicht entschädigen\nkönnen. Für das Grosse und Erhabene scheint Herr Frech\nkeine Ader zu haben, denn sein Gewitter und seine Scene\nnach dem Gewitter sind gar zu zahm und kraft- und saft-\nlos. Herr Frech soll Verdienste um den Männergesang und\nden schwäbischen Sängerbund haben, wie man hier sagte:\nwie er aber dazu gekommen ist, in Paris als Componist\naufzutreten, weiss ich nicht.\nDie tausendste Vorstellung von Boieldieu's La\nDame blanche am 16. December v. J. war ein schöner\nAbend für das Theater der komischen Oper. Vorher wurde\nein Act des Jean de Paris gegeben. Die Büste Boieldieu's\nwurde bekränzt und Achard sang Stanzen von Mery zur\nFeier des Tondichters. Der Kaiser und die Kaiserin waren\nzugegen. Die Einnahme betrug an 7000 Francs. Adrien\nBoieldieu schenkte seinen Einnahme-Anthei! den Arbeitern\nin Rouen, der Geburtsstadt seines Vaters.\nDie Wiederaufnahme von Gounod's „Faust\" im\nTheätre lyrique,durch die Erfolge der Oper in Deutsch-\nland veranlasst, hat die Hoffnungen der Direction nicht\nerfüllt. Es scheint entschieden, dass der Inhalt des Stückes,\ndie populäre deutsche Sage, bei Euch der Musik eine bes-\nsere Aufnahme sichert, als hier.\nSonst wüsste ich aus dem Jahre 1862 nichts Bemer-\nkenswerlhes weiter. An neuen Opern hat es so gut wie\nkeine gebracht: nur Grisar's\nhat sich gehalten*); die „Königin von Saba\" ist wieder\nnach Arabien gegangen, von wannen sie gekommen. Ein\nJournal nennt in seiner Musterung des vorigen Jahres diese\nOper „einen zweiten missglückten Versuch, die form- und\nmelodielose Musik in Frankreich zu acclimatisiren\". Da-\ngegen hat Offenbach's „Orpheus in der Unterwelt\"1, aul-\ngefrischt durch Madame Ugalde, bereits über 400 Vor-\nstellungen erlebt, was immerhin charakteristisch igt.\nDas Beste vom vorigen Jahre ist die Bewilligung einer\nansehnlichen Pension für Witwe durch den ge-\nsetzgebenden Körper.\nDas Jahr 1863 brachte uns gleich am 7. Januar im\nTheätre lyrique eine neue dreiactige Oper: Ondme, lext\n\n*) Vgl. Nr. 21 vom vorigen Jahrgang."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.2", "texte": "von Lockroy und Mestepös, Musik von Theodor Sem et.\nDie Text-Verfasser haben aus dem schönen deutschen\nMärchen Undine ein höchst abgeschmacktes Stück gemacht,\ndas keine zwei Worte der Besprechung werlh ist, was man\nuns schon glauben wird, wenn wir nur sagen, dass der\nWassergeist Kühleborn —Fraisondin genannt zu einer\nArt von Kaliban gemacht ist, zu einem komisch sein sol-\nlenden plumpen Kerl, der gern isst und trinkt und sich in\nRohheiten gefällt. Die Musik hat kaum zwei oder drei ge-\nniessbare Nummern, und dabei macht sie durch das Or-\nchester Ansprüche auf den Stil von Weber oder Wagner!\nUm sich von diesem grässlichen Unfälle zu erholen,\nhat die Direction den Plan gefasst, eine komische Oper\nnach Shakespeare's „Der Liebe Mühe umsonst\" mit Mo-\nzart's Musik zu Cosi fan tuttein Scene gehen zu lassen,\nwas noch diesen Monat geschehen soll. Wir sind neugierig.\nAm 9. Januar, dem Tage nach den Obsequien des\nCardinais Morlol, Erzbischofs von Paris, wurde in der\nrestaurirten und mit schönen neuen Glasmalereien ge-\nschmückten Kirche Notre Dame Mozart's Requiem auf-\ngeführt. Die eigentliche Feierlichkeit, zu welcher die Auf-\nführung Statt fand, war die Beisetzung der sterblichen\nReste aller früheren Erzbischöfe von Paris in die Gewölbe\nder restaurirten Kirche. Die geräumigen Hallen waren\ngedrängt voll und das Requiem wurde in grösster Stille\nund Andacht angehört. Leider war die Ausführung nicht\nso würdig und sorgfältig, wie es die erhabene Composition\nverlangt. Bass und Tenor waren zu schwach besetzt, die\nKinderstimmen frisch und sicher, die Solisten unbedeutend.\nDie bewegteren Tempi ermangelten des geistigen Schwungs,\nes ging Alles zu lahm, und das ganz verkehrte Acceleriren\nund Retardiren, welches wahrscheinlich den gänzlichen\nMangel an Nuancen des Ausdrucks ersetzen sollte, war\nunausstehlich. Lobenswerth ist, dass bei dem Bericht dar-\nüber die Revue et Gazette musicale die Gelegenheit er-\ngriff, über Mozart's Musik im Gegensatz der jetzigen einige\nWorte an die Pariser zu richten, wiewohl es vergeblich\nsein wird. „Unsere Gewohnheiten\" —heisst es darin —,\n„die Fortschritte der neueren Instrumentation, Fortschritte,\ndie wir oft zu theuer bezahlen, um darauf stolz sein zu\nkönnen, der Missbrauch des neu aufgefundenen Reich-\nthums an Harmonieen entfernen uns von Tag zu Tag wei-\nter von der Klarheit und formellen Begränztheit, von der\nedelklingenden Kraft, von der künstlerischen Einfachheit\nund Bescheidenheit in Anwendung der Klangmittel, was\nalles bei Haydn und Mozart war und die Werke der Ton-\nkunst aus ihrer Zeit unsterblich machte. Daher finden\ndenn auch die Freunde vom Lärm, von Uebertreibungen,\nvon Schwulst, von rohem und materiellem Effect Mozart's\nRequiem zu ruhig, zu einfach, zu klar. Ja, klar wie der\nHimmel! Wenn der musicalische Gedanke an sich selbst\nschön, frei und lebendig ist und sich auch so entfaltet, was\nsoll dann der sinnebetäubende Luxus der Instrumentation,\nmit dem man ihn umgibt?\" u. s. w.\nEin Ereigniss war die Aufführung der Stummen\nvon Portici von Auber (den 19. Januar). Sie ist jetzt\ngerade siebenunddreissig Jahre alt, im Februar 1828\nwurde sie zuerst gegeben, und was sie für Erfolge auf der\nBühne und im politischen Leben der Staaten gehabt hat,\nist bekannt. Uebrigens hat das Theater noch niemals eine\nRevolution gemacht, die nicht schon völlig reif zum Aus-\nbruche war. Bei der „Stummen\" waren sicher ihre Schö-\npfer, Scribe und Auber, die harmlosesten Politiker von\nder Welt, nicht Schuld an ihrer Wirkung in Brüssel.\nDie jetzige Wiederaufnahme der Oper war schon\nlange im Werke: Michot, der zuerst bestimmte Masaniello,\nwurde krank und musste nach dem Süden gehen; Mario,\nder zweite, zog den Raoul als Debüt vor, und dabei kam\ndie „Stumme\" gut weg; nun blieb nur Gueymard, der\nRetter in der Noth, der, wenn's gilt, durch Dick und Dünn\ngeht. Er wurde denn auch Masaniello, schrie wie gewöhn-\nlich unter lauten Bravo's in dem Freiheits-Duett, war aber\nfür die zarten Gesänge, das Schlummerlied, den Abschied\nvon der Fischerhütte u. s. w. nicht gemacht. Auch die\nRolle der Fenella musste gewechselt werden, da die un-\nglückliche, halb verbrannte Emma Livry noch jetzt nicht\nganz wieder hergestellt ist.\nDurch die Alten, welche sich der ersten Aufführung\nerinnern, ist uns das Räthsel gelöst worden, wie es mög-\nlich gewesen, einer Sprachlosen die Hauptrolle in einer\nOper zu geben. Allerdings kann es im Grunde nichts\nWunderlicheres geben, allein es verliert doch am Gehässi-\ngen, das es für die Aesthetik hat, wenn man die Veran-\nlassung dazu erfährt. Diese entsprang nicht aus einer\nLaune oder einem Haschen nach dem Seltsamen, sondern\nwar eine rein äusserliche. Nach dem Abgange der grossen\nSängerin Madame Branchü hatte man an der grossen Op er\nkeine dramatische Sängerin, welche der Rolle der Fenella,\ndie ursprünglich auch musicalisch die wichtigste sein sollte,\ngewachsen gewesen wäre. Die Damoreau-Cinti war bloss\ntreffliche Coloratursängerin, für die Prinzessin war also\ngesorgt, aber für die Fenella war keine ebenbürtige Sän-\ngerin da. Nun hatte aber eine Tänzerin, Demoiselle No biet,\ndie Kunst der pantomimischen Darstellung ernster Situa-\ntionen auf eine bewunderte Höhe gebracht, und dies brachte\ndie Verfasser der neuen Oper darauf, die Schwester Ma-\nsaniello's stumm zu machen und die Fenella der Noblet\nanzuvertrauen. In Deutschland und überhaupt bei absolu-\nter Kunst-Production wäre das unmöglich gewesen; allein\nin Paris, wo alle Opernrollen für bestimmte Künstler ge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.3", "texte": "schrieben werden, wo die Wirkung zwischen allen Be-\ntheiligten, Dichtern, Componisten und Darstellern bera-\nthen wird, hatte das nichts Auffallendes, und wie Scribe\nund Auber den Masaniello auf Nourrit, die Elvire auf die\nDamoreau u. s. w. berechneten, so strichen sie auch die\nmusicalische Fenella und gaben die pantomimische der\nNoblet.\nAbgesehen von dieser Curiosität, ist es für die Ge-\nschichte der Oper unzweifelhaft, dass die „Stumme von\nPortici\" eine Revolution auf dem französischen Op ern-\nIheater gemacht hat, dass ihr Erscheinen eine Epoche\nbezeichnet, mit welcher die neuere grosse Oper der Fran-\nzosen begann, die man äusserlich als die fünfactige und\nvier- bis fünfstündige charakterisiren kann. Innerlich aber\ntrennte sie durch Inhalt und Form die Oper der alten Zeit\nvon dem musicalischen Urama der neueren und wandte\nden Geschmack des Publicums, welcher der ernsten Op er\nimmer noch als einer Art von antiker Tragödie anhing\n(Gluck, Sacchini, Spontini), auf den Realismus, man möchte\nin Bezug auf Musik sagen: Melodramatismus der Moder-\nnität, von welchem jetzt die Theater leben.\nBisher hatte die Oper, wie das recitirende Drama, die\nFheilnahme der Zuschauer stets auf einzelne hervorragende\nPersonen beschränkt, der Chor griff fast gar nicht in die\nHandlung ein und spielte nur bei Aufzügen, oder reflecti-\nrend, dem Chor der griechischen Tragödie hierin ähnlich,\neine Rolle. In der „Stummen\" aber trat zum ersten Male\ndas \\olk mithandelnd auf, ja, es wurde ihm eigentlich\ndie wichtigste Rolle im ganzen Drama zugetheilt, und so-\nmit war dem Chor eine ganz andere Stellung in der Oper\neingeräumt, wie bisher, und die Musik musste in den Chö-\nren das Volk und dessen momentane Stimmungen und Si-\ntuationen eben so zu charakterisiren suchen, als dies bei\nden einzelnen Hauptpersonen geschah. Dies war offenbar\nein l'ortschritt, den Auber that und den die folgenden\nComponisten ausbeuteten, Rossini im Teil, Meyerbeer in\nden Hugenotten und im Propheten u. s. w. Dieses han-\ndelnde Leben im Chor bedang nun auch mehr Wahrheit\nin der Regie und Scenirung, ja, im Costüme: die zwei\nsteilen Spaliere zu beiden Seiten der Bühne, welche die\nChoristen zu bilden pflegten, verschwanden und machten\nnatürlichen Gruppirungen Platz, wodurch ganz neue plasti-\nsche Effecte erreicht wurden, und die passenden Trachten,\nan die wir jetzt gewöhnt sind, machten einen ganz neuen\nEindruck. Haben wir doch ältere der Oper jetzt\nerzählen hören, welches Aufsehen bei der ersten Auffüh-\nrung die neapolitanischen Fischer und Lazzaroni in ihren\noflenen Westen, blosser Brust und blossen Beinen, ein je-\nder in andere Farben gekleidet, erregt haben, so dass von\nerschreckender Wahrheit, ja, von Scandal die Rede gewe-\nsen, Nimmt man dazu, dass damals die Lull schwer war\nvon revolutionären Dünsten, dass die Musik der Oper in\nvielen Stellen den Ton richtig traf, oft mehr durch hinreis-\nsende Gewalt des Rhythmus, als durch Neuheit der Melo-\ndie, so wird man sich über den ungeheuren Erfolg nicht\nwundern.\nDie drei ersten Vorstellungen haben auch jetzt wieder,\nnachdem die Oper eilf Jahre geruht, gewaltig durchge-\nschlagen, und die Massen strömen bis heute immer noch\nzu. Eine Revolution wird es aber desshalb nicht geben;\ndie dritte Vorstellung sahen sich der Kaiser und die Kai-\nserin ganz gemüthlich mit an und applaudirten gar merk-\nlich; das feurige Freiheits-Duett musste wiederholt wer-\nden, auch das Gebet vor der Revolution. An der Partitur\nist nichts Bedeutendes geändert; nur das erste Allegro der\nArie des Alfonso mit Chor ist gestrichen, dagegen dessen\nRecitativ, weil zum Verständniss der Handlung nothwendig,\nund das grosse Versöhnungs-Duett zwischen Alfonso und\nElvira im Anfange des dritten Actes vor der Markt-Scene,\ndas ich in Deutschland nie gehört habe, wieder hergestellt.\nWenn die Ausführung der Hauptpartieen, hauptsächlich\ndes Masaniello, Manches zu wünschen übrig Hessen, so war\ndagegen die Anordnung und das Leben in den Volksscenen\nganz vortrefflich. Im dritten Acte war vor der Tarantella\nnoch eine ßallet-Scene eingelegt, in welcher eine junge\nTänzerin, Laura Fonta, ein Mädchen von kaum sieben-\nzehn Jahren, mit dem glänzendsten Erfolg auftrat. Auber\nhalte dazu eine recht frische und anmuthige Musik ge-\nO O\nschrieben. Die Fenella, auch eine ganz junge Tänzerin,\nMarie Vernon, zeigte viel Talent, aber auch zuweilen\neine sehr störende Uebertreibung. Der Schluss ist vernünf-\ntiger geändert; die Geographie ist zwar immer die schwache\nSeite der Franzosen gewesen, allein wir sind jetzt an vier-\nzig Jahre weiter gekommen, man fürchtete doch, einige\nZuschauer möchten erfahren haben, dass man von Neapel\nnicht während einiger Tacte bis zum Krater des Vesuvs\nkommen könne, und so liess man die Schwester Masa-\nniello's vor Schmerz bei der Nachricht von seinem Tode\nsterben, und Auber widmete ihr einige sanfte Harmonieen.\nDer Vesuv speite indess zu seinem eigenen Vergnügen\nprachtvoll genug, zuletzt sogar im Wetlkampf mit dem\nelektrischen Lichte des Sonnenaufgangs!\nNun noch ein Wunder! Don Giovanni ist vier\nMal hinter einander bei brechend vollem Hause gegeben\nworden! Ei, haben sich die Pariser so zu Mozart bekehrt?\nDas nicht, aber zu Adelina Patti als Zerline, welche\nübrigens in dieser Rolle mehr als hübsche, feine, coquette\nSchauspielerin glänzt, als durch ihren Gesang. Aber auch\ndieser war reizend, wiewohl sie ihre wunderschönen Tril-\nler und Coloraturen nicht darin anbringen konnte, denn\n\no\nl*j"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.4", "texte": "sie sang Mozart, wie er geschrieben steht, was sehr lo-\nbenswerth war. Ihr Batti, baiti und Vedrai carino waren\nfür Masetto unwiderstehlich, und nicht bloss für ihn: aber\ndem Zuschauer raubten sie doch nicht die leisen Zweifel\nan Zerlinchens Treue. Die übrigen Partner waren ihrer\nAufgabe keineswegs gewachsen: Delle Sedie der plumpe\nSchatten eines Don Juan, die Frezzolini eine Anna, deren\nWollen mit den Trümmern einer abgesungenen Stimme\nkämpft, die Guerra ohne Wollen und Können, und so wei-\nter. Aber die Einnahme fabelhaft: in der ersten Vorstel-\nlung, zum Benefiz der Patti, waren auch der Kaiser und\ndie Kaiserin anwesend: ungeheurer Applaus, Blumen-\nbouquets von noch nie da gewesenen kolossalen Dimen-\nsionen für die junge Heldin des Tages. Sie hat hier die\nAmina, Lucia, Rosina, Norina(in Don Pasquale) und\nZerlina gesungen: am 16. Verlässt sie Paris, um Wien in\nBewegung zu setzen.\nParis, den 8. Februar 1863.\n\nB. P.\n\nAus Darmstadt.\n(Gounod's „Königin von Sabau.)\nAm 25. Januar fand die erste Aufführung der neuen\nGounod'sehen Oper: „Die Königin von Saba\", und zwar\nunter persönlicher Leitung des Componisten Statt. Der\nErfolg übertraf alle Erwartungen. Die Musik ist in brei-\ntem, grossem Stile ausgeführt und enthält prachtvolle Ein-\nzelheiten, die das überaus zahlreiche Publicum in wirkli-\nchen Enthusiasmus versetzten. Wie im Eaust, so ist auch\nin der Königin von Saba der dritte Act musicalisch der\nbedeutendste, und die reizenden Frauenchöre, das Duett\nzwischen Balkis (Frau Bertram-Meyer) und Adoni-\nram (Herr Grimminger), das darauf folgende Quartett\nund Finale (Septett) gehören unbedingt zu dem Besten,\nwas die Neuzeit producirt hat. (!) Die Ausstattung war\neine wahrhaft überraschende. Die Frische und Farben-\npracht der Costüme blendete eben so, wie die prächtigen\nDecorationen (von Schwedler) darunter vorzüglich eine\npanoramatische Ansicht von Jerusalem zur Bewunderung\nhinrissen. Doch das Grossartigste leistete der Maschinen-\nKünstler Karl Brandt in der Vorführung des Gusses\ndes „ehernen Meeres\" (Act IL). Es ist dies ein Bild, eine\nHandlung, wie man wohl noch auf keiner Bühne gesehen.\nBrandt hat alle französischen vorgeschriebenen Feuerwerks-\nKünste verschmäht und sich an die Natur der Sache ge-\nhalten. Dem Hochofen entströmt das glühende Metall;\nbald findet es die Canäle zur Form verstopft, füllt die\nGrube, worin Form und Model stehen, und breitet sich\ndann in feuriger, rothglühender Masse über den Boden,\nden ganzen Bühnenraum aus. Die Glulh erfasst die hohen,\ngeschmückten Säulen des Thrones, das gewaltige Balken-\nwerk, welches im Zusammenbrechen den Hochofen zer-\ntrümmert, während im Vordergrunde das reiche thron-\nartige Gebäude, gleichfalls durch das Feuer zerstört, mit\nseinen Trümmern die Bühne bedeckt. Es war ein er!»rei-\nfender Anblick, und noch nie hat wohl das darmstädter\nHoftheater das Publicum in gleicher Aufregung gesehen.\nBrandt wurde mehrmals gerufen, eben so der Maler\nSchwedler. Von gleich grosser Wirkung ist auch die Apo-\ntheose des fünften Actes. Der Erfolg der ganzen Oper\nwar, wie schon bemerkt, gewaltig, entscheidend. Gounod\nwurde mehrmals jubelnd gerufen. Er empfing vom Gross-\nherzog den Philipps-Orden, vom Orchester ebenfalls eine\nsinnige Anerkennung, und Alles vereinigte sich, ihn für\nden Nichterfolg seines grossen Werkes in Paris zu ent-\nschädigen. Er wird die zweite Aufführung, Sonntag den 1.\nFebruar, abermals persönlich dirigiren. Jetzt hat er Darm-\nstadt verlassen, um, einer Einladung von Berlin folgend,\nalldort seinen Faust zu dirigiren. Eine Menge künstleri-\nscher Notabilitäten, Intendanten, Directoren wohnten der\nAufführung der Oper bei, welche nicht verfehlen wird,\ngleich dem Faust die Runde über alle deutschen Bühnen\nzu machen.\nWir geben diesen Bericht, der uns von guter Hand\nzugeht, als historischen über den Erfolg der „Königin von\nSaba\" in Darmstadt, und weil er zugleich charakteristisch\nfür die jetzigen Zustände der dortigen dramatischen Kunst-\nanstalt ist. Es scheint fast, als kehrte die Zeit wieder, wo\ndeutsche Höfe die Losung für ihre Bühnen-Vorstellungen\naus Frankreich holten! Doch nein dies ist im vorliegen-\nden Falle nur in so fern wahr, als die darmstädter Hof-\nbühne den grossen Kostenaufwand, der den deutschen\nComponisten so oft als Grund der Nichtaufführung ihrer\nOpern entgegen gehalten wird, für eine französische Oper\nnicht gescheut hat; im Uebrigen aber findet dieses Mal\ndas umgekehrte Verhältniss Statt, die deutsche Bühne soll\neiner Oper, die in Paris durchgefallen ist, wieder auf die\nBeine helfen! Und worauf stützt sich diese Hoffnung, die\nauch der geehrte Herr Correspondent in Obigem aus-\nspricht? Auf zwei Dinge: auf den Erfolg von Gounod's\nFaust in Deutschland und auf die Nachahmuns eines dra-\nV«/\nmalischen Stils in der Königin von Saba, nämlich des\nWagner'schen, wofür man in Darmstadt schwärmen soll,\nwie es heisst.\nWir erlauben uns, an der Erfüllung dieser Hoffnung\nzu zweifeln. Gounod's „Faust\" verdankt seine grosse Po-\npularität in Deutschland die Pedanten mögen klagen, so\nviel sie wollen, über die Gutmüthigkeit des deutschen Vol-\nkes, das die Misshandlung seines grossen Dichters ruhig"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.5", "texte": "erträgt —, er verdankt gerade diesem Inhalt, der allbe-\nkannten und echt deutschen Volkssage vom Faust und dem\nTeufel, den grössten Theil seines Erfolges; der Inhalt ver-\nschaffte der Musik Aufmerksamkeit und Theilnahme, und\ndadurch kam ihr Kunstwerth ebenfalls zur Gellung. Die-\nser ist aber im „Faust\" bei Weitem bedeutender, als in\nder „Königin von Saba\". Das Buch vollends der neuen Oper\nist so entsetzlich dumm, dass unser pariser Correspondent\nwahrlich vollkommen Recht hat, wenn er behauptet, dass\ndas so genannte lyrische Drama der Franzosen jetzt zur\nCaricatur geworden sei, und dass alles Unsinnige und\nMonströse, was man im „Juif er im „Jüngsten Ge-\nricht\", in der „ Blutigen Nonne\", „Herkulanum\" u.s.w.\ngesehen habe, nichts sei im Vergleich zu dem Widersinni-\ngen, Ungeschickten und Ungeheuerlichen, das diese „Kö-\nnigin von Saba\" auf die Bühne bringe, wo einst Gluck's,\nCherubini's und Spontini's Werke glänzten*). Es ist wahr,\ndass die Bearbeiter des deutschen Textes für Darmstadt,\nder uns vorliegt, die Herren Dräxler-Manfred und Pasque,\nihr Bestes gethan haben an einzelnen Stellen, wie sie denn\nauch die kolossal lächerliche Phrase Adoniram's, der, als\ner sich selbst verbannt, dem Könige Salomo zuruft:\nn'empörterai que monmanieau!\" und anderes Schwülsti-\nges geändert haben: allein die Missgestalt des Ganzen\nkonnte die Tilgung einzelner Flecken, doch nicht bessern.\nNun ist es aber klar, dass der Wagner'sche musicalische\nStil sich nur an Wagner'schen Dramen oder Legenden\nertragen lässt, und wenn er schon bei Wagner's eigenen\nGedichten oft ins Monotone, Gewöhnliche, Unmelodische\nund bloss Klangreiche umschlägt, wie soll er dann bei sei-\nnem Nachahmer in Verbindung mit einem so unpoetischen\nTexte, der durch seine Schwülstigkeit oft geradezu ins\nPossenhafte fällt, irgendwie auf die Dauer wirken können?\nBevor wir die Partitur gesehen oder einer Auffüh-\nrung beigewohnt, haben wir allen Grund, an der Ansicht\nunseres Correspondenten in der angeführten Nummer 11\ndes vorigen Jahrgangs und an dem übereinstimmenden\nUrtheil der pariser Kritik, welche sonst Gounod mit Recht\nsehr wohl will, festzuhalten. Wir sind neugierig, ob ein\nallgemeinerer Erfolg der Oper in Deutschland den franzö-\nsischen Kritiker Lügen strafen wird, der vor einem Jahre\nsagte: „Wir müssen es mit tiefem Bedauern, aber mit\ndem Freimuth, den man einem Genie, das sich .verirrt,\nschuldig ist, aussprechen, dass Gounod sich in eine um so\nbedauernswertere Stilgattung geworfen hat, als es ihm\nzu einer verzeihlichen Durchführung derselben eben so\nsehr an Wagner's interessanten Excentricitäten, als an der\ndeutschen Tiefe fehlt.\"\n*) S. Nr. 11 vom Jahrgang 1862 und Nr. 14 eben desselben.\n\nDas Cäcilien-Concert am 6. Februar in Münster.\nDer Musikverein in Münster pflegt jedes Jahr am Cä-\ncilien-Tage ein grösseres Concert zu geben, welches dieses\nMal vom November des vorigen Jahres bis zum 6. Februar\ndieses Jahres verschoben worden ist, um den eben fertig\ngestellten neuen Saal benutzen zu können. Der Einsender\ndieser Zeilen hat das Concert besucht und ermangelt nicht,\neinige Mittheilungen zu machen.\nVor Allem ist dann von dem neuen Saale zu sprechen,\ndenn es ist gar nicht gleichgültig, ob ein Concert in schön\nund zweckmässig ausgestatteten Räumen gehalten wird,\noder ob der Dirigent mit akustischen Schwierigkeiten und\ndergleichen zu kämpfen hat.\nDer neue Saal ist im Rathhaus-Gebäude errichtet, in\nwelchem sich schon der berühmte so genannte Friedens-\nsaal befindet, misst 80 Fuss in der Länge, 42 in der\nBreite; die Decke, in Eichen-Construction errichtet, läuft\nin der Form eines so genannten Tonnengewölbes spitz zu,\nbei einer Höhe von vielleicht 40 Fuss, das Ganze in gotbi-\nschem Styl reich und in harmonischen Farben geziert, und\nbot der Saal bei glänzender Beleuchtung einen imposanten\nAnblick, welcher durch die vielen in reichem Blumen-\nschmuck prangenden Damen noch erhöht wurde. Zu Con-\ncerten und anderen Festlichkeiten ist das Local ganz ge-\neignet, es steht mit einem Civil-Casino in Verbindung, bat\nausreichende Vorräume, und sogar der Corridor und die\nTreppenfluren sind geheizt! Der Hauptsaal erfreut sich\ndabei einer vorzüglichen Akustik, so dass die Bewohner\nMünsters auf dieses Festlocal stolz sein dürfen.\nUnter Leitung des dortigen Capellmeisters Herrn Ju-\nlius Otto Grimm wurde der „Messias\" von Händel auf-\ngeführt, also ein gutes Zeichen, indem man es als eine\nPflicht angesehen hat, das Festlocal mit einem classischen\nWerke einzuweihen. Das Concert selbst gereicht dem Di-\nrigenten und den Ausführenden zur Ehre, und in Verbin-\ndung mit dem für den folgenden Tag arrangirten Künst-\nler-Concerte verdient es die Benennung eines westfälischen\nMusikfestes; namentlich zeichnete sich der Chor und unter\ndiesem wiederum Alt und Tenor aus, wodurch dann die\neinzelnen Stimmen in den gewaltigen Chören klar und\ndeutlich hervortraten, besser, als wir es in Köln zu hören\ngewohnt sind. Die Bewohner von Münster sind aber auch\nklüger, wie wir in Köln, und halten nicht zehn grosse Con-\ncerte im Jahre, wesshalb denn dort auf die so wichtigen\nChorproben mehr Sorgfalt verwandt werden kann.\nEs war auch eine Orgel im Saale aufgestellt, aber\nkeine vollständige, und fehlten die schweren Register, so\ndass die Orgelbegleitung bei dem vollen Chor gar nicht\nzur Wirkung kam, sogar im Saale nicht gehört werden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.6", "texte": "konnte. In dem Programm war angegeben, dass die In-\nstrumentirung Mozart's zugleich mit der vorgeschriebenen\nOrgelbegleitung Statt finde; wie diese Verbindung ins\nWerk gestellt und was von der Instrumentirung Mozart's\nbeibehalten worden, ist mir nicht klar geworden; fast\ndurchgängig wurde die Orgel nur bei den Recitativen ge-\nbraucht, wogegen die Arien von dem Orchester begleitet\nwurden. Die Soli waren sehr tüchtigen Kräften anvertraut,\nnämlich: Sopran Fräulein von Siebold aus Göttingen,\nAlt Fräulein Weiss aus Hannover, Tenor Herr Otto aus\nBerlin und Bass Herr Bietzacher aus Hannover. Die\nSopranistin, dem Vernehmen nach eine Schülerin des Di-\nrigenten, hat zwar keine sehr starke, aber doch ausrei-\nchende Stimme, und hat ihre Partie mit Nachdenken, Ge-\nmüth und, ich möchte sagen: mit Adel durchgeführt. Die\ndrei anderen Solisten sind bekannter und auch schon in\nKöln gehört worden. Die Stimme des Bassisten Bietzacher\nkam in dem mässig grossen Saale zu schönerer Fintwick-\nlung, als bei seinem letzten Auftreten in Köln, und kann\nman diesem Sänger eine gute Zukunft versprechen, na-\nmentlich wenn er durch fleissiges Studium den noch hol-\nperigen Vortrag der Rouladen zu überwinden verstehen\nwird.\nEs ist mir abermals aufgefallen, dass, wenn auch die\nSolisten einzeln alle vier vortrefflich sind, die Ensembles\nnicht gut gelingen. Im „Messias\" kommen mehrere Quar-\ntette mit Chor vor, wobei die Solisten zuerst dasjenige vor-\nzutragen haben, was später der ganze Chor wiederholt.\nIn d iesen Nummern löste der Chor seine Aufgabe besser,\nwie die Solisten. Diese mögen indess zu entschuldigen sein,\nsie kannten sich vielleicht gar nicht, kamen von verschie-\ndenen Seiten und aus weiter Ferne daher und sollten nun\nnach kurzen Proben sofort das Vollendete leisten!\nDass die dortigen Solisten wirkliche Befähigung be-\nsitzen, hat sich bei dem Duett im dritten Theile gezeigt,\nwelches Fräulein Weiss und Herr Otto sehr gut und über-\neinstimmend vorgetragen haben.\nIch kann die Bemerkung nicht unterdrücken, dass ich\nden Wunsch hege, die Dirigenten möchten die Pietät ge-\ngen grosse Meister dann und wann ausser Acht lassen und\nKürzungen vornehmen; der bei Weitem grösste Theil des\nPublicums würde es gut aufgenommen haben, wenn\ndurch Auslassung einiger Arien und Chöre die vierstündige\nDauer des Concertes verringert worden wäre.\nDem für den folgenden Tag arrangirten Künstler-\nConcerte habe ich nicht beigewohnt; ohne Zweifel ist es\nbei den bedeutenden vorhandenen Kräften sehr gut aus-\ngefallen.\nKöln, im Februar 1863. *\n\nAus Petersburg.\n\n(Plane gegen die italiänische Oper Das russische\nNationaltheater.)\nDen 25. Januar 1863.\nWiewohl wir jetzt noch inmitten der Saison der ita-\nlienischen Oper sind, so bereitet sich doch schon eine\ndumpf grollende Revolution gegen dieses kaiserliche Kunst-\nInstitut vor. Sie hat ihre Quelle in zwei Dingen: erstens\nsieht man ein, dass die Rosten der Unterhaltung zu enorm\nsind, und zweitens empört sich der Nationalsinn immer\nmehr gegen alles Fremde und will auch in der Kunst und\nLiteratur nur das Einheimische begünstigt wissen. Es\nheisst, der Beschluss sei von der Verwaltung bereits ge-\nfasst, für den nächsten Winter die italiänische Oper fallen\nzu lassen, wenn das Abonnement nicht vollständig die Ko-\nsten deckt. Man hofft dadurch das Gleichgewicht in dem\nTheater-Budget wieder herstellen und dagegen die russi-\nschen Theater unterstützen zu können. Der Vorschlag, die\nitaliänische Oper, wie in London und Paris, auch hier\neinem Privat-Unternehmer zu übergeben, wird ernstlich\nerwogen. Ein solcher würde eben so gut wie seine Colle-\ngen in London, Paris, Wien u. s. w. im Stande sein,, vor-\nzügliche Künstler zu engagiren, wie das sein eigener Vor-\ntheil erheische, während die Verwaltung jetzt alle Enga-\ngements in die Hände von Agenten legt, die gar kein In-\nteresse an der Kunstanstalt selbst haben, und auf diese Weise\nHunderttausende von Franken verschwendet werden, um\neuropäische Celebriläten zu bekommen, wenn auch an gar\nmanchen von ihnen oft schon der freche Zahn der Zeit\nsichtbar genagt hat. Auch würde dann in das ewige Einer-\nlei des Repertoires, das Einen zur Verzweiflung bringt,\neher einiger Wechsel kommen. Kann man sich bei den\njetzigen Zuständen darüber wundern, dass auch die reich-\nsten Dilettanten es müde werden, sich ein so monotones\nVergnügen für so enorme Kosten zu verschaffen? Eine\nLoge im ersten Range kostet für einen Abend 25 Silber-\nrubel (zu 1 Thlr. 2% Sgr.), im zweiten Range 12; ein\nFauteuil im ersten Range 8 Rubel, und der niedrigste\nPreis im ganzen Hause ist immer noch 2 Rubel.\nNun stehen bis jetzt auch das deutsche und das fran-\nzösische Theater unter kaiserlicher Verwaltung; auch auf\ndiese soll nach den Ansichten der Nationalen das Concur-\nrenz-System durch Unternehmer eröffnet und alle Staats-\nUnterstützung nur der russischen Oper und dem russischen\nSchauspiel zugewendet werden.\nIm Princip kann man nichts dagegen haben: ob aber\nPetersburgs hoher Adel, dessen Bildung und Geschmack,\nman mag sagen, was man wolle, noch immer auf Fran-\nzosen- und Deutschthum basirt ist, und die Masse von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.7", "texte": "Fremden die ausländischen Kunst-Institute entbehren kön-\nnen, ob auf der anderen Seite das russische Drama und\nvollends die russische Oper bereits so erstarkt sind, dass\nsie alle Gebildeten befriedigen können, das ist eine andere\nFrage. Denn wenn die kaiserliche Verwaltung aufhört, so\nwerden sich nur sehr schwer Unternehmer finden, welche\ndie grossen Gefahren nicht scheuen, die in Petersburg für\nein Theater als Privat-Unternehmen bestehen, zumal da\nein ungeheures Capital erfordert wird, um, wie es hier\nSitte ist, von vorn herein allen Ausgaben für Hausmiethe\nu. s. w. durch baare Vorausbezahlung gerecht zu werden.\nDas russische Schauspiel und Lustspiel machen in der\nThat grosse Fortschritte; man gibt zwar viele Uebersetzun-\ngen, aber es fehlt auch keineswegs an Nalional-Producten,\nfreilich von sehr verschiedenem Werthe. Der fruchtbarste\ndramatische Schriftsteller ist jetzt Ostrowski; in seinen\nSchauspielen und Sittengemälden fällt er stark in die Ma-\nnier der Frau ßirch-Pfeiffer. Die Darstellung zeigt mitun-\nter treffliche Talente: bei dem weiblichen Personal ist\nSchönheit hier ein Haupt-Erfordefniss, das dann aber auch\nhier, wie anderswo, oft zu Heirathen führt, welche die\nTalente der Kunst wieder entziehen. In diesen Tasen ma-\no\nchen zwei der besten Schauspielerinnen und eine Tänzerin,\nalle drei geborene Russinnen, glänzende Partieen, die eine\nvermählt sich sogar mit einem Officier der Garde-Cuiras-\nsiere! Das ist in der That ein grosser Fortschritt, und man\ndarf nicht mehr sagen, dass die steigende Civilisation in\nRussland nur nach der steigenden Scala der Steuer-Ein-\nnahme von Champagner zu beurtheilen sei!\nMit der russischen Oper will es dagegen nicht recht\nvorwärts; wir haben wohl Componisten, die Op ern auf\nrussische Texte schreiben, aber ihre Musik hat nichts\nEigentümliches mehr, es ist eben Allerwelts-Musik. Seit\nMichael Glinka's „Das Leben für den Czaar\"\n(1839) haben wir eigentlich keine wirkliche National-\nOper wieder gehabt, es war die erste und die letzte.\nSchon seine zweite Oper: „Ruslan und Ludmilla\", ist dem\nCharakter der ersten entfremdet und hat neben den Volks-\nliedern viel Italiänisches,. Französisches und Deutsches.\nDasselbe ist der Fall bei den Opern seines Nachfolgers\nDargomyski. Das hindert indess nicht, dass die Russen\njeden neuen Versuch mit Begeisterung aufnehmen und ihm\nErfolg bereiten, der aber freilich nicht lange vorhält. Man\nist jetzt wieder in der Erwartung eines solchen Versuches:\nin diesen Tagen wird „Natascha\", eine Oper von Vi 1 -\nlebois, einem Erzrussen, obgleich von französischen Ein-\ngewanderten stammend, zur Aufführung kommen. Nom\nverrons !\n\nN. St.\n\nSiebentes Gesellschasfts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 10. Februar 1863.\nProgramm. I. Tlieil. 1. Sinfonie in B-dur von J. Haydn.\n2. Arie aus „Idomeneo\" von Mozart (Frau Lemmens-Sher-\nring ton). 3. Salve Regina für Solostimmen, Chor und Orchester\nvon F. Wüllner. 4. Fünftes Concert für die Violine von Molique\n(Herr Concertmeister L. Strauss). 5. Variationen für Sopran von\nPucitta (Frau Lemmens-Sherrington).\n11. Theil. 6. Les Arp&ges von Vieuxtemps (Herr L. Strauss).\n7. Schatten-Walzer aus Dinorah von Meyerbeer (Frau Lern-\nmens). 8. Ouvertüre zu „Olympia\" von Spontini.\nFrau Lemmens-Sherrington, eine der gefeiertsten Gesanges-\ngrössen in England und als solche auch den Lesern der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung aus den Berichten über die dortigen Musik-\nfeste und die londoner Saisons bekannt, trat zum ersten Male in\nDeutschland auf mit einem Erfolge, der zu den glänzendsten gehört,\ndie wir hier erlebt haben. Der Vortrag der Mozart'schen Arie zeigte\nneben edler Auffassung, dass wir eine wahre Künstlerin vor uns\nhatten, eine Sängerin, deren Stimmbildung duich reinste Intonation,\nuntadelhaften Tonansatz und ganz vortreffliche Behandlung des\nAthems seine Vollendung erreicht hat, die auch bei vorzüglicher\nNaturanlage nur durch die andauerndsten Studien erlangt werden\nkann, und die in unserer Zeit der Herrschaft des rohen Materialis-\nmus immer seltener anzutreffen ist. Diese schöne Bildung einer nicht\ngrossen, aber höchst lieblichen, wohllautenden, biegsamen, sympathi-\nschen Stimme hat die Sängerin denn aucli zu einer vollkommenen\nMeisterin der Technik in der Coloratur und im Triller gemacht: in\nbeiden erinnert sie an Henriette Sontag durch die perlende Abrun-\ndung, die Reinheit und Correctheit. Dabei ist ihre Virtuosität frei\nvon aller Ziererei und Affectation, ihr Auftreten so bescheiden und\nanspruchslos, so gemessenen und doch natürlichen Anstandes, dass\nihr Wesen eben so einnimmt, wie ihr Gesang. Am meisten entzückt\nhaben uns die Variationen über Sul margine dCun rio, womit einst\ndie Catalani ihre Triumphe feierte. Mit dem Dinorah-Walzer können\nwir uns freilich trotz der kunstvollsten, wunderbar nuancirten Aus-\nführung, so dass man das Stück einen Schattirwalzer, statt Schatten-\nwalzer nennen könnte, nicht versöhnen. Dabei fallen uns die fran-\nzösischen Rivalinnen der Frau Lemmens-Sherrington ein; von diesen\nkönnten wir nur Madame Miolan-Carvalho ihr zur Seite stellen,\nMadame Cabel 'braucht ihr zwar an Fertigkeit nicht zu weichen,\naber ihre scharfe, bereits sehr verbrauchte Stimme und ihr forcirter\nVortrag machen jeden Vergleich mit der Anmuth und Natürlichkeit\ndes Gesanges der Frau Lemmens unmöglich. Leider werden wir so\nbald nicht wieder Gelegenheit haben, die liebenswürdige Künstlerin\nzu hören, da sie nach einer kurzen Concert-Tour in Holland schon\nAnfangs März wieder nach England geht, wo freilich neben Ruhm\nund Ehre mehr Guineen zu ärnten sind, als in Deutschland. Doch\nwollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, sie nächsten Winter wieder\nam Rheine zu sehen.\nHerr Concertmeister Ludwig Strauss aus Frankfurt am Main\ngeniesst eines ausgebreiteten Rufes als Violinspieler in der musicali-\nschen Welt. Er rechtfertigte 'diesen auch hier durch den Vortrag des\nfünften Concertes von Molique und der „Arpeggien\" von Vieux-\ntemps mit obligatem Violoncell und Orchester. Ohne gerade Sen-\nsation zu erregen, was hier, wo wir seit langen Jahren durch die\nConcerte und Quartett-Leistungen ausgezeichneter Violinisten, wie\nHartmann, Pixis, Grunewald, v. Königslöw, etwas verwöhnt sind,\närntete Herr Strauss doch namentlich durch den schönen und edeln\nVortrag der beiden ersten Sätze des Concertes von Molique, einer\ngediegenen Composition,- deren Wahl dem Künstler Ehre machte,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630214-01.1.8", "texte": "lebhaften Beifall und hohe Anerkennung. In dem letzten Satze störte\nuns die zu häufig angebrachte Manier, die Ornamente mit springen-\ndem Bogen zu machen, was dem Stile der Composition, besonders\nbei dem zweiten Hauptmotiv des Finale, offenbar widerspricht.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDaiizlg« Der hiesige Musik-Director Rehfei dt, welcher einen\nvon ihm gegründeten Gesangverein mit Erfolg leitet, bringt neben\nden anerkannten Meisterwerken der classischen Zeit auch die besse-\nren Versuche jetzt lebender Componisten zur Aufführung. So brachte\ner am vorigen Samstag die Musik zu Shakespeare\\s „Sturm\" von\ndem Capellmeister Taubert in Berlin mit den Kräften seines Ge-\nsangvereins und einem aus den besten hiesigen Musikern zusammen-\ngesetzten Orchester zur Aufführung. Der Eindruck dieses Werkes\nauf das zahlreich versammelte Publicum war im Ganzen ein recht\ngünstiger.\nVon Stuttgart schreibt man uns, dass Herr Concertmeister\nGöltermann bedenklich erkrankt sei.\nUreSileil# Am 17. Januar feierte Tichatscheck den fünf-\nundzwanzigsten Jahrestag seiner Anstellung bei dem hiesigen\nHoftheater. Dieses für einen Tenorsänger seltene Fest fällt in das\ndreiunddreissigste seiner Künstler-Laufbahn, und wer diesen Heros\ndes Gesanges an diesem Abende als Cortez hörte, musste staunen\nüber die fast unvergleichliche Kraft und Frische, die er sich in die-\nser langen Laufbahn, und zwar fast unausgesetzt im Kampfe mit der\nmodernen Instrumentation der grossen Oper erhalten hat. Tichat-\nscheck ist während seines Engagements in Dresden, seine zahlrei-\nchen anstrengenden Gastspiele ungerechnet, in 69 verschiedenen\nPartieen 1414 Mal aufgetreten und hat ausserdem in 25 Concerten\nim Hoftheater mitgewirkt. Er sang während dieses Zeitraumes den\nMax 108, den Hüon 77, den Adolar 50, den Raoul 107, den Robert\n73, den Prophet 72, den Masaniello 92, den Rienzi 64, den Tann-\nhäuser 50, den Lohengrin 19, den Stradella 62, den Ivanhoe 52,\nden Cortez 51, den Sever 42, den George Brown 36, den Rinaldo\n(Armide) 22 Mal. Tichatscheck hatte sich für seinen Ehrentag jede\ngeräuschvolle Ehrenbezeigung verbeten. So erschien zuerst gegen\n10 Uhr eine Deputation seiner Collegen, Herrn Porth au der Spitze,\nwelche ihm ein kostbares und sinniges Ehrengeschenk überreichten.\nEs ist ein Bergkrystall, aus silbernen Felsen hervorspringend, den\nsilberne Lorberzweige schmücken. In goldener Tafel sind die Wid-\nmungsworte, in dem Fels die Namen der Geber eingegraben, und\nein am Fusse des letzteren aufgeschlagenes Buch enthält die Namen\nder hervorragendsten Rollen des Jubilars. Eine goldene Lyra und\nandere Attribute zieren das im Atelier von Wigant angefertigte\nschöne Kunstwerk. Danach erschien eine Deputation der Capelle\nund dann der General-Director des Hoftheaters, Herr v. Könneritz,\nin Begleitung des Herrn Hofrathes Pabst, und machte dem Jubilar\ndie Mittheilung, dass der König ihn zum Kammersänger ernannt\nhabe. Unter der grossen Anzahl der Gliickwünschenden befand sich\nauch der Herr Minister v. Beust. Aus der Nähe und Ferne brachte\nder ganze Tag zahllose Glückwünsche, das Publicum stattete diesel-\nben in der Aufführung des „Cortez\" durch jubelvollen Beifall ab.\nVI feil. Mozart's „Cosl fan tutteu ist im Opern-Theater aber-\nmals verschoben worden. Es waltet ein eigener Unstern über dieser\nOper, und wir fürchten sehr, dass er auch während der Aufführung\nin der wenig entsprechenden Besetzung nicht verschwinden wird.\nIm Laufe der Woche enthielt die Krankenliste des Opern-Theaters\ndie Namen Dustmann, Ander, Walter, Schmid und Draxler.\nDie Geigen-Virtuosin Caroline Femi excellirt augenblicklich\nals Sängerin im Teatro nationale in Turin. In ihrer Benefiz-Vor-\nstellung trat sie als Rosine im „Barbier von Sevilla\" auf und spielte\nim zweiten Acte auf der Geige eine Phantasie von Vieuxtemps.\nDas Theater in Glasgow ist trotz der schnell bereiten und an-\ngestrengten Arbeit von dreizehn kräftigen Feuerspritzen bis auf den\nGrund abgebrannt."}]}