{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-04-25-01", "volume": "bmtnabi_1863-04-25_01", "ocr_sha256": "d4ef9932ea076a696a4c54d07486d48f92d1673f45fd595c00cef5b9a18848ae", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/04/25_01/bmtnabi_1863-04-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 471, "texte": "Inhalt.\nJulius Grunwald (Nekrolog). Von Prof. L. Bischoff. Beatrice und Benedict. Text nach Shakespeare, Musik von\nH. Berlioz. Aus Rotterdam (Opern-Personal Repertoire Streich-Quartette). Aus Dresden (Aufführung der Oper „Fera-\nmors\" von A. Rubinstein). Von F. Aus London (Die beiden italiänischen Opern-Gesellschaften). Von A. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Berlin, Frau Charlotte Birch-Pfeiffer Karlsruhe, neues Lustspiel J. 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Das offene Grab umstanden Männer und\nJünglinge, Frauen und Jungfrauen, dem Künstler, der sie\nso oft begeistert und entzückt, eine Thräne zu weihen, den\nletzten Zoll des Dankes für die himmlischen Töne, mit\nderen Klang er so oft ihr Herz zu den edelsten Empfin-\ndungen bewegt hatte. Ein anderer Kranz von Freunden\numgab die Ruhestätte und stimmte feierliche Gesänge der\nErgebung in Gottes Rath und der Hoffnung auf Wieder-\nsehen in einer anderen Welt an. Und als die Töne und\ndie Worte des geistlichen Redners verklungen, als der\ndumpfe Wiederhall der Erde, welche Freundeshand auf\ndie Bretter warf, uns durchschauerte, da brach manches\nAuge in Thränen aus und auch das Herz in der Männer-\nbrust empfand tief die Vergänglichkeit auch der herrlich-\nsten Gaben, womit die Menschen auf Erden prangen.\nUnd um das Grab das frische Grün des Lebens, die\nBlüthenpracht der Fluren des Friedhofes!\nDas Ewige ist nicht dem Tode unterthan,\nUnd Erd' und Himmel wandeln ruhig ihre Bahn.\nFrühling umzieht sie stets mit neuem TBlumensaum,\nWenn schlummernde Natur erwacht aus ihrem Traum.\nUnd Du, Vergänglicher, mit Deiner Spanne Leben,\nRufst Du in Deinem Stolz: Mir ward all das gegeben?\nKein Blatt verwelkt um Dich, kein Lüftchen wird ersteh'n,\nNur einen leisen Hauch der Klag' um dich zu wehIn.\nDoch anders regt es sich in warmen Menschenherzen\nDa bleibt die Liebe Dir, der Wehmuth stille Schmerzen,\nJulius Grunwald war den 21. August 1834 zu\nPosen geboren. Seine musicalischen Anlagen zeigten sich\nsehr früh und wurden im Conservalorium zu Prag, na-\nmentlich durch Moriz Mildner's, des ausgezeichneten Vio-\nlinisten, Unterricht, so ausgebildet, dass er schon als Knabe\nöffentlich spielte und in Prag und in Leipzig Aufsehen er-\nregte. Später ging er nach Berlin, wo er eine Zeit lang\nAnführer des Orchesters am Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater war. Im Herbste des Jahres 1856 trat er, 22\nJahre alt, die Stelle des durch den Tod des trefflichen\nTheodor Pixis erledigten Lehramtes des Violinspiels am\nConservatorium zu Köln und des Concertmeisters am hie-\nsigen Concert- und Theater-Orchester an.\nEr trat hier zum ersten Male am 2. December 1856\nim dritten Gesellschafts-Concerte des Winters (damals\nnoch im Casino) mit Lipinsky's so genanntem Militärischen\nConcerte auf. Die Reinheit seines Spiels, auch in den Dop-\npelgriffen und in jeder Lage, liess schon damals nichts zu\nwünschen übrig, auch seine Technik bewährte sich bereits\nals auf der Höhe des heutigen Violinspieles stehend ; den-\nnoch war es wunderbar, wie bald und wie mächtig sein\nTalent sich weiter zu grossartigem Tone, dem Anfangs\nnoch das Markige gefehlt hatte, zu gesangreichem Vor-\ntrage und zu vollendeter Technik, alles zusammen als Mit-\ntel, einer trefflichen und edlen Auffassung der Werke\njeder Schule durch geniale Ausführung Leben und Aus-\ndruck zu geben, entfaltete. Er war einer der bedeutend-\nsten Concert- und Quartettspieler unserer Zeit geworden,\nHaydn und Mozart, Lipinsky und Spohr, Beethoven und\nMendelssohn gab er in ihren schönsten und schwierigsten\nWerken, in ihrem eigentümlichen Geiste mit sicherem\nGefühle und meisterhaftem Ausdrucke wieder, und da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2980, "texte": "neben warf er auch einem Publicum, das etwa nach mo-\nderner Bravour lechzte, scherzend und lächelnd die bun-\ntesten Slräusse Paganini'scher Kunstgärtnerei in den\nSchooss, dass die Menge ihm zujubelte und die ernsteren\nKenner auch diese Leistungen bewundern mussten.\nUnd wie fern war Grunwald bei allen diesen eminen-\nten Eigenschaften, die er, man möchte sagen: im Stillen,\nzu meisterlichen Vorzügen ausgearbeitet hatte, wie lern\nwar er von anspruchsvollem Treiben, von Künstler-Eitel-\nkeit und Künstlerneid, wovon seine reine Seele nichts\nwusste! Denn selbst die feine Ironie, mit welcher er sein\nkünstlerisches Urtheil zu würzen verstand, war stets harm-\nlos und traf niemals die Person, sondern immer nur die\nSache. Lebte er doch auch nur der Kunst und hat ihr in\ndem unermüdlichen Fleisse, durch den er ihre Höhe er-\nreichte, einen Theil seines Lebens geopfert! Denn die Na-\ntur, die ihn mit künstlerischem Geiste und Talente ver-\nschwenderisch ausgestattet, hatte ihm, wie so manchem\nKünstler, physische Lebenskraft nur karg zugemessen, und\ndie blühenden Wangen des Jünglings waren nur eine trü-\ngerische Hülle der Keime des Uebels, das an seinem Da-\nsein nagte. Schon vor zwei Jahren zeigten sich Symptome\nvon Lungen- und Brustkrankheit, die seine Freunde mit\nbanger Ahnung erfüllten. Der geistige, frische Lebensdrang\nin ihm und der Einlluss der milden Jahreszeit, die er auf\ndem Lande zubrachte, drängten diese bangen Ahnungen\nwohl auf Augenblicke zurück, doch konnten sie sie nicht\nmehr ganz verscheuchen. Noch einmal flammte die Lebens-\nkraft in ihm so leuchtend auf, dass sie ihn befähigte, uns\nam 21. October vorigen Jahres im ersten Gürzenich-Con-\ncerte durch den Vortrag eines Concertes von Spohr noch\neinmal zu entzücken: in Wahrheit hielt er die ganze Zu-\nhörerschaft in zauberischem Banne, und wenn wir damals\nsagten, dass auf den schmelzenden Gesang des Adagio's\nsein Vortrag des reizenden Thema's des Finale in Doppel-\ngriffen uns entzückte, wie einen, der im Frühling nach\neinem wehmüthigen Traume am Morgen die plötzlich über\nNacht aufgebrochenen Blüthen und Blumen erblickt, so\nfüllt jetzt doppelte Wehmuth unser Herz, da wir ihn unter\ndie Blumen und Blüthen des wirklichen Frühlings versen-\nken mussten und seine Töne, für uns auf immer verklun-\ngen sind. Am Morgen des 17. April, früh um Uhr,\nhörte das Herz zu schlagen auf, das im Leben das edelste\nmenschliche Gefühl und das höchste Ideal der Kunst er-\nfüllt hatten.\nEr lebte still und bescheiden seine schönsten Jahre in\nunserem Kreise, er trachtete nicht einmal danach, sich in\nweiteren Kreisen geltend zu machen; er versagte es sich,\nin den Weltstädten Ruhm zu suchen, denn er kannte noch\neine andere Pflicht, die er mit der innigsten Liebe eines\nSohnes heilig hielt; was sein einfaches Leben ihm zu er-\nübrigen möglich machte, das wanderte jetzt dürfen wir\nes sagen —im Stillen einen anderen Weg. Friede seiner\nAsche und dankbare Erinnerung an seinen Genius!\nKöln, 21. April 1863.\n\nProf. L. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "131", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.2.3", "titre_corps": "Beatrice und Benedict.", "titre_sommaire": "Beatrice und Benedict.", "signature_source": "A. W. G", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.2", "debut_caractere": 2982, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "Beatrice und Benedict.\nText nach Shakespeare und Musik von Hector Berlioz.\nAufgeführt in Weimar am 8. und 10. April 1863.\n\nZur künstlerischen Verherrlichung des erfreulichen\nGeburlsfestes unserer kunstsinnigen Frau Grossherzogin\nSophie waren, so viel wir wissen, zwei neuere Opern\nvorgeschlagen worden, nämlich „Die Rose von Erin\" von\nBenedict (mit deutschem Texte von Franz Dingelstedt) und\nBerlioz's obengenannte neueste Oper, welche bekanntlich\nvoriges Jahr zur Einweihung des neuen Theaters in Baden-\nBaden (9. August) zum ersten Male in Deutschland gehört\nwurde. Zu unserer Freude entschied man sich, vielleicht\nauch durch Liszt's Propaganda für den befreundeten fran-\nzösischen Künstler vorzugsweise bestimmt, für das letztere\nWerk. Behufs einer möglichst vollendeten Aufführung war\nder berühmte Componist, bekanntlich einer der vollendet-\nsten Dirigenten der Gegenwart, zur Direction eingeladen\nworden. Zu gleichem Zwecke waren auch die Decorationen\nim vierten Aufzuge (von Händel) und sämmtliche Costumes\n(nach Angabe des Herrn Döpler) neu, wie sich denn die\nGeneral-Intendanz möglichst angelegen sein liess, dem rei-\nzenden Werke des „französischen Beethoven\" [Oho!] in\nscenischer Hinsicht alle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.\nDie Fabel des Libretto's setzen wir als bekannt voraus,\nda Berlioz sich hier Shakespeare's Lustspiel „Viel Lärmen\num Nichts\" zum Vorwurf genommen hat. In textlicher\nBeziehung kann nun allerdings die neue Erscheinung nicht\ngerade als ein Ideal oder als ein entschiedener Fortschritt\nauf dem Gebiete der komischen Oper bezeichnet werden,\naber trotzdem steht dieser Theil der anmuthigen Tondich-\ntung weit höher, als die meisten neueren komischen Opern-\ndichtungen. Die deutsche Bearbeitung von Dr. Pohl war\neine sehr gute, ja, sie war zum Theil in den lyrischen Par-\ntieen (z. B. dem Schluss-Duett im ersten Acte) eine meister-\nhafte zu nennen. Dass sich der Bearbeiter eine möglichst\npoesiereiche freie Uebertragung angelegen sein liess, wol-\nlen wir besonders bemerken. Was nun die Musik des be-\ntreffenden Werkes im Allgemeinen anbelangt, so müssen\nwir bekennen, dass uns Berlioz durch sein neuestes Opus\nförmlich überrascht hat. Diese reizende, einfache Musik,\ndiese poetische Interpretation des Textes, diese feine, pi-\nkante und geistreiche Instrumentation, diese originelle"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4089, "texte": "Rhythmik hatten wir nach den uns früher bekannt gewor-\ndenen düsteren und zum Theil phantastischen Tondichtun-\ngen nicht erwartet. Wir glauben daher, dass die Partitur\nin den genannten Beziehungen ein lohnendes Studium für\nangehende Opern-Componisten abgeben dürfte.\nDie Ouvertüre ist keineswegs den uns früher bekannt\ngewordenen ähnlichen Arbeiten Berlioz' gleichzustellen,\nsowohl hinsichtlich der Grösse und Bedeutung der Motive,\nals auch hinsichtlich der instrumentalen Pracht; sie ist\naber ein geistreiches Musikstück, welches mit der Oper,\nwelche dazu die Haupt-Motive liefert, in engster Beziehung\nsteht. Der Einleitungssatz besteht aus einem kurzen Alle-\ngro in 3/8-Tact von grossem rhythmischem Reize, der fast\nallen Arbeiten des betreffenden französischen Componisten\nin hohem Grade eigen ist; darauf folgt ein warm empfun-\ndenes Andante—der Ausdruck der endlich erreichten Hin-\ngebung der Beatrice -—, woran sich der Allegrosatz\nschliesst, der auf folgendes Motiv des Schluss-Duetts im\nzweiten Acte basirt ist:\nWenn der Vorhang sich erhebt, erklingt ein kräftiger\nChor als Introductionsstück, ohne gerade von hervorste-\nchender Bedeutung zu sein, woran sich ein musicalisch\nhöchst origineller Nationaltanz, eine „Sicilienne\", anschliesst.\nDie Arie der Heroist in Form der gewöhnlichen Opern-\nArien geschrieben ; sie ist von theils schwärmerischem, theils\nfreudig erregtem Charakter. Dass sich Berlioz bei dem Sie-\ngeszuge die Gelegenheit, einen glänzenden Triumphmarsch\nanzubringen, entgehen liess, so wie, dass er jene reizende\nSicilienne wieder als Entreact benutzt, statt ein neues Ton-\nstück zu bringen, will uns nicht recht einleuchten, um so\nmehr, als die Oper hinsichtlich ihrer Zeitdauer noch recht\ngut einige Nummern vertragen könnte. In dem Duett der\nBeatrice und des Benedict tritt der Genius des Compo-\nnisten des „Benvenuto Cellini\" glanzvoll zu Tage, denn\ndieser Satz ist ein reizendes Stück, voller Lebendigkeit,\nGeist und Humor. Auch das darauf folgende Terzett ist\nein vorzügliches Tonstück. Ein köstlicher musicalischer\nWitz, der auch dem grösseren Publicum, drastisch ausge-\nführt, sehr behagte, ist die wirklich echt komische Hoch-\nzeits-Cantäte des Capellmeisters Somarone in Form\neiner zopfigen Doppelfuge. Neben Benedicts Arie: „Ich\nliebe sie schon\" (in Rondoform), verdient als Perle des er-\nsten Actes, wo nicht als Prachtstück der ganzen Oper, das\nwunderschöne Duett der Hero und Ursula; „0\nNacht, von Zauber erfüllt\", hervorgehoben zu werden.\nEs ist so edel, last möchte ich sagen: so echt deutsch em-\npfunden, so einfach und innig, dass es überall die grösste\nSensation hervorrufen wird. Auch das Trinklied, womit\nder zweite Act beginnt: „Der Wein von Syrakus\", ist ein\noriginelles, wirkungsreiches Tonstück voll sprudelnden Hu-\nmors. Das Recitativ und die Arie der Beatrice ebenfalls\neine der schönsten Opern-Nummern), so wie das Terzett\nder Beatrice, Hero und Ursula würden nach unserer Mei-\nnung vielleicht noch etwas gewinnen, wenn beide einige\nVerkürzungen erlitten. Das Brautlied und der Hochzeits-\nchor (das einzige grössere Ensemblestück der Oper), so\nwie das oben skizzirte Scherzo-Finale gereichen dem Werke\nebenfalls zur Zierde.\nGespielt und gesungen wurde von dem Opern-Perso-\nnale nach Berlioz' eigener Aussage ganz vortrefflich; Frau\nvon Milde (Beatrice) war in beiderlei Beziehung, nament-\nlich in ersterer, fast vollendet; Herr Kn opp (Benedict)\nund Herr Schmidt (Somarone) nicht minder; eben so\nverdienen rühmliche Erwähnung Hero (Frau Podolskv),\nUrsula (Frau Schmidt). Vorzüglich zu rühmen war aber\nunser Orchester; es bewies von Neuem, zu welchem\nAufschwung, zu welcher Zartheit und poetischen Auffas-\nsung es unter einer intelligenten Leitung fähig ist. Da bei\nden grossherzoglichen Geburtsfesten laute Beifalls-Aeusse-\nrungen unterbleiben, so war es uns interessant, bei der\nzweiten Aufführung die Haltung des grösseren Publi-\ncums zu beobachten. Zu unserer Freude können wir be-\nrichten, dass fast jede Nummer reichen Beifall ärntete;\nder Componist, so wie die Haupt-Darsteller wurden nach\njedem Acte stürmisch gerufen.\n\nA. W. G."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "134", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.2.4", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.3", "debut_caractere": 4091, "fin_caractere_exclue": 4952, "texte": "Aus Rotterdam.\nDen 12. April JBG3.\nWir nahen uns jetzt dem Ende der Saison, und hätten\nuns nicht die Umstände gezwungen, unseren ersten Bericht\nso früh einzusenden, wir würden in manchen Dingen an-\nders geurtheilt haben. So zum Beispiel hatte Frau Deetz\ndas Glück, mit ihren besten Partieen beginnen zu können,\nwohingegen dem Fräulein Weiringer erst später ihre\nVorzüge zu entfalten Gelegenheit geboten wurde. Wir\nschrieben Ihnen, dass Frau Deetz der anerkannte Lieblins\nn\ndes Publicums sei; in diese Eh re theilen sich aber jetzt\nbeide Damen. Es lässt sich nicht läugnen, dass der Ge-\nsang der Ersteren durch den Missbrauch des Portamento\nund das Tremoliren gestört wird. Wir haben von Mozart\ndrei Opern gehabt: Don Juan, Figaro und Zauberflöte,\nin welchen Frau Deetz nur als Zerline anzuerkennen war;\nweder ihr Page noch Pamina genügte in gesanglicher Be-\n\nf]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5470, "texte": "ziehung. Der Fehler dieser Künstlerin ist, dass sie ihre\neigentlichen Kräfte nicht kennt und sich gern zu den ersten\nPartieen drängt, wohingegen sie als Soubrette auf jeder\nBühne willkommen sein dürfte. Dies ist zu bedauern. Schon\ndas Misslingen der Agathe zu der Zeit, in welcher das Pu-\nblicum nur für sie schwärmte, müsste sie von der Unpar-\nteilichkeit des Publicums überzeugt und ihr die Augen ge-\nöffnet haben. Hoffen wir, dass diese mit grossem Talente\nbegabte Künstlerin zur Einsicht kommt und ihren eigent-\nlichen Werth mehr schätzen lernt.\nFräulein Weiringer ist eine correcte Sängerin, und\nentspräche ihr Spiel ihrem Gesänge, sie würde unter die\nZahl der ersten Künstlerinnen einzureihen sein. Etwas\nmehr Wärme wäre zu wünschen, auch ihr Triller ist nicht\ngleichmässig. Doch wo gäbe es eine Sängerin, an welcher\nnicht etwas auszusetzen wäre! Wiewohl diese-Künstlerin\nnicht durch ihre äussere Erscheinung imponirt, so weiss\nsie dagegen durch ihr bescheidenes, anspruchsloses Wesen\ndas Publicum zu gewinnen; auch ist sie musicalisch durch\nund durch und spielt sehr gut Ciavier. Ihre hervorragend-\nsten Partieen sind Susanne im Figaro, Königin der Nacht,\nMargarethe in den Hugenotten, Nachtwandlerin u. s. w.\nVor Allem die ersten beiden. Die beiden Arien der Königin\nder Nacht wurden meisterhaft gesungen; namentlich ist\nihr Staccato von grosser Wirkung, wie auch der nicht\nenden wollende Applaus und Hervorruf sie von der Aner-\nkennung ihrer Leistung überzeugen konnte.\nUeber Frau Kapp-Young ist wenig zu berichten. Hat\nman nichts Besseres, so begnügt man sich gern mit dem,\nwas einem geboten wird. Ihr Gesang ist so ziemlich der-\nselbe geblieben, doch scheint sie die Schärfe ihrer Höhe\nmehr decken gelernt zu haben. Es ist für diese Dame zu\nbedauern, dass ihr entschieden dramatisches Talent nicht\nmehr ausgebildet ist;, denn dass sie Talent besitzt, ist\ndurchaus nicht in Zweifel zu ziehen. Sie hat Momente in\nihrem Spiel, die überraschen, sie ist durchdrungen von\nihrer Aufgabe, doch wird sie an der künstlerischen Aus-\nführung derselben durch die mangelhafte Ausbildung ver-\nhindert.— Fräulein Frevist uns immer lieb und werth\nV\nund weiss sich der Direction nützlich zu machen. Ihr Ver-\nlust dürfte schwer zu ersetzen sein.\nVon den Sängern müssen wir Herrn Ellinger her-\nvorheben. Es sei aber dabei bemerkt: noch ein solcher\nWinter, und er wird es büssen müssen! Jedenfalls wird\ndie Theater-Commission die stete Bereitwilligkeit* dieses\nSängers anzuerkennen wissen. Er hat der Casse, wie über-\nhaupt dem ganzen Unternehmen in diesem Winter sehr\ngenützt. Herr Ellinger trat in Rotterdam, also Utrecht\nnicht eingerechnet, 37 Mal auf, darunter im Monat Fe-\nbruar acht Mal, wie folgt: 3 Tannhäuser, 2 Prophet, 2\nLohengrin, 1 Troubadour. Das ist jedenfalls zu viel. Die\nCasse hat dabei gewonnen, ob auch der Sänger, mag in\nFrage gestellt bleiben. Herr Ellinger hat seine Aufgabe\nmeisterhaft durchzuführen gewusst. Von allen Partieen\nsteht sein Lohengrin obenan. Es hat den Anschein, als ob\ner in dieser Oper gänzlich umgewandelt; er beherrscht\ndarin seine Stimme vollkommen und weiss ihr durchweg\neine eigene Färbung zu verleihen. Das Duett im dritten\nActe mit Elsa wurde vortrefflich gesungen, wie auch die\nErzählung seiner Herkunft richtig von ihm aufgefasst\nwurde. Weniger gefällt uns sein Prophet und Tannhäuser,\nwiewohl letzterer eine gute Leistung war. Es ist für die\nGesangskunst sehr zu beklagen, dass diese grandiose\nStimme nicht mehr ausgebildet ist. Eben desshalb müssen\nwir ihm dringend anrathen, vorsichtig zu sein. In letzterer\nZeit war Herr Ellinger durchaus indisponirt, und ein Glück\nfür ihn, dass in kurzer Zeit die Saison vorüber ist. Ruhe\nthut ihm noth. Zu unserer Freude vernehmen wir, dass\ndieser Künstler für die nächste Saison wieder für hier ge-\nwonnen ist, und hoffen, ihn mit neuen, frischen Kräften\nwieder in unserer Milte zu sehen.\nUeber Herrn Schneider müssen wir zu unserem\nBedauern berichten, dass derselbe hier als Opernsänger\nnicht so durchschlug, wie es sein Ruf in Deutschland als\nConcert-, namentlich Oratoriensänger erwarten liess. Herr\nSchneider lässt das Publicum auf der Bühne kalt, mit Aus-\nnahme seines Don Ottavio. Es ist bei diesem so geschulten\nSänger ein auffallender Unterschied, ihn im Saale oder\nauf der Bühne zu hören; man glaubt, zwei verschiedene\nPersonen vor sich zu haben. Im Saale ist die Stimme eben\nund schmelzend, auf der Bühne erscheint sie herber und\nin den höheren Tönen forcirt. Uebrigens verdirbt Herr\nSchneider keine Partie, man hört gleich, dass man es mit\neinem musicalischen Sänger zu thun hat. Eine Ausnahme\ndürfte sein Graf Almaviva sein, wie denn überhaupt keiner\nder Künstler im Barbier von Sevilla auf seinem Platze war.\nDer Erfolg war vorauszusehen, ein entschiedenes Fiasco\nunvermeidlich. Herr Schneider steht hier in grosser Ach-\ntung; es ist uns daher angenehm, dass ihm wieder Gele-\ngenheit geboten, sein Talent als Oratoriensänger zur Gel-\ntung bringen zu können. Anfangs Mai kommen unter der\nletzten Direction des Herrn Verhülst, welcher einem\nehrenvollen Rufe nach Amsterdam folgt, Haydn's „Jahres-\nzeiten\" zur Aufführung, in welchen Herrn Schneider die\nTenor-Partie übertragen sein soll. Herr Schneider verlässt\nsomit Rotterdam, einen guten Eindruck zurücklassend.\nHerr Lang hat im Publicum auch mehr festen Fuss\ngefasst. Seine Stimme ist namentlich in der Miltellage von\nangenehmem Klange, und würde derselbe die Höhe im\nCrescendo nicht so sehr forciren und beim Schwellenlassen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5309, "texte": "nicht zwischen uund obeginnen und mit enden, son-\ndern eine Klangfarbe beibehalten, die Stimme wie der\nGesang würden nur dadurch gewinnen. Wir können uns\nim Allgemeinen mit der Gesangweise des Herrn Lang nicht\nganz einverstanden erklären, wiewohl nicht zu verkennen\nist, dass derselbe namentlich in Liedern, wie üherhaupt\nim Cantabile viel Geschmack verräth. Sänge Herr Lang\nmit mehr geöffnetem Munde, so würde seine Stimme nicht\nallein ergiebiger sein, sondern auch die Aussprache ge-\nwinnen: a würde nicht zum o oder u, ei nicht zum eu\nu. s. w. Das Spiel dieses Künstlers hat sich um Bedeuten-\ndes verbessert. Wir bemerken nicht mehr so oft die Un-\nruhe, Unentschlossenheit seiner Bewegungen, wie denn\nauch sein ganzes Vorkommen ein gewisses Bestimmtes an-\ngenommen. Herr Lang ist, wie wir hören, für die könig-\nliche Oper in Berlin engagirt. Wir wünschen ihm Glück\ndazu, da ihm dort mehr Gelegenheit geboten wird, sich\nmehr zu vervollkommnen.\nHerr Dalle Aste ist nach wie vor beim Publicum\n(Theater-Publicum) beliebt, wenn auch nicht in dem\nGrade, wie früher. Doch davon hat sich dieser Künstler die\nSchuld selbst beizumessen. Es ist zu bedauern, wenn Künst-\nler wie Herr Dalle Aste die Gewogenheit des Publicums\nnicht mehr zu würdigen wissen und sich zu groben Ueber-\ntreibungen verleiten lassen. Wir erinnern nur an seinen\nLeporello und Plumkett in Martha. Leporello ist eben so\nwenig ein Hanswurst, wie Plumkett ein trunkener Bauern-\ntölpel. Jedenfalls müssen wir es uns verbitten, in Mozart'-\nschen Opern Hanswurstiaden vorzuführen; Respect vor\nMozart erwarten wir von jedem Künstler. Was seinen\nPlumkett betrifft, so können wir nicht begreifen, wie Herr\nDalle Aste das Trinklied sowohl im Spiel wie Gesang auf\nso unästhetische Weise dem Publicum bieten darf. Lässt\ner sich durch den Applaus zu diesem unkünstlerischen und\nzu gleicher Zeit unfeinen Theater-Effecte verleiten, so ist\nes eben so sehr zu beklagen, dass er weniger der Kunst\nals dem mehr oder weniger unmusicalischen Theile des\nPublicums huldigt. Wir schätzen Herrn Dalle Aste in ern-\nsteren Partieen sehr und wünschen von Herzen, dass er für\ndie nächste Saison uns erhalten bleibe; doch halten wir\nes für unsere Pflicht, ihn auf dieses Vergehen gegen die\nKunst aufmerksam zu machen, um so mehr, da die hiesi-\ngen Blätter derartige Ueberschreitungen nicht zu rügen\nwagen.\nIm Monat März gastirte Fräulein Lichtmay aus\nWien. Ihre besten Rollen waren Valentine, Leonore im\nTroubadour, Martha, auch Donna Anna; die weniger gu-\nten die Jüdin und Pamina. Ihre Stimme ist im Ganzen\nansprechend, nur die Höhe etwas scharf; etwas mehr Tiefe\nwäre wünschenswerth. Der Gesang dieser Dame würde\nmehr gewinnen, wenn sie mit dem Gebrauche des Porta-\nmento sparsamer zu Werke ginge. Ihr Vortrag gefällt uns\nsonst wohl und verräth grosse Begabung. Ihr Spiel ist\nnatürlich und voll Wärme, wie denn auch der Erfolg im\nGanzen ein guter zu nennen war. Fräulein Lichtmay ist\nfür nächste Saison hier engagirt. Die Anforderungen sind\nhier etwas hoch; dieses Verlangen wäre bei den hiesigen\nhohen Gagen gegründet, wenn hier die Künstler auf fünf\noder neun Jahre fest engagirt würden. Jedoch Künstler,\nbei denen Stimme, Schule, Spiel, mit Einem Worte Alles\nausgezeichnet ist, lassen sich nicht auf ein Jahr fürs Aus-\nland engagiren, sondern nur für Gastrollen. Derartige\nKünstler sind nicht allein in jetziger Zeit mit Laternen zu\nsuchen, sondern sie finden auch in Deutschland mit hoher\nGage ein dauerndes Engagement.\nLobend müssen wir noch das Orchester unter Leitung\ndes Herrn Capellmeisters Levi erwähnen, wie auch die\nChöre, von Herrn Drobitsch einstudirt.\nDa wir am Ende der Saison sind, so sei uns erlaubt,\ndas Repertoire der bis jetzt hier zur Aufführung ge-\nkommenen Opern beizufügen. Figaro's Hochzeit 5 Mal,\nDon Juan 6, Zauberflöte 2, Jessonda 3, Lohengrin 9,\nTannhäuser 3, Hugenotten 5, Prophet 3, Freischütz 1,\nCzaar und Zimmermann 3, Martha 6, Jüdin 5, Barbier\nvon Sevilla 1, Teil 2, Troubadour 3, Lucie 2, Teufels\nAntheil 1, Nachtwandlerin 2, Treuhold und sein Sang von\nDrobitsch 2 Mal. Neu einstudirt waren acht Opern; erwar-\ntet wird in dieser Zeit Faust und Margarethe. Wir glau-\nben, dass wir uns dieses Repertoires nicht zu schämen ha-\nben, bedauern aber, Fidelio und Euryanthe dieses Jahr zu\nvermissen, hoffen nur, dass uns diese Opern nicht ganz\nentfremdet werden. Zum Schlüsse können wir nicht unter-\nlassen, der verehrlichen Theater-Commission für ihre\nMühen und Opfer unseren Dank abzustatten. Es wird sel-\nten ein Privat-Untemehmen in Handelsstädten bestehen,\nin welchem für die Oper derartige Opfer gebracht werden,\nwie hier. Wenn man bedenkt, dass die Stadt nichts thut,\nsondern Alles von den Einwohnern zu erwarten ist, so\nkann man sich einen Begriff von der Bereitwilligkeit der-\nselben machen. In kurzer Zeit ist jetzt wieder die ansehn-\nliche Summe von beinahe 200,000 Gulden theils einge-\nzeichnet, theils garantirt. Die ganze Last des Unterneh-\nmens fällt auf die Commission, welche nur aus Musik-\nLiebhabern besteht. Wünschen wir desshalb, dass ihre\ngrosse Mühe auch im nächsten Jahre mit Erfolg gekrönt\nwerde; der Dankbarkeit des Publicums kann sie sich ver-\nsichert halten.\nHerr Rappoldi, Concertmeister unseres Opern-Or-\nchesters, hat sich durch das Arrangement von Streich-\nQuartetten ein besonderes Verdienst erworben. Da ihm"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 686, "texte": "gute Kräfte zur Seite stehen, so ist es ihm gelungen, jähr-\nlich zwei Abonnements zu je vier Quartett-Soireen zu\nStande zu bringen. Wir sind diesem trefflichen Künstler,\nwelcher als solider Violinist in Deutschland nicht ganz un-\nbekannt ist, um so mehr zu Dank verpflichtet, da vor sei-\nner Zeit wenig Gelegenheit geboten wurde, überhaupt\nKammermusik zu hören. Wiewohl der Zuspruch noch kein\ncrosser zu nennen ist, so hofien und wünschen wir, dass\nauch diese Musik hier mehr und mehr Eingang finde. In\nErwägung der kurzen Zeit, welche den Künstlern zum\nEinüben der Quartette bleibt, müssen wir ihnen, sowohl\nwas Auffassung als Zusammenspiel betrifft, unsere grösste\nAnerkennung zollen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "135", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.2.5", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "F", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.6", "debut_caractere": 688, "fin_caractere_exclue": 5151, "texte": "Aus Dresden.\n\nAm 24. Februar brachte unser Hoftheater eine neue\nOper von J ul. Rodenberg und Anton Rubinstein,\nderen Titel ursprünglich »Lalla Rookh\" geheissen, jetzt,\nwegen der Parallele mit Felicien David's Oper gleichen\nNamens in „Feramors\" umgetauft worden ist. Fera-\nmors ist nämlich der Name des Sängers, den der König\nder Bucharei seiner verlobten Braut, der indischen Prin-\nzessin Lalla Rookh, entgegensendet und zu dem diese in\nLiebe entbrennt, welche am Ende glücklicher Weise als\neine standesmässige erscheint, da Feramors Niemand an-\nders als der königliche Bräutigam selbst ist. Man begreift\neigentlich nicht recht, wie dieser in der Originaldichtung\nvon Thomas Moore rein lyrisch behandelte Stoff schon\neinige Male zu einem Opernbuche benutzt werden mochte,\nda ihm sowohl dramatische Handlung als Charakteristik\nder einzelnen Personen fehlt. Schon Spontini's „Nurmahal\"\nkonnte sich desshalb nicht auf-dem Repertoire halten, und\nauch in Fei. David's „Lalla Rookh\" wird die Monotonie\nder Liebesergüsse des Hauptpaares bald langweilig. Der\nfranzösische und der deutsche Dichter haben versucht,\ndurch ein hineingelegtes komisches Element dem zähen\nStoffe einiges Leben einzutlössen; sie haben desshalb\nunabhängig von einander—doch ungefähr einen und den-\nselben Gedanken ausgeführt, indem sie aus dem Grossvezir\nder indischen Prinzessin von Navarra einen orientalischen\nSeneschall gemacht haben, der sich gegen den buchari-\nschen Johann von Paris eben so lächerlich vornehm be-\nnimmt, wie jener Repräsentant des Hof-Ceremoniels in\nBoieldieu's Oper. Auch ein Stückchen „Osmin\" haben sie\nihm angeflickt, dem auch in der Zofe oder Gesellschafterin\nder Prinzessin eine Art „Blondchen\" nicht fehlt, aber ohne\nMozart'sehe Melodieen, bei Michel Carr£ „Mirza\", bei\nRodenberg „Hafisa\" geheissen. Fassen wir die beiden Fi-\nguren, welche durch Contrast mit dem Hauptpaare gegen\ndie Langeweile eine Diversion machen sollen, so müssen\nwir doch gestehen, dass ihnen eigentlich das komische und\nnaive Element fehlt und sie mithin die beabsichtigte Wir-\nkung nicht erreichen, zumal da ihre Scenen zu weit ge-\nsponnen sind, während die Hauptsache, die Liebe der\nPrinzessin zu dem Sänger, zu wenig motivirt erscheint.\nDass übrigens Rodenberg's dichterisches Talent sich auch\nin diesem Opernbuche im Ausdruck des Einzelnen bewährt,\nsoll damit nicht in Abrede gestellt werden.\nZu solcher Art von Texten Musik zu schreiben, dazu\ngehört ein melodischer Reichthum und eine genial schaf-\nfende Kunst musicalischer Charakteristik, wie sie einem\nMozart und Boieldieu verliehen waren; bei den Compo-\nnisten unserer Zeit ist aber die Anlage zu dramatischer\nMusik jeder anderen Gattung immer noch viel eher vor-\nhanden, als Talent und Geist zur Umwandlung eines sol-\nchen Buches in Poesie durch die Tonkunst. Rubinstein hat\nindess auch in diesem Werke sein höchst bedeutendes\nCompositions-Talent wieder bewährt, aber auch eben so\nwieder wie durch viele andere Werke gezeigt, dass es ihm\nimmer noch an dem echt künstlerischen Gewissen fehlt,\ndas dem Tondichter bei jedem Abgleiten von der Höhe in\ndie flache Ebene auf der Stelle Halt gebietet. Auch ist es\nihm nicht gelungen, die allzu monotone Stimmung, welche\ndas breite Verweilen der Handlung veranlasst, durch le-\nbendige, einschlagende und scharf gezeichnete Motive zu\nunterbrechen, da er selbst auch häufig in verschwimmende\nBreite wie der Dichter zerfliesst. Fast der ganze erste Act\nberechtigt zu der Erwartung, dass wir hier ein Werk hö-\nren werden, das Aufsehen erregen, ja, vielleicht den höch-\nsten Rang unter den Productiorien der Gegenwart einneh-\nmen werde; allein die beiden folgenden Acte halten sich\nnicht auf derselben Höhe. Obgleich auch sie im Einzelnen\nebenfalls Treffliches bieten, z. B. ein sehr schönes Duett\nzwischen den Liebenden, eine Sopran-Arie mit Frauenchor\nu. s„ w., so bringen sie doch zu viel Ermüdendes in weder\nbegründeten, noch durch musicalische Mittel anziehend ge-\nmachten Wiederholungen, als dass sie die Theilnahme der\nZuhörer in Spannung halten könnten.\nDie Ausstattung war glänzend und neu; die Träger\nder Hauptrollen Frau Jauner-Krall und Herr Schnorr von\nCarolsfeld. Der Erfolg beim Publicum war bei der ersten\nVorstellung unzweifelhaft; bei der zweiten weniger ent-\nschieden, hob sich der Beifall in der dritten wieder zu\nsehr günstigen Aeusserungen. Sowohl die Dichtung als die\nMusik dürften nach der Ansicht Ihres Correspondenten,\nwelcher David's „Lalla Rookh\" vor einem Jahre im Mai"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 133, "texte": "zu Paris auf dem Theater der Opera comique gesehen,\ntrotz der vorhandenen Mängel hoch über das französische\nWerk zu stellen sein.\n\nF."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-25_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "135", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.2.6", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.7", "debut_caractere": 135, "fin_caractere_exclue": 3481, "texte": "Aus London.\nA.\nDen IG. April 1863.\nWir haben auch in dieser Season wieder zwei ita-\nlienische Opern-Gesellschallen, welche uns das ewige Re-\npertoire der Italiäner wieder vorleiern werden. Dess haben\ndie Unternehmer auch kein Hehl, denn sie wissen, dass es\ndem vornehmen londoner Opern-Publicum ja doch- nicht\num den Gehalt der Composition zu thun ist, sondern nur\ndarum, wer in den hundert Mal gehörten Arien, Duetten\nu. s. w. singt, und wie er singt. Also prangen auf Gye's\nSchild in Coventgarden wieder vier Mal Rossini, vier\nMal Meyerbeer, vier Mal Verdi u. s. w., diesmal aber auch\nAuber mit Fra Diavolo und Die Stumme von Portici, und\ndann ehrenhalber Don Juan und Fidelio, endlich sogar\nGluck's Orpheus! Das Theater Ihrer Majestät kündigt\nVerdi drei Mal, von Meyerbeer bloss die Hugenotten und\nRobert (weder Prophet noch Dinorah), dann Don Juan und\nFigaro's Hochzeit, Regimentstochter, Martha u. s. w. an.\nIn Coventgarden treten auf die Sängerinnen Adelina\nPatti, Nantie-D Antonia Fricci, Marie\nRattu, Dottini, Rudersdorf, Anese, Tagliafico,\nMiolan-Carvaiho, Fioretti, Maurensi, Elvira\nDemi, de Maf fei und PaulineLucca. Tenöre: Tam-\nbe rI ic k, Neri-Bara 1 di, Lucc hesi, Rossi, Mario,\nNaudin, Ferenesi und Caffieri. Baritone, Bässe und\nBuff'o: Ronconi. Faure,Graziani, Formes, Taglia-\nfico, Fellar, Patriossi, Zeiger, Capponi, Ciam-\npi und Obin. Tänzerinnen: Salvioni, Zina-Richard,\nMontero, Duriez und Dumilätre.\nCapeilmeister ist, wie bekannt, Costa. Unter dem an-\ngeführten Personale sind in England neu: die Damen\nFioretti, Maurensi, Demi, de Maffei und Lucca, die Herren\nNaudin (wenigstens an diesem Theater), Ferenesi, Caffieri\n(Tenor) und Obin (B ass). Deutsche Landsleute sind die\nDamen Rudersdorf und Lucca. die Herren Caffieri und\nKarl Formes.\nAuf dem Programm der anderen Oper in Her Ma-\njesty's Theater glänzen die Damen Titjens, Artöt, Mi-\nchal, d e Rud a, Kell ogg, AI b oni, Lemai r e, Tre-\nbel Ii; die Tenöre Baragli, Bettini (Geremia und Ales-\nsandro), Gambetti, Giuglini; Baritone und Bässe\nDelle Sedie, Santley, Fagotti, Fricca, Baga-\ngiolo, Bossi. Vialetti, Zuchini. Gassier.\nDie Rosten beider Unternehmungen sind ungeheuer,\nallein die Eintrittspreise sind desshalb auch verhältniss-\nmässig theuer. Das Abonnement in Coventgarden auf\nvierzig Vorstellungen (wöchentlich vier) beträgt für eine\nLoge von vier Personen im zweiten Range 100 Guineas,\nim ersten Range 200 G., an den Seiten desselben Ranges\n150 G., in dem grossen Range [G 240 G., im\nPit Tier (Parterre-Logen) 220 G.; für einen Sperrsitz\n(Orchesira Stalls)3s Guineas, Amphitheater-Stall erster\nReihe 18 G., zweiter Reihe 12 G. Vorausbezahlung. Mit-\nhin ist für die zehn Wochen der Season der höchste\nAbonnements-Preis (1600 Thlr. die Loge) für die Person\n400 Thlr. und der niedrigste 120 Thlr.\nCoventgarden hat mit Auber's „Stumme von Portici'*,\noder, wie sie hier heisst: „Masaniello\" (Signor Naudin!),\nIhrer Majestät Theater mit Verdi's Trovatore eröffnet.\nDa das Künstlerpaar Goldschmidt auf Ihrem dies-\njährigen niederrheinischen Musikfeste als\nrum erscheinen wird, so wird es Sie interessiren, dass am\n1. Mai zum Besten des Hospital for Incurabks ein Con-\ncert in St. James' Hall Statt findet, in welchem Frau Lind-\nGoldschmidt singen wird. Zur Aufführung unter der\nLeitung des Herrn Goldschmidt ist Händel's Cantate\nL'Allegro ed il Pensieroso bestimmt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-04-25-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-04-25_01#c008", "volume": "bmtnabi_1863-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.7", "debut_caractere": 3483, "fin_caractere_exclue": 5086, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIm Juni feiert Frau Charlotte B ir#ch-Pfeiffer in Berlin ihr\nfünfzigjähriges Schauspielerin-Jubiläum. Der Zettel des königlich\nbaierischen Isarthor-Theaters in München vom 13. Juni 1813 zeigt\nin dem Plötz'schen Melodrama „Mosis Errettung\" das erste Debüt\nder dreizehnjährigen Demoiselle Charlotte Pfeiffer in der Rolle\nder Thermutis an.\nDas am 7. April in Karlsruhe zur Aufführung gelangte Lust-\nspiel Moriz Hartmann's: „Gleich und Gleich gesellt sich gern\",\nhat entschieden Erfolg gehabt. Ks ist voller Leben und Anmuth,\nspannend und doch einfach und natürlich in seiner Entwicklung.\nOffenbach soll vier Opern gleichzeitig unter der Feder haben.\nEine, „Die Rheintöchter\", romantische Oper in vier Acten, ist für\ndie wiener Hofoper bestimmt; die zwoite, „Die schöne Aurora\", ko-\nmische Oper in drei Acten, wird im Victoria-Theater in Berlin zur\nAufführung gebracht; die dritte, „7Z signor Fagottou, einactige Buf-\nfonerie, gehört für Ems, und die letzte, „Les Georgienneskomische\nOper in drei Acten, Text von Moineaux und Du Locle, wird zur\nEröffnung des neuen Saales der Bouffes Parisiens am 1. October in\nScene gehen.\nUeber den Tenoristen Herrn Wachtel, welcher jetzt hier in\nKöln ebenfalls volle Häuser macht, schreibt man aus Schwerin: In\nder Oper nahm das Ende Januar Statt findende Gastspiel Wachtel1 s\ndas besondere Interesse der Musikfreunde in Anspruch. In den vier\nVorstellungen: „Weisse Dame\", „Teil\", „Postillon\", „Lucia\", feierte\nWachtel die seltensten Triumphe, die er im Ganzen wohl mehr den\nwunderbar schönen Mitteln, als seiner Kunst verdankt; die Stimme"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4035, "texte": "in ihrer Fülle und Lieblichkeit dürfte gegenwärtig keine Rivalin ha-\nben, und die Leichtigkeit, mit welcher der Sänger die hohen Töne\nvon g bis c anschlägt, ist vom wohlthuendsten Eindruck. Der über-\nschwängliche Beifall erreichte im „Postillon\" seinen Höhepunkt.\nDas Verlangen nach Entree-Billets war ein so grosses, dass ein förm-\nlicher Kampf um dieselben Statt fand, und es verdient dies desshalb\nbemerkt zu werden, weil ein ähnlicher Andrang bis jetzt bei keinem\nanderen Gastspiele vorkam, so dass der jedesmalige Theaterzettel\nneue, die Interessen der Billetkäufer wahrende Bestimmungen ver-\nöffentlichte.\nAus Prag berichtet man den wiener „Recensionen\" über\nSchliebner's Oper „Rizzio\". Der Stoff des Textbuches ist eine\nEpisode aus der Geschichte der Maria Stuart vor dem Schiller'schen\nTrauerspiel. Der Verfasser Emil Mayer stellte der Partei der Ka-\ntholiken mit Maria Stuart und ihrem Sänger Rizzio die der Refor-\nmirten mit Maria's Gemahl Darnley, ihrem Halbbruder Murray und\ndem Vorsitzenden im Parlamente, Lord Ruthven, an der Spitze ge-\ngenüber und bereitete dem Componisten in dem Verhältnisse der\nKönigin zu Rizzio, so wie in dem religiösen Conflicte reichen Spiel-\nraum zur Entwicklung musicalischer Mittel. Freilich liegt in Letz-\nterem schon der Handlung nach eine Reminiscenz an die „Huge-\nnotten\". Dagegen enthält die Situation des dritten Actes, wo sich\ndie Königin von Rizzio ein Liebeslied singen lässt und von den\nVerschwörern überrascht wird, einen dramatisch bewegten Moment.\nSchliebners Composition ist eine durchaus gefällige Arbeit und er-\ninnert in ihren melodiösen, leichten Zügen mehr an italiänische\nMusik. Die Musik in „Rizzio\" ist ein leichter Melodieenfluss, der\nAlles gleichmässig überzieht und dahinströmt, ohne Wellen zu wer-\nfen, ohne eine tiefere, leidenschaftliche Bewegung zu erzeugen. Auch\nhat es dem Erfolge wesentlich geschadet, dass der erste, zweite und\nvierte Act dasselbe, fast tonlose Finale haben. Uebrigens ragen ein-\nzelne Schönheiten der Musik, besonders im dritten Acte, hervor.\n\\\\ ieil* Das in voriger Woche zu Ende gegangene Gastspiel\ndes Fräuleins Janauschek wird unbestritten als der Höhepunkt\nder diesjährigen Theater-Saison im Gebiete des ernsten Drama's be-\nzeichnet werden können. Erwartet mit einer keineswegs zweifellosen\nSpannung, von der Kritik theilweise mit entschiedener Sprödigkeit\naufgenommen und an sich wenig dazu geschaffen, die Gemüther\ndurch ein blitzartig einschlagendes Naturel, durch Schönheit oder\nGenialität im Nu zu erobern, hat es Fräulein Janauschek trotz alle-\ndem zu einem durchgreifenden Erfolge gebracht. Wir wünschen ihr\ndazu mit aller der Freudigkeit, welche der Anblick eines derartigen\nSieges der echten Kunst erweckt, von ganzem Herzen Glück und\nhoffen, dass Fräulein Janauschek zu einem längeren und ruhigeren\nVerweilen hieher zurückkehren werde. Sechsfacher Hervorruf\nund ein wohlverdienter Lorberkranz bildeten den Abschluss dieses\nglänzenden Gastspiels, von welchem Fräulein Janauschek ruhig das\nBewusstsein mit sich nehmen darf, als eine der bedeutendsten Schau-\nspielerinnen der Gegenwart nun auch vor dem strengsten Forum\nfreudig anerkannt worden zu sein. (W. Recens.*])\n*] Es ist uns angenehm, unser Urtheil über Fräulein Janau-\nschek (bei ihrem hiesigen Gastspiele im Jahre 1858) auf so\nglänzende Weise von Wien aus bestätigt zu sehen. Wir sag-\nten unter Anderem in der Kölnischen Zeitung Nr. 62 vom 'S.\nMärz JB5B von ihr: „Fräulein Janauschek ist eine grosse, weil\nschöpferische Künstlerin: überall tritt selbständiges Denken\nund Fühlen in ihrer Leistung hervor; Talent und Studium ha-\nben die Kluft, die bei so Vielen zwischen der Intention und\nder Ausführung, zwischen dem Wollen und Können liegt, voll-\nständig ausgefüllt; nichts erinnert bei ihr an das Handwerk;\ndas Verständniss der geistigen Seite der Kunst gibt ihrer Dar-\nstellung die Weihe, die künstlerische Gesinnung durchdringt\nsie überall und duldet nirgends das Gemachte, das Gezierte,\ndas Geschnitzelte, oder das Gespreizte, Maasslose, Unedle und\nUnwürdige.\" L. B."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nJulius Grunwald (Nekrolog). Von Prof. L. Bischoff. Beatrice und Benedict. Text nach Shakespeare, Musik von\nH. Berlioz. Aus Rotterdam (Opern-Personal Repertoire Streich-Quartette). Aus Dresden (Aufführung der Oper „Fera-\nmors\" von A. Rubinstein). Von F. Aus London (Die beiden italiänischen Opern-Gesellschaften). Von A. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Berlin, Frau Charlotte Birch-Pfeiffer Karlsruhe, neues Lustspiel J. Offenbach Schwerin, Herr Wachtel u. s. w.)\n\nJulius Grunwald.\n(Nekrolog.)\n\nVerhallt sind die Trauerklänge, die gestern Nachmit-\ntag den feierlich stillen Zug begleiteten, der hinter einem\nmit Lorbern bekränzten Sarge sich langsam durch die\nStrassen Kölns bewegte. Hunderte von trauernden Freun-\nden und Mitbürgern bildeten ihn und Tausende standen\ntheilnehmend und mit ihnen Leid tragend in gedrängten\nReihen, denn eine grosse Zahl von ihnen hatte Den ge-\nkannt und geliebt, den man zur Ruhe brachte, und Alle\nwussten und empfanden mit Wehmuth, dass der Tod einen\nhochbegabten und edeln Menschen in der Blüthe der Jahre\ndahingerafft. Das offene Grab umstanden Männer und\nJünglinge, Frauen und Jungfrauen, dem Künstler, der sie\nso oft begeistert und entzückt, eine Thräne zu weihen, den\nletzten Zoll des Dankes für die himmlischen Töne, mit\nderen Klang er so oft ihr Herz zu den edelsten Empfin-\ndungen bewegt hatte. Ein anderer Kranz von Freunden\numgab die Ruhestätte und stimmte feierliche Gesänge der\nErgebung in Gottes Rath und der Hoffnung auf Wieder-\nsehen in einer anderen Welt an. Und als die Töne und\ndie Worte des geistlichen Redners verklungen, als der\ndumpfe Wiederhall der Erde, welche Freundeshand auf\ndie Bretter warf, uns durchschauerte, da brach manches\nAuge in Thränen aus und auch das Herz in der Männer-\nbrust empfand tief die Vergänglichkeit auch der herrlich-\nsten Gaben, womit die Menschen auf Erden prangen.\nUnd um das Grab das frische Grün des Lebens, die\nBlüthenpracht der Fluren des Friedhofes!\nDas Ewige ist nicht dem Tode unterthan,\nUnd Erd' und Himmel wandeln ruhig ihre Bahn.\nFrühling umzieht sie stets mit neuem TBlumensaum,\nWenn schlummernde Natur erwacht aus ihrem Traum.\nUnd Du, Vergänglicher, mit Deiner Spanne Leben,\nRufst Du in Deinem Stolz: Mir ward all das gegeben?\nKein Blatt verwelkt um Dich, kein Lüftchen wird ersteh'n,\nNur einen leisen Hauch der Klag' um dich zu wehIn.\nDoch anders regt es sich in warmen Menschenherzen\nDa bleibt die Liebe Dir, der Wehmuth stille Schmerzen,\nJulius Grunwald war den 21. August 1834 zu\nPosen geboren. Seine musicalischen Anlagen zeigten sich\nsehr früh und wurden im Conservalorium zu Prag, na-\nmentlich durch Moriz Mildner's, des ausgezeichneten Vio-\nlinisten, Unterricht, so ausgebildet, dass er schon als Knabe\nöffentlich spielte und in Prag und in Leipzig Aufsehen er-\nregte. Später ging er nach Berlin, wo er eine Zeit lang\nAnführer des Orchesters am Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater war. Im Herbste des Jahres 1856 trat er, 22\nJahre alt, die Stelle des durch den Tod des trefflichen\nTheodor Pixis erledigten Lehramtes des Violinspiels am\nConservatorium zu Köln und des Concertmeisters am hie-\nsigen Concert- und Theater-Orchester an.\nEr trat hier zum ersten Male am 2. December 1856\nim dritten Gesellschafts-Concerte des Winters (damals\nnoch im Casino) mit Lipinsky's so genanntem Militärischen\nConcerte auf. Die Reinheit seines Spiels, auch in den Dop-\npelgriffen und in jeder Lage, liess schon damals nichts zu\nwünschen übrig, auch seine Technik bewährte sich bereits\nals auf der Höhe des heutigen Violinspieles stehend ; den-\nnoch war es wunderbar, wie bald und wie mächtig sein\nTalent sich weiter zu grossartigem Tone, dem Anfangs\nnoch das Markige gefehlt hatte, zu gesangreichem Vor-\ntrage und zu vollendeter Technik, alles zusammen als Mit-\ntel, einer trefflichen und edlen Auffassung der Werke\njeder Schule durch geniale Ausführung Leben und Aus-\ndruck zu geben, entfaltete. Er war einer der bedeutend-\nsten Concert- und Quartettspieler unserer Zeit geworden,\nHaydn und Mozart, Lipinsky und Spohr, Beethoven und\nMendelssohn gab er in ihren schönsten und schwierigsten\nWerken, in ihrem eigentümlichen Geiste mit sicherem\nGefühle und meisterhaftem Ausdrucke wieder, und da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.2", "texte": "neben warf er auch einem Publicum, das etwa nach mo-\nderner Bravour lechzte, scherzend und lächelnd die bun-\ntesten Slräusse Paganini'scher Kunstgärtnerei in den\nSchooss, dass die Menge ihm zujubelte und die ernsteren\nKenner auch diese Leistungen bewundern mussten.\nUnd wie fern war Grunwald bei allen diesen eminen-\nten Eigenschaften, die er, man möchte sagen: im Stillen,\nzu meisterlichen Vorzügen ausgearbeitet hatte, wie lern\nwar er von anspruchsvollem Treiben, von Künstler-Eitel-\nkeit und Künstlerneid, wovon seine reine Seele nichts\nwusste! Denn selbst die feine Ironie, mit welcher er sein\nkünstlerisches Urtheil zu würzen verstand, war stets harm-\nlos und traf niemals die Person, sondern immer nur die\nSache. Lebte er doch auch nur der Kunst und hat ihr in\ndem unermüdlichen Fleisse, durch den er ihre Höhe er-\nreichte, einen Theil seines Lebens geopfert! Denn die Na-\ntur, die ihn mit künstlerischem Geiste und Talente ver-\nschwenderisch ausgestattet, hatte ihm, wie so manchem\nKünstler, physische Lebenskraft nur karg zugemessen, und\ndie blühenden Wangen des Jünglings waren nur eine trü-\ngerische Hülle der Keime des Uebels, das an seinem Da-\nsein nagte. Schon vor zwei Jahren zeigten sich Symptome\nvon Lungen- und Brustkrankheit, die seine Freunde mit\nbanger Ahnung erfüllten. Der geistige, frische Lebensdrang\nin ihm und der Einlluss der milden Jahreszeit, die er auf\ndem Lande zubrachte, drängten diese bangen Ahnungen\nwohl auf Augenblicke zurück, doch konnten sie sie nicht\nmehr ganz verscheuchen. Noch einmal flammte die Lebens-\nkraft in ihm so leuchtend auf, dass sie ihn befähigte, uns\nam 21. October vorigen Jahres im ersten Gürzenich-Con-\ncerte durch den Vortrag eines Concertes von Spohr noch\neinmal zu entzücken: in Wahrheit hielt er die ganze Zu-\nhörerschaft in zauberischem Banne, und wenn wir damals\nsagten, dass auf den schmelzenden Gesang des Adagio's\nsein Vortrag des reizenden Thema's des Finale in Doppel-\ngriffen uns entzückte, wie einen, der im Frühling nach\neinem wehmüthigen Traume am Morgen die plötzlich über\nNacht aufgebrochenen Blüthen und Blumen erblickt, so\nfüllt jetzt doppelte Wehmuth unser Herz, da wir ihn unter\ndie Blumen und Blüthen des wirklichen Frühlings versen-\nken mussten und seine Töne, für uns auf immer verklun-\ngen sind. Am Morgen des 17. April, früh um Uhr,\nhörte das Herz zu schlagen auf, das im Leben das edelste\nmenschliche Gefühl und das höchste Ideal der Kunst er-\nfüllt hatten.\nEr lebte still und bescheiden seine schönsten Jahre in\nunserem Kreise, er trachtete nicht einmal danach, sich in\nweiteren Kreisen geltend zu machen; er versagte es sich,\nin den Weltstädten Ruhm zu suchen, denn er kannte noch\neine andere Pflicht, die er mit der innigsten Liebe eines\nSohnes heilig hielt; was sein einfaches Leben ihm zu er-\nübrigen möglich machte, das wanderte jetzt dürfen wir\nes sagen —im Stillen einen anderen Weg. Friede seiner\nAsche und dankbare Erinnerung an seinen Genius!\nKöln, 21. April 1863.\n\nProf. L. Bischoff.\n\nBeatrice und Benedict.\nText nach Shakespeare und Musik von Hector Berlioz.\nAufgeführt in Weimar am 8. und 10. April 1863.\n\nZur künstlerischen Verherrlichung des erfreulichen\nGeburlsfestes unserer kunstsinnigen Frau Grossherzogin\nSophie waren, so viel wir wissen, zwei neuere Opern\nvorgeschlagen worden, nämlich „Die Rose von Erin\" von\nBenedict (mit deutschem Texte von Franz Dingelstedt) und\nBerlioz's obengenannte neueste Oper, welche bekanntlich\nvoriges Jahr zur Einweihung des neuen Theaters in Baden-\nBaden (9. August) zum ersten Male in Deutschland gehört\nwurde. Zu unserer Freude entschied man sich, vielleicht\nauch durch Liszt's Propaganda für den befreundeten fran-\nzösischen Künstler vorzugsweise bestimmt, für das letztere\nWerk. Behufs einer möglichst vollendeten Aufführung war\nder berühmte Componist, bekanntlich einer der vollendet-\nsten Dirigenten der Gegenwart, zur Direction eingeladen\nworden. Zu gleichem Zwecke waren auch die Decorationen\nim vierten Aufzuge (von Händel) und sämmtliche Costumes\n(nach Angabe des Herrn Döpler) neu, wie sich denn die\nGeneral-Intendanz möglichst angelegen sein liess, dem rei-\nzenden Werke des „französischen Beethoven\" [Oho!] in\nscenischer Hinsicht alle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.\nDie Fabel des Libretto's setzen wir als bekannt voraus,\nda Berlioz sich hier Shakespeare's Lustspiel „Viel Lärmen\num Nichts\" zum Vorwurf genommen hat. In textlicher\nBeziehung kann nun allerdings die neue Erscheinung nicht\ngerade als ein Ideal oder als ein entschiedener Fortschritt\nauf dem Gebiete der komischen Oper bezeichnet werden,\naber trotzdem steht dieser Theil der anmuthigen Tondich-\ntung weit höher, als die meisten neueren komischen Opern-\ndichtungen. Die deutsche Bearbeitung von Dr. Pohl war\neine sehr gute, ja, sie war zum Theil in den lyrischen Par-\ntieen (z. B. dem Schluss-Duett im ersten Acte) eine meister-\nhafte zu nennen. Dass sich der Bearbeiter eine möglichst\npoesiereiche freie Uebertragung angelegen sein liess, wol-\nlen wir besonders bemerken. Was nun die Musik des be-\ntreffenden Werkes im Allgemeinen anbelangt, so müssen\nwir bekennen, dass uns Berlioz durch sein neuestes Opus\nförmlich überrascht hat. Diese reizende, einfache Musik,\ndiese poetische Interpretation des Textes, diese feine, pi-\nkante und geistreiche Instrumentation, diese originelle"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.3", "texte": "Rhythmik hatten wir nach den uns früher bekannt gewor-\ndenen düsteren und zum Theil phantastischen Tondichtun-\ngen nicht erwartet. Wir glauben daher, dass die Partitur\nin den genannten Beziehungen ein lohnendes Studium für\nangehende Opern-Componisten abgeben dürfte.\nDie Ouvertüre ist keineswegs den uns früher bekannt\ngewordenen ähnlichen Arbeiten Berlioz' gleichzustellen,\nsowohl hinsichtlich der Grösse und Bedeutung der Motive,\nals auch hinsichtlich der instrumentalen Pracht; sie ist\naber ein geistreiches Musikstück, welches mit der Oper,\nwelche dazu die Haupt-Motive liefert, in engster Beziehung\nsteht. Der Einleitungssatz besteht aus einem kurzen Alle-\ngro in 3/8-Tact von grossem rhythmischem Reize, der fast\nallen Arbeiten des betreffenden französischen Componisten\nin hohem Grade eigen ist; darauf folgt ein warm empfun-\ndenes Andante—der Ausdruck der endlich erreichten Hin-\ngebung der Beatrice -—, woran sich der Allegrosatz\nschliesst, der auf folgendes Motiv des Schluss-Duetts im\nzweiten Acte basirt ist:\nWenn der Vorhang sich erhebt, erklingt ein kräftiger\nChor als Introductionsstück, ohne gerade von hervorste-\nchender Bedeutung zu sein, woran sich ein musicalisch\nhöchst origineller Nationaltanz, eine „Sicilienne\", anschliesst.\nDie Arie der Heroist in Form der gewöhnlichen Opern-\nArien geschrieben ; sie ist von theils schwärmerischem, theils\nfreudig erregtem Charakter. Dass sich Berlioz bei dem Sie-\ngeszuge die Gelegenheit, einen glänzenden Triumphmarsch\nanzubringen, entgehen liess, so wie, dass er jene reizende\nSicilienne wieder als Entreact benutzt, statt ein neues Ton-\nstück zu bringen, will uns nicht recht einleuchten, um so\nmehr, als die Oper hinsichtlich ihrer Zeitdauer noch recht\ngut einige Nummern vertragen könnte. In dem Duett der\nBeatrice und des Benedict tritt der Genius des Compo-\nnisten des „Benvenuto Cellini\" glanzvoll zu Tage, denn\ndieser Satz ist ein reizendes Stück, voller Lebendigkeit,\nGeist und Humor. Auch das darauf folgende Terzett ist\nein vorzügliches Tonstück. Ein köstlicher musicalischer\nWitz, der auch dem grösseren Publicum, drastisch ausge-\nführt, sehr behagte, ist die wirklich echt komische Hoch-\nzeits-Cantäte des Capellmeisters Somarone in Form\neiner zopfigen Doppelfuge. Neben Benedicts Arie: „Ich\nliebe sie schon\" (in Rondoform), verdient als Perle des er-\nsten Actes, wo nicht als Prachtstück der ganzen Oper, das\nwunderschöne Duett der Hero und Ursula; „0\nNacht, von Zauber erfüllt\", hervorgehoben zu werden.\nEs ist so edel, last möchte ich sagen: so echt deutsch em-\npfunden, so einfach und innig, dass es überall die grösste\nSensation hervorrufen wird. Auch das Trinklied, womit\nder zweite Act beginnt: „Der Wein von Syrakus\", ist ein\noriginelles, wirkungsreiches Tonstück voll sprudelnden Hu-\nmors. Das Recitativ und die Arie der Beatrice ebenfalls\neine der schönsten Opern-Nummern), so wie das Terzett\nder Beatrice, Hero und Ursula würden nach unserer Mei-\nnung vielleicht noch etwas gewinnen, wenn beide einige\nVerkürzungen erlitten. Das Brautlied und der Hochzeits-\nchor (das einzige grössere Ensemblestück der Oper), so\nwie das oben skizzirte Scherzo-Finale gereichen dem Werke\nebenfalls zur Zierde.\nGespielt und gesungen wurde von dem Opern-Perso-\nnale nach Berlioz' eigener Aussage ganz vortrefflich; Frau\nvon Milde (Beatrice) war in beiderlei Beziehung, nament-\nlich in ersterer, fast vollendet; Herr Kn opp (Benedict)\nund Herr Schmidt (Somarone) nicht minder; eben so\nverdienen rühmliche Erwähnung Hero (Frau Podolskv),\nUrsula (Frau Schmidt). Vorzüglich zu rühmen war aber\nunser Orchester; es bewies von Neuem, zu welchem\nAufschwung, zu welcher Zartheit und poetischen Auffas-\nsung es unter einer intelligenten Leitung fähig ist. Da bei\nden grossherzoglichen Geburtsfesten laute Beifalls-Aeusse-\nrungen unterbleiben, so war es uns interessant, bei der\nzweiten Aufführung die Haltung des grösseren Publi-\ncums zu beobachten. Zu unserer Freude können wir be-\nrichten, dass fast jede Nummer reichen Beifall ärntete;\nder Componist, so wie die Haupt-Darsteller wurden nach\njedem Acte stürmisch gerufen.\n\nA. W. G.\n\nAus Rotterdam.\nDen 12. April JBG3.\nWir nahen uns jetzt dem Ende der Saison, und hätten\nuns nicht die Umstände gezwungen, unseren ersten Bericht\nso früh einzusenden, wir würden in manchen Dingen an-\nders geurtheilt haben. So zum Beispiel hatte Frau Deetz\ndas Glück, mit ihren besten Partieen beginnen zu können,\nwohingegen dem Fräulein Weiringer erst später ihre\nVorzüge zu entfalten Gelegenheit geboten wurde. Wir\nschrieben Ihnen, dass Frau Deetz der anerkannte Lieblins\nn\ndes Publicums sei; in diese Eh re theilen sich aber jetzt\nbeide Damen. Es lässt sich nicht läugnen, dass der Ge-\nsang der Ersteren durch den Missbrauch des Portamento\nund das Tremoliren gestört wird. Wir haben von Mozart\ndrei Opern gehabt: Don Juan, Figaro und Zauberflöte,\nin welchen Frau Deetz nur als Zerline anzuerkennen war;\nweder ihr Page noch Pamina genügte in gesanglicher Be-\n\nf]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.4", "texte": "ziehung. Der Fehler dieser Künstlerin ist, dass sie ihre\neigentlichen Kräfte nicht kennt und sich gern zu den ersten\nPartieen drängt, wohingegen sie als Soubrette auf jeder\nBühne willkommen sein dürfte. Dies ist zu bedauern. Schon\ndas Misslingen der Agathe zu der Zeit, in welcher das Pu-\nblicum nur für sie schwärmte, müsste sie von der Unpar-\nteilichkeit des Publicums überzeugt und ihr die Augen ge-\nöffnet haben. Hoffen wir, dass diese mit grossem Talente\nbegabte Künstlerin zur Einsicht kommt und ihren eigent-\nlichen Werth mehr schätzen lernt.\nFräulein Weiringer ist eine correcte Sängerin, und\nentspräche ihr Spiel ihrem Gesänge, sie würde unter die\nZahl der ersten Künstlerinnen einzureihen sein. Etwas\nmehr Wärme wäre zu wünschen, auch ihr Triller ist nicht\ngleichmässig. Doch wo gäbe es eine Sängerin, an welcher\nnicht etwas auszusetzen wäre! Wiewohl diese-Künstlerin\nnicht durch ihre äussere Erscheinung imponirt, so weiss\nsie dagegen durch ihr bescheidenes, anspruchsloses Wesen\ndas Publicum zu gewinnen; auch ist sie musicalisch durch\nund durch und spielt sehr gut Ciavier. Ihre hervorragend-\nsten Partieen sind Susanne im Figaro, Königin der Nacht,\nMargarethe in den Hugenotten, Nachtwandlerin u. s. w.\nVor Allem die ersten beiden. Die beiden Arien der Königin\nder Nacht wurden meisterhaft gesungen; namentlich ist\nihr Staccato von grosser Wirkung, wie auch der nicht\nenden wollende Applaus und Hervorruf sie von der Aner-\nkennung ihrer Leistung überzeugen konnte.\nUeber Frau Kapp-Young ist wenig zu berichten. Hat\nman nichts Besseres, so begnügt man sich gern mit dem,\nwas einem geboten wird. Ihr Gesang ist so ziemlich der-\nselbe geblieben, doch scheint sie die Schärfe ihrer Höhe\nmehr decken gelernt zu haben. Es ist für diese Dame zu\nbedauern, dass ihr entschieden dramatisches Talent nicht\nmehr ausgebildet ist;, denn dass sie Talent besitzt, ist\ndurchaus nicht in Zweifel zu ziehen. Sie hat Momente in\nihrem Spiel, die überraschen, sie ist durchdrungen von\nihrer Aufgabe, doch wird sie an der künstlerischen Aus-\nführung derselben durch die mangelhafte Ausbildung ver-\nhindert.— Fräulein Frevist uns immer lieb und werth\nV\nund weiss sich der Direction nützlich zu machen. Ihr Ver-\nlust dürfte schwer zu ersetzen sein.\nVon den Sängern müssen wir Herrn Ellinger her-\nvorheben. Es sei aber dabei bemerkt: noch ein solcher\nWinter, und er wird es büssen müssen! Jedenfalls wird\ndie Theater-Commission die stete Bereitwilligkeit* dieses\nSängers anzuerkennen wissen. Er hat der Casse, wie über-\nhaupt dem ganzen Unternehmen in diesem Winter sehr\ngenützt. Herr Ellinger trat in Rotterdam, also Utrecht\nnicht eingerechnet, 37 Mal auf, darunter im Monat Fe-\nbruar acht Mal, wie folgt: 3 Tannhäuser, 2 Prophet, 2\nLohengrin, 1 Troubadour. Das ist jedenfalls zu viel. Die\nCasse hat dabei gewonnen, ob auch der Sänger, mag in\nFrage gestellt bleiben. Herr Ellinger hat seine Aufgabe\nmeisterhaft durchzuführen gewusst. Von allen Partieen\nsteht sein Lohengrin obenan. Es hat den Anschein, als ob\ner in dieser Oper gänzlich umgewandelt; er beherrscht\ndarin seine Stimme vollkommen und weiss ihr durchweg\neine eigene Färbung zu verleihen. Das Duett im dritten\nActe mit Elsa wurde vortrefflich gesungen, wie auch die\nErzählung seiner Herkunft richtig von ihm aufgefasst\nwurde. Weniger gefällt uns sein Prophet und Tannhäuser,\nwiewohl letzterer eine gute Leistung war. Es ist für die\nGesangskunst sehr zu beklagen, dass diese grandiose\nStimme nicht mehr ausgebildet ist. Eben desshalb müssen\nwir ihm dringend anrathen, vorsichtig zu sein. In letzterer\nZeit war Herr Ellinger durchaus indisponirt, und ein Glück\nfür ihn, dass in kurzer Zeit die Saison vorüber ist. Ruhe\nthut ihm noth. Zu unserer Freude vernehmen wir, dass\ndieser Künstler für die nächste Saison wieder für hier ge-\nwonnen ist, und hoffen, ihn mit neuen, frischen Kräften\nwieder in unserer Milte zu sehen.\nUeber Herrn Schneider müssen wir zu unserem\nBedauern berichten, dass derselbe hier als Opernsänger\nnicht so durchschlug, wie es sein Ruf in Deutschland als\nConcert-, namentlich Oratoriensänger erwarten liess. Herr\nSchneider lässt das Publicum auf der Bühne kalt, mit Aus-\nnahme seines Don Ottavio. Es ist bei diesem so geschulten\nSänger ein auffallender Unterschied, ihn im Saale oder\nauf der Bühne zu hören; man glaubt, zwei verschiedene\nPersonen vor sich zu haben. Im Saale ist die Stimme eben\nund schmelzend, auf der Bühne erscheint sie herber und\nin den höheren Tönen forcirt. Uebrigens verdirbt Herr\nSchneider keine Partie, man hört gleich, dass man es mit\neinem musicalischen Sänger zu thun hat. Eine Ausnahme\ndürfte sein Graf Almaviva sein, wie denn überhaupt keiner\nder Künstler im Barbier von Sevilla auf seinem Platze war.\nDer Erfolg war vorauszusehen, ein entschiedenes Fiasco\nunvermeidlich. Herr Schneider steht hier in grosser Ach-\ntung; es ist uns daher angenehm, dass ihm wieder Gele-\ngenheit geboten, sein Talent als Oratoriensänger zur Gel-\ntung bringen zu können. Anfangs Mai kommen unter der\nletzten Direction des Herrn Verhülst, welcher einem\nehrenvollen Rufe nach Amsterdam folgt, Haydn's „Jahres-\nzeiten\" zur Aufführung, in welchen Herrn Schneider die\nTenor-Partie übertragen sein soll. Herr Schneider verlässt\nsomit Rotterdam, einen guten Eindruck zurücklassend.\nHerr Lang hat im Publicum auch mehr festen Fuss\ngefasst. Seine Stimme ist namentlich in der Miltellage von\nangenehmem Klange, und würde derselbe die Höhe im\nCrescendo nicht so sehr forciren und beim Schwellenlassen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.5", "texte": "nicht zwischen uund obeginnen und mit enden, son-\ndern eine Klangfarbe beibehalten, die Stimme wie der\nGesang würden nur dadurch gewinnen. Wir können uns\nim Allgemeinen mit der Gesangweise des Herrn Lang nicht\nganz einverstanden erklären, wiewohl nicht zu verkennen\nist, dass derselbe namentlich in Liedern, wie üherhaupt\nim Cantabile viel Geschmack verräth. Sänge Herr Lang\nmit mehr geöffnetem Munde, so würde seine Stimme nicht\nallein ergiebiger sein, sondern auch die Aussprache ge-\nwinnen: a würde nicht zum o oder u, ei nicht zum eu\nu. s. w. Das Spiel dieses Künstlers hat sich um Bedeuten-\ndes verbessert. Wir bemerken nicht mehr so oft die Un-\nruhe, Unentschlossenheit seiner Bewegungen, wie denn\nauch sein ganzes Vorkommen ein gewisses Bestimmtes an-\ngenommen. Herr Lang ist, wie wir hören, für die könig-\nliche Oper in Berlin engagirt. Wir wünschen ihm Glück\ndazu, da ihm dort mehr Gelegenheit geboten wird, sich\nmehr zu vervollkommnen.\nHerr Dalle Aste ist nach wie vor beim Publicum\n(Theater-Publicum) beliebt, wenn auch nicht in dem\nGrade, wie früher. Doch davon hat sich dieser Künstler die\nSchuld selbst beizumessen. Es ist zu bedauern, wenn Künst-\nler wie Herr Dalle Aste die Gewogenheit des Publicums\nnicht mehr zu würdigen wissen und sich zu groben Ueber-\ntreibungen verleiten lassen. Wir erinnern nur an seinen\nLeporello und Plumkett in Martha. Leporello ist eben so\nwenig ein Hanswurst, wie Plumkett ein trunkener Bauern-\ntölpel. Jedenfalls müssen wir es uns verbitten, in Mozart'-\nschen Opern Hanswurstiaden vorzuführen; Respect vor\nMozart erwarten wir von jedem Künstler. Was seinen\nPlumkett betrifft, so können wir nicht begreifen, wie Herr\nDalle Aste das Trinklied sowohl im Spiel wie Gesang auf\nso unästhetische Weise dem Publicum bieten darf. Lässt\ner sich durch den Applaus zu diesem unkünstlerischen und\nzu gleicher Zeit unfeinen Theater-Effecte verleiten, so ist\nes eben so sehr zu beklagen, dass er weniger der Kunst\nals dem mehr oder weniger unmusicalischen Theile des\nPublicums huldigt. Wir schätzen Herrn Dalle Aste in ern-\nsteren Partieen sehr und wünschen von Herzen, dass er für\ndie nächste Saison uns erhalten bleibe; doch halten wir\nes für unsere Pflicht, ihn auf dieses Vergehen gegen die\nKunst aufmerksam zu machen, um so mehr, da die hiesi-\ngen Blätter derartige Ueberschreitungen nicht zu rügen\nwagen.\nIm Monat März gastirte Fräulein Lichtmay aus\nWien. Ihre besten Rollen waren Valentine, Leonore im\nTroubadour, Martha, auch Donna Anna; die weniger gu-\nten die Jüdin und Pamina. Ihre Stimme ist im Ganzen\nansprechend, nur die Höhe etwas scharf; etwas mehr Tiefe\nwäre wünschenswerth. Der Gesang dieser Dame würde\nmehr gewinnen, wenn sie mit dem Gebrauche des Porta-\nmento sparsamer zu Werke ginge. Ihr Vortrag gefällt uns\nsonst wohl und verräth grosse Begabung. Ihr Spiel ist\nnatürlich und voll Wärme, wie denn auch der Erfolg im\nGanzen ein guter zu nennen war. Fräulein Lichtmay ist\nfür nächste Saison hier engagirt. Die Anforderungen sind\nhier etwas hoch; dieses Verlangen wäre bei den hiesigen\nhohen Gagen gegründet, wenn hier die Künstler auf fünf\noder neun Jahre fest engagirt würden. Jedoch Künstler,\nbei denen Stimme, Schule, Spiel, mit Einem Worte Alles\nausgezeichnet ist, lassen sich nicht auf ein Jahr fürs Aus-\nland engagiren, sondern nur für Gastrollen. Derartige\nKünstler sind nicht allein in jetziger Zeit mit Laternen zu\nsuchen, sondern sie finden auch in Deutschland mit hoher\nGage ein dauerndes Engagement.\nLobend müssen wir noch das Orchester unter Leitung\ndes Herrn Capellmeisters Levi erwähnen, wie auch die\nChöre, von Herrn Drobitsch einstudirt.\nDa wir am Ende der Saison sind, so sei uns erlaubt,\ndas Repertoire der bis jetzt hier zur Aufführung ge-\nkommenen Opern beizufügen. Figaro's Hochzeit 5 Mal,\nDon Juan 6, Zauberflöte 2, Jessonda 3, Lohengrin 9,\nTannhäuser 3, Hugenotten 5, Prophet 3, Freischütz 1,\nCzaar und Zimmermann 3, Martha 6, Jüdin 5, Barbier\nvon Sevilla 1, Teil 2, Troubadour 3, Lucie 2, Teufels\nAntheil 1, Nachtwandlerin 2, Treuhold und sein Sang von\nDrobitsch 2 Mal. Neu einstudirt waren acht Opern; erwar-\ntet wird in dieser Zeit Faust und Margarethe. Wir glau-\nben, dass wir uns dieses Repertoires nicht zu schämen ha-\nben, bedauern aber, Fidelio und Euryanthe dieses Jahr zu\nvermissen, hoffen nur, dass uns diese Opern nicht ganz\nentfremdet werden. Zum Schlüsse können wir nicht unter-\nlassen, der verehrlichen Theater-Commission für ihre\nMühen und Opfer unseren Dank abzustatten. Es wird sel-\nten ein Privat-Untemehmen in Handelsstädten bestehen,\nin welchem für die Oper derartige Opfer gebracht werden,\nwie hier. Wenn man bedenkt, dass die Stadt nichts thut,\nsondern Alles von den Einwohnern zu erwarten ist, so\nkann man sich einen Begriff von der Bereitwilligkeit der-\nselben machen. In kurzer Zeit ist jetzt wieder die ansehn-\nliche Summe von beinahe 200,000 Gulden theils einge-\nzeichnet, theils garantirt. Die ganze Last des Unterneh-\nmens fällt auf die Commission, welche nur aus Musik-\nLiebhabern besteht. Wünschen wir desshalb, dass ihre\ngrosse Mühe auch im nächsten Jahre mit Erfolg gekrönt\nwerde; der Dankbarkeit des Publicums kann sie sich ver-\nsichert halten.\nHerr Rappoldi, Concertmeister unseres Opern-Or-\nchesters, hat sich durch das Arrangement von Streich-\nQuartetten ein besonderes Verdienst erworben. Da ihm"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.6", "texte": "gute Kräfte zur Seite stehen, so ist es ihm gelungen, jähr-\nlich zwei Abonnements zu je vier Quartett-Soireen zu\nStande zu bringen. Wir sind diesem trefflichen Künstler,\nwelcher als solider Violinist in Deutschland nicht ganz un-\nbekannt ist, um so mehr zu Dank verpflichtet, da vor sei-\nner Zeit wenig Gelegenheit geboten wurde, überhaupt\nKammermusik zu hören. Wiewohl der Zuspruch noch kein\ncrosser zu nennen ist, so hofien und wünschen wir, dass\nauch diese Musik hier mehr und mehr Eingang finde. In\nErwägung der kurzen Zeit, welche den Künstlern zum\nEinüben der Quartette bleibt, müssen wir ihnen, sowohl\nwas Auffassung als Zusammenspiel betrifft, unsere grösste\nAnerkennung zollen.\n\nAus Dresden.\n\nAm 24. Februar brachte unser Hoftheater eine neue\nOper von J ul. Rodenberg und Anton Rubinstein,\nderen Titel ursprünglich »Lalla Rookh\" geheissen, jetzt,\nwegen der Parallele mit Felicien David's Oper gleichen\nNamens in „Feramors\" umgetauft worden ist. Fera-\nmors ist nämlich der Name des Sängers, den der König\nder Bucharei seiner verlobten Braut, der indischen Prin-\nzessin Lalla Rookh, entgegensendet und zu dem diese in\nLiebe entbrennt, welche am Ende glücklicher Weise als\neine standesmässige erscheint, da Feramors Niemand an-\nders als der königliche Bräutigam selbst ist. Man begreift\neigentlich nicht recht, wie dieser in der Originaldichtung\nvon Thomas Moore rein lyrisch behandelte Stoff schon\neinige Male zu einem Opernbuche benutzt werden mochte,\nda ihm sowohl dramatische Handlung als Charakteristik\nder einzelnen Personen fehlt. Schon Spontini's „Nurmahal\"\nkonnte sich desshalb nicht auf-dem Repertoire halten, und\nauch in Fei. David's „Lalla Rookh\" wird die Monotonie\nder Liebesergüsse des Hauptpaares bald langweilig. Der\nfranzösische und der deutsche Dichter haben versucht,\ndurch ein hineingelegtes komisches Element dem zähen\nStoffe einiges Leben einzutlössen; sie haben desshalb\nunabhängig von einander—doch ungefähr einen und den-\nselben Gedanken ausgeführt, indem sie aus dem Grossvezir\nder indischen Prinzessin von Navarra einen orientalischen\nSeneschall gemacht haben, der sich gegen den buchari-\nschen Johann von Paris eben so lächerlich vornehm be-\nnimmt, wie jener Repräsentant des Hof-Ceremoniels in\nBoieldieu's Oper. Auch ein Stückchen „Osmin\" haben sie\nihm angeflickt, dem auch in der Zofe oder Gesellschafterin\nder Prinzessin eine Art „Blondchen\" nicht fehlt, aber ohne\nMozart'sehe Melodieen, bei Michel Carr£ „Mirza\", bei\nRodenberg „Hafisa\" geheissen. Fassen wir die beiden Fi-\nguren, welche durch Contrast mit dem Hauptpaare gegen\ndie Langeweile eine Diversion machen sollen, so müssen\nwir doch gestehen, dass ihnen eigentlich das komische und\nnaive Element fehlt und sie mithin die beabsichtigte Wir-\nkung nicht erreichen, zumal da ihre Scenen zu weit ge-\nsponnen sind, während die Hauptsache, die Liebe der\nPrinzessin zu dem Sänger, zu wenig motivirt erscheint.\nDass übrigens Rodenberg's dichterisches Talent sich auch\nin diesem Opernbuche im Ausdruck des Einzelnen bewährt,\nsoll damit nicht in Abrede gestellt werden.\nZu solcher Art von Texten Musik zu schreiben, dazu\ngehört ein melodischer Reichthum und eine genial schaf-\nfende Kunst musicalischer Charakteristik, wie sie einem\nMozart und Boieldieu verliehen waren; bei den Compo-\nnisten unserer Zeit ist aber die Anlage zu dramatischer\nMusik jeder anderen Gattung immer noch viel eher vor-\nhanden, als Talent und Geist zur Umwandlung eines sol-\nchen Buches in Poesie durch die Tonkunst. Rubinstein hat\nindess auch in diesem Werke sein höchst bedeutendes\nCompositions-Talent wieder bewährt, aber auch eben so\nwieder wie durch viele andere Werke gezeigt, dass es ihm\nimmer noch an dem echt künstlerischen Gewissen fehlt,\ndas dem Tondichter bei jedem Abgleiten von der Höhe in\ndie flache Ebene auf der Stelle Halt gebietet. Auch ist es\nihm nicht gelungen, die allzu monotone Stimmung, welche\ndas breite Verweilen der Handlung veranlasst, durch le-\nbendige, einschlagende und scharf gezeichnete Motive zu\nunterbrechen, da er selbst auch häufig in verschwimmende\nBreite wie der Dichter zerfliesst. Fast der ganze erste Act\nberechtigt zu der Erwartung, dass wir hier ein Werk hö-\nren werden, das Aufsehen erregen, ja, vielleicht den höch-\nsten Rang unter den Productiorien der Gegenwart einneh-\nmen werde; allein die beiden folgenden Acte halten sich\nnicht auf derselben Höhe. Obgleich auch sie im Einzelnen\nebenfalls Treffliches bieten, z. B. ein sehr schönes Duett\nzwischen den Liebenden, eine Sopran-Arie mit Frauenchor\nu. s„ w., so bringen sie doch zu viel Ermüdendes in weder\nbegründeten, noch durch musicalische Mittel anziehend ge-\nmachten Wiederholungen, als dass sie die Theilnahme der\nZuhörer in Spannung halten könnten.\nDie Ausstattung war glänzend und neu; die Träger\nder Hauptrollen Frau Jauner-Krall und Herr Schnorr von\nCarolsfeld. Der Erfolg beim Publicum war bei der ersten\nVorstellung unzweifelhaft; bei der zweiten weniger ent-\nschieden, hob sich der Beifall in der dritten wieder zu\nsehr günstigen Aeusserungen. Sowohl die Dichtung als die\nMusik dürften nach der Ansicht Ihres Correspondenten,\nwelcher David's „Lalla Rookh\" vor einem Jahre im Mai"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.7", "texte": "zu Paris auf dem Theater der Opera comique gesehen,\ntrotz der vorhandenen Mängel hoch über das französische\nWerk zu stellen sein.\n\nF.\n\nAus London.\nA.\nDen IG. April 1863.\nWir haben auch in dieser Season wieder zwei ita-\nlienische Opern-Gesellschallen, welche uns das ewige Re-\npertoire der Italiäner wieder vorleiern werden. Dess haben\ndie Unternehmer auch kein Hehl, denn sie wissen, dass es\ndem vornehmen londoner Opern-Publicum ja doch- nicht\num den Gehalt der Composition zu thun ist, sondern nur\ndarum, wer in den hundert Mal gehörten Arien, Duetten\nu. s. w. singt, und wie er singt. Also prangen auf Gye's\nSchild in Coventgarden wieder vier Mal Rossini, vier\nMal Meyerbeer, vier Mal Verdi u. s. w., diesmal aber auch\nAuber mit Fra Diavolo und Die Stumme von Portici, und\ndann ehrenhalber Don Juan und Fidelio, endlich sogar\nGluck's Orpheus! Das Theater Ihrer Majestät kündigt\nVerdi drei Mal, von Meyerbeer bloss die Hugenotten und\nRobert (weder Prophet noch Dinorah), dann Don Juan und\nFigaro's Hochzeit, Regimentstochter, Martha u. s. w. an.\nIn Coventgarden treten auf die Sängerinnen Adelina\nPatti, Nantie-D Antonia Fricci, Marie\nRattu, Dottini, Rudersdorf, Anese, Tagliafico,\nMiolan-Carvaiho, Fioretti, Maurensi, Elvira\nDemi, de Maf fei und PaulineLucca. Tenöre: Tam-\nbe rI ic k, Neri-Bara 1 di, Lucc hesi, Rossi, Mario,\nNaudin, Ferenesi und Caffieri. Baritone, Bässe und\nBuff'o: Ronconi. Faure,Graziani, Formes, Taglia-\nfico, Fellar, Patriossi, Zeiger, Capponi, Ciam-\npi und Obin. Tänzerinnen: Salvioni, Zina-Richard,\nMontero, Duriez und Dumilätre.\nCapeilmeister ist, wie bekannt, Costa. Unter dem an-\ngeführten Personale sind in England neu: die Damen\nFioretti, Maurensi, Demi, de Maffei und Lucca, die Herren\nNaudin (wenigstens an diesem Theater), Ferenesi, Caffieri\n(Tenor) und Obin (B ass). Deutsche Landsleute sind die\nDamen Rudersdorf und Lucca. die Herren Caffieri und\nKarl Formes.\nAuf dem Programm der anderen Oper in Her Ma-\njesty's Theater glänzen die Damen Titjens, Artöt, Mi-\nchal, d e Rud a, Kell ogg, AI b oni, Lemai r e, Tre-\nbel Ii; die Tenöre Baragli, Bettini (Geremia und Ales-\nsandro), Gambetti, Giuglini; Baritone und Bässe\nDelle Sedie, Santley, Fagotti, Fricca, Baga-\ngiolo, Bossi. Vialetti, Zuchini. Gassier.\nDie Rosten beider Unternehmungen sind ungeheuer,\nallein die Eintrittspreise sind desshalb auch verhältniss-\nmässig theuer. Das Abonnement in Coventgarden auf\nvierzig Vorstellungen (wöchentlich vier) beträgt für eine\nLoge von vier Personen im zweiten Range 100 Guineas,\nim ersten Range 200 G., an den Seiten desselben Ranges\n150 G., in dem grossen Range [G 240 G., im\nPit Tier (Parterre-Logen) 220 G.; für einen Sperrsitz\n(Orchesira Stalls)3s Guineas, Amphitheater-Stall erster\nReihe 18 G., zweiter Reihe 12 G. Vorausbezahlung. Mit-\nhin ist für die zehn Wochen der Season der höchste\nAbonnements-Preis (1600 Thlr. die Loge) für die Person\n400 Thlr. und der niedrigste 120 Thlr.\nCoventgarden hat mit Auber's „Stumme von Portici'*,\noder, wie sie hier heisst: „Masaniello\" (Signor Naudin!),\nIhrer Majestät Theater mit Verdi's Trovatore eröffnet.\nDa das Künstlerpaar Goldschmidt auf Ihrem dies-\njährigen niederrheinischen Musikfeste als\nrum erscheinen wird, so wird es Sie interessiren, dass am\n1. Mai zum Besten des Hospital for Incurabks ein Con-\ncert in St. James' Hall Statt findet, in welchem Frau Lind-\nGoldschmidt singen wird. Zur Aufführung unter der\nLeitung des Herrn Goldschmidt ist Händel's Cantate\nL'Allegro ed il Pensieroso bestimmt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIm Juni feiert Frau Charlotte B ir#ch-Pfeiffer in Berlin ihr\nfünfzigjähriges Schauspielerin-Jubiläum. Der Zettel des königlich\nbaierischen Isarthor-Theaters in München vom 13. Juni 1813 zeigt\nin dem Plötz'schen Melodrama „Mosis Errettung\" das erste Debüt\nder dreizehnjährigen Demoiselle Charlotte Pfeiffer in der Rolle\nder Thermutis an.\nDas am 7. April in Karlsruhe zur Aufführung gelangte Lust-\nspiel Moriz Hartmann's: „Gleich und Gleich gesellt sich gern\",\nhat entschieden Erfolg gehabt. Ks ist voller Leben und Anmuth,\nspannend und doch einfach und natürlich in seiner Entwicklung.\nOffenbach soll vier Opern gleichzeitig unter der Feder haben.\nEine, „Die Rheintöchter\", romantische Oper in vier Acten, ist für\ndie wiener Hofoper bestimmt; die zwoite, „Die schöne Aurora\", ko-\nmische Oper in drei Acten, wird im Victoria-Theater in Berlin zur\nAufführung gebracht; die dritte, „7Z signor Fagottou, einactige Buf-\nfonerie, gehört für Ems, und die letzte, „Les Georgienneskomische\nOper in drei Acten, Text von Moineaux und Du Locle, wird zur\nEröffnung des neuen Saales der Bouffes Parisiens am 1. October in\nScene gehen.\nUeber den Tenoristen Herrn Wachtel, welcher jetzt hier in\nKöln ebenfalls volle Häuser macht, schreibt man aus Schwerin: In\nder Oper nahm das Ende Januar Statt findende Gastspiel Wachtel1 s\ndas besondere Interesse der Musikfreunde in Anspruch. In den vier\nVorstellungen: „Weisse Dame\", „Teil\", „Postillon\", „Lucia\", feierte\nWachtel die seltensten Triumphe, die er im Ganzen wohl mehr den\nwunderbar schönen Mitteln, als seiner Kunst verdankt; die Stimme"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630425-01.1.8", "texte": "in ihrer Fülle und Lieblichkeit dürfte gegenwärtig keine Rivalin ha-\nben, und die Leichtigkeit, mit welcher der Sänger die hohen Töne\nvon g bis c anschlägt, ist vom wohlthuendsten Eindruck. Der über-\nschwängliche Beifall erreichte im „Postillon\" seinen Höhepunkt.\nDas Verlangen nach Entree-Billets war ein so grosses, dass ein förm-\nlicher Kampf um dieselben Statt fand, und es verdient dies desshalb\nbemerkt zu werden, weil ein ähnlicher Andrang bis jetzt bei keinem\nanderen Gastspiele vorkam, so dass der jedesmalige Theaterzettel\nneue, die Interessen der Billetkäufer wahrende Bestimmungen ver-\nöffentlichte.\nAus Prag berichtet man den wiener „Recensionen\" über\nSchliebner's Oper „Rizzio\". Der Stoff des Textbuches ist eine\nEpisode aus der Geschichte der Maria Stuart vor dem Schiller'schen\nTrauerspiel. Der Verfasser Emil Mayer stellte der Partei der Ka-\ntholiken mit Maria Stuart und ihrem Sänger Rizzio die der Refor-\nmirten mit Maria's Gemahl Darnley, ihrem Halbbruder Murray und\ndem Vorsitzenden im Parlamente, Lord Ruthven, an der Spitze ge-\ngenüber und bereitete dem Componisten in dem Verhältnisse der\nKönigin zu Rizzio, so wie in dem religiösen Conflicte reichen Spiel-\nraum zur Entwicklung musicalischer Mittel. Freilich liegt in Letz-\nterem schon der Handlung nach eine Reminiscenz an die „Huge-\nnotten\". Dagegen enthält die Situation des dritten Actes, wo sich\ndie Königin von Rizzio ein Liebeslied singen lässt und von den\nVerschwörern überrascht wird, einen dramatisch bewegten Moment.\nSchliebners Composition ist eine durchaus gefällige Arbeit und er-\ninnert in ihren melodiösen, leichten Zügen mehr an italiänische\nMusik. Die Musik in „Rizzio\" ist ein leichter Melodieenfluss, der\nAlles gleichmässig überzieht und dahinströmt, ohne Wellen zu wer-\nfen, ohne eine tiefere, leidenschaftliche Bewegung zu erzeugen. Auch\nhat es dem Erfolge wesentlich geschadet, dass der erste, zweite und\nvierte Act dasselbe, fast tonlose Finale haben. Uebrigens ragen ein-\nzelne Schönheiten der Musik, besonders im dritten Acte, hervor.\n\\\\ ieil* Das in voriger Woche zu Ende gegangene Gastspiel\ndes Fräuleins Janauschek wird unbestritten als der Höhepunkt\nder diesjährigen Theater-Saison im Gebiete des ernsten Drama's be-\nzeichnet werden können. Erwartet mit einer keineswegs zweifellosen\nSpannung, von der Kritik theilweise mit entschiedener Sprödigkeit\naufgenommen und an sich wenig dazu geschaffen, die Gemüther\ndurch ein blitzartig einschlagendes Naturel, durch Schönheit oder\nGenialität im Nu zu erobern, hat es Fräulein Janauschek trotz alle-\ndem zu einem durchgreifenden Erfolge gebracht. Wir wünschen ihr\ndazu mit aller der Freudigkeit, welche der Anblick eines derartigen\nSieges der echten Kunst erweckt, von ganzem Herzen Glück und\nhoffen, dass Fräulein Janauschek zu einem längeren und ruhigeren\nVerweilen hieher zurückkehren werde. Sechsfacher Hervorruf\nund ein wohlverdienter Lorberkranz bildeten den Abschluss dieses\nglänzenden Gastspiels, von welchem Fräulein Janauschek ruhig das\nBewusstsein mit sich nehmen darf, als eine der bedeutendsten Schau-\nspielerinnen der Gegenwart nun auch vor dem strengsten Forum\nfreudig anerkannt worden zu sein. (W. Recens.*])\n*] Es ist uns angenehm, unser Urtheil über Fräulein Janau-\nschek (bei ihrem hiesigen Gastspiele im Jahre 1858) auf so\nglänzende Weise von Wien aus bestätigt zu sehen. Wir sag-\nten unter Anderem in der Kölnischen Zeitung Nr. 62 vom 'S.\nMärz JB5B von ihr: „Fräulein Janauschek ist eine grosse, weil\nschöpferische Künstlerin: überall tritt selbständiges Denken\nund Fühlen in ihrer Leistung hervor; Talent und Studium ha-\nben die Kluft, die bei so Vielen zwischen der Intention und\nder Ausführung, zwischen dem Wollen und Können liegt, voll-\nständig ausgefüllt; nichts erinnert bei ihr an das Handwerk;\ndas Verständniss der geistigen Seite der Kunst gibt ihrer Dar-\nstellung die Weihe, die künstlerische Gesinnung durchdringt\nsie überall und duldet nirgends das Gemachte, das Gezierte,\ndas Geschnitzelte, oder das Gespreizte, Maasslose, Unedle und\nUnwürdige.\" L. B."}]}