{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-04-18-01", "volume": "bmtnabi_1863-04-18_01", "ocr_sha256": "79205244d85222a5dc0ff1dd319c2ce7ca976890c9683b6ea6d55c97eefe818a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/04/18_01/bmtnabi_1863-04-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-04-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 458, "texte": "Inhalt.\nGluck und die Oper. Von E. Krüger. Das Universal-Lexikon der Tonkunst von Eduard Bernsdorf. Von A. Schin dler.\nJulias Grunwald f. Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Sivori Mu-\nsikfest in Königsberg Liegnitz, Jean Vogt Darmstadt, Concert Mannheim, Fest-Cantate München, Fräulein Molique, Lalla\nEookh Leipzig, Matthäus-Passion Wien, Theater Bern, Concerte Paris, Thalberg Wagner's Concerte in Petersburg."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-18_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-04-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "125", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.2.2", "titre_corps": "Gluck und die Oper", "titre_sommaire": "Gluck und die Oper", "signature_source": "E. 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Allerdings fordert die ab-\nsonderliche Darstellungsweise des Verfassers, die pathe-\ntische Rhetorik, das unverhohlene Herauskehren der Sub-\n*\njectivität, die unmässige Breite und selbstwiederholende\nEinseitigkeit in Stil und Inhalt natürlich dazu auf, dem\npositiven Gewinn, der aus solchen Erörterungen fliesse,\ndesto nüchterner nachzuspüren; denn am letzten Ende\nmuss ja doch über jede wie sehr auch verfehlte Aus-\ndrucksweise der Gehalt, wo er irgend vorhanden ist, sich\nsiegreich behaupten. Bei dem allem jedoch würde die\nKritik schwerlich so weit aus einander gehen, wenn nicht\nbesondere Zeit-Gegensätze hineinspielten, die, wie sie jetzt\nstehen, unversöhnlich scheinen.\nDas Buch theilt sich in 5 Bücher: I. Vorbereitungen.\n11. Italische Zeit. 111. Beformation der Oper. IV. Die\nfranzösische Zeit. V. Der Ausgang. Die Unterabtheilun-\ngen der Bücher sind bezeichnet mit pikanten „Rubra über\ndie Stücke\" in novellistischem Stil, ähnlich wie in des Ver-\nfassers „L. van Beethoven\".\n„I. Vorbereitungen\" enthalten geschichtsphilosophische\nBetrachtungen über Musik, musicalisches Drama, Geist\nder Menschheit, Beruf, Gluck's Herkunft, Bildung, Zeitge-\nnossen, italische Oper u. s. w. Verdienstlich mögen wir\nes achten, dass hier viele, fast alle Fäden, die in dem wun-\nderbaren Gewebe hoher Kunstwerke zusammenlaufen,\nsorgfältig erlesen und gestrählt werden zu immerhin an-\nziehendem Geflechte; schädlich wirkt jedoch eben das, was\nMarx für den Herzschlag seiner Darstellungen hält, diese\nimmerwährende Berufung auf geschichtliche Nothwendig-\nkeit, Beruf der Zeit, der Kunst, des Künstlers, und wie\ndies und das gar nicht anders kommen konnte etc. Der-\ngleichen fordert den Zweifel heraus und verrennt sich selbst\nin Widersprüche: mindestens ist diejenige Freiheit der\nVölker, die der Verfasser, wie er pflegt, am Schlüsse sei-\nnes Werkes prophetisch herbeiruft, mit der unbedingten\nGesehichts-Nothwendigkeit nur durch schillernde Sophistik\nvereinbar. Den grösseren Theil des ersten Buches bil-\nden Erzählungen aus dem Zeitalter, den Bühnen- und\nVolkszuständen in Deutschland und Europa etc., zuletzt\ndie allgemeine Andeutung von Gluck's Beruf, dass er\nnämlich das „eigenst gemässe Organ\" gewesen für die\nAufgabe, das Musikdrama zu reformiren, das Organ, das\n„der arbeitende Geist der Menschheit sich geschaffen zu\ndiesem bestimmten Zwecke\" (S. 10. 11. 455). Wo wird\ndas bewiesen ? In der Geschichte, Wie beweist es die\nGeschichte? Aus dem einleitend construirten Gedankenbilde\nder Persönlichkeit. Bei diesen und ähnlichen Anlässen\nverwendet der Verfasser die allerhöchsten Worte in feier-\nlichstem Ernst: Priester, Prophet, Altar, Sendbote, Gott-\nheiten, Mission nicht anders als Graf L a urencin in sei-\nner Harmonik. Solcher Missbrauch ist zu rügen desto\nstrenger, je verbreiteter er ist: in solchen tropischen Re-\ndensarten liegt verborgen, dass dem Sprecher sein Beruf\nnicht bloss heilig, sondern das einzig Heilige ist.\nGluck's Person ist gut geschildert, theils aus den\nErzählungen des gemüthlichen, gar nicht philosophischen\nAnton Schmid (C. W. Ritter v. Glück etc. Leipzig,\n1854), theils aus den zeitgenössischen pariser Berichten;\neigene Quellenforschungen im Punkte des Biographischen\ntreten nicht hervor, daher dann manche Züge aus poeti-\nscher Phantasie ergänzt und farbenreich ausgemalt wer-\n\n*) Von Adolf Bernhard Marx. Mit Gluck's Bildniss, seinem\nAutograph und Musik-Beilagen. I. Th. 464 S. 11. Th. 384 S.\nnebst 80 S. Noten-Beilagen. Berlin, Otto Janke, 1863. 8.\nYergl. Niederrheinische Musik-Zeitung 1862 Nr. 22 und 23."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5413, "texte": "den. Gluck's eigentlicher Musikgenius war „knapp ge-\nmessen\" (1, 11. 2, 67. 147. 313). Ueber seinen\ninneren Bildungsgang ist wenig auszumitteln, weil Gluck\nerst im 18. Lebensjahre sich für die Kunst entschieden,\nbald als Musicant umher gezogen, dann 4 Jahre lang San\nMartini's Unterricht genossen, darauf seinem Berufe prak-\ntisch gelebt, eigene Tagebücher aber nicht hinterlassen\nhat. Die zusammenfassende Beschreibung von seiner Art\n*\nund Kunst 2, 306 323 enthält vieles Interessante; un-\nbequem sind jedoch die Wiederholungen und die gar sehr\nin abstracten Psychologemen sich ergehende Darstellungs-\nweise, wogegen die concreten Mitteilungen und Exegesen,\nwenn auch bestreitbar, doch immer anregend sind. Dank-\nbar nehmen wir auch die reichlich gebrachten Beispiele\nentgegen: nur einige Mal wünscht man sie vollständiger,\nbei kritischen Beweisführungen, z. B. 2, 228. 2, 79.\n80. Anderes Persönliche zwischenein gestreut ist mit\nbegeisterter Theilnahme geschrieben, Anekdoten nicht zu\nviel, Zeitbetrachtungen nebst Parallelen, Beflexionen etc.\nreichlich eingefügt. Besonderes Gewicht legt der Verfasser\nauf die von Haus aus mitgebrachte „D ien stl ichke i l\"\nseines Helden, kraft welcher er trotz künstlerischen Selbst-\ngefühls dem Adel, dem Hofe, dem Publicum dienstbar\ngewesen, zumal in dem elendigen damaligen Deutschland,\nwie es aus Schlosser's Geschichte des 18. Jahrhunderts,\nals untrüglicher Quelle, abgemalt wird (1, 154. 155.\n211. 2, 133). Es war kaum nöthig, dies so oft zu\nversichern ; unangenehm werden aber solche Erwägungen,\nwenn zu dem dienstlichen Charakter der ehrgeizige, nach\nRang und Reichthum dürstende dargestellt, und dann\njener mitleidig entschuldigt, dieser dagegen für wohlbe-\nrechtigt erklärt wird, 2,147. Vergl. die Ordensgeschichte\n2, 214. 267, mit zeitgemässer Verspottung des sklavischen\nOrdenswesens.\nDas 11. Buch, überschrieben „Italische Zeit\", erzählt\nvon der vor-reformatorischen Periode des Künstlers, wo\ner, dem Zeitgeschmacke „dienstlich\" ergeben, allerlei Wil-\nsches Zeug componirte, Zauberopern, Schäfer- und Bitter-\nspiele, Ballets; Andeutungen anderen Strebens kommen\ndaneben vereinzelt und allmählich hervor als „Erwachen\nund Aufrichten zum Fortschritt\" in den eigenen Idealen\nund im Anlehnen an andere Grössen, namentlich Rameau\nund Händel. Von dem Letzteren \"hat Gluck wenig empfan-\ngen ; da auch Händel sich zu ihm, Anfangs abwehrend,\nspäter gnädig proteclionistisch verhielt (1, 133), so hat\nGluck von ihm in der Thal wenig „davongetragen\", doch\nwar die Frucht seiner londoner Reise, dass er „von Händel\nschied als ein Gehobener und Gekräftigter\" (1, 150)!\nDas 111. Buch: „Reformation der Oper\", ergeht sich\nnun mit grosser Kühnheit im Gebiete der historischen Con-\nstruction: es ist der Wendepunkt von Gluck's Künstler-\nschaft, eingetreten während des wiener Lebens 1760, wo\ner an seinem bisherigen Treiben Ungenüge empfand, so\ndass es ihn anders wohin trieb wohin? ahnte er nur,\nda sein Eigenstes ihm in der „Semiramis\" und im „Tele-\nmach\", den wälsch gesinnten Opern, zum Bewusstsein ge-\nkommen sein „musste\" (284.285). Dieses „Musste\"\nist nun unserem Verfasser so unzweifelhaft, dass es „mit\npsychologischer Notwendigkeit voraus zu sagen\" war\n(286). Hinfort waltet dann die „logische Notwendigkeit\nder Geschichte\" durch einen grossen Theil des Werkes,\nnamentlich bei allen Wendepunkten, unerklärlichen Er-\neignissen, Fortschritten (vergl. 1, 7. 37. 286. 175. 304.\n2, 14. 94. 344. 377) etc. welchem allem man\nnur dann getrost beistimmen kann, wenn die Not h wen-\ndigkeit der Sache selbst zuvor erwiesen ist, z. B.\nDass es überhaupt ein musicalisches Drama geben müsse.\n.Wer d iese nicht erkennt, wird über jene Beweisführungen\ngleichgültig hinweg gleiten; wer sie aber annimmt oder\nanerkennt, wird sich doch erlauben, zu zweifeln, ob es mit\njener Cirkelbewegung „die Sache war nothwendig, also\nkam sie zu rechter Zeit vom rechten Manne\" und :\n„Der Mann war dazu berufen, also geschichtlich noth-\nwendig\", denn wirklich seine Richtigkeit habe. Uns scheint\nder Schade da zu liegen, wo auch andere Schäden ver-\nborgen sind; alle geistvolle Construction der Geschichte\ngeräth auf Abwege, wenn sie nicht entweder die Offen-\nbarung des lebendigen Gottes zum Ausgang nimmt und\nihr mit Demuth nachspürt: oder mit wirklich metaphysi-\nschem Scharfsinn sowohl das Ding als sein Werden und\nWesen ab -ovobeweiset. Letzteres aber kann selbst im\ngünstigsten Falle doch nur von allgemeinen Ideen, nicht\nvon einzelnen Ereignissen und Menschen mit einigem Er-\nfolge gelingen.— Es ist durchaus nicht befremdend, wenn\ndicht neben diesem scheinbar spinozistischen Logos sich\neben so unbefangen der zeitgemässeste Radicalismus gel-\ntend macht, um unter dem Horte jenes ehernen Schildes\ndesto nothwendig-freier sich zu geberden. Harmlos mögen\nnoch die Anspielungen auf eitle Wachtparaden, legitime\nKronerben, Volkswillen und dergleichen moderne Remi-\nniscenzen mitgenommen werden (1, 246. 293. 2, 79.\n200. 266); nicht so gleichgültig sehen wir aber anderswo\ndie überwundenen Standpunkte Voltaire's und Rousseau's,\nso auch das Volk in Waffen, die Marseillaise (2, 76. 103.\n235 etc.) zu glühenderer Färbung verbraucht. Und zu\ndem allem das mattgesungen alte Lied von deutscher Nie-\nderträchtigkeit (2, 22. 105. 107), während das, wenn\nauch verfaulte französische Volk doch gelegentlich ge-\nhätschelt wird (z. B. 2, 117 und öfter).\nDie weitere Analyse des pariser Novellenstils, in wei-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5450, "texte": "ehern die romanischen Kurzzeilen Alex. Dumas' und\nVictor Hugo's mit Behaglichkeit nachgeahmt werden,\nfast wie in den Mozart- ,und Bach-Romanen unserer deut-\nschen Novellisten, erlassen uns die Leser wohl. Wenden\nwir uns zu den gehallvolleren Seiten des Werkes, der po-\nsitiven Darstellung künstlerischer „Thaten\", der techni-\nschen Entwicklungen, der ästhetischen Kritik.\nVon dem, was Gluck geleistet, ist eine vollständige\nUebersicht gegeben : indem wir das mit Dank anerkennen,\nbeklagen wir doch die Weitschweifigkeit, mit der auch\ndie geringeren Arbeiten durchgenommen werden, während\nvon den vorzüglichen gern mehr gehört wäre, namentlich\nvon den Peripetieen der beiden Iphigenien, der Armida und\ndes Orpheus. In der Beurtheilung der einzelnen Melodieen\nzeigt sich oft ein feiner Tact und eine absonderliche Bild-\nsamkeit der Sprache, das Verborgene auszusagen. Diese\nästhetische Kritik ist auch in früheren Arbeiten un-\nseres Verfassers, wenn man einige Ueberschwänglichkeiten\nabrechnet, das Gelungenste; dem grösseren Theile kann\nman beipflichten; Einzelnes wird immer streitig bleiben.\nDass man durchaus Compo nist sein müsse, um ein\nsicheres Urtheil zu finden (2, 231), mag zugestanden wer-\nden, sofern der Sinn ist: wer sich niemals selbst versucht in\neigenem Werk, wird auch Anderer Werke nie vollkommen\nbegreifen; soll es aber heissen: Nur ein genialer,\nmindestens namhafter Componist hat das RechJ, mitzu-\nsprechen dann trifft der Spruch nicht, da manche\nschöpferische Künstler fremdes Werk misskennen, während\numgekehrt unser Verfasser seinen Ruhm und sein Urtheils-\nrecht keineswegs durch seine Compositionen erworben\nhat. Dass aber kritische Gabe und Gesinnung mit philo-\nsophischer oder künstlerischer nicht immer verbunden ist,\ndavon sehen wir neuerdings immer eindrücklichere Bei-\nspiele.\nBei jenen ästhetischen Erörterungen wird mehrmals\ngeeifert wider die Rem i niscenzen-Jägerei; Iheilweise\nmit Recht, da dergleichen oft sehr kindisch arfgestellt wird\nund ein vernünftiger Maassstab nicht eben leicht zu finden\nist; ungerecht aber ist, dem tiefer erfahrenen Chrysan-\nder aus der Nachweisung mancher Reminiscenzen bei\nHändel einen Vorwurf zu machen (1, 205. 228., vergl. 94.\n202), da einerseits Händel's Zeitalter, wie Chrysander so\ntreffend sagt, von der „Originalitätssucht\" späterer Zeiten\nziemlich frei war, gleichwie Phidias, Raphael und Pale-\nstrina, andererseits aber eben hier ein sehr wesentlicher\nUnterschied Statt findet auch zwischen gleichzeitigen eben-\nbürtigen Künstlern. Hat doch Händel und Mozart häufi-\nger als Bach und Beethoven solche Selbstwiederholungen,\ndie ihnen ganz wohl kleiden und keineswegs wegzuläugnen,\nsondern vielmehr psychologisch zu begreifen sind aus dem\nUnterschiede der Künstlernaturen : je nachdem der Ein-\nzelne mehr die Darstellung der Schönheit oder die ge-\ndankenvolle Charakteristik zur Lebensaufgabe macht, wer-\nden die verweilenden oder fortschrittigen Momente, das\nmodelhaft .Normale oder das subjectiv Excentrische mehr\nhervortreten. Die Forderung, dass in jedem Kunstwerk\nAlles neu und selbst erfunden sei, ist von Shakespeare's\nbis Händel's Zeit nie unbedingt weder von Künstlern noch\nvom Publicum s<f aufgestellt, wie in der folgenden Epoche,\nwelche sie-h selbst den Ehrentitel der Genie-Periode erfand,\nund wo jeder, der Etwas heissen wollte, mindestens ein\nOriginal sein musste. Uebrigens hat Schiller im Teil eben\nso unbefangen ganze Scenen aus älteren Volksbüchern ent-\nlehnt, wie einst Shakespeare aus Chaucer.\nEin anderer ästhetischer Fragepunkt, der noch in der\nSchwebe, ist die Entscheidung über gewisse übliche Kunst-\nformen, die sich im Verlaufe der Geschichte zu typischen\nFormunterschieden zu verdichten scheinen. Marx verhan-\ndelt öfter über die Namen Ouvertüre, Sinfonie, Sonaten-\nform, Intrade und ähnliche. Sie beruhen auf historischer\nBeobachtung und erwerben ihre Namen als ein Gewohn-\nheitsrecht; irrthümlich werden sie aber von Einigen als\nlogisch bestimmbare Arten, von Anderen als ethisch\nbestimmende Normen angesehen. Dies führt zu leerem\nGezänke und nutzt der Kunst und ihrer Lehre gar wenig.\nDie in Marx Compos.-Lehre Ed. IL 3,91 ... aufgestellten\nBeschreibungen der Rondo-Formen sind interessant ent-\nwickelt, maassgebend aber schwerlich; auch sind sie trotz\nihrer mannigfaltigen Exemplificationen schwer festzuhal-\nten und zu begreifen, namentlich in Bezug auf die Hang-\nordnung der sogenannten fünf Rondo-Formen, denen\nschliesslich die Sonatenform als höhere oder höchste, gleich-\nsam sechste, hinzutritt; so dass Marx selbst in gegebenem\nFalle bei erster Hörung eines neuen Werkes gar schwer-\nlich die Rangnummer angeben würde; vergl. hier u. A.\n2, 84 Anm. Die Entscheidung über die Kategorie — das\nSchubfach, wo ein Werk hingehört, z. B. ob ein Satz mehr\nSonaten- oder Sonatinenform habe (1, 238) — ist der\nKunstwissenschaft an sich vollkommen gleichgültig\nund hat keinen vernünftigen Sinn, als etwa zum Hülfsmittel\nder historischen Kritik, wenn ich z. B. entscheiden soll,\nob das hier Genannte zu seiner Entstehungszeit Ouvertüre\nheissen konnte, daher echt sei oder nicht. Eine klare De-\nfinition ist um so weniger möglich, da die Meister selbst,\nund namentlich Händel und Bach, die Kategorieen sehr\ngleichgültig behandeln; am allerwenigsten ist Lob oder\nTadel daran zu knüpfen, ob einer die Schuldefinition er-\nfüllt habe, ob das Ding da „verdiene\", eine Sonate oder\nOuvertüre etc. zu heissen.\nGeistreich ausgeführt sind manche technische Er-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5172, "texte": "örterungen über Accorde, Tonarten und Verwandtes.\nKönnen wir auch bezüglich der None und ähnlicher Ver-\nhältnisse, die seit Weber und Marx in eine unnatürliche\nStellung hinein dogmatisirt sind, nicht durchaus beistimmen:\nso freuen wir uns desto mehr der naturgemässen Lehren\nvom übermässigen Dreiklang, der chromatischen Scala etc.\n(1, 73. 426), welchen sich alle nicht von falscher Romantik\nangesengte Leser mit uns anschliessen werden. Hervorzu-\nheben ist die dem 2. Bande angehängte Charakteristik\nder Tonarten, die manches gute Neue bringt, anderes\nAlte lichtvoll zurecht stellt. Von Recitativ und Decla-\nmation, namentlich französischer, ist eingänglich gehandelt\n1, 65. 72. 126; vom Vocalen und Instrumentalen wieder-\nholentlich, wo jedoch ein Tadel der Händel'schen Or-\nchestration 1, 136 eben so wenig gerechtfertigt erscheint,\nals etwa zum Don Juan, wo einst Nägeli vergeblich Ein-\nspruch that gegen die klarsten, lieblichsten Tonbilder, in\ndenen Mozart Person und Umgebung, oder auch Wirklich-\nkeit und Lüge oft so treffend entgegen stellte, nachdem\nGluck's Orest vorangegangen war (2, 279v vergl. 1,419).\nWorin die vollkommene Dramatik in Gluck besiehe,\nwird vieler Orten lebhaft untersucht. Nicht ausreichend\naber ist es hier, zu sagen, Gluck wolle Leidenschaften er-\nregen (2, 244) und ihm genüge nur, was Blut ziehe (1,\n113, tira sangue); von dem Wesen der handelnden\nDichtung, welche einer bestimmten ethischen Aufgabe\nnachringt in bestimmten Stufengängen vom Grunde bis\nzum Gipfel, und wie solches Wesen in tönender Kunst sich\nkund gebe: davon wäre eben an Gluck's Opern die Theorie\nwohl vollständiger abzunehmen, als hier geschehen ist. Ein\nguter Ansatz ist gelegentlich der Alceste gemacht (1, 353).\nDas: Vom Grund zum Gipfel steigen, die Aufgabe durch\nGegensätze hindurchführen zu Sieg oder Untergang, dieses\nechte Drama aller Arten ist nicht in gewisse Kunstregeln\nvon „Schicksals-Idee\", oder von „rein menschlicher That\nohne göttliche Zwischenkunft\" oder an andere ähn-\nliche Beschränkungen gebunden; und Euripides' Dramatik\nist, rein technisch angesehen, so berechtigt, wie Aeschylus,\nGluck und Mozart in ihrer Autfassung.\nVon Melodie und musicalischem Ausdruck ist die\nRede in bald polemischer, bald lehrender Weise. Dass\ndie Melodie auch ohne Worte sprechen könne (1, 384),\nwird jeder Musikfreund begreifen; wie sich zu ihr aber\ndie Psalmodie verhalte, das ist nicht klar gemacht, wo es\nam Orte gewesen wäre, sondern die letztere fast nur als\ndas Verkehrte, künstlerisch Verwerfliche genannt, neben\ndem Choralartigen, Kloster- und Nonnenhaften (vergl. 1,\n385. 2, 270); eine Ansicht, die man der Consequenz\nwegen loben kann, denn sie findet sich bei Marx auch\nsonst häufig. Gelegentlich der französischen Declama-\ntion, welche Gluck so sehr liebte, ist zu bedenken, ob\nnicht Rousseau mit seinem Zweifel an ihrer Schönheit end-\nlich doch Recht behalte (vergl. 2, 107), sei's auch nur\nder lahmen Trochäen halber, die, am Ende der musicali-\nschen Phrase häufig gebraucht, sehr ermüdend sind, vergl.\ndie Beispiele 2, 271. 275. 276, deren Tonfall bei Meyer-\nbeer und neueren Italiänern freilich wieder beliebt wird,\naber deutschen Ohren doch widerlich klingt, z. B. in dem\nberühmten Duett der Hugenotten zwischen Valentine und\nRaoul: äla lueur de ces torches funebres.\nUeberhaupt ist die Exegese der Melodieen nach\nihrer schönen und verständigen, oder idealen und decla-\nmatorischen Seite, in diesem Werke, wie in den früheren\nunseres Verfassers, zwar oft mit vielem Glück durchge-\nführt; einzelne streitige Fälle hat er aber nicht überzeu-\ngend erledigt, so unter Anderem die vielbesprochene Arie\ndes Orpheus nach dem zweiten Verlust seiner Gattin:\n(Che farö senza Euridice\nDove andrö senza il mio ben —)\nJ'ai perdu mon Eurydice\nKien n'egale mon raalheur\nüber welche Hanslick „Vom musicalisch Schönen\" 11.\nEd. S. 25 die französische Ansicht mittheilt, dass die\nMelodietöne eben so wohl, ja besser zum Gegentheil\nder Worte sich eigneten\nj'ai trouvö mon Eurydice\nrien n'egale mon bonheur\nwo Marx die künstlerische Rechtfertigung der Gluck'scben\nMelodie 1, 328 —2, 373 mehr geistreich als zwingend\ndurchführt; denn überwallend ist allerdings der Ton\nsanfter Freude, der in dramatischer Hinsicht mindestens\nanders motivirt sein müsste, als dort geschieht.\nVieles von dem, was das Geheimniss der melodischen\nSchönheit angeht, wird wohl immer unsäglich bleiben,\nund dem feinsten Scharfsinne nur annähernd gelingen, zu\numschreiben, weil alles Schöne nur in der Wissenschaft\ndes Unbegreiflichen (wie Schelüng die Speculation\nder Mathematik, der ganz begreiflichen, gegenüber nennt)\nseine Erklärung findet. Eben so unbegreiflich, aber doch\nwirklich, wie das Ich, die lebendige Persönlichkeit, ist\nauch die Melodie, vergl. 2, 48; und darin ist sie zuweilen\nüber dem Worte: „Das Wort kann lügen und heucheln,\ndie Musik nicht\", 2, 319.\nDer Gesammt-Eindruck des Werkes wird, wie das\nmehreren Büchern unseres Verfassers widerfahren, ver-\nschiedenartig sein und bleiben. Dass es eine fühlbare Lücke\nim historischen Gebiete unserer Kunst erfülle, wird Nie-\nmand behaupten; zudem ist des Verfassers eigenesUrtheil\nüber Gluck nicht immer so enthusiastisch gewesen, wie es"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1334, "texte": "hier im biographischen Gebiete geschehen; vergl. sein\nBuch: Die Musik des 19. Jahrhunderts; und das Ver-\ntrauen zu seiner historischen Kritik und Kunst ist seit „Beet-\nhoven: Wirken und Schaffen\", selbst nach kürzlich er-\nschienener zweiter Auflage, nicht gewachsen. Dass mehr\ndie praktische Lehre als die wissenschaftliche Forschung\ndes Verfassers Gebiet und Beruf ist, bezeugen seine bisher\nerschienenen Werke; die lange versprochene „Musik-\nwissenschaft\" lässt auf sich warten; unterdess erheben\nsich andere Kräfte, die auf diesem Felde zu wirken be-\nrufen neue Bahnen aufschliessen, in Chrysander's Jahr-\nbüchern. ...\nDie Ausstattung des Marx'schen Werkes ist splendid,\nmit einer zumal durch unmässig zahlreiche französische\nZeilen-Absätze und leere Zwischenseiten bewirkten Raum-\nverschwendung. Dabei dürfen wir bei sonst sorgfältiger\nCorrectur doch die folgenden Druck- und Schreibfehler\nnicht ungerügt lassen. Es ist zu lesen:\nBand 1, S. 35 Z. 5 ixionisch - 36*) —\n67, 1 Feustking 126 das dritte Viertel im Noten-\nbeispiel muss 2 Achtel haben 157 **) Cantatricz\n289, 25 Erinnyen 314 Tact 6 am Ende\n357, 3 Anan k e 398, 6 He ra 409 in der mittle-\nren Notenzeile T. 2 ist i zu viel 433, 6 und: esporm\noX 459, 11 und ihr st. ihrer. Band 2, 89, mittlere\nNotenzeile unten muss Violinschlüssel haben 368, 14\nu.: Es st. E.\n\nE. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-04-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "126", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.2.3", "titre_corps": "Das Universal-Lexikon der Tonkunst", "titre_sommaire": "Das Universal-Lexikon der Tonkunst", "signature_source": "Eduard Bernsdorf ; A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.5", "debut_caractere": 1336, "fin_caractere_exclue": 4880, "texte": "Das Universal-Lexikon der Tonkunst\nvon Eduard Bernsdorf.\n\nEs hat Herrn Eduard Bernsdorf gefallen, in dem von\nihm herausgegebenen, bei Joh. Andre in Offenbach ge-\ndruckten Universal-Lexikon der Tonkunst, wovon der 3.\nBand dem Unterzeichneten erst jetzt zu Gesicht gekommen,\nauch über mich einen geschichtlich wahr sein wollenden\nLebensabriss zu bringen, in welchem unter Anderem dem\nSatze, der mein \\erhältniss zu Beethoven betrifft, folgen-\nder Nachsatz angehängt erscheint: „Dass sich Schindler\nübrigens auch, auf dieses Zusammensein gestützt, bei sei-\nner Anwesenheit in Paris im Jahre 1842 auf seinen Kar-\nten als Ami de Beethoven introducirte, ist wohl allgemein\nbekannt.\"\nWas vor langen Jahren schon in einem der verbrei-\ntetsten Blätter Deutschlands in evidentester Weise als leicht-\nfertige Erfindung von Heinrich Heine dargelegt worden\nund abgethan war, das erdreistet sich Herr Bernsdorf als\nwirkliches Factum wieder vorzubringen und somit meinem\nCharakter einen Makel aufzudrücken, der demselben für\nalle Zeit zu eigen bleiben soll. In Anbetracht, dass das\ndeutsche Publicum seit vollen vierzig Jahren Zeuge mei-\nner künstlerischen Wirksamkeit und Gesinnung nach meh-\nreren Seiten hin gewesen, auch aus diesem Grunde\nfühle ich mich verpllichtet, den mich im genannten Lexi-\nkon betreffenden ehrenrührigen Passus aufs ernsteste zu\nnehmen, daher ich die Redaction dieser Musik-Zeitung\nhöflichst ersuche, dem Vorliegenden den nöthigen Kaum\ngönnen zu wollen.\nDiejenigen unter den lebenden Künstlern und Kunst-\nfreunden, die um die vierziger Jahre unserer Epoche schon\nmündig waren und der musicalischen Presse einige Auf-\nmerksamkeit zuwandten *), werden sich vielleicht zu erin-\nnern wissen, dass der schon damals in Paris wohnende\nHeine längere Zeit hindurch der augsburger Allgemeinen\nZeitung Briefe kritischen Inhalts zu schreiben pflegte, in\ndenen Staatsmänner und Künstler in immer schnöder Weise\nmit allem diesem Correspondenten zu Gebote stehenden\nVorrath an Witz, Spott und Hohn tractirt worden. Unter\nden Künstlern waren es insbesondere die Musiker, die\nHeine, selbst aller Musik abhold und auch vollkommen\nignorant in dieser Kunst, am meisten zu begeifern liebte,\nnur einen ausgenommen, Franz Liszt, dessen Verehrer\nund Vertheidiger er zur Zeit gewesen. Wiederholte aus\nParis an die Redaction der Allg. Ztg. ergangene Reclama-\ntionen in Betreff von Heine s ehrverletzendem Gebahren\nfand man in Augsburg für gut, zu „reponiren\", wahr-\nscheinlich aus dem Grunde, weil den Lesern der Allg.\nZtg. das wohlschmeckende Hagout aus der unsaubern\nKüche dieses beliebten Correspondenten nicht entzogen\nwerden sollte. Ausserdem hatte Heine's Dichterruhm und\nsein Anhang im jungen Deutschland in hohem Grade\ndes Mannes Uebermuth gesteigert.\nAus solcher Stimmung war auch der Brief hervorge-\ngangen, den die Beilage zur Allg. Ztg. vom 29. April\n1841 gebracht, in welchem verschiedene sehr geachtete\nMusiker schwer verletzt und gleichzeitig auch des Unter-\nzeichneten, ohne jedoch ausdrücklich seinen Namen zu nen-\nnen, gedacht worden. Das mich darin Betrefl'ende beginnt:\n„Minder schauerlich als die Beethoven'sche Musik war für\nmich der Freund Beethoven's, l'Ami wie\ner sich hier überall producirte, ich glaube sogar auf Visi-\ntenkarten.\" Weiterhin -moquirt sich Heine über die mir\neigen sein sollende „Leichenbittermiene\" und ganz beson-\nders über meine „entsetzlich weisse Cravatte\". Wenn\nein bevorzugter Dichtergeist sich bis zu derlei Albernheiten\n\n*) Herr Bernsdorf sass zu jener Zeit noch auf den Schulbänken\nseiner Vaterstadt Dessau."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4969, "texte": "herabwürdigt, so hat er sich und sein Thun schon selber\ngerichtet.\nDamit aber meine Erwiderung in Augsburg nicht das\nSchicksal der pariser Reclamationen erführe, überschickte\nich dieselbe der Deutschen Allgemeinen Zeitung\nnach Leipzig, die zur Zeit schon in allen pariser Lese-\nCabinetten zu finden war (Beilage zu Nr. 173, am 22.\nJuni 1841). Der Inhalt züchtigte den verleumderischen\nHeine in einer Weise, zu der sich damals schwerlich ein\nAnderer entschlossen haben würde, auch aus Furcht vor\nder grossen Schar seiner Jünger in der Journalisten-\nClique. Es braucht kaum versichert zu werden, dass solche\nSprache über Heine's Urteilslosigkeit in Sachen der Musik\nund dessen schmählicher Missbrauch der Presse zum Nach-\ntheil so vieler tüchtiger Manner auch in Deutschland Auf-\nsehen erweckt hat. Um von der Wirkung dieses Pane-\ngyrikus auf den Betreffenden zu sprechen, darf im Gefühle\nvoller Genugthuung gesagt werden, dass das Land dadurch\nvon dem giftspeienden Drachen für immer befreit war;\ner zuckte nicht mehr. An Dank für diese That hat es\nnicht gefehlt, als ich im Spätherbst desselben Jahres wieder\nnach Paris zurückkam.\nDa Herr Bernsdorf mit der Deutschen Allgemeinen\nZeitung als deren musicalischer Referent in Verbindung\nsteht, so wird es ihm ein Leichtes sein, die bezeichnete\nBeilage nachzuschlagen, um sich Ueberzeugung zu ver-\nschaffen, wie exemplarischer Leichtsinn und verleumde-\nrisches Gebähren dort bestraft sind, was er sich wohl\nzu Gemüthe führen möge. Und wenn Herr Bernsdorf\nseiner Ehrenhaftigkeit selber ein Zeugniss ausstellen will,\nso wird er nicht säumen, jene Erwiderung unverkürzt\ndem Publicum vorzulegen, damit auch die Witwe von\nLouis Spohr zu Rassel von diesem Panegyrikus Renntniss\nerhalte *).\nEine andere Stelle in dem von Herrn Bernsdorf mir\ngewidmeten Lebensabrissist nachstehende: „Hauptsächlich\nist er als Mitarbeiter verschiedener musicalischer Zeitschril-\nten thätig, und als solcher fühlt er vornehmlich sich be-\nrufen die Berechtigung dazu ist ihm allerdings schon\nvon manchen Seiten abgesprochen worden —,in Sachen\nBeethoven's, seiner Werke und der Ausführung derselben\ndie Autorität zu spielen.\"\nAuf diesQ wahrhaft unverschämte Aeusserung des noch\nimmer unmündig scheinenden Herrn Bernsdorf ist einfach\nzu erwidern, dass die 1831 zur Wiener Theaterzeitung\nvon mir allein verfassten Beilagen, von deren Existenz\nHerr Bernsdorf Renntniss hat, in Folge Aufforderung von\nausgezeichneten Rünstlern und Runstfreunden Wiens zu\nStande gekommen waren, dass ihr Inhalt fast ausschliess-\nlich Beethoven's und Schubert's Musik zum Gegenstande\nder Besprechung gehabt und fortan haben sollte, dass die\nVerlagshandlung Diabelli & Co. sämmtliche Rosten der\nAuflage dieser Beilagen getragen und für die Folgezeit zu\ntragen zugesichert hatte, dass jedoch dieses Unternehmen\nnur durch meine zu Ende desselben Jahres erfolgte Ab-\nreise von Wien eine Unterbrechung erlitten hat. Diese\nThatsachen müssen hier angeführt werden, weil sie den\nhohen Grad des von Fachmännern mir geschenkten Ver-\ntrauens in diesen Dingen constatiren, denen es wohl be-\nkannt war, welches Vertrauen Beethoven selber in Bezug\nauf Verständniss seiner Schöpfungen mir laut bewiesen\nhatte. Uebrigens darf ich wohl an die sachkundigen Leser\nmeiner Schriften über Beethoven wie auch meiner vielen\nAufsätze in verschiedenen Zeitschriften appelliren und\ndie weitere Beleuchtung der Bernsdorfschen Unverschämt-\nheit mir ersparen*).\nAber unterlassen darf ich nicht, diesem wahrheitslie-\nbenden Manne meinen Dank hiermit auszusprechen für\ndie Runde, der zufolge ich im Jahre 1831 Dom-Capell-\nmeister in Münster geworden. Das war mir selber bis jetzt\nunbekannt und ich bin nicht wenig davon überrascht. Was\nist doch Herr Bernsdorf für ein gründlicher Forscher in\nverwickelten Verhältnissen Jener, die mit ihm auf der\nStube wohnen! Da muss doch notwendiger Weise auf\ndie aus gediegener Feder erflossenen Beurteilungen die-\nses Universal-Lexikons hingewiesen werden, die in diesen\nBlättern gleich nach Erscheinen der ersten Lieferung\ndiese noch unter Schladebachs Redaction in Nr. 22,\n1855, dann wieder in Nr. 37, 1856, und zum dritten\nMale in Nr. 1 des laufenden Jahres zu lesen waren. Das\nErgebniss dieser kritischen Untersuchungen über den kunst-\nliterarischen Werth dieser leichtfertigen Compilation des\nHerrn Bernsdorf erhellt zur Genüge aus nachstehenden\nWorten: „Was soll nun eigentlich solch' ein Buch in der\nWelt? Rann der Erfolg ein anderer sein, als das ober-\nflächlichste Geschwätz über Musik und Musiker zu begün-\nstigen und noch weiter verbreiten zu helfen, als es leider\nschon verbreitet ist?\" (Vergl. Niederrhein. Musik-Ztg.\nNr. 1, S. 4, 1863.)\n\n*) Siehe Spohr's Selbstbiographie, 11, 249.\n**) Ja wohl! Uebrigens verdienen die Angaben einer von wissen-\nschaftlicher Oberflächlichkeit, Gewissenlosigkeit und Lieder-\nlichkeit strotzenden Buchmacherei, wie sie besagtes Lexikon\nüberall aufweist, gar nicht so ausführliche Widerlegungen.\nDie Redactio n.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-04-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.2.4", "titre_corps": "Julius Grunwald", "titre_sommaire": "Julius Grunwald", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 904, "texte": "Julius Grunwald\nKöln, 17. April 1863.\nHeute Morgen, um 4V2 Uhr, erlag Julius Grun-\nwald, Concertmeister am hiesigen Orchester und Lehrer\nam Conservatorium der Musik, der schon lange an seinem\nLeben zehrenden Krankheit. Die genannten Musik-Insti-\ntute verlieren an ihm einen pflichttreuen, Ihätigen und\ngeistvoll anregenden Mitarbeiter, die Tonkunst und das\nmusicalische Leben in hiesigen Kreisen einen Künstler er-\nsten Ranges und ein treibendes Element, seine Schüler\neinen geliebten Lehrer, seine Freunde einen liebenswür-\ndigen und edeln Freund. Seit dem Jahre 1856 nannten\nwir ihn den unserigen, wunderbar entwickelte sich sein\nTalent, und in der schönsten Blülhe desselben raffte ihn\nder Tod in seinem neunundzwanzigsten Lebensjahre da-\nhin! Am Montag den 20. d. M., Nachmittags um 3 Uhr,\nwerden wir seine irdische Hülle zu der friedlichen Stelle\ngeleiten, wo Franz Hartmann und Theodor Pixis ruhen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-04-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.2.5", "titre_corps": "Zehutes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capeilmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Zehutes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capeilmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.7", "debut_caractere": 906, "fin_caractere_exclue": 3032, "texte": "Zehutes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capeilmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 14. April 1863.\nProgramm. 1. Theil. 1. Ouvertüre zur Oper Euryanthe von\nC. M. von Weber. 2. Arie für Sopran aus der Oper Sargines von\nPaer (Frau Offermans van Hove). 3. Concert für Pianoforte\nin B-dur (Op. 67) von W. A. Mozart (Herr Capellmeister F. Hill er).\n4. „Die Nacht\", Hymne von M. Hartmann, für zwei Solostimmen\n(Sopran und Tenor), Chor und Orchester componirt von F. Hiller.\n11. Theil. 5. Sinfonie Nr. V. in C-moll von Beethoven.\nUeber die Hymne von F. Hill er (Op. 99. Verlag von Leuckart\nin Breslau) haben wir in Nr. 26 vom vorigen Jahrgang dieser Blätter\nbei Gelegenheit ihrer Aufführung auf dem hiesigen Musikfeste be-\nreits ausführlich gesprochen. Die Ausführung am 14. d. M. konnte\nnur in den Chören und im Orchester einen Vergleich mit der frühe-\nren, eben erwähnten, aushalten: der Vortrag der Sologesänge durch\nFrau Offermans aus dem Haag und Herrn Göbbels aus Aachen\nstand dagegen nicht auf gleicher Höhe mit dem Schwung der Chore.\nDie Orgel, für welche Hiller für dieses Concert eine besondere\nStimme hinzugefügt hatte, vergrösserte den an sich schon imposan-\nten Eindruck der Chöre.\nIn der Arie mit obligater Clarinette aus Sargines von Paer, wel-\nche immerhin noch eine brillante Concert-Arie ist, bewährte sich\nFrau Offermans als eine sehr gebildete Sängerin, obgleich die Stimme\nin Folge einer Indisposition nicht ganz die frühere Frische zeigte.\nHerr Capellmeister Hill er erfreute die zahlreiche Zuhörerschaft\ndurch den unnachahmlich schönen Vortrag des Clavier-Concerts in\nB-dur Op. 67 von Mozart und gewährte dadurch einen Kunstge-\nnuss, der nach ihm, dem letzten Meister der Mozart-Hummerscben\nSchule, üir das kommende Geschlecht ganz und gar verschwinden\ndürfte. Möge das gegenwärtige denn noch recht oft dadurch ent-\nzückt werden!\nDas Orchester hatte das Concert mit Weber's Ouvertüre zur\nEuryanthe eröffnet und beendigte es mit einer trefflichen, begeistern-\nden Ausführung der C-wioZZ-Sinfonie von Beethoven, welche den\nglänzenden Scliluss der Saison bildete."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-18_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-04-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "128", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.7", "debut_caractere": 3034, "fin_caractere_exclue": 5560, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer König von Preussen hat dem Geiger Sivori den Kronen-\nOrden 3. Classe verliehen.\nAm 27., 28. und 29. Mai findet in Königsberg das dreitägige\ndritte Musikfest Statt, zu welchem Anton Rubin stein aus Pe-\ntersburg als Dirigent berufen worden ist.\nLiiegiftitz. Unser Landsmann, der königliche Musik-Director\nJean Vogt, hat sein Dotnicil seit dem Herbste v. J. in Dresden\nund findet daselbst als Lehrer und Componist verdiente Anerken-\nnung. Sein Oratorium: «Die Auferstehung des Lazarus\", welches\nkürzlich in Dresden zur Aufführung gelangte, fand eine sehr gün-\nstige Aufnahme und wurde von Fachmännern als eine Compositum\nbezeichnet, die viel Beachtung verdient. Der von ihm verfasste\n„Nachtgesang\" macht überall, wo er zur Aufführung gebracht wird,\neinen grossartigen Eindruck.\nDaniiStadt. Das 3. philharmonische Concert grosslierzogl.\nHofmusik am 7. März hat gleich den früheren das Publicum sehr\nbefriedigt. Das Orchester führte die Mendelssohn'sehe Sinfonie und\ndie Ouvertüre zu Spohrs Jessonda in gewohnter Virtuosität aus.\nHerr Wolters erfreute, wie immer, durch seinen schönen Gesang.\nBesonderes Interesse erhielt auch noch das Concert durch die Mit-\nwirkung einer jungen Clavierspielerin, Fräulein Anna Mehlig aus\nStuttgart, Schülerin der Stuttgarter Musikschule, mit dem Vor-\ntrage der drei Sätze des 7/-??ioZ/-Cbncerts von Hummel. Bei ihrer\nunverkennbaren Begabung ist es eine Pflicht, die Aufmerksamkeit\nder Kunstfreunde der jungen Dame zuzuwenden.\nDer Tenorist Wachtel hat von dem Grossherzoge von Hessen\ndie goldene Medaille für Kunst etc. erhalten. N\nDas V. Mittelrheinische Musikfest in Darm Stadt ist auf den\n16. August d. J. festgesetzt worden. Die Musik.-Aufführungen sollen,\nwie schon im vorigen Jahre beschlossen war, im Theater Statt fin-\nden, jedoch hofft man, dass das ungleich günstigere und ein grösse-\nres Publicum fassende Zeughaus cla/Ai bewilligt wird.\nAm\"Sonntag den 12. April kam in Darmstadt Gounod s „Kö-\nnigin von Saba\" zum letzten Male für diese Saison zur Aufführung,\nindem gegen Ende des Monats das ganze lloitheatei-l ersonal nach\nMainz übersiedeln und während der Anwesenheit des Grossherzogs\ndaselbst, welche den ganzen Monat Mai über dauern soll, iin mainzer\nTheater zwanzig Vorstellungen geben wird.\nVlaillllieillB« Für das im Juli d. J. in Frankfurt a. M. zu\nhaltende deutsche Männer-Gesangfest wurde vom Präsidium der ver-\neinigten frankfurter Männergesang-Vereine ein Preis von zehn Du-\ncaten auf die beste Composition einer Fest-Can täte ausgesetzt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6156, "texte": "und zu Preisrichtern Capellmeister Ignaz Lachner, Componist W.\nSpeier und Musik-Directer Hauff erwählt. Unter 17 Bewerbern hat\nHerr Kuhn von hier den Sieg davon getragen.\nAm 13. März ging Abert's Oper „König Enzio\" in Karlsruhe\nin Scene, und fand auch dort eine sehr freundliche Aufnahme.\nGrouvy's dreiactige Oper, zu welcher Moriz Hartmann den\nCorneille's „Cid\" entlehnten Text gedichtet hat, ist nun fertig\nund soll in Mannheim bald zur Aufführung kommen. [?]\n(81. f. Theat., Mus. u. K.)\nIflunelieil« Fräulein Molique, Tochter des berühmten\nComponisten und Violinspielers Molique in London, hat hier eine\nsehr besuchte Soiree gegeben, in welcher sie als Ciavierspielerin\nsich des grossen Künstlernamens würdig zeigte, indem sie in dem\nVortrage eines Trio von Molique, Variationen von Mendelssohn,\neiner Sonate von Beethoven und eines Salonstückes von Pacher\ngrosse Bravour und beseelten Ausdruck bekundete.\nJflunclieil« Am 16. März ging Fei. Davids Oper „Lalla\nRookh\" zum ersten Male über unsere Bühne. Die Musik David's\nfand hier eine Ausführung, die nichts zu wünschen übrig liess, und\ndie Intendanz hatte die Oper in Bezug auf Decorationen und Costume\nprachtvoll ausgestattet. Kein Wunder also, dass enthusiastischer\nBeifall sowohl die Leistungen der darstellenden Künstler, so wie der\nbeiden königlichen Hoftheatermaler Doli und Quaglio und des\nHoftheater-Maschinisten Penkmayer anhaltend begleitete. Die\nHauptpartieen waren in trefflicher Weise besetzt durch die Damen\nFräulein Stehle (Lalla Rookh) und Fräulein v. Ede 1 sberg (Mirza)\nund die Herren Grill (Nureddin) und Bausewein (Kadi). Or-\nchester und Chor leisteten Vortreffliches, (Siidd. M.-Z.)\nlieipzijT« Am o. April fand hier in der Thomas-Kirche die\nAufführung der Matthäus-Passion von Seb. Bach unter Leitung des\nCapellmeisters Kein ecke Statt. Als Solisten fungirten Herr Di-\nrector Beer aus Bremen (Bass), Herr Dr. Gunz aus Hannover\n(Tenor) und die Damen Fräulein Ida Dannemann (Sopran) und Frau\nLeo (Alt). Von den genannten Solisten konnten uns nur die Herren\nbefriedigen, da die Damen, und zwar namentlich Frau Leo mit ihrem\nunangenehmen Stimmansatze, ihren Aufgaben in keiner Weise ge-\nwachsen waren. Was sollen wir. aber von den Chören sagen? Ist\nLeipzig wirklich nicht mehr im Stande, eine exaete und sichere\nDurchführung in Chorsätzen herzustellen? Ein Localblatt meint\nsehr richtig: „was soll man auswärts zu solchem Treiben sagen,\ndas doch sieher nicht zum Ruhme Leipzigs beitragen kann ?\" Wir\nbehaupten, dass auf diese Weise die Chor-Aufführungen mehr und\nmehr rückwärts schreiten und nach und nach dahin kommen werden,\ndass sogar kleinere Provincialstädte einen sichereren Chor aufweisen\nkönnen, als man ihn in Leipzig zu hören vermag. Wir sprechen\nnatürlich hier von dem Chore, welchen die Concert-Direction zu\n»\nihren Aufführungen gewinnt, da wir den Riedel'schen Verein unter\nLeitung seines vortreffllichen Dirigenten Riedel bereits sehr wacker\nsingen hörten. Beregte Aufführung konnte also im Ganzen be-\ntrachtet keineswegs genügen, da die Chöre ohne Präcision gesungen\nwurden und die Solistinnen ihre Partieen nicht genügend durchführten.\nMöchte es in dieser Hinsicht hier bald besser werden! n.\nW ieil. Im Burgtheater spielte kürzlich Fräulein J anausch ek\nals dritte Gastrolle, statt der Phädra, die Lessing'sche Orsina, und\nzwar mit bedeutendem, wohlverdientem Erfolge.\nIm Opern-Tlieater tauchte plötzlich ein neuer Tenorist auf. Er\nheisst Dalfy und sang den Gomez im „Nachtlager\". Das En-\ngagement des Herrn Wachtel auf fünf Jahre um den fabelhaften\nPreis von 18,000 Gulden jährlich soll bereits definitiv entschieden\nsein. Der Sänger wird im September seinen Eintritt halten.\nWagner's ..Tristan und Isoldeu ist nun wieder auf unbestimmte\nZeit, im günstigsten Falle auf den Anfang der nächsten Saison, ver-\nschoben nachdem das Opern-Theater diese ganze Saison daran\nstudirt —, 57 Proben davon abgehalten und Manches darüber\nversäumt hat.\nBern. Unser 4. Abonnements-Concert enthielt: Beethoven's\nPastoral-Sinfonie, Moscheles' Clavier-Concert aus G-moll, vorgetra-\ngen von Herrn Frantzen, und die Tell-Ouverture. Ausserdem sang\nHerr Marchesi, und unser Herr Wagener gab eine hübsche Fantasie\nfür Horn zum Besten. Im 5. Concert hörten wir Mozart's JD-dur-\nSinfonie und die Ouvertüre zu „Ruy Blas\" von Mendelssohn. Die\nwillkommensten Gaben aber brachte diesmal Herr Concertmeister\nDavid, welcher ein Violin-Concert von Viotti, so wie eine eigene\nComposition, „Variationen über ein russisches Volkslied\", vortrug.\nIn einem Concert, das die Musikgesellschaft im Theater veranstal-\ntete, wurden die Sinfonie und Ouvertüre des letzten Concerts wieder-\nholt und dazu durch Herrn Franck Clavier-Concert\naus Es-dur, so wie durch Herrn B rassin Spohr's 8. Violin-Concert\n(Gesangsscene) vorgetragen. Noch ist der drei Concerte zu gedenken,\nwelche die hiesigen Vereine veranstalteten: die „Liedertafel\", der\n„Frohsinn\" und der „Studenten-Gesangverein\". Herr Methfessel,\nVice-Director der Musikgesellschaft, gab sein Benefiz-Concert, in wel-\nchem er auf seinem Instrument, dem Violoncell, mitwirkte.\nParis. Thalberg veranstaltet auch jetzt wieder, wie im\nvorigen Jahre, einen Cyelus von im Erard'schen\nSaale. Die erste sollte am 8. April Statt finden.\nIm zweiten am 8. März Statt gehabten Concert R. Wagner's\nin Petersburg kamen zur Aufführung: von Beet-\nhoven und Piecen aus den beiden Opern „Tristan und Isolde\" und\n„die Meistersinger von Nürnberg\". Die erstgenannte Oper lieferte\n„das Präludium\" (Liebestod) und Finale (Verklärung), die letztere\n„die Versammlung der Meistersängerzunft\", „Pogner's Anrede\" (Bass-\narie, von Mr. Soboleff gesungen) und die Ouvertüre. Ausserdem\nkam aus dem zweiten Theile der Nibelungen „die Walküre\" und\nSigmund's „Liebesgesang\" zur Aufführung. Ein drittes Concert\ngab Wagner im grossen Theater. Es fand am 10. März Statt und\nführte folgende Nummern vor: Die Ouvertüre, die der\nElisabeth und das Duett derselben mit Tannhäuser aus „Tannhäuser\",\ndas Vorspiel und die Balcon-Scene aus „Lohengrin\", die Cavaleade\naus der „Walküre\", Sigmund's Liebes- und Schmiedegesang, Wotan's\nLebewohl an Brunhild und den Tannhäusermarsch.\n(81. f. Theat., Mus. u. K.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nGluck und die Oper. Von E. Krüger. Das Universal-Lexikon der Tonkunst von Eduard Bernsdorf. Von A. Schin dler.\nJulias Grunwald f. Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Sivori Mu-\nsikfest in Königsberg Liegnitz, Jean Vogt Darmstadt, Concert Mannheim, Fest-Cantate München, Fräulein Molique, Lalla\nEookh Leipzig, Matthäus-Passion Wien, Theater Bern, Concerte Paris, Thalberg Wagner's Concerte in Petersburg.\n\nGluck und die Oper\n\n*).\nDieses neueste Werk des berühmten Musikgelehrten\nist von der Kritik in sehr verschiedener Weise aufgenom-\nmen worden: während die Mehrzahl der Urtheiler ihm\n(freilich keiner unbedingt) beigefallen ist, haben sich an-\ndere eben so achtbare Stimmen gradehin etklärt, es ein\nleeres, überflüssiges zu nennen. Allerdings fordert die ab-\nsonderliche Darstellungsweise des Verfassers, die pathe-\ntische Rhetorik, das unverhohlene Herauskehren der Sub-\n*\njectivität, die unmässige Breite und selbstwiederholende\nEinseitigkeit in Stil und Inhalt natürlich dazu auf, dem\npositiven Gewinn, der aus solchen Erörterungen fliesse,\ndesto nüchterner nachzuspüren; denn am letzten Ende\nmuss ja doch über jede wie sehr auch verfehlte Aus-\ndrucksweise der Gehalt, wo er irgend vorhanden ist, sich\nsiegreich behaupten. Bei dem allem jedoch würde die\nKritik schwerlich so weit aus einander gehen, wenn nicht\nbesondere Zeit-Gegensätze hineinspielten, die, wie sie jetzt\nstehen, unversöhnlich scheinen.\nDas Buch theilt sich in 5 Bücher: I. Vorbereitungen.\n11. Italische Zeit. 111. Beformation der Oper. IV. Die\nfranzösische Zeit. V. Der Ausgang. Die Unterabtheilun-\ngen der Bücher sind bezeichnet mit pikanten „Rubra über\ndie Stücke\" in novellistischem Stil, ähnlich wie in des Ver-\nfassers „L. van Beethoven\".\n„I. Vorbereitungen\" enthalten geschichtsphilosophische\nBetrachtungen über Musik, musicalisches Drama, Geist\nder Menschheit, Beruf, Gluck's Herkunft, Bildung, Zeitge-\nnossen, italische Oper u. s. w. Verdienstlich mögen wir\nes achten, dass hier viele, fast alle Fäden, die in dem wun-\nderbaren Gewebe hoher Kunstwerke zusammenlaufen,\nsorgfältig erlesen und gestrählt werden zu immerhin an-\nziehendem Geflechte; schädlich wirkt jedoch eben das, was\nMarx für den Herzschlag seiner Darstellungen hält, diese\nimmerwährende Berufung auf geschichtliche Nothwendig-\nkeit, Beruf der Zeit, der Kunst, des Künstlers, und wie\ndies und das gar nicht anders kommen konnte etc. Der-\ngleichen fordert den Zweifel heraus und verrennt sich selbst\nin Widersprüche: mindestens ist diejenige Freiheit der\nVölker, die der Verfasser, wie er pflegt, am Schlüsse sei-\nnes Werkes prophetisch herbeiruft, mit der unbedingten\nGesehichts-Nothwendigkeit nur durch schillernde Sophistik\nvereinbar. Den grösseren Theil des ersten Buches bil-\nden Erzählungen aus dem Zeitalter, den Bühnen- und\nVolkszuständen in Deutschland und Europa etc., zuletzt\ndie allgemeine Andeutung von Gluck's Beruf, dass er\nnämlich das „eigenst gemässe Organ\" gewesen für die\nAufgabe, das Musikdrama zu reformiren, das Organ, das\n„der arbeitende Geist der Menschheit sich geschaffen zu\ndiesem bestimmten Zwecke\" (S. 10. 11. 455). Wo wird\ndas bewiesen ? In der Geschichte, Wie beweist es die\nGeschichte? Aus dem einleitend construirten Gedankenbilde\nder Persönlichkeit. Bei diesen und ähnlichen Anlässen\nverwendet der Verfasser die allerhöchsten Worte in feier-\nlichstem Ernst: Priester, Prophet, Altar, Sendbote, Gott-\nheiten, Mission nicht anders als Graf L a urencin in sei-\nner Harmonik. Solcher Missbrauch ist zu rügen desto\nstrenger, je verbreiteter er ist: in solchen tropischen Re-\ndensarten liegt verborgen, dass dem Sprecher sein Beruf\nnicht bloss heilig, sondern das einzig Heilige ist.\nGluck's Person ist gut geschildert, theils aus den\nErzählungen des gemüthlichen, gar nicht philosophischen\nAnton Schmid (C. W. Ritter v. Glück etc. Leipzig,\n1854), theils aus den zeitgenössischen pariser Berichten;\neigene Quellenforschungen im Punkte des Biographischen\ntreten nicht hervor, daher dann manche Züge aus poeti-\nscher Phantasie ergänzt und farbenreich ausgemalt wer-\n\n*) Von Adolf Bernhard Marx. Mit Gluck's Bildniss, seinem\nAutograph und Musik-Beilagen. I. Th. 464 S. 11. Th. 384 S.\nnebst 80 S. Noten-Beilagen. Berlin, Otto Janke, 1863. 8.\nYergl. Niederrheinische Musik-Zeitung 1862 Nr. 22 und 23."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.2", "texte": "den. Gluck's eigentlicher Musikgenius war „knapp ge-\nmessen\" (1, 11. 2, 67. 147. 313). Ueber seinen\ninneren Bildungsgang ist wenig auszumitteln, weil Gluck\nerst im 18. Lebensjahre sich für die Kunst entschieden,\nbald als Musicant umher gezogen, dann 4 Jahre lang San\nMartini's Unterricht genossen, darauf seinem Berufe prak-\ntisch gelebt, eigene Tagebücher aber nicht hinterlassen\nhat. Die zusammenfassende Beschreibung von seiner Art\n*\nund Kunst 2, 306 323 enthält vieles Interessante; un-\nbequem sind jedoch die Wiederholungen und die gar sehr\nin abstracten Psychologemen sich ergehende Darstellungs-\nweise, wogegen die concreten Mitteilungen und Exegesen,\nwenn auch bestreitbar, doch immer anregend sind. Dank-\nbar nehmen wir auch die reichlich gebrachten Beispiele\nentgegen: nur einige Mal wünscht man sie vollständiger,\nbei kritischen Beweisführungen, z. B. 2, 228. 2, 79.\n80. Anderes Persönliche zwischenein gestreut ist mit\nbegeisterter Theilnahme geschrieben, Anekdoten nicht zu\nviel, Zeitbetrachtungen nebst Parallelen, Beflexionen etc.\nreichlich eingefügt. Besonderes Gewicht legt der Verfasser\nauf die von Haus aus mitgebrachte „D ien stl ichke i l\"\nseines Helden, kraft welcher er trotz künstlerischen Selbst-\ngefühls dem Adel, dem Hofe, dem Publicum dienstbar\ngewesen, zumal in dem elendigen damaligen Deutschland,\nwie es aus Schlosser's Geschichte des 18. Jahrhunderts,\nals untrüglicher Quelle, abgemalt wird (1, 154. 155.\n211. 2, 133). Es war kaum nöthig, dies so oft zu\nversichern ; unangenehm werden aber solche Erwägungen,\nwenn zu dem dienstlichen Charakter der ehrgeizige, nach\nRang und Reichthum dürstende dargestellt, und dann\njener mitleidig entschuldigt, dieser dagegen für wohlbe-\nrechtigt erklärt wird, 2,147. Vergl. die Ordensgeschichte\n2, 214. 267, mit zeitgemässer Verspottung des sklavischen\nOrdenswesens.\nDas 11. Buch, überschrieben „Italische Zeit\", erzählt\nvon der vor-reformatorischen Periode des Künstlers, wo\ner, dem Zeitgeschmacke „dienstlich\" ergeben, allerlei Wil-\nsches Zeug componirte, Zauberopern, Schäfer- und Bitter-\nspiele, Ballets; Andeutungen anderen Strebens kommen\ndaneben vereinzelt und allmählich hervor als „Erwachen\nund Aufrichten zum Fortschritt\" in den eigenen Idealen\nund im Anlehnen an andere Grössen, namentlich Rameau\nund Händel. Von dem Letzteren \"hat Gluck wenig empfan-\ngen ; da auch Händel sich zu ihm, Anfangs abwehrend,\nspäter gnädig proteclionistisch verhielt (1, 133), so hat\nGluck von ihm in der Thal wenig „davongetragen\", doch\nwar die Frucht seiner londoner Reise, dass er „von Händel\nschied als ein Gehobener und Gekräftigter\" (1, 150)!\nDas 111. Buch: „Reformation der Oper\", ergeht sich\nnun mit grosser Kühnheit im Gebiete der historischen Con-\nstruction: es ist der Wendepunkt von Gluck's Künstler-\nschaft, eingetreten während des wiener Lebens 1760, wo\ner an seinem bisherigen Treiben Ungenüge empfand, so\ndass es ihn anders wohin trieb wohin? ahnte er nur,\nda sein Eigenstes ihm in der „Semiramis\" und im „Tele-\nmach\", den wälsch gesinnten Opern, zum Bewusstsein ge-\nkommen sein „musste\" (284.285). Dieses „Musste\"\nist nun unserem Verfasser so unzweifelhaft, dass es „mit\npsychologischer Notwendigkeit voraus zu sagen\" war\n(286). Hinfort waltet dann die „logische Notwendigkeit\nder Geschichte\" durch einen grossen Theil des Werkes,\nnamentlich bei allen Wendepunkten, unerklärlichen Er-\neignissen, Fortschritten (vergl. 1, 7. 37. 286. 175. 304.\n2, 14. 94. 344. 377) etc. welchem allem man\nnur dann getrost beistimmen kann, wenn die Not h wen-\ndigkeit der Sache selbst zuvor erwiesen ist, z. B.\nDass es überhaupt ein musicalisches Drama geben müsse.\n.Wer d iese nicht erkennt, wird über jene Beweisführungen\ngleichgültig hinweg gleiten; wer sie aber annimmt oder\nanerkennt, wird sich doch erlauben, zu zweifeln, ob es mit\njener Cirkelbewegung „die Sache war nothwendig, also\nkam sie zu rechter Zeit vom rechten Manne\" und :\n„Der Mann war dazu berufen, also geschichtlich noth-\nwendig\", denn wirklich seine Richtigkeit habe. Uns scheint\nder Schade da zu liegen, wo auch andere Schäden ver-\nborgen sind; alle geistvolle Construction der Geschichte\ngeräth auf Abwege, wenn sie nicht entweder die Offen-\nbarung des lebendigen Gottes zum Ausgang nimmt und\nihr mit Demuth nachspürt: oder mit wirklich metaphysi-\nschem Scharfsinn sowohl das Ding als sein Werden und\nWesen ab -ovobeweiset. Letzteres aber kann selbst im\ngünstigsten Falle doch nur von allgemeinen Ideen, nicht\nvon einzelnen Ereignissen und Menschen mit einigem Er-\nfolge gelingen.— Es ist durchaus nicht befremdend, wenn\ndicht neben diesem scheinbar spinozistischen Logos sich\neben so unbefangen der zeitgemässeste Radicalismus gel-\ntend macht, um unter dem Horte jenes ehernen Schildes\ndesto nothwendig-freier sich zu geberden. Harmlos mögen\nnoch die Anspielungen auf eitle Wachtparaden, legitime\nKronerben, Volkswillen und dergleichen moderne Remi-\nniscenzen mitgenommen werden (1, 246. 293. 2, 79.\n200. 266); nicht so gleichgültig sehen wir aber anderswo\ndie überwundenen Standpunkte Voltaire's und Rousseau's,\nso auch das Volk in Waffen, die Marseillaise (2, 76. 103.\n235 etc.) zu glühenderer Färbung verbraucht. Und zu\ndem allem das mattgesungen alte Lied von deutscher Nie-\nderträchtigkeit (2, 22. 105. 107), während das, wenn\nauch verfaulte französische Volk doch gelegentlich ge-\nhätschelt wird (z. B. 2, 117 und öfter).\nDie weitere Analyse des pariser Novellenstils, in wei-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.3", "texte": "ehern die romanischen Kurzzeilen Alex. Dumas' und\nVictor Hugo's mit Behaglichkeit nachgeahmt werden,\nfast wie in den Mozart- ,und Bach-Romanen unserer deut-\nschen Novellisten, erlassen uns die Leser wohl. Wenden\nwir uns zu den gehallvolleren Seiten des Werkes, der po-\nsitiven Darstellung künstlerischer „Thaten\", der techni-\nschen Entwicklungen, der ästhetischen Kritik.\nVon dem, was Gluck geleistet, ist eine vollständige\nUebersicht gegeben : indem wir das mit Dank anerkennen,\nbeklagen wir doch die Weitschweifigkeit, mit der auch\ndie geringeren Arbeiten durchgenommen werden, während\nvon den vorzüglichen gern mehr gehört wäre, namentlich\nvon den Peripetieen der beiden Iphigenien, der Armida und\ndes Orpheus. In der Beurtheilung der einzelnen Melodieen\nzeigt sich oft ein feiner Tact und eine absonderliche Bild-\nsamkeit der Sprache, das Verborgene auszusagen. Diese\nästhetische Kritik ist auch in früheren Arbeiten un-\nseres Verfassers, wenn man einige Ueberschwänglichkeiten\nabrechnet, das Gelungenste; dem grösseren Theile kann\nman beipflichten; Einzelnes wird immer streitig bleiben.\nDass man durchaus Compo nist sein müsse, um ein\nsicheres Urtheil zu finden (2, 231), mag zugestanden wer-\nden, sofern der Sinn ist: wer sich niemals selbst versucht in\neigenem Werk, wird auch Anderer Werke nie vollkommen\nbegreifen; soll es aber heissen: Nur ein genialer,\nmindestens namhafter Componist hat das RechJ, mitzu-\nsprechen dann trifft der Spruch nicht, da manche\nschöpferische Künstler fremdes Werk misskennen, während\numgekehrt unser Verfasser seinen Ruhm und sein Urtheils-\nrecht keineswegs durch seine Compositionen erworben\nhat. Dass aber kritische Gabe und Gesinnung mit philo-\nsophischer oder künstlerischer nicht immer verbunden ist,\ndavon sehen wir neuerdings immer eindrücklichere Bei-\nspiele.\nBei jenen ästhetischen Erörterungen wird mehrmals\ngeeifert wider die Rem i niscenzen-Jägerei; Iheilweise\nmit Recht, da dergleichen oft sehr kindisch arfgestellt wird\nund ein vernünftiger Maassstab nicht eben leicht zu finden\nist; ungerecht aber ist, dem tiefer erfahrenen Chrysan-\nder aus der Nachweisung mancher Reminiscenzen bei\nHändel einen Vorwurf zu machen (1, 205. 228., vergl. 94.\n202), da einerseits Händel's Zeitalter, wie Chrysander so\ntreffend sagt, von der „Originalitätssucht\" späterer Zeiten\nziemlich frei war, gleichwie Phidias, Raphael und Pale-\nstrina, andererseits aber eben hier ein sehr wesentlicher\nUnterschied Statt findet auch zwischen gleichzeitigen eben-\nbürtigen Künstlern. Hat doch Händel und Mozart häufi-\nger als Bach und Beethoven solche Selbstwiederholungen,\ndie ihnen ganz wohl kleiden und keineswegs wegzuläugnen,\nsondern vielmehr psychologisch zu begreifen sind aus dem\nUnterschiede der Künstlernaturen : je nachdem der Ein-\nzelne mehr die Darstellung der Schönheit oder die ge-\ndankenvolle Charakteristik zur Lebensaufgabe macht, wer-\nden die verweilenden oder fortschrittigen Momente, das\nmodelhaft .Normale oder das subjectiv Excentrische mehr\nhervortreten. Die Forderung, dass in jedem Kunstwerk\nAlles neu und selbst erfunden sei, ist von Shakespeare's\nbis Händel's Zeit nie unbedingt weder von Künstlern noch\nvom Publicum s<f aufgestellt, wie in der folgenden Epoche,\nwelche sie-h selbst den Ehrentitel der Genie-Periode erfand,\nund wo jeder, der Etwas heissen wollte, mindestens ein\nOriginal sein musste. Uebrigens hat Schiller im Teil eben\nso unbefangen ganze Scenen aus älteren Volksbüchern ent-\nlehnt, wie einst Shakespeare aus Chaucer.\nEin anderer ästhetischer Fragepunkt, der noch in der\nSchwebe, ist die Entscheidung über gewisse übliche Kunst-\nformen, die sich im Verlaufe der Geschichte zu typischen\nFormunterschieden zu verdichten scheinen. Marx verhan-\ndelt öfter über die Namen Ouvertüre, Sinfonie, Sonaten-\nform, Intrade und ähnliche. Sie beruhen auf historischer\nBeobachtung und erwerben ihre Namen als ein Gewohn-\nheitsrecht; irrthümlich werden sie aber von Einigen als\nlogisch bestimmbare Arten, von Anderen als ethisch\nbestimmende Normen angesehen. Dies führt zu leerem\nGezänke und nutzt der Kunst und ihrer Lehre gar wenig.\nDie in Marx Compos.-Lehre Ed. IL 3,91 ... aufgestellten\nBeschreibungen der Rondo-Formen sind interessant ent-\nwickelt, maassgebend aber schwerlich; auch sind sie trotz\nihrer mannigfaltigen Exemplificationen schwer festzuhal-\nten und zu begreifen, namentlich in Bezug auf die Hang-\nordnung der sogenannten fünf Rondo-Formen, denen\nschliesslich die Sonatenform als höhere oder höchste, gleich-\nsam sechste, hinzutritt; so dass Marx selbst in gegebenem\nFalle bei erster Hörung eines neuen Werkes gar schwer-\nlich die Rangnummer angeben würde; vergl. hier u. A.\n2, 84 Anm. Die Entscheidung über die Kategorie — das\nSchubfach, wo ein Werk hingehört, z. B. ob ein Satz mehr\nSonaten- oder Sonatinenform habe (1, 238) — ist der\nKunstwissenschaft an sich vollkommen gleichgültig\nund hat keinen vernünftigen Sinn, als etwa zum Hülfsmittel\nder historischen Kritik, wenn ich z. B. entscheiden soll,\nob das hier Genannte zu seiner Entstehungszeit Ouvertüre\nheissen konnte, daher echt sei oder nicht. Eine klare De-\nfinition ist um so weniger möglich, da die Meister selbst,\nund namentlich Händel und Bach, die Kategorieen sehr\ngleichgültig behandeln; am allerwenigsten ist Lob oder\nTadel daran zu knüpfen, ob einer die Schuldefinition er-\nfüllt habe, ob das Ding da „verdiene\", eine Sonate oder\nOuvertüre etc. zu heissen.\nGeistreich ausgeführt sind manche technische Er-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.4", "texte": "örterungen über Accorde, Tonarten und Verwandtes.\nKönnen wir auch bezüglich der None und ähnlicher Ver-\nhältnisse, die seit Weber und Marx in eine unnatürliche\nStellung hinein dogmatisirt sind, nicht durchaus beistimmen:\nso freuen wir uns desto mehr der naturgemässen Lehren\nvom übermässigen Dreiklang, der chromatischen Scala etc.\n(1, 73. 426), welchen sich alle nicht von falscher Romantik\nangesengte Leser mit uns anschliessen werden. Hervorzu-\nheben ist die dem 2. Bande angehängte Charakteristik\nder Tonarten, die manches gute Neue bringt, anderes\nAlte lichtvoll zurecht stellt. Von Recitativ und Decla-\nmation, namentlich französischer, ist eingänglich gehandelt\n1, 65. 72. 126; vom Vocalen und Instrumentalen wieder-\nholentlich, wo jedoch ein Tadel der Händel'schen Or-\nchestration 1, 136 eben so wenig gerechtfertigt erscheint,\nals etwa zum Don Juan, wo einst Nägeli vergeblich Ein-\nspruch that gegen die klarsten, lieblichsten Tonbilder, in\ndenen Mozart Person und Umgebung, oder auch Wirklich-\nkeit und Lüge oft so treffend entgegen stellte, nachdem\nGluck's Orest vorangegangen war (2, 279v vergl. 1,419).\nWorin die vollkommene Dramatik in Gluck besiehe,\nwird vieler Orten lebhaft untersucht. Nicht ausreichend\naber ist es hier, zu sagen, Gluck wolle Leidenschaften er-\nregen (2, 244) und ihm genüge nur, was Blut ziehe (1,\n113, tira sangue); von dem Wesen der handelnden\nDichtung, welche einer bestimmten ethischen Aufgabe\nnachringt in bestimmten Stufengängen vom Grunde bis\nzum Gipfel, und wie solches Wesen in tönender Kunst sich\nkund gebe: davon wäre eben an Gluck's Opern die Theorie\nwohl vollständiger abzunehmen, als hier geschehen ist. Ein\nguter Ansatz ist gelegentlich der Alceste gemacht (1, 353).\nDas: Vom Grund zum Gipfel steigen, die Aufgabe durch\nGegensätze hindurchführen zu Sieg oder Untergang, dieses\nechte Drama aller Arten ist nicht in gewisse Kunstregeln\nvon „Schicksals-Idee\", oder von „rein menschlicher That\nohne göttliche Zwischenkunft\" oder an andere ähn-\nliche Beschränkungen gebunden; und Euripides' Dramatik\nist, rein technisch angesehen, so berechtigt, wie Aeschylus,\nGluck und Mozart in ihrer Autfassung.\nVon Melodie und musicalischem Ausdruck ist die\nRede in bald polemischer, bald lehrender Weise. Dass\ndie Melodie auch ohne Worte sprechen könne (1, 384),\nwird jeder Musikfreund begreifen; wie sich zu ihr aber\ndie Psalmodie verhalte, das ist nicht klar gemacht, wo es\nam Orte gewesen wäre, sondern die letztere fast nur als\ndas Verkehrte, künstlerisch Verwerfliche genannt, neben\ndem Choralartigen, Kloster- und Nonnenhaften (vergl. 1,\n385. 2, 270); eine Ansicht, die man der Consequenz\nwegen loben kann, denn sie findet sich bei Marx auch\nsonst häufig. Gelegentlich der französischen Declama-\ntion, welche Gluck so sehr liebte, ist zu bedenken, ob\nnicht Rousseau mit seinem Zweifel an ihrer Schönheit end-\nlich doch Recht behalte (vergl. 2, 107), sei's auch nur\nder lahmen Trochäen halber, die, am Ende der musicali-\nschen Phrase häufig gebraucht, sehr ermüdend sind, vergl.\ndie Beispiele 2, 271. 275. 276, deren Tonfall bei Meyer-\nbeer und neueren Italiänern freilich wieder beliebt wird,\naber deutschen Ohren doch widerlich klingt, z. B. in dem\nberühmten Duett der Hugenotten zwischen Valentine und\nRaoul: äla lueur de ces torches funebres.\nUeberhaupt ist die Exegese der Melodieen nach\nihrer schönen und verständigen, oder idealen und decla-\nmatorischen Seite, in diesem Werke, wie in den früheren\nunseres Verfassers, zwar oft mit vielem Glück durchge-\nführt; einzelne streitige Fälle hat er aber nicht überzeu-\ngend erledigt, so unter Anderem die vielbesprochene Arie\ndes Orpheus nach dem zweiten Verlust seiner Gattin:\n(Che farö senza Euridice\nDove andrö senza il mio ben —)\nJ'ai perdu mon Eurydice\nKien n'egale mon raalheur\nüber welche Hanslick „Vom musicalisch Schönen\" 11.\nEd. S. 25 die französische Ansicht mittheilt, dass die\nMelodietöne eben so wohl, ja besser zum Gegentheil\nder Worte sich eigneten\nj'ai trouvö mon Eurydice\nrien n'egale mon bonheur\nwo Marx die künstlerische Rechtfertigung der Gluck'scben\nMelodie 1, 328 —2, 373 mehr geistreich als zwingend\ndurchführt; denn überwallend ist allerdings der Ton\nsanfter Freude, der in dramatischer Hinsicht mindestens\nanders motivirt sein müsste, als dort geschieht.\nVieles von dem, was das Geheimniss der melodischen\nSchönheit angeht, wird wohl immer unsäglich bleiben,\nund dem feinsten Scharfsinne nur annähernd gelingen, zu\numschreiben, weil alles Schöne nur in der Wissenschaft\ndes Unbegreiflichen (wie Schelüng die Speculation\nder Mathematik, der ganz begreiflichen, gegenüber nennt)\nseine Erklärung findet. Eben so unbegreiflich, aber doch\nwirklich, wie das Ich, die lebendige Persönlichkeit, ist\nauch die Melodie, vergl. 2, 48; und darin ist sie zuweilen\nüber dem Worte: „Das Wort kann lügen und heucheln,\ndie Musik nicht\", 2, 319.\nDer Gesammt-Eindruck des Werkes wird, wie das\nmehreren Büchern unseres Verfassers widerfahren, ver-\nschiedenartig sein und bleiben. Dass es eine fühlbare Lücke\nim historischen Gebiete unserer Kunst erfülle, wird Nie-\nmand behaupten; zudem ist des Verfassers eigenesUrtheil\nüber Gluck nicht immer so enthusiastisch gewesen, wie es"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.5", "texte": "hier im biographischen Gebiete geschehen; vergl. sein\nBuch: Die Musik des 19. Jahrhunderts; und das Ver-\ntrauen zu seiner historischen Kritik und Kunst ist seit „Beet-\nhoven: Wirken und Schaffen\", selbst nach kürzlich er-\nschienener zweiter Auflage, nicht gewachsen. Dass mehr\ndie praktische Lehre als die wissenschaftliche Forschung\ndes Verfassers Gebiet und Beruf ist, bezeugen seine bisher\nerschienenen Werke; die lange versprochene „Musik-\nwissenschaft\" lässt auf sich warten; unterdess erheben\nsich andere Kräfte, die auf diesem Felde zu wirken be-\nrufen neue Bahnen aufschliessen, in Chrysander's Jahr-\nbüchern. ...\nDie Ausstattung des Marx'schen Werkes ist splendid,\nmit einer zumal durch unmässig zahlreiche französische\nZeilen-Absätze und leere Zwischenseiten bewirkten Raum-\nverschwendung. Dabei dürfen wir bei sonst sorgfältiger\nCorrectur doch die folgenden Druck- und Schreibfehler\nnicht ungerügt lassen. Es ist zu lesen:\nBand 1, S. 35 Z. 5 ixionisch - 36*) —\n67, 1 Feustking 126 das dritte Viertel im Noten-\nbeispiel muss 2 Achtel haben 157 **) Cantatricz\n289, 25 Erinnyen 314 Tact 6 am Ende\n357, 3 Anan k e 398, 6 He ra 409 in der mittle-\nren Notenzeile T. 2 ist i zu viel 433, 6 und: esporm\noX 459, 11 und ihr st. ihrer. Band 2, 89, mittlere\nNotenzeile unten muss Violinschlüssel haben 368, 14\nu.: Es st. E.\n\nE. Krüger.\n\nDas Universal-Lexikon der Tonkunst\nvon Eduard Bernsdorf.\n\nEs hat Herrn Eduard Bernsdorf gefallen, in dem von\nihm herausgegebenen, bei Joh. Andre in Offenbach ge-\ndruckten Universal-Lexikon der Tonkunst, wovon der 3.\nBand dem Unterzeichneten erst jetzt zu Gesicht gekommen,\nauch über mich einen geschichtlich wahr sein wollenden\nLebensabriss zu bringen, in welchem unter Anderem dem\nSatze, der mein \\erhältniss zu Beethoven betrifft, folgen-\nder Nachsatz angehängt erscheint: „Dass sich Schindler\nübrigens auch, auf dieses Zusammensein gestützt, bei sei-\nner Anwesenheit in Paris im Jahre 1842 auf seinen Kar-\nten als Ami de Beethoven introducirte, ist wohl allgemein\nbekannt.\"\nWas vor langen Jahren schon in einem der verbrei-\ntetsten Blätter Deutschlands in evidentester Weise als leicht-\nfertige Erfindung von Heinrich Heine dargelegt worden\nund abgethan war, das erdreistet sich Herr Bernsdorf als\nwirkliches Factum wieder vorzubringen und somit meinem\nCharakter einen Makel aufzudrücken, der demselben für\nalle Zeit zu eigen bleiben soll. In Anbetracht, dass das\ndeutsche Publicum seit vollen vierzig Jahren Zeuge mei-\nner künstlerischen Wirksamkeit und Gesinnung nach meh-\nreren Seiten hin gewesen, auch aus diesem Grunde\nfühle ich mich verpllichtet, den mich im genannten Lexi-\nkon betreffenden ehrenrührigen Passus aufs ernsteste zu\nnehmen, daher ich die Redaction dieser Musik-Zeitung\nhöflichst ersuche, dem Vorliegenden den nöthigen Kaum\ngönnen zu wollen.\nDiejenigen unter den lebenden Künstlern und Kunst-\nfreunden, die um die vierziger Jahre unserer Epoche schon\nmündig waren und der musicalischen Presse einige Auf-\nmerksamkeit zuwandten *), werden sich vielleicht zu erin-\nnern wissen, dass der schon damals in Paris wohnende\nHeine längere Zeit hindurch der augsburger Allgemeinen\nZeitung Briefe kritischen Inhalts zu schreiben pflegte, in\ndenen Staatsmänner und Künstler in immer schnöder Weise\nmit allem diesem Correspondenten zu Gebote stehenden\nVorrath an Witz, Spott und Hohn tractirt worden. Unter\nden Künstlern waren es insbesondere die Musiker, die\nHeine, selbst aller Musik abhold und auch vollkommen\nignorant in dieser Kunst, am meisten zu begeifern liebte,\nnur einen ausgenommen, Franz Liszt, dessen Verehrer\nund Vertheidiger er zur Zeit gewesen. Wiederholte aus\nParis an die Redaction der Allg. Ztg. ergangene Reclama-\ntionen in Betreff von Heine s ehrverletzendem Gebahren\nfand man in Augsburg für gut, zu „reponiren\", wahr-\nscheinlich aus dem Grunde, weil den Lesern der Allg.\nZtg. das wohlschmeckende Hagout aus der unsaubern\nKüche dieses beliebten Correspondenten nicht entzogen\nwerden sollte. Ausserdem hatte Heine's Dichterruhm und\nsein Anhang im jungen Deutschland in hohem Grade\ndes Mannes Uebermuth gesteigert.\nAus solcher Stimmung war auch der Brief hervorge-\ngangen, den die Beilage zur Allg. Ztg. vom 29. April\n1841 gebracht, in welchem verschiedene sehr geachtete\nMusiker schwer verletzt und gleichzeitig auch des Unter-\nzeichneten, ohne jedoch ausdrücklich seinen Namen zu nen-\nnen, gedacht worden. Das mich darin Betrefl'ende beginnt:\n„Minder schauerlich als die Beethoven'sche Musik war für\nmich der Freund Beethoven's, l'Ami wie\ner sich hier überall producirte, ich glaube sogar auf Visi-\ntenkarten.\" Weiterhin -moquirt sich Heine über die mir\neigen sein sollende „Leichenbittermiene\" und ganz beson-\nders über meine „entsetzlich weisse Cravatte\". Wenn\nein bevorzugter Dichtergeist sich bis zu derlei Albernheiten\n\n*) Herr Bernsdorf sass zu jener Zeit noch auf den Schulbänken\nseiner Vaterstadt Dessau."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.6", "texte": "herabwürdigt, so hat er sich und sein Thun schon selber\ngerichtet.\nDamit aber meine Erwiderung in Augsburg nicht das\nSchicksal der pariser Reclamationen erführe, überschickte\nich dieselbe der Deutschen Allgemeinen Zeitung\nnach Leipzig, die zur Zeit schon in allen pariser Lese-\nCabinetten zu finden war (Beilage zu Nr. 173, am 22.\nJuni 1841). Der Inhalt züchtigte den verleumderischen\nHeine in einer Weise, zu der sich damals schwerlich ein\nAnderer entschlossen haben würde, auch aus Furcht vor\nder grossen Schar seiner Jünger in der Journalisten-\nClique. Es braucht kaum versichert zu werden, dass solche\nSprache über Heine's Urteilslosigkeit in Sachen der Musik\nund dessen schmählicher Missbrauch der Presse zum Nach-\ntheil so vieler tüchtiger Manner auch in Deutschland Auf-\nsehen erweckt hat. Um von der Wirkung dieses Pane-\ngyrikus auf den Betreffenden zu sprechen, darf im Gefühle\nvoller Genugthuung gesagt werden, dass das Land dadurch\nvon dem giftspeienden Drachen für immer befreit war;\ner zuckte nicht mehr. An Dank für diese That hat es\nnicht gefehlt, als ich im Spätherbst desselben Jahres wieder\nnach Paris zurückkam.\nDa Herr Bernsdorf mit der Deutschen Allgemeinen\nZeitung als deren musicalischer Referent in Verbindung\nsteht, so wird es ihm ein Leichtes sein, die bezeichnete\nBeilage nachzuschlagen, um sich Ueberzeugung zu ver-\nschaffen, wie exemplarischer Leichtsinn und verleumde-\nrisches Gebähren dort bestraft sind, was er sich wohl\nzu Gemüthe führen möge. Und wenn Herr Bernsdorf\nseiner Ehrenhaftigkeit selber ein Zeugniss ausstellen will,\nso wird er nicht säumen, jene Erwiderung unverkürzt\ndem Publicum vorzulegen, damit auch die Witwe von\nLouis Spohr zu Rassel von diesem Panegyrikus Renntniss\nerhalte *).\nEine andere Stelle in dem von Herrn Bernsdorf mir\ngewidmeten Lebensabrissist nachstehende: „Hauptsächlich\nist er als Mitarbeiter verschiedener musicalischer Zeitschril-\nten thätig, und als solcher fühlt er vornehmlich sich be-\nrufen die Berechtigung dazu ist ihm allerdings schon\nvon manchen Seiten abgesprochen worden —,in Sachen\nBeethoven's, seiner Werke und der Ausführung derselben\ndie Autorität zu spielen.\"\nAuf diesQ wahrhaft unverschämte Aeusserung des noch\nimmer unmündig scheinenden Herrn Bernsdorf ist einfach\nzu erwidern, dass die 1831 zur Wiener Theaterzeitung\nvon mir allein verfassten Beilagen, von deren Existenz\nHerr Bernsdorf Renntniss hat, in Folge Aufforderung von\nausgezeichneten Rünstlern und Runstfreunden Wiens zu\nStande gekommen waren, dass ihr Inhalt fast ausschliess-\nlich Beethoven's und Schubert's Musik zum Gegenstande\nder Besprechung gehabt und fortan haben sollte, dass die\nVerlagshandlung Diabelli & Co. sämmtliche Rosten der\nAuflage dieser Beilagen getragen und für die Folgezeit zu\ntragen zugesichert hatte, dass jedoch dieses Unternehmen\nnur durch meine zu Ende desselben Jahres erfolgte Ab-\nreise von Wien eine Unterbrechung erlitten hat. Diese\nThatsachen müssen hier angeführt werden, weil sie den\nhohen Grad des von Fachmännern mir geschenkten Ver-\ntrauens in diesen Dingen constatiren, denen es wohl be-\nkannt war, welches Vertrauen Beethoven selber in Bezug\nauf Verständniss seiner Schöpfungen mir laut bewiesen\nhatte. Uebrigens darf ich wohl an die sachkundigen Leser\nmeiner Schriften über Beethoven wie auch meiner vielen\nAufsätze in verschiedenen Zeitschriften appelliren und\ndie weitere Beleuchtung der Bernsdorfschen Unverschämt-\nheit mir ersparen*).\nAber unterlassen darf ich nicht, diesem wahrheitslie-\nbenden Manne meinen Dank hiermit auszusprechen für\ndie Runde, der zufolge ich im Jahre 1831 Dom-Capell-\nmeister in Münster geworden. Das war mir selber bis jetzt\nunbekannt und ich bin nicht wenig davon überrascht. Was\nist doch Herr Bernsdorf für ein gründlicher Forscher in\nverwickelten Verhältnissen Jener, die mit ihm auf der\nStube wohnen! Da muss doch notwendiger Weise auf\ndie aus gediegener Feder erflossenen Beurteilungen die-\nses Universal-Lexikons hingewiesen werden, die in diesen\nBlättern gleich nach Erscheinen der ersten Lieferung\ndiese noch unter Schladebachs Redaction in Nr. 22,\n1855, dann wieder in Nr. 37, 1856, und zum dritten\nMale in Nr. 1 des laufenden Jahres zu lesen waren. Das\nErgebniss dieser kritischen Untersuchungen über den kunst-\nliterarischen Werth dieser leichtfertigen Compilation des\nHerrn Bernsdorf erhellt zur Genüge aus nachstehenden\nWorten: „Was soll nun eigentlich solch' ein Buch in der\nWelt? Rann der Erfolg ein anderer sein, als das ober-\nflächlichste Geschwätz über Musik und Musiker zu begün-\nstigen und noch weiter verbreiten zu helfen, als es leider\nschon verbreitet ist?\" (Vergl. Niederrhein. Musik-Ztg.\nNr. 1, S. 4, 1863.)\n\n*) Siehe Spohr's Selbstbiographie, 11, 249.\n**) Ja wohl! Uebrigens verdienen die Angaben einer von wissen-\nschaftlicher Oberflächlichkeit, Gewissenlosigkeit und Lieder-\nlichkeit strotzenden Buchmacherei, wie sie besagtes Lexikon\nüberall aufweist, gar nicht so ausführliche Widerlegungen.\nDie Redactio n.\n\nA. Schindler."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.7", "texte": "Julius Grunwald\nKöln, 17. April 1863.\nHeute Morgen, um 4V2 Uhr, erlag Julius Grun-\nwald, Concertmeister am hiesigen Orchester und Lehrer\nam Conservatorium der Musik, der schon lange an seinem\nLeben zehrenden Krankheit. Die genannten Musik-Insti-\ntute verlieren an ihm einen pflichttreuen, Ihätigen und\ngeistvoll anregenden Mitarbeiter, die Tonkunst und das\nmusicalische Leben in hiesigen Kreisen einen Künstler er-\nsten Ranges und ein treibendes Element, seine Schüler\neinen geliebten Lehrer, seine Freunde einen liebenswür-\ndigen und edeln Freund. Seit dem Jahre 1856 nannten\nwir ihn den unserigen, wunderbar entwickelte sich sein\nTalent, und in der schönsten Blülhe desselben raffte ihn\nder Tod in seinem neunundzwanzigsten Lebensjahre da-\nhin! Am Montag den 20. d. M., Nachmittags um 3 Uhr,\nwerden wir seine irdische Hülle zu der friedlichen Stelle\ngeleiten, wo Franz Hartmann und Theodor Pixis ruhen!\n\nZehutes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capeilmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 14. April 1863.\nProgramm. 1. Theil. 1. Ouvertüre zur Oper Euryanthe von\nC. M. von Weber. 2. Arie für Sopran aus der Oper Sargines von\nPaer (Frau Offermans van Hove). 3. Concert für Pianoforte\nin B-dur (Op. 67) von W. A. Mozart (Herr Capellmeister F. Hill er).\n4. „Die Nacht\", Hymne von M. Hartmann, für zwei Solostimmen\n(Sopran und Tenor), Chor und Orchester componirt von F. Hiller.\n11. Theil. 5. Sinfonie Nr. V. in C-moll von Beethoven.\nUeber die Hymne von F. Hill er (Op. 99. Verlag von Leuckart\nin Breslau) haben wir in Nr. 26 vom vorigen Jahrgang dieser Blätter\nbei Gelegenheit ihrer Aufführung auf dem hiesigen Musikfeste be-\nreits ausführlich gesprochen. Die Ausführung am 14. d. M. konnte\nnur in den Chören und im Orchester einen Vergleich mit der frühe-\nren, eben erwähnten, aushalten: der Vortrag der Sologesänge durch\nFrau Offermans aus dem Haag und Herrn Göbbels aus Aachen\nstand dagegen nicht auf gleicher Höhe mit dem Schwung der Chore.\nDie Orgel, für welche Hiller für dieses Concert eine besondere\nStimme hinzugefügt hatte, vergrösserte den an sich schon imposan-\nten Eindruck der Chöre.\nIn der Arie mit obligater Clarinette aus Sargines von Paer, wel-\nche immerhin noch eine brillante Concert-Arie ist, bewährte sich\nFrau Offermans als eine sehr gebildete Sängerin, obgleich die Stimme\nin Folge einer Indisposition nicht ganz die frühere Frische zeigte.\nHerr Capellmeister Hill er erfreute die zahlreiche Zuhörerschaft\ndurch den unnachahmlich schönen Vortrag des Clavier-Concerts in\nB-dur Op. 67 von Mozart und gewährte dadurch einen Kunstge-\nnuss, der nach ihm, dem letzten Meister der Mozart-Hummerscben\nSchule, üir das kommende Geschlecht ganz und gar verschwinden\ndürfte. Möge das gegenwärtige denn noch recht oft dadurch ent-\nzückt werden!\nDas Orchester hatte das Concert mit Weber's Ouvertüre zur\nEuryanthe eröffnet und beendigte es mit einer trefflichen, begeistern-\nden Ausführung der C-wioZZ-Sinfonie von Beethoven, welche den\nglänzenden Scliluss der Saison bildete.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer König von Preussen hat dem Geiger Sivori den Kronen-\nOrden 3. Classe verliehen.\nAm 27., 28. und 29. Mai findet in Königsberg das dreitägige\ndritte Musikfest Statt, zu welchem Anton Rubin stein aus Pe-\ntersburg als Dirigent berufen worden ist.\nLiiegiftitz. Unser Landsmann, der königliche Musik-Director\nJean Vogt, hat sein Dotnicil seit dem Herbste v. J. in Dresden\nund findet daselbst als Lehrer und Componist verdiente Anerken-\nnung. Sein Oratorium: «Die Auferstehung des Lazarus\", welches\nkürzlich in Dresden zur Aufführung gelangte, fand eine sehr gün-\nstige Aufnahme und wurde von Fachmännern als eine Compositum\nbezeichnet, die viel Beachtung verdient. Der von ihm verfasste\n„Nachtgesang\" macht überall, wo er zur Aufführung gebracht wird,\neinen grossartigen Eindruck.\nDaniiStadt. Das 3. philharmonische Concert grosslierzogl.\nHofmusik am 7. März hat gleich den früheren das Publicum sehr\nbefriedigt. Das Orchester führte die Mendelssohn'sehe Sinfonie und\ndie Ouvertüre zu Spohrs Jessonda in gewohnter Virtuosität aus.\nHerr Wolters erfreute, wie immer, durch seinen schönen Gesang.\nBesonderes Interesse erhielt auch noch das Concert durch die Mit-\nwirkung einer jungen Clavierspielerin, Fräulein Anna Mehlig aus\nStuttgart, Schülerin der Stuttgarter Musikschule, mit dem Vor-\ntrage der drei Sätze des 7/-??ioZ/-Cbncerts von Hummel. Bei ihrer\nunverkennbaren Begabung ist es eine Pflicht, die Aufmerksamkeit\nder Kunstfreunde der jungen Dame zuzuwenden.\nDer Tenorist Wachtel hat von dem Grossherzoge von Hessen\ndie goldene Medaille für Kunst etc. erhalten. N\nDas V. Mittelrheinische Musikfest in Darm Stadt ist auf den\n16. August d. J. festgesetzt worden. Die Musik.-Aufführungen sollen,\nwie schon im vorigen Jahre beschlossen war, im Theater Statt fin-\nden, jedoch hofft man, dass das ungleich günstigere und ein grösse-\nres Publicum fassende Zeughaus cla/Ai bewilligt wird.\nAm\"Sonntag den 12. April kam in Darmstadt Gounod s „Kö-\nnigin von Saba\" zum letzten Male für diese Saison zur Aufführung,\nindem gegen Ende des Monats das ganze lloitheatei-l ersonal nach\nMainz übersiedeln und während der Anwesenheit des Grossherzogs\ndaselbst, welche den ganzen Monat Mai über dauern soll, iin mainzer\nTheater zwanzig Vorstellungen geben wird.\nVlaillllieillB« Für das im Juli d. J. in Frankfurt a. M. zu\nhaltende deutsche Männer-Gesangfest wurde vom Präsidium der ver-\neinigten frankfurter Männergesang-Vereine ein Preis von zehn Du-\ncaten auf die beste Composition einer Fest-Can täte ausgesetzt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630418-01.1.8", "texte": "und zu Preisrichtern Capellmeister Ignaz Lachner, Componist W.\nSpeier und Musik-Directer Hauff erwählt. Unter 17 Bewerbern hat\nHerr Kuhn von hier den Sieg davon getragen.\nAm 13. März ging Abert's Oper „König Enzio\" in Karlsruhe\nin Scene, und fand auch dort eine sehr freundliche Aufnahme.\nGrouvy's dreiactige Oper, zu welcher Moriz Hartmann den\nCorneille's „Cid\" entlehnten Text gedichtet hat, ist nun fertig\nund soll in Mannheim bald zur Aufführung kommen. [?]\n(81. f. Theat., Mus. u. K.)\nIflunelieil« Fräulein Molique, Tochter des berühmten\nComponisten und Violinspielers Molique in London, hat hier eine\nsehr besuchte Soiree gegeben, in welcher sie als Ciavierspielerin\nsich des grossen Künstlernamens würdig zeigte, indem sie in dem\nVortrage eines Trio von Molique, Variationen von Mendelssohn,\neiner Sonate von Beethoven und eines Salonstückes von Pacher\ngrosse Bravour und beseelten Ausdruck bekundete.\nJflunclieil« Am 16. März ging Fei. Davids Oper „Lalla\nRookh\" zum ersten Male über unsere Bühne. Die Musik David's\nfand hier eine Ausführung, die nichts zu wünschen übrig liess, und\ndie Intendanz hatte die Oper in Bezug auf Decorationen und Costume\nprachtvoll ausgestattet. Kein Wunder also, dass enthusiastischer\nBeifall sowohl die Leistungen der darstellenden Künstler, so wie der\nbeiden königlichen Hoftheatermaler Doli und Quaglio und des\nHoftheater-Maschinisten Penkmayer anhaltend begleitete. Die\nHauptpartieen waren in trefflicher Weise besetzt durch die Damen\nFräulein Stehle (Lalla Rookh) und Fräulein v. Ede 1 sberg (Mirza)\nund die Herren Grill (Nureddin) und Bausewein (Kadi). Or-\nchester und Chor leisteten Vortreffliches, (Siidd. M.-Z.)\nlieipzijT« Am o. April fand hier in der Thomas-Kirche die\nAufführung der Matthäus-Passion von Seb. Bach unter Leitung des\nCapellmeisters Kein ecke Statt. Als Solisten fungirten Herr Di-\nrector Beer aus Bremen (Bass), Herr Dr. Gunz aus Hannover\n(Tenor) und die Damen Fräulein Ida Dannemann (Sopran) und Frau\nLeo (Alt). Von den genannten Solisten konnten uns nur die Herren\nbefriedigen, da die Damen, und zwar namentlich Frau Leo mit ihrem\nunangenehmen Stimmansatze, ihren Aufgaben in keiner Weise ge-\nwachsen waren. Was sollen wir. aber von den Chören sagen? Ist\nLeipzig wirklich nicht mehr im Stande, eine exaete und sichere\nDurchführung in Chorsätzen herzustellen? Ein Localblatt meint\nsehr richtig: „was soll man auswärts zu solchem Treiben sagen,\ndas doch sieher nicht zum Ruhme Leipzigs beitragen kann ?\" Wir\nbehaupten, dass auf diese Weise die Chor-Aufführungen mehr und\nmehr rückwärts schreiten und nach und nach dahin kommen werden,\ndass sogar kleinere Provincialstädte einen sichereren Chor aufweisen\nkönnen, als man ihn in Leipzig zu hören vermag. Wir sprechen\nnatürlich hier von dem Chore, welchen die Concert-Direction zu\n»\nihren Aufführungen gewinnt, da wir den Riedel'schen Verein unter\nLeitung seines vortreffllichen Dirigenten Riedel bereits sehr wacker\nsingen hörten. Beregte Aufführung konnte also im Ganzen be-\ntrachtet keineswegs genügen, da die Chöre ohne Präcision gesungen\nwurden und die Solistinnen ihre Partieen nicht genügend durchführten.\nMöchte es in dieser Hinsicht hier bald besser werden! n.\nW ieil. Im Burgtheater spielte kürzlich Fräulein J anausch ek\nals dritte Gastrolle, statt der Phädra, die Lessing'sche Orsina, und\nzwar mit bedeutendem, wohlverdientem Erfolge.\nIm Opern-Tlieater tauchte plötzlich ein neuer Tenorist auf. Er\nheisst Dalfy und sang den Gomez im „Nachtlager\". Das En-\ngagement des Herrn Wachtel auf fünf Jahre um den fabelhaften\nPreis von 18,000 Gulden jährlich soll bereits definitiv entschieden\nsein. Der Sänger wird im September seinen Eintritt halten.\nWagner's ..Tristan und Isoldeu ist nun wieder auf unbestimmte\nZeit, im günstigsten Falle auf den Anfang der nächsten Saison, ver-\nschoben nachdem das Opern-Theater diese ganze Saison daran\nstudirt —, 57 Proben davon abgehalten und Manches darüber\nversäumt hat.\nBern. Unser 4. Abonnements-Concert enthielt: Beethoven's\nPastoral-Sinfonie, Moscheles' Clavier-Concert aus G-moll, vorgetra-\ngen von Herrn Frantzen, und die Tell-Ouverture. Ausserdem sang\nHerr Marchesi, und unser Herr Wagener gab eine hübsche Fantasie\nfür Horn zum Besten. Im 5. Concert hörten wir Mozart's JD-dur-\nSinfonie und die Ouvertüre zu „Ruy Blas\" von Mendelssohn. Die\nwillkommensten Gaben aber brachte diesmal Herr Concertmeister\nDavid, welcher ein Violin-Concert von Viotti, so wie eine eigene\nComposition, „Variationen über ein russisches Volkslied\", vortrug.\nIn einem Concert, das die Musikgesellschaft im Theater veranstal-\ntete, wurden die Sinfonie und Ouvertüre des letzten Concerts wieder-\nholt und dazu durch Herrn Franck Clavier-Concert\naus Es-dur, so wie durch Herrn B rassin Spohr's 8. Violin-Concert\n(Gesangsscene) vorgetragen. Noch ist der drei Concerte zu gedenken,\nwelche die hiesigen Vereine veranstalteten: die „Liedertafel\", der\n„Frohsinn\" und der „Studenten-Gesangverein\". Herr Methfessel,\nVice-Director der Musikgesellschaft, gab sein Benefiz-Concert, in wel-\nchem er auf seinem Instrument, dem Violoncell, mitwirkte.\nParis. Thalberg veranstaltet auch jetzt wieder, wie im\nvorigen Jahre, einen Cyelus von im Erard'schen\nSaale. Die erste sollte am 8. April Statt finden.\nIm zweiten am 8. März Statt gehabten Concert R. Wagner's\nin Petersburg kamen zur Aufführung: von Beet-\nhoven und Piecen aus den beiden Opern „Tristan und Isolde\" und\n„die Meistersinger von Nürnberg\". Die erstgenannte Oper lieferte\n„das Präludium\" (Liebestod) und Finale (Verklärung), die letztere\n„die Versammlung der Meistersängerzunft\", „Pogner's Anrede\" (Bass-\narie, von Mr. Soboleff gesungen) und die Ouvertüre. Ausserdem\nkam aus dem zweiten Theile der Nibelungen „die Walküre\" und\nSigmund's „Liebesgesang\" zur Aufführung. Ein drittes Concert\ngab Wagner im grossen Theater. Es fand am 10. März Statt und\nführte folgende Nummern vor: Die Ouvertüre, die der\nElisabeth und das Duett derselben mit Tannhäuser aus „Tannhäuser\",\ndas Vorspiel und die Balcon-Scene aus „Lohengrin\", die Cavaleade\naus der „Walküre\", Sigmund's Liebes- und Schmiedegesang, Wotan's\nLebewohl an Brunhild und den Tannhäusermarsch.\n(81. f. Theat., Mus. u. K.)"}]}