{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-05-16-01", "volume": "bmtnabi_1863-05-16_01", "ocr_sha256": "bdf1a25399f0ce26af024cc66a8fdc696085e08050e1171dcc8f85ea1b0b2d57", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/05/16_01/bmtnabi_1863-05-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-05-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nAus der Mappe eines reisenden Enthusiasten (Schumann's Scenen aus Faust und ihre Aufführung). 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Hiller's neueste Composition, Soiree von Fräulein Albertine\nMeyer Das bevorstehende niederrheinische Musikfest Hamburg, Philharmonischer Verein Preis-Ausschreiben)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-05-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "157", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.2.2", "titre_corps": "Aus der Mappe eines reisenden Enthusiasten.", "titre_sommaire": "Aus der Mappe eines reisenden Enthusiasten.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.1", "debut_caractere": 462, "fin_caractere_exclue": 4348, "texte": "Aus der Mappe eines reisenden Enthusiasten.\n(Schumann's Scenen aus Faust und ihre Aufführung.)\nAll gemein höre ich die Kenner, die Musiker es aus-\nsprechen, die dritte Abtheilung des „Faust\" von Schu-\nmann sei die schönste. Die zweite, fügen Viele hinzu, ist\nnicht zu componiren („incomponible\"). Der Text gestatte\nes nicht, dass man dazu schöne Musik schreibe. „Diese\nPhilosophie in Tönen ist unerquicklich\", sagte der Besse-\nren einer. Ich begreife nicht, dass so ausgezeichnete Fach-\nleute sich so lange dagegen verschliessen. Fremd ist auch\ndieser Stil, wie überhaupt der ganze zweite Theil des Goe-\nthe'schen Faust. Aber bedeutend genug, ja, vielleicht be-\ndeutender als der erste ist dieser zweite Theil. Habe ich\ndoch vielfach sagen hören: „Wir haben heute Goethe\ndurch Schumann's Muse besser verstehen gelernt.\"\nDie dritte Abtheilung bietet allerdings mehr lyrischen\nStoff, mehr abgerundete Sätze, und wenn man so gern an\nder Form haften bleibt, so befriedigt ein kurzer, abge-\nmessener Gesang das Ohr weit mehr, als das Declamato-\nrische des zweiten Theiles; aber wie unheimlich charak-\nteristisch die Sorge, wie edel, wie männlich kräftig der\nFaust! Geht genauer darauf ein, untersucht das Compo-\nnirte, spielt es allein am Ciavier, ohne Faust, ohne Sorge,\nohne Lemuren, ohne die Farben des Orchesters, und sagt\n7 o\nmir, welches Stück unerquicklich wäre. Ihr findet kein\neinziges, und ich will euch sagen, warum: Die Musik\nist im mystischen Einklänge mit Goethe's mysti-\nschem Worte. Rastloses Suchen, endloses Streben, lau-\ntes Aufjauchzen, wenn das Höchste errungen, wenn es\ngelungen: sind das der Musik fremde Töne? hat sie dafür\nnicht die feinsten Nuancen? Wer kennt nicht Beetboven's\nnie rastenden Genius? seine feine Gefühls-Scala? Was ist\nincomponibel? Das, was des Mannes Brust nicht bewegt:\ndas Starre, Kalte, Abstracte; das Mystische aber, das phi-\nlosophisch religiöse Gefühl ist dem Gebiete der Musik\nwohl zuzugestehen, und wir werden hier Gelegenheit ge-\nnug finden, es anzuführen. Und wie hat das Publicum\nbisher gerichtet? Ich höre von allen Seiten, dass das Dra-\nmatische, Charakteristische des zweiten Theiles Alle er-\ngriffen, verblüfft hat, und hat das Ohr Einzelner sich nicht\nzufrieden erklärt, so ist das Herz doppelt warm geworden.\nWas entgegnen mir darauf die Unzufriedenen? Wen\nwürde auch der begeisterte Philosoph nicht interessiren !\n„Du Erde warst auch diese Nacht beständig und athmest\nneuerquickt zu meinen Füssen .... du regst und rührst\nein kräftiges Beschliessen, zum höchsten Dasein immerfort\nzu streben. Hinaufgescbaut!\"\nWie sollte der Sängerbrust des Componisten die Be-\ngeisterung nicht Töne entlocken beim Lesen dieser Worte?\nIch kann mir ihn so lebhaft denken, den lieben Meister,\nder stets das Beste gewollt, wie er seine mystische Sprache\nder poetischen anverheirathete. „So ist es also, wenn ein\nsehnend Hoffen dem höchsten Wunsch sich traulich zu-\ngerungen: Erfüllungspforten findet flügeloffen.\" Wie\nmuss ihn diese Sprache angeregt haben! Wie lebhaft und\nathemlos begleiten die Geigen das sehnende Hoffen des\nSängers! „Ist's Lieb', ist's Hass? die glühend uns um-\nwunden, mit Schmerz und Freuden wechselnd ungeheuer.\"\nIst das auch incomponibel? Schlagt die Partitur auf, spielt\nohne Vorurtheil! Wie wird euch ums Herz? Glüht nicht\nAlles in Schmerz und Freude? Klingt die Musik? ist sie\nlebendig? quillt sie aus dem Innersten der Seele? „Am\nfarb'gen Abglanz haben wir das Leben!\" Ist das un-\nschön? verzerrt? Ist der Text nicht durch diese wunder-\nbare Harmonieenfolge, durch das lange schwellende Ois\nin der Singstimme verdeutlicht? Genug, denn so geht es\ndie ganze Abiheilung hindurch; es ist nicht eine Phrase\nzu finden: Alles kräftig, ruhig und schön! Urtheilt nicht\nso leichtsinnig! Nehmt nur den Goelhe'schen Text zur\nHand und dann irgend einen aus einer modernen Oper,\nund sehet zu, welchen ihr am liebsten componiren möchtet."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5379, "texte": "Es ist incomponibel, habt ihr gesagt. „Vier sah ich kom-\nmen, drei nur gehen (wir übergehen das vorhergehende,\nabgerundete Musikstück); es klang so nach, als hiess es\nNoth\" u. s. w. Lasst euch das vordeclamiren und dann\nmit Schumann's Musik vorsingen! Was ist incompo-\nnibel? Etwa dieses? „Die Nacht scheint tiefer tief her-\neinzudringen, allein im Innern leuchtet helles Licht!\"\noder: „Auf strenges Ordnen, raschen Fleiss erfolgt der\nallerschönste Preis! Dass sich das grösste Werk vollende,\ngenügt ein Geist für tausend Hände.\" Wollt ihr lieber\nden Spohr'schen Wüstling componiren oder den Text der\nHerren Michel Carre und Barbier für Gounod's zucker-\nsüssen Faust? Ihr thätet mir leid! Goethe's Werk in eine\nOper umzuwandeln ist Unsinn, der Stoff ist nicht für eine\nOper; die dramatischen und lyrischen Momente aber in\nGoethe's Text zu componiren, eine Faust-Musik zu schrei-\nben, das war eines Geistes würdig, der gleich dem Heros\ndas höchste Glück nur im Schaffen für die Nachwelt fin-\nden konnte! Mystisch und poetisch im Sinne von Goethe's\nVorbild, noch mystischer aber ist die Tonkunst an und\nfür sich, und besser wie plastische und dramatische Kunst\nkann sie jene tiefen Momente erhellen und das Wort\nzur vollen Bedeutung erheben. Und schliesslich kommt es\ndarauf an, wie es componirt, wie die Musik klingt, nicht\nwas für ein Text ihr unterliegt. „So dumm läuft es am\nEnde doch hinaus\", wie Mephisto sagt, und ich im Namen\ndes Zuhörers hinzufüge: wenn das Componirte nachläs-\nsig aufgeführt wird.\nDie Frage nämlich, die ich heute nach der Auffüh-\nrung des besagten Werkes stellen möchte, wäre diese:\nIst es erlaubt, in einem berühmten Concert-Institut ein\nsolches Capital-Werk mit einer Hauptprobe aufzuführen?\nGenügt eine Probe, die Schönheiten, die wunderbaren\nMomente, deren es so viele gibt, leicht und klar, wahr\nund kräftig der zuhörenden Menge darzubringen? Nein.\nFragt man aber, wie das Werk nach der einen Probe\nklang, so sage ich: Unglaublich gut, und es gebührt dem\ntalentvollen Musiker, der das Ganze einstudirte, volle An-\nerkennung dafür! Die Eintritte der Chöre waren meist\nsicher und kräftig, geschwankt hat die Masse nie, das\nOrchester spielte tüchtig unter tüchtiger Leitung, aber es\nfehlte dem Ganzen eine Ruhe, eine Weihe, deren Mangel\nman gern der einen Probe zuschreiben will. So wird in\nDeutschland sehr viel musicirt; meiner Meinung nach viel\nzu viel, und so geschieht es wohl öfters, dass das schönste\nWerk im Vortrag mangelhaft zur Aufführung kommt. Klagt\nnichtüber die Kälte des Publicums. Wenn esin Deutschland\nergriffen ist, so jubelt es wie in Frankreich und Italien,\nnur nicht so laut, auch nicht so unanständig! Aber führt\nunserem kunstsinnigen Publicum die Meisterwerke nur\nkunstgemäss, geschmackvoll, vollendet vor, sonst läuft es,\nwie wir neulich sahen, vor dem Schlüsse davon. Die mit-\ntelmässige Ausführung ermüdet, stumpft ab, das Publicum\nwird nach und nach durch das unzarte Blasen, durch das\nfortwährend starke Singen taub. Und wie manche Stelle\nhätte durch Contraste, durch einen feineren Hauch ge-\nwonnen! Zur gründlichen Analyse ist auf der Reise keine\nZeit, aber ich will einzelne Stellen anführen.\nIch übergehe die Ouvertüre, die keinen prägnanten\nGedanken enthält, und die gerade desswegen mit der\ngrössten Sorfalt, mit dem raffinirtesten Geschmacke ge-\nspielt werden müsste! „Er weiss was darein zu machen\",\nheisst es von einem Künstler, wenn er einem weniger be-\ndeutenden Stücke Wunderbares zu entlocken versteht!\nUnd so hier! Vor Allem aber sollte z. B. im Gewandhaus-\nSaale in Leipzig sich nie ein Musiker, Bläser oder Gei-\nger, anstrengen, dann klänge es immer schön, auch\nvoll und kräftig. Doch zur Begleitung. Ein Forte zu\neinem Solo-Vortrage ist kein Forte im Tutti; Anschlagen,\nAnschwellen, Marquiren des Tones muss bescheiden ge-\nschehen! Sobald Wort und Stimme erklingen, ziemt dem\nOrchester eine bescheidene Rolle, und es soll keinem Spie-\nler einfallen, sich hören lassen zu wollen, sondern er muss\nnur die Sänger unterstützen; Weiteres verlangt man von\nihm nicht.\nWie schön klingt die sanfte, innige Stelle „Er liebt\nmich, liebt mich nicht\", wenn der Blasechor nicht unbe-\nscheiden das Crescendo vor dem siebenten Achtel voll\nanwachsen lässt! Drei Mal wiederholt sich die schwel-\nlende Tonwelle, drei Mal zu früh und zu voll! Und\nwen werden in der Dom-Scene furchtbar harte Einsätze\nder Posaunen und Trompeten nicht förmlich erschrecken?\nTrompeten aber müssen hier den Sänger schonen, das\nWort kommt sonst nicht zur Geltung; und wenn im\nPiano ein Sforzando vorkommt, so darf es nicht so klin-\ngen, als wenn man im Getümmel der Schwadron ein\nSignal vernehmen lassen wollte. Und was für einen\nZauber übt die Einleitung zum zweiten Theile\nauf den schlafsuchenden Faust aus, wenn sie „Ruhig\",\naber nicht schleppend, wohlklingend sanft und eintönig\ngespielt wird? Lange, lange währt das Pianissimo! Die un-\nruhigen Celli triolen für den Unruhigen, den Ermüdeten,\ndie Harfe für die anmuthigen kleinen Gestalten; die däm-\nmernden Geigenstrahlen, der blumige Rasen, alles athmet\nden reinsten poetischsten Hauch, und ich will nicht ei-\nnen leidenschaftlichen Ton, nichteine unruhige Note in der\nSeene hören! Die Musik thut das Ihrige, sie ist vollkommen\ncharakterisirt; die Ausführenden dürfen nichts hinzufügen.\nDie Einheit des Ausdrucks geht sonst verloren! Ganz\nspät erst kommt das kleine Crescendo; es dauert drei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5445, "texte": "Tacte bloss, und soll auch schwellen bis zum letzten\nAchtel; plötzlich wieder Piano. Wo blieb an jenem\nAbende diese feine Nuance? Im ganzen Stück ist kein\nForte vorgezeichnet, kein einziges! Hier und da zum\nAuftacteoder für Verstärkung eines Wortes, weiter nichts!\nUnd wie plump das Nachschlagen der Blase-Instrumente!\nIst den Herren nicht aus einander gesetzt worden, was\nvorgeht? und spricht die hüpfende, leichte Triolen-Figur\nnicht eben so neckisch wie ein Puck? Hat man vergessen, den\nText auf jedes Pull zu legen, v o n der ersten Probe\nan? 0, so unterrichtet doch die gelehrige Masse! Sie ist\nwillig, sie ist geduldig wie die Menge im Allgemeinen!\nAber redet ihr zu, sprecht mit ihr, gönnt ihr ein beleh-\nrendes Wort! Ihr habt ja das grosse Capellmeister-Buch\nvor euch, Geehrtesler! Ist nichts daraus zu schöpfen, was\ndem Einen und dem Anderen Offenbarung werden könnte?\nUnd wenn nun Ariel, der Gütige, seine Befehle er-\ntheilt, so setze das Sextett pianissimo ein. Es gibt Stellen\nin der Musik wie Momente im Leben, wo der Athem\nstockt, wo die Stimme nicht heraus will. Muss sich denn\nJeder hören lassen? Wer kann nach Ueberlegung der\nSituation hier stark einfallen bei den Worten: „Wenn\nsich lau die Lüfte füllen\"?—„Süsse Düfte, Nebelhüllen\nsenkt die Dämmerung heran\", singen Tenöre und Bässe,\nund das Wort deckt Ihnen die Stimme nicht, meine Her-\nren? Und weiter im Sopran: „Lispelt leise süssen Frie-\nden\", und gleich die Männer drauf: „Wiegt das Herz\nin Kind es ruh', und die Augen dieses Müden schiiesst\ndes Tages Pforte zu.\" Er soll nicht erwachen, er soll im\nsüssesten Schlafe neue Kraft schöpfen: „Nacht ist schon\nhereingedrungen.\" Wie wunderbar müsste dieses G?\nklingen, von Allen pianissimo vorgetragen! wie mystisch\nder gedämpfte Ton! und wie lange behauptet er die Eine\nFarbe! Ein kurzes Crescendo: „Glänzen droben klarer\nNacht\", macht die heilbringende Ruhe des Stückes noch\nbedeutungsvoller, und im Pianissimo geht es aus: „Schon\nerloschen sind die Stunden\". Und nun nach dieser Jangen,\nherrlichen Stille, wo kaum ein Lüftchen sich vernehmen\nlässt, hört dieses Wachsen an: „Fühl' es vor, du wirst ge-\nsunden!\" In einem Jubel müsste hier der Chor der Zuhö-\nrenden einstimmen: „Fühl' es vor!\" „Schlaf ist Schale,\nwirf sie fort!\" Darf das Forte hier verletzend sein? Nim-\nmermehr! Es hat nur Nachdruck, es hat Bedeutung:\n„Fort!\" kurz,, und gleich wieder leise: „Schlaf'!\" „Alles\nkann der Edle leisten, der versteht und rasch begreift.\"\nJa, Alles! und das vor Allem, dass diese Kraftstelle mit\ndem Sforzando im Forte eine Offenbarung der Menge sein\nmüsste. Es ist einer der höchsten, der bedeutendsten Mo-\nmente in Goethe's Buche, und man erwäge das Wort ge-\nnau: „Alles kann der Edle leisten!\" Ja, Alles! und wir,\ndie wir durch die Musik verstehen, wir wollen es euch\nsagen mit der Fülle der Stimme und des Glaubens, des\nGlaubens an die innere göttliche Stimme. Und immer\nmächtiger soll der Klang werden, immer wärmer, immer\ninniger, bis ihr mit dem Ariel ausruft: „Horchet auf!\"\nJa, hört nur zu! „Unerhörtes hört sich nicht!\" Verge-\nbens! nur die Musik hört ihr! ,Trifft es euch, so seid ihr\ntaub!\"\nUnd nun kommt stufenweise der Sonne Licht und\ntriflt der Berge Gipfelriesen. Wie hier Bässe, Posaunen\nund Trompeten spielen sollten, das liegt auf der Hand, die\nFiguren erklären es selber. Die Berge verkünden! „Sie\ndürfen früh des ewigen Lichtes gemessen, das später sich\nzu uns herniedex wendet.\" Später, später, nicht jetzt; im\nThale liegt noch die Nacht. Und so streicht athemlos und\nzurückhaltend eure Saiten und verkündet leise mit den\nhohen Einsätzen im Blech das Herannahen des Lichtes;\naber verkündet, bekundet nicht. Auel) der Sänger blickt\nathemlos nach Osten; er wagt es kaum, seine Stimme ver-\nnehmen zu lassen. Wollt ihr ihn dazu zwingen? Ihr ver-\nmögt es nicht, und er bleibt lieber unvernehmbar der\nMenge, als dass er gegen des Componisten Willen euch be-\nkämpfte. Haltet ein! schmettert nicht, deutet an! Wie soll\nes denn klingen, wenn die Feuerscheibe wirklich hervor-\ntritt? Hier ist sie schon! Seid behutsam, wachset aus. „Sie\ntritt hervor!\" im vollsten Z?-rfw/--Glanze.\nIch habe nicht ausgeredet. — Faust erblindet. Die\nSofge hat sich hereingeschlichen, ihn verhöhnt und haucht\nihn endlich an. „Die Nacht scheint tiefer tief herein zu\ndringen!\" Und nun schleichen sich die Bässe und Geigen\nauf wunderbaren Tönen heran. Dunkel deckt das Ganze;\nkeine Färbung, kein Schwellen oder Abnehmen des Tones.\nEs heisst Pianissimo und klingt auch so ganz richtig. Aber\nwoher die wiederholten Crescendi? woher die Unruhe?\nIst es erlaubt, Schumann's Musik mit Vortrags-Bezeich-\nnungen zu illustriren und das Unheimliche der Situation\ngeradezu zu vernichten? Vierzehn Tacte lang soll die Nacht\nwähren: nur Faust erhellt das innere Licht. 0, so öffnet\ndie Augen des Verstandes und schiiesst fest die leiblichen\nzu! Spielt blind und mit dem Glauben an den Meister, der\nseine Effecte mehrfach erwogen, und prüft mit ihm und\nerwägt das Wort, das Goelhe'sche, des deutschen Zeus'\nWort! Gigantisch im Kleinsten, harmonisch wie die Nacht,\neinheitlich durchweg! „Im Vorgefühl von solchem\nhohen Glück, geniess' ich jetzt — den höchsten Augen-\nblick!\" C-dur!Es ist vollbracht! War das wirklich bei euch\nder höchste Augenblick? Haben uns die Posaunen in dem\nlangen, klaren Nachspiele in Faust's Himmel versetzt?\nNein! — Ich will euch ein Mittel angeben; ihr sollt es selbst\nwieder gut machen. Aber haltet euch streng an das Buch,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5400, "texte": "setzt euch au den Flügel, wo möglich an Frard's! Der\nZeiger ist gefallen: es ist vollbracht! Mephisto hat den\nletzten höhnischen Ton ausgestossen (er müsste bis zuletzt\nhöhnisch sein, und es kommt hier auf den Vortrag an),\nund der Gute, der in der Menschenliebe, in der weitesten,\nunumschränktesten, das Glück und die Ruhe gefunden, tritt\nein neues, verklärtes Leben an. Schlagt mir nun selbstver-\nklärt den C-rfwr-Accord pianissimo an, hebt mir auf die\nDämpferund genau, dassja die richtige Harmonie die Seele\naufwärts begleite! Und spielt rein wie ein Engel und ruhig,\nund lasst alle irdische Leidenschaft auf der Erde! Kein An-\nund Abschwellen, kein Druck und Nachdruck! Die höchste\nSeligkeit ist Ruhe!—Wir sind schon in höheren Regionen!\nWie? G-molltSollte der Flug nach oben-gehemmt wer-\nden? Nein! D-moll,G-dur, Edann die untere Sep-\ntime Fbringen uns gleich wieder auf die Dominante. Der\nletzte Schmerz ist mit der letzten Dissonanz verklungen,\nund die Quinten und Decimen schwingen den Verklärten\nin die höchste Region.—Seid ihr nicht wohl dabei gefah-\nren? Ist das nicht himmlische Ruhe? Sind die Flügel der\nEngel nicht sanfte Träger? Dieses lehrt uns, dass das Ideal\ndes Schönen Einfachheit und Ruhe sei. Wer zweifelt\ndaran? Ist diese Einfarbe nicht bezeichnend? Nur ein\nMeister kann sie finden.\nWie gesagt: Führt dem Publicum Meislerwerke vor,\naber meisterhaft!\nHat die dritte Abtheilung das Auditorium so sehr viel\nmehr bewegt, als die beiden ersten? Es heisst ja allgemein,\nsie sei klarer, fasslicher, leichter zu verstehen? Zugegeben;\nbedeutender aber ist sie nicht.—Auch hier muss eben die\nMusik zergliedert, fein nuancirt, mit Ruhe und Regeiste-\nrung dem Zuhörenden dargebracht werden. Es ist eine\nabgemachte Sache: man gibt' in Deutschland viel zu we-\nnig Acht auf feinen Vortrag. Ist z. R. der erste reizende\nChor aufgenommen worden, wie er es verdient? Die Wir-\nkung dieses Musikstückes ist aber so hinreissend, dass es\nbei feiner Ausführung gleich da capo gesungen werden\nmüsste. Achtunddreissig Tacte lang, neun Tacte mit\nspärlichen Crescendi, zum Schlüsse zwei punktirte Viertel\nforte, gleich darauf wieder piaWie man solche Musik\nstark und unruhig singen kann, ist mir unbegreiflich.\n„Löwen, sie schleichen stumm!\" Wie ist es möglich, sich\nhier hören lassen zu wollen? Die Musik soll man hören\nlassen und durch bescheidenen Vortrag zur vollen Geltung\nbringen nicht einzelne Stimmen. Wer fühlt sich nicht\nselbst in der tiefen Region erhoben und gestärkt durch\ndie Töne des Pater Profundus? „ so ist es die all-\nmächt'ge Liebe, die Alles bildet, Alles hegt.\" Eine Stelle\nist ganz genial harmonisirt, sie klingt aber am Ciavier\nhart; es ist diese: „Mein Inneres mog? es auch entzünden\"\nu. s. w. Die Appoggialuren im Rass sind bezeichnend ge-\nnug und der scharf angeschlossene Kettenschmerz gewal-\ntig. Mit den verschiedenen Klangfarben des Orchesters\naber verlieren die allzu nahen Stufen ihre Härte. „O Gott,\nbeschwichtige die Gedanken!\" Welche Innigkeit! welches\nVertrauen in die allgütige Gottheit! Es ist hinreissend und\nkönnte den Verstocktesten erweichen und bekehren. Der\nUebergang zur höheren Region ist herrlich. Hier ist der\nPater Seraphicus, hier die seligen Knaben. Selig die Kna-\nben, die sanft und weich singen können! Selig der Ton-\ndichter, der ihnen solche Weisen in den Mund legt! Aber\nvergesst nicht, dass wir die Erde verlassen haben! Schwe-\nben sollen eure Stimmen, schweben wie Schumann's auf\nund ab wogende Melodie! Reim nächsten Tempo erst wer-\ndet verschwenderisch im Tone. Ris zum Lebhaft die grösste\nDiscretion. „Hände verschlingt freudig zum Ringverein!\"\nWie hier die Musik die Poesie wieder hebt! Wie die\nleichten Triolen Alles verschlingen und rühren! „Göttlich\nbelehret, dürft ihr vertrau'n; den ihr verehret, werdet ihr\nschau'n!\" Es ist wahrhaft von oben inspirirte Musik, Mu-\nsik von Gottes Gnaden.\nGanz besonders müssen wir hier die gefällige, der\nMenge willkommene Nummer, den Chor und das Alle-\ngretto: „Jene Rosen\", bezeichnen. Aber reihet mir Ton\nan Ton gewissenhaft an; hüpfet nicht! Wenn auch keine\nRindungen vorgeschrieben sind, getrennt darf keine Note\nvon der anderen sein; und übereilt euch nicht, und singt\nso lieblich, wie das Lächeln eines Raphael'schen Engels.\nDann, nur dann kommt der Gegensatz zwischen dem ju-\nbelnden Chor und dem lieblichen Solo zur Geltung. Warm\nund lebendig sei das Piano und schön und voll Wohllaut\ndas Forte!\nDoch nun kommt für den Chor die schwierigste Stelle\nim ganzen Werke! Schumann liebt es, im Rhythmus das\nTalent seiner Leute zu erproben. Nur fest und ruhig und\netwas gedeckt im Tone. „Nebelnd um Felsenhöh'.\" Triolen\nim Chor zu zwei Vierteln im Orchester; ein Piano im rüh-\nrigen Tutti, die Ruhe in der gefährlichsten Rewegung:\nwelch ein herrliches Mittel, Rewunderung zu erregen! Nur\ndas Solo-Quartett steigert dann und wann den Ton: „Die\nWölkchen werden klar!\" Zum Schluss erlaubt euch Schu-\nmann ein kleines Crescendo, damit das nächste Stück in\nGes-dur für Solo-Quartett leiser und ätherischer klinge.\n„Freudig empfangen wir diesen im Puppenstand\".—Nun\nist die Seele befreit, die Flocken sind gelöst. „Gerettet ist\ndas edle Glied!\" Edel, hocherhaben muss dieser Chor klin-\ngen. Ruhe und Einfachheit ohne Hast, ohne Rührigkeit\nbedingen hier die Wirkung. Auch das Solo-Quartett mischt\nsich hinein: „Wer immer strebend sich bemüht, den kön-\nnen wir erlösen.\" Wie sie alle nach oben streben! Es sind"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2175, "texte": "die schönen, ruhigen, verklärten Geister, die das Unsterb-\nliche des Helden gen Himmel tragen. Klar, durchsichtig\nmuss Alles klingen, wie bei den Glücklichen Alles harmo-\nnisch tönt. Schwingt euch empor zu reineren Sphären! Wir\nsind nicht mehr hienieden! Hinaufgeschaut! Wenn der\nDoctor Marianus entzückt die Litanei der Herrlichen, der\nMütter anstimmt, so fallen Alle auf die Kniee und bitten\num Gnade. Und das sollte nicht auf Bässe, Bratschen und\nFagotte (der Himmel hängt hier voll Bassgeigen) wirken?\nund sie sollten in B-dur nicht zart mit anstimmen? Sie\nsollen nur im Orchester erfahren, was im Himmel vor-\ngeht .... gleich sind sie stumm.—Und darf der Chor die\nherrliche Melodie anders singen, als der erhabene Vorsän-\nger Marianus? „Dir, der Un berühr ha ren!\" Welch ein\nAusdruck liegt in dem Einen Worte! Und wie gewöhnlich\ner das vorträgt! Die Engel gar sind Angesichts der heili-\ngen Jungfrau betroffen und wagen es nicht, anders als in\ntiefer Ehrfurcht sie anzupreisen. Und ihr Menschenkinder\nwollt nicht einmal im Himmel bescheiden auftreten? O,\ndass ich den Chor wie lauter Orgeltöne schön könnte sin-\ngen hören! Wie leise das Crescendo, wie zart! „Du\nschwebst zu Höhen der ewigen Reiche!\" Es ist wohl schwer,\nin hohen Tönen schwach einzutreten, aber wir schweben\nvor der „höchsten Herrscherin der Welt\", und der Ton\ndarf hier in tiefen, bescheidenen Chorden erst schwellen.\n„Vernimm das Flehen, du Ohnegleiche!\" Das Flehen,\nnicht das Schreien! Und nun fleht auch das süsse Gret-\nchen; und es wird unter den zarten Seelen ein Bitten. Fle-\nhen und Drängen, dass der Gute erlöst werden muss.—\n„Sieh,\" ruft sie in himmlischer Begeisterung, „seht, wie\ner jedem Erdenbande der alten Hülle sich entrafft!\" 0,\ndass wir uns alle beim Anhören dieser Klänge der Hülle\nund den Erdenbanden entrafien könnten! Eine ganze Re-\nligion ist in dem letzten Theile. „Alles Vergängliche ist\nnur ein Gleichniss, das ewig Weibliche zieht uns hinan!\"\nEs zieht und hebt uns wahrlich hinan, und wir werden\nnach dem Anhören dieses Werkes bessere Menschen. Wir\nglauben, glauben an Ihn, glauben an uns selbst und füh-\nlen und wissen, dass wir Alle, Alle in Seinen Himmel ge-\nlangen werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-05-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "158", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.2.3", "titre_corps": "Aus Crefeld.", "titre_sommaire": "Aus Crefeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.5", "debut_caractere": 2177, "fin_caractere_exclue": 5045, "texte": "Aus Crefeld.\n(Die Opern-Gesellschaft.)\nDen 12. Mai ] 863.\n„Eine Opern-Gesellschaft in Crefeld? Unter wessen\nDirektion?\" Unter der Direction von Kunstfreunden,\n„Mit welchen Kräften?\" Mit den Talenten von Dilettan-\nten. „Wie?\" So ist es: eine iNational-Oper im wahr-\nsten Sinne des Wortes. Hören Sie nur.\nSchon im vorigen Jahre hatte sich hier aul Anregung\neines ausgezeichneten Kunstfreundes eine Opern-Geseli-\nschaft aus den besten Kräften des Singvereins und der\nLiedertafel gebildet und es unter der trefflichen Leitung\ndes Hrn. Musik-Directors Wolffdahin gebracht, Lortzing's\n„Czaar und Zimmermann\" mit Beifall aufzuführen. Der\nHauptzweck war die Unterstützung des hiesigen Orche-\nsters, theils direct durch die zu erzielenden Einnahmen,\ntheils indirect durch die Yergrösserung des Concertfonds,\ndessen Mittel bei einem Abonnement, welches nicht immer\nden Ansprüchen des Publicums die Wage hält, die öftere\nund lohnendere Beschäftigung der Capelle nicht dauernd\nermöglichten. Das Resultat war erfreulich, und so beschloss\ndie Gesellschaft, in diesem Jahre Boieldieu's „Weisse\nDame\" aulzutühren ein schwieriges Unternehmen,\ndas aber über alle Erwartung gelungen ist. Vor allen\nDingen ist die aufrichtige und eifrig thätige Kunsthebe der\nsämmtlichen Mitwirkenden mit dem höchsten Lobe anzu-\nerkennen, die da Zeit und Mühe dem Studium zuwandten\nund nicht nur alle Schwierigkeiten, sondern auch alle\nVorurtheile überwanden, denn es ist hierbei nicht von\nAufführungen im Concert-Saal, sondern auf dem Thea-\nter und in vollem Costum die Rede. Ehre und Dank\nvor Allen den 3*2 jungen Damen, unter denen viele den an-\ngesehensten Familien der Stadt angehören, welche mit\nvierunddreissig Sängern aus den oben erwähnten Vereinen\nden Chor bildeten und ihre Aufgabe in den beiden Vor-\nstellungen am 8. und 10. Mai sehr befriedigend und an-\nmuthig lös'ten. Von den Solopartieen waren nur Miss\nAnna und die Pächterin Jenny Dikson durch Sängerinnen\nvon Fach besetzt, die indess auf der Bühne auch noch so\ngut wie neu waren, die erste Rolle durch Fräulein Julie\nRothenberger aus Köln, die zweite durch Fräulein Ma -\nrie Büschgens yon hier; alle übrigen Partieen wurden\nvon hiesigen Dilettanten ausgeführt.\nDass die zweite Vorstellung noch mehr Abrundung in\nSpiel und Gesang zeigte, war natürlich. Aber würde es\nauch den Ausführenden nur gelungen sein, sich mit An-\nstand ihrer Aufgabe zu entledigen, so wäre das schon al-\nler Ehre und alles Lobes werth; aber bedingungslos darf\ndie Kritik sich dem lebhaftesten Beifalle des Publicums an-\nschliessen.\nDer Preis des Abends gebührte dem Repräsentanten\ndes George Brown, der diese Partie in einer künstlerischen\nVollendung sang und darstellte, wie es unter Dilettanten\nihm schwerlich ein zweiter-gleich thun dürfte. Die ganze\nAusführung zeugte von bedeutender musicalischer Bildung\nund lleissigem Studium. Die schwierigen Anforderungen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3291, "texte": "welche der Componist an diese Rolle stellt, wusste der\nverehrte Sänger glücklich zu überwinden. Fehlte auch der\nkräftige Heldentenor in der Arie „0, welche Lust, Soldat\nzu sein\", der die Räume des Theaters erzittern macht, so\nmangelte dem Sange doch nicht der schwungvolle Vor-\ntrag, der unwillkürlich fesselt und zum Applaus unwider-\nstehlich veranlasst. Die Arie „Komm, o holde Dame,\"\nhingegen gelangte in der zartesten Färbung, in höchst lieb-\nlichem Serenadenton zum Austrag.\nDer Vertreter des Gaveston war jetzt vollständig «ei-\nner Aufgabe gewachsen, sang seinen Part ganz vorzüglich\nund verlieh dem Charakter mehr individuelles Leben, als\nbei der ersten Aufführung.\nDen Pachter Dikson fanden wir ebenfalls in Spiel und\nBewegungen vorzüglich, das Costum kleidete besser und\ndas ganze Auftreten war der Partie mehr angemessen.\nMit der vollen Wirkung einer schönen klangvollen Stimme\ngelangten die Gesangs-Nummern zum Vortrag.\nUngemein überrascht war das Publicum, und wir mit\nihm, durch die höchst talentvolle Leistung des Fräuleins\nRothenberger aus Köln, welche zum zweiten Male die\nAnna sang und mit einer Routine darstellte, die zu den\nerfreulichsten Aussichten für die Zukunft berechtigt. Wie\nwir in Erfahrung brachten, soll die reichbegabte Novize\njüngst in Köln mit sehr glücklichem Erfolge als „Susanna\"\ndebutirt haben und beabsichtigen, sich ganz der Bühne\nzu widmen.\nFräulein M arie Büschgens sang die Jenny mit ge-\nwohnter Correctheit und dem entsprechendsten Ausdruck,\nwährend sie den Charakter mit Natur und Leben dar-\nstellte. Die Bewegungen waren ungezwungen, das Spiel\nlebhaft und das ganze Auftreten graciös und leicht.\nDie Repräsentantin der Margarethe entsprach den\nstrengsten Anforderungen in Spiel und Gesang; vortreff-\nlich trug sie das Lied am Spinnrade vor.\nDie Chöre wurden mitPräcision und mit lebensvollem\nAusdruck so zur Geltung gebracht, dass es an reichlichem\nund wohlverdientem Beifall nicht fehlte. Hier dürfen wir\nuns des Ausspruches bedienen, dass Eintracht und verei-\nnigte Kraft immer zu günstigem Erfolge führen. Das Ar-\nrangement liess nichts zu wünschen übrig; die Costume\nwaren pompös und das Auftreten Aller frei und unge-\nzwungen.\nAuch dem Orchester müssen wir das Zeugniss erthei-\nlen, dass es sich seiner Aufgabe würdig gezeigt hat. Herr\nMusik-Director Wolff, der die Oper einstudirt hatte, war\ndurch Krankheit verhindert, sie zu dirigiren. Herr Mohr,\nDirector der crefelder CapeHe, übernahm die Leitung\nund hat bei dieser Veranlassung sein anerkanntes Talent\nbewährt.\nDass Beifall unausgesetzt von dem animirten Audito-\nrium reichlich gespendet wurde, brauchen wir wohl nicht\nzu sagen, verschweigen aber dürfen wir nicht, dasssämmt-\nliche Darsteller gerufen und mit einem Blumenregen be-\ngrüsst wurden. Unter den niedlichen Bouquets fand sich\nauch ein Lorberkranz mit zierlicher Schleife, worauf der\nName „Georg Brown\".\nDas Theater war so zu sagen ausverkauft, und da\nauch die Freitags-Vorstellung eine gute Einnahme *) er-\ngab, so ist der löbliche Zweck im vollsten Sinne des Wor-\ntes erreicht worden.\nNach dem Theater wurde in dem oberen Saale des\nHotel de la Redoute ein Souper eingenommen.\nEin Bali in den eigens dazu hergerichteten Räumen\ndes Theaters beschloss das schöne Fest, das durch keinen\nMisston irgend welcher Art gestört wurde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-05-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.2.4", "titre_corps": "Aus Amsterdam.", "titre_sommaire": "Aus Amsterdam.", "signature_source": "X. X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.6", "debut_caractere": 3293, "fin_caractere_exclue": 4793, "texte": "Aus Amsterdam.\n\nDen 10. Mai 1863.\nEine ausserordentlich zahlreiche Versammlung hatte\ndas letzte Populär-Concert angezogen; indess war die\nWahl eine weniger glückliche und auch die Ausführung\nnicht ganz so vorwurfsfrei, wie in den vorhergehenden\nConcerten. Die Militär-Sinfonie von Haydn und We-\nber's Jubel-Ouverture trugen den Preis im Beifall davon\nund wurden auch recht gut gespielt. Verhulst's Sinfonie\nist ein sehr gedehntes Werk und hat eine fast zu monotone\nFarbe, wenigstens für ein Volks-Concert, mit Ausnahme\ndes Scherzo's, welches Frische und Schwung hat und ge-\nfiel. Das von Schwierigkeiten starrende Werk kam übri-\ngens auch nicht klar genug und nicht mit den gehörigen\nNuancen heraus, man bemerkte hier und da Unsicherheit,\nMängel im Zusammenspiel und in dem Detail, und die-\nselben wiederholten sich in der Ausführung des Scherzo's\nausMendelssohn's Sommernachtstraum-Musik. Beide Werke\nschienen nicht genügend probirt worden zu sein, ohne\nwelches natürlich eine vollkommene Ausführung nicht\nmöglich ist.\nHerr Heinse wiederholte in seinem Cojicert sein\nOratorium: „Die Auferstehung\". Da die Ausführung nur\nmittelmässig war, so hatte das Werk im Allgemeinen we-\nniger Erfolg, als bei der ersten Aufführung.\nDie Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst hat\nin ihrem letzten Fest-Concert Men del ssohn's „Pau-\nlus\" unter Verhulst's Leitung aufführen lassen, wobei\nFrau 0 ffe rma ns van H o ve, Herr Schneider von\n\n*) Nach zuverlässiger Mittheilung betrug sie 865 Thlr. 'Bravo,\nGrefe! d !"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2129, "texte": "Rotterdam und Herr Behr von Bremen mitwirkten. Es\nwar dies ein herrlicher Abend; das bewundernswerthe\nWerk des Meisters ist selten so gut in Holland ausgeführt\nworden, als dieses Mal. Chor und Orchester wetteiferten\nmit einander an Präcision und Schwung unter dem treff-\nlichen Commando unseres Verhulst. Unter den Solisten\nerhielt Herr Behr den Preis: seine Stimme von wohllau-\ntendem Klang und seine gute Vortragsweise erregten den\nlebhaftesten Enthusiasmus. Die Stimme der Frau Offer-\nmans schien etwas ermüdet zu sein, sie sang nicht immer\nmit der reinen Intonation, die wir bei ihr gewohnt sind.\nHerr Schneider erhielt wie immer Applaus; aber auch er\nhat uns nicht so vollkommen befriedigt, wie in vorherge-\nhenden Concerten. Er möge sich ja vorsehen, seine schöne\nStimme nicht zu sehr zu forciren, es wäre sehr schade,\nwenn er sich nicht schonte.\nHeinrich Wieniawski, der gewaltige Violinist,\nhat sich drei Mal in den Concerten im Park hören lassen\nund, wie immer, mit dem vollständigsten Erfolg; er gehört\nzu den von den Holländern am meisten gefeierten Künst-\nlern. Er geht von hier nach London.\nDas letzte Concert des Cäcilien-Vereins wurde\ndurch die Anwesenheit Ihrer Majestäten des Königs und\nder Königin der Niederlande verherrlicht. Die Pastoral-\nSinfonie von Beethoven, die Ouvertüren zum Freischütz\nund zum Tannhäuser wurden im Ganzen mit Sorgfalt vom\nOrchester ausgeführt, welches Herr Bunte dirigirte. Der\nSaal war überfüllt.\nRichard Hol ist von dem Könige mit dem Orden\nder Eichenkrone decorirt worden; Se. Majestät hatte'die\nWidmung einer Cantate von seiner Composition angenom-\nmen. Ein anderer von unseren ausgezeichneten Künstlern,\nder talentvolle junge Componist Eduard de Hartog,\nhat die Musik-Saison in Paris zugebracht und dort bedeu-\ntende Erfolge gehabt.\nMan verheisst uns hier-eine deutsche Oper für den\nnächsten Winter, und zwar von vorzüglichem Range; wir\nwünschen von ganzem Herzen, dass diese Verheissung in\nErfüllung gehe. Auch ist die Rede von einem grossen Mu-\nsikfeste, welches bei der in Kurzem bevorstehenden Ein-\n%\nweihung des hiesigen Industrie-Palastes veranstaltet wer-\nden soll.\n\nX. X."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-16-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-16_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-05-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.2.5", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.7", "debut_caractere": 2131, "fin_caractere_exclue": 4527, "texte": "Aus London.\nA.\n. • . - Den 10. Mai 1863.\nDie Saison ist im vollsten Flor. Vor Allem dürfte Sie das Con-\ncert der Frau Gb 1 ds c h m i dt - L in d interessiren, da Sie die grosse\nSängerin binnen Kurzem in Düsseldorf hören werden. Es fand vor\nacht Tagen in St. James1 Hall zum Besten des Hospizes der Incu-\nTalles Statt und brachte Hän del's AUegro ed il Pensieroso. Neben\nihr wirkte Mad. Lemmens-Sherrington und die Herren Mon-\nthem-Smith und Weiss mit. Seit 1813 war diese Cantate hier\nnicht gegeben worden. Frau Goldschmidt erregte in den drei Arien\ndes Pensieroso den grössten Enthusiasmus. Chor und Orchester, an\nZahl 250, waren unter Leitung des Herrn Goldschmidt vortrefflich.\nWenn Frau Goldschmidt auch in Bezug auf ihre physischen Mittel\nnicht mehr die Jenny Lind von 1847 ist, so behauptet sie doch als\nSängerin durchaus noch den ersten Rang.\nAlfred Jaell trat zuerst am 29. April in dem Philharmonie\nConcert auf und wurde mit anhaltendem Applaus in Erinnerung an\ndie vorjährige Saison empfangen. Er spielte Chopiu's Concert in\nE-moll mit ausserordentlichem Erfolg. Gestern machte er in dem\nKrystall - Palast - Concerte vor 12,000 Zuhörern Thatsache!\ndurch G-moll-Concert und ein brillantes Duo mit\nVieuxtemps denselben Effect. Eben so in Ella's Musical Union,\nwo er auch übermorgen noch Schumann's Quintett auf Er-\nsuchen des Herrn Ella spielen wird, desselben Mannes, der im vo-\nrigen Jahre, als Jaell darauf bestand, dieses Quintett zu spielen, ein\nentschuldigendes Vorwort zu seinem aristokratischen Audito-\nrium sprach. Diese gelungene Propaganda für Schumann's Musik in\nLondon ist dankenswerth.\nIm Krystall-Palaste wirkten als Solisten ausser Jaell und Vieux-\ntemps, welcher ebenfalls in dieser Saison bedeutenden Erfolg gehabt\nhat, Carlotta Patti, Mad. Lemmens-Sherrington und Signor\nDelle Sedie mit. Carlotta Patti, Schwester der Adelina, ist in\ndiesem Jahre der leuchtendste Stern. Sie singt nirgends und keine\nNote unter 100 Guineas und kann Engagements haben, so viel sie\nwill. Ihre Stimme ist aber auch eine noch nie da gewesene.\nMit grösster Leichtigkeit singt sie das hohe dreigestrichene a, und\nzwar alle die hohen Töne mit bezaubernd schöner und voller Klang-\nfarbe. Adelina Patti ist auch seit einigen Tagen wieder hier und\nentzückt das Publicum in Coventgarden. Carlotta kann nur in Con-\ncerten singen, da sie an einem Fusse hinkend ist. Aber welch' , ein\nSchwesterpaar!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-16-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-16_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-05-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.7", "debut_caractere": 4529, "fin_caractere_exclue": 6171, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKcSsb&« Ferdinand Hiller und F. Breunung haben uns in\nder letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft durch den Vor-\ntrag der neuesten Composition Hiller's für Pianoforte zu vier\nHänden erfreut. Diese Composition hat den pikanten Titel ..Ope-\nrette ohne Text\" und lässt durch die Ouvertüre und acht\nbis neun Nummern, welche theils Arien, auch ein Duett und Ter-\nzett, theils Chöre repräsentiren, der Phantasie weiten Raum, sich\ndazu eine dramatische Handlung zu improvisiren. Wir kommen auf\ndas allerliebste Erzeugniss eines echten Künstler-Humors, denn die-\nser waltet wenigstens darin vor, wenngleich auch die Lyrik trefflich\nvertreten ist, zurück und bekunden zuvörderst nur noch den unge-\ntheilten und höchst lebhaften Beifall, den es an jenem Abende und\nauch in einer Matinee gefunden hat.\nFräulein Albertine Meyer aus Breslau hat am 12. d. Mts.\neine für die gegenwärtige Frühlingszeit gut besuchte Soiree im\nkleinen Saale des Gürzenich mit Unterstützung der Herren Hiller,\nBreunung und A. Schmit gegeben. Sie besitzt eine echte Altstimme\nmit bedeutender Tiefe und Volltönigkeit, welche sie eine Zeit lang\nin Italien ausgebildet hat, wo sie auch mit Beifall in Florenz und\nanderen Orten aufgetreten ist. Der Vortrag von Schubert's Wan-\nderer* und Schümann'» „Ich grolle nicht\" gelang ihr recht gut;\nausserdem sang sie noch Händel's Arie der Juno aus „Semele\" und\ndie erste Scene des Bellini'schen Rt>meo. Fortgesetzte Studien wer-\nden die 1 öne der verschiedenen Register mehr ausgleichen und dem\n\\ ortrage mehr Rundung und Wärme geben. Ihre Leistungen wurden\nvom Publicum sehr wohlwollend aufgenommen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4818, "texte": "Das 40. niederrheinische Musik fest, mithin eine erfreu-\nliche Jubelfeier dieses vaterländischen Kunst-Instituts, wird an den\nPfingsttagen, den 24.—26 Mai, in Düsseldorf Statt finden in dem\nbekannten grossen Locale der Tonhalle in Geislers Garten, deren\nprachtvolle Decoration im byzantinischen Stile von Hess entworfen\nund unter Mitwirkung von Achenbach und Hildebrand ausge-\nführt ist. Eine besondere Zierde derselben und eine wesentliche Ver-\nherrlichung der musicalischen Aufführungen, namentlich des Orato-\nriums „Elias\" von Mendelssohn und der Cäcilien-Ode von Hän-\ndel, wird die von Sonreck in Köln erbaute Orgel sein, gespielt\nvon Herrn Musik-Director Weber aus Köln. Ueber die Besetzung\nder Soli brauchen wir nichts weiter zu sagen, als dass die unver-\ngleichliche Jenny Goldschmidt-Lind und der vollendete Mei-\nster des Gesanges Julius Stock hausen die Sopran- und Bass-\nPartie übernommen haben, und dass die Tenor-Partie Herr Dr.\nGunz vom königlichen Hoftheater in Hannover, der sich so schnell\nin Nord- und Westdeutschland einen vollberechtigten Ruf als Sänger\nerworben hat, ausführen wird. Die Altistin, Fräulein von Edels-\nberg vom Hoftheater aus München, kennen wir noch nicht; sie ist\naber sehr vorteilhaft empfohlen worden. Zu der Mitwirkung im\nChor haben sich 730 Damen und Herren angemeldet. Das Orchester\nwird 58 Violinen, 26 Bratschen, 22 Violoncelle und 20 Contrabässe\nnebst der entsprechenden doppelten Besetzung der Blas-Instrumente\nenthalten. Die Direction der Vocalwerke ist Herrn Goldschmidt\naus London, der Instrumentalwerke Herrn Tausch, Musik-Director\nin Düsseldorf, übertragen worden.\nHamburg. Am Freitag den 23. April scliloss der philharmo-\nnische Verein seine Winter-Saison im Wörmer'schen Saale unter\ndem Zudrange eines Auditoriums ab, dessen fortwährend wachsende\nZahl uns nur die verhältnissmässige Enge des Raumes bedauern\nlässt, wie denn auch die Bedrängtheit in den Zugängen an einer\nrechtzeitigen Besetzung der Zuhörer-Plätze hinderte, so dass Herr\nStockhausen, als die Pretiosa-Ouverture beginnen sollte, eine\nlängere Pause eintreten lassen musste, bevor mit den zarten Ein-\ngangssätzen der Musik begonnen werden konnte. Der\nmit eben so viel Feinheit als Schwung vorgetragenen Ouvertüre\nfolgte die Eintritts-Arie des Seneschall aus Boieldieu's „Johann von\nParisu, gesungen von Herrn Stockhausen. Die gespreizte Würde\nund selbstgefällige Hohlheit, des Hofmannes, welche der Componist\nin dieser Nummer mit köstlicher Laune charakterisirt hat, ward von\nHerrn Stockhausen mit geistiger Frische und so viel komischer Le-\nbendigkeit verdolmetscht, als der Concertsaal zu entwickeln erlaubt.\nIhm folgte Herr Joseph Joachim mit Beethoven's Violin-Con-\ncert, das von dem Virtuosen meisterhaft gespielt und von dem Or-\nchester mit unbedingter Hingebung an jede Absicht der Solostimme\nbegleitet ward. Dem Bach'schen Adagio und Fuge im zweiten Theile\ndes Programms fügte er auf allgemeines i)a-ca/>o-Verlangen die\nCbaconne von demselben Componisten hinzu.\nPi*eiss-Aiissclu*eibeii.\nDie Aachener Liedertafel, in der Ueberzeugung, dass es\nfür das fernere Gedeihen des Männergesanges von förderlichem Ein-\nflüsse sein wird, wenn die Vereine in den Stand gesetzt werden,\nsich mehr als bisher mit der Aufführung von grösseren Compositio-\nnen ernsteren Stils zu befassen, eröffnet hiermit einen Con c urs\nauf die beste Concert-Composition für Männergesang\nund Orchester.\nDer erste Preis beträgt dreihundert Thaler, der zweite hun-\ndert Thaler.\nDie näheren Bedingungen sind folgende:\nDie Aufführung des Werkes soll nicht weniger als eine halbe\nund nicht mehr als eine ganze Stunde dauern.\nDie Wahl des lextes, welcher selbstredend in deutscher Sprache\nsein muss, wird den Concurrenten anheim gegeben. Indessen ist die\n\\\nParodie, die Burleske, überhaupt das Gebiet des Niedrigkomischen\nausgeschlossen, eben so jede Composition, deren Aufführung eine\nDarstellung auf der Bühne bedingt.\nIn Betreff der in dem Werke vorkommenden Soli sind Frauen-\nstimmen statthaft.\nDie preisgekrönten Tonstücke bleiben Eigenthum des Compo-\nnisten; die Liedertafel behält sich jedoch ein Jahr lang nach Zuer-\nkennung der Preise das ausschliessliche Aufführungsrecht vor.\nDie concurrirenden Tonstücke müssen spätestens am ersten Octo-\nber dieses Jahres beim Vorstande der Liedertafel eingelaufen sein.\nDieselben sollen mit einem Motto versehen und von einem versie-\ngelten Couvert begleitet sein, welches äusserlich das nämliche Motto\nträgt und im -Innern den Namen des Concurrenten enthält,\nDie Herren Niels W. Gade in Kopenhagen, Ferdinand Hil-\nler in Köln und Dr. Julius Rietz in Dresden haben das Preis-\nrichter-Amt freundlichst übernommen.\nZusendungen werden an den Vorstand der Aachener Liedertafel,\nzu Händen des Herrn Dr. Roderburg, erbeten.\nAachen, den 15. Februar 1863.\nDer Vorstand der Aachener Liedertafel."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus der Mappe eines reisenden Enthusiasten (Schumann's Scenen aus Faust und ihre Aufführung). Aus Crefeld (Die\nw / \\\nOpern-Gesellschaft). Aus Amsterdam (Concerte). Von X. X. Aus London (Saison Frau Goldschmidt-Lind Alfred Jaell\nVieuxtemps). Von A. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, F. Hiller's neueste Composition, Soiree von Fräulein Albertine\nMeyer Das bevorstehende niederrheinische Musikfest Hamburg, Philharmonischer Verein Preis-Ausschreiben).\n\nAus der Mappe eines reisenden Enthusiasten.\n(Schumann's Scenen aus Faust und ihre Aufführung.)\nAll gemein höre ich die Kenner, die Musiker es aus-\nsprechen, die dritte Abtheilung des „Faust\" von Schu-\nmann sei die schönste. Die zweite, fügen Viele hinzu, ist\nnicht zu componiren („incomponible\"). Der Text gestatte\nes nicht, dass man dazu schöne Musik schreibe. „Diese\nPhilosophie in Tönen ist unerquicklich\", sagte der Besse-\nren einer. Ich begreife nicht, dass so ausgezeichnete Fach-\nleute sich so lange dagegen verschliessen. Fremd ist auch\ndieser Stil, wie überhaupt der ganze zweite Theil des Goe-\nthe'schen Faust. Aber bedeutend genug, ja, vielleicht be-\ndeutender als der erste ist dieser zweite Theil. Habe ich\ndoch vielfach sagen hören: „Wir haben heute Goethe\ndurch Schumann's Muse besser verstehen gelernt.\"\nDie dritte Abtheilung bietet allerdings mehr lyrischen\nStoff, mehr abgerundete Sätze, und wenn man so gern an\nder Form haften bleibt, so befriedigt ein kurzer, abge-\nmessener Gesang das Ohr weit mehr, als das Declamato-\nrische des zweiten Theiles; aber wie unheimlich charak-\nteristisch die Sorge, wie edel, wie männlich kräftig der\nFaust! Geht genauer darauf ein, untersucht das Compo-\nnirte, spielt es allein am Ciavier, ohne Faust, ohne Sorge,\nohne Lemuren, ohne die Farben des Orchesters, und sagt\n7 o\nmir, welches Stück unerquicklich wäre. Ihr findet kein\neinziges, und ich will euch sagen, warum: Die Musik\nist im mystischen Einklänge mit Goethe's mysti-\nschem Worte. Rastloses Suchen, endloses Streben, lau-\ntes Aufjauchzen, wenn das Höchste errungen, wenn es\ngelungen: sind das der Musik fremde Töne? hat sie dafür\nnicht die feinsten Nuancen? Wer kennt nicht Beetboven's\nnie rastenden Genius? seine feine Gefühls-Scala? Was ist\nincomponibel? Das, was des Mannes Brust nicht bewegt:\ndas Starre, Kalte, Abstracte; das Mystische aber, das phi-\nlosophisch religiöse Gefühl ist dem Gebiete der Musik\nwohl zuzugestehen, und wir werden hier Gelegenheit ge-\nnug finden, es anzuführen. Und wie hat das Publicum\nbisher gerichtet? Ich höre von allen Seiten, dass das Dra-\nmatische, Charakteristische des zweiten Theiles Alle er-\ngriffen, verblüfft hat, und hat das Ohr Einzelner sich nicht\nzufrieden erklärt, so ist das Herz doppelt warm geworden.\nWas entgegnen mir darauf die Unzufriedenen? Wen\nwürde auch der begeisterte Philosoph nicht interessiren !\n„Du Erde warst auch diese Nacht beständig und athmest\nneuerquickt zu meinen Füssen .... du regst und rührst\nein kräftiges Beschliessen, zum höchsten Dasein immerfort\nzu streben. Hinaufgescbaut!\"\nWie sollte der Sängerbrust des Componisten die Be-\ngeisterung nicht Töne entlocken beim Lesen dieser Worte?\nIch kann mir ihn so lebhaft denken, den lieben Meister,\nder stets das Beste gewollt, wie er seine mystische Sprache\nder poetischen anverheirathete. „So ist es also, wenn ein\nsehnend Hoffen dem höchsten Wunsch sich traulich zu-\ngerungen: Erfüllungspforten findet flügeloffen.\" Wie\nmuss ihn diese Sprache angeregt haben! Wie lebhaft und\nathemlos begleiten die Geigen das sehnende Hoffen des\nSängers! „Ist's Lieb', ist's Hass? die glühend uns um-\nwunden, mit Schmerz und Freuden wechselnd ungeheuer.\"\nIst das auch incomponibel? Schlagt die Partitur auf, spielt\nohne Vorurtheil! Wie wird euch ums Herz? Glüht nicht\nAlles in Schmerz und Freude? Klingt die Musik? ist sie\nlebendig? quillt sie aus dem Innersten der Seele? „Am\nfarb'gen Abglanz haben wir das Leben!\" Ist das un-\nschön? verzerrt? Ist der Text nicht durch diese wunder-\nbare Harmonieenfolge, durch das lange schwellende Ois\nin der Singstimme verdeutlicht? Genug, denn so geht es\ndie ganze Abiheilung hindurch; es ist nicht eine Phrase\nzu finden: Alles kräftig, ruhig und schön! Urtheilt nicht\nso leichtsinnig! Nehmt nur den Goelhe'schen Text zur\nHand und dann irgend einen aus einer modernen Oper,\nund sehet zu, welchen ihr am liebsten componiren möchtet."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.2", "texte": "Es ist incomponibel, habt ihr gesagt. „Vier sah ich kom-\nmen, drei nur gehen (wir übergehen das vorhergehende,\nabgerundete Musikstück); es klang so nach, als hiess es\nNoth\" u. s. w. Lasst euch das vordeclamiren und dann\nmit Schumann's Musik vorsingen! Was ist incompo-\nnibel? Etwa dieses? „Die Nacht scheint tiefer tief her-\neinzudringen, allein im Innern leuchtet helles Licht!\"\noder: „Auf strenges Ordnen, raschen Fleiss erfolgt der\nallerschönste Preis! Dass sich das grösste Werk vollende,\ngenügt ein Geist für tausend Hände.\" Wollt ihr lieber\nden Spohr'schen Wüstling componiren oder den Text der\nHerren Michel Carre und Barbier für Gounod's zucker-\nsüssen Faust? Ihr thätet mir leid! Goethe's Werk in eine\nOper umzuwandeln ist Unsinn, der Stoff ist nicht für eine\nOper; die dramatischen und lyrischen Momente aber in\nGoethe's Text zu componiren, eine Faust-Musik zu schrei-\nben, das war eines Geistes würdig, der gleich dem Heros\ndas höchste Glück nur im Schaffen für die Nachwelt fin-\nden konnte! Mystisch und poetisch im Sinne von Goethe's\nVorbild, noch mystischer aber ist die Tonkunst an und\nfür sich, und besser wie plastische und dramatische Kunst\nkann sie jene tiefen Momente erhellen und das Wort\nzur vollen Bedeutung erheben. Und schliesslich kommt es\ndarauf an, wie es componirt, wie die Musik klingt, nicht\nwas für ein Text ihr unterliegt. „So dumm läuft es am\nEnde doch hinaus\", wie Mephisto sagt, und ich im Namen\ndes Zuhörers hinzufüge: wenn das Componirte nachläs-\nsig aufgeführt wird.\nDie Frage nämlich, die ich heute nach der Auffüh-\nrung des besagten Werkes stellen möchte, wäre diese:\nIst es erlaubt, in einem berühmten Concert-Institut ein\nsolches Capital-Werk mit einer Hauptprobe aufzuführen?\nGenügt eine Probe, die Schönheiten, die wunderbaren\nMomente, deren es so viele gibt, leicht und klar, wahr\nund kräftig der zuhörenden Menge darzubringen? Nein.\nFragt man aber, wie das Werk nach der einen Probe\nklang, so sage ich: Unglaublich gut, und es gebührt dem\ntalentvollen Musiker, der das Ganze einstudirte, volle An-\nerkennung dafür! Die Eintritte der Chöre waren meist\nsicher und kräftig, geschwankt hat die Masse nie, das\nOrchester spielte tüchtig unter tüchtiger Leitung, aber es\nfehlte dem Ganzen eine Ruhe, eine Weihe, deren Mangel\nman gern der einen Probe zuschreiben will. So wird in\nDeutschland sehr viel musicirt; meiner Meinung nach viel\nzu viel, und so geschieht es wohl öfters, dass das schönste\nWerk im Vortrag mangelhaft zur Aufführung kommt. Klagt\nnichtüber die Kälte des Publicums. Wenn esin Deutschland\nergriffen ist, so jubelt es wie in Frankreich und Italien,\nnur nicht so laut, auch nicht so unanständig! Aber führt\nunserem kunstsinnigen Publicum die Meisterwerke nur\nkunstgemäss, geschmackvoll, vollendet vor, sonst läuft es,\nwie wir neulich sahen, vor dem Schlüsse davon. Die mit-\ntelmässige Ausführung ermüdet, stumpft ab, das Publicum\nwird nach und nach durch das unzarte Blasen, durch das\nfortwährend starke Singen taub. Und wie manche Stelle\nhätte durch Contraste, durch einen feineren Hauch ge-\nwonnen! Zur gründlichen Analyse ist auf der Reise keine\nZeit, aber ich will einzelne Stellen anführen.\nIch übergehe die Ouvertüre, die keinen prägnanten\nGedanken enthält, und die gerade desswegen mit der\ngrössten Sorfalt, mit dem raffinirtesten Geschmacke ge-\nspielt werden müsste! „Er weiss was darein zu machen\",\nheisst es von einem Künstler, wenn er einem weniger be-\ndeutenden Stücke Wunderbares zu entlocken versteht!\nUnd so hier! Vor Allem aber sollte z. B. im Gewandhaus-\nSaale in Leipzig sich nie ein Musiker, Bläser oder Gei-\nger, anstrengen, dann klänge es immer schön, auch\nvoll und kräftig. Doch zur Begleitung. Ein Forte zu\neinem Solo-Vortrage ist kein Forte im Tutti; Anschlagen,\nAnschwellen, Marquiren des Tones muss bescheiden ge-\nschehen! Sobald Wort und Stimme erklingen, ziemt dem\nOrchester eine bescheidene Rolle, und es soll keinem Spie-\nler einfallen, sich hören lassen zu wollen, sondern er muss\nnur die Sänger unterstützen; Weiteres verlangt man von\nihm nicht.\nWie schön klingt die sanfte, innige Stelle „Er liebt\nmich, liebt mich nicht\", wenn der Blasechor nicht unbe-\nscheiden das Crescendo vor dem siebenten Achtel voll\nanwachsen lässt! Drei Mal wiederholt sich die schwel-\nlende Tonwelle, drei Mal zu früh und zu voll! Und\nwen werden in der Dom-Scene furchtbar harte Einsätze\nder Posaunen und Trompeten nicht förmlich erschrecken?\nTrompeten aber müssen hier den Sänger schonen, das\nWort kommt sonst nicht zur Geltung; und wenn im\nPiano ein Sforzando vorkommt, so darf es nicht so klin-\ngen, als wenn man im Getümmel der Schwadron ein\nSignal vernehmen lassen wollte. Und was für einen\nZauber übt die Einleitung zum zweiten Theile\nauf den schlafsuchenden Faust aus, wenn sie „Ruhig\",\naber nicht schleppend, wohlklingend sanft und eintönig\ngespielt wird? Lange, lange währt das Pianissimo! Die un-\nruhigen Celli triolen für den Unruhigen, den Ermüdeten,\ndie Harfe für die anmuthigen kleinen Gestalten; die däm-\nmernden Geigenstrahlen, der blumige Rasen, alles athmet\nden reinsten poetischsten Hauch, und ich will nicht ei-\nnen leidenschaftlichen Ton, nichteine unruhige Note in der\nSeene hören! Die Musik thut das Ihrige, sie ist vollkommen\ncharakterisirt; die Ausführenden dürfen nichts hinzufügen.\nDie Einheit des Ausdrucks geht sonst verloren! Ganz\nspät erst kommt das kleine Crescendo; es dauert drei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.3", "texte": "Tacte bloss, und soll auch schwellen bis zum letzten\nAchtel; plötzlich wieder Piano. Wo blieb an jenem\nAbende diese feine Nuance? Im ganzen Stück ist kein\nForte vorgezeichnet, kein einziges! Hier und da zum\nAuftacteoder für Verstärkung eines Wortes, weiter nichts!\nUnd wie plump das Nachschlagen der Blase-Instrumente!\nIst den Herren nicht aus einander gesetzt worden, was\nvorgeht? und spricht die hüpfende, leichte Triolen-Figur\nnicht eben so neckisch wie ein Puck? Hat man vergessen, den\nText auf jedes Pull zu legen, v o n der ersten Probe\nan? 0, so unterrichtet doch die gelehrige Masse! Sie ist\nwillig, sie ist geduldig wie die Menge im Allgemeinen!\nAber redet ihr zu, sprecht mit ihr, gönnt ihr ein beleh-\nrendes Wort! Ihr habt ja das grosse Capellmeister-Buch\nvor euch, Geehrtesler! Ist nichts daraus zu schöpfen, was\ndem Einen und dem Anderen Offenbarung werden könnte?\nUnd wenn nun Ariel, der Gütige, seine Befehle er-\ntheilt, so setze das Sextett pianissimo ein. Es gibt Stellen\nin der Musik wie Momente im Leben, wo der Athem\nstockt, wo die Stimme nicht heraus will. Muss sich denn\nJeder hören lassen? Wer kann nach Ueberlegung der\nSituation hier stark einfallen bei den Worten: „Wenn\nsich lau die Lüfte füllen\"?—„Süsse Düfte, Nebelhüllen\nsenkt die Dämmerung heran\", singen Tenöre und Bässe,\nund das Wort deckt Ihnen die Stimme nicht, meine Her-\nren? Und weiter im Sopran: „Lispelt leise süssen Frie-\nden\", und gleich die Männer drauf: „Wiegt das Herz\nin Kind es ruh', und die Augen dieses Müden schiiesst\ndes Tages Pforte zu.\" Er soll nicht erwachen, er soll im\nsüssesten Schlafe neue Kraft schöpfen: „Nacht ist schon\nhereingedrungen.\" Wie wunderbar müsste dieses G?\nklingen, von Allen pianissimo vorgetragen! wie mystisch\nder gedämpfte Ton! und wie lange behauptet er die Eine\nFarbe! Ein kurzes Crescendo: „Glänzen droben klarer\nNacht\", macht die heilbringende Ruhe des Stückes noch\nbedeutungsvoller, und im Pianissimo geht es aus: „Schon\nerloschen sind die Stunden\". Und nun nach dieser Jangen,\nherrlichen Stille, wo kaum ein Lüftchen sich vernehmen\nlässt, hört dieses Wachsen an: „Fühl' es vor, du wirst ge-\nsunden!\" In einem Jubel müsste hier der Chor der Zuhö-\nrenden einstimmen: „Fühl' es vor!\" „Schlaf ist Schale,\nwirf sie fort!\" Darf das Forte hier verletzend sein? Nim-\nmermehr! Es hat nur Nachdruck, es hat Bedeutung:\n„Fort!\" kurz,, und gleich wieder leise: „Schlaf'!\" „Alles\nkann der Edle leisten, der versteht und rasch begreift.\"\nJa, Alles! und das vor Allem, dass diese Kraftstelle mit\ndem Sforzando im Forte eine Offenbarung der Menge sein\nmüsste. Es ist einer der höchsten, der bedeutendsten Mo-\nmente in Goethe's Buche, und man erwäge das Wort ge-\nnau: „Alles kann der Edle leisten!\" Ja, Alles! und wir,\ndie wir durch die Musik verstehen, wir wollen es euch\nsagen mit der Fülle der Stimme und des Glaubens, des\nGlaubens an die innere göttliche Stimme. Und immer\nmächtiger soll der Klang werden, immer wärmer, immer\ninniger, bis ihr mit dem Ariel ausruft: „Horchet auf!\"\nJa, hört nur zu! „Unerhörtes hört sich nicht!\" Verge-\nbens! nur die Musik hört ihr! ,Trifft es euch, so seid ihr\ntaub!\"\nUnd nun kommt stufenweise der Sonne Licht und\ntriflt der Berge Gipfelriesen. Wie hier Bässe, Posaunen\nund Trompeten spielen sollten, das liegt auf der Hand, die\nFiguren erklären es selber. Die Berge verkünden! „Sie\ndürfen früh des ewigen Lichtes gemessen, das später sich\nzu uns herniedex wendet.\" Später, später, nicht jetzt; im\nThale liegt noch die Nacht. Und so streicht athemlos und\nzurückhaltend eure Saiten und verkündet leise mit den\nhohen Einsätzen im Blech das Herannahen des Lichtes;\naber verkündet, bekundet nicht. Auel) der Sänger blickt\nathemlos nach Osten; er wagt es kaum, seine Stimme ver-\nnehmen zu lassen. Wollt ihr ihn dazu zwingen? Ihr ver-\nmögt es nicht, und er bleibt lieber unvernehmbar der\nMenge, als dass er gegen des Componisten Willen euch be-\nkämpfte. Haltet ein! schmettert nicht, deutet an! Wie soll\nes denn klingen, wenn die Feuerscheibe wirklich hervor-\ntritt? Hier ist sie schon! Seid behutsam, wachset aus. „Sie\ntritt hervor!\" im vollsten Z?-rfw/--Glanze.\nIch habe nicht ausgeredet. — Faust erblindet. Die\nSofge hat sich hereingeschlichen, ihn verhöhnt und haucht\nihn endlich an. „Die Nacht scheint tiefer tief herein zu\ndringen!\" Und nun schleichen sich die Bässe und Geigen\nauf wunderbaren Tönen heran. Dunkel deckt das Ganze;\nkeine Färbung, kein Schwellen oder Abnehmen des Tones.\nEs heisst Pianissimo und klingt auch so ganz richtig. Aber\nwoher die wiederholten Crescendi? woher die Unruhe?\nIst es erlaubt, Schumann's Musik mit Vortrags-Bezeich-\nnungen zu illustriren und das Unheimliche der Situation\ngeradezu zu vernichten? Vierzehn Tacte lang soll die Nacht\nwähren: nur Faust erhellt das innere Licht. 0, so öffnet\ndie Augen des Verstandes und schiiesst fest die leiblichen\nzu! Spielt blind und mit dem Glauben an den Meister, der\nseine Effecte mehrfach erwogen, und prüft mit ihm und\nerwägt das Wort, das Goelhe'sche, des deutschen Zeus'\nWort! Gigantisch im Kleinsten, harmonisch wie die Nacht,\neinheitlich durchweg! „Im Vorgefühl von solchem\nhohen Glück, geniess' ich jetzt — den höchsten Augen-\nblick!\" C-dur!Es ist vollbracht! War das wirklich bei euch\nder höchste Augenblick? Haben uns die Posaunen in dem\nlangen, klaren Nachspiele in Faust's Himmel versetzt?\nNein! — Ich will euch ein Mittel angeben; ihr sollt es selbst\nwieder gut machen. Aber haltet euch streng an das Buch,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.4", "texte": "setzt euch au den Flügel, wo möglich an Frard's! Der\nZeiger ist gefallen: es ist vollbracht! Mephisto hat den\nletzten höhnischen Ton ausgestossen (er müsste bis zuletzt\nhöhnisch sein, und es kommt hier auf den Vortrag an),\nund der Gute, der in der Menschenliebe, in der weitesten,\nunumschränktesten, das Glück und die Ruhe gefunden, tritt\nein neues, verklärtes Leben an. Schlagt mir nun selbstver-\nklärt den C-rfwr-Accord pianissimo an, hebt mir auf die\nDämpferund genau, dassja die richtige Harmonie die Seele\naufwärts begleite! Und spielt rein wie ein Engel und ruhig,\nund lasst alle irdische Leidenschaft auf der Erde! Kein An-\nund Abschwellen, kein Druck und Nachdruck! Die höchste\nSeligkeit ist Ruhe!—Wir sind schon in höheren Regionen!\nWie? G-molltSollte der Flug nach oben-gehemmt wer-\nden? Nein! D-moll,G-dur, Edann die untere Sep-\ntime Fbringen uns gleich wieder auf die Dominante. Der\nletzte Schmerz ist mit der letzten Dissonanz verklungen,\nund die Quinten und Decimen schwingen den Verklärten\nin die höchste Region.—Seid ihr nicht wohl dabei gefah-\nren? Ist das nicht himmlische Ruhe? Sind die Flügel der\nEngel nicht sanfte Träger? Dieses lehrt uns, dass das Ideal\ndes Schönen Einfachheit und Ruhe sei. Wer zweifelt\ndaran? Ist diese Einfarbe nicht bezeichnend? Nur ein\nMeister kann sie finden.\nWie gesagt: Führt dem Publicum Meislerwerke vor,\naber meisterhaft!\nHat die dritte Abtheilung das Auditorium so sehr viel\nmehr bewegt, als die beiden ersten? Es heisst ja allgemein,\nsie sei klarer, fasslicher, leichter zu verstehen? Zugegeben;\nbedeutender aber ist sie nicht.—Auch hier muss eben die\nMusik zergliedert, fein nuancirt, mit Ruhe und Regeiste-\nrung dem Zuhörenden dargebracht werden. Es ist eine\nabgemachte Sache: man gibt' in Deutschland viel zu we-\nnig Acht auf feinen Vortrag. Ist z. R. der erste reizende\nChor aufgenommen worden, wie er es verdient? Die Wir-\nkung dieses Musikstückes ist aber so hinreissend, dass es\nbei feiner Ausführung gleich da capo gesungen werden\nmüsste. Achtunddreissig Tacte lang, neun Tacte mit\nspärlichen Crescendi, zum Schlüsse zwei punktirte Viertel\nforte, gleich darauf wieder piaWie man solche Musik\nstark und unruhig singen kann, ist mir unbegreiflich.\n„Löwen, sie schleichen stumm!\" Wie ist es möglich, sich\nhier hören lassen zu wollen? Die Musik soll man hören\nlassen und durch bescheidenen Vortrag zur vollen Geltung\nbringen nicht einzelne Stimmen. Wer fühlt sich nicht\nselbst in der tiefen Region erhoben und gestärkt durch\ndie Töne des Pater Profundus? „ so ist es die all-\nmächt'ge Liebe, die Alles bildet, Alles hegt.\" Eine Stelle\nist ganz genial harmonisirt, sie klingt aber am Ciavier\nhart; es ist diese: „Mein Inneres mog? es auch entzünden\"\nu. s. w. Die Appoggialuren im Rass sind bezeichnend ge-\nnug und der scharf angeschlossene Kettenschmerz gewal-\ntig. Mit den verschiedenen Klangfarben des Orchesters\naber verlieren die allzu nahen Stufen ihre Härte. „O Gott,\nbeschwichtige die Gedanken!\" Welche Innigkeit! welches\nVertrauen in die allgütige Gottheit! Es ist hinreissend und\nkönnte den Verstocktesten erweichen und bekehren. Der\nUebergang zur höheren Region ist herrlich. Hier ist der\nPater Seraphicus, hier die seligen Knaben. Selig die Kna-\nben, die sanft und weich singen können! Selig der Ton-\ndichter, der ihnen solche Weisen in den Mund legt! Aber\nvergesst nicht, dass wir die Erde verlassen haben! Schwe-\nben sollen eure Stimmen, schweben wie Schumann's auf\nund ab wogende Melodie! Reim nächsten Tempo erst wer-\ndet verschwenderisch im Tone. Ris zum Lebhaft die grösste\nDiscretion. „Hände verschlingt freudig zum Ringverein!\"\nWie hier die Musik die Poesie wieder hebt! Wie die\nleichten Triolen Alles verschlingen und rühren! „Göttlich\nbelehret, dürft ihr vertrau'n; den ihr verehret, werdet ihr\nschau'n!\" Es ist wahrhaft von oben inspirirte Musik, Mu-\nsik von Gottes Gnaden.\nGanz besonders müssen wir hier die gefällige, der\nMenge willkommene Nummer, den Chor und das Alle-\ngretto: „Jene Rosen\", bezeichnen. Aber reihet mir Ton\nan Ton gewissenhaft an; hüpfet nicht! Wenn auch keine\nRindungen vorgeschrieben sind, getrennt darf keine Note\nvon der anderen sein; und übereilt euch nicht, und singt\nso lieblich, wie das Lächeln eines Raphael'schen Engels.\nDann, nur dann kommt der Gegensatz zwischen dem ju-\nbelnden Chor und dem lieblichen Solo zur Geltung. Warm\nund lebendig sei das Piano und schön und voll Wohllaut\ndas Forte!\nDoch nun kommt für den Chor die schwierigste Stelle\nim ganzen Werke! Schumann liebt es, im Rhythmus das\nTalent seiner Leute zu erproben. Nur fest und ruhig und\netwas gedeckt im Tone. „Nebelnd um Felsenhöh'.\" Triolen\nim Chor zu zwei Vierteln im Orchester; ein Piano im rüh-\nrigen Tutti, die Ruhe in der gefährlichsten Rewegung:\nwelch ein herrliches Mittel, Rewunderung zu erregen! Nur\ndas Solo-Quartett steigert dann und wann den Ton: „Die\nWölkchen werden klar!\" Zum Schluss erlaubt euch Schu-\nmann ein kleines Crescendo, damit das nächste Stück in\nGes-dur für Solo-Quartett leiser und ätherischer klinge.\n„Freudig empfangen wir diesen im Puppenstand\".—Nun\nist die Seele befreit, die Flocken sind gelöst. „Gerettet ist\ndas edle Glied!\" Edel, hocherhaben muss dieser Chor klin-\ngen. Ruhe und Einfachheit ohne Hast, ohne Rührigkeit\nbedingen hier die Wirkung. Auch das Solo-Quartett mischt\nsich hinein: „Wer immer strebend sich bemüht, den kön-\nnen wir erlösen.\" Wie sie alle nach oben streben! Es sind"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.5", "texte": "die schönen, ruhigen, verklärten Geister, die das Unsterb-\nliche des Helden gen Himmel tragen. Klar, durchsichtig\nmuss Alles klingen, wie bei den Glücklichen Alles harmo-\nnisch tönt. Schwingt euch empor zu reineren Sphären! Wir\nsind nicht mehr hienieden! Hinaufgeschaut! Wenn der\nDoctor Marianus entzückt die Litanei der Herrlichen, der\nMütter anstimmt, so fallen Alle auf die Kniee und bitten\num Gnade. Und das sollte nicht auf Bässe, Bratschen und\nFagotte (der Himmel hängt hier voll Bassgeigen) wirken?\nund sie sollten in B-dur nicht zart mit anstimmen? Sie\nsollen nur im Orchester erfahren, was im Himmel vor-\ngeht .... gleich sind sie stumm.—Und darf der Chor die\nherrliche Melodie anders singen, als der erhabene Vorsän-\nger Marianus? „Dir, der Un berühr ha ren!\" Welch ein\nAusdruck liegt in dem Einen Worte! Und wie gewöhnlich\ner das vorträgt! Die Engel gar sind Angesichts der heili-\ngen Jungfrau betroffen und wagen es nicht, anders als in\ntiefer Ehrfurcht sie anzupreisen. Und ihr Menschenkinder\nwollt nicht einmal im Himmel bescheiden auftreten? O,\ndass ich den Chor wie lauter Orgeltöne schön könnte sin-\ngen hören! Wie leise das Crescendo, wie zart! „Du\nschwebst zu Höhen der ewigen Reiche!\" Es ist wohl schwer,\nin hohen Tönen schwach einzutreten, aber wir schweben\nvor der „höchsten Herrscherin der Welt\", und der Ton\ndarf hier in tiefen, bescheidenen Chorden erst schwellen.\n„Vernimm das Flehen, du Ohnegleiche!\" Das Flehen,\nnicht das Schreien! Und nun fleht auch das süsse Gret-\nchen; und es wird unter den zarten Seelen ein Bitten. Fle-\nhen und Drängen, dass der Gute erlöst werden muss.—\n„Sieh,\" ruft sie in himmlischer Begeisterung, „seht, wie\ner jedem Erdenbande der alten Hülle sich entrafft!\" 0,\ndass wir uns alle beim Anhören dieser Klänge der Hülle\nund den Erdenbanden entrafien könnten! Eine ganze Re-\nligion ist in dem letzten Theile. „Alles Vergängliche ist\nnur ein Gleichniss, das ewig Weibliche zieht uns hinan!\"\nEs zieht und hebt uns wahrlich hinan, und wir werden\nnach dem Anhören dieses Werkes bessere Menschen. Wir\nglauben, glauben an Ihn, glauben an uns selbst und füh-\nlen und wissen, dass wir Alle, Alle in Seinen Himmel ge-\nlangen werden.\n\nAus Crefeld.\n(Die Opern-Gesellschaft.)\nDen 12. Mai ] 863.\n„Eine Opern-Gesellschaft in Crefeld? Unter wessen\nDirektion?\" Unter der Direction von Kunstfreunden,\n„Mit welchen Kräften?\" Mit den Talenten von Dilettan-\nten. „Wie?\" So ist es: eine iNational-Oper im wahr-\nsten Sinne des Wortes. Hören Sie nur.\nSchon im vorigen Jahre hatte sich hier aul Anregung\neines ausgezeichneten Kunstfreundes eine Opern-Geseli-\nschaft aus den besten Kräften des Singvereins und der\nLiedertafel gebildet und es unter der trefflichen Leitung\ndes Hrn. Musik-Directors Wolffdahin gebracht, Lortzing's\n„Czaar und Zimmermann\" mit Beifall aufzuführen. Der\nHauptzweck war die Unterstützung des hiesigen Orche-\nsters, theils direct durch die zu erzielenden Einnahmen,\ntheils indirect durch die Yergrösserung des Concertfonds,\ndessen Mittel bei einem Abonnement, welches nicht immer\nden Ansprüchen des Publicums die Wage hält, die öftere\nund lohnendere Beschäftigung der Capelle nicht dauernd\nermöglichten. Das Resultat war erfreulich, und so beschloss\ndie Gesellschaft, in diesem Jahre Boieldieu's „Weisse\nDame\" aulzutühren ein schwieriges Unternehmen,\ndas aber über alle Erwartung gelungen ist. Vor allen\nDingen ist die aufrichtige und eifrig thätige Kunsthebe der\nsämmtlichen Mitwirkenden mit dem höchsten Lobe anzu-\nerkennen, die da Zeit und Mühe dem Studium zuwandten\nund nicht nur alle Schwierigkeiten, sondern auch alle\nVorurtheile überwanden, denn es ist hierbei nicht von\nAufführungen im Concert-Saal, sondern auf dem Thea-\nter und in vollem Costum die Rede. Ehre und Dank\nvor Allen den 3*2 jungen Damen, unter denen viele den an-\ngesehensten Familien der Stadt angehören, welche mit\nvierunddreissig Sängern aus den oben erwähnten Vereinen\nden Chor bildeten und ihre Aufgabe in den beiden Vor-\nstellungen am 8. und 10. Mai sehr befriedigend und an-\nmuthig lös'ten. Von den Solopartieen waren nur Miss\nAnna und die Pächterin Jenny Dikson durch Sängerinnen\nvon Fach besetzt, die indess auf der Bühne auch noch so\ngut wie neu waren, die erste Rolle durch Fräulein Julie\nRothenberger aus Köln, die zweite durch Fräulein Ma -\nrie Büschgens yon hier; alle übrigen Partieen wurden\nvon hiesigen Dilettanten ausgeführt.\nDass die zweite Vorstellung noch mehr Abrundung in\nSpiel und Gesang zeigte, war natürlich. Aber würde es\nauch den Ausführenden nur gelungen sein, sich mit An-\nstand ihrer Aufgabe zu entledigen, so wäre das schon al-\nler Ehre und alles Lobes werth; aber bedingungslos darf\ndie Kritik sich dem lebhaftesten Beifalle des Publicums an-\nschliessen.\nDer Preis des Abends gebührte dem Repräsentanten\ndes George Brown, der diese Partie in einer künstlerischen\nVollendung sang und darstellte, wie es unter Dilettanten\nihm schwerlich ein zweiter-gleich thun dürfte. Die ganze\nAusführung zeugte von bedeutender musicalischer Bildung\nund lleissigem Studium. Die schwierigen Anforderungen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.6", "texte": "welche der Componist an diese Rolle stellt, wusste der\nverehrte Sänger glücklich zu überwinden. Fehlte auch der\nkräftige Heldentenor in der Arie „0, welche Lust, Soldat\nzu sein\", der die Räume des Theaters erzittern macht, so\nmangelte dem Sange doch nicht der schwungvolle Vor-\ntrag, der unwillkürlich fesselt und zum Applaus unwider-\nstehlich veranlasst. Die Arie „Komm, o holde Dame,\"\nhingegen gelangte in der zartesten Färbung, in höchst lieb-\nlichem Serenadenton zum Austrag.\nDer Vertreter des Gaveston war jetzt vollständig «ei-\nner Aufgabe gewachsen, sang seinen Part ganz vorzüglich\nund verlieh dem Charakter mehr individuelles Leben, als\nbei der ersten Aufführung.\nDen Pachter Dikson fanden wir ebenfalls in Spiel und\nBewegungen vorzüglich, das Costum kleidete besser und\ndas ganze Auftreten war der Partie mehr angemessen.\nMit der vollen Wirkung einer schönen klangvollen Stimme\ngelangten die Gesangs-Nummern zum Vortrag.\nUngemein überrascht war das Publicum, und wir mit\nihm, durch die höchst talentvolle Leistung des Fräuleins\nRothenberger aus Köln, welche zum zweiten Male die\nAnna sang und mit einer Routine darstellte, die zu den\nerfreulichsten Aussichten für die Zukunft berechtigt. Wie\nwir in Erfahrung brachten, soll die reichbegabte Novize\njüngst in Köln mit sehr glücklichem Erfolge als „Susanna\"\ndebutirt haben und beabsichtigen, sich ganz der Bühne\nzu widmen.\nFräulein M arie Büschgens sang die Jenny mit ge-\nwohnter Correctheit und dem entsprechendsten Ausdruck,\nwährend sie den Charakter mit Natur und Leben dar-\nstellte. Die Bewegungen waren ungezwungen, das Spiel\nlebhaft und das ganze Auftreten graciös und leicht.\nDie Repräsentantin der Margarethe entsprach den\nstrengsten Anforderungen in Spiel und Gesang; vortreff-\nlich trug sie das Lied am Spinnrade vor.\nDie Chöre wurden mitPräcision und mit lebensvollem\nAusdruck so zur Geltung gebracht, dass es an reichlichem\nund wohlverdientem Beifall nicht fehlte. Hier dürfen wir\nuns des Ausspruches bedienen, dass Eintracht und verei-\nnigte Kraft immer zu günstigem Erfolge führen. Das Ar-\nrangement liess nichts zu wünschen übrig; die Costume\nwaren pompös und das Auftreten Aller frei und unge-\nzwungen.\nAuch dem Orchester müssen wir das Zeugniss erthei-\nlen, dass es sich seiner Aufgabe würdig gezeigt hat. Herr\nMusik-Director Wolff, der die Oper einstudirt hatte, war\ndurch Krankheit verhindert, sie zu dirigiren. Herr Mohr,\nDirector der crefelder CapeHe, übernahm die Leitung\nund hat bei dieser Veranlassung sein anerkanntes Talent\nbewährt.\nDass Beifall unausgesetzt von dem animirten Audito-\nrium reichlich gespendet wurde, brauchen wir wohl nicht\nzu sagen, verschweigen aber dürfen wir nicht, dasssämmt-\nliche Darsteller gerufen und mit einem Blumenregen be-\ngrüsst wurden. Unter den niedlichen Bouquets fand sich\nauch ein Lorberkranz mit zierlicher Schleife, worauf der\nName „Georg Brown\".\nDas Theater war so zu sagen ausverkauft, und da\nauch die Freitags-Vorstellung eine gute Einnahme *) er-\ngab, so ist der löbliche Zweck im vollsten Sinne des Wor-\ntes erreicht worden.\nNach dem Theater wurde in dem oberen Saale des\nHotel de la Redoute ein Souper eingenommen.\nEin Bali in den eigens dazu hergerichteten Räumen\ndes Theaters beschloss das schöne Fest, das durch keinen\nMisston irgend welcher Art gestört wurde.\n\nAus Amsterdam.\n\nDen 10. Mai 1863.\nEine ausserordentlich zahlreiche Versammlung hatte\ndas letzte Populär-Concert angezogen; indess war die\nWahl eine weniger glückliche und auch die Ausführung\nnicht ganz so vorwurfsfrei, wie in den vorhergehenden\nConcerten. Die Militär-Sinfonie von Haydn und We-\nber's Jubel-Ouverture trugen den Preis im Beifall davon\nund wurden auch recht gut gespielt. Verhulst's Sinfonie\nist ein sehr gedehntes Werk und hat eine fast zu monotone\nFarbe, wenigstens für ein Volks-Concert, mit Ausnahme\ndes Scherzo's, welches Frische und Schwung hat und ge-\nfiel. Das von Schwierigkeiten starrende Werk kam übri-\ngens auch nicht klar genug und nicht mit den gehörigen\nNuancen heraus, man bemerkte hier und da Unsicherheit,\nMängel im Zusammenspiel und in dem Detail, und die-\nselben wiederholten sich in der Ausführung des Scherzo's\nausMendelssohn's Sommernachtstraum-Musik. Beide Werke\nschienen nicht genügend probirt worden zu sein, ohne\nwelches natürlich eine vollkommene Ausführung nicht\nmöglich ist.\nHerr Heinse wiederholte in seinem Cojicert sein\nOratorium: „Die Auferstehung\". Da die Ausführung nur\nmittelmässig war, so hatte das Werk im Allgemeinen we-\nniger Erfolg, als bei der ersten Aufführung.\nDie Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst hat\nin ihrem letzten Fest-Concert Men del ssohn's „Pau-\nlus\" unter Verhulst's Leitung aufführen lassen, wobei\nFrau 0 ffe rma ns van H o ve, Herr Schneider von\n\n*) Nach zuverlässiger Mittheilung betrug sie 865 Thlr. 'Bravo,\nGrefe! d !"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.7", "texte": "Rotterdam und Herr Behr von Bremen mitwirkten. Es\nwar dies ein herrlicher Abend; das bewundernswerthe\nWerk des Meisters ist selten so gut in Holland ausgeführt\nworden, als dieses Mal. Chor und Orchester wetteiferten\nmit einander an Präcision und Schwung unter dem treff-\nlichen Commando unseres Verhulst. Unter den Solisten\nerhielt Herr Behr den Preis: seine Stimme von wohllau-\ntendem Klang und seine gute Vortragsweise erregten den\nlebhaftesten Enthusiasmus. Die Stimme der Frau Offer-\nmans schien etwas ermüdet zu sein, sie sang nicht immer\nmit der reinen Intonation, die wir bei ihr gewohnt sind.\nHerr Schneider erhielt wie immer Applaus; aber auch er\nhat uns nicht so vollkommen befriedigt, wie in vorherge-\nhenden Concerten. Er möge sich ja vorsehen, seine schöne\nStimme nicht zu sehr zu forciren, es wäre sehr schade,\nwenn er sich nicht schonte.\nHeinrich Wieniawski, der gewaltige Violinist,\nhat sich drei Mal in den Concerten im Park hören lassen\nund, wie immer, mit dem vollständigsten Erfolg; er gehört\nzu den von den Holländern am meisten gefeierten Künst-\nlern. Er geht von hier nach London.\nDas letzte Concert des Cäcilien-Vereins wurde\ndurch die Anwesenheit Ihrer Majestäten des Königs und\nder Königin der Niederlande verherrlicht. Die Pastoral-\nSinfonie von Beethoven, die Ouvertüren zum Freischütz\nund zum Tannhäuser wurden im Ganzen mit Sorgfalt vom\nOrchester ausgeführt, welches Herr Bunte dirigirte. Der\nSaal war überfüllt.\nRichard Hol ist von dem Könige mit dem Orden\nder Eichenkrone decorirt worden; Se. Majestät hatte'die\nWidmung einer Cantate von seiner Composition angenom-\nmen. Ein anderer von unseren ausgezeichneten Künstlern,\nder talentvolle junge Componist Eduard de Hartog,\nhat die Musik-Saison in Paris zugebracht und dort bedeu-\ntende Erfolge gehabt.\nMan verheisst uns hier-eine deutsche Oper für den\nnächsten Winter, und zwar von vorzüglichem Range; wir\nwünschen von ganzem Herzen, dass diese Verheissung in\nErfüllung gehe. Auch ist die Rede von einem grossen Mu-\nsikfeste, welches bei der in Kurzem bevorstehenden Ein-\n%\nweihung des hiesigen Industrie-Palastes veranstaltet wer-\nden soll.\n\nX. X.\n\nAus London.\nA.\n. • . - Den 10. Mai 1863.\nDie Saison ist im vollsten Flor. Vor Allem dürfte Sie das Con-\ncert der Frau Gb 1 ds c h m i dt - L in d interessiren, da Sie die grosse\nSängerin binnen Kurzem in Düsseldorf hören werden. Es fand vor\nacht Tagen in St. James1 Hall zum Besten des Hospizes der Incu-\nTalles Statt und brachte Hän del's AUegro ed il Pensieroso. Neben\nihr wirkte Mad. Lemmens-Sherrington und die Herren Mon-\nthem-Smith und Weiss mit. Seit 1813 war diese Cantate hier\nnicht gegeben worden. Frau Goldschmidt erregte in den drei Arien\ndes Pensieroso den grössten Enthusiasmus. Chor und Orchester, an\nZahl 250, waren unter Leitung des Herrn Goldschmidt vortrefflich.\nWenn Frau Goldschmidt auch in Bezug auf ihre physischen Mittel\nnicht mehr die Jenny Lind von 1847 ist, so behauptet sie doch als\nSängerin durchaus noch den ersten Rang.\nAlfred Jaell trat zuerst am 29. April in dem Philharmonie\nConcert auf und wurde mit anhaltendem Applaus in Erinnerung an\ndie vorjährige Saison empfangen. Er spielte Chopiu's Concert in\nE-moll mit ausserordentlichem Erfolg. Gestern machte er in dem\nKrystall - Palast - Concerte vor 12,000 Zuhörern Thatsache!\ndurch G-moll-Concert und ein brillantes Duo mit\nVieuxtemps denselben Effect. Eben so in Ella's Musical Union,\nwo er auch übermorgen noch Schumann's Quintett auf Er-\nsuchen des Herrn Ella spielen wird, desselben Mannes, der im vo-\nrigen Jahre, als Jaell darauf bestand, dieses Quintett zu spielen, ein\nentschuldigendes Vorwort zu seinem aristokratischen Audito-\nrium sprach. Diese gelungene Propaganda für Schumann's Musik in\nLondon ist dankenswerth.\nIm Krystall-Palaste wirkten als Solisten ausser Jaell und Vieux-\ntemps, welcher ebenfalls in dieser Saison bedeutenden Erfolg gehabt\nhat, Carlotta Patti, Mad. Lemmens-Sherrington und Signor\nDelle Sedie mit. Carlotta Patti, Schwester der Adelina, ist in\ndiesem Jahre der leuchtendste Stern. Sie singt nirgends und keine\nNote unter 100 Guineas und kann Engagements haben, so viel sie\nwill. Ihre Stimme ist aber auch eine noch nie da gewesene.\nMit grösster Leichtigkeit singt sie das hohe dreigestrichene a, und\nzwar alle die hohen Töne mit bezaubernd schöner und voller Klang-\nfarbe. Adelina Patti ist auch seit einigen Tagen wieder hier und\nentzückt das Publicum in Coventgarden. Carlotta kann nur in Con-\ncerten singen, da sie an einem Fusse hinkend ist. Aber welch' , ein\nSchwesterpaar!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKcSsb&« Ferdinand Hiller und F. Breunung haben uns in\nder letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft durch den Vor-\ntrag der neuesten Composition Hiller's für Pianoforte zu vier\nHänden erfreut. Diese Composition hat den pikanten Titel ..Ope-\nrette ohne Text\" und lässt durch die Ouvertüre und acht\nbis neun Nummern, welche theils Arien, auch ein Duett und Ter-\nzett, theils Chöre repräsentiren, der Phantasie weiten Raum, sich\ndazu eine dramatische Handlung zu improvisiren. Wir kommen auf\ndas allerliebste Erzeugniss eines echten Künstler-Humors, denn die-\nser waltet wenigstens darin vor, wenngleich auch die Lyrik trefflich\nvertreten ist, zurück und bekunden zuvörderst nur noch den unge-\ntheilten und höchst lebhaften Beifall, den es an jenem Abende und\nauch in einer Matinee gefunden hat.\nFräulein Albertine Meyer aus Breslau hat am 12. d. Mts.\neine für die gegenwärtige Frühlingszeit gut besuchte Soiree im\nkleinen Saale des Gürzenich mit Unterstützung der Herren Hiller,\nBreunung und A. Schmit gegeben. Sie besitzt eine echte Altstimme\nmit bedeutender Tiefe und Volltönigkeit, welche sie eine Zeit lang\nin Italien ausgebildet hat, wo sie auch mit Beifall in Florenz und\nanderen Orten aufgetreten ist. Der Vortrag von Schubert's Wan-\nderer* und Schümann'» „Ich grolle nicht\" gelang ihr recht gut;\nausserdem sang sie noch Händel's Arie der Juno aus „Semele\" und\ndie erste Scene des Bellini'schen Rt>meo. Fortgesetzte Studien wer-\nden die 1 öne der verschiedenen Register mehr ausgleichen und dem\n\\ ortrage mehr Rundung und Wärme geben. Ihre Leistungen wurden\nvom Publicum sehr wohlwollend aufgenommen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630516-01.1.8", "texte": "Das 40. niederrheinische Musik fest, mithin eine erfreu-\nliche Jubelfeier dieses vaterländischen Kunst-Instituts, wird an den\nPfingsttagen, den 24.—26 Mai, in Düsseldorf Statt finden in dem\nbekannten grossen Locale der Tonhalle in Geislers Garten, deren\nprachtvolle Decoration im byzantinischen Stile von Hess entworfen\nund unter Mitwirkung von Achenbach und Hildebrand ausge-\nführt ist. Eine besondere Zierde derselben und eine wesentliche Ver-\nherrlichung der musicalischen Aufführungen, namentlich des Orato-\nriums „Elias\" von Mendelssohn und der Cäcilien-Ode von Hän-\ndel, wird die von Sonreck in Köln erbaute Orgel sein, gespielt\nvon Herrn Musik-Director Weber aus Köln. Ueber die Besetzung\nder Soli brauchen wir nichts weiter zu sagen, als dass die unver-\ngleichliche Jenny Goldschmidt-Lind und der vollendete Mei-\nster des Gesanges Julius Stock hausen die Sopran- und Bass-\nPartie übernommen haben, und dass die Tenor-Partie Herr Dr.\nGunz vom königlichen Hoftheater in Hannover, der sich so schnell\nin Nord- und Westdeutschland einen vollberechtigten Ruf als Sänger\nerworben hat, ausführen wird. Die Altistin, Fräulein von Edels-\nberg vom Hoftheater aus München, kennen wir noch nicht; sie ist\naber sehr vorteilhaft empfohlen worden. Zu der Mitwirkung im\nChor haben sich 730 Damen und Herren angemeldet. Das Orchester\nwird 58 Violinen, 26 Bratschen, 22 Violoncelle und 20 Contrabässe\nnebst der entsprechenden doppelten Besetzung der Blas-Instrumente\nenthalten. Die Direction der Vocalwerke ist Herrn Goldschmidt\naus London, der Instrumentalwerke Herrn Tausch, Musik-Director\nin Düsseldorf, übertragen worden.\nHamburg. Am Freitag den 23. April scliloss der philharmo-\nnische Verein seine Winter-Saison im Wörmer'schen Saale unter\ndem Zudrange eines Auditoriums ab, dessen fortwährend wachsende\nZahl uns nur die verhältnissmässige Enge des Raumes bedauern\nlässt, wie denn auch die Bedrängtheit in den Zugängen an einer\nrechtzeitigen Besetzung der Zuhörer-Plätze hinderte, so dass Herr\nStockhausen, als die Pretiosa-Ouverture beginnen sollte, eine\nlängere Pause eintreten lassen musste, bevor mit den zarten Ein-\ngangssätzen der Musik begonnen werden konnte. Der\nmit eben so viel Feinheit als Schwung vorgetragenen Ouvertüre\nfolgte die Eintritts-Arie des Seneschall aus Boieldieu's „Johann von\nParisu, gesungen von Herrn Stockhausen. Die gespreizte Würde\nund selbstgefällige Hohlheit, des Hofmannes, welche der Componist\nin dieser Nummer mit köstlicher Laune charakterisirt hat, ward von\nHerrn Stockhausen mit geistiger Frische und so viel komischer Le-\nbendigkeit verdolmetscht, als der Concertsaal zu entwickeln erlaubt.\nIhm folgte Herr Joseph Joachim mit Beethoven's Violin-Con-\ncert, das von dem Virtuosen meisterhaft gespielt und von dem Or-\nchester mit unbedingter Hingebung an jede Absicht der Solostimme\nbegleitet ward. Dem Bach'schen Adagio und Fuge im zweiten Theile\ndes Programms fügte er auf allgemeines i)a-ca/>o-Verlangen die\nCbaconne von demselben Componisten hinzu.\nPi*eiss-Aiissclu*eibeii.\nDie Aachener Liedertafel, in der Ueberzeugung, dass es\nfür das fernere Gedeihen des Männergesanges von förderlichem Ein-\nflüsse sein wird, wenn die Vereine in den Stand gesetzt werden,\nsich mehr als bisher mit der Aufführung von grösseren Compositio-\nnen ernsteren Stils zu befassen, eröffnet hiermit einen Con c urs\nauf die beste Concert-Composition für Männergesang\nund Orchester.\nDer erste Preis beträgt dreihundert Thaler, der zweite hun-\ndert Thaler.\nDie näheren Bedingungen sind folgende:\nDie Aufführung des Werkes soll nicht weniger als eine halbe\nund nicht mehr als eine ganze Stunde dauern.\nDie Wahl des lextes, welcher selbstredend in deutscher Sprache\nsein muss, wird den Concurrenten anheim gegeben. Indessen ist die\n\\\nParodie, die Burleske, überhaupt das Gebiet des Niedrigkomischen\nausgeschlossen, eben so jede Composition, deren Aufführung eine\nDarstellung auf der Bühne bedingt.\nIn Betreff der in dem Werke vorkommenden Soli sind Frauen-\nstimmen statthaft.\nDie preisgekrönten Tonstücke bleiben Eigenthum des Compo-\nnisten; die Liedertafel behält sich jedoch ein Jahr lang nach Zuer-\nkennung der Preise das ausschliessliche Aufführungsrecht vor.\nDie concurrirenden Tonstücke müssen spätestens am ersten Octo-\nber dieses Jahres beim Vorstande der Liedertafel eingelaufen sein.\nDieselben sollen mit einem Motto versehen und von einem versie-\ngelten Couvert begleitet sein, welches äusserlich das nämliche Motto\nträgt und im -Innern den Namen des Concurrenten enthält,\nDie Herren Niels W. Gade in Kopenhagen, Ferdinand Hil-\nler in Köln und Dr. Julius Rietz in Dresden haben das Preis-\nrichter-Amt freundlichst übernommen.\nZusendungen werden an den Vorstand der Aachener Liedertafel,\nzu Händen des Herrn Dr. Roderburg, erbeten.\nAachen, den 15. Februar 1863.\nDer Vorstand der Aachener Liedertafel."}]}