{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-06-20-01", "volume": "bmtnabi_1863-06-20_01", "ocr_sha256": "14c1eb70dc081a26d23776ca1ef33c6aabbb0721a78731f11ed8183b79286bf4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/06/20_01/bmtnabi_1863-06-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-06-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\nDie Nachblüthe der deutschen Tonkunst. Aus Leipzig* (Der Universitäts-Gesaugverein der Pauliner unter Dr. Langer\n„Der Abt von St. Gallen\", komische Oper von Gr. Franz und Herther). Von Dr. Oscar Paul. Aus Münster (Die verflossene Con-\ncert-Saison). \\on F. Nachtrag zum Art. 11. über das vierzigste niederrheinische Musikfest. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Mannheim, „Loreley\", Oper von E. Geibel und Max Bruch Herr E. de Coussemaker in Lille)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-06-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "196", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.2.2", "titre_corps": "Die Nechblüthe der deutschen Tonkunst", "titre_sommaire": "Die Nechblüthe der deutschen Tonkunst", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.1", "debut_caractere": 454, "fin_caractere_exclue": 4951, "texte": "Die Nechblüthe der deutschen Tonkunst\n*).\nNoch mehr, wie das in der älteren französischen De-\nclamations-Oper begründete Musik-Drama, ist die Pro-\ngramm-Musik eine dem innersten deutschen Wesen fremde\nErscheinung; ihr moderner Erfinder ist der Franzose Ber-\nlioz, und Liszt, der ja auch seine Bücher französisch\nschreibt, zeigt sich in der „symphonischen Dichtung\" dem\nIranzösischen Geiste verwandt. Die Programm-Musik, die\nAbart der Instrumental-Musik, welche, um verstanden zu\nwerden, einer besonderen Erklärung bedarf, verläugnet,\nindem sie zugleich das jeder Kunstübung nothwendige\nFormgesetz für nichts achtet, den ersten und wesentlichen\nZug deutscher Instrumental-Musik: die Idealität. Mit wel-\nchem Grunde sich die Pfleger und Vertreter dieser Rich-\ntung auf Beethoven berufen, darauf glauben wir bereits\nzur Genüge geantwortet zu haben, und was Schumann\nbetrifft, so ist man eben nur auf dessen unkünstlerische\nAnfänge zurückgegangen. Die von dem heidelberger Stu-\ndenten geschriebenen „Papillons\" (Op. 2) erschienen Bren-\ndel wirklich so bedeutsam, dass er, der sonst nichts von\nSchumann näher bespricht, sie (a. a. O. S. 506 ff.) „be-\nsonders hervorheben\" zu müssen glaubte**).\nDie späteren Compositionen Schumanu's sind von der\nTendenz, Begebenheiten in äusserlicher Folge abzuschil-\ndern, durchaus frei. Er erklärt sich ausdrücklich gegen die\nBerlioz'schen Programme, die ihm „alle freie Aussicht\nbenahmen\", und selbst die Ueberschriften einzelner\nTonstucke will er nicht allgemein angewandt wissen; er\nverwahrt sich dagegen, dass man, was seiner Persönlichkeit\nentsprach, nun auch sofort zur Kegel erhebe. „Ein nicht\ngutes Zeichen für die Musik bleibt es immer, wenn sie\neiner Überschrift bedarf; sie ist dann gewiss nicht der\ninneren Tiefe entquollen, sondern erst durch irgend eine\näussere Vermittlung angeregt. Dass unsere Kunst gar Vie-\nles ausdrücken, selbst den Gang einer Begebenheit in ihrer\nWeise verfolgen könne, wer wird es läugnen ? Die aber,\n\n*) So lautet die Ueberschrift des 15. Capitels der „kurzen Ge-\nschichte der Musik\" von Dr. Jos. Schlüter, welche\ndemnächht inj Verlage von W. Kugelmann in Leipzig er-\nscheinen wird. Wir machen mit Vergnügen auf diese Schrift\n(von etwa 220 Seiten) durch auszugsweise Mittheilung des\nSchlusses des letzten Capitels aufmerksam. Dieses Bruchstück\nallein wird den Leser schon in Stand setzen, auf die gesunden\nAnsichten zu schliessen, welche das Ganze durchdringen, und\ner wird der Erscheinung des Buches um so mehr mit Verlan-\ngen entgegen xsehen, als es Zeit ist, die Irrlehren anderer\nCompendien der Musikgeschichte aus den Conservatorien zu ver-\ndrängen, Die Redaction.\n**) „Der Inhalt, das Phantasiebild, welches zu Grunde liegt, ist\ndie Schilderang eines Balles, natürlich nicht (?) eine äusser-\nliche Cojpie, nicht ein Abmalen der Ereignisse durch Töne,\nsondern Schilderung des Eindrucks, der Stimmungen bei einem\nBalle. Hin und wieder zwar werden auch Aeusserlich-\nkeiten gezeichnet, aber es verschwimmt im Ganzen Subjectives\nund Objectives phantastisch in einander. Die erste Num-\nmer, ein langsamer Walzer, spricht schon diese nächtliche\nPhantasterei und Träumerei ganz entschieden aus; schon in\ndieser Kleinigkeit ist Schumann's Individualität ausgeprägt, ihr\nvoran geht eine kurze Einleitung in vier Tacten; die Empfin-\ndung beim ersten Eintritte in den Saal scheint mir darin dar-\ngestellt. Die Tanzenden treten aus einander in Nr. 2, die Ver-\nsammlung wogt bunt durch einander. In Nr. 3 springt Bajazzo\nherein und macht allerlei täppische Geberden. Eine Nummer\nleidenschaftlicheren Ausdrucks, 3/b-Tact, dann eine träumerische\nPolonaise führen weiter in die Mitte der Situation. In Nr. 10\nerklingt die Ballmusik nur noch von fern; in einem Neben-\nzimmer entspinnt sich ein zärtliches Zwiegespräch. Die Lie-\nbenden kehren zurück in den Ballsaal. Die Thüren werden\ngeöffnet und die Tanzmusik wird wieder hörbarer. Es folgt\neine Polonaise von stürmischerem, lebendigerem Charakter im\nhellen D-dur, das Ganze beschliesst der Grossvater-Tanz. Die\nMelodie des Walzers, welcher die Scene eröffnete, lässt sich\ngemeinschaftlich mit diesem wieder hören; endlich entfernen\nsich die Gäste und es wird stiller. Die Lichter verlöschen, es\nschlägt 6 Uhr (im hohen A des Discants), der letzte Gast\nschleicht nach Hause, ein Ton nach dem anderen verklingt.\"\nWir fragen, ob das nicht eine ganz äusserliche, realistische\nSchilderung ist? es fehlte nur noch, dass wir erführen, wann\nder Ball angefangen und wie die Damen Toilette gemacht!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5423, "texte": "welche die Wirkung und den Werlh der so entstandenen\nGebilde prüfen wollen, haben eine leichte Probe, sie brau-\nchen nur die Ueberschriflen wegzustreichen.\" In der That\nfällt der Werlh dieser angeblich „charakteristischen\" Mu-\nsik durch die einfache Bemerkung zusammen, dass die mei-\nsten Ueberschriflen nachträglich erfunden werden; nur sind\ndie neuen „Tondichter\" selten so aufrichtig, wie jener,\nder unseren Rath begehrte, ob er seine neu verfertigte\nOuvertüre „Minna von Barnhelm\" oder „Clavigo\" über-\nschreiben solle, oder der von Ambros („Gränzen\" u. s. w.\nS. 136) aufgeführte, „ziemlich renommirte\" Pianist, der\nin der Wahl des Titels für eine grosse Etüde nur noch\nzwischen „Abd-el-Kader\" und „Der Rheinfall bei Schaff-\nhausen\" zweifelhaft war. „Une fille est-elle depourvue de\nbeaute, d'esprit et de dot, on notis vante son caractere.\"\nHector Berlioz, nicht „einer der\", sondern der\n„Hauptträger der neueren Entwicklung\", welche den Man-\ngel idealer Grösse und künstlerisch einheitlicher Gestaltung\ndurch sinnliche Illusion und „grossartiges Detail\", das In-\ncorrecte der Zeichnung durch ein reicheres Colorit ersetzen\nzu können meint, wurde in einem Städtchen des Isfere-De-\npartements am 11. December 1803 geboren. Nach dem\nWillen seines Vaters, der selbst Arzt war, sollte er in Pa-\nris Medicin studiren, aber es wollte nicht. Als ihm in Folge\nseiner Erklärung jede Unterstützung von Hause entzogen\nwurde, liess er sich einige Monate als Chorist bei einem\nVaudeville-Theater gebrauchen, gab dann Singstunden und\nbrachte es so endlich doch dahin, dass er seine Studien im\nConservalorium vollenden konnte. Er erhielt (1830) für\nseine Cantate „Sardanapal\" den Preis und ein Reise-Sti-\npendium nach Italien. Im Jahre 1832 nach Paris zurück-\ngekehrt, brachte er daselbst seine Symphonieen:\nfantastique. Episode de la vie d'un artiste\", und: „Harold\nenltalie\", zur Aufführung. Beide schildern eigene Erleb-\nnisse: jene seine in wilder Leidenschaft für eine Schau-\nspielerin erzeugten Traumgesichte (endend mit Henker-\nmarsch, Guillotine und Hexensabbat), diese, mit obligater\nBratsche (Harold!), die in Italien von Land und Leuten\nempfangenen Eindrücke: Harold im Gebirge, Scenen der\nMelancholie, des Glückes und der Freude Pilgerzug\nStändchen in den Abruzzen Orgie der Banditen. Mit\nByron's Childe Harold (4. Gesang) hat die Symphonie wei-\nter nichts gemein, er hätte sie eben sowohl, wie Ambros\nsagt, Berlioz en Italie oder auch nach der gewöhnlichen\nWeise ganz allgemein Souvenirs d'ltalie überschreiben\nkönnen.\nEin ganzes Dichterwerk, Shakespeare's „Romeo und\nJulie\", durch die Mittel des Orchesters zur Darstellung zu\nbringen, versuchte Berlioz in der „dramatischen Sympho-\nnie\" Romeo et Juliette.Auf die Einleitung über die erste\nScene der Tragödie (Dispute) und einen vom Chor gesun-\ngenen „Prolog\" mit zwei eingelegten Liedern (Strophen-\nlied für Alt: Lob der Liebe, Italiens und Shakespeare's\nTenor-Solo: „Erzählung von der Fee Mab\") folgen, wie-\nderum durch Chor- und Instrumentalsätze erläutert und\nverbunden, die liauptscenen des Drama's: Romeo's Me-\nlancholie, Ball bei Capulet die Balconscene die Fee\nMab (ein der Erzählung Mercutio's entnommenes Motiv)\ndie Scene in der Gruft. Berlioz hat seine Absicht, Sha-\nkespeare musicalisch zu reproduciren, nicht erreicht, denn\ner verstand es nicht, die Menge der nur durch die ge-\nnaueste Kenntniss der Dichtung versländlichen Einzelheiten\nunter die Einheit einer künstlerischen Idee zu sammeln,\nd. h. das Einzelne nach den Gesetzen der musicalischen\nConstruction zu gruppiren und zu einem harmonischen\nGanzen zu ordnen. Daher that er besser, in der Faust-\nLegende die symphonische Form nicht anzuwenden und\nsich auf die Wiedergabe einzelner Scenen zu beschränken:\nEinleitung, Rakoczy-Marsch (statt des Soldatenliedes),\nBauerntanz unter der Linde, Mephisto's Floh- und Ratten-\nlied u. s. w.\nAls originel erfundene Musikstücke —in strengem Be-\nzüge auf das Ganze beide hors —sind der Rakoczy-\nMarsch und das Scherzo „La berühmt gewor-\nden, gekannt wenig. Berlioz berechnete die Effecte seiner\nInstrumentation für eine so starke Besetzung (mindestens\nfünfzehn erste und eben so viele zweite Violinen, zehn Vio-\nlen u. s. w.), dass, von Anderem abgesehen, seine Werke\nschon desshalb keine Verbreitung finden konnten. Als er\naber auch in Paris „keine nachhaltige Theilnahme fand\",\nd. h. als die Franzosen es satt hallen, unternahm er im\nJahre 1843 eine Kunslreise nach Deutschland, kam jedoch\nhier, wie Brendel meint, noch zu früh. „Man war damals\nbei uns noch nicht reif für die Berlioz'schen Neuerungen.\"\nDas Einzige, womit Berlioz gleich damals Anerkennung\ngewann, war das glänzende, phantastische Colorit, das er\nseinen an sich wenig bedeutenden Compositionen zu geben\nwusste. Unter den Wenigen, die für ihn als Componisten\neintraten, war auch Liszt. Dieser lud ihn sogar im Jahre\n1852 nach Weimar, wo unter seiner Leitung die Romeo-\nSymphonie, die Faust-Legende und die Oper „Benvenuto\nCellini\" (deren zweites Finale der Carneval) zur Auffüh-\nrung gelangten. Das einzige gesunde und einheitlich ge-\ndachte Werk, das die durch Berlioz begründete Richtung\nhervorgebracht, ist die Symphonie-Ode „Le Desert\" (die\nWüste) von David (geb. 1810); die späteren\nSymphonie-Cantaten: „Moses auf Sinai\" und „Columbüs\",\nhallen, wie auch seine Opern, nur geringen Erfolg.\nWar bei Berlioz noch Einiges anzuerkennen, so führt\nuns die „Symphonische Dichtung\" Liszt's hart an die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5361, "texte": "Gränze, wo die Musik Kunst zu sein aufhört; sie wird\ndurch principielle Bevorzugung des Gedankenhalten. „Hoch-\nsymbolischen\" Negation ihrer selbst cogitat, ergo non\nest. „Musik des Geistes\", die dem Geiste das Wort und\nder Musik die Seele nimmt! Dass Liszt für musicalische\nBehandlung zum Theil höchst undankbare Stoffe wählte,\nist bei Beurtheilunij der symphonischen Dichtungen wohl\nzu berücksichtigen; zugleich aber wird man gestehen müs-\nsen, dass die in denselben herrschende Formlosigkeit kei-\nneswegs charakteristisch und durch den Gehalt bedingt\nwar. Näher besehen, ist die symphonische Dichtung ein gar\nverwunderliches Gegenstück zur alten Suite: sie will als\nGanzes etwas bedeuten, ohne im Einzelnen etwas an sich\nKlares und Verständliches gesagt zu haben. „Natürlich\ngeht Alles in Einem Zuge ohne Unterbrechung fort und\nein Theil geht und wächst in den anderen hinein, ohne es\nzu einer geschlossenen und gerundeten Gestalt gebracht\nzu haben—das Geschlossene und Gerundete ist eben erst\ndie ganze symphonische Dichtung.\" So Ambros, der\nhalbe Lobredner Liszt's, von den „Idealen\"; ihm gehört\nauch das vortreffliche Wort: „Diese Werke sind nicht,\nsie bedeuten!\" Dass übrigens in der langen Reihe der\nsymphonischen Dichtungen (z. B. im Faust, Tasso und\nPrometheus) auch annehmbare und wirksame Musikstücke\nvorkommen, ist bei einem Musiker wie Liszt wohl natür-\nlich, der Eindruck des Ganzen aber bleibt leeres, schauer-\nliches Missbehagen, das sich an manchen Orten selbst in\nungehöriger Weise Luft zu machen gesucht hat. Als Vir-\ntuose ist Liszt eine einzige Erscheinung, als Schriftsteller\ngebührt ihm unter den Musikern eine hervorragende Stelle,\nals Componist blieb er, was er in seinen zahlreichen\ntitions dx Piano, Paraphrasen, Transscriptionen (Beetho-\nven, Mendelssohn, Wagner, Meyerbeer, Verdi u. s. vv.)\ngewesen war Uebersetzer.\nWas Liszt in der symphonischen Dichtung vergeblich,\nversuchten Andere, nach dem Beispiele Mendelssohn's und\nBeethoven's, in der Ouvertüre, welche mit Aufgabe der\nspeciellen Beziehungen den Gesammt-Charakter der Dich-\ntung in wohl begränzten, musicalisch schönen Formen dar-\nstellen soll. Zu den besseren der letzthin erschienenen ge-\nhören die Gade's zu „Hamlet\" und „Michel Angelo\" [?],\nSchindelmeisser's zu „Uriel Acosta\" (diese allerdings\nstark an Meyerbeer erinnernd) und Wold. Bargiel's zur\n„Medea\", W. Taubert's zu Shakespeare's „Sturm\", K.\nReinecke's zu „Alladin\" und „Dame Kobold\". Leider\nhat sich aber auch eine beträchtliche Zahl minder begabter\nComponisten dahinter gemacht, und geht das so fort, so\nwerden wir bald für jedes Drama eine besondere Ouver-\ntüre haben. Zum Schlüsse kämen dann wieder die kleinen\nUeberschrilts-Musiker, die poetischen Clavierspieler, welche\nin der frommen Absicht, einen poetischeren, charakteristi-\nschen Inhalt darzustellen, uns allein mit ihrem armen Ich\nquälen. „Sie toben, wie vom bösen Geiste gelrieben, Und\nnennen's Freude, nennen's Gesang.\" Ihre Werke zeigen\ndem blödesten Auge die beiden Merkmale, woran Goethe\nvorzugsweise den Rückgang unserer Dichtungs-Epoche\nund ihre Auflösung, so wie die Unfruchtbarkeit der Dich-\nter erkannte: die Ausbildung des Technischen und die\nRichtung nach dem Subjectiven (vgl. Gervinus' Geschichte\nder deutschen Dichtung, V, S. 659). Und auch bei den\ngrösseren Werken haben gerade die gerühmten engeren\nBeziehungen der Musik zur Poesie nur einen subjectiven\nGrund, gerade diese neueste Errungenschaft hat Alles ver-\nrückt und durch einander geworfen, und es wird die höchste\nZeit, es allseits zu erkennen, dass die Gränzen der Kunst\nnothwendig auch die Gränzen des Schönen sind*).\nWie in der Oper durch Wagner, so ist in der Inslru-\nmental-Musik durch Berlioz und Liszt das künstlerische\nGleichgewicht zwischen der Form und dem geistigen Ge-\nhalte gestört, und unsicher schwankt die Kunst zwischen\nihren entgegengesetzten Polen, einem crassen Realismus\nund einem abstracten Idealismus, ohne deren lebendige\nMitte zu finden. Man ist im Princip weiter vorgeschritten,\nals in der Ausführung. Aber nicht welche Ziele sich der\nKünstler gestellt, was er sich bei seinem Werke gedacht,\nkann uns kümmern, sondern nur, was er kann und schafft:\nAnerkennung und ungeheuchelte Theilnahme wird er nur\ndann finden können, wenn er, was er wollte, auch wirk-\nlich mit den Mitteln seiner Kunst erreicht. „Die eigentliche\nBestimmung einer schönen Kunst\", sagt der grösste aller\nKunst-Philosphen, Lessing, „kann nur dasjenige sein,\nwas sie ohne Beihülfe einer anderen hervorzubringen im\nStande ist. Die neuen Maler machen offenbar das Mittel\nzur Absicht. Sie malen Historien, um Historien zu malen,\nund bedenken nicht, dass sie dadurch ihre Kunst zu einer\nHülfe anderer Künste und Wissenschaften machen, oder\nwenigstens sich die Hülfe der anderen Künste und Wissen-\nschaften so unentbehrlich machen, dass* ihre Kunst den\nWerth einer primitiven Kunst gänzlich dadurch verliert.\"\nBei den Nachahmern, den Componisten Liszt und\nWagner, stellt sich die Sache natürlich erst recht schlimm.\nDiese Herren thaten, als brauche man sich nur bequem\ngehen zu lassen, um genial und modern zu sein, sie com-\nponiren im Grunde nicht mehr, sie poniren einfach und\n\n„Welch ein Schweifen, welch ein Irren!\nAlle Gränzen wild verwirren,\nUnsre Zeit nimrnts für Genie.\n*\nTonkunst will Gedanken klingen,\nDichtkunst eitel Farben bringen,\nMalerei malt Poesie.\" Em an. G ei bei.\n1*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1169, "texte": "verlangen dann, dass man nach Anweisung des Programms\noder der Ueberschrift etwas daraus mache. Was gemacht\nworden ist, braucht nicht mehr gemacht zu werden, und\nwas gemacht werden kann, muss gemacht werden. Zum\nGlück ist aber die Zahl derer, welche sich mit gleichem\nFrevelmuthe an der Form versündigten, nur sehr klein,\nund ob sie auch triumphiren, dass ihre guten Freunde\nihnen den Frevel gegen die heiligen Gesetze der Kunst als\nhöheren Beruf und treue Förderung des Wahren und\nSchönen anrechnen und alle Andersdenkenden mit den\nRegulativen einer neu erfundenen Aesthetik, der „Aesthe-\ntik des Hässlichen\"*), auf Leben und Tod verfolgen, es\nsollte uns eben keine Besorgniss einflössen. Die „neudeut-\nsche Schule\", wie sie jetzt officiel genannt sein will, wird\nsich unzweifelhaft in eben so rascher Frist überlebt haben,\nwie die Sturm- und Drangzeit der siebenziger Jahre und\ndas junge Deutschland der Literatur, und weit eher ist zu\nbesorgen, dass, was allein noch in R. Wagner's bekannten\nWerken als ein gesunder und bildungsfähiger Reim liegt,\nunentwickelt bleibe, als dass es mit der angekündigten\nFreiheit und Gleichheit aller Kunst jemals Ernst werden\nkönnte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-06-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "199", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.2.3", "titre_corps": "Aus Leipzig.", "titre_sommaire": "Aus Leipzig.", "signature_source": "Oscar Paul", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.4", "debut_caractere": 1171, "fin_caractere_exclue": 5695, "texte": "Aus Leipzig.\n\n(Der Universitäts-Gesangverein der Pauliner unter Dr. Langer.\n„Der Abt von St. Gallen\", komische Oper von G. Franz und\nH e r t h e r.)\nIn der kurzen Zeit unseres jetzigen Aufenthalles war\nuns historischer Arbeiten halber nur verstattet, die wich-\ntigsten musicalischen Erscheinungen zu berücksichtigen.\nZu diesen gehört vor allen Dingen der gegenwärtige Stand-\npunkt des Universitäts-Gesangvereins der Pauliner. Der Di-\nrigent dieses Vereins, Herr Dr. Langer, welcher die sel-\ntene Gabe besitzt, den freien, keine Herrschaft vertragen-\nden Sinn der Studenten mit einem vorzüglichen Tacte zu\nlenken und ihn für die classischen Tonschöpfungen unserer\nbesten Meister zu begeistern, konnte in diesem Semester\n(um mit der Studentensprache zu reden) eine „Fuchs-Auf-\nnahme\" bewerkstelligen, welche zu den schönsten Hoffnun-\ngen für die Aufführungen im künftigen Winter berechtigt.\nDer Verein besteht jetzt aus etwa hundert Studenten, die\nallwöchentlich im Universiläls-Gebäude ihre Uebungen\nhalten. Mit künstlerischer Gewissenhaftigkeit werden nur\nGesänge von anerkannten Meistern studirt, z. ß. von Gum-\npeltzheimer, C. M. von Weber, Mendelssohn, Schumann,\nJulius Rietz, M. Hauptmann, Ferd. Hiller u. s. w. Der\nSchriftführer des Vereins, Herr Stud. theol. Hausmann,\nerlangte nach vielfältigen Bemühungen von den Herren\nVerlegern die Berechtigung zu einer Miniatur-Ausgabe der\nbesten Partituren für Männerchor, welche bis jetzt geschrie-\nben worden sind. Natürlich darf dieses Büchlein, das A\nund 0 eines jeden Pauliners, nicht über den Kreis des\nVereins hinaus verabreicht werden, sondern hat den Zweck,\njedem Mitgliede Gelegenheit zu bieten, vermittels des Auges\nin den Geist der Compositionen einzudringen.\nZu Fhren-Mitgliedern hat der Verein nur hervorra-\ngende Tonkünstler. Von den hier lebenden Persönlichkeiten\nhaben in den letzten Jahren z. B. M. Hauptmann, Julius\nRietz u. s. w. die Ehren-Mitgliedschaft angenommen, und\nzuletzt ist sie auch Ferdinand Hiller angetragen worden,\nda der Verein die Verdienste dieses Meisters, obgleich er\nfern von Leipzig weilt, in ihrem ganzen Umfange zu wür-\ndigen weiss. Das leipziger Gewandhaus könnte kaum\nohne den Pauliner-Verein grössere Chorwerke zur Auffüh-\nrung bringen, obgleich ihn natürlich ein ebenbürtiger\nFrauenchor zur Seite noch zu ganz anderen Leistungen\nveranlassen würde, wie wir sie erlebten, als Julius Rietz\nim Gewandhause das Scepter führte und mit unbeugsamer\nEnergie allen ihm entgegenstehenden Widerwärtigkeiten\ndie Spitze bot. Wir hoffen im künftigen Winter-Semester\nnoch öfter Gelegenheit zu haben, die Leistungen dieser\nCorporation zu besprechen, und wünschen gegenwärtig\nallen jüngeren Paulinern, denen ja diese Blätter vor Augen\nkommen, ein wackeres, eifriges Streben zur Ehre und zum\nGedeihen des Vereins, welcher mit Recht „der Stolz der\nUniversität\" genannt wird.\nAls zweite musicalifche Erscheinung müssen wir eine\nim Stadttheater zu mehrmaliger Aufführung gelangte neue\nkomische Oper in drei Acten berücksichtigen, welche den\nTitel trägt: „Der Abt von St. Gallen\", und von G.\n\n*) Aesthetik des Hässlichen. Von Karl Rosenkranz. Königs-\nberg, 1853. Eine ästhetische Apologie des Hässlichen lag dem\nberühmten Philosophen fern genug: es soll gerichtet wer-\nden. Von der Musik bemerkt er (S. 50) sehr treffend, dass sie,\nnächst der Poesie, unter allen Künsten am meisten dem Ver-\nfalle ins Hässliche Preis gegeben sei, und dasselbe gewinne\nhier vermöge der grösseren Leichtigkeit der Production und\nder Unsicherheit der Kritik noch mehr Boden, als in der Ma-\nlerei. Das „Wohlgefallen am Hässlichen\", lesen wir auf der\neinen Seite 52, tritt dann hervor, „wenn ein Zeitalter physisch\nund moralisch verderbt ist, für 'die Erfassung des wahrhaften,\naber einfachen Schönen der Kraft entbehrt und noch in der\nKunst das Pikante der frivolen Corruption gemessen will. Ein\nsolches Zeitalter liebt die gemischten Empfindungen, die einen\nWiderspruch zum Inhalt haben. Um die abgestumpften Nerven\naufzukitzeln, wird das Unerhörteste, Disparateste und Widrigste\nzusammengebracht. Die Zerrissenheit der Geister weidet sich\nan dem Hässlichen, weil es für sie gleichsam das Ideal ihrer\nnegativen Zustände wird. Thierhetzen, Gladiatorspiele, lüsterne\nSymplegmen, Oaricaturen, sinnlich verweichlichende Melodieen,\nkolossale Instrumentirung, in der Literatur eine Poesie von\nKotli und Blut sind solchen Perioden eigen.\" Wäre der Ver-\nfasser Kenner der neueren Literatur, so würde ihm gewiss die\nMusik den reichsten Beitrag zu seinen Betrachtungen geliefert\nhaben."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5237, "texte": "Franz gedichtet, von F. Herther in Musik gesetzt wor-\nden ist. Das bekannte Gedicht von Bürger hat dem Ver-\nfasser dieses Operntextes zum Vorwurfe gedient.\nIm ersten Acte befinden wir uns auf der Abtei St.\nGallen, wo die Landleute sich versammelt haben, um dem\nfeisten Herrn Abt den Zehnten ihrer Aernte zu bringen\nund ihn um Fürbitte beim heiligen Benedict anzugehen. Der\nAbt drückt darauf in einigen Worten sein Wohlgefallen\naus über die dargebrachten Gaben, kann jedoch dabei\nnicht unterlassen, seinen Feind, „den trotzigen Kaiser\",\nals Feind der Kirche hinzustellen und ihn als böses Bei-\nspiel für die guten Sitten anzuführen. Er bezeichnet Letz-\nteren als die Ursache, dass „statt Fasten—Schmausen und\nZechen\", „statt Massigkeit Völlerei\", „statt keuscher\nZucht unsittlich Wesen\" überhand genommen hätten.\nDen zornigen Eifer des Abtes unterbrechen Gudula, seine\nHaushälterin, und Hedwig, seine Nichte, mit den Wor-\nten: „Es dampfen die Schüsseln, Euer Mahl ist bereit\",\n„worauf sich schnell sein Zorn zerstreut\". Er treibt mit\nder grössten Hast die Landleute fort, um die Begierde\nnach Essen und Trinken zu befriedigen.\nDer Abt wird jedoch noch zurückgehalten von einem\njungen Hirten, Hans Bend ix, der den Abt und dessen\nHaushälterin Gudula prellen will, um sein Liebchen Hed-\nwig, die Nichte des Abtes, zu sehen und zu küssen. Der\nAbt, wüthend über die Verzögerung der Mahlzeit, fährt\nihn barsch an:\n„Was willst Du noch hier, Du frecher Gesell?\nMarsch fort aus dem Kloster, marsch fort auf der Stell1!\"\nHans Bendix erwiedert jedoch dem Abte:\n..Ihr seid ein weiser, erleuchteter Mann\nUnd hört das Gräschen fast wachsen, sagt man\",\ndurch welche Schmeichelei sich der Abt besänftigen lässt\nund dem Hirten Gehör gibt. Letzterer macht nun dem\nlüsternen Abte den Mund wässerig nach seinem schönen\nLiebchen, welches er aber erst dann heimführen könne,\nwenn er einen alten begehrlichen Gesellen und eine alte\nMatrone, deren Herz nach ihm in Liebesschmerz schmachte,\ngeprellt habe. Der Abt merkt nicht, dass er selbst der zu\nfoppende alte Geselle und die schmachtende Matrone seine\nHaushälterin Gudula sei; er räth daher dem Hans Bendix,\num dessen Liebchen in seine eigenen Arme zu locken, das-\nselbe ins Kloster zu bringen, damit er das Herz des schö-\nnen Mädchens prüfen könne, ob es stark genug sei, Ge-\nfahren zu bestehen. Er ladet darauf den Hirten ein, sich\nmit ihm zum Mahle niederzusetzen, das unter einer Linde\nvor der Abtei bereitet wird. Nun hat Bendix vorläufig sei-\nnen Zweck erreicht, da er sich in der Nähe des Liebchens\naufhalten kann. Die alte Gudula, in Liebe zu Bendix er-\nglüht, bezieht das Verweilen des Hirten auf sich, indem\nsie singt:\n„Bendix hat auch seinen Zehnten gebracht,\nUnd bleibt nun zurück, so wie ich gedacht!\nIch bring' auch die schönsten Gerichte zu Tisch,\nUnd der A\\ ein in dem Humpen ist feurig und frisch.\nNicht tür den Alten gab ich mir die Müh'.\nNur für Bendix, für den ich in Liebe erglüh'.\nSchläft erst der Alte sicher und fest,\nDann setzen wir heimlich uns nieder zum Rest.u\nDoch Hedwig kennt ihren Geliebten besser:\n„Bald muss ich lachen, bald macht's mich bang,\nDenn ich bin's, die seine Liebe errang.\nDoch, um mich zu seh'n hier, kein Mittel es gibt,\nAls dass er sich stellt in die Alte verliebt.44\nNach der Mahlzeit, bei welcher sich der Abt weidlich ge-\npflegt hat, verlangt dieser, dass ihm ein Lied vorgesungen\nwerde. Hedwig entschuldigt sich mit einem Schnupfen,\nund so muss Gudula ein verliebtes Jägerliedchen vortra-\ngen, während Bendix seiner Hedwig verstohlen die Hand\ndrücken kann. Unterdessen ist der Abt eingeschlafen, und\nGudula setzt sich mit dem Liebespaare in eine Laube.\nHier macht nun Hans Bendix, während der Abt im Schlafe\nnoch fortkaut, seiner Hedwig eine Liebeserklärung und\nfragt sie, ob sie mit ihm aus dem Kloster ziehen wolle. Er\nrichtet jedoch scheinbar seine Worte an Gudula. Vor\nVerlegenheit fehlen der Alten die Worte; desshalb antwor-\ntet Hedwig, scheinbar für Gudula sprechend:\n„Sie, die Dich liebt mit Innigkeit,\nSie ist zu folgen Dir bereit.\nUnd tief liest sie in Deinem Blick,\nDort findet sie Frieden und Liebesglück.\"\n„Dort finde ich Frieden und Liebesglück !a ruft Gudula\nschmachtend und gibt dann einen Rath, wie sie es anfan-\ngen wolle, um von dem Alten loszukommen. Sie sagt:\n„Ich werd1 ihn ärgern spät und früh,\nVerbrennen den Braten, versalzen die Brüh';\nIch werd' ihm stören die Mittagsruh1,\nUnd schläft er des Nachts schnell lauf* ich hinzu\nUnd schreie mit greller Stimm' ihm ins' Ohr:\nFeuer! Mörder! der Feind ist vor'm Thor!\nIch will ihn so schauderhaft maltraitiren,\nSo ärgern und quälen und chicaniren,\nBis endlich er ruft in Raserei:\nFahr1 hin zur Hölle und sei frei!\"\n„und dann\", setzt sie schmachtend hinzu:\n+\n„Find1 ich beim Liebsten Frieden und Ruh'!\"\nDer mittlerweile erwachte Abt hat aber diese Worte ge-\nhört. Er (lucht und schimpft:\n„Du Hexe. Du Furie, Du Satanas Du!\"\nund ruft schliesslich seine Klosterknechte, welche Hans\nBendix hinauswerfen sollen. Ehe sich der aber packen\nlässt, droht er dem Abte, ihm sein Liebstes bald zu ent-\nreissen und ihm Küche und Keller zu leeren, und rettet\nsich auf einem ihm bekannten Pfade.\nHier schliesst der erste Act. Im zweiten Acte trifft\nHans Bendix den im Walde verirrten Kaiser, welcher sich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5357, "texte": "für einen Krieger des Kaisers ausgibt, mit seinem Gefolge.\nBeide begegnen sich in ihren Wünschen. Der Kaiser will\ndem Abte gern was am Zeuge flicken und Hans Bendix\nwill Bache nehmen. Letzterer führt also den fremden Krie-\nger auf geheimen Pfaden durch den Wald zum Kloster.\nDie Scene ändert sich und man sieht Hedwig im Kloster,\nan ihren Liebsten denkend und sich alle Liebesscherze und\nNeckereien ausmalend, die sie mit ihm vornehmen wollte,\nwenn er bei ihr sässe. Zum Schlüsse aber wird sie ernst\nund bittet die Heiligen um Schutz für ihren Geliebten.—\nMittlerweile haben die Krieger ihren Weg zum Kloster\ngefunden. Hans Bendix führt sie durch eine geheime Pforte\nin den Klosterhof, und mit lautem Hailoh schrecken sie den\nAbt und die Mönche aus dem Schlafe, holen die Weinfäs-\nser aus dem Keller und zwingen den Abt, ein Hoch auf\nden Wein und auf die Mädchen auszubringen. Wider\nWillen muss er gehorchen; als die Krieger ihm aber be-\nfehlen, den Kaiser leben zu lassen, weigert er sich ent-\nschieden, indem er sagt, dass er wohl auf das Verderben,\nnie aber auf das Wohl des Kaisers trinken werde. Da gibt\nsich der Kaiser zu erkennen. Von tödtlichem Schrecken\nergriffen, sucht der Abt den Kaiser zu besänftigen. Letz-\nterer lässt Gnade für Becht ergehen und gibt dem Abte,\nwelchen „die Aeste eines Baumes doch nicht tragen wür-\nden\", die bekannten drei Fragen (nach Bürger's Gedicht)\nzur Beantwortung auf. Zum Schlüsse fordert der Kaiser\ndie herbeigeeilten Bauern auf, di 6 Hacke mit dem Schwerte\nzu vertauschen und ihm die Mauern und Burgen des Fein-\ndes zerstören zu helfen. Alles folgt dem Kaiser und auch\nBendix, begleitet von seinem Liebchen Hedwig, schliesst\nsich dem Kriegszuge an.\nDer dritte Act spielt drei Monate später zu Constanz,\nwo der Abt die drei Fragen beantworten oder im Falle\ndes Unvermögens 'zum Eselsritt verdammt werden soll.\nHedwig gibt ihrem Geliebten Bendix den Rath, den Abt\nzu retten, da er sich nur dadurch der Bache der Mönche\nentziehen und sie selbst von der Kirche gesegnet freien\nkönne. Nach dieser Unterredung erscheint der früher\nso feiste Abt mager und abgehärmt; Gudula folgt ihm\nhöhnisch und schreit ihm fortwährend ins Ohr, dass er\njetzt die Rache des Kaisers fühlen werde. Hedwig, die mit\nHans schon die Beantwortungen verabredet, hüllt ihren\nGeliebten in Mantel und Kapuze, schmückt ihn mit Käpp-\nchen und Kreuzchen wie einen Abt, und wird somit der\nrettende Engel. Sie wirft einen Kriegeranzug hin, mit wel-\nchem sich der ganz verwirrte Abt willenlos bekleiden lässt.\nDer Herold erscheint und entbietet den vermeintlichen Abt\nHans Bendix vor den Reichstag. Hier thront der Kaiser\nund empfängt ihn so, wie es in dem Gedichte von Bürger\ngeschildert wird. Der wirkliche Abt, als Krieger verklei-\ndet, spielt an den Schranken lausehend eine äusserst komi-\nsche Figur. Er fällt in Ohnmacht, als sich Hans Bendix\nbei Beantwortung der dritten Frage zu erkennen gibt. Der\nKaiser, entzückt über den lustigen Schwank des Hirten,\nwill diesen zum Abte einsetzen und den wirklichen Abt\ndennoch „zum Esel verdammen\". Die schlaue Hedwig\nhilft aber wieder mit ihrem Mutterwitze aus. Sie stellt sich\nhinter ihren Geliebten und sagt ihm vor, was dieser ge-\ntreulich nachspricht:\n„Du kannst ja (ich kann ja) nicht lesen, nicht rechnen und\nschreiben,\nDu weisst auch kein sterbendes Wörtchen Latein!\nUnd dann kann ja ein Abt auch sein Liebchen nicht frei'nl\"\nwodurch sich der Kaiser veranlasst fühlt, Hans Bendix in\nseinem Stande zu lassen. Dem Abte wird verziehen und\nihm aufgetragen, den Bund der Liebenden zu segnen.\nGudula, als die am meisten Gefoppte, muss auch Buhe und\nFrieden halten, da der Kaiser jeden Friedensstörer zum\nEselsritt verdammt hat.\nMit einem freudigen Tutti: „Des Friedens Sonne Allen\nscheint!\" schliesst die Oper.\nDie Musik von Herther legt zwar nicht von grosser\nOriginalität Zeugniss ab, sie zeigt aber, dass der Compo-\nponist tüchtige Studien gemacht hat. Im ersten Acte ist\nnamentlich die komische Scene in der Laube, wo Hans\nBendix seine Liebeserklärung anbringt, von reizender\nWirkung. Auch das Jägerliedchen der Gudula ist forme!\ngewandt und natürlich componirt. Im zweiten Acte sind\ndie Kriegerchöre mit dem Solo des Abtes als gut gearbei-\ntete Musikstücke hervorzuheben, und im letzten Acte zeich-\nnet sich das Finale durch Kraft und Frische aus. Die Ge-\nwandtheit, mit Kenntniss für die Singstimmen zu schrei-\nben, ist in der Oper durchweg wahrzunehmen; doch ver-\nleitet sie den Componisten, manche Nummern, die recht\nhübsch angelegt sind, durch allzu viel italiänische Wen-\ndungen zu beeinträchtigen. In der Ouvertüre sind die Haupt-\nMotive der Oper geschickt zu einem geschlossenen Satze\nverarbeitet und gut instrumentirt. Wir glauben versichert\nzu sein, dass alle Bühnen, wenn sie der von Herrn Thea-\nter-Director Wirsing zu Leipzig ins Leben gerufenen,\näusserst geschmackvoll in Scene gesetzten Aufführung\nnachkommen, mit dieser komischen Oper Glück machen\nwerden. Herr Lück (Bass) als Abt, Herr Bübsamen\n(Bariton) als Kaiser, Frau Dr. Bachmann (Mezzo-Sopran)\nals Gudula verdienen alle Anerkennung. Ganz besonders\nist aber die jugendliche Sängerin Fräulein Harry hervor-\nzuheben, welche die nicht leichte Partie der Nichte des\nAbtes in ganz reizender und anmuthiger .Weise zur Gel-\ntung brachte. Ihre sehr anerkennenswerthe Gesangsbildung,\nverbunden mit natürlichem Darstellungs-Talente, sichern"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 583, "texte": "der liebenswürdigen Sängerin eine gute Zukunft. Herr\nJungmann (Tenor) als Hans Bendix hätte zuweilen mehr\npfiffigen Humor, wie ihn die Rolle verlangt, entwickeln\nkönnen.\nWie wir vernehmen, soll der Componist ein musicali-\nscher Hauslehrer in Norddeutschland sein, der seine Oper\njetzt in Druck erscheinen lässt. Wir theilen diese Angabe\njedoch nicht als verbürgt mit, da uns nur eine Privat-Mit-\ntheilung als Gewähr zur Seite steht und wir jetzt am Gen-\nfer See für den Augenblick aus allem musicalischen Ver-\nkehr mit dem Norden von Deutschland herausgerissen sind.\n\nDr. Oscar Paul."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-06-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "200", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.2.4", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.7", "debut_caractere": 585, "fin_caractere_exclue": 4911, "texte": "Aus Münster.\nAiifang Juni 1863.\nAuch in der verflossenen Concert-Saison hat unser\nMusik-Verein durch zwölf Vereins-Concerte und vier auf\nbesondere Veranlassung veranstaltete unter der .umsichti-\ngen und sorgfältigen Leitung des Herrn Musik-Directors\nJulius Grimm der in hiesiger Stadt in erfreulichem Grade\nvorhandenen Liebe zur Tonkunst reiche Nahrung geboten\nund wie seit Jahren, so auch jetzt wiederum gezeigt, dass\nnicht ausschliesslich in Residenzen und Metropolen, son-\ndern auch unter bescheidenen Verhältnissen Musik-Insti-\ntute dauernden Bestand haben können, wofern nur parti-\ncularistische Tendenzen ausgeschlossen bleiben und wahre\nLiebe zur Kunst die Einigung der vorhandenen musicali-\nschen Elemente hervorbringt und erhält.\nIndem der Musik-Verein es sich zur Aufgabe gemacht\nhat, durch eine jährliche Veranstaltung von mindestens\nzwölf Concerten eine reiche Anzahl classischer Tonwerke\nzu Gehör zu bringen, steht es selbstredend nicht in seiner\nMacht, zu jedem Concerte fremde hervorragende Solisten\nhinzuzuziehen. Dies geschah denn auch in der verflossenen\nPeriode nur bei einzelnen grösseren Aufführungen, so am\nCäcilien-Tage, wo wir in der zweiten Cantate aus dem\nNVei h nach ts - 0 rat ori u m von Bach und in der Lo-\nre ley von F. Hiller die herrliche Stimme des Herrn Dr.\nGunz bewundern konnten; sodann in den an den Tagen\ndes 6. und 7, Februar zur Einweihung des prächtigen\nstädtischen Festsaales veranstalteten grossen Concerten,\nwo Händel's „Messias\" aufgeführt wurde. Die Soli\nwaren in den Händen der Damen Weis aus Hannover,\nA. v. Siebold aus Göttingen und der Herren Otto aus\nBerlin und Bietzacher aus Hannover. Die Vereinigung\nso treff licher Solostimmen, der vortrefflich einstudirte Chor\nvon 154 Mitgliedern, das 52 Mitwirkende zählende Orche-\nster, hier zum ersten Male unterstützt durch die Orgel,\nwelche der bewährte Dom-Organist Herr Hüls spielte,\nmachten die Auflührung des grossen Oratoriums zu einer\nder bedeutendsten in der Reihe der seit Jahren hier Statt\ngefundenen grösseren Concerte.\nAusser den genannten Solisten hörten wir noch in\nzwei Concerten mit grossem Vergnügen Fräulein Rothen-\nberger aus Köln als Leonore in Mendelssohn s Loreley-\nFinale und in Arien aus der Schöpfung und dem Don Juan.\nWährend in früheren Jahren die Vereins-Concerte in\nBeziehung auf Instrumental-Solovorträge fast ausschliess-\nlich auf das Pianoforte beschränkt bleiben mussten, ist\nseit vorigem Jahre durch die Berufung des Herrn G. A.\nBargheer als Concertmeister ein tüchtiger Geiger ge-\nwonnen worden. Herr Bargheer ist aus Detmold gebürtig.\nSein schon früh sich zeigendes Talent für die Geige zog\nihm die Aufmerksamkeit und Gunst seines Fürsten zu, die\nihm seine weitere Ausbildung unter Spohr und Joachim\nermöglichten. Im Herbste 1861 folgte er dem auf Anre-\ngung des Musik-Directors Grimm an ihn gerichteten Rufe\nhieher, wo denn auch seine Leistungen verdiente Anerken-\nnung gefunden haben. In den letztjährigen Concerten\nspielte er Concerte von Spohr (VIII. und IX.), Mendels-\nsohn, Rode, Viotti, Romanze in F von Beethoven, Cia-\nconne von Bach und Polonaise Op. 40 von Spohr.\nUnter den übrigen Instrumental-Solovorträgen heben\nwir hervor das Clavier-Concert in von Beethoven,\nvortrefflich gespielt von Herrn Grimm, so wie die Va-\nriationen Op. 17 von Mendelssohn für Pianoforte und Vio-\nloncell, vorgetragen von Frau Philippine Grimm und\nHerrn Val. Müller.\nVon grösseren Tonwerken sind in den Concerten zur\nAufführung gekommen:\n1) Symphonieen: Fünf von Beethoven (1., 11., VI.,\nVII., VIII.) ; je zwei von Haydn ' B-dur und G-dur) und\nMozart (C-dur Op. 34 und D-dur); je eine von von Ph. E.\nBach [D-dur), Onslow [D-moll), Schubert Men-\ndelssohn [A-moll), Schumann [D-moll). Ferner Serenade\nvon J. Brahms und canonische Suite von J. Grimm.\n2) Ouvertüren: Vier von Weber (Euryanthe, Obe-\nron, Freischütz, Pretiosa), drei von Mendelssohn (Melusine,\nAthalia, Ruy-Blas), je zwei von Beethoven (Leonore 111,\nKönig Stephan) und von Cherubini (Wasserträger, Aben-\ncerragen), je eine von Mehul und von Bar-\ngiel (Medea).\n3) Werke für Chor, Solo und Orchester:\nBach (Weihnachts-Cantate); Händel (Messias Chöre\naus Athalia); Mozart [Reqiäem Ave verum)-, Webej\n(Musik zu Pretiosa); Schubert (Gesang der Geister über\nden Wassern—Nachtgesang im Walde Ode: „Gott im\nUngewitter\"); Mendelssohn fPsalm 95 Athalia—Lo-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1186, "texte": "reley); Schumann (Vom Pagen und der Königstochter);\nHiller (Loreley); Wüllner Grimm\n(Hymne: „Seele und Tona).\n4) Arien, ein- und mehrstimmige Lieder von\nHändel, Haydn, Beethoven, Mozart, Gluck, Mendelssohn,\nSchubert, Schumann, Esser, Kirchner, Grimm.\nIm Anschluss hieran berichten wir noch kurz, dass\nauch die Kammermusik im verflossenen Winter in drei\nvon den Herren Grimm und Bargheer gegebenen Soireen\nihre Vertretung gefunden hat, in welchen Mendelssohn's\nOctett, Schumann's Quintett Op. 44, Mozart's Quintett\nG-moll,Beethoven'« und Haydn's Trios in Sonaten\nund Duos von Bach, Beethoven, Mozart, so wie eine So-\nnate für Pianoforte und Violine von Grimm (Manuscript),\nund Clavier-Duette (Manuscript) gemacht wurden. F.\nNachtrag zum Art. 11. über das 40. niederrh.\nMusik fest. In dem Berichte über den dritten Tag ist\nzufällig der Vortrag der Phantasie und Fuge in\nvon J. S. Bach durch den trefilichen und durch wackere\nCompositionen bekannten Organisten Herrn J. A. van\nEyken auf der von Sonreck in Köln gebauten Orgel\nnicht erwähnt worden. Das Publicum zeigte durch grosse\nAufmerksamkeit Verständniss für Bach'sche Musik und\nzeichnete den Spieler durch lebhaften Beifall aus. L. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-06-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.8", "debut_caractere": 1188, "fin_caractere_exclue": 5039, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\njflaiftiftlieilftft, 15. Juni. Gestern Abend fand im hiesigen Hof-\ntheater die erste Aufführung der grossen romantischen Oper „Die\nLoreley*4, Dichtung von Emanuel Geibel, Musik von Max\nBruch aus Köln, bei überfülltem Hause mit vollständigem Erfolge\nStatt, an welchem der Dichter und der Componist, die Darsteller\nund die Ausstattung und die treffliche Leitung des Ganzen durch\nHerrn Capellmeister Vincenz Lachner ihren vollen Antheil in\nAnspruch nehmen keinen. Das mannheimer Theater hat seinen alten\nRuf, die Blüthen deutscher dramatischer Kunst mit Wohlwollen auf-\nzunehmen und ihrer Entfaltung seine Kräfte mit Liebe zu widmen,\neinmal wieder recht schön bewährt; möchte der Geist, welcher die\nVorsteher dieser Kunst-Anstalt belebt, doch auch bei den Leitern\nder grossen Bühnen unserer Residenzstädte einkehren, damit die\ndeutschen Werke, namentlich der musicalisch-dramatischen Kunst,\nnicht, wie so häufig geschieht, den Erzeugnissen des Auslandes nach-\ngestellt würden! In der „Loreley\" von Geibel und Bruch haben wir\neinen Stoff aus der deutschen Sagenwelt, deutsche Poesie und deut-\nsche Musik, und der gestern Abend mit jedem Acte steigende, zu-\nletzt in wahren Jubel ausbrechende Beifall des Publicums hat auf\nglänzende Weise gezeigt, wie empfänglich auch die Menge für das\nwirklich Musicalisch-Schöne ist, sobald es ihm nur geboten wird.\nHerr Bruch wurde nach dem Finale des ersten Actes, das er mit\nRecht, trotz Vorgang, selbständig componirt und somit\ndem Ganzen die gleichmässige individuelle Farbe des Stils erhalten\nbat, gerufen, eben so nach dem grossartigen Finale des zweiten\nActes; und nach dem Schlüsse des dritten Actes ruhte der stiirmi-\nsehe Beifall nicht eher, bis der Componist und die sämmtlichen Trä-\nger der Hauptrollen nochmals erschienen. Das Finale dieses letzten\nActes, in welchem Alles zusammenwirkt, Gesang, Orchester, Deco-\nrationspracht, krönt das ganze Werk, welches dadurch den grossen\nVortheil für den Erfolg hat, dass seine Handlung sich besonders vom\nzweiten Acte an fortwährend steigert und mit einem durch den Verein\naller theatralischen Mittel erzeugten, aber dabei wahrhaft poetischen\nund durch die Musik verklärten Effecte schliesst. Doch wir behalten\nuns eine ausführlichere Besprechung der Oper für die nächste Num-\nmer vor. L. B.\nHerr E. de Cousseftaker in Lille gibt eine neue Sammlung\nder Scriptores de Musica Medii aevi als zweite Reihe der in Ger-\nbe rt's Werk abgedruckten Musikschriften aus dem Mittelalter heraus.\nSeit Jahren beschäftigt sich der genannte Musikgelehrte, Correspon-\ndent des pariser Instituts, der kaiserlichen Akademie zu Wien\nu. s. w., mit der Forschung nach den vom Abte Gerbert nicht ge-\nkannten oder übersehenen Manuscripten in den Bibliotheken von\nItalien, Frankreich, Belgien und England, doch konnten erst jetzt\ndie Hindernisse einer Herausgabe beseitigt werden. Der erste Band\n(in 4to zu 450—500 Seiten in Doppelspalten) ist unter der Presse\nund wird ungedruckte Werke aus dem XII. und XIII. Jahrhundert\nenthalten, unter Anderem Tractate von Hieronymus von Mähren,\nJan von Gerland, Franco von Köln, Pierre Picard, Walter Odington,\nJean Balloce, Robert von Handlo, John Hamboys und mehreren\nAnonymen. Das Buch wird auf starkem holländischem Papier mit\nden besonders dazu hergestellten Notentypen des XIII. Jahrhunderts\ngedruckt. Ein schöner Probedruck liegt uns vor. Es werden nur 250\nExemplare abgezogen. Es erscheint in Heften von 10 Bogen, das\nHeft zu b l 1 ran es. Man unterschreibt bei Aug. Durand in Paris\n(rue des Gres-Sorbonne) oder bei L. Quarrd in Lille. Wer bis\nzum 1. Juli 1860, wo das erste Heft erscheint, unterzeichnet, erhält\nein Exemplar, aui dessen Vortitel* sein Name abgedruckt wird.\nL. B.\nBerichtigung. In der Inhalts-Anzeige von Nr. 24 und auf S. 192,\nZ. 2 v. u. lies La Reole (ein Ort in Frankreich), statt La Cröole."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Nachblüthe der deutschen Tonkunst. Aus Leipzig* (Der Universitäts-Gesaugverein der Pauliner unter Dr. Langer\n„Der Abt von St. Gallen\", komische Oper von Gr. Franz und Herther). Von Dr. Oscar Paul. Aus Münster (Die verflossene Con-\ncert-Saison). \\on F. Nachtrag zum Art. 11. über das vierzigste niederrheinische Musikfest. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Mannheim, „Loreley\", Oper von E. Geibel und Max Bruch Herr E. de Coussemaker in Lille).\n\nDie Nechblüthe der deutschen Tonkunst\n*).\nNoch mehr, wie das in der älteren französischen De-\nclamations-Oper begründete Musik-Drama, ist die Pro-\ngramm-Musik eine dem innersten deutschen Wesen fremde\nErscheinung; ihr moderner Erfinder ist der Franzose Ber-\nlioz, und Liszt, der ja auch seine Bücher französisch\nschreibt, zeigt sich in der „symphonischen Dichtung\" dem\nIranzösischen Geiste verwandt. Die Programm-Musik, die\nAbart der Instrumental-Musik, welche, um verstanden zu\nwerden, einer besonderen Erklärung bedarf, verläugnet,\nindem sie zugleich das jeder Kunstübung nothwendige\nFormgesetz für nichts achtet, den ersten und wesentlichen\nZug deutscher Instrumental-Musik: die Idealität. Mit wel-\nchem Grunde sich die Pfleger und Vertreter dieser Rich-\ntung auf Beethoven berufen, darauf glauben wir bereits\nzur Genüge geantwortet zu haben, und was Schumann\nbetrifft, so ist man eben nur auf dessen unkünstlerische\nAnfänge zurückgegangen. Die von dem heidelberger Stu-\ndenten geschriebenen „Papillons\" (Op. 2) erschienen Bren-\ndel wirklich so bedeutsam, dass er, der sonst nichts von\nSchumann näher bespricht, sie (a. a. O. S. 506 ff.) „be-\nsonders hervorheben\" zu müssen glaubte**).\nDie späteren Compositionen Schumanu's sind von der\nTendenz, Begebenheiten in äusserlicher Folge abzuschil-\ndern, durchaus frei. Er erklärt sich ausdrücklich gegen die\nBerlioz'schen Programme, die ihm „alle freie Aussicht\nbenahmen\", und selbst die Ueberschriften einzelner\nTonstucke will er nicht allgemein angewandt wissen; er\nverwahrt sich dagegen, dass man, was seiner Persönlichkeit\nentsprach, nun auch sofort zur Kegel erhebe. „Ein nicht\ngutes Zeichen für die Musik bleibt es immer, wenn sie\neiner Überschrift bedarf; sie ist dann gewiss nicht der\ninneren Tiefe entquollen, sondern erst durch irgend eine\näussere Vermittlung angeregt. Dass unsere Kunst gar Vie-\nles ausdrücken, selbst den Gang einer Begebenheit in ihrer\nWeise verfolgen könne, wer wird es läugnen ? Die aber,\n\n*) So lautet die Ueberschrift des 15. Capitels der „kurzen Ge-\nschichte der Musik\" von Dr. Jos. Schlüter, welche\ndemnächht inj Verlage von W. Kugelmann in Leipzig er-\nscheinen wird. Wir machen mit Vergnügen auf diese Schrift\n(von etwa 220 Seiten) durch auszugsweise Mittheilung des\nSchlusses des letzten Capitels aufmerksam. Dieses Bruchstück\nallein wird den Leser schon in Stand setzen, auf die gesunden\nAnsichten zu schliessen, welche das Ganze durchdringen, und\ner wird der Erscheinung des Buches um so mehr mit Verlan-\ngen entgegen xsehen, als es Zeit ist, die Irrlehren anderer\nCompendien der Musikgeschichte aus den Conservatorien zu ver-\ndrängen, Die Redaction.\n**) „Der Inhalt, das Phantasiebild, welches zu Grunde liegt, ist\ndie Schilderang eines Balles, natürlich nicht (?) eine äusser-\nliche Cojpie, nicht ein Abmalen der Ereignisse durch Töne,\nsondern Schilderung des Eindrucks, der Stimmungen bei einem\nBalle. Hin und wieder zwar werden auch Aeusserlich-\nkeiten gezeichnet, aber es verschwimmt im Ganzen Subjectives\nund Objectives phantastisch in einander. Die erste Num-\nmer, ein langsamer Walzer, spricht schon diese nächtliche\nPhantasterei und Träumerei ganz entschieden aus; schon in\ndieser Kleinigkeit ist Schumann's Individualität ausgeprägt, ihr\nvoran geht eine kurze Einleitung in vier Tacten; die Empfin-\ndung beim ersten Eintritte in den Saal scheint mir darin dar-\ngestellt. Die Tanzenden treten aus einander in Nr. 2, die Ver-\nsammlung wogt bunt durch einander. In Nr. 3 springt Bajazzo\nherein und macht allerlei täppische Geberden. Eine Nummer\nleidenschaftlicheren Ausdrucks, 3/b-Tact, dann eine träumerische\nPolonaise führen weiter in die Mitte der Situation. In Nr. 10\nerklingt die Ballmusik nur noch von fern; in einem Neben-\nzimmer entspinnt sich ein zärtliches Zwiegespräch. Die Lie-\nbenden kehren zurück in den Ballsaal. Die Thüren werden\ngeöffnet und die Tanzmusik wird wieder hörbarer. Es folgt\neine Polonaise von stürmischerem, lebendigerem Charakter im\nhellen D-dur, das Ganze beschliesst der Grossvater-Tanz. Die\nMelodie des Walzers, welcher die Scene eröffnete, lässt sich\ngemeinschaftlich mit diesem wieder hören; endlich entfernen\nsich die Gäste und es wird stiller. Die Lichter verlöschen, es\nschlägt 6 Uhr (im hohen A des Discants), der letzte Gast\nschleicht nach Hause, ein Ton nach dem anderen verklingt.\"\nWir fragen, ob das nicht eine ganz äusserliche, realistische\nSchilderung ist? es fehlte nur noch, dass wir erführen, wann\nder Ball angefangen und wie die Damen Toilette gemacht!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.2", "texte": "welche die Wirkung und den Werlh der so entstandenen\nGebilde prüfen wollen, haben eine leichte Probe, sie brau-\nchen nur die Ueberschriflen wegzustreichen.\" In der That\nfällt der Werlh dieser angeblich „charakteristischen\" Mu-\nsik durch die einfache Bemerkung zusammen, dass die mei-\nsten Ueberschriflen nachträglich erfunden werden; nur sind\ndie neuen „Tondichter\" selten so aufrichtig, wie jener,\nder unseren Rath begehrte, ob er seine neu verfertigte\nOuvertüre „Minna von Barnhelm\" oder „Clavigo\" über-\nschreiben solle, oder der von Ambros („Gränzen\" u. s. w.\nS. 136) aufgeführte, „ziemlich renommirte\" Pianist, der\nin der Wahl des Titels für eine grosse Etüde nur noch\nzwischen „Abd-el-Kader\" und „Der Rheinfall bei Schaff-\nhausen\" zweifelhaft war. „Une fille est-elle depourvue de\nbeaute, d'esprit et de dot, on notis vante son caractere.\"\nHector Berlioz, nicht „einer der\", sondern der\n„Hauptträger der neueren Entwicklung\", welche den Man-\ngel idealer Grösse und künstlerisch einheitlicher Gestaltung\ndurch sinnliche Illusion und „grossartiges Detail\", das In-\ncorrecte der Zeichnung durch ein reicheres Colorit ersetzen\nzu können meint, wurde in einem Städtchen des Isfere-De-\npartements am 11. December 1803 geboren. Nach dem\nWillen seines Vaters, der selbst Arzt war, sollte er in Pa-\nris Medicin studiren, aber es wollte nicht. Als ihm in Folge\nseiner Erklärung jede Unterstützung von Hause entzogen\nwurde, liess er sich einige Monate als Chorist bei einem\nVaudeville-Theater gebrauchen, gab dann Singstunden und\nbrachte es so endlich doch dahin, dass er seine Studien im\nConservalorium vollenden konnte. Er erhielt (1830) für\nseine Cantate „Sardanapal\" den Preis und ein Reise-Sti-\npendium nach Italien. Im Jahre 1832 nach Paris zurück-\ngekehrt, brachte er daselbst seine Symphonieen:\nfantastique. Episode de la vie d'un artiste\", und: „Harold\nenltalie\", zur Aufführung. Beide schildern eigene Erleb-\nnisse: jene seine in wilder Leidenschaft für eine Schau-\nspielerin erzeugten Traumgesichte (endend mit Henker-\nmarsch, Guillotine und Hexensabbat), diese, mit obligater\nBratsche (Harold!), die in Italien von Land und Leuten\nempfangenen Eindrücke: Harold im Gebirge, Scenen der\nMelancholie, des Glückes und der Freude Pilgerzug\nStändchen in den Abruzzen Orgie der Banditen. Mit\nByron's Childe Harold (4. Gesang) hat die Symphonie wei-\nter nichts gemein, er hätte sie eben sowohl, wie Ambros\nsagt, Berlioz en Italie oder auch nach der gewöhnlichen\nWeise ganz allgemein Souvenirs d'ltalie überschreiben\nkönnen.\nEin ganzes Dichterwerk, Shakespeare's „Romeo und\nJulie\", durch die Mittel des Orchesters zur Darstellung zu\nbringen, versuchte Berlioz in der „dramatischen Sympho-\nnie\" Romeo et Juliette.Auf die Einleitung über die erste\nScene der Tragödie (Dispute) und einen vom Chor gesun-\ngenen „Prolog\" mit zwei eingelegten Liedern (Strophen-\nlied für Alt: Lob der Liebe, Italiens und Shakespeare's\nTenor-Solo: „Erzählung von der Fee Mab\") folgen, wie-\nderum durch Chor- und Instrumentalsätze erläutert und\nverbunden, die liauptscenen des Drama's: Romeo's Me-\nlancholie, Ball bei Capulet die Balconscene die Fee\nMab (ein der Erzählung Mercutio's entnommenes Motiv)\ndie Scene in der Gruft. Berlioz hat seine Absicht, Sha-\nkespeare musicalisch zu reproduciren, nicht erreicht, denn\ner verstand es nicht, die Menge der nur durch die ge-\nnaueste Kenntniss der Dichtung versländlichen Einzelheiten\nunter die Einheit einer künstlerischen Idee zu sammeln,\nd. h. das Einzelne nach den Gesetzen der musicalischen\nConstruction zu gruppiren und zu einem harmonischen\nGanzen zu ordnen. Daher that er besser, in der Faust-\nLegende die symphonische Form nicht anzuwenden und\nsich auf die Wiedergabe einzelner Scenen zu beschränken:\nEinleitung, Rakoczy-Marsch (statt des Soldatenliedes),\nBauerntanz unter der Linde, Mephisto's Floh- und Ratten-\nlied u. s. w.\nAls originel erfundene Musikstücke —in strengem Be-\nzüge auf das Ganze beide hors —sind der Rakoczy-\nMarsch und das Scherzo „La berühmt gewor-\nden, gekannt wenig. Berlioz berechnete die Effecte seiner\nInstrumentation für eine so starke Besetzung (mindestens\nfünfzehn erste und eben so viele zweite Violinen, zehn Vio-\nlen u. s. w.), dass, von Anderem abgesehen, seine Werke\nschon desshalb keine Verbreitung finden konnten. Als er\naber auch in Paris „keine nachhaltige Theilnahme fand\",\nd. h. als die Franzosen es satt hallen, unternahm er im\nJahre 1843 eine Kunslreise nach Deutschland, kam jedoch\nhier, wie Brendel meint, noch zu früh. „Man war damals\nbei uns noch nicht reif für die Berlioz'schen Neuerungen.\"\nDas Einzige, womit Berlioz gleich damals Anerkennung\ngewann, war das glänzende, phantastische Colorit, das er\nseinen an sich wenig bedeutenden Compositionen zu geben\nwusste. Unter den Wenigen, die für ihn als Componisten\neintraten, war auch Liszt. Dieser lud ihn sogar im Jahre\n1852 nach Weimar, wo unter seiner Leitung die Romeo-\nSymphonie, die Faust-Legende und die Oper „Benvenuto\nCellini\" (deren zweites Finale der Carneval) zur Auffüh-\nrung gelangten. Das einzige gesunde und einheitlich ge-\ndachte Werk, das die durch Berlioz begründete Richtung\nhervorgebracht, ist die Symphonie-Ode „Le Desert\" (die\nWüste) von David (geb. 1810); die späteren\nSymphonie-Cantaten: „Moses auf Sinai\" und „Columbüs\",\nhallen, wie auch seine Opern, nur geringen Erfolg.\nWar bei Berlioz noch Einiges anzuerkennen, so führt\nuns die „Symphonische Dichtung\" Liszt's hart an die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.3", "texte": "Gränze, wo die Musik Kunst zu sein aufhört; sie wird\ndurch principielle Bevorzugung des Gedankenhalten. „Hoch-\nsymbolischen\" Negation ihrer selbst cogitat, ergo non\nest. „Musik des Geistes\", die dem Geiste das Wort und\nder Musik die Seele nimmt! Dass Liszt für musicalische\nBehandlung zum Theil höchst undankbare Stoffe wählte,\nist bei Beurtheilunij der symphonischen Dichtungen wohl\nzu berücksichtigen; zugleich aber wird man gestehen müs-\nsen, dass die in denselben herrschende Formlosigkeit kei-\nneswegs charakteristisch und durch den Gehalt bedingt\nwar. Näher besehen, ist die symphonische Dichtung ein gar\nverwunderliches Gegenstück zur alten Suite: sie will als\nGanzes etwas bedeuten, ohne im Einzelnen etwas an sich\nKlares und Verständliches gesagt zu haben. „Natürlich\ngeht Alles in Einem Zuge ohne Unterbrechung fort und\nein Theil geht und wächst in den anderen hinein, ohne es\nzu einer geschlossenen und gerundeten Gestalt gebracht\nzu haben—das Geschlossene und Gerundete ist eben erst\ndie ganze symphonische Dichtung.\" So Ambros, der\nhalbe Lobredner Liszt's, von den „Idealen\"; ihm gehört\nauch das vortreffliche Wort: „Diese Werke sind nicht,\nsie bedeuten!\" Dass übrigens in der langen Reihe der\nsymphonischen Dichtungen (z. B. im Faust, Tasso und\nPrometheus) auch annehmbare und wirksame Musikstücke\nvorkommen, ist bei einem Musiker wie Liszt wohl natür-\nlich, der Eindruck des Ganzen aber bleibt leeres, schauer-\nliches Missbehagen, das sich an manchen Orten selbst in\nungehöriger Weise Luft zu machen gesucht hat. Als Vir-\ntuose ist Liszt eine einzige Erscheinung, als Schriftsteller\ngebührt ihm unter den Musikern eine hervorragende Stelle,\nals Componist blieb er, was er in seinen zahlreichen\ntitions dx Piano, Paraphrasen, Transscriptionen (Beetho-\nven, Mendelssohn, Wagner, Meyerbeer, Verdi u. s. vv.)\ngewesen war Uebersetzer.\nWas Liszt in der symphonischen Dichtung vergeblich,\nversuchten Andere, nach dem Beispiele Mendelssohn's und\nBeethoven's, in der Ouvertüre, welche mit Aufgabe der\nspeciellen Beziehungen den Gesammt-Charakter der Dich-\ntung in wohl begränzten, musicalisch schönen Formen dar-\nstellen soll. Zu den besseren der letzthin erschienenen ge-\nhören die Gade's zu „Hamlet\" und „Michel Angelo\" [?],\nSchindelmeisser's zu „Uriel Acosta\" (diese allerdings\nstark an Meyerbeer erinnernd) und Wold. Bargiel's zur\n„Medea\", W. Taubert's zu Shakespeare's „Sturm\", K.\nReinecke's zu „Alladin\" und „Dame Kobold\". Leider\nhat sich aber auch eine beträchtliche Zahl minder begabter\nComponisten dahinter gemacht, und geht das so fort, so\nwerden wir bald für jedes Drama eine besondere Ouver-\ntüre haben. Zum Schlüsse kämen dann wieder die kleinen\nUeberschrilts-Musiker, die poetischen Clavierspieler, welche\nin der frommen Absicht, einen poetischeren, charakteristi-\nschen Inhalt darzustellen, uns allein mit ihrem armen Ich\nquälen. „Sie toben, wie vom bösen Geiste gelrieben, Und\nnennen's Freude, nennen's Gesang.\" Ihre Werke zeigen\ndem blödesten Auge die beiden Merkmale, woran Goethe\nvorzugsweise den Rückgang unserer Dichtungs-Epoche\nund ihre Auflösung, so wie die Unfruchtbarkeit der Dich-\nter erkannte: die Ausbildung des Technischen und die\nRichtung nach dem Subjectiven (vgl. Gervinus' Geschichte\nder deutschen Dichtung, V, S. 659). Und auch bei den\ngrösseren Werken haben gerade die gerühmten engeren\nBeziehungen der Musik zur Poesie nur einen subjectiven\nGrund, gerade diese neueste Errungenschaft hat Alles ver-\nrückt und durch einander geworfen, und es wird die höchste\nZeit, es allseits zu erkennen, dass die Gränzen der Kunst\nnothwendig auch die Gränzen des Schönen sind*).\nWie in der Oper durch Wagner, so ist in der Inslru-\nmental-Musik durch Berlioz und Liszt das künstlerische\nGleichgewicht zwischen der Form und dem geistigen Ge-\nhalte gestört, und unsicher schwankt die Kunst zwischen\nihren entgegengesetzten Polen, einem crassen Realismus\nund einem abstracten Idealismus, ohne deren lebendige\nMitte zu finden. Man ist im Princip weiter vorgeschritten,\nals in der Ausführung. Aber nicht welche Ziele sich der\nKünstler gestellt, was er sich bei seinem Werke gedacht,\nkann uns kümmern, sondern nur, was er kann und schafft:\nAnerkennung und ungeheuchelte Theilnahme wird er nur\ndann finden können, wenn er, was er wollte, auch wirk-\nlich mit den Mitteln seiner Kunst erreicht. „Die eigentliche\nBestimmung einer schönen Kunst\", sagt der grösste aller\nKunst-Philosphen, Lessing, „kann nur dasjenige sein,\nwas sie ohne Beihülfe einer anderen hervorzubringen im\nStande ist. Die neuen Maler machen offenbar das Mittel\nzur Absicht. Sie malen Historien, um Historien zu malen,\nund bedenken nicht, dass sie dadurch ihre Kunst zu einer\nHülfe anderer Künste und Wissenschaften machen, oder\nwenigstens sich die Hülfe der anderen Künste und Wissen-\nschaften so unentbehrlich machen, dass* ihre Kunst den\nWerth einer primitiven Kunst gänzlich dadurch verliert.\"\nBei den Nachahmern, den Componisten Liszt und\nWagner, stellt sich die Sache natürlich erst recht schlimm.\nDiese Herren thaten, als brauche man sich nur bequem\ngehen zu lassen, um genial und modern zu sein, sie com-\nponiren im Grunde nicht mehr, sie poniren einfach und\n\n„Welch ein Schweifen, welch ein Irren!\nAlle Gränzen wild verwirren,\nUnsre Zeit nimrnts für Genie.\n*\nTonkunst will Gedanken klingen,\nDichtkunst eitel Farben bringen,\nMalerei malt Poesie.\" Em an. G ei bei.\n1*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.4", "texte": "verlangen dann, dass man nach Anweisung des Programms\noder der Ueberschrift etwas daraus mache. Was gemacht\nworden ist, braucht nicht mehr gemacht zu werden, und\nwas gemacht werden kann, muss gemacht werden. Zum\nGlück ist aber die Zahl derer, welche sich mit gleichem\nFrevelmuthe an der Form versündigten, nur sehr klein,\nund ob sie auch triumphiren, dass ihre guten Freunde\nihnen den Frevel gegen die heiligen Gesetze der Kunst als\nhöheren Beruf und treue Förderung des Wahren und\nSchönen anrechnen und alle Andersdenkenden mit den\nRegulativen einer neu erfundenen Aesthetik, der „Aesthe-\ntik des Hässlichen\"*), auf Leben und Tod verfolgen, es\nsollte uns eben keine Besorgniss einflössen. Die „neudeut-\nsche Schule\", wie sie jetzt officiel genannt sein will, wird\nsich unzweifelhaft in eben so rascher Frist überlebt haben,\nwie die Sturm- und Drangzeit der siebenziger Jahre und\ndas junge Deutschland der Literatur, und weit eher ist zu\nbesorgen, dass, was allein noch in R. Wagner's bekannten\nWerken als ein gesunder und bildungsfähiger Reim liegt,\nunentwickelt bleibe, als dass es mit der angekündigten\nFreiheit und Gleichheit aller Kunst jemals Ernst werden\nkönnte.\n\nAus Leipzig.\n\n(Der Universitäts-Gesangverein der Pauliner unter Dr. Langer.\n„Der Abt von St. Gallen\", komische Oper von G. Franz und\nH e r t h e r.)\nIn der kurzen Zeit unseres jetzigen Aufenthalles war\nuns historischer Arbeiten halber nur verstattet, die wich-\ntigsten musicalischen Erscheinungen zu berücksichtigen.\nZu diesen gehört vor allen Dingen der gegenwärtige Stand-\npunkt des Universitäts-Gesangvereins der Pauliner. Der Di-\nrigent dieses Vereins, Herr Dr. Langer, welcher die sel-\ntene Gabe besitzt, den freien, keine Herrschaft vertragen-\nden Sinn der Studenten mit einem vorzüglichen Tacte zu\nlenken und ihn für die classischen Tonschöpfungen unserer\nbesten Meister zu begeistern, konnte in diesem Semester\n(um mit der Studentensprache zu reden) eine „Fuchs-Auf-\nnahme\" bewerkstelligen, welche zu den schönsten Hoffnun-\ngen für die Aufführungen im künftigen Winter berechtigt.\nDer Verein besteht jetzt aus etwa hundert Studenten, die\nallwöchentlich im Universiläls-Gebäude ihre Uebungen\nhalten. Mit künstlerischer Gewissenhaftigkeit werden nur\nGesänge von anerkannten Meistern studirt, z. ß. von Gum-\npeltzheimer, C. M. von Weber, Mendelssohn, Schumann,\nJulius Rietz, M. Hauptmann, Ferd. Hiller u. s. w. Der\nSchriftführer des Vereins, Herr Stud. theol. Hausmann,\nerlangte nach vielfältigen Bemühungen von den Herren\nVerlegern die Berechtigung zu einer Miniatur-Ausgabe der\nbesten Partituren für Männerchor, welche bis jetzt geschrie-\nben worden sind. Natürlich darf dieses Büchlein, das A\nund 0 eines jeden Pauliners, nicht über den Kreis des\nVereins hinaus verabreicht werden, sondern hat den Zweck,\njedem Mitgliede Gelegenheit zu bieten, vermittels des Auges\nin den Geist der Compositionen einzudringen.\nZu Fhren-Mitgliedern hat der Verein nur hervorra-\ngende Tonkünstler. Von den hier lebenden Persönlichkeiten\nhaben in den letzten Jahren z. B. M. Hauptmann, Julius\nRietz u. s. w. die Ehren-Mitgliedschaft angenommen, und\nzuletzt ist sie auch Ferdinand Hiller angetragen worden,\nda der Verein die Verdienste dieses Meisters, obgleich er\nfern von Leipzig weilt, in ihrem ganzen Umfange zu wür-\ndigen weiss. Das leipziger Gewandhaus könnte kaum\nohne den Pauliner-Verein grössere Chorwerke zur Auffüh-\nrung bringen, obgleich ihn natürlich ein ebenbürtiger\nFrauenchor zur Seite noch zu ganz anderen Leistungen\nveranlassen würde, wie wir sie erlebten, als Julius Rietz\nim Gewandhause das Scepter führte und mit unbeugsamer\nEnergie allen ihm entgegenstehenden Widerwärtigkeiten\ndie Spitze bot. Wir hoffen im künftigen Winter-Semester\nnoch öfter Gelegenheit zu haben, die Leistungen dieser\nCorporation zu besprechen, und wünschen gegenwärtig\nallen jüngeren Paulinern, denen ja diese Blätter vor Augen\nkommen, ein wackeres, eifriges Streben zur Ehre und zum\nGedeihen des Vereins, welcher mit Recht „der Stolz der\nUniversität\" genannt wird.\nAls zweite musicalifche Erscheinung müssen wir eine\nim Stadttheater zu mehrmaliger Aufführung gelangte neue\nkomische Oper in drei Acten berücksichtigen, welche den\nTitel trägt: „Der Abt von St. Gallen\", und von G.\n\n*) Aesthetik des Hässlichen. Von Karl Rosenkranz. Königs-\nberg, 1853. Eine ästhetische Apologie des Hässlichen lag dem\nberühmten Philosophen fern genug: es soll gerichtet wer-\nden. Von der Musik bemerkt er (S. 50) sehr treffend, dass sie,\nnächst der Poesie, unter allen Künsten am meisten dem Ver-\nfalle ins Hässliche Preis gegeben sei, und dasselbe gewinne\nhier vermöge der grösseren Leichtigkeit der Production und\nder Unsicherheit der Kritik noch mehr Boden, als in der Ma-\nlerei. Das „Wohlgefallen am Hässlichen\", lesen wir auf der\neinen Seite 52, tritt dann hervor, „wenn ein Zeitalter physisch\nund moralisch verderbt ist, für 'die Erfassung des wahrhaften,\naber einfachen Schönen der Kraft entbehrt und noch in der\nKunst das Pikante der frivolen Corruption gemessen will. Ein\nsolches Zeitalter liebt die gemischten Empfindungen, die einen\nWiderspruch zum Inhalt haben. Um die abgestumpften Nerven\naufzukitzeln, wird das Unerhörteste, Disparateste und Widrigste\nzusammengebracht. Die Zerrissenheit der Geister weidet sich\nan dem Hässlichen, weil es für sie gleichsam das Ideal ihrer\nnegativen Zustände wird. Thierhetzen, Gladiatorspiele, lüsterne\nSymplegmen, Oaricaturen, sinnlich verweichlichende Melodieen,\nkolossale Instrumentirung, in der Literatur eine Poesie von\nKotli und Blut sind solchen Perioden eigen.\" Wäre der Ver-\nfasser Kenner der neueren Literatur, so würde ihm gewiss die\nMusik den reichsten Beitrag zu seinen Betrachtungen geliefert\nhaben."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.5", "texte": "Franz gedichtet, von F. Herther in Musik gesetzt wor-\nden ist. Das bekannte Gedicht von Bürger hat dem Ver-\nfasser dieses Operntextes zum Vorwurfe gedient.\nIm ersten Acte befinden wir uns auf der Abtei St.\nGallen, wo die Landleute sich versammelt haben, um dem\nfeisten Herrn Abt den Zehnten ihrer Aernte zu bringen\nund ihn um Fürbitte beim heiligen Benedict anzugehen. Der\nAbt drückt darauf in einigen Worten sein Wohlgefallen\naus über die dargebrachten Gaben, kann jedoch dabei\nnicht unterlassen, seinen Feind, „den trotzigen Kaiser\",\nals Feind der Kirche hinzustellen und ihn als böses Bei-\nspiel für die guten Sitten anzuführen. Er bezeichnet Letz-\nteren als die Ursache, dass „statt Fasten—Schmausen und\nZechen\", „statt Massigkeit Völlerei\", „statt keuscher\nZucht unsittlich Wesen\" überhand genommen hätten.\nDen zornigen Eifer des Abtes unterbrechen Gudula, seine\nHaushälterin, und Hedwig, seine Nichte, mit den Wor-\nten: „Es dampfen die Schüsseln, Euer Mahl ist bereit\",\n„worauf sich schnell sein Zorn zerstreut\". Er treibt mit\nder grössten Hast die Landleute fort, um die Begierde\nnach Essen und Trinken zu befriedigen.\nDer Abt wird jedoch noch zurückgehalten von einem\njungen Hirten, Hans Bend ix, der den Abt und dessen\nHaushälterin Gudula prellen will, um sein Liebchen Hed-\nwig, die Nichte des Abtes, zu sehen und zu küssen. Der\nAbt, wüthend über die Verzögerung der Mahlzeit, fährt\nihn barsch an:\n„Was willst Du noch hier, Du frecher Gesell?\nMarsch fort aus dem Kloster, marsch fort auf der Stell1!\"\nHans Bendix erwiedert jedoch dem Abte:\n..Ihr seid ein weiser, erleuchteter Mann\nUnd hört das Gräschen fast wachsen, sagt man\",\ndurch welche Schmeichelei sich der Abt besänftigen lässt\nund dem Hirten Gehör gibt. Letzterer macht nun dem\nlüsternen Abte den Mund wässerig nach seinem schönen\nLiebchen, welches er aber erst dann heimführen könne,\nwenn er einen alten begehrlichen Gesellen und eine alte\nMatrone, deren Herz nach ihm in Liebesschmerz schmachte,\ngeprellt habe. Der Abt merkt nicht, dass er selbst der zu\nfoppende alte Geselle und die schmachtende Matrone seine\nHaushälterin Gudula sei; er räth daher dem Hans Bendix,\num dessen Liebchen in seine eigenen Arme zu locken, das-\nselbe ins Kloster zu bringen, damit er das Herz des schö-\nnen Mädchens prüfen könne, ob es stark genug sei, Ge-\nfahren zu bestehen. Er ladet darauf den Hirten ein, sich\nmit ihm zum Mahle niederzusetzen, das unter einer Linde\nvor der Abtei bereitet wird. Nun hat Bendix vorläufig sei-\nnen Zweck erreicht, da er sich in der Nähe des Liebchens\naufhalten kann. Die alte Gudula, in Liebe zu Bendix er-\nglüht, bezieht das Verweilen des Hirten auf sich, indem\nsie singt:\n„Bendix hat auch seinen Zehnten gebracht,\nUnd bleibt nun zurück, so wie ich gedacht!\nIch bring' auch die schönsten Gerichte zu Tisch,\nUnd der A\\ ein in dem Humpen ist feurig und frisch.\nNicht tür den Alten gab ich mir die Müh'.\nNur für Bendix, für den ich in Liebe erglüh'.\nSchläft erst der Alte sicher und fest,\nDann setzen wir heimlich uns nieder zum Rest.u\nDoch Hedwig kennt ihren Geliebten besser:\n„Bald muss ich lachen, bald macht's mich bang,\nDenn ich bin's, die seine Liebe errang.\nDoch, um mich zu seh'n hier, kein Mittel es gibt,\nAls dass er sich stellt in die Alte verliebt.44\nNach der Mahlzeit, bei welcher sich der Abt weidlich ge-\npflegt hat, verlangt dieser, dass ihm ein Lied vorgesungen\nwerde. Hedwig entschuldigt sich mit einem Schnupfen,\nund so muss Gudula ein verliebtes Jägerliedchen vortra-\ngen, während Bendix seiner Hedwig verstohlen die Hand\ndrücken kann. Unterdessen ist der Abt eingeschlafen, und\nGudula setzt sich mit dem Liebespaare in eine Laube.\nHier macht nun Hans Bendix, während der Abt im Schlafe\nnoch fortkaut, seiner Hedwig eine Liebeserklärung und\nfragt sie, ob sie mit ihm aus dem Kloster ziehen wolle. Er\nrichtet jedoch scheinbar seine Worte an Gudula. Vor\nVerlegenheit fehlen der Alten die Worte; desshalb antwor-\ntet Hedwig, scheinbar für Gudula sprechend:\n„Sie, die Dich liebt mit Innigkeit,\nSie ist zu folgen Dir bereit.\nUnd tief liest sie in Deinem Blick,\nDort findet sie Frieden und Liebesglück.\"\n„Dort finde ich Frieden und Liebesglück !a ruft Gudula\nschmachtend und gibt dann einen Rath, wie sie es anfan-\ngen wolle, um von dem Alten loszukommen. Sie sagt:\n„Ich werd1 ihn ärgern spät und früh,\nVerbrennen den Braten, versalzen die Brüh';\nIch werd' ihm stören die Mittagsruh1,\nUnd schläft er des Nachts schnell lauf* ich hinzu\nUnd schreie mit greller Stimm' ihm ins' Ohr:\nFeuer! Mörder! der Feind ist vor'm Thor!\nIch will ihn so schauderhaft maltraitiren,\nSo ärgern und quälen und chicaniren,\nBis endlich er ruft in Raserei:\nFahr1 hin zur Hölle und sei frei!\"\n„und dann\", setzt sie schmachtend hinzu:\n+\n„Find1 ich beim Liebsten Frieden und Ruh'!\"\nDer mittlerweile erwachte Abt hat aber diese Worte ge-\nhört. Er (lucht und schimpft:\n„Du Hexe. Du Furie, Du Satanas Du!\"\nund ruft schliesslich seine Klosterknechte, welche Hans\nBendix hinauswerfen sollen. Ehe sich der aber packen\nlässt, droht er dem Abte, ihm sein Liebstes bald zu ent-\nreissen und ihm Küche und Keller zu leeren, und rettet\nsich auf einem ihm bekannten Pfade.\nHier schliesst der erste Act. Im zweiten Acte trifft\nHans Bendix den im Walde verirrten Kaiser, welcher sich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.6", "texte": "für einen Krieger des Kaisers ausgibt, mit seinem Gefolge.\nBeide begegnen sich in ihren Wünschen. Der Kaiser will\ndem Abte gern was am Zeuge flicken und Hans Bendix\nwill Bache nehmen. Letzterer führt also den fremden Krie-\nger auf geheimen Pfaden durch den Wald zum Kloster.\nDie Scene ändert sich und man sieht Hedwig im Kloster,\nan ihren Liebsten denkend und sich alle Liebesscherze und\nNeckereien ausmalend, die sie mit ihm vornehmen wollte,\nwenn er bei ihr sässe. Zum Schlüsse aber wird sie ernst\nund bittet die Heiligen um Schutz für ihren Geliebten.—\nMittlerweile haben die Krieger ihren Weg zum Kloster\ngefunden. Hans Bendix führt sie durch eine geheime Pforte\nin den Klosterhof, und mit lautem Hailoh schrecken sie den\nAbt und die Mönche aus dem Schlafe, holen die Weinfäs-\nser aus dem Keller und zwingen den Abt, ein Hoch auf\nden Wein und auf die Mädchen auszubringen. Wider\nWillen muss er gehorchen; als die Krieger ihm aber be-\nfehlen, den Kaiser leben zu lassen, weigert er sich ent-\nschieden, indem er sagt, dass er wohl auf das Verderben,\nnie aber auf das Wohl des Kaisers trinken werde. Da gibt\nsich der Kaiser zu erkennen. Von tödtlichem Schrecken\nergriffen, sucht der Abt den Kaiser zu besänftigen. Letz-\nterer lässt Gnade für Becht ergehen und gibt dem Abte,\nwelchen „die Aeste eines Baumes doch nicht tragen wür-\nden\", die bekannten drei Fragen (nach Bürger's Gedicht)\nzur Beantwortung auf. Zum Schlüsse fordert der Kaiser\ndie herbeigeeilten Bauern auf, di 6 Hacke mit dem Schwerte\nzu vertauschen und ihm die Mauern und Burgen des Fein-\ndes zerstören zu helfen. Alles folgt dem Kaiser und auch\nBendix, begleitet von seinem Liebchen Hedwig, schliesst\nsich dem Kriegszuge an.\nDer dritte Act spielt drei Monate später zu Constanz,\nwo der Abt die drei Fragen beantworten oder im Falle\ndes Unvermögens 'zum Eselsritt verdammt werden soll.\nHedwig gibt ihrem Geliebten Bendix den Rath, den Abt\nzu retten, da er sich nur dadurch der Bache der Mönche\nentziehen und sie selbst von der Kirche gesegnet freien\nkönne. Nach dieser Unterredung erscheint der früher\nso feiste Abt mager und abgehärmt; Gudula folgt ihm\nhöhnisch und schreit ihm fortwährend ins Ohr, dass er\njetzt die Rache des Kaisers fühlen werde. Hedwig, die mit\nHans schon die Beantwortungen verabredet, hüllt ihren\nGeliebten in Mantel und Kapuze, schmückt ihn mit Käpp-\nchen und Kreuzchen wie einen Abt, und wird somit der\nrettende Engel. Sie wirft einen Kriegeranzug hin, mit wel-\nchem sich der ganz verwirrte Abt willenlos bekleiden lässt.\nDer Herold erscheint und entbietet den vermeintlichen Abt\nHans Bendix vor den Reichstag. Hier thront der Kaiser\nund empfängt ihn so, wie es in dem Gedichte von Bürger\ngeschildert wird. Der wirkliche Abt, als Krieger verklei-\ndet, spielt an den Schranken lausehend eine äusserst komi-\nsche Figur. Er fällt in Ohnmacht, als sich Hans Bendix\nbei Beantwortung der dritten Frage zu erkennen gibt. Der\nKaiser, entzückt über den lustigen Schwank des Hirten,\nwill diesen zum Abte einsetzen und den wirklichen Abt\ndennoch „zum Esel verdammen\". Die schlaue Hedwig\nhilft aber wieder mit ihrem Mutterwitze aus. Sie stellt sich\nhinter ihren Geliebten und sagt ihm vor, was dieser ge-\ntreulich nachspricht:\n„Du kannst ja (ich kann ja) nicht lesen, nicht rechnen und\nschreiben,\nDu weisst auch kein sterbendes Wörtchen Latein!\nUnd dann kann ja ein Abt auch sein Liebchen nicht frei'nl\"\nwodurch sich der Kaiser veranlasst fühlt, Hans Bendix in\nseinem Stande zu lassen. Dem Abte wird verziehen und\nihm aufgetragen, den Bund der Liebenden zu segnen.\nGudula, als die am meisten Gefoppte, muss auch Buhe und\nFrieden halten, da der Kaiser jeden Friedensstörer zum\nEselsritt verdammt hat.\nMit einem freudigen Tutti: „Des Friedens Sonne Allen\nscheint!\" schliesst die Oper.\nDie Musik von Herther legt zwar nicht von grosser\nOriginalität Zeugniss ab, sie zeigt aber, dass der Compo-\nponist tüchtige Studien gemacht hat. Im ersten Acte ist\nnamentlich die komische Scene in der Laube, wo Hans\nBendix seine Liebeserklärung anbringt, von reizender\nWirkung. Auch das Jägerliedchen der Gudula ist forme!\ngewandt und natürlich componirt. Im zweiten Acte sind\ndie Kriegerchöre mit dem Solo des Abtes als gut gearbei-\ntete Musikstücke hervorzuheben, und im letzten Acte zeich-\nnet sich das Finale durch Kraft und Frische aus. Die Ge-\nwandtheit, mit Kenntniss für die Singstimmen zu schrei-\nben, ist in der Oper durchweg wahrzunehmen; doch ver-\nleitet sie den Componisten, manche Nummern, die recht\nhübsch angelegt sind, durch allzu viel italiänische Wen-\ndungen zu beeinträchtigen. In der Ouvertüre sind die Haupt-\nMotive der Oper geschickt zu einem geschlossenen Satze\nverarbeitet und gut instrumentirt. Wir glauben versichert\nzu sein, dass alle Bühnen, wenn sie der von Herrn Thea-\nter-Director Wirsing zu Leipzig ins Leben gerufenen,\näusserst geschmackvoll in Scene gesetzten Aufführung\nnachkommen, mit dieser komischen Oper Glück machen\nwerden. Herr Lück (Bass) als Abt, Herr Bübsamen\n(Bariton) als Kaiser, Frau Dr. Bachmann (Mezzo-Sopran)\nals Gudula verdienen alle Anerkennung. Ganz besonders\nist aber die jugendliche Sängerin Fräulein Harry hervor-\nzuheben, welche die nicht leichte Partie der Nichte des\nAbtes in ganz reizender und anmuthiger .Weise zur Gel-\ntung brachte. Ihre sehr anerkennenswerthe Gesangsbildung,\nverbunden mit natürlichem Darstellungs-Talente, sichern"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.7", "texte": "der liebenswürdigen Sängerin eine gute Zukunft. Herr\nJungmann (Tenor) als Hans Bendix hätte zuweilen mehr\npfiffigen Humor, wie ihn die Rolle verlangt, entwickeln\nkönnen.\nWie wir vernehmen, soll der Componist ein musicali-\nscher Hauslehrer in Norddeutschland sein, der seine Oper\njetzt in Druck erscheinen lässt. Wir theilen diese Angabe\njedoch nicht als verbürgt mit, da uns nur eine Privat-Mit-\ntheilung als Gewähr zur Seite steht und wir jetzt am Gen-\nfer See für den Augenblick aus allem musicalischen Ver-\nkehr mit dem Norden von Deutschland herausgerissen sind.\n\nDr. Oscar Paul.\n\nAus Münster.\nAiifang Juni 1863.\nAuch in der verflossenen Concert-Saison hat unser\nMusik-Verein durch zwölf Vereins-Concerte und vier auf\nbesondere Veranlassung veranstaltete unter der .umsichti-\ngen und sorgfältigen Leitung des Herrn Musik-Directors\nJulius Grimm der in hiesiger Stadt in erfreulichem Grade\nvorhandenen Liebe zur Tonkunst reiche Nahrung geboten\nund wie seit Jahren, so auch jetzt wiederum gezeigt, dass\nnicht ausschliesslich in Residenzen und Metropolen, son-\ndern auch unter bescheidenen Verhältnissen Musik-Insti-\ntute dauernden Bestand haben können, wofern nur parti-\ncularistische Tendenzen ausgeschlossen bleiben und wahre\nLiebe zur Kunst die Einigung der vorhandenen musicali-\nschen Elemente hervorbringt und erhält.\nIndem der Musik-Verein es sich zur Aufgabe gemacht\nhat, durch eine jährliche Veranstaltung von mindestens\nzwölf Concerten eine reiche Anzahl classischer Tonwerke\nzu Gehör zu bringen, steht es selbstredend nicht in seiner\nMacht, zu jedem Concerte fremde hervorragende Solisten\nhinzuzuziehen. Dies geschah denn auch in der verflossenen\nPeriode nur bei einzelnen grösseren Aufführungen, so am\nCäcilien-Tage, wo wir in der zweiten Cantate aus dem\nNVei h nach ts - 0 rat ori u m von Bach und in der Lo-\nre ley von F. Hiller die herrliche Stimme des Herrn Dr.\nGunz bewundern konnten; sodann in den an den Tagen\ndes 6. und 7, Februar zur Einweihung des prächtigen\nstädtischen Festsaales veranstalteten grossen Concerten,\nwo Händel's „Messias\" aufgeführt wurde. Die Soli\nwaren in den Händen der Damen Weis aus Hannover,\nA. v. Siebold aus Göttingen und der Herren Otto aus\nBerlin und Bietzacher aus Hannover. Die Vereinigung\nso treff licher Solostimmen, der vortrefflich einstudirte Chor\nvon 154 Mitgliedern, das 52 Mitwirkende zählende Orche-\nster, hier zum ersten Male unterstützt durch die Orgel,\nwelche der bewährte Dom-Organist Herr Hüls spielte,\nmachten die Auflührung des grossen Oratoriums zu einer\nder bedeutendsten in der Reihe der seit Jahren hier Statt\ngefundenen grösseren Concerte.\nAusser den genannten Solisten hörten wir noch in\nzwei Concerten mit grossem Vergnügen Fräulein Rothen-\nberger aus Köln als Leonore in Mendelssohn s Loreley-\nFinale und in Arien aus der Schöpfung und dem Don Juan.\nWährend in früheren Jahren die Vereins-Concerte in\nBeziehung auf Instrumental-Solovorträge fast ausschliess-\nlich auf das Pianoforte beschränkt bleiben mussten, ist\nseit vorigem Jahre durch die Berufung des Herrn G. A.\nBargheer als Concertmeister ein tüchtiger Geiger ge-\nwonnen worden. Herr Bargheer ist aus Detmold gebürtig.\nSein schon früh sich zeigendes Talent für die Geige zog\nihm die Aufmerksamkeit und Gunst seines Fürsten zu, die\nihm seine weitere Ausbildung unter Spohr und Joachim\nermöglichten. Im Herbste 1861 folgte er dem auf Anre-\ngung des Musik-Directors Grimm an ihn gerichteten Rufe\nhieher, wo denn auch seine Leistungen verdiente Anerken-\nnung gefunden haben. In den letztjährigen Concerten\nspielte er Concerte von Spohr (VIII. und IX.), Mendels-\nsohn, Rode, Viotti, Romanze in F von Beethoven, Cia-\nconne von Bach und Polonaise Op. 40 von Spohr.\nUnter den übrigen Instrumental-Solovorträgen heben\nwir hervor das Clavier-Concert in von Beethoven,\nvortrefflich gespielt von Herrn Grimm, so wie die Va-\nriationen Op. 17 von Mendelssohn für Pianoforte und Vio-\nloncell, vorgetragen von Frau Philippine Grimm und\nHerrn Val. Müller.\nVon grösseren Tonwerken sind in den Concerten zur\nAufführung gekommen:\n1) Symphonieen: Fünf von Beethoven (1., 11., VI.,\nVII., VIII.) ; je zwei von Haydn ' B-dur und G-dur) und\nMozart (C-dur Op. 34 und D-dur); je eine von von Ph. E.\nBach [D-dur), Onslow [D-moll), Schubert Men-\ndelssohn [A-moll), Schumann [D-moll). Ferner Serenade\nvon J. Brahms und canonische Suite von J. Grimm.\n2) Ouvertüren: Vier von Weber (Euryanthe, Obe-\nron, Freischütz, Pretiosa), drei von Mendelssohn (Melusine,\nAthalia, Ruy-Blas), je zwei von Beethoven (Leonore 111,\nKönig Stephan) und von Cherubini (Wasserträger, Aben-\ncerragen), je eine von Mehul und von Bar-\ngiel (Medea).\n3) Werke für Chor, Solo und Orchester:\nBach (Weihnachts-Cantate); Händel (Messias Chöre\naus Athalia); Mozart [Reqiäem Ave verum)-, Webej\n(Musik zu Pretiosa); Schubert (Gesang der Geister über\nden Wassern—Nachtgesang im Walde Ode: „Gott im\nUngewitter\"); Mendelssohn fPsalm 95 Athalia—Lo-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630620-01.1.8", "texte": "reley); Schumann (Vom Pagen und der Königstochter);\nHiller (Loreley); Wüllner Grimm\n(Hymne: „Seele und Tona).\n4) Arien, ein- und mehrstimmige Lieder von\nHändel, Haydn, Beethoven, Mozart, Gluck, Mendelssohn,\nSchubert, Schumann, Esser, Kirchner, Grimm.\nIm Anschluss hieran berichten wir noch kurz, dass\nauch die Kammermusik im verflossenen Winter in drei\nvon den Herren Grimm und Bargheer gegebenen Soireen\nihre Vertretung gefunden hat, in welchen Mendelssohn's\nOctett, Schumann's Quintett Op. 44, Mozart's Quintett\nG-moll,Beethoven'« und Haydn's Trios in Sonaten\nund Duos von Bach, Beethoven, Mozart, so wie eine So-\nnate für Pianoforte und Violine von Grimm (Manuscript),\nund Clavier-Duette (Manuscript) gemacht wurden. F.\nNachtrag zum Art. 11. über das 40. niederrh.\nMusik fest. In dem Berichte über den dritten Tag ist\nzufällig der Vortrag der Phantasie und Fuge in\nvon J. S. Bach durch den trefilichen und durch wackere\nCompositionen bekannten Organisten Herrn J. A. van\nEyken auf der von Sonreck in Köln gebauten Orgel\nnicht erwähnt worden. Das Publicum zeigte durch grosse\nAufmerksamkeit Verständniss für Bach'sche Musik und\nzeichnete den Spieler durch lebhaften Beifall aus. L. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\njflaiftiftlieilftft, 15. Juni. Gestern Abend fand im hiesigen Hof-\ntheater die erste Aufführung der grossen romantischen Oper „Die\nLoreley*4, Dichtung von Emanuel Geibel, Musik von Max\nBruch aus Köln, bei überfülltem Hause mit vollständigem Erfolge\nStatt, an welchem der Dichter und der Componist, die Darsteller\nund die Ausstattung und die treffliche Leitung des Ganzen durch\nHerrn Capellmeister Vincenz Lachner ihren vollen Antheil in\nAnspruch nehmen keinen. Das mannheimer Theater hat seinen alten\nRuf, die Blüthen deutscher dramatischer Kunst mit Wohlwollen auf-\nzunehmen und ihrer Entfaltung seine Kräfte mit Liebe zu widmen,\neinmal wieder recht schön bewährt; möchte der Geist, welcher die\nVorsteher dieser Kunst-Anstalt belebt, doch auch bei den Leitern\nder grossen Bühnen unserer Residenzstädte einkehren, damit die\ndeutschen Werke, namentlich der musicalisch-dramatischen Kunst,\nnicht, wie so häufig geschieht, den Erzeugnissen des Auslandes nach-\ngestellt würden! In der „Loreley\" von Geibel und Bruch haben wir\neinen Stoff aus der deutschen Sagenwelt, deutsche Poesie und deut-\nsche Musik, und der gestern Abend mit jedem Acte steigende, zu-\nletzt in wahren Jubel ausbrechende Beifall des Publicums hat auf\nglänzende Weise gezeigt, wie empfänglich auch die Menge für das\nwirklich Musicalisch-Schöne ist, sobald es ihm nur geboten wird.\nHerr Bruch wurde nach dem Finale des ersten Actes, das er mit\nRecht, trotz Vorgang, selbständig componirt und somit\ndem Ganzen die gleichmässige individuelle Farbe des Stils erhalten\nbat, gerufen, eben so nach dem grossartigen Finale des zweiten\nActes; und nach dem Schlüsse des dritten Actes ruhte der stiirmi-\nsehe Beifall nicht eher, bis der Componist und die sämmtlichen Trä-\nger der Hauptrollen nochmals erschienen. Das Finale dieses letzten\nActes, in welchem Alles zusammenwirkt, Gesang, Orchester, Deco-\nrationspracht, krönt das ganze Werk, welches dadurch den grossen\nVortheil für den Erfolg hat, dass seine Handlung sich besonders vom\nzweiten Acte an fortwährend steigert und mit einem durch den Verein\naller theatralischen Mittel erzeugten, aber dabei wahrhaft poetischen\nund durch die Musik verklärten Effecte schliesst. Doch wir behalten\nuns eine ausführlichere Besprechung der Oper für die nächste Num-\nmer vor. L. B.\nHerr E. de Cousseftaker in Lille gibt eine neue Sammlung\nder Scriptores de Musica Medii aevi als zweite Reihe der in Ger-\nbe rt's Werk abgedruckten Musikschriften aus dem Mittelalter heraus.\nSeit Jahren beschäftigt sich der genannte Musikgelehrte, Correspon-\ndent des pariser Instituts, der kaiserlichen Akademie zu Wien\nu. s. w., mit der Forschung nach den vom Abte Gerbert nicht ge-\nkannten oder übersehenen Manuscripten in den Bibliotheken von\nItalien, Frankreich, Belgien und England, doch konnten erst jetzt\ndie Hindernisse einer Herausgabe beseitigt werden. Der erste Band\n(in 4to zu 450—500 Seiten in Doppelspalten) ist unter der Presse\nund wird ungedruckte Werke aus dem XII. und XIII. Jahrhundert\nenthalten, unter Anderem Tractate von Hieronymus von Mähren,\nJan von Gerland, Franco von Köln, Pierre Picard, Walter Odington,\nJean Balloce, Robert von Handlo, John Hamboys und mehreren\nAnonymen. Das Buch wird auf starkem holländischem Papier mit\nden besonders dazu hergestellten Notentypen des XIII. Jahrhunderts\ngedruckt. Ein schöner Probedruck liegt uns vor. Es werden nur 250\nExemplare abgezogen. Es erscheint in Heften von 10 Bogen, das\nHeft zu b l 1 ran es. Man unterschreibt bei Aug. Durand in Paris\n(rue des Gres-Sorbonne) oder bei L. Quarrd in Lille. Wer bis\nzum 1. Juli 1860, wo das erste Heft erscheint, unterzeichnet, erhält\nein Exemplar, aui dessen Vortitel* sein Name abgedruckt wird.\nL. B.\nBerichtigung. In der Inhalts-Anzeige von Nr. 24 und auf S. 192,\nZ. 2 v. u. lies La Reole (ein Ort in Frankreich), statt La Cröole."}]}