{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-04-11-01", "volume": "bmtnabi_1863-04-11_01", "ocr_sha256": "a497e0a79410d36449af48e7c12cbcf58872db17e95f7b9e979b74e9299cfe30", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/04/11_01/bmtnabi_1863-04-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-04-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 306, "texte": "Inhalt.\nZur Kirchenmusik-Frage. Von C. F. Ackens. Aus Aachen. Von N. Amalie Bidö. Dr. F. C. Kist f.\nPages- und Unterhaltungsblatt (Mittelrheinisches Musikfest Schumann über Wagner Frankfurt am Main, Concert Mann-\nheim, Max Bruch, Mühldorfer f Wien,. Concert, Wagner1 s „Tristan und Isolde\", Sing-Akademie)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-04-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "117", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.2.2", "titre_corps": "Zur Kirchenmusik-Frage.", "titre_sommaire": "Zur Kirchenmusik-Frage.", "signature_source": "C. F. 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Ackens;\n*)•\nWohl kein Gegenstand hat die katholische Bevölke-\nrung von Aachen in der letzten Zeit mehr beschäftigt, als\ndie Hals über Kopf ins Werk gesetzten Abänderungen und\nUnterdrückungen in Bezug auf die sonn- und festtägige\nKirchenmusik in unserem ehrwürdigen Kaisermünster.\nDa nun die Beschlüsse des kölner Provincial-Concils\nvon 1860, auf welche sich unser Stifts-Capitel mit uner-\nklärlicher Hast beeilte einzugehen, uns diese unliebsamen\nAenderungen herbeigeführt haben, so stellen wir uns in\nVorliegendem die Aufgabe, die Decrete des Concils, so\nweit sie Kirchenmusik und Gesang betreffen, so wie\ndie angegebenen Motive etwas näher zu beleuchten, und\nzugleich die Erläuterungen, die uns Herr Pfarrer Stein\naus Köln vor Kurzem in einem öffentlichen Vortrage hier\nin Aachen gegeben hat, in Betracht zu ziehen.\nZur Würdigung jener kirchlichen üisciplinar-Vor-\nschriften **) erkennen wir von vorn herein unbedingt an,\nDass der Geist, welcher dieselben dictirte, ein heiliger und\ngerechtfertigter ist. Nicht allein den Bischöfen und Geist-\nlichen, sondern jedem Katholiken, der auf seine Kirche\netwas hält, muss daran gelegen sein*, dass der Gottesdienst\nin einer möglichst würdigen, erbauenden, die Andacht und\ndie religiösen Gefühle der Gläubigen fördernden Weise\nabgehalten werde und dass etwa eingerissene wirkliche\nMissstände beseitigt werden. Jeder ist daher damit ein-\nverstanden, dass, was den Gesang und die Musik betrifft,\ndas Ungehörige, wo es Platz gegriffen hat, abgeschafft\nwerde, dass der alte Gregorianische Choral überall in sein\nBecht wieder eingesetzt werde, wo man ihn verdrängte\noder vernachlässigte, wie es z. B. in den meisten über-\nrheinischen Kirchen der Fall ist, wo man während des\nHochamtes statt des vorgeschriebenen lateinischen Chorals\ndeutsche Lieder singt (was übrigens, nebenbei gesagt, von\nvielen Bewohnern dieser Landstriche, auch Geistlichen,\nfür viel erbaulicher für das Volk gehalten wird, als das\nAnhören des trockenen, den heutigen melodischen Be-\ngriffen fern liegenden, dazu durch die lateinischen Worte\nihm unverständlichen Chorals). So sehr wir daher dem\nGeiste und dem allgemeinen Inhalte dieser Vorschriften\nunsern Beifall schenken, müssen wir doch über einige der\nDetail-Vorschriften, der Mittel zur Ausführung des Geistes,\nunsere bescheidenen Zweifel äussern.\nDass man unter den Kirchenfürsten selbst in Bezug\nauf kirchliche Disciplinen und besonders in Bezug auf\nKirchenmusik sehr verschieden und oft ganz entgegenge-\nsetzt denkt, beweist die bestehende Praxis in andern ka-\ntholischen Ländern. Während man hier das Orchester in\nder Gestalt, wie es sich in künstlerischer Entwicklung seit\nHaydn ausgebildet hat, gänzlich aus der Kirche verbannen\nwill und nur an hohen Festlagen noch Streichmusik und\nden bei diesen Herren, wie es scheint, sehr in Ehren\nstehenden Fagott zur blossen Unterstützung der Sing-\nstimmen erlauben will, haben wir uns vor wenigen Mo-\n\n*) Wir haben dem Aufruhr, den die plötzliche Verbannung der\nmusicalischen Messe aus dem Münster zu Aachen bei der\ndortigen katholischen Gemeinde verursacht hat, schon in Nr. 8\nd. J. einen Artikel gewidmet, geben aber bei der Wichtigkeit\nder Sache für einen Hauptzweig der Tonkunst und für die\nExistenz kirchlicher Capellen und Gesang-Chöre\nauch dem Aufsatze des Herrn C. F. Ackens auszugsweise\ngern Raum, da uns der Verfasser, der Dirigent des berühmten\nMänner-Gesangvereins „Concordia\" in Aachen, durch gründ-\nliche musicalische Bildung und in jeder anderen Beziehung\nals vollberechtigt bekannt ist, in dieser Sache seine Stimme\nabzugeben. Für die Leser, welche die Verhältnisse nicht\nkennen, sei noch die Bemerkung hinzugefügt, dass das kirch-\nliche Bekenntniss des Verfassers und die Farbe des Blattes\n(„Echo der Gegenwart\"), in welchem der Aufsatz in extenso\nzuerst erschienen ist, jeden Verdacht confessioneller Opposition\nausschliessen. Die Redaction.\n*<) In deutscher Uebersetzung abgedruckt in Nr. 64 des ~Echo\nder Gegenwart\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5344, "texte": "✓\nnaten noch überzeugt, dass z. B. in der Metropolitan-Kirche\ndes in der katholischen Welt hochberühmlen Cardinal-\nErzbischofs von Salzburg sogar an jedem Wochen-\ntage musicalisches Hochamt mit Streich- und Blas-Instru-\nmenten Statt findet; während hier schon seit Jahren für\nSeelenmessen das absolute Verbot des Orchesters gehand-\nhabt und nur Orgelbegleitung geduldet wird, wodurch\nalle die herrlichen Requiem-Messen unserer grössten katho-\nlischen Kirchen-Componisten in die Humpelkammer ver-\nwiesen sind, hörten wir noch vor Kurzem in München, der\nResidenz des frommen Erzbischofs von München-Ereising,\nbei einer gewöhnlichen Todtenmesse das volle Orchester\nund Frauenstimmen, welche den Sopran und Alt sangen;\ndas Ganze war so würdig und schön, dass wir und\nsichtbar auch alle Anwesenden uns herzlich daran er-\nbauten und unser Gebet mit dem des Priesters und Chors\nvereinigten. Eben so wissen wir, dass in Belgien, wo der\nvon Herrn Stein als Autorität angerufene Cardinal-Erz-\nbisebof von Mecheln die kirchliche Disciplin handhabt, so\nnamentlich in den Kirchen von Brüssel und Lüttich, noch\njedes Jahr am Allerseelentage und am Gedächtnisslage für\ndie September-Gefallenen grosse musicalische Requiems\naufgeführt werden, bei denen die Blech- und Blas-Instru-\nmente so wie die Pauken ungestört die ihnen vom Com-\nponisten zugewiesene Partie ausführen, wissen sogar aus\nauthentischer Quelle, dass ganz dasselbe noch vor Kurzem\nin Gent in der bischöflichen Kirche St. Bavon bei dem\nLeichenbegängniss eines Mitgliedes einer dortigen Patricier-\nFamilie geschah.\nWenn also die Meinungen und die Praxis der Kirchen-\nfürsten selbst in dem Punkte der kirchlichen Musik so weil\naus einander gehen, so mag es uns, dem Laien, gestattet\nsein, in dieser Sache auch ein Wort mitzureden.\nZuerst nehmen wir Act davon, dass das Concil selbst\neinräumt, dass in der Musik grosse Kraft liegt, um die\nGemüther zu bewegen, und es daher gut sei, das Studium\nderselben zu befördern. Wir unterschreiben sodann gern\nden ganzen ersten, im Allgemeinen von dem Charakter\nder Kirchenmusik handelnden Absalz des Decrets. Denn\nauch wir wollen keine Musik in der Kirche, welche pro-\nfane Regungen der Seele hervorbringt, auch wir wollen\nkeinen verwirrten Lärm von Instrumenten und kein\nGeschrei statt Gesang; auch wir halten Theaterstücke\noder reine Instrumental-Svmphonieen in der Kirche un-\npassend. Aber hier in Aachen, so wie in Köln, kam oder\nkommt auch dergleichen nicht vor, und wir glauben eben\nso wenig in den Kirchen zu Trier, Münster, Hildesheim,\nPaderborn und Osnabrück. Das Concil verbietet daher\netwas, was, so viel man weiss, nicht existirt. Die Messen\nund sonstigen Musikstücke, die man in der Stiftskirche zu\nAachen und im kölner Dome seit langen Jahren zur Ehre\nGottes ausführte, waren sorgsam gewählt und entsprachen\nden gerechten Anforderungen im Allgemeinen vollkommen,\nwenn auch Herr Stein von seinem engherzigen Standpunkte\nnoch Einiges daran auszusetzen haben mag; jedoch stellt\neiner fernem vernünftigen Sichtung derselben gewiss nichts\nentgegen.\nDer zweite, vom Choral\nhandelnde Absatz des Decrets veranlasst uns zu folgenden\nBemerkungen. Der Gregorianische Choral ist die älteste,\nin der Kirche seit 1500 Jähren gepflegte und eng mit\nihrem ganzen Ritual verwachsene Gesangform. Er ist\ndurch nichts Anderes für den täglichen Bedarf zu ersetzen;\ndenn er ist einfach, leicht ausführbar und daher für jeden\nKirchenchor, sei es im bischöflichen Dome oder in der\närmlichsten Landkirche, geeignet. Dass er aber im Allge-\nmeinen heiliger und erhabener klinge, als alles, was nach\nihm gekommen ist, zu dieser Ueberzeugung haben wir,\nobgleich wir uns Zeitlebens mit der Ausführung des\nChorals gern beschäftigt haben, noch nicht gelangen\nkönnen. Ohne Zweifel gibt es in unsern Choralbüchern\nherrliche melodische und charaktervolle Stücke. Wir\nnennen z. B. die wahrhaft frommen, poetisch begeistertea\nAntiphonen de beata M. V,die verschiedenen, echt reli-\ngiöse Stimmung aushauchenden Sequenzen, einige Vesper-\nHymnen, einige der sonn- und festtägigen Mess-Introiten,\ndie Messen in duplieibusund\nund vieles Andere noch. Jedoch ist ein viel grösserer Rest\nvon Choralsätzen weit davon entfernt, schön und erhaben\nzu klingen; in den Messen namentlich sind die meisten\nStücke, welche zum Gradual, zum Offertorium und zur\nCommunion vorgeschrieben sind, in melodiöser Beziehung\nhöchst vernachlässigt, trocken und monoton, durch ihre\nellenlangen Notenschwänze ungeniessbar und unseres Er-\nachtens gar nicht geeignet, fromme Gefühle zu erwecken.\nUnd selbst manche der besseren Choralslücke sind durch\nihre Länge und Einförmigkeit ermüdend; das Interesse des\nHörers schwindet nach und nach, und der Gesang hat\nendlich für das Volk nur den negativen Vortheil, dass er\ndasselbe in seinen privaten Andachtsübungen nicht stört,\nwas aber am Ende noch besser zu erreichen ist, wenn\nman gar nicht singt, sondern nur betet. Von einem wirk-\nlichen Durchdringen des Hörers mit heiligen und er-\nhabenen Gefühlen kann verhältnissmässig nur bei wenigen\nChoralstücken die Rede sein. Der Choral ist, wie auch\nalles später-Gekommene, ein Kind seiner Zeit; er übte\nohne Zweifel zur Zeit seines Entstehens, wo man nichts\nBesseres kannte, einen weit grösseren Einfluss auf den\nHörer aus, und wir begreifen es recht wohl, dass man\nsich damals dafür ekstasirte und die Erfinder neuer Ge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5506, "texte": "sänge hochpries, wie wir in vielen Ueberlieferungen der\nGeschichte lesen. Aber tempora m\nin Ulis;der Geschmack, die Auffassungsweise der Men-\nschen, ihre Kenntnisse und Anschauungen haben sich seit\nAaron's und König David's Zeiten bis zu Gregor dem\nGrossen geändert und haben auch seit diesem grossen För-\nderer des Chorals nicht still gestanden, und wenn man\nuns sagt, dass alle im Laufe der ferneren Jahrhunderte in\nGebrauch gekommenen Weisen vor dem Choral an Heilig-\n\" O\nkeit und Erhabenheit zurückweichen müssen, so erkennen\nwir darin nur eine Einseitigkeit sonder Gleichen. Alle\nJahrhunderte haben für den Tempel des Herrn begeisterte\nMusiker hervorgebracht; so wie Gregor in seiner Weise\nund mit den damaligen Errungenschaften der Tonkunst\narbeitete, so haben seine musicalischen Nachfolger jeder\nin seiner Weise und mit den nach und nach neu erstan-\ndenen harmonischen, melodischen und instrumentalen Ton-\nmitteln gewirkt, gesonnen und getrachtet, um den Dienst\nGottes zu verherrlichen, und haben unendlich viel Schönes,\nHeiliges und Erhabenes für die Kirche geschaffen, dem\ngegenüber der Choral nur als ein ärmlicher Nothbehelf\nerscheint, welcher der Kindheit der Gesangskunst ange-\nhört. Man muss wahrhaft blind sein, um dies zu verkennen.\nFreilich sind mit der Erweiterung der musicalischen Mittel\ndie Complicalionen gestiegen, und es ist die Ausführung\nschwieriger geworden. Die Tonschöpfungen der späteren\nJahrhunderte sind daher nur für solche Kirchen anwend-\nbar, wo man die Mittel und die Kräfte hat, sie würdig\nauszuführen. Und darum empfiehlt es sich von selbst, den\nalten, leicht ausführbaren Choral für den allgemeinen, täg-\nlichen Gebrauch beizubehalten, in so fern nicht neuere,\nbefähigte kirchliche Tonsetzer sich des Chorals bemächti-\ngen wollen, um die vielen trockenen und dürren Stücke\nunserer Choralbücher durch Besseres, jedoch eben so\nleicht Ausführbares zu ersetzen. Stammen doch viele der\noben als schön citirten Stücke auch aus späteren Jahr-\nhunderten und gehören keineswegs der Zeit Gregor's an;\nja, sie gefallen uns vielleicht eben desshalb besser,.weil sie\nuns in der Zeit näher liegen. Drum, wie Ihr die neuere\nMusik sichten wollt, so sichtet auch den Choral und ladet\ngeeignete Tonkünstler ein, um die dürren Aeste des Bau-\nmes durch neue, saftige Sprossen zu ersetzen. Dann aber\nlasst den Kirchen, welche die Mittel dazu aufbringen\nkönnen, auch das Hecht, Gott mit den prächtigen kirch-\nlichen Schöpfungen der späteren Jahrhunderte, nicht allein\nmit Menschenstimmen, sondern auch mit künstlichen In-\nstrumentalstimmen in all ihrer Pracht und Mannichfaltig-\nkeit zu verherrlichen, und macht nicht einen Rückschritt\nvon tausend Jahren, weil es Euch beliebt, exclusive Choral-\nfreunde zu sein!\nWenn aber der Gregorianische Choral das tagliche\nBrod für die Kirche sein soll, so ist es recht, dass dafür\nSchulen eingerichtet werden, auch die Organisten gelehrt\nwerden, wie sie ihn begleiten sollen. Denn ist das Treffen\nder diatonischen Choral-Noten auch leicht zu erlernen, so\nkann doch nicht Jeder schon desshalb schön Sinsen, weil\ner die Noten kennt. So gut wie man von der Figural-\noder harmonischen Musik verlangt, dass sie gut ausgeführt\nwird, muss man auch an den Choral die Anforderung\nstellen, dass er mit Würde und Ausdruck von möglichst\nschönen, sonoren Stimmen vorgetragen wird und dass\nnicht, wie in gar vielen unserer Kirchen, einige alte Männ-\nchen mit verschlissenen\", berosteten und (juikenden Stimmen\ndas Volumen des Chors bilden und die Choral-Noten noch\nmit allerhand Zuthaten, Vorschlägen und Schnörkeln nach\nihrem Gusto versehen, Eben so darl man verlangen, dass\ndie geistlichen Herren, welche die Solostimmen am Altar\nder Kirche führen, den Choral zu singen verstehen und\nihn nicht maltraitiren, wie man es alle Tage in unsern\nKirchen hören kann, und zwar oft in einem Grade, dass\nman versucht sein könnte, statt „vere\nest\", zu antworten: „vere indignum et falsurn est11, näm-\nlich die Töne, die sie singen. ■— Dann ist es wirklich an der\nZeit, gute Orgelschulen einzurichten, wo die Organisten\nlernen, ihr Instrument zu behandeln und kirchlich würdig\nzu spielen. Denn es ist in manchen Kirchen, sowohl in\nder Stadt als auf dem Lande, ein Scandal, die ohne alle\nVorbildung gleichsam von der Strasse oder höchstens von\neinem alten Klimperkasten aufgelesenen Organisten das\nhehre, prächtige Kirchen-Instrument in einer Weise be-\nhandeln zu hören, die der Würde des heiligen Ortes Hohn\nspricht. Da gibt es für die Conciliums-Herren sehr Vieles\nzu thun und zu reformiren; erstlich Orgelschulen, zweitens\nSchüler, drittens aber auch ausreichende Gehälter für die\nOrganisten zu schaffen. Denn, wenn man heute noch, wie\nzu Olim's Zeiten, in den Pfarrkirchen der Stadt Aachen\ndem Organisten für fast täglichen Dienst nur sechszig bis\nachtzig Thaler jährlichen Gehalt geben will, so wird es\nschwer halten, Leute von Talent zu bestimmen, Organist\nzu werden und dafür umfassende Studien zu machen; die\nKirchenorgeln müssen dann die Domäne der Stümper blei-\nben, und der öffentliche feierliche Gottesdienst, dessen we-\nsentliches Hülfsmiltel die Orgel ist, muss darunter leiden.\nHier ist also ein wirkliches Feld zu Reformen. Eine\nBemerkung möchten wir noch hinzufügen, die uns nicht\nunwichtig scheint. Es kann zur Erhöhung der Andacht\nin der Kirche gewiss nicht beitragen, wenn Organist und\nSänger und Priester divergirende Ansichten in Bezug auf\ndie Anwendung von Vorsetzungszeichen vor gewissen Leit-\ntönen haben und es dann vorkommt, dass der Organist\n\nI*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5494, "texte": "in der Präfation z. B. fortwährend spielt, während der\nauf die Ansichten des Herrn Stein schwörende Priester\nsingt, der feiner organisirte Zuhörer aber jedes Mal, wo\ndas qui pro quo vorkommt, so etwas empfindet, als ob ihm\nJemand eine kleine Ohrfeige gäbe. Wir wissen recht wohl,\ndass sich die Choral-Fanatiker über Sein oder Nichtsein\ndieser Halbtöne viel herumstreiten; es wäre aber im Inter-\nesse des kirchlichen Gottesdienstes gewiss sehr zu wünschen,\ndass darüber eine feste Norm geschaffen würde, nach wel-\ncher sich alle Organisten und Sänger zu richten hätten.\nDer dritte und vierte Absatz des Decrets geht nun\nnäher auf die harmonische Musik der spätem Jahrhunderte\nein, erlaubt solche Musik zur Auszeichnung der höheren\nFeste, verweist uns aber hauptsächlich auf Gesang\nin der Art, wie sie Palestrina und Lassus geschaffen;\nwünscht man aber Orchester-Instrumente in der Kirche\nanzuwenden, so duldet das Decret einfach das Streich-\nQuartett, und zwar auch dieses nur zur Unterstützung der\nSingslimmen. Das heisst nichts Anderes, als der ganzen\nmusicalischen Kunst, wie sie sich nach dem Zeitalter des\nharmonischen Gesanges a capallmählich entwickelt\nhat, den Laufpass geben. Man sollte Angesichts solcher\nBestimmungen wirklich glauben, die Herren, welche die\nConcil-Beschlüsse abgefasst haben, hätten es darauf abge-\nsehen, das katholische Volk in seinem Fühlen und Denken,\nin seinen Empfindungen und Gewohnheiten um 300 Jahre\nzurückzuschrauben; wir fürchten aber, dass sie das Volk\ndamit nur aus den Kirchen vertreiben. Denn es ist Jedem\nbekannt, und die Kirche hat es stets anerkannt, welche\nAnziehungskraft die Pracht des Tempels und die Herrlich-\nkeit des Gottesdienstes, der Reichthum und die Bedeutsam-\nkeit der Ceremonien, die Feierlichkeit des Gesanges und\nder Musik auf den Gläubigen ausübt. Will man das heut-\nzutage nicht mehr, so muss man zur protestantischen\nPraxis übergehen, alle feierlichen Gewänder ablegen, im\nschwarzen Talar erscheinen und den Gottesdienst so ein-\nfach wie möglich gestalten. Will man aber in anderen\nBeziehungen die Pracht und Herrlichkeit des Hauses Gottes,\nso sehen wir nicht ein, wesshalb man in Hinsicht auf Ge-\nsang und Musik so engherzig ist. Ist die musicalische\nKunst in ihrer ganzen Ausdehnung nicht eine Gabe Gottes,\nund während andere Künste der Kirche dienen, warum\nsoll die edelste derselben, die Musik, zurückgewiesen wer-\nden, wenn sie nicht etwa im aschfarbigen Bussgewande\ndes Chorals erscheint? Wie verträgt sich dieses Bussge-\nwand mit dem strahlenden Feuermeer der Lichter, mit\nden goldstrotzenden Gewändern der Priester, mit den\nprächtigen Gemälden in Rahmen, auf Wänden und Fen-\nstern, mit den Blumen und Stickereien, die den Tempel\nschmücken? Und wenn man so ängstlich ist, ob ein\nschönes, vollständiges Orchester Jemanden in seiner An-\ndacht stören, könnte, glaubt man denn, dass die vorhin ge-\nnannten Gegenstände, die Figuren, die Bilder, die Ge-\nwänder und die Ceremonien nicht auch die Aufmerksam-\nkeit, resp. Neugier der Anwesenden erregen und sie von\nder eigentlichen Andacht abziehen? Und selbst, wenn eine\nschöne (oder auch recht schlechte) Solostimme im Choral\nertönt, wird der Betende mehr oder weniger in seiner An-\ndacht gestört. Will man dies um jeden Preis vermeiden,\nso muss man entweder stillen Gottesdienst halten, densel-\nben aller Pracht entkleiden, oder, wie die Protestanten,\nsich auf Gebet, Betrachtung und einigen Volksgesang\nbeschränken.\nEs ist aber sicher nicht die Absicht der hochwürdigen\nHerren. Sie wollen den Glanz des Hauses des Herrn\nund seines Dienstes; sie haben sich nur in Bezug auf Mu-\nsik durch einige Zeloten oder antiquirte Musiker dahin\nbeschwatzen lassen, dass die neuere. Kirchenmusik der\nTheatermusik gleiche, und sich Gespenster vormalen lassen,\ndie in der Wirklichkeit nicht existiren. Freilich, die Kir-\nchenmusik und die profane Musik bedienen sich derselben\nTonmittel, derselben Formen, gleichwie der Maler sich\nderselben Farben für religiöse und weltliche Bilder be-\ndient; nur der innewohnende Geist ist ein an-\nderer. So ist es übrigens zu allen Zeiten gewesen; immer\nhat innige Verwandtschaft zwischen den kirchlichen und\nprofanen Kunstmitteln bestanden. In den ersten Jahrhun-\nderten der christlichen Aera wanderten die profanen, am\nmeisten beliebten V olkslieder in die Kirche und wurden,\nmit religiösem Texte versehen, Kirchengesang oder Choral.\nMit der Palestrina'schen Musik, der für die Kirche so viel\ngerühmten, gehen die gleichzeitigen weltlichen Madrigale,\nwas Form und Tonmittel angeht, Hand in Hand, es sind\nganz dieselben contrapunktischen Formen. Als später Hän-\ndel seine religiösen, als kirchliche Musik vielfach gepriese-\nnen Oratorien schrieb, hatte er vorher eine Reihe von\nOpern für die Bühne geschrieben; man sehe nach, ob\nsich die Oratorien und die Opern in der Factur der Musik-\nstücke, in den Formen und'angewandten Mitteln nicht wie\nein Ei dem andern gleichen. Und sind die profanen Ar-\nbeiten Sebastian Bach's: seine Fugen für das wohltempe-\nrirte Ciavier, seine Ciavier- und Violin-Sonaten etc. etwa\nin einem andern Stil gesetzt, als seine Orgel-Fugen, seine\nCantaten und Messen? So könnten wir diese Parallelen\nnoch unendlich weiter ziehen. Wenn nun unsere Vorväter\nzu allen Zeiten nichts dagegen hatten, dass Gott mit den-\nselben in ihrer Periode gäng und gäben musicalischen\nKunstmitteln und in demselben Stile gepriesen wurde, wo-\nmit man auch weltliche Dinge besang, wesshalb wollen\nwir es den neueren Componisten, seit deren Fürsten Haydn,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5385, "texte": "Mozart und Beethoven auf der Weltbüline erschienen, übel\nnehmen, dass sie mit den neu erworbenen Kunstmitteln\nund mit ihren neuen, freundlicheren Formen in die Kirche\ngingen und Gott den Tribut ihrer Werke darbrachten?\nWo steht es geschrieben, dass die Kirche je einen edeln\nKunstzweig aus ihrem Gebiete verwies? Es ist diese trau-\nrige Ehre dem Capitel XX der disciplinarischen üecrete\ndes rheinischen Concils von 1860 vorbehalten gewesen.\nSo wie also die alten Kirchenmusik-Formen Kinder\nihrer Zeit waren und den gleichzeitigen weltlichen Formen\nglichen, so ist es auch mit der neueren Kirchenmusik seit\niiaydn der Fall, und es wäre nun zu untersuchen, ob\nder Geist der neueren Kirchentondichter etwa ein solcher\nist, der nicht in die Kirche passt, und hinter dem Geiste\ndes Chorals und der Palestrina-Periode zurückbleibt.\nDie Palestrina-Musik mit ihren fortwährenden Dreikläneen\nund ihrem contrapunktischen Durcheinander ist nach un-\nserer Meinung (wir haben uns Jahre lang mit ihr be-\nschäftigt) noch weit weniger als der Choral befähigt, einen\nausgeprägten Charakter zu versinnlichen oder eine beson-\ndere Stimmung zu erzeugen. Dem nicht musicalisch ge-\nbildeten Zuhörer erklingt eine solche Messe wie die andere,\nimmer nach demselben Schematismus, weil er die kleinen\nUnterschiede in der Figuration nicht unterscheiden kann;\ndie wenigen hinreichend Musicalischen aber wollen das\ncontrapunklische Gebäude des Stückes verfolgen, den Can-\nius Brmus;wo einer ist, heraushören, was oft sehr schwer\nfällt, und fort ist die Andacht; sie haben, wie Herr\nStein sagt, mehr die Kunst, als die Kirche im Auge\ngehabt.\nAber die neuere Kunst, sie hat durch ihren'Reichthum\nan Ausdrucksmitteln in Metrik, Rhythmik, Melodie und\nHarmonie, ihre Modulationen und ihre hundertfältigen\nKlangfarben das rechte Zeug, den Geist, der in dem er-\nhabenen Mess-Texte wohnt, lebendig zu machen und zu\nversinnlichen,, Sie allein hat den richtigen, greifbaren und\nzündenden Ausdruck für das AUeluja, wie für das Mise-\nrere, für den Jubel, wie für die Klage, für die feurige\nLiebe, wie für den festen Glauben. Sie fasst den Menschen\nund hebt ihn himmelan, wenn sie ihr „Gloria in excelsis\nDeo\" ertönen lässt, und sie zwingt ihn, mitzubeten, wenn\nsie singt: „Qui tollis peccata Da\nlällt Choral und Palestrina gewaltig zurück, trotz der ge-\nschraubten Theorie, die Herr Stein uns entwickelt, dass\ndie Kirchenmusik sich stets ruhig und gleichmässig be-\nwegen müsse, die Stimmung je nach den Texlesworten\nnicht wechseln dürfe, dass Lob, Preis, Verherrlichung des\nhimmlischen Vaters und seines göttlichen Sohnes und das\ndaraul folgende Gebet „Erbarme dich\" nach derselben\nLeier abgehaspelt werden müsse. Wo in aller Welt ist\nder kirchliche Hedner, dem ihr zumuthen würdet, seine\nHede ohne Ausdruck oder Betonung, einförmig herzu-\nsagen? Welchen Lindruck würde er aul den Hörer\nmachen? Einen lächerlichen.\nAllerdings geben wir zu, dass nicht alle musicalischen\nMessen dei Neuzeit und nicht alle Stücke jeder einzelnen\nMesse den berechtigten kirchlichen Anforderungen ent-\nsprechen, so wie wir oben gezeigt haben, dass nicht alle\nbis zu uns herabgelangten Choralslücke und es waren\nsicher doch nicht die schlechtesten auf gleicher Höhe\nstehen, und wie bekanntlich zu allen Zeiten nicht allein\nvon den Männern minorum sondern auch von\nMeistern, selbst Palestrina nicht ausgenommen, neben Vor-\nzüglichem, eine Masse Mittelgut geliefert worden ist. Drum\nprüfet, wie die Alten geprüft haben, und behaltet das Beste.\nDie Kirche überlässt die musicalische Charakterisirung ihrer\nlexte dem künstlerischen und religiösen subjectiven\nGefühle des Tonmeisters und hat dies, trotz der ecen-\no C*\ntheiligen Definitionen dos Herrn Stein, zu allen Zeiten ge-\ni\nthan und thun müssen. Sie setzt voraus, dass der Ton-\ndichter fromm ist, und sich, wenn auch Protestant, in die\nkatholischen Anschauungen hineinzudenken gesucht hat.\nindem er sich sonst für ihren Cultus nicht bemühen und\nbegeistern würde. Sie darf aber fordern, dass das, was\nsie in ihr kirchliches Repertorium aufnehmen soll, würdig,\nerhaben, fromme Gefühle erweckend, mit Einem Worte\nfür sie passend sei und eine dessfallsige Prüfung bestehe.\nDie musicalische Messen-Literatur der Neuzeit mit kleinem\nund grossem Orchester ist aber so reichhaltig, dass bald\nein ansehnlicher Schatz des Guten und der Kirche Wür-\ndigen ausgewählt sein wird. Aber das ganze, volle Or-\nchester, wie die Kunst der Neuzeit es geschaffen hat, muss\nin der Kirche bleiben, wie es bisher der Fall war und in\nanderen Ländern noch der Fall ist. Der katholische Gottes-\ndienst hat kein düsteres Muckergesicht, sondern zeigt über-\nall ein freundliches, hoffnungverkündendes Antlitz; er be-\nvorzugt sogar in allen anderen Dingen die hellen Farben;\nwarum soll er die hellen Klangfarben über Bord werfen?\nWarum will man in der Kirche dem Ohr das nicht gönnen,\nwas man dem Auge so bereitwillig gestattet? Wir haben\nnoch nicht gehört, dass man den Kirchen-Malern den Be-\nfehl oder auch nur den Wunsch ausgedrückt habe, ihre\nFiguren in steilen Formen der Heiligenbilder aus der Kind-\nheit der Malerkunst, deren man z. B. im kölnischen Mu-\nseum so manche sehen kann, anzufertigen. Dem Künstler\njeder Art soll man in der Anwendung der Kunst mittel\nFreiheit lassen: diese und jene Instrumente, diese und jene\nStimme, denn es kommt nicht darauf an, dass er diese\nMittel gebraucht, sondern wie er sie gebraucht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-04-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.2.3", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4171, "texte": "Aus Aachen.\nN.\nDen 2. April 186 3.\nDa Alles in diesen Ostertagen sein Gewissen reinigt,\nso will ich auch mein Referentengewissen von der Schuld\nder Saumseligkeit und Vernachlässigung Ihrer Zeitschrift\nund aller derjenigen, die sich im letzten Vierteljahre Cur\nunsere musicalischen Genüsse in Aachen Verdienste er-\nworben haben, befreien.\nDas IV. Abonnements-Concert brachte die poetische\nHochlands-Ouverture von Gade und die überreiche Sin-\nfonie von Franz Schubert, beide in vorzüglicher Aus-\nführung. Ausser dem „Elegischen Gesang\" von Beetho-\nven führten wir zum ersten Male in Deutschland die vor\nKurzem erst erschienene „Neujahrs-Cantate\" von Robert\nSchumann auf, eine Composition, die an Reflexion, Be-\nrechnung und Instrumental-EfFect reicher ist, als an Me-\nlodie. In H errn Lindner aus Hannover lernten wir an\njenem Abend einen ausgezeichneten Violoncellspieler und\nComponisten kennen. Vollendete Technik, Gefühl, Ausdruck\nund Adel sind die Vorzüge seines Spiels, und es ist nur zu\nbedauern, dass er ein wenig in den Fehler der Violoncel-\nlisten unserer Zeit verfallt, ihrem Instrument den Charakter\neiner Violine zu geben. Herrn Lindner's Compositionen, ein\nConcert und eine Serenade, zeigen viel Originalität; eine\nzu reiche Fülle der Instrumentirung thut zuweilen der\nPrincipalstimme Eintrag. Der Erfolg dieses trefflichen\nKünstlers war sehr gross.\nDas V. Concert-Programm enthielt ein neues Werk,\nwelchem in diesen Blättern schon eine ausführliche und\nsehr günstige Besprechung zu Theil geworden ist, das\n„Requiem\" von ß. Scholz, das sich, von ihm selbst di-\nrigirt, auch hier einer sehr warmen Aufnahme zu erfreuen\nhatte. Die Ausführung war in jeder Hinsicht volkommen\nund dürfte gewiss Herrn Scholz anregen, unseren Kräften\nauch andere von seinen Compositionen anzuvertrauen.\nM endelssoh n's Sinfonie-Cantate; „Lobgesang\" beschloss\nden interessanten Abend.\nIm VI. Concert hatten wir einen der edelsten Kunst-\ngenüsse durch den Vortrag des bewunderungswürdigen\nClavier-Concerts in Es-dur von Beethoven durch Herrn\nYVüllner; noch nie hat unser Publicum die Schönheiten\ndieser erhabenen Composition besser würdigen können, als\ndieses Mal, und so hat denn auch jeder Satz durch den\nVortrag, der alle dazu nothwendigen Bedingungen in sich\nvereinigte, einen Enthusiasmus hervorgerufen, zu dem man\nsich hier sonst nicht leicht hinreissen lässt. Durch solche\nVorträge macht man sich wirklich um die Kunst verdient.\nDie anderen Nummern des Programms waren F. Hil-\nler's schöne und frische Composition „Gesang der Gei-\nster über dem Wasser\" und ein hübscher, noch ungedruck-\nter „Zigeuner-Chor\" von H. Marschner, welchen Wüll-\nner geistvoll instrumentirt hatte. Schumann'« Genovefa-\nOuverture und Beethoven's i?-(&<r-Sinfonie zeigten un-\nser Orchester in seinem besten Lichte.\nDie Aufführung der Matthä u s-Passion von J. S.\nBach war für alle Mitwirkende und Zuhörende eine wahre\nFeierlichkeit. Sie hatte noch eine weit grössere Menge von\nZuhörern angezogen, als bei den früheren Aufführungen,\nso dass der grosse Saal Bernarts und dessen Nebenzim-\nmer buchstäblich überfüllt waren. Die Aufführung durch\nein Chor und Orchester von 300 Personen war imponi-\nrend, unser Chor hat den Ruf, den er mit Recht in der\nmusicalischen Welt geniesst, wieder auf würdige Weise\nbekundet und Herr Wüllner einen neuen Beweis seiner\nHingebung an die Kunst und seines Dirigententalents ge-\ngeben. Einem so vollkommen gelungenen Ganzen gegen-\nüber kann man nicht wohl in das Einzelne eingehen. Wir\nbeschränken uns darauf, dass die Solovorträge der Damen\nBüchner aus Köln und Schreck aus Bonn, der Herren\nDr. G unz aus Hannover und Hill aus Frankfurt a. M.\nauf der Höhe ihrer Aufgabe blieben und wiederholten en-\nthusiastischen-Beifall vom Publicum erhielten. Die beiden\nLetztgenannten hatten mit gefährlichen Erinnerungen zu\nkämpfen, haben aber den Vergleich mit Ehren, wo nicht\nmit Vortheil für sich, bestanden. Herr Concertmeister\nFritz Wenigmann hat das Violinsolo in der Arie: „Er-\nbarme Dich\", deren Vortrag durch Fräulein Schreck einer\nder Glanzpunkte des Abends war, recht brav gespielt, und\nauch das Orchester bewies, dass es stets im erfreulichsten\nFortschreiten begriffen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-04-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "119", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.2.4", "titre_corps": "Amalie Bidó.", "titre_sommaire": "Amalie Bidó.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.6", "debut_caractere": 4173, "fin_caractere_exclue": 4998, "texte": "Amalie Bidó.\nFräuiein Amalie Bido, die liebenswürdige Violin-\nVirtuosin, hat in diesem Winter vorzugsweise den Norden\nvon Deutschland und Holstein bereis't und überall die\nrühmlichste Anerkennung und an vielen Orten enthusiasti-\nsche Aufnahme gefunden. Von der Insel Rügen aus, wo\nsie im September mehrere Concerte gegeben, wurde sie\nnach Flensburg zur Mitwirkung bei den Festlichkeiten\nzum Geburtstage des Königs von' Dänemark eingeladen,\nspielte darauf ebenfalls noch im October wiederholt in\nStralsund, dann trat sie in Berlin vier Mal in den Con-\ncerten bei Kroll und zwei Mal in Trio-Soireen auf, con-\ncertirte in Leipzig, Halle u. s. w., und brachte die\nWeihnachtszeit in Hannover zu. Hier hatte sie die Ehre,\nsich bei dem königlichen, ihr sehr huldvoll gesinnten Hofe\nmehrere Male hören zu lassen und trug am 7. Januar"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 674, "texte": "unter Joaclnm's Leitung im Theater Mendelssohn'» Concert\nund ein Rondo von Vieuxtemps vor. Am 16. Januar spielte\nsie zu Oldenburg in dem Concerte der Hof-Capelle mit\nso glänzendem Erfolge, dass sie noch zu einem Hof-Concert\nund zur Mitwirkung in dem Concerte des Singvereins am\n2. Februar eingeladen wurde. Mittlerweile gab sie in\nOstfriesland mehrere Concerte und bereis'te dann Hol-\nland, wo sie zuerst in Amsterdam -und dann in fast\nallen grösseren Städten, wie Haag, Rotterdam, Utrecht\nu. s. w. mit steigendem Beifall auftrat. Gegenwärtig ist\nsie im Begriff, nach London zugehen, und wir wünschen\nder jungen, talentvollen und unternehmenden Künstlerin\nden besten Erfolg!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-04-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.2.5", "titre_corps": "Dr. F. C. Kist ┼.", "titre_sommaire": "Dr. F. C. Kist ┼.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.7", "debut_caractere": 676, "fin_caractere_exclue": 2751, "texte": "Dr. F. C. Kist ┼.\nDie Nummer 7 der „Cacilia\", der allgemeinen Musik-\nZeitung von Niederland (Rotterdam bei J. van ß aalen\nund Söhnen) bringt an ihrer Spitze folgende Anzeige:\n„Wird dieses Mal über den Spalten dieser Zeitschrift\nder Name desjenigen vermisst, der sie ins Leben rief und\neinen grossen Theii seines eigenen Lebens ihr widmete,\nso müssen die ersten Zeilen des heutigen Blattes der be-\ntrübenden Nachricht eingeräumt werden: Dr. F. C. Kist,\nder Gründer und Redacteur der Cacilia, ist am 23. März\nd. J. in seinem 67. Altersjahre ganz unerwartet seiner\nFamilie und seinen Freundeskreisen durch den Tod ent-\nrissen worden.\n„Diese einfache Mittheilung des Ereignisses spricht\nfür den Augenblick deutlich genug die Grösse des Ver-\nlustes für Jeden aus, der die Kunst liebt und die wahr-\nhafte uneigennützige Liebe und Tbätigkeit zu würdigen\nweiss, welche der Dahingeschiedene ihr in so umfassendem\nMaasse und so kräftiger Weise widmete. Nicht in weni-\ngen Worten aber, sondern erst in einer seinem Gedächt-\nniss geweihten ausführlicheren Schilderung kann ans Licht\ngestellt werden, was Kist in seinem Leben und Wirken\nfür die Kunst in Niederland und namentlich für diese Zei-\ntschrift gewesen ist. Die Kunst war sein Leben; ihr waren\nnoch seine letzten Stunden gewidmet. Noch erfüllt von\nihren Eindrücken, legte er sich am letzten Abend seines\nLebens zur Ruhe nieder, um im Reiche der ewigen und\nreinsten Harmonie zu erwachen. Dort, befreit von der\nihn oft drückenden und beengenden irdischen Hülle, schaue\nsein Geist die Ideale, die er auf Erden nur ahnen konnte.\n„Seine körperlichen Reste wurden von Utrecht nach\nDelft gebracht ujnd dort am 27. März bestattet. Er ruhe\nin Frieden!\"\nDie Mitarbeiter, weiche dem ür. Kist seit Anfang die-\nses Jahres zur Seite gestanden und bei der geschwächten\nGesundheit desselben den grössten Theil der Redactions-\narbeit bereits übernommen hatten, haben sich nach dessen\nTode als wirkliche Redaction constiluirt, um die „Cacilia\"\nin derselben Form und in demselben Geiste fortzusetzen.\n(Verlag: Rotterdam bei J. van Baalen & Zoonen.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-04-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.7", "debut_caractere": 2753, "fin_caractere_exclue": 5576, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas mittelrheinische Musikfest soll wieder ins Leben\ntreten, was jedenfalls sehr erfreulich ist. Es wird dieses Jahr in\nDarm Stadt am 16. und 17. August Statt finden.\nJ. A. Stargardt in Berlin (Jägerstrasse 24) hat ein Verzeich-\nnis s einer Sammlung von musicalischen, hymno logischen\nund liturgischen Werken herausgegeben, welche bei ihm zu\nden beigesetzten Preisen zu haben sind. Es enthält sehr werthvolle\nältere una neuere Werke, auch manche Curiosa in Manuscripten und\nMiniaturen.\nSchumann, über Wagner. In einer Beilage der letzten Num-\nmern der „Deutschen Musik-Zeitung\" (Nr. 52 d. J. 1862), in wel-\ncher Herr Carl van Bruyck die Anmassungen des Herrn Jul.\nSchäffer in dessen Apologie und Apotheose des Lieder-Componisten\nEob. Franz („Zwei Beurtheiler Robert FranzV) energisch zurück-\nweist, wird folgende briefliche Aeusserung Schumann's aus dem Jahre\n1853 (vom 8. Mai) angeführt, die völlig mit dem übereinstimmt, was\ndie Niederrheinische Musik-Zeitung um dieselbe Zeit in aufiihrliche-\nren Artikeln über 11. Wagner's Musik gesagt hat. Schumann schreibt:\n„Wagner ist, wenn ich mich kurz ausdrücken soll, kein guter Mu-\nsiker; es fehlt ihm an Sinn für Form und Wohlklang. Aber Sie\ndürfen ihn nicht nach Clavier-Auszügen beurtheilen\" (bis zum Jahre\n1853 war nämlich noch keines der Wagner'sehen Werke auf der\nwiener Opern-Bühne gegeben worden). „Sie würden Sich an vielen\nStellen seiner Opern, hörten Sie sie von der Bühne, gewiss einer\ntiefen Erregung nicht erwehren können. Und i.st es nicht das klare\nSonnenlicht, das der Genius ausstrahlt, so ist es doch oft ein ge-\nheimnissvoller Zauber, der sich unserer Sinne bemächtigt. Aber,\nwie gesagt, die Musik, abgezogen von der Darstellung, ist gering,\noft geradezu dilettantisch, gehaltlos und widerwärtig, und es ist\nleider ein Beweis verdorbener Kunstbildung, wenn man im Ange-\nsichte so vieler dramatischer Meisterwerke, wie die Deutschen aufzu-\nweisen haben, diese neben jenen herabzusetzen wagt.\"\nFriinkfoiH am iffftiil« Aus dem Referate im Conversa-\ntions-Blatte vom 12. März über das jüngst vom Liederkranz zum\nBesten der Mozart-Stiftung gegebene Concert mag folgende\nStelle der Betrachtung empfohlen sein: „Zwischen diesen Liedern\n(von Dr. Grunz aus Hannover gesungen) ertönten die ernsten Klänge\neines Sanctus und Agnus Dei aus dem Bequiem für Männerstimmen\nvon Cherubini, vom Liederkranz und dem Orchester sicher und rich-\ntig nuancirt vorgetragen, ertönten aber auch die frivolen\nKlänge eines Walzers von Venzano, gesungen von Fräu-\nlein Röhn aus Mannheim. Dass Fräulein Röhn damit Furore\nmachte, beweist nur, wie leicht empfänglich der Sinn des Publicums\nund wie verschieden der Geschmack ist.\"\nAber, wie verhält es sich mit dem Sinn und Geschmack des\nLiederkranzes, der ein solches Programm aufstellt und ausführen\nlässt?!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5791, "texte": "7. April. Am Charfreitag war Emanuel Gei-\nbel hier, um sich mit dem Componisten seiner Operndichtung\n..Lorelei\", Herrn Max Bruch, wegen einiger Aenderungen und\nErgänzungen im Texte zu besprechen: eine solche Verständigung\nzwischen dem Dichter und Musiker ist ein erfreuliches Zeugniss\nwechselseitigen Entgegenkommens, das dem Ganzen nur förderlich\nsein kann und trotzdem bisher in Deutschland nur allzu oft\nverabsäumt worden ist. Die „Lorelei\" wird hier im Laufe des\nMonats Mai zur Aufführung kommen. Herr Bruch hat im Oster-\nConcert durch den brillanten Vortrag des Clavier-Concerts von\nHermann Levy, Op. I, auch grossen Erfolg als Pianist gehabt.\nTlailillieiisi. 8. März. Heute Abend verschied nach kurzem\nLeiden der Hoftheater-Maschinist Mühldorf er, Ritter des königlich\nHannoverschen Civilverdienst- und und des Zähringer Löwen-Ordens\nein Mann, der nicht nur als Restaurator des hiesigen Schauspiel-\nhauses, eines der schönsten, freundlichsten und geräumigsten für eine\n•Stadt von unseren Verhältnissen, sich hier einen bleibenden Namen\nerworben hat, sondern durch das Sinnige und Prächtige seiner Deco-\nrationen und Maschinerieen, besonders in der Feen-Oper, weit über\nunsere Heimat hinaus seinen Ruf verbreitete. Vom einfachen Schreiner-\ngesellen hat er sich so weit emporgeschwungen, dass Paris seine\nEinrichtung für „Dinorah\" bewunderte, dass Bucharest und Klausen-\nburg ihre Theater von ihm einrichten Hessen, dass München und\nHannover von seinen Scenerieen verlangten. Und wenn der Tod\nirgendwie ein Glück zu nennen ist, so darf er es im vorliegenden\nFalle genannt werden, da er ihn vor den Leiden einer hoffnungs-\nlosen Krankheit bewahrte und aus dem Leben gerade in dem Augen-\nblicke abrief, da ein Augenleiden ihn seinem Lebensberufe schon\nentrissen hatte.\nIm Leipziger Stadttheater gelangte am 29. März ~Der Abt\nvon St. Gallen\", Oper in drei Acten, Text von G. Franz, Musik\nvon F. Hertlier, zur ersten Aufführung.\nBerlioz befindet sich gegenwärtig in Weimar, um der Auf-\nführung seiner Oper: „Beatrice et Benedict\" beizuwohnen.\nton« Am 27. März brachte die Gesellschaft der Musikfreunde\nin einem Abend-Concerte ein neu aufgefundenes Oratorien-Fragment\n„Lazarus\" von Franz Schubert zur Aufführung, welches mit ge-\nspannter Aufmerksamkeit angehört und theilweise mit lebhaftem Bei-\nfalle aufgenommen wurde. Wir können dessen ungeachtet in die Lob-\npsalmen nicht einstimmen, die bei dieser Gelegenheit, wie immer,\nwo es einen S c h u bert'sehen Nachlass zu heben gilt, angestimmt\nwurden. Mit dem „häuslichen Krieg\" war seinerzeit allerdings ein\nJuwel sonder Gleichen entdeckt worden, nicht so mit dem\n„Lazarus\". Jenes war in seinem Genre dem des Singspiels\netwas Vollendetes, das erste Beispiel vielleicht seit Mozart eines\nso überströmend reichen Melodieenschatzes im Vereine mit so viel\ndramatisch-musicalischer Charakteristik. Das „Lazarus\"-Fragment\nhingegen zeigt uns einen Versuch des Liederfürsten auf einem sei-\nnem Naturel sehr fern liegenden Gebiete, einen Versuch ganz eigen-\nihüm lieber Art, dem wir manche interessante Wahrnehmung, aber\nkeine höchste künstlerische Befriedigung abgewinnen können. Nach\ndem vorgeführten Fragmente zu urtheilen, hat Schubert sein Ora-\ntorium von vorn herein nicht in dem Stile angelegt, wie er zur Be-\nhandlung biblischer Stoffe historisch berechtigt und auch erfahrungs-\ngemäss angezeigt scheint. Er hat sich vielmehr unbedingt auf ent-\nschieden romantisches Gebiet begeben, sein Oratorium bewegt\nsich ausschliesslich innerhalb jener süss unstäten Stimmung, jenes\nzauberisch narkotischen Duftes, jener halbdunklen Mystik, die später\ntheilweise in Wagner, theilweise in Schumann ihren Gipfelpunkt\nund ihre Opfer gefunden hat. Eine Monotonie, die theilweise aus\nder Natur des uninteressanten Textes, tjieils aus der recitativiscli-ariosen\nBehandlung, die namentlich zu Anfang vorwaltet, entspringt, lässt\ndie reichen melodischen Schönheiten nicht zu voller Wirkung ge-\nlangen. (W. Ree.)\nSicherem Vernehmen nach hat es von den beinahe bis zu den\nOrchesterproben gediehenen Vorkehrungen, Wägner's „Tristan und\nIsolde\" im Hof-Operntheater zur Aufführung zu bringen, nun-\nmehr definitiv sein Abkommen gefunden, und zwar in Folge der\nvon der Sängerin der Isolde abgegebenen Erklärung, dass die Partie\nüber ihre physischen Kräfte gehe. Diese Kunde dürfte den Compo-\nnisten kaum angenehm überraschen. Die Mühe monatlanger Studien\nwäre somit leider eine zwecklose gewesen, abgesehen von den Ver-\nlegenheiten, welche daraus dem laufenden Repertoire erwuchsen, und\nden kostspieligen, dabei ungenügenden Aushülfen, die herbeige-\nzogen werden mussten, um jene Verlegenheiten zu paralysiren.\nNach der „Lalla Rookh\", welche Aussicht hat, bald nach den Oster-\nferien in die Scene zu gehen, soll eine Reprise der „Stummen von\nPortici\" mit Ander als Masaniello beabsichtigt werden. (81. f. Th.)\nDie Wiener Sing-Akademie veranstaltete am Chardinstag\ndie zweite Aufführung der Bach'schen „Passions-Musik\" nach dem\nEvangelium Matthäi und bescliloss mit derselben auf eine höchst\nwürdige Weise ihre diesjährige, von ehrenwerthen Erfolgen gekrönte\nWirksamkeit. In Anbetracht der Schwierigkeiten, denen dieses\nschöne Institut seit nahezu zwei Jahren namentlich durch die Krank-\nheit seines artistischen Leiters, des verdienstvollen Chormeisters\nFerdinand Stegmayer, unterworfen war, kann es nur das Ver-\ndienst der tüchtigen Vereinsleitung sein, wenn die Mitglieder unge-\nachtet der verlockenden modernen Musik das prineipiel eingeschla-\ngene Streben nach Pflege und höchster Ausbildung der classischen\nKirchenmusik mit unermüdlichem Eifer und liebevoller Aufopferung\nunterstützen. Die Matthäus-Passion wurde der umsichtigen Leitung\ndes Herrn Concertmeisters Jos. II ell me sb erger anvertraut, der\nseine schwierige Aufgabe höchst anerkennenswerth durchführte."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZur Kirchenmusik-Frage. Von C. F. Ackens. Aus Aachen. Von N. Amalie Bidö. Dr. F. C. Kist f.\nPages- und Unterhaltungsblatt (Mittelrheinisches Musikfest Schumann über Wagner Frankfurt am Main, Concert Mann-\nheim, Max Bruch, Mühldorfer f Wien,. Concert, Wagner1 s „Tristan und Isolde\", Sing-Akademie).\n\nZur Kirchenmusik-Frage.\nVon C. F. Ackens;\n*)•\nWohl kein Gegenstand hat die katholische Bevölke-\nrung von Aachen in der letzten Zeit mehr beschäftigt, als\ndie Hals über Kopf ins Werk gesetzten Abänderungen und\nUnterdrückungen in Bezug auf die sonn- und festtägige\nKirchenmusik in unserem ehrwürdigen Kaisermünster.\nDa nun die Beschlüsse des kölner Provincial-Concils\nvon 1860, auf welche sich unser Stifts-Capitel mit uner-\nklärlicher Hast beeilte einzugehen, uns diese unliebsamen\nAenderungen herbeigeführt haben, so stellen wir uns in\nVorliegendem die Aufgabe, die Decrete des Concils, so\nweit sie Kirchenmusik und Gesang betreffen, so wie\ndie angegebenen Motive etwas näher zu beleuchten, und\nzugleich die Erläuterungen, die uns Herr Pfarrer Stein\naus Köln vor Kurzem in einem öffentlichen Vortrage hier\nin Aachen gegeben hat, in Betracht zu ziehen.\nZur Würdigung jener kirchlichen üisciplinar-Vor-\nschriften **) erkennen wir von vorn herein unbedingt an,\nDass der Geist, welcher dieselben dictirte, ein heiliger und\ngerechtfertigter ist. Nicht allein den Bischöfen und Geist-\nlichen, sondern jedem Katholiken, der auf seine Kirche\netwas hält, muss daran gelegen sein*, dass der Gottesdienst\nin einer möglichst würdigen, erbauenden, die Andacht und\ndie religiösen Gefühle der Gläubigen fördernden Weise\nabgehalten werde und dass etwa eingerissene wirkliche\nMissstände beseitigt werden. Jeder ist daher damit ein-\nverstanden, dass, was den Gesang und die Musik betrifft,\ndas Ungehörige, wo es Platz gegriffen hat, abgeschafft\nwerde, dass der alte Gregorianische Choral überall in sein\nBecht wieder eingesetzt werde, wo man ihn verdrängte\noder vernachlässigte, wie es z. B. in den meisten über-\nrheinischen Kirchen der Fall ist, wo man während des\nHochamtes statt des vorgeschriebenen lateinischen Chorals\ndeutsche Lieder singt (was übrigens, nebenbei gesagt, von\nvielen Bewohnern dieser Landstriche, auch Geistlichen,\nfür viel erbaulicher für das Volk gehalten wird, als das\nAnhören des trockenen, den heutigen melodischen Be-\ngriffen fern liegenden, dazu durch die lateinischen Worte\nihm unverständlichen Chorals). So sehr wir daher dem\nGeiste und dem allgemeinen Inhalte dieser Vorschriften\nunsern Beifall schenken, müssen wir doch über einige der\nDetail-Vorschriften, der Mittel zur Ausführung des Geistes,\nunsere bescheidenen Zweifel äussern.\nDass man unter den Kirchenfürsten selbst in Bezug\nauf kirchliche Disciplinen und besonders in Bezug auf\nKirchenmusik sehr verschieden und oft ganz entgegenge-\nsetzt denkt, beweist die bestehende Praxis in andern ka-\ntholischen Ländern. Während man hier das Orchester in\nder Gestalt, wie es sich in künstlerischer Entwicklung seit\nHaydn ausgebildet hat, gänzlich aus der Kirche verbannen\nwill und nur an hohen Festlagen noch Streichmusik und\nden bei diesen Herren, wie es scheint, sehr in Ehren\nstehenden Fagott zur blossen Unterstützung der Sing-\nstimmen erlauben will, haben wir uns vor wenigen Mo-\n\n*) Wir haben dem Aufruhr, den die plötzliche Verbannung der\nmusicalischen Messe aus dem Münster zu Aachen bei der\ndortigen katholischen Gemeinde verursacht hat, schon in Nr. 8\nd. J. einen Artikel gewidmet, geben aber bei der Wichtigkeit\nder Sache für einen Hauptzweig der Tonkunst und für die\nExistenz kirchlicher Capellen und Gesang-Chöre\nauch dem Aufsatze des Herrn C. F. Ackens auszugsweise\ngern Raum, da uns der Verfasser, der Dirigent des berühmten\nMänner-Gesangvereins „Concordia\" in Aachen, durch gründ-\nliche musicalische Bildung und in jeder anderen Beziehung\nals vollberechtigt bekannt ist, in dieser Sache seine Stimme\nabzugeben. Für die Leser, welche die Verhältnisse nicht\nkennen, sei noch die Bemerkung hinzugefügt, dass das kirch-\nliche Bekenntniss des Verfassers und die Farbe des Blattes\n(„Echo der Gegenwart\"), in welchem der Aufsatz in extenso\nzuerst erschienen ist, jeden Verdacht confessioneller Opposition\nausschliessen. Die Redaction.\n*<) In deutscher Uebersetzung abgedruckt in Nr. 64 des ~Echo\nder Gegenwart\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.2", "texte": "✓\nnaten noch überzeugt, dass z. B. in der Metropolitan-Kirche\ndes in der katholischen Welt hochberühmlen Cardinal-\nErzbischofs von Salzburg sogar an jedem Wochen-\ntage musicalisches Hochamt mit Streich- und Blas-Instru-\nmenten Statt findet; während hier schon seit Jahren für\nSeelenmessen das absolute Verbot des Orchesters gehand-\nhabt und nur Orgelbegleitung geduldet wird, wodurch\nalle die herrlichen Requiem-Messen unserer grössten katho-\nlischen Kirchen-Componisten in die Humpelkammer ver-\nwiesen sind, hörten wir noch vor Kurzem in München, der\nResidenz des frommen Erzbischofs von München-Ereising,\nbei einer gewöhnlichen Todtenmesse das volle Orchester\nund Frauenstimmen, welche den Sopran und Alt sangen;\ndas Ganze war so würdig und schön, dass wir und\nsichtbar auch alle Anwesenden uns herzlich daran er-\nbauten und unser Gebet mit dem des Priesters und Chors\nvereinigten. Eben so wissen wir, dass in Belgien, wo der\nvon Herrn Stein als Autorität angerufene Cardinal-Erz-\nbisebof von Mecheln die kirchliche Disciplin handhabt, so\nnamentlich in den Kirchen von Brüssel und Lüttich, noch\njedes Jahr am Allerseelentage und am Gedächtnisslage für\ndie September-Gefallenen grosse musicalische Requiems\naufgeführt werden, bei denen die Blech- und Blas-Instru-\nmente so wie die Pauken ungestört die ihnen vom Com-\nponisten zugewiesene Partie ausführen, wissen sogar aus\nauthentischer Quelle, dass ganz dasselbe noch vor Kurzem\nin Gent in der bischöflichen Kirche St. Bavon bei dem\nLeichenbegängniss eines Mitgliedes einer dortigen Patricier-\nFamilie geschah.\nWenn also die Meinungen und die Praxis der Kirchen-\nfürsten selbst in dem Punkte der kirchlichen Musik so weil\naus einander gehen, so mag es uns, dem Laien, gestattet\nsein, in dieser Sache auch ein Wort mitzureden.\nZuerst nehmen wir Act davon, dass das Concil selbst\neinräumt, dass in der Musik grosse Kraft liegt, um die\nGemüther zu bewegen, und es daher gut sei, das Studium\nderselben zu befördern. Wir unterschreiben sodann gern\nden ganzen ersten, im Allgemeinen von dem Charakter\nder Kirchenmusik handelnden Absalz des Decrets. Denn\nauch wir wollen keine Musik in der Kirche, welche pro-\nfane Regungen der Seele hervorbringt, auch wir wollen\nkeinen verwirrten Lärm von Instrumenten und kein\nGeschrei statt Gesang; auch wir halten Theaterstücke\noder reine Instrumental-Svmphonieen in der Kirche un-\npassend. Aber hier in Aachen, so wie in Köln, kam oder\nkommt auch dergleichen nicht vor, und wir glauben eben\nso wenig in den Kirchen zu Trier, Münster, Hildesheim,\nPaderborn und Osnabrück. Das Concil verbietet daher\netwas, was, so viel man weiss, nicht existirt. Die Messen\nund sonstigen Musikstücke, die man in der Stiftskirche zu\nAachen und im kölner Dome seit langen Jahren zur Ehre\nGottes ausführte, waren sorgsam gewählt und entsprachen\nden gerechten Anforderungen im Allgemeinen vollkommen,\nwenn auch Herr Stein von seinem engherzigen Standpunkte\nnoch Einiges daran auszusetzen haben mag; jedoch stellt\neiner fernem vernünftigen Sichtung derselben gewiss nichts\nentgegen.\nDer zweite, vom Choral\nhandelnde Absatz des Decrets veranlasst uns zu folgenden\nBemerkungen. Der Gregorianische Choral ist die älteste,\nin der Kirche seit 1500 Jähren gepflegte und eng mit\nihrem ganzen Ritual verwachsene Gesangform. Er ist\ndurch nichts Anderes für den täglichen Bedarf zu ersetzen;\ndenn er ist einfach, leicht ausführbar und daher für jeden\nKirchenchor, sei es im bischöflichen Dome oder in der\närmlichsten Landkirche, geeignet. Dass er aber im Allge-\nmeinen heiliger und erhabener klinge, als alles, was nach\nihm gekommen ist, zu dieser Ueberzeugung haben wir,\nobgleich wir uns Zeitlebens mit der Ausführung des\nChorals gern beschäftigt haben, noch nicht gelangen\nkönnen. Ohne Zweifel gibt es in unsern Choralbüchern\nherrliche melodische und charaktervolle Stücke. Wir\nnennen z. B. die wahrhaft frommen, poetisch begeistertea\nAntiphonen de beata M. V,die verschiedenen, echt reli-\ngiöse Stimmung aushauchenden Sequenzen, einige Vesper-\nHymnen, einige der sonn- und festtägigen Mess-Introiten,\ndie Messen in duplieibusund\nund vieles Andere noch. Jedoch ist ein viel grösserer Rest\nvon Choralsätzen weit davon entfernt, schön und erhaben\nzu klingen; in den Messen namentlich sind die meisten\nStücke, welche zum Gradual, zum Offertorium und zur\nCommunion vorgeschrieben sind, in melodiöser Beziehung\nhöchst vernachlässigt, trocken und monoton, durch ihre\nellenlangen Notenschwänze ungeniessbar und unseres Er-\nachtens gar nicht geeignet, fromme Gefühle zu erwecken.\nUnd selbst manche der besseren Choralslücke sind durch\nihre Länge und Einförmigkeit ermüdend; das Interesse des\nHörers schwindet nach und nach, und der Gesang hat\nendlich für das Volk nur den negativen Vortheil, dass er\ndasselbe in seinen privaten Andachtsübungen nicht stört,\nwas aber am Ende noch besser zu erreichen ist, wenn\nman gar nicht singt, sondern nur betet. Von einem wirk-\nlichen Durchdringen des Hörers mit heiligen und er-\nhabenen Gefühlen kann verhältnissmässig nur bei wenigen\nChoralstücken die Rede sein. Der Choral ist, wie auch\nalles später-Gekommene, ein Kind seiner Zeit; er übte\nohne Zweifel zur Zeit seines Entstehens, wo man nichts\nBesseres kannte, einen weit grösseren Einfluss auf den\nHörer aus, und wir begreifen es recht wohl, dass man\nsich damals dafür ekstasirte und die Erfinder neuer Ge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.3", "texte": "sänge hochpries, wie wir in vielen Ueberlieferungen der\nGeschichte lesen. Aber tempora m\nin Ulis;der Geschmack, die Auffassungsweise der Men-\nschen, ihre Kenntnisse und Anschauungen haben sich seit\nAaron's und König David's Zeiten bis zu Gregor dem\nGrossen geändert und haben auch seit diesem grossen För-\nderer des Chorals nicht still gestanden, und wenn man\nuns sagt, dass alle im Laufe der ferneren Jahrhunderte in\nGebrauch gekommenen Weisen vor dem Choral an Heilig-\n\" O\nkeit und Erhabenheit zurückweichen müssen, so erkennen\nwir darin nur eine Einseitigkeit sonder Gleichen. Alle\nJahrhunderte haben für den Tempel des Herrn begeisterte\nMusiker hervorgebracht; so wie Gregor in seiner Weise\nund mit den damaligen Errungenschaften der Tonkunst\narbeitete, so haben seine musicalischen Nachfolger jeder\nin seiner Weise und mit den nach und nach neu erstan-\ndenen harmonischen, melodischen und instrumentalen Ton-\nmitteln gewirkt, gesonnen und getrachtet, um den Dienst\nGottes zu verherrlichen, und haben unendlich viel Schönes,\nHeiliges und Erhabenes für die Kirche geschaffen, dem\ngegenüber der Choral nur als ein ärmlicher Nothbehelf\nerscheint, welcher der Kindheit der Gesangskunst ange-\nhört. Man muss wahrhaft blind sein, um dies zu verkennen.\nFreilich sind mit der Erweiterung der musicalischen Mittel\ndie Complicalionen gestiegen, und es ist die Ausführung\nschwieriger geworden. Die Tonschöpfungen der späteren\nJahrhunderte sind daher nur für solche Kirchen anwend-\nbar, wo man die Mittel und die Kräfte hat, sie würdig\nauszuführen. Und darum empfiehlt es sich von selbst, den\nalten, leicht ausführbaren Choral für den allgemeinen, täg-\nlichen Gebrauch beizubehalten, in so fern nicht neuere,\nbefähigte kirchliche Tonsetzer sich des Chorals bemächti-\ngen wollen, um die vielen trockenen und dürren Stücke\nunserer Choralbücher durch Besseres, jedoch eben so\nleicht Ausführbares zu ersetzen. Stammen doch viele der\noben als schön citirten Stücke auch aus späteren Jahr-\nhunderten und gehören keineswegs der Zeit Gregor's an;\nja, sie gefallen uns vielleicht eben desshalb besser,.weil sie\nuns in der Zeit näher liegen. Drum, wie Ihr die neuere\nMusik sichten wollt, so sichtet auch den Choral und ladet\ngeeignete Tonkünstler ein, um die dürren Aeste des Bau-\nmes durch neue, saftige Sprossen zu ersetzen. Dann aber\nlasst den Kirchen, welche die Mittel dazu aufbringen\nkönnen, auch das Hecht, Gott mit den prächtigen kirch-\nlichen Schöpfungen der späteren Jahrhunderte, nicht allein\nmit Menschenstimmen, sondern auch mit künstlichen In-\nstrumentalstimmen in all ihrer Pracht und Mannichfaltig-\nkeit zu verherrlichen, und macht nicht einen Rückschritt\nvon tausend Jahren, weil es Euch beliebt, exclusive Choral-\nfreunde zu sein!\nWenn aber der Gregorianische Choral das tagliche\nBrod für die Kirche sein soll, so ist es recht, dass dafür\nSchulen eingerichtet werden, auch die Organisten gelehrt\nwerden, wie sie ihn begleiten sollen. Denn ist das Treffen\nder diatonischen Choral-Noten auch leicht zu erlernen, so\nkann doch nicht Jeder schon desshalb schön Sinsen, weil\ner die Noten kennt. So gut wie man von der Figural-\noder harmonischen Musik verlangt, dass sie gut ausgeführt\nwird, muss man auch an den Choral die Anforderung\nstellen, dass er mit Würde und Ausdruck von möglichst\nschönen, sonoren Stimmen vorgetragen wird und dass\nnicht, wie in gar vielen unserer Kirchen, einige alte Männ-\nchen mit verschlissenen\", berosteten und (juikenden Stimmen\ndas Volumen des Chors bilden und die Choral-Noten noch\nmit allerhand Zuthaten, Vorschlägen und Schnörkeln nach\nihrem Gusto versehen, Eben so darl man verlangen, dass\ndie geistlichen Herren, welche die Solostimmen am Altar\nder Kirche führen, den Choral zu singen verstehen und\nihn nicht maltraitiren, wie man es alle Tage in unsern\nKirchen hören kann, und zwar oft in einem Grade, dass\nman versucht sein könnte, statt „vere\nest\", zu antworten: „vere indignum et falsurn est11, näm-\nlich die Töne, die sie singen. ■— Dann ist es wirklich an der\nZeit, gute Orgelschulen einzurichten, wo die Organisten\nlernen, ihr Instrument zu behandeln und kirchlich würdig\nzu spielen. Denn es ist in manchen Kirchen, sowohl in\nder Stadt als auf dem Lande, ein Scandal, die ohne alle\nVorbildung gleichsam von der Strasse oder höchstens von\neinem alten Klimperkasten aufgelesenen Organisten das\nhehre, prächtige Kirchen-Instrument in einer Weise be-\nhandeln zu hören, die der Würde des heiligen Ortes Hohn\nspricht. Da gibt es für die Conciliums-Herren sehr Vieles\nzu thun und zu reformiren; erstlich Orgelschulen, zweitens\nSchüler, drittens aber auch ausreichende Gehälter für die\nOrganisten zu schaffen. Denn, wenn man heute noch, wie\nzu Olim's Zeiten, in den Pfarrkirchen der Stadt Aachen\ndem Organisten für fast täglichen Dienst nur sechszig bis\nachtzig Thaler jährlichen Gehalt geben will, so wird es\nschwer halten, Leute von Talent zu bestimmen, Organist\nzu werden und dafür umfassende Studien zu machen; die\nKirchenorgeln müssen dann die Domäne der Stümper blei-\nben, und der öffentliche feierliche Gottesdienst, dessen we-\nsentliches Hülfsmiltel die Orgel ist, muss darunter leiden.\nHier ist also ein wirkliches Feld zu Reformen. Eine\nBemerkung möchten wir noch hinzufügen, die uns nicht\nunwichtig scheint. Es kann zur Erhöhung der Andacht\nin der Kirche gewiss nicht beitragen, wenn Organist und\nSänger und Priester divergirende Ansichten in Bezug auf\ndie Anwendung von Vorsetzungszeichen vor gewissen Leit-\ntönen haben und es dann vorkommt, dass der Organist\n\nI*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.4", "texte": "in der Präfation z. B. fortwährend spielt, während der\nauf die Ansichten des Herrn Stein schwörende Priester\nsingt, der feiner organisirte Zuhörer aber jedes Mal, wo\ndas qui pro quo vorkommt, so etwas empfindet, als ob ihm\nJemand eine kleine Ohrfeige gäbe. Wir wissen recht wohl,\ndass sich die Choral-Fanatiker über Sein oder Nichtsein\ndieser Halbtöne viel herumstreiten; es wäre aber im Inter-\nesse des kirchlichen Gottesdienstes gewiss sehr zu wünschen,\ndass darüber eine feste Norm geschaffen würde, nach wel-\ncher sich alle Organisten und Sänger zu richten hätten.\nDer dritte und vierte Absatz des Decrets geht nun\nnäher auf die harmonische Musik der spätem Jahrhunderte\nein, erlaubt solche Musik zur Auszeichnung der höheren\nFeste, verweist uns aber hauptsächlich auf Gesang\nin der Art, wie sie Palestrina und Lassus geschaffen;\nwünscht man aber Orchester-Instrumente in der Kirche\nanzuwenden, so duldet das Decret einfach das Streich-\nQuartett, und zwar auch dieses nur zur Unterstützung der\nSingslimmen. Das heisst nichts Anderes, als der ganzen\nmusicalischen Kunst, wie sie sich nach dem Zeitalter des\nharmonischen Gesanges a capallmählich entwickelt\nhat, den Laufpass geben. Man sollte Angesichts solcher\nBestimmungen wirklich glauben, die Herren, welche die\nConcil-Beschlüsse abgefasst haben, hätten es darauf abge-\nsehen, das katholische Volk in seinem Fühlen und Denken,\nin seinen Empfindungen und Gewohnheiten um 300 Jahre\nzurückzuschrauben; wir fürchten aber, dass sie das Volk\ndamit nur aus den Kirchen vertreiben. Denn es ist Jedem\nbekannt, und die Kirche hat es stets anerkannt, welche\nAnziehungskraft die Pracht des Tempels und die Herrlich-\nkeit des Gottesdienstes, der Reichthum und die Bedeutsam-\nkeit der Ceremonien, die Feierlichkeit des Gesanges und\nder Musik auf den Gläubigen ausübt. Will man das heut-\nzutage nicht mehr, so muss man zur protestantischen\nPraxis übergehen, alle feierlichen Gewänder ablegen, im\nschwarzen Talar erscheinen und den Gottesdienst so ein-\nfach wie möglich gestalten. Will man aber in anderen\nBeziehungen die Pracht und Herrlichkeit des Hauses Gottes,\nso sehen wir nicht ein, wesshalb man in Hinsicht auf Ge-\nsang und Musik so engherzig ist. Ist die musicalische\nKunst in ihrer ganzen Ausdehnung nicht eine Gabe Gottes,\nund während andere Künste der Kirche dienen, warum\nsoll die edelste derselben, die Musik, zurückgewiesen wer-\nden, wenn sie nicht etwa im aschfarbigen Bussgewande\ndes Chorals erscheint? Wie verträgt sich dieses Bussge-\nwand mit dem strahlenden Feuermeer der Lichter, mit\nden goldstrotzenden Gewändern der Priester, mit den\nprächtigen Gemälden in Rahmen, auf Wänden und Fen-\nstern, mit den Blumen und Stickereien, die den Tempel\nschmücken? Und wenn man so ängstlich ist, ob ein\nschönes, vollständiges Orchester Jemanden in seiner An-\ndacht stören, könnte, glaubt man denn, dass die vorhin ge-\nnannten Gegenstände, die Figuren, die Bilder, die Ge-\nwänder und die Ceremonien nicht auch die Aufmerksam-\nkeit, resp. Neugier der Anwesenden erregen und sie von\nder eigentlichen Andacht abziehen? Und selbst, wenn eine\nschöne (oder auch recht schlechte) Solostimme im Choral\nertönt, wird der Betende mehr oder weniger in seiner An-\ndacht gestört. Will man dies um jeden Preis vermeiden,\nso muss man entweder stillen Gottesdienst halten, densel-\nben aller Pracht entkleiden, oder, wie die Protestanten,\nsich auf Gebet, Betrachtung und einigen Volksgesang\nbeschränken.\nEs ist aber sicher nicht die Absicht der hochwürdigen\nHerren. Sie wollen den Glanz des Hauses des Herrn\nund seines Dienstes; sie haben sich nur in Bezug auf Mu-\nsik durch einige Zeloten oder antiquirte Musiker dahin\nbeschwatzen lassen, dass die neuere. Kirchenmusik der\nTheatermusik gleiche, und sich Gespenster vormalen lassen,\ndie in der Wirklichkeit nicht existiren. Freilich, die Kir-\nchenmusik und die profane Musik bedienen sich derselben\nTonmittel, derselben Formen, gleichwie der Maler sich\nderselben Farben für religiöse und weltliche Bilder be-\ndient; nur der innewohnende Geist ist ein an-\nderer. So ist es übrigens zu allen Zeiten gewesen; immer\nhat innige Verwandtschaft zwischen den kirchlichen und\nprofanen Kunstmitteln bestanden. In den ersten Jahrhun-\nderten der christlichen Aera wanderten die profanen, am\nmeisten beliebten V olkslieder in die Kirche und wurden,\nmit religiösem Texte versehen, Kirchengesang oder Choral.\nMit der Palestrina'schen Musik, der für die Kirche so viel\ngerühmten, gehen die gleichzeitigen weltlichen Madrigale,\nwas Form und Tonmittel angeht, Hand in Hand, es sind\nganz dieselben contrapunktischen Formen. Als später Hän-\ndel seine religiösen, als kirchliche Musik vielfach gepriese-\nnen Oratorien schrieb, hatte er vorher eine Reihe von\nOpern für die Bühne geschrieben; man sehe nach, ob\nsich die Oratorien und die Opern in der Factur der Musik-\nstücke, in den Formen und'angewandten Mitteln nicht wie\nein Ei dem andern gleichen. Und sind die profanen Ar-\nbeiten Sebastian Bach's: seine Fugen für das wohltempe-\nrirte Ciavier, seine Ciavier- und Violin-Sonaten etc. etwa\nin einem andern Stil gesetzt, als seine Orgel-Fugen, seine\nCantaten und Messen? So könnten wir diese Parallelen\nnoch unendlich weiter ziehen. Wenn nun unsere Vorväter\nzu allen Zeiten nichts dagegen hatten, dass Gott mit den-\nselben in ihrer Periode gäng und gäben musicalischen\nKunstmitteln und in demselben Stile gepriesen wurde, wo-\nmit man auch weltliche Dinge besang, wesshalb wollen\nwir es den neueren Componisten, seit deren Fürsten Haydn,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.5", "texte": "Mozart und Beethoven auf der Weltbüline erschienen, übel\nnehmen, dass sie mit den neu erworbenen Kunstmitteln\nund mit ihren neuen, freundlicheren Formen in die Kirche\ngingen und Gott den Tribut ihrer Werke darbrachten?\nWo steht es geschrieben, dass die Kirche je einen edeln\nKunstzweig aus ihrem Gebiete verwies? Es ist diese trau-\nrige Ehre dem Capitel XX der disciplinarischen üecrete\ndes rheinischen Concils von 1860 vorbehalten gewesen.\nSo wie also die alten Kirchenmusik-Formen Kinder\nihrer Zeit waren und den gleichzeitigen weltlichen Formen\nglichen, so ist es auch mit der neueren Kirchenmusik seit\niiaydn der Fall, und es wäre nun zu untersuchen, ob\nder Geist der neueren Kirchentondichter etwa ein solcher\nist, der nicht in die Kirche passt, und hinter dem Geiste\ndes Chorals und der Palestrina-Periode zurückbleibt.\nDie Palestrina-Musik mit ihren fortwährenden Dreikläneen\nund ihrem contrapunktischen Durcheinander ist nach un-\nserer Meinung (wir haben uns Jahre lang mit ihr be-\nschäftigt) noch weit weniger als der Choral befähigt, einen\nausgeprägten Charakter zu versinnlichen oder eine beson-\ndere Stimmung zu erzeugen. Dem nicht musicalisch ge-\nbildeten Zuhörer erklingt eine solche Messe wie die andere,\nimmer nach demselben Schematismus, weil er die kleinen\nUnterschiede in der Figuration nicht unterscheiden kann;\ndie wenigen hinreichend Musicalischen aber wollen das\ncontrapunklische Gebäude des Stückes verfolgen, den Can-\nius Brmus;wo einer ist, heraushören, was oft sehr schwer\nfällt, und fort ist die Andacht; sie haben, wie Herr\nStein sagt, mehr die Kunst, als die Kirche im Auge\ngehabt.\nAber die neuere Kunst, sie hat durch ihren'Reichthum\nan Ausdrucksmitteln in Metrik, Rhythmik, Melodie und\nHarmonie, ihre Modulationen und ihre hundertfältigen\nKlangfarben das rechte Zeug, den Geist, der in dem er-\nhabenen Mess-Texte wohnt, lebendig zu machen und zu\nversinnlichen,, Sie allein hat den richtigen, greifbaren und\nzündenden Ausdruck für das AUeluja, wie für das Mise-\nrere, für den Jubel, wie für die Klage, für die feurige\nLiebe, wie für den festen Glauben. Sie fasst den Menschen\nund hebt ihn himmelan, wenn sie ihr „Gloria in excelsis\nDeo\" ertönen lässt, und sie zwingt ihn, mitzubeten, wenn\nsie singt: „Qui tollis peccata Da\nlällt Choral und Palestrina gewaltig zurück, trotz der ge-\nschraubten Theorie, die Herr Stein uns entwickelt, dass\ndie Kirchenmusik sich stets ruhig und gleichmässig be-\nwegen müsse, die Stimmung je nach den Texlesworten\nnicht wechseln dürfe, dass Lob, Preis, Verherrlichung des\nhimmlischen Vaters und seines göttlichen Sohnes und das\ndaraul folgende Gebet „Erbarme dich\" nach derselben\nLeier abgehaspelt werden müsse. Wo in aller Welt ist\nder kirchliche Hedner, dem ihr zumuthen würdet, seine\nHede ohne Ausdruck oder Betonung, einförmig herzu-\nsagen? Welchen Lindruck würde er aul den Hörer\nmachen? Einen lächerlichen.\nAllerdings geben wir zu, dass nicht alle musicalischen\nMessen dei Neuzeit und nicht alle Stücke jeder einzelnen\nMesse den berechtigten kirchlichen Anforderungen ent-\nsprechen, so wie wir oben gezeigt haben, dass nicht alle\nbis zu uns herabgelangten Choralslücke und es waren\nsicher doch nicht die schlechtesten auf gleicher Höhe\nstehen, und wie bekanntlich zu allen Zeiten nicht allein\nvon den Männern minorum sondern auch von\nMeistern, selbst Palestrina nicht ausgenommen, neben Vor-\nzüglichem, eine Masse Mittelgut geliefert worden ist. Drum\nprüfet, wie die Alten geprüft haben, und behaltet das Beste.\nDie Kirche überlässt die musicalische Charakterisirung ihrer\nlexte dem künstlerischen und religiösen subjectiven\nGefühle des Tonmeisters und hat dies, trotz der ecen-\no C*\ntheiligen Definitionen dos Herrn Stein, zu allen Zeiten ge-\ni\nthan und thun müssen. Sie setzt voraus, dass der Ton-\ndichter fromm ist, und sich, wenn auch Protestant, in die\nkatholischen Anschauungen hineinzudenken gesucht hat.\nindem er sich sonst für ihren Cultus nicht bemühen und\nbegeistern würde. Sie darf aber fordern, dass das, was\nsie in ihr kirchliches Repertorium aufnehmen soll, würdig,\nerhaben, fromme Gefühle erweckend, mit Einem Worte\nfür sie passend sei und eine dessfallsige Prüfung bestehe.\nDie musicalische Messen-Literatur der Neuzeit mit kleinem\nund grossem Orchester ist aber so reichhaltig, dass bald\nein ansehnlicher Schatz des Guten und der Kirche Wür-\ndigen ausgewählt sein wird. Aber das ganze, volle Or-\nchester, wie die Kunst der Neuzeit es geschaffen hat, muss\nin der Kirche bleiben, wie es bisher der Fall war und in\nanderen Ländern noch der Fall ist. Der katholische Gottes-\ndienst hat kein düsteres Muckergesicht, sondern zeigt über-\nall ein freundliches, hoffnungverkündendes Antlitz; er be-\nvorzugt sogar in allen anderen Dingen die hellen Farben;\nwarum soll er die hellen Klangfarben über Bord werfen?\nWarum will man in der Kirche dem Ohr das nicht gönnen,\nwas man dem Auge so bereitwillig gestattet? Wir haben\nnoch nicht gehört, dass man den Kirchen-Malern den Be-\nfehl oder auch nur den Wunsch ausgedrückt habe, ihre\nFiguren in steilen Formen der Heiligenbilder aus der Kind-\nheit der Malerkunst, deren man z. B. im kölnischen Mu-\nseum so manche sehen kann, anzufertigen. Dem Künstler\njeder Art soll man in der Anwendung der Kunst mittel\nFreiheit lassen: diese und jene Instrumente, diese und jene\nStimme, denn es kommt nicht darauf an, dass er diese\nMittel gebraucht, sondern wie er sie gebraucht."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.6", "texte": "Aus Aachen.\nN.\nDen 2. April 186 3.\nDa Alles in diesen Ostertagen sein Gewissen reinigt,\nso will ich auch mein Referentengewissen von der Schuld\nder Saumseligkeit und Vernachlässigung Ihrer Zeitschrift\nund aller derjenigen, die sich im letzten Vierteljahre Cur\nunsere musicalischen Genüsse in Aachen Verdienste er-\nworben haben, befreien.\nDas IV. Abonnements-Concert brachte die poetische\nHochlands-Ouverture von Gade und die überreiche Sin-\nfonie von Franz Schubert, beide in vorzüglicher Aus-\nführung. Ausser dem „Elegischen Gesang\" von Beetho-\nven führten wir zum ersten Male in Deutschland die vor\nKurzem erst erschienene „Neujahrs-Cantate\" von Robert\nSchumann auf, eine Composition, die an Reflexion, Be-\nrechnung und Instrumental-EfFect reicher ist, als an Me-\nlodie. In H errn Lindner aus Hannover lernten wir an\njenem Abend einen ausgezeichneten Violoncellspieler und\nComponisten kennen. Vollendete Technik, Gefühl, Ausdruck\nund Adel sind die Vorzüge seines Spiels, und es ist nur zu\nbedauern, dass er ein wenig in den Fehler der Violoncel-\nlisten unserer Zeit verfallt, ihrem Instrument den Charakter\neiner Violine zu geben. Herrn Lindner's Compositionen, ein\nConcert und eine Serenade, zeigen viel Originalität; eine\nzu reiche Fülle der Instrumentirung thut zuweilen der\nPrincipalstimme Eintrag. Der Erfolg dieses trefflichen\nKünstlers war sehr gross.\nDas V. Concert-Programm enthielt ein neues Werk,\nwelchem in diesen Blättern schon eine ausführliche und\nsehr günstige Besprechung zu Theil geworden ist, das\n„Requiem\" von ß. Scholz, das sich, von ihm selbst di-\nrigirt, auch hier einer sehr warmen Aufnahme zu erfreuen\nhatte. Die Ausführung war in jeder Hinsicht volkommen\nund dürfte gewiss Herrn Scholz anregen, unseren Kräften\nauch andere von seinen Compositionen anzuvertrauen.\nM endelssoh n's Sinfonie-Cantate; „Lobgesang\" beschloss\nden interessanten Abend.\nIm VI. Concert hatten wir einen der edelsten Kunst-\ngenüsse durch den Vortrag des bewunderungswürdigen\nClavier-Concerts in Es-dur von Beethoven durch Herrn\nYVüllner; noch nie hat unser Publicum die Schönheiten\ndieser erhabenen Composition besser würdigen können, als\ndieses Mal, und so hat denn auch jeder Satz durch den\nVortrag, der alle dazu nothwendigen Bedingungen in sich\nvereinigte, einen Enthusiasmus hervorgerufen, zu dem man\nsich hier sonst nicht leicht hinreissen lässt. Durch solche\nVorträge macht man sich wirklich um die Kunst verdient.\nDie anderen Nummern des Programms waren F. Hil-\nler's schöne und frische Composition „Gesang der Gei-\nster über dem Wasser\" und ein hübscher, noch ungedruck-\nter „Zigeuner-Chor\" von H. Marschner, welchen Wüll-\nner geistvoll instrumentirt hatte. Schumann'« Genovefa-\nOuverture und Beethoven's i?-(&<r-Sinfonie zeigten un-\nser Orchester in seinem besten Lichte.\nDie Aufführung der Matthä u s-Passion von J. S.\nBach war für alle Mitwirkende und Zuhörende eine wahre\nFeierlichkeit. Sie hatte noch eine weit grössere Menge von\nZuhörern angezogen, als bei den früheren Aufführungen,\nso dass der grosse Saal Bernarts und dessen Nebenzim-\nmer buchstäblich überfüllt waren. Die Aufführung durch\nein Chor und Orchester von 300 Personen war imponi-\nrend, unser Chor hat den Ruf, den er mit Recht in der\nmusicalischen Welt geniesst, wieder auf würdige Weise\nbekundet und Herr Wüllner einen neuen Beweis seiner\nHingebung an die Kunst und seines Dirigententalents ge-\ngeben. Einem so vollkommen gelungenen Ganzen gegen-\nüber kann man nicht wohl in das Einzelne eingehen. Wir\nbeschränken uns darauf, dass die Solovorträge der Damen\nBüchner aus Köln und Schreck aus Bonn, der Herren\nDr. G unz aus Hannover und Hill aus Frankfurt a. M.\nauf der Höhe ihrer Aufgabe blieben und wiederholten en-\nthusiastischen-Beifall vom Publicum erhielten. Die beiden\nLetztgenannten hatten mit gefährlichen Erinnerungen zu\nkämpfen, haben aber den Vergleich mit Ehren, wo nicht\nmit Vortheil für sich, bestanden. Herr Concertmeister\nFritz Wenigmann hat das Violinsolo in der Arie: „Er-\nbarme Dich\", deren Vortrag durch Fräulein Schreck einer\nder Glanzpunkte des Abends war, recht brav gespielt, und\nauch das Orchester bewies, dass es stets im erfreulichsten\nFortschreiten begriffen ist.\n\nAmalie Bidó.\nFräuiein Amalie Bido, die liebenswürdige Violin-\nVirtuosin, hat in diesem Winter vorzugsweise den Norden\nvon Deutschland und Holstein bereis't und überall die\nrühmlichste Anerkennung und an vielen Orten enthusiasti-\nsche Aufnahme gefunden. Von der Insel Rügen aus, wo\nsie im September mehrere Concerte gegeben, wurde sie\nnach Flensburg zur Mitwirkung bei den Festlichkeiten\nzum Geburtstage des Königs von' Dänemark eingeladen,\nspielte darauf ebenfalls noch im October wiederholt in\nStralsund, dann trat sie in Berlin vier Mal in den Con-\ncerten bei Kroll und zwei Mal in Trio-Soireen auf, con-\ncertirte in Leipzig, Halle u. s. w., und brachte die\nWeihnachtszeit in Hannover zu. Hier hatte sie die Ehre,\nsich bei dem königlichen, ihr sehr huldvoll gesinnten Hofe\nmehrere Male hören zu lassen und trug am 7. Januar"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.7", "texte": "unter Joaclnm's Leitung im Theater Mendelssohn'» Concert\nund ein Rondo von Vieuxtemps vor. Am 16. Januar spielte\nsie zu Oldenburg in dem Concerte der Hof-Capelle mit\nso glänzendem Erfolge, dass sie noch zu einem Hof-Concert\nund zur Mitwirkung in dem Concerte des Singvereins am\n2. Februar eingeladen wurde. Mittlerweile gab sie in\nOstfriesland mehrere Concerte und bereis'te dann Hol-\nland, wo sie zuerst in Amsterdam -und dann in fast\nallen grösseren Städten, wie Haag, Rotterdam, Utrecht\nu. s. w. mit steigendem Beifall auftrat. Gegenwärtig ist\nsie im Begriff, nach London zugehen, und wir wünschen\nder jungen, talentvollen und unternehmenden Künstlerin\nden besten Erfolg!\n\nDr. F. C. Kist ┼.\nDie Nummer 7 der „Cacilia\", der allgemeinen Musik-\nZeitung von Niederland (Rotterdam bei J. van ß aalen\nund Söhnen) bringt an ihrer Spitze folgende Anzeige:\n„Wird dieses Mal über den Spalten dieser Zeitschrift\nder Name desjenigen vermisst, der sie ins Leben rief und\neinen grossen Theii seines eigenen Lebens ihr widmete,\nso müssen die ersten Zeilen des heutigen Blattes der be-\ntrübenden Nachricht eingeräumt werden: Dr. F. C. Kist,\nder Gründer und Redacteur der Cacilia, ist am 23. März\nd. J. in seinem 67. Altersjahre ganz unerwartet seiner\nFamilie und seinen Freundeskreisen durch den Tod ent-\nrissen worden.\n„Diese einfache Mittheilung des Ereignisses spricht\nfür den Augenblick deutlich genug die Grösse des Ver-\nlustes für Jeden aus, der die Kunst liebt und die wahr-\nhafte uneigennützige Liebe und Tbätigkeit zu würdigen\nweiss, welche der Dahingeschiedene ihr in so umfassendem\nMaasse und so kräftiger Weise widmete. Nicht in weni-\ngen Worten aber, sondern erst in einer seinem Gedächt-\nniss geweihten ausführlicheren Schilderung kann ans Licht\ngestellt werden, was Kist in seinem Leben und Wirken\nfür die Kunst in Niederland und namentlich für diese Zei-\ntschrift gewesen ist. Die Kunst war sein Leben; ihr waren\nnoch seine letzten Stunden gewidmet. Noch erfüllt von\nihren Eindrücken, legte er sich am letzten Abend seines\nLebens zur Ruhe nieder, um im Reiche der ewigen und\nreinsten Harmonie zu erwachen. Dort, befreit von der\nihn oft drückenden und beengenden irdischen Hülle, schaue\nsein Geist die Ideale, die er auf Erden nur ahnen konnte.\n„Seine körperlichen Reste wurden von Utrecht nach\nDelft gebracht ujnd dort am 27. März bestattet. Er ruhe\nin Frieden!\"\nDie Mitarbeiter, weiche dem ür. Kist seit Anfang die-\nses Jahres zur Seite gestanden und bei der geschwächten\nGesundheit desselben den grössten Theil der Redactions-\narbeit bereits übernommen hatten, haben sich nach dessen\nTode als wirkliche Redaction constiluirt, um die „Cacilia\"\nin derselben Form und in demselben Geiste fortzusetzen.\n(Verlag: Rotterdam bei J. van Baalen & Zoonen.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas mittelrheinische Musikfest soll wieder ins Leben\ntreten, was jedenfalls sehr erfreulich ist. Es wird dieses Jahr in\nDarm Stadt am 16. und 17. August Statt finden.\nJ. A. Stargardt in Berlin (Jägerstrasse 24) hat ein Verzeich-\nnis s einer Sammlung von musicalischen, hymno logischen\nund liturgischen Werken herausgegeben, welche bei ihm zu\nden beigesetzten Preisen zu haben sind. Es enthält sehr werthvolle\nältere una neuere Werke, auch manche Curiosa in Manuscripten und\nMiniaturen.\nSchumann, über Wagner. In einer Beilage der letzten Num-\nmern der „Deutschen Musik-Zeitung\" (Nr. 52 d. J. 1862), in wel-\ncher Herr Carl van Bruyck die Anmassungen des Herrn Jul.\nSchäffer in dessen Apologie und Apotheose des Lieder-Componisten\nEob. Franz („Zwei Beurtheiler Robert FranzV) energisch zurück-\nweist, wird folgende briefliche Aeusserung Schumann's aus dem Jahre\n1853 (vom 8. Mai) angeführt, die völlig mit dem übereinstimmt, was\ndie Niederrheinische Musik-Zeitung um dieselbe Zeit in aufiihrliche-\nren Artikeln über 11. Wagner's Musik gesagt hat. Schumann schreibt:\n„Wagner ist, wenn ich mich kurz ausdrücken soll, kein guter Mu-\nsiker; es fehlt ihm an Sinn für Form und Wohlklang. Aber Sie\ndürfen ihn nicht nach Clavier-Auszügen beurtheilen\" (bis zum Jahre\n1853 war nämlich noch keines der Wagner'sehen Werke auf der\nwiener Opern-Bühne gegeben worden). „Sie würden Sich an vielen\nStellen seiner Opern, hörten Sie sie von der Bühne, gewiss einer\ntiefen Erregung nicht erwehren können. Und i.st es nicht das klare\nSonnenlicht, das der Genius ausstrahlt, so ist es doch oft ein ge-\nheimnissvoller Zauber, der sich unserer Sinne bemächtigt. Aber,\nwie gesagt, die Musik, abgezogen von der Darstellung, ist gering,\noft geradezu dilettantisch, gehaltlos und widerwärtig, und es ist\nleider ein Beweis verdorbener Kunstbildung, wenn man im Ange-\nsichte so vieler dramatischer Meisterwerke, wie die Deutschen aufzu-\nweisen haben, diese neben jenen herabzusetzen wagt.\"\nFriinkfoiH am iffftiil« Aus dem Referate im Conversa-\ntions-Blatte vom 12. März über das jüngst vom Liederkranz zum\nBesten der Mozart-Stiftung gegebene Concert mag folgende\nStelle der Betrachtung empfohlen sein: „Zwischen diesen Liedern\n(von Dr. Grunz aus Hannover gesungen) ertönten die ernsten Klänge\neines Sanctus und Agnus Dei aus dem Bequiem für Männerstimmen\nvon Cherubini, vom Liederkranz und dem Orchester sicher und rich-\ntig nuancirt vorgetragen, ertönten aber auch die frivolen\nKlänge eines Walzers von Venzano, gesungen von Fräu-\nlein Röhn aus Mannheim. Dass Fräulein Röhn damit Furore\nmachte, beweist nur, wie leicht empfänglich der Sinn des Publicums\nund wie verschieden der Geschmack ist.\"\nAber, wie verhält es sich mit dem Sinn und Geschmack des\nLiederkranzes, der ein solches Programm aufstellt und ausführen\nlässt?!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630411-01.1.8", "texte": "7. April. Am Charfreitag war Emanuel Gei-\nbel hier, um sich mit dem Componisten seiner Operndichtung\n..Lorelei\", Herrn Max Bruch, wegen einiger Aenderungen und\nErgänzungen im Texte zu besprechen: eine solche Verständigung\nzwischen dem Dichter und Musiker ist ein erfreuliches Zeugniss\nwechselseitigen Entgegenkommens, das dem Ganzen nur förderlich\nsein kann und trotzdem bisher in Deutschland nur allzu oft\nverabsäumt worden ist. Die „Lorelei\" wird hier im Laufe des\nMonats Mai zur Aufführung kommen. Herr Bruch hat im Oster-\nConcert durch den brillanten Vortrag des Clavier-Concerts von\nHermann Levy, Op. I, auch grossen Erfolg als Pianist gehabt.\nTlailillieiisi. 8. März. Heute Abend verschied nach kurzem\nLeiden der Hoftheater-Maschinist Mühldorf er, Ritter des königlich\nHannoverschen Civilverdienst- und und des Zähringer Löwen-Ordens\nein Mann, der nicht nur als Restaurator des hiesigen Schauspiel-\nhauses, eines der schönsten, freundlichsten und geräumigsten für eine\n•Stadt von unseren Verhältnissen, sich hier einen bleibenden Namen\nerworben hat, sondern durch das Sinnige und Prächtige seiner Deco-\nrationen und Maschinerieen, besonders in der Feen-Oper, weit über\nunsere Heimat hinaus seinen Ruf verbreitete. Vom einfachen Schreiner-\ngesellen hat er sich so weit emporgeschwungen, dass Paris seine\nEinrichtung für „Dinorah\" bewunderte, dass Bucharest und Klausen-\nburg ihre Theater von ihm einrichten Hessen, dass München und\nHannover von seinen Scenerieen verlangten. Und wenn der Tod\nirgendwie ein Glück zu nennen ist, so darf er es im vorliegenden\nFalle genannt werden, da er ihn vor den Leiden einer hoffnungs-\nlosen Krankheit bewahrte und aus dem Leben gerade in dem Augen-\nblicke abrief, da ein Augenleiden ihn seinem Lebensberufe schon\nentrissen hatte.\nIm Leipziger Stadttheater gelangte am 29. März ~Der Abt\nvon St. Gallen\", Oper in drei Acten, Text von G. Franz, Musik\nvon F. Hertlier, zur ersten Aufführung.\nBerlioz befindet sich gegenwärtig in Weimar, um der Auf-\nführung seiner Oper: „Beatrice et Benedict\" beizuwohnen.\nton« Am 27. März brachte die Gesellschaft der Musikfreunde\nin einem Abend-Concerte ein neu aufgefundenes Oratorien-Fragment\n„Lazarus\" von Franz Schubert zur Aufführung, welches mit ge-\nspannter Aufmerksamkeit angehört und theilweise mit lebhaftem Bei-\nfalle aufgenommen wurde. Wir können dessen ungeachtet in die Lob-\npsalmen nicht einstimmen, die bei dieser Gelegenheit, wie immer,\nwo es einen S c h u bert'sehen Nachlass zu heben gilt, angestimmt\nwurden. Mit dem „häuslichen Krieg\" war seinerzeit allerdings ein\nJuwel sonder Gleichen entdeckt worden, nicht so mit dem\n„Lazarus\". Jenes war in seinem Genre dem des Singspiels\netwas Vollendetes, das erste Beispiel vielleicht seit Mozart eines\nso überströmend reichen Melodieenschatzes im Vereine mit so viel\ndramatisch-musicalischer Charakteristik. Das „Lazarus\"-Fragment\nhingegen zeigt uns einen Versuch des Liederfürsten auf einem sei-\nnem Naturel sehr fern liegenden Gebiete, einen Versuch ganz eigen-\nihüm lieber Art, dem wir manche interessante Wahrnehmung, aber\nkeine höchste künstlerische Befriedigung abgewinnen können. Nach\ndem vorgeführten Fragmente zu urtheilen, hat Schubert sein Ora-\ntorium von vorn herein nicht in dem Stile angelegt, wie er zur Be-\nhandlung biblischer Stoffe historisch berechtigt und auch erfahrungs-\ngemäss angezeigt scheint. Er hat sich vielmehr unbedingt auf ent-\nschieden romantisches Gebiet begeben, sein Oratorium bewegt\nsich ausschliesslich innerhalb jener süss unstäten Stimmung, jenes\nzauberisch narkotischen Duftes, jener halbdunklen Mystik, die später\ntheilweise in Wagner, theilweise in Schumann ihren Gipfelpunkt\nund ihre Opfer gefunden hat. Eine Monotonie, die theilweise aus\nder Natur des uninteressanten Textes, tjieils aus der recitativiscli-ariosen\nBehandlung, die namentlich zu Anfang vorwaltet, entspringt, lässt\ndie reichen melodischen Schönheiten nicht zu voller Wirkung ge-\nlangen. (W. Ree.)\nSicherem Vernehmen nach hat es von den beinahe bis zu den\nOrchesterproben gediehenen Vorkehrungen, Wägner's „Tristan und\nIsolde\" im Hof-Operntheater zur Aufführung zu bringen, nun-\nmehr definitiv sein Abkommen gefunden, und zwar in Folge der\nvon der Sängerin der Isolde abgegebenen Erklärung, dass die Partie\nüber ihre physischen Kräfte gehe. Diese Kunde dürfte den Compo-\nnisten kaum angenehm überraschen. Die Mühe monatlanger Studien\nwäre somit leider eine zwecklose gewesen, abgesehen von den Ver-\nlegenheiten, welche daraus dem laufenden Repertoire erwuchsen, und\nden kostspieligen, dabei ungenügenden Aushülfen, die herbeige-\nzogen werden mussten, um jene Verlegenheiten zu paralysiren.\nNach der „Lalla Rookh\", welche Aussicht hat, bald nach den Oster-\nferien in die Scene zu gehen, soll eine Reprise der „Stummen von\nPortici\" mit Ander als Masaniello beabsichtigt werden. (81. f. Th.)\nDie Wiener Sing-Akademie veranstaltete am Chardinstag\ndie zweite Aufführung der Bach'schen „Passions-Musik\" nach dem\nEvangelium Matthäi und bescliloss mit derselben auf eine höchst\nwürdige Weise ihre diesjährige, von ehrenwerthen Erfolgen gekrönte\nWirksamkeit. In Anbetracht der Schwierigkeiten, denen dieses\nschöne Institut seit nahezu zwei Jahren namentlich durch die Krank-\nheit seines artistischen Leiters, des verdienstvollen Chormeisters\nFerdinand Stegmayer, unterworfen war, kann es nur das Ver-\ndienst der tüchtigen Vereinsleitung sein, wenn die Mitglieder unge-\nachtet der verlockenden modernen Musik das prineipiel eingeschla-\ngene Streben nach Pflege und höchster Ausbildung der classischen\nKirchenmusik mit unermüdlichem Eifer und liebevoller Aufopferung\nunterstützen. Die Matthäus-Passion wurde der umsichtigen Leitung\ndes Herrn Concertmeisters Jos. II ell me sb erger anvertraut, der\nseine schwierige Aufgabe höchst anerkennenswerth durchführte."}]}