{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_sha256": "9aaabd1cd7553f361df1bb0783a06338cbf9d3e0914e4bb96c759ebe2b042b9c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/06/27_01/bmtnabi_1863-06-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 467, "texte": "Inhalt.\nDie Oper „Loreleyu von Emanuel Geibel und Max Bruch. (Erste Aufführung: Mannheim den 14. Juni.) I. Aus Göt-\ntingen (Die Matthäus-Passion von J. S. Bach Die akademischen Concerte Das Quartett der Gebr. Müller und das Joachim'sche\nQuartett). Von X. Emil Weiss. Von Ed. Krüger. Aus Aachen (Concerte). Von N. Das Beelhoven-Monument in Heiligen-\nstatt. Tages- und Unterhaltungsblatt (Bericht aus Belgien über das niederrheinische Musikfest Mainz, F. Lux u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-27_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "203", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.2.2", "titre_corps": "Die Oper „Loreley“ von Emanuel Geibel und Max Bruch.", "titre_sommaire": "Die Oper „Loreley“ von Emanuel Geibel und Max Bruch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.1", "debut_caractere": 469, "fin_caractere_exclue": 4135, "texte": "Die Oper „Loreley“ von Emanuel Geibel und\nMax Bruch.\n(Erste Aufführung: Mannheim den 14. Juni.)\nI.\nEmanuel Geibel hat bekanntlich vor vielen Jahren,\nwahrscheinlich schon 1846 oder wenigstens Anfangs\n1847, mit Zugrundelegung der rheinischen Sage von der\nNixe auf dem Felsen, welcher, Lurley genannt, oberhalb\nSt. Goarshausen schroff aus dem Rheine emporsteigt, ein\nOpernbuch gedichtet, welches für Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy bestimmt war, der es componiren wollte und sich\nauch während seines Sommer-Aufenthaltes zu Interlaken\nin der Schweiz im Jahre 1847 damit beschäftigt hat. Als\nErgebniss seiner Arbeit ist nach seinem Tode die Compo-\nsition des Finale's des ersten Actes veröffentlicht worden,\ndas eine weite Verbreitung durch Auflührungen in Con-\ncerten, zuletzt auch hier und da auf Bühnen, gefunden hat.\nWeitere Fragmente seiner Musik zur Loreley scheinen\nnicht vorhanden zu sein. Wahrscheinlich hat ihn das Un-\ndinen- und Elfenartige, überhaupt das Geisterhafte in die-\nser Scene, ein Element, in welchem er sich gern musica-\nlisch schaffend bewegte, am meisten angezogen, dieses Fi-\nnale zuerst zu componiren. Auch ist es möglich, dass er\nsich von der Oper mit mehr Liebe dem Oratorium ,Chri-\nstus\" zugewandt hat, dessen Bruchstücke aus derselben\nZeit herrühren.\nNach Mendelssohn's Tode liess Geibel sein Opernge-\ndicht drucken, verwahrte sich aber aus Pietät gegen Men-\ndelssohn und anderen Gründen gegen die Composition des-\nselben. Wir wissen, dass er sogar Marschner abschlägig\nbescheiden zu müssen glaubte. Erst jetzt hat der Dichter,\nnach Anhörung mehrerer Nummern aus der Partitur von\nMax Bruch bei dessen Anwesenheit in München, aus Wohl-\nwollen für den jungen, sehr begabten Künstler und auf\ndas Urtheil musicalischer Autoritäten hin alle hindernden\nVerhältnisse beseitigt und seine Einwilligung zur Compo-\nsition, Aufführung und Veröffentlichung gegeben. Und er\nwird es nicht bereuen, denn sein Gedicht ist in würdige\nHände gekommen.\nDie neueren Dichter nach Brentano (1800), besonders\nHeine (1823) und seine unzähligen Nachfolger, haben aus\ndem unverstandenen Namen der Steinklippe („Ley\" bedeu-\ntet im Rheinischen „Fels\", besonders „Schieferfels\", da-\nvon die Dachschindel „Leyen\" und der Schieferdecker\n„Leyendecker\" heissen; über die Sylbe „Lur\" sind die\nGelehrten nicht einig wahrscheinlich von „luren\", d. i.\nlauern, mit Bezug auf das Spähen von der Höhe des Fel-\nsens nach zwei Seiten hin), also die Poeten haben daraus\neine Rhein-Nymphe Lorlei, Lorelei, Lore u. s. w. gemacht\nund ihr männerverderbliche Rache als Vergeltung der\nUntreue des Einen an dem ganzen Geschlechte angedichtet.\nDie ursprüngliche Sage weiss davon nichts, sondern sym-\nbolisirt auch hier nur, wie an der Donau und manchen\nBinnenseen, die verlockende Gefahr des Wassers durch\nden sinnbethörenden Zauber der Nixe. Trotzdem bietet die\nGestaltung der Sage durch die Neueren einen guten, so-\nwohl lyrischen als dramatischen Stoff, und Geibel hat ihn\nim Ganzen für die Handlung und die Situationen, welche\ndie Oper verlangt, gut und theilweise vortrefflich benutzt.\nIn Uebereinstimmung mit dem Componisten sind von ihm\neinige Aenderungen, theils Kürzungen, theils Ergänzungen\nan dem Gedichte gemacht worden, so dass der Gang der\nHandlung der jetzigen Gestalt des Textbuches nach fol-\ngender ist:\nGeibel's „Loreley\" ist Lenore, die Tochter eines\nFährmannes und Schenkwirlhes Hubert zu Bacharach\nam Rheine. An Schönheit und Stimme hoch begabt, wird\nsie in der ganzen Gegend geliebt und gefeiert. Der Pfalz-\ngraf Otto hat als Jägersmann ihre Liebe gewonnen, aber\ndurch seinen Stand zu einem anderen Ehebunde gezwun-\ngen, erscheint er zum letzten Male in dem Felsenthale, wo"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5029, "texte": "er sie einst gefunden, mit dem Entschlüsse, sich ihr zu\nentdecken, aber auch zugleich ihr zu entsagen. Allein der\nholde Laut und das süsse Liebeswort Lenorens nimmt\nihm die Kraft dazu, und als der Klang der Vesperglocke\nihn daran mahnt, dass seine verlobte Braut Bertha ihn\nzur Trauung auf Burg Stahleck erwartet, reisst er sich los\nund stürzt fort. Aus der Kirche klingt ein „Ave Maria\"\nherüber, und Lenore, die nichts ahnt, mischt ihr Gebet\num Schutz für ihn und ihre beiderseitige Liebe in den\nChorgesang.\nEs hat uns aber immer geschienen, als wenn diese\nExposition des Stückes eine Andeutung des geisterhaften\nElementes, welches später in dem Drama wesentlich wal-\ntet, vermissen liesse, und die Aufführung hat uns in dieser\nAnsicht bestärkt. Dem Vernehmen nach haben Dichter\nund Componist einen Gesang der Undinen als lntroduction,\ndie unmittelbar auf die Instrumental-Einleitung folgt, hin-\nzugefügt: warum er bei der ersten Aufführung wegge-\nblieben, wissen wir nicht, glauben aber, dass das Ganze\ndadurch gewinnen würde.\nDie Verwandlung öffnet uns das Rheinthal bei Bacha-\nrach; die Decoration gab die Natur wunderbar treu von\neinem Standpunkte aus wieder, der einen Theil der allehr-\nwürdigen Stadt in den Vordergrund einer weiten Eernsicht\nstellt. Das Diorama wurde mit Recht durch Applaus be-\ngrüsst.\nEin munterer, frischer Chor der Winzer und ihr Vor-\nsänger, der alte Hubert, führen uns recht in das rheini-\nsche Leben und Treiben hinein. Die jungen Winzerinnen\ntreten hinzu; eine von ihnen verkündet in einem hübschen,\nzweistrophigen Liede Lenoren, dass sie von Allen erwählt\nsei, dem fürstlichen Brautpaare, dessen feierlichen Zug\nman erwartet, den Ehrenwein zu credenzen. Darauf ver-\nlässt der Chor die Scene, um dem Paare entgegen zu gehen;\ndoch Reinald (Bariton), ein Minnesänger, ruft Lenoren\nzurück und gesteht ihr seine Liebe, welche Lenore mit den\nWorten zurückweist: „Dieses Herz ist nicht mehr mein.\" .\nDiese Episode dürfte besser wegbleiben, obgleich sie in\nWorten und Tönen ausdrucksvoll ist; sie greift aber spä-\nterhin gar nicht in die Handlung ein, und hier im ersten\nActe, der durchaus einer Kürzung bedarf, hält sie dieselbe\nnur auf.\nDer Brautzug naht mit vollem Chor. Lenore tritt vor,\ndie Braut zu begrüssen, erkennt im Pfalzgrafen ihren Ge-\nliebten, die Sinne schwinden ihr, sie sinkt bewusstlos hin.\nAls Lenore wieder erwacht, bricht der Pfalzgraf eilig mit\ndem Zuge auf, einige Winzerinnen und Hubert führen\nsein „verirrtes\" Kind nach Hause.\nEs ist Nacht geworden. Die Verwandlung versetzt uns\nin ein Felsenthal; im Hintergrunde der Rhein. Es beginnt\ndas Finale, dessen Text durch Mendelssohn's Composition\nin weiten Kreisen ganz bekannt geworden ist. Die Rhein-\ngeister steigen aus den Fluten empor und treten zwischen\nden Felsen heraus auf die Scene; Lenore erscheint und\nweihet sich gegen Verheissung rächender Vergeltung an\ndem treulosen dem Rheingotte zur Braut,\nindem sie den Brautring von der Klippe am Ufer hinab in\nden Strom wirft. Der Vorhang fällt.\nEr fiel bei der ersten Aufführung unter dem Täu-\nschendsten Applaus, und das wird überall so sein, denn\ndieses Finale ist der Erguss eines jugendfrischen Genius,\nder gleich bei seinem ersten Aufschwünge in die Region\nder grossen Formen der Tonkunst seinen offenbaren Beruf\nzur dramatischen Musik bekundet.\nDer zweite Act beginnt mit der Hochzeitsfeier auf der\nBurg des Pfalzgrafen Otto. Seine Vasallen sind in der Fest-\nhalle versammelt und preisen in fröhlichem Chor das fürst-\nliche Paar, das auf erhöhten Stufen sich zum Mahle nie-\nderlässt. Otto scheint im Vergessen der Vergangenheit und\ndem Rausche der Gegenwart glücklich, aber das Lied des\nMinnesängers Reinald, der von dem Lohne treuer Liebe\nund der Strafe des Verrathes singt, weckt ihn aus seinem\nTraume. Er will die Erinnerung erlödten, da tritt Lenore,\nden goldenen Becher in der Hand, aus der Schar der Mäd-\nchen hervor. Die Ritter allesammt staunen die schöne Er-\nscheinung an. Als aber vollends ihre süsse Stimme ertönt,\nals sie von der Liebe Lust und Qual singt, da übt der Zau-\nber seine verderbliche Kraft, der Pfalzgraf, seiner nicht\nmehr mächtig, achtet die Thränen der angetrauten Gattin\nfür nichts, die Ritter alle erfasst verlangende Liebesgluth,\nOtto weist ihr Werben um Lenoren zurück, sie trotzen\nihm kühn, die Schwerter entfliegen den Scheiden, Leno-\nrens Stimme:\n„Flammen, Flammen der Minne\nZucken in wilder Begier,\nSchönheit steigt auf die Zinne,\nWirft den entzündenden Strahl4'\nschürt die Glulh, Otto reisst die Geliebte an sich und kreuzt\ndas Schwert mit den andringenden Rittern.\nDa tritt derErzbiscbof von Mainz mit Priestern und\neinem Gefolge von Gewappneten in die Halle, die Schwer-\nter senken sich vor seinem Gebot; „Hier waltet Zauberei\nder Hölle!\" rufen die Priester, und im Namen des geist-\nlichen Gerichtes führt der Erzbischof die Zauberin Lenore\nvon dannen.\nEine Verwandlung versetzt uns in die Vorhalle der\nSchlosscapelle. Die Pfalzgräfin Bertha hat sich hieher ge-\nflüchtet, klagt um das verlorene Glück und sehnt sich nach\nRuhe im Tode:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3329, "texte": "Darauf erklingt aus der Capelle, die nur ein Vorhang\nvon der Vorhalle trennt, mit Orgelklang der Chor der Prie-\nster, mit welchem das Finale beginnt. Bertha reisst den\nVorhang auf, man erblickt den Erzbischof und die Bei-\nsitzer des geistlichen Gerichts, vor ihnen Lenore, zur Seite\nOtto, Ritter und Volk. Wiederum Orgelton und feierlich\ndüsterer Priestergesang. Auf die Anklage der Verzauberung\ndes Pfalzgrafen, auf den Weheruf der Menge über sie\nantwortet Lenore: „Führt mich zum Tode! nach keiner\nGnade steht mein Sinn meine schwarze Kunst ist mein\nSchmerz, mein Zauber ein gebrochen Herz, und Einer\nweiss, warum!\" Da wendet sich dem Erzbischof und den\nRichtern das Herz, sie finden keine Schuld an ihr, sie\nsprechen sie frei.\nAuf den Freispruch des Gerichtes stürzt Otto auf Le-\nnoren zu: „Nun bist du mein!\" setzt dem „Halt ein!\" des\nErzbischofs trotzende Gewalt entgegen, rast gegen die\neigene Gattin, die schützend vor Lenoren tritt, bis der\nErzbischof den Kirchenbann auf seinen Scheitel schleudert.\nAlles fährt entsetzt zurück; Otto bricht zusammen. Der\nVorhang fällt. Die Dichtung, welche diese ergreifende,\ndramatische Situation geschaffen, und die Tonkunst, welche\nsie so gross und ins Herz greifend gestaltet hat, feiern hier\neinen Triumph, den das Publicum ihnen und den darstel-\nlenden Künstlern durch langen, stürmischen Applaus und\nHervorruf des Componisten und der Sänger mit vollem\nRechte bereitete.\nNach diesem zweiten Acte die Theilnahme der Zu-\nschauer im dritten noch zu fesseln, schien schwierig, sie\nzu steigern, fast unmöglich. Und dennoch krönt der dritte\nAct das ganze Werk.\nGleich die Eröffnungs-Scene, der Chor der Winzer,\ndie den gesegneten Herbst feiern, ist wieder voll frischen\nLebens. Der alte Huborl aber erzählt in einem romanzen-\nartigen, sehr gelungenen Liede den Tod der Pfalzgräfin\nund dass sein Kind die Unselige sei, für die das Herz des\nGrafen in Frevelmuth erglühte. Dann fordert er Alle auf,\nder in der nahen Kirche beigesetzten Leiche der Gräfin\ndie letzte Ehre darzubringen.\nAls sie die Bühne verlassen, erscheint Otto zerknirscht\nund todesmatt. Aus der Kirche hallt das De profundis\nzu ihm herüber. Ein Nachruf des Schmerzes ringt sich aus\nseiner Brust, dann fasst ihn aber wieder die Gluth und\nder Entschluss, Alles um den Besitz Lenorens zu wagen.\nDie Scene verwandelt sich, Lenore sitzt auf der Klippe\nam Rhein und schaut in die Tiefe ein schönes Bild mit\nOrchester-Begleitung, in welcher die Volksmelodie des\nHeine'schen Loreley-Liedes anklingt. Es folgt ein Gesang\nLenorens, darauf die Erscheinung Otto's und ein grosses,\nhöchst melodisches und leidenschaftliches Duett, in wel-\nchem er sie an die frühere Seligkeit ihrer Liebe erinnert\nund um Erhörung fleht. Schon schwankt Lenorens Herz,\nda schallt aus des Rheines Tiefe der Geister-Chor empor:\n„Halt ein!\" sie eilt auf die Klippe, verläugnet den Gelieb-\nten und weiht ihn zum Opfer. Otto stürzt sich in den\nRhein, sie selbst versinkt in den steigenden Fluten, aber\ndiese tragen sie wieder empor, heben sie auf krystallenem\nThrone immer höher und rufen: „ Heil! Es winkt die Feyen-\nkrone, Heil Dir, Königin vom Rhein!\" Die Decoration\nund Maschinerie, nach Angabe des vor Kurzem gestorbe-\nnen grossen Künstlers Mühldorfer von seinem Sohne,\nHerrn Mühldorfer in Mannheim, ausgeführt, sind bei die-\nser Schlussscene prachtvoll."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "203", "page_fin": "204", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.2.3", "titre_corps": "Aus Göttingen.", "titre_sommaire": "Aus Göttingen.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.3", "debut_caractere": 3331, "fin_caractere_exclue": 5113, "texte": "Aus Göttingen.\n\n(Die Matthäus-Passion von J. Seb. Bach — Die akade-\nmischen Concerte — Das Quartett der Gebr. Müller\nund das Joachim1 sehe Quartett.)\nDas bedeutendste musicalische Ereigniss des vergan-\ngenen Semesters war unstreitig die am 7. März in der\nUniversitätskirclie Statt gefundene Aufführung der Mat-\nthäus-Passion von J. Seh. Bach, die das Publicum\nbegeisternd ergriff und von nachhaltiger Wirkung war.\nDas hatte man von Bach hier nicht erwartet. Freilich\nwurde schon vor einigen Jahren dessen Weihnachts-Ora-\ntorium aufgeführt, aber in so tief innerlicher, ergreifender\nund mächtiger Sprache hatte er noch nicht zu uns geredet.\nHoffentlich verschwindet dasselbe nun nicht wieder von\nunserem Repertoire. Da bei den Lesern dieser Zeitung\nBekanntschaft mit dem Werke vorausgesetzt werden darf,\nso gehe ich nicht weiter auf dasselbe ein, sondern gedenke\nmit einigen Worten der Aufführung.\nDieser lag die Partitur der Bach-Gesellschaft zu\nGrunde. Auch hier waren Arien, Choräle und Recitative\ngestrichen. Im Allgemeinen mochte nach der Mendelssohn'-\nschen Kürzung verfahren sein. Mit Ausnahme des kleinen\nChorsatzes: „Was gehet uns das an?\" wurden sämmtliche\nChöre, und zwar ohne alle Kürzung gebracht. Die Reci-\ntative des Evangelisten wurden mit Orgel begleitet, die\nzugleich an geeigneten Stellen mehr oder weniger selb-\nständig eingriff und hauptsächlich bei Arien ausfüllte. Dies\ngeschah discret und wirksam von einem sehr begabten\njungen Orgelspieler, Emil Weiss von hier, einem Stipen-\ndiaten unseres Königs, der denselben in Leipzig, Dresden,\nStuttgart und Berlin studiren liess. Die Chöre, zu deren\nAusführung alle musicalischen Kräfte der Stadt sich mit\nder Sing-Akademie vereinigt hatten, waren mit grosser\nSorgfalt und Genauigkeit vom Musik-Director Hille ein-\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4085, "texte": "studirt und bildeten, indem sie durchweg untadelhaft her-\nauskamen, einen Glanzpunkt bei der Aufführung. Auch\ndas erheblich verstärkte Orchester that seine Schuldigkeit.\nAn Frau Ulrich von hier hatten wir eine Sopranistin, die\nallen an den Solo-Sopran zu stellenden Anforderungen ge-\nrecht wurde, wie auch die Altistin, Fräulein Lessiak aus\nLeipzig, vollkommen befriedigte. Die Partie des Evange-\nlisten sang der Hof-Opernsänger Dr. Gunz aus Hannover.\nDass derselbe nicht gut bei Stimme war, mag zu entschul-\ndigen sein. Zu entschuldigen ist es aber nicht, dass er zu\nkeiner Probe, selbst nicht zu der letzten General-Probe,\nerschienen war, sondern erst anlangte, als die Aufführung\neben beginnen sollte! Ein Sänger soll nie mehr überneh-\nmen, als ihm Zeit und Kräfte zu leisten gestatten. Als\nKünstler muss er die Verpflichtung fühlen, bei allen seinen\nProductionen die künstlerischen Interessen gewissenhaft zu\nwahren, noch dazu, wenn es um ein so ausserordentliches\nWerk sich handelt, wie die Passion ist. Der Hof-Opern-\nsänger Bletzacher aus Hannover hatte die Bass-Partie\nübernommen Jesus, zugleich die dem Hohenpriester,\nJudas und Petrus zugetheilten Recitative, die er im Vor-\ntrage von der Haupt-Partie wohl zu unterscheiden wusste.\nTrotzdem, dass auch dieser Herr unerlaubter Weise ohne\nvorhergegangene Probe sang, war doch die Wiedergabe\nseiner Partieen der Art, dass man sich sehr wohl an ihr\nerfreuen konnte. Er ward vom Glück begünstigt und scheint\nausserdem musicalisch sehr sicher zu sein. Musik-Director\nHille, der kein Opfer und keine Mühe gescheut hatte,\nuns die grossartige Tonschöpfung zu Gehör zu bringen,\nthat auch bei dieser Aufführung mit Hindernissen das ir-\ngend Mögliche und wusste den Gesammt-Eindruck Stören-\ndes glücklich zu verhüten.\nNoch in keinem Winter haben uns die akademi-\nschen Concerte so viele Orchesterwerke gebracht und\nhaben wir so gute Aufführungen erlebt, als in dem ver-\ngangenen. Dies hat seinen Grund darin, dass in Folge der\nunablässigen Bemühungen des Herrn Hille wieder ein gu-\ntes städtisches Musikcorps hergestellt ist, das seine Thätig-\nkeit im öecember vorigen Jahres begann. Von den in\nfünf akademischen Concerten aufgeführten Werken nenne\nich: 3 Sinfonieen von Beethoven, die in und\nB-dur, und die C-dur-§\\n fonie mit der Fuge von\nMozart; Ouvertüren: die zu Egmont und Coriolan,\nzu Iphigenie in Aulis, zum Wasserträger, Meeresstille und\nglückliche Fahrt von Mendelssohn und Scherzo und Not-\nturno aus dessen Sommernachtstraum. Von grösseren Ge-\nsangwerken hörten wir die Walpurgisnacht von Men-\ndelssohn. Als Gäste debutirten: Herr Dr. G unz zwei Mal\nin Arien und Liedern von Händel, Mozart und Schubert,\nSchumann, Hille u. s. w. Ich freue mich, hinzufügen zu\nkönnen, dass dies im Gegensatze zu dem vorhin über den\nSänger Gesagten in einer für ihn sehr ehrenvollen Weise\ngeschah. Ferner Fräulein Büschgens aus Crefeld, in\nLeipzig gebildet, deren Gesanges-Vorträge freundlich auf-\ngenommen wurden. Herr Capellmeister Bott aus Meinin-\ngen, als ausgezeichneter Geiger längst bekannt und ge-\nschätzt, zeigte sich als solchen besonders im Vortrage des\nMendelssohn'schen Concertes. Der vorhin als Orgelspieler\nerwähnte Herr E. Weiss spielte das Weber'sche C-dur-\nConcerl für Ciavier und legte Ehre damit ein. Am 21.\nMärz führte der kirchliche Singverein, den Herr Pro-\nfessor Dr. Krüger leitet, in einem Privat-Concerte J. S.\nBach's Messe in G dur nebst einigen älteren Chorälen auf.\nDer St ud enten -Ges a ng ver ei n brachte in einem\nvon ihm gegebenen Concerte die Mendelssohn'sche\nAntigone mit Clavierbegleitung recht gut zu Gehör.\nZu Anfang des letzten Semesters besuchte uns das\nQuartett der Gebrüder Müller aus Meiningen und gab\nzwei Soireen, und am Schlüsse desselben hörten wir noch\nJoachim, Lindner und die Gebrüder Eyertt aus\nMannover als Quartettisten. Nicht uninteressant sind die\nVergleiche, welche von unseren Musikkennern über beide\nQuartette angestellt wurden. Das erste zeichnet sich jeden-\nfalls aus durch ein vollendetes Ensemble, das zweite durch\ngeistig freien, schwungvollen Vortrag.\nGöltingen, im Juni 1863.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "204", "page_fin": "205", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.2.4", "titre_corps": "Emil Weiss.", "titre_sommaire": "Emil Weiss.", "signature_source": "Ed. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.4", "debut_caractere": 4087, "fin_caractere_exclue": 5176, "texte": "Emil Weiss.\n\nGöttingen, den 15. Juni 1863.\nVorgestern halten wir hier den Genuss eines geistli-\nchen Concertes durch Emil Weiss, den Sohn des Orga-\nnisten an der Johanniskirche. Der jugendliche Künstler\nhat, nachdem er in der Schule des Vaters den besten Grund\ngelegt, in anderen deutschen Städten sehr tüchtige Studien\ngemacht, vorzüglich in Stuttgart, wo einer der besseren\nMeister in Segen wirkt: Emanuel Faisst. Sowohl im\nCiavier- als Orgelspiel sind E. Weiss' Leistungen vorzüg-\nlich; überrascht hat uns aber, auch eine eigene Compo-\nsition: Phantasie und Fuge über „Wer nur den lieben\nGott lässt walten\", von ihm ausführen zu hören, deren\nkünstlerischer Inhalt Geist und Talent verräth; eine leb-\nhalte und prächtige Einleitungs-Phantasie, eine vierstim-\nmige Figuration zum Canius eine Fuge desselben\nIhema's von solider Arbeit, nur mit einigem Uebersclnvang\nromantischer Modulation, das Ganze unermüdlich vorwärts-\ndringend. Ausser diesem eigenen Tonsatze ward reichlich\ngeboten von anderen Meistern, im Ganzen zwölf Sätze in\nzwei Stunden; eine gefährliche Aufgabe, die manchem Hö-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2271, "texte": "rer schwer zu bewältigen war. Von dem Hauptmeister\nSebastian Bach wurden drei Tonsätze gebracht, zuerst die\nkunstreiche 11-moll-Fuge, wohl schwierig genug, zumal\nbei ziemlich schnellem Tempo; dann ein Adagio, mild,\nsanft und leichter zu begreifen; schliesslich Präludium und\nFuge in A-moll, ein schwer zu bewältigendes Kunstwerk\nvon mehr glänzendem als tiefem Inhalt, ward mit grösster\nSauberkeit und Klarheit vorgetragen und nahm sich recht\nglänzend aus auf dem schönen Orgelwerke, das gut im\nStande und sicher gestimmt war eine Mahnung für\nmanche Orgel-Virtuosen, denen so oft Mühe und Arbeit\nverloren geht, weil rein gestimmte, auch in den Mixturen\nklare Orgeln so selten sind. Die übrigen Orgelsätze waren\nverschiedener Wirkung. Ein sanftes Adagio von E. F. Rich-\nter in As-durfand getbeilten Beifall; das folgende von\nJ. S. Bael}, drang mehr ein; die .A-e?Mr-Sonate von Men-\ndelssohn äusserte sich, wie überall, zu Anfang reizend, spä-\nter ermüdend; ein geistreich feines Choral-Vorspiel von\nA. G. Ritter, das unter seine besseren Arbeiten gehört,\nüber: „Gib Dich zufrieden!\" fand mehr Theilnahme; die\neigene Composition des Concertgebers, Phantasie und Fuge\nüber „Wer nur den lieben Gott\", welche seine Begabung\nim besten Lichte zeigte, ward sehr gut vorgetragen und\nschien auf die Zuhörer am günstigsten zu wirken.\nZwischen diesen sieben Orgelsätzen wurden folgende\nVocalsälze vernommen: Geliert's Busslied von Beethoven\nund J. S. Baeh's „Mein gläubiges Herze\" (aus der Can-\ntate „Also hat Gott\" zu Weihnacht, S. Winterfeld E. K.\nG., 3. Th eil), beide von einer hiesigen Sopranistin mit\ngrosser Sicherheit, Reinheit und Schönheit vorgetragen,\nnur dass uns das Tempo zu rasch genommen schien. Ein\nMänner-Terzett aus Mendelssohn's Oratorium „Christus\",\nziemlich lau, war ohne liefere Wirkung. Zwei Sätze von\nH. Schütz: „Dank sei unserem Herrn\", und: „Ehre sei\nDir, Christe\", aus seiner reifsten Zeit wurden von vollem\nChor gut und wirksam vorgetragen und von den Hörern\nmit Innigkeit aufgenommen.\nAn der ganzen Aufführung haben, wie wir glauben,\nalle Zuhörer Freude gehabt, nur dass einige Tempi für\ndas erste Verständniss zu rasch waren; auch das Kirchen-\ngewölbe erträgt die rascheren Läufe nur mit Maassen und\nam besten bei überfüllter Zuhörerschaft.\n\nEd. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "205", "page_fin": "206", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.2.5", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.5", "debut_caractere": 2273, "fin_caractere_exclue": 5218, "texte": "Aus Aachen.\n\nZur Vervollständigung meiner Berichte über unsere\nMusik-Aufführungen im vergangenen Winter habe ich nur\nnoch die zwei letzten Abonnements-Concerte zu erwähnen.\nDas vorletzte (siebente) brachte uns J. S. Baeh's Mat-\nthäus-Passion. Das Urtheil über die Ausführung dieses\nerhabenen Werkes ist mir durch die Würdigkeit und Vor-\ntrefflichkeit derselben unter Wüllner's Leitung leicht ge-\nmacht. Das gesammte Personal in Chor und Orchester\nzahlte an 300 Mitwirkende; die Soli sangen Fräulein\nBüchner aus Köln, Fräulein Schreck aus Bonn, die\nHerren Dr. Gunz aus Hannover und Hill aus Frankfurt\nam Main. Fräulein Schreck und Herr Hill sind bei uns\nalte Bekannte und haben auch jetzt ihren Ruf bewährt.\nFräulein Büchner ist eine gebildete und interessante Sän-\ngerin, deren sympathische Stimme ihr eine sehr warme\nAufnahme beim Publicum verschaffte. Herr Gunz hat den\nErfolgen, die ihm bei seinem ersten Besuche der Rhein-\nlande zu Theil geworden, einen neuen und glänzenden\ndurch seine Leistung in der Passion hinzugefügt.\nSo allgemeines Lob, wie dieses, kann dem letzten Con-\ncertenicht gespendet werden. Die Aufführung des „Alexan-\nderfestes\" von Händel war sehr mittelmässig; die schönen\nTage am Ende des März hatten eine grosse Anzahl von\nSängern zur Desertion verlockt und die Reihen der Treu-\ngebliebenen überhaupt waren stark gelichtet. Händel's\nWerk verlor mithin seinen grossartigen und majestätischen\nCharakter. Allerdings nahm sich naehher St. Medardus\nHänders an und rächte ihn an dem Treubruche der Schö-\nnen; aber er trieb es freilich etwas zu weit. Frau Knöp-\nges-Saart hat das Werk vor gänzlichem Schiffbruch ge-\nrettet; ihre schöne Stimme und ausdrucksvoller Vortrag\nerwarben ihr begeisterten Beifall. Die Bass-Partie sang\nHerr Ackens mit bekanntem Geschick; Herr Göbbels\nbrachte die Tenor-Partie besonders im zweiten Theile des\nWerkes zur Geltung. Dem Alexanderfeste ging eine\ntreffliche Ausführung der Sinfonie von Mozart\nvorher.\nZwischen beiden Concerten fand das jährliche Concert\ndes Musik-Directors Herrn Wüilner Statt. Wie immer,\nwar der Saal des Curhauses gedrängt voll, da Alles dahin\nströmte, um dem Leiter unseres Concert-Institutes Aner-\nkennung und Dankbarkeit zu beweisen. Das Programm\nwar sehr anziehend. Den Ouvertüren zu Manfred von\nSchumann und zu Faniska von Cherubim wurde eine sehr\ngenaue Ausführung zu Theil. Drei Chöre*) von Wüll-\n\n*) Wir bemerken ein für alle Mal, dass, wo in dieser Zeitschrift\nvon „Chor\" die Rede ist, stets der volle Chor von Sopran,\nAlt, Tenor und Bass gemeint ist. Der Zusatz: rgemischt\",\nder aus der Zeit stammt, wo die Liedertafeln das Ileil der\nTonkunst im Männergesange gefunden zu haben glaubten, ist\nso nichtssagend, dass er endlich wieder verbannt werden\nmüsste. Seit Jahrhunderten hat man unter rChoru nichts An-\nderes verstanden, als den Gesammtehor aller Stimmen; daneben\nschreibe man so viel man wolle gesondert für „Frauenchor\"\noder für ~Männcrchoru. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3929, "texte": "ner (Op. 12, Verlag von Rieter-Biedermann), eine wahre\nBereicherung dieser jetzt etwas vernachlässigten Gattung,\ndurch schöne Stimmführung und melodischen Ausdruck\nsehr wirkungsvoll, wurden mit Liebe und Aufmerksamkeit\ngesungen. Eine anspruchslose, reizende musicalische Epi-\nsode: „Die Flucht der heiligen Familie\", ebenfalls von\nWüllner (Op. 13, in demselben Verlage), wurde von Frau\nNeuss-Deutz und den Herren Ackens undGöbbels recht\ngut vorgetragen. Ferner spielte der Herr Concertgeber\nBeethoven's C-cftfr-Sonate Op. 53 und Mendelssohn's Es-\n(far-Rondo mit bekannter Meisterschaft. Den Schluss des\nhöchst interessanten Abends bildete eine treffliche, feurige\nAusführung von Hiller's prächtiger „Lorelei\", in wel-\ncher Frau Neuss alle Welt elektrisirte und Ihren Capell-\nmeister, den Componisten des genialen Werkes, dazu, denn\ner war anwesend und hat gewiss bei sich selbst gedacht,\ndass eine so vollkommene Lorelei nur in der Kaiserstadt\nKarl's des Grossen zu finden ist.\nNoch verdient ein anderes Concert Erwähnung, wel-\nches zum Vortheil des Herrn Fleischhauer gegeben wurde,\nder das Unglück gehabt, den Arm zu brechen. Alle hiesi-\ngen Künstler hatten sich zu dem Concerte vereinigt, und\nfreudigen Dank erregte es, dass Ihr trefflicher Violinist,\nHerr Concertmeister von Königslöw, sich freiwillig er-\nboten hatte, die Stelle seines Collegen zu vertreten. Es ist\nkaum nöthig, zu sagen, dass er durch den Vortrag der\ngrossen Sonate in A von Beethoven mit Herrn Wüllner,\nlerner eines Präludiums und einer Gavotte von Bach allge-\nmeine Bewunderung erregte.\nIch hatte diesen Brief noch zurückgehalten, weil ich\nhoffte, den Namen eines in Aachen hoch verehrten, be-\nrühmten Künstlers meinem Berichte hinzufügen zu können.\nDiese Hoffnung hat mich nicht getäuscht; Alfred Jaell\nist, wie gewöhnlich, auch dieses Jahr hieher gekommen,\num die Zinsen von dem Capital, das er bei unserer Lie-\ndertafel niedergelegt hat, in Empfang zu nehmen, und das\nganze Publicum hat sich beeilt, ihm diese Schuld durch\nenthusiastische Ovationen abzutragen. Ich brauche Ihnen\nnichts weiter zu sagen über diesen staunenswerthen Ton-\nkünsller, der die Welt als Sieger durchzieht und sich über-\nall eben so viele aufrichtige Freunde durch seine Liebens-\nwürdigkeit und Gefälligkeit, als Bewunderer durch sein\neminentes lalent erwirbt. Es genügt, Ihnen zu schreiben,\ndass er durch eine reizende Bluette: „Morgenlied\", von\nseiner Composition, ein interessantes Allegro von Kirnber-\nger und seine Nachtigallen-Phantasie über: Ilome, sweet\nhome, das Publicum entzückt hat. Um den stürmischen\nWünschen der Zuhörer zu willfahren, hatte er die Freund-\nlichkeit, noch zwei Walzer von Chopin und seine Staunens-\nwerth pompöse Transscription aus dem Tannhäuser hinzu-\nzufügen; letztere wird bald durch eine noch staunenswer-\ntere über „Tristan und Isolde\" verdunkelt werden, welche\nwir in einem Privat-Cirkel gehört haben. Ausserdem hatte\nJaell den Abend, an welchem die Herren Göbbels, Berg-\nstein und die Liedertafel den Genuss vermannigfachten,\ndurch den brillanten Vortrag von Mendelssohn's D-moU-\nTrio mit den Herren Fritz und Johann Wenigmann\neröffnet. Der letztgenannte Künstler ist auf dem besten\nWege, in der musicalischen Welt von sich reden zu ma-\nchen; in unserem Instrumental-Vereine spielte er unter\nAnderem das schwierige D-moll-Concert für Violoncell\nund die Serenade und Tarantella von Lindner mit ausser-\nordentlichem Erfolg. ~\nSchliesslich gedenke ich einer Soiree unseres ausge-\nzeichneten Pianisten, des Herrn Ratzenberger. Fräulein\nSchreck hatte die Güte, den jungen Künstler jdurch den\nseelenvollen Vortrag einer Arie von Bach und, zweier Lie-\nder von Schubert zu unterstützen. Herr Ratzenberger\nspielte das schöne Trio von Wüllner, welches Sie kennen,\neine Sonate von Beethoven, das von Men-\ndelssohn und die Tannhäuser-Phantasie von Liszt, und be-\nwährte in jeder Hinsicht ein grosses Talent, das ihm den\nschönsten Erfolg bereitete.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-27_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "206", "page_fin": "207", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.2.6", "titre_corps": "Das Beethoven-Monument in Heiligenstatt.", "titre_sommaire": "Das Beethoven-Monument in Heiligenstatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.6", "debut_caractere": 3931, "fin_caractere_exclue": 5204, "texte": "Das Beethoven-Monument in Heiligenstatt.\nSo betitelt sich ein hübsch gedrucktes Heftchen (Wien,\nVerlag der typographisch-literarisch-artistischen Anstalt\nvon Zamarski und Comp., gr. 8., 28 S.), das uns eine Ab-\nbildung des Monumentes und der Umgebung gibt, Nach-\nrichten über die Errichtung und Enthüllung desselben und\neine Musik-Beilage, enthaltend: „Cantate zur Enthüllung\ndes Beethoven-Monumentes von E. von Bauernfeld, in\nMusik gesetzt für vier Männerstimmen und Begleitung von\nB. Randhartinger.\" Der Ertrag des Heftchens fliesst in\nden Unterhaltungs-Fonds des Platzes.\nHeiligenstatt (Sanctus loc in Urkunden, demnach\nnicht Heiligenstadt zu schreiben) ist ein zierliches, einem\nLandstädtchen ähnliches Dorf von 215 Häusern und 4500\nEinwohnern, die seit Jahrhunderten vortrefflichen Wein\nbauen und die Erzeugnisse der Land- und Gartenwirth-\nschaft nach dem ganz nahen Wien bringen. Beethoven\nwohnte hier zu verschiedenen Malen des Sommers, und\nauf seinem Lieblingsplatze an einem Bache, unter einer\nGruppe von Nussbäumen, in der Allee, die von Heiligen-\nstatt nach Nussdorf führt und die man jetzt den „Beetho-\nvengang\" nennt, ist das einfache Denkmal, eine kolossale\nBronze-Büste auf marmornem, nach oben verjüngtem\nSockel, mit einem eisernen Gitter umgeben, durch den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4002, "texte": "„Verschönerungs-Verein\" von Heiligenstatt errichtet\nworden. Die Büste ist vom Ritter von Fernkorn mo-\ndellirt und in Erz gegossen. Das Denkmal soll am 15.\nJuni d. J, enthüllt und durch den Vorsteher des Vereins,\nHerrn Dr. Anton Heidmann, der Gemeinde von Heiligen-\nstatt mit der Bedingung, für dessen Erhaltung und den\nmöglichst langen Schutz der Nussbäume, unter denen der\ngrosse Meister so oft sass, Sorge zu tragen, als Eigenthum\nübergeben werden.\nBei der Enthüllungsfeier wird die oben erwähnte Can-\ntate gesungen und ein Festspruch von Dr. L. A. Frankl\ndurch den Hofschauspieler Förster gesprochen werden.\nEr ist in dem Schriftchen nebst mehreren Gedichten u. s. w.\nabgedruckt und enthält unter Anderem folgende Stellen:\n„Rühme sich Jeder, der ein Zeitgenosse von unsterblichen\nMenschen wa*! Wir waren es, und zu einer Zeit, wo\ndas Wort verstummen musste, wo auf den freien Ausdruck\ndes Geistes in unserem Vaterlande gefahndet wurde. Da-\nmals übernahm es die Musik des modernen Titaniden,\nden Zorn zu singen, die Hymne der Freiheit anzuklingen,\ndamit sie Herzen und Geister nicht verlernen und ver-\ngessen !\"\nAbends wird ein Fest-Concert im Parksaale Statt\nfinden. Nach einem (ebenfalls abgedruckten) schönen Pro-\nlog von Joseph Weilen kommen Compositionen von\nBeethoven unter Mitwirkung des Quartetts von Hellmes-\nberger und Genossen, Herbeck's und des Männer-Gesang-\nvereins u. s. w. zur Aufführung.\nUnter den Gedichten erzählt „Beethoven's Rirmess\"\n(von L. Foglar) einen Schwank, den sich der Meister mit\ndrei munteren Burschen machte, und L. A. Frankl, eben-\nfalls nach der in Heiligenstatt lebenden Tradition, in einem\nvon den drei beigesteuerten Gedichten folgende, so viel\nwir wissen, noch unbekannte Anekdote:\nBeethoven anter den Bauern«\nEs war im Winter, Frost und Schnee\nBedeckten Felder, Berg und See,\nDurch feuchten, grauen Nebelflor\nStieg roth der Sonnenball empor,\nEs stand der Wald im tiefen Schweigen\nMit eisbedeckten weissen Zweigen;\nUnd durch den Frost mit Stift und Blatt\nBeethoven sich ergangen hat.\nIhn kümmern wenig Schnee und Eis,\nIn seinem Herzen glüht es hei^s;\nEr fühlt in sich ein Flammenregen,\nDamit die Geister sich bewegen.\nBald geht er rasch, bald hält er an,\nIhn kümmert wenig auch die Bahn.\nDie breitgetret'nen Wege stät,\nIhr wisst es, hat er stolz verschmäht.\nSo treibt s ihn über Berg und Thal\nIn einen Hohlweg, eng und schmal.\nDa bleibt der Meister steli'n inmitten,\nAls hätt' ihn's weiter nicht gelitten.\nEr sinnt, er schreibt, tactirt dazu,\nEs gibt im Geiste ihm nicht Ruh'.\nDa kommt des Wegs beladen schwer\nMit Prügelholz ein Wagen her.\nDer Fuhrmann sieht den Meister stehen\nUnd hält die Rösslein an im Gehen;\nDem Wagen folgt ein zweiter, dritter bald,\nUnd jeder macht gezwungen Halt.\nBeethoven, der darum nicht weiss,\nSchreibt weiter, wenn auch Schnee und Eis\nIhm um den Bart, die Locken hangen\nEroica war ihm aufgegangen.\nIm Hohlweg währt's zu lang dem Zug,\nGewartet hätten sie genug.\nDie Letzten schrei'n den Ersten an:\n„Was fährst weiter nicht die Bahn?\"\nUnd Schweigen winkt er zu den Andern.\nBeethoven fängt jetzt an zu wandern\nDa ruft der Bauer laut zurück:\n„Das war von Wien der Erste der Musik,\nDen hab' ich irr' nicht machen wollen.\nJetzt fahr'n wir, hi!u\nDie Wagen rollen.\nIhr Herren! ich weiss es nicht zu sagen,\nOb in der Stadt ein stolzer Wagen\nSo höflich ausgewichen wäre\nDa legten sie ihm Prügel in die Quere:\nEr aber, unbekümmert um die Welt,\nSchrieb auf, was ihm die Brust geschwellt.\nEinfach und arm und oft verkannt,\nGing er umher in unsrem Land;\nWas ihn begeistert und durchflutet,\nSchrieb er der Nachwelt wohlgemuthet.\nDie Cantate vom Hof-Capellmeister Randhartingerist\neben eine Gelegenheits-Musik, die keine grossen Ansprüche\nmacht; indess wird sie doch mit Vergnügen von Männer-\nGesangvereinen zur Feier Beethoven's gesungen werden.\nWir empfehlen mithin das Schriflchen allen Freunden und\nSammlern der Beethoven-Literatur.\nNachschrift. Die Enthüllungsfeier wurde wegen\ndes schlechten Wetters am 15. d. Mts. auf einige Tage\nverschoben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-06-27-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-06-27_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-06-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "208", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.7", "debut_caractere": 4004, "fin_caractere_exclue": 4354, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEin Belgier erstattet Bericht in der „Independance'* über das\nniederrheinische Musikfest in Düsseldorf und sagt unter Anderem:\n„Nie ist wohl der Mendelssohn'sche Elias von einem vollständigeren\nund schöneren Chor gesungen worden; denn der Sopran zählte 220,\nder Alt 160, der Tenor 175 und der Bass 228 Stimmen, und was"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3320, "texte": "für Stimmen! Es waren deutsche Stimmen mit ihrem Timbre, ihrer\nKlangfülle und der Sicherheit, die nur die musicalische Erziehung\nverleiht.\" Ueber Jenny Lind-Goldschmidt sagt er: „Wie viele pfei-\nfende Amseln, wie viele americanische Drosseln gehen doch auf eine\nschwedische Nachtigall, wie viele mehr oder minder gelungene Patti's\nauf eine Jenny Lind!\" Und von Stockhausen behauptet er, er sei\neiner der bewundernswerthesten Basssänger, die man hören könne;\ndie Pariser hätten es nicht vorherzusehen verstanden, als dieser treff-\nliche Künstler sich für einen Augenblick unter die zwitschernden\nSänger der komischen Oper gemischt.\nMainz« Dem hier als Director des Cäcilien-Vereins und des\nLiederkranzes thätigen Capellmeister Friedrich Lux wurde vom\nHerzog von Coburg-Gotha für die demselben gewidmete Composition\neiner „Deutschen Hymne\" (Text von Dr. K. A. Mayer in Mannheim)\ndie Medaille für Kunst und Wissenschaft am grünen Bande verlie-\nhen. Das interessante Werk erscheint im Verlage von B. Schott' s\nSöhne in Mainz. In dem die Medaille begleitenden Schreiben des\nherzoglichen Cabinetsrathes Dr. Tempelty wird des lebhaften In-\nteresses Erwähnung gethan, mit welchem der Herzog von der Hymne\nKenntniss genommen, und heisst es darin unter Anderem: „Die\nComposition schliesst sich der schwungvollen und entsprechenden\nDichtung so würdig an, ist im Satz sowohl als auch in der Instru-\nmentation so trefflich gearbeitet und bekundet so durchgängig den\ntüchtigen Künstler, dass das Werk gewiss bei allen Gesangvereinen\nEingang finden wird.\"\nDem Vernehmen nach soll das fünfte mittelrheinische Musikfest\nin Darmstadt diesen Sommer nicht Statt finden, da die Benutzung\ndes Zeughauses nun definitiv verweigert wurde und die Räume des\nHoftheaters nicht ausreichend erscheinen.\nMeyerbeer befindet sich zur Cur in Schwalbach. Jenny\nGoldschmidt-Lind ist von Wiesbaden wieder nach London zu-\nrückgekehrt.\nHadeil-Uadeil. Die gegenwärtige Saison wird in musicali-\nscher Beziehung eine der reichsten sein, die wir noch je erlebt ha-\nben. Drei neue Opern sind in Aussicht gestellt, nämlich: 1) Nahel,\nphantastische Oper in drei Acten von Ed. Plouvier, Musik von li.\nLitolfi; 2) La de VOrJ&vre, grosse Oper von Leroy und Pous-\nsier, Musik von Edm. Membr^e; 3) Volage et Jaloux, komische\nOper von M. F. Souvage, Musik von J. P. Rosenhain. Ausser die-\nsen Novitäten kommen zur Ausführung: La Colombe von Gounod,\nBeatrix et Bdntdict von Berlioz und nöch etwa ein halbes Dutzend\nandere Opern.\nStuttgart* Der hiesige Hoftheater- und Kammersänger Pi-\nschek ist auf sein Ansuchen in Ruhestand versetzt worden und hat\nin Anerkennung seiner dem Hoftheater während zwanzig Jahren\ngeleisteten Dienste die grosse goldene Medaille für Kunst und Wis-\nsenschaft erhalten, mit der Erlaubniss, dieselbe am Bande des Kron-\nOrdens tragen zu dürfen.\nAm 3. Juni sind Joachim und Fräulein Weis in Hannover\ngetraut worden; am 31. Mai hatte Fräulein Weis als Fidelio von\nder Bühne Abschied genommen.\nDie liofoper in Berlin bereitet für die nächste Saison Rubin-\nstein's „Kinder der Haide\" und Schmidts „La 860 leu zur Auffüh-\nrung vor.\nIm Programm zu dem in Strassburg Statt findenden Sänger-\nfeste ist unter Anderem vorgeschrieben: „Keine Rede darf gespro-\nchen, kein Toast ausgebracht werden, ohne vorher dem Herrn Prä-\nfectcn mitgetheilt worden zu sein.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Oper „Loreleyu von Emanuel Geibel und Max Bruch. (Erste Aufführung: Mannheim den 14. Juni.) I. Aus Göt-\ntingen (Die Matthäus-Passion von J. S. Bach Die akademischen Concerte Das Quartett der Gebr. Müller und das Joachim'sche\nQuartett). Von X. Emil Weiss. Von Ed. Krüger. Aus Aachen (Concerte). Von N. Das Beelhoven-Monument in Heiligen-\nstatt. Tages- und Unterhaltungsblatt (Bericht aus Belgien über das niederrheinische Musikfest Mainz, F. Lux u. s. w.).\n\nDie Oper „Loreley“ von Emanuel Geibel und\nMax Bruch.\n(Erste Aufführung: Mannheim den 14. Juni.)\nI.\nEmanuel Geibel hat bekanntlich vor vielen Jahren,\nwahrscheinlich schon 1846 oder wenigstens Anfangs\n1847, mit Zugrundelegung der rheinischen Sage von der\nNixe auf dem Felsen, welcher, Lurley genannt, oberhalb\nSt. Goarshausen schroff aus dem Rheine emporsteigt, ein\nOpernbuch gedichtet, welches für Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy bestimmt war, der es componiren wollte und sich\nauch während seines Sommer-Aufenthaltes zu Interlaken\nin der Schweiz im Jahre 1847 damit beschäftigt hat. Als\nErgebniss seiner Arbeit ist nach seinem Tode die Compo-\nsition des Finale's des ersten Actes veröffentlicht worden,\ndas eine weite Verbreitung durch Auflührungen in Con-\ncerten, zuletzt auch hier und da auf Bühnen, gefunden hat.\nWeitere Fragmente seiner Musik zur Loreley scheinen\nnicht vorhanden zu sein. Wahrscheinlich hat ihn das Un-\ndinen- und Elfenartige, überhaupt das Geisterhafte in die-\nser Scene, ein Element, in welchem er sich gern musica-\nlisch schaffend bewegte, am meisten angezogen, dieses Fi-\nnale zuerst zu componiren. Auch ist es möglich, dass er\nsich von der Oper mit mehr Liebe dem Oratorium ,Chri-\nstus\" zugewandt hat, dessen Bruchstücke aus derselben\nZeit herrühren.\nNach Mendelssohn's Tode liess Geibel sein Opernge-\ndicht drucken, verwahrte sich aber aus Pietät gegen Men-\ndelssohn und anderen Gründen gegen die Composition des-\nselben. Wir wissen, dass er sogar Marschner abschlägig\nbescheiden zu müssen glaubte. Erst jetzt hat der Dichter,\nnach Anhörung mehrerer Nummern aus der Partitur von\nMax Bruch bei dessen Anwesenheit in München, aus Wohl-\nwollen für den jungen, sehr begabten Künstler und auf\ndas Urtheil musicalischer Autoritäten hin alle hindernden\nVerhältnisse beseitigt und seine Einwilligung zur Compo-\nsition, Aufführung und Veröffentlichung gegeben. Und er\nwird es nicht bereuen, denn sein Gedicht ist in würdige\nHände gekommen.\nDie neueren Dichter nach Brentano (1800), besonders\nHeine (1823) und seine unzähligen Nachfolger, haben aus\ndem unverstandenen Namen der Steinklippe („Ley\" bedeu-\ntet im Rheinischen „Fels\", besonders „Schieferfels\", da-\nvon die Dachschindel „Leyen\" und der Schieferdecker\n„Leyendecker\" heissen; über die Sylbe „Lur\" sind die\nGelehrten nicht einig wahrscheinlich von „luren\", d. i.\nlauern, mit Bezug auf das Spähen von der Höhe des Fel-\nsens nach zwei Seiten hin), also die Poeten haben daraus\neine Rhein-Nymphe Lorlei, Lorelei, Lore u. s. w. gemacht\nund ihr männerverderbliche Rache als Vergeltung der\nUntreue des Einen an dem ganzen Geschlechte angedichtet.\nDie ursprüngliche Sage weiss davon nichts, sondern sym-\nbolisirt auch hier nur, wie an der Donau und manchen\nBinnenseen, die verlockende Gefahr des Wassers durch\nden sinnbethörenden Zauber der Nixe. Trotzdem bietet die\nGestaltung der Sage durch die Neueren einen guten, so-\nwohl lyrischen als dramatischen Stoff, und Geibel hat ihn\nim Ganzen für die Handlung und die Situationen, welche\ndie Oper verlangt, gut und theilweise vortrefflich benutzt.\nIn Uebereinstimmung mit dem Componisten sind von ihm\neinige Aenderungen, theils Kürzungen, theils Ergänzungen\nan dem Gedichte gemacht worden, so dass der Gang der\nHandlung der jetzigen Gestalt des Textbuches nach fol-\ngender ist:\nGeibel's „Loreley\" ist Lenore, die Tochter eines\nFährmannes und Schenkwirlhes Hubert zu Bacharach\nam Rheine. An Schönheit und Stimme hoch begabt, wird\nsie in der ganzen Gegend geliebt und gefeiert. Der Pfalz-\ngraf Otto hat als Jägersmann ihre Liebe gewonnen, aber\ndurch seinen Stand zu einem anderen Ehebunde gezwun-\ngen, erscheint er zum letzten Male in dem Felsenthale, wo"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.2", "texte": "er sie einst gefunden, mit dem Entschlüsse, sich ihr zu\nentdecken, aber auch zugleich ihr zu entsagen. Allein der\nholde Laut und das süsse Liebeswort Lenorens nimmt\nihm die Kraft dazu, und als der Klang der Vesperglocke\nihn daran mahnt, dass seine verlobte Braut Bertha ihn\nzur Trauung auf Burg Stahleck erwartet, reisst er sich los\nund stürzt fort. Aus der Kirche klingt ein „Ave Maria\"\nherüber, und Lenore, die nichts ahnt, mischt ihr Gebet\num Schutz für ihn und ihre beiderseitige Liebe in den\nChorgesang.\nEs hat uns aber immer geschienen, als wenn diese\nExposition des Stückes eine Andeutung des geisterhaften\nElementes, welches später in dem Drama wesentlich wal-\ntet, vermissen liesse, und die Aufführung hat uns in dieser\nAnsicht bestärkt. Dem Vernehmen nach haben Dichter\nund Componist einen Gesang der Undinen als lntroduction,\ndie unmittelbar auf die Instrumental-Einleitung folgt, hin-\nzugefügt: warum er bei der ersten Aufführung wegge-\nblieben, wissen wir nicht, glauben aber, dass das Ganze\ndadurch gewinnen würde.\nDie Verwandlung öffnet uns das Rheinthal bei Bacha-\nrach; die Decoration gab die Natur wunderbar treu von\neinem Standpunkte aus wieder, der einen Theil der allehr-\nwürdigen Stadt in den Vordergrund einer weiten Eernsicht\nstellt. Das Diorama wurde mit Recht durch Applaus be-\ngrüsst.\nEin munterer, frischer Chor der Winzer und ihr Vor-\nsänger, der alte Hubert, führen uns recht in das rheini-\nsche Leben und Treiben hinein. Die jungen Winzerinnen\ntreten hinzu; eine von ihnen verkündet in einem hübschen,\nzweistrophigen Liede Lenoren, dass sie von Allen erwählt\nsei, dem fürstlichen Brautpaare, dessen feierlichen Zug\nman erwartet, den Ehrenwein zu credenzen. Darauf ver-\nlässt der Chor die Scene, um dem Paare entgegen zu gehen;\ndoch Reinald (Bariton), ein Minnesänger, ruft Lenoren\nzurück und gesteht ihr seine Liebe, welche Lenore mit den\nWorten zurückweist: „Dieses Herz ist nicht mehr mein.\" .\nDiese Episode dürfte besser wegbleiben, obgleich sie in\nWorten und Tönen ausdrucksvoll ist; sie greift aber spä-\nterhin gar nicht in die Handlung ein, und hier im ersten\nActe, der durchaus einer Kürzung bedarf, hält sie dieselbe\nnur auf.\nDer Brautzug naht mit vollem Chor. Lenore tritt vor,\ndie Braut zu begrüssen, erkennt im Pfalzgrafen ihren Ge-\nliebten, die Sinne schwinden ihr, sie sinkt bewusstlos hin.\nAls Lenore wieder erwacht, bricht der Pfalzgraf eilig mit\ndem Zuge auf, einige Winzerinnen und Hubert führen\nsein „verirrtes\" Kind nach Hause.\nEs ist Nacht geworden. Die Verwandlung versetzt uns\nin ein Felsenthal; im Hintergrunde der Rhein. Es beginnt\ndas Finale, dessen Text durch Mendelssohn's Composition\nin weiten Kreisen ganz bekannt geworden ist. Die Rhein-\ngeister steigen aus den Fluten empor und treten zwischen\nden Felsen heraus auf die Scene; Lenore erscheint und\nweihet sich gegen Verheissung rächender Vergeltung an\ndem treulosen dem Rheingotte zur Braut,\nindem sie den Brautring von der Klippe am Ufer hinab in\nden Strom wirft. Der Vorhang fällt.\nEr fiel bei der ersten Aufführung unter dem Täu-\nschendsten Applaus, und das wird überall so sein, denn\ndieses Finale ist der Erguss eines jugendfrischen Genius,\nder gleich bei seinem ersten Aufschwünge in die Region\nder grossen Formen der Tonkunst seinen offenbaren Beruf\nzur dramatischen Musik bekundet.\nDer zweite Act beginnt mit der Hochzeitsfeier auf der\nBurg des Pfalzgrafen Otto. Seine Vasallen sind in der Fest-\nhalle versammelt und preisen in fröhlichem Chor das fürst-\nliche Paar, das auf erhöhten Stufen sich zum Mahle nie-\nderlässt. Otto scheint im Vergessen der Vergangenheit und\ndem Rausche der Gegenwart glücklich, aber das Lied des\nMinnesängers Reinald, der von dem Lohne treuer Liebe\nund der Strafe des Verrathes singt, weckt ihn aus seinem\nTraume. Er will die Erinnerung erlödten, da tritt Lenore,\nden goldenen Becher in der Hand, aus der Schar der Mäd-\nchen hervor. Die Ritter allesammt staunen die schöne Er-\nscheinung an. Als aber vollends ihre süsse Stimme ertönt,\nals sie von der Liebe Lust und Qual singt, da übt der Zau-\nber seine verderbliche Kraft, der Pfalzgraf, seiner nicht\nmehr mächtig, achtet die Thränen der angetrauten Gattin\nfür nichts, die Ritter alle erfasst verlangende Liebesgluth,\nOtto weist ihr Werben um Lenoren zurück, sie trotzen\nihm kühn, die Schwerter entfliegen den Scheiden, Leno-\nrens Stimme:\n„Flammen, Flammen der Minne\nZucken in wilder Begier,\nSchönheit steigt auf die Zinne,\nWirft den entzündenden Strahl4'\nschürt die Glulh, Otto reisst die Geliebte an sich und kreuzt\ndas Schwert mit den andringenden Rittern.\nDa tritt derErzbiscbof von Mainz mit Priestern und\neinem Gefolge von Gewappneten in die Halle, die Schwer-\nter senken sich vor seinem Gebot; „Hier waltet Zauberei\nder Hölle!\" rufen die Priester, und im Namen des geist-\nlichen Gerichtes führt der Erzbischof die Zauberin Lenore\nvon dannen.\nEine Verwandlung versetzt uns in die Vorhalle der\nSchlosscapelle. Die Pfalzgräfin Bertha hat sich hieher ge-\nflüchtet, klagt um das verlorene Glück und sehnt sich nach\nRuhe im Tode:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.3", "texte": "Darauf erklingt aus der Capelle, die nur ein Vorhang\nvon der Vorhalle trennt, mit Orgelklang der Chor der Prie-\nster, mit welchem das Finale beginnt. Bertha reisst den\nVorhang auf, man erblickt den Erzbischof und die Bei-\nsitzer des geistlichen Gerichts, vor ihnen Lenore, zur Seite\nOtto, Ritter und Volk. Wiederum Orgelton und feierlich\ndüsterer Priestergesang. Auf die Anklage der Verzauberung\ndes Pfalzgrafen, auf den Weheruf der Menge über sie\nantwortet Lenore: „Führt mich zum Tode! nach keiner\nGnade steht mein Sinn meine schwarze Kunst ist mein\nSchmerz, mein Zauber ein gebrochen Herz, und Einer\nweiss, warum!\" Da wendet sich dem Erzbischof und den\nRichtern das Herz, sie finden keine Schuld an ihr, sie\nsprechen sie frei.\nAuf den Freispruch des Gerichtes stürzt Otto auf Le-\nnoren zu: „Nun bist du mein!\" setzt dem „Halt ein!\" des\nErzbischofs trotzende Gewalt entgegen, rast gegen die\neigene Gattin, die schützend vor Lenoren tritt, bis der\nErzbischof den Kirchenbann auf seinen Scheitel schleudert.\nAlles fährt entsetzt zurück; Otto bricht zusammen. Der\nVorhang fällt. Die Dichtung, welche diese ergreifende,\ndramatische Situation geschaffen, und die Tonkunst, welche\nsie so gross und ins Herz greifend gestaltet hat, feiern hier\neinen Triumph, den das Publicum ihnen und den darstel-\nlenden Künstlern durch langen, stürmischen Applaus und\nHervorruf des Componisten und der Sänger mit vollem\nRechte bereitete.\nNach diesem zweiten Acte die Theilnahme der Zu-\nschauer im dritten noch zu fesseln, schien schwierig, sie\nzu steigern, fast unmöglich. Und dennoch krönt der dritte\nAct das ganze Werk.\nGleich die Eröffnungs-Scene, der Chor der Winzer,\ndie den gesegneten Herbst feiern, ist wieder voll frischen\nLebens. Der alte Huborl aber erzählt in einem romanzen-\nartigen, sehr gelungenen Liede den Tod der Pfalzgräfin\nund dass sein Kind die Unselige sei, für die das Herz des\nGrafen in Frevelmuth erglühte. Dann fordert er Alle auf,\nder in der nahen Kirche beigesetzten Leiche der Gräfin\ndie letzte Ehre darzubringen.\nAls sie die Bühne verlassen, erscheint Otto zerknirscht\nund todesmatt. Aus der Kirche hallt das De profundis\nzu ihm herüber. Ein Nachruf des Schmerzes ringt sich aus\nseiner Brust, dann fasst ihn aber wieder die Gluth und\nder Entschluss, Alles um den Besitz Lenorens zu wagen.\nDie Scene verwandelt sich, Lenore sitzt auf der Klippe\nam Rhein und schaut in die Tiefe ein schönes Bild mit\nOrchester-Begleitung, in welcher die Volksmelodie des\nHeine'schen Loreley-Liedes anklingt. Es folgt ein Gesang\nLenorens, darauf die Erscheinung Otto's und ein grosses,\nhöchst melodisches und leidenschaftliches Duett, in wel-\nchem er sie an die frühere Seligkeit ihrer Liebe erinnert\nund um Erhörung fleht. Schon schwankt Lenorens Herz,\nda schallt aus des Rheines Tiefe der Geister-Chor empor:\n„Halt ein!\" sie eilt auf die Klippe, verläugnet den Gelieb-\nten und weiht ihn zum Opfer. Otto stürzt sich in den\nRhein, sie selbst versinkt in den steigenden Fluten, aber\ndiese tragen sie wieder empor, heben sie auf krystallenem\nThrone immer höher und rufen: „ Heil! Es winkt die Feyen-\nkrone, Heil Dir, Königin vom Rhein!\" Die Decoration\nund Maschinerie, nach Angabe des vor Kurzem gestorbe-\nnen grossen Künstlers Mühldorfer von seinem Sohne,\nHerrn Mühldorfer in Mannheim, ausgeführt, sind bei die-\nser Schlussscene prachtvoll.\n\nAus Göttingen.\n\n(Die Matthäus-Passion von J. Seb. Bach — Die akade-\nmischen Concerte — Das Quartett der Gebr. Müller\nund das Joachim1 sehe Quartett.)\nDas bedeutendste musicalische Ereigniss des vergan-\ngenen Semesters war unstreitig die am 7. März in der\nUniversitätskirclie Statt gefundene Aufführung der Mat-\nthäus-Passion von J. Seh. Bach, die das Publicum\nbegeisternd ergriff und von nachhaltiger Wirkung war.\nDas hatte man von Bach hier nicht erwartet. Freilich\nwurde schon vor einigen Jahren dessen Weihnachts-Ora-\ntorium aufgeführt, aber in so tief innerlicher, ergreifender\nund mächtiger Sprache hatte er noch nicht zu uns geredet.\nHoffentlich verschwindet dasselbe nun nicht wieder von\nunserem Repertoire. Da bei den Lesern dieser Zeitung\nBekanntschaft mit dem Werke vorausgesetzt werden darf,\nso gehe ich nicht weiter auf dasselbe ein, sondern gedenke\nmit einigen Worten der Aufführung.\nDieser lag die Partitur der Bach-Gesellschaft zu\nGrunde. Auch hier waren Arien, Choräle und Recitative\ngestrichen. Im Allgemeinen mochte nach der Mendelssohn'-\nschen Kürzung verfahren sein. Mit Ausnahme des kleinen\nChorsatzes: „Was gehet uns das an?\" wurden sämmtliche\nChöre, und zwar ohne alle Kürzung gebracht. Die Reci-\ntative des Evangelisten wurden mit Orgel begleitet, die\nzugleich an geeigneten Stellen mehr oder weniger selb-\nständig eingriff und hauptsächlich bei Arien ausfüllte. Dies\ngeschah discret und wirksam von einem sehr begabten\njungen Orgelspieler, Emil Weiss von hier, einem Stipen-\ndiaten unseres Königs, der denselben in Leipzig, Dresden,\nStuttgart und Berlin studiren liess. Die Chöre, zu deren\nAusführung alle musicalischen Kräfte der Stadt sich mit\nder Sing-Akademie vereinigt hatten, waren mit grosser\nSorgfalt und Genauigkeit vom Musik-Director Hille ein-\n\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.4", "texte": "studirt und bildeten, indem sie durchweg untadelhaft her-\nauskamen, einen Glanzpunkt bei der Aufführung. Auch\ndas erheblich verstärkte Orchester that seine Schuldigkeit.\nAn Frau Ulrich von hier hatten wir eine Sopranistin, die\nallen an den Solo-Sopran zu stellenden Anforderungen ge-\nrecht wurde, wie auch die Altistin, Fräulein Lessiak aus\nLeipzig, vollkommen befriedigte. Die Partie des Evange-\nlisten sang der Hof-Opernsänger Dr. Gunz aus Hannover.\nDass derselbe nicht gut bei Stimme war, mag zu entschul-\ndigen sein. Zu entschuldigen ist es aber nicht, dass er zu\nkeiner Probe, selbst nicht zu der letzten General-Probe,\nerschienen war, sondern erst anlangte, als die Aufführung\neben beginnen sollte! Ein Sänger soll nie mehr überneh-\nmen, als ihm Zeit und Kräfte zu leisten gestatten. Als\nKünstler muss er die Verpflichtung fühlen, bei allen seinen\nProductionen die künstlerischen Interessen gewissenhaft zu\nwahren, noch dazu, wenn es um ein so ausserordentliches\nWerk sich handelt, wie die Passion ist. Der Hof-Opern-\nsänger Bletzacher aus Hannover hatte die Bass-Partie\nübernommen Jesus, zugleich die dem Hohenpriester,\nJudas und Petrus zugetheilten Recitative, die er im Vor-\ntrage von der Haupt-Partie wohl zu unterscheiden wusste.\nTrotzdem, dass auch dieser Herr unerlaubter Weise ohne\nvorhergegangene Probe sang, war doch die Wiedergabe\nseiner Partieen der Art, dass man sich sehr wohl an ihr\nerfreuen konnte. Er ward vom Glück begünstigt und scheint\nausserdem musicalisch sehr sicher zu sein. Musik-Director\nHille, der kein Opfer und keine Mühe gescheut hatte,\nuns die grossartige Tonschöpfung zu Gehör zu bringen,\nthat auch bei dieser Aufführung mit Hindernissen das ir-\ngend Mögliche und wusste den Gesammt-Eindruck Stören-\ndes glücklich zu verhüten.\nNoch in keinem Winter haben uns die akademi-\nschen Concerte so viele Orchesterwerke gebracht und\nhaben wir so gute Aufführungen erlebt, als in dem ver-\ngangenen. Dies hat seinen Grund darin, dass in Folge der\nunablässigen Bemühungen des Herrn Hille wieder ein gu-\ntes städtisches Musikcorps hergestellt ist, das seine Thätig-\nkeit im öecember vorigen Jahres begann. Von den in\nfünf akademischen Concerten aufgeführten Werken nenne\nich: 3 Sinfonieen von Beethoven, die in und\nB-dur, und die C-dur-§\\n fonie mit der Fuge von\nMozart; Ouvertüren: die zu Egmont und Coriolan,\nzu Iphigenie in Aulis, zum Wasserträger, Meeresstille und\nglückliche Fahrt von Mendelssohn und Scherzo und Not-\nturno aus dessen Sommernachtstraum. Von grösseren Ge-\nsangwerken hörten wir die Walpurgisnacht von Men-\ndelssohn. Als Gäste debutirten: Herr Dr. G unz zwei Mal\nin Arien und Liedern von Händel, Mozart und Schubert,\nSchumann, Hille u. s. w. Ich freue mich, hinzufügen zu\nkönnen, dass dies im Gegensatze zu dem vorhin über den\nSänger Gesagten in einer für ihn sehr ehrenvollen Weise\ngeschah. Ferner Fräulein Büschgens aus Crefeld, in\nLeipzig gebildet, deren Gesanges-Vorträge freundlich auf-\ngenommen wurden. Herr Capellmeister Bott aus Meinin-\ngen, als ausgezeichneter Geiger längst bekannt und ge-\nschätzt, zeigte sich als solchen besonders im Vortrage des\nMendelssohn'schen Concertes. Der vorhin als Orgelspieler\nerwähnte Herr E. Weiss spielte das Weber'sche C-dur-\nConcerl für Ciavier und legte Ehre damit ein. Am 21.\nMärz führte der kirchliche Singverein, den Herr Pro-\nfessor Dr. Krüger leitet, in einem Privat-Concerte J. S.\nBach's Messe in G dur nebst einigen älteren Chorälen auf.\nDer St ud enten -Ges a ng ver ei n brachte in einem\nvon ihm gegebenen Concerte die Mendelssohn'sche\nAntigone mit Clavierbegleitung recht gut zu Gehör.\nZu Anfang des letzten Semesters besuchte uns das\nQuartett der Gebrüder Müller aus Meiningen und gab\nzwei Soireen, und am Schlüsse desselben hörten wir noch\nJoachim, Lindner und die Gebrüder Eyertt aus\nMannover als Quartettisten. Nicht uninteressant sind die\nVergleiche, welche von unseren Musikkennern über beide\nQuartette angestellt wurden. Das erste zeichnet sich jeden-\nfalls aus durch ein vollendetes Ensemble, das zweite durch\ngeistig freien, schwungvollen Vortrag.\nGöltingen, im Juni 1863.\n\nX.\n\nEmil Weiss.\n\nGöttingen, den 15. Juni 1863.\nVorgestern halten wir hier den Genuss eines geistli-\nchen Concertes durch Emil Weiss, den Sohn des Orga-\nnisten an der Johanniskirche. Der jugendliche Künstler\nhat, nachdem er in der Schule des Vaters den besten Grund\ngelegt, in anderen deutschen Städten sehr tüchtige Studien\ngemacht, vorzüglich in Stuttgart, wo einer der besseren\nMeister in Segen wirkt: Emanuel Faisst. Sowohl im\nCiavier- als Orgelspiel sind E. Weiss' Leistungen vorzüg-\nlich; überrascht hat uns aber, auch eine eigene Compo-\nsition: Phantasie und Fuge über „Wer nur den lieben\nGott lässt walten\", von ihm ausführen zu hören, deren\nkünstlerischer Inhalt Geist und Talent verräth; eine leb-\nhalte und prächtige Einleitungs-Phantasie, eine vierstim-\nmige Figuration zum Canius eine Fuge desselben\nIhema's von solider Arbeit, nur mit einigem Uebersclnvang\nromantischer Modulation, das Ganze unermüdlich vorwärts-\ndringend. Ausser diesem eigenen Tonsatze ward reichlich\ngeboten von anderen Meistern, im Ganzen zwölf Sätze in\nzwei Stunden; eine gefährliche Aufgabe, die manchem Hö-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.5", "texte": "rer schwer zu bewältigen war. Von dem Hauptmeister\nSebastian Bach wurden drei Tonsätze gebracht, zuerst die\nkunstreiche 11-moll-Fuge, wohl schwierig genug, zumal\nbei ziemlich schnellem Tempo; dann ein Adagio, mild,\nsanft und leichter zu begreifen; schliesslich Präludium und\nFuge in A-moll, ein schwer zu bewältigendes Kunstwerk\nvon mehr glänzendem als tiefem Inhalt, ward mit grösster\nSauberkeit und Klarheit vorgetragen und nahm sich recht\nglänzend aus auf dem schönen Orgelwerke, das gut im\nStande und sicher gestimmt war eine Mahnung für\nmanche Orgel-Virtuosen, denen so oft Mühe und Arbeit\nverloren geht, weil rein gestimmte, auch in den Mixturen\nklare Orgeln so selten sind. Die übrigen Orgelsätze waren\nverschiedener Wirkung. Ein sanftes Adagio von E. F. Rich-\nter in As-durfand getbeilten Beifall; das folgende von\nJ. S. Bael}, drang mehr ein; die .A-e?Mr-Sonate von Men-\ndelssohn äusserte sich, wie überall, zu Anfang reizend, spä-\nter ermüdend; ein geistreich feines Choral-Vorspiel von\nA. G. Ritter, das unter seine besseren Arbeiten gehört,\nüber: „Gib Dich zufrieden!\" fand mehr Theilnahme; die\neigene Composition des Concertgebers, Phantasie und Fuge\nüber „Wer nur den lieben Gott\", welche seine Begabung\nim besten Lichte zeigte, ward sehr gut vorgetragen und\nschien auf die Zuhörer am günstigsten zu wirken.\nZwischen diesen sieben Orgelsätzen wurden folgende\nVocalsälze vernommen: Geliert's Busslied von Beethoven\nund J. S. Baeh's „Mein gläubiges Herze\" (aus der Can-\ntate „Also hat Gott\" zu Weihnacht, S. Winterfeld E. K.\nG., 3. Th eil), beide von einer hiesigen Sopranistin mit\ngrosser Sicherheit, Reinheit und Schönheit vorgetragen,\nnur dass uns das Tempo zu rasch genommen schien. Ein\nMänner-Terzett aus Mendelssohn's Oratorium „Christus\",\nziemlich lau, war ohne liefere Wirkung. Zwei Sätze von\nH. Schütz: „Dank sei unserem Herrn\", und: „Ehre sei\nDir, Christe\", aus seiner reifsten Zeit wurden von vollem\nChor gut und wirksam vorgetragen und von den Hörern\nmit Innigkeit aufgenommen.\nAn der ganzen Aufführung haben, wie wir glauben,\nalle Zuhörer Freude gehabt, nur dass einige Tempi für\ndas erste Verständniss zu rasch waren; auch das Kirchen-\ngewölbe erträgt die rascheren Läufe nur mit Maassen und\nam besten bei überfüllter Zuhörerschaft.\n\nEd. Krüger.\n\nAus Aachen.\n\nZur Vervollständigung meiner Berichte über unsere\nMusik-Aufführungen im vergangenen Winter habe ich nur\nnoch die zwei letzten Abonnements-Concerte zu erwähnen.\nDas vorletzte (siebente) brachte uns J. S. Baeh's Mat-\nthäus-Passion. Das Urtheil über die Ausführung dieses\nerhabenen Werkes ist mir durch die Würdigkeit und Vor-\ntrefflichkeit derselben unter Wüllner's Leitung leicht ge-\nmacht. Das gesammte Personal in Chor und Orchester\nzahlte an 300 Mitwirkende; die Soli sangen Fräulein\nBüchner aus Köln, Fräulein Schreck aus Bonn, die\nHerren Dr. Gunz aus Hannover und Hill aus Frankfurt\nam Main. Fräulein Schreck und Herr Hill sind bei uns\nalte Bekannte und haben auch jetzt ihren Ruf bewährt.\nFräulein Büchner ist eine gebildete und interessante Sän-\ngerin, deren sympathische Stimme ihr eine sehr warme\nAufnahme beim Publicum verschaffte. Herr Gunz hat den\nErfolgen, die ihm bei seinem ersten Besuche der Rhein-\nlande zu Theil geworden, einen neuen und glänzenden\ndurch seine Leistung in der Passion hinzugefügt.\nSo allgemeines Lob, wie dieses, kann dem letzten Con-\ncertenicht gespendet werden. Die Aufführung des „Alexan-\nderfestes\" von Händel war sehr mittelmässig; die schönen\nTage am Ende des März hatten eine grosse Anzahl von\nSängern zur Desertion verlockt und die Reihen der Treu-\ngebliebenen überhaupt waren stark gelichtet. Händel's\nWerk verlor mithin seinen grossartigen und majestätischen\nCharakter. Allerdings nahm sich naehher St. Medardus\nHänders an und rächte ihn an dem Treubruche der Schö-\nnen; aber er trieb es freilich etwas zu weit. Frau Knöp-\nges-Saart hat das Werk vor gänzlichem Schiffbruch ge-\nrettet; ihre schöne Stimme und ausdrucksvoller Vortrag\nerwarben ihr begeisterten Beifall. Die Bass-Partie sang\nHerr Ackens mit bekanntem Geschick; Herr Göbbels\nbrachte die Tenor-Partie besonders im zweiten Theile des\nWerkes zur Geltung. Dem Alexanderfeste ging eine\ntreffliche Ausführung der Sinfonie von Mozart\nvorher.\nZwischen beiden Concerten fand das jährliche Concert\ndes Musik-Directors Herrn Wüilner Statt. Wie immer,\nwar der Saal des Curhauses gedrängt voll, da Alles dahin\nströmte, um dem Leiter unseres Concert-Institutes Aner-\nkennung und Dankbarkeit zu beweisen. Das Programm\nwar sehr anziehend. Den Ouvertüren zu Manfred von\nSchumann und zu Faniska von Cherubim wurde eine sehr\ngenaue Ausführung zu Theil. Drei Chöre*) von Wüll-\n\n*) Wir bemerken ein für alle Mal, dass, wo in dieser Zeitschrift\nvon „Chor\" die Rede ist, stets der volle Chor von Sopran,\nAlt, Tenor und Bass gemeint ist. Der Zusatz: rgemischt\",\nder aus der Zeit stammt, wo die Liedertafeln das Ileil der\nTonkunst im Männergesange gefunden zu haben glaubten, ist\nso nichtssagend, dass er endlich wieder verbannt werden\nmüsste. Seit Jahrhunderten hat man unter rChoru nichts An-\nderes verstanden, als den Gesammtehor aller Stimmen; daneben\nschreibe man so viel man wolle gesondert für „Frauenchor\"\noder für ~Männcrchoru. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.6", "texte": "ner (Op. 12, Verlag von Rieter-Biedermann), eine wahre\nBereicherung dieser jetzt etwas vernachlässigten Gattung,\ndurch schöne Stimmführung und melodischen Ausdruck\nsehr wirkungsvoll, wurden mit Liebe und Aufmerksamkeit\ngesungen. Eine anspruchslose, reizende musicalische Epi-\nsode: „Die Flucht der heiligen Familie\", ebenfalls von\nWüllner (Op. 13, in demselben Verlage), wurde von Frau\nNeuss-Deutz und den Herren Ackens undGöbbels recht\ngut vorgetragen. Ferner spielte der Herr Concertgeber\nBeethoven's C-cftfr-Sonate Op. 53 und Mendelssohn's Es-\n(far-Rondo mit bekannter Meisterschaft. Den Schluss des\nhöchst interessanten Abends bildete eine treffliche, feurige\nAusführung von Hiller's prächtiger „Lorelei\", in wel-\ncher Frau Neuss alle Welt elektrisirte und Ihren Capell-\nmeister, den Componisten des genialen Werkes, dazu, denn\ner war anwesend und hat gewiss bei sich selbst gedacht,\ndass eine so vollkommene Lorelei nur in der Kaiserstadt\nKarl's des Grossen zu finden ist.\nNoch verdient ein anderes Concert Erwähnung, wel-\nches zum Vortheil des Herrn Fleischhauer gegeben wurde,\nder das Unglück gehabt, den Arm zu brechen. Alle hiesi-\ngen Künstler hatten sich zu dem Concerte vereinigt, und\nfreudigen Dank erregte es, dass Ihr trefflicher Violinist,\nHerr Concertmeister von Königslöw, sich freiwillig er-\nboten hatte, die Stelle seines Collegen zu vertreten. Es ist\nkaum nöthig, zu sagen, dass er durch den Vortrag der\ngrossen Sonate in A von Beethoven mit Herrn Wüllner,\nlerner eines Präludiums und einer Gavotte von Bach allge-\nmeine Bewunderung erregte.\nIch hatte diesen Brief noch zurückgehalten, weil ich\nhoffte, den Namen eines in Aachen hoch verehrten, be-\nrühmten Künstlers meinem Berichte hinzufügen zu können.\nDiese Hoffnung hat mich nicht getäuscht; Alfred Jaell\nist, wie gewöhnlich, auch dieses Jahr hieher gekommen,\num die Zinsen von dem Capital, das er bei unserer Lie-\ndertafel niedergelegt hat, in Empfang zu nehmen, und das\nganze Publicum hat sich beeilt, ihm diese Schuld durch\nenthusiastische Ovationen abzutragen. Ich brauche Ihnen\nnichts weiter zu sagen über diesen staunenswerthen Ton-\nkünsller, der die Welt als Sieger durchzieht und sich über-\nall eben so viele aufrichtige Freunde durch seine Liebens-\nwürdigkeit und Gefälligkeit, als Bewunderer durch sein\neminentes lalent erwirbt. Es genügt, Ihnen zu schreiben,\ndass er durch eine reizende Bluette: „Morgenlied\", von\nseiner Composition, ein interessantes Allegro von Kirnber-\nger und seine Nachtigallen-Phantasie über: Ilome, sweet\nhome, das Publicum entzückt hat. Um den stürmischen\nWünschen der Zuhörer zu willfahren, hatte er die Freund-\nlichkeit, noch zwei Walzer von Chopin und seine Staunens-\nwerth pompöse Transscription aus dem Tannhäuser hinzu-\nzufügen; letztere wird bald durch eine noch staunenswer-\ntere über „Tristan und Isolde\" verdunkelt werden, welche\nwir in einem Privat-Cirkel gehört haben. Ausserdem hatte\nJaell den Abend, an welchem die Herren Göbbels, Berg-\nstein und die Liedertafel den Genuss vermannigfachten,\ndurch den brillanten Vortrag von Mendelssohn's D-moU-\nTrio mit den Herren Fritz und Johann Wenigmann\neröffnet. Der letztgenannte Künstler ist auf dem besten\nWege, in der musicalischen Welt von sich reden zu ma-\nchen; in unserem Instrumental-Vereine spielte er unter\nAnderem das schwierige D-moll-Concert für Violoncell\nund die Serenade und Tarantella von Lindner mit ausser-\nordentlichem Erfolg. ~\nSchliesslich gedenke ich einer Soiree unseres ausge-\nzeichneten Pianisten, des Herrn Ratzenberger. Fräulein\nSchreck hatte die Güte, den jungen Künstler jdurch den\nseelenvollen Vortrag einer Arie von Bach und, zweier Lie-\nder von Schubert zu unterstützen. Herr Ratzenberger\nspielte das schöne Trio von Wüllner, welches Sie kennen,\neine Sonate von Beethoven, das von Men-\ndelssohn und die Tannhäuser-Phantasie von Liszt, und be-\nwährte in jeder Hinsicht ein grosses Talent, das ihm den\nschönsten Erfolg bereitete.\n\nN.\n\nDas Beethoven-Monument in Heiligenstatt.\nSo betitelt sich ein hübsch gedrucktes Heftchen (Wien,\nVerlag der typographisch-literarisch-artistischen Anstalt\nvon Zamarski und Comp., gr. 8., 28 S.), das uns eine Ab-\nbildung des Monumentes und der Umgebung gibt, Nach-\nrichten über die Errichtung und Enthüllung desselben und\neine Musik-Beilage, enthaltend: „Cantate zur Enthüllung\ndes Beethoven-Monumentes von E. von Bauernfeld, in\nMusik gesetzt für vier Männerstimmen und Begleitung von\nB. Randhartinger.\" Der Ertrag des Heftchens fliesst in\nden Unterhaltungs-Fonds des Platzes.\nHeiligenstatt (Sanctus loc in Urkunden, demnach\nnicht Heiligenstadt zu schreiben) ist ein zierliches, einem\nLandstädtchen ähnliches Dorf von 215 Häusern und 4500\nEinwohnern, die seit Jahrhunderten vortrefflichen Wein\nbauen und die Erzeugnisse der Land- und Gartenwirth-\nschaft nach dem ganz nahen Wien bringen. Beethoven\nwohnte hier zu verschiedenen Malen des Sommers, und\nauf seinem Lieblingsplatze an einem Bache, unter einer\nGruppe von Nussbäumen, in der Allee, die von Heiligen-\nstatt nach Nussdorf führt und die man jetzt den „Beetho-\nvengang\" nennt, ist das einfache Denkmal, eine kolossale\nBronze-Büste auf marmornem, nach oben verjüngtem\nSockel, mit einem eisernen Gitter umgeben, durch den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.7", "texte": "„Verschönerungs-Verein\" von Heiligenstatt errichtet\nworden. Die Büste ist vom Ritter von Fernkorn mo-\ndellirt und in Erz gegossen. Das Denkmal soll am 15.\nJuni d. J, enthüllt und durch den Vorsteher des Vereins,\nHerrn Dr. Anton Heidmann, der Gemeinde von Heiligen-\nstatt mit der Bedingung, für dessen Erhaltung und den\nmöglichst langen Schutz der Nussbäume, unter denen der\ngrosse Meister so oft sass, Sorge zu tragen, als Eigenthum\nübergeben werden.\nBei der Enthüllungsfeier wird die oben erwähnte Can-\ntate gesungen und ein Festspruch von Dr. L. A. Frankl\ndurch den Hofschauspieler Förster gesprochen werden.\nEr ist in dem Schriftchen nebst mehreren Gedichten u. s. w.\nabgedruckt und enthält unter Anderem folgende Stellen:\n„Rühme sich Jeder, der ein Zeitgenosse von unsterblichen\nMenschen wa*! Wir waren es, und zu einer Zeit, wo\ndas Wort verstummen musste, wo auf den freien Ausdruck\ndes Geistes in unserem Vaterlande gefahndet wurde. Da-\nmals übernahm es die Musik des modernen Titaniden,\nden Zorn zu singen, die Hymne der Freiheit anzuklingen,\ndamit sie Herzen und Geister nicht verlernen und ver-\ngessen !\"\nAbends wird ein Fest-Concert im Parksaale Statt\nfinden. Nach einem (ebenfalls abgedruckten) schönen Pro-\nlog von Joseph Weilen kommen Compositionen von\nBeethoven unter Mitwirkung des Quartetts von Hellmes-\nberger und Genossen, Herbeck's und des Männer-Gesang-\nvereins u. s. w. zur Aufführung.\nUnter den Gedichten erzählt „Beethoven's Rirmess\"\n(von L. Foglar) einen Schwank, den sich der Meister mit\ndrei munteren Burschen machte, und L. A. Frankl, eben-\nfalls nach der in Heiligenstatt lebenden Tradition, in einem\nvon den drei beigesteuerten Gedichten folgende, so viel\nwir wissen, noch unbekannte Anekdote:\nBeethoven anter den Bauern«\nEs war im Winter, Frost und Schnee\nBedeckten Felder, Berg und See,\nDurch feuchten, grauen Nebelflor\nStieg roth der Sonnenball empor,\nEs stand der Wald im tiefen Schweigen\nMit eisbedeckten weissen Zweigen;\nUnd durch den Frost mit Stift und Blatt\nBeethoven sich ergangen hat.\nIhn kümmern wenig Schnee und Eis,\nIn seinem Herzen glüht es hei^s;\nEr fühlt in sich ein Flammenregen,\nDamit die Geister sich bewegen.\nBald geht er rasch, bald hält er an,\nIhn kümmert wenig auch die Bahn.\nDie breitgetret'nen Wege stät,\nIhr wisst es, hat er stolz verschmäht.\nSo treibt s ihn über Berg und Thal\nIn einen Hohlweg, eng und schmal.\nDa bleibt der Meister steli'n inmitten,\nAls hätt' ihn's weiter nicht gelitten.\nEr sinnt, er schreibt, tactirt dazu,\nEs gibt im Geiste ihm nicht Ruh'.\nDa kommt des Wegs beladen schwer\nMit Prügelholz ein Wagen her.\nDer Fuhrmann sieht den Meister stehen\nUnd hält die Rösslein an im Gehen;\nDem Wagen folgt ein zweiter, dritter bald,\nUnd jeder macht gezwungen Halt.\nBeethoven, der darum nicht weiss,\nSchreibt weiter, wenn auch Schnee und Eis\nIhm um den Bart, die Locken hangen\nEroica war ihm aufgegangen.\nIm Hohlweg währt's zu lang dem Zug,\nGewartet hätten sie genug.\nDie Letzten schrei'n den Ersten an:\n„Was fährst weiter nicht die Bahn?\"\nUnd Schweigen winkt er zu den Andern.\nBeethoven fängt jetzt an zu wandern\nDa ruft der Bauer laut zurück:\n„Das war von Wien der Erste der Musik,\nDen hab' ich irr' nicht machen wollen.\nJetzt fahr'n wir, hi!u\nDie Wagen rollen.\nIhr Herren! ich weiss es nicht zu sagen,\nOb in der Stadt ein stolzer Wagen\nSo höflich ausgewichen wäre\nDa legten sie ihm Prügel in die Quere:\nEr aber, unbekümmert um die Welt,\nSchrieb auf, was ihm die Brust geschwellt.\nEinfach und arm und oft verkannt,\nGing er umher in unsrem Land;\nWas ihn begeistert und durchflutet,\nSchrieb er der Nachwelt wohlgemuthet.\nDie Cantate vom Hof-Capellmeister Randhartingerist\neben eine Gelegenheits-Musik, die keine grossen Ansprüche\nmacht; indess wird sie doch mit Vergnügen von Männer-\nGesangvereinen zur Feier Beethoven's gesungen werden.\nWir empfehlen mithin das Schriflchen allen Freunden und\nSammlern der Beethoven-Literatur.\nNachschrift. Die Enthüllungsfeier wurde wegen\ndes schlechten Wetters am 15. d. Mts. auf einige Tage\nverschoben.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEin Belgier erstattet Bericht in der „Independance'* über das\nniederrheinische Musikfest in Düsseldorf und sagt unter Anderem:\n„Nie ist wohl der Mendelssohn'sche Elias von einem vollständigeren\nund schöneren Chor gesungen worden; denn der Sopran zählte 220,\nder Alt 160, der Tenor 175 und der Bass 228 Stimmen, und was"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630627-01.1.8", "texte": "für Stimmen! Es waren deutsche Stimmen mit ihrem Timbre, ihrer\nKlangfülle und der Sicherheit, die nur die musicalische Erziehung\nverleiht.\" Ueber Jenny Lind-Goldschmidt sagt er: „Wie viele pfei-\nfende Amseln, wie viele americanische Drosseln gehen doch auf eine\nschwedische Nachtigall, wie viele mehr oder minder gelungene Patti's\nauf eine Jenny Lind!\" Und von Stockhausen behauptet er, er sei\neiner der bewundernswerthesten Basssänger, die man hören könne;\ndie Pariser hätten es nicht vorherzusehen verstanden, als dieser treff-\nliche Künstler sich für einen Augenblick unter die zwitschernden\nSänger der komischen Oper gemischt.\nMainz« Dem hier als Director des Cäcilien-Vereins und des\nLiederkranzes thätigen Capellmeister Friedrich Lux wurde vom\nHerzog von Coburg-Gotha für die demselben gewidmete Composition\neiner „Deutschen Hymne\" (Text von Dr. K. A. Mayer in Mannheim)\ndie Medaille für Kunst und Wissenschaft am grünen Bande verlie-\nhen. Das interessante Werk erscheint im Verlage von B. Schott' s\nSöhne in Mainz. In dem die Medaille begleitenden Schreiben des\nherzoglichen Cabinetsrathes Dr. Tempelty wird des lebhaften In-\nteresses Erwähnung gethan, mit welchem der Herzog von der Hymne\nKenntniss genommen, und heisst es darin unter Anderem: „Die\nComposition schliesst sich der schwungvollen und entsprechenden\nDichtung so würdig an, ist im Satz sowohl als auch in der Instru-\nmentation so trefflich gearbeitet und bekundet so durchgängig den\ntüchtigen Künstler, dass das Werk gewiss bei allen Gesangvereinen\nEingang finden wird.\"\nDem Vernehmen nach soll das fünfte mittelrheinische Musikfest\nin Darmstadt diesen Sommer nicht Statt finden, da die Benutzung\ndes Zeughauses nun definitiv verweigert wurde und die Räume des\nHoftheaters nicht ausreichend erscheinen.\nMeyerbeer befindet sich zur Cur in Schwalbach. Jenny\nGoldschmidt-Lind ist von Wiesbaden wieder nach London zu-\nrückgekehrt.\nHadeil-Uadeil. Die gegenwärtige Saison wird in musicali-\nscher Beziehung eine der reichsten sein, die wir noch je erlebt ha-\nben. Drei neue Opern sind in Aussicht gestellt, nämlich: 1) Nahel,\nphantastische Oper in drei Acten von Ed. Plouvier, Musik von li.\nLitolfi; 2) La de VOrJ&vre, grosse Oper von Leroy und Pous-\nsier, Musik von Edm. Membr^e; 3) Volage et Jaloux, komische\nOper von M. F. Souvage, Musik von J. P. Rosenhain. Ausser die-\nsen Novitäten kommen zur Ausführung: La Colombe von Gounod,\nBeatrix et Bdntdict von Berlioz und nöch etwa ein halbes Dutzend\nandere Opern.\nStuttgart* Der hiesige Hoftheater- und Kammersänger Pi-\nschek ist auf sein Ansuchen in Ruhestand versetzt worden und hat\nin Anerkennung seiner dem Hoftheater während zwanzig Jahren\ngeleisteten Dienste die grosse goldene Medaille für Kunst und Wis-\nsenschaft erhalten, mit der Erlaubniss, dieselbe am Bande des Kron-\nOrdens tragen zu dürfen.\nAm 3. Juni sind Joachim und Fräulein Weis in Hannover\ngetraut worden; am 31. Mai hatte Fräulein Weis als Fidelio von\nder Bühne Abschied genommen.\nDie liofoper in Berlin bereitet für die nächste Saison Rubin-\nstein's „Kinder der Haide\" und Schmidts „La 860 leu zur Auffüh-\nrung vor.\nIm Programm zu dem in Strassburg Statt findenden Sänger-\nfeste ist unter Anderem vorgeschrieben: „Keine Rede darf gespro-\nchen, kein Toast ausgebracht werden, ohne vorher dem Herrn Prä-\nfectcn mitgetheilt worden zu sein.\""}]}