{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-07-25-01", "volume": "bmtnabi_1863-07-25_01", "ocr_sha256": "d198bc9ae6fc32c6d7af629402445a7569ed431490cc5a5eadfd4df632723496", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/07/25_01/bmtnabi_1863-07-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-07-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "233", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nGr. F. Händel's Werke. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Von E. Krüger. Das Sängerfest zu Strassburg\nam 20. 22. Juni. Das Musikfest in Lüttich. Aus London (Die Hugenotten in Coventgarden; Fräulein Pauline Lucca, Karl For-\nmes. Schluss von Her Theatre: Webers Oberon in neuer Gestalt. Von A. Tages- und Unter h a 11 ungsb 1 at t (Braun-\nschweig (Norddeutsches Sängerfest Wien, Volks-Concert, Johann Herbeck Mailand, zwei neue Theater Curiosum)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-25-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-25_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-07-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "235", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.2.2", "titre_corps": "G. F. Händel’s Werke. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft.", "titre_sommaire": "G. F. Händel’s Werke. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft.", "signature_source": "E. 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Von diesen sämmllichen sind nur fünf oder sechs\nden Kunstfreunden allgemeiner bekannt, die übrigen hier\nnach langer Vergessenheit zum ersten Male erneuert.\nVon einem grossen Theile der Werke unseres Mei-\nsters war bei seinen Lebzeiten wenig Besseres als diebische\nNachdrücke zu haben; erst nach seinem Tode kam eine\nanständige Gesammt-Ausgabe in London zu Stande durch\nSamuel Arnold, einen geborenen Deutschen; die Aus-\ngabe, seit 1786 in 36 Bänden erschienen, enthält von\nden italiänischen Werken wenig, von deutschen gar nichts\nund ist fern von Correctheit. Danach ward eine neue\nHerstellung begonnen durch die Handel Society in London\nseit 1843; diese gab in den Jahren 1844—47 je zwei\nBände, danach mit mehreren Jahrlücken je einen Band\n1850, 52, 53, 55, 57, 58, zusammen 14 Bände in 15\nJahren.—lm Jahre 1856 ward die Deutsche Händel-\nGesellschaft gegründet durch Chrysander und Gervinus,\nwelche seit 1858 in vier Jahrgängen 15 Bände heraus-\ngab. Sie gibt von allen Vocalsachen vollständige Partitur\nund Clavier-Auszug, deutschen und englischen Text und\nist auffallend billig gestellt, indem sie jährlich drei Liefe-\nrungen, d. h. Bände, für 10 Thaler an die Abonnenten\nbringt, während die londoner Einen Band gleichen\nUmfanges für 8 Thaler mit nur englischem Texte ausgibt.\nSo das Aeusserliche; weit erheblicher jedoch ist die\nSteigerung des inneren Werthes durch kritische Her-\nstellung, indem die Herausgeber, vor Allen der unermüd-\nlich hingebende Chrysander, aus dreierlei Quellen\n1) den Original-Manuscripten, 2) den Copieen von Schmidt,\ndem Amanuensis Händel's, 3) den Einzelstimmen aus Hän-\ndel's Zeit, welche bisher theils wenig, theils gar nicht be-\nnutzt sind —die möglichst ursprüngliche und vollständige\nGestalt herzustellen mit Erfolg bemüht sind. Davon liegt\nunter Anderem ein Beweis vor in den Jahrbüchern für\nMusicalische Wissenschaft (1863), 1, 408, wo ein Ver-\ngleich der deutschen und englischen Ausgabe des Saul\nangestellt wird. Wer sich selbst überzeugen will, vergleiche\nauch die übrigen Werke, die bis jetzt in beiden Ausga-\nben vorliegen; es sind ausser Saul: Acis und Galatea,\nein mythisch-pastorales Drama; L'Allegro, il Pensieroso\ned il Moderato, ein dramatisches Charakterstück; Sam-\nson und Coronal-anthem. Die englische Ausgabe ist sehr\nsplendid, mit grosser Raumverschwendung gedruckt, da-\ngegen ihre Mittheilungen keineswegs zuverlässig, der reich-\nlich vorliegende kritische Apparat*) nirgend völlig ausge-\nbeutet; die deutsche hat ausser der sorgfältigsten Kritik\nund Correctheit auch den Vorzug der saubersten und ge-\nfälligsten Typographie neben grosser Raumersparniss. Die-\nses alles hat die Kosten der Herstellung verhältnissinässig\nerhöht, während der Subscriptions-Preis verhältnissinässig\nniedrig ist. Möglich wird das nur durch die Hingebung\nder, Editoren, die nur mit persönlichen Opfern im Stande\nsind, der grossen Sache gferecht zu werden; daran zu er-\ninnern ist Pflicht, weil hier ein vaterländischer Genius dem\nVaterlande gleichsam wiedererobert wird. Die Engländer\nnennen Händel gern den Ihrigen, weil er ihrem Lande die\nbeste Zeit und Kraft seines Lebens gewidmet, und ehren\nihn bis heute als den einzig Unvergänglichen, der ihnen\n\n*) aas und über welchen späterhin besondere Beilagen zur deut-\nschen Händel-Ausgabe erscheinen werden."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5328, "texte": "zugleich als Maassstab der höchsten Kunst und als Boll-\nwerk gegen das Ueberlluthen der niederen gilt. Dem Deut-\nschen lag es fern, ihn als Cenlrum der Kunstübung anzu-\nsehen, weil während seines Lebens seine Werke langsam\nüber's Meer gingen, nach seinem Tode aber die gewaltige\nBewegung der Künste begann, welche gleichzeitig Poesie\nund Musik ergrifi' und ruhiges Beharren nicht gestattete.\nZudem ist es weit schwerer, unter Deutschen einen Ton\nanzugeben, der überall durchklinge und die Mode dictire,\nwie in London und Paris. Haben wir doch nicht einmal\nein einziges Volkslied zu Wappen und Panier, weil die\nFülle schöner Lieder zu gross ist und weih Eigensinn und\nVielsinnigkeit uns im Blute sitzt: die Ursache, nicht die\nFolge unserer Zersplitterung. Ob aber schon damals\nder Wesens-Unterschied von Händel und Bach gefühlt\nward? Dort die einfältige Grösse und geborene Plastik der\nherrlichen Tonbilder, überwiegend ins »Vocale gewendet,\nhier die tiefsinnige, fast philosophische Fülle des Gedan-\nkens, der so oft droht, den Leib der Schönheit zu über-\nwachsen, woneben der freilich doch hindurchwehende\nDuft der naiven Genialität leiser vernommen wird;\nes ist schwer, zu sagen, warum sich ein Uebergewicht der\ndeutschen Neigung auf die Bach'sche Bichtung geworfen\nhat. Seine Instrumentalität, aus welcher die meisten mo-\ndernen Bichtungen durch Vermittlung seines Sohnes\nPhilipp Emanuel abgezweigt sind, ist Mitursache, kann\nes aber allein nicht sein. Wie dem auch sei: Händel's\nName und Werk ist auch in Deutschland, wenngleich nicht\nso überwiegend wie bei Engländern, doch gleich An-\nfangs in Ehren gehalten: zuerst in den Kreisen Adam\nHiller's, der den Messias 1786 in Berlin aufführte und\nsich rühmte, es besser zu machen, als das stolze Albion;\ndann bei Klopstock. Claudius und ihren Gefstver-\nwandten, endlich bei dem congenialen Mozart. Nach\nihnen aber vernahm man lange wenig Händel sches in\nDeutschland; erst seit vierzig Jahren lebte sein Gedächtniss\nwieder auf, und bald wurden die Aufführungen seiner\nWerke häufiger und beliebter.\nWie die Händel-Ausgabe an innerem und äusserem\nWerthe der Bach-Ausgabe voransteht, erkennt jeder Ein-\nsichtige; und doch ist das Unternehmen noch nicht so ge-\nwurzelt, dass sein Bestand nach allen Seiten gesichert\nwäre. Denn wenn auch der erlauchte Protector der Ge-\nsellschaft, unser allergnädigster König, ausser den Jahres-\nbeiträgen noch eine ausserordentliche Subvention bewilligt,\nso hat dieses hohe Beispiel wenig Nachfolge gefunden,\nselbst bei kunstliebenden Fürsten. Die Hindernisse liegen\nnicht in der Sache, als ob Händel's Art und Kunst uns\netwa ferner stände, seine hohen Werke weniger zu unse-\nrem Herzen sprächen, als die anderer Meister, sondern es\nsind äusserliche, zum Theil persönliche, über welche sich\neine ganze Geschichte deutscher Gesinnung schrei-\nben liesse.\nFragen darf man wohl, ob bloss die „Kunst\"-Ar-\nchäologie nach münchener Sprechweise heisst Kunst\nnur die plastische! —es werth sei, historisch-kritisch bear-\nbeitet zu werden; ob nur literarisch-poetische Antiken bis\nzum kleinsten Blättchen herab tausendfältige Erneuung,\nExegese, Kritik erheischen, und ob daneben das weite\nGebiet der heute weltdurchdringenden Tonkunst ein min-\nderes oder incommensurabeles oder gar verächtliches sei.\nWelche Bedeutung für die Wissenschaft der Kunst eben\ndie Musik vor anderen Künsten habe, das ist noch nicht\nüberall anerkannt. Ob die Wissenschaft der Musik jemals\nan die der bildenden Künste heranreichen werde, bezwei-\nfelt man, weil die Musik geistig zu unbestimmt sei. Wie\nmächtig auch diese Meinung abseiten der Hegel'schen\nSchule gehegt werde, ihre Stunde wird kommen, da sie\nAbbitte thue und das, was nicht in ihren Systemen ge-\nträumt wird, dennoch anerkenne. Unsere Wissenschaft\nringt danach, in Geschichte und Aesthetik ihre Ebenbür-\ntigkeit zu erweisen. Geschichtlichen Inhalts sind in\ndiesen zehn Jahren von Bellermann, J. Franz, 0.\nJahn, Chrysander schon die umfangreichsten Forschun-\ngen specieller Gebiete mitgetheilt, und auch praktische\nFachmusiker*) bemühen sich, ihr Scherflein beizutragen\nfür die einstige Geschichte der Tonkunst, zu welcher seit\nhundert Jahren nur die ersten unbehauenen Bausteine ge-\nlegt sind. Die physikalische' Ton lehre ist seit mehr\nals 2000 Jahren bearbeitet und fast erschöpft; ihre Er-\ngebnisse zum künstlerischen Zwecke zu verwenden, ist fast\nnur träumend versucht, bis die jüngst hin erschienene Lehre\nvon den Ton-Empfindungen von Helmholtz zuerst die\nWahrheit jener Träume in einer exacten Weise darstellte,\nwofür die frühere Wissenschaft weder Mittel noch Nei-\ngung besass. Endlich die Aesthetik; in den bisher\ngangbaren Systemen ist die Tonkunst fast nur untergeord-\nneter Weise oder so behandelt, dass es erklärlich ist, wenn\nsie sich in diesen gelehrten Kreisen unbehaglich fühlt. Wir\naber lassen die Hoffnung nicht sinken, dass von der Ton-\nkunst eine Läuterung der Aesthetik ausgehen wird, sobald\nsie anknüpft an das, was der genialste Denker, von dem\ndie neueste Philosophie den positiven Ausgang genom-\nmen, unvollendet gelassen.\n\n*) Z. B. Moriz Fürstenau in Dresden, über dessen Schrift\n„Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der\nCliurfürsten von Sachsen\", wie über G. Seb. Thomas „Die\ngrossherzogliche Capelle in Darmstadtu und andere man\nNiederrh. Musik-Zeitung, 1862, Nr. 27 vergleiche."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 243, "texte": "Diese Betrachtungen knüpfen sich nicht als müssige\nDigressionen, sondern als nahe liegende Consequenzen an\ndas grosse Händel-Werk und an das Wirken des Mannes,\nder ihm und der Kunst und Wissenschaft der Töne sein\nLeben gewidmet hat.\nGöttingen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.3", "debut_caractere": 5153, "fin_caractere_exclue": 5163, "texte": "E. Krüger,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-07-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "235", "page_fin": "236", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.2.3", "titre_corps": "Das Sängerfest zu Strassburg am 20.—22. Juni.", "titre_sommaire": "Das Sängerfest zu Strassburg am 20.—22. 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Nun, die Ohren\nder Menge sind geduldig und mächtig die Wirkung der\nKinderstimme: Alles war entzückt! Abends kamen die\nvielen Sängergesellschaften des Ober- und Niederrheines\nan, und die Soldaten protegirten sie wieder bis zu den\nvielgepriesenen Einquartierungen. Spät aber wurden Sere-\nnaden dem Herrn Maire, Präfecten und den» General ge-\nbracht wieder von Soldaten. Eben jetzt, es ist 6 Uhr,\nbläst wieder Einer seine Truppen zusammen, um die Fest-\nsänger aus dem Concerte durch die Strassen zu begleiten.\nEs ist mehr ein Festival für die Armee, als ein Sängerfest,\netwa um die Einnahme von Puebla zu feiern. Aber das\nTollste war doch „La diane\",wie sie den Zapfenstreich\nbeim Sonnenaufgang hier nennen. Von 6 Uhr früh an\nwurde es nicht gestaltet, mehr zu schlafen, denn fünfzig\nTrommeln (wenn es auch nur zwanzig sind) schlugen diese\nDiana zum Bette hinaus und verfolgten die Göttin durch\ndie ganze Stadt. Kanonen und Glocken stimmten mit ein.\n„Beim Feste darf man nicht schlummern!\" meinte mein\nZimmergenosse, und wir sprangen muthig auf.\nquoi tout ce bruit? Sollten die Kanonen etwa die Ankunft\neiner Jenny Lind ankündigen? Sollte denn ein schönes\nWerk bald ertönen und das Publicum unter Kanonendon-\nner in den Saal gebeten werden? Nein! es ist wohl eine\nHalle gebaut worden, sie fasst 8000 Menschen, aber mehr\nwie ein schönes Stück stand nicht auf dem heutigen Pro-\ngramm. Auf dem Kleber-Platze steht das Holzgebäude,\nKleber steht stolz in der Mitte und wundert sich über die\nzahmen Musiken der Vereine, vielleicht hundert oder noch\nmehr an der Zahl, denn auch die Pompiers des ganzen\nElsass halten dieser Tage ihren Concurs. Nur Geduld, es\nwird schon besser kommen! leb will Ihnen aber gleich\nsagen, was am schlechtesten, am lahmsten aufgeführt\nwurde und dadurch am wenigsten erfreute: eben das eine\nschöne Stück, von 3000 Stimmen gesungen: Mendels-\nsohn's Festgesang an die Künstler. Seit Wochen haben\nes die vielen Vereine fein einstudiren sollen, haben es aber,\nwie mir scheinen will, unbeachtet gelassen und nur\nmorceau de concours*geochst. Den Ausdruck erlauben\nSie mir: denn wie da geübt wird, bis man den Wettchor\n(meistens seichte, fade Compositionen) inne hat und aus-\nwendig kann, ist unbeschreiblich. Der Orpheon von Colmar\nz. B. singt schon seit einem Jahre die goldenen Lebens-\nregeln von ein Opern-Potpourri für Männerstim-\nmen mit „Backwerk, Fleisch und Fischen\", mit Sum sum\nsum, Rataplan plan, Trara und Heidideldum, Heirassah\nund Tschingeradada, Dobreio, Sodo vidido und Pepita\n(Alles wörtlich), und hat es noch nicht so weit gebracht,\ndass die Xeinen, eingegeigten Sänger eine Secunde das\nAuge vom Blatte aufgehoben hätten; nein, schüchtern wie\ndie jungen Confirmanden schlugen sie die Blicke nieder,\nindess meine Nachbarin behauptete, sie schämten sich der\nnichtswürdigen Wahl ihres Stückes. Wahrlich, das haben\nViele mitempfunden, Einheimische und Ausländer, und er-\nkundigten sich nach dem Herrn Director, der sich nicht\ngeschämt hatte, ein so geschmackloses, gemeines Stück\nden feinen Franzosen vorzuführen.\nDer Anführer dieses Vereins heisst *,\nde l'ecole municipale de musiq Wahrlich,\nwenn die jungen Musiker, die in den deutschen Musik-\nZeitungen von Flöten-, Fagott- und anderen Lehrerstellen\nin Colmar mit 1000 Francs Gehalt lesen, wüssten, wie\nda unter Monsieur *'s Anweisungen gelehrt und musicirt\nwird, sie würden lieber in Hildesheim oder Bockenheim\nJahr aus Jahr ein zweite Geige spielen oder als Copisten\ndes geistreichen Componisten Malibran in Frankfurt (der-\nselbe, der das 6fe-mo//-Quartett von Beethoven für Schu-\nbert's B-durhielt und recensirte) sich lebenslänglich enga-\ngiren lassen. Ohne Talent, ohne Naturanlagen ist der Musik-\nHauptmann im Elsass nicht, aber er hat zu wenig gelernt,\nkennt unsere grossen Herren und Meister nicht und ver-\ngeudet durch seinen schlechten Geschmack die Stimm-\nmittel seiner talentvollen Orpheonisten, wie durch seine\nUnwissenheit das Geld der Stadt Colmar, die für die Mu-\nsikschule jährlich Tausende bewilligt und nichts dalür\närntet als Concurs-Medaillen dem Herrn Director. Kurz,\nüber das ganze Programm lässt sich nichts sagen, als dass\ndie Mülhauser unter Heiberger's Leitung und die Badenser\nsich auszeichneten, dass Herr Kücken selbst den Chant des\nMontagnards dirigirte, ferner dass das Potpourri von\ndie Ungebildeten entzückte, dass die colmarer Sänger wirk-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2858, "texte": "lieh fein und correct sangen, und dass Mendelssohn's popu-\nläres Prachtstück so gut wie durchfiel. Ist das nicht maass-\ngebend, nicht charakteristisch genug?\nEinen Fortschritt hat die\nrales d'Alsace gemacht. Das Comite liess, ich glaube zum\nersten Male, vom Blatte lesen. Schwer war die Aufgabe\nallerdings nicht: ein langsamer Chor in F-dur mit Modu-\nlation ä la modenach Des.Auch lösten die talentvollen\nColmarer neben sieben Kämpfern mit Leichtigkeit ihre\nAufgabe, diesmal ohne die Geige des Herrn Directors,\njedoch nicht ohne die Mithülfe der Herren Professoren der\nMusikschule, die auch a prima vmitlesen durften.\nDoch genug von dem. Was kann es für ein Interesse für\nIhre Leser haben, wenn ich erzähle, dass diese oder jene\nGesellschaft den Preis bekommen hat, dass die Gesellschaft\naus Thann, Stockhausen jun.an der Spitze, sich durch die\nWahl eines Schumann'schen Chors auszeichnete und wirk-\nlich einen zweiten Preis davon trug? viel wichtiger ist es,\nvom musicalischen Theile des Festes zu reden. Doch wie?\nVon den Cantaten der Herren Schwab und Elbel, „Les\nvoix de la Lyre\" und „L'Ocean*. Lässt sich nichts sagen.\nSie würden mir ohnehin nicht erlauben, die Werke zweier\ntalentvollen Dilettanten in Ihrem Blatte zu besprechen.\nEs ist nicht Concert-Musik, nicht Oratorien-Musik, nicht\nTheater-Musik! Nenne man sie nach Belieben, aber spre-\nchen darf man nicht darüber. Es bleibt eine ewige Schande\nfür die beiden jungen Strassburger, unsere schöne, edle\nKunst bei einem Sängerfeste vor 5000 Zuhörern auf diese\nWeise entwürdigt zu haben. Dass aber der feine Berlioz,\nder stets nur das Beste will, der nur zu wählerisch zu\nWerke geht, nach den Gemeinplätzen der Herren Schwab\nund Elbel als Sündenbock sich hinstellen und seine , Kind-\nheit Jesu\" dirigiren konnte, ist unbegreiflich. Einen Meister\nwie Berlioz, der an der Spitze der modernen Schule in\nFrankreich steht, neben zwei Dilettanten hinzustellen, ist\neine gränzenlose Tactlosigkeit. Man hätte ihm zwei wür-\ndigere Vertreter der Nationalschule zur Seite geben\nkönnen. Man hätte von Lesueur, seinem Lehrer, ein Werk\naufführen können, von M£hul die Oper Utal für Männer-\nstimmen und Sopran-Solo (als Concert), von Mendelssohn,\nals Vertreter der deutschen Kunst, Antigone. So hätten\nwir einen seltenen musicalischen Genuss gehabt und die\nVereine im Elsass hätten später mit Stolz auf das Festival\nvon 1863 zurückblicken können. Zwei grosse Gedanken\nliegen der Association zum Grunde: das Volk durch Musik\nzu veredeln und es mit dem Nachbarvolke durch Harmonie\nzu verbrüdern. Schöneres gibt es nicht; an Mitteln jeder\nArt fehlt es auch nicht. Aber ohne ernstes Studium, ohne\neine geschmackvolle Wahl der Stücke, der Programme\nwird man den schönen Zweck nicht erreichen. Ohne die-\nsen Ernst, ohne den höheren Glauben an die göttliche\nKunst bleibt es, wie ein Strassburger selbst äusserte\neine Farce!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-07-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "238", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.2.4", "titre_corps": "Das Musikfest in Lüttich", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Lüttich", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.4", "debut_caractere": 2860, "fin_caractere_exclue": 5284, "texte": "Das Musikfest in Lüttich\n*).\nBei Gelegenheit der Festlichkeiten in Lüttich, zu\ndenen die landwirtschaftliche Ausstellung u. s» w. Veran-\nlassung gab, hatte die städtische Behörde zum Schlüsse die\nVeranstaltung eines grossen Concertes gewünscht und sich\ndesshalb an den Director des dortigen Conservatoires der\nMusik, Herrn Soubre, gewandt. Dieser treffliche Musi-\nker, von dem in diesen Blättern schon öfter die Rede ge-\nwesen ist, hatte den Muth, die schwierige Aufgabe zu über-\nnehmen und als ein Verehrer der classischen Musik sie auf\nähnliche Weise durchzuführen, wie es auf unseren rheini-\nschen Musikfesten geschieht, deren regelmässiger Besucher\ner seit Jahren war.\nDie Lösung der Aufgabe war nicht nur wegen der\nkurzen Zeit etwa acht Wochen —, die zur Vorbereitung\nnoch vorhanden war, schwierig, sondern hauptsächlich we-\ngen der Hindernisse, die sich in Belgien der Vereinigung\neines zahlreichen Chors von Damen und Herren entgegen-\nstellen. Wenn es auch an Sängern nicht mangelt, auch\nnicht an Sängerinnen, so herrschen doch bei den letzteren\nnoch starke Vorurtheile gegen das öffentliche Auftreten\nund gegen eine Gemeinschaft, bei welcher nur das Talent\nund nicht die gesellschaftliche Stellung zur Theilnahme be-\nrechtigt. Es gehörte die allgemeine Anerkennung der Ver-\ndienste des Directors des Conservatoires, dem Lüttich schon\ndie symphonischen Concerte verdankt, und die Popularität,\ndie ihm sein Charakter und seilt gesellschaftlicher Tact\ngewonnen, dazu, dass sein Aufruf zur Bildung eines Sän-\ngerchors so grossen Anklang fand, wie es der Fall war.\nDadurch wurde es möglich, ein Chor Personal von 104\nSopranen, 85 Altistinnen, 110 Tenören und 154 Bassisten\naufzustellen. Zu diesen 453 Sängern und Sängerinnen\nhatte die Stadt Verviers, die einzige in Belgien, in der\nein ständiger Singverein blüht, 59, die Stadt Antwerpen\n\n*) Während die Deutschen in Strassburg fast nur französi-\nsche Musik auf ihr Fest-Programm brachten und dort, mit\nAusnahme einiger deutschen Lieder, welche die Vereine aus\nBaden vortrugen, sogar Kücken's „Normannssang\", in Charit\ndes Montagnards verwandelt, französisch gesungen wurde, ha-\nben die gallisch-romanischen Wallonen in Belgien\nauf ihrem Musikfeste nur classische Musik deutscher Ton-\nmeister aufgeführt! Merkwürdig genug und leider charakte-\nristisch für die Verläugnung der Nationalität, dfe sich Deutsche\nso häufig im Auslande zu Schulden kommen lassen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5354, "texte": "14 Mitglieder (unter diesen die. Fräulein Teichmann, Töch-\nter des Gouverneurs) gegeben, die übrigen waren aus Lüt-\ntich selbst, darunter vom Conservatorium 120 —l3O\nStimmen. Das Orchester bestand aus 90 Instrumentalisten,\ndie mit Ausnahme der Herren Bernier (Contrabass) und\nBeumer von Brüssel sämmtlich aus Lüttich waren, und\nnoch zahlreicher gewesen sein würden, wenn nicht ein\nTheil des lütticher Orchesters im Bade Spa engagirt wäre.\nEs war das zweite Mal, dass in Belgien ein solcher Verein\nausführender Dilettanten und Künstler zu einer festlichen\nAufführung zusammenkam, doch war vor zwei Jahren in\nAntwerpen der Chor nicht so zahlreich, wie der gegen-\nwärtige in Lüttich*).\nDas Concert hatte einen kaum geahnten Erfolg. Herr\nSoubre hatte schon in den Proben Alles für die Sache\nnicht bloss interessirt, sondern wirklich begeistert, und\nschon nach der Generalprobe wurde ihm ein prächtiges\nSilber-Service von Seiten der Mitwirkenden überreicht,\n„dem Manne, der zuerst ins Werk gesetzt, was Keiner vor\nihm gewagt hatte\".\nDas Concert fand im Theater Statt, das in allen Zu-\nschauerräumen überfüllt war. Unter den Zuhörern be-\nmerkten wir die Herren Willmotte aus Antwerpen, Lassen\naus Weimar, Cornelis aus Brüssel, Graf von Stainlein aus\nMünchen, Musik-Director Wüllner, Bürgermeister Pranghe\nund Ackens, Dirigent der Concordia, aus Aachen und An-\ndere. Die Einrichtung und Ausschmückung des Locals war\ngeschmackvoll angeordnet: Chor und Orchester füllten die\nBühne, die nur den Fehler hatte, dass den Abschluss ein\nVorhang und nicht eine Wand von Holz bildete. Dies und\ndie zu geringe Erhöhung des Orchesters thaten dem Klange\nAbbruch, zumal bei den Blas-Instrumenten, welche zu tief\nstanden. Das Concert begann um 6 Uhr und dauerte bis\n11 Uhr.\nBeethoven's prachtvolle Ouvertüre Nr. 3 zu\nLeonore eröffnete den Festabend; sie wurde mit Sicher-\nheit, richtigem Gefühl für Ausdruck und merkwürdigem\nSchwung ausgeführt. Mendelssohn war durch sein\nphantasiereiches Meisterwerk „Die erste Walpurgisnacht\"\n(mit geschickt gemachter Textes-Uebersetzung von Prof.\nLeroy) und durch sein Violin-Concert vertreten, welches\nWieniawski mit Feuer und Energie spielte, dann ferner\nin einer Legende (?) und Variationen von seiner Compo-\nsition sehwindelnde Bravour offenbarte, die stürmischen\nDaeapo-Ruf veranlasste. Er besitzt allerdings eine fabel-\nhalte Virtuosität, allein sie verführt ihn auch zuweilen da-\nzu, ihr den Vorrang vor dem Inhalt und Charakter des\nMusikstückes einzuräumen, wie z. B. in einer ausführlichen\nCadenz in Mendelssohn's Concert und in dem rasenden\nTempo des letzten Satzes desselben. Diese übertriebene\nSchnelligkeit schadet der Klarheit der Passagen und dem\nAusdruck des Gesanges im pianzumal in einem so gros-\nsen Locale und bei einem Tone, der an Dicke und Klang-\nfülle dem Tone anderer Meister der Violine nicht gleich-\nkommt.\nFrau Ch arton- De m eur sang die Arie „Ihr Götter\ncw'ger Nacht\" aus Gluck's Alceste und die Scene der\nAgathe aus Weber's Freischütz. Sie erhielt Beifall durch\nden dramatischen Vortrag, den sie entfaltete (im Gebete\nder Agathe ging dieser aber über den Charakter des Ge-\nsangstückes hinaus), wesshalb man so artig war, über die\nSchärfe ihrer Stimme und den Verlust der Frische in der\nhöheren Tonregion hinwegzuhören. Die pathetische Arie\ndes Joseph von Meh u I und die Arie des Uriel aus H a y d n's\n„Schöpfung\" fanden in Herrn Jourdan vom Theater zu\nBrüssel einen glücklichen Dolmetscher; er ist ein geschick-\nter Sänger mit einem schönen Tenor von Baritonklang,\ndem desshalb die höheren Töne nur mit einiger Anstren-\ngung gelingen. Er wurde mit Recht durch grossen Applaus\ngeehrt, und schon die Wahl der Stücke, die er vortrug,\nzeugte von einem Geschmack an dem Edlen in der Musik,\nden man bei französischen Opernsängern selten findet.\nAuch Händel, der Grundpfeiler unserer Musikfeste,\nwar vertreten, wenn auch nur durch Bruchstücke aus dem\nAlexanderfeste (Arie für Bass) und drei Chöre aus Judas\nMaccabäus: „Fall ward seinLoos\", „Seht, er kommt mit\nPreis gekrönt\" und „Singt unserm Gott!\"\nStock hausen (der mit Jourdan auch die Soli in der\nWalpurgisnacht sang) fand bei seinem Vortrage der Partie\ndes Druiden und der Arie aus dem Alexanderfeste nicht\ndie enthusiastische Aufnahme, wie die anderen Solisten.\nDiese Art von Gesang, welcher den Erfolg nur durch die\nErfüllung der Bedingungen echt künstlerischer Vollendung\nerstrebt, war dem Publicum in Belgien neu und es fand\nsich nicht sogleich in dessen Verständniss und richtige\nWürdigung. Aber Stockhausen mochte wohl bei sich den-\nken: „Un moment, Messieurs!\" Denn bald darauf machte\ner mit seinem treuen „Ezio\" (von Händel) den Sturm-\nangriff auf die Festung, und zwar mit einem solchen Un-\ngestüm, dass der Widerstand der Besiegten sich in einen\nJubel verwandelte, der vielleicht nur mit dem Enthusias-\n\n*) Ueber das Concert in Antwerpen bei Gelegenheit des Künst-\nlerfestes am 19. August 186] vergleiche unseren Bericht in\nder Niederrh. Musik-Zeitung, 1861, Nr. 37. An der\nSpitze stand Herr Ch. Willmotte, Dirigent war Herr Cal-\nlarts. Das Programm brachte Beethoven's Eroica, eine Can-\ntate von Orl. Lassus, einen Psalm von Marcello, Mendelssghn's\nWalpurgisnacht und Händers Halleluja. Die Flamänder hatten\nden Vortheil vor den Wallonen, dass sie die beiden letzten\nGesangstücke mit deutschem Texte singen konnten. Der\nChor bestand aus 300 Stimmen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3124, "texte": "Mus der Mexicaner bei Forey's Einzug zu vergleichen ist.\nDer begeisterte Zuruf—und man hatte schon vier Stunden\nlang Musik gehört! ruhte nicht, bis Stockhausen die Arie\nwiederholte und dadurch einen neuen Ausbruch von Ova-\nlionen hervorrief. Vom 7. Juli 1863 an ist Stockhausen\nauch in Belgien, wie in Deutschland, der Sängerfürst ge-\nworden.\nDoch hören wir, was ein belgisches Blatt über den\ntrefflichen deutschen Sänger sagl:\n„Stockhausen, dessen Lob in so ausgesuchter Weise\nneulich von dem Musikfeste zu Düsseldorf auch nach Bel-\ngien herübertönte, hat diesem Rufe mehr als entsprochen.\nDieser Sänger ist von besonderer Art; in der Zeit der\nkollernden Rouladen und der endlosen Cadenzen besitzt er\nden originellen Eigensinn, den Launen und den gemeinen\nGelüsten der Menge kein Haar breit nachzugeben. Und\ndas Merkwürdige dabei ist, dass er mehr Erfolg hat, als\ndie Faxenmacher mit ihren gestossenen Tonleitern und\npolternden Coloraturen. Wahrlich, das Publicum ist kein\nFeind des Guten: das hat es bewiesen, indem es nach der\nArie aus Ezio von Händel, welche Stockhausen mit herr-\nlicher Breite und Grossartigkeit, mit Freiheit und Feinheitdes\nAusdrucks vortrug, ihm eine weithallende Ovation bereitete.\nMan hat diese edle, gemessene Gesangweise, welche nichts\ndem Effecte und dem Chariatanismus zum Opfer bringt,\nmehr applaudirt, als alle gefallsüchtigen Cascaden der\nModesänger. Die Sänger dürfen es dreist wagen, nicht ge-\nmein zu sein und durch Rauschgold zu bluffen: Stockhau-\nsen— und auch Jourdan—haben den Beweis geliefert, dass\ngute Musik, einfach und schön vorgetragen, gar sehr ge-\nfällt.\" (.Independance du 9. Juill.)\nWir haben nur noch die angenehme Pflicht zu erfül-\nlen, den Chören unsere volle Anerkennung zu zollen. Sie\nbildeten ein Ensemble, das durch Sicherheit und Schwung\nwahrhaft überraschte; man fühlte, dass es allen Mitwir-\nkenden Ernst mit der Sache war, dass sie ihre Aufgabe\nnicht leicht nahmen, sondern den grossen Meistern ihr\nRecht widerfahren lassen und ihre Werke in Belgien mit\nGlanz einführen wollten. Der Sopran erklomm kühn und\nrein die hohen Stufen der Tonleiter, der Gesammtton des\nAlts war so schön, wie man ihn selten hört, die Tenöre\nwaren frisch und gut geschult, die Bässe fest und sicher,\nwenn auch allerdings nicht von so vollem Klange, wie bei\nuns in Deutschland. Das Orchester spielte die Ouvertüre,\nwie schon gesagt, mit Auszeichnung; eben so brav zeigte\nes sich in Mendelssohn's und Händel's Chören und beson-\nders lobenswerth in der Begleitung der Solo-Vorträge.\nWir sprechen am Schlüsse dieses Berichtes über ein\nFest, das uns stets in angenehmer Erinnerung bleiben wird,\nden Wunsch und die Hoffnung aus, dass dieser erste Ver-\nsuch, der gleich so meisterlich gelungen, die Kunstfreunde\nin Lüttich ermutbigen möge, auf der mit so schönem Er-\nfolge betretenen Bahn fortzuschreiten und sich immer fester\num ihren vortrefflichen Führer zu schaaren. Es wäre\nschade, wenn eine so glücklich improvisirte Vereinigung\ntüchtiger musicalischer Kräfte nicht zu dauernder Gemein-\nschaft im Wirken für die Tonkunst und die Verbreitung\nder edelsten Gattung ihrer Schöpfungen führte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-07-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "240", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.2.5", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.6", "debut_caractere": 3126, "fin_caractere_exclue": 5186, "texte": "Aus London.\n\n[Die Hugenotten in Coventgarden; Fräul. P a u 1 i n e L u c e a\nKarl Forme s. Schluss von Her Majesti/s Theatre: Weber' s\nOberon in neuer Gestalt.]\nDen 20. Juli 1863.\nEs ist eine Politik unserer Opern-Unternehmer, die\nsich erfahrungsmässig als richtig bewährt hat, auf die letz-\nten Wochen der Saison einige ganz besondere Reiz- und\nZugmittel zu versparen, sei es durch die verzögerte Auf-\nführung älterer beliebter Opern oder neuer, hier noch\nnicht da gewesener, oder durch Vorführung hier noch\nnicht gehörter bedeutender Künstler, manchmal durch Bei-\ndes zugleich.\nSo hat denn auch dieses Jahr der Director von Covent-\ngarden, Herr Gye, einen glücklichen Wurf durch die Auf-\nführung von Meyerbeer's „Hugenotten\" gethan, welche\nerst am 18. d. Mts. zum ersten Male in dieser Saison, die\nschon am 1. August schliesst, in Scene gingen. Die Ver-\nsammlung war eine der zahlreichsten und glänzendsten,\ndie hiesigen Blätter bringen ganze Listen von anwesenden\nhohen Herrschaften, Herzogen, Grafen, Baronen u. s. w.\nund deren Gemahlinnen, wie das sonst nur bei Hoffesten\ngewöhnlich geschieht, undder Enthusiasmus war den ganzen\nAbend hindurch ein ausserordentlicher. Die neue Valen-\ntine, Fräulein Pauline Lucca vom königl. Hof-Opern-\ntheater in Berlin, hatte einen schweren Stand bei ihrem\nersten Auftreten in England. Ihre Vorgängerinnen, eine\nViardot, Grisi, Cruvelli, Tietjens u. s. w., standen alle in\ngutem Andenken und boten Vergleichungs-Momente dar,\ndie leicht zum Nachtheile der neuesten und jüngsten Valen-\ntine ausfallen konnten, die ohne grossen Namen, ohne vor-\nhergegangene Posaunenstösse der Reclame, ohne englischen\nPuff oder americanischen Humbug, sondern\nwie die Engländer mit einem treffenden Worte („ungehe-\nroldet\") Dinge bezeichnen, die nicht durch Ausrufer und\nMarktschreier angepriesen worden sind, nach London ge-\nkommen war, nach dem London, das, wie kekannt, gegen\nnie gehörte und unbekannte Bewerber um seinen Beifall\nvollends, wenn sie jung sind stets eingenommen ist\nund weit lieber die Anstrengungen seiner alten und lange"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5412, "texte": "erprobten Lieblinge begünstigt. Es muss vor diesem Pu-\nblicum eine neue Erscheinung plötzlich mit ganz unerwar-\nteten Talenten aufleuchten, wenn sie gefallen soll: dann\nerregt sie aber auch rasenden Enthusiasmus. So war es\nbei Adelina Patti, so jetzt bei Pauline Lucca. Der Applaus\nund Hervorruf nach ihrem Duett mit Marcel und eben so\nnach der Abschiedsscene von Raoul im vierten Acte war\ndermaassen rauschend und lärmend, dass die junge Sän-\ngerin davon hätte vor Stolz schwindelig werden können,\nwenn ihre Bescheidenheit nicht ihrem Muthe gliche. Das\nPublicum war offenbar vollkommen überrascht oder ear\no\nüberrumpelt; der Applaus war im ganzen Hause so un-\nwillkürlich, so aufrichtig und herzlich, so einmüthig, dass\nauch der grämlichste Beobachter gestehen musste, der\nEindruck, den die Künstlerin machte, sei ein ungewöhn-\nlicher und unwiderstehlicher.\nFräulein Lucca, die früher eine untergeordnete Stel-\nlung am Kärnthnerthor-Thealer in Wien einnahm, ist seit\nkaum zwei Jahren einer der ersten Sterne der berliner\nOper geworden. Ihre Darstellungen der Norma, Bertha\n(Prophet), des Cherubino (Mozart's Fi«aro), der Pamina,\nLeonore (Troubadour) u. s. w. hatten ihr bereits die volle\nGunst des Publicums gewonnen, als in der letzten Zeit\nihre Margarethe in Gounod's „Faust\" diese Gunst aufs\nhöchste steigerte, da sie in dieser Rolle ihre Kunstgenossin-\nnen Frau Harries-Wippern und Fräulein de Ahna nach\neinstimmigem Urtheile der Kenner und der Menge weit\nhinter sich liess. Sie verbindet mit Jugend und hübscher\nErscheinung Stimme, Kraft und dramatische Einsicht und\nauch eine gewisse Kühnheit, welche sie vielleicht später\netwas zu zähmen haben dürfte. So zart und schlank sie\nist, so überraschend ist es, wenn auf einmal aus diesem\nKörper eine so starke und so ausgiebige Stimme erklingt,\nein Sopran, welcher fast denselben Umfang hat, wie bei\nSophie Cruvelli, und, wenn auch nicht so voll und wohl-\nlautend, doch von der Höhe bis zur Tiefe frisch und durch-\nklingend ist. Ueber die Ansprüche, welche die Kritik an\ndie künstlerischen Leistungen des Fräuleins Lucca als Sän-\ngerin und Schauspielerin zu machen berechtigt ist, wird es\nerst später Zeit sein, zu reden, wenn der Wiederhall des\nganz aussergewöhnlichen Beifalls, der jetzt vor Allem zu\nconstatiren war, einiger Maassen verrauscht ist.\nDie übrige Besetzung der Oper war grösstentheils die\nfrühere. Dass Mario noch den Raoul singt, ist freilich nur\nin London möglich, und nur durch den oben erwähnten\nCharakter des hiesigen Publicums; übrigens lässt sich nicht\nläugnen, dass sein nobles, ritterliches Spiel und einzelne\nGesangphrasen, namentlich in dem Andante des Duetts im\nvierten Acte, noch dermaassen schön sind, dass man den\nEngländern wohl ihre übertriebene Pietät verzeihen kann.\nDiese Nachsicht braucht man aber bei Karl Formes\nnicht walten zu lassen; denn wer ihn als Marcel neulich\nauch zum ersten Male gesehen hätte, würde eingestehen,\ndass er für diese Rolle geschaffen ist und dass man eine\nvollkommenere Darstellung dieses mimisch-plastischen Sym-\nbols des Glaubens und der Treue in Spiel und Gesang nir-\ngendwo finden kann. Selbst der musicalische Berichterstat-\nter der Times, von dem man wahrlich nicht behaupten\nkann, dass er für Formes schwärmt, sagt: „Wir waren\nerfreut, den Marcel wieder einmal in den rauhen, aber ma-\nlerischen Umrissen zu sehen, die ihm Herr Formes gibt,\nwelcher die Rolle dieses strengen alten Hugenotten besser\nals irgend einer seiner Zeitgenossen auffasst.\" Eben so\nehrenvoll sprechen sich die übrigen Blätter aus, indem der\nKern ihrer Berichte mit dem Ausdrucke der\nübereinstimmt: „Herr Formes gab diese Bolle wiederum\nso, wie sonst Keiner sie geben kann.\" Wir haben in der\nTonregion, in welcher die Partie liegt und die Region\nist ausgedehnt genug nicht den geringsten Abfall von\nKraft und Klang in der Stimme des gewaltigen Bassisten\nwahrgenommen, und wir freuen uns, den Erfolg Ihres\nLandsmannes, einen Erfolg, der den schönsten seiner frü-\nheren Zeit nichts nachgab, für seine deutsche Heimat con-\nstatiren zu können.\nNeben ihm war Faure aus Paris ein trefflicher „St.\nBris\", und es ist unglaublich, was die Oper durch eine\ngute Besetzung dieser Rolle gehoben wird. Die Königin\nwurde von Mademoiselle Battü, der Page von Madame\nNantier-Didiee, „Nevers\" von Tagliafico gesungen, so dass\ndiese italiänische Opern-Vorstellung von zwei deutschen\n(Fräulein Lucca und Formes), drei französischen und nur\nzwei italiänischen Künstlern gegeben wurde.\nHerr Mapleson, der Director der zweiten italiänischen\nOper in Her Majesty's Theaire,kann sich zu seiner Saison\nGlück wünschen; den Gewinn des gefährlichen Spiels ver-\ndankt er vor Allem Fräulein Tietjens, welche oft vier-,\nja, fünf Mal in der Woche auftrat, weil sie die einzige So-\npran-Primadonna war und nur im Alt an der Alboni und\nTrebelli ebenbürtige Stimmen hatte. Mit Recht ertheilt\nMusical World dem Herrn Director die „Verwarnung\",\nkünftig vorsichtiger zu sein, wenn er nicht die prachtvollste\nStimme, die man seit Jahren auf der Bühne gehört, ge-\nfährden wolle.\nNach dem Schlüsse der eigentlichen Saison hat Herr\nMapleson noch sechs „Valet-Vorstellungen\"\nNights) zu niedrigeren Eintrittspreisen angekündigt. Das\nPersonal ist dasselbe, wie bisher, nur dass in einer musica-\nlisch-dramatischen Abend-Unterhaltung auch Madame Ri-\nstori mitwirkt. Er eröffnete diese zweite Reihe mit Weber's\n„Oberon\", dessen Aufführung bis nach Mitternacht dauerte."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1889, "texte": "Wie ist das möglich? Antwort: Weil der londoner Oberon\nein auf wunderliche Weise aus der Euryanthe u. s, w. „be-\nreicherter\" (?) ist und fünf Acte, statt drei hat. Erstens\nist der Dialog durchweg in Recitative verwandelt, und zwei-\ntens singen hier ausser den ursprünglich singenden Perso-\nnen auch Harun al Raschid und Babekan. Diese Einrich-\ntung der Partitur existirt seit 1860 und rührt, so viel\no\nbekannt, von Benedict her. Ein Duett mit Chor zwischen\nBabekan und Hüon (Act 2), ein Duett zwischen Rezia (hier\nReiza) und Hüon (Act 2), eine Arie von Hüon (Act 4) sind\naus der Euryanthe eingeschoben, ja, das Finale der Eu-\nryanthe bildet das Finale des fünften Actes des Oberon!\nFerner ist die erste Arie Hüon's der Partie des Oberon\n(Signor Bellini) einverleibt, wogegen Hüon (Sims Reeves)\ndie für den famosen Tenoristen Braham, den ersten Dar-\nsteller des Hüon, von Weber eingelegte Helden-Arie singt,\nwelche als Beilage zu dem Clavier-Auszuge von Schlesinger\ngedruckt ist. Ausserdem ist noch die Musik von „Abu Has-\nsan\" und von „Preciosa\" stellenweise zu Vorspielen und\nZwischenacten benutzt. Das ist der gegenwärtig in London\nals Meisterwerk gefeierte Weber'sche Oberon! Nun, man\nhat wenigstens noch so viel Respect vor dem Original ge-\nhabt, dass man keine Musik eines anderen Componisten\nhineingepfropft hat. Wie er nun zurecht gemacht und aus-\nstafOrt ist, macht er volle Häuser. Freilich, eine Rezia wie\ndie Tieljens hat es wohl noch nie gegeben, und eine Be-\nsetzung wie die der Fatime durch die Alboni, des Puck\ndurch die Trebelli, des Scherasmin durch Santley dürfte\nauch noch nicht oft da gewesen sein.\nDie nächsten Vorstellungen werden „Figaro's Hoch-\nzeit\" mit Fräulein Liebhardt aus Wien (Susanna), Tiet-\njens (Gräfin), Trebelli (Page), Wiederholung von „Oberon\",\n„Die Hugenotten\" und Gounod's „Faust\" sein. Dazwischen\ndie Vorstellung der Medea durch Madame Ristori.\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-07-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-07-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-07-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "240", "page_fin": "240", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.8", "debut_caractere": 1891, "fin_caractere_exclue": 5331, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nZu dem norddeutschen Sängerfeste, welches vom 10. bis\n13. d. Mts. in Braunschweig Statt fand, hatten sich nahe an 3000\nSänger eingefunden. Am Wettsingen betheiligten sich 17 Vereine,\nund erhielt der Männer-Gesangverein in Hannover den ersten Preis,\neinen vom Herzog von Braunschweig geschenkten Pocal im Werthe\nvon 600 Reichsthirn. In der Haupt-Aufführung in der Aegidienkirche\nwurden Compositionen von Methfessel, Franz Abt, Franz Schubert,\nHerbeck, Wilhelm Tscliircb, J. Otto und F. Lachner zu Gehör ge-\nbracht. Die anwesenden Componisten leiteten ihre Compositionen\nselbst und ärnteten reichen Beifall.\nWien« Sonntag den 19. d. Mts. um die Nachmittagsstunde fand\ndas zweite Volks-Concert des Männer-Gesangvereins zum Besten des\nSchubert-Monumentes im Krater Statt. Trotz der zweifelhaften\nWitterung hatten sich auf dem Concertplatze gegen 8000 Menschen\neingefunden. Die meisten Nummern des Programms, darunter Abt's\n„Maiennacht\", Braun's „Mutterseelen allein\" und Mendelssobn's „Ab-\nschied vom Walde\" mussten wiederholt werden. Am enthusiastisch-\nsten wurde Arndt1 s „Deutsches Lied\" aufgenommen.\nDem Vernehmen nach ist der artistische Director der Gesellschaft\nder Musikfreunde, Chormeister des Männer-Gesangvereins und Be-\nsitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, Herr Johann\nHerbeck, nun auch zum zweiten Vice-Hof-Capellmeister ernannt\nworden.\nIn Mailand werden gleichzeitig zwei neue Theater auf Actien\nerbaut, das eine in der Via del Giardino, das andere bei der Brücke\nPorta Ticinese; ersteres soll den Namen der Ristori tragen, die sich\nmit dem meisten Gelde daran betheiligte, das zweite den des gröss-\nten italiänischen Schauspielers Gustavo Modena.\nCuriosum. Die „Signale aus Wiesbaden\" (in den SenflfV-\nsehen Signalen Nr. 31) machen die Entdeckung, dass Beethoven's\nThema des ersten Allegro der fünften Sinfonie durch den Schluss-\nchor der „Schöpfung\", dieses „namentlich im dritten Theile sehr\nantiquirten Werkes\" von Haydn:\n- des Her-ren Ruhm, .er bleibt u. s. w.\nVeranlasst sei. Beweis: der erste Einsatz der Trompeten mit dem\nQuartenschritt nach oben in dem Tutti der (7-moZZ-Sinfonie! Bravo!\nDer Signalbläser raisonnirt dann über die immer noch wiederholten\nAufführungen der „Schöpfung\", wenn auch „mit der wackeren Gold-\nschmidtsfrau\" (wie nobel!), eben so über die Wahl der Lucia-Phan-\ntasie von Liszt durch Herrn Seiss in dem Concert des kölner Män-\nner-Gesangvereins, da diese ihren Dienst längst gethan und man\njetzt Liszt's Concerte, Sonaten, Harmonieen und Rhapsodieen spielen\nmüsse, „verzichtet\" aber darauf, die Vorträge des Pianisten Seiss\nund Violoncellisten A. Schmit „zu kritisirenund weiss über den\nGesang des kölner Männer-Gesangvereins nichts zu sagen, als das\nProgramm zu verzeichnen. Das macht stutzig und weckt den Ver-\ndacht, dass derselbe gar nicht in dem Concerte anwesend war, son-\ndern nur die Programme vor sich gehabt. Dabei ist ihm aber ein\nkleines Pech a la Malibran passirt. Er lässt den Herrn A. Schmit\n„eine Phantasie von Servais\" spielen! So stand freilich auf\nden grossen Anschlagzetteln; auf dem Programm im Saale hiess\nes: „Phantasie von Piatti\" zufällig aber spielte Herr A. Schmit\nkeine von beiden, sondern zwei kleinere, gar nicht zusammenhan-\ngende Einzelstücke, gesangreiche Melodieen, von seiner Composition,\nund diese konnte kein Musiker, der wirklich gegenwärtig\nwar, für eine Phantasie von Servais halten!! So werden Berichte\ngemacht!"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nGr. F. Händel's Werke. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Von E. Krüger. Das Sängerfest zu Strassburg\nam 20. 22. Juni. Das Musikfest in Lüttich. Aus London (Die Hugenotten in Coventgarden; Fräulein Pauline Lucca, Karl For-\nmes. Schluss von Her Theatre: Webers Oberon in neuer Gestalt. Von A. Tages- und Unter h a 11 ungsb 1 at t (Braun-\nschweig (Norddeutsches Sängerfest Wien, Volks-Concert, Johann Herbeck Mailand, zwei neue Theater Curiosum).\n\nG. F. Händel’s Werke. Ausgabe der deutschen\nHändel-Gesellschaft.\n\nVon dieser Ausgabe sind bis jetzt (1863, Leipzig,\nStich und Druck von Breitkopf und Härtel) fünfzehn Bände\nin Folio erschienen. Sie umfassen sechs biblische Orato-\nrien: Susanna, Athalia, Samson, Saul, zwei Passionen;\nsechs dramatische oder oratorienhafte Werke: Acis, He-\nrakles, Alexander, Semele, Allegro, Theodora; ausserdem\neinen Band Funeral-,einen Band (Trauer-\nund Krönungs-Hymnen), endlich eine Sammlung Ciavier-\nstücke. Von diesen sämmllichen sind nur fünf oder sechs\nden Kunstfreunden allgemeiner bekannt, die übrigen hier\nnach langer Vergessenheit zum ersten Male erneuert.\nVon einem grossen Theile der Werke unseres Mei-\nsters war bei seinen Lebzeiten wenig Besseres als diebische\nNachdrücke zu haben; erst nach seinem Tode kam eine\nanständige Gesammt-Ausgabe in London zu Stande durch\nSamuel Arnold, einen geborenen Deutschen; die Aus-\ngabe, seit 1786 in 36 Bänden erschienen, enthält von\nden italiänischen Werken wenig, von deutschen gar nichts\nund ist fern von Correctheit. Danach ward eine neue\nHerstellung begonnen durch die Handel Society in London\nseit 1843; diese gab in den Jahren 1844—47 je zwei\nBände, danach mit mehreren Jahrlücken je einen Band\n1850, 52, 53, 55, 57, 58, zusammen 14 Bände in 15\nJahren.—lm Jahre 1856 ward die Deutsche Händel-\nGesellschaft gegründet durch Chrysander und Gervinus,\nwelche seit 1858 in vier Jahrgängen 15 Bände heraus-\ngab. Sie gibt von allen Vocalsachen vollständige Partitur\nund Clavier-Auszug, deutschen und englischen Text und\nist auffallend billig gestellt, indem sie jährlich drei Liefe-\nrungen, d. h. Bände, für 10 Thaler an die Abonnenten\nbringt, während die londoner Einen Band gleichen\nUmfanges für 8 Thaler mit nur englischem Texte ausgibt.\nSo das Aeusserliche; weit erheblicher jedoch ist die\nSteigerung des inneren Werthes durch kritische Her-\nstellung, indem die Herausgeber, vor Allen der unermüd-\nlich hingebende Chrysander, aus dreierlei Quellen\n1) den Original-Manuscripten, 2) den Copieen von Schmidt,\ndem Amanuensis Händel's, 3) den Einzelstimmen aus Hän-\ndel's Zeit, welche bisher theils wenig, theils gar nicht be-\nnutzt sind —die möglichst ursprüngliche und vollständige\nGestalt herzustellen mit Erfolg bemüht sind. Davon liegt\nunter Anderem ein Beweis vor in den Jahrbüchern für\nMusicalische Wissenschaft (1863), 1, 408, wo ein Ver-\ngleich der deutschen und englischen Ausgabe des Saul\nangestellt wird. Wer sich selbst überzeugen will, vergleiche\nauch die übrigen Werke, die bis jetzt in beiden Ausga-\nben vorliegen; es sind ausser Saul: Acis und Galatea,\nein mythisch-pastorales Drama; L'Allegro, il Pensieroso\ned il Moderato, ein dramatisches Charakterstück; Sam-\nson und Coronal-anthem. Die englische Ausgabe ist sehr\nsplendid, mit grosser Raumverschwendung gedruckt, da-\ngegen ihre Mittheilungen keineswegs zuverlässig, der reich-\nlich vorliegende kritische Apparat*) nirgend völlig ausge-\nbeutet; die deutsche hat ausser der sorgfältigsten Kritik\nund Correctheit auch den Vorzug der saubersten und ge-\nfälligsten Typographie neben grosser Raumersparniss. Die-\nses alles hat die Kosten der Herstellung verhältnissinässig\nerhöht, während der Subscriptions-Preis verhältnissinässig\nniedrig ist. Möglich wird das nur durch die Hingebung\nder, Editoren, die nur mit persönlichen Opfern im Stande\nsind, der grossen Sache gferecht zu werden; daran zu er-\ninnern ist Pflicht, weil hier ein vaterländischer Genius dem\nVaterlande gleichsam wiedererobert wird. Die Engländer\nnennen Händel gern den Ihrigen, weil er ihrem Lande die\nbeste Zeit und Kraft seines Lebens gewidmet, und ehren\nihn bis heute als den einzig Unvergänglichen, der ihnen\n\n*) aas und über welchen späterhin besondere Beilagen zur deut-\nschen Händel-Ausgabe erscheinen werden."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.2", "texte": "zugleich als Maassstab der höchsten Kunst und als Boll-\nwerk gegen das Ueberlluthen der niederen gilt. Dem Deut-\nschen lag es fern, ihn als Cenlrum der Kunstübung anzu-\nsehen, weil während seines Lebens seine Werke langsam\nüber's Meer gingen, nach seinem Tode aber die gewaltige\nBewegung der Künste begann, welche gleichzeitig Poesie\nund Musik ergrifi' und ruhiges Beharren nicht gestattete.\nZudem ist es weit schwerer, unter Deutschen einen Ton\nanzugeben, der überall durchklinge und die Mode dictire,\nwie in London und Paris. Haben wir doch nicht einmal\nein einziges Volkslied zu Wappen und Panier, weil die\nFülle schöner Lieder zu gross ist und weih Eigensinn und\nVielsinnigkeit uns im Blute sitzt: die Ursache, nicht die\nFolge unserer Zersplitterung. Ob aber schon damals\nder Wesens-Unterschied von Händel und Bach gefühlt\nward? Dort die einfältige Grösse und geborene Plastik der\nherrlichen Tonbilder, überwiegend ins »Vocale gewendet,\nhier die tiefsinnige, fast philosophische Fülle des Gedan-\nkens, der so oft droht, den Leib der Schönheit zu über-\nwachsen, woneben der freilich doch hindurchwehende\nDuft der naiven Genialität leiser vernommen wird;\nes ist schwer, zu sagen, warum sich ein Uebergewicht der\ndeutschen Neigung auf die Bach'sche Bichtung geworfen\nhat. Seine Instrumentalität, aus welcher die meisten mo-\ndernen Bichtungen durch Vermittlung seines Sohnes\nPhilipp Emanuel abgezweigt sind, ist Mitursache, kann\nes aber allein nicht sein. Wie dem auch sei: Händel's\nName und Werk ist auch in Deutschland, wenngleich nicht\nso überwiegend wie bei Engländern, doch gleich An-\nfangs in Ehren gehalten: zuerst in den Kreisen Adam\nHiller's, der den Messias 1786 in Berlin aufführte und\nsich rühmte, es besser zu machen, als das stolze Albion;\ndann bei Klopstock. Claudius und ihren Gefstver-\nwandten, endlich bei dem congenialen Mozart. Nach\nihnen aber vernahm man lange wenig Händel sches in\nDeutschland; erst seit vierzig Jahren lebte sein Gedächtniss\nwieder auf, und bald wurden die Aufführungen seiner\nWerke häufiger und beliebter.\nWie die Händel-Ausgabe an innerem und äusserem\nWerthe der Bach-Ausgabe voransteht, erkennt jeder Ein-\nsichtige; und doch ist das Unternehmen noch nicht so ge-\nwurzelt, dass sein Bestand nach allen Seiten gesichert\nwäre. Denn wenn auch der erlauchte Protector der Ge-\nsellschaft, unser allergnädigster König, ausser den Jahres-\nbeiträgen noch eine ausserordentliche Subvention bewilligt,\nso hat dieses hohe Beispiel wenig Nachfolge gefunden,\nselbst bei kunstliebenden Fürsten. Die Hindernisse liegen\nnicht in der Sache, als ob Händel's Art und Kunst uns\netwa ferner stände, seine hohen Werke weniger zu unse-\nrem Herzen sprächen, als die anderer Meister, sondern es\nsind äusserliche, zum Theil persönliche, über welche sich\neine ganze Geschichte deutscher Gesinnung schrei-\nben liesse.\nFragen darf man wohl, ob bloss die „Kunst\"-Ar-\nchäologie nach münchener Sprechweise heisst Kunst\nnur die plastische! —es werth sei, historisch-kritisch bear-\nbeitet zu werden; ob nur literarisch-poetische Antiken bis\nzum kleinsten Blättchen herab tausendfältige Erneuung,\nExegese, Kritik erheischen, und ob daneben das weite\nGebiet der heute weltdurchdringenden Tonkunst ein min-\nderes oder incommensurabeles oder gar verächtliches sei.\nWelche Bedeutung für die Wissenschaft der Kunst eben\ndie Musik vor anderen Künsten habe, das ist noch nicht\nüberall anerkannt. Ob die Wissenschaft der Musik jemals\nan die der bildenden Künste heranreichen werde, bezwei-\nfelt man, weil die Musik geistig zu unbestimmt sei. Wie\nmächtig auch diese Meinung abseiten der Hegel'schen\nSchule gehegt werde, ihre Stunde wird kommen, da sie\nAbbitte thue und das, was nicht in ihren Systemen ge-\nträumt wird, dennoch anerkenne. Unsere Wissenschaft\nringt danach, in Geschichte und Aesthetik ihre Ebenbür-\ntigkeit zu erweisen. Geschichtlichen Inhalts sind in\ndiesen zehn Jahren von Bellermann, J. Franz, 0.\nJahn, Chrysander schon die umfangreichsten Forschun-\ngen specieller Gebiete mitgetheilt, und auch praktische\nFachmusiker*) bemühen sich, ihr Scherflein beizutragen\nfür die einstige Geschichte der Tonkunst, zu welcher seit\nhundert Jahren nur die ersten unbehauenen Bausteine ge-\nlegt sind. Die physikalische' Ton lehre ist seit mehr\nals 2000 Jahren bearbeitet und fast erschöpft; ihre Er-\ngebnisse zum künstlerischen Zwecke zu verwenden, ist fast\nnur träumend versucht, bis die jüngst hin erschienene Lehre\nvon den Ton-Empfindungen von Helmholtz zuerst die\nWahrheit jener Träume in einer exacten Weise darstellte,\nwofür die frühere Wissenschaft weder Mittel noch Nei-\ngung besass. Endlich die Aesthetik; in den bisher\ngangbaren Systemen ist die Tonkunst fast nur untergeord-\nneter Weise oder so behandelt, dass es erklärlich ist, wenn\nsie sich in diesen gelehrten Kreisen unbehaglich fühlt. Wir\naber lassen die Hoffnung nicht sinken, dass von der Ton-\nkunst eine Läuterung der Aesthetik ausgehen wird, sobald\nsie anknüpft an das, was der genialste Denker, von dem\ndie neueste Philosophie den positiven Ausgang genom-\nmen, unvollendet gelassen.\n\n*) Z. B. Moriz Fürstenau in Dresden, über dessen Schrift\n„Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der\nCliurfürsten von Sachsen\", wie über G. Seb. Thomas „Die\ngrossherzogliche Capelle in Darmstadtu und andere man\nNiederrh. Musik-Zeitung, 1862, Nr. 27 vergleiche."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.3", "texte": "Diese Betrachtungen knüpfen sich nicht als müssige\nDigressionen, sondern als nahe liegende Consequenzen an\ndas grosse Händel-Werk und an das Wirken des Mannes,\nder ihm und der Kunst und Wissenschaft der Töne sein\nLeben gewidmet hat.\nGöttingen.\n\nDas Sängerfest zu Strassburg am 20.—22. Juni.\nStrassburg, 28. Juni 1863.\nDass der Elsass auch musicalisch für das uneinige\nDeutschland verloren ist, beweist deutlich genug das\nstival des Societes chorales d'Alsace\", und man kann es\nder grossen Nation, Sie wissen, warum, wahrlich nicht\nverargen.\nSamstag den 20. sangen 1200 Kinder unter Leitung\ndes Herrn Gross und Begleitung der Armee, und zwar so\nnormal und pariserisch tief, dass die Begleitung unmög-\nlich ward; nach dreimaligem Wiederholen wurde die Ju-\ngend ihrem Diapason alsacien überlassen. Nun, die Ohren\nder Menge sind geduldig und mächtig die Wirkung der\nKinderstimme: Alles war entzückt! Abends kamen die\nvielen Sängergesellschaften des Ober- und Niederrheines\nan, und die Soldaten protegirten sie wieder bis zu den\nvielgepriesenen Einquartierungen. Spät aber wurden Sere-\nnaden dem Herrn Maire, Präfecten und den» General ge-\nbracht wieder von Soldaten. Eben jetzt, es ist 6 Uhr,\nbläst wieder Einer seine Truppen zusammen, um die Fest-\nsänger aus dem Concerte durch die Strassen zu begleiten.\nEs ist mehr ein Festival für die Armee, als ein Sängerfest,\netwa um die Einnahme von Puebla zu feiern. Aber das\nTollste war doch „La diane\",wie sie den Zapfenstreich\nbeim Sonnenaufgang hier nennen. Von 6 Uhr früh an\nwurde es nicht gestaltet, mehr zu schlafen, denn fünfzig\nTrommeln (wenn es auch nur zwanzig sind) schlugen diese\nDiana zum Bette hinaus und verfolgten die Göttin durch\ndie ganze Stadt. Kanonen und Glocken stimmten mit ein.\n„Beim Feste darf man nicht schlummern!\" meinte mein\nZimmergenosse, und wir sprangen muthig auf.\nquoi tout ce bruit? Sollten die Kanonen etwa die Ankunft\neiner Jenny Lind ankündigen? Sollte denn ein schönes\nWerk bald ertönen und das Publicum unter Kanonendon-\nner in den Saal gebeten werden? Nein! es ist wohl eine\nHalle gebaut worden, sie fasst 8000 Menschen, aber mehr\nwie ein schönes Stück stand nicht auf dem heutigen Pro-\ngramm. Auf dem Kleber-Platze steht das Holzgebäude,\nKleber steht stolz in der Mitte und wundert sich über die\nzahmen Musiken der Vereine, vielleicht hundert oder noch\nmehr an der Zahl, denn auch die Pompiers des ganzen\nElsass halten dieser Tage ihren Concurs. Nur Geduld, es\nwird schon besser kommen! leb will Ihnen aber gleich\nsagen, was am schlechtesten, am lahmsten aufgeführt\nwurde und dadurch am wenigsten erfreute: eben das eine\nschöne Stück, von 3000 Stimmen gesungen: Mendels-\nsohn's Festgesang an die Künstler. Seit Wochen haben\nes die vielen Vereine fein einstudiren sollen, haben es aber,\nwie mir scheinen will, unbeachtet gelassen und nur\nmorceau de concours*geochst. Den Ausdruck erlauben\nSie mir: denn wie da geübt wird, bis man den Wettchor\n(meistens seichte, fade Compositionen) inne hat und aus-\nwendig kann, ist unbeschreiblich. Der Orpheon von Colmar\nz. B. singt schon seit einem Jahre die goldenen Lebens-\nregeln von ein Opern-Potpourri für Männerstim-\nmen mit „Backwerk, Fleisch und Fischen\", mit Sum sum\nsum, Rataplan plan, Trara und Heidideldum, Heirassah\nund Tschingeradada, Dobreio, Sodo vidido und Pepita\n(Alles wörtlich), und hat es noch nicht so weit gebracht,\ndass die Xeinen, eingegeigten Sänger eine Secunde das\nAuge vom Blatte aufgehoben hätten; nein, schüchtern wie\ndie jungen Confirmanden schlugen sie die Blicke nieder,\nindess meine Nachbarin behauptete, sie schämten sich der\nnichtswürdigen Wahl ihres Stückes. Wahrlich, das haben\nViele mitempfunden, Einheimische und Ausländer, und er-\nkundigten sich nach dem Herrn Director, der sich nicht\ngeschämt hatte, ein so geschmackloses, gemeines Stück\nden feinen Franzosen vorzuführen.\nDer Anführer dieses Vereins heisst *,\nde l'ecole municipale de musiq Wahrlich,\nwenn die jungen Musiker, die in den deutschen Musik-\nZeitungen von Flöten-, Fagott- und anderen Lehrerstellen\nin Colmar mit 1000 Francs Gehalt lesen, wüssten, wie\nda unter Monsieur *'s Anweisungen gelehrt und musicirt\nwird, sie würden lieber in Hildesheim oder Bockenheim\nJahr aus Jahr ein zweite Geige spielen oder als Copisten\ndes geistreichen Componisten Malibran in Frankfurt (der-\nselbe, der das 6fe-mo//-Quartett von Beethoven für Schu-\nbert's B-durhielt und recensirte) sich lebenslänglich enga-\ngiren lassen. Ohne Talent, ohne Naturanlagen ist der Musik-\nHauptmann im Elsass nicht, aber er hat zu wenig gelernt,\nkennt unsere grossen Herren und Meister nicht und ver-\ngeudet durch seinen schlechten Geschmack die Stimm-\nmittel seiner talentvollen Orpheonisten, wie durch seine\nUnwissenheit das Geld der Stadt Colmar, die für die Mu-\nsikschule jährlich Tausende bewilligt und nichts dalür\närntet als Concurs-Medaillen dem Herrn Director. Kurz,\nüber das ganze Programm lässt sich nichts sagen, als dass\ndie Mülhauser unter Heiberger's Leitung und die Badenser\nsich auszeichneten, dass Herr Kücken selbst den Chant des\nMontagnards dirigirte, ferner dass das Potpourri von\ndie Ungebildeten entzückte, dass die colmarer Sänger wirk-\n\n[*]\n\nE. Krüger,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.4", "texte": "lieh fein und correct sangen, und dass Mendelssohn's popu-\nläres Prachtstück so gut wie durchfiel. Ist das nicht maass-\ngebend, nicht charakteristisch genug?\nEinen Fortschritt hat die\nrales d'Alsace gemacht. Das Comite liess, ich glaube zum\nersten Male, vom Blatte lesen. Schwer war die Aufgabe\nallerdings nicht: ein langsamer Chor in F-dur mit Modu-\nlation ä la modenach Des.Auch lösten die talentvollen\nColmarer neben sieben Kämpfern mit Leichtigkeit ihre\nAufgabe, diesmal ohne die Geige des Herrn Directors,\njedoch nicht ohne die Mithülfe der Herren Professoren der\nMusikschule, die auch a prima vmitlesen durften.\nDoch genug von dem. Was kann es für ein Interesse für\nIhre Leser haben, wenn ich erzähle, dass diese oder jene\nGesellschaft den Preis bekommen hat, dass die Gesellschaft\naus Thann, Stockhausen jun.an der Spitze, sich durch die\nWahl eines Schumann'schen Chors auszeichnete und wirk-\nlich einen zweiten Preis davon trug? viel wichtiger ist es,\nvom musicalischen Theile des Festes zu reden. Doch wie?\nVon den Cantaten der Herren Schwab und Elbel, „Les\nvoix de la Lyre\" und „L'Ocean*. Lässt sich nichts sagen.\nSie würden mir ohnehin nicht erlauben, die Werke zweier\ntalentvollen Dilettanten in Ihrem Blatte zu besprechen.\nEs ist nicht Concert-Musik, nicht Oratorien-Musik, nicht\nTheater-Musik! Nenne man sie nach Belieben, aber spre-\nchen darf man nicht darüber. Es bleibt eine ewige Schande\nfür die beiden jungen Strassburger, unsere schöne, edle\nKunst bei einem Sängerfeste vor 5000 Zuhörern auf diese\nWeise entwürdigt zu haben. Dass aber der feine Berlioz,\nder stets nur das Beste will, der nur zu wählerisch zu\nWerke geht, nach den Gemeinplätzen der Herren Schwab\nund Elbel als Sündenbock sich hinstellen und seine , Kind-\nheit Jesu\" dirigiren konnte, ist unbegreiflich. Einen Meister\nwie Berlioz, der an der Spitze der modernen Schule in\nFrankreich steht, neben zwei Dilettanten hinzustellen, ist\neine gränzenlose Tactlosigkeit. Man hätte ihm zwei wür-\ndigere Vertreter der Nationalschule zur Seite geben\nkönnen. Man hätte von Lesueur, seinem Lehrer, ein Werk\naufführen können, von M£hul die Oper Utal für Männer-\nstimmen und Sopran-Solo (als Concert), von Mendelssohn,\nals Vertreter der deutschen Kunst, Antigone. So hätten\nwir einen seltenen musicalischen Genuss gehabt und die\nVereine im Elsass hätten später mit Stolz auf das Festival\nvon 1863 zurückblicken können. Zwei grosse Gedanken\nliegen der Association zum Grunde: das Volk durch Musik\nzu veredeln und es mit dem Nachbarvolke durch Harmonie\nzu verbrüdern. Schöneres gibt es nicht; an Mitteln jeder\nArt fehlt es auch nicht. Aber ohne ernstes Studium, ohne\neine geschmackvolle Wahl der Stücke, der Programme\nwird man den schönen Zweck nicht erreichen. Ohne die-\nsen Ernst, ohne den höheren Glauben an die göttliche\nKunst bleibt es, wie ein Strassburger selbst äusserte\neine Farce!\n\nDas Musikfest in Lüttich\n*).\nBei Gelegenheit der Festlichkeiten in Lüttich, zu\ndenen die landwirtschaftliche Ausstellung u. s» w. Veran-\nlassung gab, hatte die städtische Behörde zum Schlüsse die\nVeranstaltung eines grossen Concertes gewünscht und sich\ndesshalb an den Director des dortigen Conservatoires der\nMusik, Herrn Soubre, gewandt. Dieser treffliche Musi-\nker, von dem in diesen Blättern schon öfter die Rede ge-\nwesen ist, hatte den Muth, die schwierige Aufgabe zu über-\nnehmen und als ein Verehrer der classischen Musik sie auf\nähnliche Weise durchzuführen, wie es auf unseren rheini-\nschen Musikfesten geschieht, deren regelmässiger Besucher\ner seit Jahren war.\nDie Lösung der Aufgabe war nicht nur wegen der\nkurzen Zeit etwa acht Wochen —, die zur Vorbereitung\nnoch vorhanden war, schwierig, sondern hauptsächlich we-\ngen der Hindernisse, die sich in Belgien der Vereinigung\neines zahlreichen Chors von Damen und Herren entgegen-\nstellen. Wenn es auch an Sängern nicht mangelt, auch\nnicht an Sängerinnen, so herrschen doch bei den letzteren\nnoch starke Vorurtheile gegen das öffentliche Auftreten\nund gegen eine Gemeinschaft, bei welcher nur das Talent\nund nicht die gesellschaftliche Stellung zur Theilnahme be-\nrechtigt. Es gehörte die allgemeine Anerkennung der Ver-\ndienste des Directors des Conservatoires, dem Lüttich schon\ndie symphonischen Concerte verdankt, und die Popularität,\ndie ihm sein Charakter und seilt gesellschaftlicher Tact\ngewonnen, dazu, dass sein Aufruf zur Bildung eines Sän-\ngerchors so grossen Anklang fand, wie es der Fall war.\nDadurch wurde es möglich, ein Chor Personal von 104\nSopranen, 85 Altistinnen, 110 Tenören und 154 Bassisten\naufzustellen. Zu diesen 453 Sängern und Sängerinnen\nhatte die Stadt Verviers, die einzige in Belgien, in der\nein ständiger Singverein blüht, 59, die Stadt Antwerpen\n\n*) Während die Deutschen in Strassburg fast nur französi-\nsche Musik auf ihr Fest-Programm brachten und dort, mit\nAusnahme einiger deutschen Lieder, welche die Vereine aus\nBaden vortrugen, sogar Kücken's „Normannssang\", in Charit\ndes Montagnards verwandelt, französisch gesungen wurde, ha-\nben die gallisch-romanischen Wallonen in Belgien\nauf ihrem Musikfeste nur classische Musik deutscher Ton-\nmeister aufgeführt! Merkwürdig genug und leider charakte-\nristisch für die Verläugnung der Nationalität, dfe sich Deutsche\nso häufig im Auslande zu Schulden kommen lassen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.5", "texte": "14 Mitglieder (unter diesen die. Fräulein Teichmann, Töch-\nter des Gouverneurs) gegeben, die übrigen waren aus Lüt-\ntich selbst, darunter vom Conservatorium 120 —l3O\nStimmen. Das Orchester bestand aus 90 Instrumentalisten,\ndie mit Ausnahme der Herren Bernier (Contrabass) und\nBeumer von Brüssel sämmtlich aus Lüttich waren, und\nnoch zahlreicher gewesen sein würden, wenn nicht ein\nTheil des lütticher Orchesters im Bade Spa engagirt wäre.\nEs war das zweite Mal, dass in Belgien ein solcher Verein\nausführender Dilettanten und Künstler zu einer festlichen\nAufführung zusammenkam, doch war vor zwei Jahren in\nAntwerpen der Chor nicht so zahlreich, wie der gegen-\nwärtige in Lüttich*).\nDas Concert hatte einen kaum geahnten Erfolg. Herr\nSoubre hatte schon in den Proben Alles für die Sache\nnicht bloss interessirt, sondern wirklich begeistert, und\nschon nach der Generalprobe wurde ihm ein prächtiges\nSilber-Service von Seiten der Mitwirkenden überreicht,\n„dem Manne, der zuerst ins Werk gesetzt, was Keiner vor\nihm gewagt hatte\".\nDas Concert fand im Theater Statt, das in allen Zu-\nschauerräumen überfüllt war. Unter den Zuhörern be-\nmerkten wir die Herren Willmotte aus Antwerpen, Lassen\naus Weimar, Cornelis aus Brüssel, Graf von Stainlein aus\nMünchen, Musik-Director Wüllner, Bürgermeister Pranghe\nund Ackens, Dirigent der Concordia, aus Aachen und An-\ndere. Die Einrichtung und Ausschmückung des Locals war\ngeschmackvoll angeordnet: Chor und Orchester füllten die\nBühne, die nur den Fehler hatte, dass den Abschluss ein\nVorhang und nicht eine Wand von Holz bildete. Dies und\ndie zu geringe Erhöhung des Orchesters thaten dem Klange\nAbbruch, zumal bei den Blas-Instrumenten, welche zu tief\nstanden. Das Concert begann um 6 Uhr und dauerte bis\n11 Uhr.\nBeethoven's prachtvolle Ouvertüre Nr. 3 zu\nLeonore eröffnete den Festabend; sie wurde mit Sicher-\nheit, richtigem Gefühl für Ausdruck und merkwürdigem\nSchwung ausgeführt. Mendelssohn war durch sein\nphantasiereiches Meisterwerk „Die erste Walpurgisnacht\"\n(mit geschickt gemachter Textes-Uebersetzung von Prof.\nLeroy) und durch sein Violin-Concert vertreten, welches\nWieniawski mit Feuer und Energie spielte, dann ferner\nin einer Legende (?) und Variationen von seiner Compo-\nsition sehwindelnde Bravour offenbarte, die stürmischen\nDaeapo-Ruf veranlasste. Er besitzt allerdings eine fabel-\nhalte Virtuosität, allein sie verführt ihn auch zuweilen da-\nzu, ihr den Vorrang vor dem Inhalt und Charakter des\nMusikstückes einzuräumen, wie z. B. in einer ausführlichen\nCadenz in Mendelssohn's Concert und in dem rasenden\nTempo des letzten Satzes desselben. Diese übertriebene\nSchnelligkeit schadet der Klarheit der Passagen und dem\nAusdruck des Gesanges im pianzumal in einem so gros-\nsen Locale und bei einem Tone, der an Dicke und Klang-\nfülle dem Tone anderer Meister der Violine nicht gleich-\nkommt.\nFrau Ch arton- De m eur sang die Arie „Ihr Götter\ncw'ger Nacht\" aus Gluck's Alceste und die Scene der\nAgathe aus Weber's Freischütz. Sie erhielt Beifall durch\nden dramatischen Vortrag, den sie entfaltete (im Gebete\nder Agathe ging dieser aber über den Charakter des Ge-\nsangstückes hinaus), wesshalb man so artig war, über die\nSchärfe ihrer Stimme und den Verlust der Frische in der\nhöheren Tonregion hinwegzuhören. Die pathetische Arie\ndes Joseph von Meh u I und die Arie des Uriel aus H a y d n's\n„Schöpfung\" fanden in Herrn Jourdan vom Theater zu\nBrüssel einen glücklichen Dolmetscher; er ist ein geschick-\nter Sänger mit einem schönen Tenor von Baritonklang,\ndem desshalb die höheren Töne nur mit einiger Anstren-\ngung gelingen. Er wurde mit Recht durch grossen Applaus\ngeehrt, und schon die Wahl der Stücke, die er vortrug,\nzeugte von einem Geschmack an dem Edlen in der Musik,\nden man bei französischen Opernsängern selten findet.\nAuch Händel, der Grundpfeiler unserer Musikfeste,\nwar vertreten, wenn auch nur durch Bruchstücke aus dem\nAlexanderfeste (Arie für Bass) und drei Chöre aus Judas\nMaccabäus: „Fall ward seinLoos\", „Seht, er kommt mit\nPreis gekrönt\" und „Singt unserm Gott!\"\nStock hausen (der mit Jourdan auch die Soli in der\nWalpurgisnacht sang) fand bei seinem Vortrage der Partie\ndes Druiden und der Arie aus dem Alexanderfeste nicht\ndie enthusiastische Aufnahme, wie die anderen Solisten.\nDiese Art von Gesang, welcher den Erfolg nur durch die\nErfüllung der Bedingungen echt künstlerischer Vollendung\nerstrebt, war dem Publicum in Belgien neu und es fand\nsich nicht sogleich in dessen Verständniss und richtige\nWürdigung. Aber Stockhausen mochte wohl bei sich den-\nken: „Un moment, Messieurs!\" Denn bald darauf machte\ner mit seinem treuen „Ezio\" (von Händel) den Sturm-\nangriff auf die Festung, und zwar mit einem solchen Un-\ngestüm, dass der Widerstand der Besiegten sich in einen\nJubel verwandelte, der vielleicht nur mit dem Enthusias-\n\n*) Ueber das Concert in Antwerpen bei Gelegenheit des Künst-\nlerfestes am 19. August 186] vergleiche unseren Bericht in\nder Niederrh. Musik-Zeitung, 1861, Nr. 37. An der\nSpitze stand Herr Ch. Willmotte, Dirigent war Herr Cal-\nlarts. Das Programm brachte Beethoven's Eroica, eine Can-\ntate von Orl. Lassus, einen Psalm von Marcello, Mendelssghn's\nWalpurgisnacht und Händers Halleluja. Die Flamänder hatten\nden Vortheil vor den Wallonen, dass sie die beiden letzten\nGesangstücke mit deutschem Texte singen konnten. Der\nChor bestand aus 300 Stimmen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.6", "texte": "Mus der Mexicaner bei Forey's Einzug zu vergleichen ist.\nDer begeisterte Zuruf—und man hatte schon vier Stunden\nlang Musik gehört! ruhte nicht, bis Stockhausen die Arie\nwiederholte und dadurch einen neuen Ausbruch von Ova-\nlionen hervorrief. Vom 7. Juli 1863 an ist Stockhausen\nauch in Belgien, wie in Deutschland, der Sängerfürst ge-\nworden.\nDoch hören wir, was ein belgisches Blatt über den\ntrefflichen deutschen Sänger sagl:\n„Stockhausen, dessen Lob in so ausgesuchter Weise\nneulich von dem Musikfeste zu Düsseldorf auch nach Bel-\ngien herübertönte, hat diesem Rufe mehr als entsprochen.\nDieser Sänger ist von besonderer Art; in der Zeit der\nkollernden Rouladen und der endlosen Cadenzen besitzt er\nden originellen Eigensinn, den Launen und den gemeinen\nGelüsten der Menge kein Haar breit nachzugeben. Und\ndas Merkwürdige dabei ist, dass er mehr Erfolg hat, als\ndie Faxenmacher mit ihren gestossenen Tonleitern und\npolternden Coloraturen. Wahrlich, das Publicum ist kein\nFeind des Guten: das hat es bewiesen, indem es nach der\nArie aus Ezio von Händel, welche Stockhausen mit herr-\nlicher Breite und Grossartigkeit, mit Freiheit und Feinheitdes\nAusdrucks vortrug, ihm eine weithallende Ovation bereitete.\nMan hat diese edle, gemessene Gesangweise, welche nichts\ndem Effecte und dem Chariatanismus zum Opfer bringt,\nmehr applaudirt, als alle gefallsüchtigen Cascaden der\nModesänger. Die Sänger dürfen es dreist wagen, nicht ge-\nmein zu sein und durch Rauschgold zu bluffen: Stockhau-\nsen— und auch Jourdan—haben den Beweis geliefert, dass\ngute Musik, einfach und schön vorgetragen, gar sehr ge-\nfällt.\" (.Independance du 9. Juill.)\nWir haben nur noch die angenehme Pflicht zu erfül-\nlen, den Chören unsere volle Anerkennung zu zollen. Sie\nbildeten ein Ensemble, das durch Sicherheit und Schwung\nwahrhaft überraschte; man fühlte, dass es allen Mitwir-\nkenden Ernst mit der Sache war, dass sie ihre Aufgabe\nnicht leicht nahmen, sondern den grossen Meistern ihr\nRecht widerfahren lassen und ihre Werke in Belgien mit\nGlanz einführen wollten. Der Sopran erklomm kühn und\nrein die hohen Stufen der Tonleiter, der Gesammtton des\nAlts war so schön, wie man ihn selten hört, die Tenöre\nwaren frisch und gut geschult, die Bässe fest und sicher,\nwenn auch allerdings nicht von so vollem Klange, wie bei\nuns in Deutschland. Das Orchester spielte die Ouvertüre,\nwie schon gesagt, mit Auszeichnung; eben so brav zeigte\nes sich in Mendelssohn's und Händel's Chören und beson-\nders lobenswerth in der Begleitung der Solo-Vorträge.\nWir sprechen am Schlüsse dieses Berichtes über ein\nFest, das uns stets in angenehmer Erinnerung bleiben wird,\nden Wunsch und die Hoffnung aus, dass dieser erste Ver-\nsuch, der gleich so meisterlich gelungen, die Kunstfreunde\nin Lüttich ermutbigen möge, auf der mit so schönem Er-\nfolge betretenen Bahn fortzuschreiten und sich immer fester\num ihren vortrefflichen Führer zu schaaren. Es wäre\nschade, wenn eine so glücklich improvisirte Vereinigung\ntüchtiger musicalischer Kräfte nicht zu dauernder Gemein-\nschaft im Wirken für die Tonkunst und die Verbreitung\nder edelsten Gattung ihrer Schöpfungen führte.\n\nAus London.\n\n[Die Hugenotten in Coventgarden; Fräul. P a u 1 i n e L u c e a\nKarl Forme s. Schluss von Her Majesti/s Theatre: Weber' s\nOberon in neuer Gestalt.]\nDen 20. Juli 1863.\nEs ist eine Politik unserer Opern-Unternehmer, die\nsich erfahrungsmässig als richtig bewährt hat, auf die letz-\nten Wochen der Saison einige ganz besondere Reiz- und\nZugmittel zu versparen, sei es durch die verzögerte Auf-\nführung älterer beliebter Opern oder neuer, hier noch\nnicht da gewesener, oder durch Vorführung hier noch\nnicht gehörter bedeutender Künstler, manchmal durch Bei-\ndes zugleich.\nSo hat denn auch dieses Jahr der Director von Covent-\ngarden, Herr Gye, einen glücklichen Wurf durch die Auf-\nführung von Meyerbeer's „Hugenotten\" gethan, welche\nerst am 18. d. Mts. zum ersten Male in dieser Saison, die\nschon am 1. August schliesst, in Scene gingen. Die Ver-\nsammlung war eine der zahlreichsten und glänzendsten,\ndie hiesigen Blätter bringen ganze Listen von anwesenden\nhohen Herrschaften, Herzogen, Grafen, Baronen u. s. w.\nund deren Gemahlinnen, wie das sonst nur bei Hoffesten\ngewöhnlich geschieht, undder Enthusiasmus war den ganzen\nAbend hindurch ein ausserordentlicher. Die neue Valen-\ntine, Fräulein Pauline Lucca vom königl. Hof-Opern-\ntheater in Berlin, hatte einen schweren Stand bei ihrem\nersten Auftreten in England. Ihre Vorgängerinnen, eine\nViardot, Grisi, Cruvelli, Tietjens u. s. w., standen alle in\ngutem Andenken und boten Vergleichungs-Momente dar,\ndie leicht zum Nachtheile der neuesten und jüngsten Valen-\ntine ausfallen konnten, die ohne grossen Namen, ohne vor-\nhergegangene Posaunenstösse der Reclame, ohne englischen\nPuff oder americanischen Humbug, sondern\nwie die Engländer mit einem treffenden Worte („ungehe-\nroldet\") Dinge bezeichnen, die nicht durch Ausrufer und\nMarktschreier angepriesen worden sind, nach London ge-\nkommen war, nach dem London, das, wie kekannt, gegen\nnie gehörte und unbekannte Bewerber um seinen Beifall\nvollends, wenn sie jung sind stets eingenommen ist\nund weit lieber die Anstrengungen seiner alten und lange"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.7", "texte": "erprobten Lieblinge begünstigt. Es muss vor diesem Pu-\nblicum eine neue Erscheinung plötzlich mit ganz unerwar-\nteten Talenten aufleuchten, wenn sie gefallen soll: dann\nerregt sie aber auch rasenden Enthusiasmus. So war es\nbei Adelina Patti, so jetzt bei Pauline Lucca. Der Applaus\nund Hervorruf nach ihrem Duett mit Marcel und eben so\nnach der Abschiedsscene von Raoul im vierten Acte war\ndermaassen rauschend und lärmend, dass die junge Sän-\ngerin davon hätte vor Stolz schwindelig werden können,\nwenn ihre Bescheidenheit nicht ihrem Muthe gliche. Das\nPublicum war offenbar vollkommen überrascht oder ear\no\nüberrumpelt; der Applaus war im ganzen Hause so un-\nwillkürlich, so aufrichtig und herzlich, so einmüthig, dass\nauch der grämlichste Beobachter gestehen musste, der\nEindruck, den die Künstlerin machte, sei ein ungewöhn-\nlicher und unwiderstehlicher.\nFräulein Lucca, die früher eine untergeordnete Stel-\nlung am Kärnthnerthor-Thealer in Wien einnahm, ist seit\nkaum zwei Jahren einer der ersten Sterne der berliner\nOper geworden. Ihre Darstellungen der Norma, Bertha\n(Prophet), des Cherubino (Mozart's Fi«aro), der Pamina,\nLeonore (Troubadour) u. s. w. hatten ihr bereits die volle\nGunst des Publicums gewonnen, als in der letzten Zeit\nihre Margarethe in Gounod's „Faust\" diese Gunst aufs\nhöchste steigerte, da sie in dieser Rolle ihre Kunstgenossin-\nnen Frau Harries-Wippern und Fräulein de Ahna nach\neinstimmigem Urtheile der Kenner und der Menge weit\nhinter sich liess. Sie verbindet mit Jugend und hübscher\nErscheinung Stimme, Kraft und dramatische Einsicht und\nauch eine gewisse Kühnheit, welche sie vielleicht später\netwas zu zähmen haben dürfte. So zart und schlank sie\nist, so überraschend ist es, wenn auf einmal aus diesem\nKörper eine so starke und so ausgiebige Stimme erklingt,\nein Sopran, welcher fast denselben Umfang hat, wie bei\nSophie Cruvelli, und, wenn auch nicht so voll und wohl-\nlautend, doch von der Höhe bis zur Tiefe frisch und durch-\nklingend ist. Ueber die Ansprüche, welche die Kritik an\ndie künstlerischen Leistungen des Fräuleins Lucca als Sän-\ngerin und Schauspielerin zu machen berechtigt ist, wird es\nerst später Zeit sein, zu reden, wenn der Wiederhall des\nganz aussergewöhnlichen Beifalls, der jetzt vor Allem zu\nconstatiren war, einiger Maassen verrauscht ist.\nDie übrige Besetzung der Oper war grösstentheils die\nfrühere. Dass Mario noch den Raoul singt, ist freilich nur\nin London möglich, und nur durch den oben erwähnten\nCharakter des hiesigen Publicums; übrigens lässt sich nicht\nläugnen, dass sein nobles, ritterliches Spiel und einzelne\nGesangphrasen, namentlich in dem Andante des Duetts im\nvierten Acte, noch dermaassen schön sind, dass man den\nEngländern wohl ihre übertriebene Pietät verzeihen kann.\nDiese Nachsicht braucht man aber bei Karl Formes\nnicht walten zu lassen; denn wer ihn als Marcel neulich\nauch zum ersten Male gesehen hätte, würde eingestehen,\ndass er für diese Rolle geschaffen ist und dass man eine\nvollkommenere Darstellung dieses mimisch-plastischen Sym-\nbols des Glaubens und der Treue in Spiel und Gesang nir-\ngendwo finden kann. Selbst der musicalische Berichterstat-\nter der Times, von dem man wahrlich nicht behaupten\nkann, dass er für Formes schwärmt, sagt: „Wir waren\nerfreut, den Marcel wieder einmal in den rauhen, aber ma-\nlerischen Umrissen zu sehen, die ihm Herr Formes gibt,\nwelcher die Rolle dieses strengen alten Hugenotten besser\nals irgend einer seiner Zeitgenossen auffasst.\" Eben so\nehrenvoll sprechen sich die übrigen Blätter aus, indem der\nKern ihrer Berichte mit dem Ausdrucke der\nübereinstimmt: „Herr Formes gab diese Bolle wiederum\nso, wie sonst Keiner sie geben kann.\" Wir haben in der\nTonregion, in welcher die Partie liegt und die Region\nist ausgedehnt genug nicht den geringsten Abfall von\nKraft und Klang in der Stimme des gewaltigen Bassisten\nwahrgenommen, und wir freuen uns, den Erfolg Ihres\nLandsmannes, einen Erfolg, der den schönsten seiner frü-\nheren Zeit nichts nachgab, für seine deutsche Heimat con-\nstatiren zu können.\nNeben ihm war Faure aus Paris ein trefflicher „St.\nBris\", und es ist unglaublich, was die Oper durch eine\ngute Besetzung dieser Rolle gehoben wird. Die Königin\nwurde von Mademoiselle Battü, der Page von Madame\nNantier-Didiee, „Nevers\" von Tagliafico gesungen, so dass\ndiese italiänische Opern-Vorstellung von zwei deutschen\n(Fräulein Lucca und Formes), drei französischen und nur\nzwei italiänischen Künstlern gegeben wurde.\nHerr Mapleson, der Director der zweiten italiänischen\nOper in Her Majesty's Theaire,kann sich zu seiner Saison\nGlück wünschen; den Gewinn des gefährlichen Spiels ver-\ndankt er vor Allem Fräulein Tietjens, welche oft vier-,\nja, fünf Mal in der Woche auftrat, weil sie die einzige So-\npran-Primadonna war und nur im Alt an der Alboni und\nTrebelli ebenbürtige Stimmen hatte. Mit Recht ertheilt\nMusical World dem Herrn Director die „Verwarnung\",\nkünftig vorsichtiger zu sein, wenn er nicht die prachtvollste\nStimme, die man seit Jahren auf der Bühne gehört, ge-\nfährden wolle.\nNach dem Schlüsse der eigentlichen Saison hat Herr\nMapleson noch sechs „Valet-Vorstellungen\"\nNights) zu niedrigeren Eintrittspreisen angekündigt. Das\nPersonal ist dasselbe, wie bisher, nur dass in einer musica-\nlisch-dramatischen Abend-Unterhaltung auch Madame Ri-\nstori mitwirkt. Er eröffnete diese zweite Reihe mit Weber's\n„Oberon\", dessen Aufführung bis nach Mitternacht dauerte."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630725-01.1.8", "texte": "Wie ist das möglich? Antwort: Weil der londoner Oberon\nein auf wunderliche Weise aus der Euryanthe u. s, w. „be-\nreicherter\" (?) ist und fünf Acte, statt drei hat. Erstens\nist der Dialog durchweg in Recitative verwandelt, und zwei-\ntens singen hier ausser den ursprünglich singenden Perso-\nnen auch Harun al Raschid und Babekan. Diese Einrich-\ntung der Partitur existirt seit 1860 und rührt, so viel\no\nbekannt, von Benedict her. Ein Duett mit Chor zwischen\nBabekan und Hüon (Act 2), ein Duett zwischen Rezia (hier\nReiza) und Hüon (Act 2), eine Arie von Hüon (Act 4) sind\naus der Euryanthe eingeschoben, ja, das Finale der Eu-\nryanthe bildet das Finale des fünften Actes des Oberon!\nFerner ist die erste Arie Hüon's der Partie des Oberon\n(Signor Bellini) einverleibt, wogegen Hüon (Sims Reeves)\ndie für den famosen Tenoristen Braham, den ersten Dar-\nsteller des Hüon, von Weber eingelegte Helden-Arie singt,\nwelche als Beilage zu dem Clavier-Auszuge von Schlesinger\ngedruckt ist. Ausserdem ist noch die Musik von „Abu Has-\nsan\" und von „Preciosa\" stellenweise zu Vorspielen und\nZwischenacten benutzt. Das ist der gegenwärtig in London\nals Meisterwerk gefeierte Weber'sche Oberon! Nun, man\nhat wenigstens noch so viel Respect vor dem Original ge-\nhabt, dass man keine Musik eines anderen Componisten\nhineingepfropft hat. Wie er nun zurecht gemacht und aus-\nstafOrt ist, macht er volle Häuser. Freilich, eine Rezia wie\ndie Tieljens hat es wohl noch nie gegeben, und eine Be-\nsetzung wie die der Fatime durch die Alboni, des Puck\ndurch die Trebelli, des Scherasmin durch Santley dürfte\nauch noch nicht oft da gewesen sein.\nDie nächsten Vorstellungen werden „Figaro's Hoch-\nzeit\" mit Fräulein Liebhardt aus Wien (Susanna), Tiet-\njens (Gräfin), Trebelli (Page), Wiederholung von „Oberon\",\n„Die Hugenotten\" und Gounod's „Faust\" sein. Dazwischen\ndie Vorstellung der Medea durch Madame Ristori.\n\nA.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nZu dem norddeutschen Sängerfeste, welches vom 10. bis\n13. d. Mts. in Braunschweig Statt fand, hatten sich nahe an 3000\nSänger eingefunden. Am Wettsingen betheiligten sich 17 Vereine,\nund erhielt der Männer-Gesangverein in Hannover den ersten Preis,\neinen vom Herzog von Braunschweig geschenkten Pocal im Werthe\nvon 600 Reichsthirn. In der Haupt-Aufführung in der Aegidienkirche\nwurden Compositionen von Methfessel, Franz Abt, Franz Schubert,\nHerbeck, Wilhelm Tscliircb, J. Otto und F. Lachner zu Gehör ge-\nbracht. Die anwesenden Componisten leiteten ihre Compositionen\nselbst und ärnteten reichen Beifall.\nWien« Sonntag den 19. d. Mts. um die Nachmittagsstunde fand\ndas zweite Volks-Concert des Männer-Gesangvereins zum Besten des\nSchubert-Monumentes im Krater Statt. Trotz der zweifelhaften\nWitterung hatten sich auf dem Concertplatze gegen 8000 Menschen\neingefunden. Die meisten Nummern des Programms, darunter Abt's\n„Maiennacht\", Braun's „Mutterseelen allein\" und Mendelssobn's „Ab-\nschied vom Walde\" mussten wiederholt werden. Am enthusiastisch-\nsten wurde Arndt1 s „Deutsches Lied\" aufgenommen.\nDem Vernehmen nach ist der artistische Director der Gesellschaft\nder Musikfreunde, Chormeister des Männer-Gesangvereins und Be-\nsitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, Herr Johann\nHerbeck, nun auch zum zweiten Vice-Hof-Capellmeister ernannt\nworden.\nIn Mailand werden gleichzeitig zwei neue Theater auf Actien\nerbaut, das eine in der Via del Giardino, das andere bei der Brücke\nPorta Ticinese; ersteres soll den Namen der Ristori tragen, die sich\nmit dem meisten Gelde daran betheiligte, das zweite den des gröss-\nten italiänischen Schauspielers Gustavo Modena.\nCuriosum. Die „Signale aus Wiesbaden\" (in den SenflfV-\nsehen Signalen Nr. 31) machen die Entdeckung, dass Beethoven's\nThema des ersten Allegro der fünften Sinfonie durch den Schluss-\nchor der „Schöpfung\", dieses „namentlich im dritten Theile sehr\nantiquirten Werkes\" von Haydn:\n- des Her-ren Ruhm, .er bleibt u. s. w.\nVeranlasst sei. Beweis: der erste Einsatz der Trompeten mit dem\nQuartenschritt nach oben in dem Tutti der (7-moZZ-Sinfonie! Bravo!\nDer Signalbläser raisonnirt dann über die immer noch wiederholten\nAufführungen der „Schöpfung\", wenn auch „mit der wackeren Gold-\nschmidtsfrau\" (wie nobel!), eben so über die Wahl der Lucia-Phan-\ntasie von Liszt durch Herrn Seiss in dem Concert des kölner Män-\nner-Gesangvereins, da diese ihren Dienst längst gethan und man\njetzt Liszt's Concerte, Sonaten, Harmonieen und Rhapsodieen spielen\nmüsse, „verzichtet\" aber darauf, die Vorträge des Pianisten Seiss\nund Violoncellisten A. Schmit „zu kritisirenund weiss über den\nGesang des kölner Männer-Gesangvereins nichts zu sagen, als das\nProgramm zu verzeichnen. Das macht stutzig und weckt den Ver-\ndacht, dass derselbe gar nicht in dem Concerte anwesend war, son-\ndern nur die Programme vor sich gehabt. Dabei ist ihm aber ein\nkleines Pech a la Malibran passirt. Er lässt den Herrn A. Schmit\n„eine Phantasie von Servais\" spielen! So stand freilich auf\nden grossen Anschlagzetteln; auf dem Programm im Saale hiess\nes: „Phantasie von Piatti\" zufällig aber spielte Herr A. Schmit\nkeine von beiden, sondern zwei kleinere, gar nicht zusammenhan-\ngende Einzelstücke, gesangreiche Melodieen, von seiner Composition,\nund diese konnte kein Musiker, der wirklich gegenwärtig\nwar, für eine Phantasie von Servais halten!! So werden Berichte\ngemacht!"}]}