{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-03-07-01", "volume": "bmtnabi_1863-03-07_01", "ocr_sha256": "495f57d2dc5032bd911c4703423539491c4ce3b801b3b1e948ea1b28d9ad50cb", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/03/07_01/bmtnabi_1863-03-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-03-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 369, "texte": "Inhalt.\nWilhelm ine Schröder -Devrient. 111. Aus Regensburg (Die vergangene Saison). • Von Dr. D. M. Aus\nBremen (Hillens „Katakomben\"). Aus Wien (Die Preis-Sinfonieen). Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. 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Nr. 8, 11. Nr. 9.)\nUnter den ersten Rollen der jungen Künstlerin führt\ndie Biographie eine „Cordelia\", Musik von Conradin\nKreutzer, an, die seitdem ganz verschollen ist, in Bezug\nauf ihre eigentümliche Form aber Dichtern und Compo-\nnisten zu denken geben kann.\n„Am 6. März 1823\" —heisst es S. 68 ff.— „gab sie\nin Wien Conradin Kreutzer's Cordelia, eine würdige Com-\nposition, welche einer Sängerin, die zugleich auch im emi-\nnenten Sinne Schauspielerin war, viele herrliche Momente\ndarbieten musste. Nach K iessl ing's sorgfältig zusammen-\ngestellten Notizen ist das Libretto zu dieser Oper folgen-\nder Maassen entstanden : Eine wahre Begebenheit des Jah-\nres 1814, welche das „ „Morgenblatt\"\" mitgetheilt hatte,\nbearbeitete Pius Alexander Wolff auf den Wunsch der\nMilder zu einem lyrischen Monodram mit Chören nach\ndem Vorgange älterer, für die Marchetti, Schick und An-\ndere geschriebener Soloscenen, wie z. B. Hero, Suimalle\nu. s. w. Nur diese äussere Veranlassung bewog den geist-\nvollen Bühnenkenner zur Wahl dieses widerstrebenden\nStoffes, der zuerst unter dem Titel „ „Adele von Boudoy\"\"\n1823 gedruckt erschien. In Wien wurde das Stück mit\nverschiedenen Abkürzungen und unter Aenderung des Na-\nmens der Heldin in Cordelia zum ersten Male vor ein grös-\nseres Publicum gebracht, nachdem es Kreutzer schon 1819\nzu Donaueschingen componirt hatte. Seine Musik ist zwar\nsehr schwierig, jedoch trefflich instrumentirt und meist\ncbaraktergemäss. Die Darstellung selbst war durch das\nausgezeichnete Spiel und den schönen Gesang der Schrö-\nder eine der ergreifendsten und erschütterndsten. Wenige\nSängerinnen dürften je existirt haben, welche der darin\ngestellten Aufgabe hätten Genüge leisten können. „„Es\ngilt\"\", so sprach sich Theodor Hell (Hofrath Winkler)\nspäter in der dresdener Abendzeitung (Jahrgang 18*23,\nNr. 167 und 168) darüber aus, -„„in den heftigsten Ge-\nmütsbewegungen die Stufenleiter jeder Art der Erschüt-\nterung von Geist und Herz im beginnenden, intermittiren-\nden, wiederkehrenden und zur Raserei übergehenden\nWahnsinn eine ganze Stunde lang ohne Unterbrechung,\noder wenigstens nur mit ganz kurzer, auf der Bühne zu\nsingen und darzustellen. Dazu gehört auf der einen Seite\ndie grösste Kraft und Ausdauer der Stimme bei aller Mo-\ndulation und Schmiegsamkeit derselben, und auf der an-\nderen eine Kunstfertigkeit der Action, welche die Gesangs-\nkünstlerin wieder in die Beihe vorzüglicher tragischer Vir-\ntuosen stellt. Mademoiselle Schröder löste diese schwere\nAufgabe mit einer Virtuosität, welche alle Sonderbarkeiten\ndes Ganzen vergessen liess und die Gemüther auf das in-\nnigste ergriff. Schon ihr Auftreten, wenn sie im Gefühle\nder tiefsten Zerrissenheit die Felsen herabschwankte, war\nganz der Natur abgelauscht und rührte tief und wehmü-\nthig, ohne doch störend zu verletzen, wie es die Darstellung\ndes Wahnsinns wohl auch thut. Mit welcher Erhebung,\ndie doch stets den Stempel des vorwaltenden Irrsinns trug,\nsang sie die WTorte: Zurück, Banditen, Keiner folge! und\nwie ganz in Muttergefühlen aufgelöst wiegte sie dann das\nKind, welches sie das ihrige wähnt, in dem schönen Ge-\nsänge: Schlafe, schlafe, liebes Kind! in den Schlummer\nein. So wahr, als es nur die allerdings nicht glücklich her-\nbeigeführte Situation erlaubte, kehrte sie dann zu einem\nAu genblicke der Besinnung zurück und sang in dieser\nHaltung, die jedoch in einem künstlerischen Schwanken\njeden Augenblick fürchten lässt, der vorige Zustand möge\nwieder eintreten, die lange Bomanze, welche die Geschichte\nihrer Liebe und ihrer Leiden enthält; und vor Allem treff-\nlich war am Schlüsse das allmähliche Zurückkehren zum\nWahnsinn bei dem Gedanken an die Schauder der Bandi-\ntenhöhle, bis die mit meisterhafter Action und sprechen-\ndem Blick begleitete Stelle: Ich vergoss des Bäubersßlut!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5331, "texte": "den ganzen alten Jammer wieder über sie hereinbrechen\nlässt. Nun geht sie von einer Stufe der Wildheit zur an-\nderen fort und malt jede mit immer neuen Farben in er-\ngreifender Kunsthöhe, wobei besonders der Ton, womit\nsie die Stelle, wenn sie drei Mal den Hirten zuruft: Ich\nwarne Euch! sprach, tief in Mark und Bein drang. Dabei\nschufen Augen und Körperbewegung ein Bild, das zu den\nvollendetsten in dieser Gattung gehörte. Endlich schliesst\neine neue Flucht in die Felsen und der Sturz von diesen\nin den Abgrund das Ganze.\"\"\nDoch wir können den Biographen nicht länger auf der\nanziehend geschilderten Bahn seiner Heldin bis- zur Zeit\nihrer höchsten Blüthe begleiten, und beeilen uns nur noch,\nHerrn von Wolzogen das Zeugniss zu geben, dass er mit\ngrosser Unparteilichkeit auch für Leben, Charakter und\nGesittung der genialen Künstlerin die Wahrheit obenan\nstellt. Den Einlluss dieses Charakters auf ihre künstleri-\nschen Darstellungen bezeichnen nach unserer Ueberzeu-\ngung, die wir die Schröder-Devrient erst in der letzten\nHallte ihrer Laufbahn auf der Bühne gesehen haben, die\nfolgenden Worte (S. 88, 89) vollkommen richtig. Nach-\ndem von ihrer Heirath mit Karl Devrient (im Jahre\n1823) die Rede gewesen, heisst es weiterhin:\n„Das Jahr 1828 ist noch durch ein Ereigniss ihres\nbürgerlichen Lebens denkwürdig für die Geschichte der\nKünstlerin. Nicht lange sollte die jugendliche Naivetät und\nliebenswürdige Heiterkeit, womit sie als Jungfrau und\njunge Frau Alles um sich her spielend bezaubert hatte,\nihr glückliches Erbtheil bleiben. Die fröhlichen Flitter-\nwochen des ersten Ehestandes rauschten rasch an ihr vor-\nüber, und die durch die ungetrübte Lust derselhen ver-\nheissene Idylle konnte keinen Bestand haben, denn Karl\nDevrient war trotz der allgemeinen Achtung, die er ge-\nnoss, und trotz seines gesetzten Benehmens wohl nicht der\nMann, einer Frau von ihrem Temperament zu imponiren\nund so gleichsam ihre zweite Erziehung zu leiten, ihre zü-\ngellose Leidenschaftlichkeit zu mildern und ihr ganzes\nWesen zu läutern. Misshelligkeiten der schlimmsten Art\nuntergruben bald den häuslichen Frieden und führten all-\nmählich zu einem gänzlichen Bruche unter den Eheleuten.\nFür Wilhelmine wurde diese harte Erfahrung das Motiv\nzur frühzeitigen Entwicklung jener dämonischen Züge ihres\nWesens, ohne welche sie freilich nie die so vielseitig gross-\nartige Künstlerin hätte werden können, denen jedoch ihr\ninnerstes Lebensglück zum Opfer fiel, weil sie bei aller an-\ngeborenen Begeisterung für das Edle, Schöne und Wahre\ndoch aus sich selbst ihre schlimmsten Feinde, Leidenschaft\nund Sinnlichkeit, zu bekämpfen nicht die sittliche Kraft\nhatte. Zwar blieb ihr in Folge der ausnehmenden Elasti-\ncität ihres Geistes und bei ihrer hervorragenden Begabung\nfür das dramatische Individualismen auch lange Zeit nach-\nher noch die Fähigkeit, mit den einfach rührenden und\nnaiven Rollen ihres ersten Repertoires mächtige Erfolge zu\nerzielen, und sie hat als Emmeline, Pamina und Agathe\nselbst dann noch Alles hingerissen, als sie bereits hoch in\nden Dreissigern stand; allein dessen ungeachtet wurde doch\nmit der Zeit die Darstellung der äussersten Gipfel der Lei-\ndenschaft, ihrem inneren Seelenzustande entsprechend, im-\nmer mehr der eigentliche Tummelplatz ihres künstlerischen\nSchaffens. Alle und jede ihrer Partieen auf dieses Gebiet\nzu lenken, war sie später stets bestrebt, und aus diesem\nBestreben musste endlich sogar eine gewisse Manier her-\nvorgehen, welche dem früheren Stile ihrer Schöpfungen,\nder auf einer wahrhaft grossartigen Unmittelbarkeit der\nAuffassung beruhte, offenbar Eintrag that»\"\nWenn aber Herr von Wolzogen einige Seiten weiter\neine sittliche Parallele zwischen der Devrient und Jenny\nLind zu Gunsten der Letzteren zieht, die das reinste Leben\nmit der höchsten Kunst vereinigte, und dann fortfährt:\n„aber der Zauber ihrer (der Lind) Kunst lag eben auch\nin der Darstellung der echten, reinsten und zartesten Jung-\nfräulichkeit, während die Devrient durch ihre Natur not-\nwendiger Weise zu der diametral entgegengesetzten Auf-\ngabe, zur Schilderung der von Leidenschaften zerrissenen\nMenschenseele, des Weibes in seiner Entfesselung und Los-\nlösung von Zucht und Sitte, sich hingedrängt fühlen\nmusste\" so begegnet ihm hier, was so vielen musicali-\nschen Kritikern namentlich auch bei Beethoven vorzuwer-\nfen ist, nämlich dass sie aus einem hervorstechenden Zuge\noder selbst aus dem vorherrschenden Wesen des Charak-\nters eines Künstlers den Charakter seiner künstlerischen\nErzeugnisse herleiten oder erklären wollen und dabei,\nwas vielleicht auf zwei oder drei oder auch mehrere Fälle\npasst, auf alle anwenden, wobei sie vergessen, an die\nHaupt-Eigenschaft des poetischen Genie's, an die Objecli-\nvirung, zu denken. Wie Beethoven's sanfte, liebliche, freu-\ndige, selige, dann wieder neckische, heitere, scherzende\nMoti ve und ganze Stücke nicht das Geringste mit „innerer\nZerrissenheit, Weltschmerz, Verzweiflung wegen Taub-\nheit\" u. s. w. zu thun haben, so hatten auch die Darstel-\nlungen der Emmeline, Agathe, Euryanthe, Leonore-Fi-\ndelio, Iphigenie, Alice, Amina, Desdemona, Elisabeth im\nTannhäuser u. s. w. nichts mit der dämonischen Natur\neines von Sitte entfesselten Weibes gemein, sondern flössen\ngerade aus dem. Gegensatze einer solchen Natur, in wel-\nchen sich das Genie der Künstlerin zu versetzen wusste."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-03-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "75", "page_fin": "77", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.2.3", "titre_corps": "Aus Regensburg.", "titre_sommaire": "Aus Regensburg.", "signature_source": "D. 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Leider war\ndas Streich-Quartett viel zu schwach besetzt, als dass nicht\nbei der Masse Blech, die bisweilen aufgehäuft ist, eine sehr\nfühlbare Lücke entstanden wäre. Es ist das überhaupt die\nschwache Seite unseres Orchesters, und wäre es desswegen\nsehr zu wünschen, dass von städtischer Seite nach dieser\nRichtung hin eine Vermehrung erzielt würde. Drei bis vier\nerste und eben so viele zweite Geigen und dazu noch Di-\nlettanten, die vom Besuche der Proben bekanntlich nicht\nviel wissen wollen, sind wahrlich viel zu wenig gegen vier\nContrabässe und Celli mitsammt den zahlreichen Bläsern.\nDass damit den Violinisten des Orchesters kein Vorwurf\nerwachsen soll, ist selbstverständlich; sie leisten im Gegen-\ntheil alles Mögliche. Der achtstimmige Männergesang: „Ge-\nsang der Geister über den Wassern\", von Er. Schubert\nkam leider nicht zur gehörigen Geltung, sei es aus wel-\ncher Ursache immer. Die scharfen Detonirungen, die\nSchwankungen des Tempo's, die Ungleichartigkeit des Vor-\ntrags, das ungemässigte Eorte und Piano, die Undeutiich-\nkeit der Declamation liessen es unschwer erkennen, dass\nviele Mitwirkende nur einzelnen Proben oder gar nur Thei-\nlen derselben beigewohnt hatten. Aber auch abgesehen\ndavon hätte bei der sehr ungenügenden Begleitung der\nStreich-Instrumente kein viel besseres Resultat erzielt wer-\nden können. Das Es-dur-Concert von Beethoven war eine\nschwache Leistung. Zu wünschen ist, dass die Beethoven'-\nschen Tempi nicht verwechselt würden mit den vagen Zeit-\nbestimmungen der Neuzeit. Auch darf sich in einem Beet-\nhoven'schen Concerte das Virtuosenthum nicht allein gel-\ntend machen wollen. Die letzte Nummer des Programms\nwar eine Fest-Ouverture von dem hiesigen Theater-Capell-\nmeister Zwicker, welche sehr effectvoll wirkte. Die Com-\nposition ist breit angelegt und weit ausgeführt. Nach einer\nmelodiösen, zwar einfachen, aber spannend geschriebenen\nEinleitung folgt ein frischer, höchst lebendiger Satz, der\nsich aus drei Haupt-Motiven erbaut, welche das Eigene\nhaben, das sie sich eines aus dem anderen entwickeln. Man\nkönnte glauben, dass das monoton wirke; es ist aber die\nAnordnung so gut getroffen, die Steigerung so weise an-\ngebracht, durch die Vertheilung der Motive an die ver-\nschiedenen Instrumente ein so reicher Wechsel, ein so fri-\nsches Colorit erzielt, dass der Hörer in unablässiger Span-\nnung erhalten wird. Vorzuglich ist ein (ugirter Mittelsatz\neine Perle instrumentaler Tondichtung. Soll ich auch etwas\ntadeln, so ist es der etwas zu rasche Uebergang in die Do-\nminante, der öftere Abschluss in vollständiger Cadenz, das\nhäufige Verstummen des Orchesters da, wo das Motiv in\neinem vereinzelten Instrumente auftritt; dies klingt etwas\naphoristisch und leer. Ich habe mich etwas länger bei die-\nser wahrhaft festlich wirkenden Composition aufgehalten,\nweil ich es für die Pflicht der Kritik erachte, neueren Schö-\npfungen Bahn zu brechen, wenn ihr Werth es verdient.\nVon diesem Standpunkte aus befürworte ich auch gern die\nAufführung solcher Compositionen; woher sollten auch\nsonst die jüngeren Tonsetzer Lust und Liebe zum Schallen\ngewinnen, wie sich bilden, wenn sie sich nicht hören\nkönnen! —\nAuf den Cäcilien-Tag hatte in der Stiftskirche zur al-\nten Capelle die alljährliche Hochmesse Statt; während der-\nselben wurde eine doppelchörige Messe von Palestrina ge-\nsungen. Bezüglich des Vortrages dieser Hochblüthen des\no O o\nkirchlichen Gesanges besteht in dieser Kirche eine eigene\nTradition, welche bis zur Stunde gewissenhaft beibehalten\nwird. Es muss damit wenigstens annähernd das Rechte ge-\ntroffen sein, denn seit Jahren sammelten sich Männer, die\nvon hier aus gleichsam aus der unverfälschten Quelle sich\nBelehrung holten. Aus Brüssel, selbst aus Paris und vielen\nanderen Städten kamen Künstler zugereist, die bei dem\nverstorbenen Canonicus Proske und bei Mettenleiter sich\nAufschlüsse holten. Es muss sonach doch etwas Lebens-\nkräftiges in diesen mittelalterlichen Kirchen-Compositionen\nsein, sonst wären sie, wie eine Modesache, längst ver-\nschwunden und verschollen. — Hier sei auch gleich die\nAufführung des Requiem von Asola gelegentlich des Trauer-\nGottesdienstes für den Regierungs-Präsidenten Freiherrn\nv. Künsberg in St. Emmeran, so wie des\ncantu Gregorianomit vier Posaunen, harmonisirt nach dem\nEnchiridion choralevon Metlenleiter, erwähnt. Ob auch\nallerdings das Publicum mit der ausschliesslichen Herein-\nziehung der mittelalterlichen Kirchen-Compositionen nicht\neinverstanden sein will, so war doch von der letzteren Piece\nAlles aufs tiefste ergriffen und gewaltig erschüttert — ein\nBeweis, dass diese urkräftigen heiligen Melodieen trotz\nihrer Einfachheit und gänzlichen Abweichung von der mo-\ndernen Weise doch Lebenskraft in sich bergen.\nAm Cäcilien-Abende gab der hiesige vortreffliche Con-\ncertmeister Beer eine Soiree in welcher das Trio\nOp. 9 Nr. 3 von Beethoven, das Adagio aus einem Cla-\n\nt*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5529, "texte": "vier-Trio von Spohr, zwei Arien aus „Faust\" von demsel-\nben vorgetragen wurden. Leider fand sich das Publicum\nnur spärlich ein; es ist sein Geschmack verderbt, hier wie\nanderwärts; dasselbe muss leider auch von der Soiree un-\nseres tüchtigen Violinisten Glück, eines Schülers von Lau-\nterbach, gesagt werden, in der das Trio Op. 9 Nr. 1, die\nRomance in G von Beethoven, das Quatuor in Es von\nMozart und durch Fräulein Böttger eine Scene und Arie\naus Gluck s Orpheus zu gelungener Aufführung kamen.\nBei dieser Sachlage war es gleichwohl zu verwundern,\ndass das grosse Vocal- und Instrumental-Concert, welches\nder hiesige Orchester-Verein ain heiligen Weihnachtstage\ngab, nicht nur zu Stande kam, sondern sogar eines fleissi-\ngen Besuches sich erfreute. Freilich waren die Piecen vor-\ntrefflich ausgewählt (Nachklänge von Ossian, Schlacht-Sin-\nfonie von Beethoven, Violoncelle-Concert von Romberg,\nMilitär-Concert für Violine von Lipinsky), diese zwei letz-\nteren von den Herren Pfeifer und Glück gut durchge-\nführt. Aber die Hauptzugkraft dürfte bei alle dem doch\nder wohlthätige Zweck, der mit dem Concerte erreicht\nwerden sollte, ausgeübt haben, die HerbeischafFung eines\nFonds zur Unterstützung kranker, unfähig gewordener Or-\nchester-Mitglieder. Um aber auf die einzelnen Piecen zu-\nrückzukommen, so bewies sich Capellmeister Zwicker durch\ndie wahrhaft geistvolle Wiedergabe der Ossians-Ouverture\nauch als eine echt poetische Natur. Ich betone das um so\nstärker, da mir dies zur Ueberzeugung wurde, nachdem\nich die zarten, duftenden Lieder, ein sinniges Duo für Cia-\nvier und Violine neben mehreren reizenden Kleinigkeiten,\neine originel gedachte Missa für Männerchor, eine mit\ncontrapunktischer Vollendung gearbeitete Sinfonie, vorweg\naber seine Zwischenmusik zu Grillparzer's „Ein Traum\nein Leben\" kennen gelernt und geprüft hatte. Da diese\nletztere Composition (in sechs Piecen bestehend) demnächst\nüber die hiesige Bühne geht, so werden die Kenner und\nHörer Gelegenheit haben, mein hier ausgesprochenes Ur-\ntheil zu prüfen. Ich bemerke nur noch, dass Meister ersten\nRanges aus unseren Tagen die Composition für gleich ge-\nlungen erklärten. Bezüglich der Schlacht-Sinfonie Beetho-\nven's thut es mir leid, constatiren zu müssen, dass sie trotz\nder vorzüglichen Vorführung doch keinen Erfolg erzielte.\nDie Schuld lag in den Verhältnissen des Locals, die ein\nGegenüber der beiden Heeresmächte unmöglich machten.\nHier zeigte sich recht schlagend die Nothwendigkeit eines\nkünstlerisch angelegten Orchester-Podiums; vielleicht dür-\nfen wir nach dieser gänzlichen Niederlage bezüglich der\nmusicalischen Wirkung des Concertsaales nun nicht länger\ndaraul warten. Die beiden Concert-Vorträge waren unvoll-\nendet, um nicht schülerhaft zu sagen. Wie gut wäre es\ndoch, wenn die jungen Musiker nur Solches wählten, was\nsie ganz bewältigen können; so aber schaden sie durch die\nWahl von Stücken, die weit ihre Kräfte überragen, nicht\nnur sich selbst, sondern verletzen auch noch das Publicum,\ndas denn doch etwas Gutes zu erwarten berechtigt ist; die\nleidige Sucht, als Virtuose gelten zu wollen, hat schon man-\nches Talent im Keime erstickt.\nUnd nun zur hiesigen Oper. Das Repertoire derselben\nwar bis jetzt: Hugenotten 2 Mal, Robert, Freischütz 2\nMal, Zauberllöte 2 Mal, Faust von Gounod, Jüdin von\nHalevy 2 Mal, Lucrezia, Romeo und Julie 2 Mal, Czaar\nund Zimmermann, Joseph und seine Brüder, Don Juan,\nMartha, Teil 2 Mal. Nach diesen mehr oder minder gelun-\ngenen Aufführungen erschien über den Don Juan eine\nKritik, die, musicalisch genommen, nicht das Geringste\ndem Sachverständigen als Anhalt bot, dagegen überspru-\ndelte an persönlichen Mäkeleien. Die Spitze all des Mäkeins,\ndas seitdem in der Tagespresse zum Ekel der Gebildeten\nnoch fortdauert, wird am Ende doch durch die Thatsache\nabgebrochen, dass eben an der hiesigen Bühne, als einer\nProvincial-Bühne, ein Wechsel des Personals mit allen sei-\nnen Unliebsamkeiten nur schwer zu umgehen ist, und dass\njunge Kräfte hier ihre Schwingen zuerst zu entfalten su-\nchen. Ich verkenne nicht, dass die Oper Manches zu wün-\nschen übrig lässt, aber ich erkenne eben so gern an, dass\nsie trotz aller Mängel, die bei gutem Willen der Direction\nnie ganz gehoben werden können, denn doch wohl die\nbeste in Baiern ausser München ist. Wir besitzen an Herrn\nErber einen recht guten Tenor, an Herrn Grünewald\neinen eben so guten Bariton; nur Uebelwollende könnten\nüber einzelnen Schwächen das Ausgezeichnete dieser bei-\nden Künstler verläugnen. Herr Frankelist als zweiter\nTenor allerdings ein Anfänger, aber das Publicum hat sei-\nnem so lleissigen Studium und seiner schönen Stimme stets\nAnerkennung gezollt, wenn auch die Routine des Spiels\nnoch fehlt. Herr Koch ärntete als Marceil, als Bertram,\nals Cardinal in der Jüdin stets Beifall, wenn er ihm auch\nsonst spärlicher zu Theil wird. Unter den Damen ragen\nFräulein Brückner und Fräulein Böttger verdienter\nWeise hervor. Dazu trat in jüngster Zeit noch Frau Viala\nMittermayer auf, eine Künstlerin im echten Sinne des\nWortes, wenn auch mit schon belegter Stimme.\nDie interessanteste Novität auf unserer Bühne war\n„Der Traum ein Leben\" von Grillparzer, mit der Zwi-\nschenmusik vom hiesigen Theater-Capellmeister Herrn\nZwicker. Das Ganze besteht in sechs Nummern: aus\nOuvertüre, Zwischenacte, Traum und Verwandlungs-Mu-\nsik. Die Ouvertüre ist ein Prolog, der in Tönen das bilder-\nreiche Märchen wiederspiegelt, welches der Dichter uns\nvor Augen zaubert. Die Traummusik besteht aus einem\nLiede mit Harfen-Begleitung und aus einem für zwei obli-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1115, "texte": "gate Celli, 2 Violinen geschriebenen und von den übrigen\nInstrumenten begleiteten Instrumentalsalze. Der Krieger-\nmarsch reiht sich durch die Frische der Gedanken, durch\ndie kunstvolle Verwerthung der Motive, durch die originale\nInstrumentalform dem Besten in dieser Gattung an. Der\nVerwandlungsmusik liegt eine eigentümliche, sehr an-\nsprechende Melodie zu Grunde.\nIch schliesse mit der kurzen Erwähnung des hiesigen\nOratorien-Kränzchens. Seine Absicht ist, hervorra-\ngende Compositionen ernsterer Gattung unter Ciavier-\nbegleitung zu Gehör zu bringen. Von den bisherigen Pro-\nductionen ist Athalia von Mendelssohn, Die letzten\nStunden des Heilandes von Drobisch, Das jüngste Ge-\nricht von Spohr besonders zu nennen. Jüngst wurden\nTheile aus „Maria, die Mutter des Herrn\", Oratorium von\nKempten, gesungen. Das Gehörte machte unverkennba-\nren Eindruck und erweckte den Wunsch, das ganze Werk\neinmal zu hören. Gegenwärtig ist unter Anderem „Gesang\nder Heloise am Grabe Abälard's\" von F. Hiller in Vor-\nbereitung, so wie eine doppelchörige Motette für zwei Ge-\nsangchöre vom hiesigen Capellmeister Zwicker.\n\nDr. D. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-03-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "78", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.5", "debut_caractere": 1117, "fin_caractere_exclue": 5198, "texte": "Aus Bremen.\n(H i 11 er 1 s Katakomben.)\nDen 2. März 1863.\nAm 19. Februar fand die erste Aufführung von H i 1 -\nler's „Katakomben\" unter Leitung des Componisten\nselbst Statt. Sie darf als ein „Ereigniss\" in unserer Opern-\nSaison bezeichnet werden. Das Haus war glänzend gefüllt\nund bot einen prachtvollen Anblick dar; kunstverständige\nGäste aus der Ferne, Joachim, die Caggiatis aus Hannover,\nDietrich aus Oldenburg u. s. w., eigens zu der Vorstellung\nherübergekommen, vermehrten die Zahl der Zuschauer.\nBeschränken wir uns zunächst auf die Constatirung des\näusseren Erfolges und des Antheils, den unsere Sänger an\ndemselben gehabt haben. Was jenen betrifft, so hat er den\nErwartungen vollkommen Recht gegeben und wird dem\nTondichter selbst ein so wohlthuender wie ihn ehrender\ngewesen sein. Herr Capellmeister Hiller wurde nach jedem\nActe durch lebhafte Acclamationen gefeiert, denen er nach\ndem zweiten und dritten Acte von der Bühne aus, geführt\nvon den Darstellern der Hauptrollen, entsprach; und was\nunsere Sänger betrifft, so verdienen sie sämmtlich die An-\nerkennung, die ihnen von dem Publicum und zweifelsohne\nauch von dem Componisten in reichlichem Maasse zu Theil\ngeworden ist. Den Mittelpunkt der Oper, die Kerngestalt\nderselben, bildet bekanntlich der Sclave-Priester Lucius.\nHerr Wild hat sich mit dieser schweren Aufgabe glück-\nO O\nlieber abgefunden, als er vielleicht selbst vermuthet hat;\ner ward sieht- und hörbar von dem geistigen Gehalt der\nRolle, die ihm in mancher Hinsicht sonst ferner liegt als\nandere, mit emporgehoben; seine Leistung war eine höchst\nanerkennenswerthe. Eine der schwierigsten und im vulgä-\nren Sinne undankbarsten Aufgaben, welche je ein musica-\nlisches Drama zu lösen gegeben hat, ist die der Römerin\nLavmia. Aus diesem ausgebrannten, gottverlassenen Her-\nzen, in dem nur ein glühender, unheimlicher Sehnsuchts-\ndrang zurückgeblieben, der nicht erfüllt werden kann\ndas Sinnbild der heidnischen Roma, der die alten Götter\nverloren gegangen —, darf dem Zuhörer kaum ein sympa-\nthischer Laut entgegentönen, und die ganze Scala von Lei-\ndenschaften, der diese Brust fähig ist, von apathischer Yer-\nsunkenheit anhebend, durch Liebe, Zorn, Rache bis zur\nVerzweiflung und Selbstvernichtung sich steigernd, muss\nohne den wohlthuenden Zauber einer anheimelnden Melo-\ndie abklingen. Das ist eine Resignation, doppelt schwer\nfür eine Sängerin, die, wie Frau Haase-Capitain, in\ndem reizvoll seelenhaften Vortrage der Melodie einen Haupt-\nhebel ihrer Wirkung besitzt. Aber Frau Haase-Capitain\nist nicht allein Sängerin, sie ist auch eine dramatische Dar-\nstellerin ersten Ranges, und von dieser Seite aus hat sie\ndenn das hochbedeutende dramatische Gebilde in einer\nPrägnanz hingestellt, die vielleicht den Tonsetzer selbst\nüberrascht hat, und die musicalisch schwierige Rolle zu\neiner ihrer hervorragendsten und in so fern dankbarsten\nunter ihren Leistungen gemacht. Es war eine nach allen\nRichtungen hin in plastischer Haltung, Spiel und Gesang\ngleich vollendete Meister-Darstellung. Dass Herr Behr\ndem Claudius die vollkommenste Ausprägung geben würde,\nverstand sich von selbst. Am wenigsten schwierig und mu-\nsicalisch am dankbarsten ist die Partie der Klytia. Ihrer\nInhaberin, Fräulein Deinet, die aus Wiesbaden zu uns\ngekommen, wird die Oper nicht unbekannt gewesen sein,\nda sie dort bereits zur Aufführung gekommen ist; indess\nselbst wenn sie schon früher der Rolle einiges Studium\ngewidmet hat, bleibt die Raschheit;, mit welcher sie sich\nim Verlauf weniger Tage darin festzusetzen gewusst hat,\ndoch höchst bemerkenswerth; man hörte es ihrer sehr lo-\nbenswürdigen Leistung nicht an, dass sie eine stellvertre-\ntende war. Auch die beiden Rollen des Cornelius und des\nTimotheus wurden durch die Herren Stägemann und\nLenz durchaus befriedigend gegeben, wie denn die ganze\nOper für eine erste Aufführung wohl abgerundet von\nStatten ging. Von ihren reichen Schönheiten schlugen z. B.\ndie schönen Duette zwischen Lucius und Klytia, die gros-\nsen Scenen der Lavinia, der prächtige Schluss-Chor des\nzweiten Actes, die grosse Scene des Lucius im dritten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4702, "texte": "Acte, das Finale des ersten Actes mit seinem Sextett und\nChor sogleich durch.\nHerr Capellmeister Hiller dirigirte auch die zweite\nAufführung seiner „Katakomben\". Die Oper erfreute sich\nhei ihrer Wiederholung in dem gleich vollen Hause der\ngleichen lebhaften Theilnahme, wie das erste Mal, und das\nPublicum zeigte sich wieder in jeder Weise bemüht, dem\ngefeierten Componisten Beweise seiner Hochachtung zu\ngeben. Herr Hiller wurde bei seinem Erscheinen am Di-\nrigenten-Pulte, auf dem er einen goldumwundenen Lorber-\nkranz fand, von dem Orchester mit einer Fanfare empfan-\ngen, in die der ganze Saal einstimmte, und nach jedem\nActe durch den lebhaftesten Hervorruf geehrt. Bei der\ndritten Aufführung der Oper übernahm Herr Capellmei-\nster Hentschel wieder den Dirigentenstab.\nWas wir nach einer flüchtigen Kenntnissnahme von\nText und Composition versichern zu können glaubten, hat\nnach den folgenden Aufführungen, bei denen man sich\nfreier der Wirkung der Tondichtung in ihrer Gesammtheit\nüberlassen konnte, die vollständigste Ratification erhalten.\nEs liegt uns in diesem gediegenen Werke in der That eine\nder bedeutendsten Bereicherungen unseres deutschen\nOpern-Repertoires vor, eine Oper, in welcher die grossen\nGegensätze (des Römischen und Christlichen) von dem\nComponisten vortrefflich aus einander gelegt, das Pathos\nder einzelnen Gestalten charakteristisch ausgeprägt, die\nGränzen der dramatischen Musik gegen das hier besonders\nnaheliegende Gebiet der geistlichen und Oratorien-Musik\nauf das beste gewahrt sind, und dies alles, ohne dass der\nMusik Gewalt angethan, ohne dass sie genöthigt worden\nist, von der ersten Stelle herabzusteigen, die sie in der ly-\nrisch-dramatischen Constitution, welche wir Oper nennen,\neinnehmen muss, wenn das Werk überhaupt eine Oper\nheissen will. Die Hiller'sche Oper ist vor Allem und in er-\nster Instanz Musik, und zwar nicht allein von vortrefflicher\nFactur, wie sie sich bei einem so bewährten Meister von\nselbst versteht, sondern auch von einer reichen und reich-\ngegliederten Melodik, allerdings aber einer weitathmigen,\nzu einem grösseren Ganzen abgerundeten, die nicht so leicht\nfasslich ist, wie jene Ketten locker an einander gereihter\nkurzen und durch Wiederholungen dem Hörer eingänglich\ngemachten melodischen Sätze. Auf Einzelnes haben wir\nschon oben aufmerksam gemacht; aber unterlassen dürfen\nwir nicht, die Schönheiten des dritten Actes, die wohl die\nmeisten Zuhörer erst bei der zweiten Aufführung ganz\ngewürdigt haben, herauszuheben. Die grosse Scene des\nLucius und das darauf folgende Duett—Verklärungs-Duett\nmöchte man es nennen sind zwei Edelsteine vom rein-\nsten Wasser. Auch die Instrumentation der Oper ist eine\nmeisterliche, reich an ergänzenden Tonmalereien, ohne\naufdringlich zu sein; wenn sie an einigen wenigen Stellen\ndie Stimmen überdeckte, so mochte das eher an den Stim-\nmen als an ihr liegen.\nOhne Frage ist Herr Hiller auch dem Dichter vielen\nDank schuldig. Jene beiden grossen Gruppen bieten sich\nwie von selbst der musicalischen Charakteristik dar; durch\ndas Vorwiegen des recitativisch-melischen Elements in der\neinen, des melodisch-harmonischen in der anderen waren\nsie vorweg leicht zu sondern. Figuren von so titanenhaf-\nter, vulcanischer Grandiosität, wie die der Lavinia, von so\nreiner, weihevoller Grösse, wie die des Priesters, und von\nder Lieblichkeit der christlich-verklärten griechischen Sän-\ngerin müssen jedem geistvollen Tonsetzer willkommene Vor-\nwürfe sein. Dazu ist in dem Hartmann'schen Texte jede\nrecitativische Breitspurigkeit aufs glücklichste vermieden.\nDie Oper hat hier auch bei den Wiederholungen eine\ngute Darstellung erhalten: Sänger, Orchester, Chöre ha-\nben nach den anerkennenden Aeusserungen des Herrn\nHiller sämmtlich dazu mitgewirkt. Iftdess lassen ziemlich\nalle Partieen, selbst die der Frau Haase-Capitain, so mu-\nstergültig sie auch durchgeführt wurde, durch noch ent-\nsprechendere Individualitäten eine noch vollendetere Re-\npräsentation zu, und es werden sich natürlich manche\nBühnen finden, die bei einer gleich guten Vertretung der\nEinzel-Partieen wenigstens durch reichere scenische und\nchorale Mittel die unserige zu überbieten vermögen. Na-\nmentlich durch eine Verstärkung der Chöre, vorausgesetzt,\ndass sie so tactfest wie die unsrigen sind, würde die Oper\nnoch um ein Bedeutendes gewinnen. Sollten wir am\nSchlüsse mit kurzem Worte ihr noch ihre Stellung unter\nden älteren und neueren deutschen Opern anzuweisen ver-\nsuchen, so möchten wir sie am liebsten—der Unterschied\nder Zeiten natürlich berücksichtigt - mit der Gluck'schen\nMusik in geistige Affinität setzen; sie hat jedenfalls eine\nandere Genesis, als die „Zukunfts-Oper\", und mit dieser\nnur äusserliche Analogieen. (W.-Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-03-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "79", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien", "titre_sommaire": "Aus Wien", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.6", "debut_caractere": 4704, "fin_caractere_exclue": 5221, "texte": "Aus Wien\n*).\n(Die Preis-Sinfonieen.)\nAm 22. Februar hat die langerwartete Aufführung\nder unter dem Schutze der Gesellschaft der Musikfreunde\nentstandenen Preis-Sinfonieen endlich Statt gefunden\nlange erwartet freilich nur von den Wenigen, welche über-\nhaupt für neue Tonwerke einiges Interesse hegen und de-\nnen eine „Preis-Ausschreibung\" dieses Interesse nicht von\nvorn herein verleidet. Wenige waren es in der That, die\nsich aus freiem Antriebe am vorigen Sonntage in den Ge-\n\n*) Aus Nr. 9 der wiener „Recensionen\"."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3371, "texte": "sellschaltssaal begeben hatten: die Mehrzahl folgte dem\nernsten Rufe der Referentenpflicht oder der eiteln Lockung\neiner Freikarte.\nDie Sinfonie in G-mollvon Albert Recker in Her-\nlin (der Name wurde am Schlüsse bekannt gegeben) ist\nein recht schönes, stimmungsvolles Tonstück, welches unse-\nres Erachtens mehrseitig mit übergrosser Strenge beurtheilt\nworden ist. Keineswegs von epochemachender Genialität\n(hatte man etwa diese erwartet?) und in Erfmdungs- wie in\nWirkungskraft mit jedem Satze einiger Maassen abneh-\nmend, vereint die Recker'sche Arbeit doch eine Reihe von\nVorzügen, welche die ihr von den Preisrichtern (Hiller,\nReinecke, V. Lachner, Ambros und Volkmann)\nzuerkannte Ehre gerechtfertigt erscheinen lassen. Der erste\nSatz namentlich ist sehr lebendig stimmungsvoll, sehr lo-\ngisch gegliedert, erfindungs- und effectreich und wirkt\nwohlthuend durch Klarheit des Ausdrucks wie durch knap-\npes Zusammenhalten der Form. Der Componist versteht\nes, anzufangen und zu schliessen, letzteres namentlich ein\nbei der jüngeren Generation gar seltener Vorzug. Zeigen\nsich diese guten Eigenschaften in den übrigen Sätzen auch\nin geringerem Grade, so verschwinden sie doch nirgends\nganz, sondern erhalten den Zuhörer vielmehr bis zum\nSchlüsse in der Stimmung, mit der man ein tüchtig ge-\nschultes, guten Mustern glücklich nachstrebendes Talent\nzu verfolgen liebt.\nGanz anders stellt sich uns die Sinfonie in von\nJoachim Raff entgegen. Mit einem Programm, in wel-\nchem deutsche Einigkeit und deutsche Zerfahrenheit um\nden Preis ringen, musicalisch anspruchsvoll geschrieben,\nwie man sich nur etwa eine Mischung von Liszt und Wag-\nner denken mag, in anderthalbstündiger Dauer alle Hülfs-\nmittel einer überkünstelten Orchestration aufbietend\ngenügt diese Composition doch gerade den allereinfachsten\nAnforderungen, die man an gute Musik zu machen hat,\nin sehr geringem Maasse. An eflectvollen Einzelzügen ist\nsie nicht arm, einiger überraschender Wendungen, neben\nvielen forcirten, mag sie sich rühmen, das Orchester weiss\nder Componist zu gebrauchen (aber auch zu missbrauchen)\n—am ansprechendsten ist die Verarbeitung des „Volkslie-\ndes\" im zweiten Satze. Von selbstständigen, logisch sich\nentwickelnden Ideen hält sich der Componist wohl absicht-\nlich entfernt, oder sie von ihm, die grell gefärbte, mitunter\neffectvolle Orchestration muss die innere Armuth verdecken,\nKünsteleien müssen den feinen ästhetischen Sinn, den Sinn\nfür Ebenmaass und Einfachheit ersetzen, und wen nicht\nschon das (an sich ganz unmusicalische) Programm abge-\nschreckt, wen nicht der eitle Lärm, nicht die tausend Kün-\nsteleien bereits verstimmt haben, dem gibt d ie materielle\nDauer dieser Sinfonie den Gnadenstoss. Wir können daher\nnach dieser Aufführung dem bezüglichen, freilich nicht ur-\nsprünglich einstimmigen Urtheile der Herren Preisrichter\ndurchaus nicht beistimmen, eben so wenig dem Jubel\neiniger Zuhörer, die dem anwesenden Componisten zu\nhuld igen bestrebt waren.\nBeide Sinfonieen fanden eine so sorgsame Aufführung,\nals bei wenigen Proben und mit der plötzlichen Directions-\nAenderung möglich war. Es hatte nämlich an der Stelle\ndes durch ein trauriges Familien-Ereigniss verhinderten\nHerbeck Herr J. Hellmesberger die Leitung über-\nnommen und damit nicht nur seine Bereitwilligkeit, son-\ndern auch seine rasche Auffassungsfähigkeit und technische\nGewandtheit aufs Neue bewiesen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-03-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "80", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.2.6", "titre_corps": "Achtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Achtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.7", "debut_caractere": 3373, "fin_caractere_exclue": 5839, "texte": "Achtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 3. März 1863.\nProgramm. I. Theil. 1. F. Hill er, Ouvertüre zur Oper „Ein\nTraum in der Christnacht\". 2. Mozart, Arie aus Don Juan (Frau\nCaggiati, k. hannoversche Hofsängerin). 3. Beethoven, Concert\nfür die Violine (Herr Concertmeister von König slow). 4. Che-\nrubini, Credo und Agnus Dei aus der Krönungsmesse. 5. C. M.\nvon Weber, Arie aus Oberon: „Ocean\" (Frau Caggiati). G.\nChor aus der Oper „Die beiden Geizigen\".\n11. Theil. 7. Beethoven, Sinfonie Nr. VII in A-dur.\nDie Eröffnung des Concertes durch die Ouvertüre einer frühe-\nren Oper von Ferdinand Hiller: „Ein Traum in der Christnachtu,\nwar im gegenwärtigen Augenblicke, wo Hiller's neueste Oper: „Die\nKatakomben\", ihre Bahn über die deutschen Bühnen unter so glän-\nzenden Erfolgen beginnt, wie die Aufführungen in Wiesbaden, Karls-\nruhe und Bremen (am 1. März zum dritten Male mit steigendem\nBeifalle) bekunden, doppelt interessant, zumal da diese Ouvertüre\nan anderen Orten neuerdings wieder öfter, in unseren Winter-Con-\ncerten aber, so viel wir uns erinnern, noch niemals gehört worden\nist. Hiller begann jene Oper, nachdem er im Frühjahre 1840 sein\nOratorium „Die Zerstörung von Jerusalem\" in Leipzig aufgeführt\nhatte, in seiner Vaterstadt Frankfurt, wohin er nach seiner Vermäh-\nlung in Italien mit seiner jungen Gattin zurückgekehrt war und den\ngrössten Theil der Jahre 1842 und 1843 dort verlebte. Im Herbste\n1843 ging er nach Dresden, wo die Intendantur des Hoftheaters\nseine Oper zur Aufführung angenommen hatte. Diese fand im Früh-\njahre 1844 Statt. Ueber den Werth der Composition waren alle\nStimmen einig; man lobte die Musik in allen Blättern und in allen\nmusicalischen Kreisen; allein überall hiess es auch, das Textbuch\nrichte sie zu Grunde. Und dem war auch leider also. Somit hatte\ndie Oper keinen Bühnenerfolg und verschwand wieder vom Reper-\ntoire : nur einige Gesänge und die Ouvertüre erhielten sich. Sie\nbildet auch absolut betrachtet ein anziehendes Musikstück durch die\nmelodische Erfindung, den Wechsel der Stimmung, in die sie uns\nversetzt, die schöne Instrumentirung und den schwungvollen Schluss-\nsatz; sie würde aber noch mehr Eindruck machen, wenn einige An-\ndeutungen über den Inhalt der Oper auf dem Programm gegeben\nwürden.\nFrau Caggiati hatte die Brief-Arie der Donna Anna und die\nScene der Rezia: „Ocean, du Ungeheuer\", zu ihren Vorträgen ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2536, "texte": "wählt. In der Mozart'schen Arie schleppte sie im Larghetto zuwei-\nlen das Tempo etwas zu willkürlich, erfreute aber durch reine Into-\nnation, schöne Tonbildung und im Allegro besonders durch correcte\nColoratur. Dennoch machte sie durch den dramatischen Vortrag der\ngrossen Scene aus Weber's „Oberon\" grösseren Eindruck, der ihr\nrauschenden Beifall und Hervorruf eintrug.\nHerr von Königslöw hat in seinem Vortrage des Beethoven1-\nsclien Concertes die grossen Vorzüge seines Spiels, vollendete Rein-\nheit und Weiche des Tones in jeder Applicatur, seelenvollen Aus-\ndruck der Melodie, schöne Abrundung der Verzierungs-Figuren und\npassagenartigen Stellen in allen Sätzen, namentlich im ersten und\nzweiten, vortrefflich zur Geltung gebracht: wir glauben nicht, dass\nman das Adagio schöner hören könne, als wir es am Dinstag hör-\nten. Den ersten Satz fassen andere Spieler etwas anders auf, sie\nsuchen ihm einen grossartigeren Charakter zu verleihen: allein im\nGrunde liegt dieser Charakter doch nicht in der Composition, welche\ndurchaus edel gehalten ist, nirgends aber auf imposante Effecte aus-\ngeht, wie das z. B. im Pianoforte-Concert in Es-dur der Fall ist,\nsondern im Gegentheil den Hauptreiz in den schmelzenden Fluss\nder sanften und zarten melodischen Motive und deren wundervolle\nVertheilung an die Solo-Violine und die Blas-Instrumente gelegt hat.\nDesswegen ist uns aber auch stets, selbst bei Joachim, eine schwie-\nrige und gelehrte Cadenz am Schlüsse des Satzes nicht recht, sie\nwirkt in der That störend. Hat uns doch Beethoven im Es-dur-Con-\ncerte gezeigt, dass er keine contrapunktischen Studien und Bravour-\nstücke in den Cadenzen seiner Concerte haben will, sondern nur\neine Einleitung zur Coda durch modulirte Anklänge an die Haupt-\nmotive des Satzes. Im letzten Satze geben wir allerdings dem kräf-\ntigen Vortrage des Themars und der Stellen, wo die Doppelgriffe\neintreten, den Vorzug.\nDer Chor löste seine Aufgabe in dem Credo und dem Agnus Dei\nder prächtigen Krönungsmesse von Cherubini auf vorzügliche\nWeise. Man würde vergeblich Worte suchen, um das Erhabene und\nGrosse des ersten, das Rührende und Andachtsvolle des zweiten\nSatzes auszudrücken.\nDer kleine Chor aus der Oper „Die beiden Geizigen\" (auf dem\nProgramm stand durch ein Versehen „Die beiden Blinden\") von\nGretry (1770), der zum Schlüsse der ersten Abtheilung gemacht\nwurde, ist zwar reizend und anmuthig, klang aber doch nach so\ngrossen Ton werken etwas gar zu naiv.\nDie zweite Abtheilung brachte eine treffliche Ausführung der\nA-dur-Sinfonie von Beethoven."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-07_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-03-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.8", "debut_caractere": 2538, "fin_caractere_exclue": 4049, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nConcert-Director Joachim in Hannover hat sich mit der Hof-\nOpernsängerin Fräulein Weiss verlobt.\nLiszt hat vom Patriarchen von Jerusalem den Orden des heili-\ngen Grabes zugeschickt bekommen.\nDr. Chrysander in Lauenburg und Dr. Rob. Franz in Halle\nwurden zu correspondirenden Mitgliedern des „Niederländischen\nVereins zur Beförderung der Tonkunst\" ernannt.\nWleil. Herr Hof-Capellmeister Esser ist erkrankt, wodurch\ndas Studium des „Tristan\" wieder ins Stocken gerathen dürfte.\nDie Rollen der David'schen „Lalla Rookh\" sind an die Mitglie-\nder des Hof-Operntheaters ausgetheilt worden. Beschäftigt sind Fräu-\nlein Kraus (in der Titelrolle), Fräulein Liebhart, die Herren Walter\nund Meyerhofer in den Haupt-Partieen.\nDem k. k. Hoforganisten Herrn Sigmund Sechter wurde das\ngoldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen.\nNizza. Alle Welt sprient nur von dem Concerte der Baronin\nVigier (Sophie Cruvelli) zum Besten der Armen, das am 19.\nFebruar Statt gefunden. Der niedrigste Eintrittspreis war auf 10 Fr.\nfestgesetzt, aber man bezahlte die Logen ersten und zweiten Ranges\nmit 100 Fr. und einzelne Stühle mit 15 —2O Fr. Dennoch waren\ndie Anmeldungen so zahlreich, dass man die Plätze verloosen musste.\nErnst Pauer in London, erst kürzlich von dem Könige von\nPreussen mit dem Kronen-Orden IV. Classe decorirt, hat nun auch\nvon dem Könige von Sachsen „für seine verdienstliche Wahrung\nder Interessen sächsischer Instrumenten-Fabrication\" das Ritterkreuz\ndes Albrechts-Ordens erhalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nWilhelm ine Schröder -Devrient. 111. Aus Regensburg (Die vergangene Saison). • Von Dr. D. M. Aus\nBremen (Hillens „Katakomben\"). Aus Wien (Die Preis-Sinfonieen). Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Ta-\nges- und Unterhaltungsblatt (Joachim Ordens-Verleihung Ernennungen Wien, Hof-Operntheater, Ordens-Verleihung\nNizza, Sophie Cruvelli Ernst Bauer).\n\nWilhelmine Schröder-Devrient.\nIII.\n(I. s. Nr. 8, 11. Nr. 9.)\nUnter den ersten Rollen der jungen Künstlerin führt\ndie Biographie eine „Cordelia\", Musik von Conradin\nKreutzer, an, die seitdem ganz verschollen ist, in Bezug\nauf ihre eigentümliche Form aber Dichtern und Compo-\nnisten zu denken geben kann.\n„Am 6. März 1823\" —heisst es S. 68 ff.— „gab sie\nin Wien Conradin Kreutzer's Cordelia, eine würdige Com-\nposition, welche einer Sängerin, die zugleich auch im emi-\nnenten Sinne Schauspielerin war, viele herrliche Momente\ndarbieten musste. Nach K iessl ing's sorgfältig zusammen-\ngestellten Notizen ist das Libretto zu dieser Oper folgen-\nder Maassen entstanden : Eine wahre Begebenheit des Jah-\nres 1814, welche das „ „Morgenblatt\"\" mitgetheilt hatte,\nbearbeitete Pius Alexander Wolff auf den Wunsch der\nMilder zu einem lyrischen Monodram mit Chören nach\ndem Vorgange älterer, für die Marchetti, Schick und An-\ndere geschriebener Soloscenen, wie z. B. Hero, Suimalle\nu. s. w. Nur diese äussere Veranlassung bewog den geist-\nvollen Bühnenkenner zur Wahl dieses widerstrebenden\nStoffes, der zuerst unter dem Titel „ „Adele von Boudoy\"\"\n1823 gedruckt erschien. In Wien wurde das Stück mit\nverschiedenen Abkürzungen und unter Aenderung des Na-\nmens der Heldin in Cordelia zum ersten Male vor ein grös-\nseres Publicum gebracht, nachdem es Kreutzer schon 1819\nzu Donaueschingen componirt hatte. Seine Musik ist zwar\nsehr schwierig, jedoch trefflich instrumentirt und meist\ncbaraktergemäss. Die Darstellung selbst war durch das\nausgezeichnete Spiel und den schönen Gesang der Schrö-\nder eine der ergreifendsten und erschütterndsten. Wenige\nSängerinnen dürften je existirt haben, welche der darin\ngestellten Aufgabe hätten Genüge leisten können. „„Es\ngilt\"\", so sprach sich Theodor Hell (Hofrath Winkler)\nspäter in der dresdener Abendzeitung (Jahrgang 18*23,\nNr. 167 und 168) darüber aus, -„„in den heftigsten Ge-\nmütsbewegungen die Stufenleiter jeder Art der Erschüt-\nterung von Geist und Herz im beginnenden, intermittiren-\nden, wiederkehrenden und zur Raserei übergehenden\nWahnsinn eine ganze Stunde lang ohne Unterbrechung,\noder wenigstens nur mit ganz kurzer, auf der Bühne zu\nsingen und darzustellen. Dazu gehört auf der einen Seite\ndie grösste Kraft und Ausdauer der Stimme bei aller Mo-\ndulation und Schmiegsamkeit derselben, und auf der an-\nderen eine Kunstfertigkeit der Action, welche die Gesangs-\nkünstlerin wieder in die Beihe vorzüglicher tragischer Vir-\ntuosen stellt. Mademoiselle Schröder löste diese schwere\nAufgabe mit einer Virtuosität, welche alle Sonderbarkeiten\ndes Ganzen vergessen liess und die Gemüther auf das in-\nnigste ergriff. Schon ihr Auftreten, wenn sie im Gefühle\nder tiefsten Zerrissenheit die Felsen herabschwankte, war\nganz der Natur abgelauscht und rührte tief und wehmü-\nthig, ohne doch störend zu verletzen, wie es die Darstellung\ndes Wahnsinns wohl auch thut. Mit welcher Erhebung,\ndie doch stets den Stempel des vorwaltenden Irrsinns trug,\nsang sie die WTorte: Zurück, Banditen, Keiner folge! und\nwie ganz in Muttergefühlen aufgelöst wiegte sie dann das\nKind, welches sie das ihrige wähnt, in dem schönen Ge-\nsänge: Schlafe, schlafe, liebes Kind! in den Schlummer\nein. So wahr, als es nur die allerdings nicht glücklich her-\nbeigeführte Situation erlaubte, kehrte sie dann zu einem\nAu genblicke der Besinnung zurück und sang in dieser\nHaltung, die jedoch in einem künstlerischen Schwanken\njeden Augenblick fürchten lässt, der vorige Zustand möge\nwieder eintreten, die lange Bomanze, welche die Geschichte\nihrer Liebe und ihrer Leiden enthält; und vor Allem treff-\nlich war am Schlüsse das allmähliche Zurückkehren zum\nWahnsinn bei dem Gedanken an die Schauder der Bandi-\ntenhöhle, bis die mit meisterhafter Action und sprechen-\ndem Blick begleitete Stelle: Ich vergoss des Bäubersßlut!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.2", "texte": "den ganzen alten Jammer wieder über sie hereinbrechen\nlässt. Nun geht sie von einer Stufe der Wildheit zur an-\nderen fort und malt jede mit immer neuen Farben in er-\ngreifender Kunsthöhe, wobei besonders der Ton, womit\nsie die Stelle, wenn sie drei Mal den Hirten zuruft: Ich\nwarne Euch! sprach, tief in Mark und Bein drang. Dabei\nschufen Augen und Körperbewegung ein Bild, das zu den\nvollendetsten in dieser Gattung gehörte. Endlich schliesst\neine neue Flucht in die Felsen und der Sturz von diesen\nin den Abgrund das Ganze.\"\"\nDoch wir können den Biographen nicht länger auf der\nanziehend geschilderten Bahn seiner Heldin bis- zur Zeit\nihrer höchsten Blüthe begleiten, und beeilen uns nur noch,\nHerrn von Wolzogen das Zeugniss zu geben, dass er mit\ngrosser Unparteilichkeit auch für Leben, Charakter und\nGesittung der genialen Künstlerin die Wahrheit obenan\nstellt. Den Einlluss dieses Charakters auf ihre künstleri-\nschen Darstellungen bezeichnen nach unserer Ueberzeu-\ngung, die wir die Schröder-Devrient erst in der letzten\nHallte ihrer Laufbahn auf der Bühne gesehen haben, die\nfolgenden Worte (S. 88, 89) vollkommen richtig. Nach-\ndem von ihrer Heirath mit Karl Devrient (im Jahre\n1823) die Rede gewesen, heisst es weiterhin:\n„Das Jahr 1828 ist noch durch ein Ereigniss ihres\nbürgerlichen Lebens denkwürdig für die Geschichte der\nKünstlerin. Nicht lange sollte die jugendliche Naivetät und\nliebenswürdige Heiterkeit, womit sie als Jungfrau und\njunge Frau Alles um sich her spielend bezaubert hatte,\nihr glückliches Erbtheil bleiben. Die fröhlichen Flitter-\nwochen des ersten Ehestandes rauschten rasch an ihr vor-\nüber, und die durch die ungetrübte Lust derselhen ver-\nheissene Idylle konnte keinen Bestand haben, denn Karl\nDevrient war trotz der allgemeinen Achtung, die er ge-\nnoss, und trotz seines gesetzten Benehmens wohl nicht der\nMann, einer Frau von ihrem Temperament zu imponiren\nund so gleichsam ihre zweite Erziehung zu leiten, ihre zü-\ngellose Leidenschaftlichkeit zu mildern und ihr ganzes\nWesen zu läutern. Misshelligkeiten der schlimmsten Art\nuntergruben bald den häuslichen Frieden und führten all-\nmählich zu einem gänzlichen Bruche unter den Eheleuten.\nFür Wilhelmine wurde diese harte Erfahrung das Motiv\nzur frühzeitigen Entwicklung jener dämonischen Züge ihres\nWesens, ohne welche sie freilich nie die so vielseitig gross-\nartige Künstlerin hätte werden können, denen jedoch ihr\ninnerstes Lebensglück zum Opfer fiel, weil sie bei aller an-\ngeborenen Begeisterung für das Edle, Schöne und Wahre\ndoch aus sich selbst ihre schlimmsten Feinde, Leidenschaft\nund Sinnlichkeit, zu bekämpfen nicht die sittliche Kraft\nhatte. Zwar blieb ihr in Folge der ausnehmenden Elasti-\ncität ihres Geistes und bei ihrer hervorragenden Begabung\nfür das dramatische Individualismen auch lange Zeit nach-\nher noch die Fähigkeit, mit den einfach rührenden und\nnaiven Rollen ihres ersten Repertoires mächtige Erfolge zu\nerzielen, und sie hat als Emmeline, Pamina und Agathe\nselbst dann noch Alles hingerissen, als sie bereits hoch in\nden Dreissigern stand; allein dessen ungeachtet wurde doch\nmit der Zeit die Darstellung der äussersten Gipfel der Lei-\ndenschaft, ihrem inneren Seelenzustande entsprechend, im-\nmer mehr der eigentliche Tummelplatz ihres künstlerischen\nSchaffens. Alle und jede ihrer Partieen auf dieses Gebiet\nzu lenken, war sie später stets bestrebt, und aus diesem\nBestreben musste endlich sogar eine gewisse Manier her-\nvorgehen, welche dem früheren Stile ihrer Schöpfungen,\nder auf einer wahrhaft grossartigen Unmittelbarkeit der\nAuffassung beruhte, offenbar Eintrag that»\"\nWenn aber Herr von Wolzogen einige Seiten weiter\neine sittliche Parallele zwischen der Devrient und Jenny\nLind zu Gunsten der Letzteren zieht, die das reinste Leben\nmit der höchsten Kunst vereinigte, und dann fortfährt:\n„aber der Zauber ihrer (der Lind) Kunst lag eben auch\nin der Darstellung der echten, reinsten und zartesten Jung-\nfräulichkeit, während die Devrient durch ihre Natur not-\nwendiger Weise zu der diametral entgegengesetzten Auf-\ngabe, zur Schilderung der von Leidenschaften zerrissenen\nMenschenseele, des Weibes in seiner Entfesselung und Los-\nlösung von Zucht und Sitte, sich hingedrängt fühlen\nmusste\" so begegnet ihm hier, was so vielen musicali-\nschen Kritikern namentlich auch bei Beethoven vorzuwer-\nfen ist, nämlich dass sie aus einem hervorstechenden Zuge\noder selbst aus dem vorherrschenden Wesen des Charak-\nters eines Künstlers den Charakter seiner künstlerischen\nErzeugnisse herleiten oder erklären wollen und dabei,\nwas vielleicht auf zwei oder drei oder auch mehrere Fälle\npasst, auf alle anwenden, wobei sie vergessen, an die\nHaupt-Eigenschaft des poetischen Genie's, an die Objecli-\nvirung, zu denken. Wie Beethoven's sanfte, liebliche, freu-\ndige, selige, dann wieder neckische, heitere, scherzende\nMoti ve und ganze Stücke nicht das Geringste mit „innerer\nZerrissenheit, Weltschmerz, Verzweiflung wegen Taub-\nheit\" u. s. w. zu thun haben, so hatten auch die Darstel-\nlungen der Emmeline, Agathe, Euryanthe, Leonore-Fi-\ndelio, Iphigenie, Alice, Amina, Desdemona, Elisabeth im\nTannhäuser u. s. w. nichts mit der dämonischen Natur\neines von Sitte entfesselten Weibes gemein, sondern flössen\ngerade aus dem. Gegensatze einer solchen Natur, in wel-\nchen sich das Genie der Künstlerin zu versetzen wusste."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.3", "texte": "Aus Regensburg.\n\nDen 2-i. Februar 18G3.\nDen Reigen der in der vergangenen Saison Statt ge-\nhabten rausicalisehen Productionen eröffnete ein grosses\nYocal- und Instrumental-Concert des seit mehreren Jahren\nbestehenden Musik-Vereins, welcher die Elite der hiesigen\nEinwohnerschaft in sich vereinigt und seit der Vorstand-\nscbaft des Professors Dr. Langgoth besonders die Pflege\nder classischen Musik begünstigt. Auf dem Programm stand\ndie .A-mo/Z-Sinfonie von Mendelssohn. Sie wurde vom Ca-\npellmeister Zwicker mit unverkennbarem Verständniss ge-\nleitet und vom Orchester sehr wacker gespielt. Leider war\ndas Streich-Quartett viel zu schwach besetzt, als dass nicht\nbei der Masse Blech, die bisweilen aufgehäuft ist, eine sehr\nfühlbare Lücke entstanden wäre. Es ist das überhaupt die\nschwache Seite unseres Orchesters, und wäre es desswegen\nsehr zu wünschen, dass von städtischer Seite nach dieser\nRichtung hin eine Vermehrung erzielt würde. Drei bis vier\nerste und eben so viele zweite Geigen und dazu noch Di-\nlettanten, die vom Besuche der Proben bekanntlich nicht\nviel wissen wollen, sind wahrlich viel zu wenig gegen vier\nContrabässe und Celli mitsammt den zahlreichen Bläsern.\nDass damit den Violinisten des Orchesters kein Vorwurf\nerwachsen soll, ist selbstverständlich; sie leisten im Gegen-\ntheil alles Mögliche. Der achtstimmige Männergesang: „Ge-\nsang der Geister über den Wassern\", von Er. Schubert\nkam leider nicht zur gehörigen Geltung, sei es aus wel-\ncher Ursache immer. Die scharfen Detonirungen, die\nSchwankungen des Tempo's, die Ungleichartigkeit des Vor-\ntrags, das ungemässigte Eorte und Piano, die Undeutiich-\nkeit der Declamation liessen es unschwer erkennen, dass\nviele Mitwirkende nur einzelnen Proben oder gar nur Thei-\nlen derselben beigewohnt hatten. Aber auch abgesehen\ndavon hätte bei der sehr ungenügenden Begleitung der\nStreich-Instrumente kein viel besseres Resultat erzielt wer-\nden können. Das Es-dur-Concert von Beethoven war eine\nschwache Leistung. Zu wünschen ist, dass die Beethoven'-\nschen Tempi nicht verwechselt würden mit den vagen Zeit-\nbestimmungen der Neuzeit. Auch darf sich in einem Beet-\nhoven'schen Concerte das Virtuosenthum nicht allein gel-\ntend machen wollen. Die letzte Nummer des Programms\nwar eine Fest-Ouverture von dem hiesigen Theater-Capell-\nmeister Zwicker, welche sehr effectvoll wirkte. Die Com-\nposition ist breit angelegt und weit ausgeführt. Nach einer\nmelodiösen, zwar einfachen, aber spannend geschriebenen\nEinleitung folgt ein frischer, höchst lebendiger Satz, der\nsich aus drei Haupt-Motiven erbaut, welche das Eigene\nhaben, das sie sich eines aus dem anderen entwickeln. Man\nkönnte glauben, dass das monoton wirke; es ist aber die\nAnordnung so gut getroffen, die Steigerung so weise an-\ngebracht, durch die Vertheilung der Motive an die ver-\nschiedenen Instrumente ein so reicher Wechsel, ein so fri-\nsches Colorit erzielt, dass der Hörer in unablässiger Span-\nnung erhalten wird. Vorzuglich ist ein (ugirter Mittelsatz\neine Perle instrumentaler Tondichtung. Soll ich auch etwas\ntadeln, so ist es der etwas zu rasche Uebergang in die Do-\nminante, der öftere Abschluss in vollständiger Cadenz, das\nhäufige Verstummen des Orchesters da, wo das Motiv in\neinem vereinzelten Instrumente auftritt; dies klingt etwas\naphoristisch und leer. Ich habe mich etwas länger bei die-\nser wahrhaft festlich wirkenden Composition aufgehalten,\nweil ich es für die Pflicht der Kritik erachte, neueren Schö-\npfungen Bahn zu brechen, wenn ihr Werth es verdient.\nVon diesem Standpunkte aus befürworte ich auch gern die\nAufführung solcher Compositionen; woher sollten auch\nsonst die jüngeren Tonsetzer Lust und Liebe zum Schallen\ngewinnen, wie sich bilden, wenn sie sich nicht hören\nkönnen! —\nAuf den Cäcilien-Tag hatte in der Stiftskirche zur al-\nten Capelle die alljährliche Hochmesse Statt; während der-\nselben wurde eine doppelchörige Messe von Palestrina ge-\nsungen. Bezüglich des Vortrages dieser Hochblüthen des\no O o\nkirchlichen Gesanges besteht in dieser Kirche eine eigene\nTradition, welche bis zur Stunde gewissenhaft beibehalten\nwird. Es muss damit wenigstens annähernd das Rechte ge-\ntroffen sein, denn seit Jahren sammelten sich Männer, die\nvon hier aus gleichsam aus der unverfälschten Quelle sich\nBelehrung holten. Aus Brüssel, selbst aus Paris und vielen\nanderen Städten kamen Künstler zugereist, die bei dem\nverstorbenen Canonicus Proske und bei Mettenleiter sich\nAufschlüsse holten. Es muss sonach doch etwas Lebens-\nkräftiges in diesen mittelalterlichen Kirchen-Compositionen\nsein, sonst wären sie, wie eine Modesache, längst ver-\nschwunden und verschollen. — Hier sei auch gleich die\nAufführung des Requiem von Asola gelegentlich des Trauer-\nGottesdienstes für den Regierungs-Präsidenten Freiherrn\nv. Künsberg in St. Emmeran, so wie des\ncantu Gregorianomit vier Posaunen, harmonisirt nach dem\nEnchiridion choralevon Metlenleiter, erwähnt. Ob auch\nallerdings das Publicum mit der ausschliesslichen Herein-\nziehung der mittelalterlichen Kirchen-Compositionen nicht\neinverstanden sein will, so war doch von der letzteren Piece\nAlles aufs tiefste ergriffen und gewaltig erschüttert — ein\nBeweis, dass diese urkräftigen heiligen Melodieen trotz\nihrer Einfachheit und gänzlichen Abweichung von der mo-\ndernen Weise doch Lebenskraft in sich bergen.\nAm Cäcilien-Abende gab der hiesige vortreffliche Con-\ncertmeister Beer eine Soiree in welcher das Trio\nOp. 9 Nr. 3 von Beethoven, das Adagio aus einem Cla-\n\nt*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.4", "texte": "vier-Trio von Spohr, zwei Arien aus „Faust\" von demsel-\nben vorgetragen wurden. Leider fand sich das Publicum\nnur spärlich ein; es ist sein Geschmack verderbt, hier wie\nanderwärts; dasselbe muss leider auch von der Soiree un-\nseres tüchtigen Violinisten Glück, eines Schülers von Lau-\nterbach, gesagt werden, in der das Trio Op. 9 Nr. 1, die\nRomance in G von Beethoven, das Quatuor in Es von\nMozart und durch Fräulein Böttger eine Scene und Arie\naus Gluck s Orpheus zu gelungener Aufführung kamen.\nBei dieser Sachlage war es gleichwohl zu verwundern,\ndass das grosse Vocal- und Instrumental-Concert, welches\nder hiesige Orchester-Verein ain heiligen Weihnachtstage\ngab, nicht nur zu Stande kam, sondern sogar eines fleissi-\ngen Besuches sich erfreute. Freilich waren die Piecen vor-\ntrefflich ausgewählt (Nachklänge von Ossian, Schlacht-Sin-\nfonie von Beethoven, Violoncelle-Concert von Romberg,\nMilitär-Concert für Violine von Lipinsky), diese zwei letz-\nteren von den Herren Pfeifer und Glück gut durchge-\nführt. Aber die Hauptzugkraft dürfte bei alle dem doch\nder wohlthätige Zweck, der mit dem Concerte erreicht\nwerden sollte, ausgeübt haben, die HerbeischafFung eines\nFonds zur Unterstützung kranker, unfähig gewordener Or-\nchester-Mitglieder. Um aber auf die einzelnen Piecen zu-\nrückzukommen, so bewies sich Capellmeister Zwicker durch\ndie wahrhaft geistvolle Wiedergabe der Ossians-Ouverture\nauch als eine echt poetische Natur. Ich betone das um so\nstärker, da mir dies zur Ueberzeugung wurde, nachdem\nich die zarten, duftenden Lieder, ein sinniges Duo für Cia-\nvier und Violine neben mehreren reizenden Kleinigkeiten,\neine originel gedachte Missa für Männerchor, eine mit\ncontrapunktischer Vollendung gearbeitete Sinfonie, vorweg\naber seine Zwischenmusik zu Grillparzer's „Ein Traum\nein Leben\" kennen gelernt und geprüft hatte. Da diese\nletztere Composition (in sechs Piecen bestehend) demnächst\nüber die hiesige Bühne geht, so werden die Kenner und\nHörer Gelegenheit haben, mein hier ausgesprochenes Ur-\ntheil zu prüfen. Ich bemerke nur noch, dass Meister ersten\nRanges aus unseren Tagen die Composition für gleich ge-\nlungen erklärten. Bezüglich der Schlacht-Sinfonie Beetho-\nven's thut es mir leid, constatiren zu müssen, dass sie trotz\nder vorzüglichen Vorführung doch keinen Erfolg erzielte.\nDie Schuld lag in den Verhältnissen des Locals, die ein\nGegenüber der beiden Heeresmächte unmöglich machten.\nHier zeigte sich recht schlagend die Nothwendigkeit eines\nkünstlerisch angelegten Orchester-Podiums; vielleicht dür-\nfen wir nach dieser gänzlichen Niederlage bezüglich der\nmusicalischen Wirkung des Concertsaales nun nicht länger\ndaraul warten. Die beiden Concert-Vorträge waren unvoll-\nendet, um nicht schülerhaft zu sagen. Wie gut wäre es\ndoch, wenn die jungen Musiker nur Solches wählten, was\nsie ganz bewältigen können; so aber schaden sie durch die\nWahl von Stücken, die weit ihre Kräfte überragen, nicht\nnur sich selbst, sondern verletzen auch noch das Publicum,\ndas denn doch etwas Gutes zu erwarten berechtigt ist; die\nleidige Sucht, als Virtuose gelten zu wollen, hat schon man-\nches Talent im Keime erstickt.\nUnd nun zur hiesigen Oper. Das Repertoire derselben\nwar bis jetzt: Hugenotten 2 Mal, Robert, Freischütz 2\nMal, Zauberllöte 2 Mal, Faust von Gounod, Jüdin von\nHalevy 2 Mal, Lucrezia, Romeo und Julie 2 Mal, Czaar\nund Zimmermann, Joseph und seine Brüder, Don Juan,\nMartha, Teil 2 Mal. Nach diesen mehr oder minder gelun-\ngenen Aufführungen erschien über den Don Juan eine\nKritik, die, musicalisch genommen, nicht das Geringste\ndem Sachverständigen als Anhalt bot, dagegen überspru-\ndelte an persönlichen Mäkeleien. Die Spitze all des Mäkeins,\ndas seitdem in der Tagespresse zum Ekel der Gebildeten\nnoch fortdauert, wird am Ende doch durch die Thatsache\nabgebrochen, dass eben an der hiesigen Bühne, als einer\nProvincial-Bühne, ein Wechsel des Personals mit allen sei-\nnen Unliebsamkeiten nur schwer zu umgehen ist, und dass\njunge Kräfte hier ihre Schwingen zuerst zu entfalten su-\nchen. Ich verkenne nicht, dass die Oper Manches zu wün-\nschen übrig lässt, aber ich erkenne eben so gern an, dass\nsie trotz aller Mängel, die bei gutem Willen der Direction\nnie ganz gehoben werden können, denn doch wohl die\nbeste in Baiern ausser München ist. Wir besitzen an Herrn\nErber einen recht guten Tenor, an Herrn Grünewald\neinen eben so guten Bariton; nur Uebelwollende könnten\nüber einzelnen Schwächen das Ausgezeichnete dieser bei-\nden Künstler verläugnen. Herr Frankelist als zweiter\nTenor allerdings ein Anfänger, aber das Publicum hat sei-\nnem so lleissigen Studium und seiner schönen Stimme stets\nAnerkennung gezollt, wenn auch die Routine des Spiels\nnoch fehlt. Herr Koch ärntete als Marceil, als Bertram,\nals Cardinal in der Jüdin stets Beifall, wenn er ihm auch\nsonst spärlicher zu Theil wird. Unter den Damen ragen\nFräulein Brückner und Fräulein Böttger verdienter\nWeise hervor. Dazu trat in jüngster Zeit noch Frau Viala\nMittermayer auf, eine Künstlerin im echten Sinne des\nWortes, wenn auch mit schon belegter Stimme.\nDie interessanteste Novität auf unserer Bühne war\n„Der Traum ein Leben\" von Grillparzer, mit der Zwi-\nschenmusik vom hiesigen Theater-Capellmeister Herrn\nZwicker. Das Ganze besteht in sechs Nummern: aus\nOuvertüre, Zwischenacte, Traum und Verwandlungs-Mu-\nsik. Die Ouvertüre ist ein Prolog, der in Tönen das bilder-\nreiche Märchen wiederspiegelt, welches der Dichter uns\nvor Augen zaubert. Die Traummusik besteht aus einem\nLiede mit Harfen-Begleitung und aus einem für zwei obli-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.5", "texte": "gate Celli, 2 Violinen geschriebenen und von den übrigen\nInstrumenten begleiteten Instrumentalsalze. Der Krieger-\nmarsch reiht sich durch die Frische der Gedanken, durch\ndie kunstvolle Verwerthung der Motive, durch die originale\nInstrumentalform dem Besten in dieser Gattung an. Der\nVerwandlungsmusik liegt eine eigentümliche, sehr an-\nsprechende Melodie zu Grunde.\nIch schliesse mit der kurzen Erwähnung des hiesigen\nOratorien-Kränzchens. Seine Absicht ist, hervorra-\ngende Compositionen ernsterer Gattung unter Ciavier-\nbegleitung zu Gehör zu bringen. Von den bisherigen Pro-\nductionen ist Athalia von Mendelssohn, Die letzten\nStunden des Heilandes von Drobisch, Das jüngste Ge-\nricht von Spohr besonders zu nennen. Jüngst wurden\nTheile aus „Maria, die Mutter des Herrn\", Oratorium von\nKempten, gesungen. Das Gehörte machte unverkennba-\nren Eindruck und erweckte den Wunsch, das ganze Werk\neinmal zu hören. Gegenwärtig ist unter Anderem „Gesang\nder Heloise am Grabe Abälard's\" von F. Hiller in Vor-\nbereitung, so wie eine doppelchörige Motette für zwei Ge-\nsangchöre vom hiesigen Capellmeister Zwicker.\n\nDr. D. M.\n\nAus Bremen.\n(H i 11 er 1 s Katakomben.)\nDen 2. März 1863.\nAm 19. Februar fand die erste Aufführung von H i 1 -\nler's „Katakomben\" unter Leitung des Componisten\nselbst Statt. Sie darf als ein „Ereigniss\" in unserer Opern-\nSaison bezeichnet werden. Das Haus war glänzend gefüllt\nund bot einen prachtvollen Anblick dar; kunstverständige\nGäste aus der Ferne, Joachim, die Caggiatis aus Hannover,\nDietrich aus Oldenburg u. s. w., eigens zu der Vorstellung\nherübergekommen, vermehrten die Zahl der Zuschauer.\nBeschränken wir uns zunächst auf die Constatirung des\näusseren Erfolges und des Antheils, den unsere Sänger an\ndemselben gehabt haben. Was jenen betrifft, so hat er den\nErwartungen vollkommen Recht gegeben und wird dem\nTondichter selbst ein so wohlthuender wie ihn ehrender\ngewesen sein. Herr Capellmeister Hiller wurde nach jedem\nActe durch lebhafte Acclamationen gefeiert, denen er nach\ndem zweiten und dritten Acte von der Bühne aus, geführt\nvon den Darstellern der Hauptrollen, entsprach; und was\nunsere Sänger betrifft, so verdienen sie sämmtlich die An-\nerkennung, die ihnen von dem Publicum und zweifelsohne\nauch von dem Componisten in reichlichem Maasse zu Theil\ngeworden ist. Den Mittelpunkt der Oper, die Kerngestalt\nderselben, bildet bekanntlich der Sclave-Priester Lucius.\nHerr Wild hat sich mit dieser schweren Aufgabe glück-\nO O\nlieber abgefunden, als er vielleicht selbst vermuthet hat;\ner ward sieht- und hörbar von dem geistigen Gehalt der\nRolle, die ihm in mancher Hinsicht sonst ferner liegt als\nandere, mit emporgehoben; seine Leistung war eine höchst\nanerkennenswerthe. Eine der schwierigsten und im vulgä-\nren Sinne undankbarsten Aufgaben, welche je ein musica-\nlisches Drama zu lösen gegeben hat, ist die der Römerin\nLavmia. Aus diesem ausgebrannten, gottverlassenen Her-\nzen, in dem nur ein glühender, unheimlicher Sehnsuchts-\ndrang zurückgeblieben, der nicht erfüllt werden kann\ndas Sinnbild der heidnischen Roma, der die alten Götter\nverloren gegangen —, darf dem Zuhörer kaum ein sympa-\nthischer Laut entgegentönen, und die ganze Scala von Lei-\ndenschaften, der diese Brust fähig ist, von apathischer Yer-\nsunkenheit anhebend, durch Liebe, Zorn, Rache bis zur\nVerzweiflung und Selbstvernichtung sich steigernd, muss\nohne den wohlthuenden Zauber einer anheimelnden Melo-\ndie abklingen. Das ist eine Resignation, doppelt schwer\nfür eine Sängerin, die, wie Frau Haase-Capitain, in\ndem reizvoll seelenhaften Vortrage der Melodie einen Haupt-\nhebel ihrer Wirkung besitzt. Aber Frau Haase-Capitain\nist nicht allein Sängerin, sie ist auch eine dramatische Dar-\nstellerin ersten Ranges, und von dieser Seite aus hat sie\ndenn das hochbedeutende dramatische Gebilde in einer\nPrägnanz hingestellt, die vielleicht den Tonsetzer selbst\nüberrascht hat, und die musicalisch schwierige Rolle zu\neiner ihrer hervorragendsten und in so fern dankbarsten\nunter ihren Leistungen gemacht. Es war eine nach allen\nRichtungen hin in plastischer Haltung, Spiel und Gesang\ngleich vollendete Meister-Darstellung. Dass Herr Behr\ndem Claudius die vollkommenste Ausprägung geben würde,\nverstand sich von selbst. Am wenigsten schwierig und mu-\nsicalisch am dankbarsten ist die Partie der Klytia. Ihrer\nInhaberin, Fräulein Deinet, die aus Wiesbaden zu uns\ngekommen, wird die Oper nicht unbekannt gewesen sein,\nda sie dort bereits zur Aufführung gekommen ist; indess\nselbst wenn sie schon früher der Rolle einiges Studium\ngewidmet hat, bleibt die Raschheit;, mit welcher sie sich\nim Verlauf weniger Tage darin festzusetzen gewusst hat,\ndoch höchst bemerkenswerth; man hörte es ihrer sehr lo-\nbenswürdigen Leistung nicht an, dass sie eine stellvertre-\ntende war. Auch die beiden Rollen des Cornelius und des\nTimotheus wurden durch die Herren Stägemann und\nLenz durchaus befriedigend gegeben, wie denn die ganze\nOper für eine erste Aufführung wohl abgerundet von\nStatten ging. Von ihren reichen Schönheiten schlugen z. B.\ndie schönen Duette zwischen Lucius und Klytia, die gros-\nsen Scenen der Lavinia, der prächtige Schluss-Chor des\nzweiten Actes, die grosse Scene des Lucius im dritten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.6", "texte": "Acte, das Finale des ersten Actes mit seinem Sextett und\nChor sogleich durch.\nHerr Capellmeister Hiller dirigirte auch die zweite\nAufführung seiner „Katakomben\". Die Oper erfreute sich\nhei ihrer Wiederholung in dem gleich vollen Hause der\ngleichen lebhaften Theilnahme, wie das erste Mal, und das\nPublicum zeigte sich wieder in jeder Weise bemüht, dem\ngefeierten Componisten Beweise seiner Hochachtung zu\ngeben. Herr Hiller wurde bei seinem Erscheinen am Di-\nrigenten-Pulte, auf dem er einen goldumwundenen Lorber-\nkranz fand, von dem Orchester mit einer Fanfare empfan-\ngen, in die der ganze Saal einstimmte, und nach jedem\nActe durch den lebhaftesten Hervorruf geehrt. Bei der\ndritten Aufführung der Oper übernahm Herr Capellmei-\nster Hentschel wieder den Dirigentenstab.\nWas wir nach einer flüchtigen Kenntnissnahme von\nText und Composition versichern zu können glaubten, hat\nnach den folgenden Aufführungen, bei denen man sich\nfreier der Wirkung der Tondichtung in ihrer Gesammtheit\nüberlassen konnte, die vollständigste Ratification erhalten.\nEs liegt uns in diesem gediegenen Werke in der That eine\nder bedeutendsten Bereicherungen unseres deutschen\nOpern-Repertoires vor, eine Oper, in welcher die grossen\nGegensätze (des Römischen und Christlichen) von dem\nComponisten vortrefflich aus einander gelegt, das Pathos\nder einzelnen Gestalten charakteristisch ausgeprägt, die\nGränzen der dramatischen Musik gegen das hier besonders\nnaheliegende Gebiet der geistlichen und Oratorien-Musik\nauf das beste gewahrt sind, und dies alles, ohne dass der\nMusik Gewalt angethan, ohne dass sie genöthigt worden\nist, von der ersten Stelle herabzusteigen, die sie in der ly-\nrisch-dramatischen Constitution, welche wir Oper nennen,\neinnehmen muss, wenn das Werk überhaupt eine Oper\nheissen will. Die Hiller'sche Oper ist vor Allem und in er-\nster Instanz Musik, und zwar nicht allein von vortrefflicher\nFactur, wie sie sich bei einem so bewährten Meister von\nselbst versteht, sondern auch von einer reichen und reich-\ngegliederten Melodik, allerdings aber einer weitathmigen,\nzu einem grösseren Ganzen abgerundeten, die nicht so leicht\nfasslich ist, wie jene Ketten locker an einander gereihter\nkurzen und durch Wiederholungen dem Hörer eingänglich\ngemachten melodischen Sätze. Auf Einzelnes haben wir\nschon oben aufmerksam gemacht; aber unterlassen dürfen\nwir nicht, die Schönheiten des dritten Actes, die wohl die\nmeisten Zuhörer erst bei der zweiten Aufführung ganz\ngewürdigt haben, herauszuheben. Die grosse Scene des\nLucius und das darauf folgende Duett—Verklärungs-Duett\nmöchte man es nennen sind zwei Edelsteine vom rein-\nsten Wasser. Auch die Instrumentation der Oper ist eine\nmeisterliche, reich an ergänzenden Tonmalereien, ohne\naufdringlich zu sein; wenn sie an einigen wenigen Stellen\ndie Stimmen überdeckte, so mochte das eher an den Stim-\nmen als an ihr liegen.\nOhne Frage ist Herr Hiller auch dem Dichter vielen\nDank schuldig. Jene beiden grossen Gruppen bieten sich\nwie von selbst der musicalischen Charakteristik dar; durch\ndas Vorwiegen des recitativisch-melischen Elements in der\neinen, des melodisch-harmonischen in der anderen waren\nsie vorweg leicht zu sondern. Figuren von so titanenhaf-\nter, vulcanischer Grandiosität, wie die der Lavinia, von so\nreiner, weihevoller Grösse, wie die des Priesters, und von\nder Lieblichkeit der christlich-verklärten griechischen Sän-\ngerin müssen jedem geistvollen Tonsetzer willkommene Vor-\nwürfe sein. Dazu ist in dem Hartmann'schen Texte jede\nrecitativische Breitspurigkeit aufs glücklichste vermieden.\nDie Oper hat hier auch bei den Wiederholungen eine\ngute Darstellung erhalten: Sänger, Orchester, Chöre ha-\nben nach den anerkennenden Aeusserungen des Herrn\nHiller sämmtlich dazu mitgewirkt. Iftdess lassen ziemlich\nalle Partieen, selbst die der Frau Haase-Capitain, so mu-\nstergültig sie auch durchgeführt wurde, durch noch ent-\nsprechendere Individualitäten eine noch vollendetere Re-\npräsentation zu, und es werden sich natürlich manche\nBühnen finden, die bei einer gleich guten Vertretung der\nEinzel-Partieen wenigstens durch reichere scenische und\nchorale Mittel die unserige zu überbieten vermögen. Na-\nmentlich durch eine Verstärkung der Chöre, vorausgesetzt,\ndass sie so tactfest wie die unsrigen sind, würde die Oper\nnoch um ein Bedeutendes gewinnen. Sollten wir am\nSchlüsse mit kurzem Worte ihr noch ihre Stellung unter\nden älteren und neueren deutschen Opern anzuweisen ver-\nsuchen, so möchten wir sie am liebsten—der Unterschied\nder Zeiten natürlich berücksichtigt - mit der Gluck'schen\nMusik in geistige Affinität setzen; sie hat jedenfalls eine\nandere Genesis, als die „Zukunfts-Oper\", und mit dieser\nnur äusserliche Analogieen. (W.-Z.)\n\nAus Wien\n*).\n(Die Preis-Sinfonieen.)\nAm 22. Februar hat die langerwartete Aufführung\nder unter dem Schutze der Gesellschaft der Musikfreunde\nentstandenen Preis-Sinfonieen endlich Statt gefunden\nlange erwartet freilich nur von den Wenigen, welche über-\nhaupt für neue Tonwerke einiges Interesse hegen und de-\nnen eine „Preis-Ausschreibung\" dieses Interesse nicht von\nvorn herein verleidet. Wenige waren es in der That, die\nsich aus freiem Antriebe am vorigen Sonntage in den Ge-\n\n*) Aus Nr. 9 der wiener „Recensionen\"."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.7", "texte": "sellschaltssaal begeben hatten: die Mehrzahl folgte dem\nernsten Rufe der Referentenpflicht oder der eiteln Lockung\neiner Freikarte.\nDie Sinfonie in G-mollvon Albert Recker in Her-\nlin (der Name wurde am Schlüsse bekannt gegeben) ist\nein recht schönes, stimmungsvolles Tonstück, welches unse-\nres Erachtens mehrseitig mit übergrosser Strenge beurtheilt\nworden ist. Keineswegs von epochemachender Genialität\n(hatte man etwa diese erwartet?) und in Erfmdungs- wie in\nWirkungskraft mit jedem Satze einiger Maassen abneh-\nmend, vereint die Recker'sche Arbeit doch eine Reihe von\nVorzügen, welche die ihr von den Preisrichtern (Hiller,\nReinecke, V. Lachner, Ambros und Volkmann)\nzuerkannte Ehre gerechtfertigt erscheinen lassen. Der erste\nSatz namentlich ist sehr lebendig stimmungsvoll, sehr lo-\ngisch gegliedert, erfindungs- und effectreich und wirkt\nwohlthuend durch Klarheit des Ausdrucks wie durch knap-\npes Zusammenhalten der Form. Der Componist versteht\nes, anzufangen und zu schliessen, letzteres namentlich ein\nbei der jüngeren Generation gar seltener Vorzug. Zeigen\nsich diese guten Eigenschaften in den übrigen Sätzen auch\nin geringerem Grade, so verschwinden sie doch nirgends\nganz, sondern erhalten den Zuhörer vielmehr bis zum\nSchlüsse in der Stimmung, mit der man ein tüchtig ge-\nschultes, guten Mustern glücklich nachstrebendes Talent\nzu verfolgen liebt.\nGanz anders stellt sich uns die Sinfonie in von\nJoachim Raff entgegen. Mit einem Programm, in wel-\nchem deutsche Einigkeit und deutsche Zerfahrenheit um\nden Preis ringen, musicalisch anspruchsvoll geschrieben,\nwie man sich nur etwa eine Mischung von Liszt und Wag-\nner denken mag, in anderthalbstündiger Dauer alle Hülfs-\nmittel einer überkünstelten Orchestration aufbietend\ngenügt diese Composition doch gerade den allereinfachsten\nAnforderungen, die man an gute Musik zu machen hat,\nin sehr geringem Maasse. An eflectvollen Einzelzügen ist\nsie nicht arm, einiger überraschender Wendungen, neben\nvielen forcirten, mag sie sich rühmen, das Orchester weiss\nder Componist zu gebrauchen (aber auch zu missbrauchen)\n—am ansprechendsten ist die Verarbeitung des „Volkslie-\ndes\" im zweiten Satze. Von selbstständigen, logisch sich\nentwickelnden Ideen hält sich der Componist wohl absicht-\nlich entfernt, oder sie von ihm, die grell gefärbte, mitunter\neffectvolle Orchestration muss die innere Armuth verdecken,\nKünsteleien müssen den feinen ästhetischen Sinn, den Sinn\nfür Ebenmaass und Einfachheit ersetzen, und wen nicht\nschon das (an sich ganz unmusicalische) Programm abge-\nschreckt, wen nicht der eitle Lärm, nicht die tausend Kün-\nsteleien bereits verstimmt haben, dem gibt d ie materielle\nDauer dieser Sinfonie den Gnadenstoss. Wir können daher\nnach dieser Aufführung dem bezüglichen, freilich nicht ur-\nsprünglich einstimmigen Urtheile der Herren Preisrichter\ndurchaus nicht beistimmen, eben so wenig dem Jubel\neiniger Zuhörer, die dem anwesenden Componisten zu\nhuld igen bestrebt waren.\nBeide Sinfonieen fanden eine so sorgsame Aufführung,\nals bei wenigen Proben und mit der plötzlichen Directions-\nAenderung möglich war. Es hatte nämlich an der Stelle\ndes durch ein trauriges Familien-Ereigniss verhinderten\nHerbeck Herr J. Hellmesberger die Leitung über-\nnommen und damit nicht nur seine Bereitwilligkeit, son-\ndern auch seine rasche Auffassungsfähigkeit und technische\nGewandtheit aufs Neue bewiesen.\n\nAchtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 3. März 1863.\nProgramm. I. Theil. 1. F. Hill er, Ouvertüre zur Oper „Ein\nTraum in der Christnacht\". 2. Mozart, Arie aus Don Juan (Frau\nCaggiati, k. hannoversche Hofsängerin). 3. Beethoven, Concert\nfür die Violine (Herr Concertmeister von König slow). 4. Che-\nrubini, Credo und Agnus Dei aus der Krönungsmesse. 5. C. M.\nvon Weber, Arie aus Oberon: „Ocean\" (Frau Caggiati). G.\nChor aus der Oper „Die beiden Geizigen\".\n11. Theil. 7. Beethoven, Sinfonie Nr. VII in A-dur.\nDie Eröffnung des Concertes durch die Ouvertüre einer frühe-\nren Oper von Ferdinand Hiller: „Ein Traum in der Christnachtu,\nwar im gegenwärtigen Augenblicke, wo Hiller's neueste Oper: „Die\nKatakomben\", ihre Bahn über die deutschen Bühnen unter so glän-\nzenden Erfolgen beginnt, wie die Aufführungen in Wiesbaden, Karls-\nruhe und Bremen (am 1. März zum dritten Male mit steigendem\nBeifalle) bekunden, doppelt interessant, zumal da diese Ouvertüre\nan anderen Orten neuerdings wieder öfter, in unseren Winter-Con-\ncerten aber, so viel wir uns erinnern, noch niemals gehört worden\nist. Hiller begann jene Oper, nachdem er im Frühjahre 1840 sein\nOratorium „Die Zerstörung von Jerusalem\" in Leipzig aufgeführt\nhatte, in seiner Vaterstadt Frankfurt, wohin er nach seiner Vermäh-\nlung in Italien mit seiner jungen Gattin zurückgekehrt war und den\ngrössten Theil der Jahre 1842 und 1843 dort verlebte. Im Herbste\n1843 ging er nach Dresden, wo die Intendantur des Hoftheaters\nseine Oper zur Aufführung angenommen hatte. Diese fand im Früh-\njahre 1844 Statt. Ueber den Werth der Composition waren alle\nStimmen einig; man lobte die Musik in allen Blättern und in allen\nmusicalischen Kreisen; allein überall hiess es auch, das Textbuch\nrichte sie zu Grunde. Und dem war auch leider also. Somit hatte\ndie Oper keinen Bühnenerfolg und verschwand wieder vom Reper-\ntoire : nur einige Gesänge und die Ouvertüre erhielten sich. Sie\nbildet auch absolut betrachtet ein anziehendes Musikstück durch die\nmelodische Erfindung, den Wechsel der Stimmung, in die sie uns\nversetzt, die schöne Instrumentirung und den schwungvollen Schluss-\nsatz; sie würde aber noch mehr Eindruck machen, wenn einige An-\ndeutungen über den Inhalt der Oper auf dem Programm gegeben\nwürden.\nFrau Caggiati hatte die Brief-Arie der Donna Anna und die\nScene der Rezia: „Ocean, du Ungeheuer\", zu ihren Vorträgen ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630307-01.1.8", "texte": "wählt. In der Mozart'schen Arie schleppte sie im Larghetto zuwei-\nlen das Tempo etwas zu willkürlich, erfreute aber durch reine Into-\nnation, schöne Tonbildung und im Allegro besonders durch correcte\nColoratur. Dennoch machte sie durch den dramatischen Vortrag der\ngrossen Scene aus Weber's „Oberon\" grösseren Eindruck, der ihr\nrauschenden Beifall und Hervorruf eintrug.\nHerr von Königslöw hat in seinem Vortrage des Beethoven1-\nsclien Concertes die grossen Vorzüge seines Spiels, vollendete Rein-\nheit und Weiche des Tones in jeder Applicatur, seelenvollen Aus-\ndruck der Melodie, schöne Abrundung der Verzierungs-Figuren und\npassagenartigen Stellen in allen Sätzen, namentlich im ersten und\nzweiten, vortrefflich zur Geltung gebracht: wir glauben nicht, dass\nman das Adagio schöner hören könne, als wir es am Dinstag hör-\nten. Den ersten Satz fassen andere Spieler etwas anders auf, sie\nsuchen ihm einen grossartigeren Charakter zu verleihen: allein im\nGrunde liegt dieser Charakter doch nicht in der Composition, welche\ndurchaus edel gehalten ist, nirgends aber auf imposante Effecte aus-\ngeht, wie das z. B. im Pianoforte-Concert in Es-dur der Fall ist,\nsondern im Gegentheil den Hauptreiz in den schmelzenden Fluss\nder sanften und zarten melodischen Motive und deren wundervolle\nVertheilung an die Solo-Violine und die Blas-Instrumente gelegt hat.\nDesswegen ist uns aber auch stets, selbst bei Joachim, eine schwie-\nrige und gelehrte Cadenz am Schlüsse des Satzes nicht recht, sie\nwirkt in der That störend. Hat uns doch Beethoven im Es-dur-Con-\ncerte gezeigt, dass er keine contrapunktischen Studien und Bravour-\nstücke in den Cadenzen seiner Concerte haben will, sondern nur\neine Einleitung zur Coda durch modulirte Anklänge an die Haupt-\nmotive des Satzes. Im letzten Satze geben wir allerdings dem kräf-\ntigen Vortrage des Themars und der Stellen, wo die Doppelgriffe\neintreten, den Vorzug.\nDer Chor löste seine Aufgabe in dem Credo und dem Agnus Dei\nder prächtigen Krönungsmesse von Cherubini auf vorzügliche\nWeise. Man würde vergeblich Worte suchen, um das Erhabene und\nGrosse des ersten, das Rührende und Andachtsvolle des zweiten\nSatzes auszudrücken.\nDer kleine Chor aus der Oper „Die beiden Geizigen\" (auf dem\nProgramm stand durch ein Versehen „Die beiden Blinden\") von\nGretry (1770), der zum Schlüsse der ersten Abtheilung gemacht\nwurde, ist zwar reizend und anmuthig, klang aber doch nach so\ngrossen Ton werken etwas gar zu naiv.\nDie zweite Abtheilung brachte eine treffliche Ausführung der\nA-dur-Sinfonie von Beethoven.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nConcert-Director Joachim in Hannover hat sich mit der Hof-\nOpernsängerin Fräulein Weiss verlobt.\nLiszt hat vom Patriarchen von Jerusalem den Orden des heili-\ngen Grabes zugeschickt bekommen.\nDr. Chrysander in Lauenburg und Dr. Rob. Franz in Halle\nwurden zu correspondirenden Mitgliedern des „Niederländischen\nVereins zur Beförderung der Tonkunst\" ernannt.\nWleil. Herr Hof-Capellmeister Esser ist erkrankt, wodurch\ndas Studium des „Tristan\" wieder ins Stocken gerathen dürfte.\nDie Rollen der David'schen „Lalla Rookh\" sind an die Mitglie-\nder des Hof-Operntheaters ausgetheilt worden. Beschäftigt sind Fräu-\nlein Kraus (in der Titelrolle), Fräulein Liebhart, die Herren Walter\nund Meyerhofer in den Haupt-Partieen.\nDem k. k. Hoforganisten Herrn Sigmund Sechter wurde das\ngoldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen.\nNizza. Alle Welt sprient nur von dem Concerte der Baronin\nVigier (Sophie Cruvelli) zum Besten der Armen, das am 19.\nFebruar Statt gefunden. Der niedrigste Eintrittspreis war auf 10 Fr.\nfestgesetzt, aber man bezahlte die Logen ersten und zweiten Ranges\nmit 100 Fr. und einzelne Stühle mit 15 —2O Fr. Dennoch waren\ndie Anmeldungen so zahlreich, dass man die Plätze verloosen musste.\nErnst Pauer in London, erst kürzlich von dem Könige von\nPreussen mit dem Kronen-Orden IV. Classe decorirt, hat nun auch\nvon dem Könige von Sachsen „für seine verdienstliche Wahrung\nder Interessen sächsischer Instrumenten-Fabrication\" das Ritterkreuz\ndes Albrechts-Ordens erhalten."}]}