{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-07-18-01", "volume": "bmtnabi_1863-07-18_01", "ocr_sha256": "12f4b5840bedd0a279aeb801c5a456ad4f7a9b25132543509a71dd72e60fff81", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/07/18_01/bmtnabi_1863-07-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nDie Oper „Loreley\" von Emanuel Geibel und Max Bruch. 111. Von L. B. Richard Wagner's Nibelungen. Von Ed. H.\nDas münchener Musikfest im Herbste 1863. Tages- und Unterhaltungsblatt (München, „Der schwarze Domino\" Herr\nund Frau Rübsamen-Veith Wien, Liedertafel der „Donaunixe\" Preis-Ausschreiben des eidgenössischen Sängervereins Sängerfest in\nOedenburg). Musik-Beilage: „Gesang der Loreley\" aus der Oper „Loreley\" von E. Geibel und M. 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Die Einleitung\nin langsamem Zeitmaasse lässt die Melodie des Liedes der\nLenore anklingen, welches sie beim Credenzen des Bechers\nan den Pfalzgrafen Otto bei dem Hochzeitsfeste in der\nzweiten Scene des zweiten Actes singt; sie geht in den er-\nsten Auftritt über: Recitativ und Arie Otto's (Tenor), feu-\nriges Allegro in A-mottund Awelches aber bei der\nbeabsichtigten Aenderung der Introductions-Scene, wovon\nwir oben gesprochen, wahrscheinlich eine Umgestaltung,\nbeziehungsweise Kürzung erfahren dürfte.\nZunächst erklingt der Gesang Lenorens hinter der\nScene: „Seit ich von mir geschieden Und mich der Liebe\ngab\", als einfache Liedes-Melodie in B-dur, 4/4-Tact. Sie\nzeigt aber sogleich, eben so wie die in dem darauf folgen-\nden Duett mit Otto vorherrschende Partie des Soprans,\nwie der Componist den Charakter des schwärmerisch lie-\nbenden Mädchens aufgefasst hat, den er die ganze Oper\nhindurch hauptsächlich durch das melodische Element auf\nsehr gelungene Weise darstellt. Die Schwierigkeit der\nCharakteristik dieser Hauptrolle lag in der Verschmelzung\ndes musicalischen Ausdrucks der Empfindungen eines lie-\nbenden einfachen Landmädchens voll Unschuld und Natür-\nlichkeit mit der Darstellung der dämonischen Aufregung\neiner dem Geisterreiche verfallenen Jungfrau. Bruch ist\nhierin glücklich gewesen, indem er das rein Menschliche,\ndie Innigkeit des Gefühls und die Hingebung der Liebe\nvorzugsweise überall durchklingen und sich durch das dä-\nmonische Element der Rolle nirgends zu greller Phantaste-\nrei verleiten lässt. Zu dem bewegten Schlüsse des Duetts\nund dem schroffen Losreissen Otto's aus Lenorens Armen\nbildet das Ave Maria aus der Capelle hinter der Scene\n(Andante in Es, 3A-Tact) einen wirkungsvollen Gegensatz.\nZwischen dem meist sechsstimmigen Chor mit abwechseln-\ndem Solo-Quartett rankt sich Lenorens Gesang als ein\ninniges Gebet durch, von einer sanften, dem Sopran sich\nanschmiegenden Melodie des Violoncelis begleitet.\nDer Männerchor der Schiffer und Winzer (G-dur, l/\\-\nTact) mit den dazwischen tretenden Ermahnungen des\nalten Hubert ist voll frischen Lebens, zumal wenn nachher\ndie Frauenstimmen hinzutreten (h/8-Tact), wo sich dann\nein Doppelchor bildet, indem die Schiffer in den Nachen\nbeim Einladen der Fässer und dem Abfahren eine charak-\nteristische Melodie im Unisono (Tenor und ßass) singen,\nwährend der volle vierstimmige Chor mit Sopran und\nAlt den Segen des Herbstes begrüsst. Hier zeigt der\nComponist eine recht überraschende Gewandtheit in Be-\nhandlung von dergleichen munteren Volksscenen in einer\nSchreibart, die weder etwas Schwerfälliges noch Geziertes\nan sich hat. Davon zeugt denn auch das artige Liedchen\nim Volkstone, mit welchem eine Winzerin Lenoren ver-\nkündet, dass sie zur Begrüssung des fürstlichen Brautpaa-\nres gewählt sei.\nUeber die darauf folgende Episode, die Scene zwischen\nReinald und Lenore, haben wir schon gesprochen. Die\nMusik enthält sowohl in Reinald's Partie als in dem daraus\nsich entspinnenden Duett viel Schönes, allein es ist, auch\nrein musicalisch genommen, zu viel Sentimentales dadurch\nin den ersten Act gehäuft, wodurch der Eindruck der Mu-\nsik, zumal da die Handlung (wie schon gesagt) hier stockt,\ngeschwächt wird.\nDie folgende grosse Scene, der Brautzug und die Ent-\nhüllung des Geheimnisses, beginnt mit einem schwungvollen\nMarsche und allgemeinen Chor moderaio,\n4/4-Tact), welcher letztere besonders in seinem Mittelsatze\ngut gearbeitet ist, ohne die Gränzen zu überschreiten,\nwelche der Charakter des Ganzen der eigentlichen Poly-\nphonie vorzeichnet. Das Quartett zwischen Bertha, Otto,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5426, "texte": "Reinald und Hubert (.Andante sostenuto, Fis-moll, %-Tact)\nist ein schöner Satz, der aber nur durch Vereinigung voll-\nendeten musicalischen und mimischen Ausdrucks zu voller\nWirkung kommen kann.\nNach der Entfernung des Brautzuges tritt die Ver-\nwandlung ein, und es folgt das binale des ersten Actes*).\nDieses grosse Finale bekundet auf eine glänzende Weise\nden Beruf des Componisten zu dramatischer Musik. Natür-\nlich liegt der Vergleich mit der Composition desselben\nStückes durch Mendelssohn nahe, er drängt sich uns fast\nauf, und so wollen wir denn auch ganz offen aussprechen,\ndass die gegenwärtige die frühere zunächst in der Leiden-\nschaft und dem Schwünge des Gesanges der Lenore, in\ndem strömenden Guss und der fortwährenden Steigerung\ndesselben bei Weitem übertrifft, dann aber auch im Gan-\nzen genommen in Chor und Orchester durch fortschrei-\ntende Bewegung und dramatisches Leben bühnenmässiger,\ntheatralischer im besten Sinne und eben dadurch wirksa-\nmer und hinreissender ist, als jene. Eine musicalische Ana-\nlyse dieses Finales würde zu nichts führen, da sie unmög-\nlich eine Vorstellung von dem Eindruck geben kann, den\nes macht; diesen muss man hören und erleben. Die Haupt-\nTonarten, in denen es sich bewegt, sind B-moll, Des-dur\nund B-dur;das Orchester ist trefflich behandelt und sehr\nwirksam, obwohl der Componist nicht danach trachtet,\ndurch gesuchte Klang-Effecte und Ueberladung der Menge\nzu imponiren: er wendet kein unedles, kein unschönes\nMittel an, das Ganze kann vor dem strengsten harmoni-\nschen Tribunale bestehen.\nDer zweite Act enthält zwei grosse Scenen, die Hoch-\nzeitsfeier und ihre Unterbrechung durch Lenorens Zauber-\nlied, und im Finale das geistliche Gericht über Lenore,\nihre Freisprechung und den Ausspruch des Kirchenbannes\ngegen den Pfalzgrafen. In der ersten Scene ist eine Ro-\nmanze Reinald's bemerkenswerth; den Kern aber bildet\ndas Lied Lenorens, mit welchem sie dem Pfalzgrafen den\nBrautpocal credenzt und die Ritter bezaubert, und den\nentbrennenden Zwist durch ihren Gesang schürt. Wir ge-\nben in der Beilage das Lied der Loreley-Lenore. Schon\ndiese Probe wird hinreichen, das, was wir oben über das\nCharakteristische in der Partie der Lenore gesagt haben,\neiniger Maassen zur Anschauung zu bringen; man achte\nbesonders auf die Rückkehr des am Schlüsse. Bei\nder Wiederholung ist die veränderte Begleitung in den\nersten zwei Tacten angedeutet. In dem darauf folgenden\ntobenden Aufruhr des Werbens der Ritter um Lenore und\nder zügellos ausbrechenden Leidenschaft Otto's, den ihr\ndämonischer Gesang: „Flammen der Minne\" u. s. w. noch\närger aufregt, bewährt sich das bedeutende Talent des\nComponisten für Behandlung von Tonmassen und Solo-\nstimmen zu grossen Ensemblestücken. Und dennoch über-\ntrifft das Finale, das nach einer sehr schönen Arie der\nBertha eintritt, die eben geschilderte Scene noch an gross-\nartiger Wirkung durch ihre treffliche Musik; die Priester-\nchöre mit Orgelbegleitung, der schmerzlich entsagende\nGesang Lenorens:\n„Führt mich zum Tode\nMeine schwarze Kunst das ist mein Schmerz,\nMein Zauber ein gebrochen Herz\nUnd Einer weiss, warum\"\ndas Terzett zwischen Otto, Reinald und dem Erzbischof\n(Tenor, Bariton und Bass) mit vollstimmigem Chor—eine\nwahre Perle der Oper und zuletzt der Bannfluch über\nOtto, das alles bildet ein Ganzes, das wahrlich nicht bloss\nals ein glücklicher Wurf eines jugendlichen Genies, son-\ndern als die Frucht eines gereiften Meisters erscheint. Diese\nsichere Behandlung aller musicalischen Mittel im Bunde\nmit einem ungewöhnlichen Erfindungs-Talente war für\nalle Musiker von Fach, die zugegen waren, eine grosse\nUeberraschung.\nDer dritte Act besteht nur aus drei Scenen. Die erste\nführt uns einen munteren Chor der Winzer und Win-\nzerinnen vor, die den Segen des Herbstes preisen. Der alte\nHubert unterbricht ihre Heiterkeit mit der Trauerkunde\nvom Tode der jungen Pfalzgräfin und von der Verblen-\ndung ihres unglücklichen Gatten durch Lenore, sein eige-\nnes Kind. Das Lied in zwei Strophen, das darauf folgt,\nwurde von manchen Zuhörern angefochten, als unpassend\nan dieser Stelle. Wir können das nicht finden; es ist dem\nAlter eigen, bei eintretendem Missgeschick seine Klage aus-\nzusprechen und seine Empfindung mit der Erinnerung an\ndie Jugend, die vom Unheil nichts ahnte, zu verbinden.\nDas Lied scheint uns desshalb ganz gerechtfertigt, und\nmusicalisch (Andante in D-moll, %-Tact) ist es das vollends,\nda die Composition sehr gut gelungen ist. Die Landleute\nfolgen dem Alten in die Kirche, aus welcher ein De pro-\nfundis mit Orgelklang herübertönt. Während dessen tritt\nOtto auf, matt und gebeugt. Die grosse Gesangscene, die\nnun folgt, ist ein wahres Prachtstück für den Tenor; Reci-\n\n*) Bei den Aufführungen in Mannheim sah man sich des De-\ncorationswechsels wegen genöthigt, vor dem Finale eine Ab-\ntheilung zu machen und einen Zwischenvorhang fallen zu\nlassen. Das darf aber durchaus nicht sein; die Nacht ist herein-\ngebrochen schon am Ende der vorigen Scene, und Lenore eilt\nunmittelbar darauf voll Verzweiflung an das Ufer des Stromes.\nAuch musicalisch genommen bildet die vorige Scene keinen\nActschluss, da der Componist mit richtigem Gefühle in dem\nNachspiel im Orchester nach dem verhallenden Chor die un-\nheilvolle Wendung des Brautfestes nachklingen lässt. Dagegen\ndürfte nach der Verwandlung ein längeres Vorspiel, als das\ngegenwärtige, vor der Erscheinung der Geister und dem Ein-\ntritt des Chors zu wünschen sein."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3121, "texte": "tativ, Adagio (Schmerz um Bertha's Tod und sein Geschick)\nund Allegro („Rückwärts schlägt sich keine Brücke Soll\nich knabenhaft entsagen? Nein, das Letzte muss ich wa-\ngen\" u. s. w.) Alles ist vortrefflich, voll melodischen\nSchwunges und hinreissender Leidenschaft, der Schluss\nüberaus effectvoll. Stürmischer Applaus muss überall fol-\ngen, so wie er in Mannheim Herrn Schlösser zu Theil\nwurde, der diese Scene, besonders bei der zweiten Vor-\nstellung, sehr schön vortrug.\nOtto stürzt ab. Die Verwandlung zeigt in der Tiefe\nder Bühne den Rhein, auf der Felsenklippe, welche in den\nStrom vorspringt, die sitzende Lenore ein schöner An-\nblick, gleichsam die Loreley-Sage in einem lebenden Bilde.\nDie Musik verklärt das Gemälde, indem die Blas-Instru-\nmente über dem leisen Tremolo der tiefen Geigen und\nBässe in sanften Harmonieen von aus in getragenen\nAccorden sehr schön nach der Dominante moduliren, auf\nderen Grundlage dann, während die Holz-Blasinstrumente\nin eigenem Gesänge aufsteigen, das Horn die Volksmelodie\nvon Silcher: „Ich weiss nicht, was soll es bedeuten\",\nertönen lässt, auf welche schon vorher einzelne Anklänge\nhindeuteten. Es ist dies eine recht glückliche Idee des Com-\nponisten, eine musicalische Verdolmetschung des Bildes,\ndas uns in dieser Scene zum ersten Male die Loreley in\nder Gestalt, welche die Sage ihr gegeben, zeigt. Der darauf\nfolgende Gesang Lenorens: „Ich habe mein Herz verlo-\nren\", in E-moll ist melodisch und ausdrucksvoll, allein die\nKrone des Ganzen ist das Finale, das mit Otto's Erscheinen\neintritt. Zum letzten Male bricht seine Leidenschaft aus,\ner beschwört Lenoren, der Seligkeit der Liebe zu geden-\nken; die steigende Gluth, mit welcher er um sie wirbt,\nLenorens Abwehr, der Kampf in ihrem Herzen, das den\nmenschlichen Gefühlen entsagen will und doch zu wanken\nbeginnt—alles das stellt der Componist in einem grossen\nDuett dar, welches durch melodischen Strom und fort-\nwährende Steigerung hinreisst, bis der schauerliche Ruf\nder unsichtbaren Geister: „Halt ein, verfehmte Braut!\"\nerschütternd ertönt, Lenore sich losreisst, auf die Klippe\neilt und den Unglücklichen dem Verderben weiht. Otto\nstürzt sich in den Strom, und Lenorens Gesang (in der\nMelodie aus dem zweiten Acte, jetzt in erschallt\nmit Harfen- und glänzender Instrumental-Begleitung vom\nFelsen herab: „Wer hinfort mir naht und die Treue ver-\nrieth, Ihn reisst mit Gewalt in den Strudel mein Lied!\"\nEine prachtvolle Decoration schliesst die Scene; die stei-\ngenden Fluten heben die Fee empor und der Chor der\nGeister feiert sie als Königin des Rheines.\nAlles erwogen, gereicht dieser letzte Act dem Com-\nponisten zur grössten Ehre, denn die herrliche Wirkung\ndesselben, die nach den grossen und imposanten Scenen\nder beiden ersten Acte zweifelhaft erscheinen musste, ist\nganz und gar sein Werk; nur eine solche Musik war im\nStande, die Theilnahme nicht bloss bis zum Schlüsse zu\nfesseln, sondern sogar zu steigern.\nMöge das schöne und echt deutsche Werk denn seinen\nWeg machen! Unsere grossen Bühnen werden es nicht\nbereuen, ihre reichen Mittel einmal auf ein vaterländisches\nKunstwerk verwandt zu haben.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "227", "page_fin": "231", "image_debut": 3, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.2.3", "titre_corps": "Richard Wagner’s Nibelungen.", "titre_sommaire": "Richard Wagner’s Nibelungen.", "signature_source": "Ed. H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.3", "debut_caractere": 3123, "fin_caractere_exclue": 5180, "texte": "Richard Wagner’s Nibelungen.\n\nAls wir jüngst gelegentlich der Grundsteinlegung des\nneuen Opernhauses hier in Wien ein Gesammt-Gastspiel\nder vorzüglichsten Sänger von ganz Deutschland anregten,\nda ahnten wir nicht, dass wir in diesem Lieblingswunsche\nmit Niemand Geringerem als Richard Wagner zusam-\nmengetroffen waren. In der That dringt auch Wagner\nauf einen grossartigen Congress aller Gesangs-Notabilitäten\nDeutschlands; nur den Zweck desselben denkt jeder von\nuns sich etwas verschieden: wir wollen Muster-Vorstellun-\ngen der besten classischen Opern erzielen, Wagner hin-\ngegen eine Aufführung—seines „Nibelungenrings\".\nEin Büchlein, neu und so elegant, als man mit einer\nTaille von 443 Seiten sein kann, gibt hierüber näheren\nAufschluss. Es heisst: „Der Ring des Nibelungen\";\nein Bühnen-Festspiel für drei Tage und einen\nVorabend von Richard Wagner. (Leipzig, bei J. J.\nWeber, 1863.) Eine Oper, die genau eine halbe Woche\ndauert, ist eben keine alltägliche Begegnung, man muss\nes daher dem Dichter Dank wissen, dass er selbst mittels\neines umfangreichen Vorwortes die Welt über dieses wun-\ndersame Unternehmen aufklärt.\nDie vier Stücke, welche diesen dramatischen Gebirgs-\nzug bilden, heissen: 1. Das Rheingold. 2. Die Wal-\nküre. 3. Siegfried. 4. Götterdämmerung. Die Mu-\nsik zum „Rheingold\" ist fertig und im Stich veröffentlicht;\naus den anderen Theilen sind grössere Fragmente in\nWagner's Concerten aufgeführt worden. Wir begreifen\nnicht recht, wesshalb Wagner am Schlüsse seines Vorwor-\ntes den Leser mit der Versicherung ängstigt, dass er kaum\nmehr hoffe, noch Müsse und Lust zur Vollendung der mu-\nsicalischen Composition zu finden. Versichert er doch auf\nder ersten Seite, „von der Möglichkeit einer vollständi-\ngen musicalisch-dramatischen Aufführung des Werkes und\ndem wirklichen Gelingen des Unternehmens\" überzeugt\nzu sein. Dazu ist doch die Vollendung der Composition\nunerlässlich, der wir demnach beruhigt entgegenharren\nwollen. Sehen wir nun zu, wie der Dichter sein eigenes\nWerk aufgefasst und aufgeführt sehen möchte. Er spricht\n.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5391, "texte": "sich Gottlob recht unumwunden aus, so dass wir seine\nWorte nirgends missdeuten können.\nZwei Grundwahrheiten schreiten das ganze „Vorwort\"\nhindurch stolzen Hauptes neben einander her. Erstens die\nUeberzeugung, dass alles, was überhaupt unter dem Na-\nmen „deutsche Oper\" besteht, werth ist, dass es zu Grunde\ngehe, und zweitens, dass Wagner's „Nibelungenring\" ein\nausserordentliches Kunstwerk ist, für dessen Vorführung\nkeine Mühe und kein Opfer zu gross sein kann. Wagner\nthront in diesem Vorworte wie Gott Vater beim jüngsten\nGerichte: zur Rechten stellt er die allein gerechten Wag-\nner'schen Opern, links, für den Schwefelpfuhl, alles Uebrige.\nEr nennt die Oper kurzweg „das schlechteste öffent-\nliche Kunst-Institut\", „ein Kunst-Institut, das den Musik-\nsinn der Deutschen tief blossstellt und verdirbt\". „Bei der\nvollkommenen Stillosigkeit der deutschen Oper\",\nfährt Wagner fort, „und der fast grotesken Incorrect-\nheit ihrer Leistungen ist die Hoffnung, an einem\nHaupttheater für höhere Aufgaben geübte Kunstmittel\ncorporativ anzutreffen, nicht zu fassen; der Autor, der auf\ndiesem verwahrlosten öffentlichen Kunstgebiete eine ernst-\nlich gemeinte, höhere Aufgabe zu stellen gedenkt, trifft zu\nseiner Unterstützung nichts an, als das wirkliche Talent\neinzelner Sänger, welche, in keiner Schule unterrichtet,\ndurch keinen Stil für die Darstellung geleitet, hier und da,\nselten denn das Talent der Deutschen ist hiefür im\nGanzen gering und gänzlich sich selbst überlassen, vor-\nkommen.\" Also: es bleibt für eine „höhere\" Aufgabe wie\ndie „Nibelungen\" kein anderes Mittel, als die besten Sän-\nger und Spieler von allen deutschen Bühnen auf Einem\nPunkte zu versammeln, damit sie Wagner's neuestes Werk\neinstudiren und darstellen.\nDie ausserordentlichen Segnungen, welche aus dieser\nMonstre-Vorstellung für die ganze musicalische Cultur\nDeutschlands hervorgehen müssen, schildert Wagner mit\nüberzeugender Beredsamkeit.\nWelcher Nutzen wäre es erstens für die Künstler,\n„dass sie eine Zeit lang nur mit Einer Aufgabe sich zu be-\nfassen hätten, durch keine hiervon abziehende Ausübung\nihrer gewohnten Opernarbeit in diesem Studium unterbro-\nchen wären\". „Der Erfolg dieser Zusammenfassung ihrer\ngeistigen Kräfte auf Einen Stil und Eine Aufgabe ist allein\nnicht hoch genug anzuschlagen.\" Nichts kann einleuchten-\nder sein. Bisher wurden die Künstler in der Einstudirung\nWagner'scher Opern noch immer durch eingestreute\nWerke von Mozart, Beethoven, Weber und derlei „ge-\nwohnte Opernarbeit\" „unterbrochen und abgezogen\".\nEine Zeit lang nichts Anderes als Wagner'sche Musik zu\nsingen, müsste um so heilsamer auf unsere verwahrlosten\ndeutschen Sänger wirken, als diese „Zeitlang\" offenbar eine\nrecht lange Zeit ausmachen würde. Denn wenn die besten\nSänger sich viele Monate plagen, um den dreiactigen\n„Tristan\" auswendig zu lernen, so werden sie mit dem\nStudium einer vier Abende lang spielenden Oper glei-\nchen Stils nicht eben schnell fertig werden. Wenn Wagner\nden künstlerischen Vortheil dieser Zusammenfassung aller\n„geistigen Kräfte\" rühmt, so hat er noch zu wenig\ngesagt. Auch der physische Nutzen, den das unausge-\nsetzte Probiren und Aufführen einer viertägigen Oper für\ndie Gesangeskräfte hätte, kann kein geringer sein. Wir\nkönnen uns nichts Stärkenderes und Gesunderes für einen\nTenoristen oder eine Primadonna denken, als drei Abende\nhinter einander den Siegfried oder die Brunhild zu singen.\nWenn unsere Sänger gegenwärtig schon nach einer\nWagner-Vorstellung halb todt sind, so liegt das nur an\nder bisherigen schmählichen Zersplitterung ihrer Kräfte.\nWagner will für seine Nibelungen ein eigenes Theater\ngebaut haben. „Nur so wäre die scenische decorative Dar-\nstellung einzig gut und entsprechend zu erzielen\", und es\nwäre damit dem Decorationsmaler und Maschinisten end-\nlich Gelegenheit geboten, „ihre Kunst als wirkliche\nKunst zu zeigen\". Auch dieser zweite Nutzen ist einleuch-\ntend. Wenn Maler und Maschinist wirklich alle die sceni-\nschen Kleinigkeiten leisten, jwelche Wagner in den vier\nTheilen der Nibelungen vorschreibt, dann haben sie ihre\nKunst nicht bloss „als wirkliche Kunst\", sondern als voll-\nständige Zauberei gezeigt. Das Diplom als „wirklicher\nHofopern-Hexenmeister\" kann Keinem von ihnen entgehen.\nAuch dem Orchester hat Wagner durch seine Ni-\nbelungen eine wohlthätige Reform zugedacht. Die „Bewe-\ngungen der Musiker\" sind ihm nämlich „fast eben so\nwehsam, als die Fäden und Schnüre der Theater-Deco-\nrationen\". Die „Unsichtbarkeit des Orchesters\" bildet einen\nHauptvorzug des „eigens hierzu construirten Theater-Ge-\nbäudes\". Der Vorschlag hat den Beifall jedes Vernünftigen;\nden Lärm des Wagner'schen Orchesters anzusehen, ist\nwirklich „wehsam\", die Instrumentirung schadet den Au-\ngen. Nun kommt der höchste Vortheil, der Nutzen Nr. 4,\nnämlich der Eindruck, den die Nibelungen-Oper auf das\nPublicum hervorbringen muss. Dem Publicum, das „bis-\nher gewohnt ist, in den höchst bedenklichen Vor-\nführungen dieses zweideutigen Kunst-Genres\neine gedankenlose Zerstreuung zu suchen\", würde hier\n„ein Verständniss aufgehen, welches ihm bisher\nfremd geblieben, ja, unmöglich sein musste\". Der Zuhörer\nwird jetzt „zu dem wohlthätigen Gefühle der leichten Thä-\ntigkeit eines bisher ungekannten Auffassungs-Vermögens\ngelangen, welches ihn mit neuer Wärme erfüllt und ihm\ndas Licht entzündet, in welchem er deutlich Dinge ge-\nwahrt, von denen er zuvor keine Ahnung hatte\"."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5441, "texte": "Wagner sagt hier wiederum eher zu wenig, als zu viel,\nda nicht etwa erst die wirkliche Nibelungen-Vorstellung,\nsondern schon die blosse Lecture des „Vorwortes\" Lichter\nanzündet und Dinge zeigt, von denen man zuvor keine\nAhnung hatte. „Die Wirkungen auf das Allgemeine\",\nfährt Wagner bezüglich seiner projectirten Opern-Vorstel-\nlung lort, „sind nicht hoch genug anzuschlagen.\" Es ist\nmir selbst oft die „Versicherung gegeben worden, dass die\nAnhörung einer vorzüglichen Aufführung meines Lohen-\ngrin eine gänzliche Umkehr des Geschmacks und\nder Neigung im Einzelnen hervorgerufen habe, und dass\nder kunstsinnige damalige Director des wiener Hof-Opern-\ntheaters (Eckert) durch den glücklichen Erfolg die-\nser Oper sich nun ermuthigt sah, ernste und inhaltsvollere\nWerke des Opern-Genres, welche bereits längst vor dem\nverweichlichten Geschmacke des Publicums verschwunden\nwaren, mit Aussicht auf Erfolg vorzuführen\".\nNiemand wird sich unterfangen, eine Behauptung des\nHerrn Wagner zu bezweifeln; allein der frechen Gegner\nwillen wäre es doch nicht unerwünscht gewesen, wenn\nWagner den zweiten Satz seinerLohengrin-Apologie durch\neinige stichhaltige Beweise erhärtet hätte. Wir vermochten\nin unseren sehr genauen Aufschreibungen nicht eine\neinzige „vordem verweichlichten Geschmacke längst ver-\nschwundene\" classische Oper aufzufinden, deren Wieder-\nbelebung in Wien mit Wagner's Lohengrin auch nur im\nentferntesten Zusammenhange stände. Wagner wollte viel-\nleicht, indem er mit ausdrücklichem Hinweis auf Wien\ndie reinigende und „umkehrende\" Macht seines Lohen-\ngrin rühmt, sagen, dass dieser Einfluss sich sofort in dem\nCharakter der von Eckert später zur Aufführung gebrach-\nten Novitäten aussprach. Die unter Eckert's Direction\nnach dem Lohengrin (19. August 1858) aufgeführten\nNovitäten waren: „Königin Topas\" von Masse, „Die Rose\nvon Castilien\" von Balfe, „Diana von Solange\" von Herzog\nErnst und der „Trovatore\" von Verdi, dem gleich nach\nEckert's Abgange auch der „Rigoletto\" folgte. Ein ande-\nrer Einfluss des Lohengrin auf das wiener Opern-Reper-\ntoire ist urkundlich nicht nachweisbar. Doch wie unschein-\nbar verschwindet dieser kleine historische Irrthum Wag-\nner's gegen die unumstössliche Wahrheit seiner Prophe-\nzeiungen! Wer könnte z. B. daran zweifeln, dass nach\neiner ausschliesslichen Nibelüngen-Saison, wie sie Wagner\nprojectirt, „unsere Darsteller nun nicht ganz wieder in\ndas Geleise ihrer vorigen Gewohnheiten zurückfallen\nkönnten\", so wie auch die aus allen Landen herbeiströ-\nmenden „artistischen Vorstände und Künstler\" einen Ein-\ndruck empfangen müssten, der „für ihre eigenen wei-\nteren Leistungen unmöglich gänzlich ohne Einfluss\nbleiben könnte\". Es würde also auf das rascheste die glück-\nliehe Zeit herbeigeführt, wo alle Sänger wagnerisch\nsingen, alle Dramatiker wagnerisch dichten, alle Tonsetzer\nwagnerisch coraponiren und alle Directoren ihr Theater\nwagnerisch leiten würden. Könnte es ein Opfer geben, zu\nschwer, um es für diesen Weltsegen Ireudig darzubringen?\nDenn dass es nicht ohne Mühe und Kosten angehe, für die\nNibelungen ein neues Theater zu errichten, die besten Sän-\nger und Instrumentisten von ganz Deutschland zu gewinnen\nund so lange beisammen festzuhalten, bis sie die vier Abende\nlange Oper studirt und aufgeführt haben, dies gibt Wagner\nbereitwillig zu. Allein er gibt auch sofort die Mittel an,\ndiese Schwierigkeiten zu überwinden. Wagner sieht zwei\nWege offen. Erstens: „Eine Vereinigung kunstliebender,\nvermögender Männer und Frauen zur Aufbringung der\nnöthigen Geldmittel.\" Bei der „kleinlichen\" Denkungs-\nweise der Deutschen ist aber nach Wagner's Meinung von\neinem s'olchen Aufrufe kein Erfolg zu versprechen. Und\nwesshalb nicht? Uns dünkt, wer hierzu „kleinlich\" denkt,\nist der Meister selbst. Bei der bekehrenden Kraft, die\nWagner seinem Lohengrin nachrühmt, muss die Zahl der\n„Umgekehrten\" doch längst gross genug sein, um einige\nhunderttausend Gulden für ein Werk zusammen zu schies-\nsen, das sich zum Lohengrin verhält, wie der Niagarafall\nzu einem Glas Wasser!\nDer zweite Weg wäre, dass ein deutscher Fürst\ndie Summe, „welche er bisher zur Unterhaltung des\nschlechtesten öffentlichen Kunst-Instituts, seines den Musik-\nsinn der Deutschen so tief blossstellenden und verderben-\nden Operntheaters bestimmte\", für die Monstre-Auf-\nführung der Nibelungen verwendet. „Nachdem ich ihm\n(dem Fürsten) gezeigt habe,\" fährt Wagner fort, „welcher\nganz ungemeine Einfluss auf die Moralität eines bisher\nuns herabwürdigenden Kunst-Genres, welche\nSchöpfung eigentümlichster deutscher Art ihm hiedurch\nermöglicht werden müsste, würde er die auf Unterhaltung\nder Oper in seiner Residenz verwendete Summe bei Seite\nlegen und somit eine Stiftung gründen, die ihm einen un-\nberechenbaren Einfluss auf den deutschen Kunstgeschmack,\nauf die Entwicklung des deutschen Kunstgenies, auf die\nBildung eines wahrhaften, nicht dünkelhaften nationalen\nGeistes, seinem Namen aber unvergänglichen lluhm ge-\nwinnen müsste.\" Das heisst also, der Hof in Wien, in\nBerlin, in Dresden möge (etwa für ein Jahr, denn in kür-\nzerer Frist wird kaum ein Kundiger die projectirte Auf-\nführung für möglich halten) sein Operntheater schliessen\nund die gewöhnlich dafür festgesetzte Summe auf eine\nAufführung der Nibelungen verwenden. Nichts ist einfacher.\nNur müssen wir in Erinnerung bringen, dass ja nach Wag-\nner's Vorschlage die vorzüglichsten Sänger von allen deut-\nschen Bühnen zusammen zu ziehen sind, somit das Opfer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4212, "texte": "nicht lediglich auf den Schultern eines Fürsten ruhen\nwürde. Auch kann die Durchschnittssumme, die ein „deut-\nscher Fürst\" jährlich für die Oper verwendet, unmöglich\nhinreichen, ein neues Nibelungen-Theater zu bauen, die\nunerhörtesten Maschinerieen und Decorationen herzustellen\nund alle vorzüglichsten Künstler aus ganz Deutschland für\nzehn oder zwölf Monate zu engagiren. Indessen das kann\nkeine reelle Schwierigkeit bieten. Wenn man gleichzeitig\ndie Theater in Wien, Berlin, München, Dresden und Stutt-\ngart für ein Jahr zusperrt, so lässt sich mit den ersparten\nGeld- und Kunstmitteln doch wahrscheinlich Wagner's\nNibelungenring in Scene setzen, und das deutsche Volk\nwird es gern verschmerzen, ein Jahr lang keine Note von\nGluck, Mozart, Beethoven, Weber, Spohr, Cherubini und\nwie alle die Fortpflanzer der bisherigen, „allen Sinn für\nMusik wie Drama gröblich beleidigenden Oper\" heissen,\ngehört zu haben.\nWir sind überzeugt, dass zur Stunde nur die Nicht-\nvollendung der Wagner'schen Partitur diesem Einberufen\nder nibelungischen Delegirten-Versammlung im Wege steht.\nGlücklicher Weise sind alle Wagner'schen Operntexte be-\nkanntlich auch ohne Musik selbständige vollendete drama-\ntische Dichtungen, die ohne Weiteres als Tragödien von\nSchauspielern dargestellt werden könnten und sollten.\nBichard Wagner schenkt demnach dem Publicum von sei-\nnen Nibelungen vor der Hand „das Wort, und zwar recht\neigentlich das Wort, ohne Ton, ja, ohne Klang, eben nur\ndas durch Typen hervorgebrachte Wort\", er über-\ngibt „ein blosses dramatisches Gedicht, ein poetisches Li-\nteratur-Product der bücherlesenden Oeffentlicbkeit\".\nWir fühlen uns zu schwach und unwürdig zu einer\nBeurtheilung dieses wunderbaren Drama's, sie bleibe be-\nrufeneren Händen vorbehalten. Nur um dem Leser einen\nVorgeschmack des edlen, schwungvollen Stils der Nibelun-\ngen zu geben, geben wir ohne lange Wahl denn sie\nthut sehr weh einige Perlen daraus.\nDas zweite Stück, „Siegfried\", beginnt damit, dass\nSiegfried in „wilder Waldkleidung\" zu dem hämmernden\nMime eintritt; „er hat einen grossen Bären mit einem\nBastseile gezäumt und treibt diesen mit lustigem Ueber-\nmuthe gegen Mime an. Mime entsinkt vor Schreck das\nSchwert; er flüchtet hinter den Heerd: Siegfried treibt\nihm den Bären überall nach.\"\nSiegfried: „Hoiho! hoiho!\nHau' ein! Hau' ein!\nFriss ihn! Friss ihn,\nPen Fratzenschmied!\nZu zwei komm' ich,\nDich besser zu zwicken:\nBranner, frag' nach dem Schwert!\n(Er prüft das Schwert mit der Hand,)\nHoi! was ist das\nFür müssiger Tand!\nDen schwachen Stift\nNennst du ein Schwert?\nDa hast du die Stücken,\nSchändlicher Stümper!\nHätt\" ich am Schädel\nDir sie zerschlagen!\nMit einem Griff\nZergreif' ich den Quark!\nWär7 mir nicht schier\nZu schäbig der Wicht,\nIch zerschmiedet' ihn selbst\nMit seinem Geschmeid',\nDen alten, albernen Alp!\"\nSpäter erscheint Siegfried mit Mime im Walde:\nSiegfried: „Mime, weilst du am Quell?\nDahin lass1 ich den Wurm wohl geh'n;\nNothung stoss' ich\nIhm erst in die Nieren,\nWenn er dich selbst dort\nMit weggesoffen !u\nMime: „Nach freislichem Streit\nDich zu erfrischen,\nWirst du mir wohl nicht wehren?\nRufe mich auch,\nDarbst du des Rath es,\nOder wenn dir das Fürchten gefällt.u\nHierauf erscheint der Lindwurm (Fafner) „in der\nGestalt eines ungeheuren eidechsenartigen Schlangenwur-\nmes; er bricht durch das Gesträuch und wälzt sich aus der\nTiefe nach der höheren Stelle vor. Er stösst einen starken\ngähnenden Laut aus\". Dieser Lindwurm, der mit dem\nSchweife zu drohen, zu brüllen, und Feuer zu speien hat,\nsingt zugleich Tenor. Er beginnt, die Zähne zeigend:\n„Trinken wollt1 ich! r\nNun treff' ich auch Frass!\"\nSiegfried antwortet: „Eine zierliche Fresse\nZeigst du mir da;\nLachende Zähne\nIm Leckermaul!\nHoho, du grausam\nGrimmiger Kerl!\nVon dir verdaut sein,\nDünkt mir übel;\nRäthlich und fromm doch scheint's,\nDu verrecktest hier ohne Frist!\nSieh dich vor, Brüller,\nDer Prahler kommt !u\nUm den Leser auch mit einer sentimentalen Blüthe\nzu erfreuen, theilen wir den Schluss des langen, herrlichen\nLiebes-Duettes mit, das den dritten Abend („Siegfried\")\nschliesst.\nBrunhilde (in höchster Ergriffenheit):\n„Sonnenhell leuchtet\nDer Tag meiner Noth!\nEwig war ich,\nEwig wäre ich,\nEwig in süss\nSehnender Wonne\nDoch ewig zu deinem Heil!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1262, "texte": "O Siegfried! Herrlicher!\nHort der Welt!\nLeben der Erde!\nLachender Held!\nLass', ach, lass1,\nLasse von mir !\nNahe mir nicht\nMit der wüthenden Nähe!\nZwinge mich nicht\nMit dem brechenden Zwang!\nZertrümmere die Traute dir nicht! —\n(Siegfried hat sie umfasst) Ob ich jetzt dein?\nGöttliche Ruhe\nRas't mir in Wogen;\nKeusches Licht lodert in Gluthen;\nHimmlisches Wissen\nStürmt mir dahin,\nJauchzen der Liebe\nJagt es davon! —\n(Im höchsten Liebesjubel) 0 kindischer Held!\n0 herrlicher Knabe!\nDu hehrster Thaten\nThöriger Hort!\nLachend muss ich dich lieben;\nLachend will ich erblinden:\nLachend lass' uns verderben —\nLachend zu Grunde gehen!\"\nSiegfried: „Sie wacht! sie lebt!\nSie lacht mir entgegen!\nPrangend strahlt\nMir Brunhildens Stern!\nSie ist mir ewig,\nSie ist mir immer\nErb' und Eigen,\nEin1 und all1\nLeuchtende Liebe,\nLachender Tod.\" —\nGibt es etwas Idealeres und Anmuthigeres, als diesen\nkurzen Hundetrab von Alliterationen? Er herrscht un-\nunterbrochen das ganze viertägige Drama hindurch, wel-\nches wir von einem Ende bis zum anderen abschreiben\nmüssten, wollten wir dem Leser einen vollständigen Ein-\nblick in die tiefe und zarte Empfindungswelt erschliessen,\ndie sich hier aufthut, um alle bisherige Poesie für immer\nvergessen zu machen.\nWien, 10. Juli 1853.\n\nEd. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "231", "page_fin": "232", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.2.4", "titre_corps": "Das münchener Musikfest im Herbst 1863.", "titre_sommaire": "Das münchener Musikfest im Herbst 1863.", "signature_source": "u03bc", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.7", "debut_caractere": 1264, "fin_caractere_exclue": 4423, "texte": "Das münchener Musikfest im Herbst 1863.\n\nDas grosse Musikfest, welches die hiesige musicalische\nAkademie unter Franz Lachner's Leitung in diesem Jahre\nzu veranstalten beabsichtigt, soll am 27., 28. und 29.\nSeptember d. J. im Glaspalaste abgehalten werden. In-\ndem die Akademie nach achtjähriger Pause wieder mit\neinem solchen Unternehmen hervortritt, darf sie sicherlich\ndieselbe grosse und allgemeine Theilnahme erwarten, mit\nwelcher das letzte münchener Musikfest in den October-\ntagen des Jahres 1855 begrüsst worden ist. Norddeutsch-\nland mit seinen alljährlichen grossen Musikfesten hat uns\nohnedies in diesem Punkte bereits weit überflügelt, und\nder Wunsch, dass auch im Süden unseres Vaterlandes öfter\nwiederkehrende Musikfeste begründet werden möchten, ist\nlängst lebhaft hervorgetreten.\nDas Repertoire für die drei Festtage ist dem Verneh-\nmen nach folgender Maassen festgesetzt worden: Erster\nTag (im Glaspalaste zwischen 11 und 2 Uhr): Sinfonie\nin Es (Eroica)von Beethoven. Israel in Aegypten, Orato-\nrium von Händel. Zweiter Tag (im Glaspalaste zwi-\nschen 11 und 2 Uhr): 1. Abtheilung: Erste Suite\nfür Orchester von Franz Lachner. 2. Abtheilung:. Acht-\nstimmige Motette von Palestrina. Scene aus dem Orato-\nrium „Tobias\" von Haydn. Präludium und Fuge für Or-\nchester von Seb. Bach. Finale aus dem zweiten Acte der\nOper „Idomeneo\" von Mozart. Marsch und Chor aus den\n„Ruinen von Athen\" von Beethoven. 3. Abtheilung: Ode\nauf den St.-Cäcilien-Tag von Händel. Am dritten Tage\n(im k. Odeon) sollen insbesondere Ciavier-, Violin- und\nGesangs-Vorträge von mehreren der hervorragendsten\nKünstler Deutschlands Statt finden, zu welchen Frau Schu-\nmann und Herr Concert-Director Joachim aus Hannover\nihre Mitwirkung vor der Hand bereits zugesichert haben.\nAus allen Theilen Deutschlands sind auch bedeutende\nOrchesterkräfte zur Verstärkung der hiesigen Hofcapelle\ngeworben. Das Orchester soll auf 100 Violinen, 40 Vio-\nlen, 30 Celli und 30 Bässe unter verhältnissmässiger Ver-\nstärkung der Blas-Instrumente gebracht werden. Auch der\nChor soll eine imponirende Masse bilden, und es ist zu\nhoffen, dass vor Allem die hiesigen Gesangvereine, an\nwelche eine Einladung bereits ergangen ist und deren meh-\nrere auch bei dem vorigen Musikfeste mitgewirkt haben,\nhierzu ein ansehnliches Contingent stellen werden. Hervor-\nzuheben ist, dass auch eine Orgel im Glaspalaste aufge-\nstellt werden soll, um namentlich bei den Händel'schen\nWerken ihre Kraft zu entfalten; eine Orchester-Zuthat,\ndie um so freudiger begrüsst werden muss, als sie weiter-\nhin die Veranlassung zu der endlichen Aufstellung einer\nOrgel im königlichen Odeon werden könnte. Die musica-\nlische Akademie hat nämlich beschlossen, nach Bereini-\ngung aller Kosten des Musikfestes den etwaigen Rest der\nEinnahme als Capitalstock zur Erbauung einer Orgel zu\nverwenden.\nIndem wir schliesslich noch erwähnen, dass, um einem\nbei dem Musikfeste von 1855 hervorgetretenen Bedürf-\nnisse abzuhelfen, beabsichtigt ist, für die geladenen Ehren-\ngäste und sämmtliche Mitwirkende gesellige Zusammen-\nkünfte während der Dauer des Festes zu veranstalten, sind\nwir überzeugt, dass diese löbliche Absicht nicht nur mit"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1235, "texte": "den gesellschaftlichen Gewohnheiten der süddeutschen Fest-\ngäste vollkommen übereinstimmen, sondern auch sich des\nungeteilten Beifalles der norddeutschen Theilnehmer zu\nerfreuen haben dürfte.\nMan spottet häufig über unsere grossartigen Schützen-\nund Sängerfeste, unsere Gelehrten-Tage mit den obligaten\nDiners u. s. w., und es mag allerdings in diesen Dingen\nManches übertrieben werden. Aber man sollte doch den\nWerth der persönlichen Berührung, wie sie bei solchen\nAnlässen zwischen den verschiedenen deutschen Stammes-\ngenossen Statt findet, nicht zu gering anschlagen. Manches\nVorurtheil verschwindet und manche hartgewordene Mei-\nnung wird milder durch die persönliche Begegnung. Das\nGefühl der Zusammengehörigkeit, welches die Theilneh-\nmer von allen diesen Festen mit nach Hause tragen, gibt\ndenselben einen nationalen Werth, dessen Bedeutung um\nso grösser ist, je tiefer und zahlreicher die Gegensätze\nscheinen, die sich in das politische Leben Deutschlands\neingegraben haben.\nAuch aus diesem Gesichtspunkte wünschen wir, dass\ndas zweite münchener Musikfest lebendige Theilnahme\nund zahlreichen Besuch finden möchte von nah und fern,\naus Süden und Norden, aus allen Gauen unseres grossen\nVaterlandes.\nMünchen, 10. Juli 1863.\n\nμ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "232", "page_fin": "232", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.8", "debut_caractere": 1237, "fin_caractere_exclue": 5108, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nifliftlieJieil* Die Wiederaufnahme des „schwarzen Domino\"\nvon Auber war ein glücklicher Griff, den die Hoftheater-Intendanz\ngethan hat, und die Trägerin der Hauptrolle, Fräulein v. Edels-\nberg, leistete in Spiel und Gesang so Vorzügliches, dass man wohl\ndieser jungen und äusserst talentvollen Künstlerin den grössten An-\ntheil an dem durchgreifenden Erfolge der lieblichen Oper zuschrei-\nben darf. Die zu Gunsten der Erbauung eines Sängerhauses\nim Glaspalaste vorgenommene grosse Verloosung hat nach Abzug\nder Kosten einen Reinertrag von 9482 Fl. ergeben.\nHerr und Frau Kübsamen-Veith sind nach einem erfolgrei-\nchen Gastspiele am hamburger Stadttheater engagirt worden.\nVtfen, 10. Juli. (Liedertafel der „Donaunixe\".) Die „Donau-\nnixe\" ist also kein blosses Märchen, sie hat ehegestern den Beweis\ngeliefert, dass sie wirklich existire, den Beweis ihrer Lebensfähigkeit\naber blieb sie uns schuldig. Die Kunst wird durch solches Zunft-\nwesen nur gefährdet 5 wer von den Jüngern dieses Vereins wirklich\naus edlem Streben und um der künstlerischen Selbstbefriedigung\nwillen Mitglied geworden, der thäte besser, sich einem der schon\nbestehenden Vereine anzuschliessen, es gibt deren ohnehin genug,\nfast könnte man sagen für jeden Stand und für jede Confession\neinen. Unnütze Zersplitterung schadet nur. Die Vorträge, die zu\nGehör kamen, trugen alle den Stempel der Mittelmässigkeit an sich.\nPreis-Ausschreiben. Das Central-Comite des eidgenössi-\nschen Sängervereins wünscht am nächsten eidgenössischen Sänger-\nfeste im Juli 1864 'ein grösseres Werk vaterländischen Inhalts zur\nAufführung zu bringen. Dasselbe soll aus fünf bis sechs Chören für\nMännerstimmen, Quartetten, Soli u. s. w. bestehen, für Harmonie-\nmusik instrumentirt sein und bei der Aufführung circa eine Stunde\nin Anspruch nehmen. Für die Soli sind Frauenstimmen nicht ausge-\nschlossen, so wie der Instrumentation Contrabässe angewandt\nwerden dürfen. Die in- und ausländischen Componisten, denen die\nWahl des Textes im obigen Sinne ganz frei steht, werden nun zur\nBearbeitung eines solchen Werkes eingeladen. Die Eingabe geschieht\nan das Central-Comite des eidgenössischen Sängervereins in Chur\nunter Beobachtung folgender Form: das Werk soll mit einem Motto\nversehen und in einem Briefe, auf welchem dasselbe Motto steht,\nder Name des Autors verschlossen sein. Termin zur Eingabe: Ende\nOctober 1863. Der eidgenössische Sängerverein wird das beste von\nden zweckentsprechenden Werken auf eine seiner würdige JVeise\nhonoriren.\nDas Sängerfest, welches am 28. und 29. Juni in Oedenburg\nbtatt tand, das erste derartige in Ungarn, da bei demselben deutsche\nund ungarische Sänger vereint wirkten, war vom schönsten Wetter\nbegleitet und zog eine bedeutende Zahl von Vereinen und Gesell-\nschaften aus nah und fern heran. Der Empfang der deutschen Ver-\neine am Bahnhofe durch die ungarischen war ein herzlicher; beson-\nders die Wiener erfreuten sich einer sehr freundlichen Aufnahme.\nEs wurden fünf Chöre in ungarischer, neun in deutscher Sprache,\ndavon einer ausschliesslich vom wiener Gesangvereine vorgetragen.\nWurden schon die meisten Chöre mit stürmischen Eljens begleitet,\nso waren doch vorzugsweise die deutschen Gesammt-Vorträge („Un-\ntreue\", „Loreley\", „Vineta\") die Glanzpunkte der Productionen. Bei\nTische wurde der erste Toast unter allgemeinem stürmischem Jubel\nfer. Majestät dem Kaiser gebracht und sogleich nach Wien telegra-\nphirt. Während der ganzen Dauer des geselligen Zusammenseins\nliessen es die Ungarn an begeisterten Ausbrüchen ihrer Sympathieen\nfür die Deutschen nicht fehlen und zahlreiche gegenseitig darge-\nbrachte Toaste lösten sich ab. Von den Vorträgen sind zu bemer-\nken: „Ehre Gottes4, „Normannssang\", „Hymne\" mit Musikbegleitung\nvon E. H. z. S., „Das deutsche Lied\", „Maiennacht\", „Mutterseelen\nallein\" und zum Schlüsse „Kriegers Gebet\" mit Blechharmonie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-18_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "234", "image_debut": 9, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.2.6", "titre_corps": "Beilage zu Nr. 29 der Niederrheinischen Musik-Zeitung.", "titre_sommaire": "Beilage zu Nr. 29 der Niederrheinischen Musik-Zeitung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 82, "texte": "Beilage zu Nr. 29 der Niederrheinischen Musik-Zeitung.\nNr. 15. 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Musik-Beilage: „Gesang der Loreley\" aus der Oper „Loreley\" von E. Geibel und M. Bruch.\n\nDie Oper „Loreley“ von Emanuel Geibel und\nMax Bruch.\n\nIII.\n(1. s. Nr. 26, 11. Nr. 27.)\nEine Ouvertüre hat die Oper nicht. Die Einleitung\nin langsamem Zeitmaasse lässt die Melodie des Liedes der\nLenore anklingen, welches sie beim Credenzen des Bechers\nan den Pfalzgrafen Otto bei dem Hochzeitsfeste in der\nzweiten Scene des zweiten Actes singt; sie geht in den er-\nsten Auftritt über: Recitativ und Arie Otto's (Tenor), feu-\nriges Allegro in A-mottund Awelches aber bei der\nbeabsichtigten Aenderung der Introductions-Scene, wovon\nwir oben gesprochen, wahrscheinlich eine Umgestaltung,\nbeziehungsweise Kürzung erfahren dürfte.\nZunächst erklingt der Gesang Lenorens hinter der\nScene: „Seit ich von mir geschieden Und mich der Liebe\ngab\", als einfache Liedes-Melodie in B-dur, 4/4-Tact. Sie\nzeigt aber sogleich, eben so wie die in dem darauf folgen-\nden Duett mit Otto vorherrschende Partie des Soprans,\nwie der Componist den Charakter des schwärmerisch lie-\nbenden Mädchens aufgefasst hat, den er die ganze Oper\nhindurch hauptsächlich durch das melodische Element auf\nsehr gelungene Weise darstellt. Die Schwierigkeit der\nCharakteristik dieser Hauptrolle lag in der Verschmelzung\ndes musicalischen Ausdrucks der Empfindungen eines lie-\nbenden einfachen Landmädchens voll Unschuld und Natür-\nlichkeit mit der Darstellung der dämonischen Aufregung\neiner dem Geisterreiche verfallenen Jungfrau. Bruch ist\nhierin glücklich gewesen, indem er das rein Menschliche,\ndie Innigkeit des Gefühls und die Hingebung der Liebe\nvorzugsweise überall durchklingen und sich durch das dä-\nmonische Element der Rolle nirgends zu greller Phantaste-\nrei verleiten lässt. Zu dem bewegten Schlüsse des Duetts\nund dem schroffen Losreissen Otto's aus Lenorens Armen\nbildet das Ave Maria aus der Capelle hinter der Scene\n(Andante in Es, 3A-Tact) einen wirkungsvollen Gegensatz.\nZwischen dem meist sechsstimmigen Chor mit abwechseln-\ndem Solo-Quartett rankt sich Lenorens Gesang als ein\ninniges Gebet durch, von einer sanften, dem Sopran sich\nanschmiegenden Melodie des Violoncelis begleitet.\nDer Männerchor der Schiffer und Winzer (G-dur, l/\\-\nTact) mit den dazwischen tretenden Ermahnungen des\nalten Hubert ist voll frischen Lebens, zumal wenn nachher\ndie Frauenstimmen hinzutreten (h/8-Tact), wo sich dann\nein Doppelchor bildet, indem die Schiffer in den Nachen\nbeim Einladen der Fässer und dem Abfahren eine charak-\nteristische Melodie im Unisono (Tenor und ßass) singen,\nwährend der volle vierstimmige Chor mit Sopran und\nAlt den Segen des Herbstes begrüsst. Hier zeigt der\nComponist eine recht überraschende Gewandtheit in Be-\nhandlung von dergleichen munteren Volksscenen in einer\nSchreibart, die weder etwas Schwerfälliges noch Geziertes\nan sich hat. Davon zeugt denn auch das artige Liedchen\nim Volkstone, mit welchem eine Winzerin Lenoren ver-\nkündet, dass sie zur Begrüssung des fürstlichen Brautpaa-\nres gewählt sei.\nUeber die darauf folgende Episode, die Scene zwischen\nReinald und Lenore, haben wir schon gesprochen. Die\nMusik enthält sowohl in Reinald's Partie als in dem daraus\nsich entspinnenden Duett viel Schönes, allein es ist, auch\nrein musicalisch genommen, zu viel Sentimentales dadurch\nin den ersten Act gehäuft, wodurch der Eindruck der Mu-\nsik, zumal da die Handlung (wie schon gesagt) hier stockt,\ngeschwächt wird.\nDie folgende grosse Scene, der Brautzug und die Ent-\nhüllung des Geheimnisses, beginnt mit einem schwungvollen\nMarsche und allgemeinen Chor moderaio,\n4/4-Tact), welcher letztere besonders in seinem Mittelsatze\ngut gearbeitet ist, ohne die Gränzen zu überschreiten,\nwelche der Charakter des Ganzen der eigentlichen Poly-\nphonie vorzeichnet. Das Quartett zwischen Bertha, Otto,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.2", "texte": "Reinald und Hubert (.Andante sostenuto, Fis-moll, %-Tact)\nist ein schöner Satz, der aber nur durch Vereinigung voll-\nendeten musicalischen und mimischen Ausdrucks zu voller\nWirkung kommen kann.\nNach der Entfernung des Brautzuges tritt die Ver-\nwandlung ein, und es folgt das binale des ersten Actes*).\nDieses grosse Finale bekundet auf eine glänzende Weise\nden Beruf des Componisten zu dramatischer Musik. Natür-\nlich liegt der Vergleich mit der Composition desselben\nStückes durch Mendelssohn nahe, er drängt sich uns fast\nauf, und so wollen wir denn auch ganz offen aussprechen,\ndass die gegenwärtige die frühere zunächst in der Leiden-\nschaft und dem Schwünge des Gesanges der Lenore, in\ndem strömenden Guss und der fortwährenden Steigerung\ndesselben bei Weitem übertrifft, dann aber auch im Gan-\nzen genommen in Chor und Orchester durch fortschrei-\ntende Bewegung und dramatisches Leben bühnenmässiger,\ntheatralischer im besten Sinne und eben dadurch wirksa-\nmer und hinreissender ist, als jene. Eine musicalische Ana-\nlyse dieses Finales würde zu nichts führen, da sie unmög-\nlich eine Vorstellung von dem Eindruck geben kann, den\nes macht; diesen muss man hören und erleben. Die Haupt-\nTonarten, in denen es sich bewegt, sind B-moll, Des-dur\nund B-dur;das Orchester ist trefflich behandelt und sehr\nwirksam, obwohl der Componist nicht danach trachtet,\ndurch gesuchte Klang-Effecte und Ueberladung der Menge\nzu imponiren: er wendet kein unedles, kein unschönes\nMittel an, das Ganze kann vor dem strengsten harmoni-\nschen Tribunale bestehen.\nDer zweite Act enthält zwei grosse Scenen, die Hoch-\nzeitsfeier und ihre Unterbrechung durch Lenorens Zauber-\nlied, und im Finale das geistliche Gericht über Lenore,\nihre Freisprechung und den Ausspruch des Kirchenbannes\ngegen den Pfalzgrafen. In der ersten Scene ist eine Ro-\nmanze Reinald's bemerkenswerth; den Kern aber bildet\ndas Lied Lenorens, mit welchem sie dem Pfalzgrafen den\nBrautpocal credenzt und die Ritter bezaubert, und den\nentbrennenden Zwist durch ihren Gesang schürt. Wir ge-\nben in der Beilage das Lied der Loreley-Lenore. Schon\ndiese Probe wird hinreichen, das, was wir oben über das\nCharakteristische in der Partie der Lenore gesagt haben,\neiniger Maassen zur Anschauung zu bringen; man achte\nbesonders auf die Rückkehr des am Schlüsse. Bei\nder Wiederholung ist die veränderte Begleitung in den\nersten zwei Tacten angedeutet. In dem darauf folgenden\ntobenden Aufruhr des Werbens der Ritter um Lenore und\nder zügellos ausbrechenden Leidenschaft Otto's, den ihr\ndämonischer Gesang: „Flammen der Minne\" u. s. w. noch\närger aufregt, bewährt sich das bedeutende Talent des\nComponisten für Behandlung von Tonmassen und Solo-\nstimmen zu grossen Ensemblestücken. Und dennoch über-\ntrifft das Finale, das nach einer sehr schönen Arie der\nBertha eintritt, die eben geschilderte Scene noch an gross-\nartiger Wirkung durch ihre treffliche Musik; die Priester-\nchöre mit Orgelbegleitung, der schmerzlich entsagende\nGesang Lenorens:\n„Führt mich zum Tode\nMeine schwarze Kunst das ist mein Schmerz,\nMein Zauber ein gebrochen Herz\nUnd Einer weiss, warum\"\ndas Terzett zwischen Otto, Reinald und dem Erzbischof\n(Tenor, Bariton und Bass) mit vollstimmigem Chor—eine\nwahre Perle der Oper und zuletzt der Bannfluch über\nOtto, das alles bildet ein Ganzes, das wahrlich nicht bloss\nals ein glücklicher Wurf eines jugendlichen Genies, son-\ndern als die Frucht eines gereiften Meisters erscheint. Diese\nsichere Behandlung aller musicalischen Mittel im Bunde\nmit einem ungewöhnlichen Erfindungs-Talente war für\nalle Musiker von Fach, die zugegen waren, eine grosse\nUeberraschung.\nDer dritte Act besteht nur aus drei Scenen. Die erste\nführt uns einen munteren Chor der Winzer und Win-\nzerinnen vor, die den Segen des Herbstes preisen. Der alte\nHubert unterbricht ihre Heiterkeit mit der Trauerkunde\nvom Tode der jungen Pfalzgräfin und von der Verblen-\ndung ihres unglücklichen Gatten durch Lenore, sein eige-\nnes Kind. Das Lied in zwei Strophen, das darauf folgt,\nwurde von manchen Zuhörern angefochten, als unpassend\nan dieser Stelle. Wir können das nicht finden; es ist dem\nAlter eigen, bei eintretendem Missgeschick seine Klage aus-\nzusprechen und seine Empfindung mit der Erinnerung an\ndie Jugend, die vom Unheil nichts ahnte, zu verbinden.\nDas Lied scheint uns desshalb ganz gerechtfertigt, und\nmusicalisch (Andante in D-moll, %-Tact) ist es das vollends,\nda die Composition sehr gut gelungen ist. Die Landleute\nfolgen dem Alten in die Kirche, aus welcher ein De pro-\nfundis mit Orgelklang herübertönt. Während dessen tritt\nOtto auf, matt und gebeugt. Die grosse Gesangscene, die\nnun folgt, ist ein wahres Prachtstück für den Tenor; Reci-\n\n*) Bei den Aufführungen in Mannheim sah man sich des De-\ncorationswechsels wegen genöthigt, vor dem Finale eine Ab-\ntheilung zu machen und einen Zwischenvorhang fallen zu\nlassen. Das darf aber durchaus nicht sein; die Nacht ist herein-\ngebrochen schon am Ende der vorigen Scene, und Lenore eilt\nunmittelbar darauf voll Verzweiflung an das Ufer des Stromes.\nAuch musicalisch genommen bildet die vorige Scene keinen\nActschluss, da der Componist mit richtigem Gefühle in dem\nNachspiel im Orchester nach dem verhallenden Chor die un-\nheilvolle Wendung des Brautfestes nachklingen lässt. Dagegen\ndürfte nach der Verwandlung ein längeres Vorspiel, als das\ngegenwärtige, vor der Erscheinung der Geister und dem Ein-\ntritt des Chors zu wünschen sein."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.3", "texte": "tativ, Adagio (Schmerz um Bertha's Tod und sein Geschick)\nund Allegro („Rückwärts schlägt sich keine Brücke Soll\nich knabenhaft entsagen? Nein, das Letzte muss ich wa-\ngen\" u. s. w.) Alles ist vortrefflich, voll melodischen\nSchwunges und hinreissender Leidenschaft, der Schluss\nüberaus effectvoll. Stürmischer Applaus muss überall fol-\ngen, so wie er in Mannheim Herrn Schlösser zu Theil\nwurde, der diese Scene, besonders bei der zweiten Vor-\nstellung, sehr schön vortrug.\nOtto stürzt ab. Die Verwandlung zeigt in der Tiefe\nder Bühne den Rhein, auf der Felsenklippe, welche in den\nStrom vorspringt, die sitzende Lenore ein schöner An-\nblick, gleichsam die Loreley-Sage in einem lebenden Bilde.\nDie Musik verklärt das Gemälde, indem die Blas-Instru-\nmente über dem leisen Tremolo der tiefen Geigen und\nBässe in sanften Harmonieen von aus in getragenen\nAccorden sehr schön nach der Dominante moduliren, auf\nderen Grundlage dann, während die Holz-Blasinstrumente\nin eigenem Gesänge aufsteigen, das Horn die Volksmelodie\nvon Silcher: „Ich weiss nicht, was soll es bedeuten\",\nertönen lässt, auf welche schon vorher einzelne Anklänge\nhindeuteten. Es ist dies eine recht glückliche Idee des Com-\nponisten, eine musicalische Verdolmetschung des Bildes,\ndas uns in dieser Scene zum ersten Male die Loreley in\nder Gestalt, welche die Sage ihr gegeben, zeigt. Der darauf\nfolgende Gesang Lenorens: „Ich habe mein Herz verlo-\nren\", in E-moll ist melodisch und ausdrucksvoll, allein die\nKrone des Ganzen ist das Finale, das mit Otto's Erscheinen\neintritt. Zum letzten Male bricht seine Leidenschaft aus,\ner beschwört Lenoren, der Seligkeit der Liebe zu geden-\nken; die steigende Gluth, mit welcher er um sie wirbt,\nLenorens Abwehr, der Kampf in ihrem Herzen, das den\nmenschlichen Gefühlen entsagen will und doch zu wanken\nbeginnt—alles das stellt der Componist in einem grossen\nDuett dar, welches durch melodischen Strom und fort-\nwährende Steigerung hinreisst, bis der schauerliche Ruf\nder unsichtbaren Geister: „Halt ein, verfehmte Braut!\"\nerschütternd ertönt, Lenore sich losreisst, auf die Klippe\neilt und den Unglücklichen dem Verderben weiht. Otto\nstürzt sich in den Strom, und Lenorens Gesang (in der\nMelodie aus dem zweiten Acte, jetzt in erschallt\nmit Harfen- und glänzender Instrumental-Begleitung vom\nFelsen herab: „Wer hinfort mir naht und die Treue ver-\nrieth, Ihn reisst mit Gewalt in den Strudel mein Lied!\"\nEine prachtvolle Decoration schliesst die Scene; die stei-\ngenden Fluten heben die Fee empor und der Chor der\nGeister feiert sie als Königin des Rheines.\nAlles erwogen, gereicht dieser letzte Act dem Com-\nponisten zur grössten Ehre, denn die herrliche Wirkung\ndesselben, die nach den grossen und imposanten Scenen\nder beiden ersten Acte zweifelhaft erscheinen musste, ist\nganz und gar sein Werk; nur eine solche Musik war im\nStande, die Theilnahme nicht bloss bis zum Schlüsse zu\nfesseln, sondern sogar zu steigern.\nMöge das schöne und echt deutsche Werk denn seinen\nWeg machen! Unsere grossen Bühnen werden es nicht\nbereuen, ihre reichen Mittel einmal auf ein vaterländisches\nKunstwerk verwandt zu haben.\n\nL. B.\n\nRichard Wagner’s Nibelungen.\n\nAls wir jüngst gelegentlich der Grundsteinlegung des\nneuen Opernhauses hier in Wien ein Gesammt-Gastspiel\nder vorzüglichsten Sänger von ganz Deutschland anregten,\nda ahnten wir nicht, dass wir in diesem Lieblingswunsche\nmit Niemand Geringerem als Richard Wagner zusam-\nmengetroffen waren. In der That dringt auch Wagner\nauf einen grossartigen Congress aller Gesangs-Notabilitäten\nDeutschlands; nur den Zweck desselben denkt jeder von\nuns sich etwas verschieden: wir wollen Muster-Vorstellun-\ngen der besten classischen Opern erzielen, Wagner hin-\ngegen eine Aufführung—seines „Nibelungenrings\".\nEin Büchlein, neu und so elegant, als man mit einer\nTaille von 443 Seiten sein kann, gibt hierüber näheren\nAufschluss. Es heisst: „Der Ring des Nibelungen\";\nein Bühnen-Festspiel für drei Tage und einen\nVorabend von Richard Wagner. (Leipzig, bei J. J.\nWeber, 1863.) Eine Oper, die genau eine halbe Woche\ndauert, ist eben keine alltägliche Begegnung, man muss\nes daher dem Dichter Dank wissen, dass er selbst mittels\neines umfangreichen Vorwortes die Welt über dieses wun-\ndersame Unternehmen aufklärt.\nDie vier Stücke, welche diesen dramatischen Gebirgs-\nzug bilden, heissen: 1. Das Rheingold. 2. Die Wal-\nküre. 3. Siegfried. 4. Götterdämmerung. Die Mu-\nsik zum „Rheingold\" ist fertig und im Stich veröffentlicht;\naus den anderen Theilen sind grössere Fragmente in\nWagner's Concerten aufgeführt worden. Wir begreifen\nnicht recht, wesshalb Wagner am Schlüsse seines Vorwor-\ntes den Leser mit der Versicherung ängstigt, dass er kaum\nmehr hoffe, noch Müsse und Lust zur Vollendung der mu-\nsicalischen Composition zu finden. Versichert er doch auf\nder ersten Seite, „von der Möglichkeit einer vollständi-\ngen musicalisch-dramatischen Aufführung des Werkes und\ndem wirklichen Gelingen des Unternehmens\" überzeugt\nzu sein. Dazu ist doch die Vollendung der Composition\nunerlässlich, der wir demnach beruhigt entgegenharren\nwollen. Sehen wir nun zu, wie der Dichter sein eigenes\nWerk aufgefasst und aufgeführt sehen möchte. Er spricht\n.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.4", "texte": "sich Gottlob recht unumwunden aus, so dass wir seine\nWorte nirgends missdeuten können.\nZwei Grundwahrheiten schreiten das ganze „Vorwort\"\nhindurch stolzen Hauptes neben einander her. Erstens die\nUeberzeugung, dass alles, was überhaupt unter dem Na-\nmen „deutsche Oper\" besteht, werth ist, dass es zu Grunde\ngehe, und zweitens, dass Wagner's „Nibelungenring\" ein\nausserordentliches Kunstwerk ist, für dessen Vorführung\nkeine Mühe und kein Opfer zu gross sein kann. Wagner\nthront in diesem Vorworte wie Gott Vater beim jüngsten\nGerichte: zur Rechten stellt er die allein gerechten Wag-\nner'schen Opern, links, für den Schwefelpfuhl, alles Uebrige.\nEr nennt die Oper kurzweg „das schlechteste öffent-\nliche Kunst-Institut\", „ein Kunst-Institut, das den Musik-\nsinn der Deutschen tief blossstellt und verdirbt\". „Bei der\nvollkommenen Stillosigkeit der deutschen Oper\",\nfährt Wagner fort, „und der fast grotesken Incorrect-\nheit ihrer Leistungen ist die Hoffnung, an einem\nHaupttheater für höhere Aufgaben geübte Kunstmittel\ncorporativ anzutreffen, nicht zu fassen; der Autor, der auf\ndiesem verwahrlosten öffentlichen Kunstgebiete eine ernst-\nlich gemeinte, höhere Aufgabe zu stellen gedenkt, trifft zu\nseiner Unterstützung nichts an, als das wirkliche Talent\neinzelner Sänger, welche, in keiner Schule unterrichtet,\ndurch keinen Stil für die Darstellung geleitet, hier und da,\nselten denn das Talent der Deutschen ist hiefür im\nGanzen gering und gänzlich sich selbst überlassen, vor-\nkommen.\" Also: es bleibt für eine „höhere\" Aufgabe wie\ndie „Nibelungen\" kein anderes Mittel, als die besten Sän-\nger und Spieler von allen deutschen Bühnen auf Einem\nPunkte zu versammeln, damit sie Wagner's neuestes Werk\neinstudiren und darstellen.\nDie ausserordentlichen Segnungen, welche aus dieser\nMonstre-Vorstellung für die ganze musicalische Cultur\nDeutschlands hervorgehen müssen, schildert Wagner mit\nüberzeugender Beredsamkeit.\nWelcher Nutzen wäre es erstens für die Künstler,\n„dass sie eine Zeit lang nur mit Einer Aufgabe sich zu be-\nfassen hätten, durch keine hiervon abziehende Ausübung\nihrer gewohnten Opernarbeit in diesem Studium unterbro-\nchen wären\". „Der Erfolg dieser Zusammenfassung ihrer\ngeistigen Kräfte auf Einen Stil und Eine Aufgabe ist allein\nnicht hoch genug anzuschlagen.\" Nichts kann einleuchten-\nder sein. Bisher wurden die Künstler in der Einstudirung\nWagner'scher Opern noch immer durch eingestreute\nWerke von Mozart, Beethoven, Weber und derlei „ge-\nwohnte Opernarbeit\" „unterbrochen und abgezogen\".\nEine Zeit lang nichts Anderes als Wagner'sche Musik zu\nsingen, müsste um so heilsamer auf unsere verwahrlosten\ndeutschen Sänger wirken, als diese „Zeitlang\" offenbar eine\nrecht lange Zeit ausmachen würde. Denn wenn die besten\nSänger sich viele Monate plagen, um den dreiactigen\n„Tristan\" auswendig zu lernen, so werden sie mit dem\nStudium einer vier Abende lang spielenden Oper glei-\nchen Stils nicht eben schnell fertig werden. Wenn Wagner\nden künstlerischen Vortheil dieser Zusammenfassung aller\n„geistigen Kräfte\" rühmt, so hat er noch zu wenig\ngesagt. Auch der physische Nutzen, den das unausge-\nsetzte Probiren und Aufführen einer viertägigen Oper für\ndie Gesangeskräfte hätte, kann kein geringer sein. Wir\nkönnen uns nichts Stärkenderes und Gesunderes für einen\nTenoristen oder eine Primadonna denken, als drei Abende\nhinter einander den Siegfried oder die Brunhild zu singen.\nWenn unsere Sänger gegenwärtig schon nach einer\nWagner-Vorstellung halb todt sind, so liegt das nur an\nder bisherigen schmählichen Zersplitterung ihrer Kräfte.\nWagner will für seine Nibelungen ein eigenes Theater\ngebaut haben. „Nur so wäre die scenische decorative Dar-\nstellung einzig gut und entsprechend zu erzielen\", und es\nwäre damit dem Decorationsmaler und Maschinisten end-\nlich Gelegenheit geboten, „ihre Kunst als wirkliche\nKunst zu zeigen\". Auch dieser zweite Nutzen ist einleuch-\ntend. Wenn Maler und Maschinist wirklich alle die sceni-\nschen Kleinigkeiten leisten, jwelche Wagner in den vier\nTheilen der Nibelungen vorschreibt, dann haben sie ihre\nKunst nicht bloss „als wirkliche Kunst\", sondern als voll-\nständige Zauberei gezeigt. Das Diplom als „wirklicher\nHofopern-Hexenmeister\" kann Keinem von ihnen entgehen.\nAuch dem Orchester hat Wagner durch seine Ni-\nbelungen eine wohlthätige Reform zugedacht. Die „Bewe-\ngungen der Musiker\" sind ihm nämlich „fast eben so\nwehsam, als die Fäden und Schnüre der Theater-Deco-\nrationen\". Die „Unsichtbarkeit des Orchesters\" bildet einen\nHauptvorzug des „eigens hierzu construirten Theater-Ge-\nbäudes\". Der Vorschlag hat den Beifall jedes Vernünftigen;\nden Lärm des Wagner'schen Orchesters anzusehen, ist\nwirklich „wehsam\", die Instrumentirung schadet den Au-\ngen. Nun kommt der höchste Vortheil, der Nutzen Nr. 4,\nnämlich der Eindruck, den die Nibelungen-Oper auf das\nPublicum hervorbringen muss. Dem Publicum, das „bis-\nher gewohnt ist, in den höchst bedenklichen Vor-\nführungen dieses zweideutigen Kunst-Genres\neine gedankenlose Zerstreuung zu suchen\", würde hier\n„ein Verständniss aufgehen, welches ihm bisher\nfremd geblieben, ja, unmöglich sein musste\". Der Zuhörer\nwird jetzt „zu dem wohlthätigen Gefühle der leichten Thä-\ntigkeit eines bisher ungekannten Auffassungs-Vermögens\ngelangen, welches ihn mit neuer Wärme erfüllt und ihm\ndas Licht entzündet, in welchem er deutlich Dinge ge-\nwahrt, von denen er zuvor keine Ahnung hatte\"."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.5", "texte": "Wagner sagt hier wiederum eher zu wenig, als zu viel,\nda nicht etwa erst die wirkliche Nibelungen-Vorstellung,\nsondern schon die blosse Lecture des „Vorwortes\" Lichter\nanzündet und Dinge zeigt, von denen man zuvor keine\nAhnung hatte. „Die Wirkungen auf das Allgemeine\",\nfährt Wagner bezüglich seiner projectirten Opern-Vorstel-\nlung lort, „sind nicht hoch genug anzuschlagen.\" Es ist\nmir selbst oft die „Versicherung gegeben worden, dass die\nAnhörung einer vorzüglichen Aufführung meines Lohen-\ngrin eine gänzliche Umkehr des Geschmacks und\nder Neigung im Einzelnen hervorgerufen habe, und dass\nder kunstsinnige damalige Director des wiener Hof-Opern-\ntheaters (Eckert) durch den glücklichen Erfolg die-\nser Oper sich nun ermuthigt sah, ernste und inhaltsvollere\nWerke des Opern-Genres, welche bereits längst vor dem\nverweichlichten Geschmacke des Publicums verschwunden\nwaren, mit Aussicht auf Erfolg vorzuführen\".\nNiemand wird sich unterfangen, eine Behauptung des\nHerrn Wagner zu bezweifeln; allein der frechen Gegner\nwillen wäre es doch nicht unerwünscht gewesen, wenn\nWagner den zweiten Satz seinerLohengrin-Apologie durch\neinige stichhaltige Beweise erhärtet hätte. Wir vermochten\nin unseren sehr genauen Aufschreibungen nicht eine\neinzige „vordem verweichlichten Geschmacke längst ver-\nschwundene\" classische Oper aufzufinden, deren Wieder-\nbelebung in Wien mit Wagner's Lohengrin auch nur im\nentferntesten Zusammenhange stände. Wagner wollte viel-\nleicht, indem er mit ausdrücklichem Hinweis auf Wien\ndie reinigende und „umkehrende\" Macht seines Lohen-\ngrin rühmt, sagen, dass dieser Einfluss sich sofort in dem\nCharakter der von Eckert später zur Aufführung gebrach-\nten Novitäten aussprach. Die unter Eckert's Direction\nnach dem Lohengrin (19. August 1858) aufgeführten\nNovitäten waren: „Königin Topas\" von Masse, „Die Rose\nvon Castilien\" von Balfe, „Diana von Solange\" von Herzog\nErnst und der „Trovatore\" von Verdi, dem gleich nach\nEckert's Abgange auch der „Rigoletto\" folgte. Ein ande-\nrer Einfluss des Lohengrin auf das wiener Opern-Reper-\ntoire ist urkundlich nicht nachweisbar. Doch wie unschein-\nbar verschwindet dieser kleine historische Irrthum Wag-\nner's gegen die unumstössliche Wahrheit seiner Prophe-\nzeiungen! Wer könnte z. B. daran zweifeln, dass nach\neiner ausschliesslichen Nibelüngen-Saison, wie sie Wagner\nprojectirt, „unsere Darsteller nun nicht ganz wieder in\ndas Geleise ihrer vorigen Gewohnheiten zurückfallen\nkönnten\", so wie auch die aus allen Landen herbeiströ-\nmenden „artistischen Vorstände und Künstler\" einen Ein-\ndruck empfangen müssten, der „für ihre eigenen wei-\nteren Leistungen unmöglich gänzlich ohne Einfluss\nbleiben könnte\". Es würde also auf das rascheste die glück-\nliehe Zeit herbeigeführt, wo alle Sänger wagnerisch\nsingen, alle Dramatiker wagnerisch dichten, alle Tonsetzer\nwagnerisch coraponiren und alle Directoren ihr Theater\nwagnerisch leiten würden. Könnte es ein Opfer geben, zu\nschwer, um es für diesen Weltsegen Ireudig darzubringen?\nDenn dass es nicht ohne Mühe und Kosten angehe, für die\nNibelungen ein neues Theater zu errichten, die besten Sän-\nger und Instrumentisten von ganz Deutschland zu gewinnen\nund so lange beisammen festzuhalten, bis sie die vier Abende\nlange Oper studirt und aufgeführt haben, dies gibt Wagner\nbereitwillig zu. Allein er gibt auch sofort die Mittel an,\ndiese Schwierigkeiten zu überwinden. Wagner sieht zwei\nWege offen. Erstens: „Eine Vereinigung kunstliebender,\nvermögender Männer und Frauen zur Aufbringung der\nnöthigen Geldmittel.\" Bei der „kleinlichen\" Denkungs-\nweise der Deutschen ist aber nach Wagner's Meinung von\neinem s'olchen Aufrufe kein Erfolg zu versprechen. Und\nwesshalb nicht? Uns dünkt, wer hierzu „kleinlich\" denkt,\nist der Meister selbst. Bei der bekehrenden Kraft, die\nWagner seinem Lohengrin nachrühmt, muss die Zahl der\n„Umgekehrten\" doch längst gross genug sein, um einige\nhunderttausend Gulden für ein Werk zusammen zu schies-\nsen, das sich zum Lohengrin verhält, wie der Niagarafall\nzu einem Glas Wasser!\nDer zweite Weg wäre, dass ein deutscher Fürst\ndie Summe, „welche er bisher zur Unterhaltung des\nschlechtesten öffentlichen Kunst-Instituts, seines den Musik-\nsinn der Deutschen so tief blossstellenden und verderben-\nden Operntheaters bestimmte\", für die Monstre-Auf-\nführung der Nibelungen verwendet. „Nachdem ich ihm\n(dem Fürsten) gezeigt habe,\" fährt Wagner fort, „welcher\nganz ungemeine Einfluss auf die Moralität eines bisher\nuns herabwürdigenden Kunst-Genres, welche\nSchöpfung eigentümlichster deutscher Art ihm hiedurch\nermöglicht werden müsste, würde er die auf Unterhaltung\nder Oper in seiner Residenz verwendete Summe bei Seite\nlegen und somit eine Stiftung gründen, die ihm einen un-\nberechenbaren Einfluss auf den deutschen Kunstgeschmack,\nauf die Entwicklung des deutschen Kunstgenies, auf die\nBildung eines wahrhaften, nicht dünkelhaften nationalen\nGeistes, seinem Namen aber unvergänglichen lluhm ge-\nwinnen müsste.\" Das heisst also, der Hof in Wien, in\nBerlin, in Dresden möge (etwa für ein Jahr, denn in kür-\nzerer Frist wird kaum ein Kundiger die projectirte Auf-\nführung für möglich halten) sein Operntheater schliessen\nund die gewöhnlich dafür festgesetzte Summe auf eine\nAufführung der Nibelungen verwenden. Nichts ist einfacher.\nNur müssen wir in Erinnerung bringen, dass ja nach Wag-\nner's Vorschlage die vorzüglichsten Sänger von allen deut-\nschen Bühnen zusammen zu ziehen sind, somit das Opfer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.6", "texte": "nicht lediglich auf den Schultern eines Fürsten ruhen\nwürde. Auch kann die Durchschnittssumme, die ein „deut-\nscher Fürst\" jährlich für die Oper verwendet, unmöglich\nhinreichen, ein neues Nibelungen-Theater zu bauen, die\nunerhörtesten Maschinerieen und Decorationen herzustellen\nund alle vorzüglichsten Künstler aus ganz Deutschland für\nzehn oder zwölf Monate zu engagiren. Indessen das kann\nkeine reelle Schwierigkeit bieten. Wenn man gleichzeitig\ndie Theater in Wien, Berlin, München, Dresden und Stutt-\ngart für ein Jahr zusperrt, so lässt sich mit den ersparten\nGeld- und Kunstmitteln doch wahrscheinlich Wagner's\nNibelungenring in Scene setzen, und das deutsche Volk\nwird es gern verschmerzen, ein Jahr lang keine Note von\nGluck, Mozart, Beethoven, Weber, Spohr, Cherubini und\nwie alle die Fortpflanzer der bisherigen, „allen Sinn für\nMusik wie Drama gröblich beleidigenden Oper\" heissen,\ngehört zu haben.\nWir sind überzeugt, dass zur Stunde nur die Nicht-\nvollendung der Wagner'schen Partitur diesem Einberufen\nder nibelungischen Delegirten-Versammlung im Wege steht.\nGlücklicher Weise sind alle Wagner'schen Operntexte be-\nkanntlich auch ohne Musik selbständige vollendete drama-\ntische Dichtungen, die ohne Weiteres als Tragödien von\nSchauspielern dargestellt werden könnten und sollten.\nBichard Wagner schenkt demnach dem Publicum von sei-\nnen Nibelungen vor der Hand „das Wort, und zwar recht\neigentlich das Wort, ohne Ton, ja, ohne Klang, eben nur\ndas durch Typen hervorgebrachte Wort\", er über-\ngibt „ein blosses dramatisches Gedicht, ein poetisches Li-\nteratur-Product der bücherlesenden Oeffentlicbkeit\".\nWir fühlen uns zu schwach und unwürdig zu einer\nBeurtheilung dieses wunderbaren Drama's, sie bleibe be-\nrufeneren Händen vorbehalten. Nur um dem Leser einen\nVorgeschmack des edlen, schwungvollen Stils der Nibelun-\ngen zu geben, geben wir ohne lange Wahl denn sie\nthut sehr weh einige Perlen daraus.\nDas zweite Stück, „Siegfried\", beginnt damit, dass\nSiegfried in „wilder Waldkleidung\" zu dem hämmernden\nMime eintritt; „er hat einen grossen Bären mit einem\nBastseile gezäumt und treibt diesen mit lustigem Ueber-\nmuthe gegen Mime an. Mime entsinkt vor Schreck das\nSchwert; er flüchtet hinter den Heerd: Siegfried treibt\nihm den Bären überall nach.\"\nSiegfried: „Hoiho! hoiho!\nHau' ein! Hau' ein!\nFriss ihn! Friss ihn,\nPen Fratzenschmied!\nZu zwei komm' ich,\nDich besser zu zwicken:\nBranner, frag' nach dem Schwert!\n(Er prüft das Schwert mit der Hand,)\nHoi! was ist das\nFür müssiger Tand!\nDen schwachen Stift\nNennst du ein Schwert?\nDa hast du die Stücken,\nSchändlicher Stümper!\nHätt\" ich am Schädel\nDir sie zerschlagen!\nMit einem Griff\nZergreif' ich den Quark!\nWär7 mir nicht schier\nZu schäbig der Wicht,\nIch zerschmiedet' ihn selbst\nMit seinem Geschmeid',\nDen alten, albernen Alp!\"\nSpäter erscheint Siegfried mit Mime im Walde:\nSiegfried: „Mime, weilst du am Quell?\nDahin lass1 ich den Wurm wohl geh'n;\nNothung stoss' ich\nIhm erst in die Nieren,\nWenn er dich selbst dort\nMit weggesoffen !u\nMime: „Nach freislichem Streit\nDich zu erfrischen,\nWirst du mir wohl nicht wehren?\nRufe mich auch,\nDarbst du des Rath es,\nOder wenn dir das Fürchten gefällt.u\nHierauf erscheint der Lindwurm (Fafner) „in der\nGestalt eines ungeheuren eidechsenartigen Schlangenwur-\nmes; er bricht durch das Gesträuch und wälzt sich aus der\nTiefe nach der höheren Stelle vor. Er stösst einen starken\ngähnenden Laut aus\". Dieser Lindwurm, der mit dem\nSchweife zu drohen, zu brüllen, und Feuer zu speien hat,\nsingt zugleich Tenor. Er beginnt, die Zähne zeigend:\n„Trinken wollt1 ich! r\nNun treff' ich auch Frass!\"\nSiegfried antwortet: „Eine zierliche Fresse\nZeigst du mir da;\nLachende Zähne\nIm Leckermaul!\nHoho, du grausam\nGrimmiger Kerl!\nVon dir verdaut sein,\nDünkt mir übel;\nRäthlich und fromm doch scheint's,\nDu verrecktest hier ohne Frist!\nSieh dich vor, Brüller,\nDer Prahler kommt !u\nUm den Leser auch mit einer sentimentalen Blüthe\nzu erfreuen, theilen wir den Schluss des langen, herrlichen\nLiebes-Duettes mit, das den dritten Abend („Siegfried\")\nschliesst.\nBrunhilde (in höchster Ergriffenheit):\n„Sonnenhell leuchtet\nDer Tag meiner Noth!\nEwig war ich,\nEwig wäre ich,\nEwig in süss\nSehnender Wonne\nDoch ewig zu deinem Heil!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.7", "texte": "O Siegfried! Herrlicher!\nHort der Welt!\nLeben der Erde!\nLachender Held!\nLass', ach, lass1,\nLasse von mir !\nNahe mir nicht\nMit der wüthenden Nähe!\nZwinge mich nicht\nMit dem brechenden Zwang!\nZertrümmere die Traute dir nicht! —\n(Siegfried hat sie umfasst) Ob ich jetzt dein?\nGöttliche Ruhe\nRas't mir in Wogen;\nKeusches Licht lodert in Gluthen;\nHimmlisches Wissen\nStürmt mir dahin,\nJauchzen der Liebe\nJagt es davon! —\n(Im höchsten Liebesjubel) 0 kindischer Held!\n0 herrlicher Knabe!\nDu hehrster Thaten\nThöriger Hort!\nLachend muss ich dich lieben;\nLachend will ich erblinden:\nLachend lass' uns verderben —\nLachend zu Grunde gehen!\"\nSiegfried: „Sie wacht! sie lebt!\nSie lacht mir entgegen!\nPrangend strahlt\nMir Brunhildens Stern!\nSie ist mir ewig,\nSie ist mir immer\nErb' und Eigen,\nEin1 und all1\nLeuchtende Liebe,\nLachender Tod.\" —\nGibt es etwas Idealeres und Anmuthigeres, als diesen\nkurzen Hundetrab von Alliterationen? Er herrscht un-\nunterbrochen das ganze viertägige Drama hindurch, wel-\nches wir von einem Ende bis zum anderen abschreiben\nmüssten, wollten wir dem Leser einen vollständigen Ein-\nblick in die tiefe und zarte Empfindungswelt erschliessen,\ndie sich hier aufthut, um alle bisherige Poesie für immer\nvergessen zu machen.\nWien, 10. Juli 1853.\n\nEd. H.\n\nDas münchener Musikfest im Herbst 1863.\n\nDas grosse Musikfest, welches die hiesige musicalische\nAkademie unter Franz Lachner's Leitung in diesem Jahre\nzu veranstalten beabsichtigt, soll am 27., 28. und 29.\nSeptember d. J. im Glaspalaste abgehalten werden. In-\ndem die Akademie nach achtjähriger Pause wieder mit\neinem solchen Unternehmen hervortritt, darf sie sicherlich\ndieselbe grosse und allgemeine Theilnahme erwarten, mit\nwelcher das letzte münchener Musikfest in den October-\ntagen des Jahres 1855 begrüsst worden ist. Norddeutsch-\nland mit seinen alljährlichen grossen Musikfesten hat uns\nohnedies in diesem Punkte bereits weit überflügelt, und\nder Wunsch, dass auch im Süden unseres Vaterlandes öfter\nwiederkehrende Musikfeste begründet werden möchten, ist\nlängst lebhaft hervorgetreten.\nDas Repertoire für die drei Festtage ist dem Verneh-\nmen nach folgender Maassen festgesetzt worden: Erster\nTag (im Glaspalaste zwischen 11 und 2 Uhr): Sinfonie\nin Es (Eroica)von Beethoven. Israel in Aegypten, Orato-\nrium von Händel. Zweiter Tag (im Glaspalaste zwi-\nschen 11 und 2 Uhr): 1. Abtheilung: Erste Suite\nfür Orchester von Franz Lachner. 2. Abtheilung:. Acht-\nstimmige Motette von Palestrina. Scene aus dem Orato-\nrium „Tobias\" von Haydn. Präludium und Fuge für Or-\nchester von Seb. Bach. Finale aus dem zweiten Acte der\nOper „Idomeneo\" von Mozart. Marsch und Chor aus den\n„Ruinen von Athen\" von Beethoven. 3. Abtheilung: Ode\nauf den St.-Cäcilien-Tag von Händel. Am dritten Tage\n(im k. Odeon) sollen insbesondere Ciavier-, Violin- und\nGesangs-Vorträge von mehreren der hervorragendsten\nKünstler Deutschlands Statt finden, zu welchen Frau Schu-\nmann und Herr Concert-Director Joachim aus Hannover\nihre Mitwirkung vor der Hand bereits zugesichert haben.\nAus allen Theilen Deutschlands sind auch bedeutende\nOrchesterkräfte zur Verstärkung der hiesigen Hofcapelle\ngeworben. Das Orchester soll auf 100 Violinen, 40 Vio-\nlen, 30 Celli und 30 Bässe unter verhältnissmässiger Ver-\nstärkung der Blas-Instrumente gebracht werden. Auch der\nChor soll eine imponirende Masse bilden, und es ist zu\nhoffen, dass vor Allem die hiesigen Gesangvereine, an\nwelche eine Einladung bereits ergangen ist und deren meh-\nrere auch bei dem vorigen Musikfeste mitgewirkt haben,\nhierzu ein ansehnliches Contingent stellen werden. Hervor-\nzuheben ist, dass auch eine Orgel im Glaspalaste aufge-\nstellt werden soll, um namentlich bei den Händel'schen\nWerken ihre Kraft zu entfalten; eine Orchester-Zuthat,\ndie um so freudiger begrüsst werden muss, als sie weiter-\nhin die Veranlassung zu der endlichen Aufstellung einer\nOrgel im königlichen Odeon werden könnte. Die musica-\nlische Akademie hat nämlich beschlossen, nach Bereini-\ngung aller Kosten des Musikfestes den etwaigen Rest der\nEinnahme als Capitalstock zur Erbauung einer Orgel zu\nverwenden.\nIndem wir schliesslich noch erwähnen, dass, um einem\nbei dem Musikfeste von 1855 hervorgetretenen Bedürf-\nnisse abzuhelfen, beabsichtigt ist, für die geladenen Ehren-\ngäste und sämmtliche Mitwirkende gesellige Zusammen-\nkünfte während der Dauer des Festes zu veranstalten, sind\nwir überzeugt, dass diese löbliche Absicht nicht nur mit"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.8", "texte": "den gesellschaftlichen Gewohnheiten der süddeutschen Fest-\ngäste vollkommen übereinstimmen, sondern auch sich des\nungeteilten Beifalles der norddeutschen Theilnehmer zu\nerfreuen haben dürfte.\nMan spottet häufig über unsere grossartigen Schützen-\nund Sängerfeste, unsere Gelehrten-Tage mit den obligaten\nDiners u. s. w., und es mag allerdings in diesen Dingen\nManches übertrieben werden. Aber man sollte doch den\nWerth der persönlichen Berührung, wie sie bei solchen\nAnlässen zwischen den verschiedenen deutschen Stammes-\ngenossen Statt findet, nicht zu gering anschlagen. Manches\nVorurtheil verschwindet und manche hartgewordene Mei-\nnung wird milder durch die persönliche Begegnung. Das\nGefühl der Zusammengehörigkeit, welches die Theilneh-\nmer von allen diesen Festen mit nach Hause tragen, gibt\ndenselben einen nationalen Werth, dessen Bedeutung um\nso grösser ist, je tiefer und zahlreicher die Gegensätze\nscheinen, die sich in das politische Leben Deutschlands\neingegraben haben.\nAuch aus diesem Gesichtspunkte wünschen wir, dass\ndas zweite münchener Musikfest lebendige Theilnahme\nund zahlreichen Besuch finden möchte von nah und fern,\naus Süden und Norden, aus allen Gauen unseres grossen\nVaterlandes.\nMünchen, 10. Juli 1863.\n\nμ.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nifliftlieJieil* Die Wiederaufnahme des „schwarzen Domino\"\nvon Auber war ein glücklicher Griff, den die Hoftheater-Intendanz\ngethan hat, und die Trägerin der Hauptrolle, Fräulein v. Edels-\nberg, leistete in Spiel und Gesang so Vorzügliches, dass man wohl\ndieser jungen und äusserst talentvollen Künstlerin den grössten An-\ntheil an dem durchgreifenden Erfolge der lieblichen Oper zuschrei-\nben darf. Die zu Gunsten der Erbauung eines Sängerhauses\nim Glaspalaste vorgenommene grosse Verloosung hat nach Abzug\nder Kosten einen Reinertrag von 9482 Fl. ergeben.\nHerr und Frau Kübsamen-Veith sind nach einem erfolgrei-\nchen Gastspiele am hamburger Stadttheater engagirt worden.\nVtfen, 10. Juli. (Liedertafel der „Donaunixe\".) Die „Donau-\nnixe\" ist also kein blosses Märchen, sie hat ehegestern den Beweis\ngeliefert, dass sie wirklich existire, den Beweis ihrer Lebensfähigkeit\naber blieb sie uns schuldig. Die Kunst wird durch solches Zunft-\nwesen nur gefährdet 5 wer von den Jüngern dieses Vereins wirklich\naus edlem Streben und um der künstlerischen Selbstbefriedigung\nwillen Mitglied geworden, der thäte besser, sich einem der schon\nbestehenden Vereine anzuschliessen, es gibt deren ohnehin genug,\nfast könnte man sagen für jeden Stand und für jede Confession\neinen. Unnütze Zersplitterung schadet nur. Die Vorträge, die zu\nGehör kamen, trugen alle den Stempel der Mittelmässigkeit an sich.\nPreis-Ausschreiben. Das Central-Comite des eidgenössi-\nschen Sängervereins wünscht am nächsten eidgenössischen Sänger-\nfeste im Juli 1864 'ein grösseres Werk vaterländischen Inhalts zur\nAufführung zu bringen. Dasselbe soll aus fünf bis sechs Chören für\nMännerstimmen, Quartetten, Soli u. s. w. bestehen, für Harmonie-\nmusik instrumentirt sein und bei der Aufführung circa eine Stunde\nin Anspruch nehmen. Für die Soli sind Frauenstimmen nicht ausge-\nschlossen, so wie der Instrumentation Contrabässe angewandt\nwerden dürfen. Die in- und ausländischen Componisten, denen die\nWahl des Textes im obigen Sinne ganz frei steht, werden nun zur\nBearbeitung eines solchen Werkes eingeladen. Die Eingabe geschieht\nan das Central-Comite des eidgenössischen Sängervereins in Chur\nunter Beobachtung folgender Form: das Werk soll mit einem Motto\nversehen und in einem Briefe, auf welchem dasselbe Motto steht,\nder Name des Autors verschlossen sein. Termin zur Eingabe: Ende\nOctober 1863. Der eidgenössische Sängerverein wird das beste von\nden zweckentsprechenden Werken auf eine seiner würdige JVeise\nhonoriren.\nDas Sängerfest, welches am 28. und 29. Juni in Oedenburg\nbtatt tand, das erste derartige in Ungarn, da bei demselben deutsche\nund ungarische Sänger vereint wirkten, war vom schönsten Wetter\nbegleitet und zog eine bedeutende Zahl von Vereinen und Gesell-\nschaften aus nah und fern heran. Der Empfang der deutschen Ver-\neine am Bahnhofe durch die ungarischen war ein herzlicher; beson-\nders die Wiener erfreuten sich einer sehr freundlichen Aufnahme.\nEs wurden fünf Chöre in ungarischer, neun in deutscher Sprache,\ndavon einer ausschliesslich vom wiener Gesangvereine vorgetragen.\nWurden schon die meisten Chöre mit stürmischen Eljens begleitet,\nso waren doch vorzugsweise die deutschen Gesammt-Vorträge („Un-\ntreue\", „Loreley\", „Vineta\") die Glanzpunkte der Productionen. Bei\nTische wurde der erste Toast unter allgemeinem stürmischem Jubel\nfer. Majestät dem Kaiser gebracht und sogleich nach Wien telegra-\nphirt. Während der ganzen Dauer des geselligen Zusammenseins\nliessen es die Ungarn an begeisterten Ausbrüchen ihrer Sympathieen\nfür die Deutschen nicht fehlen und zahlreiche gegenseitig darge-\nbrachte Toaste lösten sich ab. Von den Vorträgen sind zu bemer-\nken: „Ehre Gottes4, „Normannssang\", „Hymne\" mit Musikbegleitung\nvon E. H. z. S., „Das deutsche Lied\", „Maiennacht\", „Mutterseelen\nallein\" und zum Schlüsse „Kriegers Gebet\" mit Blechharmonie."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.9", "texte": "Beilage zu Nr. 29 der Niederrheinischen Musik-Zeitung.\nNr. 15. Gesang der Forelen."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630718-01.1.10", "texte": "Köln. Druck von M. DuMont-Schauberg."}]}