{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_sha256": "be1df8036c9a1b0502cad80ee8f13cecd8253ff2ca84d062994e5d0f6f7a1ad2", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/05/23_01/bmtnabi_1863-05-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 467, "texte": "Inhalt.\nAnalecta von E. Krüger. 11. Vom Tripel-Rhythmus. Aus Kassel (Abonnements-Concerte des Ilof-Orchesters ; Wallen-\nstein, Lauterbach, von Biilow, Laub, Is. Seiss Charfreitags- und Gesangvereins-Concerte Oper). Aus Regens bürg (Musik-Ver-\nein Orchester-Verein Haydn's „Schöpfung\" Concerte). Von Dr. D. Metten leiter. Aus Wiesbaden (Kammermusik).\nArabische Musik. Tages- und Unter halt ungsblatt (Ordens-Verleihungen Ferd. Stegmayer f Paris, Emile Prüdent f etc.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "162", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.2.2", "titre_corps": "Analekta von E. Krüger.", "titre_sommaire": "Analekta von E. 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Vom Tripel-Rhythmus.\nEs hat sich in mehrere neue Musik-Theorieen eine\nLehre eingeschlichen, die ausführlich zuerst Böckh in sei-\nnem De metris Pindariaufgestellt hat, nämlich folgende\nAccentuirunii des Tripel-Rhythmus:\nDass diese in der altgriechischen Metrik wirklich die ur-\nsprüngliche oder allein gültige gewesen, ist noch zu be-\nweisen ; dass sie der mittelhochdeutschen zu Grunde liege,\nwird insgemein angenommen, obwohl es nicht strenger\nals von Böckh auf dem antiken Gebiete bewiesen ist; dass\nsie unserer modernen Musik zu Grunde liege, ist\nfalsch.\nJeder Musiker weiss, und der Historiker kann es be-\nzeugen, dass der moderne musicalischeTripel-Rhythmus\n• • •\nnicht diese Betonung\nsondern diese\nals die gewöhnliche, normale hat, gleichwie in der Sprache\nliebliche, andere; wogegen diese Betonung: liebliche, an-\ndere, welche im Mittelhochdeutschen angenommen wird,\nin Noten:\nfür das Abnorme, Ungewöhnliche, Widerhaarige gilt, was\nheutzutage synkoptisch heis?f. Wir beweisen diese Behaup-\ntung aus der täglichen Erfahrung, dass diese Ligatur:\noder;\n_u || unendlich viel häufiger ist, als diese:\nund eben so auch diese Accentuation der\n• • • •\nMittelglieder:\ngewöhnlicher, als diese\ndaher dann auch die Schlussformel:\nüberwiegend vorkommt, dagegen die der Sarabanden und\nMazurken:\nimmer, wie sehr\nauch neuerdings abgenutzt, etwas Stossiges, Uebarraschen-\ndes hat. Die menschliche Hand folgt unwillkürlich demsel-\nben Gesetze, indem beim Tactiren das mittlere Glied am\nschwächsten geschlagen wird. Auch wer ein Dreieck aus\nfreier Hand rasch hinzeichnet in einem Zuge A, wird,\nwo er auch beginne was in sechs verschiedenen Ansätzen\ngeschehen kann —, immer dem dritten Striche ein leises\nUebergewicht geben.\nDie Böckh'sche Theorie des Tripel-Rhythmus beruht\nauf der Ansicht, alles Triplirte für irrational zu erklä-\nren, weil es freilich der einfachsten ratio des elementaren\nRhythmus oder des absolut gleichgewichtigen Pendel-\nschwunges widerspricht. Dabei ist nur übersehen, dass\nsowohl das Dreieck in der ebenen Zeichnung, als die Ver-\nbindung dreier Glieder in der Architektur vollkommen\nrhythmisch und symmetrisch erscheint und auch so gefühlt\nwird, ungeachtet sie über das gemeine Grundmaass der\nZwei hinausgehen. Die mittelalterlichen Rhythmiker er-\nkannten aber in der Drei als Abbild der divina trinitas,\neine höhere rhythmische Ordnung und benannten diese\nmystische Schönheit des Ebenmaasses Numerus perfecüis,\nzum Gegensatz des Duplirten, des Numerus imper-\nfec'tus. Dass das Dreieck eine eben so wohlgebildete Crea-\nlur sei, wie das Quadrat, und die Pyramide neben dem\nWürfel zu den vollkommensten Körpern gehöre, erkannte\nschon die alte Mathematik; nirgend wird dabei dem Prin-\neip der Drei ein Mangel der Irrationalität angeheftet. Dass\ndie Drei zur Zwei irrational ist, verschlägt nichts; wo es\nnöthig ist, sie in Wechselwirkung zu stellen, muss es durch\nMultiplication und Division geschehe«'.\nBei allem Bisherigen ist, wie gesagt, die moderne\nMusik zu Grunde gelegt, welche Rhythmus und Accent\nursprünglich vereinigt denkt, so dass das rhythmisch schwer"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2975, "texte": "wiegende Glied zugleich das raeist betonte ist. Wo Rhyth-\nmus und Accent einander widersprechen, da wird es vom\nmodernen Gehör als Widerspruch gefühlt und erkannt;\nso in der Auber'schen Melodie:\nso sehr, dass bei zu lang fortgeführter gleicher Figur der\nRhythmus umzuschlagen scheint in:\nAus diesen und unzähligen sonstigen Beispielen, na-\nmentlich der modernen Schumann'schen Synkopen u. dgl.,\nist zu ersehen, wie sehr wir gewohnt sind, Rhythmus, Me-\ntrum und Accent als Eines oder innig Geeintes zu ver-\nstehen, was zwar zeitweilig in logischer oder grammati-\nscher Anwendung aus einander gehen mag, aber selbst in\ndieser vorübergehenden Zwiespältigkeit seine ursprüngliche\nZusammengehörigkeit bezeugt. Wäre die Synkope nicht\ngegen die Natur-Einheit von Ton und Gewicht, wo bliebe\nder Effect bei Chopin, Liszt und Schumann? wo bliebe die\n„Vergeistigung des Rhythmus\", der sich über die gemeine\nNatur der rationalen Messung erheben soll, um Ungemei-\nnes auszusagen?\nAuch die Hauptmann'sche Auffassung beruht auf dem\nGrundsatze der nicht accentlosen, sondern stetig accentuir-\nten Rhythmik; einflussreich ist dies namentlich bei den\nscharfsinnigen Erörterungen über den rhythmischen Schluss\n(294), die Katalexis (358), die ungleichzeitige Gliederung\n(323*]). Die grundlegende Beschreibung geht aus von\ndem natürlichen oder ursprünglichen Accent derDyas,\ndes Pendelschwunges, des reinen Gegensatzes der Zweiheit\n1 : 1. Demnach ist das Ursprüngliche, dass „das erste\nZeitmornent gegen sein Zweites die Energie des Anfangs\nund damit den metrischen Accent\" behaupte; so Haupt-\nmann 241, 31 nach Vorgang der Theorie Gottfr. Her-\nmann' s. Daraus folgt aber nicht, dass jedes Vorangehende\njedes Nachfolgenden Erstes oder Zeugendes sei. Vielmehr\nist in der rhythmischen Trias das Erste des Zweiten und\n*] Dort wird übrigens bei der Betrachtung des ersten Allegro\nder siebenten Sinfonie:\nS. 325, be-\nhauptet, dass ~eine gleich-dreitlieilige Gliederung der Tactes-\nliälfte, anstatt der unglcicli-zweitheiligen oder mit dieser ver-\nbunden, im ganzen langen Satze nicht einmal vorkomme''. Das\nist uns unklar; es kommen ja allerdings solche Gliederungen\nvor:\nund das fünfmalige:\nDritten Vater, wo dann das niedere Gleichmaass sich er-\n•\nhebt zu höherem Ebenmaasse. Die später folgende Auf-\nzählung der sämmtlichen Fälle verschiedener Accentuation\nzeigt allerdings das Mögliche: davon aber ist der geringste\nTheil das wirklich Gebräuchliche; in der Accent-Ta-\n*\nbelle S. 278 ist eine, die fünfte Form:\ndie in unserer Musik vorzüglich beliebte; in der metrischen\nErfüllungs-Tabelle S. 300 sind von den zwölf aufgezähl-\nten Formen nur die Hälfte in gewöhnlichem Gebrauch:\nunter denen wiederum 1, 3, 6 rhythmisch zusammenfal-\nlen, 2 und 5 unsere Ansicht bestätigen. Die andere Hälfte\nzeigt abnorme synkoptische Formen 1, 2, 5; von den\nübrigen ist 3 rhythmisch mit 1 verwandt, 4 und 6 wohl\nnur relativ möglich, d. h. im auftactigen Verhältnisse.\n[Doch vgl. Beethoven's Eroica, erstes Allegro.]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-23_01#c020", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "164", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.2.3", "titre_corps": "Aus Kassel.", "titre_sommaire": "Aus Kassel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.2", "debut_caractere": 2977, "fin_caractere_exclue": 4220, "texte": "Aus Kassel.\n(Abonnements-Concerte des Hof-Orchesters; Wallen-\nstein, Lauterbach, von Bli low, Laub, Is. Seiss. Char-\nfreitags- und Gesangvereins-Concerte. Oper.)\nDen 1ß. Mai 1863.\nUnser Musikleben ist auf die erfreulichste Weise in\nregem Zunehmen. Wenn in früheren Jahren die Oper vor-\nherrschend das Publicum anzog, so ist gegenwärtig die\nTheilnahme an den Concerten dermassen im Wachsen be-\ngriffen, dass schon in voriger Saison und bei Beginn der\njetzt abgelaufenen wiederum Hunderte von Meldungen\nzum Abonnement abgewiesen werden mussten. Wir ver-\ndanken diesen ausserordentlichen Aufschwung nicht nur\nder Trefflichkeit, sondern auch dem regen Kunstsinne un-\nseres Orchesters und seines ausgezeichneten Dirigenten,\nHerrn Capellmeisters Karl Reiss; denn man findet nicht\noft, dass eine für die Oper stark beschäftigte Hoftheater-\nCapelle noch mit Liebe und Lust sechs Abonnements-Con-\ncerte im Winter gibt. Eine Uebersicht der Programme\n(im Auszuge) wird am besten den Geist kennzeichnen, in\nwelchem diese Concerte geleitet werden.\nDas erste Concert brachte Mendelssohn's Ouver-\ntüre „Meeresstille und glückliche Fahrt\", Clavier-Concert\nin ZT von Hummel (Martin Wallenstein aus Frankfurt\nam Main), Spohr's Notturno für Blas-Instrumente, Mo-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5230, "texte": "zart's Sinfonie in C-dur(mit der Schlussfuge). In Herrn\nWallenstein lernten wir einen jungen Pianisten von\nBedeutung kennen. Sein Anschlag ist sehr elastisch, seine\nTechnik eine nahezu vollendete, seine Auffassungsweise\neine durchaus gediegene. Es wurde dem jungen Künstler\nmit vollem Rechte der wärmste Beifall zu Theil.\nDas zweite Concert führte uns in Herrn Lauterbach\neinen mit den seltensten Eigenschaften begabten Violinisten\nzu. Namentlich entzückte sein Vortrag des Spohr'schen\nD-moll-Concertes, welcher sich durch edeln, wenn auch\nnicht sehr grossen Ton, Glätte der technischen Ausführung\nund grosse Wärme des Vortrages auszeichnete. Dem treff-\nlichen Künstler wurde mehrmaliger stürmischer Hervorruf\nzu Theil. Die als Novität den Abend einleitende Rietz'-\nsche Lustspiel-Ouverture wollte nicht recht ansprechen,\ndagegen machte die grosse Furien-Scene aus Gluck's\nOrpheus (mit Frau Hem pe l - Kr istinus) einen gewalti-\ngen Eindruck, den Beethoven's Sinfonia eroica noch\nsteigerte.\nDie interessantesten Nummern des dritten Concertes\nwaren zweifellos Schumann's Manfred-Ouverture und\nSchubert's Octett (zum ersten Male), um dessen treff-\nliche Ausführung sich Herr Concertmeister Wipplinger\nund die übrigen Herren Mitwirkenden ein grosses Verdienst\nerwarben. Das Werk fand eine seinem hohen Werthe,\nso wie der würdigen Wiedergabe entsprechende warme\nAufnahme. Spohr's Sinfonie Nr. 2 in D-moll beschloss\nden Abend.\nDas vierte Concert brachte eine Faust-Ouverture von\nRichard Wagner (neu); Clavier-Concert (Es-dar) von\nL. van Beethoven, vorgetragen von Herrn Hans von\nBülow; „Les Preludes\", symphonische Dichtung von Fr.\nLiszt (zum ersten Male); Gesänge für Frauenstimmen\n(„Fingal\", „Der Gärtner\") mit Begleitung der Harfe und\nzweier Waldhörner von Job. Brahms (zum ersten Male);\nCapriccio über Motive aus Beethoven's „Ruinen von\nAthen\" für Pianoforte und Orchester von Fr. Liszt (von\nBülow) und Don Juan-Phantasie für Pianoforte von Fr.\nLiszt (von Bülow). Herr von Bülow documentirte sich\nauch in diesem Jahre wieder als Pianist ersten Ranges,\ndessen Vielseitigkeit, abgesehen von jeder Parteirichtung,\njedem unparteiischen Musiker die höchste Achtung abge-\nwinnt. Sein Vortrag des Beethoven'schen ük-efer-Concertes\nwar, liesse sich auch über die Auffassungsweise hin und\nwieder mit ihm rechten, doch in jeder Beziehung ein un-\ngewöhnlicher. Vollendete Technik, Kraft und hohes Ver-\nständniss finden sich bei diesem Künstler wie bei wenigen\nvereint; doch liesse sich seinem Vortrage etwas mehr\nWTärme wünschen. Herr von Bülow wurde lebhaft empfan-\ngen und mehrere Male stürmisch gerufen. Die erste Novi-\ntät des Abends, Wagner s Faust-Ouverture, wurde trotz\nsorgfältigster Vorbereitung und Ausführung von dem Pu-\nblicum mit Schweigen aufgenommen, wogegen Liszt's\nPreludes, in welchen das melodiöse Element allerdings\nprägnanter vertreten ist, bei sehr feuriger Ausführung mit\nlebhaftem Beifalle aufgenommen wurden. Ferner wurde\nden Brahms'schen Gesängen eine überaus warme Auf-\nnahme zu Theil; der zweite, „Der Gärtner\", musste sogar\nauf anhaltendes Begehren wiederholt werden.\nDie Perle des Programms vom fünften Concerte war\nBeethoven's Violin-Concert, dessen Vortrag durch\nLaub ein in jeder Hinsicht meisterhafter war. Nächst\nJoachim dürfte wohl Laub der würdigste Interpret dieses\nEdelsteins unter den Violin-Concerlen sein. Seine vollen-\ndete Technik, sein grosser Ton sind wie geschaffen zum\nVortrage dieses Werkes, mit welchem denn auch der treff-\nliche Künstler den seltensten Erfolg errang. Er spielte\nausserdem noch sein Rondo sLachner's grosse\nOrchester-Suite erregte allgemeines Interesse und fand na-\nmentlich in ihren letzten Sätzen (Variationen, Marsch und\nFuge) den durchgreifendsten Erfolg.\nIm sechsten nnd letzten Abonnements-Concerte hörten\nwir das Clavier-Concert (Es-dur)von C. M. von Weber,\nvorgetragen von Herrn Isidor.Seiss aus Köln; eine\nPhantasie für die Harfe von Parish Alvars, vorgetragen\nvon Herrn Gerstenberger, Mitglied der Hofcapelle;\n„Lucia\"-Phantasie für Pianoforte von Fr. Liszt, vorge-\ntragen von Herrn J. Seiss; Finale aus der Oper „Loreley\"\nvon Mendelssohn-Bartholdy (Fräulein Bauer); zum\nSchluss Sinfonie Nr. 5 (C-moll)von Beethoven. Herr\nSeiss führte sich namentlich in technischer Hinsicht als\nrecht achtungswerthen Pianisten bei uns ein und errang\nbesonders mit dem in vieler Hinsicht interessanten, wenn\nauch nicht durchaus schönen Weber'schen Concerte einen\nehrenvollen Erfolg. Die zweite Piece schien mehr an der\nWahl, als an der Durchführung zu scheitern. Das seit\nsechs Jahren nicht mehr zur Aufführung gekommene Lo-\nreley-Finale fand wiederum die günstigste Aufnahme,\nwelche auch gerechter Maassen der trefflichen Ausführung\nSeitens unserer dermaligen noch jugendlichen, aber sehr\ntalentvollen und stimmbegabten Prima-Donna, Fräulein\nBauer, galt. Einen wahren Enthusiasmus aber erregte\nBeethoven's C-woß-Sinfonie, deren Ausführung auch die-\njenigen Kenner, die einen strengeren Maassstab als das Pu-\nblicum an musicalische Leistungen zu legen pllegen, im\nvollsten Maasse befriedigte. Nach Beendigung der Sinfonie\nwurde Herrn Capellmeister Reiss zweimaliger stürmischer\nHervorruf zu Theil, der den Dank des Publicums auf die\nlebhafteste und ehrenvollste Weise bekundete.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2084, "texte": "Das diesmalige Clia rfreita gs-Concer t der Hof-\ncapelle in Verbindung mit den Gesangvereinen brachte\nSpohr's Oratorium „Des Heilands letzte Stunden\", wel-\nchem ein sehr zahlreiches Publicum mit Andacht lauschte.\nDie Aufführung war, einige schwankende Choreinsätze ab-\ngerechnet, eine recht gute. Die Solisten gehörten sämmt-\nlich der Hofbühne an, eine junge Dilettantin, Fräulein\nBuchheim, welche die Alt-Partie recht befriedigend\nsang, ausgenommen. Die übrigen Partieen hatten Fräulein\nBauer und die Herren Bau mann, Garso, Schulze,\nBorkowski übernommen.\nAusserdem fanden noch zwei Concerte des von Herrn\nReiss geleiteten Gesangvereins Statt, deren erstes ein ge-\nmischtes Programm kleinerer Compositionen von Mozart,\nHauptmann, Spohr, Mendelssohn und Schumann halte,\ndas zweite Haydn's seit zwölf Jahren hier nicht mehr ge-\nhörte „Schöpfung\" in wohlgelungenster Aufführung\nbrachte.\nDie Oper hat neuerdings in dem trefflichen Bassisten\nLindemann vom Hoftheater in München eipe glänzende\nAcquisition gemacht. Derselbe hat sich als Sänger und\nL)arsteller bereits als Figaro, Cardinal in der „Jüdin\",\nSarastro so eindrucksvoll bei uns eingeführt, dass er schon\nnach wenigen Wochen zu den erklärtesten Lieblingen des\nPublicums zählt. Ueber die Thätigkeit der Hof-Opern-\nbühne theile ich Ihnen eine Uebersicht der seit dem 1.\nAugust v. J. zur Aufführung gekommenen Opern mit:\nMozart: Don Juan, Zauberflöte, Figaro's Hochzeit, Ent-\nführung aus dem Serail, Schauspiel-Director. Beethoven:\nFidelio. Weber: Freischütz, Oberon. Spohr: Jessonda.\nMarschner: Hans Heiüng. Kreutzer: Nachtlager in Gra-\nnada. Mehul: Joseph in Aegypten. Wagner: Tannhäuser.\nLortzing: Czaar und Zimmermann, Undine. Isouard:\nAschenbrödel. Boieldieu: Weisse Dame, Johann von Paris.\nHerold: Zampa. Flotow: Martha. Auber: Carlo Broschi,\nFra Diavolo, Kron-Diamanten. Adam: Brauer von Preston.\nMeyerbeer: Robert der Teufel, Hugenotten. Halevy: Jüdin.\nRossini: Teil, Barbier von Sevilla. Bellini: Norma, Nacht-\nwandlerin. Donizetti: Regimentstochter, Liebestrank, Lucie\nvon Lammermoor. Oli'enbach: Orpheus in der Unterwelt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-23_01#c021", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "165", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.2.4", "titre_corps": "Aus Regensburg.", "titre_sommaire": "Aus Regensburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.4", "debut_caractere": 2086, "fin_caractere_exclue": 5164, "texte": "Aus Regensburg.\nDell J2. Mai 1863.\nMit Dinstag den 5. Mai hat die zweite Abtheilung der\nhiesigen Concert-Saison abgeschlossen. Sie gestatten mir\nwohl in gewohnter freundlicher Weise, einen Rückblick\ndarauf zu werfen.\nDtr Musik verein gab in seinem zweiten grossen\nConcerte die Ouvertüre zur „Vestalin\" von Spontini. Sie\nwurde gut durchgeführt, nur ervviesen sich die Celli als\nzu wenig zahlreich, abgesehen von der schwachen Ausfüh-\nrung der vorherrschenden charakteristischen Aufschlag-\nFigur. An Einzel-Vorträgen brachte das Programm unter\nAnderem zwei Lieder, welche für ein grösseres Concert\nin künstlerischer Beziehung gar zu unschuldig waren, noch\ndazu mit Begleitung des Claviers. Wenn ein Orchester bei-\nsammen ist, verdiente es jedenfalls grösseren Dank, eine\noder die andere von den weniger zugänglichen Perlen der\nOpern-, Oratorien-, Concert-Musik vorzuführen. Ich lasse\ndem Liedvortrage sein ganzes Recht, aber ich tadle, wenn\ndie sich so ungebührlich breitmachende Salonmusik auch\ndas grosse Concert beherrschen möchte. Den Schluss bil-\ndete die C-moll-Sinfonie von Beethoven. Die Ausführung\nselbst bot dem Aufmerksamen, im Vergleich mit der vor-\njährigen, ein besonderes Interesse dar. Während sich Herr\nGraf du Moulin, der sie damals dirigirte, ganz den leipzi-\nger Gewohnheiten accomodirte, liess Herr Capellmeister\nZwicker sich bei aller ihm eigenthümlichen Originalität\nder Auffassung vom Geiste der Zeitgenossen Beethoven's\nleiten, wohl nach dem unbestreitbaren Grundsatze, dass\ndas Wasser an der Quelle am reinsten fliesse. Sie zündete\nübrigens in allen Zuhörern und rief einen vom Dirigenten\nund Orchester wohlverdienten Beifallssturm hervor. Den-\nnoch wäre die Wahl einer seltener oder noch gar nicht\ngehörten Sinfonie des Meisters vorzuziehen gewesen.\nDer Orchester-Verein hatte am Palmsonntage sein\nzweites Concert. Die Ouvertüre zu Oberon von Weber\nund die D-cfer-Sinfonie von Mozart bildeten den orchestra-\nlen Theil. Ausserdem sang Fräulein Böttger mit überra-\nschender Bravour die bekannte Variationen-Arie aus Ros-\nsini's Cenerentola und wurde zwei Mal stürmisch gerufen.\nDas Concert wurde diesmal im Theater gehalten, nach-\ndem die Bühne zum Orchester gemacht worden war, wo-\ndurch bei den gewöhnlichen Eintrittspreisen die Theilnahme\nauch dem nicht Bemittelten erreichbar ist. Die Durchfüh-\nrung der Piöcen war eine ausgezeichnete.\nAm 17. März fand die Aufführung der „Schöpfung\"\n\\on Haydn Statt. Frau Dr. Stöhr bewährte sich als tüch-\ntige Sängerin in den Partieen des Gabriel und der Eva;\ndass die letztere keine eigene Vertreterin gefunden, ist son-\nderbar, da es doch der Gesangskräfte hier genug gibt.\nHerr Fränkl sang die Tenor-Partie. Wie unendlich viel\nmehr wäre die kostbare Stimme dieses Herrn werth, wenn\ndie geistige Auffassung in gleicher Weise Hand in Hand\ndamit ginge! Herr Wagner hatte erst in letzter Stunde\nzu seiner Partie (Adam) den Raphael hinzunehmen müssen.\nWar sonach die Besetzung der Gesangs-Partieen schon\neine Unregelmässigkeit, so gestaltete sich die ganze Auf-\nführung zu einer für den strengen Musiker vielfach unbe-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3748, "texte": "friedigenden. Die Chöre schlugen zu wenig zusammen, die\nI ext-Aussprache liess viel zu wünschen, ein bisweiliges\nSchwanken und Schweben störte den ruhigen Genuss des\nWerkes. Das Orchester leistete, was eben nach einer\nProbe zu leisten war. Mir scheint, es seien diesmal die mu-\nsicalischen Krälte llegensburgs, die allerdings mit Recht\nanzuerkennen sind, überschätzt worden.\nNun zu den Privat-Concerten! Die erste Stelle\nunter ihnen nimmt ohne Zweifel das letzte, am 5. Mai ab-\ngehaltene Concert des herzoglich meiningen'schen Kam-\nmersängers Herrn Viala ein. Schon die durchweg künst-\nlerische Bildung seiner Gattin, Frau Viala-Mittermeyer,\nvon den vortrefflichen Leistungen des Concertgebers ganz\nabgesehen, berechtigt zu dieser Bevorzugung. Auch das ist\nlobenswerth, dass Herr Viala die hiesigen Gesangskräfte\nzur Aufführung der ergreifenden Nils Gade'schen Ballade\n„Erlkönigs Töchterlein\" vereinigte. Derartige in Virtuosen-\nConcerten seltene Veranstaltungen würden vom Publicum\nfreudiger begrüsst werden, wenn sie häufiger wären. Wie\nkann von den Musikern, wie sie eben zumeist sind, geklagt\nwerden über Ungeschmack des Publicums an Classischem,\nVortrefflichem, Grossem, wenn sie, wie es oft der Fall ist,\nselbst dasselbe nur gezwungen produciren? Wie dürfen\nsie sich wundern, wenn die Leute die Musik eben vielfach\nnur als Staffage anderweitigen Sinnengenusses nehmen,\nwenn sie, die Ausübenden, in ihr oft nichts Anderes als\neine Magd sehen, die ihnen den Haushalt besorgen muss?\nHerr Parkheer aus Detmold errang durch den voll-\nendeten Vortrag eines Violin-Concertes von Viotti und einer\nComposition von J. S. Bach begeisterten Beifall. Ein stark\nbesuchtes Concert gab Herr Karl Oberthür, Harfenist\nder Herzogin von Nassau; er bewährte sich als Meister\nauf diesem in Deutschland so selten cultivirten Instrumente.\nEr trug nur Stücke eigener Composition vor, die besser\nwaren, als was man gewöhnlich in Harfen-Concerten zu\nhören bekommt.\nVon anderen Concerten erwähne ich noch das dritte\nkleinere des Musikvereins. Neben dem sehr gut gespielten\nQuintett für Ciavier und Blas-Instrumente von Mozart kam\ndas Trio in D-mollvon Mendelssohn zum Vortrage, jedoch\nohne besonderen Erfolg. Ausserdem sang Fräulein Poyet,\nwelche ohne allen Widerspruch auf der Höhe der Gesangs-\nkunst steht, ein Lied im Volkstone von Capellmeister\nZwicker, das ich als höchst originel rühmen muss. Ueber-\nhaupt halte ich es für Pflicht, die gründliche musicalische\nBildung dieses zu wenig bekannten Mannes zu betonen.\nZu seinen besseren Compositionen, die jedem Verlage zur\nZierde gereichen würden, zähle ich ausser seinen Liedern\nfür Alt und für Sopran und Kleinigkeiten für Ciavier seine\nOrgelstücke, darunter prächtige Fugen, sein Duo für\n-m\nCiavier und Violine und sein Oratorium „Job\" für Män-\nnerstimmen und Orchester.\nIn Bezug auf die hiesige Oper ist zu erwähnen, dass\nFräulein Mutzell, eine erst siebenzehnjährige Dame, sich\nals Irene im Beiisar, als Marie im Waffenschmied, als\nAnna in den lustigen Weibern durch ihre sympathische\nStimme und durch geistige Auffassung, so wie durch rei-\nzendes Spiel im Sturm alle Herzen erobert hat. Es ist nur\nzu wünschen, dass dieser überraschende Erfolg für die\nliebenswürdige Dame ein Sporn zu stets ernsterem Studium\nwerde. Abgetreten ist leider Fräulein Böttger, die mit\nseltener Virtuosität jene geistige Vertiefung vereinigt,\nwelche einer schönen Stimme und guten Schule erst den\nrechten Werth gibt.\nSchliesslich noch die Nachricht, dass von der\ndivina des verstorbenen Canonicus Dr. Proske der von\nihm noch ganz druckfertig hinterlassene vierte Band, Lita-\nneien, Antiphonen, Lamentationen u. s. w. enthaltend, bei\nPustet erschienen ist und sonach ein ganzer Jahrgang\ndes Kirchenjahres vorliegt. Dr. D. Mettenleiter."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-23_01#c022", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "166", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.5", "debut_caractere": 3750, "fin_caractere_exclue": 5119, "texte": "Aus Wiesbaden.\n(Kammermusik.)\nGar viele Tonnen Wassers sind an Kölns ehrwürdiger\nKathedrale vorübergerauscht, ohne dass Sie ein Brieflein\nvon Ihrem mittlerweile flüchtig gewesenen Referenten aus\nNassau's Capitale ans linke Ufer gelandet hätten. Das\nschwere Unrecht zu sühnen, das er verbrochen an so mu-\nsicalischen Landen, stellt sich heute der Fahnenflüchtige.\nMeine Schritte südwärts wendend, verliess ich im\nHerbste 1861 unser deutsches Nizza, um auch einmal das\nitalische anzuschauen, jenes Nizza, wo Paganini, Halevy\nund eine Rachel ihr irdisches Lebensziel fanden. Ausser\nden Gräbern so grosser Todten steht dort auch die Wiege\neines grossen Kämpfers für Wahrheit im Leben (wenn auch\nnicht für Wahrheit in der Tonkunst), Guiseppe Garibaldi s\nGeburtshaus. Doch es ist ja nicht der Zweck dieser Zeilen,\nIhren Lesern von dem in Italien und Frankreich Gehörten\nund Gesehenen zu erzählen, wiewohl ich nicht „verschlosse-\nnen Ohres und Auges, ihre Wunder nicht zu schauen\",\nItaliens holde Auen durchzog. Wenden wir uns daher zu\ndem näher Gelegenen, zunächst zu unserem Kammer-\nmusik-Verein.\nIm Jahre 1854 den 1. Februar rief Herr Capellmei-\nster Hagen dahier Quartett-Soireen ins Leben (s. Niederrh.\nMusik-Zeitung, Nr. 7, vom 18. Februar 1854). Das da-\nmalige Quartett bildeten Herr Concertmeister Frisch (Vio-\nline I.), Herr Concertmeister Fischer (Violine II.), Herr"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2319, "texte": "Capeilmeister Hagen (Viola) und Herr Grimm (Violoncell).\nIn meinem Berichte in Nr. 1 vom 5. Januar 1856 figurirt\nschon an Stelle des mit Tod abgegangenen Concertmeisters\nFrisch eine frische Kraft: der hieher berufene Concertmei-\nster Baldenecker, Anführer der Geigen im Theater-Orche-\nster. Im Jahre 1858 bestand das Quartett aus den Herren\nBaldenecker, Scholle (Violine), Grimm und Weyner, da\nHerr Hagen als Capeilmeister des Theaters und Leiter der\nCäcilien-Vereins-Concerte zu sehr in Anspruch genommen\nund Herr Fischer gleichzeitig aus dem Quartette wie aus\ndem Verbände des Theater-Orchesters ausgeschieden war.\nIn Nr. 34 vom 20. August 1859 finden wir das Quartett\naus den Herren Baldenecker (I. Violine), Scholle (11. Vio-\nline), Wagner (Viola) und Grimm (Violoncello) bestehend.\nMit vorletztem Winter ist nun Herr Grimm zum Bedauern\nder Musikfreunde aus dieser Quadrupel-Allianz geschieden.\nAuf seinem Stuhle erblickten wir, ohne Grimm indess,\neinen Herrn Fuchs als Nachfolger desselben.\nVon diesem Quartette wurden während dieses Win-\nters neun Soireen für Kammermusik veranstaltet, in wel-\nchen Meisterwerke für Geigen-Quartett von Haydn [A-\ndur, B-dur, G-dur, D-moll, C-dur, Kaiser Franz), Mo-\nzart (D-dur Nr. 10, G-dur, C-dur, A-dur, Es-dur und\nQuintett in C-dur), Beethoven (.F-dur Op. 18, F-moll,\nG-dur, Es-dur, A-dur, F-dur Op. 59), Schubert {Es-\ndur, D-moll), Spohr (A-moll Op. 74), Onslow [F-moll)\nzur Aufführung kamen; ferner ein Sextett für 2 Violi-\nnen, 2 Bratschen, Violoncell und Contrabass von Dr. Alovs\nj\nSchmitt in der achten Sitzung, in welcher der ehrwür-\ndige greise Componist anwesend war.\nAusser diesen kam von Musik für Pianoforte,\nwelches Herr Bonewitz vertrat, vor: Sonaten von Beet-\nhoven Op. 53 und 26, Quintett in Es-dur von R. Schu-\nmann, Trio in B-dur Op. 99 von F. Schubert und\ndas Septett von Hummel.\nDie Werke kamen im Ganzen zu würdiger Ausfüh-\nrung, wenn auch nicht in fortgeschrittener Weise, zum\nVortrage. Die Nummern dieser Blätter aus den oben an-\ngeführten Jahren geben Zeugniss, mit welcher Liebe und\nVerehrung die Leistungen des hiesigen Quartetts stets\nbesprochen worden sind. Es ist mir aber nicht möglich,\nin gleich lobender Weise fortzufahren. Die vorhanden ge-\nwesene Einheit im Spiel und Feinheit im Ausdruck wird\nhoffentlich wieder zurückkehren.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-23_01#c023", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "167", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.2.6", "titre_corps": "Arabische Musik.", "titre_sommaire": "Arabische Musik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.6", "debut_caractere": 2321, "fin_caractere_exclue": 4574, "texte": "Arabische Musik.\nWir haben in Nr. 42vom Jahrgange 1861 und in\nNr. 25 von 1862 auf eine Schrift über arabische Musik\naufmerksam gemacht, welche uns gegenwärtig unter fol-\ngendem Titel vorliegt:\nChristianowitsch, Alexandre, Esquisse historique\nde la Musique Arabe aux temps anciens avec des-\nsinsd'lnstruments et\nmonisees pur A. Chr. Cologne, Librairie de M.\nDuMont-Schauberg. 1863. (32 S. Folio Text,\nXXXXII S. Notendruck, 3 lithogr. Tafeln.)\nDas Werk, eine Pracht-Ausgabe von glänzender Aus-\nstattung, macht keine Ansprüche auf neue wissenschaft-\nliche Forschungen über die Musik der Araber, ist aber\nein interessanter Beitrag zur näheren Kenntniss der orien-\ntalischen Gesangweisen und der noch jetzt im Volke vor-\nhandenen Reste derselben. Herr Christianowitsch hat bei\neinem längeren Aufenthalte in Algier diese Melodieen nach\nder mündlichen Ueberlieferung aufgezeichnet, die ihm ein\narabischer Musiker, Hamud Ben Mustapha, der Freund\ndes alten Hamed Ben Hadsch Brahim, des Favoritsängers\nvon Hussein Pascha, dem letzten Dev von Algier, vermit-\ntelte. Bekanntlich gibt es in Algier Kaffeehäuser, wo die\nAraber und Mauren hingehen und die Musik hören, welche\ndort zwei oder drei Juden mit dem Rebab, der Kemangeh\nund der Derbuka machen und deren Inhalt National-Me-\nlodieen mit arger (Jeberkleidung und Verdunkelung durch\nallerlei Schnörkel sind. Als Hamud vernahm, dass der Ver-\nfasser ein solches Kaffeehaus besucht halte, lächelte er\nverächtlich und sagte: „Da kannst Du die alte Gesangweise\nnicht hören! Da singt der Jude, und Keiner von uns wird\neinen Juden darin unterrichten oder sie ihm auch nur\nvorsingen.\"\nDer historische Theii des Buches enthält kurze Bio-\ngraphieen einiger berühmter Sänger und Sängerinnen aus\nder Zeit der Khalifen, übersetzt aus dem Kitab el Aghani,\nwovon wir bereits einige Proben in Nr. 25 vom Jahre\n1862 den Lesern in deutscher Uebersetzung mitgetheilt\nhaben. In der Nachricht über den Sänger Mabed theilt\nder Verfasser die Melodie eines „Lahn\" mit, welche Ma-\nbed dem Khalifen El Walid vorgesungen, während dieser\nsich in Rosenwasser gebadet. Herr Christianowitsch hat\ndiese Melodie „glücklich entdeckt\"—wo? ist nicht gesagt.\nSie würde mithin aus der ersten Hälfte des achten Jahr-\nhunderts stammen; es ist folgende:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2226, "texte": "Der Text drückt eine Sehnsucht nach den Edlen, die der\nTod von uns getrennt hat, und eine Klage über die Ver-\ngänglichkeit alles Herrlichen, auch der Geliebten, aus.\n„Trennung füllt die Augen mit Thränen und raubt ihnen\nden Schlaf.\"\nDarauf folgt eine kurze Beschreibung von den vierzehn\nInstrumenten (meist nach Villoteau in der Description\nde l'Egypte), deren Abbildung die lithographirten Tafeln\ngeben. Eine Vollständigkeit lag auch hier nicht in der Ab-\nsicht des Verfassers, er beschreibt hauptsächlich die jetzt\nnoch in Algier gebräuchlichen; doch zeigen die Tafeln\neinige Instrumente mehr, als das Werk von Zamminer\n(„Die Musik und die musicalischen Instrumente\").\nDen Schluss bilden die vierzig Melodieen, welche\nerst einfach und dann harmonisirt (worüber wir nicht ins\nEinzelne gehen können und auch mit dem Verfasser nicht\nrechten wollen, da die Harmonisirung bei der ganzen Sache\ndas Unwesentliche und mehr auf Dilettanten berechnet ist)\ngegeben sind. Unter einer jeden ist der Text in einer fran-\nzösischen Uebersetzung (in Prosa) aus dem Arabischen mit-\ngetheilt. Die Melodieen scheinen reiner und einfacher wie-\ndergegeben zu sein, als ähnliche Beispiele in anderen Wer-\nken. Doch sind auch hier noch mehrmals Anfangs-Tacte\nda, die offenbar nur Vorspiele sind, nach denen die eigent-\nliche Gesangsweise erst beginnt. Neuere Componisten mö-\ngen hier leicht eines oder das andere eigentümliche Motiv\nfinden, das eine eben so glückliche Anwendung gestatten\nkönnte, wie* die Tanz-Melodie bei\nla musique, 1., S. 385:\nwelche C. M. von Weber im letzten Finale des „Oberon\"\nso trefflich benutzt hat. Auch hat sie offenbar auf den\nCharakter des Rhvthmus im Wächterchor des ersten Fi-\n%)\nnale und im Anfangschor des zweiten Actes Einfluss gehabt.\nAuf Seite XX bei Christianowitsch befindet sich auch\neine Melodie, welche nach seiner Angabe eine auffallende\nAehnlichkeit mit einem der ältesten russischen Gesänge,\nder Podbludnaia pesnia\", einem Weihnachtsliede, hat.\nWir erinnern uns, auch bei den donischen Kosaken in den\nJahren 1813 und 1814 Gesänge gehört zu haben, die\nim Rhythmus und in der einfachen Bewegung innerhalb\neiner Scala von drei bis vier Tönen eine grosse Aehnlich-\nkeit mit den arabischen Melodieen hatten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-05-23-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-05-23_01#c027", "volume": "bmtnabi_1863-05-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "168", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.7", "debut_caractere": 2228, "fin_caractere_exclue": 5613, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nCamillo Sivori hat von dem Könige von Preussen den Kro-\nnen-Orden dritter Classe erhalten.\nHector Berlioz hat vom Fürsten von Hohenzollern-Hechingen\nin Löwenberg das Ehrenkreuz dritter Classe des fürstlich Hohen-\nzollern'schen Haus-Ordens erhalten.\nHans von Bülow erhielt vom Grossherzog von Mecklenburg-\nSchwerin für die demselben dedicirte Herausgahe und Bearbeitung\nausgewählter Clavier-Sonaten von Phil. Eman. Bach die grosse gol-\ndene Verdienst-Medaille für Kunst und Wissenschaft.\nDer Musik verein in Darm Stadt brachte in Verbindung mit\ndem Hoforchester Schumann's „Paradies und Periu zur Aufführung.\nFräulein Molnar und die Herren Gregor und Wolters hatten die\nSoli übernommen.\nEms« Unsere Curverwaltung tritt in die Fusstapfen Benazet's\nin Baden-Baden und bestellt sich ebenfalls in Paris komische Opern\nzur ersten Aufführung im Theater zu Ems. Diesen Sommer wird\nII Signor Fagotto von Nuitter und Offenbach, und Bob Boy von\nDeforges und Flotow gegeben werden— also von deutschen Com-\nponisten, aber Text und Theater-Personal französisch und pariser\npur sang.\nlieipzfg, im Mai. Einer vor kurzer Zeit bereits in die Oeffent-\nlichkeit gelangten Mittheilung zufolge ist durch freundliche Vermitt-\nlung des gelehrten Herrn Archivars Dr. Ennen in Köln dem Dr.\nOscar Paul Gelegenheit geboten worden, in der dortigen Raths-\nBibliothek Kenntniss von den musiealischen Antiquitäten zu nehmen,\nunter welchen ein lateinischer Codex aus dem zehnten Jahrhundert\naufgefunden wurde, der die Schriften des Benedictiner-Mönches Huc-\nbald (Hugbald Uchubald) aus St. Amand in Flandern (f 930)\nenthält. Die grosse Wichtigkeit dieser Schriften für die Musikge-\nschichte ist von den Historikern längst anerkannt, jedoch von kei-\nnem derselben bis jetzt ins rechte Licht gesetzt worden, wie über-\nhaupt die Musikgeschichte bis zum sechszehnten Jahrhundert hin\nnoch nie eine wahrheitsgemässe Darstellung in den lebenden Spra-\nchen erfahren, namentlich auch der Umstand nicht volle Beachtung\ngefunden hat, dass Hucbald und die späteren Theoretiker auf der\nSchrift rDe musicau von Boethius fussen. Der erwähnte Codex\nzeigt, dass die Schriften des Hucbald in Gerlrert's „Scriptores eccle-\nsiastici\" nur zum Theil und nicht selten in sinnentstellender Weise\nzum Abdruck gelangt sind. Seine Bedeutung als Quellen werk für\ndie Musikgeschichte ist somit ungemein hoch anzuschlagen. Den\nSchriften des Hucbald selbst steht die ganze Schrift rDe musica\"\ndes Boethius voran. Um die Schönheit und Genauigkeit in der An-\nfertigung dieses Codex, dessen Inhalt in einem später erscheinen-\nden Werke ausführlich gegeben und besprochen werden wird, vor-\nläufig darzuthun, sind einige Tabellen daraus facsimilirt und abge-\ndruckt worden. Dieselben liegen gegenwärtig in der Verlagshand-\nlung und ..Leihanstalt für musicalische Literatur\" von Alfred\nDörffel in Leipzig (Petersstrasse, im grossen Reiter) zur An-\nsicht aus und können auf Verlangen auch nach auswärts leihweise\nbezogen werden,\nBremen, 17. Mai. Unser trefflicher Gesangverein, unter Lei-\ntung des Musik-Directors Engel, brachte gestern Abend die ~Lorel-\nend ,.Die Nacht\" von Ferd. Hiller in sehr gelungener Weise\nzur Ausführung. Beide Werke wurden mit grossem Beifalle aufge-\nnommen, und mau telegraphirte dem Componisten das jubelnde Le-\nbehoch, welches die Mitglieder des Vereins ihm in freudiger Ange-\nregtheit gebracht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2125, "texte": "Zofillgen (in der Schweiz), Kürzlich wurde hier eine L hland-\nFeier begangen. Die Eröffnung bildete: ~Das ist der Tag des Herrn\",\ncomponirt von Kreutzer. I. Theil: Vortrag über Uhland's Leben und\nWerke von Alb. Schumann, Lehrer der Bezirksschule, mit darauf\nBezug habenden Zwischengesängen und Declamationen, vorgetragen\nvon Schülern der Bezirksschule. 11. Theil: ~Des Sängers FluchCk,\nbearbeitet nach Uhland von Rieh. Pohl, componirt von Robert Schu-\nmann j unter Leitung des städtischen Musik-Directors Herrn Eugen\nPetzold. Der Saal war von Zuhörern überfüllt. Der Ertrag wurde als\nBeitrag zur Errichtung eines Uhland-Denkmals in Tübingen bestimmt.\nIm letzten Abonnements-Concerte kamen hierselbst unter Ande-\nrem Ouvertüre triompliale von H. Stiehl und ..Lorelei*' von Ferd.\nHiller zur Aufführung. Die Concerte dürfen überhaupt in der Aus-\nführung als sehr gelungen bezeichnet werden»\nDer Chormeister der wiener Sing-Akademie, Herr Ferd. Steg-\nmayer, ist am 6. d. Mts., Nachts halb ein Uhr, plötzlich am Lun-\ngenblutsturze gestorben.\nParis« Donnerstag den 14. Mai ist der ausgezeichnete Pianist\nEmile Prüdent, erst 46 Jahre alt, an den Folgen der Bräune\nplötzlich gestorben. Er war den 3. April 1817 zu Angouleme gebo-\nren und kam im Alter von zehn Jahren nach Paris auf das Conser-\nvatorium in Zimmermanns Clavierclasse, wo er den ersten Preis\nerhielt. Er hatte in seiner Künstler-Laufbahn Anfangs mit vielen\nHindernissen zu kämpfen, und jetzt, wo er den Ruf des grössten\nClavierspielers unter den Franzosen der Gegenwart errungen hatte\nund die Früchte seiner Anstrengungen genoss, raffte ihn der Tod\nhinweg. Am Samstag fand ein Trauer-Gottesdienst für ihn in der\nKirche St. Vincent de Paul unter dem Zudrange einer grossen\ntrauernden Menge Statt.\nAm 23. Mai gibt Sivori im Saale Herz ein Concert zur Unter-\nstützung eines pensionirten Violinisten Morena, ehemals Mitglied der\nkaiserlichen Capelle.\nfjOlltloil* Der berühmte Volkslieder-Dichter und Componist\nCharles Glover ist gestorben. Man erzählt, dass eines seiner Lie-\nder: „Hans und Hannchenu, dem Verleger, dem er es einst schenkte,\n100,000 Francs eingebracht hat."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAnalecta von E. Krüger. 11. Vom Tripel-Rhythmus. Aus Kassel (Abonnements-Concerte des Ilof-Orchesters ; Wallen-\nstein, Lauterbach, von Biilow, Laub, Is. Seiss Charfreitags- und Gesangvereins-Concerte Oper). Aus Regens bürg (Musik-Ver-\nein Orchester-Verein Haydn's „Schöpfung\" Concerte). Von Dr. D. Metten leiter. Aus Wiesbaden (Kammermusik).\nArabische Musik. Tages- und Unter halt ungsblatt (Ordens-Verleihungen Ferd. Stegmayer f Paris, Emile Prüdent f etc.).\n\nAnalekta von E. Krüger.\nII. Vom Tripel-Rhythmus.\nEs hat sich in mehrere neue Musik-Theorieen eine\nLehre eingeschlichen, die ausführlich zuerst Böckh in sei-\nnem De metris Pindariaufgestellt hat, nämlich folgende\nAccentuirunii des Tripel-Rhythmus:\nDass diese in der altgriechischen Metrik wirklich die ur-\nsprüngliche oder allein gültige gewesen, ist noch zu be-\nweisen ; dass sie der mittelhochdeutschen zu Grunde liege,\nwird insgemein angenommen, obwohl es nicht strenger\nals von Böckh auf dem antiken Gebiete bewiesen ist; dass\nsie unserer modernen Musik zu Grunde liege, ist\nfalsch.\nJeder Musiker weiss, und der Historiker kann es be-\nzeugen, dass der moderne musicalischeTripel-Rhythmus\n• • •\nnicht diese Betonung\nsondern diese\nals die gewöhnliche, normale hat, gleichwie in der Sprache\nliebliche, andere; wogegen diese Betonung: liebliche, an-\ndere, welche im Mittelhochdeutschen angenommen wird,\nin Noten:\nfür das Abnorme, Ungewöhnliche, Widerhaarige gilt, was\nheutzutage synkoptisch heis?f. Wir beweisen diese Behaup-\ntung aus der täglichen Erfahrung, dass diese Ligatur:\noder;\n_u || unendlich viel häufiger ist, als diese:\nund eben so auch diese Accentuation der\n• • • •\nMittelglieder:\ngewöhnlicher, als diese\ndaher dann auch die Schlussformel:\nüberwiegend vorkommt, dagegen die der Sarabanden und\nMazurken:\nimmer, wie sehr\nauch neuerdings abgenutzt, etwas Stossiges, Uebarraschen-\ndes hat. Die menschliche Hand folgt unwillkürlich demsel-\nben Gesetze, indem beim Tactiren das mittlere Glied am\nschwächsten geschlagen wird. Auch wer ein Dreieck aus\nfreier Hand rasch hinzeichnet in einem Zuge A, wird,\nwo er auch beginne was in sechs verschiedenen Ansätzen\ngeschehen kann —, immer dem dritten Striche ein leises\nUebergewicht geben.\nDie Böckh'sche Theorie des Tripel-Rhythmus beruht\nauf der Ansicht, alles Triplirte für irrational zu erklä-\nren, weil es freilich der einfachsten ratio des elementaren\nRhythmus oder des absolut gleichgewichtigen Pendel-\nschwunges widerspricht. Dabei ist nur übersehen, dass\nsowohl das Dreieck in der ebenen Zeichnung, als die Ver-\nbindung dreier Glieder in der Architektur vollkommen\nrhythmisch und symmetrisch erscheint und auch so gefühlt\nwird, ungeachtet sie über das gemeine Grundmaass der\nZwei hinausgehen. Die mittelalterlichen Rhythmiker er-\nkannten aber in der Drei als Abbild der divina trinitas,\neine höhere rhythmische Ordnung und benannten diese\nmystische Schönheit des Ebenmaasses Numerus perfecüis,\nzum Gegensatz des Duplirten, des Numerus imper-\nfec'tus. Dass das Dreieck eine eben so wohlgebildete Crea-\nlur sei, wie das Quadrat, und die Pyramide neben dem\nWürfel zu den vollkommensten Körpern gehöre, erkannte\nschon die alte Mathematik; nirgend wird dabei dem Prin-\neip der Drei ein Mangel der Irrationalität angeheftet. Dass\ndie Drei zur Zwei irrational ist, verschlägt nichts; wo es\nnöthig ist, sie in Wechselwirkung zu stellen, muss es durch\nMultiplication und Division geschehe«'.\nBei allem Bisherigen ist, wie gesagt, die moderne\nMusik zu Grunde gelegt, welche Rhythmus und Accent\nursprünglich vereinigt denkt, so dass das rhythmisch schwer"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.2", "texte": "wiegende Glied zugleich das raeist betonte ist. Wo Rhyth-\nmus und Accent einander widersprechen, da wird es vom\nmodernen Gehör als Widerspruch gefühlt und erkannt;\nso in der Auber'schen Melodie:\nso sehr, dass bei zu lang fortgeführter gleicher Figur der\nRhythmus umzuschlagen scheint in:\nAus diesen und unzähligen sonstigen Beispielen, na-\nmentlich der modernen Schumann'schen Synkopen u. dgl.,\nist zu ersehen, wie sehr wir gewohnt sind, Rhythmus, Me-\ntrum und Accent als Eines oder innig Geeintes zu ver-\nstehen, was zwar zeitweilig in logischer oder grammati-\nscher Anwendung aus einander gehen mag, aber selbst in\ndieser vorübergehenden Zwiespältigkeit seine ursprüngliche\nZusammengehörigkeit bezeugt. Wäre die Synkope nicht\ngegen die Natur-Einheit von Ton und Gewicht, wo bliebe\nder Effect bei Chopin, Liszt und Schumann? wo bliebe die\n„Vergeistigung des Rhythmus\", der sich über die gemeine\nNatur der rationalen Messung erheben soll, um Ungemei-\nnes auszusagen?\nAuch die Hauptmann'sche Auffassung beruht auf dem\nGrundsatze der nicht accentlosen, sondern stetig accentuir-\nten Rhythmik; einflussreich ist dies namentlich bei den\nscharfsinnigen Erörterungen über den rhythmischen Schluss\n(294), die Katalexis (358), die ungleichzeitige Gliederung\n(323*]). Die grundlegende Beschreibung geht aus von\ndem natürlichen oder ursprünglichen Accent derDyas,\ndes Pendelschwunges, des reinen Gegensatzes der Zweiheit\n1 : 1. Demnach ist das Ursprüngliche, dass „das erste\nZeitmornent gegen sein Zweites die Energie des Anfangs\nund damit den metrischen Accent\" behaupte; so Haupt-\nmann 241, 31 nach Vorgang der Theorie Gottfr. Her-\nmann' s. Daraus folgt aber nicht, dass jedes Vorangehende\njedes Nachfolgenden Erstes oder Zeugendes sei. Vielmehr\nist in der rhythmischen Trias das Erste des Zweiten und\n*] Dort wird übrigens bei der Betrachtung des ersten Allegro\nder siebenten Sinfonie:\nS. 325, be-\nhauptet, dass ~eine gleich-dreitlieilige Gliederung der Tactes-\nliälfte, anstatt der unglcicli-zweitheiligen oder mit dieser ver-\nbunden, im ganzen langen Satze nicht einmal vorkomme''. Das\nist uns unklar; es kommen ja allerdings solche Gliederungen\nvor:\nund das fünfmalige:\nDritten Vater, wo dann das niedere Gleichmaass sich er-\n•\nhebt zu höherem Ebenmaasse. Die später folgende Auf-\nzählung der sämmtlichen Fälle verschiedener Accentuation\nzeigt allerdings das Mögliche: davon aber ist der geringste\nTheil das wirklich Gebräuchliche; in der Accent-Ta-\n*\nbelle S. 278 ist eine, die fünfte Form:\ndie in unserer Musik vorzüglich beliebte; in der metrischen\nErfüllungs-Tabelle S. 300 sind von den zwölf aufgezähl-\nten Formen nur die Hälfte in gewöhnlichem Gebrauch:\nunter denen wiederum 1, 3, 6 rhythmisch zusammenfal-\nlen, 2 und 5 unsere Ansicht bestätigen. Die andere Hälfte\nzeigt abnorme synkoptische Formen 1, 2, 5; von den\nübrigen ist 3 rhythmisch mit 1 verwandt, 4 und 6 wohl\nnur relativ möglich, d. h. im auftactigen Verhältnisse.\n[Doch vgl. Beethoven's Eroica, erstes Allegro.]\n\nAus Kassel.\n(Abonnements-Concerte des Hof-Orchesters; Wallen-\nstein, Lauterbach, von Bli low, Laub, Is. Seiss. Char-\nfreitags- und Gesangvereins-Concerte. Oper.)\nDen 1ß. Mai 1863.\nUnser Musikleben ist auf die erfreulichste Weise in\nregem Zunehmen. Wenn in früheren Jahren die Oper vor-\nherrschend das Publicum anzog, so ist gegenwärtig die\nTheilnahme an den Concerten dermassen im Wachsen be-\ngriffen, dass schon in voriger Saison und bei Beginn der\njetzt abgelaufenen wiederum Hunderte von Meldungen\nzum Abonnement abgewiesen werden mussten. Wir ver-\ndanken diesen ausserordentlichen Aufschwung nicht nur\nder Trefflichkeit, sondern auch dem regen Kunstsinne un-\nseres Orchesters und seines ausgezeichneten Dirigenten,\nHerrn Capellmeisters Karl Reiss; denn man findet nicht\noft, dass eine für die Oper stark beschäftigte Hoftheater-\nCapelle noch mit Liebe und Lust sechs Abonnements-Con-\ncerte im Winter gibt. Eine Uebersicht der Programme\n(im Auszuge) wird am besten den Geist kennzeichnen, in\nwelchem diese Concerte geleitet werden.\nDas erste Concert brachte Mendelssohn's Ouver-\ntüre „Meeresstille und glückliche Fahrt\", Clavier-Concert\nin ZT von Hummel (Martin Wallenstein aus Frankfurt\nam Main), Spohr's Notturno für Blas-Instrumente, Mo-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.3", "texte": "zart's Sinfonie in C-dur(mit der Schlussfuge). In Herrn\nWallenstein lernten wir einen jungen Pianisten von\nBedeutung kennen. Sein Anschlag ist sehr elastisch, seine\nTechnik eine nahezu vollendete, seine Auffassungsweise\neine durchaus gediegene. Es wurde dem jungen Künstler\nmit vollem Rechte der wärmste Beifall zu Theil.\nDas zweite Concert führte uns in Herrn Lauterbach\neinen mit den seltensten Eigenschaften begabten Violinisten\nzu. Namentlich entzückte sein Vortrag des Spohr'schen\nD-moll-Concertes, welcher sich durch edeln, wenn auch\nnicht sehr grossen Ton, Glätte der technischen Ausführung\nund grosse Wärme des Vortrages auszeichnete. Dem treff-\nlichen Künstler wurde mehrmaliger stürmischer Hervorruf\nzu Theil. Die als Novität den Abend einleitende Rietz'-\nsche Lustspiel-Ouverture wollte nicht recht ansprechen,\ndagegen machte die grosse Furien-Scene aus Gluck's\nOrpheus (mit Frau Hem pe l - Kr istinus) einen gewalti-\ngen Eindruck, den Beethoven's Sinfonia eroica noch\nsteigerte.\nDie interessantesten Nummern des dritten Concertes\nwaren zweifellos Schumann's Manfred-Ouverture und\nSchubert's Octett (zum ersten Male), um dessen treff-\nliche Ausführung sich Herr Concertmeister Wipplinger\nund die übrigen Herren Mitwirkenden ein grosses Verdienst\nerwarben. Das Werk fand eine seinem hohen Werthe,\nso wie der würdigen Wiedergabe entsprechende warme\nAufnahme. Spohr's Sinfonie Nr. 2 in D-moll beschloss\nden Abend.\nDas vierte Concert brachte eine Faust-Ouverture von\nRichard Wagner (neu); Clavier-Concert (Es-dar) von\nL. van Beethoven, vorgetragen von Herrn Hans von\nBülow; „Les Preludes\", symphonische Dichtung von Fr.\nLiszt (zum ersten Male); Gesänge für Frauenstimmen\n(„Fingal\", „Der Gärtner\") mit Begleitung der Harfe und\nzweier Waldhörner von Job. Brahms (zum ersten Male);\nCapriccio über Motive aus Beethoven's „Ruinen von\nAthen\" für Pianoforte und Orchester von Fr. Liszt (von\nBülow) und Don Juan-Phantasie für Pianoforte von Fr.\nLiszt (von Bülow). Herr von Bülow documentirte sich\nauch in diesem Jahre wieder als Pianist ersten Ranges,\ndessen Vielseitigkeit, abgesehen von jeder Parteirichtung,\njedem unparteiischen Musiker die höchste Achtung abge-\nwinnt. Sein Vortrag des Beethoven'schen ük-efer-Concertes\nwar, liesse sich auch über die Auffassungsweise hin und\nwieder mit ihm rechten, doch in jeder Beziehung ein un-\ngewöhnlicher. Vollendete Technik, Kraft und hohes Ver-\nständniss finden sich bei diesem Künstler wie bei wenigen\nvereint; doch liesse sich seinem Vortrage etwas mehr\nWTärme wünschen. Herr von Bülow wurde lebhaft empfan-\ngen und mehrere Male stürmisch gerufen. Die erste Novi-\ntät des Abends, Wagner s Faust-Ouverture, wurde trotz\nsorgfältigster Vorbereitung und Ausführung von dem Pu-\nblicum mit Schweigen aufgenommen, wogegen Liszt's\nPreludes, in welchen das melodiöse Element allerdings\nprägnanter vertreten ist, bei sehr feuriger Ausführung mit\nlebhaftem Beifalle aufgenommen wurden. Ferner wurde\nden Brahms'schen Gesängen eine überaus warme Auf-\nnahme zu Theil; der zweite, „Der Gärtner\", musste sogar\nauf anhaltendes Begehren wiederholt werden.\nDie Perle des Programms vom fünften Concerte war\nBeethoven's Violin-Concert, dessen Vortrag durch\nLaub ein in jeder Hinsicht meisterhafter war. Nächst\nJoachim dürfte wohl Laub der würdigste Interpret dieses\nEdelsteins unter den Violin-Concerlen sein. Seine vollen-\ndete Technik, sein grosser Ton sind wie geschaffen zum\nVortrage dieses Werkes, mit welchem denn auch der treff-\nliche Künstler den seltensten Erfolg errang. Er spielte\nausserdem noch sein Rondo sLachner's grosse\nOrchester-Suite erregte allgemeines Interesse und fand na-\nmentlich in ihren letzten Sätzen (Variationen, Marsch und\nFuge) den durchgreifendsten Erfolg.\nIm sechsten nnd letzten Abonnements-Concerte hörten\nwir das Clavier-Concert (Es-dur)von C. M. von Weber,\nvorgetragen von Herrn Isidor.Seiss aus Köln; eine\nPhantasie für die Harfe von Parish Alvars, vorgetragen\nvon Herrn Gerstenberger, Mitglied der Hofcapelle;\n„Lucia\"-Phantasie für Pianoforte von Fr. Liszt, vorge-\ntragen von Herrn J. Seiss; Finale aus der Oper „Loreley\"\nvon Mendelssohn-Bartholdy (Fräulein Bauer); zum\nSchluss Sinfonie Nr. 5 (C-moll)von Beethoven. Herr\nSeiss führte sich namentlich in technischer Hinsicht als\nrecht achtungswerthen Pianisten bei uns ein und errang\nbesonders mit dem in vieler Hinsicht interessanten, wenn\nauch nicht durchaus schönen Weber'schen Concerte einen\nehrenvollen Erfolg. Die zweite Piece schien mehr an der\nWahl, als an der Durchführung zu scheitern. Das seit\nsechs Jahren nicht mehr zur Aufführung gekommene Lo-\nreley-Finale fand wiederum die günstigste Aufnahme,\nwelche auch gerechter Maassen der trefflichen Ausführung\nSeitens unserer dermaligen noch jugendlichen, aber sehr\ntalentvollen und stimmbegabten Prima-Donna, Fräulein\nBauer, galt. Einen wahren Enthusiasmus aber erregte\nBeethoven's C-woß-Sinfonie, deren Ausführung auch die-\njenigen Kenner, die einen strengeren Maassstab als das Pu-\nblicum an musicalische Leistungen zu legen pllegen, im\nvollsten Maasse befriedigte. Nach Beendigung der Sinfonie\nwurde Herrn Capellmeister Reiss zweimaliger stürmischer\nHervorruf zu Theil, der den Dank des Publicums auf die\nlebhafteste und ehrenvollste Weise bekundete.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.4", "texte": "Das diesmalige Clia rfreita gs-Concer t der Hof-\ncapelle in Verbindung mit den Gesangvereinen brachte\nSpohr's Oratorium „Des Heilands letzte Stunden\", wel-\nchem ein sehr zahlreiches Publicum mit Andacht lauschte.\nDie Aufführung war, einige schwankende Choreinsätze ab-\ngerechnet, eine recht gute. Die Solisten gehörten sämmt-\nlich der Hofbühne an, eine junge Dilettantin, Fräulein\nBuchheim, welche die Alt-Partie recht befriedigend\nsang, ausgenommen. Die übrigen Partieen hatten Fräulein\nBauer und die Herren Bau mann, Garso, Schulze,\nBorkowski übernommen.\nAusserdem fanden noch zwei Concerte des von Herrn\nReiss geleiteten Gesangvereins Statt, deren erstes ein ge-\nmischtes Programm kleinerer Compositionen von Mozart,\nHauptmann, Spohr, Mendelssohn und Schumann halte,\ndas zweite Haydn's seit zwölf Jahren hier nicht mehr ge-\nhörte „Schöpfung\" in wohlgelungenster Aufführung\nbrachte.\nDie Oper hat neuerdings in dem trefflichen Bassisten\nLindemann vom Hoftheater in München eipe glänzende\nAcquisition gemacht. Derselbe hat sich als Sänger und\nL)arsteller bereits als Figaro, Cardinal in der „Jüdin\",\nSarastro so eindrucksvoll bei uns eingeführt, dass er schon\nnach wenigen Wochen zu den erklärtesten Lieblingen des\nPublicums zählt. Ueber die Thätigkeit der Hof-Opern-\nbühne theile ich Ihnen eine Uebersicht der seit dem 1.\nAugust v. J. zur Aufführung gekommenen Opern mit:\nMozart: Don Juan, Zauberflöte, Figaro's Hochzeit, Ent-\nführung aus dem Serail, Schauspiel-Director. Beethoven:\nFidelio. Weber: Freischütz, Oberon. Spohr: Jessonda.\nMarschner: Hans Heiüng. Kreutzer: Nachtlager in Gra-\nnada. Mehul: Joseph in Aegypten. Wagner: Tannhäuser.\nLortzing: Czaar und Zimmermann, Undine. Isouard:\nAschenbrödel. Boieldieu: Weisse Dame, Johann von Paris.\nHerold: Zampa. Flotow: Martha. Auber: Carlo Broschi,\nFra Diavolo, Kron-Diamanten. Adam: Brauer von Preston.\nMeyerbeer: Robert der Teufel, Hugenotten. Halevy: Jüdin.\nRossini: Teil, Barbier von Sevilla. Bellini: Norma, Nacht-\nwandlerin. Donizetti: Regimentstochter, Liebestrank, Lucie\nvon Lammermoor. Oli'enbach: Orpheus in der Unterwelt.\n\nAus Regensburg.\nDell J2. Mai 1863.\nMit Dinstag den 5. Mai hat die zweite Abtheilung der\nhiesigen Concert-Saison abgeschlossen. Sie gestatten mir\nwohl in gewohnter freundlicher Weise, einen Rückblick\ndarauf zu werfen.\nDtr Musik verein gab in seinem zweiten grossen\nConcerte die Ouvertüre zur „Vestalin\" von Spontini. Sie\nwurde gut durchgeführt, nur ervviesen sich die Celli als\nzu wenig zahlreich, abgesehen von der schwachen Ausfüh-\nrung der vorherrschenden charakteristischen Aufschlag-\nFigur. An Einzel-Vorträgen brachte das Programm unter\nAnderem zwei Lieder, welche für ein grösseres Concert\nin künstlerischer Beziehung gar zu unschuldig waren, noch\ndazu mit Begleitung des Claviers. Wenn ein Orchester bei-\nsammen ist, verdiente es jedenfalls grösseren Dank, eine\noder die andere von den weniger zugänglichen Perlen der\nOpern-, Oratorien-, Concert-Musik vorzuführen. Ich lasse\ndem Liedvortrage sein ganzes Recht, aber ich tadle, wenn\ndie sich so ungebührlich breitmachende Salonmusik auch\ndas grosse Concert beherrschen möchte. Den Schluss bil-\ndete die C-moll-Sinfonie von Beethoven. Die Ausführung\nselbst bot dem Aufmerksamen, im Vergleich mit der vor-\njährigen, ein besonderes Interesse dar. Während sich Herr\nGraf du Moulin, der sie damals dirigirte, ganz den leipzi-\nger Gewohnheiten accomodirte, liess Herr Capellmeister\nZwicker sich bei aller ihm eigenthümlichen Originalität\nder Auffassung vom Geiste der Zeitgenossen Beethoven's\nleiten, wohl nach dem unbestreitbaren Grundsatze, dass\ndas Wasser an der Quelle am reinsten fliesse. Sie zündete\nübrigens in allen Zuhörern und rief einen vom Dirigenten\nund Orchester wohlverdienten Beifallssturm hervor. Den-\nnoch wäre die Wahl einer seltener oder noch gar nicht\ngehörten Sinfonie des Meisters vorzuziehen gewesen.\nDer Orchester-Verein hatte am Palmsonntage sein\nzweites Concert. Die Ouvertüre zu Oberon von Weber\nund die D-cfer-Sinfonie von Mozart bildeten den orchestra-\nlen Theil. Ausserdem sang Fräulein Böttger mit überra-\nschender Bravour die bekannte Variationen-Arie aus Ros-\nsini's Cenerentola und wurde zwei Mal stürmisch gerufen.\nDas Concert wurde diesmal im Theater gehalten, nach-\ndem die Bühne zum Orchester gemacht worden war, wo-\ndurch bei den gewöhnlichen Eintrittspreisen die Theilnahme\nauch dem nicht Bemittelten erreichbar ist. Die Durchfüh-\nrung der Piöcen war eine ausgezeichnete.\nAm 17. März fand die Aufführung der „Schöpfung\"\n\\on Haydn Statt. Frau Dr. Stöhr bewährte sich als tüch-\ntige Sängerin in den Partieen des Gabriel und der Eva;\ndass die letztere keine eigene Vertreterin gefunden, ist son-\nderbar, da es doch der Gesangskräfte hier genug gibt.\nHerr Fränkl sang die Tenor-Partie. Wie unendlich viel\nmehr wäre die kostbare Stimme dieses Herrn werth, wenn\ndie geistige Auffassung in gleicher Weise Hand in Hand\ndamit ginge! Herr Wagner hatte erst in letzter Stunde\nzu seiner Partie (Adam) den Raphael hinzunehmen müssen.\nWar sonach die Besetzung der Gesangs-Partieen schon\neine Unregelmässigkeit, so gestaltete sich die ganze Auf-\nführung zu einer für den strengen Musiker vielfach unbe-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.5", "texte": "friedigenden. Die Chöre schlugen zu wenig zusammen, die\nI ext-Aussprache liess viel zu wünschen, ein bisweiliges\nSchwanken und Schweben störte den ruhigen Genuss des\nWerkes. Das Orchester leistete, was eben nach einer\nProbe zu leisten war. Mir scheint, es seien diesmal die mu-\nsicalischen Krälte llegensburgs, die allerdings mit Recht\nanzuerkennen sind, überschätzt worden.\nNun zu den Privat-Concerten! Die erste Stelle\nunter ihnen nimmt ohne Zweifel das letzte, am 5. Mai ab-\ngehaltene Concert des herzoglich meiningen'schen Kam-\nmersängers Herrn Viala ein. Schon die durchweg künst-\nlerische Bildung seiner Gattin, Frau Viala-Mittermeyer,\nvon den vortrefflichen Leistungen des Concertgebers ganz\nabgesehen, berechtigt zu dieser Bevorzugung. Auch das ist\nlobenswerth, dass Herr Viala die hiesigen Gesangskräfte\nzur Aufführung der ergreifenden Nils Gade'schen Ballade\n„Erlkönigs Töchterlein\" vereinigte. Derartige in Virtuosen-\nConcerten seltene Veranstaltungen würden vom Publicum\nfreudiger begrüsst werden, wenn sie häufiger wären. Wie\nkann von den Musikern, wie sie eben zumeist sind, geklagt\nwerden über Ungeschmack des Publicums an Classischem,\nVortrefflichem, Grossem, wenn sie, wie es oft der Fall ist,\nselbst dasselbe nur gezwungen produciren? Wie dürfen\nsie sich wundern, wenn die Leute die Musik eben vielfach\nnur als Staffage anderweitigen Sinnengenusses nehmen,\nwenn sie, die Ausübenden, in ihr oft nichts Anderes als\neine Magd sehen, die ihnen den Haushalt besorgen muss?\nHerr Parkheer aus Detmold errang durch den voll-\nendeten Vortrag eines Violin-Concertes von Viotti und einer\nComposition von J. S. Bach begeisterten Beifall. Ein stark\nbesuchtes Concert gab Herr Karl Oberthür, Harfenist\nder Herzogin von Nassau; er bewährte sich als Meister\nauf diesem in Deutschland so selten cultivirten Instrumente.\nEr trug nur Stücke eigener Composition vor, die besser\nwaren, als was man gewöhnlich in Harfen-Concerten zu\nhören bekommt.\nVon anderen Concerten erwähne ich noch das dritte\nkleinere des Musikvereins. Neben dem sehr gut gespielten\nQuintett für Ciavier und Blas-Instrumente von Mozart kam\ndas Trio in D-mollvon Mendelssohn zum Vortrage, jedoch\nohne besonderen Erfolg. Ausserdem sang Fräulein Poyet,\nwelche ohne allen Widerspruch auf der Höhe der Gesangs-\nkunst steht, ein Lied im Volkstone von Capellmeister\nZwicker, das ich als höchst originel rühmen muss. Ueber-\nhaupt halte ich es für Pflicht, die gründliche musicalische\nBildung dieses zu wenig bekannten Mannes zu betonen.\nZu seinen besseren Compositionen, die jedem Verlage zur\nZierde gereichen würden, zähle ich ausser seinen Liedern\nfür Alt und für Sopran und Kleinigkeiten für Ciavier seine\nOrgelstücke, darunter prächtige Fugen, sein Duo für\n-m\nCiavier und Violine und sein Oratorium „Job\" für Män-\nnerstimmen und Orchester.\nIn Bezug auf die hiesige Oper ist zu erwähnen, dass\nFräulein Mutzell, eine erst siebenzehnjährige Dame, sich\nals Irene im Beiisar, als Marie im Waffenschmied, als\nAnna in den lustigen Weibern durch ihre sympathische\nStimme und durch geistige Auffassung, so wie durch rei-\nzendes Spiel im Sturm alle Herzen erobert hat. Es ist nur\nzu wünschen, dass dieser überraschende Erfolg für die\nliebenswürdige Dame ein Sporn zu stets ernsterem Studium\nwerde. Abgetreten ist leider Fräulein Böttger, die mit\nseltener Virtuosität jene geistige Vertiefung vereinigt,\nwelche einer schönen Stimme und guten Schule erst den\nrechten Werth gibt.\nSchliesslich noch die Nachricht, dass von der\ndivina des verstorbenen Canonicus Dr. Proske der von\nihm noch ganz druckfertig hinterlassene vierte Band, Lita-\nneien, Antiphonen, Lamentationen u. s. w. enthaltend, bei\nPustet erschienen ist und sonach ein ganzer Jahrgang\ndes Kirchenjahres vorliegt. Dr. D. Mettenleiter.\n\nAus Wiesbaden.\n(Kammermusik.)\nGar viele Tonnen Wassers sind an Kölns ehrwürdiger\nKathedrale vorübergerauscht, ohne dass Sie ein Brieflein\nvon Ihrem mittlerweile flüchtig gewesenen Referenten aus\nNassau's Capitale ans linke Ufer gelandet hätten. Das\nschwere Unrecht zu sühnen, das er verbrochen an so mu-\nsicalischen Landen, stellt sich heute der Fahnenflüchtige.\nMeine Schritte südwärts wendend, verliess ich im\nHerbste 1861 unser deutsches Nizza, um auch einmal das\nitalische anzuschauen, jenes Nizza, wo Paganini, Halevy\nund eine Rachel ihr irdisches Lebensziel fanden. Ausser\nden Gräbern so grosser Todten steht dort auch die Wiege\neines grossen Kämpfers für Wahrheit im Leben (wenn auch\nnicht für Wahrheit in der Tonkunst), Guiseppe Garibaldi s\nGeburtshaus. Doch es ist ja nicht der Zweck dieser Zeilen,\nIhren Lesern von dem in Italien und Frankreich Gehörten\nund Gesehenen zu erzählen, wiewohl ich nicht „verschlosse-\nnen Ohres und Auges, ihre Wunder nicht zu schauen\",\nItaliens holde Auen durchzog. Wenden wir uns daher zu\ndem näher Gelegenen, zunächst zu unserem Kammer-\nmusik-Verein.\nIm Jahre 1854 den 1. Februar rief Herr Capellmei-\nster Hagen dahier Quartett-Soireen ins Leben (s. Niederrh.\nMusik-Zeitung, Nr. 7, vom 18. Februar 1854). Das da-\nmalige Quartett bildeten Herr Concertmeister Frisch (Vio-\nline I.), Herr Concertmeister Fischer (Violine II.), Herr"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.6", "texte": "Capeilmeister Hagen (Viola) und Herr Grimm (Violoncell).\nIn meinem Berichte in Nr. 1 vom 5. Januar 1856 figurirt\nschon an Stelle des mit Tod abgegangenen Concertmeisters\nFrisch eine frische Kraft: der hieher berufene Concertmei-\nster Baldenecker, Anführer der Geigen im Theater-Orche-\nster. Im Jahre 1858 bestand das Quartett aus den Herren\nBaldenecker, Scholle (Violine), Grimm und Weyner, da\nHerr Hagen als Capeilmeister des Theaters und Leiter der\nCäcilien-Vereins-Concerte zu sehr in Anspruch genommen\nund Herr Fischer gleichzeitig aus dem Quartette wie aus\ndem Verbände des Theater-Orchesters ausgeschieden war.\nIn Nr. 34 vom 20. August 1859 finden wir das Quartett\naus den Herren Baldenecker (I. Violine), Scholle (11. Vio-\nline), Wagner (Viola) und Grimm (Violoncello) bestehend.\nMit vorletztem Winter ist nun Herr Grimm zum Bedauern\nder Musikfreunde aus dieser Quadrupel-Allianz geschieden.\nAuf seinem Stuhle erblickten wir, ohne Grimm indess,\neinen Herrn Fuchs als Nachfolger desselben.\nVon diesem Quartette wurden während dieses Win-\nters neun Soireen für Kammermusik veranstaltet, in wel-\nchen Meisterwerke für Geigen-Quartett von Haydn [A-\ndur, B-dur, G-dur, D-moll, C-dur, Kaiser Franz), Mo-\nzart (D-dur Nr. 10, G-dur, C-dur, A-dur, Es-dur und\nQuintett in C-dur), Beethoven (.F-dur Op. 18, F-moll,\nG-dur, Es-dur, A-dur, F-dur Op. 59), Schubert {Es-\ndur, D-moll), Spohr (A-moll Op. 74), Onslow [F-moll)\nzur Aufführung kamen; ferner ein Sextett für 2 Violi-\nnen, 2 Bratschen, Violoncell und Contrabass von Dr. Alovs\nj\nSchmitt in der achten Sitzung, in welcher der ehrwür-\ndige greise Componist anwesend war.\nAusser diesen kam von Musik für Pianoforte,\nwelches Herr Bonewitz vertrat, vor: Sonaten von Beet-\nhoven Op. 53 und 26, Quintett in Es-dur von R. Schu-\nmann, Trio in B-dur Op. 99 von F. Schubert und\ndas Septett von Hummel.\nDie Werke kamen im Ganzen zu würdiger Ausfüh-\nrung, wenn auch nicht in fortgeschrittener Weise, zum\nVortrage. Die Nummern dieser Blätter aus den oben an-\ngeführten Jahren geben Zeugniss, mit welcher Liebe und\nVerehrung die Leistungen des hiesigen Quartetts stets\nbesprochen worden sind. Es ist mir aber nicht möglich,\nin gleich lobender Weise fortzufahren. Die vorhanden ge-\nwesene Einheit im Spiel und Feinheit im Ausdruck wird\nhoffentlich wieder zurückkehren.\n(Schluss folgt.)\n\nArabische Musik.\nWir haben in Nr. 42vom Jahrgange 1861 und in\nNr. 25 von 1862 auf eine Schrift über arabische Musik\naufmerksam gemacht, welche uns gegenwärtig unter fol-\ngendem Titel vorliegt:\nChristianowitsch, Alexandre, Esquisse historique\nde la Musique Arabe aux temps anciens avec des-\nsinsd'lnstruments et\nmonisees pur A. Chr. Cologne, Librairie de M.\nDuMont-Schauberg. 1863. (32 S. Folio Text,\nXXXXII S. Notendruck, 3 lithogr. Tafeln.)\nDas Werk, eine Pracht-Ausgabe von glänzender Aus-\nstattung, macht keine Ansprüche auf neue wissenschaft-\nliche Forschungen über die Musik der Araber, ist aber\nein interessanter Beitrag zur näheren Kenntniss der orien-\ntalischen Gesangweisen und der noch jetzt im Volke vor-\nhandenen Reste derselben. Herr Christianowitsch hat bei\neinem längeren Aufenthalte in Algier diese Melodieen nach\nder mündlichen Ueberlieferung aufgezeichnet, die ihm ein\narabischer Musiker, Hamud Ben Mustapha, der Freund\ndes alten Hamed Ben Hadsch Brahim, des Favoritsängers\nvon Hussein Pascha, dem letzten Dev von Algier, vermit-\ntelte. Bekanntlich gibt es in Algier Kaffeehäuser, wo die\nAraber und Mauren hingehen und die Musik hören, welche\ndort zwei oder drei Juden mit dem Rebab, der Kemangeh\nund der Derbuka machen und deren Inhalt National-Me-\nlodieen mit arger (Jeberkleidung und Verdunkelung durch\nallerlei Schnörkel sind. Als Hamud vernahm, dass der Ver-\nfasser ein solches Kaffeehaus besucht halte, lächelte er\nverächtlich und sagte: „Da kannst Du die alte Gesangweise\nnicht hören! Da singt der Jude, und Keiner von uns wird\neinen Juden darin unterrichten oder sie ihm auch nur\nvorsingen.\"\nDer historische Theii des Buches enthält kurze Bio-\ngraphieen einiger berühmter Sänger und Sängerinnen aus\nder Zeit der Khalifen, übersetzt aus dem Kitab el Aghani,\nwovon wir bereits einige Proben in Nr. 25 vom Jahre\n1862 den Lesern in deutscher Uebersetzung mitgetheilt\nhaben. In der Nachricht über den Sänger Mabed theilt\nder Verfasser die Melodie eines „Lahn\" mit, welche Ma-\nbed dem Khalifen El Walid vorgesungen, während dieser\nsich in Rosenwasser gebadet. Herr Christianowitsch hat\ndiese Melodie „glücklich entdeckt\"—wo? ist nicht gesagt.\nSie würde mithin aus der ersten Hälfte des achten Jahr-\nhunderts stammen; es ist folgende:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.7", "texte": "Der Text drückt eine Sehnsucht nach den Edlen, die der\nTod von uns getrennt hat, und eine Klage über die Ver-\ngänglichkeit alles Herrlichen, auch der Geliebten, aus.\n„Trennung füllt die Augen mit Thränen und raubt ihnen\nden Schlaf.\"\nDarauf folgt eine kurze Beschreibung von den vierzehn\nInstrumenten (meist nach Villoteau in der Description\nde l'Egypte), deren Abbildung die lithographirten Tafeln\ngeben. Eine Vollständigkeit lag auch hier nicht in der Ab-\nsicht des Verfassers, er beschreibt hauptsächlich die jetzt\nnoch in Algier gebräuchlichen; doch zeigen die Tafeln\neinige Instrumente mehr, als das Werk von Zamminer\n(„Die Musik und die musicalischen Instrumente\").\nDen Schluss bilden die vierzig Melodieen, welche\nerst einfach und dann harmonisirt (worüber wir nicht ins\nEinzelne gehen können und auch mit dem Verfasser nicht\nrechten wollen, da die Harmonisirung bei der ganzen Sache\ndas Unwesentliche und mehr auf Dilettanten berechnet ist)\ngegeben sind. Unter einer jeden ist der Text in einer fran-\nzösischen Uebersetzung (in Prosa) aus dem Arabischen mit-\ngetheilt. Die Melodieen scheinen reiner und einfacher wie-\ndergegeben zu sein, als ähnliche Beispiele in anderen Wer-\nken. Doch sind auch hier noch mehrmals Anfangs-Tacte\nda, die offenbar nur Vorspiele sind, nach denen die eigent-\nliche Gesangsweise erst beginnt. Neuere Componisten mö-\ngen hier leicht eines oder das andere eigentümliche Motiv\nfinden, das eine eben so glückliche Anwendung gestatten\nkönnte, wie* die Tanz-Melodie bei\nla musique, 1., S. 385:\nwelche C. M. von Weber im letzten Finale des „Oberon\"\nso trefflich benutzt hat. Auch hat sie offenbar auf den\nCharakter des Rhvthmus im Wächterchor des ersten Fi-\n%)\nnale und im Anfangschor des zweiten Actes Einfluss gehabt.\nAuf Seite XX bei Christianowitsch befindet sich auch\neine Melodie, welche nach seiner Angabe eine auffallende\nAehnlichkeit mit einem der ältesten russischen Gesänge,\nder Podbludnaia pesnia\", einem Weihnachtsliede, hat.\nWir erinnern uns, auch bei den donischen Kosaken in den\nJahren 1813 und 1814 Gesänge gehört zu haben, die\nim Rhythmus und in der einfachen Bewegung innerhalb\neiner Scala von drei bis vier Tönen eine grosse Aehnlich-\nkeit mit den arabischen Melodieen hatten.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nCamillo Sivori hat von dem Könige von Preussen den Kro-\nnen-Orden dritter Classe erhalten.\nHector Berlioz hat vom Fürsten von Hohenzollern-Hechingen\nin Löwenberg das Ehrenkreuz dritter Classe des fürstlich Hohen-\nzollern'schen Haus-Ordens erhalten.\nHans von Bülow erhielt vom Grossherzog von Mecklenburg-\nSchwerin für die demselben dedicirte Herausgahe und Bearbeitung\nausgewählter Clavier-Sonaten von Phil. Eman. Bach die grosse gol-\ndene Verdienst-Medaille für Kunst und Wissenschaft.\nDer Musik verein in Darm Stadt brachte in Verbindung mit\ndem Hoforchester Schumann's „Paradies und Periu zur Aufführung.\nFräulein Molnar und die Herren Gregor und Wolters hatten die\nSoli übernommen.\nEms« Unsere Curverwaltung tritt in die Fusstapfen Benazet's\nin Baden-Baden und bestellt sich ebenfalls in Paris komische Opern\nzur ersten Aufführung im Theater zu Ems. Diesen Sommer wird\nII Signor Fagotto von Nuitter und Offenbach, und Bob Boy von\nDeforges und Flotow gegeben werden— also von deutschen Com-\nponisten, aber Text und Theater-Personal französisch und pariser\npur sang.\nlieipzfg, im Mai. Einer vor kurzer Zeit bereits in die Oeffent-\nlichkeit gelangten Mittheilung zufolge ist durch freundliche Vermitt-\nlung des gelehrten Herrn Archivars Dr. Ennen in Köln dem Dr.\nOscar Paul Gelegenheit geboten worden, in der dortigen Raths-\nBibliothek Kenntniss von den musiealischen Antiquitäten zu nehmen,\nunter welchen ein lateinischer Codex aus dem zehnten Jahrhundert\naufgefunden wurde, der die Schriften des Benedictiner-Mönches Huc-\nbald (Hugbald Uchubald) aus St. Amand in Flandern (f 930)\nenthält. Die grosse Wichtigkeit dieser Schriften für die Musikge-\nschichte ist von den Historikern längst anerkannt, jedoch von kei-\nnem derselben bis jetzt ins rechte Licht gesetzt worden, wie über-\nhaupt die Musikgeschichte bis zum sechszehnten Jahrhundert hin\nnoch nie eine wahrheitsgemässe Darstellung in den lebenden Spra-\nchen erfahren, namentlich auch der Umstand nicht volle Beachtung\ngefunden hat, dass Hucbald und die späteren Theoretiker auf der\nSchrift rDe musicau von Boethius fussen. Der erwähnte Codex\nzeigt, dass die Schriften des Hucbald in Gerlrert's „Scriptores eccle-\nsiastici\" nur zum Theil und nicht selten in sinnentstellender Weise\nzum Abdruck gelangt sind. Seine Bedeutung als Quellen werk für\ndie Musikgeschichte ist somit ungemein hoch anzuschlagen. Den\nSchriften des Hucbald selbst steht die ganze Schrift rDe musica\"\ndes Boethius voran. Um die Schönheit und Genauigkeit in der An-\nfertigung dieses Codex, dessen Inhalt in einem später erscheinen-\nden Werke ausführlich gegeben und besprochen werden wird, vor-\nläufig darzuthun, sind einige Tabellen daraus facsimilirt und abge-\ndruckt worden. Dieselben liegen gegenwärtig in der Verlagshand-\nlung und ..Leihanstalt für musicalische Literatur\" von Alfred\nDörffel in Leipzig (Petersstrasse, im grossen Reiter) zur An-\nsicht aus und können auf Verlangen auch nach auswärts leihweise\nbezogen werden,\nBremen, 17. Mai. Unser trefflicher Gesangverein, unter Lei-\ntung des Musik-Directors Engel, brachte gestern Abend die ~Lorel-\nend ,.Die Nacht\" von Ferd. Hiller in sehr gelungener Weise\nzur Ausführung. Beide Werke wurden mit grossem Beifalle aufge-\nnommen, und mau telegraphirte dem Componisten das jubelnde Le-\nbehoch, welches die Mitglieder des Vereins ihm in freudiger Ange-\nregtheit gebracht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630523-01.1.8", "texte": "Zofillgen (in der Schweiz), Kürzlich wurde hier eine L hland-\nFeier begangen. Die Eröffnung bildete: ~Das ist der Tag des Herrn\",\ncomponirt von Kreutzer. I. Theil: Vortrag über Uhland's Leben und\nWerke von Alb. Schumann, Lehrer der Bezirksschule, mit darauf\nBezug habenden Zwischengesängen und Declamationen, vorgetragen\nvon Schülern der Bezirksschule. 11. Theil: ~Des Sängers FluchCk,\nbearbeitet nach Uhland von Rieh. Pohl, componirt von Robert Schu-\nmann j unter Leitung des städtischen Musik-Directors Herrn Eugen\nPetzold. Der Saal war von Zuhörern überfüllt. Der Ertrag wurde als\nBeitrag zur Errichtung eines Uhland-Denkmals in Tübingen bestimmt.\nIm letzten Abonnements-Concerte kamen hierselbst unter Ande-\nrem Ouvertüre triompliale von H. Stiehl und ..Lorelei*' von Ferd.\nHiller zur Aufführung. Die Concerte dürfen überhaupt in der Aus-\nführung als sehr gelungen bezeichnet werden»\nDer Chormeister der wiener Sing-Akademie, Herr Ferd. Steg-\nmayer, ist am 6. d. Mts., Nachts halb ein Uhr, plötzlich am Lun-\ngenblutsturze gestorben.\nParis« Donnerstag den 14. Mai ist der ausgezeichnete Pianist\nEmile Prüdent, erst 46 Jahre alt, an den Folgen der Bräune\nplötzlich gestorben. Er war den 3. April 1817 zu Angouleme gebo-\nren und kam im Alter von zehn Jahren nach Paris auf das Conser-\nvatorium in Zimmermanns Clavierclasse, wo er den ersten Preis\nerhielt. Er hatte in seiner Künstler-Laufbahn Anfangs mit vielen\nHindernissen zu kämpfen, und jetzt, wo er den Ruf des grössten\nClavierspielers unter den Franzosen der Gegenwart errungen hatte\nund die Früchte seiner Anstrengungen genoss, raffte ihn der Tod\nhinweg. Am Samstag fand ein Trauer-Gottesdienst für ihn in der\nKirche St. Vincent de Paul unter dem Zudrange einer grossen\ntrauernden Menge Statt.\nAm 23. Mai gibt Sivori im Saale Herz ein Concert zur Unter-\nstützung eines pensionirten Violinisten Morena, ehemals Mitglied der\nkaiserlichen Capelle.\nfjOlltloil* Der berühmte Volkslieder-Dichter und Componist\nCharles Glover ist gestorben. Man erzählt, dass eines seiner Lie-\nder: „Hans und Hannchenu, dem Verleger, dem er es einst schenkte,\n100,000 Francs eingebracht hat."}]}