{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-07-04-01", "volume": "bmtnabi_1863-07-04_01", "ocr_sha256": "a89ad52d90f02d6d2e0cdba316969dc56dd9e82dbdfa3c0a1c3f0b37cedf9dc4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/07/04_01/bmtnabi_1863-07-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nDie Oper „Loreley\" von Emanuel Geibel und Max Bruch. (Erste Aufführung: Mannheim den 14. Juni.) 11. Johann\nHe rmann Kufferath (Lebensskizze). Von Nieuwenhuysen. Aufmunterungen der Künstler in Oesterreich. Aus Petersburg\n(Concerte unter A. Rubinstein Quartett-Abende Conservatorium). 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Juni.)\nII.\n(1. s. Nr. 26.)\nAus dem gegebenen Abriss des Inhalts ersieht man,\ndass Geibel's Gedicht ein gutes Opernbuch ist, und das ist\nfür den Componisten und den Erfolg seiner Musik ein\ngrosser Vortheil, da heutzutage ohne spannende Handlung\ndie beste Musik eine Oper nicht mehr zu voller Geltung\nbringen kann. Bei einem Opernbuche nach Neuheit der\nHandlung zu fragen, dünkt uns ungerecht, denn die mensch-\nlichen Gefühle und Leidenschaften, welche die Musik dar-\nstellen kann, bleiben ewig dieselben, und es kommt nur\ndaraul an, was durch Liebe und Hass, Hingebung und\nVerrath, Lust und Schmerz, Begier und Entsagung, Ban-\ngen und Wagen das menschliche Herz aufregt, zur Er-\nscheinung in einer dramatischen Handlung zu bringen und\ndadurch Situationen herbeizuführen, die sich musica-\niisch gestalten und beleben lassen, wobei die intensive\nwie formelle Schönheit der poetischen Darstellung als\nsolche keineswegs die Hauptsache sind. Dies ist dem Dich-\nter der Loreley gelungen; er hat eine Handlung von steigen-\ndem Interesse geschaffen, in deren Mittelpunkt eine Jung-\ntrau steht, welche die Theilnahme des Zuschauers von An-\nlang bis Ende fesselt, und er führt sie uns in Lagen des\nLebens vor, die eben sowohl durch zarte Empfindungen\nund lyrische Ergüsse zu Einzel- und Zwiegesängen, als\ndurch leidenschaftliche dramatische Scenen zu breiteren\nvielstimmigen Gesangstücken und so genannten Finale's\nVeranlassung geben. Dass die Kluft der Standes-Verhält-\nnisse betrogene Liebe zu einer tragischen Katastrophe\nführt, ist freilich schon hundert Mal in allen möglichen\nFormen da gewesen, und selbst Situationen, wie sie z. B.\nin der Erkennungs-Scene gleich im ersten Acte vorkom-\nmen,- sind ebenfalls nicht neu in der Oper (man denke nur\nan die Fenella in Scribe's „Stummen von Portici\", an die\nRecha in der „Jüdin\" u. s. w.). Allein es geht damit, wie\nmit Heine's: „Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie\newig neu, und wem sie just passiret, dem bricht das\nHerz entzwei\" —nur dass man statt der zwei letzten Verse\nsetzen muss: „und wer sie gut in Musik setzt, der hat\nErfolg dabei.\"\nJe mehr also das Ganze des Textes vom musicalisch-\ndramatischen Gesichtspunkte aus befriedigt, um so mehr\nwünschten wir einzelne Mängel desselben beseitigt. Dahin\ngehört zunächst die Exposition. Die Erzählung des Pfalz-\ngrafen Otto an seinen Seneschall, der nichts Anderes ist\nals der obligate „Vertraute\" im älteren Drama, ein leeres\nGefäss, in das der Herzenserguss des Helden ausströmt,\ndamit das Publicum wisse, woran es sei, ist doch eine gar\nzu verbrauchte Art der Einführung Ein\nMonolog, d. h. eine Arie Otto's, welche seinen inneren\nKampf und den Contrast zwischen seiner Vergangenheit\nund dem gegenwärtigen Augenblicke, in welchem ihn die\nverlobte Braut erwartet, besser und was für das Maass\nder Dauer des ersten Actes nöthig ist—kürzer ausdrücken\nkönnte, dürfte mehr an der Stelle sein, und zwar mit noch\ngrösserer Wirkung, wenn, wie wir im ersten Artikel schon\nerwähnt haben, ein kurzer Introductions-Chor von Rhein-\nnixen vor dem Erscheinen Otto s uns in das romantische\nSagenland versetzte, wozu die Instrumental-Einleitung,\nwelche die Melodie des zauberischen Loreley-Liedes aus\ndem zweiten Acte enthält, allein nicht hinreicht. Da dieser\nChor nur schwach besetzt zu sein braucht, die Winzerin-\nnen aber erst in der fünften Scene auftreten, so würde\nselbst bei kleineren Bühnen hinlängliche Zeit zum Umklei-\nden vorhanden sein; ja, allenfalls könnte selbst dieser\nChor hinter der Scene gesungen werden, während einige\nFigurantinnen vom Ballet in den Fluten im Hintergrunde\nsich bewegten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5417, "texte": "Unmittelbar vor der Scene, in welcher Lenore den\nPfalzgrafen bewillkommt und in ihm den Geliebten er-\nkennt, hat der Dichter einen Auftritt eingeschaltet, in wel-\nchem der Minnesänger „Beinald\" Lenoren seine Liebe\ngesteht und um Gegenliebe wirbt. Diese Episode, welche\nnicht den geringsten Einfluss auf die Entwicklung des\nDrama's hat, hält die Handlung nur auf und lässt den\nZuschauer etwas erwarten, was nicht geschieht. Denn of-\nfenbar gibt dieser Auftritt dem „Reinald\" eine Bedeutung,\ndie er im Folgenden gar nicht erfüllt, und das ist im Dra-\nma immer ein Fehler, wie denn überhaupt die „Bracken-\nburgs\", „Wolframs\" u. s. w. im Drama, vollends aber\nin der Oper, meist eine langweilige Rolle spielen. Die\nspäter zu Tage tretende Theilnahme Reinald's für Lenore\n(als er den Verrath Otto's ahnt und im zweiten Acte durch\nsein Lied ihn verdeckt an seine Schuld mahnt), erscheint\nnoch um so edler und reiner, wenn er seine Liebe still im\nBusen verschlossen hält, abgesehen davon, dass es nicht\nzu der Sitte der Zeit passt, dass ein Ritter und Minnesän-\nger seine Hand der Tochter eines Fährmannes und Schenk-\nwirihes anträgt. Wir schlagen also den Autoren vor, nach\ndem Winzer- und Schifferchor unmittelbar den Marsch\nund das Nahen des Brautzuges eintreten zu lassen, wo-\ndurch die Handlung rascher fortschreiten und die Wir-\nkung der Erkennungs-Scene desto eindrucksvoller sein\nwird*).\nSchauspieler und Sänger sind schnell mit dem Vor-\nwurfe einer „undankbaren Rolle\" gegen die Dichter und\nComponisten bei der Hand. Oft mit Unrecht. In Geibel's\nLoreley ist aber Bertha, Otto's Gattin, wirklich keine\ndankbare Rolle; sie theilt das Schicksal der unglücklichen\nPrinzessinnen in der französischen Oper (Elvira, Eudoxia\nu. s. w.), ist aber um so schlimmer daran, weil die deut-\nsche Oper glücklicher Weise es nicht verträgt, sie durch\neine brillante Coloratur-Partie zu entschädigen. Wir soll-\nten meinen, dass der Componist diesen zweiten Sopran so-\nwohl an der zweiten Scene des zweiten Actes, als auch\nvielleicht am Finale desselben Actes hätte mehr, als ge-\nschehen ist, betheiligen können.\nMo gen diese wenigen Bemerkungen den Autoren zei-\ngen, mit welcher Theilnahme und mit wie aufrichtigem\nWunsche eines durchschlagenden Erfolges wir ihr schönes\nWerk in Betracht ziehen.\nUeber die Musik der neuen Oper bekunden wir vor\nAllem zuerst die erfreuliche Thatsache, dass Max Bruch,\nwie es seine bisherigen Compositionen schon erwarten\nHessen, auf dem Wege fortgegangen ist, den die grossen\ndeutschen Meister Mozart und Beethoven und nach ihnen\nWeber und Marschner gezeigt haben, dass er sich mit\nSelbstbewusstsein eben so fern von dem Effectstil der pa-\nriser grossen Oper, als von dem antimusicalischen Systeme\nRichard Wagner's gehalten und, ohne die Mittel der neue-\nren Musik, namentlich im Orchester, zu verschmähen, eine\ngewisse Eigentümlichkeit der Schreibart sich schon jetzt\nangeeignet hat, die sich besonders durch melodische Er-\nfindung und durch ein bedeutendes Talent für Behandlung\ngrosser dramatischer Ensembles vortheilhaft auszeichnet.\nDabei können wir die Heilighaltung der Form, die\ndurch eine grosse Gewandtheit in der Handhabung dersel-\nben ermöglicht und gesichert ist, nicht hoch genug prei-\nsen denn wir sprechen von einem erst fünfundzwanzig-\njährigen Componisten, dessen Lehrjahre in die Zeit der\nVerwirrung aller Begriffe über dramatische und absolute\nMusik fielen—, ja, abgesehen von den falschen Propheten\nder musicalischen Aesthetik, in eine Zeit, in welcher selbst\ndas Genie eines Tondichters wie Bobert Schumann einen\ngefährlichen Zauber übte, der noch jetzt manches Talent\nin Banden hält und dessen freie Entwicklung hemmt! Vor\nallen diesen Abwegen und Hemmnissen bewahrten Max\nBruch hauptsächlich seine eigene Natur und der angebo-\nrene offene Sinn für das rein musicalische Schöne, und\ndann sein ganzer Bildungsgang, auf den ihn zuerst seine\nMutter aus der Künstlerfamilie der Almenräder in Köln\nführte, dann sein erster Unterricht in der Harmonielehre\ndurch Professor Breidenstein in Bonn, ferner vor Allem die\njahrelange Leitung seiner Studien als Stipendiat der frank-\nfurter Mozart-Stiftung durch Ferdinand Hiller, endlich\nseine ganzen Umgebungen in Köln.\nDer Componist der Loreley erreicht die Wirkung sei-\nner Musik überall nur durch wahrhaft künstlerische Mittel.\nDa sind keine grellen Dissonanzen, keine Tortur des Ohrs\ndurch ewige Vorhalle und Trugschlüsse, nichts Widriges\nund Hässliches, keine Furcht vor wohllhuenden und zu\neinem Ziele führenden Modulationen, keine künstliche An-\nstrengung, um das Ohr und die Nerven des Zuhörers im-\nmer in der Schwebe zu halten, zu überreizen und niemals\nzu beruhigen, im Orchester keine gesuchte Tonmalerei\noder gar instrumentale Charakteristik der einzelnen Per-\nsonen, welche, wie Zettel an den Figuren auf alten Ge-\nmälden, dem Zuschauer vortrompetet oder vorstreicht: „ich\nbin der König\", „ich bin das gute\", „ich bin das böse\nPrincip\" u. s. w., kein durch seltsame Klangwirkungen\noder excentrische Zusammenkoppelungen heterogener In-\nstrumente, wie Pikkelfiöte mit Pauke, und durch ähnlichen\nHokuspokus raffinirtes Colorit als blendende Tünche tri -\n\n'■* r) Eine andere Scene im zweiten oder dritten Acte, der Angriff\naut das Kloster, in welches Lenore sich geflüchtet hat, befin-\ndet sich in dem gedruckten Operngedichte, ist aber für die\nComposition Brnch's vom Dichter bereits gestrichen worden,\nwas wir ebenfalls billigen.\n< §"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1281, "texte": "vialer Gedanken, kein lärmender Aufruhr und unverständ-\nlicher Klangschwindel. Mit Einem Worte: die Gesetze des\nSchönen sind nirgend verletzt; es gibt keine Stelle in der\nganzen Oper, die erst durch Reflexion und Interpretation\nihre Bedeutung erhalten muss, keine Musik, die man „nicht\nmit dem Ohr hören\" darf, wie Brendel sagt; nein, sie geht\ndurch das befriedigte Ohr, nicht durch das gequälte, in\nVerstand, Herz und Gemüth. Der Gesang ist darin Gesang,\nnicht Declamationsphrase'und langweilige Psalmodie, Re-\ncitativ und Arie sind in ihrem auf die Natur der Musik\nund das Wesen der Oper, als eines musicalischen Kunst-\nwerkes, begründeten Charakter wieder hergestellt und\nelücklich in den Fortschritt der Handlung eingefügt, die\nMelodie weicht ganz und gar von der jetzt gewöhnlichen\nOpernphrase ab und kehrt zu der Innigkeit des deutschen\nLiedes zurück, aus dessen tiefem Quell auch C. M. von\nWeber seine herrlichen Weisen schöpfte.\nIm Begriffe, eine Uebersicht der einzelnen Musikstücke\nder Oper zu geben, geht uns die Nachricht zu, dass die\n„Loreley\" Sonntag den 5. d. Mts. zum Schlüsse der\nSaison in Mannheim wieder gegeben wird, und da wir\nGelegenheit haben, auch dieser Vorstellung beizuwohnen,\nso behalten wir uns den Schluss unseres Berichtes auf die\nnächste Nummer vor."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "211", "page_fin": "213", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.2.3", "titre_corps": "Johann Hermann Kufferath.", "titre_sommaire": "Johann Hermann Kufferath.", "signature_source": "Nienwenhuysen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.3", "debut_caractere": 1283, "fin_caractere_exclue": 5076, "texte": "Johann Hermann Kufferath.\n\nMit den grossen Fortschritten, welche die Verbrei-\ntung und Ausübung der Tonkunst in Holland gemacht\nhat, geht in den beiden letzten Jahrzehenden ein nationa-\nler Sinn Hand in Hand, dessen Ursprung und Pflege ge-\nwiss an und für sich nur lobenswerth ist, der aber auch\ndie Holländer und unter ihnen namentlich das jüngere\nGeschlecht zur Ungerechtigkeit und Undankbarkeit gegen\ndie deutschen Tonkünstler verleitet hat nicht gegen die\nvergangenen und gegenwärtigen Meister der Composition,\nda im Gegentheil z. B. früher Louis Spohr und in neuester\nZeit Robert Schumann in den Niederlanden dieselbe, wo\nnicht noch grössere Verehrung und Popularität gefunden,\nals in Deutschland selbst —, also nicht gegen die deut-\nschen Componisten und ihre Werke, sondern gegen dieje-\nnigen Musiker, welche ihr deutsches Vaterland mit Holland\nvertauschten und daselbst sich einen Wirkungskreis durch\nLehre und That schufen, der für die Tonkunst in Holland\nvon der grössten Bedeutung war. Wer die Art und Weise,\nwie in Holland noch in den zwanziger Jahren unseres\nJahrhunderts Musik gemacht wurde, gekannt und die all-\nmähliche Hebung der Tonkunst in diesem Lande aufmerk-\nsam verfolgt hat, der wird anerkennen, dass das frühere\noberflächliche Musiktreiben sich in ein ernstes, reiches Mu-\nsikleben verwandelt hat, indem nicht bloss die technische\nAusführung, sondern auch der reine Geschmack und der\nSinn für das echte Musicalisch-Schöne sich unendlich ge-\nhoben haben, wenngleich in manchen Städten noch deut-\nliche Reste der früheren Liebhaberei an leichter, nament-\nlich ausländischer, d. h. undeutscher, Waare vorhanden\nsind—man denke nur an die französische Oper in s'Gra-\nvenhage, ja, an die Ausschreibung von Preisen für die\nbeste Composition einer französischen Oper für diese\nResidenzbühne, wie sie noch vor einem oder zwei Jahren\nStatt fand! Indess, wie gesagt, eine ernste Musikliebe regt\nsich in den Niederlanden und treibt Blüthen und Früchte\nnicht bloss in einzelnen grossen Städten, sondern überall,\nund der Nationalzug des germanischen Stammes offenbart\nsich bei dem ganzen Volke im Gegensatze zu Frankreich,\nwo nur Paris den Ton angibt. Wenn wir nun keineswegs\nverkennen, wie schätzenswerth und einflussreich die Thä-\ntigkeit des grossen Vereins für Beförderung der Tonkunst\nund seiner zahlreichen Abtheilungen und eben so einzelner\nniederländischer Künstler und gediegener Musikfreunde\nfür die Hebung der Musik gewesen sind und es noch fort-\nwährend sind, so bedarf es doch bei dem gegenwärtigen\nGeschlechte und dessen oft sich stark überhebendem Local-\nPatriotismus der Mahnung an die Verdienste derjenigen\ndeutschen Künstler, welche den Anstoss zu dem Auf-\nschwung des Musiklebens in Holland gegeben und die\nschönsten Mannesjahre ihres Lebens der Thätigkeit für\ndasselbe gewidmet haben.\nEs hat uns desshalb der vor einiger Zeit in der hollän-\ndischen Musik-Zeitung „Euterpe\" (Redacteur L. J. Le-\nfebre, Verleger F. J. Weygand & Comp, im Haag) er-\nschienene Artikel: „Erinnerung an J. H. Kufferath\",\nwelcher neben Heinrich Lübeck und anderen Deut-\nschen ein langjähriges einflussreiches, musicalisches Wir-\nken in Holland übte und sich jetzt ins Privatleben zurück-\ngezogen hat, als eine Stimme der Anerkennung aus den\nNiederlanden selbst erfreulich angeklungen, und wir er-\ngreifen gern die Gelegenheit, durch Mittheilung des haupt-\nsächlichen Inhalts jenes Aufsatzes auch unsererseits dem\nwackeren Veteranen der Tonkunst, unserem rheinischen\nLandsmanne, unsere Achtung zu bezeigen.\nDie Redaction.\nJohann Hermann Kufferath gehört einer nieder-\nrheinischen Künstlerfamilie an. Er wurde den 12. Mai\n1797 zu Mülheim an der Ruhr geboren. Ein Schüler\nSpohr's im Violinspiel, den der Meister sehr begünstigte,\ngenoss er in der Composition den trefflichen Unterricht\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5220, "texte": "von Moriz Hauptmann in Leipzig. Ehe er nach Holland\nberufen wurde, bekleidete er die Stelle eines Musik-Di-\nrectors in Bielefeld.\nNach seiner beinahe dreiunddreissig Jahre lang unun-\nterbrochen fortgesetzten Wirksamkeit in der Universitäts-\nstadt Utrecht als städtischer Musik-Director und Gesang-\nlehrer fühlten seine Mitbürger das Bedürfniss, ihm und\nseiner Gattin bei dem Scheiden aus seinem Wirkungskreise\nund von der Stadt, dem Schauplatze derselben, ein Zeichen\nder dankbaren Erinnerung zu widmen, einer Erinnerung,\ndie um so dauernder sein wird, als sie sich an sein Wir-\nken für die Förderung, ja, für den Aufbau der Kunst\nin unserer Stadt knüpft. War auch vor seiner Zeit grosses\nInteresse für die Kunst hier vorhanden, wendeten auch\nManche ihre eifrigen Bemühungen auf eine allgemeinere\nBetheiligung an ihr, so stand doch im Vergleich mit an-\nderen Städten die Ausführung der musicalischen Kunst-\nwerke und m Folge dessen die Bekanntschalt mit den\nGrösseren Werken der classischen Schule noch auf keiner\no\nhohen Stufe.\nAm 30. Januar 1830 trat Kufferath seine Stelle an\nund sehr bald wurde sein Einfluss auf die Hebung des\nGesanges und auf die Ausführung der Orchesterwerke\nsichtbar. Durch sein kräftiges Einwirken auf die „städti-\nsche Gesangschule\", durch Einrichtung von Privat-Sing-\nschulen und vor Allem dadurch, dass er einen „Gesang-\nverein\" ins Leben rief, wozu ihm die einflussreichsten\nKunstfreunde die Hand boten, wurde es möglich, mit der\nAufführung kleinerer Yocalwerke zu beginnen und nach\netwa zwölf Jahren hier, wo man früher nur das „Halle-\nluja\" aus dem Messias, und zwar nur mit Orgelbegleitung\ngekannt hatte, das unsterbliche Werk Händel's vollständig\nund mit voller Orchester-Begleitung auf würdige Weise\naufzuführen.\nDie Reihe der Aufführungen in den ersten dreizehn\nJahren von Kufferaths Wirksamkeit brachte uns folgende\nWerke: A. Romberg „Macht des Gesanges\" 1830,\nRies „Der Morgen\" 1832, Haydn „Jahreszeiten\" I.\nTheil 1834, 111. Theil 1835, Händel „Alexanderfest\"\n1837, Spohr „Die letzten Dinge\" 1838, Fesca „Der\n103. Psalm\" 1838, Mendelssohn „Der 42. Psalm\"\n1840, Haydn „Die Jahreszeiten\" vollständig 1839,\nHändel „Der Messias\" den 24. April 1843.\n(Wer die unendlichen Schwierigkeiten und Hinder-\nnisse kennt, mit denen vor dreissig und noch vor zwanzig\nJahren, ja, wenn wir gerecht sein sollen, theilweise noch\nheute vollständige Chor- und Orchester-Aufführungen die-\nser und ähnlicher deutscher Meisterwerke in Holland zu\nkämpfen hatten, der wird das Verdienst ihrer Einführung\nzu schätzen wissen, zumal da sie in einer Stadt geschah.\nin welcher sich in der Studentenschaft die Biüthe der Ju-\ngend von Jahr zu Jahr versammelte, welche den Eindruck\nin sich aufnehmen und weiter tragen konnte. Die gegen-\nwärtige Stellung der Musik-Dirigenten in Holland ist wahr-\nlich eine leichte und mühelose im Vergleich zu den deut-\nschen Tonkünstlern, die, wenn auch von edeln und tüch-\ntigen Kunstfreunden in Niederland unterstützt, nur die\nersten Elemente vorfanden und aus ihnen den Bau gestal-\nten mussten, in welchem sich ihre Nachfolger nachher be-\nquem einrichten konnten!)\nDer oben angegebenen Reihe von Aufführungen fü-\ngen wir als die bedeutendsten noch folgende hinzu, welche\nKufferath hier ins Werk setzte. Wir hörten unter seiner\nLeitung: Händel Samson, Havdn Schöpfung 4 Mal,\nMozart Davidde penitente, Beethoven Messe in C-dur,\nSpohr Babylon's Fall 2 Mal, Spohr Vater unser, Men-\ndelssohn Paulus 2 Mal, Mendelssohn Elias 3 Mal,\nLobgesang 4 Mal, 42. Psalm 6 Mal, 95. Psalm 2 Mal.\n115. Psalm 3 Mal. Walpurgisnacht 4 Mal, das Pinale der\nLorelei 2 Mal, Schumann Paradies und Peri, Der Rose\nPilgerfahrt, Gade Comala, Erlkönigs Tochter. Hiller\nChristnacht, Lorelei, Reinthaler Jephta und seine Tochter.\nZu solchen Aufführungen war natürlich auch eine\nHeranbildung von tüchtigen Instrumentalisten nöthig. Kuf-\nBemühungen um die Stiftung und Entwicklung\neiner städtischen Instrumental schule hielten glei-\nchen Schritt mit seiner Sorgfalt für die Gesang-Institute.\nWir haben ihnen eine Anzahl nützlicher Orchester-Mitglie-\nder zu verdanken, von denen Yioch jetzt viele mitwirken.\nDie Aufführungen von Orchesterwerken wurden durrh\nihn dermaassen vorbereitet und vervollkommnet, dass, ob-\nschon man vor seiner Herkunft nur eine einzige Sinfonie\nvon Beethoven auszuführen Mühe hatte, unter seiner Leitung\ndreissig Sinfonieen und mehr als fünfzig Ouvertüren,\nwelche hier früher ganz unbekannt waren, ein-\nstudirt und auf befriedigende, häufig treffliche Weise aus-\ngeführt worden sind. Dazu gehören unter anderen von\nBeethoven die Nummern 111., IV., V.. VII. und VIII.. von\nSchubert in C-dur,von Spohr 11. und 111. (Weihe der\nTöne), Gade I. und 111., Schumann I. und 111., Mendels-\nsohn 1., 111. und IV., Maurer in Lachner I. und\nVI., Rubinstein (Ocean). Verhülst (Preis-Sinfonie), Nicolai\n(Manuscript).\nVon J. H. Kufferaths Compositionen heben wir die-\njenigen hervor, die für uns in Utrecht das grösste Interesse\nhatten. Bei seiner umfassenden Thätigkeit als Lehrer und\nals Director des städtischen Orchesters, des Gesangvereins,\nder Stadt-Concerte, der Studenten-Concerte. des Männer-\nGesangvereins. der Gesang- und der Orchesterschule fand\ner dennoch Zeit zum Schaffen bedeutender Werke, an"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4670, "texte": "deren Spitze wir die „Ju bei -Ca nt ate zur Feier der\nGründung der Universität vor zweihundert Jahren\"\n(1036 durch die Stände der Provinz) stellen. Dieses grosse\nWerk wurde den 17. Juni 1836 d urch einen Chor von\n300 Sän gern und Sängerinnen und durch ein Orchester\nvon 117 lnstrumentalisten zum ersten Male und mit gros-\no\nsem Erfolge aufgeführt und im Jahre 1837 und 1857\nwiederholt*). Weiter verdienen ehrenvolle Erwähnung\nseine ebenfalls umfangreiche Cantate zur zweihundertjäh-\nrigen Jubelfeier der Gründung der Stadt-Concerte („Colle-\ngium musicum Ultrajectinum\")am 14. März 1833; fer-\nner eine Cantate zu einer Festfeier der Gesellschaft für\nGemeinnützigkeit, eine andere für Männerchor bei Gele-\ngenheit der Aufstellung der Büste von Berzelius in unserem\nberühmten Laboratorium, mehrere Ouvertüren u. s. w.\nAn der Hebung des Gesanges bei uns hat aber auch\nFrau Elisabeth Sophia Kufferath, geborene Reint-\njes, durch Vorbild und Lehre den grössten Einlluss ge-\nhabt. Ih re künstlerische Mitwirkung im Gesangvereine und\nihre treffliche Ausführung der Solo-Partiecn in den classi-\nschen Compositionen. so dass z. B. ihr Vortrag der Arie:\n„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", Allen, die ihn gehört\nhaben, noch unvergesslich ist. gewährten nicht nur einen\nhohen Kunstgenuss, sondern waren auch eine wirksame\nAnregung und Förderung des echten Kunstsinnes. Im\nJahre 1836 sang sie auch auf dem Musikfeste zu Amster-\ndam die Sopran-Partie**).\nWenn schon bei der Jubelfeier (1855) der fünfund-\nzwanzigjährigen Wirksamkeit Kufferaths in seiner hiesigen\nStellung ihm grosse Anerkennung durch feierliche Veran-\nstaltungen und Ehrengeschenke zu Theil geworden, so\nvereinigte sich doch Alles, um jetzt, als ihm auf seinen\nAntrag die Entlassung mit Pension bewilligt wurde, dem\ntrefflichen Künstlerpaare Beweise der herzlichsten Dank-\nbarkeit und dauernden Erinnerung zu geben.\nr er\nDer Vorstand des Gesangvereins lud den Herrn Mu-\nsik- Director und seine Gattin ein, noch einmal zum Ab-\nschiede einer Hebung des Vereins beizuwohnen. In der\nPause wurden Beide in einen anderen Saal geführt, wo\nsie zu ihrer Ueberraschung eine zahlreiche Versammlung\nvon Künstlern und Kunstfreunden, Mitgliedern des Orche-\nsters und ehemaligen Schülern u. s. w. fanden. Der Prä-\nsident des Vereins, Herr J. I). Gerlings, hielt eine Anrede\nund hat die Gefeierten im Namen der Versammlung, ein\nbleibendes Erinnerungszeichen an Utrecht anzunehmen.\nHierauf wurde das kostbare Ehrengeschenk enthüllt, das.\naus der Werkstatt des Herrn G. F. W. Bauer hierselbst\nhervorgegangen, ein prachtvolles Kunstwerk bildet. Auf\neinem kolossalen Grundgestell von Ebenholz, das von sil-\nbernem YVeinlaub umschlungen ist, ruht ein griin-krvstal-\nlenes Fass, reich von silbernen Reben umwunden, die bis\nzu dem silbernen Krahnen am Fusse sich hinabranken.\nOben befindet sich eine breitere Weinranke mit Trauben,\nzwischen denen ein Partiturbuch mit der Ueherschrift\n„Fest-Cantate\" nebst musicalischen Emblemen angebracht\nist und auf dem Ilachen Deckel die Inschrift: „J. H. Kuffe-\nrath und E. S. Kulferath-Reintjes gewidmet zu Utrecht 3.\nOctober 1862 von Freunden, Schülern und Verehrern.\"\nAm Fussgestell ist ein weiss-krvstallenes Plateau so an\"e-\n-j P\nbracht, dass es gedreht werden kann, um die zwölf Wein-\ngläser mit reich in Silber getriebenen Füssen eines nach\ndem anderen unter den Krahnen zu bringen. Zugleich\nwurde dem Paare ein zierliches Album, die Namen der\nGeber enthaltend, überreicht, während von dem Männer-\nchor unter der Direction des Herrn Craevvanger Men-\ndelssohn's Festgesang „An die Künstler* angestimmt\nwurde.\nAm folgenden Abende brachte die Capelle der utrecht'-\nschen Schütterev (Schützen) unter Leitung des Herrn C.\nCoenen dem Künstlerpaare ein Ständchen mit Fackel-\nzug. und Tags darauf versammelten sich am Morgen der\nAbreise noch Viele zum letzten Ahschiedsgrusse. und eitte\nbefreundete Familie gab dem Paare das Geleite bis zur\ndeutschen Gränze.\nUtrecht.\n\nr) Der Clavier-Auszug ist bei R. Nathan in Utrecht erschie-\nnen. Ausführliche Beurtheilung in E. G. Lageman's Muzilcaal\nTijdschrift, Haag, 1880.\n**) Frau Kufferatli- R e i n tj e s ist zu Cleve den 13. September\ngeboren. Ihre schöne, klare, hohe Sopranstimme erregte\nfrüh die Aufmerksamkeit der Kunstfreunde ihrer Vaterstadt,\nnamentlich des verstorbenen Notars Thomä, eines gründlichen\nDilettanten, dem die musicalischen Zustände in Cleve viel zu\nverdanken haben. Später wurde sie eine Schülerin des Musik-\nDirectors J. Schornstein in Elberfeld und war in den er-\nsten zehn Jahren des Bestehens unseres niederrheinischen\nMusikfestes eine vorzügliche und mit Recht beliebte Ver-\ntreterin der Sopran-Solo-Partieen. L B.\n\nNienwenhuysen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "213", "page_fin": "214", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.2.4", "titre_corps": "Aufmunterungen der Künstler in Oesterreich.", "titre_sommaire": "Aufmunterungen der Künstler in Oesterreich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.5", "debut_caractere": 4672, "fin_caractere_exclue": 5166, "texte": "Aufmunterungen der Künstler in Oesterreich.\nDurch das Finanzgesetz für das Jahr 1863 wurde\neine Summe von 10,000 Fl. für Stipendien zur Unter-\nstützung an unbemittelte und hoffnungsvolle Künstler in\nallen Zweigen der Kunst bestimmt und die Verwendung\ndieser Summe in die Hände des Staats-Ministeriums gelegt.\nIn Fol ge dessen wurde von Seiten des letzteren eine (Kom-\nmission niedergesetzt, berufen, die Ansprüche auf die Un-\nterstützung zu prüfen und dem Staats-Ministerium Anträge\nzu stellen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5030, "texte": "Das Resultat dieser Berathungen ist mitgetheilt, und\nes wurden 16 Künstler betheiligt, unter denen sich 7 Ma-\nler, 6 Bildhauer, 2 Musiker und 1 Dichter befinden. Die\nBetheiligten gehören allen Kronländern an; es finden sich\ndarunter 5 Böhmen, 5 Wiener (darunter 1 Musiker und\n1 Dichter), 2 Ungarn und 1 Siebenbürger magyarischen\nStammes, und je ein Salzburger, Venetianer und Nieder-\nOesterreicher,\nEs dürfte für weitere Kreise interessant sein, über den\nUmfang der Betheiligung, über die Grundsätze, welche zur\nAnwendung gekommen sind, und die Wahrnehmung,\nwelche man bei dieser Gelegenheit machen konnte, genaue\nDetails zu erhalten, welche wir, auf eingehende Informa-\ntionen gegründet, mittheilen.\nDie Betheiligung an den Stipendien war eine sehr leb-\nhafte; wie begreiflich, ist die bildende Kunst am meisten\nvertreten, die Zahl der Competenten war auf dem Gebiete\nder bildenden Kunst 58; unter diesen 58 gehörte einer\ndem Fache des Kupferstiches, 5 der Architektur, 14 der\nBildhauerei und 38 der Malerei an. Dem Geburtslande\nnach gehörten IT nach Böhmen, 15 nach Nieder-Oester-\nreich, Wien mit eingeschlossen, 7 nach Ungarn; die an-\nderen vertheilten sich so ziemlich auf alle Kronländer der\nMonarchie. Relativ viel geringer war die Zahl der Musiker\nund der Dichter. Die Zahl der Ersteren betrug 15, der\nLetzteren 13, und aus der Reihe dieser musste eine nicht\nunbeträchtliche Zahl ausgeschieden werden, da die Ten-\ndenz des Stipendiums offenbar auf schaffende und nicht\nbloss reproducirende Künstler gerichtet ist.\nSo schwierig es ist, bei Vertheilung von Stipendien\nden richtigen Weg einzuschlagen, durch Zuweisung der-\nselben strebsamen und produetiven Talenten unter die\nArme zu greifen, so schwierig es speciel in Oesterreich\nwar, zum ersten Male unter so verwickelten Verhältnissen\ndie Frage praktisch zu lösen, so kann man nicht verken-\n•\nnen, dass die Bestimmungen, wie sie der hohe Reichsrath\ngestellt hatte, der Sache selbst sehr förderlich waren. Die-\nselben waren nur in zwei Punkten beschränkend, in Be-\nziehung auf die Mittellosigkeit und auf das, was man einem\nKünstler gegenüber hoffnungsvoll nennt. In allem Anderen\nwurde freie Hand gelassen. Es hatte allerdings seine\nSchwierigkeiten, die Gränzen des Begriffes „hoffnungsvoll\"\neiniger Maassen festzustellen, aber es war von grossem\nVortheile, dass man keine bestimmten Aufgaben stellte,\ndie Höhe des Stipendiums nicht fixirte und Raum für Be-\nfriedigung der mannigfaltigsten Bedürfnisse liess. Wer\nkennt nicht die Verschiedenartigkeit derselben bei jungen,\nstrebenden Künstlern? Der eine braucht zu seiner Ausbil-\ndung eine Studienreise, ein zweiter Mittel zur ungestörten\nAusführung eines grösseren Werkes; der eine trägt in\nseinem Busen eine unbefriedigte Sehnsucht nach Rom und\nFlorenz, ein anderer fühlt das Bedürfniss, sich in dem be-\nwegten Kunstleben von Paris zu orientiren. Durch die all-\ngemeine Fassung des Reichsraths-Beschlusses war man in\nder angenehmsten Lage, auf die mannigfaltigsten Bedürf-\nnisse einzugehen und sie, wenn auch nur in bescheidener\nWeise, zu befriedigen. Zur Ehre des österreichischen\nKünstlerstandes müssen wir gestehen, dass unter den zahl-\nreichen Anforderungen keine einzige vorkam, die über-\nspannt genannt werden konnte.\nIn einer peinlichen Lage befand sich die Commission\njenen Künstlern gegenüber, welche nicht in die Reihe der\nnur hoffnungsvollen, sondern in die der fertigen Künstler\ngehören, denen nicht mit einem Stipendium, sondern mit\neinem Auftrage oder einer Pension gedient wäre.\nDas ständige Comite hat an das hohe Staats-Ministe-\nrium die Bitte gestellt, jene Künstler, welche als fertige\nKünstler keine Stipendien, sondern Aufträge verlangen,\nan jene-Hof-, Staats-, Landes- und Communal-Behörden\nund Körperschaften zu empfehlen, welche in der Lage\nsind, Aufträge zu ertheilen. Das Staats-Ministerium ist in\nbereitwilligster Weise auf den Wunsch der Commission\neingegangen, und die österreichische Künstlerwelt rechnet\num so zuversichtlicher auf Erfüllung dieses Wunsches,\nweil insbesondere die Communen und die Provincial-Be-\nhörden und Körperschaften sich bis jetzt, abgesehen von\neinzelnen sehr ehrenvollen Ausnahmen, nur seilen um die\nFörderung von landesangehörigen Künstlern in der Weise\nbekümmert haben, wie dies in Frankreich und Belgien der\nFall ist.\nDie Fälle, wo Pensionen vertheilt werden können,\ndürfen ihrer Natur nach nur Ausnahmefälle sein; die Auf-\nträge aber, welche den Künstlern übertragen werden sol-\nlen, müssen in dem geordneten Haushalte jedes Cultur-\nstaates zur Regel werden. Sollen sie nützen, so dürfen sie\nnicht wie Almosen vertheilt werden, nicht für müssige Ga-\nleriewerke, nicht zur Belohnung der Mittelmässigkeit ver-\nwandt werden: sie müssen in Oesterreich namentlich allen\nKronländern zu Gute kommen und lebendige Bedürfnisse\nder Völker befriedigen ; durch sie soll der Kreis der Kunst-\nbedürfnisse erweitert, der Geschmack gebildet und das\nGefühl der Gemeinsamkeit geistiger Interessen im gesamm-\nten Reiche gestärkt und gehoben werden.\n(Wiener 81. f. Theater u. s. w.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "216", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.2.5", "titre_corps": "Aus Petersburg.", "titre_sommaire": "Aus Petersburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5323, "texte": "Aus Petersburg.\n(Concerte unter A. Rubin stein Quartett-Abende Con-\nservatorium.)\nEs dürfte interessant sein, aus den hierbei nachfolgen-\nden Programmen der zehn Concerte der russischen Mu-\nsik-Gesellschaft in Petersburg, welche unter der Di-\nrection von Anton Rubin stein in der verflossenen Saison\nStatt landen, in etwa die Geschmacksrichtung kennen zu\nlernen, welche die Concertmusik im Vaterlande Glinka's,\nUlibischefi's und Rubinstein's nimmt. Ueber die italiänische\nOper, welche hier dieselbe ist, wie überall, dürfte jede\nNotiz überflüssig und langweilig sein, lieber die National-\nbühne wird uns aber mit Nächstem ein Bericht zugehen.\nDie erwähnten Programme sind: Erstes Concert. Ouver-\ntüre „Hebriden\" von Mendelssohn; Phantasie über russi-\nsche Lieder für Orchester und Chor von K. N.Liadoff; Con-\ncert (D-mott) für Ciavier von J. S. Bach; Musik zu „Man-\nfred\" von Schumann; Sinfonie Nr. 4 von Beethoven.\nZweites Concert. Ouvertüre „Coriolan\" von Beethoven;\nHymne für eine Altstimme mit Chor Op. 96 von Mendels-\nsohn; Sinfonie (D-dur) von Mozart; Concert (.F-moll) für\nClavier von Chopin; Lieder am Ciavier; Ouvertüre „Russ-\nlan und Ludmilla\" von Glinka. Drittes Concert. Rhapsodie\nhongroise, instrumenta von Ch. Schuberth, von Fr. Schu-\nbert; Chor aus dem Oratorium Jephta von Händel: Con-\ncert lür Violine von Yiotti; Sinfoniesatz von Gusakowsky;\nChor (a capella) von Carissimi; Sinfonie (Es-dur) von Schu-\nmann. Viertes Concert. Ouvertüre „Anakreon\" von Che-\nrubim; Cantate „Bleibe bei uns\" von .!. S. Bach; Concert\n(G-moll)lür Clavier \\on Mendelssohn; Ballet aus der Oper\n„Die Mainacht\" von Sokalsky; Phantasie für Clavier mit\nChor von Beethoven; Ouvertüre „Tannhäuser\" von Wag-\n\"er* fünftes Concert. Jubel-Ouverture von C. M. v. We-\nher; Arie „Ah perfido!\" von Beethoven; Concert für Vio-\nline von Wieniawski; Arie Staba (Bass) von Rossini;\nOuvertüre „Dame Kobold\" von Reinecke; Lieder am Gla-\nuer; Sinfonie Nr. 3 von Beethoven. Sechstes Concert.\nOuvertüre „Ossiansklänge\" von N. W. Gade; Chöre aus\nder Oper „Dämon\" von Vietinghoff; Concert für Violon-\ncell von Dawidoff; Ouvertüre Op. 115 von Beethoven;\nMusik zu den „Ruinen von Athen\" von Beethoven; Sinfo-\nnie ( C-dur)von hr. Schubert. Siebentes Concert. Ouver-\ntüre „Lach asse du jeune Henri\"von Mehul; Romanze\naus „I1 reischütz\" von C. M. v. Weber; Concert (G-dur) für\nClavier von Rubinstein; „*Le de, Ode-Sinfonie von\nDavid; Musik zu „Egmont\" von Beethoven.—Achtes Con-\ncert. Ouvertüre „Hermann und Dorothea\" Von Schumann;\nScenen aus der Oper „RatclifF\" von C. Kui; Concert für\ndie Violine von Lipinski: Ißc'cne d'amow und „La reine\nMab- aus der Sinfonie „Romeo von H. Ber-\nüoz; Scenen aus der Oper „Alceste\" von Gluck; Sinfonie\n(A-dur)von Mendelssohn. Neuntes Concert. Ouvertüre\nNr. I,op. 138, „Leonore\" von Beethoven; Morgenhymne\naus der Oper „Vestalin\" von Spontini; Scherzo\ninstrumentirt von Th. Leschetitzky, von Mendelssohn; Arie\naus der „Schöpfung\" von Haydn; von\nGlinka; „Nachthelle\", Chor von Fr. Schubert; Lieder am\nClavier; Sinfonie (C-dur)von Schumann.—Zehntes Concert.\nOuvertüre „Waldnymphe\" von W. S. Bennet; Arie\nbat mater(Sopran) von Rossini; Concert für Cla-\nvier von C. M. v. Weber; Ballet aus der Oper „Gromoboi\"\nvon Werstowsky; Sinfonie Nr. 9 mit Chor von Beethoven.\nDie Programme der acht Quartett-Abende wa-\nren: Erste Soiree. Quartett (F-dur) von Ilaydn ; Sonate\n(D-dur) für Clavier und Violoncell von Mendelssohn; Quar-\ntett E-moll von Beethoven. Zweite Soiree. Quartett (mit\ndem zweiten Preise von der Musik-Gesellschaft gekrönt)\nvon Kastriot Scanderbeg; Sonate lür Clavier und Violine\n(Kreutzer gewidmet) von Beethoven; Quartett [D-dur) von\nMendelssohn. Dritte Soiree. Quartett (D-moll) von Mo-\nzart; Trio (C-mo!l) für Clavier von Beethoven; Quartett\n(B-dur, Op. 130) von Beethoven. Vierte Soiree. Quartett\n(D-dur) von Haydn; Sonate (C-moll) lür Clavier und Vio-\nline von Beethoven; Quartett (Es-dur, Op. 127) von Beet-\nhoven.— Fünfte Soiree. Quartett (A dur) von Mendelssohn;\nTrio (F~dur) für Clavier von Schumann; Quartett (F-moll,\nOp. 95) von Beethoven. Sechste Soiree. Quintett (A-dur)\nvon Mendelssohn; Sonate Es-dur für Clavier und Clari-\nnette von C. M. v. Weber; Quintett (C-dur, Op. 29) von\nBeethoven. Siebente Soiree. Quartett (mit dem ersten\nPreise von der Musik-Gesellschaft gekrönt) von Afanassieff;\nQuartett (Es-dur) für Clavier von Schumann; Quartett\n(C-dur) von Mozart. Achte Soiree. Quintett (A-moll) von\nOnslow; Trio (B-dur% Op. 97) für Clavier von Beethoven;\nQuintett (C-dur) von Fr. Schubert.\nDie P reis-Aufgabe für dieses Jahr bestand in einer\nOuvertüre für Orchester mit gewöhnlichen Hörnern und\nTrompeten; aber nach Prüfung der eingesandten Ouvertü-\nren erwies sich keine von ihnen preiswürdig.\nAm 8. September v. J. ist das Conservatorium unter\nder Direction von Anton Rubinstein eröffnet worden.\nDie Zahl der Schüler dieses Jahres ist 175 beiderlei Ge-\nschlechts, verschiedenen Alters und aller Stande der Gesell-\nschaft ohne Ausnahme. Gelehrt wird in dem Conservato-\nrium alles, was ins musicalische Fach gehört, ausserdem\nfür die, welche es wünschen, russische, deutsche und ita-\nliänische Sprache und Literatur, Geschichte, Geographie,\nMathematik, Religion, Kalligraphie und Notenschrift.\nDer Schüler zahlt für den Gesammt-Unterricht 100 Rubel\njährlich, die er halbjährlich zu je 50 Rubel im Voraus"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 855, "texte": "abzutragen hat; es steht ihm Irei, nach Ablaut eines hal-\nben Jahres aus dem Conservatorium auszutreten. In die-\nsem Jahre konnte noch kein öffentliches Examen Statt fin-\nden, doch hat ein Privat-Examen Statt gefunden, das auf\ndie besten Ergebnisse in Zukunft hoffen lässt. Die mos-\nkauer Fi Ii al-Gesell sehaft halte sich auch in diesem\nJahre des besten Erfolges zu erfreuen; auch sind daselbst\neinige Lehrclassen eingerichtet worden, wie z. B. Gesangs-\nclasse und Elementarclasse. Das nächste Ziel des Directo-\nriums ist die Gründung solcher Filial-Gesellschaften und\nSchulen in den wichtigsten Städten des Reiches; doch muss\ndieser Plan noch in der nächsten Zeit unausgeführt blei-\nben, bis aus dem Conservatorium Leute kommen werden,\nwelche die Leitung von Concerten und die Lehrfächer\nin den zu gründenden Schulen zu übernehmen im Stande\nsein werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.8", "debut_caractere": 857, "fin_caractere_exclue": 3839, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n%lieil« Sieben Jahre sind verstrichen, seitdem Bauer Ilfeld\nmit keinem neuen Werke auf dramatischem Felde vor der Oeffent-\nlichkeit erschien; das Lustspiel „Fata morgana\" war der letzte\nSendling seiner sonst thätigen Muse. Doch der geistreiche Schrift-\nsteller bat diese „ Jacobsfrist\" nicht müssig vergehen lassen: vier\nneue Bühnen-Producte und die Umarbeitung eines alten Stückes sind\naus seiner Feder geflossen. Dazu gehören das bereits aus früheren\nMittheilungen bekannte dj:eiactige Lustspiel „Melampe\", dann das\ngleichfalls dreiactige Lustspiel „Excellenz\", welches die Hofschau-\nspieler während ihres Gastspiels in Berlin aufFühren werden ; ferner\n„Gräfin Circe\", welche für die nächste Burgtheater-Saison zur Dar-\nstellung bestimmt ist, und schliesslich ein mehractiges Schauspiel,\ndas um die Zeit Friedrich's des Grossen spielt, dessen Titel aber\nnoch nicht festgestellt ist. Auch das Preis-Lustspiel „Der kategori-\nsche Imperativ\" ist gänzlich umgearbeitet.\nDirector Laube in Wien hat einen schweren Verlust erlitten.\nSein einziger Sohn Hans, ein junger, hoffnungsvoller Mann, ist am\n11. Juni nach einer langen und schmerzlichen Krankheit im 26-\nLebensjahre gestorben. Die Theilnahme an diesem traurigen Ereig-\nnisse ist eine allgemeine.\nZu MdhuTs einhundertjährigem Geburtstage kommt dessen Oper\n„Jacob und seine Söhne\" in Dresden zur Aufführung.\nBasel* Hier herrscht seit einigen Jahren wieder ein sehr reges\nMusikleben, welches wir den zahlreichen edeln Kunstfreunden und\nden Musik-Dirigenten Reiter, Lutz, Dr. Hauschild und Hu-\nnold verdanken. Das vorletzte Concert brachte Wagner's „Faust-\nOuverture\", Chor aus Rameau's „Castor und Pollux\", Gesang He-\nloisens und der Frauen von F. Hiller und die Manfred-Musik von\nR. Schumann. Das letzte, in der Martinskirche gegebene, enthielt\nMozart's O-moll-Sinfonie, Mendelssohn's Ouvertüre zu den „Hebri-\ndenu und Beethoven's JL-cZwr-Sinfonie, unter Reiter's Leitung vor-\ntrefflich ausgeführt. Der Gesangverein hatte in der Martinskirche\nein geistliches Concert veranstaltet, in weichem Einzelnes aus Hän-\n„Messias\" und aus J. S. Bach's „Passionsmusik\" nach Matthäus,\nein fünfstimmiger Choral von Eccard, Lotti's „Crucißxus\" achtstim-\nmig und Pergolese's „Stabat maier\" für Sropan und Alt recht ge-\nlungen ausgeführt wurden. Dr. Hauschild gab ein Kirchen-\nConcert, das eine Sinfonie und nicht weniger als zehn Chöre von\nseiner Composition enthielt. Diesen Winter hat sich ein Orche-\nster-A erein junger Dilettanten gebildet, wie ähnliche schon in meh-\nreren schweizerischen Städten bestehen. Dirigent ist Herr Hunold.\nFerner haben wir noch einen akademischen Männerchor und einen\nQuartett-Verein der Herren Reiter, Abel, Fischer und Kahn dt.\nDas in Paris erscheinende Kunstblatt VEurope artiste gibt in\nseiner Nummer vom 31. Mai folgende interessante Notiz: ~ Vienne:\nMme. Nieman-Seebai (!) a debute dans le role de Marguerite de\nFaust. La grande cantatrice (!) a obtenu un legitime succesS (!!)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Oper „Loreley\" von Emanuel Geibel und Max Bruch. (Erste Aufführung: Mannheim den 14. Juni.) 11. Johann\nHe rmann Kufferath (Lebensskizze). Von Nieuwenhuysen. Aufmunterungen der Künstler in Oesterreich. Aus Petersburg\n(Concerte unter A. Rubinstein Quartett-Abende Conservatorium). Tages- und Unterhaltungsblatt (Wien, Bauernfeld's\nneue Werke, Director Laube Dresden, hundertjähriger Geburtstag Basel, Musikleben Paris, L'Europe artiste).\n\nDie Oper „Loreley“ von Emanuel Geibel und\nMax Bruch.\n(Erste Aufführung: Mannheim den 14. Juni.)\nII.\n(1. s. Nr. 26.)\nAus dem gegebenen Abriss des Inhalts ersieht man,\ndass Geibel's Gedicht ein gutes Opernbuch ist, und das ist\nfür den Componisten und den Erfolg seiner Musik ein\ngrosser Vortheil, da heutzutage ohne spannende Handlung\ndie beste Musik eine Oper nicht mehr zu voller Geltung\nbringen kann. Bei einem Opernbuche nach Neuheit der\nHandlung zu fragen, dünkt uns ungerecht, denn die mensch-\nlichen Gefühle und Leidenschaften, welche die Musik dar-\nstellen kann, bleiben ewig dieselben, und es kommt nur\ndaraul an, was durch Liebe und Hass, Hingebung und\nVerrath, Lust und Schmerz, Begier und Entsagung, Ban-\ngen und Wagen das menschliche Herz aufregt, zur Er-\nscheinung in einer dramatischen Handlung zu bringen und\ndadurch Situationen herbeizuführen, die sich musica-\niisch gestalten und beleben lassen, wobei die intensive\nwie formelle Schönheit der poetischen Darstellung als\nsolche keineswegs die Hauptsache sind. Dies ist dem Dich-\nter der Loreley gelungen; er hat eine Handlung von steigen-\ndem Interesse geschaffen, in deren Mittelpunkt eine Jung-\ntrau steht, welche die Theilnahme des Zuschauers von An-\nlang bis Ende fesselt, und er führt sie uns in Lagen des\nLebens vor, die eben sowohl durch zarte Empfindungen\nund lyrische Ergüsse zu Einzel- und Zwiegesängen, als\ndurch leidenschaftliche dramatische Scenen zu breiteren\nvielstimmigen Gesangstücken und so genannten Finale's\nVeranlassung geben. Dass die Kluft der Standes-Verhält-\nnisse betrogene Liebe zu einer tragischen Katastrophe\nführt, ist freilich schon hundert Mal in allen möglichen\nFormen da gewesen, und selbst Situationen, wie sie z. B.\nin der Erkennungs-Scene gleich im ersten Acte vorkom-\nmen,- sind ebenfalls nicht neu in der Oper (man denke nur\nan die Fenella in Scribe's „Stummen von Portici\", an die\nRecha in der „Jüdin\" u. s. w.). Allein es geht damit, wie\nmit Heine's: „Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie\newig neu, und wem sie just passiret, dem bricht das\nHerz entzwei\" —nur dass man statt der zwei letzten Verse\nsetzen muss: „und wer sie gut in Musik setzt, der hat\nErfolg dabei.\"\nJe mehr also das Ganze des Textes vom musicalisch-\ndramatischen Gesichtspunkte aus befriedigt, um so mehr\nwünschten wir einzelne Mängel desselben beseitigt. Dahin\ngehört zunächst die Exposition. Die Erzählung des Pfalz-\ngrafen Otto an seinen Seneschall, der nichts Anderes ist\nals der obligate „Vertraute\" im älteren Drama, ein leeres\nGefäss, in das der Herzenserguss des Helden ausströmt,\ndamit das Publicum wisse, woran es sei, ist doch eine gar\nzu verbrauchte Art der Einführung Ein\nMonolog, d. h. eine Arie Otto's, welche seinen inneren\nKampf und den Contrast zwischen seiner Vergangenheit\nund dem gegenwärtigen Augenblicke, in welchem ihn die\nverlobte Braut erwartet, besser und was für das Maass\nder Dauer des ersten Actes nöthig ist—kürzer ausdrücken\nkönnte, dürfte mehr an der Stelle sein, und zwar mit noch\ngrösserer Wirkung, wenn, wie wir im ersten Artikel schon\nerwähnt haben, ein kurzer Introductions-Chor von Rhein-\nnixen vor dem Erscheinen Otto s uns in das romantische\nSagenland versetzte, wozu die Instrumental-Einleitung,\nwelche die Melodie des zauberischen Loreley-Liedes aus\ndem zweiten Acte enthält, allein nicht hinreicht. Da dieser\nChor nur schwach besetzt zu sein braucht, die Winzerin-\nnen aber erst in der fünften Scene auftreten, so würde\nselbst bei kleineren Bühnen hinlängliche Zeit zum Umklei-\nden vorhanden sein; ja, allenfalls könnte selbst dieser\nChor hinter der Scene gesungen werden, während einige\nFigurantinnen vom Ballet in den Fluten im Hintergrunde\nsich bewegten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.2", "texte": "Unmittelbar vor der Scene, in welcher Lenore den\nPfalzgrafen bewillkommt und in ihm den Geliebten er-\nkennt, hat der Dichter einen Auftritt eingeschaltet, in wel-\nchem der Minnesänger „Beinald\" Lenoren seine Liebe\ngesteht und um Gegenliebe wirbt. Diese Episode, welche\nnicht den geringsten Einfluss auf die Entwicklung des\nDrama's hat, hält die Handlung nur auf und lässt den\nZuschauer etwas erwarten, was nicht geschieht. Denn of-\nfenbar gibt dieser Auftritt dem „Reinald\" eine Bedeutung,\ndie er im Folgenden gar nicht erfüllt, und das ist im Dra-\nma immer ein Fehler, wie denn überhaupt die „Bracken-\nburgs\", „Wolframs\" u. s. w. im Drama, vollends aber\nin der Oper, meist eine langweilige Rolle spielen. Die\nspäter zu Tage tretende Theilnahme Reinald's für Lenore\n(als er den Verrath Otto's ahnt und im zweiten Acte durch\nsein Lied ihn verdeckt an seine Schuld mahnt), erscheint\nnoch um so edler und reiner, wenn er seine Liebe still im\nBusen verschlossen hält, abgesehen davon, dass es nicht\nzu der Sitte der Zeit passt, dass ein Ritter und Minnesän-\nger seine Hand der Tochter eines Fährmannes und Schenk-\nwirihes anträgt. Wir schlagen also den Autoren vor, nach\ndem Winzer- und Schifferchor unmittelbar den Marsch\nund das Nahen des Brautzuges eintreten zu lassen, wo-\ndurch die Handlung rascher fortschreiten und die Wir-\nkung der Erkennungs-Scene desto eindrucksvoller sein\nwird*).\nSchauspieler und Sänger sind schnell mit dem Vor-\nwurfe einer „undankbaren Rolle\" gegen die Dichter und\nComponisten bei der Hand. Oft mit Unrecht. In Geibel's\nLoreley ist aber Bertha, Otto's Gattin, wirklich keine\ndankbare Rolle; sie theilt das Schicksal der unglücklichen\nPrinzessinnen in der französischen Oper (Elvira, Eudoxia\nu. s. w.), ist aber um so schlimmer daran, weil die deut-\nsche Oper glücklicher Weise es nicht verträgt, sie durch\neine brillante Coloratur-Partie zu entschädigen. Wir soll-\nten meinen, dass der Componist diesen zweiten Sopran so-\nwohl an der zweiten Scene des zweiten Actes, als auch\nvielleicht am Finale desselben Actes hätte mehr, als ge-\nschehen ist, betheiligen können.\nMo gen diese wenigen Bemerkungen den Autoren zei-\ngen, mit welcher Theilnahme und mit wie aufrichtigem\nWunsche eines durchschlagenden Erfolges wir ihr schönes\nWerk in Betracht ziehen.\nUeber die Musik der neuen Oper bekunden wir vor\nAllem zuerst die erfreuliche Thatsache, dass Max Bruch,\nwie es seine bisherigen Compositionen schon erwarten\nHessen, auf dem Wege fortgegangen ist, den die grossen\ndeutschen Meister Mozart und Beethoven und nach ihnen\nWeber und Marschner gezeigt haben, dass er sich mit\nSelbstbewusstsein eben so fern von dem Effectstil der pa-\nriser grossen Oper, als von dem antimusicalischen Systeme\nRichard Wagner's gehalten und, ohne die Mittel der neue-\nren Musik, namentlich im Orchester, zu verschmähen, eine\ngewisse Eigentümlichkeit der Schreibart sich schon jetzt\nangeeignet hat, die sich besonders durch melodische Er-\nfindung und durch ein bedeutendes Talent für Behandlung\ngrosser dramatischer Ensembles vortheilhaft auszeichnet.\nDabei können wir die Heilighaltung der Form, die\ndurch eine grosse Gewandtheit in der Handhabung dersel-\nben ermöglicht und gesichert ist, nicht hoch genug prei-\nsen denn wir sprechen von einem erst fünfundzwanzig-\njährigen Componisten, dessen Lehrjahre in die Zeit der\nVerwirrung aller Begriffe über dramatische und absolute\nMusik fielen—, ja, abgesehen von den falschen Propheten\nder musicalischen Aesthetik, in eine Zeit, in welcher selbst\ndas Genie eines Tondichters wie Bobert Schumann einen\ngefährlichen Zauber übte, der noch jetzt manches Talent\nin Banden hält und dessen freie Entwicklung hemmt! Vor\nallen diesen Abwegen und Hemmnissen bewahrten Max\nBruch hauptsächlich seine eigene Natur und der angebo-\nrene offene Sinn für das rein musicalische Schöne, und\ndann sein ganzer Bildungsgang, auf den ihn zuerst seine\nMutter aus der Künstlerfamilie der Almenräder in Köln\nführte, dann sein erster Unterricht in der Harmonielehre\ndurch Professor Breidenstein in Bonn, ferner vor Allem die\njahrelange Leitung seiner Studien als Stipendiat der frank-\nfurter Mozart-Stiftung durch Ferdinand Hiller, endlich\nseine ganzen Umgebungen in Köln.\nDer Componist der Loreley erreicht die Wirkung sei-\nner Musik überall nur durch wahrhaft künstlerische Mittel.\nDa sind keine grellen Dissonanzen, keine Tortur des Ohrs\ndurch ewige Vorhalle und Trugschlüsse, nichts Widriges\nund Hässliches, keine Furcht vor wohllhuenden und zu\neinem Ziele führenden Modulationen, keine künstliche An-\nstrengung, um das Ohr und die Nerven des Zuhörers im-\nmer in der Schwebe zu halten, zu überreizen und niemals\nzu beruhigen, im Orchester keine gesuchte Tonmalerei\noder gar instrumentale Charakteristik der einzelnen Per-\nsonen, welche, wie Zettel an den Figuren auf alten Ge-\nmälden, dem Zuschauer vortrompetet oder vorstreicht: „ich\nbin der König\", „ich bin das gute\", „ich bin das böse\nPrincip\" u. s. w., kein durch seltsame Klangwirkungen\noder excentrische Zusammenkoppelungen heterogener In-\nstrumente, wie Pikkelfiöte mit Pauke, und durch ähnlichen\nHokuspokus raffinirtes Colorit als blendende Tünche tri -\n\n'■* r) Eine andere Scene im zweiten oder dritten Acte, der Angriff\naut das Kloster, in welches Lenore sich geflüchtet hat, befin-\ndet sich in dem gedruckten Operngedichte, ist aber für die\nComposition Brnch's vom Dichter bereits gestrichen worden,\nwas wir ebenfalls billigen.\n< §"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.3", "texte": "vialer Gedanken, kein lärmender Aufruhr und unverständ-\nlicher Klangschwindel. Mit Einem Worte: die Gesetze des\nSchönen sind nirgend verletzt; es gibt keine Stelle in der\nganzen Oper, die erst durch Reflexion und Interpretation\nihre Bedeutung erhalten muss, keine Musik, die man „nicht\nmit dem Ohr hören\" darf, wie Brendel sagt; nein, sie geht\ndurch das befriedigte Ohr, nicht durch das gequälte, in\nVerstand, Herz und Gemüth. Der Gesang ist darin Gesang,\nnicht Declamationsphrase'und langweilige Psalmodie, Re-\ncitativ und Arie sind in ihrem auf die Natur der Musik\nund das Wesen der Oper, als eines musicalischen Kunst-\nwerkes, begründeten Charakter wieder hergestellt und\nelücklich in den Fortschritt der Handlung eingefügt, die\nMelodie weicht ganz und gar von der jetzt gewöhnlichen\nOpernphrase ab und kehrt zu der Innigkeit des deutschen\nLiedes zurück, aus dessen tiefem Quell auch C. M. von\nWeber seine herrlichen Weisen schöpfte.\nIm Begriffe, eine Uebersicht der einzelnen Musikstücke\nder Oper zu geben, geht uns die Nachricht zu, dass die\n„Loreley\" Sonntag den 5. d. Mts. zum Schlüsse der\nSaison in Mannheim wieder gegeben wird, und da wir\nGelegenheit haben, auch dieser Vorstellung beizuwohnen,\nso behalten wir uns den Schluss unseres Berichtes auf die\nnächste Nummer vor.\n\nJohann Hermann Kufferath.\n\nMit den grossen Fortschritten, welche die Verbrei-\ntung und Ausübung der Tonkunst in Holland gemacht\nhat, geht in den beiden letzten Jahrzehenden ein nationa-\nler Sinn Hand in Hand, dessen Ursprung und Pflege ge-\nwiss an und für sich nur lobenswerth ist, der aber auch\ndie Holländer und unter ihnen namentlich das jüngere\nGeschlecht zur Ungerechtigkeit und Undankbarkeit gegen\ndie deutschen Tonkünstler verleitet hat nicht gegen die\nvergangenen und gegenwärtigen Meister der Composition,\nda im Gegentheil z. B. früher Louis Spohr und in neuester\nZeit Robert Schumann in den Niederlanden dieselbe, wo\nnicht noch grössere Verehrung und Popularität gefunden,\nals in Deutschland selbst —, also nicht gegen die deut-\nschen Componisten und ihre Werke, sondern gegen dieje-\nnigen Musiker, welche ihr deutsches Vaterland mit Holland\nvertauschten und daselbst sich einen Wirkungskreis durch\nLehre und That schufen, der für die Tonkunst in Holland\nvon der grössten Bedeutung war. Wer die Art und Weise,\nwie in Holland noch in den zwanziger Jahren unseres\nJahrhunderts Musik gemacht wurde, gekannt und die all-\nmähliche Hebung der Tonkunst in diesem Lande aufmerk-\nsam verfolgt hat, der wird anerkennen, dass das frühere\noberflächliche Musiktreiben sich in ein ernstes, reiches Mu-\nsikleben verwandelt hat, indem nicht bloss die technische\nAusführung, sondern auch der reine Geschmack und der\nSinn für das echte Musicalisch-Schöne sich unendlich ge-\nhoben haben, wenngleich in manchen Städten noch deut-\nliche Reste der früheren Liebhaberei an leichter, nament-\nlich ausländischer, d. h. undeutscher, Waare vorhanden\nsind—man denke nur an die französische Oper in s'Gra-\nvenhage, ja, an die Ausschreibung von Preisen für die\nbeste Composition einer französischen Oper für diese\nResidenzbühne, wie sie noch vor einem oder zwei Jahren\nStatt fand! Indess, wie gesagt, eine ernste Musikliebe regt\nsich in den Niederlanden und treibt Blüthen und Früchte\nnicht bloss in einzelnen grossen Städten, sondern überall,\nund der Nationalzug des germanischen Stammes offenbart\nsich bei dem ganzen Volke im Gegensatze zu Frankreich,\nwo nur Paris den Ton angibt. Wenn wir nun keineswegs\nverkennen, wie schätzenswerth und einflussreich die Thä-\ntigkeit des grossen Vereins für Beförderung der Tonkunst\nund seiner zahlreichen Abtheilungen und eben so einzelner\nniederländischer Künstler und gediegener Musikfreunde\nfür die Hebung der Musik gewesen sind und es noch fort-\nwährend sind, so bedarf es doch bei dem gegenwärtigen\nGeschlechte und dessen oft sich stark überhebendem Local-\nPatriotismus der Mahnung an die Verdienste derjenigen\ndeutschen Künstler, welche den Anstoss zu dem Auf-\nschwung des Musiklebens in Holland gegeben und die\nschönsten Mannesjahre ihres Lebens der Thätigkeit für\ndasselbe gewidmet haben.\nEs hat uns desshalb der vor einiger Zeit in der hollän-\ndischen Musik-Zeitung „Euterpe\" (Redacteur L. J. Le-\nfebre, Verleger F. J. Weygand & Comp, im Haag) er-\nschienene Artikel: „Erinnerung an J. H. Kufferath\",\nwelcher neben Heinrich Lübeck und anderen Deut-\nschen ein langjähriges einflussreiches, musicalisches Wir-\nken in Holland übte und sich jetzt ins Privatleben zurück-\ngezogen hat, als eine Stimme der Anerkennung aus den\nNiederlanden selbst erfreulich angeklungen, und wir er-\ngreifen gern die Gelegenheit, durch Mittheilung des haupt-\nsächlichen Inhalts jenes Aufsatzes auch unsererseits dem\nwackeren Veteranen der Tonkunst, unserem rheinischen\nLandsmanne, unsere Achtung zu bezeigen.\nDie Redaction.\nJohann Hermann Kufferath gehört einer nieder-\nrheinischen Künstlerfamilie an. Er wurde den 12. Mai\n1797 zu Mülheim an der Ruhr geboren. Ein Schüler\nSpohr's im Violinspiel, den der Meister sehr begünstigte,\ngenoss er in der Composition den trefflichen Unterricht\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.4", "texte": "von Moriz Hauptmann in Leipzig. Ehe er nach Holland\nberufen wurde, bekleidete er die Stelle eines Musik-Di-\nrectors in Bielefeld.\nNach seiner beinahe dreiunddreissig Jahre lang unun-\nterbrochen fortgesetzten Wirksamkeit in der Universitäts-\nstadt Utrecht als städtischer Musik-Director und Gesang-\nlehrer fühlten seine Mitbürger das Bedürfniss, ihm und\nseiner Gattin bei dem Scheiden aus seinem Wirkungskreise\nund von der Stadt, dem Schauplatze derselben, ein Zeichen\nder dankbaren Erinnerung zu widmen, einer Erinnerung,\ndie um so dauernder sein wird, als sie sich an sein Wir-\nken für die Förderung, ja, für den Aufbau der Kunst\nin unserer Stadt knüpft. War auch vor seiner Zeit grosses\nInteresse für die Kunst hier vorhanden, wendeten auch\nManche ihre eifrigen Bemühungen auf eine allgemeinere\nBetheiligung an ihr, so stand doch im Vergleich mit an-\nderen Städten die Ausführung der musicalischen Kunst-\nwerke und m Folge dessen die Bekanntschalt mit den\nGrösseren Werken der classischen Schule noch auf keiner\no\nhohen Stufe.\nAm 30. Januar 1830 trat Kufferath seine Stelle an\nund sehr bald wurde sein Einfluss auf die Hebung des\nGesanges und auf die Ausführung der Orchesterwerke\nsichtbar. Durch sein kräftiges Einwirken auf die „städti-\nsche Gesangschule\", durch Einrichtung von Privat-Sing-\nschulen und vor Allem dadurch, dass er einen „Gesang-\nverein\" ins Leben rief, wozu ihm die einflussreichsten\nKunstfreunde die Hand boten, wurde es möglich, mit der\nAufführung kleinerer Yocalwerke zu beginnen und nach\netwa zwölf Jahren hier, wo man früher nur das „Halle-\nluja\" aus dem Messias, und zwar nur mit Orgelbegleitung\ngekannt hatte, das unsterbliche Werk Händel's vollständig\nund mit voller Orchester-Begleitung auf würdige Weise\naufzuführen.\nDie Reihe der Aufführungen in den ersten dreizehn\nJahren von Kufferaths Wirksamkeit brachte uns folgende\nWerke: A. Romberg „Macht des Gesanges\" 1830,\nRies „Der Morgen\" 1832, Haydn „Jahreszeiten\" I.\nTheil 1834, 111. Theil 1835, Händel „Alexanderfest\"\n1837, Spohr „Die letzten Dinge\" 1838, Fesca „Der\n103. Psalm\" 1838, Mendelssohn „Der 42. Psalm\"\n1840, Haydn „Die Jahreszeiten\" vollständig 1839,\nHändel „Der Messias\" den 24. April 1843.\n(Wer die unendlichen Schwierigkeiten und Hinder-\nnisse kennt, mit denen vor dreissig und noch vor zwanzig\nJahren, ja, wenn wir gerecht sein sollen, theilweise noch\nheute vollständige Chor- und Orchester-Aufführungen die-\nser und ähnlicher deutscher Meisterwerke in Holland zu\nkämpfen hatten, der wird das Verdienst ihrer Einführung\nzu schätzen wissen, zumal da sie in einer Stadt geschah.\nin welcher sich in der Studentenschaft die Biüthe der Ju-\ngend von Jahr zu Jahr versammelte, welche den Eindruck\nin sich aufnehmen und weiter tragen konnte. Die gegen-\nwärtige Stellung der Musik-Dirigenten in Holland ist wahr-\nlich eine leichte und mühelose im Vergleich zu den deut-\nschen Tonkünstlern, die, wenn auch von edeln und tüch-\ntigen Kunstfreunden in Niederland unterstützt, nur die\nersten Elemente vorfanden und aus ihnen den Bau gestal-\nten mussten, in welchem sich ihre Nachfolger nachher be-\nquem einrichten konnten!)\nDer oben angegebenen Reihe von Aufführungen fü-\ngen wir als die bedeutendsten noch folgende hinzu, welche\nKufferath hier ins Werk setzte. Wir hörten unter seiner\nLeitung: Händel Samson, Havdn Schöpfung 4 Mal,\nMozart Davidde penitente, Beethoven Messe in C-dur,\nSpohr Babylon's Fall 2 Mal, Spohr Vater unser, Men-\ndelssohn Paulus 2 Mal, Mendelssohn Elias 3 Mal,\nLobgesang 4 Mal, 42. Psalm 6 Mal, 95. Psalm 2 Mal.\n115. Psalm 3 Mal. Walpurgisnacht 4 Mal, das Pinale der\nLorelei 2 Mal, Schumann Paradies und Peri, Der Rose\nPilgerfahrt, Gade Comala, Erlkönigs Tochter. Hiller\nChristnacht, Lorelei, Reinthaler Jephta und seine Tochter.\nZu solchen Aufführungen war natürlich auch eine\nHeranbildung von tüchtigen Instrumentalisten nöthig. Kuf-\nBemühungen um die Stiftung und Entwicklung\neiner städtischen Instrumental schule hielten glei-\nchen Schritt mit seiner Sorgfalt für die Gesang-Institute.\nWir haben ihnen eine Anzahl nützlicher Orchester-Mitglie-\nder zu verdanken, von denen Yioch jetzt viele mitwirken.\nDie Aufführungen von Orchesterwerken wurden durrh\nihn dermaassen vorbereitet und vervollkommnet, dass, ob-\nschon man vor seiner Herkunft nur eine einzige Sinfonie\nvon Beethoven auszuführen Mühe hatte, unter seiner Leitung\ndreissig Sinfonieen und mehr als fünfzig Ouvertüren,\nwelche hier früher ganz unbekannt waren, ein-\nstudirt und auf befriedigende, häufig treffliche Weise aus-\ngeführt worden sind. Dazu gehören unter anderen von\nBeethoven die Nummern 111., IV., V.. VII. und VIII.. von\nSchubert in C-dur,von Spohr 11. und 111. (Weihe der\nTöne), Gade I. und 111., Schumann I. und 111., Mendels-\nsohn 1., 111. und IV., Maurer in Lachner I. und\nVI., Rubinstein (Ocean). Verhülst (Preis-Sinfonie), Nicolai\n(Manuscript).\nVon J. H. Kufferaths Compositionen heben wir die-\njenigen hervor, die für uns in Utrecht das grösste Interesse\nhatten. Bei seiner umfassenden Thätigkeit als Lehrer und\nals Director des städtischen Orchesters, des Gesangvereins,\nder Stadt-Concerte, der Studenten-Concerte. des Männer-\nGesangvereins. der Gesang- und der Orchesterschule fand\ner dennoch Zeit zum Schaffen bedeutender Werke, an"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.5", "texte": "deren Spitze wir die „Ju bei -Ca nt ate zur Feier der\nGründung der Universität vor zweihundert Jahren\"\n(1036 durch die Stände der Provinz) stellen. Dieses grosse\nWerk wurde den 17. Juni 1836 d urch einen Chor von\n300 Sän gern und Sängerinnen und durch ein Orchester\nvon 117 lnstrumentalisten zum ersten Male und mit gros-\no\nsem Erfolge aufgeführt und im Jahre 1837 und 1857\nwiederholt*). Weiter verdienen ehrenvolle Erwähnung\nseine ebenfalls umfangreiche Cantate zur zweihundertjäh-\nrigen Jubelfeier der Gründung der Stadt-Concerte („Colle-\ngium musicum Ultrajectinum\")am 14. März 1833; fer-\nner eine Cantate zu einer Festfeier der Gesellschaft für\nGemeinnützigkeit, eine andere für Männerchor bei Gele-\ngenheit der Aufstellung der Büste von Berzelius in unserem\nberühmten Laboratorium, mehrere Ouvertüren u. s. w.\nAn der Hebung des Gesanges bei uns hat aber auch\nFrau Elisabeth Sophia Kufferath, geborene Reint-\njes, durch Vorbild und Lehre den grössten Einlluss ge-\nhabt. Ih re künstlerische Mitwirkung im Gesangvereine und\nihre treffliche Ausführung der Solo-Partiecn in den classi-\nschen Compositionen. so dass z. B. ihr Vortrag der Arie:\n„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\", Allen, die ihn gehört\nhaben, noch unvergesslich ist. gewährten nicht nur einen\nhohen Kunstgenuss, sondern waren auch eine wirksame\nAnregung und Förderung des echten Kunstsinnes. Im\nJahre 1836 sang sie auch auf dem Musikfeste zu Amster-\ndam die Sopran-Partie**).\nWenn schon bei der Jubelfeier (1855) der fünfund-\nzwanzigjährigen Wirksamkeit Kufferaths in seiner hiesigen\nStellung ihm grosse Anerkennung durch feierliche Veran-\nstaltungen und Ehrengeschenke zu Theil geworden, so\nvereinigte sich doch Alles, um jetzt, als ihm auf seinen\nAntrag die Entlassung mit Pension bewilligt wurde, dem\ntrefflichen Künstlerpaare Beweise der herzlichsten Dank-\nbarkeit und dauernden Erinnerung zu geben.\nr er\nDer Vorstand des Gesangvereins lud den Herrn Mu-\nsik- Director und seine Gattin ein, noch einmal zum Ab-\nschiede einer Hebung des Vereins beizuwohnen. In der\nPause wurden Beide in einen anderen Saal geführt, wo\nsie zu ihrer Ueberraschung eine zahlreiche Versammlung\nvon Künstlern und Kunstfreunden, Mitgliedern des Orche-\nsters und ehemaligen Schülern u. s. w. fanden. Der Prä-\nsident des Vereins, Herr J. I). Gerlings, hielt eine Anrede\nund hat die Gefeierten im Namen der Versammlung, ein\nbleibendes Erinnerungszeichen an Utrecht anzunehmen.\nHierauf wurde das kostbare Ehrengeschenk enthüllt, das.\naus der Werkstatt des Herrn G. F. W. Bauer hierselbst\nhervorgegangen, ein prachtvolles Kunstwerk bildet. Auf\neinem kolossalen Grundgestell von Ebenholz, das von sil-\nbernem YVeinlaub umschlungen ist, ruht ein griin-krvstal-\nlenes Fass, reich von silbernen Reben umwunden, die bis\nzu dem silbernen Krahnen am Fusse sich hinabranken.\nOben befindet sich eine breitere Weinranke mit Trauben,\nzwischen denen ein Partiturbuch mit der Ueherschrift\n„Fest-Cantate\" nebst musicalischen Emblemen angebracht\nist und auf dem Ilachen Deckel die Inschrift: „J. H. Kuffe-\nrath und E. S. Kulferath-Reintjes gewidmet zu Utrecht 3.\nOctober 1862 von Freunden, Schülern und Verehrern.\"\nAm Fussgestell ist ein weiss-krvstallenes Plateau so an\"e-\n-j P\nbracht, dass es gedreht werden kann, um die zwölf Wein-\ngläser mit reich in Silber getriebenen Füssen eines nach\ndem anderen unter den Krahnen zu bringen. Zugleich\nwurde dem Paare ein zierliches Album, die Namen der\nGeber enthaltend, überreicht, während von dem Männer-\nchor unter der Direction des Herrn Craevvanger Men-\ndelssohn's Festgesang „An die Künstler* angestimmt\nwurde.\nAm folgenden Abende brachte die Capelle der utrecht'-\nschen Schütterev (Schützen) unter Leitung des Herrn C.\nCoenen dem Künstlerpaare ein Ständchen mit Fackel-\nzug. und Tags darauf versammelten sich am Morgen der\nAbreise noch Viele zum letzten Ahschiedsgrusse. und eitte\nbefreundete Familie gab dem Paare das Geleite bis zur\ndeutschen Gränze.\nUtrecht.\n\nr) Der Clavier-Auszug ist bei R. Nathan in Utrecht erschie-\nnen. Ausführliche Beurtheilung in E. G. Lageman's Muzilcaal\nTijdschrift, Haag, 1880.\n**) Frau Kufferatli- R e i n tj e s ist zu Cleve den 13. September\ngeboren. Ihre schöne, klare, hohe Sopranstimme erregte\nfrüh die Aufmerksamkeit der Kunstfreunde ihrer Vaterstadt,\nnamentlich des verstorbenen Notars Thomä, eines gründlichen\nDilettanten, dem die musicalischen Zustände in Cleve viel zu\nverdanken haben. Später wurde sie eine Schülerin des Musik-\nDirectors J. Schornstein in Elberfeld und war in den er-\nsten zehn Jahren des Bestehens unseres niederrheinischen\nMusikfestes eine vorzügliche und mit Recht beliebte Ver-\ntreterin der Sopran-Solo-Partieen. L B.\n\nNienwenhuysen.\n\nAufmunterungen der Künstler in Oesterreich.\nDurch das Finanzgesetz für das Jahr 1863 wurde\neine Summe von 10,000 Fl. für Stipendien zur Unter-\nstützung an unbemittelte und hoffnungsvolle Künstler in\nallen Zweigen der Kunst bestimmt und die Verwendung\ndieser Summe in die Hände des Staats-Ministeriums gelegt.\nIn Fol ge dessen wurde von Seiten des letzteren eine (Kom-\nmission niedergesetzt, berufen, die Ansprüche auf die Un-\nterstützung zu prüfen und dem Staats-Ministerium Anträge\nzu stellen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.6", "texte": "Das Resultat dieser Berathungen ist mitgetheilt, und\nes wurden 16 Künstler betheiligt, unter denen sich 7 Ma-\nler, 6 Bildhauer, 2 Musiker und 1 Dichter befinden. Die\nBetheiligten gehören allen Kronländern an; es finden sich\ndarunter 5 Böhmen, 5 Wiener (darunter 1 Musiker und\n1 Dichter), 2 Ungarn und 1 Siebenbürger magyarischen\nStammes, und je ein Salzburger, Venetianer und Nieder-\nOesterreicher,\nEs dürfte für weitere Kreise interessant sein, über den\nUmfang der Betheiligung, über die Grundsätze, welche zur\nAnwendung gekommen sind, und die Wahrnehmung,\nwelche man bei dieser Gelegenheit machen konnte, genaue\nDetails zu erhalten, welche wir, auf eingehende Informa-\ntionen gegründet, mittheilen.\nDie Betheiligung an den Stipendien war eine sehr leb-\nhafte; wie begreiflich, ist die bildende Kunst am meisten\nvertreten, die Zahl der Competenten war auf dem Gebiete\nder bildenden Kunst 58; unter diesen 58 gehörte einer\ndem Fache des Kupferstiches, 5 der Architektur, 14 der\nBildhauerei und 38 der Malerei an. Dem Geburtslande\nnach gehörten IT nach Böhmen, 15 nach Nieder-Oester-\nreich, Wien mit eingeschlossen, 7 nach Ungarn; die an-\nderen vertheilten sich so ziemlich auf alle Kronländer der\nMonarchie. Relativ viel geringer war die Zahl der Musiker\nund der Dichter. Die Zahl der Ersteren betrug 15, der\nLetzteren 13, und aus der Reihe dieser musste eine nicht\nunbeträchtliche Zahl ausgeschieden werden, da die Ten-\ndenz des Stipendiums offenbar auf schaffende und nicht\nbloss reproducirende Künstler gerichtet ist.\nSo schwierig es ist, bei Vertheilung von Stipendien\nden richtigen Weg einzuschlagen, durch Zuweisung der-\nselben strebsamen und produetiven Talenten unter die\nArme zu greifen, so schwierig es speciel in Oesterreich\nwar, zum ersten Male unter so verwickelten Verhältnissen\ndie Frage praktisch zu lösen, so kann man nicht verken-\n•\nnen, dass die Bestimmungen, wie sie der hohe Reichsrath\ngestellt hatte, der Sache selbst sehr förderlich waren. Die-\nselben waren nur in zwei Punkten beschränkend, in Be-\nziehung auf die Mittellosigkeit und auf das, was man einem\nKünstler gegenüber hoffnungsvoll nennt. In allem Anderen\nwurde freie Hand gelassen. Es hatte allerdings seine\nSchwierigkeiten, die Gränzen des Begriffes „hoffnungsvoll\"\neiniger Maassen festzustellen, aber es war von grossem\nVortheile, dass man keine bestimmten Aufgaben stellte,\ndie Höhe des Stipendiums nicht fixirte und Raum für Be-\nfriedigung der mannigfaltigsten Bedürfnisse liess. Wer\nkennt nicht die Verschiedenartigkeit derselben bei jungen,\nstrebenden Künstlern? Der eine braucht zu seiner Ausbil-\ndung eine Studienreise, ein zweiter Mittel zur ungestörten\nAusführung eines grösseren Werkes; der eine trägt in\nseinem Busen eine unbefriedigte Sehnsucht nach Rom und\nFlorenz, ein anderer fühlt das Bedürfniss, sich in dem be-\nwegten Kunstleben von Paris zu orientiren. Durch die all-\ngemeine Fassung des Reichsraths-Beschlusses war man in\nder angenehmsten Lage, auf die mannigfaltigsten Bedürf-\nnisse einzugehen und sie, wenn auch nur in bescheidener\nWeise, zu befriedigen. Zur Ehre des österreichischen\nKünstlerstandes müssen wir gestehen, dass unter den zahl-\nreichen Anforderungen keine einzige vorkam, die über-\nspannt genannt werden konnte.\nIn einer peinlichen Lage befand sich die Commission\njenen Künstlern gegenüber, welche nicht in die Reihe der\nnur hoffnungsvollen, sondern in die der fertigen Künstler\ngehören, denen nicht mit einem Stipendium, sondern mit\neinem Auftrage oder einer Pension gedient wäre.\nDas ständige Comite hat an das hohe Staats-Ministe-\nrium die Bitte gestellt, jene Künstler, welche als fertige\nKünstler keine Stipendien, sondern Aufträge verlangen,\nan jene-Hof-, Staats-, Landes- und Communal-Behörden\nund Körperschaften zu empfehlen, welche in der Lage\nsind, Aufträge zu ertheilen. Das Staats-Ministerium ist in\nbereitwilligster Weise auf den Wunsch der Commission\neingegangen, und die österreichische Künstlerwelt rechnet\num so zuversichtlicher auf Erfüllung dieses Wunsches,\nweil insbesondere die Communen und die Provincial-Be-\nhörden und Körperschaften sich bis jetzt, abgesehen von\neinzelnen sehr ehrenvollen Ausnahmen, nur seilen um die\nFörderung von landesangehörigen Künstlern in der Weise\nbekümmert haben, wie dies in Frankreich und Belgien der\nFall ist.\nDie Fälle, wo Pensionen vertheilt werden können,\ndürfen ihrer Natur nach nur Ausnahmefälle sein; die Auf-\nträge aber, welche den Künstlern übertragen werden sol-\nlen, müssen in dem geordneten Haushalte jedes Cultur-\nstaates zur Regel werden. Sollen sie nützen, so dürfen sie\nnicht wie Almosen vertheilt werden, nicht für müssige Ga-\nleriewerke, nicht zur Belohnung der Mittelmässigkeit ver-\nwandt werden: sie müssen in Oesterreich namentlich allen\nKronländern zu Gute kommen und lebendige Bedürfnisse\nder Völker befriedigen ; durch sie soll der Kreis der Kunst-\nbedürfnisse erweitert, der Geschmack gebildet und das\nGefühl der Gemeinsamkeit geistiger Interessen im gesamm-\nten Reiche gestärkt und gehoben werden.\n(Wiener 81. f. Theater u. s. w.)"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.7", "texte": "Aus Petersburg.\n(Concerte unter A. Rubin stein Quartett-Abende Con-\nservatorium.)\nEs dürfte interessant sein, aus den hierbei nachfolgen-\nden Programmen der zehn Concerte der russischen Mu-\nsik-Gesellschaft in Petersburg, welche unter der Di-\nrection von Anton Rubin stein in der verflossenen Saison\nStatt landen, in etwa die Geschmacksrichtung kennen zu\nlernen, welche die Concertmusik im Vaterlande Glinka's,\nUlibischefi's und Rubinstein's nimmt. Ueber die italiänische\nOper, welche hier dieselbe ist, wie überall, dürfte jede\nNotiz überflüssig und langweilig sein, lieber die National-\nbühne wird uns aber mit Nächstem ein Bericht zugehen.\nDie erwähnten Programme sind: Erstes Concert. Ouver-\ntüre „Hebriden\" von Mendelssohn; Phantasie über russi-\nsche Lieder für Orchester und Chor von K. N.Liadoff; Con-\ncert (D-mott) für Ciavier von J. S. Bach; Musik zu „Man-\nfred\" von Schumann; Sinfonie Nr. 4 von Beethoven.\nZweites Concert. Ouvertüre „Coriolan\" von Beethoven;\nHymne für eine Altstimme mit Chor Op. 96 von Mendels-\nsohn; Sinfonie (D-dur) von Mozart; Concert (.F-moll) für\nClavier von Chopin; Lieder am Ciavier; Ouvertüre „Russ-\nlan und Ludmilla\" von Glinka. Drittes Concert. Rhapsodie\nhongroise, instrumenta von Ch. Schuberth, von Fr. Schu-\nbert; Chor aus dem Oratorium Jephta von Händel: Con-\ncert lür Violine von Yiotti; Sinfoniesatz von Gusakowsky;\nChor (a capella) von Carissimi; Sinfonie (Es-dur) von Schu-\nmann. Viertes Concert. Ouvertüre „Anakreon\" von Che-\nrubim; Cantate „Bleibe bei uns\" von .!. S. Bach; Concert\n(G-moll)lür Clavier \\on Mendelssohn; Ballet aus der Oper\n„Die Mainacht\" von Sokalsky; Phantasie für Clavier mit\nChor von Beethoven; Ouvertüre „Tannhäuser\" von Wag-\n\"er* fünftes Concert. Jubel-Ouverture von C. M. v. We-\nher; Arie „Ah perfido!\" von Beethoven; Concert für Vio-\nline von Wieniawski; Arie Staba (Bass) von Rossini;\nOuvertüre „Dame Kobold\" von Reinecke; Lieder am Gla-\nuer; Sinfonie Nr. 3 von Beethoven. Sechstes Concert.\nOuvertüre „Ossiansklänge\" von N. W. Gade; Chöre aus\nder Oper „Dämon\" von Vietinghoff; Concert für Violon-\ncell von Dawidoff; Ouvertüre Op. 115 von Beethoven;\nMusik zu den „Ruinen von Athen\" von Beethoven; Sinfo-\nnie ( C-dur)von hr. Schubert. Siebentes Concert. Ouver-\ntüre „Lach asse du jeune Henri\"von Mehul; Romanze\naus „I1 reischütz\" von C. M. v. Weber; Concert (G-dur) für\nClavier von Rubinstein; „*Le de, Ode-Sinfonie von\nDavid; Musik zu „Egmont\" von Beethoven.—Achtes Con-\ncert. Ouvertüre „Hermann und Dorothea\" Von Schumann;\nScenen aus der Oper „RatclifF\" von C. Kui; Concert für\ndie Violine von Lipinski: Ißc'cne d'amow und „La reine\nMab- aus der Sinfonie „Romeo von H. Ber-\nüoz; Scenen aus der Oper „Alceste\" von Gluck; Sinfonie\n(A-dur)von Mendelssohn. Neuntes Concert. Ouvertüre\nNr. I,op. 138, „Leonore\" von Beethoven; Morgenhymne\naus der Oper „Vestalin\" von Spontini; Scherzo\ninstrumentirt von Th. Leschetitzky, von Mendelssohn; Arie\naus der „Schöpfung\" von Haydn; von\nGlinka; „Nachthelle\", Chor von Fr. Schubert; Lieder am\nClavier; Sinfonie (C-dur)von Schumann.—Zehntes Concert.\nOuvertüre „Waldnymphe\" von W. S. Bennet; Arie\nbat mater(Sopran) von Rossini; Concert für Cla-\nvier von C. M. v. Weber; Ballet aus der Oper „Gromoboi\"\nvon Werstowsky; Sinfonie Nr. 9 mit Chor von Beethoven.\nDie Programme der acht Quartett-Abende wa-\nren: Erste Soiree. Quartett (F-dur) von Ilaydn ; Sonate\n(D-dur) für Clavier und Violoncell von Mendelssohn; Quar-\ntett E-moll von Beethoven. Zweite Soiree. Quartett (mit\ndem zweiten Preise von der Musik-Gesellschaft gekrönt)\nvon Kastriot Scanderbeg; Sonate lür Clavier und Violine\n(Kreutzer gewidmet) von Beethoven; Quartett [D-dur) von\nMendelssohn. Dritte Soiree. Quartett (D-moll) von Mo-\nzart; Trio (C-mo!l) für Clavier von Beethoven; Quartett\n(B-dur, Op. 130) von Beethoven. Vierte Soiree. Quartett\n(D-dur) von Haydn; Sonate (C-moll) lür Clavier und Vio-\nline von Beethoven; Quartett (Es-dur, Op. 127) von Beet-\nhoven.— Fünfte Soiree. Quartett (A dur) von Mendelssohn;\nTrio (F~dur) für Clavier von Schumann; Quartett (F-moll,\nOp. 95) von Beethoven. Sechste Soiree. Quintett (A-dur)\nvon Mendelssohn; Sonate Es-dur für Clavier und Clari-\nnette von C. M. v. Weber; Quintett (C-dur, Op. 29) von\nBeethoven. Siebente Soiree. Quartett (mit dem ersten\nPreise von der Musik-Gesellschaft gekrönt) von Afanassieff;\nQuartett (Es-dur) für Clavier von Schumann; Quartett\n(C-dur) von Mozart. Achte Soiree. Quintett (A-moll) von\nOnslow; Trio (B-dur% Op. 97) für Clavier von Beethoven;\nQuintett (C-dur) von Fr. Schubert.\nDie P reis-Aufgabe für dieses Jahr bestand in einer\nOuvertüre für Orchester mit gewöhnlichen Hörnern und\nTrompeten; aber nach Prüfung der eingesandten Ouvertü-\nren erwies sich keine von ihnen preiswürdig.\nAm 8. September v. J. ist das Conservatorium unter\nder Direction von Anton Rubinstein eröffnet worden.\nDie Zahl der Schüler dieses Jahres ist 175 beiderlei Ge-\nschlechts, verschiedenen Alters und aller Stande der Gesell-\nschaft ohne Ausnahme. Gelehrt wird in dem Conservato-\nrium alles, was ins musicalische Fach gehört, ausserdem\nfür die, welche es wünschen, russische, deutsche und ita-\nliänische Sprache und Literatur, Geschichte, Geographie,\nMathematik, Religion, Kalligraphie und Notenschrift.\nDer Schüler zahlt für den Gesammt-Unterricht 100 Rubel\njährlich, die er halbjährlich zu je 50 Rubel im Voraus"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630704-01.1.8", "texte": "abzutragen hat; es steht ihm Irei, nach Ablaut eines hal-\nben Jahres aus dem Conservatorium auszutreten. In die-\nsem Jahre konnte noch kein öffentliches Examen Statt fin-\nden, doch hat ein Privat-Examen Statt gefunden, das auf\ndie besten Ergebnisse in Zukunft hoffen lässt. Die mos-\nkauer Fi Ii al-Gesell sehaft halte sich auch in diesem\nJahre des besten Erfolges zu erfreuen; auch sind daselbst\neinige Lehrclassen eingerichtet worden, wie z. B. Gesangs-\nclasse und Elementarclasse. Das nächste Ziel des Directo-\nriums ist die Gründung solcher Filial-Gesellschaften und\nSchulen in den wichtigsten Städten des Reiches; doch muss\ndieser Plan noch in der nächsten Zeit unausgeführt blei-\nben, bis aus dem Conservatorium Leute kommen werden,\nwelche die Leitung von Concerten und die Lehrfächer\nin den zu gründenden Schulen zu übernehmen im Stande\nsein werden.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n%lieil« Sieben Jahre sind verstrichen, seitdem Bauer Ilfeld\nmit keinem neuen Werke auf dramatischem Felde vor der Oeffent-\nlichkeit erschien; das Lustspiel „Fata morgana\" war der letzte\nSendling seiner sonst thätigen Muse. Doch der geistreiche Schrift-\nsteller bat diese „ Jacobsfrist\" nicht müssig vergehen lassen: vier\nneue Bühnen-Producte und die Umarbeitung eines alten Stückes sind\naus seiner Feder geflossen. Dazu gehören das bereits aus früheren\nMittheilungen bekannte dj:eiactige Lustspiel „Melampe\", dann das\ngleichfalls dreiactige Lustspiel „Excellenz\", welches die Hofschau-\nspieler während ihres Gastspiels in Berlin aufFühren werden ; ferner\n„Gräfin Circe\", welche für die nächste Burgtheater-Saison zur Dar-\nstellung bestimmt ist, und schliesslich ein mehractiges Schauspiel,\ndas um die Zeit Friedrich's des Grossen spielt, dessen Titel aber\nnoch nicht festgestellt ist. Auch das Preis-Lustspiel „Der kategori-\nsche Imperativ\" ist gänzlich umgearbeitet.\nDirector Laube in Wien hat einen schweren Verlust erlitten.\nSein einziger Sohn Hans, ein junger, hoffnungsvoller Mann, ist am\n11. Juni nach einer langen und schmerzlichen Krankheit im 26-\nLebensjahre gestorben. Die Theilnahme an diesem traurigen Ereig-\nnisse ist eine allgemeine.\nZu MdhuTs einhundertjährigem Geburtstage kommt dessen Oper\n„Jacob und seine Söhne\" in Dresden zur Aufführung.\nBasel* Hier herrscht seit einigen Jahren wieder ein sehr reges\nMusikleben, welches wir den zahlreichen edeln Kunstfreunden und\nden Musik-Dirigenten Reiter, Lutz, Dr. Hauschild und Hu-\nnold verdanken. Das vorletzte Concert brachte Wagner's „Faust-\nOuverture\", Chor aus Rameau's „Castor und Pollux\", Gesang He-\nloisens und der Frauen von F. Hiller und die Manfred-Musik von\nR. Schumann. Das letzte, in der Martinskirche gegebene, enthielt\nMozart's O-moll-Sinfonie, Mendelssohn's Ouvertüre zu den „Hebri-\ndenu und Beethoven's JL-cZwr-Sinfonie, unter Reiter's Leitung vor-\ntrefflich ausgeführt. Der Gesangverein hatte in der Martinskirche\nein geistliches Concert veranstaltet, in weichem Einzelnes aus Hän-\n„Messias\" und aus J. S. Bach's „Passionsmusik\" nach Matthäus,\nein fünfstimmiger Choral von Eccard, Lotti's „Crucißxus\" achtstim-\nmig und Pergolese's „Stabat maier\" für Sropan und Alt recht ge-\nlungen ausgeführt wurden. Dr. Hauschild gab ein Kirchen-\nConcert, das eine Sinfonie und nicht weniger als zehn Chöre von\nseiner Composition enthielt. Diesen Winter hat sich ein Orche-\nster-A erein junger Dilettanten gebildet, wie ähnliche schon in meh-\nreren schweizerischen Städten bestehen. Dirigent ist Herr Hunold.\nFerner haben wir noch einen akademischen Männerchor und einen\nQuartett-Verein der Herren Reiter, Abel, Fischer und Kahn dt.\nDas in Paris erscheinende Kunstblatt VEurope artiste gibt in\nseiner Nummer vom 31. Mai folgende interessante Notiz: ~ Vienne:\nMme. Nieman-Seebai (!) a debute dans le role de Marguerite de\nFaust. La grande cantatrice (!) a obtenu un legitime succesS (!!)"}]}