{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-03-14-01", "volume": "bmtnabi_1863-03-14_01", "ocr_sha256": "9ee7d2561e06209774e7d980bfd71d5e46c667dd8b68710ea939cc7dbfc7e2d6", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/03/14_01/bmtnabi_1863-03-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 459, "texte": "Inhalt.\nBeethoven1 s patriotische Compositionen: „Die Schlacht bei Vittoria\" (Sinfonie) Die Cantate: „Der\nglorreiche Augenblick\". Veränderter Text zu der Cantate. Von L. B. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Dritter\nMusikabend des Conservatoriums, Dramatische Vorstellung, von Herrn E. Koch veranstaltet Berlin, Camillo Sivori, Fräulein Lucca\nHannover, Stockhausen Leipzig, neue Oper Dresden, General-Intendant von Lüttichauf Wien, Italiänische Oper Paris)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "85", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.2.2", "titre_corps": "Beethoven’s patriotische Compositionen.", "titre_sommaire": "Beethoven’s patriotische Compositionen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.1", "debut_caractere": 461, "fin_caractere_exclue": 4359, "texte": "Beethoven’s patriotische Compositionen.\nWährend die Erhebung Preussens und Deutschlands\nin diesem Jahre ihre fünfzigjährige Gedenkfeier begeht,\nwollen wir daran erinnern, dass auch die musicalische\nWelt ein fünfzigjähriges Jubiläum, die Erinnerung an die\nerste Aufführung der siebenten Sinfonie in A-dur\nund der Schlacht- und Sieges-Sinfonie über die\nSchlacht bei Vittoria von Beethoven zu feiern hat.\nDie Entwürfe zu den jetzt mit den Nummern VII und\nVIII bezeichneten Sinfonieen rühren aus dem Anfange des\nJahres 1812 her. Die achte (in F-dur) wurde schon im\nFrühling von 1812 in Linz, wo Beethoven bei seinem\nBruder eine Zeit lang wohnte, vollendet. Von da reiste er\nnach Teplitz zur Badecur, schrieb do,rt die Ouvertüre zu\nKönig Stephan und ging nach seiner Rückkehr in Wien\nan die Ausarbeitung der J.-<iwr-Sinfonie. Ob sie noch im\nJahre 1812 oder erst 1813 fertig geworden, steht nicht\nfest. Aufgeführt wurde sie zuerst am 8. December\n1813, die Sinfonie in F-dur hingegen erst am 27. Fe-\nbruar 1814 und Beethoven hat wahrscheinlich die\nNummern VII und VIII nach der Zeitfolge der ersten Auf-\nführungen bestimmt, zumal da der ungeheure Erfolg der\nA-dur-Sinfonie schon durch Zeitschriften der Welt be-\nkannt geworden, ehe die Sinfonie noch in die Oef-\nfentlichkeit gekommen*). Der Charakter beider Sinfonieen\ngibt übrigens, wie so viele andere Werke, einen schla-\ngenden Beweis gegen die psychologischen Kunst-Histori-\nker, welche die Werke des Genies, ihre Entstehung und\nihren „bedeutungsvollen\" Inhalt stets aus den jedesmali-\ngen Körper- und Seelen-Zuständen und Lebens-Verhält-\nnissen des Dichters oder Componisten entwickeln und er-\nklären wollen und nicht wissen, dass der Künstler stets\nin zwei Welten lebt, in seiner eigenen, rein künstlerischen,\nvon Gott geweihten, und in der fremden, die, sei's durch\nSchmerz und Krankheit, sei's durch Noth und Sorge,\nüberhaupt durch jeglichen Andrang von aussen an ihn\nherantritt. Die gänzliche Isolirung von dieser äusseren\nWelt und die Versetzung mit seinem ganzen Wesen in\neine andere ideale, unii welche die Muse dann auf der\nStelle ihre Zauberkreise zieht und alles Ungeweihte bannt\nOdiprofanum vulgus et arceo —, das ist ja eben das\nKennzeichen des Genies. Als Beethoven diese beiden Sin-\nfonieen schrieb, war sein körperlicher Zustand sehr ange-\ngriffen und seine Gemüthsstimmung nichts weniger als\nheiter; noch mehr, auch seine ökonomische und häusliche\nLage war traurig, wie das alles von Schindler (1., S. 185)\nnachgewiesen ist. Und bei alledem jene Fülle von Heiter-\nkeit, Scherz, Anmuth, selbst ausgelassener Lustigkeit (das\nFinale in A-dur),ja, was noch viel mehr ist, jene ruhig\nsanften, mildlröstenden Melodieen, die im Andante den\nSchmerz besiegen, im Scherzo mitten in die Munterkeit\nmit Klängen treten, welche die Befriedigung des Herzens\naussprechen, dem ein neuer Stern der Hoffnung aufge-\ngangen, welcher in ruhigem Glänze am Himmel erst mild,\ndann hell strahlend leuchtet. Oder ist etwa das hohe (i\nder Violinen und Trompeten über der Harmonie ein Schrei\ndes Schmerzes?? das Finale ein Sturm der Verzweiflung??\n0, über die Ausleger!\n\n*) Aelmliches fand mit den Sinfonieen Nr. V (C-moll) und Nr.\nVI (Pastorale), im Jahre 1808 componirt, Statt. An beiden\nWerken hatte Beethoven ebenfalls zu gleicher Zeit geschrie-\nben; in der Akademie am 22. December 1808 aber lautete\ndas Programm: „I. Pastoral-Sinfonie Nr. 5. 11. Sinfonie in C-\nmoll Nr. 6\" u. s. w. Bei der Herausgabe (1809) erschienen\ndie Nummern so, wie sie jetzt gelten, Schindler meint, es sei\nwahrscheinlich, dass die 0-mo£Z-Sinfonie früher vollendet ge-\nwesen und Beethoven daher bei dem Erscheinen im Druck die\nrichtige Folge hergestellt habe. Wir sind derselben Meinung,\nfinden aber in dem Inhalt und Charakter beider Sinfonieen\neinen vollgültigen Grund, bei der ersten Aufführung beider\nhinter einander die Pastoral-Sinfonie der anderen gewalti-\ngen voranzustellen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5221, "texte": "Im December 1813 veranstaltete der Hof-Mechaniker\nMälzel, der Erfinder des Tactmessers, eine grosse Aka-\ndemie in der Aula der Universität zu Wien zum Besten\nder in der Schlacht bei Hanau invalide gewordenen öster-\nreichischen und baierischen Krieger. Er bewog Beethoven,\nneue Compositionen zu diesem 'patriotischen Concerte zu\ngeben und zu dirigiren. Beethoven wählte von den beiden\nfertigen Sinfonieen die glänzendere in und schrieb\nausserdem eine neue zur Eeier von Wellington's Sieg bei\nVittoria (den 21. Juni 1813); sie hatte zwei Theile:\nSchlacht-Musik und Sieges-Sinfonie. Seit dem unglücklichen\nletzten Widerstandskampfe Oesterreichs im Jahre 1809\nwaren die Augen Aller in Europa auf Spanien und dessen\nErhebung gerichtet. Wellington hatte zuerst gezeigt, wie\nNapoleonische Heere zu besiegen wären, und so war die\nBegeisterung eines vom Gefühle für Ereiheit durchglühten\nHerzens, wie es Beethoven in seiner Brust trug, ganz na-\ntürlich.\nDie Aufführungen beider Werke fatiden am 8. und\nam 12. December Statt. Beethoven dirigirte damals und\nauch im folgenden Jahre noch sicher und kräftig; sein Di-\nrectionspult war im grossen Redoutensaale, wo die Wie-\nderholungen der Sinfonieen im Januar, Februar u. s. w.\n1814 Statt fanden, weit vorgeschoben, Niemand stand\nihm aushelfend zur Seite, er hörte die Wirkung der Mas-\nsen und auch der einzelnen Instrumente ganz gut. Erst\nnach diesem Zeitpunkte und zum Theil wohl veranlasst\ndurch die Anstrengungen seines allerdings schon kränkeln-\nden Gehörs bei solchen Leitungen trat namentlich die\ngänzliche Schwächung des rechten Ohrs ein.\nDer Meister erliess nach den Aufführungen folgendes\nDankschreiben an die Mitwirkenden, das uns Schindler\n(1., 192) aufbewahrt hat:\n„Ich halte es für meine Pflicht, allen den verehrten\nmitwirkenden Gliedern der am 8. und 12. December ge-\ngebenen Akademie zum Besten der in der Schlacht bei\nHanau invalide gewordenen kaiserlich österreichischen und\nköniglich baierischen Krieger für ihren bei einem so erha-\nbenen Zwecke dargelegten Eifer zu danken.\n„Es war ein seltener Verein vorzüglicher Tonkünstler,\nworin ein jeder, einzig durch den Gedanken begeistert, mit\nseiner Kunst auch etwas zum Nutzen des Vaterlandes bei-\ntragen zu können, ohne alle Rangordnung auch auf un-\ntergeordneten Plätzen zur vortrefflichen Ausführung des\nGanzen mitwirkte.\n„Wenn H err Schuppanzigh an der Spitze der er-\nsten Violine und durch seinen feurigen, ausdrucksvollen\nVortrag das Orchester mit sich fortriss, so scheute sich ein\nHerr Ober-Capcllmeister Salieri nicht, den Tact den\nTrommeln und Canonaden zu geben; Herr Spohr und\nHerr Mayseder, jeder durch seine Kunst der obersten\nLeitung würdig, wirkten an der zweiten und dritten Stelle\nmit, und Herr Siboni und Giuliani standen gleichfalls\nan untergeordneten Plätzen.\n„Mir fiel nur darum die Leitung des Ganzen zu, weil\ndie Musik von meiner Composition war; wäre sie von einem\nAnderen gewesen, so würde ich mich eben so gern, wie\nHerr Hummel, an die grosse Trommel gestellt haben,\nda uns alle nichts als das reine Gefühl der Vaterlandsliebe\nund des freudigen Opfers unserer Kräfte für diejenigen,\ndie uns so viel geopfert haben, erfüllte.\n„Den vorzüglichsten Dank verdient indessen Herr\nMälzel, in so fern er als Unternehmer die erste Idee die-\nser Akademie fasste und ihm nachher durch die nöthige\nEinleitung, Besorgung und Anordnung der mühsamste\nTheil des Ganzen zufiel. Ich muss ihm noch insbesondere\ndanken, weil er mir durch diese veranstaltete Akademie\nGelegenheit gab, durch die Composition, einzig für die-\nsen gemeinnützigen Zweck verfertigt und ihm\nunentgeltlich übergeben, den schon lange gehegten\nsehnlichen Wunsch erfüllt zu sehen, unter den gegenwär-\ntigen Zeitumsländen auch eine grössere Arbeit von mir\nauf den Altar des Vaterlandes niederlegen zu können.\n„Ludwig van Beethoven.\"\nUeber den Erfolg der beiden Werke, die auf der\nStelle durchschlugen, lassen wir Augenzeugen reden. Der\nBericht in der leipziger Allgemeinen Musik-Zeitung, 1814,\nNr. 4, sagt:\n„Längst im In- und Auslande als einer der grössten\nInstrumental-Componisten geehrt, feierte bei diesen Auf-\nführungen Herr van Beethoven seinen Triumph. Ein zahl-\nreiches Orchester, durchaus mit den ersten und vorzüg-\nlichsten hiesigen Tonkünstlern besetzt, hatte sich wirklich\naus patriotischem Eifer und innigem Dankgefühl für den\ngesegneten Erfolg der allgemeinen Anstrengungen Deutsch-\nlands in dem gegenwärtigen Kriege zur Mitwirkung ohne\nEntschädigung vereinigt und gewährte unter der Leitung\ndes Componisten durch sein präcises Zusammenspiel ein\nallgemeines Vergnügen, das sich bis zum Enthusiasmus\nsteigerte. Vor Allem verdiente die neue Sinfonie jenen\ngrossen Beifall und ausserordentlich gute Aufnahme, die\nsie erhielt. Man muss dieses neueste Werk des Genies\nBeethoven's selbst und wohl auch so gut ausgeführt hören,\nwie es hier ausgeführt wurde, um ganz seine Schönheiten\nwürdigen und recht vollständig gemessen zu können. . . .\nDas Andante*) musste jedes Mal wiederholt werden und\n\n*) Auf die ursprüngliche Benennung des zweiten Satzes der IX.\nSinfonie mit Andante ist besonders aufmerksam zu machen.\nErst in den gedruckten Stimmen erschien deren Vertauschung\nmit „Allegretto\", das aller Orten Missverständnisse zum Nach-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5369, "texte": "entzückte Kenner und Nichtkenner. Was sodann die\nSchlacht betrifft, will man nun einmal sie durch Töne der\nMusik auszudrücken versuchen, so wird man wenigstens\nes eben aul die Art machen müssen, wie es hier gesche-\nhen. Einmal in die Idee eingegangen, erstaunt man freu-\ndig über den Reichthum und noch mehr über die geniali-\nsche Verwendung der Kunstmittel zu jenem Zwecke. Der\nEffect, ja, selbst die recht eigentliche Täuschung ist ganz\nausserordentlich, und es lässt sich wohl ohne alles Beden-\nken behaupten, es existire gar nichts im Gebiete der ma-\nlenden Tonkunst, das diesem Werke gleich käme.\"\nUnd Schindler fügt über die Aufführungen im Re-\ndoutensaale im Januar 1814 hinzu: „Der Enthusiasmus\nin der Versammlung war ein überwältigender\", und am\n27. Februar; „Wer sich eine Versammlung von fünf-\ntausend Zuhörern mit erhobener Stimmung in Folge kurz\nvorhergegangener welterschütternder Ereignisse, aber auch\nim Gefühle des hohen Werthes der gebotenen Kunstge-\nnüsse zu denken vermag, wird sich ungefähr eine Vor-\nstellung von der Begeisterung dieser Schar machen können.\nDie Jubel-Ausbrüche während der il-e?Mr-Sinfonie und\nder Schlacht bei Vittoria überstiegen alles, was man bis\ndahin im Concertsaale erlebt haben wollte.\"\nDas Programm der „Schlacht bei Vittoria\" ist\neinfach „Kampf\" und „Sieg\": die erste Abtheilung schil-\ndert dle Schlacht, die zweite den Triumph der Sieger in zwei\ngewaltigen Allegro's, was die Aufgabe bei der Gleichartig-\nkeit des Stoffes, der stets durch Massen von Tönen und\nKlängen bewältigt werden musste, nicht leicht machte.\nTrotzdem ist es Beethoven gelungen, die Monotonie des\nLärms (könnte man sagen) zu vermeiden, und wenn auch\ndie Composition nicht die hohe Stufe der übrigen Sinfonieen\nerreicht, so zeigt sie doch überall den Meister, dessen Genie\nauch hier Funken sprüht, die Schlachtmusik zu einem\ngrossartigen decorativen Tongemälde gestaltet und die\nSieges-Sinfonie aufzwei durch Rhythmus und Melodie höchst\ncharakteristisch jubelnde Hauptmotive erbaut, die sich vor\ndem Finale der V. Sinfonie nicht zu schämen brauchen.\n. Wie ernsthaft er es dabei mit alle dem Hokuspokus\nvon Kanonenschlägen, Kleingewehrfeuer durch Ratschen\nund Knattermaschinen, Trommeln und Trompeten u. s. w.\nnimmt, geht aus den genauen Bezeichnungen in der Parti-\ntur und aus den „Vorbemerkungen für die Aufführung\"\nhervor. Die Kanonenschüsse von zwei Seiten bezeichnet er\nauch mit zwei verschiedenen Zeichen, O gibt die fran-\n\"0\" die englischen Puffer an, und verlangt dafür\n„zwei Trommeln von grösster Gattung, 5 wiener Schuh\nins Gevierte; diejenigen, welche diese Kanonenmaschinen\nspielen, müssen durchaus nicht im Orchester, sondern\nan einem entfernten Orte stehen, und sie müssen von sehr\nguten Musikern gespielt werden (hier in Wien wurden sie\nvon denen erstem Capellmeistern gespielt)\". Ferner will\ner Trommeln und Trompeten (in Es für die Engländer,\nin Clür die Franzosen) auf jeder Seite neben den Kanonen\nhaben, instrumentirt aber ausserdem noch mit 3, be-\nziehungsweise 6 Trompeten im Orchester. Weil damals\ndie meisten Orchestersachen von dem Vorgeiger am ersten\nPulte dirigirt wurden, so schreibt Beethoven hier beson-\nders vor, „dass nebst dem Violin-Directeur noch ein Ca-\npellmeister den Takt fürs Ganze schlage\".\niNach Trommeln- und Trompeten-Signalen lässt er die\nEngländer mit dem Marsche der Melodie des Volksliedes\n„RuleBritannia\" in Es-duranrücken, dann die Fran-\nzosen mit „Marlborough s'en in\nund nach einer turniermässigen Trompeten-Aufforderung\nund deren Annahme vom Gegner beginnt der Kampf:\nAllegro moderato''/\\ in H-dur,das nach einem\nAllegro3/s in C-durmodulirt; darauf fällt ein Sturmmarsch\nin As-dur ein, der zu dem Hauptschlachtsatz Presto 4/4\nalla breve in Es-dur führt. Dieser rast eine Weile durch\nverschiedene Tonarten fort, bis das Getümmel sich in die\nFerne verliert, aus der nur noch schwache Anklänge an\ndas Lied Marlborough von der Seite der geschlagenen\nFranzosen herüber tönen. Sie verhallen auf Fis-dur. Nach\neiner Pause tritt eine schmetternde Fanfare ein, welcher\ndie Sieges-Sinfonie folgt. Zunächst Allegro con brio in\nD-dur V4 Tact, dann in sanfter Harmonie\nhing in B-dur %, ohne die zwei Schlusstacte, statt deren\nder Componist wieder nach der Dominante von D-dur\nmodulirt, worauf sich das erste Allegro wiederholt, das\nGod save in D-dur mit ff. darein schlagenden Massen\nwiederkehrt und zu einem Schlussatze mit fugirtem Anlauf\nüber dieses Thema führt.\nDie „Schlacht bei Vittoria\" war aber nicht die einzige\npatriotische Gelegenheits-Composilion, zu welcher die grosse\nZeit Beethoven veranlasste. Der Glanz, in welchem Wien\nim Jahre 1814 durch den Fürsten- und Gesandten-Con-\ngress erschien, bewog verschiedene Freunde der Kunst\nund ßeethoven's, seine zwei neuen sinfonistischen Werke\nwährend des Congresses nochmals zur Aufführung zu\nbringen. Der Rath war gut; der Tag des 29. November\n1814 wurde der ehren- und glanzvollste in Beethoven s\nLeben, der den Titel der Cantate: „Der glorreiche\nAugenblick\", die er noch für das Fest-Concert, das er\nan jenem Tage gab, hinzucomponirt hatte, für sich selbst\nin vollem Maasse in Anspruch nehmen konnte. Aber auch\nmaterielle Vortheile flössen ihm dadurch zu, die um so\nwillkommener waren, als die Erträge der früheren Akade-\n\ntlieil des Charakteristischen erzeugt hat. . In späteren Jahren\nempfahl darum der Meister wieder die erstere Benennung. A. S.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5128, "texte": "mieen der grossen Kosten wegen, die durch Copialien\nund Aufführungen verursacht wurden, nur gering gewesen.\nJetzt war er so glücklich, etwas erübrigen zu können, was\ner „zunächst der Versammlung der Herrscher Europa's\nin Wien und der ausserordentlichen Wirkung seiner\nSchlacht-Sinfonie auf die Massen verdankte. Die Geschenke\nder fremden Monarchen zumeist setzten Beethoven in Stand,\nan Niederlegung eines Capitals in österreichischen Bank-\nActien denken zu können\". (Schindler, I. 202.)\nUeber die Entstehung der Composition der Cantate\nfür ersten und zweiten Solosopran, Tenor- und Bass-Solo,\nChor und Orchester theilt uns dieselbe authentische Quelle\nFolgendes mit.\n„Der Meister fasste den Entschluss, die von Dr. Aloys\nWeissenbach gedichtete Cantate: „ „Der glorreiche Augen-\nblick\"\" in Musik zu setzen und selbe in Verbindung mit\nder und der Schlacht bei Vittoria an Einem\nAbend ausführen zu lassen. Der Inhalt der Cantate war:\ndie Huldigung der Stadt Vindobona den fremden Mo-\nnarchen dargebracht. Mit rühmenswerther Bereitwilligkeit\nwurden dem Künstler Seitens des Oberst-Kämmereramtes\nbeide kaiserliche Redouten-Säle sogar für zwei Abende zur\nVerfügung überlassen, indem man hohen Orts diese musica-\nlische Feierlichkeit gleichsam wie eine Hof-Festlichkeit be-\ntrachtete. Beethoven selber machte persönlich die Einla-\ndung bei allen Monarchen, die sämmtlich bei der Feier\nerschienen waren. (Der Verfasser befand sich unter den\nMitwirkenden an der 2ten Violine.) Die Stimmung der\nnahezu aus 6000 Zuhörern bestehenden Versammlung,\naber auch die in der grossen Schar der im Orchester und\nChor Mitwirkenden lässt sich nicht beschreiben. Die ehr-\nfurchtsvolle Zurückhaltung von jedem lauten Beifallszeichen\nverlieh dem Ganzen den Charakter einer grossen Kirchen-\nfeier. Jeder schien zu fühlen, ein solcher Moment, werde\nin seinem Leben niemals wiederkehren. Nur Eins hatte\nder Feier gefehlt: die Anwesenheit Wellington's, welcher\nmit Gewissheit entgegen gesehen worden. Der siegreiche\nFeldherr kam erst nach beendigter Feier in Wien an*).\n„Schon am 2. December darauf erfolgte die Wieder-\nholung bei nur mässig gefülltem Saale, aber desto\ngrösseren Beifallsbezeugungen.\n„Die Solo-Stimmen in der Cantate wurden ausgeführt\nvon Frau Milder-llauptmann und Fräulein Bondra,\ndann den Herren Wild und Forti.\n„Bezüglich auf diese Cantate sei erwähnt, dass Beet-\nhoven den Entschluss, selbe in Musik zu setzen, einen h e-\nroi sehen genannt, weil die Versification schlechterdings\neiner musicalischen Bearbeitung entgegen war. Nachdem\ner selber im Vereine mit dem Dichter daran geändert und\ngefeilt, der letztere aber nur die Verse „ „verbössert\"\" hatte,\nward das Gedicht dem Karl Bernard zu gänzlicher Ueber-\narbeitung gegeben, wodurch ein grosser Zeitverlust herbei-\ngeführt wurde. Diese Umstände erklären deutlich, warum\nder Genius des Componisten sich in diesem Werke nicht\nzu gewohnter Höhe erhoben hat. Auch waren ihm nur\nwenige Tage zum Niederschreiben vergönnt. Ueberdies\nnoch mussten die Chöre, weil von Dilettanten gesungen,\nsehr leicht behandelt werden, denn in jenen Tagen allge-\nmeiner Aufregung fehlte es vor Allem an Zeit und Müsse\nzu Proben.\"\nDie Cantate wurde erst beinahe zehn Jahre nachßeet-\nhoven's Tode, etwa um 18-36, in Wien im Verlage von\nTob. Haslinger in Partitur und Stimmen gedruckt und\nden Kaisern Franz I. und Nikolaus 1., und dem Könige\nFriedrich Wilhelm 111. vom Verleger gewidmet. Ob da-\nmals auch schon ein Clavier-Auszug, ebenfalls mit dem\nTexte von AI. Weissenbach, erschienen, ist uns unbekannt.\nSpäter aber liess Haslinger einen Clavier-Auszug und neue\nSingstimmen mit einem Texte von F. Rochlitz, betitelt:\n„Preis der Tonkunst\", drucken.\nDas Werk mit dem Originaltext blieb ziemlich unbe-\nkannt: der Inhalt betraf zwar einen grossen historischen\nMoment, allein der Verfasser hatte nicht verstanden, ihn\nins volle Licht zu stellen, und gab dadurch, dass er die\npersonificirte Stadt Vienna, auch zuweilen Vindobona\ngenannt, zur Hauptträgerin des Ganzen machte, diesem\neine specifisch locale Farbe und zog das Grosse ins Klein-\nliche herab. Von Poesie war in den holperigen Versen\nvollends gar nicht die Rede, was man leicht glauben wird,\nwenn man folgende Proben betrachtet:\n„Europa steht!\nUnd die alten Jahrhundert1,\nSie schauen verwundert\nEmpor.I''\nDie Völker rufen zu der lichtumllossenen Gestalt:\n„Steh' und halt!\" Es ist „Vienna\", „auf ihrem Wappen-\nschild erscheinet dir die Lerchenschaar, der gothisch alte\nThurm, der Doppelaar\" u. s. w. »Der Herrscher an\nder Spree, der, als erschien sein Reich verloren, sein Volk\ngeboren\" „Das Weltgericht, das die zusammen hier\ngewunken, um derentwillen nicht Europa in dem Blut-\nmeer ist versunken\" „Und diesen Gloriebogen hat Gott\nin unserm Franz um eine ganze Welt gezogen\" (!!)\nUnd dennoch hat Beethoven in wenigen Wochen oder\nvielleicht nur Tagen eine Musik auf diesen Text componirt,\nwelche keineswegs der Vergessenheit anheim zu fallen\n\n*) Ein Anschlagzettel dieser Akademie liegt vor. Darauf ist unter\nAnderm zu lesen: „Drittens: Eine grosse vollstimmige Instru-\nmental-Composition, geschrieben auf Wellington's Sieg in\nder Schlacht bei Vittoria.\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2833, "texte": "verdient. Sie besteht aus 6 Nummern, unter denen Nr. 3,\neine grosse A r i e in B-dur für Sopran mit obligater\nVioline und stellenweise eingreifendem Chor, ein höchst\nansprechendes und glänzendes Solostück (S. 48 —lO6 der\nPartitur) von melodischem Fluss und Mozart'scher Sang-\nbarkeit ist, Nr. 4 aber, Becitativ und Ca vatinein G-dur für\neinen zweiten Sopran, der aber auch bis zum zweige-\nstrichenen ageht, nebst dem Chor, welcher die Melodie\nder Cavatine wiederholt, zu dem Schönsten gehört,\nwas Beethoven geschrieben, und Nr. 5 Becitativ und\nQuartett in A-dur für 2 Soprane, Tenor und Bass sich\nin ganz anmuthigen, wenn auch nicht genialen Weisen\nergeht, zwischen denen freilich einige Bitornells die Spuren\nder Eile tragen, mit welcher das Werk componirt wurde.\nDasselbe kann man streng genommen auch von den beiden\ngrossen Chören Nr. 1 und Nr. 6 sagen, jedoch ist der\nAnfang des ersten imposant, und der letzte (wenigstens bis\ndahin, wo das fugirte Allegro eintritt) durch die Abwechs-\nlung des Frauen- und Männer-Chors und die charakteri-\nstischen Melodieen beider einnehmend. Das Ganze ist das\npopulärste Yocal-Werk Beethoven's, das man freilich nicht\nneben Fidelio und die grosse Messe stellen kann, wozu es\nvon Hause aus aber auch in keiner Weise angethan war.\nUm die Verbreitung der Cantate zu fördern, schrieb\nRochlitz, wie erwähnt, auf Haslingers Ersuchen, einen\nneuen Text, den er nach Schindler schon bei seiner\nAnwesenheit in Wien im Jahre 1822 Beethoven „vor-\ngelegt\" haben soll. Schindler sagt uns aber nicht, was der\nMeister dazu gesagt habe. Es war jedenfalls ein unglück-\nlicher Gedanke, die Verherrlichung einer Kunst, und noch\ndazu der idealsten, einer Musik zuzumuthen, welche ein\nweltgeschichtliches Ereigniss feiert. Es entstanden dadurch\nWidersprüche zwischen dem Text und der Musik, die nur\nzum Nachtheil der Composition ausfallen mussten, wie z. B.\ngleich beim ersten Bass-Solo, wo Beethoven die Hoheit\nder nahenden Erscheinung schildert, Rochlitz aber von\n„sanfter Harmonie\" und von „des Wohllauts Kette\" spricht,\nund so fort, so dass am Ende Beethoven im Schluss-Chor\nstatt des Einzugs der rückkehrenden Sieger die Tonkunst\nmit Janitscharenmusik preist! Dass Bochlitz wohllautendere\nVerse gibt, darauf kommt es hier nicht an, sondern darauf,\nob der Geist des Gedichtes dem Geiste der Musik entspricht,\nund das ist nicht der Fall.\nSoll dem Texte aufgeholfen werden, so kann es nur\ndadurch geschehen, dass die Haupt-Idee, ein grosses vater-\nländisches Ereigniss zu feiern, festgehalten und vom ur-\nsprünglichen Text so viel als möglich herbei gezogen wird.\nDies ist in dem hier folgenden Texte versucht worden, den\nwir mittheilen, weil die Jubelfeier der Erhebung Deutsch-\nlands vor fünfzig Jahren auch zu Fest-Concerten Veran-\nlassung geben dürfte, Lei denen Beethoven's Werk sich\nzur Benutzung empfiehlt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "87", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.2.3", "titre_corps": "Germania’s Triumph", "titre_sommaire": "Germania’s Triumph", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.5", "debut_caractere": 2835, "fin_caractere_exclue": 4550, "texte": "Germania’s Triumph\n\n*).\nNIY ]. Chor.\nEuropa staunt!\nund die Zeiten,\ndie ewig schreiten,\nder Volker Chor,\ndie vergangenen Welten,\nsie schauen verwundert empor.\nWer mag die Hehre sein,\ndie von dem Wunderschein\n.der alten Gotterivelt umzogen,\nherauf aus Osten geht,\nin einer Fürstin Majestät,\nwncZ auf des Friedens Regenbogen ?\nViele entzückte Volker stehen,\nrufend zu der herrlichen, kronengesclimückten,\nlichtumflossenen Gestalt:\nHeil dir, Heil!\nKomm', auf Wolken hergetragen,\nirohe Kund1 uns anzusagen\no\nNr. 2. Recitativ. Basso.\nO seht, sie naht! sie schwebt hernieder!\nund aus dem Glanzmeer tritt jetzt die Gestalt:\nein Fürstenmantel ist's, der von dem Rücken\nder Kommenden zur Erde niederwallt;\ndie Hoheit strahlt aus ihren Blicken,\nes schwebet über ihrem Haupt\nder Adler stolz mit mächt'gem Flügelschlage,\nund deutlich wähnt mein Aug1 zu schau'n,\ndass ihre Stirn den Kranz der Eiche trage.\nArioso. Tenore Solo.\nErkennst du nicht das heimische Gebilde\nO sieh, wie hehr und mild\nerglänzt des Auges sanfter Blick!\nes weinete so lang\nda wandte Gott sein hart Geschick:\nes woget1 auf des Volkes Drang,\nzum Siege flog empor Aar!\nChor.\nGermania! Germania!\nKroneng eschmückte,\nG otterbeglückte,\nWonne verkündende Siegerin!\nSei gegrüsst von den Völkern allen,\ndie heute froh zum Siegesfeste wallen ;\nsie jauchzen: Du\nbist Europa's Königin!\nGermania! Germania!\nIs r. 3. Ger mania. Soprano I.\nRecitativ.\nO Himmel! welch Entzücken!\nwelch Schauspiel zeigt sich meinen Blicken!\nWas nur die Erde Hoch und Hehres hat,\n. auf meinen Fluren seh' ich es versammelt;\nder Busen pocht, die Zunge stammelt:\nEuropa seh1 ich hier zu meinen Füssen !\n\n*) Die aus dem ursprünglichen Texte beibehaltenen Worte sind\nmit Cursivschrift gedruckt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3250, "texte": "Tempo d i Marc i a.\nMein Auge schaut den Zug,\nder fern mit froher Töne Klängen,\nhier von der Ostsee Rand,\ndort mit dem Schall von Kriegsgesängen\nsich nahet von der Wolga Strand!\nUnd übers Meer her schickt\nBritannia sein Lorberreis,\ndas es brach im Kampfe!\nUnd siehe, selbst von Norweg's Eis\nerscheinen sie zum Siegesgruss!\nDer Tajo sendet seine Boten her,\nder Alpen Berge, und\ndas Land des Wohllauts und der Liebet\nUnd was ein Gott beschieden,\nheil'ges Vertrau1 n,\nes schliesset nun in meinen Gau'n\nden Bund zum ew'gen Frieden.\nArie mit Chor.\nAlle die Fürsten sich begrüssen\nChor.\nHeil, Germania, dir und Glück !\nGermania.\nAlle die Volker froh sich küssen L\nChor.\nTritt, du stolze Gallia, zurück!\nGermani a.\nUnd das Höchste seh' ich gethany\nes verschwinden Hass und Wahn,\nda ein gesprengter Welttheil wieder\nsich zum Ringe füget und schliesst,\nund zum Bunde friedlicher Brüder\nAlle die goldene Freiheit kiisst.\nC h o r.\nWelt! ein glorreicher Augenblick l\nGermania.\nUnd mit seiner Fürsten Mächten\nist mein deutsches Volk bereit\neinen eioigen Bund zu flechten,\nwallet kühner des Ruhmes Bahn,\nsteiget empor zum Sternenplan.\nChor.\nHeil, Germania, dir und Glück!\nFeire den glorreichen Augenblick.\nNr. 4. Recit a t i v. Genius. Soprano 11.\nAuf ihn vertraut, durch den am Himmel droben\ndie Sonnen auf- und niedergehen\nund Stern' und Volker ihre Bahnen drehen.\nEr strahlet über alle Könige der Erd1 in Majestät,\nsein Aug', es ist das Weltgericht!\nDen Muth hat Er euch angefacht,\ndass durch Tyrannen macht\nEuropa in dem Blutmeer nicht versunken.\n0 knieetj Volker, hin und betet\nzuerst zu dem (zu dem), der euch gerettet.\nCavatin a.\nKönntest du verzagen,\nda ein Gott auf Wolken thront,\nder auch in den trüben Tagen\nmit der Allmacht Auge lohnt?\nHoff\" auf ihn, hoff' auf ihn,\ndenn Engel tragen\ndeine Thränen hin\nhoff1 auf ihn,\ndenn Engel tragen\nzu ihm deine Thränen hin!\nChor,\nGott des Dankes heisse Thräne,\nihm, der hoch auf Wolken thront!\nder in unsern trüben Tagen\nmit der Allmacht Hand\nKönige und Volker\nall1 in Lieb1 und Treu1 verband:\nGott des Dankes Thräne!\nNr. 5. Recitativ.\nGenius (Sopr. II.). Germania (Sopi\\ I). Führer des Volkes\n(Tenore e Basso).\nSopr. 11. Der den Bund im Sturme festgehalten,\ner wird den Bau der neuen Welt,\nder neuen Zeit auch so gestalten,\ndass dran des Frevlers Arm zerschellt.\nSopr. I. Ewig wird der Oelzioeig grünen,\nden im Chor\nAlle, die den Bau jetzt gründen,\num Europa's Säulen winden:\nSopr. 11. Denn es flammt ein Geist empor,\nBasso. und es ist ein Gott mit ihnen,\nTenore. und der Freiheit Keime werden\nendlich froh erblüh'n auf Erden.\nQuartett.\nGermania. Auf meinen Fluren bauen\nsich Siegesbogen auf,\nund alle Volker schauen\nmit kindlichem Vertrauen\nund lautem Jubel drauf.\nTenore. Der Krieger Fahnen alle,\nsie wehen hoch und frei\nvon ihrem Lagerwalle;\nals Schmuck der Friedenshalle\nbegrüssen sie das Land.\nBeide.\nSo hat des Friedens Regenbogen\nEuropa1s Himmel ganz umzogen.\nBasso. 0 Volk, das gross getragen\nDas blutige Geschick,\ndir stehen zu schönern Tagen\ndie Pforten aufgeschlagen\nin diesem Augenblick.\nSopr. 11. So lass denn Jubel schallen!\nGesegnet ist dein Land,\nweil in Germania1 s Hallen\ndie\" Friedens-Engel wallen,\ndie Gott herabgesandt.\nBeide.\n♦\nDie Völker und die Fürsten alle\nT e n o r.\nErkennt und betet an!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 933, "texte": "Beide.\nvereint zu Eines Feindes Falle!\nTeno r.\nDas hat der Herr getlian!\nZu Vieren,\nKein Aug1 ist da,\ndas seinem Fürsten nicht begegnet;\nkein Herz ist nali\\\ndas nicht sein Landesvater segnet.\nZum Siegeslohn\nhat Gott den Friedensbogen\num aller Fürsten Thron\nund um die ganze Welt gezogen.\nNr. 6- Cho r.\nChor der Mädchen und Frauen.\nEs eilen herbei\ndie Mädchen und Frauen,\nden festlichen Zug\nder Heere zu schauen.\nEs winket die Freude,\nes kehren die Krieger\nZur Heimat als Sieger.\nChor der Kinder.\nEs treten im Chor\nmit Blumeny eiuinden\ndie Kinder hervor,\num Kränze zu binden:\ndie Unschuld und Liebe,\nsie flechten zum Lohne\nden Helden die Krone.\nChor der Männer und Krieger.\nIm Prangen des Siegs\nzieli'n ein eure Heere,\ndie Helden des Kriegs\nmit Fahnen und Wehre:\ndas Vaterland öffnet\ndas goldene Thor,\nund es strahlet die Sonne\nder Freiheit empor!\nScliluss-Chor.\nFried1 und Freude! Hochgesang!\nGott! Dir schalle Preis und Dank!\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.7", "debut_caractere": 935, "fin_caractere_exclue": 5608, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am 9. d. Mts. gab das Conservatorium seinen\ndritten Musikabend, zu welchem sich ein zahlreiches und an\nden Leistungen der Kunst-Jüngerinnen und Jünger lebhaft Theil\nnehmendes-Publicum eingefunden hatte. Wir hörten eine Sonate\nvon Gade für Piano und Violine (Fräulein Stodel), Mendels-\nsohn' s H-moll-Capriccio (Fräulein von Manteuffel), Mosche-\nles' Clavier-Concert in G-moll, I. Satz (Fräulein Löwen stein),\nden ersten Satz von Beethoven's Violin-Quartett, Op. 18 Nr. 5\n(die Musikschüler Ludwig, Wolf, Kierwald, Krill), Spohr's\nViolin-Concert Nr. 11, I. Satz (Karl Wulff) und mehrere Gesang-\nstücke von Händel und Rossini (durch die Fräulein As mann,\nMurray, Schumacher, Kemper und Hart och). Ueberall zeig-\nten sich erfreuliche und beifallswürdige Fortschritte und bei einigen\nLeistungen auch bedeutendes Talent.\nAm 10. d. Mts. gab Herr Kammersänger Ernst Koch eine\ntheatralische Vorstellung seiner Schülerinnen und Schüler, in welcher\ner selbst als Max im „Freischützu (Arie des ersten Actes und zwei-\nter Act) mitwirkte. Ausserdem wurde der erste Act von Bellini's\nMontecchi und Capuletti aufgeführt. Ausser Fräulein B ar n (Agathe),\ndie ihr Talent in mehreren Rollen auf der Bühne schon sehr bei-\nfällig zur Anerkennung gebracht hat, und Fräulein Rothenberger,\ndie als treffliche Concertsängerin ihren Ruf durch wiederholte Lei-\nstungen in unseren Gürzenich-Concerten in Köln und in Concerten\nzu Frankfurt am Main, Wiesbaden, Coblenz, Bonn,\nMünster, Elberfeld u. s. w. bereits wohl begründet hat und jetzt\nauch (auf der Bühne zum ersten Male) die Cavatine der Giulietta\nreizend und mit künstlerischem Vortrage der Melodie und der Fiori-\nturen sang, traten zum ersten Male auf Fräulein Harken als Ro-\nmeo, Fräulein Bothmann als Aennchen und Herr Römer als\nTibaldo. Die beiden Letzteren scheinen von der Natur zu wenig\nbegünstigt zu sein, um die dramatisch-musicalische Laufbahn mit\nErfolg betreten zu können, Fräulein Harken hingegen kann eine\nZukunft haben; ihre Mezzo-Sopranstimme hat zwar keinen bedeuten-\nden Umfang, aber die Töne vom eingestrichenen / bis zweigestriche-\nnen g sind voll, schön, kräftig und wohlklingend; die eigentlichen\nAlt-Töne verlieren gegen die genannten an Volumen und Klang, und\nist die junge Sängerin zu warnen, diesen Mangel ja nicht durch das\nbei den Französinnen beliebte breite Quetschen der tieferen Töne\nersetzen zu wollen,\nBerlin. Camillo Sivori, der Lieblingsschüler Paganini's,\nversammelt gegenwärtig ein elegantes und kunstgebildetes Publicum\nim Kroirschen Locale, In dem Spiele des geschätzten Gastes, der\nbereits seit mehreren Decennien zu der erlesenen Aristokratie des\nViolin-Virtuosenthums gehört und dessen Name weit und breit in\nallen Concertsälen einen guten Klang hat, glauben wir den treuen\nNachhall der Rossinfschen Weise zu vernehmen. Der Ton Sivori's\nerhebt sich nicht über die Mittelgrösse, zeichnet sich indessen durch\nvollendete Anmuth, Weichheit, Rundung und Biegsamkeit aus. Auch\nAuffassung und Vortrag offenbaren diesen Charakter. Jedes harte,\nunvermittelte Wesen ist ihnen fremd, dagegen sind sie wohlerfahren\nin allen Schmeichelkünsten der leise auf- und niederwogenden Me-\nlodik, wie in der kosenden Grazie bunt schimmernden, zart hinge-\ngossenen Fioriturenspiels. Lächelnde Ruhe, freundliche Verbindlich-\nkeit, vornehme Glätte sind die Grundzüge des Ausdrucks. Das Ge-\nbiet, auf welches er sich beschränkt, beherrscht er mit unfehlbarer\nMeisterschaft. Wir haben bisher kaum ein feiner gesponnenes Cres-\ncendo und Decrescendo, ein eleganteres Piano-Staccato, ein liebli-\ncheres Legato und Portamento gehört.\nFräulein Lucca trat nach längerem Urlaub, den sie zur Her-\nstellung ihrer Gesundheit verwendet hat, als Margarethe wieder auf.\nIhre Stimme machte den Eindruck der vollen Frische, und das Pu-\nblicum überschüttete sie mit Beifallsbezeigungen, Im Juli dieses\nJahres wird Fräulein Lucca an der italienischen Oper in London\nals Valentine debütiren. Der unter glänzenden Bedingungen abge-\nschlossene dreijährige Contract mit der londoner Oper der in ihre\nhiesigen Beziehungen in keiner Weise störend eingreift tritt erst\nmit dem Sommer nächsten Jahres in Kraft.\nIm sechsten Abonnements-Concerte in Hannover sang Stock-\nhausen eine Arie aus dem „ Alexanderfestu von Händel und zwei\nSchubert'sche Lieder: „Greisengesang\" und „Geheimes*'. Was Kunst,\nmusicalischer Sinn und Geschmack, poetische Empfindung von dem\nSänger verlangen, das leistet Stockhausen in reichem Maasse. Herr\nGrün. Mitglied des Hof-Orchesters, spielte mit Beifall den ersten\nSatz des Militär-Concertes für Violine von Lipinski. Herr Kammer-\nmusicus Lindner trug zwei von ihm für Violoncell componirte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4118, "texte": "lyrische Stücke: „Romanze\" und „Loreley\", vor. Vortrefflich gelan-\ngen unter Joachim's Leitung die beiden Orchestersachen: Ouvertüre\nzu „Coriolan\" von Beethoven und Sinfonie in C-dur von Schubert.\nLeipzig« Die neue zweiactige Oper „Die Findlinge\" oder „Ein-\nTag auf der Yeste Coburg\" von Adolph Maersch (kaiserlich bra-\nsilianischem Capellmeister) machte Fiasco, verdiente auch dasselbe,\nsowohl was Musik, die anfängerisch, wenn auch nicht ohne einige\nkleine Ansätze zum Besseren, als was Textbuch anlangt, welches\nhöchst trivial ist. ln ln einem Concerte zum Besten des Vincentius-\nVereins war der Vortrag des Cellisten Krumbholz und der Schü-\nlerin des Prof. Götz, Miss Amelia May aus London, bemerkens-\nwert!]. Die Stimme ist schön und ausgiebig, und desshalb hat die\njunge reizende Engländerin eine schöne Zukunft, wenn sie ihrem\nGesänge mehr Wärme und Innigkeit, so wie eine gewisse Eleganz\nverleihen würde.\nDem Stadtverordneten-Collegium ist die Vorlage des Stadtrathes\nüber den Theaterbau zugegangen. Danach soll ein neues Theater\nauf dem Königsplatze für 300,000 Thlr. durch Ober-Baurath Lang-\nhans in Berlin erbaut werden.\nRubinstein's neue Oper „Feramors\" wurde am 24. Februar\nzum ersten Male in Dresden nach dortigen Blättern mit Erfolg\naufgeführt.\nDer vormalige sächsische General-Intendant von Lüttichau\nist am 16. Februar im 77. Jahre in Dresden gestorben. Im Jahre\n1809 als Jagd-Page angestellt, wurde er 1810 zum Oberst-Forstmei-\nster, 1818 zum Kammerherrn und 1824 zum General-Director des\nköniglichen Theaters und der königlichen Capelle ernannt. Letzteres\nAmt bekleidete er durch volle siebenunddreissig Jahre, bis 1801,\nund wusste sich während dieser langen Zeit die Achtung seiner\nUntergebenen zu bewahren. Er war gegen Jedermann freundlich,\nzuvorkommend, wohlwollend, human und hörte auf den Rath gebil-\ndeter, sachverständiger und aufrichtiger Leute. Eine seltene Erschei-\nnung unter den zu Theater-Intendanten gemachten Höflingen .\nDer Stuttgarter Liederkranz will sich eine Liederhalle bauen,\nwelche nach dem Voranschlage 112,000 Thaler kosten wird.\nWien« Die italiänische Oper im Karltheater begann am 24.\nFebruar mit der „Sonnambula\". Die übrigen versprochenen Opern\nsind: „Lucia\", „Don Pasquale\", „Linda,\", „ Traviata\", „Trovatore\" 1\nvDon Giovanni\", „üfarta\", „Elisire\", „Figlia del regimento\", „Bar-\nbiereu und . Also nicht eine einzige Novität. Das Perso-\nnal besteht aus den Damen Patti, Lafon, Peralta, den Herren\nGiuglini, Carrion (Tenore), Zuchi, Agnesi (Bariton und Bass),\nMazetti (Bußo), Orsini (Capellmeister). Das Abonnement gilt für\n22 Vorstellungen, sämmtlich unter Mitwirkung der Fräulein Patti.\nFräulein Lafon hat also die einzige Donna Anna in „Don Juan\" zu\nsingen, da in den anderen Opern Fräulein Patti die erste Partie\nsingen muss. Was geschieht wohl, wenn sie heiser wird? Erhalten\nda die Abonnenten ihr Geld zurück? Die Preise sind enorm hoch,\nund das Geschäft dürfte sich kaum rentiren.\nDie für das Schubert-Monument bis jetzt eingelangten Beiträge\nbelaufen sich bereits auf eine Summe von 10,500 Fl.\nSonntag den 1. März fand um 5 Uhr Abends zu Ehren des hier\nweilenden Componisten Joachim Raff im Salon Haslinger eine\nStatt, wobei nur Raff'sche Compositionen zur Aufführung ka-\nmen, darunter dessen neuestes Streich-Quartett in A-dur.\nRichard Wagner gab am 8. Februar ein Concert in Prag,\nund zwar, wie dortige Blätter erzählen, „mit glänzendem Erfolge in\ndes Wortes wahrster Bedeutung\".\nParis. Der Instrumenten-Fabricant Debain hatte die Walzen\nmehrerer von ihm fabricirten Drehorgeln mit Melodieen versehen,\nohne sich hierüber mit den betreffenden Verlegern und Autoren ver-\nständigt zu haben. Auf gerichtliche Requisition der letzteren wurden\ndie Walzen confiscirt und dem Fabricanten eine Geldstrafe auferlegt.\nDie ihrer Zeit hochgefeierte französische Sängerin Frau Da m o -\nreau-Cinti (Laura Cinti-Montaland) ist einem schweren Leiden,\ngegen welches die Kunst der Aerzte machtlos blieb, erlegen. Die\nKünstlerin, welche 1844 die Bühne verliess, erreichte das dreiund-\nsechszigste Lebensjahr. Französische Blätter widmen ihr ehrenvolle\nund ausführliche Nachrufe.\n*"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBeethoven1 s patriotische Compositionen: „Die Schlacht bei Vittoria\" (Sinfonie) Die Cantate: „Der\nglorreiche Augenblick\". Veränderter Text zu der Cantate. Von L. B. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Dritter\nMusikabend des Conservatoriums, Dramatische Vorstellung, von Herrn E. Koch veranstaltet Berlin, Camillo Sivori, Fräulein Lucca\nHannover, Stockhausen Leipzig, neue Oper Dresden, General-Intendant von Lüttichauf Wien, Italiänische Oper Paris).\n\nBeethoven’s patriotische Compositionen.\nWährend die Erhebung Preussens und Deutschlands\nin diesem Jahre ihre fünfzigjährige Gedenkfeier begeht,\nwollen wir daran erinnern, dass auch die musicalische\nWelt ein fünfzigjähriges Jubiläum, die Erinnerung an die\nerste Aufführung der siebenten Sinfonie in A-dur\nund der Schlacht- und Sieges-Sinfonie über die\nSchlacht bei Vittoria von Beethoven zu feiern hat.\nDie Entwürfe zu den jetzt mit den Nummern VII und\nVIII bezeichneten Sinfonieen rühren aus dem Anfange des\nJahres 1812 her. Die achte (in F-dur) wurde schon im\nFrühling von 1812 in Linz, wo Beethoven bei seinem\nBruder eine Zeit lang wohnte, vollendet. Von da reiste er\nnach Teplitz zur Badecur, schrieb do,rt die Ouvertüre zu\nKönig Stephan und ging nach seiner Rückkehr in Wien\nan die Ausarbeitung der J.-<iwr-Sinfonie. Ob sie noch im\nJahre 1812 oder erst 1813 fertig geworden, steht nicht\nfest. Aufgeführt wurde sie zuerst am 8. December\n1813, die Sinfonie in F-dur hingegen erst am 27. Fe-\nbruar 1814 und Beethoven hat wahrscheinlich die\nNummern VII und VIII nach der Zeitfolge der ersten Auf-\nführungen bestimmt, zumal da der ungeheure Erfolg der\nA-dur-Sinfonie schon durch Zeitschriften der Welt be-\nkannt geworden, ehe die Sinfonie noch in die Oef-\nfentlichkeit gekommen*). Der Charakter beider Sinfonieen\ngibt übrigens, wie so viele andere Werke, einen schla-\ngenden Beweis gegen die psychologischen Kunst-Histori-\nker, welche die Werke des Genies, ihre Entstehung und\nihren „bedeutungsvollen\" Inhalt stets aus den jedesmali-\ngen Körper- und Seelen-Zuständen und Lebens-Verhält-\nnissen des Dichters oder Componisten entwickeln und er-\nklären wollen und nicht wissen, dass der Künstler stets\nin zwei Welten lebt, in seiner eigenen, rein künstlerischen,\nvon Gott geweihten, und in der fremden, die, sei's durch\nSchmerz und Krankheit, sei's durch Noth und Sorge,\nüberhaupt durch jeglichen Andrang von aussen an ihn\nherantritt. Die gänzliche Isolirung von dieser äusseren\nWelt und die Versetzung mit seinem ganzen Wesen in\neine andere ideale, unii welche die Muse dann auf der\nStelle ihre Zauberkreise zieht und alles Ungeweihte bannt\nOdiprofanum vulgus et arceo —, das ist ja eben das\nKennzeichen des Genies. Als Beethoven diese beiden Sin-\nfonieen schrieb, war sein körperlicher Zustand sehr ange-\ngriffen und seine Gemüthsstimmung nichts weniger als\nheiter; noch mehr, auch seine ökonomische und häusliche\nLage war traurig, wie das alles von Schindler (1., S. 185)\nnachgewiesen ist. Und bei alledem jene Fülle von Heiter-\nkeit, Scherz, Anmuth, selbst ausgelassener Lustigkeit (das\nFinale in A-dur),ja, was noch viel mehr ist, jene ruhig\nsanften, mildlröstenden Melodieen, die im Andante den\nSchmerz besiegen, im Scherzo mitten in die Munterkeit\nmit Klängen treten, welche die Befriedigung des Herzens\naussprechen, dem ein neuer Stern der Hoffnung aufge-\ngangen, welcher in ruhigem Glänze am Himmel erst mild,\ndann hell strahlend leuchtet. Oder ist etwa das hohe (i\nder Violinen und Trompeten über der Harmonie ein Schrei\ndes Schmerzes?? das Finale ein Sturm der Verzweiflung??\n0, über die Ausleger!\n\n*) Aelmliches fand mit den Sinfonieen Nr. V (C-moll) und Nr.\nVI (Pastorale), im Jahre 1808 componirt, Statt. An beiden\nWerken hatte Beethoven ebenfalls zu gleicher Zeit geschrie-\nben; in der Akademie am 22. December 1808 aber lautete\ndas Programm: „I. Pastoral-Sinfonie Nr. 5. 11. Sinfonie in C-\nmoll Nr. 6\" u. s. w. Bei der Herausgabe (1809) erschienen\ndie Nummern so, wie sie jetzt gelten, Schindler meint, es sei\nwahrscheinlich, dass die 0-mo£Z-Sinfonie früher vollendet ge-\nwesen und Beethoven daher bei dem Erscheinen im Druck die\nrichtige Folge hergestellt habe. Wir sind derselben Meinung,\nfinden aber in dem Inhalt und Charakter beider Sinfonieen\neinen vollgültigen Grund, bei der ersten Aufführung beider\nhinter einander die Pastoral-Sinfonie der anderen gewalti-\ngen voranzustellen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.2", "texte": "Im December 1813 veranstaltete der Hof-Mechaniker\nMälzel, der Erfinder des Tactmessers, eine grosse Aka-\ndemie in der Aula der Universität zu Wien zum Besten\nder in der Schlacht bei Hanau invalide gewordenen öster-\nreichischen und baierischen Krieger. Er bewog Beethoven,\nneue Compositionen zu diesem 'patriotischen Concerte zu\ngeben und zu dirigiren. Beethoven wählte von den beiden\nfertigen Sinfonieen die glänzendere in und schrieb\nausserdem eine neue zur Eeier von Wellington's Sieg bei\nVittoria (den 21. Juni 1813); sie hatte zwei Theile:\nSchlacht-Musik und Sieges-Sinfonie. Seit dem unglücklichen\nletzten Widerstandskampfe Oesterreichs im Jahre 1809\nwaren die Augen Aller in Europa auf Spanien und dessen\nErhebung gerichtet. Wellington hatte zuerst gezeigt, wie\nNapoleonische Heere zu besiegen wären, und so war die\nBegeisterung eines vom Gefühle für Ereiheit durchglühten\nHerzens, wie es Beethoven in seiner Brust trug, ganz na-\ntürlich.\nDie Aufführungen beider Werke fatiden am 8. und\nam 12. December Statt. Beethoven dirigirte damals und\nauch im folgenden Jahre noch sicher und kräftig; sein Di-\nrectionspult war im grossen Redoutensaale, wo die Wie-\nderholungen der Sinfonieen im Januar, Februar u. s. w.\n1814 Statt fanden, weit vorgeschoben, Niemand stand\nihm aushelfend zur Seite, er hörte die Wirkung der Mas-\nsen und auch der einzelnen Instrumente ganz gut. Erst\nnach diesem Zeitpunkte und zum Theil wohl veranlasst\ndurch die Anstrengungen seines allerdings schon kränkeln-\nden Gehörs bei solchen Leitungen trat namentlich die\ngänzliche Schwächung des rechten Ohrs ein.\nDer Meister erliess nach den Aufführungen folgendes\nDankschreiben an die Mitwirkenden, das uns Schindler\n(1., 192) aufbewahrt hat:\n„Ich halte es für meine Pflicht, allen den verehrten\nmitwirkenden Gliedern der am 8. und 12. December ge-\ngebenen Akademie zum Besten der in der Schlacht bei\nHanau invalide gewordenen kaiserlich österreichischen und\nköniglich baierischen Krieger für ihren bei einem so erha-\nbenen Zwecke dargelegten Eifer zu danken.\n„Es war ein seltener Verein vorzüglicher Tonkünstler,\nworin ein jeder, einzig durch den Gedanken begeistert, mit\nseiner Kunst auch etwas zum Nutzen des Vaterlandes bei-\ntragen zu können, ohne alle Rangordnung auch auf un-\ntergeordneten Plätzen zur vortrefflichen Ausführung des\nGanzen mitwirkte.\n„Wenn H err Schuppanzigh an der Spitze der er-\nsten Violine und durch seinen feurigen, ausdrucksvollen\nVortrag das Orchester mit sich fortriss, so scheute sich ein\nHerr Ober-Capcllmeister Salieri nicht, den Tact den\nTrommeln und Canonaden zu geben; Herr Spohr und\nHerr Mayseder, jeder durch seine Kunst der obersten\nLeitung würdig, wirkten an der zweiten und dritten Stelle\nmit, und Herr Siboni und Giuliani standen gleichfalls\nan untergeordneten Plätzen.\n„Mir fiel nur darum die Leitung des Ganzen zu, weil\ndie Musik von meiner Composition war; wäre sie von einem\nAnderen gewesen, so würde ich mich eben so gern, wie\nHerr Hummel, an die grosse Trommel gestellt haben,\nda uns alle nichts als das reine Gefühl der Vaterlandsliebe\nund des freudigen Opfers unserer Kräfte für diejenigen,\ndie uns so viel geopfert haben, erfüllte.\n„Den vorzüglichsten Dank verdient indessen Herr\nMälzel, in so fern er als Unternehmer die erste Idee die-\nser Akademie fasste und ihm nachher durch die nöthige\nEinleitung, Besorgung und Anordnung der mühsamste\nTheil des Ganzen zufiel. Ich muss ihm noch insbesondere\ndanken, weil er mir durch diese veranstaltete Akademie\nGelegenheit gab, durch die Composition, einzig für die-\nsen gemeinnützigen Zweck verfertigt und ihm\nunentgeltlich übergeben, den schon lange gehegten\nsehnlichen Wunsch erfüllt zu sehen, unter den gegenwär-\ntigen Zeitumsländen auch eine grössere Arbeit von mir\nauf den Altar des Vaterlandes niederlegen zu können.\n„Ludwig van Beethoven.\"\nUeber den Erfolg der beiden Werke, die auf der\nStelle durchschlugen, lassen wir Augenzeugen reden. Der\nBericht in der leipziger Allgemeinen Musik-Zeitung, 1814,\nNr. 4, sagt:\n„Längst im In- und Auslande als einer der grössten\nInstrumental-Componisten geehrt, feierte bei diesen Auf-\nführungen Herr van Beethoven seinen Triumph. Ein zahl-\nreiches Orchester, durchaus mit den ersten und vorzüg-\nlichsten hiesigen Tonkünstlern besetzt, hatte sich wirklich\naus patriotischem Eifer und innigem Dankgefühl für den\ngesegneten Erfolg der allgemeinen Anstrengungen Deutsch-\nlands in dem gegenwärtigen Kriege zur Mitwirkung ohne\nEntschädigung vereinigt und gewährte unter der Leitung\ndes Componisten durch sein präcises Zusammenspiel ein\nallgemeines Vergnügen, das sich bis zum Enthusiasmus\nsteigerte. Vor Allem verdiente die neue Sinfonie jenen\ngrossen Beifall und ausserordentlich gute Aufnahme, die\nsie erhielt. Man muss dieses neueste Werk des Genies\nBeethoven's selbst und wohl auch so gut ausgeführt hören,\nwie es hier ausgeführt wurde, um ganz seine Schönheiten\nwürdigen und recht vollständig gemessen zu können. . . .\nDas Andante*) musste jedes Mal wiederholt werden und\n\n*) Auf die ursprüngliche Benennung des zweiten Satzes der IX.\nSinfonie mit Andante ist besonders aufmerksam zu machen.\nErst in den gedruckten Stimmen erschien deren Vertauschung\nmit „Allegretto\", das aller Orten Missverständnisse zum Nach-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.3", "texte": "entzückte Kenner und Nichtkenner. Was sodann die\nSchlacht betrifft, will man nun einmal sie durch Töne der\nMusik auszudrücken versuchen, so wird man wenigstens\nes eben aul die Art machen müssen, wie es hier gesche-\nhen. Einmal in die Idee eingegangen, erstaunt man freu-\ndig über den Reichthum und noch mehr über die geniali-\nsche Verwendung der Kunstmittel zu jenem Zwecke. Der\nEffect, ja, selbst die recht eigentliche Täuschung ist ganz\nausserordentlich, und es lässt sich wohl ohne alles Beden-\nken behaupten, es existire gar nichts im Gebiete der ma-\nlenden Tonkunst, das diesem Werke gleich käme.\"\nUnd Schindler fügt über die Aufführungen im Re-\ndoutensaale im Januar 1814 hinzu: „Der Enthusiasmus\nin der Versammlung war ein überwältigender\", und am\n27. Februar; „Wer sich eine Versammlung von fünf-\ntausend Zuhörern mit erhobener Stimmung in Folge kurz\nvorhergegangener welterschütternder Ereignisse, aber auch\nim Gefühle des hohen Werthes der gebotenen Kunstge-\nnüsse zu denken vermag, wird sich ungefähr eine Vor-\nstellung von der Begeisterung dieser Schar machen können.\nDie Jubel-Ausbrüche während der il-e?Mr-Sinfonie und\nder Schlacht bei Vittoria überstiegen alles, was man bis\ndahin im Concertsaale erlebt haben wollte.\"\nDas Programm der „Schlacht bei Vittoria\" ist\neinfach „Kampf\" und „Sieg\": die erste Abtheilung schil-\ndert dle Schlacht, die zweite den Triumph der Sieger in zwei\ngewaltigen Allegro's, was die Aufgabe bei der Gleichartig-\nkeit des Stoffes, der stets durch Massen von Tönen und\nKlängen bewältigt werden musste, nicht leicht machte.\nTrotzdem ist es Beethoven gelungen, die Monotonie des\nLärms (könnte man sagen) zu vermeiden, und wenn auch\ndie Composition nicht die hohe Stufe der übrigen Sinfonieen\nerreicht, so zeigt sie doch überall den Meister, dessen Genie\nauch hier Funken sprüht, die Schlachtmusik zu einem\ngrossartigen decorativen Tongemälde gestaltet und die\nSieges-Sinfonie aufzwei durch Rhythmus und Melodie höchst\ncharakteristisch jubelnde Hauptmotive erbaut, die sich vor\ndem Finale der V. Sinfonie nicht zu schämen brauchen.\n. Wie ernsthaft er es dabei mit alle dem Hokuspokus\nvon Kanonenschlägen, Kleingewehrfeuer durch Ratschen\nund Knattermaschinen, Trommeln und Trompeten u. s. w.\nnimmt, geht aus den genauen Bezeichnungen in der Parti-\ntur und aus den „Vorbemerkungen für die Aufführung\"\nhervor. Die Kanonenschüsse von zwei Seiten bezeichnet er\nauch mit zwei verschiedenen Zeichen, O gibt die fran-\n\"0\" die englischen Puffer an, und verlangt dafür\n„zwei Trommeln von grösster Gattung, 5 wiener Schuh\nins Gevierte; diejenigen, welche diese Kanonenmaschinen\nspielen, müssen durchaus nicht im Orchester, sondern\nan einem entfernten Orte stehen, und sie müssen von sehr\nguten Musikern gespielt werden (hier in Wien wurden sie\nvon denen erstem Capellmeistern gespielt)\". Ferner will\ner Trommeln und Trompeten (in Es für die Engländer,\nin Clür die Franzosen) auf jeder Seite neben den Kanonen\nhaben, instrumentirt aber ausserdem noch mit 3, be-\nziehungsweise 6 Trompeten im Orchester. Weil damals\ndie meisten Orchestersachen von dem Vorgeiger am ersten\nPulte dirigirt wurden, so schreibt Beethoven hier beson-\nders vor, „dass nebst dem Violin-Directeur noch ein Ca-\npellmeister den Takt fürs Ganze schlage\".\niNach Trommeln- und Trompeten-Signalen lässt er die\nEngländer mit dem Marsche der Melodie des Volksliedes\n„RuleBritannia\" in Es-duranrücken, dann die Fran-\nzosen mit „Marlborough s'en in\nund nach einer turniermässigen Trompeten-Aufforderung\nund deren Annahme vom Gegner beginnt der Kampf:\nAllegro moderato''/\\ in H-dur,das nach einem\nAllegro3/s in C-durmodulirt; darauf fällt ein Sturmmarsch\nin As-dur ein, der zu dem Hauptschlachtsatz Presto 4/4\nalla breve in Es-dur führt. Dieser rast eine Weile durch\nverschiedene Tonarten fort, bis das Getümmel sich in die\nFerne verliert, aus der nur noch schwache Anklänge an\ndas Lied Marlborough von der Seite der geschlagenen\nFranzosen herüber tönen. Sie verhallen auf Fis-dur. Nach\neiner Pause tritt eine schmetternde Fanfare ein, welcher\ndie Sieges-Sinfonie folgt. Zunächst Allegro con brio in\nD-dur V4 Tact, dann in sanfter Harmonie\nhing in B-dur %, ohne die zwei Schlusstacte, statt deren\nder Componist wieder nach der Dominante von D-dur\nmodulirt, worauf sich das erste Allegro wiederholt, das\nGod save in D-dur mit ff. darein schlagenden Massen\nwiederkehrt und zu einem Schlussatze mit fugirtem Anlauf\nüber dieses Thema führt.\nDie „Schlacht bei Vittoria\" war aber nicht die einzige\npatriotische Gelegenheits-Composilion, zu welcher die grosse\nZeit Beethoven veranlasste. Der Glanz, in welchem Wien\nim Jahre 1814 durch den Fürsten- und Gesandten-Con-\ngress erschien, bewog verschiedene Freunde der Kunst\nund ßeethoven's, seine zwei neuen sinfonistischen Werke\nwährend des Congresses nochmals zur Aufführung zu\nbringen. Der Rath war gut; der Tag des 29. November\n1814 wurde der ehren- und glanzvollste in Beethoven s\nLeben, der den Titel der Cantate: „Der glorreiche\nAugenblick\", die er noch für das Fest-Concert, das er\nan jenem Tage gab, hinzucomponirt hatte, für sich selbst\nin vollem Maasse in Anspruch nehmen konnte. Aber auch\nmaterielle Vortheile flössen ihm dadurch zu, die um so\nwillkommener waren, als die Erträge der früheren Akade-\n\ntlieil des Charakteristischen erzeugt hat. . In späteren Jahren\nempfahl darum der Meister wieder die erstere Benennung. A. S.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.4", "texte": "mieen der grossen Kosten wegen, die durch Copialien\nund Aufführungen verursacht wurden, nur gering gewesen.\nJetzt war er so glücklich, etwas erübrigen zu können, was\ner „zunächst der Versammlung der Herrscher Europa's\nin Wien und der ausserordentlichen Wirkung seiner\nSchlacht-Sinfonie auf die Massen verdankte. Die Geschenke\nder fremden Monarchen zumeist setzten Beethoven in Stand,\nan Niederlegung eines Capitals in österreichischen Bank-\nActien denken zu können\". (Schindler, I. 202.)\nUeber die Entstehung der Composition der Cantate\nfür ersten und zweiten Solosopran, Tenor- und Bass-Solo,\nChor und Orchester theilt uns dieselbe authentische Quelle\nFolgendes mit.\n„Der Meister fasste den Entschluss, die von Dr. Aloys\nWeissenbach gedichtete Cantate: „ „Der glorreiche Augen-\nblick\"\" in Musik zu setzen und selbe in Verbindung mit\nder und der Schlacht bei Vittoria an Einem\nAbend ausführen zu lassen. Der Inhalt der Cantate war:\ndie Huldigung der Stadt Vindobona den fremden Mo-\nnarchen dargebracht. Mit rühmenswerther Bereitwilligkeit\nwurden dem Künstler Seitens des Oberst-Kämmereramtes\nbeide kaiserliche Redouten-Säle sogar für zwei Abende zur\nVerfügung überlassen, indem man hohen Orts diese musica-\nlische Feierlichkeit gleichsam wie eine Hof-Festlichkeit be-\ntrachtete. Beethoven selber machte persönlich die Einla-\ndung bei allen Monarchen, die sämmtlich bei der Feier\nerschienen waren. (Der Verfasser befand sich unter den\nMitwirkenden an der 2ten Violine.) Die Stimmung der\nnahezu aus 6000 Zuhörern bestehenden Versammlung,\naber auch die in der grossen Schar der im Orchester und\nChor Mitwirkenden lässt sich nicht beschreiben. Die ehr-\nfurchtsvolle Zurückhaltung von jedem lauten Beifallszeichen\nverlieh dem Ganzen den Charakter einer grossen Kirchen-\nfeier. Jeder schien zu fühlen, ein solcher Moment, werde\nin seinem Leben niemals wiederkehren. Nur Eins hatte\nder Feier gefehlt: die Anwesenheit Wellington's, welcher\nmit Gewissheit entgegen gesehen worden. Der siegreiche\nFeldherr kam erst nach beendigter Feier in Wien an*).\n„Schon am 2. December darauf erfolgte die Wieder-\nholung bei nur mässig gefülltem Saale, aber desto\ngrösseren Beifallsbezeugungen.\n„Die Solo-Stimmen in der Cantate wurden ausgeführt\nvon Frau Milder-llauptmann und Fräulein Bondra,\ndann den Herren Wild und Forti.\n„Bezüglich auf diese Cantate sei erwähnt, dass Beet-\nhoven den Entschluss, selbe in Musik zu setzen, einen h e-\nroi sehen genannt, weil die Versification schlechterdings\neiner musicalischen Bearbeitung entgegen war. Nachdem\ner selber im Vereine mit dem Dichter daran geändert und\ngefeilt, der letztere aber nur die Verse „ „verbössert\"\" hatte,\nward das Gedicht dem Karl Bernard zu gänzlicher Ueber-\narbeitung gegeben, wodurch ein grosser Zeitverlust herbei-\ngeführt wurde. Diese Umstände erklären deutlich, warum\nder Genius des Componisten sich in diesem Werke nicht\nzu gewohnter Höhe erhoben hat. Auch waren ihm nur\nwenige Tage zum Niederschreiben vergönnt. Ueberdies\nnoch mussten die Chöre, weil von Dilettanten gesungen,\nsehr leicht behandelt werden, denn in jenen Tagen allge-\nmeiner Aufregung fehlte es vor Allem an Zeit und Müsse\nzu Proben.\"\nDie Cantate wurde erst beinahe zehn Jahre nachßeet-\nhoven's Tode, etwa um 18-36, in Wien im Verlage von\nTob. Haslinger in Partitur und Stimmen gedruckt und\nden Kaisern Franz I. und Nikolaus 1., und dem Könige\nFriedrich Wilhelm 111. vom Verleger gewidmet. Ob da-\nmals auch schon ein Clavier-Auszug, ebenfalls mit dem\nTexte von AI. Weissenbach, erschienen, ist uns unbekannt.\nSpäter aber liess Haslinger einen Clavier-Auszug und neue\nSingstimmen mit einem Texte von F. Rochlitz, betitelt:\n„Preis der Tonkunst\", drucken.\nDas Werk mit dem Originaltext blieb ziemlich unbe-\nkannt: der Inhalt betraf zwar einen grossen historischen\nMoment, allein der Verfasser hatte nicht verstanden, ihn\nins volle Licht zu stellen, und gab dadurch, dass er die\npersonificirte Stadt Vienna, auch zuweilen Vindobona\ngenannt, zur Hauptträgerin des Ganzen machte, diesem\neine specifisch locale Farbe und zog das Grosse ins Klein-\nliche herab. Von Poesie war in den holperigen Versen\nvollends gar nicht die Rede, was man leicht glauben wird,\nwenn man folgende Proben betrachtet:\n„Europa steht!\nUnd die alten Jahrhundert1,\nSie schauen verwundert\nEmpor.I''\nDie Völker rufen zu der lichtumllossenen Gestalt:\n„Steh' und halt!\" Es ist „Vienna\", „auf ihrem Wappen-\nschild erscheinet dir die Lerchenschaar, der gothisch alte\nThurm, der Doppelaar\" u. s. w. »Der Herrscher an\nder Spree, der, als erschien sein Reich verloren, sein Volk\ngeboren\" „Das Weltgericht, das die zusammen hier\ngewunken, um derentwillen nicht Europa in dem Blut-\nmeer ist versunken\" „Und diesen Gloriebogen hat Gott\nin unserm Franz um eine ganze Welt gezogen\" (!!)\nUnd dennoch hat Beethoven in wenigen Wochen oder\nvielleicht nur Tagen eine Musik auf diesen Text componirt,\nwelche keineswegs der Vergessenheit anheim zu fallen\n\n*) Ein Anschlagzettel dieser Akademie liegt vor. Darauf ist unter\nAnderm zu lesen: „Drittens: Eine grosse vollstimmige Instru-\nmental-Composition, geschrieben auf Wellington's Sieg in\nder Schlacht bei Vittoria.\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.5", "texte": "verdient. Sie besteht aus 6 Nummern, unter denen Nr. 3,\neine grosse A r i e in B-dur für Sopran mit obligater\nVioline und stellenweise eingreifendem Chor, ein höchst\nansprechendes und glänzendes Solostück (S. 48 —lO6 der\nPartitur) von melodischem Fluss und Mozart'scher Sang-\nbarkeit ist, Nr. 4 aber, Becitativ und Ca vatinein G-dur für\neinen zweiten Sopran, der aber auch bis zum zweige-\nstrichenen ageht, nebst dem Chor, welcher die Melodie\nder Cavatine wiederholt, zu dem Schönsten gehört,\nwas Beethoven geschrieben, und Nr. 5 Becitativ und\nQuartett in A-dur für 2 Soprane, Tenor und Bass sich\nin ganz anmuthigen, wenn auch nicht genialen Weisen\nergeht, zwischen denen freilich einige Bitornells die Spuren\nder Eile tragen, mit welcher das Werk componirt wurde.\nDasselbe kann man streng genommen auch von den beiden\ngrossen Chören Nr. 1 und Nr. 6 sagen, jedoch ist der\nAnfang des ersten imposant, und der letzte (wenigstens bis\ndahin, wo das fugirte Allegro eintritt) durch die Abwechs-\nlung des Frauen- und Männer-Chors und die charakteri-\nstischen Melodieen beider einnehmend. Das Ganze ist das\npopulärste Yocal-Werk Beethoven's, das man freilich nicht\nneben Fidelio und die grosse Messe stellen kann, wozu es\nvon Hause aus aber auch in keiner Weise angethan war.\nUm die Verbreitung der Cantate zu fördern, schrieb\nRochlitz, wie erwähnt, auf Haslingers Ersuchen, einen\nneuen Text, den er nach Schindler schon bei seiner\nAnwesenheit in Wien im Jahre 1822 Beethoven „vor-\ngelegt\" haben soll. Schindler sagt uns aber nicht, was der\nMeister dazu gesagt habe. Es war jedenfalls ein unglück-\nlicher Gedanke, die Verherrlichung einer Kunst, und noch\ndazu der idealsten, einer Musik zuzumuthen, welche ein\nweltgeschichtliches Ereigniss feiert. Es entstanden dadurch\nWidersprüche zwischen dem Text und der Musik, die nur\nzum Nachtheil der Composition ausfallen mussten, wie z. B.\ngleich beim ersten Bass-Solo, wo Beethoven die Hoheit\nder nahenden Erscheinung schildert, Rochlitz aber von\n„sanfter Harmonie\" und von „des Wohllauts Kette\" spricht,\nund so fort, so dass am Ende Beethoven im Schluss-Chor\nstatt des Einzugs der rückkehrenden Sieger die Tonkunst\nmit Janitscharenmusik preist! Dass Bochlitz wohllautendere\nVerse gibt, darauf kommt es hier nicht an, sondern darauf,\nob der Geist des Gedichtes dem Geiste der Musik entspricht,\nund das ist nicht der Fall.\nSoll dem Texte aufgeholfen werden, so kann es nur\ndadurch geschehen, dass die Haupt-Idee, ein grosses vater-\nländisches Ereigniss zu feiern, festgehalten und vom ur-\nsprünglichen Text so viel als möglich herbei gezogen wird.\nDies ist in dem hier folgenden Texte versucht worden, den\nwir mittheilen, weil die Jubelfeier der Erhebung Deutsch-\nlands vor fünfzig Jahren auch zu Fest-Concerten Veran-\nlassung geben dürfte, Lei denen Beethoven's Werk sich\nzur Benutzung empfiehlt.\n\nGermania’s Triumph\n\n*).\nNIY ]. Chor.\nEuropa staunt!\nund die Zeiten,\ndie ewig schreiten,\nder Volker Chor,\ndie vergangenen Welten,\nsie schauen verwundert empor.\nWer mag die Hehre sein,\ndie von dem Wunderschein\n.der alten Gotterivelt umzogen,\nherauf aus Osten geht,\nin einer Fürstin Majestät,\nwncZ auf des Friedens Regenbogen ?\nViele entzückte Volker stehen,\nrufend zu der herrlichen, kronengesclimückten,\nlichtumflossenen Gestalt:\nHeil dir, Heil!\nKomm', auf Wolken hergetragen,\nirohe Kund1 uns anzusagen\no\nNr. 2. Recitativ. Basso.\nO seht, sie naht! sie schwebt hernieder!\nund aus dem Glanzmeer tritt jetzt die Gestalt:\nein Fürstenmantel ist's, der von dem Rücken\nder Kommenden zur Erde niederwallt;\ndie Hoheit strahlt aus ihren Blicken,\nes schwebet über ihrem Haupt\nder Adler stolz mit mächt'gem Flügelschlage,\nund deutlich wähnt mein Aug1 zu schau'n,\ndass ihre Stirn den Kranz der Eiche trage.\nArioso. Tenore Solo.\nErkennst du nicht das heimische Gebilde\nO sieh, wie hehr und mild\nerglänzt des Auges sanfter Blick!\nes weinete so lang\nda wandte Gott sein hart Geschick:\nes woget1 auf des Volkes Drang,\nzum Siege flog empor Aar!\nChor.\nGermania! Germania!\nKroneng eschmückte,\nG otterbeglückte,\nWonne verkündende Siegerin!\nSei gegrüsst von den Völkern allen,\ndie heute froh zum Siegesfeste wallen ;\nsie jauchzen: Du\nbist Europa's Königin!\nGermania! Germania!\nIs r. 3. Ger mania. Soprano I.\nRecitativ.\nO Himmel! welch Entzücken!\nwelch Schauspiel zeigt sich meinen Blicken!\nWas nur die Erde Hoch und Hehres hat,\n. auf meinen Fluren seh' ich es versammelt;\nder Busen pocht, die Zunge stammelt:\nEuropa seh1 ich hier zu meinen Füssen !\n\n*) Die aus dem ursprünglichen Texte beibehaltenen Worte sind\nmit Cursivschrift gedruckt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.6", "texte": "Tempo d i Marc i a.\nMein Auge schaut den Zug,\nder fern mit froher Töne Klängen,\nhier von der Ostsee Rand,\ndort mit dem Schall von Kriegsgesängen\nsich nahet von der Wolga Strand!\nUnd übers Meer her schickt\nBritannia sein Lorberreis,\ndas es brach im Kampfe!\nUnd siehe, selbst von Norweg's Eis\nerscheinen sie zum Siegesgruss!\nDer Tajo sendet seine Boten her,\nder Alpen Berge, und\ndas Land des Wohllauts und der Liebet\nUnd was ein Gott beschieden,\nheil'ges Vertrau1 n,\nes schliesset nun in meinen Gau'n\nden Bund zum ew'gen Frieden.\nArie mit Chor.\nAlle die Fürsten sich begrüssen\nChor.\nHeil, Germania, dir und Glück !\nGermania.\nAlle die Volker froh sich küssen L\nChor.\nTritt, du stolze Gallia, zurück!\nGermani a.\nUnd das Höchste seh' ich gethany\nes verschwinden Hass und Wahn,\nda ein gesprengter Welttheil wieder\nsich zum Ringe füget und schliesst,\nund zum Bunde friedlicher Brüder\nAlle die goldene Freiheit kiisst.\nC h o r.\nWelt! ein glorreicher Augenblick l\nGermania.\nUnd mit seiner Fürsten Mächten\nist mein deutsches Volk bereit\neinen eioigen Bund zu flechten,\nwallet kühner des Ruhmes Bahn,\nsteiget empor zum Sternenplan.\nChor.\nHeil, Germania, dir und Glück!\nFeire den glorreichen Augenblick.\nNr. 4. Recit a t i v. Genius. Soprano 11.\nAuf ihn vertraut, durch den am Himmel droben\ndie Sonnen auf- und niedergehen\nund Stern' und Volker ihre Bahnen drehen.\nEr strahlet über alle Könige der Erd1 in Majestät,\nsein Aug', es ist das Weltgericht!\nDen Muth hat Er euch angefacht,\ndass durch Tyrannen macht\nEuropa in dem Blutmeer nicht versunken.\n0 knieetj Volker, hin und betet\nzuerst zu dem (zu dem), der euch gerettet.\nCavatin a.\nKönntest du verzagen,\nda ein Gott auf Wolken thront,\nder auch in den trüben Tagen\nmit der Allmacht Auge lohnt?\nHoff\" auf ihn, hoff' auf ihn,\ndenn Engel tragen\ndeine Thränen hin\nhoff1 auf ihn,\ndenn Engel tragen\nzu ihm deine Thränen hin!\nChor,\nGott des Dankes heisse Thräne,\nihm, der hoch auf Wolken thront!\nder in unsern trüben Tagen\nmit der Allmacht Hand\nKönige und Volker\nall1 in Lieb1 und Treu1 verband:\nGott des Dankes Thräne!\nNr. 5. Recitativ.\nGenius (Sopr. II.). Germania (Sopi\\ I). Führer des Volkes\n(Tenore e Basso).\nSopr. 11. Der den Bund im Sturme festgehalten,\ner wird den Bau der neuen Welt,\nder neuen Zeit auch so gestalten,\ndass dran des Frevlers Arm zerschellt.\nSopr. I. Ewig wird der Oelzioeig grünen,\nden im Chor\nAlle, die den Bau jetzt gründen,\num Europa's Säulen winden:\nSopr. 11. Denn es flammt ein Geist empor,\nBasso. und es ist ein Gott mit ihnen,\nTenore. und der Freiheit Keime werden\nendlich froh erblüh'n auf Erden.\nQuartett.\nGermania. Auf meinen Fluren bauen\nsich Siegesbogen auf,\nund alle Volker schauen\nmit kindlichem Vertrauen\nund lautem Jubel drauf.\nTenore. Der Krieger Fahnen alle,\nsie wehen hoch und frei\nvon ihrem Lagerwalle;\nals Schmuck der Friedenshalle\nbegrüssen sie das Land.\nBeide.\nSo hat des Friedens Regenbogen\nEuropa1s Himmel ganz umzogen.\nBasso. 0 Volk, das gross getragen\nDas blutige Geschick,\ndir stehen zu schönern Tagen\ndie Pforten aufgeschlagen\nin diesem Augenblick.\nSopr. 11. So lass denn Jubel schallen!\nGesegnet ist dein Land,\nweil in Germania1 s Hallen\ndie\" Friedens-Engel wallen,\ndie Gott herabgesandt.\nBeide.\n♦\nDie Völker und die Fürsten alle\nT e n o r.\nErkennt und betet an!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.7", "texte": "Beide.\nvereint zu Eines Feindes Falle!\nTeno r.\nDas hat der Herr getlian!\nZu Vieren,\nKein Aug1 ist da,\ndas seinem Fürsten nicht begegnet;\nkein Herz ist nali\\\ndas nicht sein Landesvater segnet.\nZum Siegeslohn\nhat Gott den Friedensbogen\num aller Fürsten Thron\nund um die ganze Welt gezogen.\nNr. 6- Cho r.\nChor der Mädchen und Frauen.\nEs eilen herbei\ndie Mädchen und Frauen,\nden festlichen Zug\nder Heere zu schauen.\nEs winket die Freude,\nes kehren die Krieger\nZur Heimat als Sieger.\nChor der Kinder.\nEs treten im Chor\nmit Blumeny eiuinden\ndie Kinder hervor,\num Kränze zu binden:\ndie Unschuld und Liebe,\nsie flechten zum Lohne\nden Helden die Krone.\nChor der Männer und Krieger.\nIm Prangen des Siegs\nzieli'n ein eure Heere,\ndie Helden des Kriegs\nmit Fahnen und Wehre:\ndas Vaterland öffnet\ndas goldene Thor,\nund es strahlet die Sonne\nder Freiheit empor!\nScliluss-Chor.\nFried1 und Freude! Hochgesang!\nGott! Dir schalle Preis und Dank!\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am 9. d. Mts. gab das Conservatorium seinen\ndritten Musikabend, zu welchem sich ein zahlreiches und an\nden Leistungen der Kunst-Jüngerinnen und Jünger lebhaft Theil\nnehmendes-Publicum eingefunden hatte. Wir hörten eine Sonate\nvon Gade für Piano und Violine (Fräulein Stodel), Mendels-\nsohn' s H-moll-Capriccio (Fräulein von Manteuffel), Mosche-\nles' Clavier-Concert in G-moll, I. Satz (Fräulein Löwen stein),\nden ersten Satz von Beethoven's Violin-Quartett, Op. 18 Nr. 5\n(die Musikschüler Ludwig, Wolf, Kierwald, Krill), Spohr's\nViolin-Concert Nr. 11, I. Satz (Karl Wulff) und mehrere Gesang-\nstücke von Händel und Rossini (durch die Fräulein As mann,\nMurray, Schumacher, Kemper und Hart och). Ueberall zeig-\nten sich erfreuliche und beifallswürdige Fortschritte und bei einigen\nLeistungen auch bedeutendes Talent.\nAm 10. d. Mts. gab Herr Kammersänger Ernst Koch eine\ntheatralische Vorstellung seiner Schülerinnen und Schüler, in welcher\ner selbst als Max im „Freischützu (Arie des ersten Actes und zwei-\nter Act) mitwirkte. Ausserdem wurde der erste Act von Bellini's\nMontecchi und Capuletti aufgeführt. Ausser Fräulein B ar n (Agathe),\ndie ihr Talent in mehreren Rollen auf der Bühne schon sehr bei-\nfällig zur Anerkennung gebracht hat, und Fräulein Rothenberger,\ndie als treffliche Concertsängerin ihren Ruf durch wiederholte Lei-\nstungen in unseren Gürzenich-Concerten in Köln und in Concerten\nzu Frankfurt am Main, Wiesbaden, Coblenz, Bonn,\nMünster, Elberfeld u. s. w. bereits wohl begründet hat und jetzt\nauch (auf der Bühne zum ersten Male) die Cavatine der Giulietta\nreizend und mit künstlerischem Vortrage der Melodie und der Fiori-\nturen sang, traten zum ersten Male auf Fräulein Harken als Ro-\nmeo, Fräulein Bothmann als Aennchen und Herr Römer als\nTibaldo. Die beiden Letzteren scheinen von der Natur zu wenig\nbegünstigt zu sein, um die dramatisch-musicalische Laufbahn mit\nErfolg betreten zu können, Fräulein Harken hingegen kann eine\nZukunft haben; ihre Mezzo-Sopranstimme hat zwar keinen bedeuten-\nden Umfang, aber die Töne vom eingestrichenen / bis zweigestriche-\nnen g sind voll, schön, kräftig und wohlklingend; die eigentlichen\nAlt-Töne verlieren gegen die genannten an Volumen und Klang, und\nist die junge Sängerin zu warnen, diesen Mangel ja nicht durch das\nbei den Französinnen beliebte breite Quetschen der tieferen Töne\nersetzen zu wollen,\nBerlin. Camillo Sivori, der Lieblingsschüler Paganini's,\nversammelt gegenwärtig ein elegantes und kunstgebildetes Publicum\nim Kroirschen Locale, In dem Spiele des geschätzten Gastes, der\nbereits seit mehreren Decennien zu der erlesenen Aristokratie des\nViolin-Virtuosenthums gehört und dessen Name weit und breit in\nallen Concertsälen einen guten Klang hat, glauben wir den treuen\nNachhall der Rossinfschen Weise zu vernehmen. Der Ton Sivori's\nerhebt sich nicht über die Mittelgrösse, zeichnet sich indessen durch\nvollendete Anmuth, Weichheit, Rundung und Biegsamkeit aus. Auch\nAuffassung und Vortrag offenbaren diesen Charakter. Jedes harte,\nunvermittelte Wesen ist ihnen fremd, dagegen sind sie wohlerfahren\nin allen Schmeichelkünsten der leise auf- und niederwogenden Me-\nlodik, wie in der kosenden Grazie bunt schimmernden, zart hinge-\ngossenen Fioriturenspiels. Lächelnde Ruhe, freundliche Verbindlich-\nkeit, vornehme Glätte sind die Grundzüge des Ausdrucks. Das Ge-\nbiet, auf welches er sich beschränkt, beherrscht er mit unfehlbarer\nMeisterschaft. Wir haben bisher kaum ein feiner gesponnenes Cres-\ncendo und Decrescendo, ein eleganteres Piano-Staccato, ein liebli-\ncheres Legato und Portamento gehört.\nFräulein Lucca trat nach längerem Urlaub, den sie zur Her-\nstellung ihrer Gesundheit verwendet hat, als Margarethe wieder auf.\nIhre Stimme machte den Eindruck der vollen Frische, und das Pu-\nblicum überschüttete sie mit Beifallsbezeigungen, Im Juli dieses\nJahres wird Fräulein Lucca an der italienischen Oper in London\nals Valentine debütiren. Der unter glänzenden Bedingungen abge-\nschlossene dreijährige Contract mit der londoner Oper der in ihre\nhiesigen Beziehungen in keiner Weise störend eingreift tritt erst\nmit dem Sommer nächsten Jahres in Kraft.\nIm sechsten Abonnements-Concerte in Hannover sang Stock-\nhausen eine Arie aus dem „ Alexanderfestu von Händel und zwei\nSchubert'sche Lieder: „Greisengesang\" und „Geheimes*'. Was Kunst,\nmusicalischer Sinn und Geschmack, poetische Empfindung von dem\nSänger verlangen, das leistet Stockhausen in reichem Maasse. Herr\nGrün. Mitglied des Hof-Orchesters, spielte mit Beifall den ersten\nSatz des Militär-Concertes für Violine von Lipinski. Herr Kammer-\nmusicus Lindner trug zwei von ihm für Violoncell componirte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630314-01.1.8", "texte": "lyrische Stücke: „Romanze\" und „Loreley\", vor. Vortrefflich gelan-\ngen unter Joachim's Leitung die beiden Orchestersachen: Ouvertüre\nzu „Coriolan\" von Beethoven und Sinfonie in C-dur von Schubert.\nLeipzig« Die neue zweiactige Oper „Die Findlinge\" oder „Ein-\nTag auf der Yeste Coburg\" von Adolph Maersch (kaiserlich bra-\nsilianischem Capellmeister) machte Fiasco, verdiente auch dasselbe,\nsowohl was Musik, die anfängerisch, wenn auch nicht ohne einige\nkleine Ansätze zum Besseren, als was Textbuch anlangt, welches\nhöchst trivial ist. ln ln einem Concerte zum Besten des Vincentius-\nVereins war der Vortrag des Cellisten Krumbholz und der Schü-\nlerin des Prof. Götz, Miss Amelia May aus London, bemerkens-\nwert!]. Die Stimme ist schön und ausgiebig, und desshalb hat die\njunge reizende Engländerin eine schöne Zukunft, wenn sie ihrem\nGesänge mehr Wärme und Innigkeit, so wie eine gewisse Eleganz\nverleihen würde.\nDem Stadtverordneten-Collegium ist die Vorlage des Stadtrathes\nüber den Theaterbau zugegangen. Danach soll ein neues Theater\nauf dem Königsplatze für 300,000 Thlr. durch Ober-Baurath Lang-\nhans in Berlin erbaut werden.\nRubinstein's neue Oper „Feramors\" wurde am 24. Februar\nzum ersten Male in Dresden nach dortigen Blättern mit Erfolg\naufgeführt.\nDer vormalige sächsische General-Intendant von Lüttichau\nist am 16. Februar im 77. Jahre in Dresden gestorben. Im Jahre\n1809 als Jagd-Page angestellt, wurde er 1810 zum Oberst-Forstmei-\nster, 1818 zum Kammerherrn und 1824 zum General-Director des\nköniglichen Theaters und der königlichen Capelle ernannt. Letzteres\nAmt bekleidete er durch volle siebenunddreissig Jahre, bis 1801,\nund wusste sich während dieser langen Zeit die Achtung seiner\nUntergebenen zu bewahren. Er war gegen Jedermann freundlich,\nzuvorkommend, wohlwollend, human und hörte auf den Rath gebil-\ndeter, sachverständiger und aufrichtiger Leute. Eine seltene Erschei-\nnung unter den zu Theater-Intendanten gemachten Höflingen .\nDer Stuttgarter Liederkranz will sich eine Liederhalle bauen,\nwelche nach dem Voranschlage 112,000 Thaler kosten wird.\nWien« Die italiänische Oper im Karltheater begann am 24.\nFebruar mit der „Sonnambula\". Die übrigen versprochenen Opern\nsind: „Lucia\", „Don Pasquale\", „Linda,\", „ Traviata\", „Trovatore\" 1\nvDon Giovanni\", „üfarta\", „Elisire\", „Figlia del regimento\", „Bar-\nbiereu und . Also nicht eine einzige Novität. Das Perso-\nnal besteht aus den Damen Patti, Lafon, Peralta, den Herren\nGiuglini, Carrion (Tenore), Zuchi, Agnesi (Bariton und Bass),\nMazetti (Bußo), Orsini (Capellmeister). Das Abonnement gilt für\n22 Vorstellungen, sämmtlich unter Mitwirkung der Fräulein Patti.\nFräulein Lafon hat also die einzige Donna Anna in „Don Juan\" zu\nsingen, da in den anderen Opern Fräulein Patti die erste Partie\nsingen muss. Was geschieht wohl, wenn sie heiser wird? Erhalten\nda die Abonnenten ihr Geld zurück? Die Preise sind enorm hoch,\nund das Geschäft dürfte sich kaum rentiren.\nDie für das Schubert-Monument bis jetzt eingelangten Beiträge\nbelaufen sich bereits auf eine Summe von 10,500 Fl.\nSonntag den 1. März fand um 5 Uhr Abends zu Ehren des hier\nweilenden Componisten Joachim Raff im Salon Haslinger eine\nStatt, wobei nur Raff'sche Compositionen zur Aufführung ka-\nmen, darunter dessen neuestes Streich-Quartett in A-dur.\nRichard Wagner gab am 8. Februar ein Concert in Prag,\nund zwar, wie dortige Blätter erzählen, „mit glänzendem Erfolge in\ndes Wortes wahrster Bedeutung\".\nParis. Der Instrumenten-Fabricant Debain hatte die Walzen\nmehrerer von ihm fabricirten Drehorgeln mit Melodieen versehen,\nohne sich hierüber mit den betreffenden Verlegern und Autoren ver-\nständigt zu haben. Auf gerichtliche Requisition der letzteren wurden\ndie Walzen confiscirt und dem Fabricanten eine Geldstrafe auferlegt.\nDie ihrer Zeit hochgefeierte französische Sängerin Frau Da m o -\nreau-Cinti (Laura Cinti-Montaland) ist einem schweren Leiden,\ngegen welches die Kunst der Aerzte machtlos blieb, erlegen. Die\nKünstlerin, welche 1844 die Bühne verliess, erreichte das dreiund-\nsechszigste Lebensjahr. Französische Blätter widmen ihr ehrenvolle\nund ausführliche Nachrufe.\n*"}]}