{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-06-06-01", "volume": "bmtnabi_1863-06-06_01", "ocr_sha256": "02f699d793c4f6c1dc3d8b9e62c9755e31c846094edc477813ffe20bb5d22d61", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/06/06_01/bmtnabi_1863-06-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-06-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 456, "texte": "Inhalt.\nDas vierzigste niederrheinische Musikfest. I. - Aus Wiesbaden (Schluss: Cäcilien-Vereins-Concerte - Oner - Srha,,-\nspiel) Von W. W. - Franz Schubert und M. von Schwind. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Herr Asantschewsky -\nWiesbaden, Capellmeister Barwolf f Mainz, Theater-Vorstellungen Baden-Baden, Litolff's Oper „Narhal\", Rosenhain R. 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Unterbrechungen hatten äussere,\ntheils wirkliche, theils drohende Hindernisse in dem Jahre\n1831, dann 1848 —lB5O und zuletzt 1852 veranlasst;\nallein immer wieder erstand es von Neuem, getragen und\ngehoben von der Liebe zur Tonkunst und namentlich auch\nvon der Gesanglust, welche die gebildeten Classen der Be-\nvölkerung der rheinischen Lande auszeichnet. Denn die\nletztere, von der Natur durch Verleihung starker und wohl-\nlautender Stimmen hervorgerufen und begünstigt, erhält\nund fördert die Singvereine in allen Städten, und diese\nliefern den Musikfesten den zahlreichen und tüchtigen\nChor, welcher offenbar ihre Hauptbedingung und ihre\nHauptstütze ist. Der Sinn für Musik aber, und zwar für\ngute Musik, ist dermaassen am Rheine verbreitet und in\nalle Schichten des Volkes gedrungen, dass die zweite Haupt-\nbedingung zur Erhaltung der Musikfeste, die Deckung der\nbeträchtlichen Kosten derselben, stets auf das erfreulichste\nerfüllt wird, wie die steigende Theilnahme des Publicums\nbeweist, welche in diesem Jahre, erleichtert durch die von\nallen Seiten in Düsseldorf mündenden Eisenbahnen, alle\nbisherigen Erfahrungen weit übertroffen hat, so dass an\ndem dritten Tage noch Hunderte vergebens nach Eintritts-\nkarten verlangten.\nt . i '\nIn Düsseldorf selbst war die diesjährige Festfeier\ndie fünfzehnte. An den vierzehn früheren Festen wurden\ndort von grösseren classischen Werken aufgeführt: 1818,\n1. Fest, Haydn: „Jahreszeiten\" und „Schöpfung\". Diri-\ngent B urgmüller.—lB2o, 3. Fest, Händel: „Samson\";\nBeethoven: „Sinfonia eroica\". Burgmüller. 1822,\n5. Fest, Stadler: „Das befreite Jerusalem\" ; C. M. v. We-\nber: „Kampf und Sieg\"; Beethoven: Sinfonie IV. Burg-\nmüller. 1826, 9. best, Spohr: „Die letzten Dinge\":\nAuswahl aus dem „Messias\" von Händel; Ries: Sinfonie\nin D-dur. Spohr und F. Ries. 1830, 13. Fest, Han-\ndel: „Judas Maccabäus\"; Beethoven: „Christus am Oel-\nberge\" und Sinfonie V. F. Ries. —1833, 15. Fest, Hän-\ndel: „Israel in Aegypten\"; Wolff: „Oster-Cantale\"; Win-\nter: „Macht der Töne\"; Beethoven: Pastoral-Sinfonie. F.\nMendelssohn- Barl holdy (zum ersten Male am Rheine).\n1836, 18. Test, Mendelssohn: „Paulus\" (zum ersten\nMale); Händel: Psalm „0 preist den Herrn!\" Mozart:\n„Davidde penitente\"; Beethoven: IX.Sinfonie. Mendels-\nsohn.—1839,21. Fest, Händel: „Messias\"; Mendelssohn:\n42. Psalm; Beelhoven: Messe in C-dur und Sinfonie 111.\nMendelssohn und Rietz. 1842, 24. Fest, Händel:\n„Israel in Aegypten\"; J. Haydn: „Des Staubes eitle Sor-\ngen\"; C. M. v. Weber: „Aernle-Cantate\"; Mendelssohn:\nSinfonie-Cantate „Lobgesang\"; Beethoven: Sinfonie V.\nMendelssohn und Rietz. 1845, 27.. Fest, Händel:\n„Josua\"; Mozart: „Bequiem\"; Mendelssohn: „Walpurgis-\nnacht\" ; Beethoven: IX. Sinfonie. Rietz. —1853, 31.Fest,\nHändel: „Messias\"; Ferd%Hiller: Der 125. Psalm ; Gluck:\n„Alceste\" (Ouvertüre und I. Act); Rob. Schumann: Sin-\nfonie in D-moll;Beethoven: IX. Sinfonie. Hiller, Schu-\nmann, Tausch. 1855, 33. Fest, Jos. Haydn: „Die\nSchöpfung\"; Rob. Schumann: „Paradies und Peri\"; Ferd.\nHiller:Sinfonie in E-moll;Beethoven: Sinfonie V. F. Hil-\nler. (Jenny Goldschmidt-Lind.)— 1856. 34. Fest,\nMendelssohn: „Elias\"; Händel: „Das Alexanderfest\"; Schu-\nmann: „Adventslied\"; Beethoven: IX. Sinfonie. Rietz.—\n1860, 37. Fest, Händel: „Samson\"; F. Hiller: „\ner um\" (zum ersten Male); Gluck: Scenen aus „Iphigenia\naufTauris\"; Schumann: Sinfonie in B-dur; Beethoven:\nSinfonie VII. Hill er."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5135, "texte": "Von den Dirigenten dieser vierzehn düsseldorfer Feste\nsind Burgmüller, F. Bies, Spohr, Mendelssohn und Schu-\nmann bereits von der Erde abberufen.\nDie gegenwärtige musicalische Feier der Pfingsttage\nbrachte für den ersten Abend F. Mendelssoh n's\n„Elias\".\nDieses Oratorium ist auf dem niederrheinischen Mu-\nsikfeste überhaupt erst ein Mal gegeben worden, und\nDüsseldorf, wo Mendelssohn's „Paulus\" zum ersten Male\naufgeführt worden und von wo Mendelssohn's Ruf seinen\nAufschwung genommen, war es dem Andenken des gros-\nsen Tonmeisters, der zwei schöne Jahre seines Lebens und\nSchaffens hier zugebracht hat, vor den anderen Städten\nschuldig, auch seinem „Elias\", den er selbst für sein be-\nstes Werk hielt, noch eine Aufführung mit den zahlreichen\nund vortrefflichen Mitteln in Chor und Orchester, wie sie\nunsere Zeit jetzt besitzt und wie sie nur bei Musikfesten\nvereinigt werden können, zu widmen—zumal, da das Co-\nmite die Hoffnung hatte, die ausgezeichnetsten Gesanges-\nBerühmtheiten zur Verherrlichung der Ausführung mit-\nwirken zu sehen, und, nach dem Vorgange von Elberfeld,\nBarmen und Köln, eine Orgel in der Tonhalle aufzustel-\nlen beschloss, um die Macht und Erhabenheit der Klang-\nfülle nach den Absichten des Componisten vollständig zu\nerreichen.\nDie ausführenden Kräfte bildeten einen Chor von\n781 Sängerinnen und Sängern und 146 Instrumentalisten\n(57 Violinen, 22 Bratschen, 21 Violoncelle, 14 Contra-\nbässe und verdoppelte Blas-Instrumente), deren Aufstellung,\nbesonders im Chor, eine sehr gedrängte war; namentlich\nwaren die Tenöre und Bässe bis tief in die hintersten\nEcken gestellt, wo der Ton von den Dachbalken des Holz-\nbaues gedrückt wurde. Bei alledem gewährt dieser Bau,\naus dem jeder Tritt uns in blühende Gärten und unter\nherrliche Baumgänge versetzt, eine Annehmlichkeit für die\nFestgenossen, um welche die verbündeten Städte Aachen\nund Köln Düsseldorf beneiden müssen. Der Gesammtton\ndes Chors war vortrefflich.\nDas Orchester zählte vorzügliche Musiker unter den\nMitwirkenden; bei dem Geigen-Quartett Violinisten wie die\nHerren Blagrove aus London, Straus aus Frankfurt,\nBargheer aus Münster, Engels aus Mülheim a. d. R.,\nLanghans aus Hamburg, Peters aus Köln, Posse aus\nElberfeld, Seiss aus Barmen, F. und W. Wenigmann\naus Aachen; die Violoncellisten Job. Wenigmann aus\nAachen, Geul aus Dortrecht, Hankel aus Dessau, Jä-\nger aus Elberfeld; die Contrabässe trefflich angeführt von\nAd. Breuer aus Köln u. s. w. u. s. w. Indess erreichte\ndoch die Kraft und Fülle des Gesammttones der Streich-\nInstrumente nicht die Macht des Geigen-Quartetts auf dem\nvorjährigen Feste in Köln, das freilich selten so wieder\nzusammenkommen wird. Die Blas-Instrumente waren vor-\nzüglich, einige von ihnen ausgezeichnet, z. B. die erste\nFlöte, Oboe, Trompete.\nWie immer, so war auch jetzt das Fest zugleich ein\nVereinigungspunkt bedeutender Tonkünstler von nah und\nfern. Wir bemerkten unter Anderen Franz Lachner\naus München, Pasdeloup, Gouvv und Bosenhain\naus Paris, Soubre aus Lüttich, Verhülst und Hol aus\nBotterdam und Utrecht, F. Hiller, Bargiel, Breu-\nnung aus Köln, Grimm aus Münster, Wüllner aus\nAachen, Marpurg aus Mainz, Schornstein und van\nEyken aus Elberfeld, Wolff aus Crefeld, Brambach\nund Simrock aus Bonn, Breidenstein aus Dort-\nmund, Krause aus Barmen, Fiedler aus Cleve u. s. w.\nu. s. w.\nDer Abend des ersten Festtages war also der Auf-\nführung des „Elias\" von Mendelssohn gewidmet.\nDieses Werk führte der Meister zuerst auf dem Musik-\nfeste zu Birmingham in England—am 26. August 1846\nauf, wo es seitdem so hoch gehalten und so allgemein\nbeliebt ist, dass fast kein Musikfest auf Befriedigung des\nPublicums rechnen darf, wenn dieses Oratorium auf dem\nProgramme fehlt.\nIn Deutschland hatte das erste oratorische Werk Men-\ndelssohn's, sein „Paulus\", eine so lebhafte und nachhaltige\nBegeisterung erregt, dass der „Elias\" bei seiner Erschei-\nnung im Vaterlande nicht blogs mit dem Nachklange der-\nselben zu kämpfen hatte, sondern sie noch in voller Kraft\nfand, und selbst bis heute sind die Stimmen über den\nI\nWerth des zweiten im Verhältnisse zum ersten Werke\ngetheilt, indem man im Elias allerdings eine grössere Reife\ndes Musikers preist, im Paulus dagegen mehr Schwung\ndes Genies zu erkennen meint. Offenbar rührte, nament-\nlich in den ersten Jahren der Bekanntwerdung des „Elias\",\ndiese Verschiedenheit des Urtheils davon her, dass Men-\ndelssohn mit dem „Paulus\" eine neue Bahn gebrochen,\neinen grossen Fortschritt in der geistlichen Musik begrün-\ndet hatte (wenngleich dieser Fortschritt grossentheils in\neinem Zurückgreifen auf Bach und Händel seine Quelle\nfand), mit Einem Worte, dass der „Paulus\" den glänzend-\nsüsslichen und profan-pomphaften Stil der Oratorien der\nersten Jahrzehende unseres Jahrhunderts, die in Friedrich\nSchneider's in vieler Hinsicht schätzbarem „Weltgerichte\"\nihre Höhe erreicht hatten, in ihrem von der weltlichen\nMusik erborgten Schein erkennen liess, und dem Orato-\nrium, ohne die herrlichen Mittel der neueren Instrumen-\ntirung und der gewonnenen Ausdehnung der Formen zu\nverschmähen, den musicalischen Ausdruck gab oder wie-\ndergab, der seinem Inhalte allein angemessen ist. Dess-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5413, "texte": "halb war allerdings der „Paulus\" eine That; ein Unrecht\ngegen den Vollbringer dieser That war es aber, von ihm\ndurch seine zweite grosse Schöpfung eine zweite That\nzu erwarten oder gar zu verlangen. Dazu war Niemand\nberechtigt, und Mendelssohn selbst war glücklicher Weise\nin seiner Ueberzeugung von dem Wesen des Kunstwerkes\nso durchdrungen, dass er vor Maass- und Formlosigkeit\neben so sicher war, wie vor eitler Sucht, durch Unerhör-\ntes Aufsehen zu machen. Aber seine ganze künstlerische\nIndividualität prägte er in vollendeter Gestaltung dem\nneuen Werke, dem „Elias\", ein; denselben Geist der cha-\nrakteristischen Auffassung, dieselbe frische, ungeschwächte\nKraft der Erfindung und Ausführung, dieselbe Klarheit\nin Behandlung des Polyphonen und Massenhaften, densel-\nben richtigen Tact und feinen Sinn für das Schöne und\nEdle, der ihn eben so vor dem Trivialen, wie vor dem\nMisstönenden und Schneidenden bewahrt—dies alles fin-\nden wir eben so wie im „Paulus\" auch im „Elias\" wie-\nder und häufig in noch wirkungsvollerer Anwendung.\nSo fand denn auch das Werk an dem ersten Pfingst-\ntage eine begeisterte Aufnahme, welche die Lebensfähig-\nkeit desselben siegreich gegen die Verkleinerer Mendels-\nsohn's bekundete und die höhnische Vorhersagung eines\nKoryphäen der neuesten Schule, der bei der Nachricht von\nder Wahl desselben für «das Musikfest dem Vernehmen\nnach ausgerufen haben soll: „Das ist sehr gut, denn da-\nmit wird der Elias auf immer begraben werden\", zu Schan-\nden machte.\nHerr Otto Goldschmidt, dem das Fest-Comite auf\nden Wunsch seiner Gattin die Leitung des „Elias\" und\nder Vocalwerke am zweiten Tage übertragen, hatte keine\nleichte Stellung als Nachfolger der grössten Berühmtheiten\nam Parnass der deutschen Tonkunst, eines Spohr, Men-\ndelssohn, Schumann, Hiller und Anderer, welche die nie-\nderrheinischen Musikleste in den letzten Jahrzehenden diri-\ngirt hatten. Er war lange von seinem deutschen Vaterlande\nabwesend gewesen, war als Dirigent in Deutschland ganz\nunbekannt und sah sich nun zum ersten Male bei uns an\nder Spitze so zahlreicher und ausgezeichneter musicalischer\nKräfte. Es lag in der Natur der Sache, dass die Erwar-\ntungen der Musiker und des gesammten Publicums sehr\ngespannt waren und dass selbst diejenigen von uns, die\nwohl wussten, dass Herr Goldschmidt mehrere grosse\nConcert-Aufführungen in England sowohl in London als\nin der Provinz dirigirt hatte, nicht mit vollem Vertrauen\nden Aufführungen entgegen sahen. Um so erfreulicher war\nes uns, gleich in den ersten Gesammt-Proben wahrzuneh-\nmen, worauf uns die ohne Ausnahme günstigen Stimmen\naus dem Orchester und dem Chor schon vorbereitet hatten,\ndass Herr Goldschmidt seiner schwierigen Aufgabe voll-\nkommen gewachsen war, und die sämmtlichen von ihm\ndirigirten Aufführungen des „Elias\", der „Cäcilien-Ode\"\nvon Händel und des dritten Theiles von Haydn's „Schö-\npfung\" überzeugten uns, dass sein Wissen und Können,\nin Verbindung mit Erfahrung im Leiten der Massen und\nmit tactvoller Behandlung der mitwirkenden Elemente,\nden Forderungen an einen guten Dirigenten entsprechen.\nWenn wir daher den grossen Eindruck des „Elias\" zu-\nnächst den Gesammtkräften und ihrer trefflichen Leitung\ndurch Herrn Goldschmidt zu verdanken haben, so gab auf\nder anderen Seite die Ausführung der Solo-Partieen,\nwelche wir so leicht nicht wieder in solcher Vollendung\nhören werden, dieser und allen folgenden Aufführungen\neine so hohe künstlerische Weihe, dass sie jedem Anwe-\nsenden unvergesslich sein werden.\nIn dem Oratorium ist die Haupt-Person der Elias\nselbst. Der Text hat ihn in den verschiedensten Lagen und\nGemüthsstimmungen hingestellt, und Mendelssohn hat diese\nverschiedenen Momente durch die Musik noch schärfer\ncharakterisirt, als der Text es thut, und das macht eben\ndie musicalische Darstellung des Elias durch den Sänger\nzu einer so schwierigen Aufgabe, dass die meisten Künst-\nler daran scheitern. Wir haben gar manche schätzens-\nwerthe Sänger des Elias in Deutschland und England ge-\nhört, die uns — auch Stockhausen, wie er ihn früher sang,\nnicht ausgenommen — nicht vollkommen genügten, denn\ndie Auffassung des Charakters des Elias hält sich gewöhn-\nlich an die heftigeren Ausbrüche des Glaubenseiferers;\nallein der Mendelssohn'sche Elias ist zwar nicht ein weich-\nlicher und schwacher, aber doch, wenn wir aus der musi-\ncalischen Charakteristik sein Bild uns vor Augen stellen,\nvorzugsweise ein frommer, gottvertrauender und gotterge-\nbener Mann, dessen mildes, gläubiges Gemüth nur momen-\ntan von leidenschaftlicher Aufwallung und heiligem Zorne\naufgeregt werden kann. Sein ganzer Charakter spricht sich\nin der Arie: „Es ist genug!\" aus.\nDieser Auffassung hat Stock hausen vor allen Sän-\ngern, die wir gehört, auch früher schon gehuldigt, allein\nzu vollendeter Darstellung hat er sie erst durch seine jetzige\nLeistung gebracht, weil ihn die wunderbare Erstarkung\nseines Organs nun auch befähigte, jene Scenen der zorni-\ngen Aufwallung wie Flammen aus der milden, in der Tiefe\ndes Herzens still glühenden Wärme plötzlich aufleuchten\nzu lassen. Seine Stimme hat an männlichem Basstone so\ngewonnen, dass sie die grössten Locale füllt und dabei\ndoch jenen halb sinnlichen, halb geistigen Reiz nicht ver-\nloren hat, von dessen Timbre man kaum unterscheiden\nkann, ob er einem Bariton oder einem Tenor angehört.\nGleich die erste Scene mit der „Witwe\" gab uns in der\nSteigerung des Gebetes und in dem Ausdruck der Worte:\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4799, "texte": "„Siehe da, dein Sohn lebt!\" die Ueberzeugung von den\nvorzüglichen Stimmmitteln, die der treffliche Künstler jetzt\nin allen Lagen besitzt und mit derjenigen Schule zu be-\nherrschen versteht, die ihn schon längst zum ersten Meister\nim Liedergesange gemacht hat. Nach dem jubelnden Aus-\nruf der Witwe mit der Zauberstimme einer Jenny Gold-\nschmidt-Lind: „Es wird lebendig!\" wie verklärte da der\ninnige, nicht etwa stolz sich erhebende, sondern in Demuth\nfreudig gläubige Ton, mit dem Stockhausen die sieben ein-\nfachen Noten auf die angeführten Worte vortrug, den\nCharakter des Elias!\nDie Recitative in der Scene mit dem Könige und den\nBaalspriestern, der Ton der ironischen Reden des Prophe-\nten zwischen den Chören der Heiden, die darauf folgende\ninbrünstige Anrufung des Herrn, die Kraft und das Feuer,\nmit welchem er die heroische Arie: „Ist nicht des Herrn\nWort wie ein Hammer\", vortrug—Alles gab die Ueber-\nzeugung, dass der erste Liedersänger Deutschlands auch\nder erste Oratoriensänger geworden sei. Und dennoch er-\nreichte die Bewunderung seines Vortrages einen noch hö-\nheren Grad bei der Arie des zweiten Theiles: „Es ist ge-\nnug!\" Das Gefühl der Trauer um ein verlorenes Wirken\nund der aus der Tiefe der Seele sich emporringende zor-\nnige Schmerz um die verlassenen Altäre, der sich in dem\nWeherufe des Vereinsamten, dem sie nun gar noch nach\ndem Leben stehen, gipfelt sie zitterten bei jedem Tone\nin den Herzen der Hörer nach, denn sie entquollen der\nSeele einer der edelsten und begabtesten Künstlernaturen,\nund so mussten sie in jedem empfänglichen Gemüthe ihr\nEcho finden.\nUnd zu diesem Elias trat nun in der Ausführung der\nSopran-Partie Jenny Lind, jene Königin der Lieder, die\nihren Namen in der Geschichte der Tonkunst zum Symbol\ndes Inbegriffs alles Vollendeten im Gesänge gemacht hat.\nDoch von ihr im zweiten Artikel; hier nur so viel, dass\nim „Elias\" ihre Darstellung der „Witwe\" und ihr Vor-\ntrag der Arie: „Höre, Israel!\" ganz vortrefflich waren,\nder eigentliche Zauber ihres Wesens hauptsächlich aber in\nden mehrstimmigen Gesängen der Engel vorwaltete. Be-\nkanntlich hat Mendelssohn in diesem Oratorium das epische\nElement der Erzählung ganz verschmäht und zur Ergän-\nzung desselben und zur Verbindung der Scenen die Stim-\nmen der Engel tbeils in Solo-, theils in Quartett- und Dop-\npelquartett-Gesängen eingeführt. In allen diesen Gesängen\nhatte Frau Goldschmidt den ersten Sopran übernommen\nund gab dem Ensemble derselben, das von sehr wohllau-\ntenden Stimmen gebildet wurde, dadurch einen Klang,\nder, wie das sanfte Roth des Regenbogens die anderen\nFarben, so die Töne Aller zauberisch umzog und zu schö-\nner Einheit verband. Das Terzett: „Hebe Deine Augen\nauf\" (mit Fräulein Büschgens aus Crefeld, welche auch\ndie Partie des „Knaben\" recht schön sang, und Fräulein\nvon Edelsberg aus München), musste wiederholt werden.\nEben so schön wurden das choralmässige Quartett: „Wirf\nDein Anliegen auf den Herrn\", und das letzte: „Wohlan,\nAlle, die ihr durstig seid\", gesungen, und das Frauen-\nQuartett: „Heilig!\" (durch die genannten Damen und\nFräulein Pels-Leusden aus Köln, welche die zweite Alt-\nstimme in den betreffenden Nummern übernommen hatte)\nmit antwortendem Chor bei vollem Orgel- und Orchester-\nklange bildete einen der erhebendsten Momente der Auf-\nführung.\nIn Fräulein von Edelsberg, die am Niederrheine\nnoch unbekannt war, lernten wir eine Sängerin kennen,\ndie mit einer schönen, vollen, klangreichen Alt- und Mezzo-\nSopranstimme begabt ist und durch diese, in Verbindung\nmit einer einnehmenden äusseren Erscheinung, eine sehr\ngünstige Aufnahme bei dem Publicum des Musikfestes fand.\nDer Vortrag der Alt-Soli hätte etwas mehr Wärme haben\nkönnen, und an technischer Reife stand freilich die junge\nSängerin gegen ihre drei Genossen, Frau Goldschmidt und\ndie Herren Stockhausen und Gunz, zurück, was indess nicht\nhindert, dass sie eine Zukunft als Künstlerin haben wird.\nHerr Dr. Gunz hatte sich schon durch seine trefflichen\nLeistungen in Concert-Aufführangen zu Köln und Aachen\nbei dem niederrheinischen Publicum grosse Gunst erwor-\nben, zu welcher ihn denn auch die herrliche Gabe einer\nsehr schönen, echten Tenorstimme und ein in der besten\nSchule bereits sehr gebildeter Vortrag vollkommen be-\nrechtigen. Die schöne Wirkung seiner Stimme zeigte sich\nin den Ensembles, und seine Vorträge der Recitative und\nArien des Obadja bekundeten neben der vorzüglichen\nNaturanlage gediegene Gesang-Studien, deren Ergebniss\nin Tonbildung, Aussprache, Schmelz und Biegsamkeit des\nOrgans, Verbindung der Register, Anmuth des verzierten\nVortrages, Wärme des Ausdrucks und technischer Fertig-\nkeit sowohl in der Ausführung der genannten Partie, als\nbesonders auch in den Leistungen an den folgenden Fest-\nabenden hervortrat und dem trefflichen Künstler stürmi-\nschen Applaus gewann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-06-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "182", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "W. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.4", "debut_caractere": 4801, "fin_caractere_exclue": 5119, "texte": "Aus Wiesbaden.\n\n(Schluss. S. Nr. 21.)\nDas Sextett für zwei Violinen, zwei Bratschen, Violon-\nceil und Contrabass von Dr. Aloys Schmitt bekundet\nmeisterhafte und musterhafte Form, entwickelt zu hohem\nGlänze schwungvolle, sehr charakteristisch gefärbte Motive\nund Sätze und ist ein beredtes Zeugniss von der künstleri-\n*"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5234, "texte": "sehen Frische und Jugend des berühmten, nunmehr drei-\nundsiebenzigjährigen Pianisten und Lehrers. Wahrlich, ein\nanfeuerndes Beispiel für jüngere, talentvolle Componisten,\ndie in nutzlosen Salonspielereien ihre oft schönen Fähig-\nkeiten und das Bessere die edle Zeit—vergeuden!\nHerr Bonewitz ist ein tüchtiger Pianist aus classi-\nscher Schule. Anschlag und Tact sind quasi von Eisen.\nWenn dereinst Clavierspieler-Capellen entstehen, verdiente\nHerr Bonewitz aber ohne Wilz! Vor-Clavierspieler\nzu sein. Er möge uns den wohlwollenden Wink nicht ver-\nübeln, seine weiteren Studien auf das endlose, weite, aber\nreizende Gebiet der Schatten-Vertheilung zu richten. Die\nfeinen Unterschiede der Hauptfarbe in Ansehung des Hel-\nleren und Dunkleren müssen mehr hervortreten, und Herr\nBonewitz wird bald zu den Tüchtigsten seines Faches\nzählen.\nDer Cäcilien-Verein, unter Leitung seines bewährten\nFührers, Herrn Capellmeisters Hagen, brachte in seinem\nersten Concerte Beethoven's .A-efer-Sinfonie (Nr. 7) und\ndie Walpurgisnacht von F. Mendelssohn-Bartholdy. Die\nschwungvolle Ausführung der herrlichen Sinfonie steht bei\nunserem unter trefflicher Leitung von Schindelmeisser und\nHagen gebildeten Theater-Orchester niemals in Frage,\nund erfahren hierorts alle „königlichen Neun\" des\ngrossen Ludwig eine seine Verehrer vollkommen befriedi-\ngende Interpretation.\nDie Soli in der Ballade waren in den Händen von\nFräulein Schönchen (Alt), der Herren Braun (Tenor),\nBertram (Bariton) und Klein (Bass), welche ihrer Auf-\ngabe vollständig Herr waren. Die schönen, frischen Stim-\nmen des Vereins leisten in Klangfülle und Präcision alles,\nwas man von Dilettanten zu fordern berechtigt ist.\nDas zweite Concert des rüstigen Vereins brachte uns\nHändel's „Samson\" und war eine neue Bethätigung von\ndem Eifer, Geschmack und der Tüchtigkeit sämmtlicher\nKräfte, der ausübenden wie der leitenden. Fräulein Seck\n(Dalila), Fräulein Schönchen (Micah), Herr Wolters\nvom Hoftheater zu Darmstadt (Samson), Herr Bertram\n(Manoah) waren ganz dazu angethan, die Würde und kö-\nnigliche Grösse des mächtigen Tonwerkes zur Geltung zu\nbringen. Wir vernehmen so eben, dass Fräulein Schön-\nchen, ein langjähriges, tüchtiges und vielseitig verwendba-\nres Mitglied, unsere Bühne verlassen wird. Sollte sich das\nGerücht bestätigen, so machen wir Bühnen zweiten Ran-\nges auf sie besonders aufmerksam. Das zweite Concert\nfand im Theater Statt, Bauveränderungen halber, welche\ndamals in dem grossen Saale des Curhauses vorgenommen\nwurden.\nDas dritte Vereins-Concert, das in der katholischen\nKirche Statt fand und seinen Ertrag hauptsächlich zum\nAusbau der Thürme der katholischen Kirche bestimmte,\nführte uns Cherubini's Reqiuemin für Chor und\nOrchester und die stolze Sinfoni von L. van Beet-\nhoven vor. Leider fanden diese hervorragenden Werke der\nmusicalischen Literatur in dem alle akustischen Bedingun-\ngen verletzenden Baue der Kirche eine verzehnfachte Wie-\ndergabe, dass es eine tantalische Qual war, sie anzuhören.\nWir hatten in einem hiesigen Blatte das Publicum in An-\nbetracht des schönenZweckes aulgefordert, das Gotteshaus\nzu besuchen, allein die Gekommenen werden keine Klar-\nheit über zwei der schönsten Tonwerke davon getragen\nhaben. Freilich erhielten sie an Tönen mehr, als das Pro-\ngramm ihnen versprochen*)!\nErwähnenswerth ist auch ein früheres Concert des\nCäcilien-Vereins zum Zwecke der Beisteuer zum Bau einer\nzweiten evangelischen Kirche. Es fand in der evangelischen\nHauptkirche Statt und brachte die Cantate „Ein' feste\nBurg ist unser Gott\" von Joh. Seb. Bach und Mendelssohn's\nSinfonie-Cantate „Lobgesang\".\nDie unermüdliche Oper brachte den fast ermüdenden\nOhren und Augen der Abonnenten eine Kette von Opern\nder verschiedensten Geschmacksrichtungen, unter denen\nwir hervorheben: Teil (2 Mal), Alessandro Stradella (1),\nErnani (2), Don Juan (2), Lucia (3), Trovatore (2), Fa-\nvoritin (3), Freischütz (3), Prophet (2), Undine (4), Pre-\nciosa (2), Zauberflöte (3), ein Mal mit Karl Formes, Fra\nDiavolo (1), Templer und Jüdin (2), Dinorah (2), Robert\n(2), Jüdin (1), Barbier (2), Maskenball (Verdi, 2 Mal),\nWaffesischmidt(2), Martha (1), Nachtlager (2), Beiisar (1),\nOrpheus (3), Johann von Paris (1), Norma (1), Czaar (1),\nPostillon (1) mit Herrn Wachtel und Frau Schäffer-Hoff-\nmann (Madelaine), Lucrezia (1), Hugenotten (1), Fidelio\n(1) mit Frau Bertram-Meyer vom Hoftheater zu Darm-\nstadt, Faust (1).\nHerr Caffieri ist ein Cantante eccellente. Seine von\nherrlicher, sympathischer Stimme getragenen, von jugend-\nlichem Feuer und ritterlichem Anstände gehobenen ita-\nliänischen Partieen sind von jenem Reize, von jenem südli-\nchen Dufte mehr als angehaucht, mit welchem die guten\nSänger Italiens überall jene hinreissende, Alles vergessende\nund zündende Begeisterung hervorrufen. Wenn Jenny\nLind, Stockhausen, Dr. Gunz Koryphäen der deutschen\nGesangskunst sind und mehr wirken durch tiefe Innerlich-\nkeit, durch das stille Feuer heiliger Andacht und ganzen\nVersunkenseins der Seele in die erhabenen classischen\n\n*) Es muss also wohl die Instrumentalmusik oder die grosse\nMasse der Sänger den verwirrenden Wiederhall verursacht ha-\nben, denn der Gesang des kölner Männer-Gesangver-\neins klang im vorigen Jahre in derselben Kirche klar und\nschön. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2586, "texte": "Schönheiten unserer ersten deutschen Meister und in die-\nsem Ausdrucke edelster Gefühle und Leidenschaften uner-\nreichbar sind— so bleiben es aber auch die Italiäner in\nihrer nicht erlernbaren Kunst, durch die Weichheit und\nSüsse des Gesanges sich im Sturme Alles zu erobern. Herr\nCaffieri ist für die Saison in London auf zwei Monate en-\ngagirt und als Arnold in Rossini's „Teil\" mit grosser An-\nerkennung aufgetreten. Fräulein Tipka hat, wie in\ndiesen Blättern schon gemeldet, die Bühne verlassen und\nihren Rollen-Cyklus durch eine neue glänzende Partie\nvermehrt.\nDas Schauspiel erfreut sich hier der edelsten Pflege.\nDen Namen Schiller, Goethe und Shakespeare können Sie\nwöchentlich begegnen. Das Ensemble ist ausgezeichnet.\nUnsere ersten Kräfte: Fräulein Erhardt, Frau Flindt,\ndie Herren Devrient, Lebrun, Grobecker, feiern\naugenblicklich Triumphe in Lemberg, Wien, München.\nVor Allem sei aber ein seltenes Factum erwähnt, dass\nhier ein achtzehnjähriger Jüngling, in der Oeffentlichkeit\nnur als Jünger Mercur's bekannt und als solcher kaum die\nLehrjahre in einer Tuchhandlung hinter sich habend, ur-\nplötzlich mit einem in seiner Total- und Einzelwirkung\ngewaltigen Drama „Columbus\" aufgetreten ist. Karl\nKösting ist der Name des Dichters, der zu seiner Aus-\nbildung jetzt in München weilt. Publicum, Presse, alle\nStimmen vereinen sich wunderbar zu seinem Lobe. Er\nverspricht in der That Grosses. Die Sprache des Trauer-\nspiels ist schwungreich, eben so glänzend sind die Gedan-\nken. Wahrlich noch ein Jüngling, aber bereits ein ganzer\nMann an Menschen- und Weltkenntniss!—Auch der Dich-\nter des „letzten Königs der Juden\", Herr Arthur Mül-\nler, lebt hier.\nMit dem 1. Mai wurde das Theater geschlossen. Am\n1. Juni werden sich die Pforten des Musentempels wieder\nerschliessen. Herr Wachtel ist für drei Monate hier en-\ngagirt (?). Ein bemerkenswerther Tenor ist der als Stell-\nvertreter Caffieri's fungirende Herr Schmidt vom deut-\nschen Theater zu Pesth. Sein Tannhäuser, Eleazar, Bobert,\nEd gar sind anerkennenswerthe Leistungen in Gesang und\nDarstellung. Der Cursaal eröffnete seine Hallen am 1.\nApril. Das Leben und Treiben ist schon rege. Die nassaui-\nsche Militärmusik hat in der Person des Herrn Keler\nBela einen neuen, frischen und jugendlich feurigen Führer\nerhalten. Er ist ein vorzüglicher Dirigent, componirt und\narrangirt mit schönem Talente und erregt unter dem Pu-\nblicum ein neues Interesse an den Leistungen der einhei-\nmischen Capelle. Herr Capellmeister Stadt fei dt hat sich\nnach einer vierzigjährigen rühmlichen Thätigkeit ins Privat-\nleben zurückgezogen.\n\nW. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-06-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "183", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.2.4", "titre_corps": "Franz Schubert und M. von Schwind.", "titre_sommaire": "Franz Schubert und M. von Schwind.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.6", "debut_caractere": 2588, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "Franz Schubert und M. von Schwind.\nDem Vernehmen nach soll einer der angesehensten\nund kunstliebendsten Banquiers in Wien einen Salon in\nseinem neuen Hause mit Illustrationen zu Schubert's Wer-\nken ausmalen lassen und für diese Arbeit Schubert's geist-\nund gemüthvollen Freund M. von Schwind im Auge haben.\nDie Idee hat etwas Zauberisches. Ein besserer Mann ge-\nrade für diese Aufgabe dürfte in der Welt nicht zu finden\nsein. Glühender Verehrer der Musik, verdankt Schwind be-\nkanntlich mehrere seiner schönsten Bilder musicalischen\nAnregungen. Seine Illustrationen zu Beethoven's „Phanta-\nsie Op. 80\" sind mit Recht gefeiert, und eines seiner frühe-\nsten Bilder war eine Composition zu Mozart's „Figaro\",\nwelche Schubert und Grillparzer in die freudigste Aufre-\ngung versetzte. Wenn nun vollends Schwind's Phantasie\nan den Werken seines Lieblings-Componisten und Her-\nzensfreundes Schubert sich befruchtete! Niemals beredter,\nals wenn er auf Schubert zu sprechen kommt, hat uns\nSchwind, auch ohne Pinsel und Palette, manch unvergess-\nliches Stündchen bereitet. Es war während des letzten\nKünstlerfestes in Salzburg, dass Schwind einmal zu später\nAbendstunde in der Kneipe der guten Frau Raith einige\nFreunde um seinen Tisch versammelte. Robert Franz, der\nLieder-Componist, der liebenswürdige Musik-Schriftsteller\nLudwig Nohl, Capellmeister Schläger, Dr. Spatzenecker\nund noch ein oder zwei salzburger Herren bildeten eine\nkleine Tafelrunde, welche, wie Schwind ins Gedenkbuch\nschrieb, „versammelt war, einen von Peter von Cornelius\nvor zehn Jahren dem Dr. Spatzenecker als ärztliches Ho-\nnorar zugedachten Kronenthaler zu vertrinken\". Der treff-\nliche Wein und die Erinnerung an dessen illustre Herkunft\nbrachten Meister Schwind bald in die fröhlichste Laune\nund sein Gespräch auf Franz Schubert, der dem Weine auch\nnicht abhold gewesen. Wir lauschten vergnügt dem Erzäh-\nler und konnten uns nicht satt sehen an dem prächtigen,\nenergischen Kopfe, aus dem die blauen Augen unter den\nweissbuschigen Brauen so froh und geistvoll aufblitzten.\nSchubert ging aus seiner Kneipe oft spät Abends über\ndas Glacis nach Hause. Da dieser Weg damals im Gerüche\neiniger Unsicherheit stand, pflegte Schubert sich für alle\nFälle dadurch zu rüsten, dass er sein Federmesser mit ge-\nöffneten Klingen fest in der Hand hielt. Eines Abends be-\ngleiteten ihn Schwind und Bauernfeld. Bei seiner Wohnung\nangelangt, wollte sich Schubert von den Freunden noch\nnicht trennen und lud sie ein, mit ihm oben eine Pfeife\nTabak zu rauchen. Mit Freuden willigte man ein, über-\nzeugte sich aber bald, dass Schubert im Drange der Gast-\nfreundschaft sein Inventar überschätzt habe. Es fanden sich\nzwar drei Pfeifenrohre, aber nur zwei Pfeifenköpfe. Was"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1923, "texte": "war zu thun? Schubert nahm ein altes Brillen-Futteral,\nbog es zusammen, stopfte es mit Tabak und rauchte aus\ndieser improvisirten Pfeife mit vollkommenstem Behagen.\n—'Eines Morgens fand sich Schwind bei Schubert ein, ihn\nzu einem Ausfluge mitzunehmen. Schubert eilte, seine Toi-\nlette zu beenden, und wühlte in einem Schubladkasten nach\neinem Paar Socken. Aber so lange er auch wühlte, jedes\nPaar erwies sich als unbarmherzig zerrissen. „Schwind,\"\nsagte Schubert am Ende dieser trostlosen Revue mit aber-\ngläubischer Feierlichkeit, „Schwind, jetzt glaube ich wirk-\nlich, es werden keine ganzen mehr gestrickt!\" Von Schu-\nberts fabelhafter Leichtigkeit im Produciren wusste Schwind\nmanches Geschichtchen aus eigener Anschauung. Ei* hatte\nSchubert einmal bei sich in seiner bescheidenen Sommer-\nwohnung zu Heiligenstadt über Nacht behalten. Der fol-\ngende Morgen stellte sich mit schweren Regentropfen ein\nund machte jeden Gedanken an einen Spazirgang unmög-\nlich. Schubert schlenderte missmuthig das Zimmer auf und\nnieder. „Schubert, so tbu'doch was!\" herrschte ihn Schwind\nnach einer Weile an: „Componir' ein Lied!\" „Wie soll\nich das anfangen?\" erwiederte der gelangweilte Gast, „hier,\nwo ich weder ein Piano, noch Notenpapier, noch Lieder-\ntexte habe!\" „Dafür will ich sorgen!\" versicherte\nSchwind. Sprach's und verwandelte mittels Feder und Li-\nneal einige Bogen Conceptpapier in untadelhaftes Noten-\npapier zu drei Systemen, stöberte hierauf eine alte lyrische\nAnthologie aus seiner kleinen Bücbersammlung und be-\nzeichnete fünf bis sechs Gedichte daraus als geeignete mu-\nsicalische Texte. Schubert hatte sie kaum gelesen, als er\nauch schon die Feder lustig über's Papier gleiten liess.\nNoch ehe die Essensstunde schlug, waren die Gedichte\ncomponirt, und so schön componirt, dass Schwind jetzt noch\ngern versichert, jene Notenlinien seien nicht das Werth-\nloseste gewesen, was er je gezeichnet.\n(Ed. Hanslik. „Presse\".)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-06-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "184", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.7", "debut_caractere": 1925, "fin_caractere_exclue": 6328, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n14 öl it. In der letzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft lernten wir in Herrn M. von Asan tschewsky einen jun-\ngen Musiker aus Russland kennen, welcher durch den Vortrag einer\nSonate für Pianoforte und Violoncell, die er mit Herrn A. Schmitt\nspielte, und einiger kleineren Ciavierstücke, Beides von seiner\nComposition, Theilnalime erregte und Beifall fand, da man in seinen\nSachen Talent und Originalität der Erfindung wahrnahm.\nIn Wiesbaden erlag vor einigen Wochen der gewesene Capell-\nmeister und Violin-Virtuose Bärwolf mehrjährigen Leiden. Er war\nein Schüler Spohr's und erregte schon im Knabenalter durch die\nAusführung classischer Werke Aufsehen.\nOTainz. Das Personal des darmstädter Hoftheaters gibt in An-\nwesenheit Seiner K. Höh. des Grossherzogs Vorstellungen im Opern-,\nBallet- und Schauspielfache, bisher die Opern: „Sicilianische Vesper4*\nvon Verdi, „Nordstern\" und „Prophet\" von Meyerbeer und „Tann-\nhäuser\" von Rieh. Wagner, wobei trotz der hohen Eintrittspreise ein\nsehr zahlreiches Publicum sich einfand, welches sich namentlich\ndurch das vortreffliche Ensemble von Orchester und Chor in hohem\nGrade befriedigt zeigte, während die Solisten nicht in gleichem\nMaasse Beifall finden konnten. Besonders zündend wirkten die Lei-\nstungen des Orchesters unter der vortrefflichen Leitung des Herrn\nHof-Capellmeisters Schindelmeisser. Dass auch das in Darmstadt\nmit besonderer Vorliebe gepflegte Ballet bei unserem an derartige\nGenüsse nicht gewohnten Publicum grosse Anziehungskraft ausübt,\nist wohl selbstverständlich.\nDie neue Oper von Litolff, „Narhal\", kommt nächsten Sep-\ntember in Baden zur Darstellung. Das Libretto ist von Plouvier\nnach einer Sage aus dem dreissigjährigen Kriege bearbeitet. Auch\nvon Rosenhain wird in Baden eine neue komische Oper, zu wel-\ncher Sauvage den Text geliefert, im Laufe dieser Saison aufgeführt\nwerden.\nRichard Wagner, der von St. Petersbuig gekommen, erzählt,\ndass er dort allerdings ein paar angenehme Wochen, aber auch\neinige sehr unangenehme Tage verlebt habe. Er war nämlich so un-\nvorsichtig gewesen, seine Noten nicht persönlich mitzunehmen, son-\ndern sich dieselben nachsenden zu lassen. Zu seinem grossen Schrecken\nblieb die Sendung aus. Da er wusste, dass dieselbe abgegangen sei,\nso kann man sich denken, dass der Meister in nicht geringe Angst\ngerieth. Er telegraphirte augenblicklich, erhielt aber keine Beruhi-\ngung und verlebte einige Tage in dieser Stimmung, bis ihm ein\neigenhändiger Brief Langiewicz's zukam, worin ihm dieser an-\nzeigte, dass der betreffende Zug von seinen Leuten überfallen und\nbedeutend erleichtert worden sei, dass er (Wagner) jedoch bezüglich\nseiner Noten, diex ihm auf dem kürzesten Wege alsogleich zugemittelt\nwerden sollten, durchaus nicht beunruhigt sein möge.\nHerl in. 1. Juni. Das von Herrn Blumner in der Lucaskirche\nveranstaltete Concert machte einen freundlichen, ansprechenden Ein-\ndruck. Zwei Chor-Coinpositionen aus der ältesten Zeit des Protestan-\ntismus von Eccard und Gallus standen an der Spitze. Die\netwas herbere Schönheit derselben wurde durch die klare, ruhige\nAusführung und den weichen Wohlklang der Stimmen dem moder-\nnen Verständnisse näher gerückt. Herr Geyer trug die selten ge-\nhörte Tenor-Arie aus dem Messias vor: „Erwacht zu Liedern der\nWonne\", einen Jubelgesang, den ein volleres Organ freilich noch\nauf beflügelteren Schwingen zu den Ohren des Hörers tragen würde;\nauch fehlte der Stimme die abstossende und trennende Kraft in den\nzahlreichen Passagen; die Intonation war aber gut und vieles Ein-\nzelne gelang so vollkommen, als wir es von diesem Sänger erwarten\ndurften. Ein fliessend geführtes, wenn auch nach unserer Ansicht\nallzu vorherrschend in den Gränzen wogenden Wohlklanges gehalte-\nnes Quartett mit Chor aus dem Abraham von Blumner Hess nament-\nlich die Sopranstimme des Fräulein Kümmritz in wohlthuender\nWeise hervortreten. Es schloss sich daran Cherubini's Ave Maria,\ndas Fräulein Decker mit weicher, lieblicher Stimme und inniger,\nmehr der zarteren Seite der Empfindung sich zuneigender Auffassung\nvortrug. Besondere Anerkennung verdienen die schnellen, fliessenden\nund correeten Triller. Die letzten Nummern, die wir hörten, waren\nein Psalm für Doppelchor und Soli von Blumner: „Singet dem Herrn\nein neues Lied\", und ein Psalm für eine Altstimme: „Der Herr ist\nmein Hirt\", ebenfalls von dem Concerfgeber. Letzterer, den Fräulein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2681, "texte": "Baer mit vollem, weichem Tone und inniger Auffassung, nur hier\nund da etwas gedrückt und mit einigen Ungenauigkeiten der Into-\nnation sang, schien uns nicht bedeutsam; der Chorpsalm verdient\ndagegen die Anerkennung, dass der Componist sich bestrebt hat, in-\nnerhalb der Gränzen des Kirchenstils dem Ausdruck der Worte ge-\nrecht zu werden. So treten z. B. die Stellen: „Denn alle Götter der\nVölker sind Götzen\", und: „Das Meer brause\", recht charakteristisch\nhervor. Der Gegensatz zwischen dem fröhlich jauchzenden Anfangs-\nchor und dem mehr feierlich gehaltenen Satze: „Ihr Völker, bringet\nher dem Herrn Ehre und Macht\", ist sehr wirksam. Die Erhabenheit\ndes älteren Kirchenstils hat der Componist freilich nicht erreicht\nund auch wohl kaum erstrebt; es ist der freundliche, bequeme Stil\naus der Periode der Aufklärung, in dem er seinen Psalm gehalten\nhat, der Stil, in dem gewisse formelle Schönheitsgesetze herrschend\ngeworden waren und die erhabene Mystik früherer Zeiten mehr und\nmehr in irdische Klarheit hinüberführten. G. E.\nIn Leipzig beabsichtigt man im „Rosenthaleil, dem bekannten\nLustwalde auf der Nordwestseite der Stadt, dem Andenken des Lie-\nder-Componisten Karl Zöllner ein Denkmal zu errichten. Das\nRosenthal war der Lieblings-Spazirgang des Tonsetzers und manche\nseiner Melodieen sind geradezu an diesem Orte von ihm gefunden\nund zu Papier gebracht worden. Die erste Anregung zu diesem\nDenkmale ward vom „Zöllnerbunde\" gegeben. Das Denkmal-\nComite ist bereits in voller Thätigkeit. Es umfasst Namen wie Rietz\nund Julius Otto in Dresden, Moriz Hauptmann, Roderich Benedix,\nHermann Langer u. A. Ein Aufruf an die Sängervereine Deutsch-\nlands und Oesterreichs, der durch Rundschreiben verbreitet werden\nsoll, wird demnächst aus der Feder Benedix' erlassen werden.\nDie wiener Sing-Akademie hat beschlossen, die durch Steg-\nmayer1 s Ableben erledigte Stelle des Chormeisters Herrn Johann\nBralims (derzeit in Hamburg weilend) anzubieten.\n(Blätter f. Th. u. s. w.)\nDie berühmte Sängerin, Frau Pauline Viardot-\nGarcia, gedenkt die Bühne für immer zu verlassen, um sich ganz\nins Privatleben zurückzuziehen. Dass sie auch ihre Salons schliessen\nwird, geht wohl daraus hervor, dass sie die in ihrem Besitze befind-\nlichen Gemälde, Kunstsachen und dergleichen versteigern lässt. Ihr\nletztes Auftreten soll im ThöcLire lyrique in einer Vorstellung zum\nBesten der Polen Statt finden. Sie wird also ihre dramatische Lauf-\nbahn mit einer politischen Demonstration beschliessen.\nDer Musik-Verleger Flaxland in Paris hat eine sehr umfang-\nreiche Auswahl Schumann'scher Lieder herausgegeben. Die Ueber-\nsetzung der Texte hat der bekannte Libretto-Dichter Jules Bar-\nbier übernommen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas vierzigste niederrheinische Musikfest. I. - Aus Wiesbaden (Schluss: Cäcilien-Vereins-Concerte - Oner - Srha,,-\nspiel) Von W. W. - Franz Schubert und M. von Schwind. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Herr Asantschewsky -\nWiesbaden, Capellmeister Barwolf f Mainz, Theater-Vorstellungen Baden-Baden, Litolff's Oper „Narhal\", Rosenhain R. Wagner\nBerlin, Concert von Herrn Blumner Leipzig, Denkmal für Karl Zöllner Paris,' Frau Viardot-Garcia).\n\nDas vierzigste niederrheinische Musikfest.\nI.\nDas niederrheinische Musikfest, gestiftet im Jahre 1818\nzu Düsseldorf, hat an den Pfingsttagen vom 24.-26.\nMai dieses Jahres das Jubiläum seiner vierzigsten Wie-\nderholung geleiert. Unterbrechungen hatten äussere,\ntheils wirkliche, theils drohende Hindernisse in dem Jahre\n1831, dann 1848 —lB5O und zuletzt 1852 veranlasst;\nallein immer wieder erstand es von Neuem, getragen und\ngehoben von der Liebe zur Tonkunst und namentlich auch\nvon der Gesanglust, welche die gebildeten Classen der Be-\nvölkerung der rheinischen Lande auszeichnet. Denn die\nletztere, von der Natur durch Verleihung starker und wohl-\nlautender Stimmen hervorgerufen und begünstigt, erhält\nund fördert die Singvereine in allen Städten, und diese\nliefern den Musikfesten den zahlreichen und tüchtigen\nChor, welcher offenbar ihre Hauptbedingung und ihre\nHauptstütze ist. Der Sinn für Musik aber, und zwar für\ngute Musik, ist dermaassen am Rheine verbreitet und in\nalle Schichten des Volkes gedrungen, dass die zweite Haupt-\nbedingung zur Erhaltung der Musikfeste, die Deckung der\nbeträchtlichen Kosten derselben, stets auf das erfreulichste\nerfüllt wird, wie die steigende Theilnahme des Publicums\nbeweist, welche in diesem Jahre, erleichtert durch die von\nallen Seiten in Düsseldorf mündenden Eisenbahnen, alle\nbisherigen Erfahrungen weit übertroffen hat, so dass an\ndem dritten Tage noch Hunderte vergebens nach Eintritts-\nkarten verlangten.\nt . i '\nIn Düsseldorf selbst war die diesjährige Festfeier\ndie fünfzehnte. An den vierzehn früheren Festen wurden\ndort von grösseren classischen Werken aufgeführt: 1818,\n1. Fest, Haydn: „Jahreszeiten\" und „Schöpfung\". Diri-\ngent B urgmüller.—lB2o, 3. Fest, Händel: „Samson\";\nBeethoven: „Sinfonia eroica\". Burgmüller. 1822,\n5. Fest, Stadler: „Das befreite Jerusalem\" ; C. M. v. We-\nber: „Kampf und Sieg\"; Beethoven: Sinfonie IV. Burg-\nmüller. 1826, 9. best, Spohr: „Die letzten Dinge\":\nAuswahl aus dem „Messias\" von Händel; Ries: Sinfonie\nin D-dur. Spohr und F. Ries. 1830, 13. Fest, Han-\ndel: „Judas Maccabäus\"; Beethoven: „Christus am Oel-\nberge\" und Sinfonie V. F. Ries. —1833, 15. Fest, Hän-\ndel: „Israel in Aegypten\"; Wolff: „Oster-Cantale\"; Win-\nter: „Macht der Töne\"; Beethoven: Pastoral-Sinfonie. F.\nMendelssohn- Barl holdy (zum ersten Male am Rheine).\n1836, 18. Test, Mendelssohn: „Paulus\" (zum ersten\nMale); Händel: Psalm „0 preist den Herrn!\" Mozart:\n„Davidde penitente\"; Beethoven: IX.Sinfonie. Mendels-\nsohn.—1839,21. Fest, Händel: „Messias\"; Mendelssohn:\n42. Psalm; Beelhoven: Messe in C-dur und Sinfonie 111.\nMendelssohn und Rietz. 1842, 24. Fest, Händel:\n„Israel in Aegypten\"; J. Haydn: „Des Staubes eitle Sor-\ngen\"; C. M. v. Weber: „Aernle-Cantate\"; Mendelssohn:\nSinfonie-Cantate „Lobgesang\"; Beethoven: Sinfonie V.\nMendelssohn und Rietz. 1845, 27.. Fest, Händel:\n„Josua\"; Mozart: „Bequiem\"; Mendelssohn: „Walpurgis-\nnacht\" ; Beethoven: IX. Sinfonie. Rietz. —1853, 31.Fest,\nHändel: „Messias\"; Ferd%Hiller: Der 125. Psalm ; Gluck:\n„Alceste\" (Ouvertüre und I. Act); Rob. Schumann: Sin-\nfonie in D-moll;Beethoven: IX. Sinfonie. Hiller, Schu-\nmann, Tausch. 1855, 33. Fest, Jos. Haydn: „Die\nSchöpfung\"; Rob. Schumann: „Paradies und Peri\"; Ferd.\nHiller:Sinfonie in E-moll;Beethoven: Sinfonie V. F. Hil-\nler. (Jenny Goldschmidt-Lind.)— 1856. 34. Fest,\nMendelssohn: „Elias\"; Händel: „Das Alexanderfest\"; Schu-\nmann: „Adventslied\"; Beethoven: IX. Sinfonie. Rietz.—\n1860, 37. Fest, Händel: „Samson\"; F. Hiller: „\ner um\" (zum ersten Male); Gluck: Scenen aus „Iphigenia\naufTauris\"; Schumann: Sinfonie in B-dur; Beethoven:\nSinfonie VII. Hill er."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.2", "texte": "Von den Dirigenten dieser vierzehn düsseldorfer Feste\nsind Burgmüller, F. Bies, Spohr, Mendelssohn und Schu-\nmann bereits von der Erde abberufen.\nDie gegenwärtige musicalische Feier der Pfingsttage\nbrachte für den ersten Abend F. Mendelssoh n's\n„Elias\".\nDieses Oratorium ist auf dem niederrheinischen Mu-\nsikfeste überhaupt erst ein Mal gegeben worden, und\nDüsseldorf, wo Mendelssohn's „Paulus\" zum ersten Male\naufgeführt worden und von wo Mendelssohn's Ruf seinen\nAufschwung genommen, war es dem Andenken des gros-\nsen Tonmeisters, der zwei schöne Jahre seines Lebens und\nSchaffens hier zugebracht hat, vor den anderen Städten\nschuldig, auch seinem „Elias\", den er selbst für sein be-\nstes Werk hielt, noch eine Aufführung mit den zahlreichen\nund vortrefflichen Mitteln in Chor und Orchester, wie sie\nunsere Zeit jetzt besitzt und wie sie nur bei Musikfesten\nvereinigt werden können, zu widmen—zumal, da das Co-\nmite die Hoffnung hatte, die ausgezeichnetsten Gesanges-\nBerühmtheiten zur Verherrlichung der Ausführung mit-\nwirken zu sehen, und, nach dem Vorgange von Elberfeld,\nBarmen und Köln, eine Orgel in der Tonhalle aufzustel-\nlen beschloss, um die Macht und Erhabenheit der Klang-\nfülle nach den Absichten des Componisten vollständig zu\nerreichen.\nDie ausführenden Kräfte bildeten einen Chor von\n781 Sängerinnen und Sängern und 146 Instrumentalisten\n(57 Violinen, 22 Bratschen, 21 Violoncelle, 14 Contra-\nbässe und verdoppelte Blas-Instrumente), deren Aufstellung,\nbesonders im Chor, eine sehr gedrängte war; namentlich\nwaren die Tenöre und Bässe bis tief in die hintersten\nEcken gestellt, wo der Ton von den Dachbalken des Holz-\nbaues gedrückt wurde. Bei alledem gewährt dieser Bau,\naus dem jeder Tritt uns in blühende Gärten und unter\nherrliche Baumgänge versetzt, eine Annehmlichkeit für die\nFestgenossen, um welche die verbündeten Städte Aachen\nund Köln Düsseldorf beneiden müssen. Der Gesammtton\ndes Chors war vortrefflich.\nDas Orchester zählte vorzügliche Musiker unter den\nMitwirkenden; bei dem Geigen-Quartett Violinisten wie die\nHerren Blagrove aus London, Straus aus Frankfurt,\nBargheer aus Münster, Engels aus Mülheim a. d. R.,\nLanghans aus Hamburg, Peters aus Köln, Posse aus\nElberfeld, Seiss aus Barmen, F. und W. Wenigmann\naus Aachen; die Violoncellisten Job. Wenigmann aus\nAachen, Geul aus Dortrecht, Hankel aus Dessau, Jä-\nger aus Elberfeld; die Contrabässe trefflich angeführt von\nAd. Breuer aus Köln u. s. w. u. s. w. Indess erreichte\ndoch die Kraft und Fülle des Gesammttones der Streich-\nInstrumente nicht die Macht des Geigen-Quartetts auf dem\nvorjährigen Feste in Köln, das freilich selten so wieder\nzusammenkommen wird. Die Blas-Instrumente waren vor-\nzüglich, einige von ihnen ausgezeichnet, z. B. die erste\nFlöte, Oboe, Trompete.\nWie immer, so war auch jetzt das Fest zugleich ein\nVereinigungspunkt bedeutender Tonkünstler von nah und\nfern. Wir bemerkten unter Anderen Franz Lachner\naus München, Pasdeloup, Gouvv und Bosenhain\naus Paris, Soubre aus Lüttich, Verhülst und Hol aus\nBotterdam und Utrecht, F. Hiller, Bargiel, Breu-\nnung aus Köln, Grimm aus Münster, Wüllner aus\nAachen, Marpurg aus Mainz, Schornstein und van\nEyken aus Elberfeld, Wolff aus Crefeld, Brambach\nund Simrock aus Bonn, Breidenstein aus Dort-\nmund, Krause aus Barmen, Fiedler aus Cleve u. s. w.\nu. s. w.\nDer Abend des ersten Festtages war also der Auf-\nführung des „Elias\" von Mendelssohn gewidmet.\nDieses Werk führte der Meister zuerst auf dem Musik-\nfeste zu Birmingham in England—am 26. August 1846\nauf, wo es seitdem so hoch gehalten und so allgemein\nbeliebt ist, dass fast kein Musikfest auf Befriedigung des\nPublicums rechnen darf, wenn dieses Oratorium auf dem\nProgramme fehlt.\nIn Deutschland hatte das erste oratorische Werk Men-\ndelssohn's, sein „Paulus\", eine so lebhafte und nachhaltige\nBegeisterung erregt, dass der „Elias\" bei seiner Erschei-\nnung im Vaterlande nicht blogs mit dem Nachklange der-\nselben zu kämpfen hatte, sondern sie noch in voller Kraft\nfand, und selbst bis heute sind die Stimmen über den\nI\nWerth des zweiten im Verhältnisse zum ersten Werke\ngetheilt, indem man im Elias allerdings eine grössere Reife\ndes Musikers preist, im Paulus dagegen mehr Schwung\ndes Genies zu erkennen meint. Offenbar rührte, nament-\nlich in den ersten Jahren der Bekanntwerdung des „Elias\",\ndiese Verschiedenheit des Urtheils davon her, dass Men-\ndelssohn mit dem „Paulus\" eine neue Bahn gebrochen,\neinen grossen Fortschritt in der geistlichen Musik begrün-\ndet hatte (wenngleich dieser Fortschritt grossentheils in\neinem Zurückgreifen auf Bach und Händel seine Quelle\nfand), mit Einem Worte, dass der „Paulus\" den glänzend-\nsüsslichen und profan-pomphaften Stil der Oratorien der\nersten Jahrzehende unseres Jahrhunderts, die in Friedrich\nSchneider's in vieler Hinsicht schätzbarem „Weltgerichte\"\nihre Höhe erreicht hatten, in ihrem von der weltlichen\nMusik erborgten Schein erkennen liess, und dem Orato-\nrium, ohne die herrlichen Mittel der neueren Instrumen-\ntirung und der gewonnenen Ausdehnung der Formen zu\nverschmähen, den musicalischen Ausdruck gab oder wie-\ndergab, der seinem Inhalte allein angemessen ist. Dess-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.3", "texte": "halb war allerdings der „Paulus\" eine That; ein Unrecht\ngegen den Vollbringer dieser That war es aber, von ihm\ndurch seine zweite grosse Schöpfung eine zweite That\nzu erwarten oder gar zu verlangen. Dazu war Niemand\nberechtigt, und Mendelssohn selbst war glücklicher Weise\nin seiner Ueberzeugung von dem Wesen des Kunstwerkes\nso durchdrungen, dass er vor Maass- und Formlosigkeit\neben so sicher war, wie vor eitler Sucht, durch Unerhör-\ntes Aufsehen zu machen. Aber seine ganze künstlerische\nIndividualität prägte er in vollendeter Gestaltung dem\nneuen Werke, dem „Elias\", ein; denselben Geist der cha-\nrakteristischen Auffassung, dieselbe frische, ungeschwächte\nKraft der Erfindung und Ausführung, dieselbe Klarheit\nin Behandlung des Polyphonen und Massenhaften, densel-\nben richtigen Tact und feinen Sinn für das Schöne und\nEdle, der ihn eben so vor dem Trivialen, wie vor dem\nMisstönenden und Schneidenden bewahrt—dies alles fin-\nden wir eben so wie im „Paulus\" auch im „Elias\" wie-\nder und häufig in noch wirkungsvollerer Anwendung.\nSo fand denn auch das Werk an dem ersten Pfingst-\ntage eine begeisterte Aufnahme, welche die Lebensfähig-\nkeit desselben siegreich gegen die Verkleinerer Mendels-\nsohn's bekundete und die höhnische Vorhersagung eines\nKoryphäen der neuesten Schule, der bei der Nachricht von\nder Wahl desselben für «das Musikfest dem Vernehmen\nnach ausgerufen haben soll: „Das ist sehr gut, denn da-\nmit wird der Elias auf immer begraben werden\", zu Schan-\nden machte.\nHerr Otto Goldschmidt, dem das Fest-Comite auf\nden Wunsch seiner Gattin die Leitung des „Elias\" und\nder Vocalwerke am zweiten Tage übertragen, hatte keine\nleichte Stellung als Nachfolger der grössten Berühmtheiten\nam Parnass der deutschen Tonkunst, eines Spohr, Men-\ndelssohn, Schumann, Hiller und Anderer, welche die nie-\nderrheinischen Musikleste in den letzten Jahrzehenden diri-\ngirt hatten. Er war lange von seinem deutschen Vaterlande\nabwesend gewesen, war als Dirigent in Deutschland ganz\nunbekannt und sah sich nun zum ersten Male bei uns an\nder Spitze so zahlreicher und ausgezeichneter musicalischer\nKräfte. Es lag in der Natur der Sache, dass die Erwar-\ntungen der Musiker und des gesammten Publicums sehr\ngespannt waren und dass selbst diejenigen von uns, die\nwohl wussten, dass Herr Goldschmidt mehrere grosse\nConcert-Aufführungen in England sowohl in London als\nin der Provinz dirigirt hatte, nicht mit vollem Vertrauen\nden Aufführungen entgegen sahen. Um so erfreulicher war\nes uns, gleich in den ersten Gesammt-Proben wahrzuneh-\nmen, worauf uns die ohne Ausnahme günstigen Stimmen\naus dem Orchester und dem Chor schon vorbereitet hatten,\ndass Herr Goldschmidt seiner schwierigen Aufgabe voll-\nkommen gewachsen war, und die sämmtlichen von ihm\ndirigirten Aufführungen des „Elias\", der „Cäcilien-Ode\"\nvon Händel und des dritten Theiles von Haydn's „Schö-\npfung\" überzeugten uns, dass sein Wissen und Können,\nin Verbindung mit Erfahrung im Leiten der Massen und\nmit tactvoller Behandlung der mitwirkenden Elemente,\nden Forderungen an einen guten Dirigenten entsprechen.\nWenn wir daher den grossen Eindruck des „Elias\" zu-\nnächst den Gesammtkräften und ihrer trefflichen Leitung\ndurch Herrn Goldschmidt zu verdanken haben, so gab auf\nder anderen Seite die Ausführung der Solo-Partieen,\nwelche wir so leicht nicht wieder in solcher Vollendung\nhören werden, dieser und allen folgenden Aufführungen\neine so hohe künstlerische Weihe, dass sie jedem Anwe-\nsenden unvergesslich sein werden.\nIn dem Oratorium ist die Haupt-Person der Elias\nselbst. Der Text hat ihn in den verschiedensten Lagen und\nGemüthsstimmungen hingestellt, und Mendelssohn hat diese\nverschiedenen Momente durch die Musik noch schärfer\ncharakterisirt, als der Text es thut, und das macht eben\ndie musicalische Darstellung des Elias durch den Sänger\nzu einer so schwierigen Aufgabe, dass die meisten Künst-\nler daran scheitern. Wir haben gar manche schätzens-\nwerthe Sänger des Elias in Deutschland und England ge-\nhört, die uns — auch Stockhausen, wie er ihn früher sang,\nnicht ausgenommen — nicht vollkommen genügten, denn\ndie Auffassung des Charakters des Elias hält sich gewöhn-\nlich an die heftigeren Ausbrüche des Glaubenseiferers;\nallein der Mendelssohn'sche Elias ist zwar nicht ein weich-\nlicher und schwacher, aber doch, wenn wir aus der musi-\ncalischen Charakteristik sein Bild uns vor Augen stellen,\nvorzugsweise ein frommer, gottvertrauender und gotterge-\nbener Mann, dessen mildes, gläubiges Gemüth nur momen-\ntan von leidenschaftlicher Aufwallung und heiligem Zorne\naufgeregt werden kann. Sein ganzer Charakter spricht sich\nin der Arie: „Es ist genug!\" aus.\nDieser Auffassung hat Stock hausen vor allen Sän-\ngern, die wir gehört, auch früher schon gehuldigt, allein\nzu vollendeter Darstellung hat er sie erst durch seine jetzige\nLeistung gebracht, weil ihn die wunderbare Erstarkung\nseines Organs nun auch befähigte, jene Scenen der zorni-\ngen Aufwallung wie Flammen aus der milden, in der Tiefe\ndes Herzens still glühenden Wärme plötzlich aufleuchten\nzu lassen. Seine Stimme hat an männlichem Basstone so\ngewonnen, dass sie die grössten Locale füllt und dabei\ndoch jenen halb sinnlichen, halb geistigen Reiz nicht ver-\nloren hat, von dessen Timbre man kaum unterscheiden\nkann, ob er einem Bariton oder einem Tenor angehört.\nGleich die erste Scene mit der „Witwe\" gab uns in der\nSteigerung des Gebetes und in dem Ausdruck der Worte:\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.4", "texte": "„Siehe da, dein Sohn lebt!\" die Ueberzeugung von den\nvorzüglichen Stimmmitteln, die der treffliche Künstler jetzt\nin allen Lagen besitzt und mit derjenigen Schule zu be-\nherrschen versteht, die ihn schon längst zum ersten Meister\nim Liedergesange gemacht hat. Nach dem jubelnden Aus-\nruf der Witwe mit der Zauberstimme einer Jenny Gold-\nschmidt-Lind: „Es wird lebendig!\" wie verklärte da der\ninnige, nicht etwa stolz sich erhebende, sondern in Demuth\nfreudig gläubige Ton, mit dem Stockhausen die sieben ein-\nfachen Noten auf die angeführten Worte vortrug, den\nCharakter des Elias!\nDie Recitative in der Scene mit dem Könige und den\nBaalspriestern, der Ton der ironischen Reden des Prophe-\nten zwischen den Chören der Heiden, die darauf folgende\ninbrünstige Anrufung des Herrn, die Kraft und das Feuer,\nmit welchem er die heroische Arie: „Ist nicht des Herrn\nWort wie ein Hammer\", vortrug—Alles gab die Ueber-\nzeugung, dass der erste Liedersänger Deutschlands auch\nder erste Oratoriensänger geworden sei. Und dennoch er-\nreichte die Bewunderung seines Vortrages einen noch hö-\nheren Grad bei der Arie des zweiten Theiles: „Es ist ge-\nnug!\" Das Gefühl der Trauer um ein verlorenes Wirken\nund der aus der Tiefe der Seele sich emporringende zor-\nnige Schmerz um die verlassenen Altäre, der sich in dem\nWeherufe des Vereinsamten, dem sie nun gar noch nach\ndem Leben stehen, gipfelt sie zitterten bei jedem Tone\nin den Herzen der Hörer nach, denn sie entquollen der\nSeele einer der edelsten und begabtesten Künstlernaturen,\nund so mussten sie in jedem empfänglichen Gemüthe ihr\nEcho finden.\nUnd zu diesem Elias trat nun in der Ausführung der\nSopran-Partie Jenny Lind, jene Königin der Lieder, die\nihren Namen in der Geschichte der Tonkunst zum Symbol\ndes Inbegriffs alles Vollendeten im Gesänge gemacht hat.\nDoch von ihr im zweiten Artikel; hier nur so viel, dass\nim „Elias\" ihre Darstellung der „Witwe\" und ihr Vor-\ntrag der Arie: „Höre, Israel!\" ganz vortrefflich waren,\nder eigentliche Zauber ihres Wesens hauptsächlich aber in\nden mehrstimmigen Gesängen der Engel vorwaltete. Be-\nkanntlich hat Mendelssohn in diesem Oratorium das epische\nElement der Erzählung ganz verschmäht und zur Ergän-\nzung desselben und zur Verbindung der Scenen die Stim-\nmen der Engel tbeils in Solo-, theils in Quartett- und Dop-\npelquartett-Gesängen eingeführt. In allen diesen Gesängen\nhatte Frau Goldschmidt den ersten Sopran übernommen\nund gab dem Ensemble derselben, das von sehr wohllau-\ntenden Stimmen gebildet wurde, dadurch einen Klang,\nder, wie das sanfte Roth des Regenbogens die anderen\nFarben, so die Töne Aller zauberisch umzog und zu schö-\nner Einheit verband. Das Terzett: „Hebe Deine Augen\nauf\" (mit Fräulein Büschgens aus Crefeld, welche auch\ndie Partie des „Knaben\" recht schön sang, und Fräulein\nvon Edelsberg aus München), musste wiederholt werden.\nEben so schön wurden das choralmässige Quartett: „Wirf\nDein Anliegen auf den Herrn\", und das letzte: „Wohlan,\nAlle, die ihr durstig seid\", gesungen, und das Frauen-\nQuartett: „Heilig!\" (durch die genannten Damen und\nFräulein Pels-Leusden aus Köln, welche die zweite Alt-\nstimme in den betreffenden Nummern übernommen hatte)\nmit antwortendem Chor bei vollem Orgel- und Orchester-\nklange bildete einen der erhebendsten Momente der Auf-\nführung.\nIn Fräulein von Edelsberg, die am Niederrheine\nnoch unbekannt war, lernten wir eine Sängerin kennen,\ndie mit einer schönen, vollen, klangreichen Alt- und Mezzo-\nSopranstimme begabt ist und durch diese, in Verbindung\nmit einer einnehmenden äusseren Erscheinung, eine sehr\ngünstige Aufnahme bei dem Publicum des Musikfestes fand.\nDer Vortrag der Alt-Soli hätte etwas mehr Wärme haben\nkönnen, und an technischer Reife stand freilich die junge\nSängerin gegen ihre drei Genossen, Frau Goldschmidt und\ndie Herren Stockhausen und Gunz, zurück, was indess nicht\nhindert, dass sie eine Zukunft als Künstlerin haben wird.\nHerr Dr. Gunz hatte sich schon durch seine trefflichen\nLeistungen in Concert-Aufführangen zu Köln und Aachen\nbei dem niederrheinischen Publicum grosse Gunst erwor-\nben, zu welcher ihn denn auch die herrliche Gabe einer\nsehr schönen, echten Tenorstimme und ein in der besten\nSchule bereits sehr gebildeter Vortrag vollkommen be-\nrechtigen. Die schöne Wirkung seiner Stimme zeigte sich\nin den Ensembles, und seine Vorträge der Recitative und\nArien des Obadja bekundeten neben der vorzüglichen\nNaturanlage gediegene Gesang-Studien, deren Ergebniss\nin Tonbildung, Aussprache, Schmelz und Biegsamkeit des\nOrgans, Verbindung der Register, Anmuth des verzierten\nVortrages, Wärme des Ausdrucks und technischer Fertig-\nkeit sowohl in der Ausführung der genannten Partie, als\nbesonders auch in den Leistungen an den folgenden Fest-\nabenden hervortrat und dem trefflichen Künstler stürmi-\nschen Applaus gewann.\n\nAus Wiesbaden.\n\n(Schluss. S. Nr. 21.)\nDas Sextett für zwei Violinen, zwei Bratschen, Violon-\nceil und Contrabass von Dr. Aloys Schmitt bekundet\nmeisterhafte und musterhafte Form, entwickelt zu hohem\nGlänze schwungvolle, sehr charakteristisch gefärbte Motive\nund Sätze und ist ein beredtes Zeugniss von der künstleri-\n*"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.5", "texte": "sehen Frische und Jugend des berühmten, nunmehr drei-\nundsiebenzigjährigen Pianisten und Lehrers. Wahrlich, ein\nanfeuerndes Beispiel für jüngere, talentvolle Componisten,\ndie in nutzlosen Salonspielereien ihre oft schönen Fähig-\nkeiten und das Bessere die edle Zeit—vergeuden!\nHerr Bonewitz ist ein tüchtiger Pianist aus classi-\nscher Schule. Anschlag und Tact sind quasi von Eisen.\nWenn dereinst Clavierspieler-Capellen entstehen, verdiente\nHerr Bonewitz aber ohne Wilz! Vor-Clavierspieler\nzu sein. Er möge uns den wohlwollenden Wink nicht ver-\nübeln, seine weiteren Studien auf das endlose, weite, aber\nreizende Gebiet der Schatten-Vertheilung zu richten. Die\nfeinen Unterschiede der Hauptfarbe in Ansehung des Hel-\nleren und Dunkleren müssen mehr hervortreten, und Herr\nBonewitz wird bald zu den Tüchtigsten seines Faches\nzählen.\nDer Cäcilien-Verein, unter Leitung seines bewährten\nFührers, Herrn Capellmeisters Hagen, brachte in seinem\nersten Concerte Beethoven's .A-efer-Sinfonie (Nr. 7) und\ndie Walpurgisnacht von F. Mendelssohn-Bartholdy. Die\nschwungvolle Ausführung der herrlichen Sinfonie steht bei\nunserem unter trefflicher Leitung von Schindelmeisser und\nHagen gebildeten Theater-Orchester niemals in Frage,\nund erfahren hierorts alle „königlichen Neun\" des\ngrossen Ludwig eine seine Verehrer vollkommen befriedi-\ngende Interpretation.\nDie Soli in der Ballade waren in den Händen von\nFräulein Schönchen (Alt), der Herren Braun (Tenor),\nBertram (Bariton) und Klein (Bass), welche ihrer Auf-\ngabe vollständig Herr waren. Die schönen, frischen Stim-\nmen des Vereins leisten in Klangfülle und Präcision alles,\nwas man von Dilettanten zu fordern berechtigt ist.\nDas zweite Concert des rüstigen Vereins brachte uns\nHändel's „Samson\" und war eine neue Bethätigung von\ndem Eifer, Geschmack und der Tüchtigkeit sämmtlicher\nKräfte, der ausübenden wie der leitenden. Fräulein Seck\n(Dalila), Fräulein Schönchen (Micah), Herr Wolters\nvom Hoftheater zu Darmstadt (Samson), Herr Bertram\n(Manoah) waren ganz dazu angethan, die Würde und kö-\nnigliche Grösse des mächtigen Tonwerkes zur Geltung zu\nbringen. Wir vernehmen so eben, dass Fräulein Schön-\nchen, ein langjähriges, tüchtiges und vielseitig verwendba-\nres Mitglied, unsere Bühne verlassen wird. Sollte sich das\nGerücht bestätigen, so machen wir Bühnen zweiten Ran-\nges auf sie besonders aufmerksam. Das zweite Concert\nfand im Theater Statt, Bauveränderungen halber, welche\ndamals in dem grossen Saale des Curhauses vorgenommen\nwurden.\nDas dritte Vereins-Concert, das in der katholischen\nKirche Statt fand und seinen Ertrag hauptsächlich zum\nAusbau der Thürme der katholischen Kirche bestimmte,\nführte uns Cherubini's Reqiuemin für Chor und\nOrchester und die stolze Sinfoni von L. van Beet-\nhoven vor. Leider fanden diese hervorragenden Werke der\nmusicalischen Literatur in dem alle akustischen Bedingun-\ngen verletzenden Baue der Kirche eine verzehnfachte Wie-\ndergabe, dass es eine tantalische Qual war, sie anzuhören.\nWir hatten in einem hiesigen Blatte das Publicum in An-\nbetracht des schönenZweckes aulgefordert, das Gotteshaus\nzu besuchen, allein die Gekommenen werden keine Klar-\nheit über zwei der schönsten Tonwerke davon getragen\nhaben. Freilich erhielten sie an Tönen mehr, als das Pro-\ngramm ihnen versprochen*)!\nErwähnenswerth ist auch ein früheres Concert des\nCäcilien-Vereins zum Zwecke der Beisteuer zum Bau einer\nzweiten evangelischen Kirche. Es fand in der evangelischen\nHauptkirche Statt und brachte die Cantate „Ein' feste\nBurg ist unser Gott\" von Joh. Seb. Bach und Mendelssohn's\nSinfonie-Cantate „Lobgesang\".\nDie unermüdliche Oper brachte den fast ermüdenden\nOhren und Augen der Abonnenten eine Kette von Opern\nder verschiedensten Geschmacksrichtungen, unter denen\nwir hervorheben: Teil (2 Mal), Alessandro Stradella (1),\nErnani (2), Don Juan (2), Lucia (3), Trovatore (2), Fa-\nvoritin (3), Freischütz (3), Prophet (2), Undine (4), Pre-\nciosa (2), Zauberflöte (3), ein Mal mit Karl Formes, Fra\nDiavolo (1), Templer und Jüdin (2), Dinorah (2), Robert\n(2), Jüdin (1), Barbier (2), Maskenball (Verdi, 2 Mal),\nWaffesischmidt(2), Martha (1), Nachtlager (2), Beiisar (1),\nOrpheus (3), Johann von Paris (1), Norma (1), Czaar (1),\nPostillon (1) mit Herrn Wachtel und Frau Schäffer-Hoff-\nmann (Madelaine), Lucrezia (1), Hugenotten (1), Fidelio\n(1) mit Frau Bertram-Meyer vom Hoftheater zu Darm-\nstadt, Faust (1).\nHerr Caffieri ist ein Cantante eccellente. Seine von\nherrlicher, sympathischer Stimme getragenen, von jugend-\nlichem Feuer und ritterlichem Anstände gehobenen ita-\nliänischen Partieen sind von jenem Reize, von jenem südli-\nchen Dufte mehr als angehaucht, mit welchem die guten\nSänger Italiens überall jene hinreissende, Alles vergessende\nund zündende Begeisterung hervorrufen. Wenn Jenny\nLind, Stockhausen, Dr. Gunz Koryphäen der deutschen\nGesangskunst sind und mehr wirken durch tiefe Innerlich-\nkeit, durch das stille Feuer heiliger Andacht und ganzen\nVersunkenseins der Seele in die erhabenen classischen\n\n*) Es muss also wohl die Instrumentalmusik oder die grosse\nMasse der Sänger den verwirrenden Wiederhall verursacht ha-\nben, denn der Gesang des kölner Männer-Gesangver-\neins klang im vorigen Jahre in derselben Kirche klar und\nschön. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.6", "texte": "Schönheiten unserer ersten deutschen Meister und in die-\nsem Ausdrucke edelster Gefühle und Leidenschaften uner-\nreichbar sind— so bleiben es aber auch die Italiäner in\nihrer nicht erlernbaren Kunst, durch die Weichheit und\nSüsse des Gesanges sich im Sturme Alles zu erobern. Herr\nCaffieri ist für die Saison in London auf zwei Monate en-\ngagirt und als Arnold in Rossini's „Teil\" mit grosser An-\nerkennung aufgetreten. Fräulein Tipka hat, wie in\ndiesen Blättern schon gemeldet, die Bühne verlassen und\nihren Rollen-Cyklus durch eine neue glänzende Partie\nvermehrt.\nDas Schauspiel erfreut sich hier der edelsten Pflege.\nDen Namen Schiller, Goethe und Shakespeare können Sie\nwöchentlich begegnen. Das Ensemble ist ausgezeichnet.\nUnsere ersten Kräfte: Fräulein Erhardt, Frau Flindt,\ndie Herren Devrient, Lebrun, Grobecker, feiern\naugenblicklich Triumphe in Lemberg, Wien, München.\nVor Allem sei aber ein seltenes Factum erwähnt, dass\nhier ein achtzehnjähriger Jüngling, in der Oeffentlichkeit\nnur als Jünger Mercur's bekannt und als solcher kaum die\nLehrjahre in einer Tuchhandlung hinter sich habend, ur-\nplötzlich mit einem in seiner Total- und Einzelwirkung\ngewaltigen Drama „Columbus\" aufgetreten ist. Karl\nKösting ist der Name des Dichters, der zu seiner Aus-\nbildung jetzt in München weilt. Publicum, Presse, alle\nStimmen vereinen sich wunderbar zu seinem Lobe. Er\nverspricht in der That Grosses. Die Sprache des Trauer-\nspiels ist schwungreich, eben so glänzend sind die Gedan-\nken. Wahrlich noch ein Jüngling, aber bereits ein ganzer\nMann an Menschen- und Weltkenntniss!—Auch der Dich-\nter des „letzten Königs der Juden\", Herr Arthur Mül-\nler, lebt hier.\nMit dem 1. Mai wurde das Theater geschlossen. Am\n1. Juni werden sich die Pforten des Musentempels wieder\nerschliessen. Herr Wachtel ist für drei Monate hier en-\ngagirt (?). Ein bemerkenswerther Tenor ist der als Stell-\nvertreter Caffieri's fungirende Herr Schmidt vom deut-\nschen Theater zu Pesth. Sein Tannhäuser, Eleazar, Bobert,\nEd gar sind anerkennenswerthe Leistungen in Gesang und\nDarstellung. Der Cursaal eröffnete seine Hallen am 1.\nApril. Das Leben und Treiben ist schon rege. Die nassaui-\nsche Militärmusik hat in der Person des Herrn Keler\nBela einen neuen, frischen und jugendlich feurigen Führer\nerhalten. Er ist ein vorzüglicher Dirigent, componirt und\narrangirt mit schönem Talente und erregt unter dem Pu-\nblicum ein neues Interesse an den Leistungen der einhei-\nmischen Capelle. Herr Capellmeister Stadt fei dt hat sich\nnach einer vierzigjährigen rühmlichen Thätigkeit ins Privat-\nleben zurückgezogen.\n\nW. W.\n\nFranz Schubert und M. von Schwind.\nDem Vernehmen nach soll einer der angesehensten\nund kunstliebendsten Banquiers in Wien einen Salon in\nseinem neuen Hause mit Illustrationen zu Schubert's Wer-\nken ausmalen lassen und für diese Arbeit Schubert's geist-\nund gemüthvollen Freund M. von Schwind im Auge haben.\nDie Idee hat etwas Zauberisches. Ein besserer Mann ge-\nrade für diese Aufgabe dürfte in der Welt nicht zu finden\nsein. Glühender Verehrer der Musik, verdankt Schwind be-\nkanntlich mehrere seiner schönsten Bilder musicalischen\nAnregungen. Seine Illustrationen zu Beethoven's „Phanta-\nsie Op. 80\" sind mit Recht gefeiert, und eines seiner frühe-\nsten Bilder war eine Composition zu Mozart's „Figaro\",\nwelche Schubert und Grillparzer in die freudigste Aufre-\ngung versetzte. Wenn nun vollends Schwind's Phantasie\nan den Werken seines Lieblings-Componisten und Her-\nzensfreundes Schubert sich befruchtete! Niemals beredter,\nals wenn er auf Schubert zu sprechen kommt, hat uns\nSchwind, auch ohne Pinsel und Palette, manch unvergess-\nliches Stündchen bereitet. Es war während des letzten\nKünstlerfestes in Salzburg, dass Schwind einmal zu später\nAbendstunde in der Kneipe der guten Frau Raith einige\nFreunde um seinen Tisch versammelte. Robert Franz, der\nLieder-Componist, der liebenswürdige Musik-Schriftsteller\nLudwig Nohl, Capellmeister Schläger, Dr. Spatzenecker\nund noch ein oder zwei salzburger Herren bildeten eine\nkleine Tafelrunde, welche, wie Schwind ins Gedenkbuch\nschrieb, „versammelt war, einen von Peter von Cornelius\nvor zehn Jahren dem Dr. Spatzenecker als ärztliches Ho-\nnorar zugedachten Kronenthaler zu vertrinken\". Der treff-\nliche Wein und die Erinnerung an dessen illustre Herkunft\nbrachten Meister Schwind bald in die fröhlichste Laune\nund sein Gespräch auf Franz Schubert, der dem Weine auch\nnicht abhold gewesen. Wir lauschten vergnügt dem Erzäh-\nler und konnten uns nicht satt sehen an dem prächtigen,\nenergischen Kopfe, aus dem die blauen Augen unter den\nweissbuschigen Brauen so froh und geistvoll aufblitzten.\nSchubert ging aus seiner Kneipe oft spät Abends über\ndas Glacis nach Hause. Da dieser Weg damals im Gerüche\neiniger Unsicherheit stand, pflegte Schubert sich für alle\nFälle dadurch zu rüsten, dass er sein Federmesser mit ge-\nöffneten Klingen fest in der Hand hielt. Eines Abends be-\ngleiteten ihn Schwind und Bauernfeld. Bei seiner Wohnung\nangelangt, wollte sich Schubert von den Freunden noch\nnicht trennen und lud sie ein, mit ihm oben eine Pfeife\nTabak zu rauchen. Mit Freuden willigte man ein, über-\nzeugte sich aber bald, dass Schubert im Drange der Gast-\nfreundschaft sein Inventar überschätzt habe. Es fanden sich\nzwar drei Pfeifenrohre, aber nur zwei Pfeifenköpfe. Was"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.7", "texte": "war zu thun? Schubert nahm ein altes Brillen-Futteral,\nbog es zusammen, stopfte es mit Tabak und rauchte aus\ndieser improvisirten Pfeife mit vollkommenstem Behagen.\n—'Eines Morgens fand sich Schwind bei Schubert ein, ihn\nzu einem Ausfluge mitzunehmen. Schubert eilte, seine Toi-\nlette zu beenden, und wühlte in einem Schubladkasten nach\neinem Paar Socken. Aber so lange er auch wühlte, jedes\nPaar erwies sich als unbarmherzig zerrissen. „Schwind,\"\nsagte Schubert am Ende dieser trostlosen Revue mit aber-\ngläubischer Feierlichkeit, „Schwind, jetzt glaube ich wirk-\nlich, es werden keine ganzen mehr gestrickt!\" Von Schu-\nberts fabelhafter Leichtigkeit im Produciren wusste Schwind\nmanches Geschichtchen aus eigener Anschauung. Ei* hatte\nSchubert einmal bei sich in seiner bescheidenen Sommer-\nwohnung zu Heiligenstadt über Nacht behalten. Der fol-\ngende Morgen stellte sich mit schweren Regentropfen ein\nund machte jeden Gedanken an einen Spazirgang unmög-\nlich. Schubert schlenderte missmuthig das Zimmer auf und\nnieder. „Schubert, so tbu'doch was!\" herrschte ihn Schwind\nnach einer Weile an: „Componir' ein Lied!\" „Wie soll\nich das anfangen?\" erwiederte der gelangweilte Gast, „hier,\nwo ich weder ein Piano, noch Notenpapier, noch Lieder-\ntexte habe!\" „Dafür will ich sorgen!\" versicherte\nSchwind. Sprach's und verwandelte mittels Feder und Li-\nneal einige Bogen Conceptpapier in untadelhaftes Noten-\npapier zu drei Systemen, stöberte hierauf eine alte lyrische\nAnthologie aus seiner kleinen Bücbersammlung und be-\nzeichnete fünf bis sechs Gedichte daraus als geeignete mu-\nsicalische Texte. Schubert hatte sie kaum gelesen, als er\nauch schon die Feder lustig über's Papier gleiten liess.\nNoch ehe die Essensstunde schlug, waren die Gedichte\ncomponirt, und so schön componirt, dass Schwind jetzt noch\ngern versichert, jene Notenlinien seien nicht das Werth-\nloseste gewesen, was er je gezeichnet.\n(Ed. Hanslik. „Presse\".)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n14 öl it. In der letzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft lernten wir in Herrn M. von Asan tschewsky einen jun-\ngen Musiker aus Russland kennen, welcher durch den Vortrag einer\nSonate für Pianoforte und Violoncell, die er mit Herrn A. Schmitt\nspielte, und einiger kleineren Ciavierstücke, Beides von seiner\nComposition, Theilnalime erregte und Beifall fand, da man in seinen\nSachen Talent und Originalität der Erfindung wahrnahm.\nIn Wiesbaden erlag vor einigen Wochen der gewesene Capell-\nmeister und Violin-Virtuose Bärwolf mehrjährigen Leiden. Er war\nein Schüler Spohr's und erregte schon im Knabenalter durch die\nAusführung classischer Werke Aufsehen.\nOTainz. Das Personal des darmstädter Hoftheaters gibt in An-\nwesenheit Seiner K. Höh. des Grossherzogs Vorstellungen im Opern-,\nBallet- und Schauspielfache, bisher die Opern: „Sicilianische Vesper4*\nvon Verdi, „Nordstern\" und „Prophet\" von Meyerbeer und „Tann-\nhäuser\" von Rieh. Wagner, wobei trotz der hohen Eintrittspreise ein\nsehr zahlreiches Publicum sich einfand, welches sich namentlich\ndurch das vortreffliche Ensemble von Orchester und Chor in hohem\nGrade befriedigt zeigte, während die Solisten nicht in gleichem\nMaasse Beifall finden konnten. Besonders zündend wirkten die Lei-\nstungen des Orchesters unter der vortrefflichen Leitung des Herrn\nHof-Capellmeisters Schindelmeisser. Dass auch das in Darmstadt\nmit besonderer Vorliebe gepflegte Ballet bei unserem an derartige\nGenüsse nicht gewohnten Publicum grosse Anziehungskraft ausübt,\nist wohl selbstverständlich.\nDie neue Oper von Litolff, „Narhal\", kommt nächsten Sep-\ntember in Baden zur Darstellung. Das Libretto ist von Plouvier\nnach einer Sage aus dem dreissigjährigen Kriege bearbeitet. Auch\nvon Rosenhain wird in Baden eine neue komische Oper, zu wel-\ncher Sauvage den Text geliefert, im Laufe dieser Saison aufgeführt\nwerden.\nRichard Wagner, der von St. Petersbuig gekommen, erzählt,\ndass er dort allerdings ein paar angenehme Wochen, aber auch\neinige sehr unangenehme Tage verlebt habe. Er war nämlich so un-\nvorsichtig gewesen, seine Noten nicht persönlich mitzunehmen, son-\ndern sich dieselben nachsenden zu lassen. Zu seinem grossen Schrecken\nblieb die Sendung aus. Da er wusste, dass dieselbe abgegangen sei,\nso kann man sich denken, dass der Meister in nicht geringe Angst\ngerieth. Er telegraphirte augenblicklich, erhielt aber keine Beruhi-\ngung und verlebte einige Tage in dieser Stimmung, bis ihm ein\neigenhändiger Brief Langiewicz's zukam, worin ihm dieser an-\nzeigte, dass der betreffende Zug von seinen Leuten überfallen und\nbedeutend erleichtert worden sei, dass er (Wagner) jedoch bezüglich\nseiner Noten, diex ihm auf dem kürzesten Wege alsogleich zugemittelt\nwerden sollten, durchaus nicht beunruhigt sein möge.\nHerl in. 1. Juni. Das von Herrn Blumner in der Lucaskirche\nveranstaltete Concert machte einen freundlichen, ansprechenden Ein-\ndruck. Zwei Chor-Coinpositionen aus der ältesten Zeit des Protestan-\ntismus von Eccard und Gallus standen an der Spitze. Die\netwas herbere Schönheit derselben wurde durch die klare, ruhige\nAusführung und den weichen Wohlklang der Stimmen dem moder-\nnen Verständnisse näher gerückt. Herr Geyer trug die selten ge-\nhörte Tenor-Arie aus dem Messias vor: „Erwacht zu Liedern der\nWonne\", einen Jubelgesang, den ein volleres Organ freilich noch\nauf beflügelteren Schwingen zu den Ohren des Hörers tragen würde;\nauch fehlte der Stimme die abstossende und trennende Kraft in den\nzahlreichen Passagen; die Intonation war aber gut und vieles Ein-\nzelne gelang so vollkommen, als wir es von diesem Sänger erwarten\ndurften. Ein fliessend geführtes, wenn auch nach unserer Ansicht\nallzu vorherrschend in den Gränzen wogenden Wohlklanges gehalte-\nnes Quartett mit Chor aus dem Abraham von Blumner Hess nament-\nlich die Sopranstimme des Fräulein Kümmritz in wohlthuender\nWeise hervortreten. Es schloss sich daran Cherubini's Ave Maria,\ndas Fräulein Decker mit weicher, lieblicher Stimme und inniger,\nmehr der zarteren Seite der Empfindung sich zuneigender Auffassung\nvortrug. Besondere Anerkennung verdienen die schnellen, fliessenden\nund correeten Triller. Die letzten Nummern, die wir hörten, waren\nein Psalm für Doppelchor und Soli von Blumner: „Singet dem Herrn\nein neues Lied\", und ein Psalm für eine Altstimme: „Der Herr ist\nmein Hirt\", ebenfalls von dem Concerfgeber. Letzterer, den Fräulein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630606-01.1.8", "texte": "Baer mit vollem, weichem Tone und inniger Auffassung, nur hier\nund da etwas gedrückt und mit einigen Ungenauigkeiten der Into-\nnation sang, schien uns nicht bedeutsam; der Chorpsalm verdient\ndagegen die Anerkennung, dass der Componist sich bestrebt hat, in-\nnerhalb der Gränzen des Kirchenstils dem Ausdruck der Worte ge-\nrecht zu werden. So treten z. B. die Stellen: „Denn alle Götter der\nVölker sind Götzen\", und: „Das Meer brause\", recht charakteristisch\nhervor. Der Gegensatz zwischen dem fröhlich jauchzenden Anfangs-\nchor und dem mehr feierlich gehaltenen Satze: „Ihr Völker, bringet\nher dem Herrn Ehre und Macht\", ist sehr wirksam. Die Erhabenheit\ndes älteren Kirchenstils hat der Componist freilich nicht erreicht\nund auch wohl kaum erstrebt; es ist der freundliche, bequeme Stil\naus der Periode der Aufklärung, in dem er seinen Psalm gehalten\nhat, der Stil, in dem gewisse formelle Schönheitsgesetze herrschend\ngeworden waren und die erhabene Mystik früherer Zeiten mehr und\nmehr in irdische Klarheit hinüberführten. G. E.\nIn Leipzig beabsichtigt man im „Rosenthaleil, dem bekannten\nLustwalde auf der Nordwestseite der Stadt, dem Andenken des Lie-\nder-Componisten Karl Zöllner ein Denkmal zu errichten. Das\nRosenthal war der Lieblings-Spazirgang des Tonsetzers und manche\nseiner Melodieen sind geradezu an diesem Orte von ihm gefunden\nund zu Papier gebracht worden. Die erste Anregung zu diesem\nDenkmale ward vom „Zöllnerbunde\" gegeben. Das Denkmal-\nComite ist bereits in voller Thätigkeit. Es umfasst Namen wie Rietz\nund Julius Otto in Dresden, Moriz Hauptmann, Roderich Benedix,\nHermann Langer u. A. Ein Aufruf an die Sängervereine Deutsch-\nlands und Oesterreichs, der durch Rundschreiben verbreitet werden\nsoll, wird demnächst aus der Feder Benedix' erlassen werden.\nDie wiener Sing-Akademie hat beschlossen, die durch Steg-\nmayer1 s Ableben erledigte Stelle des Chormeisters Herrn Johann\nBralims (derzeit in Hamburg weilend) anzubieten.\n(Blätter f. Th. u. s. w.)\nDie berühmte Sängerin, Frau Pauline Viardot-\nGarcia, gedenkt die Bühne für immer zu verlassen, um sich ganz\nins Privatleben zurückzuziehen. Dass sie auch ihre Salons schliessen\nwird, geht wohl daraus hervor, dass sie die in ihrem Besitze befind-\nlichen Gemälde, Kunstsachen und dergleichen versteigern lässt. Ihr\nletztes Auftreten soll im ThöcLire lyrique in einer Vorstellung zum\nBesten der Polen Statt finden. Sie wird also ihre dramatische Lauf-\nbahn mit einer politischen Demonstration beschliessen.\nDer Musik-Verleger Flaxland in Paris hat eine sehr umfang-\nreiche Auswahl Schumann'scher Lieder herausgegeben. Die Ueber-\nsetzung der Texte hat der bekannte Libretto-Dichter Jules Bar-\nbier übernommen."}]}