{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-03-28-01", "volume": "bmtnabi_1863-03-28_01", "ocr_sha256": "a5cb9b2067548479a08959337d532787d02371c76d18b8503a1d0fd87bdd5780", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/03/28_01/bmtnabi_1863-03-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-03-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 481, "texte": "Inhalt.\nDas musicalische Lied in geschichtlicher Entwicklung. 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Auf dem Gebiete der Kunst ist ein\nidealistischer Standpunkt, so lange er an den historischen\nFacten festhält und sich nicht in ästhetische Nebeleien ver-\nliert, ein durchaus gerechtfertigter, da ohne Idealismus\nüberhaupt keine Kunst existiren würde. Mit dem Stand-\npunkte des Verfassers und seiner ausgesprochenen Gesin-\nnung in Sachen der Kunst sind wir also vollständig einver-\nstanden; nur möchten uns einige Bedenken über die Ge-\nsammt-Verwerthung des Stoffes übrig bleiben.\nIm Vorworte genannten Werkes sagt der Verfasser,\ndass die Neuheit des Gegenstandes und die Eigenthümlich-\nkeit seiner Behandlung einiger Worte der Erläuterung und\nRechtfertigung bedürfe. Welches ist nun die Eigentüm-\nlichkeit dieser Behandlung? Wir erfahren es auf Seite VII,\nwo der Verfasser-angibt, dass „die Gesammt-Ent-\nwicklung des musicalischen Liedes in übersicht-\nlicher und ansprechender Darstell ung der Zweck\nseines Werkes sei, ohne diesen Zweck in der trocke-\nnen Weise des Gelehrten durchzuführen, noch auch den\nLeser in der leichtfertigen Weise spannender Roman-Fa-\nbricate bloss vorübergehend kitzeln zu wollen.\" Zur Er-\nreichung dieses Zweckes setzt sich der Verfasser eine Dis-\nposition vor, wie wir sie allerdings in der Form noch nicht\nvorfanden, die aber dem Inhalte nach gerade nichts Neues\nbietet und auch nichts Neues bieten kann, da ja doch die\nChronologie schliesslich in jedem Geschichtswerke immer\ndie Anhaltspunkte liefern muss. Die Disposition an sich\nwird jedem Fachmanne wie Laien ganz einleuchtend er-\nscheinen, und jeder wird sich bei Durchlesung auf die Er-\nfüllung des Versprechens freuen, was der Verfasser auf\nSeite IX des Vorwortes gibt, indem er sagt, dass er be-\nmüht gewesen sei, den Begriff der Entwicklung im\nAuge zu behalten und den Quellen nachzuspüren, aus\ndenen das Lied erwachsen sei, so wie die Uebergänge und\nFortschritte zu beobachten, in denen es seine Form stufen-\nweise vervollkommnet habe. Wir wollen sehen, ob der\nVerfasser sein Versprechen hält und uns in der „ersten\ncantillirenden Periode\", wie er den vorliegenden Band be-\ntitelt hat, genau angibt, in welcher Stufenfolge die Ent-\nwicklung des musicalischen Liedes fortgeschritten ist.\nWir betrachten zuerst von Seite 1 bis 5 die Uebersicht\nder Gesammt-Entwicklung. Der Verfasser sagt sehr rich-\ntig, dass die Musik Anfangs nur in Verbindung mit Mimik\nund Poesie aufgetreten sei. Was er aber ferner über das\nEntsagen der Sinnlichkeit und das Entlassen der\nKunst aus ihrem Banne u.s.w. angibt, ist weiter\nnichts als ästhetische Phrase und bildet keine logische\nBrücke zu dem weiter unten angeführten massenhaften\nVolksgesange von hymnischem und epischem Inhalt, wel-\nchen er mit Recht die allgemeine Urform der Musik, die\nunentfaltete Einheit aller später hervortretenden Musik-\ngattungen. nennt. Die Brücke hierzu lag in der Angabe\neiner gemeinsamen Gottesverehrung, in dem Gebete, aus\nwelchem die hymnischen Massengesänge hervorgingen, die,\nspäter bei Festen allgemein.angewandt, das Grund-Ele-\nment der National-Musik wurden, was wir an anderen\nOrten schon ausgesprochen haben.\nDass dem epischen Volksgesange die Lyrik gefolgt\nist, möchte vom Verfasser nicht ganz richtig aufgefasst er-\nscheinen, da das Epos stets lyrische Abiheilungen in sich\nenthält. Wir möchten lieber sagen, dass sich nach und\nnach die Lyrik vom Epos trennte und zwischen beiden\nDichtungsarten und Compositions-Gattungen sich in der\n\n*) Leipzig, Verlag v. Breitkopf u. Härtel. 1863. XXII u. 323 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5442, "texte": "Folge ein strenger Unterschied nach Inhalt und Form\nherausstellte.\nWeiter unterscheidet der Verfasser in der Geschichte\ndes musicalischen Liedes zwei Haupthälften, von denen\ndie erste die der „blossen Formsludien, d. h. die\ndes blossen Experimentirens in der Zusammenstellung und\nAneinanderreihung der Töne\" sein soll. Wir möchten\ndoch diesen Ausspruch sehr bezweifeln, da wir unmöglich\nglauben können, dass die zum Theil nicht vollkommen ge-\nregelten, aber reizend ansprechenden Lieder der Inder und\nAraber in vorchristlicher Zeit durchs Experimentiren ent-\nstanden wären. Im Gegentheil, das Lied war vorhanden\nund es wurde dasselbe durch theoretische Feststellung ge-\nwisser Tonverhältnisse nur geordnet und durch Ausbildung\nder Scala in ein theoretisches Gesetz hineingezogen und\ndurch dasselbe begründet. Die Praxis war eher da, als\ndas theoretische Experimentiren, welches in Bezug aul\nComposition eigentlich erst seinen Anfang im Mittelalter\nbei der Ausbildung des Contrapunktes genommen hat,\nhingegen die frühere Theorie nur die Begründung der\nPraxis ausmachte, wie wir aus allen theoretischen Schrift-\nstellern des Alterthums und aus allen \\ölkersagen, an de-\nnen die griechische Geschichte namentlich sehr reich ist,\nersehen können. Diese erste Haupthälfte der l'ormstudien\ntheilt der Verfasser wieder in zwei Perioden ein, von de-\nnen die erste „die cantillirende Periode\" sein soll,\nda sie den Zeitpunkt des rein melodischen, einstimmigen,\nrhythmenlosen Gesanges, den man am besten als blossen\nSprech- oder Halbgesang bezeichne, ausmache. Die zweite\nPeriode datirt nach des Verfassers Ansicht seit der Ent-\nstehung des Contrapunktes, was uns aber vorläufig nicht\nberühren kann, da die vorliegende Abhandlung nur jene\nPeriode umlasst, deren erster Haupttheil in der Behand-\nlung (I.) „der frühesten Spuren des Liedes auf\ndem Hintergründe des vorchristlichen Volks-\ngesanges\" besteht und uns zuerst (a) das „Wesen des\nvorchristlichen V ol ksgeSang es\" vor Augen führt.\nDer Verfasser verbreitet sich in diesem Abschnitte\nüber die schon olt in culturgeschichtlichen Werken ausge-\nsprochene Ansicht von der Entstehung des Gesanges, von\ndem Verhältnisse desselben zur Sprache, von der Entwick-\nlung des Rhythmus in derselben, welcher wiederum die\nnächste Veranlassung zu gegliederten Melodiefolgen wurde,\nund kommt schliesslich zu dem Resultate (S. 27), dass der\n„Rhythmus im allen Gesänge nur so weit vorhanden ist,\nals er im Texte liegt, und die metrische Form des Textes\ngenau auch die musicalische, die gesangliche ist\". Die An-\nsicht des Verfassers, dass es wohl rhythmenlosen Gesang\ngegeben habe, kann durchaus nicht bezweifelt werden, da\nsich derselbe ja bis ins Mittelalter erhalten hat und noch\nin katholischen Kirchen bei einigen Gesängen in Anwen-\ndung kommt. Wer dieser Ansicht widerspricht, möchte\nwohl Accent mit Rhythmus verwechseln, welchen Unter-\nschied der Verfasser gleich von vorn herein zur Beweis-\nführung angeben konnte.\nEr führt später allerdings einen aus dem Mittelalter\nstammenden Gesang: Ave praeelara maris Stella, als Bei-\nspiel für den Prosengesang an und bringt dann die accen-\ntuirende, syllabische Methode des Gesanges in Gegensatz\nzu der quantitirenden oder metrischen. Wir stossen hier\n(S. 32) auf einen Irrthum des Verfassers, den derselbe bei\ngründlichem Quellen-Studium, wovon überdies in dem\nganzen Buche wenig zu finden ist, nimmermehr halte be-\ngehen können. Er reiht nämlich die hebräische Psalmodie\nin die syllabische Methode ein und meint, dass gerade\nGregor diese Methode aufgenommen habe zu leichterer\nAusführung der Gesänge in den Gemeinden, und setzt\ndiesem Gesänge die Figuralmusik des Ambrosius entgegen.\nWir müssen hier den Verfasser auf die Schriften des Am-\nbrosius verweisen, worin ganz deutlich ausgesprochen ist,\ndass es gerade die hebräische Psalmodie war, welche Am-\nbrosius in seine Kirche einführte, und wenn der Verfasser\nDe Musicavon Augustin gelesen und mit der Schrift von\nSaalschütz: „Geschichte und Würdigung der Musik bei\nden Heb räern\", verglichen hätte, so würde er wohl ge-\nfunden haben, dass die hebräische S'salmodie nicht in einem\nblossen Accentuiren, sondern in einer wirklich gleichmäs-\nsigen Vertheilung des Rhythmus bestanden habe. In allen\nSchriften des Ambrosius wird das Lob der hebräischen\nPsalmodie gepredigt, wo hingegen sie nach Gregor's Zeiten\nmehr und mehr schwindet, weil dieser es eben war, der\nden ganzen Ritus der Kirche veränderte und hauptsächlich\nden Cantus planus. Cantus choralis einführte. Kurz: die\nhebräische Psalmodie war rhythmischer Gesang, nicht\naccentuirter und syllabischer allein. Darin hegt eben auch\nzum Theil die Grösse der hebräischen Lyrik, welche von\nkeinem anderen Volke des Alterthums übertroffen wurde.\nDer Verfasser macht dann auch noch einige allgemeine\nBemerkungen über Harmonie, wozu er Einiges aus der\nSchrill von Weitzmann: „Geschichte der Harmonie, ge-\nkrönte Preisschrift in der leipziger Neuen Zeitschrift, Jahr-\ngang 1859\", entlehnt zu haben scheint. Im Ganzen ist die-\nses allgemeine Gerede zu wenig historisch, so ohne alle\nBeweis-Unterlagen hingeschrieben, dass wir es als ganz un-\nwesentlich übergehen können. Nach Durchlesung des gan-\nzen Abschnittes müssen wir auch offen gestehen, dass wir\neigentlich gar nicht wissen, was der Verfasser mit der\nUeberschrift: „Das Wesen des vorchristlichen Volks-\ngesanges\" gewollt hat. Wir befinden uns mit Ausnahme\nder allgemeinen culturgeschichtlichen Angaben über Ent-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5353, "texte": "stehung der Musik fast immer nur im Christenlhume und\nhören weder etwas von asiatischen noch europäischen Ge-\nsängen vor der Zeit christlicher Zeitrechnung und finden\neigentlich nur dilettantische Muthmaassungen über Ein-\nführung der Musik in das Christenthum. Vom Wesen des\nvorchristlichen Gesanges, wohin also Ambrosius, Gregor,\nHarmonie u. s. w. gar nicht gehören, ist kaum eine Spur\nzu finden. Vielleicht erfahren wir es in dem nächsten Ab-\nschnitte: b) Das historische Auftreten des vor-\nchristlichen Volksgesanges.\nAuch hier wird uns weiter nichts kundgethan, als dass\nausser Juden und Griechen alle anderen Völker historisch\nnicht zu berücksichtigen seien, wie eine mitgetheilte Probe,\neines äthiopischen Liedes aus Forkel's Geschichte der Mu-\nsik beweisen soll. Hat denn der Verfasser nicht die Schrift\nvon Johns Dalberg gelesen: „Geschichte der Musik bei\nden Indern\", in welcher so reizende Tonweisen milgetheilt\nwerden, die zum Theil uralt sind?\nIn der Beurtheilung der Juden gegenüber den Grie-\nchen ist der Verfasser durchaus historisch unwahr. Er\nmeint nämlich, dass die Juden den Griechen gegenüber\nunproduetive, bloss entlehnende Nachahmer seien. In der\nkünstlerischen Originalität hätten sie sich in der poetischen\nLyrik, besonders in der religiösen, erschöpft, die uns haupt-\nsächlich in den Psalmen vorliege; für die musicalische\nwären sie ohne Anlage, ohne freischöpferische Erfindung\ngewesen und hätten sich daher ausschliesslich der grie-\nchischen Tonarten und vermuthlich auch griechischer\nWeisen bedient oder diese nachgebildet. Wie\nkommt der Verfasser zu einer solchen ohne allen Beweis\nhingestellten Ansicht? Die Geschichte weist uns bei den\nJuden mindestens eben so frühe Spuren von Musik nach,\nwie bei den Griechen, und in ihrer eigenthümlich ausge-\nbildeten Lyrik liegt es eben auch begründet, dass sie eine\neigenartige, ihrem Texte entsprechende Musik hatten.\nOder ist der Verfasser vielleicht gesonnen, das Alter eini-\nger Davidischer Psalmen zu bestreiten, die doch wohl min-\ndestens in gleiche Berechtigung mit den Pindar'schen Oden\ngesetzt werden können? Und wo ist der Beweis, dass sich\ndie Juden ausschliesslich griechischer Tonarten und rnuth-\nmasslich auch griechischer Weisen bedient hätten? Die\nChronologie und die Entwicklung griechischer Theorie\nscheint dem Verfasser wenig bekannt zu sein, sonst müssle\ner wissen, dass die Ausbildung griechischer Theorie sich\nvon Pythagoras (580 568 v. Chr.) herschreibt, dessen\nTheorieen die später lebenden Schriftsteller Aristoteles,\nAristoxenus, Euklid etc. zu weiterer Vollkommenheit ge-\nstalteten, hingegen David bereits seine Lieder um's Jahr\n1000 v. Chr. in seiner eigenthümlichen Nationalweise\nsang, vielleicht ohne bewusste Theorie, wie ja auch die\nhomerischen Gesänge bei den Griechen wahrscheinlich\nohne theoretisches Bewusstsein gesungen worden sind.\nWir wollen hier beiläufig erwähnen, dass einige Erklärer\nder hebräischen Musik versucht haben, darzuthun, dass\ndie griechische Musik von den Hebräern herstamme,\naber nicht umgekehrt, dass die Hebräer Nachahmer der\nGriechen seien.\nCalvisius z. ß., der gelehrte Theoretiker des 16. Jahr-\nhunderts, weist in seiner Schrift: „\nprogressu mmices\"durch ausgezeichnete chronologische\nBerechnungen nach, dass die hebräische Musik durchaus\nälter sei, als die griechische, und wenn wir dem Zeugniss\ndes Hieronymus (331—420 n.Chr.), dem berühmten\nBibel-Uebersetzer in das Lateinische, Glauben beimessen\ndürften, so wäre auch die hebräische Musik weit voll-\nkommener gewesen, als die griechische, welche Ansicht\nhauptsächlich in seiner Epistola ad Dardanum hervortritt,\nwo er unter Anderem auch eine hebräische Cither von\nvierundzwanzig Saiten erwähnt, wogegen sich der grie-\nchische Sänger Terpander (676 v. Chr. Sieger in dem\nersten musischen Wettkampfe am Feste des Apollon Kar-\nneios) einer siebensaitigen Lyra bediente.\nWir kommen zu a)„demVolksgesange und den\nfrühesten Spuren des Liedes bei den Griechen\"\n(S. 62 — 70). Aufgefallen ist uns namentlich dabei, dass\nder Verfasser den Rhapsodengesang zur Zeit des Homer\nso ganz unberücksichtigt gelassen hat, der doch ganz ge-\nwiss eben auch Einzelgesang war, welchen der Verfasser\nerst mit der Zeit Ter pander's beginnen lässt. Auch hätte\nder Verfasser übersichtlich darstellen können, nach welchen\nTonfolgen bei den Griechen die Scalen, wenigstens im dia-\ntonischen Klanggeschlechte, geordnet waren und wie die\nBeschaffenheit ihres Rhythmus in Vergleich mit unseren\nTactarten und mit den Mensuralnoten des späteren Mittel-\nalters zu bringen ist. Das vom Verfasser in diesem Ab-\nschnitte und früher auf S. 52, 53, 54 Gesagte ist zu\nallgemein und zu subtil angedeutet, als dass es wirklich\nhistorische Berechtigung haben könnte. Die wenigen allge-\nmeinen Bemerkungen, die jede Culturgescbichte aulzu-\nweisen hat, genügen nicht für eine historische Entwicklung\ndes musicalischen Liedes. Der Verfasser stützt sich im\nGanzen auf die sehr oberflächliche Abhandlung über grie-\nchische Musik von Weitzmann.\nIn dem folgenden Abschnitte „Volksgesang\nund früheste Spuren des Liedes bei den He-\nbräern\" sagt der Verfasser: „Hätte sich die eigenthüm-\nliche Religions-Anschauung der Juden wirklich ganz ori-\nginel künstlerisch gestalten können, so würde sich daraus\neine eben so originelle Form des Gesanges ergeben haben;\nund in einer Richtung hat sich, wie wir sehen werden, eine\n\nL*1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2832, "texte": "solche wirklich ergeben.\" Vor allen Dingen hat sich die\neigentümliche Religions-Anschauung der Juden wirklich\nganz originel künstlerisch gestaltet, das beweisen die Psalm-\ndichtungen, die schönsten lyrischen Dichtungen des Alter-\nthums, was auch der Verfasser in der Folge zuzugeben\nscheint, indem er sie hymnisch, feierlich, erhaben\nnennt. Er unterscheidet sodann Massengesang und Einzel-\ngesang. Als Beleg hierzu hätten die Psalmen weit besser\ngepasst, als die aus viel späterer Zeit stammenden Samm-\nlungen hebräischer Lieder von Sulzer u. s. w.; am aller-\nwenigsten waren die von Leopold Haupt herausgegebenen\n„sechs alttestamentliehen Psalmen mit ihren aus den\nAccenten entzifferten Singweisen\" zu erwähnen (der Ver-\nfasser nennt sie ein nicht unwichtiges Werkchen),\nda wir genau wissen, dass dieselben nur aus der Phanta-\nsie jenes Autors entsprungen sind. Wir erinnern uns noch\nsehr wohl an die Zelt, wo wir diese Psalmen (damals noch\nungedruckt) mitsangen, und wie ein Elementarlehrer, der\nhierzu eine unbeholfene Harmonisirung angefertigt halte,\nals Dirigent im Beisein des Autors fungirte. Weit wichti-\nger wäre der Gesang der italiänischen Juden gewesen,\nwelchen Gerbert „De caniu et musica sacrau, T. 1, Pag.\n7, nach P. Martini mittheilt. Der Verfasser verfällt hier\nwieder, wie schon oben erwähnt, in den Fehler, die Ju-\nden als Nachahmer der Griechen hinzustellen. Der An-\nhang hierzu: „Gesang und Lied in den ersten Christen-\ngemeinden\", ist historisch wahr und richtig abgefasst. Man\nfindet eine noch speciellere Abhandlung hierüber im zwei-\nten Bande der Geschichte der Musik von Forkel, die uns\njedoch trotz der reichen Angabe von Beweisstellen weni-\nger befriedigt, als der hier vorliegende Abschnitt, da hier\nin fliessender Darstellung das gerade Nöthige hervorgeho-\nben ist. Nach diesem Abschnitte folgt noch ein kurzer\nRückblick und das Resultat, dass hauptsächlich die Psal-\nmodie es war, welche dem christlichen Kirchengesange\nals Vorbild diente—eine allbekannte Wahrheit, die Saal-\nschütz in seinen Schriften vortrefflich dargelegt und be-\ngründet hat. '\nAm Schlüsse des ersten Haupttheiles der uns vorlie-\ngenden ersten cantillirenden Periode angelangt, müssen\nwir den Ausspruch thun, dass der Dilettant zwar in dem-\nselben eine ganz unterhaltende Leetüre, aus der er doch\nso Manches lernen kann, finden wird, dass der Inhalt aber,\nvon historisch künstlerischer Seite betrachtet, den Anfor-\nderungen unserer Zeit keineswegs genügen möchte. Die\nallgemein fassliche Darstellung und die idealistische An-\nschauungsweise schliessen ein sorgfältiges Quellen-Stu-\ndium nicht aus, was wir z. B. aus der vortreff lichen Cul-\nturgeschichte von Wachsmuth ersehen können, die all-\ngemein verständlich und doch historisch wahr dem Di-\nlettanten wie dem Geschichtsforscher reiche Belehrung\nbieten wird.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-03-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "101", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.2.3", "titre_corps": "Aus Amsterdam.", "titre_sommaire": "Aus Amsterdam.", "signature_source": "F. 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Das Gedicht\nsteht nicht auf der Höhe des Gegenstandes, die Musik aber,\nwelcher das Publicum eine enthusiastische Aufnahme zu\nTheil werden liess, ist die Arbeit einer sehr geschickten\nHand. Das Werk ist mit Kenntniss und Ei fahrung ge-\nschrieben und sehr gut instrumentirt, allein man vermisst\nden Stempel des Genie's, namentlich in den Solo-Partieen\ndes „Johannes\" und der „Maria Magdalena\". Man wird,\nwie das freilich heutzutage kaum zu vermeiden ist, an Men-\ndelssohn häufig, aber auch an Weber und Schumann, ja,\ndurch einige harmonische Härten selbst an Wagner erin-\nnert; das Streben nach Effect, der Fluch der musicalischen\nProduction unserer Zeit, überwuchert die Originalität des\nStils. Trotz alledem gebührt Herrn Gustav Heinze eine\nsehr ehrenvolle Stelle unter den zeitgenössischen Compo-\nnisten, denn es ist wahrlich nicht einem Jeden gegeben,\nOratorien zu schreiben. Die Ausführung war im Aligemei-\nnen gut, mit Ausnahme der Solo-Vorträge, die viel zu wün-\nschen übrig liessen.\nDie populären Concerte fahren fort, alle Classen\nunserer Einwohnerschaft zu begeistern; im dritten und\nvierten Concerte war der Saal wieder überfüllt. Thatsäch-\nlich finden die Werke der classischen Meister die enthu-\nsiastischste Aufnahme, man zollt ihnen alle Ehrenbezei-\ngungen, die sie in so hohem Maasse verdienen. Die Aus-\nführung unter Verh ülst's Leitung ist bewundernswerth,\naber das Programm des vierten war weniger glücklich ge-\nwählt, als bei den drei ersten Concerten; vor Allem war\ndes Guten zu viel darauf.\nDas zweite Fest-Concert der „Gesellschaft zur\nBeförderung der Tonkunst\" fand am 3. März Stattv Ver-\nhülst dirigirte hier zum ersten Male, und da man die Mit-\nwirkung der Frau Lemmens-Sherrington und der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1911, "texte": "Herren Schneider und Dalle Aste von der deutschen\nOper zu Rotterdam gewonnen hatte, so war das Concert\nin der That ein musicalisches Ereigniss.\nMan kann dreist behaupten, dass wir in Holland seit\neiner Reihe von Jahren keine so vollkommene Aufführung\nmit Chor und Orchester gehört haben, als an jenem\nAbende. Die Präcision, das Ensemble, die Nuancen und\nFeinheiten im Vortrage, Alles war vortrefflich: Chor, Or-\nchester und Solostimmen wetteiferten mit einander, das\nProgramm war mannigfaltig und interessant kurz, es\nwar ein wahres Fest, und man glaubte auf eines der be-\nwundernswerthen niederrheinischen Musikfeste versetzt zu\nsein.\nDie Zuhörerschaft war zahlreich und gewählt: Mo-\nzart's Davidde penitente und Gade's „Frühlingsbot-\nschaft\" trugen die Palme des Abends davon. Die Frag-\nmente aus einem Psalm von Verhülst wurden weniger\ngelungen ausgeführt, und Beethoven's „Ruinen von\nAthen\", dieses phantastische und merkwürdige Werk des\nunsterblichen Meisters, waren vielleicht an diesem Abende\nnicht ganz an ihrem Platze. Frau Lemmens zeigte sich wie\nimmer als eine wahre Künstlerin, welche gewissenhaft den\nStil jedes Componisten achtet, dessen Sachen sie singt.\nSie hat in diesem Concerte einen eben so grossen Erfolg\ngehabt, als in Felix Meritis, wo sie das Publicum in Ent-\nzücken versetzt hat. Sie ist in dieser Saison die Heldin in\nden Concerten aller holländischen Städte. Die Herren\nSchneider und Dalle Aste haben wundervoll gesun-\ngen und wurden mit Applaus überhäuft. Fräulein Tra-\nschen t hat ihr Bestes gethan, war aber doch die\nschwächste von den Solisten. Wir sehen dem dritten Fest-\nConcerte der so verdienstvollen Gesellschaft mit Vergnü-\ngen entgegen.\nIn der letzten Sitzung des Kammermusik-Vereins\nder Herren Coenen und Bunte hat ein neues Quartett\nvon Coenen Erfolg gehabt; es offenbart eine schöne Factur\nund eine vollkommene Kenntniss der Behandlung des vier-\nstimmigen Satzes.\n\nF. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-03-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "101", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.2.4", "titre_corps": "Violin-Quartett von Ernst Friedrich Richter.", "titre_sommaire": "Violin-Quartett von Ernst Friedrich Richter.", "signature_source": "O. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.5", "debut_caractere": 1913, "fin_caractere_exclue": 4732, "texte": "Violin-Quartett von Ernst Friedrich Richter.\nO. P.\nIn Leipzig wurde in einer der letzten Kammermusik-\nSoireen ein schon in Berlin, Wien und anderen Orten mit\ngrossem Beifall vorgetragenes Violin-Quartett von Ernst\nFriedrich Richter wiederum unter der lebhaftesten\nTheilnahme des Publicums zu Gehör gebracht. Da wir\ndas Werk genau kennen, so wollen wir auch, hier einige\nWorte darüber sagen, da die künstlerische Thätigkeit un-\nserer heutigen Componisten sehr wenig auf Quartett-\nProductionen gerichtet ist und ein so vorzügliches Werk,\nwie das vorliegende, zu den seltenen Erscheinungen ge-\nhört. Der erste von den üblichen vier Sätzen bringt in\nE-moll ein feuriges Motiv, dessen einzelne Gliedergruppen\nhier ohne contrapunktische Arbeit zum Uebergange zu dem\nzweiten Thema benutzt sind, das ganz originel als Gegen-\nsatz zu dem ersten Motiv mehr elegisch im Dominant-\nSeptimen-Accorde von D-durauftritt und in den Dominant-\nSeplimen-Accord von G-durübergeht. Erst im fünften\nTacte tritt die Tonart G-dur ganz bestimmt hervor. Der\nbewegtere Nachsatz dieses reizenden .Thema's beginnt in\nG-dur und schliesst wiederum in G-dur, wonach der Com-\nponist eine kurze Uebergangsgruppe zur Wiederholung\nund zur Durchführung bringt, in welcher letzteren man\nallenthalben den formgewandten, feingebildeten Theore-\ntiker erkennen kann. In der üblichen Satzform bringt er\ndann mit einigen geschickten Ausweichungen die Wieder-\nholung der Themen bis zum Schluss in E-moll. Der zweite\nSatz „un poco Allegrettouist der originellste in Erfindung\nund Formgestaltung; er enthält ebenfalls zwei Motive,\nhier, aber in verschiedenen Tactarten, indem das erste\nTact, das zweite 2/VTact aufweist. Beide sind wundervoll\ndurch eine im zweiten Thema erscheinende Triolenbewe-\ngung verschmolzen, wodurch jede rhythmische Rückung\nvermieden und Einheit des Satzes erzielt wird. Hierauf\nfolgt ein variirtes Andante,wovon uns ausser dem Thema\nnamentlich die vierundzwanzig Tacte in in ihrem\nvollendeten harmonischen Flusse angesprochen haben. Das\nFinale „PrestoB zeichnet sich mehr durch Schwung, Feuer\nund melodischen Fortgang, als durch contrapunktische\nArbeit aus und schliesst das vortreffliche Werk in E-moll\nglanzvoll ab.\nWir glauben mit Recht dieses Werk allen empfehlen\nzu können, welche sich mit dergleichen Compositionen der\nStudien oder des Genusses wegen beschäftigen; es ist in\nStimmen von Breitkopf und Härtel in Leipzig zu be-\nziehen und wird für Kammermusik-Vereine eine will-\nkommene Gabe sein. Der Componist desselben ist der\nrühmlichst bekannte Verfasser des „Lehrbuches der\nHarmonie und der Fuge\" (in 2 getrennten Bänden bei\nBreitkopf und Härtel erschienen), der sich auch ausserdem\ndurch mehrere Sonaten, Trio's, ein Oratorium, Psalmen,\nCantaten und ausgezeichnete Motetten einen ruhmvollen\nNamen in der Künstlerwell erworben hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-03-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "102", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.2.5", "titre_corps": "Für evangelischen Kirchengesang.", "titre_sommaire": "Für evangelischen Kirchengesang.", "signature_source": "L. 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Durch Ergänzung vermittels\neiner Auswahl aus den reichen Vorräthen der neueren\nLiederdichtung nach Bollhagens Zeit ist die Zahl der Lie-\nder in dieser neuen Ausgabe auf 1400 gestiegen; die\nNamen der Dichter stehen unter jedem Liede (Melodieen\nin Notendruck sind nicht dabei), und da die Ausstattung\ndes Ganzen sich durch scharfen, nicht zu kleinen Druck\nund weisses Papier vortheilhaft vor manchen anderen\nGesangbüchern auszeichnet (Druck und Verlag von F.\nHessenland), so bildet das Buch eine schöne und reichhal-\ntige Sammlung deutscher Kirchenlieder von der Refor-\nmation bis auf unsere Zeit.\nHierzu ist nun jetzt in demselben Verlage ein „Melo-\ndieen buch. Mit Genehmigung des königlichen Consi-\nstorii zu Stettin bearbeitet und herausgegeben von\nGustav Flügel, königlichem Musik-Director und Orga-\nnisten an der Schlosskirche zu Stettin. 1863. XXX und\n214 S. Gr. 8.\" erschienen.\nAuch dieses Buch zeigt durch grossen, klaren Noten-\nund Schriftdruck auf starkem weissem Papier eine wirklich\nglänzende Ausstattung, während der Inhalt desselben, wie\nes von einem so classisch gebildeten und gewissenhaften\nMusiker, als welchen G. Flügel sich längst durch seine\nCompositionen und sein Wirken bewährt hat, nicht anders\nzu erwarten war, dem beabsichtigten Zwecke in jeder\nHinsicht vollkommen entspricht, sowohl was die Feststel-\nlung der Melodieen (es sind deren über 500), als die An-\nordnung und Oebersichtlichkeit und Orientirung durch\ngenaue Register betrifft. Die Melodieen sind nach den\nbesten Choralbüchern, zunächst den in Pommern einge-\nführten von Kühnau (dem älteren), A. W. Bach und C.\nLöwe, dann aber auch mit Benutzung von M. G. Fischer,\nLayritz, Lohmeyer, Hilter, Sämann und Schicht redigirt\nund nach der Reihenfolge der Lieder des Bollhagen'schen\nGesangbuchs in oben besprochener neuer Ausgabe ge-\nordnet, ohne Ilarmonieen; jedoch gibt ein ausführliches\nRegister den Nachweis, wo die Harmonie der betreffenden\nMelodie in irgend einem der besten Choralbücber zu fin-\nden sei.\nAuch das „prosodische Register\" (richtiger wohl\ndas „metrische\") ist höchst zweckmässig. Man findet näm-\nlich öfter in Liedersammlungen besonders für häuslichen\nGottesdienst recht schöne Lieder ohne Angabe der\nChoral-Melodie, welche dazu passt. In solchem Falle\nbraucht man jetzt nur das Versmaass des Liedes festzu-\nstellen, und das prosodische Register des Flügel'schen\nBuches weist dann nach, welche Melodieen zu jenem Vers-\nmaasse vorhanden sind,\nMan ersieht hieraus, dass das Melodieenbuch nicht\nfür die Gemeinde zum Gebrauch beim Gesang in der Kirche\nbestimmtest, sondern für Pfarrer, Organisten, Cantoren\nund alle diejenigen Männer, denen die Pflege des Kir-\nchengesanges Berufspflicht ist oder auch ausserdem am\nHerzen liegt, und diesen Allen wollen wir es als ein vor-\ntreffliches Handbuch und Hülfsmittel aufs angelegent-\nlichste empfehlen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-28_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-03-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "103", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.2.6", "titre_corps": "Aus Stettin.", "titre_sommaire": "Aus Stettin.", "signature_source": "Alberti", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.6", "debut_caractere": 3136, "fin_caractere_exclue": 4995, "texte": "Aus Stettin.\n\nDen 9, März 1863.\nWenn wir in der neuesten Zeit nur zu sehr gewöhnt\nsind, in Concerten, die von Pianoforte-Spielern veranstaltet\nwerden (wir nehmen hiervon die durchaus gediegenen\nSoireen des Herrn von Bülow aus), nur der flachen\nVirtuosität zu begegnen, so war für uns von um so grösse-\nrem Interesse das Concert des achtzehnjährigen Herrn\nErnst Flügel, des Sohnes des hier allgemein geschätzten\nMusik-Directors Herrn Flügel, das am gestrigen Abend im\nCasino-Saale unter zahlreicher Betheilieung Statt fand.\nHerr Flügel jun. *), in der letzten Zeit ein Schüler\ndes Herrn von Bülow, ist von früher Jugend an aufge-\nwachsen in classisch musicalischer Atmosphäre und heran-\ngebilder an den Heroen der Kunst, daneben von der Natur\nausgestaltet mit reichen Anlagen, sowohl für Reproduction\ndes künstlerisch Gedachten, als auch für eigenes Schaffen.\nEr konnte daher in dem, was er uns vorführte, nur einen\nBeweis geben wollen davon, wie weit sein Musiksinn und\nseine Technik bereits durchgebildet sind. Dazu eigneten\nsich die vorgetragenen Stücke, welche er sämmtlich aus-\nwendig spielte, in nicht geringem Grade, und sind wir\nauch nicht mit der Auflassung in allem Einzelnen ganz\neinverstanden, liess auch die Ausführung an einzelnen\nStellen uns wahrnehmen, dass der Schüler noch nicht auf\ndemselben Höhepunkte der technischen Vollendung stehe,\nwie sein Meister, dennoch war jene Auffassung durchaus\n\n*) Seit April 1862 Zögling des königlichen Kirchenmusik-Insti-\ntutes und seit October v. J. auch Eleve der königlichen Akademie\nder Künste in Berlin, wo die Herren Director A. W. Bach\nProfessor Grell, Musik-Director Jul. Schneider und Lösch -\nhorn j der bewährte Lehrer des Pianofortespiels, seine Lehrer\nsind. Vorher war, ausser seinem Vater, auch Herr Capell-\nmeister C. Kossmaly in Stettin sein Führer auf theoretischem\nund ästhetischem Gebiete."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2514, "texte": "würdig und gediegen, und die Ausführung, von dem\nernstesten Streben Zeugniss gebend, bewies, dass er seinem\nMeister einst werde ebenbürtig werden. Am vollendetsten\nwar für uns der Vortrag der grossen Orgelfuge (.A-mott)\nvon Joh. Se b. Bach, der durch geistvolle und höchst\nsaubere Ausführung des Präludiums, durch klares, durch-\nsichtiges Hervortreten der einzelnen Stimmen, durch eben\nso grosse Zartheit als Kraft sich in jeder Beziehung aus-\nzeichnete. Bei der unvergleichlichen D-moll-Sonate von\nBeethoven (Op. 31, Nr. 2) erschien uns das Tempo\ndes Aliegro nach den kurzen Largosätzen zu rasch, die\nGegensätze traten dadurch für uns zu grell hervor, und es\nlitt dadurch die Ausführung bei einzelnen Stellen an jener\nKlarheit und Durchsichtigkeit, in welcher gerade Herr\nvon Bülow ein unübertroffener Meister ist. Das Adagio\n(B-dur)wurde mit grosser Zartheit und dem tiefen Ge-\nfühle vorgetragen, welches der Componist in so reichem\nMaasse, verbunden mit der höchsten Grazie, in diesen Satz\nergossen, und dem er sich hier mit unverkennbarem Be-\nhagen so ganz hingibt. In dem letzten Theile verdient\nbesonders die Ausführung der thematischen Behandlung\nin der zweiten Hälfte als sehr gelungen hervorgehoben zu\nwerden. Chopin's grosse Es dur-Polonaise, Op. 22, gab\ndem jungen Künstler Gelegenheit, den Grad seiner tech-\nnischen Durchbildung nach dieser Seile hin zu documen-\ntiren, so wie die Salon-Stücke von Rubinstein und Raff\neine der neuesten musicalischen Richtung gezollte Huldi-\ngung darboten. Möge Herr Flügel auf dem so glücklich\nbetretenen Pfade ernst vorgehen, und wir begrüssen gern\nin ihm einen der vielversprechenden Musiker der nächsten\nFolgezeit!\nAusser ihm erfreuten wir uns in diesem Concerte noch\nder Leistungen von Fräulein Minna Nanitz aus Berlin,\nwelche, im Besitze einer Altstimme von seltenem Umfange.\nO '\nsowohl in Höhe als Tiefe, ausser einigen Liedern von dem\nConcertgeber und Mendelssohn die Sextus-Arie „Parto\"\naus Mozart's Titus und Bellini's bekannte Romeo-\nArie vortrug. Wenn auch die Sängerin besonders in Be-\ntreff der Tonbildung noch Manches zu wünschen übrig\nlässt, so war doch insbesondere die Romeo-Arie, bei der\nwir nur mit den angebrachten Verzierungen des Thcma's\nbei der Wiederkehr desselben nichts weniger als einver-\nstanden waren, ein unzweideutiger Beweis, dass die junge\nKünstlerin bei ernster Fortbildung, im Besitze grosser und\nseltener Tonmittel, unzweifelhaft künftig nicht geringe An-\nerkennung auf ihrer künstlerischen Laufbahn sich erwer-\nben werde.\n\nAlberti."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-03-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-03-28_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-03-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "104", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.7", "debut_caractere": 2516, "fin_caractere_exclue": 6095, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Der vierte Musikabend des Conservatoriums\nbrachte mannigfaltige und durchweg sehr ansprechende Vot-träge die-\nser immer mehr aufblühenden Kunst-Bildungsanstalt. Auf dein Piano\nforte kamen zu Gehör: Concert (in D) von Mendelssohn, zweiter\nund dritter .Satz (August Kufferath), Capriccio in E-dur von\ndemselben (Louise Wer res), Concert in C-moU (erster Satz) von\nBeethoven (Ferdinand Gohr), Concert in (dritter Satz)\nvon Hummel (Joseph Kierwald), Clavier-Concert in Fis-moU\nvon I Hiller (I< raulein von der Hoya), Rondo für Pianoforre\nund Violine von F. Schubert (Mathilde Bruch und Herr von\nKonigslöw). Ferner wurden zwei Violiu-Quartettsätze von Haydn\nund Mozart von je vier verschiedenen Spielern vorgetragen und\nein Violoncell-Solo von B. Romberg (Karl K rill); an GesanK-\nstucken: Arie aus Idomoneo (Herrn ine Kemper), zwei Duette\nvon Asioli und Gordigiani (Lucie Kaiser und Maria Ri-\nßtelhüber), Alt-Arie aus Bach's Cantate VI. (Fräulein Asmann)\nArioso aus den Katakomben von F. Hill er (Fräulein Doris Behri'\nIn der Soiree für Kammermusik wurde ein Violin-Quartett\n(in D) von Haydn und ein Quintett (in D) von Mozart gemacht\nZwischen beiden trug Herr Musik-Director Wüllner aus Aachen\ndas Pianoforte-Trio (in D)von seiner Composition mit den Herren\nvon Ivonigslöw und A. Schmit vor, dessen Andante und Finale be-\nsonders lebhaften Applaus erhielten.\nIm Theater beginnt heute Abend (den 27.) Herr Nie mann vom\nköniglichen Hoftheater in Hannover als Kaoul in den Hugenotten\nsein Gastspiel.\nDonnerstag den 26. d. Mts. gab der kölner Männer-Ge-\nsang verein sein zweites Abonnemenls-Concert im kleine-\nren Gürzenichsaale unter Leitung seines Dirigenten, des königlichen\nMusik-Directors Herrn F. Weber. An Gesängen wurden ausgeführt:\n„Frühlingsglaube\" von F. Lachner, Ständchen von Gumbert\nmit Tenor-Solo, „Der Schwur\" von Kreutzer, Bariton-Solo (Herr\nBerg st ein aus Aachen) mit Chor, „Vineta\" von F. Abt, Der\nneue deutsche Kaiser\" von H. Marschner, Lieder von Mendels-\nsohn und Marschner für Bariton (Herr Bergstein) und „Lützow's\nwilde Jagd von \\\\ eher. An Instrumental-Vorträgen brachte der\nAbend Beethoven's Trio in B-dur Op. 11 für Pianoforie (Herr\nJulius Kufierath), Clarinette (Herr J. Kurkowski) und Yio-\nloncell (Herr A. Schmit), zwei Salonstücke für Pianofurte von\nChopin (Herr J. Kufferath) und zwei Salonstücke für Violoncell,\ncomponirt und vorgetragen von Herrn A. Schmit. (Wir waren lei-\nder verhindert, das Concert zu besuchen. Die Kedaction.)\nFrau Philippine Ilges entsprach durch ihre\nerste Gastrolle, den Romeo in Bellini's „Montecchi und Capuletiu,\nvollkommen dem Berufe einer dramatischen Sängerin, den sie durch\nihre Gast-Darstellungen in Aachen, Mainz, Darmstadt, Dessau u. s. w.\nbereits mit vielem Erfolg bekundet hat. Bei der ungewöhnlichen\nKraft ihrer Alt- und Mezzo-Sopranstimme ist die Rundung des To-\nnes, die Ausgleichung der Register und der dramatische Vortrat\nO 5\nder sich als ein Resultat vollkommenen Verständnisses der jedesma-\nligen Situation und Empfindung darstellt, sehr hoch anzuerkennen,\nwas denn auch durch lebhaften Applaus und zweimaligen Hervorruf\ngeschah.\nKönigsberg« Mit besonderer Freude erfüllte es uns, als wir\nlasen, dass Leopoldine Tuczek-Herren bürg sich in einem\nConcerte hören lassen würde. Uns sind die in jeder Weise vollen-\ndeten Gebilde der Künstlerin, die wir so oft in Berlin gehört, noch\nzu sehr im Gedächtnisse, und möchten wir beinahe sagen, dass wir\nan die Zerline und Susanne kaum denken können, ohne uns der\nclassischen Repräsentantin dieser classischen Gesangs-Partieen zu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4363, "texte": "erinnern. Mit grosser Genugthuung hörten wir daher, dass Leopol-\ndine Tuczek auch die Susannen-Arie aus dem „Figaro\" singen\nwürde, und wie wurde sie gesungen! So zart und fein und duftig,\ndass wir uns in die ätherischen Regionen reinster Kunst und Poesie\nversetzt fühlten. Leider hören wir dieses Cabinetsstiick Mozart'scher\nMusik nur zu oft verfehlt: das Recitativ mit einem gewissen unpas-\nsenden Pathos und die Arie viel zu unruhig, viel zu „modern\", in-\ndess bei der Tuczek gerade die classische Ruhe entzückt und die\nvollendete Harmonie der Schönheit die Sinnlichkeit adelt. Während\ndraussen noch die Nachtigallen schweigen, brachte uns die Künst-\nlerin den schönsten Liederfrühling, einen Kranz der wundervollsten\nLieder unseres Schubert, Schumann, Mendelssohn und Rubinstein.\nAlle diese Lieder wurden mit so durchgeistigtem Vortrage, mit so\nhinreissender Begeisterung gesungen, dass wir unsere Bewunderung\nam besten durch die Bitte ausdrücken, die Gefeierte möge uns vor\nihrem Scheiden noch einmal Gelegenheit geben, sie zu hören. Die\nStimme ist noch immer von wundervollem Klang, besonders in der\nMittellage, und sieht man auch hier wieder, wie gründliche Bildung\nund eifrige Studien dem Organ eine längere Lebensfähigkeit geben,\nwährend unsere gewöhnlichen Sängerinnen, die nur zu oft nach dem\nBeifalle der harthörigen Menge streben, sich bereits in wenigen\nJahren ganz ausgeschrieen haben. Und wie lange Jahre war die\nTuczek eine glänzende Zierde der deutschen Oper, und wie singt\ndie ewig jugendliche Künstlerin noch jetzt! Der Beifall des Pu-\nblicums, das Frau Tuczek gleich bei ihrem Eintritte in den Saal\nmit lebhafter Zustimmung begrüsste, steigerte sich mit jeder Num-\nmer, und wurde das letzte Lied stürmisch da capo verlangt, worauf\ndie liebenswürdige Künstlerin uns noch eine reizende Tyrolienne\naus den Rossini'schen Soiröes musicales sang.\nDer Dramen-Preis von 200 Ducaten, den der König von Baieru\nfür das beste Drama aus der baierischen Geschichte ausgeschrieben\nhatte, konnte keinem der eingesandten Stücke zuerkannt werden,\nund es wurde desshalb der Termin für die Preis-Bewerbung bis zum\n1. October d. J. verlängert.\nWien. Im Operntheater wird dieser Tage die Sängerin Frau\nMulder-Fabbri in „Hernani\" ein Gastspiel eröffnen. Frau\nDustmann ist erkrankt, was die Vorbereitungen zum „Tristan\"\nwieder weiter hinausschiebt. Ob einstweilen „Lalla Rookh\" wirklich\nvorbereitet, ob an irgend eine leidliche Reprise, an irgend ein nam-\nhaftes Engagement gedacht wird darüber verlautet neuerdings\nnichts. Man weiss nur sicher, was im Operntheater nicht geschieht,\nz. B. Dass Fräulein Stehle aus München nicht kommt*).\nAdelina Patti hat auch mit ihrer dritten Rolle, Norina in\n„Don Pasquale\", eine ungemein warme Aufnahme gefunden, und\nzwar seihst in denjenigen Nummern, wo sie, mit Souffleur und Ca-\npellmeister in Collision gerathen, sich recht wie ein verzogenes\nKind benahm. Am besten sang sie das Duett mit Don Pasquale und\ndas Notturno mit Ernesto, namentlich aber das Schluss-Rondo in\nhinreissend anmuthiger Weise. Die Rolle der Norina führte sie mit\nnaiver Schalkheit und sicherer Charakteristik ohne Uebertreibung\ndurch. Herr Giuglini sang den Ernesto vortrefflich und spielte\nauch gut. Die beiden anderen Herren dagegen genügten nur zur\nNoth ihrer schwierigen Doppel-Aufgabe als Sänger und Schauspieler.\n. (Ree.)\nDer genauere Nachweis über den Stand des Fonds für das\nSchubert-Monument in Wien, unter dem 18. Februar d. J.\nvom Vorstande des dortigen Männer-Gesangvereins mitge-\ntheilt, ergibt einen Cassenbestand von 10,761 Fl. 17. Kr. Diese\n*) Ihr Contract in München ist ehrenvoll und vortheilhaft für sie\nerneuert worden.\nSumme ist erfreulich; auffallend aber bleibt, dass sie nur aus Wid-\nmungen und Concert-Einnahmen aus Oesterreich (vorzugsweise\nWien) zusammengebracht ist. Hat das übrige Deutschland mit sei-\nnen zahlreichen Musik- und Gesang-Vereinen denn nichts für das\nDenkmal seines grössten Liedersängers und des genialen Compo-\nnisten herrlicher Instrumentalsachen übrig?\nUeber die Aulführung der „Scenen aus Göthe's Faust\" von\nSchumann durch die Sing-Akademie und die königliche Hofcapelle\nin Hannover am 21. März unter Joachim's Direction und\nStockhause ns Mitwirkung als Leiter der Einübung der Chöre\nund Sänger der Partie des „Faust\" müssen wir den ausführlichen\nBericht auf die nächste Nummer verschieben.\nDie Redac tion."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas musicalische Lied in geschichtlicher Entwicklung. Von Dr. K. E. Schneider. Beurtheilt von Dr. Oscar Paul. Aus\nAmsterdam (Concert des St. Vincenz-Vereins Populäre Concerte 11. Fest-Concert der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nKammermusik-Verein von Coenen). Von F. M. Violin-Quartett von Ernst Friedrich Richter. Von 0. P. Für evangelischen Kir-\nchengesang. Von L. B. Aus Stettin (Concert). Von Alberti. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Düsseldorf u. s. w.)\n\nDas musicalische Lied in geschichtlicher Entwicklung.\nVon Dr. K. E. Schneider\n*).\nBeurtheilt von Dr. Oscar Paul.\nDer Verfasser des uns vorliegenden Werkes scheint\nein für die Kunst begeisterter Mann von edler Gesinnung\nund regem Streben zu sein. Seine Anschauungsweise des\nfür ihn heiligen Gegenstandes ist aus der Tiefe des Gemü-\nthes entsprungen und bekundet allenthalben den rein idea-\nlistischen Schriftsteller. Auf dem Gebiete der Kunst ist ein\nidealistischer Standpunkt, so lange er an den historischen\nFacten festhält und sich nicht in ästhetische Nebeleien ver-\nliert, ein durchaus gerechtfertigter, da ohne Idealismus\nüberhaupt keine Kunst existiren würde. Mit dem Stand-\npunkte des Verfassers und seiner ausgesprochenen Gesin-\nnung in Sachen der Kunst sind wir also vollständig einver-\nstanden; nur möchten uns einige Bedenken über die Ge-\nsammt-Verwerthung des Stoffes übrig bleiben.\nIm Vorworte genannten Werkes sagt der Verfasser,\ndass die Neuheit des Gegenstandes und die Eigenthümlich-\nkeit seiner Behandlung einiger Worte der Erläuterung und\nRechtfertigung bedürfe. Welches ist nun die Eigentüm-\nlichkeit dieser Behandlung? Wir erfahren es auf Seite VII,\nwo der Verfasser-angibt, dass „die Gesammt-Ent-\nwicklung des musicalischen Liedes in übersicht-\nlicher und ansprechender Darstell ung der Zweck\nseines Werkes sei, ohne diesen Zweck in der trocke-\nnen Weise des Gelehrten durchzuführen, noch auch den\nLeser in der leichtfertigen Weise spannender Roman-Fa-\nbricate bloss vorübergehend kitzeln zu wollen.\" Zur Er-\nreichung dieses Zweckes setzt sich der Verfasser eine Dis-\nposition vor, wie wir sie allerdings in der Form noch nicht\nvorfanden, die aber dem Inhalte nach gerade nichts Neues\nbietet und auch nichts Neues bieten kann, da ja doch die\nChronologie schliesslich in jedem Geschichtswerke immer\ndie Anhaltspunkte liefern muss. Die Disposition an sich\nwird jedem Fachmanne wie Laien ganz einleuchtend er-\nscheinen, und jeder wird sich bei Durchlesung auf die Er-\nfüllung des Versprechens freuen, was der Verfasser auf\nSeite IX des Vorwortes gibt, indem er sagt, dass er be-\nmüht gewesen sei, den Begriff der Entwicklung im\nAuge zu behalten und den Quellen nachzuspüren, aus\ndenen das Lied erwachsen sei, so wie die Uebergänge und\nFortschritte zu beobachten, in denen es seine Form stufen-\nweise vervollkommnet habe. Wir wollen sehen, ob der\nVerfasser sein Versprechen hält und uns in der „ersten\ncantillirenden Periode\", wie er den vorliegenden Band be-\ntitelt hat, genau angibt, in welcher Stufenfolge die Ent-\nwicklung des musicalischen Liedes fortgeschritten ist.\nWir betrachten zuerst von Seite 1 bis 5 die Uebersicht\nder Gesammt-Entwicklung. Der Verfasser sagt sehr rich-\ntig, dass die Musik Anfangs nur in Verbindung mit Mimik\nund Poesie aufgetreten sei. Was er aber ferner über das\nEntsagen der Sinnlichkeit und das Entlassen der\nKunst aus ihrem Banne u.s.w. angibt, ist weiter\nnichts als ästhetische Phrase und bildet keine logische\nBrücke zu dem weiter unten angeführten massenhaften\nVolksgesange von hymnischem und epischem Inhalt, wel-\nchen er mit Recht die allgemeine Urform der Musik, die\nunentfaltete Einheit aller später hervortretenden Musik-\ngattungen. nennt. Die Brücke hierzu lag in der Angabe\neiner gemeinsamen Gottesverehrung, in dem Gebete, aus\nwelchem die hymnischen Massengesänge hervorgingen, die,\nspäter bei Festen allgemein.angewandt, das Grund-Ele-\nment der National-Musik wurden, was wir an anderen\nOrten schon ausgesprochen haben.\nDass dem epischen Volksgesange die Lyrik gefolgt\nist, möchte vom Verfasser nicht ganz richtig aufgefasst er-\nscheinen, da das Epos stets lyrische Abiheilungen in sich\nenthält. Wir möchten lieber sagen, dass sich nach und\nnach die Lyrik vom Epos trennte und zwischen beiden\nDichtungsarten und Compositions-Gattungen sich in der\n\n*) Leipzig, Verlag v. Breitkopf u. Härtel. 1863. XXII u. 323 S. Gr. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.2", "texte": "Folge ein strenger Unterschied nach Inhalt und Form\nherausstellte.\nWeiter unterscheidet der Verfasser in der Geschichte\ndes musicalischen Liedes zwei Haupthälften, von denen\ndie erste die der „blossen Formsludien, d. h. die\ndes blossen Experimentirens in der Zusammenstellung und\nAneinanderreihung der Töne\" sein soll. Wir möchten\ndoch diesen Ausspruch sehr bezweifeln, da wir unmöglich\nglauben können, dass die zum Theil nicht vollkommen ge-\nregelten, aber reizend ansprechenden Lieder der Inder und\nAraber in vorchristlicher Zeit durchs Experimentiren ent-\nstanden wären. Im Gegentheil, das Lied war vorhanden\nund es wurde dasselbe durch theoretische Feststellung ge-\nwisser Tonverhältnisse nur geordnet und durch Ausbildung\nder Scala in ein theoretisches Gesetz hineingezogen und\ndurch dasselbe begründet. Die Praxis war eher da, als\ndas theoretische Experimentiren, welches in Bezug aul\nComposition eigentlich erst seinen Anfang im Mittelalter\nbei der Ausbildung des Contrapunktes genommen hat,\nhingegen die frühere Theorie nur die Begründung der\nPraxis ausmachte, wie wir aus allen theoretischen Schrift-\nstellern des Alterthums und aus allen \\ölkersagen, an de-\nnen die griechische Geschichte namentlich sehr reich ist,\nersehen können. Diese erste Haupthälfte der l'ormstudien\ntheilt der Verfasser wieder in zwei Perioden ein, von de-\nnen die erste „die cantillirende Periode\" sein soll,\nda sie den Zeitpunkt des rein melodischen, einstimmigen,\nrhythmenlosen Gesanges, den man am besten als blossen\nSprech- oder Halbgesang bezeichne, ausmache. Die zweite\nPeriode datirt nach des Verfassers Ansicht seit der Ent-\nstehung des Contrapunktes, was uns aber vorläufig nicht\nberühren kann, da die vorliegende Abhandlung nur jene\nPeriode umlasst, deren erster Haupttheil in der Behand-\nlung (I.) „der frühesten Spuren des Liedes auf\ndem Hintergründe des vorchristlichen Volks-\ngesanges\" besteht und uns zuerst (a) das „Wesen des\nvorchristlichen V ol ksgeSang es\" vor Augen führt.\nDer Verfasser verbreitet sich in diesem Abschnitte\nüber die schon olt in culturgeschichtlichen Werken ausge-\nsprochene Ansicht von der Entstehung des Gesanges, von\ndem Verhältnisse desselben zur Sprache, von der Entwick-\nlung des Rhythmus in derselben, welcher wiederum die\nnächste Veranlassung zu gegliederten Melodiefolgen wurde,\nund kommt schliesslich zu dem Resultate (S. 27), dass der\n„Rhythmus im allen Gesänge nur so weit vorhanden ist,\nals er im Texte liegt, und die metrische Form des Textes\ngenau auch die musicalische, die gesangliche ist\". Die An-\nsicht des Verfassers, dass es wohl rhythmenlosen Gesang\ngegeben habe, kann durchaus nicht bezweifelt werden, da\nsich derselbe ja bis ins Mittelalter erhalten hat und noch\nin katholischen Kirchen bei einigen Gesängen in Anwen-\ndung kommt. Wer dieser Ansicht widerspricht, möchte\nwohl Accent mit Rhythmus verwechseln, welchen Unter-\nschied der Verfasser gleich von vorn herein zur Beweis-\nführung angeben konnte.\nEr führt später allerdings einen aus dem Mittelalter\nstammenden Gesang: Ave praeelara maris Stella, als Bei-\nspiel für den Prosengesang an und bringt dann die accen-\ntuirende, syllabische Methode des Gesanges in Gegensatz\nzu der quantitirenden oder metrischen. Wir stossen hier\n(S. 32) auf einen Irrthum des Verfassers, den derselbe bei\ngründlichem Quellen-Studium, wovon überdies in dem\nganzen Buche wenig zu finden ist, nimmermehr halte be-\ngehen können. Er reiht nämlich die hebräische Psalmodie\nin die syllabische Methode ein und meint, dass gerade\nGregor diese Methode aufgenommen habe zu leichterer\nAusführung der Gesänge in den Gemeinden, und setzt\ndiesem Gesänge die Figuralmusik des Ambrosius entgegen.\nWir müssen hier den Verfasser auf die Schriften des Am-\nbrosius verweisen, worin ganz deutlich ausgesprochen ist,\ndass es gerade die hebräische Psalmodie war, welche Am-\nbrosius in seine Kirche einführte, und wenn der Verfasser\nDe Musicavon Augustin gelesen und mit der Schrift von\nSaalschütz: „Geschichte und Würdigung der Musik bei\nden Heb räern\", verglichen hätte, so würde er wohl ge-\nfunden haben, dass die hebräische S'salmodie nicht in einem\nblossen Accentuiren, sondern in einer wirklich gleichmäs-\nsigen Vertheilung des Rhythmus bestanden habe. In allen\nSchriften des Ambrosius wird das Lob der hebräischen\nPsalmodie gepredigt, wo hingegen sie nach Gregor's Zeiten\nmehr und mehr schwindet, weil dieser es eben war, der\nden ganzen Ritus der Kirche veränderte und hauptsächlich\nden Cantus planus. Cantus choralis einführte. Kurz: die\nhebräische Psalmodie war rhythmischer Gesang, nicht\naccentuirter und syllabischer allein. Darin hegt eben auch\nzum Theil die Grösse der hebräischen Lyrik, welche von\nkeinem anderen Volke des Alterthums übertroffen wurde.\nDer Verfasser macht dann auch noch einige allgemeine\nBemerkungen über Harmonie, wozu er Einiges aus der\nSchrill von Weitzmann: „Geschichte der Harmonie, ge-\nkrönte Preisschrift in der leipziger Neuen Zeitschrift, Jahr-\ngang 1859\", entlehnt zu haben scheint. Im Ganzen ist die-\nses allgemeine Gerede zu wenig historisch, so ohne alle\nBeweis-Unterlagen hingeschrieben, dass wir es als ganz un-\nwesentlich übergehen können. Nach Durchlesung des gan-\nzen Abschnittes müssen wir auch offen gestehen, dass wir\neigentlich gar nicht wissen, was der Verfasser mit der\nUeberschrift: „Das Wesen des vorchristlichen Volks-\ngesanges\" gewollt hat. Wir befinden uns mit Ausnahme\nder allgemeinen culturgeschichtlichen Angaben über Ent-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.3", "texte": "stehung der Musik fast immer nur im Christenlhume und\nhören weder etwas von asiatischen noch europäischen Ge-\nsängen vor der Zeit christlicher Zeitrechnung und finden\neigentlich nur dilettantische Muthmaassungen über Ein-\nführung der Musik in das Christenthum. Vom Wesen des\nvorchristlichen Gesanges, wohin also Ambrosius, Gregor,\nHarmonie u. s. w. gar nicht gehören, ist kaum eine Spur\nzu finden. Vielleicht erfahren wir es in dem nächsten Ab-\nschnitte: b) Das historische Auftreten des vor-\nchristlichen Volksgesanges.\nAuch hier wird uns weiter nichts kundgethan, als dass\nausser Juden und Griechen alle anderen Völker historisch\nnicht zu berücksichtigen seien, wie eine mitgetheilte Probe,\neines äthiopischen Liedes aus Forkel's Geschichte der Mu-\nsik beweisen soll. Hat denn der Verfasser nicht die Schrift\nvon Johns Dalberg gelesen: „Geschichte der Musik bei\nden Indern\", in welcher so reizende Tonweisen milgetheilt\nwerden, die zum Theil uralt sind?\nIn der Beurtheilung der Juden gegenüber den Grie-\nchen ist der Verfasser durchaus historisch unwahr. Er\nmeint nämlich, dass die Juden den Griechen gegenüber\nunproduetive, bloss entlehnende Nachahmer seien. In der\nkünstlerischen Originalität hätten sie sich in der poetischen\nLyrik, besonders in der religiösen, erschöpft, die uns haupt-\nsächlich in den Psalmen vorliege; für die musicalische\nwären sie ohne Anlage, ohne freischöpferische Erfindung\ngewesen und hätten sich daher ausschliesslich der grie-\nchischen Tonarten und vermuthlich auch griechischer\nWeisen bedient oder diese nachgebildet. Wie\nkommt der Verfasser zu einer solchen ohne allen Beweis\nhingestellten Ansicht? Die Geschichte weist uns bei den\nJuden mindestens eben so frühe Spuren von Musik nach,\nwie bei den Griechen, und in ihrer eigenthümlich ausge-\nbildeten Lyrik liegt es eben auch begründet, dass sie eine\neigenartige, ihrem Texte entsprechende Musik hatten.\nOder ist der Verfasser vielleicht gesonnen, das Alter eini-\nger Davidischer Psalmen zu bestreiten, die doch wohl min-\ndestens in gleiche Berechtigung mit den Pindar'schen Oden\ngesetzt werden können? Und wo ist der Beweis, dass sich\ndie Juden ausschliesslich griechischer Tonarten und rnuth-\nmasslich auch griechischer Weisen bedient hätten? Die\nChronologie und die Entwicklung griechischer Theorie\nscheint dem Verfasser wenig bekannt zu sein, sonst müssle\ner wissen, dass die Ausbildung griechischer Theorie sich\nvon Pythagoras (580 568 v. Chr.) herschreibt, dessen\nTheorieen die später lebenden Schriftsteller Aristoteles,\nAristoxenus, Euklid etc. zu weiterer Vollkommenheit ge-\nstalteten, hingegen David bereits seine Lieder um's Jahr\n1000 v. Chr. in seiner eigenthümlichen Nationalweise\nsang, vielleicht ohne bewusste Theorie, wie ja auch die\nhomerischen Gesänge bei den Griechen wahrscheinlich\nohne theoretisches Bewusstsein gesungen worden sind.\nWir wollen hier beiläufig erwähnen, dass einige Erklärer\nder hebräischen Musik versucht haben, darzuthun, dass\ndie griechische Musik von den Hebräern herstamme,\naber nicht umgekehrt, dass die Hebräer Nachahmer der\nGriechen seien.\nCalvisius z. ß., der gelehrte Theoretiker des 16. Jahr-\nhunderts, weist in seiner Schrift: „\nprogressu mmices\"durch ausgezeichnete chronologische\nBerechnungen nach, dass die hebräische Musik durchaus\nälter sei, als die griechische, und wenn wir dem Zeugniss\ndes Hieronymus (331—420 n.Chr.), dem berühmten\nBibel-Uebersetzer in das Lateinische, Glauben beimessen\ndürften, so wäre auch die hebräische Musik weit voll-\nkommener gewesen, als die griechische, welche Ansicht\nhauptsächlich in seiner Epistola ad Dardanum hervortritt,\nwo er unter Anderem auch eine hebräische Cither von\nvierundzwanzig Saiten erwähnt, wogegen sich der grie-\nchische Sänger Terpander (676 v. Chr. Sieger in dem\nersten musischen Wettkampfe am Feste des Apollon Kar-\nneios) einer siebensaitigen Lyra bediente.\nWir kommen zu a)„demVolksgesange und den\nfrühesten Spuren des Liedes bei den Griechen\"\n(S. 62 — 70). Aufgefallen ist uns namentlich dabei, dass\nder Verfasser den Rhapsodengesang zur Zeit des Homer\nso ganz unberücksichtigt gelassen hat, der doch ganz ge-\nwiss eben auch Einzelgesang war, welchen der Verfasser\nerst mit der Zeit Ter pander's beginnen lässt. Auch hätte\nder Verfasser übersichtlich darstellen können, nach welchen\nTonfolgen bei den Griechen die Scalen, wenigstens im dia-\ntonischen Klanggeschlechte, geordnet waren und wie die\nBeschaffenheit ihres Rhythmus in Vergleich mit unseren\nTactarten und mit den Mensuralnoten des späteren Mittel-\nalters zu bringen ist. Das vom Verfasser in diesem Ab-\nschnitte und früher auf S. 52, 53, 54 Gesagte ist zu\nallgemein und zu subtil angedeutet, als dass es wirklich\nhistorische Berechtigung haben könnte. Die wenigen allge-\nmeinen Bemerkungen, die jede Culturgescbichte aulzu-\nweisen hat, genügen nicht für eine historische Entwicklung\ndes musicalischen Liedes. Der Verfasser stützt sich im\nGanzen auf die sehr oberflächliche Abhandlung über grie-\nchische Musik von Weitzmann.\nIn dem folgenden Abschnitte „Volksgesang\nund früheste Spuren des Liedes bei den He-\nbräern\" sagt der Verfasser: „Hätte sich die eigenthüm-\nliche Religions-Anschauung der Juden wirklich ganz ori-\nginel künstlerisch gestalten können, so würde sich daraus\neine eben so originelle Form des Gesanges ergeben haben;\nund in einer Richtung hat sich, wie wir sehen werden, eine\n\nL*1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.4", "texte": "solche wirklich ergeben.\" Vor allen Dingen hat sich die\neigentümliche Religions-Anschauung der Juden wirklich\nganz originel künstlerisch gestaltet, das beweisen die Psalm-\ndichtungen, die schönsten lyrischen Dichtungen des Alter-\nthums, was auch der Verfasser in der Folge zuzugeben\nscheint, indem er sie hymnisch, feierlich, erhaben\nnennt. Er unterscheidet sodann Massengesang und Einzel-\ngesang. Als Beleg hierzu hätten die Psalmen weit besser\ngepasst, als die aus viel späterer Zeit stammenden Samm-\nlungen hebräischer Lieder von Sulzer u. s. w.; am aller-\nwenigsten waren die von Leopold Haupt herausgegebenen\n„sechs alttestamentliehen Psalmen mit ihren aus den\nAccenten entzifferten Singweisen\" zu erwähnen (der Ver-\nfasser nennt sie ein nicht unwichtiges Werkchen),\nda wir genau wissen, dass dieselben nur aus der Phanta-\nsie jenes Autors entsprungen sind. Wir erinnern uns noch\nsehr wohl an die Zelt, wo wir diese Psalmen (damals noch\nungedruckt) mitsangen, und wie ein Elementarlehrer, der\nhierzu eine unbeholfene Harmonisirung angefertigt halte,\nals Dirigent im Beisein des Autors fungirte. Weit wichti-\nger wäre der Gesang der italiänischen Juden gewesen,\nwelchen Gerbert „De caniu et musica sacrau, T. 1, Pag.\n7, nach P. Martini mittheilt. Der Verfasser verfällt hier\nwieder, wie schon oben erwähnt, in den Fehler, die Ju-\nden als Nachahmer der Griechen hinzustellen. Der An-\nhang hierzu: „Gesang und Lied in den ersten Christen-\ngemeinden\", ist historisch wahr und richtig abgefasst. Man\nfindet eine noch speciellere Abhandlung hierüber im zwei-\nten Bande der Geschichte der Musik von Forkel, die uns\njedoch trotz der reichen Angabe von Beweisstellen weni-\nger befriedigt, als der hier vorliegende Abschnitt, da hier\nin fliessender Darstellung das gerade Nöthige hervorgeho-\nben ist. Nach diesem Abschnitte folgt noch ein kurzer\nRückblick und das Resultat, dass hauptsächlich die Psal-\nmodie es war, welche dem christlichen Kirchengesange\nals Vorbild diente—eine allbekannte Wahrheit, die Saal-\nschütz in seinen Schriften vortrefflich dargelegt und be-\ngründet hat. '\nAm Schlüsse des ersten Haupttheiles der uns vorlie-\ngenden ersten cantillirenden Periode angelangt, müssen\nwir den Ausspruch thun, dass der Dilettant zwar in dem-\nselben eine ganz unterhaltende Leetüre, aus der er doch\nso Manches lernen kann, finden wird, dass der Inhalt aber,\nvon historisch künstlerischer Seite betrachtet, den Anfor-\nderungen unserer Zeit keineswegs genügen möchte. Die\nallgemein fassliche Darstellung und die idealistische An-\nschauungsweise schliessen ein sorgfältiges Quellen-Stu-\ndium nicht aus, was wir z. B. aus der vortreff lichen Cul-\nturgeschichte von Wachsmuth ersehen können, die all-\ngemein verständlich und doch historisch wahr dem Di-\nlettanten wie dem Geschichtsforscher reiche Belehrung\nbieten wird.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Amsterdam.\n\n(Concert des St Vincenz-Vereins: Oratorium von Heinze\nPopuläre Concerte ll. Fest-Concert der Gesellschaft zur Be-\nförderung der Tonkunst Verhülst Mad. Lemmens-Sher,-\nrington Schneider Dalle Aste Kammermusik-\nVerein von Coenen.)\nDen 11. März 1863.\nDas jährliche Conceft des St. Vincenz de Paul-\nVereins fand am 4. Februar unter Leitung des Musik-\nDirectors G. A. Heinze Statt, welcher in demselben ein\nOratorium von seiner Composition: „Die Auferstehung\",\nText von Henriette Heinze, aufführte. Das Gedicht\nsteht nicht auf der Höhe des Gegenstandes, die Musik aber,\nwelcher das Publicum eine enthusiastische Aufnahme zu\nTheil werden liess, ist die Arbeit einer sehr geschickten\nHand. Das Werk ist mit Kenntniss und Ei fahrung ge-\nschrieben und sehr gut instrumentirt, allein man vermisst\nden Stempel des Genie's, namentlich in den Solo-Partieen\ndes „Johannes\" und der „Maria Magdalena\". Man wird,\nwie das freilich heutzutage kaum zu vermeiden ist, an Men-\ndelssohn häufig, aber auch an Weber und Schumann, ja,\ndurch einige harmonische Härten selbst an Wagner erin-\nnert; das Streben nach Effect, der Fluch der musicalischen\nProduction unserer Zeit, überwuchert die Originalität des\nStils. Trotz alledem gebührt Herrn Gustav Heinze eine\nsehr ehrenvolle Stelle unter den zeitgenössischen Compo-\nnisten, denn es ist wahrlich nicht einem Jeden gegeben,\nOratorien zu schreiben. Die Ausführung war im Aligemei-\nnen gut, mit Ausnahme der Solo-Vorträge, die viel zu wün-\nschen übrig liessen.\nDie populären Concerte fahren fort, alle Classen\nunserer Einwohnerschaft zu begeistern; im dritten und\nvierten Concerte war der Saal wieder überfüllt. Thatsäch-\nlich finden die Werke der classischen Meister die enthu-\nsiastischste Aufnahme, man zollt ihnen alle Ehrenbezei-\ngungen, die sie in so hohem Maasse verdienen. Die Aus-\nführung unter Verh ülst's Leitung ist bewundernswerth,\naber das Programm des vierten war weniger glücklich ge-\nwählt, als bei den drei ersten Concerten; vor Allem war\ndes Guten zu viel darauf.\nDas zweite Fest-Concert der „Gesellschaft zur\nBeförderung der Tonkunst\" fand am 3. März Stattv Ver-\nhülst dirigirte hier zum ersten Male, und da man die Mit-\nwirkung der Frau Lemmens-Sherrington und der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.5", "texte": "Herren Schneider und Dalle Aste von der deutschen\nOper zu Rotterdam gewonnen hatte, so war das Concert\nin der That ein musicalisches Ereigniss.\nMan kann dreist behaupten, dass wir in Holland seit\neiner Reihe von Jahren keine so vollkommene Aufführung\nmit Chor und Orchester gehört haben, als an jenem\nAbende. Die Präcision, das Ensemble, die Nuancen und\nFeinheiten im Vortrage, Alles war vortrefflich: Chor, Or-\nchester und Solostimmen wetteiferten mit einander, das\nProgramm war mannigfaltig und interessant kurz, es\nwar ein wahres Fest, und man glaubte auf eines der be-\nwundernswerthen niederrheinischen Musikfeste versetzt zu\nsein.\nDie Zuhörerschaft war zahlreich und gewählt: Mo-\nzart's Davidde penitente und Gade's „Frühlingsbot-\nschaft\" trugen die Palme des Abends davon. Die Frag-\nmente aus einem Psalm von Verhülst wurden weniger\ngelungen ausgeführt, und Beethoven's „Ruinen von\nAthen\", dieses phantastische und merkwürdige Werk des\nunsterblichen Meisters, waren vielleicht an diesem Abende\nnicht ganz an ihrem Platze. Frau Lemmens zeigte sich wie\nimmer als eine wahre Künstlerin, welche gewissenhaft den\nStil jedes Componisten achtet, dessen Sachen sie singt.\nSie hat in diesem Concerte einen eben so grossen Erfolg\ngehabt, als in Felix Meritis, wo sie das Publicum in Ent-\nzücken versetzt hat. Sie ist in dieser Saison die Heldin in\nden Concerten aller holländischen Städte. Die Herren\nSchneider und Dalle Aste haben wundervoll gesun-\ngen und wurden mit Applaus überhäuft. Fräulein Tra-\nschen t hat ihr Bestes gethan, war aber doch die\nschwächste von den Solisten. Wir sehen dem dritten Fest-\nConcerte der so verdienstvollen Gesellschaft mit Vergnü-\ngen entgegen.\nIn der letzten Sitzung des Kammermusik-Vereins\nder Herren Coenen und Bunte hat ein neues Quartett\nvon Coenen Erfolg gehabt; es offenbart eine schöne Factur\nund eine vollkommene Kenntniss der Behandlung des vier-\nstimmigen Satzes.\n\nF. M.\n\nViolin-Quartett von Ernst Friedrich Richter.\nO. P.\nIn Leipzig wurde in einer der letzten Kammermusik-\nSoireen ein schon in Berlin, Wien und anderen Orten mit\ngrossem Beifall vorgetragenes Violin-Quartett von Ernst\nFriedrich Richter wiederum unter der lebhaftesten\nTheilnahme des Publicums zu Gehör gebracht. Da wir\ndas Werk genau kennen, so wollen wir auch, hier einige\nWorte darüber sagen, da die künstlerische Thätigkeit un-\nserer heutigen Componisten sehr wenig auf Quartett-\nProductionen gerichtet ist und ein so vorzügliches Werk,\nwie das vorliegende, zu den seltenen Erscheinungen ge-\nhört. Der erste von den üblichen vier Sätzen bringt in\nE-moll ein feuriges Motiv, dessen einzelne Gliedergruppen\nhier ohne contrapunktische Arbeit zum Uebergange zu dem\nzweiten Thema benutzt sind, das ganz originel als Gegen-\nsatz zu dem ersten Motiv mehr elegisch im Dominant-\nSeptimen-Accorde von D-durauftritt und in den Dominant-\nSeplimen-Accord von G-durübergeht. Erst im fünften\nTacte tritt die Tonart G-dur ganz bestimmt hervor. Der\nbewegtere Nachsatz dieses reizenden .Thema's beginnt in\nG-dur und schliesst wiederum in G-dur, wonach der Com-\nponist eine kurze Uebergangsgruppe zur Wiederholung\nund zur Durchführung bringt, in welcher letzteren man\nallenthalben den formgewandten, feingebildeten Theore-\ntiker erkennen kann. In der üblichen Satzform bringt er\ndann mit einigen geschickten Ausweichungen die Wieder-\nholung der Themen bis zum Schluss in E-moll. Der zweite\nSatz „un poco Allegrettouist der originellste in Erfindung\nund Formgestaltung; er enthält ebenfalls zwei Motive,\nhier, aber in verschiedenen Tactarten, indem das erste\nTact, das zweite 2/VTact aufweist. Beide sind wundervoll\ndurch eine im zweiten Thema erscheinende Triolenbewe-\ngung verschmolzen, wodurch jede rhythmische Rückung\nvermieden und Einheit des Satzes erzielt wird. Hierauf\nfolgt ein variirtes Andante,wovon uns ausser dem Thema\nnamentlich die vierundzwanzig Tacte in in ihrem\nvollendeten harmonischen Flusse angesprochen haben. Das\nFinale „PrestoB zeichnet sich mehr durch Schwung, Feuer\nund melodischen Fortgang, als durch contrapunktische\nArbeit aus und schliesst das vortreffliche Werk in E-moll\nglanzvoll ab.\nWir glauben mit Recht dieses Werk allen empfehlen\nzu können, welche sich mit dergleichen Compositionen der\nStudien oder des Genusses wegen beschäftigen; es ist in\nStimmen von Breitkopf und Härtel in Leipzig zu be-\nziehen und wird für Kammermusik-Vereine eine will-\nkommene Gabe sein. Der Componist desselben ist der\nrühmlichst bekannte Verfasser des „Lehrbuches der\nHarmonie und der Fuge\" (in 2 getrennten Bänden bei\nBreitkopf und Härtel erschienen), der sich auch ausserdem\ndurch mehrere Sonaten, Trio's, ein Oratorium, Psalmen,\nCantaten und ausgezeichnete Motetten einen ruhmvollen\nNamen in der Künstlerwell erworben hat.\n\nFür evangelischen Kirchengesang.\n\nEine neue Ausgabe des pommer'schen Gesangbuch's\n(Stettin, 1862), jenes alten bewährten Schatzes von Kirchen-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.6", "texte": "liedern, den vor nahezu anderthalb Jahrhundert der\nGeneral-Superintendent des Herzogthums Pommern, Dr.\nLaurentius David Bollhagen, zuerst gesammelt und\nherausgegeben hat, ist von dem Consistorialrath Hoff-\nmann im Auftrage des königlichen Consistoriums der Pro-\nvinz veranstaltet worden. Durch Ergänzung vermittels\neiner Auswahl aus den reichen Vorräthen der neueren\nLiederdichtung nach Bollhagens Zeit ist die Zahl der Lie-\nder in dieser neuen Ausgabe auf 1400 gestiegen; die\nNamen der Dichter stehen unter jedem Liede (Melodieen\nin Notendruck sind nicht dabei), und da die Ausstattung\ndes Ganzen sich durch scharfen, nicht zu kleinen Druck\nund weisses Papier vortheilhaft vor manchen anderen\nGesangbüchern auszeichnet (Druck und Verlag von F.\nHessenland), so bildet das Buch eine schöne und reichhal-\ntige Sammlung deutscher Kirchenlieder von der Refor-\nmation bis auf unsere Zeit.\nHierzu ist nun jetzt in demselben Verlage ein „Melo-\ndieen buch. Mit Genehmigung des königlichen Consi-\nstorii zu Stettin bearbeitet und herausgegeben von\nGustav Flügel, königlichem Musik-Director und Orga-\nnisten an der Schlosskirche zu Stettin. 1863. XXX und\n214 S. Gr. 8.\" erschienen.\nAuch dieses Buch zeigt durch grossen, klaren Noten-\nund Schriftdruck auf starkem weissem Papier eine wirklich\nglänzende Ausstattung, während der Inhalt desselben, wie\nes von einem so classisch gebildeten und gewissenhaften\nMusiker, als welchen G. Flügel sich längst durch seine\nCompositionen und sein Wirken bewährt hat, nicht anders\nzu erwarten war, dem beabsichtigten Zwecke in jeder\nHinsicht vollkommen entspricht, sowohl was die Feststel-\nlung der Melodieen (es sind deren über 500), als die An-\nordnung und Oebersichtlichkeit und Orientirung durch\ngenaue Register betrifft. Die Melodieen sind nach den\nbesten Choralbüchern, zunächst den in Pommern einge-\nführten von Kühnau (dem älteren), A. W. Bach und C.\nLöwe, dann aber auch mit Benutzung von M. G. Fischer,\nLayritz, Lohmeyer, Hilter, Sämann und Schicht redigirt\nund nach der Reihenfolge der Lieder des Bollhagen'schen\nGesangbuchs in oben besprochener neuer Ausgabe ge-\nordnet, ohne Ilarmonieen; jedoch gibt ein ausführliches\nRegister den Nachweis, wo die Harmonie der betreffenden\nMelodie in irgend einem der besten Choralbücber zu fin-\nden sei.\nAuch das „prosodische Register\" (richtiger wohl\ndas „metrische\") ist höchst zweckmässig. Man findet näm-\nlich öfter in Liedersammlungen besonders für häuslichen\nGottesdienst recht schöne Lieder ohne Angabe der\nChoral-Melodie, welche dazu passt. In solchem Falle\nbraucht man jetzt nur das Versmaass des Liedes festzu-\nstellen, und das prosodische Register des Flügel'schen\nBuches weist dann nach, welche Melodieen zu jenem Vers-\nmaasse vorhanden sind,\nMan ersieht hieraus, dass das Melodieenbuch nicht\nfür die Gemeinde zum Gebrauch beim Gesang in der Kirche\nbestimmtest, sondern für Pfarrer, Organisten, Cantoren\nund alle diejenigen Männer, denen die Pflege des Kir-\nchengesanges Berufspflicht ist oder auch ausserdem am\nHerzen liegt, und diesen Allen wollen wir es als ein vor-\ntreffliches Handbuch und Hülfsmittel aufs angelegent-\nlichste empfehlen.\n\nL. B.\n\nAus Stettin.\n\nDen 9, März 1863.\nWenn wir in der neuesten Zeit nur zu sehr gewöhnt\nsind, in Concerten, die von Pianoforte-Spielern veranstaltet\nwerden (wir nehmen hiervon die durchaus gediegenen\nSoireen des Herrn von Bülow aus), nur der flachen\nVirtuosität zu begegnen, so war für uns von um so grösse-\nrem Interesse das Concert des achtzehnjährigen Herrn\nErnst Flügel, des Sohnes des hier allgemein geschätzten\nMusik-Directors Herrn Flügel, das am gestrigen Abend im\nCasino-Saale unter zahlreicher Betheilieung Statt fand.\nHerr Flügel jun. *), in der letzten Zeit ein Schüler\ndes Herrn von Bülow, ist von früher Jugend an aufge-\nwachsen in classisch musicalischer Atmosphäre und heran-\ngebilder an den Heroen der Kunst, daneben von der Natur\nausgestaltet mit reichen Anlagen, sowohl für Reproduction\ndes künstlerisch Gedachten, als auch für eigenes Schaffen.\nEr konnte daher in dem, was er uns vorführte, nur einen\nBeweis geben wollen davon, wie weit sein Musiksinn und\nseine Technik bereits durchgebildet sind. Dazu eigneten\nsich die vorgetragenen Stücke, welche er sämmtlich aus-\nwendig spielte, in nicht geringem Grade, und sind wir\nauch nicht mit der Auflassung in allem Einzelnen ganz\neinverstanden, liess auch die Ausführung an einzelnen\nStellen uns wahrnehmen, dass der Schüler noch nicht auf\ndemselben Höhepunkte der technischen Vollendung stehe,\nwie sein Meister, dennoch war jene Auffassung durchaus\n\n*) Seit April 1862 Zögling des königlichen Kirchenmusik-Insti-\ntutes und seit October v. J. auch Eleve der königlichen Akademie\nder Künste in Berlin, wo die Herren Director A. W. Bach\nProfessor Grell, Musik-Director Jul. Schneider und Lösch -\nhorn j der bewährte Lehrer des Pianofortespiels, seine Lehrer\nsind. Vorher war, ausser seinem Vater, auch Herr Capell-\nmeister C. Kossmaly in Stettin sein Führer auf theoretischem\nund ästhetischem Gebiete."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.7", "texte": "würdig und gediegen, und die Ausführung, von dem\nernstesten Streben Zeugniss gebend, bewies, dass er seinem\nMeister einst werde ebenbürtig werden. Am vollendetsten\nwar für uns der Vortrag der grossen Orgelfuge (.A-mott)\nvon Joh. Se b. Bach, der durch geistvolle und höchst\nsaubere Ausführung des Präludiums, durch klares, durch-\nsichtiges Hervortreten der einzelnen Stimmen, durch eben\nso grosse Zartheit als Kraft sich in jeder Beziehung aus-\nzeichnete. Bei der unvergleichlichen D-moll-Sonate von\nBeethoven (Op. 31, Nr. 2) erschien uns das Tempo\ndes Aliegro nach den kurzen Largosätzen zu rasch, die\nGegensätze traten dadurch für uns zu grell hervor, und es\nlitt dadurch die Ausführung bei einzelnen Stellen an jener\nKlarheit und Durchsichtigkeit, in welcher gerade Herr\nvon Bülow ein unübertroffener Meister ist. Das Adagio\n(B-dur)wurde mit grosser Zartheit und dem tiefen Ge-\nfühle vorgetragen, welches der Componist in so reichem\nMaasse, verbunden mit der höchsten Grazie, in diesen Satz\nergossen, und dem er sich hier mit unverkennbarem Be-\nhagen so ganz hingibt. In dem letzten Theile verdient\nbesonders die Ausführung der thematischen Behandlung\nin der zweiten Hälfte als sehr gelungen hervorgehoben zu\nwerden. Chopin's grosse Es dur-Polonaise, Op. 22, gab\ndem jungen Künstler Gelegenheit, den Grad seiner tech-\nnischen Durchbildung nach dieser Seile hin zu documen-\ntiren, so wie die Salon-Stücke von Rubinstein und Raff\neine der neuesten musicalischen Richtung gezollte Huldi-\ngung darboten. Möge Herr Flügel auf dem so glücklich\nbetretenen Pfade ernst vorgehen, und wir begrüssen gern\nin ihm einen der vielversprechenden Musiker der nächsten\nFolgezeit!\nAusser ihm erfreuten wir uns in diesem Concerte noch\nder Leistungen von Fräulein Minna Nanitz aus Berlin,\nwelche, im Besitze einer Altstimme von seltenem Umfange.\nO '\nsowohl in Höhe als Tiefe, ausser einigen Liedern von dem\nConcertgeber und Mendelssohn die Sextus-Arie „Parto\"\naus Mozart's Titus und Bellini's bekannte Romeo-\nArie vortrug. Wenn auch die Sängerin besonders in Be-\ntreff der Tonbildung noch Manches zu wünschen übrig\nlässt, so war doch insbesondere die Romeo-Arie, bei der\nwir nur mit den angebrachten Verzierungen des Thcma's\nbei der Wiederkehr desselben nichts weniger als einver-\nstanden waren, ein unzweideutiger Beweis, dass die junge\nKünstlerin bei ernster Fortbildung, im Besitze grosser und\nseltener Tonmittel, unzweifelhaft künftig nicht geringe An-\nerkennung auf ihrer künstlerischen Laufbahn sich erwer-\nben werde.\n\nAlberti.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Der vierte Musikabend des Conservatoriums\nbrachte mannigfaltige und durchweg sehr ansprechende Vot-träge die-\nser immer mehr aufblühenden Kunst-Bildungsanstalt. Auf dein Piano\nforte kamen zu Gehör: Concert (in D) von Mendelssohn, zweiter\nund dritter .Satz (August Kufferath), Capriccio in E-dur von\ndemselben (Louise Wer res), Concert in C-moU (erster Satz) von\nBeethoven (Ferdinand Gohr), Concert in (dritter Satz)\nvon Hummel (Joseph Kierwald), Clavier-Concert in Fis-moU\nvon I Hiller (I< raulein von der Hoya), Rondo für Pianoforre\nund Violine von F. Schubert (Mathilde Bruch und Herr von\nKonigslöw). Ferner wurden zwei Violiu-Quartettsätze von Haydn\nund Mozart von je vier verschiedenen Spielern vorgetragen und\nein Violoncell-Solo von B. Romberg (Karl K rill); an GesanK-\nstucken: Arie aus Idomoneo (Herrn ine Kemper), zwei Duette\nvon Asioli und Gordigiani (Lucie Kaiser und Maria Ri-\nßtelhüber), Alt-Arie aus Bach's Cantate VI. (Fräulein Asmann)\nArioso aus den Katakomben von F. Hill er (Fräulein Doris Behri'\nIn der Soiree für Kammermusik wurde ein Violin-Quartett\n(in D) von Haydn und ein Quintett (in D) von Mozart gemacht\nZwischen beiden trug Herr Musik-Director Wüllner aus Aachen\ndas Pianoforte-Trio (in D)von seiner Composition mit den Herren\nvon Ivonigslöw und A. Schmit vor, dessen Andante und Finale be-\nsonders lebhaften Applaus erhielten.\nIm Theater beginnt heute Abend (den 27.) Herr Nie mann vom\nköniglichen Hoftheater in Hannover als Kaoul in den Hugenotten\nsein Gastspiel.\nDonnerstag den 26. d. Mts. gab der kölner Männer-Ge-\nsang verein sein zweites Abonnemenls-Concert im kleine-\nren Gürzenichsaale unter Leitung seines Dirigenten, des königlichen\nMusik-Directors Herrn F. Weber. An Gesängen wurden ausgeführt:\n„Frühlingsglaube\" von F. Lachner, Ständchen von Gumbert\nmit Tenor-Solo, „Der Schwur\" von Kreutzer, Bariton-Solo (Herr\nBerg st ein aus Aachen) mit Chor, „Vineta\" von F. Abt, Der\nneue deutsche Kaiser\" von H. Marschner, Lieder von Mendels-\nsohn und Marschner für Bariton (Herr Bergstein) und „Lützow's\nwilde Jagd von \\\\ eher. An Instrumental-Vorträgen brachte der\nAbend Beethoven's Trio in B-dur Op. 11 für Pianoforie (Herr\nJulius Kufierath), Clarinette (Herr J. Kurkowski) und Yio-\nloncell (Herr A. Schmit), zwei Salonstücke für Pianofurte von\nChopin (Herr J. Kufferath) und zwei Salonstücke für Violoncell,\ncomponirt und vorgetragen von Herrn A. Schmit. (Wir waren lei-\nder verhindert, das Concert zu besuchen. Die Kedaction.)\nFrau Philippine Ilges entsprach durch ihre\nerste Gastrolle, den Romeo in Bellini's „Montecchi und Capuletiu,\nvollkommen dem Berufe einer dramatischen Sängerin, den sie durch\nihre Gast-Darstellungen in Aachen, Mainz, Darmstadt, Dessau u. s. w.\nbereits mit vielem Erfolg bekundet hat. Bei der ungewöhnlichen\nKraft ihrer Alt- und Mezzo-Sopranstimme ist die Rundung des To-\nnes, die Ausgleichung der Register und der dramatische Vortrat\nO 5\nder sich als ein Resultat vollkommenen Verständnisses der jedesma-\nligen Situation und Empfindung darstellt, sehr hoch anzuerkennen,\nwas denn auch durch lebhaften Applaus und zweimaligen Hervorruf\ngeschah.\nKönigsberg« Mit besonderer Freude erfüllte es uns, als wir\nlasen, dass Leopoldine Tuczek-Herren bürg sich in einem\nConcerte hören lassen würde. Uns sind die in jeder Weise vollen-\ndeten Gebilde der Künstlerin, die wir so oft in Berlin gehört, noch\nzu sehr im Gedächtnisse, und möchten wir beinahe sagen, dass wir\nan die Zerline und Susanne kaum denken können, ohne uns der\nclassischen Repräsentantin dieser classischen Gesangs-Partieen zu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630328-01.1.8", "texte": "erinnern. Mit grosser Genugthuung hörten wir daher, dass Leopol-\ndine Tuczek auch die Susannen-Arie aus dem „Figaro\" singen\nwürde, und wie wurde sie gesungen! So zart und fein und duftig,\ndass wir uns in die ätherischen Regionen reinster Kunst und Poesie\nversetzt fühlten. Leider hören wir dieses Cabinetsstiick Mozart'scher\nMusik nur zu oft verfehlt: das Recitativ mit einem gewissen unpas-\nsenden Pathos und die Arie viel zu unruhig, viel zu „modern\", in-\ndess bei der Tuczek gerade die classische Ruhe entzückt und die\nvollendete Harmonie der Schönheit die Sinnlichkeit adelt. Während\ndraussen noch die Nachtigallen schweigen, brachte uns die Künst-\nlerin den schönsten Liederfrühling, einen Kranz der wundervollsten\nLieder unseres Schubert, Schumann, Mendelssohn und Rubinstein.\nAlle diese Lieder wurden mit so durchgeistigtem Vortrage, mit so\nhinreissender Begeisterung gesungen, dass wir unsere Bewunderung\nam besten durch die Bitte ausdrücken, die Gefeierte möge uns vor\nihrem Scheiden noch einmal Gelegenheit geben, sie zu hören. Die\nStimme ist noch immer von wundervollem Klang, besonders in der\nMittellage, und sieht man auch hier wieder, wie gründliche Bildung\nund eifrige Studien dem Organ eine längere Lebensfähigkeit geben,\nwährend unsere gewöhnlichen Sängerinnen, die nur zu oft nach dem\nBeifalle der harthörigen Menge streben, sich bereits in wenigen\nJahren ganz ausgeschrieen haben. Und wie lange Jahre war die\nTuczek eine glänzende Zierde der deutschen Oper, und wie singt\ndie ewig jugendliche Künstlerin noch jetzt! Der Beifall des Pu-\nblicums, das Frau Tuczek gleich bei ihrem Eintritte in den Saal\nmit lebhafter Zustimmung begrüsste, steigerte sich mit jeder Num-\nmer, und wurde das letzte Lied stürmisch da capo verlangt, worauf\ndie liebenswürdige Künstlerin uns noch eine reizende Tyrolienne\naus den Rossini'schen Soiröes musicales sang.\nDer Dramen-Preis von 200 Ducaten, den der König von Baieru\nfür das beste Drama aus der baierischen Geschichte ausgeschrieben\nhatte, konnte keinem der eingesandten Stücke zuerkannt werden,\nund es wurde desshalb der Termin für die Preis-Bewerbung bis zum\n1. October d. J. verlängert.\nWien. Im Operntheater wird dieser Tage die Sängerin Frau\nMulder-Fabbri in „Hernani\" ein Gastspiel eröffnen. Frau\nDustmann ist erkrankt, was die Vorbereitungen zum „Tristan\"\nwieder weiter hinausschiebt. Ob einstweilen „Lalla Rookh\" wirklich\nvorbereitet, ob an irgend eine leidliche Reprise, an irgend ein nam-\nhaftes Engagement gedacht wird darüber verlautet neuerdings\nnichts. Man weiss nur sicher, was im Operntheater nicht geschieht,\nz. B. Dass Fräulein Stehle aus München nicht kommt*).\nAdelina Patti hat auch mit ihrer dritten Rolle, Norina in\n„Don Pasquale\", eine ungemein warme Aufnahme gefunden, und\nzwar seihst in denjenigen Nummern, wo sie, mit Souffleur und Ca-\npellmeister in Collision gerathen, sich recht wie ein verzogenes\nKind benahm. Am besten sang sie das Duett mit Don Pasquale und\ndas Notturno mit Ernesto, namentlich aber das Schluss-Rondo in\nhinreissend anmuthiger Weise. Die Rolle der Norina führte sie mit\nnaiver Schalkheit und sicherer Charakteristik ohne Uebertreibung\ndurch. Herr Giuglini sang den Ernesto vortrefflich und spielte\nauch gut. Die beiden anderen Herren dagegen genügten nur zur\nNoth ihrer schwierigen Doppel-Aufgabe als Sänger und Schauspieler.\n. (Ree.)\nDer genauere Nachweis über den Stand des Fonds für das\nSchubert-Monument in Wien, unter dem 18. Februar d. J.\nvom Vorstande des dortigen Männer-Gesangvereins mitge-\ntheilt, ergibt einen Cassenbestand von 10,761 Fl. 17. Kr. Diese\n*) Ihr Contract in München ist ehrenvoll und vortheilhaft für sie\nerneuert worden.\nSumme ist erfreulich; auffallend aber bleibt, dass sie nur aus Wid-\nmungen und Concert-Einnahmen aus Oesterreich (vorzugsweise\nWien) zusammengebracht ist. Hat das übrige Deutschland mit sei-\nnen zahlreichen Musik- und Gesang-Vereinen denn nichts für das\nDenkmal seines grössten Liedersängers und des genialen Compo-\nnisten herrlicher Instrumentalsachen übrig?\nUeber die Aulführung der „Scenen aus Göthe's Faust\" von\nSchumann durch die Sing-Akademie und die königliche Hofcapelle\nin Hannover am 21. März unter Joachim's Direction und\nStockhause ns Mitwirkung als Leiter der Einübung der Chöre\nund Sänger der Partie des „Faust\" müssen wir den ausführlichen\nBericht auf die nächste Nummer verschieben.\nDie Redac tion."}]}