{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-08-08-01", "volume": "bmtnabi_1863-08-08_01", "ocr_sha256": "34e061a8c634b33b70be693736f35c0220633775cfc6f040d8706201a691bad1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/08/08_01/bmtnabi_1863-08-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 362, "texte": "Inhalt.\nVor siebenzig Jahren. Noch einmal die Melodie der Marseillaise. Die erste Aufführung von Rossini's Barbier von\nSevilla. 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Michaelis „Ueber den\nGeist der Tonkunst\", gedruckt Leipzig, 1795, in die\nHände, an dem wir dieselbe Erfahrung machten. Der Ver-\nfasser, ein Sohn des berühmten gelehrten Theologen Job.\nDavid Michaelis (-J- 1791), war in den neunziger Jahren\nPrivatdocent der Philosophie in Leipzig und starb 1814\nals Professor in Marburg. Seine Betrachtungen sind na-\nmentlich mit Rücksicht auf Kant's „Kritik der ästhetischen\nUrtheilskraft\" geschrieben. Wir sind keineswegs gesonnen,\ndas Buch (zwei Bändchen von 134 und 160 Seiten) zu\nanalysiren: aber wir halten es der Vergleichung wegen\nfür anziehend, einige Stellen daraus mitzutheilen.\nZunächst über Auffassung und Empfänglichkeit des\nMenschen für Musik und über die Wirkung der Tonkunst.\n„Die si ttlieh e Ge fü h Isst i m mung ist der Grund\neiner feineren Empfänglichkeit für die musicalische Schön-\nheit. Denn da unsere moralische Beschaffenheit nur zum\ngeringeren Theile durch Begriffe und deutlich erkannte\nGrundsätze, zum grössten Theile aber durch blosse (sitt-\nliche) Gefühle bestimmt wird, so ist es wohl erklärlich,\nwie eine Kunst, welche Begriffe und Gedanken weder zum\nMittel noch zum Zwecke ihrer Wirksamkeit hat, mit un-\nserer Sittlichkeit im Zusammenhange stehen könne. Die\nsittliche Stimmung des moralischen Gefühls-Vermögens\nverbreitet sich nun, je herrschender sie wird, um so mehr\nüber die ganze sinnliche Natur des Menschen. Sie drückt\nsich also auch äusserlich, nach Beschaffenheit der Organi-\nsation, mehr oder weniger in dem Tone der Sprache und\nüberhaupt in allen äusseren Bewegungen aus. Wir setzen\naber auch unter ihren Zeichen bei Anderen eine solche\nsittliche Stimmung voraus, und um so mehr, inniger wir\nuns ihrer in uns selbst bewusst sind. Sie kündigt sich uns\nin gewissen Beschaffenheiten der Töne an; Analogie und\nEinbildungskraft ergänzen, was in unseren Wahrnehmun-\ngen noch mangeln möchte, und eine moralische Sympa-\nthie, das geheime Band edler Seelen, leitet die Töne, die\nwir als Ausdruck sittlicher Gefühle auslegen und begierig\naufnehmen, in unser Herz.\n„Es gibt Tonstücke, die ganz vorzüglich einen laute-\nren, reinen Sinn athmen. Unsere Brust erhebt und erwei-\ntert sich bei dem Anhören derselben; wir sehen dann\ngleichsam ganz unser Inneres, unser edleres Selbst, vor\ndem wir nicht erröthen dürfen, dargestellt; wir fühlen uns\nselbst gestärkt zu neuer, lebendigerer Humanität. Die Ge-\nfühle, welche die Musik in einer sittlich gestimmten Seele\nerregt, kommen denen sehr nahe, zu welchen uns die Be-\ntrachtung der schönen landschaftlichen Natur erhebt. In\nder freien Natur wird uns so wohl, unser Herz erweitert\nsich, und wir fühlen uns hinausgesetzt über die selbst auf-\nerlegte Sclaverei, über kindische Eitelkeit, Thorheit und\nEigensinn kleinlicher, in ihre Mauern eingeschränkter und\nauf diese Schranken gleichsam stolzer Menschen.\n„Wir müssen aber, um die Werke der Tonkunst\nnicht ungerecht zu beurtheilen, Unbefangenheit und reine\nsittliche Gesinnung in denen voraussetzen, welche ihre Kraft\nund Würde und Schönheit fühlen und schätzen sollen. Ein\ngewisser lauterer Sinn ist es, der allen schönen Kunstwer-\nken den leichtesten Eingang in das menschliche Herz ver-\nschafft, reine und sanfte, jedoch lebendige Bilder der Phan-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5326, "texte": "tasie hervorruft und den Geist zu richtigen Urtheilen leitet.\nWie fähig ist nicht dieser reine Sinn, alle Arten der Mu-\nsik richtig und lebhaft zu fühlen! Wie ergötzt ihn nicht\nz. B. der musicalische Ausdruck ländlicher, sanfter Fröh-\nlichkeit und Einfalt, denn unzählige Bilder edler Einfach-\nheit und schuldloser Glückseligkeit erfüllen da die Seele.\nWie innig ist nicht auch der Ausdruck der Traurigkeit,\ndes Ernstes oder der feierlichen Buhe in schöner musica-\nlischer Darstellung für ein gebildetes, gefühlvolles Herz!\nSo erhebt sich der Geist über den Sturm der Leidenschaf-\nten in der energischen, wilden Musik (eines Händel, Mo-\nzart oder Haydn) durch die moralischen Ideen seiner Ver-\nnunft, und ästhetisches Wohlgefallen an dem erhabenen\nAusdrucke mischt sich mit dem hohen Gefühle mensch-\nlicher Würde und Selbständigkeit.\n„Während aber für fröhliche Melodieen fast Jeder\nempfänglich ist, haben doch nur Wenige Sinn für den\nAusdruck des Majestätischen und Erhabenen in der Musik.\nDenn eine majestätische, feierliche und erhabene Musik\nkann in keiner kleinen Seele Eingang finden, die sie viel-\nmehr entweder als fremd gar nicht rührt, oder mit einem\nschmerzhaften Gefühle niederschlägt und das Bedürfniss\nder Sinnlichkeit nur noch stärker fühlen lässt, während ein\nveredelter Geist voll Bewunderung und Staunen bei einem\ngrossen Meisterwerke der Tonkunst weilt und sich im An-\nhören desselben moralisch erhoben und gestärkt fühlt.\n„Hier scheint eine Stelle aus der Recension der Mat-\nthisson'schen Gedichte (Allg. L. Ztg., Nr. 298, 1794*])\neinen schicklichen Platz zu finden. „„In thätigeri und zum\nGefühle ihrer moralischen Würde erwachten Gemüthern\nsieht die Vernunft dem Spiele der Einbildungskraft niemals\nmüssig zu; unaufhörlich ist sie bestrebt, dieses zufällige\nSpiel mit ihrem eigenen Verfahren übereinstimmend zu\nmachen. Bietet sich ihr nun unter diesen Erscheinungen\neine dar, welche nach ihren eigenen Begeln behandelt\nwerden kann, so ist ihr diese Erscheinung ein Sinnbild\nihrer eigenen Handlungen, der todte Buchstabe der Natur\nwird zu einer lebendigen Geistersprache, und das äussere\nund das innere Auge lesen dieselbe Schrift der Erschei-\nnungen auf ganz verschiedene Weise. Jene liebliche Har-\nmonie der Gestallen, der Töne und des Lichtes, die den\nästhetischen Sinn entzückt, befriedigt jetzt zugleich den\nmoralischen; jene Stetigkeit, mit der sich die Linien im\nRäume oder die Töne in der Zeit an einander fügen,\nist ein natürliches Symbol der inneren Uebereinstimmung\ndes Gemüthes mit sich selbst und des sittlichen Zusammen-\nhanges der Handlungen und Gefühle, und in der schö-\nnen Haltung eines pittoresken oder musicalischen Stückes\nmalt sich die noch schönere einer sittlich gestimmten Seele.\n„ „Der Tonsetzer und der Landschaftsmaler bewirken\ndieses bloss durch die Form ihrer Darstellung und stim-\nmen bloss das Gemüth zu einer gewissen Empfindungsart\nund Aufnahme gewisser Ideen, aber einen Inhalt dazu zu\nfinden, überlassen sie der Einbildungskraft des Zuhörers\nund Betrachters. Jede nähere Bestimmung wird\nhier als eine lästige Schranke empfunden; denn\neben darin liegt das Anziehende solcher ästhetischen Ideen,\ndass wir in den Inhalt derselben wie in eine grundlose\nTiefe blicken. Der wirkliche und ausdrückliche Gehalt,\nden der Autor hineinlegen will, bleibt stets eine endliche,\nder mögliche Gehalt, den er uns hineinzulegen überlässt,\nist eine unendliche Grösse.\" \"\nMan hat der Musik aber auch schon damals die Un-\nbestimmtheit ihres Ausdrucks zum Vorwurfe machen\nwollen. Dagegen spricht ein Recensent von Heydenreich's\nSystem der Aesthetik, Leipzig, 1790, in der Neuen Bi-\nbliothek der sch. Wiss., 43, 2, 1791: „Empfindungen\nund Leidenschaften können eine Zeit lang ununterbrochen\nund unverändert in der Seele fortdauern: Töne können\nunverändert nicht fortdauern, oder sie werden uns uner-\nträglich. Und eben dies macht wohl eine der Schwierig-\nkeiten des musicalischen Ausdrucks und eine der Ursachen\nseiner Dunkelheit aus, dass die Modulationen und Gänge\nsich unaufhörlich verändern müssen, wenn sie dem Ohr\nnirht missfallen sollen, und dass sie doch unverändert die-\nselben bleiben müssten, wenn sie dem Gemüthe einen be-\nstimmten Affect tief und stark genug einprägen sollen,\nwie Viele verlangen. Melodie und Tonart bleiben, auch\nin demselben Tonstücke, nicht unverändert, und Tact und\nZeitmaass bezeichnet nicht eine bestimmte Empfindung so\ngenau, dass Einheit des Ausdrucks durch die Einheit jener\nbeiden Stücke erhalten würde.\n„Müssen denn aber die Empfindungen oder die\nSumme und Vereinigung derselben, der Zustand der Em-\npfindsamkeit, welchen Kunstwerke darstellen, überhaupt\netwas Bestimmtes sein? Ist dies der Fall insbesondere bei\nder Tonkunst, wo in der That der musicalische Ausdruck\nder Leidenschaften unbestimmt ist? Es ist dies einer der\nVorwürfe, die man dieser Kunst macht, aber mit Unrecht.\nWenn es in der menschlichen Natur solche Empfindun-\ngen, solche Zustände der Rührung und des Begehrens gibt,\nvon denen wir uns selbst nicht Rechenschaft zu geben\nwissen, warum soll es nicht auch eine Kunst geben, die\nals eine Dolmetscherin und Lenkerin dieser unbestimmten\nRegungen des menschlichen Herzens auftrete? Sie sind,\nihrer Dunkelheit ungeachtet, auch für die bestimmten und\nmit mehr Bewusstsein verbundenen Eindrücke und Bestie-\n\n*] Von Schiller. Dießedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5312, "texte": "bungen, und also für Vernunft und Sittlichkeit wichtig,\nweil sehr viel bei den absichtlichen und durch Ideen ge-\nlenkten Aeusserungen unserer Kraft auf die Stimmung\nunseres Gemüthes ankommt, mit der wir an dieselbe gehen.\nUnd diese Stimmung hängt gerade in hohem Grade von\nsolchen unnennbaren Gefühlen ab, dergleichen der musi-\ncalische Ausdruck darstellt und bearbeitet.\"\nDiesen Bemerkungen fügt C. F. Michaelis Folgendes\nhinzu: „Ein Kunstwerk soll durch die Schönheit seiner Form,\nmithin durch seine innere Vollendung, nicht aber um\nfremder Beziehungen willen Wohlgefallen. Man darf\naber diese Schönheit des musicalischen Kunstwerkes nicht\nbloss auf den Ausdruck von Gefühlen und Gemüthsbewe-\ngungen beschränken. Es gibt eine gewisse Symmetrie und\nbewundernswürdige Regelmässigkeit in der Musik, welche\nuns um so mehr anzieht, je mehr sie zu gleicher Zeit den\nAnschein von blosser Natur und Zufälligkeit behauptet.\nUns gefällt durch eine schnelle Reflexion der Urtheilskraft\ndas Verhältnissmässige, Mathematische, Symmetrische, Ge-\nordnete und Planmässige, das wechselseitig Bezogene in\nder Musik. Hieher gehören die wunderbaren harmoni-\nschen Verbindungen in der gebundenen musicalischen\nSchreibart, z. ß. in den Fugen eines J. Sebast. Bach oder\nHändel. Sehr glücklich verband der unsterbliche W. A.\nMozart den innigsten Gefühls-Ausdruck mit der kunstvoll-\nsten Symmetrie in den so genannten Nachahmungen, har-\nmonischen Umkehrungen und dergleichen Aeusserungen\nseines musicalischen Tiefsinns.\"\nSchliessen wir hier gleich eine andere Stelle über Mo-\nzart's Don Giovanni an, zunächst ihres richtigen Grund-\nsatzes wegen, dass auch das an sich Hässliche im musica-\nlischen Ausdruck schön werden müsse, und zweitens als\nBeweis gegen die Berufung unserer heutigen Reforma-\ntoren auf die Verkennung des Genie's durch die jedesma-\nligen Zeitgenossen. Es heisst Th. 11., S. 102:\n„Der musicalische Ausdruck des an sich Sinnlich-Wi-\ndrigen und Hässlichen muss durch die Kunst des Compo-\nnisten gemildert werden. Gewaltsame Affecte und wilde\nLeidenschaften müssen also entweder erhaben dargestellt,\noder durch angenehme Abwechslung mit den sanften und\nwohlthätigen, oder durch musicalische Veredlung ihrer\nAusbrüche gemildert werden, wenn sie dem ästhetischen\nGefühle angemessen sein sollen. In Mozart's tragischer\nOper Don Giovanni oder II bieten sich\nbewundernswürdige Beispiele von der meisterhaftesten Be-\nhandlung der sinnlich-widrigen Affecte des Schreckens, der\nFurcht und des Entsetzens dar. Die letzteren Scenen, da\ndie feierlich ernsten Warnungen und Drohungen der wun-\nderbar beseelten Statue des Commandeurs vom Grabmal\nherab den leichtsinnigen Wüstling und seinen Diener in\nErstaunen, Angst und Schrecken setzen, das Entsetzen,\ndas bei der wirklichen Ankunft des nur zum Scherze ein-\ngeladenen steinernen Gastes den Muthwilligen durch-\nschauert, und der Chor der Verzweiflung und Verdam-\nmung, mit dem die grausende fünfzehnte Scene endigt*;\nalles dies hat dem Componisten die glücklichste Gelegen-\nheit gegeben, seine musicalische Einbildungskraft in dem\ngewaltigsten und erschütterndsten Ausdruck des Pathetisch-\nErhabenen auf die unübertrefflichste Art zu beweisen.\"\n„Des Tonkünstlers Aufgabe ist, den inneren Men-\nschen zu seinem Objecte zu machen; seine Kunst verliert\nsich um so gewisser ins Reich der Willkür, je mehr er\nsich von dem Ausdruck innerer Menschennatur entfernt\nund es unternimmt, die Eindrücke äusserer Gegen-\nstände zu schildern oder gar äussere Begebenhei-\nten durch Töne darzustellen.\" (11. 100.)\nIst es doch, als hätte man schon vor siebenzig Jahren\ndie Verwirrung der Begriffe über das musicalisch Schöne\nund über den so genannten „Inhalt\" der Musik vorher-\ngesehen und klarer darüber gedacht, als jetzt!\nVergleichen wir nun Neueres mit dem oben gegebe-\nnen Alten, so finden wir in Vischer's Aesthetik, dem\neinzigen Werke unserer Zeit, welches auch in Bezug auf\ndie Aesthetik der Tonkunst auf wahrer Wissenschaft be-\nruht und ein klar gedachtes System in klarer Darstellung\ndurchführt, in der Hauptsache eine vollständige Ueberein-\nstimmung der Ansichten über das Wesen der Tonkunst\nmit den Principien, die, wie wir gesehen, bereits vor sie-\nbenzig Jahren ausgesprochen worden.\nWir lesen nämlich bei ihm (Theil 11., 381): „In der\nTonkunst ist die Phantasie, diese kunstschaffende Kraft\ndes menschlichen Geistes, in der Weise thätig, dass sie\nvon den Objecten, die ihr, wie jeder Kunst, den Stoff lie-\nfern, nicht die Gestalt, nicht den Gegenstand selbst, son-\ndern nur den reinen Eindruck derselben auf das Gefühl\nzum Ausdruck bringt; eben daher aber wird sie vorzüg-\nlich die Sphären aufsuchen, wo volles und vertieftes inne-\nres Leben sich kund gibt. Wie sie selbst die empfin-\ndende ist, so ist der empfindende Mensch ihr Stoff, und je\nmehr eine Sphäre des Stoffes Erregungen des innersten\nLebens mit sich führt, desto willkommener muss sie ihr\nsein: so die Liebe, die Freundschaft und vor Allem\ndie Seelenkämpfe des Individuums. Sie wird sich\nimmer auf den Boden des allgemein Menschlichen steilen,\nund zwar in der Form des rein bewegten Innern.\"\nWie verhalten sich aber dagegen die Kunst-Philoso-\npheme von Wagner, Liszt, Brendel und Genossen? wie\n\n*) Dieser Chor wurde also damals gegeben, während heute seine\nhochtrasrische Wirkung durch Teufeleien ersetzt wird! D. Ked.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5472, "texte": "Franz Müller und sämmtliche Anhänger der so genannten\nneuen Schule? Sie alle verkünden uns den grossen Fort-\nschritt, dass „die Fntwicklung der Tonkunst sich mit den\nSchulen Mozart's und Beethoven's erschöpft habe, dass in\ndieser Entwicklung, die sich streng auf das musicalische\nGebiet beschränkte, wo A 11 es ausgelebt, erstorben\nschien, Wagner den Anstoss zu einer neuen Kunstentfal-\ntung gegeben habe. Die Musik war bei ihrem Schluss-\npunkte angekommen, der Boden, welcher bisher ihr Ge-\ndeihen förderte, war nicht mehr vorhanden. Dieser\nBoden war vorzugsweise das in sich zurückgezogene Ge-\nmüthsleben, die subjective Innerlichkeit. Jetzt ist eine Wen-\ndung nach aussen hin eingetreten, man hat dieses Reich\ndes Innern verlassen. [Ja wohl, ja wohl!] Alles drängt nach\nWirklichkeit, nach Gestaltung der äusseren Welt. Das\nneue Kunstwerk ist die jenem Drange nach aussen ent-\nsprechende Erscheinung auf musicalischem Gebiete.\" (Bren-\ndel, Geschichte der Musik, IL, 593.)\nWahrlich, es hält schwer, diese und ähnliche Phrasen\nnicht für bittere Ironie zu halten! Wenigstens widerlegt\nnichts besser diese ganze Theorie, als die Behauptung,\ndass das „in sich zurückgezogene Gemüthsleben und die\nsubjective Innerlichkeit\" aus der Welt verschwunden seien!\nZufällig liegt uns da noch ein Büchlein vor Augen,\ndas denselben Titel führt, wie unser altes von 1795, näm-\nlich: „Der Geist der Tonkunst\" von Dr. Ludwig\nNohl. Wiewohl Herr Nohl nicht in das Horn der neue-\nsten Schule stösst, sondern noch an Autoritäten wie Vi-\nschel-, 0. Jahn, auch Marx glaubt, aus deren Schriften\ner viel, sehr viel genommen, was er übrigens auch gar\nnicht läugnet, so ist es doch sonderbar, dass er seinem\nBüchlein einen so anspruchsvollen Titel gegeben, da man\nvon Erläuterungen oder Belehrungen über den Geist der\nTonkunst im Allgemeinen so gut wie nichts findet und das\nGanze mehr eine historische Uebersicht über die Entwick-\nlung der Musik mit eingefügten Charakteristiken einzelner\nMusiker oder einzelner Werke derselben gibt. Die Art,\nwie Herr Nohl z. B. an Mozart zeigt, wie dieser Künstler\ndas Wesen der Musik nach Vischer's oben angeführtem\nAusspruche in seinen Werken zur Erscheinung gebracht\nhabe, möge als eine Probe seiner Darstellung hier stehen\n(S. 101 ff.):\n„Die Oper Don Juan ist trotz des darin vorkommen-\nden Wunders der unermessliche Fortgang vom My-\nthos zur lebendigen Wirklichkeit. Mozart war es,\nder der Musik die ganze Welt der realen Stoffe erschloss.\nMan sieht dies nirgends deutlicher, als an dieser Op er. Die\ngespenstische Geschichte der Erscheinung des Commodore\n[Wie kommt Herr Nohl dazu, den Commendatorezu einem\nAdmiral zu machen?] ist trotz allem wunderbaren Scheine\nnichts als ein psychologischer Vorgang, der aus dem In-\nnern des Wollüstlings Don Giovanni an das Licht der le-\nbendigen äusseren Erscheinung gezogen wird, damit er\nüberhaupt nur dramatisch darstellbar werde. Er ist wie\ndie Erscheinung des Erdgeistes im Faust, die Hexen im\nMacbeth, der Geist im Hamlet, nicht eine Theater-Maschi-\nnerie, um die Figuren des Stückes in Bewegung zu setzen,\nsondern es ist hier das Innere, das Gewissen des Menschen\nherausgestellt, der sich des Bösen bewusst ist, dass er in\nseinem Eigenwillen sich gegen den Willen der Gesammt-\nheit empört hat. Es ist Wirklichkeit, lebendig gefühlter\nVorgang, und desshalb von der Musik mit so unübertreff-\nlicher Wahrheit dargestellt, wie nur diese Kunst innerste\nZustände der Menschenseele darzustellen vermag. Hier ist\nein Beispiel, und ein bedeutsames, wie Mozart die Seelen-\nkämpfe des Individuums aufzufassen und darzustellen ge-\nwusst hat, und Goethe hatte wohl eine Ahnung von der\nCongenialität dieses Meisters mit ihm, wenn er ihn als den\nEinzigen bezeichnete, der die Musik zu seinem Faust zu\nschreiben vermöchte. Gleichwohl übersah er, dass gerade\nein solch ebenbürtiger Geist nicht dazu im Stande gewesen\nwäre, und zwar aus dem Grunde der Ebenbürtigkeit.\n„Die genannte Scene aus dem Don Juan gibt einen be-\ndeutsamen Aufschluss über Mozart's ganze Anschauungs-\nweise in den höchsten Dingen. Nur ein Geist, der, wir wol-\nlen nicht sagen, in dem klaren Bewusstsein, aber in der\ngewissen Empfindung lebt, dass die Schuld, so wie sie vom\nMenschen selbst und von ihm allein begangen, so auch an\nihm allein und bei seinen Lebzeiten gerächt werde, ver-\nmochte so sehr mit Wahrheit das Schaudergefühl und die\nAngst des erwachten Gewissens zu malen. Hier ist die Er-\nscheinung eines Richters aus jener Welt, denn einen sol-\nchen stellt der Commodore dar, nicht mehr ein Glaube zu\nnennen, in dem der Dichter befangen wäre, sondern ein\nGeglaubtes, ein vom dunklen Theile des Volkes nur noch\nhier und da Geglaubtes. Nur einem Geiste, der in seinem\ninnersten Fühlen jedwede Transcendenz überwunden hat\nund in sich gewiss ist, dass das Ewige und Göttliche sich\nnicht hoch oben über den Wolken aufhält, sondern uns\nin lebendiger Gegenwart da und dort und überall umweht,\nkann sich eine solche Tiefe des Schuldbewusstseins, ein\nsolcher Blick in den innersten Zusammenhang aller Er-\nscheinungen des Lebens eröffnen, wie er sich in dieser\nOper zeigt. Nur für einen solchen ist es dann ferner mög-\nlich, dass ihm, wie unserem Meister, der Mensch, der\nalleinige Mensch, zum Mittelpunkte alles Daseins, zur\nalleinigen Quelle des Stoffes für seine wunderbaren Kunst-\nschöpfungen wird. Dass Mozart selbst sich dieses nicht zum\nklaren Bewusstsein gebracht hat, dass sein alltägliches Ver-\nhalten, sein Kirchenbesuch dem allem zu widersprechen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3473, "texte": "scheinen, hindert uns nach dem oben Gesagten nicht an\ndieser Annahme. Sein ganzes Thun und Lassen schwebte\ninnerhalb der Region des menschlichen Geistes, die dem\nSelbstbewusstsein vorauf geht und in der alles, was in wei-\nterer Thätigkeit des menschlichen Geistes als Gedanke\nheraustritt, bereits als ahnende Empfindung vorgebildet ist.\nDie Dichter und Künstler waren es von je, die dem Philo-\nsophen die ersten Keime und Ansätze gaben zu den Ideen,\ndie als klare Gedanken, als Aussprüche der Wahrheit spä-\nter die Welt regelten und beherrschten, und es ist dess-\nhalb von grösster Bedeutung, in solch schöpferischen Ge-\nnien, wie Mozart war, überall nicht die Fortschritte zu\nverkennen, die sie in der tieferen Erfassung des mensch-\nlichen Geistes zum Theil bereits selbst machten, zum Theil\nwenigstens vorbereiteten.\"\nUnd dann die Stellen über die „Ironie des Schönen\"\nbei Mozart, welcher „die Höhe in dieser Ironie des schö-\nnen Scheins erreichte\" (S. 109):\n„Er, dem wir das wärmste und liebevollste Herz zu-\nschrieben, er, dessen ganzes Wesen Empfindung sein\nmusste, liebevollste Ergreifung alles Menschlichen, wärmste\nUmschlingung jedes Gemüthes, das ihm nahe kam, sollte\ngerade er am meisten jener kühlen Ironie, jenes feinen\nSpottes, jenes Belächeins alle des Köstlichen, was er in der\nWirklichkeit empfunden, fähig gewesen sein?\n„Die Musik gibt nicht die Empfindung selbst, nicht\ndas Stossweise, Ungeordnete, Zufällige, das sie hat, die\nMusik soll, wie jede Kunst, nur das Bild geben, und je\nmehr sie alles Stoffartige ihres Inhalts abgestreift hat, je\nhöher wird sie zur wahren Schönheit durchgedrungen sein.\n„Wir wollen verzichten auf Herzählung der feinen\nZüge, die Mozart's dramatischen Compositionen in über-\nreicher Fülle eingewebt sind. Es erscheint uns bedeutsa-\nmer, im Ganzen seiner Werke, besonders in den Instru-\nmentalsachen, in den kleineren, für die „ „Kammer\"\" be-\nstimmten Compositionen, jene Selbst-Ironie, die in dem\nLeben seiner Zeit lag, aufzusuchen und zu bemerken, wie\nsie sich bei ihm zur Ironie der reinen Schönheit\nverklärte. Man sieht die schlanken, feinen Gestalten in\nkurzen Hosen und seidenen Strümpfen, mit Tressenrock\nund Galanteriedegen, mit einer Haarfrisur, die aller Natur-\nwahrheit Hohn spricht, den Tanz der Zeit, die Menuett,\nin würdevollster Grazie einherschreiten. Ueber die jungen\nGreisengesichter, die der Puder macht, geht ein feines\nLächeln. Sie sind sich wohl bewusst, dass dieser Tanz,\nwie ihr Schälerspiel und das Ganze ihres geschraubten\nDaseins eine Lüge ist, eine Theaterscene, die bald ein Ende\nfinden wird. Aber dennoch tanzen sie mit heiterem Ernste\nhinweg über die Haltlosigkeit ihrer Zustände. Es ist ein\nwunderbares, fast unheimliches Gefühl, das uns bei man-\nchen Compositionen dieser Art ergreift, der Boden schwankt\nuns unter den Füssen, nirgends mehr ist ein Halt, es ist\nein Geniessen mit der Vorahnung des Abgrundes, des\nschrecklichen Sturzes, der bald erfolgen muss. Und doch\nsind gerade solche Sachen von dem wunderbaren Zauber,\nden nur die reine Schönheit hat. Sie sind nichts als Spiel,\naller Inhalt ist gleichgültig geworden, alles Dasein,\nalles Wirkliche ist aufgehoben, alles, was an die Endlich-\nkeit erinnert und uns im reinen Genüsse des höchsten Seins\nstören könnte, ist so sehr getilgt, dass wir unbekümmert\num allen Inhalt uns gern dem Scheine der Unendlichkeit,\nder uns umglänzt, mit voller Seele hingeben.\"\nWer hiernach Neigung dazu hat, möge zum Buche\n(Frankfurt am Main, 1861) greifen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "253", "page_fin": "254", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.2.3", "titre_corps": "Noch einmal die Melodie der Marseillaise.", "titre_sommaire": "Noch einmal die Melodie der Marseillaise.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.5", "debut_caractere": 3475, "fin_caractere_exclue": 5133, "texte": "Noch einmal die Melodie der Marseillaise.\nNach den Aufschlüssen von Castil-Blaze (in der\nFrance musicalevom 18. Juli 1852), welche wir in der\nRheinischen Musik-Zeitung, Jahrgang 1852, vom 7. August\nmitgetheilt und daran eine Uebersicht der Nachrichten über\nden muthmaasslichen Componisten der Melodie der Mar-\nseillaise geknüpft haben, hielten wir die Acten über diese\nimmerhin sehr interessante Sache dahin für geschlossen,\ndass allerdings eine deutsche Melodie ein Gesang mit\nChor und Refrain, der zum ersten Male 1782 im Hotel\nder Frau von Montesson, Gemahlin des Herzogs von Or-\nleans, gehört wurde dem Poesie von\nKouget de l'lsle, zum Grunde liege.\nJetzt tritt Herr Fetis in der Revue et Gazette musi-\ncale, Nr. 29 vom 19. Juli, auf und behauptet geradezu:\n„Eine Abschrift von Rouget de l'lsle's\nkam nach Paris und fiel in die Hände eines guten Musi-\nkers, der unter dem Namen Navoigille bekannt ist, ob-\nwohl er eigentlich Julien hiess. Als eifriger Republicaner\nbegeisterte er sich an den Worten und erfand unmittelbar\ndarauf die erhabene Melodie, welche sie unsterblich\nmachte.\"\nWorauf stützt Felis diese positive Behauptung? Er hat\nim Jahre 1847 zwei gedruckte Sammlungen aus der Re-\nvolutionszeit durch einen glücklichen Zufall aufgefunden:\n„die erste enthält alle revolutionären und republicanischen\nGesänge in kleinen fliegenden Blättern; die andere alle\nvon Gossec, Catel u. s. w. für die Revolutionsfeste com-\nponirten Stücke.\"\nIn der ersten findet sich ein Blatt mit dem Titel:\n„ Mar che des Marsedlais, pa\nl'lsle, musique du citoyen\nFrere, passage du Saumon, oü l'on trouve tous les airs\npatriotiques des vraisSansculottes.\" Ein zweites Blatt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3783, "texte": "enthält dieselbe Melodie mit Guitarre-Begleitung:\ndes Marseillais, musique Navoigille,\naeeompagnement de guitare p\nmagasin de musique rue Joseph, seciion de Brutus.\"\nHieraus schliesst Felis: „dass, da „ „die wahren Sans-\nculotten\" \" ungefähr achtzehn Monate in den Jahren 1793\nund 1794 geherrscht hätten, Navoigille in dieser Zeit die\nMarseillaise componirt habe, und dass sie damals als sein\nWerk öffentlich colportirt worden sei.\" Gegen das Letz-\ntere ist kein Zweifel zu erheben, wohl aber gegen das\nErstere, indem diese beiden fliegenden Blätter am Ende\nnichts weiter beweisen, als dass die Melodie damals dem\nBürger Navoigille allgemein (wie es scheint, da die beiden\nBlätter verschiedene Verleger haben) zugeschrieben\nwurde.\nNun meint Föfis: „Wäre Navoigille nicht der eigent-\nliche Componist, sondern Rouget de l'lsle, so würde die-\nser dagegen reclamirt haben, was nie geschehen sei.\" Dies\nist kein Beweis; denn wer kann behaupten, „dass es nie\ngeschehen sei\"? Wer hat die öffentlichen Blätter jener\nZeit sämmtlich zu diesem Zwecke controlirt? Ding der\nUnmöglichkeit! Wenn Fetis als neuen Beweis gegen Rou-\nget hinzufügt, dass in dessen\nvom Jahre 1797 bloss der Text des Charit de guerre stehe\nund kein Wort, das sich auf die Musik beziehe, so ist er\nim Irrthume. Bei der Ueberschrift der Marseillaise steht\n„ein Sternchen\", und eine Anmerkung besagt, dass dieses\nZeichen bei den betreffenden Liedern bedeute, „dass er\n(Rouget) auch die Musik dazu gemacht habe\". Die\nSammlung von „50 ehants francais mis en musique\npar Rouget de l'Isle\", in welcher sich die Marseillaise\nebenfalls befindet, ist nach Fetis erst 1825 in Quarto in\nParis erschienen. Allein (was nicht anführt) Rouget\nerklärt darin wörtlich: „dass er die Melodie und die\nWorte zu Strassburg in der Nacht nach der Kriegserklä-\nrung im April 1792 gemacht habe\". Diese zwei ausdrück-\nlichen Erklärungen Rouget de l'lsle's (in den Essais und\nin den 50 Chants) entkräften vollständig die Behauptung,\ndass er „nie reclamirt\" habe, denn zwei so bestimmte An-\ngaben von 1796 (oder 1797) und von 1825 sind mehr\nwertb, als ein Protest in irgend einem vergänglichen Zei-\ntungsblatte.\nCastil-Blaze erzählt in dem angezogenen Aufsatze, dass\nJulien (Navoigille) die deutsche Melodie zuerst in dem\nConcerte der Frau von Montesson vorgelegt habe, und\nnennt seine Gewährsmänner dafür. Ferner erwähnt er\nauch, dass man 1792 Navoigille die Autorschaft derselben\nzugeschrieben, eben so aber auch anderen Musikern, wie\nGossec, Pleyel, besonders auch Mehul, der sie erst voll-\nständig harmonisirt und instrumentirt hat.\nDie wahrscheinlichste Lösung der Frage dürfte viel-\nleicht sein, dass Rouget de l'lsle in Strassburg, wo damals\ndeutscher Gesang viel mehr gepflegt wurde, als jetzt, wie-\nwohl er keineswegs aus dem Elsass verbannt ist, das deut-\nsche Lied gehört und mit Bewusstsein oder als unwillkür-\nliche Reminiscenz zu seiner nächtlichen Composition be-\nnutzt habe.\nDer mehrgenannte Julien hiess vollständig Guillaume\nJulien, genannt Navoigille,geboren zu Givet in den Ar-\ndennen 1745. In Paris, wo er sich für die Musik ausbil-\ndete, nahm ihn ein venetianischer Nobile in sein Haus,\nbegünstigte ihn auf alle Weise und gab ihm den Namen\nNavoigille. Später kam er durch Monsigny in das Haus\ndes Herzogs von Orleans. Auch dirigirte er eine Zeit lang\ndie damals berühmten Concerte der für\nwelche J. Haydn sechs Sinfonieen geschrieben hat. Als\ntüchtiger Violinspieler gründete er eine Schule für Vio-\nlinisten, aus welcher unter Anderen der excentrische Ale-\nxander Boucher hervorging. Nach wechselvollem Leben\nals Orchester-Mitglied oder Dirigent an verschiedenen\nTheatern, als Mitglied der Hofmusik des Königs von Hol-\nland Louis Bonaparte u. s. w. starb er in Paris im Jahre\n1811 in nichts weniger als glänzenden Verhältnissen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.2.4", "titre_corps": "Die erste Aufführung von Rossini’s Barbier von Sevilla.", "titre_sommaire": "Die erste Aufführung von Rossini’s Barbier von Sevilla.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.6", "debut_caractere": 3785, "fin_caractere_exclue": 4968, "texte": "Die erste Aufführung von Rossini’s Barbier von\nSevilla.\nRossini hatte schon in seinem achtzehnten Jahre eine\neinactige Opera hiffa: „II Cambiale di matrimonial („Ein\nWechsel auf Heirath\") mit ziemlich gutem Erfolge in Ve-\nnedig auf die Bühne gebracht, im neunzehnten durch „De-\nmetrio e Polibio\"auf dem Theater in Rom Aufsehen\nerregt, im zwanzigsten (1812) fünf neue Opern auffüh-\nren lassen (darunter L'lnganno die zwar nicht alle\nGlück machten, jedoch die überquellende melodische Frucht-\nbarkeit des jungen Maestro bekundeten, und hatte im fol-\ngenden Jahre durch seinen Tanc(lBl3 auf dem Thea-\nter Feniee in Venedig) ganz Italien entzückt. Trotzdem,\ndass sein Ruhm auch durch die folgenden Opern: L'lta-\nliana in Algeri und Elisabetta (1815 in Neapel) erhöht\nwurde, erlebte doch im Jahre 1816 seine Oper\ne Dorliscaauf dem Theater in Rom ein halbes\nFiasco, und als in derselben Stagione und in derselben\nStadt das Theater Argentina das neueste Werk Rossini's:\nII Barbiere de Seviglia,brachte, waren die Neider des\nvierundzwanzigjährigen Maestro und die enthusiastischen\nVerehrer Paesiello's, welcher denselben Stoff bearbeitet\nhatte, wahrlich nicht zu günstiger Aufnahme gestimmt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5516, "texte": "Ueber diese erste Aufführung des Meisterwerkes be-\nrichtet die Sängerin Righetti als Augenzeugin und Mit-\nbeteiligte. Diese Künstlerin hatte eine ausgezeichnete\nMezzosopran-Stimme, welcher sie mehr als ihrer Virtuosität\nihre Erfolge verdankte. Sie war schon im Jahre 1804 so\nberühmt, dass sie in Napoleon's Hofconcerten sang. Nach\nBologna, ihrem Geburtsorte, zurückgekehrt, hatte sie dort\nRossini kennen gelernt, der 1804 und 1805 und von\n1807 bis 1810 dort unter Tesei und Mattei sich musica-\nlisch bildete. Nachher war sie in Rom länger mit ihm in\nfreundschaftlichem Verkehr. Später, im Jahre 1823, liess\nsie eine Lebensskizze Rossini's in Bologna drucken.\nIn dieser Schrift gibt sie interessante Nachrichten über\ndie frühesten Jahre des genialen Knaben, der viel arbeiten\nund darben musste, weist die Vorstellungen von dem Un-\ntleiss und der Flüchtigkeit des frühreifen Kindes zurück\nund versichert, dass er namentlich auf die Partitur des\nBarbiers grosse Mühe verwandt habe. Ueber die Auffüh-\nrung in Rom schreibt sie dann unter Anderem, dass das\nLibretto vom Ritter Sterbini ist und die vier Männerrollen\nbei der ersten Vorstellung von Garcia, Zamboni, Botticelli,\nVilarelli gegeben wurden; sie selbst, Signora Georgi Ri-\nghetti, sang die Rosina. Vorher sagt sie in Bezug auf die\nArt, wie Rossini zu arbeiten pflegte: „Er hatte die Ge-\nwohnheit, mitten unter seinen Freunden zu schreiben, und\ndabei wünschte er, dass die Unterhaltung derselben recht\nlebhaft sei. Aber man muss nicht vergessen, dass Rossini\nmehrere Male sein Libretto förmlich durchstudirte und mei-\nstentheils im Auf- und Abgehen im Kopfe arbeitete; fing\ner daher an zu schreiben, so war die meiste Arbeit schon\ngeschehen.\" Nachdem sie die Umstände erklärt, welche die\nWahl des Libretto des Barbiers herbeigeführt, erzählt sie\ndie Ereignisse, welche sich bei der ersten Aufführung die-\nser Oper zugetragen, in folgender Weise: „Das Theater\nArgentina war schon mit den Feinden des jungen Maestro\nangefüllt, welche es ihm nicht vergeben konnten, dass er\neinen Gegenstand gewählt, den schon Paesiello bearbeitet.\nDurch einen unglücklichen Umstand halte man es vergessen,\ndie Guitarre zu stimmen, mit welcher sich Almaviva beglei-\nten sollte. Garcia war genöthigt, sie auf der Scene zu stim-\nmen, aber bei dieser Procedur sprang noch eine Saite!\nDieser unglückliche Zufall erregte die boshafte Heiterkeit\ndes Publicums, das zu pfeifen anfing. Die Melodie dieser\nArie war von Garcia componirt worden; sie erschien dem\nPublicum fremdartig und missfiel, das Pfeifen verdoppelte\nsich und das Parterre jodelte die Rouladen nach, die der\nKünstler eben hatte hören lassen. Nach der Introduction\nhörte man zuerst das Ritomell der Arie des Figaro mit\nRuhe an; als aber Zamboni nun mit einer anderen Guitarre\nin der Hand die Scene betrat, brach im ganzen Saale ein\nnicht enden wollendes Lachen aus. Als hierauf Rosine auf\ndem Balcon erschien, wollte das Publicum, das sie schätzte,\nsie warm empfangen; als sie aber gleich darauf vom Bal-\ncon wieder verschwand, da nahm die Missstimmung des\nPublicums zu und das Pfeifen währte während des ganzen\nDuetts zwischen Figaro und Almaviva. Nur als Rosine wie-\nderkehrte und nach der schönen Arie\nänderte sich die Stimmung des Publicums, wozu Stimme\nund Vortrag der Sängerin nicht wenig beitrugen. Drei Bei-\nfallssalven liessen Rossini's Freunde vermuthen, dass ihm\njetzt das Glück lächele. Der Maestro, der sich im Orchester\nam Piano befand, erhob sich etwas von seinem Stuhle,\nmachte dem Publicum eine dankende Verbeugung und\nP o o\nwandte sich zur Sängerin, indem er leise ihr zullüsterte:\nOh, natura!Die Sängerin entgegnete ihm etwas böse:\n„„Danken Sie dieser Natur, denn ohne sie hätten Sie nicht\nnöthig gehabt, Sich von ihrem Stuhle zu erheben.\"\" In-\nzwischen fingen die böswilligen Manifestationen des Publi-\ncums beim Duette zwischen Rosine und Figaro wieder an,\nund als man an die Stretta des herrlichen Finales des er-\nsten Actes gekommen war, schrie eine gewaltige Stimme\naus dem Parterre darein: „ „Das ist das Leichenbegängniss\ndes Don C0g1...*)!\"\" Ein höhnisches Lachen erhob sich\ndurch das ganze Haus und der Vorhang fiel. Rossini drehte\nsich zum Parterre um, zuckte mit den Achseln und schlug\nklatschend mit den Händen zusammen. Verletzt durch die-\nses Zeichen der Verachtung, rächte sich das Publicum wäh-\nrend des ganzen zweiten Actes, von dem man mitten unter\ndem entsetzlichen Getöse einer aufgebrachten Menschen-\nmenge keine Note vernehmen konnte. Rossini blieb indessen\nganz ruhig und liess den Sturm vorüberziehen, ohne irgend\neine Aufregung zu äussern. Die Künstler mit Madame Ri-\nghetti begaben sich nach der Vorstellung zum Maestro,\nden sie aber nicht mehr trafen, weil er schon zu Bette ge-\ngangen war. Am anderen Morgen schrieb er die köstliche\nCavatine Ecco ridenie il cielo**),um die spanische Arie\nvon Garcia zu ersetzen, die so missfallen halte; auch nahm\ner noch mehrere Modifikationen mit seinem Werke vor und\nwollte nicht der zweiten Vorstellung beiwohnen, deren Re-\nsultat auch noch nicht durchschlagend war. Indessen hörte\nman doch das Werk mit Ruhe an und viele Piecen wur-\nden warm applaudirt. Erst mit den darauf folgenden Vor-\nstellungen nahm der Erfolg des Meisterwerkes in einer\nsteigenden Weise zu.\"\n*) Die Dame hat das Wort nicht ausgeschrieben; es ist einer von\njenen unanständigen Ausdrücken, welche bei Italienern, Spa-\nniern und Franzosen figürlich für „Lump\", ~Dummkopf*' u. s. w.\nvom Pöbel gebraucht werden.\n**) Er nahm sie aus einer früheren Oper: Giro in Babilonia."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "256", "page_fin": "256", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6155, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nB. P.\nBreslau, 5. August. Unsere Stadt, Schlesien und wohl das\nganze deutsche Vaterland ist heute einer ihrer grössten musicalischen\nZierden beraubt worden. Der königliche Musik-Director Adolph\nFriedrich Hesse hat heute Morgens nach langem Krankenlager\ndas Zeitliche gesegnet. Die Kunde von dem frühen Hintritte dieses\nwahren Meisters der Musik wird den grossen Kreis seiner Freunde\nund Verehrer mit tiefer Trauer erfüllen, und namentlich wird unsere\nStadt in ihrem wahrhaft künstlerischen Musikleben für lange Zeit\nden Verlust einer so bedeutenden Kraft im Reiche der Töne schmerz-\nlich empfinden. Diese Zeitung endlich verliert in dem Dahingeschie-\ndenen ihren trefflichen Kritiker für das Gebiet der Musik, eine Fe-\nder, die stets hohen Ernst für das Heilige der Kunst, aber auch hu-\nmanes Wohlwollen für die, welche ihm dienen, an den Tag zu legen\nwusste. Hesse, unstreitig einer der berühmtesten Organisten und\nComponisten für sein Instrument, war am 30. August 1809 in Bres-\nlau geboren, hat also seine ruhmvolle Laufbahn in seinem fast voll-\nendeten 54. Jahre geschlossen. Die Darstellung seiner grossen Be-\ndeutung für die Kunst, wie die seiner Bildung, Entwicklung und\nmächtigen Individualität wollen wir einer anderen Feder anheim-\nstellen; aber das dürfen wir unseren wehmuthsvollen Worten noch\nhinzufügen: auch das Leben hat einen wackeren, biederen, frohen\nMenschen verloren. (Schles. Ztg.)\nOffenbach's neueste Operette „Signor Fagotti\" hat bei ihrer\nersten Aufführung in Ems unter persönlicher Leitung des Compo-\nnisten sehr gefallen.\nDer am 10. Juli in Leipzig verstorbenen Künstlerin Fräulein\nIda Pellet vom k. Hoftheater in Berlin lässt Emil Devrient,\nihr Freund und Lehrer, der durch ihren jähen Tod tief erschüttert\nwurde, ein marmornes Denkmal setzen, das in einem Pfeiler mit\nKreuz und Lorberkranz bestehen soll.\nP. Cornelius, in München lebend, soll eine dreiactige Oper,\nderen Sujet dem „Cidu entnommen ist, nahezu vollendet haben.\n\\%i Jen. Zum Namensfeste Sr. Majestät des Kaisers wird Gluck's\nOper „Iphigenie in Aulis\" in Scene gehen.\nFrau Pauli-Marko vi es eröffnete im Opern theater ihr Gastspiel\nin David's Oper „Lalla Rookh\". Herr Wachtel, der erst im\n• *\nHerbste kommen sollte, trat bereits mit 1. August sein Engagement\nan, um der Tenoristennoth ein Ende zu machen.\nOffenbach hat bereits drei Acte seiner Oper „Die Rheinnixe\",\nText von Wolzogen, eingesandt. Der letzte Act folgt nächstens.\nBesetzt wird die Oper mit den Damen Wildauer, Destinn, den Herren\nAnder und Beck. Früher soll noch Steffen Heller's Oper „Loreley\",\nText von Geibel (?), zur Aufführung kommen. Hingegen ist man\nvon der projectirten Aufführung der „Rose von Erin\" von Benedict\nwieder abgestanden.\n2. August. Grosses Aufsehen hat unter den hiesigen\nMusikern die plötzliche Entlassung des provisorischen Orchester-Di-\nrectors der kaiserlichen grossen Oper, des Herrn Dietsch, gemacht.\nDer Verlauf der Sache ist folgender:\nAm 20, Juli fand die erste Vorstellung der wieder aufgenomme-\nnen Oper Les Vipres Siciliennes von Verdi Statt. Bei der Probe\nzur zweiten Vorstellung glaubte \\ erdi, der gegenwärtig war, einigen\nbösen Willen bei einem Theile der Orchester-Mitglieder zu gewah-\nren und stellte den Director Dietsch in sehr aufgeregten Ausdrücken\ndarüber zu Rede. Dietsch antwortete ihm wahrscheinlich eben so\nlebhaft, worauf Verdi seinen Hut nahm und das Theater verliess.\nDarauf wie es heisst, noch an demselben Abende nach der Vor-\nStellung erhielt Dietsch ein Schreiben des Ministers, des Inhalts:\nvqu'il tiait admis ä faire valoir ses droits äla retraite\", also die\nWeisung, seinen Abschied mit Pensions-Anspruch zu nehmen. Herr\nGeorg Hainl aus Lyon wurde an seine Stelle berufen und diri-\ngirte bereits die dritte Vorstellung der VSpres Siciliennes.\nUeber die Veranlassung zu dieser plötzlichen Entlassung eines\nhochverdienten und allgemein geachteten Capellmeisters ist kein\nZweifel vorhanden: er hat sie dem beleidigten Stolze Verdi's zu ver-\ndanken. Verdi, überall, namentlich in Italien und bei italiänischen\nOperntheatern in anderen Ländern, an rauschende Ovationen des\nOrchesters bei seinem Erscheinen in der Probe seiner Oper gewöhnt,\nfühlte sich durch den eben nicht feurigen Empfang des pariser Or-\nchesters verletzt, eilte zum Minister und soll auf Genugthuung durch\nEntlassung des Directors mit der Drohung angetragen haben, seine\nsämmtlichen Opern dem Repertoire zu entziehen und keine seiner\nCompositionen mehr in Frankreich (!) aufführen zu lassen. Man\nhatte nicht den Muth, dieser Drohung zu widerstehen, und Dietsch\nfiel als Opfer. Und zwar wurde dieses Opfer dem Hochmuthe des\nItaliäners mit solcher Eile gebracht, dass Hainl telegraphisch von\nLyon her berufen wurde und dem dortigen Theater-Unternehmer,\nder ihm 12,000 Francs Gehalt zahlt, ein bedeutendes Abstandsgeld\nzahlen muss, welches natürlich die kaiserliche Operncasse überneh-\nmen und ausserdem das Capellmeister-Gehalt, das auf 9COO Frcs.\nfixirt ist, für ihn erhöhen muss.\nHainlist ein ausgezeichneter Violoncellist und ein vorzüglicher\nDirigent, was er durch die Leitung des Operntheaters in Lyon seit\nvielen Jahren bewiesen hat. Allein dass die hiesigen Blätter, auch\ndie musicalischen, für Dietsch kein Wort zu sagen haben, dass einige\nvon ihnen sogar die dritte Vorstellung als bei Weitem exaeter und\ngelungener preisen das charakterisirt den Zustand unserer Presse\nauf traurige Weise. Eine Art von Nemesis hat über die Fortsetzung\nder Vorstellungen gewaltet, da Fräulein Sax, welche die Helene\n(einst die Schöpfung von Sophie Cruvelli) singt, durch einen Fall\nauf der Treppe, als sie zu dem Begräbniss der nach langen Leiden\nverschiedenen Emma fahren wollte, sich so verletzt hat,\ndass Verdi's Oper fürs Erste wieder durch Auber's „Stumme von\nPortici\" ersetzt werden muss. Verdi selbst ist nach erhaltener Ge-\nnugthuung (!) von Paris abgereist.\nDer Minister hat indess wenigstens so viel Gerechtigkeitsgefühl\ngehabt, Herrn Dietsch sein volles Gehalt Francs) bis zu Ende\ndes Jahres zu lassen. Vom I. Januar 1864 an aber ist seine Pen-\nsion auf 3500 Francs festgesetzt, also noch nicht einmal auf die\nHälfte seines bisherigen Gehalts."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nVor siebenzig Jahren. Noch einmal die Melodie der Marseillaise. Die erste Aufführung von Rossini's Barbier von\nSevilla. Tages- und Unterhaltungsblatt (Breslau, Adolph Friedrich Hesse f Offenbach's neueste Operette Denkmal für\nFräulein Ida Pellet Wien, Theater, Herr Wachtel, Offenbach's „Rheinnixe\" Paris, Herrn Dietsch' Entlassung von der grossen Oper).\n\nVor siebenzig Jahren.\nWenn wir neuere und neueste Schriften über Aesthetik\nder Tonkunst, über das Wesen der Musik, über ihre Ver-\nbindung mit der Dichtkunst u. s. w. bis zum Ueberdruss\ngelesen haben, wobei es einem beinahe ergehen kann wie\ndem Schüler des Mephistopheles in Goethe's Faust mit dem\nMühlrade, so blättern wir zur Erholung wohl in älteren\nWerken über Musik, selbst aus dem vorigen Jahrhundert,\nwobei es sich dann oft treffen will, dass wir uns recht gu-\nter Gedanken und einer von Wortschwall und Phantasterei\nfreien Darstellung in denselben erfreuen.\nSo fiel uns vor einigen Tagen ein „ästhetischer Ver-\nsuch'' von Christian Friedr. Michaelis „Ueber den\nGeist der Tonkunst\", gedruckt Leipzig, 1795, in die\nHände, an dem wir dieselbe Erfahrung machten. Der Ver-\nfasser, ein Sohn des berühmten gelehrten Theologen Job.\nDavid Michaelis (-J- 1791), war in den neunziger Jahren\nPrivatdocent der Philosophie in Leipzig und starb 1814\nals Professor in Marburg. Seine Betrachtungen sind na-\nmentlich mit Rücksicht auf Kant's „Kritik der ästhetischen\nUrtheilskraft\" geschrieben. Wir sind keineswegs gesonnen,\ndas Buch (zwei Bändchen von 134 und 160 Seiten) zu\nanalysiren: aber wir halten es der Vergleichung wegen\nfür anziehend, einige Stellen daraus mitzutheilen.\nZunächst über Auffassung und Empfänglichkeit des\nMenschen für Musik und über die Wirkung der Tonkunst.\n„Die si ttlieh e Ge fü h Isst i m mung ist der Grund\neiner feineren Empfänglichkeit für die musicalische Schön-\nheit. Denn da unsere moralische Beschaffenheit nur zum\ngeringeren Theile durch Begriffe und deutlich erkannte\nGrundsätze, zum grössten Theile aber durch blosse (sitt-\nliche) Gefühle bestimmt wird, so ist es wohl erklärlich,\nwie eine Kunst, welche Begriffe und Gedanken weder zum\nMittel noch zum Zwecke ihrer Wirksamkeit hat, mit un-\nserer Sittlichkeit im Zusammenhange stehen könne. Die\nsittliche Stimmung des moralischen Gefühls-Vermögens\nverbreitet sich nun, je herrschender sie wird, um so mehr\nüber die ganze sinnliche Natur des Menschen. Sie drückt\nsich also auch äusserlich, nach Beschaffenheit der Organi-\nsation, mehr oder weniger in dem Tone der Sprache und\nüberhaupt in allen äusseren Bewegungen aus. Wir setzen\naber auch unter ihren Zeichen bei Anderen eine solche\nsittliche Stimmung voraus, und um so mehr, inniger wir\nuns ihrer in uns selbst bewusst sind. Sie kündigt sich uns\nin gewissen Beschaffenheiten der Töne an; Analogie und\nEinbildungskraft ergänzen, was in unseren Wahrnehmun-\ngen noch mangeln möchte, und eine moralische Sympa-\nthie, das geheime Band edler Seelen, leitet die Töne, die\nwir als Ausdruck sittlicher Gefühle auslegen und begierig\naufnehmen, in unser Herz.\n„Es gibt Tonstücke, die ganz vorzüglich einen laute-\nren, reinen Sinn athmen. Unsere Brust erhebt und erwei-\ntert sich bei dem Anhören derselben; wir sehen dann\ngleichsam ganz unser Inneres, unser edleres Selbst, vor\ndem wir nicht erröthen dürfen, dargestellt; wir fühlen uns\nselbst gestärkt zu neuer, lebendigerer Humanität. Die Ge-\nfühle, welche die Musik in einer sittlich gestimmten Seele\nerregt, kommen denen sehr nahe, zu welchen uns die Be-\ntrachtung der schönen landschaftlichen Natur erhebt. In\nder freien Natur wird uns so wohl, unser Herz erweitert\nsich, und wir fühlen uns hinausgesetzt über die selbst auf-\nerlegte Sclaverei, über kindische Eitelkeit, Thorheit und\nEigensinn kleinlicher, in ihre Mauern eingeschränkter und\nauf diese Schranken gleichsam stolzer Menschen.\n„Wir müssen aber, um die Werke der Tonkunst\nnicht ungerecht zu beurtheilen, Unbefangenheit und reine\nsittliche Gesinnung in denen voraussetzen, welche ihre Kraft\nund Würde und Schönheit fühlen und schätzen sollen. Ein\ngewisser lauterer Sinn ist es, der allen schönen Kunstwer-\nken den leichtesten Eingang in das menschliche Herz ver-\nschafft, reine und sanfte, jedoch lebendige Bilder der Phan-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.2", "texte": "tasie hervorruft und den Geist zu richtigen Urtheilen leitet.\nWie fähig ist nicht dieser reine Sinn, alle Arten der Mu-\nsik richtig und lebhaft zu fühlen! Wie ergötzt ihn nicht\nz. B. der musicalische Ausdruck ländlicher, sanfter Fröh-\nlichkeit und Einfalt, denn unzählige Bilder edler Einfach-\nheit und schuldloser Glückseligkeit erfüllen da die Seele.\nWie innig ist nicht auch der Ausdruck der Traurigkeit,\ndes Ernstes oder der feierlichen Buhe in schöner musica-\nlischer Darstellung für ein gebildetes, gefühlvolles Herz!\nSo erhebt sich der Geist über den Sturm der Leidenschaf-\nten in der energischen, wilden Musik (eines Händel, Mo-\nzart oder Haydn) durch die moralischen Ideen seiner Ver-\nnunft, und ästhetisches Wohlgefallen an dem erhabenen\nAusdrucke mischt sich mit dem hohen Gefühle mensch-\nlicher Würde und Selbständigkeit.\n„Während aber für fröhliche Melodieen fast Jeder\nempfänglich ist, haben doch nur Wenige Sinn für den\nAusdruck des Majestätischen und Erhabenen in der Musik.\nDenn eine majestätische, feierliche und erhabene Musik\nkann in keiner kleinen Seele Eingang finden, die sie viel-\nmehr entweder als fremd gar nicht rührt, oder mit einem\nschmerzhaften Gefühle niederschlägt und das Bedürfniss\nder Sinnlichkeit nur noch stärker fühlen lässt, während ein\nveredelter Geist voll Bewunderung und Staunen bei einem\ngrossen Meisterwerke der Tonkunst weilt und sich im An-\nhören desselben moralisch erhoben und gestärkt fühlt.\n„Hier scheint eine Stelle aus der Recension der Mat-\nthisson'schen Gedichte (Allg. L. Ztg., Nr. 298, 1794*])\neinen schicklichen Platz zu finden. „„In thätigeri und zum\nGefühle ihrer moralischen Würde erwachten Gemüthern\nsieht die Vernunft dem Spiele der Einbildungskraft niemals\nmüssig zu; unaufhörlich ist sie bestrebt, dieses zufällige\nSpiel mit ihrem eigenen Verfahren übereinstimmend zu\nmachen. Bietet sich ihr nun unter diesen Erscheinungen\neine dar, welche nach ihren eigenen Begeln behandelt\nwerden kann, so ist ihr diese Erscheinung ein Sinnbild\nihrer eigenen Handlungen, der todte Buchstabe der Natur\nwird zu einer lebendigen Geistersprache, und das äussere\nund das innere Auge lesen dieselbe Schrift der Erschei-\nnungen auf ganz verschiedene Weise. Jene liebliche Har-\nmonie der Gestallen, der Töne und des Lichtes, die den\nästhetischen Sinn entzückt, befriedigt jetzt zugleich den\nmoralischen; jene Stetigkeit, mit der sich die Linien im\nRäume oder die Töne in der Zeit an einander fügen,\nist ein natürliches Symbol der inneren Uebereinstimmung\ndes Gemüthes mit sich selbst und des sittlichen Zusammen-\nhanges der Handlungen und Gefühle, und in der schö-\nnen Haltung eines pittoresken oder musicalischen Stückes\nmalt sich die noch schönere einer sittlich gestimmten Seele.\n„ „Der Tonsetzer und der Landschaftsmaler bewirken\ndieses bloss durch die Form ihrer Darstellung und stim-\nmen bloss das Gemüth zu einer gewissen Empfindungsart\nund Aufnahme gewisser Ideen, aber einen Inhalt dazu zu\nfinden, überlassen sie der Einbildungskraft des Zuhörers\nund Betrachters. Jede nähere Bestimmung wird\nhier als eine lästige Schranke empfunden; denn\neben darin liegt das Anziehende solcher ästhetischen Ideen,\ndass wir in den Inhalt derselben wie in eine grundlose\nTiefe blicken. Der wirkliche und ausdrückliche Gehalt,\nden der Autor hineinlegen will, bleibt stets eine endliche,\nder mögliche Gehalt, den er uns hineinzulegen überlässt,\nist eine unendliche Grösse.\" \"\nMan hat der Musik aber auch schon damals die Un-\nbestimmtheit ihres Ausdrucks zum Vorwurfe machen\nwollen. Dagegen spricht ein Recensent von Heydenreich's\nSystem der Aesthetik, Leipzig, 1790, in der Neuen Bi-\nbliothek der sch. Wiss., 43, 2, 1791: „Empfindungen\nund Leidenschaften können eine Zeit lang ununterbrochen\nund unverändert in der Seele fortdauern: Töne können\nunverändert nicht fortdauern, oder sie werden uns uner-\nträglich. Und eben dies macht wohl eine der Schwierig-\nkeiten des musicalischen Ausdrucks und eine der Ursachen\nseiner Dunkelheit aus, dass die Modulationen und Gänge\nsich unaufhörlich verändern müssen, wenn sie dem Ohr\nnirht missfallen sollen, und dass sie doch unverändert die-\nselben bleiben müssten, wenn sie dem Gemüthe einen be-\nstimmten Affect tief und stark genug einprägen sollen,\nwie Viele verlangen. Melodie und Tonart bleiben, auch\nin demselben Tonstücke, nicht unverändert, und Tact und\nZeitmaass bezeichnet nicht eine bestimmte Empfindung so\ngenau, dass Einheit des Ausdrucks durch die Einheit jener\nbeiden Stücke erhalten würde.\n„Müssen denn aber die Empfindungen oder die\nSumme und Vereinigung derselben, der Zustand der Em-\npfindsamkeit, welchen Kunstwerke darstellen, überhaupt\netwas Bestimmtes sein? Ist dies der Fall insbesondere bei\nder Tonkunst, wo in der That der musicalische Ausdruck\nder Leidenschaften unbestimmt ist? Es ist dies einer der\nVorwürfe, die man dieser Kunst macht, aber mit Unrecht.\nWenn es in der menschlichen Natur solche Empfindun-\ngen, solche Zustände der Rührung und des Begehrens gibt,\nvon denen wir uns selbst nicht Rechenschaft zu geben\nwissen, warum soll es nicht auch eine Kunst geben, die\nals eine Dolmetscherin und Lenkerin dieser unbestimmten\nRegungen des menschlichen Herzens auftrete? Sie sind,\nihrer Dunkelheit ungeachtet, auch für die bestimmten und\nmit mehr Bewusstsein verbundenen Eindrücke und Bestie-\n\n*] Von Schiller. Dießedaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.3", "texte": "bungen, und also für Vernunft und Sittlichkeit wichtig,\nweil sehr viel bei den absichtlichen und durch Ideen ge-\nlenkten Aeusserungen unserer Kraft auf die Stimmung\nunseres Gemüthes ankommt, mit der wir an dieselbe gehen.\nUnd diese Stimmung hängt gerade in hohem Grade von\nsolchen unnennbaren Gefühlen ab, dergleichen der musi-\ncalische Ausdruck darstellt und bearbeitet.\"\nDiesen Bemerkungen fügt C. F. Michaelis Folgendes\nhinzu: „Ein Kunstwerk soll durch die Schönheit seiner Form,\nmithin durch seine innere Vollendung, nicht aber um\nfremder Beziehungen willen Wohlgefallen. Man darf\naber diese Schönheit des musicalischen Kunstwerkes nicht\nbloss auf den Ausdruck von Gefühlen und Gemüthsbewe-\ngungen beschränken. Es gibt eine gewisse Symmetrie und\nbewundernswürdige Regelmässigkeit in der Musik, welche\nuns um so mehr anzieht, je mehr sie zu gleicher Zeit den\nAnschein von blosser Natur und Zufälligkeit behauptet.\nUns gefällt durch eine schnelle Reflexion der Urtheilskraft\ndas Verhältnissmässige, Mathematische, Symmetrische, Ge-\nordnete und Planmässige, das wechselseitig Bezogene in\nder Musik. Hieher gehören die wunderbaren harmoni-\nschen Verbindungen in der gebundenen musicalischen\nSchreibart, z. ß. in den Fugen eines J. Sebast. Bach oder\nHändel. Sehr glücklich verband der unsterbliche W. A.\nMozart den innigsten Gefühls-Ausdruck mit der kunstvoll-\nsten Symmetrie in den so genannten Nachahmungen, har-\nmonischen Umkehrungen und dergleichen Aeusserungen\nseines musicalischen Tiefsinns.\"\nSchliessen wir hier gleich eine andere Stelle über Mo-\nzart's Don Giovanni an, zunächst ihres richtigen Grund-\nsatzes wegen, dass auch das an sich Hässliche im musica-\nlischen Ausdruck schön werden müsse, und zweitens als\nBeweis gegen die Berufung unserer heutigen Reforma-\ntoren auf die Verkennung des Genie's durch die jedesma-\nligen Zeitgenossen. Es heisst Th. 11., S. 102:\n„Der musicalische Ausdruck des an sich Sinnlich-Wi-\ndrigen und Hässlichen muss durch die Kunst des Compo-\nnisten gemildert werden. Gewaltsame Affecte und wilde\nLeidenschaften müssen also entweder erhaben dargestellt,\noder durch angenehme Abwechslung mit den sanften und\nwohlthätigen, oder durch musicalische Veredlung ihrer\nAusbrüche gemildert werden, wenn sie dem ästhetischen\nGefühle angemessen sein sollen. In Mozart's tragischer\nOper Don Giovanni oder II bieten sich\nbewundernswürdige Beispiele von der meisterhaftesten Be-\nhandlung der sinnlich-widrigen Affecte des Schreckens, der\nFurcht und des Entsetzens dar. Die letzteren Scenen, da\ndie feierlich ernsten Warnungen und Drohungen der wun-\nderbar beseelten Statue des Commandeurs vom Grabmal\nherab den leichtsinnigen Wüstling und seinen Diener in\nErstaunen, Angst und Schrecken setzen, das Entsetzen,\ndas bei der wirklichen Ankunft des nur zum Scherze ein-\ngeladenen steinernen Gastes den Muthwilligen durch-\nschauert, und der Chor der Verzweiflung und Verdam-\nmung, mit dem die grausende fünfzehnte Scene endigt*;\nalles dies hat dem Componisten die glücklichste Gelegen-\nheit gegeben, seine musicalische Einbildungskraft in dem\ngewaltigsten und erschütterndsten Ausdruck des Pathetisch-\nErhabenen auf die unübertrefflichste Art zu beweisen.\"\n„Des Tonkünstlers Aufgabe ist, den inneren Men-\nschen zu seinem Objecte zu machen; seine Kunst verliert\nsich um so gewisser ins Reich der Willkür, je mehr er\nsich von dem Ausdruck innerer Menschennatur entfernt\nund es unternimmt, die Eindrücke äusserer Gegen-\nstände zu schildern oder gar äussere Begebenhei-\nten durch Töne darzustellen.\" (11. 100.)\nIst es doch, als hätte man schon vor siebenzig Jahren\ndie Verwirrung der Begriffe über das musicalisch Schöne\nund über den so genannten „Inhalt\" der Musik vorher-\ngesehen und klarer darüber gedacht, als jetzt!\nVergleichen wir nun Neueres mit dem oben gegebe-\nnen Alten, so finden wir in Vischer's Aesthetik, dem\neinzigen Werke unserer Zeit, welches auch in Bezug auf\ndie Aesthetik der Tonkunst auf wahrer Wissenschaft be-\nruht und ein klar gedachtes System in klarer Darstellung\ndurchführt, in der Hauptsache eine vollständige Ueberein-\nstimmung der Ansichten über das Wesen der Tonkunst\nmit den Principien, die, wie wir gesehen, bereits vor sie-\nbenzig Jahren ausgesprochen worden.\nWir lesen nämlich bei ihm (Theil 11., 381): „In der\nTonkunst ist die Phantasie, diese kunstschaffende Kraft\ndes menschlichen Geistes, in der Weise thätig, dass sie\nvon den Objecten, die ihr, wie jeder Kunst, den Stoff lie-\nfern, nicht die Gestalt, nicht den Gegenstand selbst, son-\ndern nur den reinen Eindruck derselben auf das Gefühl\nzum Ausdruck bringt; eben daher aber wird sie vorzüg-\nlich die Sphären aufsuchen, wo volles und vertieftes inne-\nres Leben sich kund gibt. Wie sie selbst die empfin-\ndende ist, so ist der empfindende Mensch ihr Stoff, und je\nmehr eine Sphäre des Stoffes Erregungen des innersten\nLebens mit sich führt, desto willkommener muss sie ihr\nsein: so die Liebe, die Freundschaft und vor Allem\ndie Seelenkämpfe des Individuums. Sie wird sich\nimmer auf den Boden des allgemein Menschlichen steilen,\nund zwar in der Form des rein bewegten Innern.\"\nWie verhalten sich aber dagegen die Kunst-Philoso-\npheme von Wagner, Liszt, Brendel und Genossen? wie\n\n*) Dieser Chor wurde also damals gegeben, während heute seine\nhochtrasrische Wirkung durch Teufeleien ersetzt wird! D. Ked.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.4", "texte": "Franz Müller und sämmtliche Anhänger der so genannten\nneuen Schule? Sie alle verkünden uns den grossen Fort-\nschritt, dass „die Fntwicklung der Tonkunst sich mit den\nSchulen Mozart's und Beethoven's erschöpft habe, dass in\ndieser Entwicklung, die sich streng auf das musicalische\nGebiet beschränkte, wo A 11 es ausgelebt, erstorben\nschien, Wagner den Anstoss zu einer neuen Kunstentfal-\ntung gegeben habe. Die Musik war bei ihrem Schluss-\npunkte angekommen, der Boden, welcher bisher ihr Ge-\ndeihen förderte, war nicht mehr vorhanden. Dieser\nBoden war vorzugsweise das in sich zurückgezogene Ge-\nmüthsleben, die subjective Innerlichkeit. Jetzt ist eine Wen-\ndung nach aussen hin eingetreten, man hat dieses Reich\ndes Innern verlassen. [Ja wohl, ja wohl!] Alles drängt nach\nWirklichkeit, nach Gestaltung der äusseren Welt. Das\nneue Kunstwerk ist die jenem Drange nach aussen ent-\nsprechende Erscheinung auf musicalischem Gebiete.\" (Bren-\ndel, Geschichte der Musik, IL, 593.)\nWahrlich, es hält schwer, diese und ähnliche Phrasen\nnicht für bittere Ironie zu halten! Wenigstens widerlegt\nnichts besser diese ganze Theorie, als die Behauptung,\ndass das „in sich zurückgezogene Gemüthsleben und die\nsubjective Innerlichkeit\" aus der Welt verschwunden seien!\nZufällig liegt uns da noch ein Büchlein vor Augen,\ndas denselben Titel führt, wie unser altes von 1795, näm-\nlich: „Der Geist der Tonkunst\" von Dr. Ludwig\nNohl. Wiewohl Herr Nohl nicht in das Horn der neue-\nsten Schule stösst, sondern noch an Autoritäten wie Vi-\nschel-, 0. Jahn, auch Marx glaubt, aus deren Schriften\ner viel, sehr viel genommen, was er übrigens auch gar\nnicht läugnet, so ist es doch sonderbar, dass er seinem\nBüchlein einen so anspruchsvollen Titel gegeben, da man\nvon Erläuterungen oder Belehrungen über den Geist der\nTonkunst im Allgemeinen so gut wie nichts findet und das\nGanze mehr eine historische Uebersicht über die Entwick-\nlung der Musik mit eingefügten Charakteristiken einzelner\nMusiker oder einzelner Werke derselben gibt. Die Art,\nwie Herr Nohl z. B. an Mozart zeigt, wie dieser Künstler\ndas Wesen der Musik nach Vischer's oben angeführtem\nAusspruche in seinen Werken zur Erscheinung gebracht\nhabe, möge als eine Probe seiner Darstellung hier stehen\n(S. 101 ff.):\n„Die Oper Don Juan ist trotz des darin vorkommen-\nden Wunders der unermessliche Fortgang vom My-\nthos zur lebendigen Wirklichkeit. Mozart war es,\nder der Musik die ganze Welt der realen Stoffe erschloss.\nMan sieht dies nirgends deutlicher, als an dieser Op er. Die\ngespenstische Geschichte der Erscheinung des Commodore\n[Wie kommt Herr Nohl dazu, den Commendatorezu einem\nAdmiral zu machen?] ist trotz allem wunderbaren Scheine\nnichts als ein psychologischer Vorgang, der aus dem In-\nnern des Wollüstlings Don Giovanni an das Licht der le-\nbendigen äusseren Erscheinung gezogen wird, damit er\nüberhaupt nur dramatisch darstellbar werde. Er ist wie\ndie Erscheinung des Erdgeistes im Faust, die Hexen im\nMacbeth, der Geist im Hamlet, nicht eine Theater-Maschi-\nnerie, um die Figuren des Stückes in Bewegung zu setzen,\nsondern es ist hier das Innere, das Gewissen des Menschen\nherausgestellt, der sich des Bösen bewusst ist, dass er in\nseinem Eigenwillen sich gegen den Willen der Gesammt-\nheit empört hat. Es ist Wirklichkeit, lebendig gefühlter\nVorgang, und desshalb von der Musik mit so unübertreff-\nlicher Wahrheit dargestellt, wie nur diese Kunst innerste\nZustände der Menschenseele darzustellen vermag. Hier ist\nein Beispiel, und ein bedeutsames, wie Mozart die Seelen-\nkämpfe des Individuums aufzufassen und darzustellen ge-\nwusst hat, und Goethe hatte wohl eine Ahnung von der\nCongenialität dieses Meisters mit ihm, wenn er ihn als den\nEinzigen bezeichnete, der die Musik zu seinem Faust zu\nschreiben vermöchte. Gleichwohl übersah er, dass gerade\nein solch ebenbürtiger Geist nicht dazu im Stande gewesen\nwäre, und zwar aus dem Grunde der Ebenbürtigkeit.\n„Die genannte Scene aus dem Don Juan gibt einen be-\ndeutsamen Aufschluss über Mozart's ganze Anschauungs-\nweise in den höchsten Dingen. Nur ein Geist, der, wir wol-\nlen nicht sagen, in dem klaren Bewusstsein, aber in der\ngewissen Empfindung lebt, dass die Schuld, so wie sie vom\nMenschen selbst und von ihm allein begangen, so auch an\nihm allein und bei seinen Lebzeiten gerächt werde, ver-\nmochte so sehr mit Wahrheit das Schaudergefühl und die\nAngst des erwachten Gewissens zu malen. Hier ist die Er-\nscheinung eines Richters aus jener Welt, denn einen sol-\nchen stellt der Commodore dar, nicht mehr ein Glaube zu\nnennen, in dem der Dichter befangen wäre, sondern ein\nGeglaubtes, ein vom dunklen Theile des Volkes nur noch\nhier und da Geglaubtes. Nur einem Geiste, der in seinem\ninnersten Fühlen jedwede Transcendenz überwunden hat\nund in sich gewiss ist, dass das Ewige und Göttliche sich\nnicht hoch oben über den Wolken aufhält, sondern uns\nin lebendiger Gegenwart da und dort und überall umweht,\nkann sich eine solche Tiefe des Schuldbewusstseins, ein\nsolcher Blick in den innersten Zusammenhang aller Er-\nscheinungen des Lebens eröffnen, wie er sich in dieser\nOper zeigt. Nur für einen solchen ist es dann ferner mög-\nlich, dass ihm, wie unserem Meister, der Mensch, der\nalleinige Mensch, zum Mittelpunkte alles Daseins, zur\nalleinigen Quelle des Stoffes für seine wunderbaren Kunst-\nschöpfungen wird. Dass Mozart selbst sich dieses nicht zum\nklaren Bewusstsein gebracht hat, dass sein alltägliches Ver-\nhalten, sein Kirchenbesuch dem allem zu widersprechen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.5", "texte": "scheinen, hindert uns nach dem oben Gesagten nicht an\ndieser Annahme. Sein ganzes Thun und Lassen schwebte\ninnerhalb der Region des menschlichen Geistes, die dem\nSelbstbewusstsein vorauf geht und in der alles, was in wei-\nterer Thätigkeit des menschlichen Geistes als Gedanke\nheraustritt, bereits als ahnende Empfindung vorgebildet ist.\nDie Dichter und Künstler waren es von je, die dem Philo-\nsophen die ersten Keime und Ansätze gaben zu den Ideen,\ndie als klare Gedanken, als Aussprüche der Wahrheit spä-\nter die Welt regelten und beherrschten, und es ist dess-\nhalb von grösster Bedeutung, in solch schöpferischen Ge-\nnien, wie Mozart war, überall nicht die Fortschritte zu\nverkennen, die sie in der tieferen Erfassung des mensch-\nlichen Geistes zum Theil bereits selbst machten, zum Theil\nwenigstens vorbereiteten.\"\nUnd dann die Stellen über die „Ironie des Schönen\"\nbei Mozart, welcher „die Höhe in dieser Ironie des schö-\nnen Scheins erreichte\" (S. 109):\n„Er, dem wir das wärmste und liebevollste Herz zu-\nschrieben, er, dessen ganzes Wesen Empfindung sein\nmusste, liebevollste Ergreifung alles Menschlichen, wärmste\nUmschlingung jedes Gemüthes, das ihm nahe kam, sollte\ngerade er am meisten jener kühlen Ironie, jenes feinen\nSpottes, jenes Belächeins alle des Köstlichen, was er in der\nWirklichkeit empfunden, fähig gewesen sein?\n„Die Musik gibt nicht die Empfindung selbst, nicht\ndas Stossweise, Ungeordnete, Zufällige, das sie hat, die\nMusik soll, wie jede Kunst, nur das Bild geben, und je\nmehr sie alles Stoffartige ihres Inhalts abgestreift hat, je\nhöher wird sie zur wahren Schönheit durchgedrungen sein.\n„Wir wollen verzichten auf Herzählung der feinen\nZüge, die Mozart's dramatischen Compositionen in über-\nreicher Fülle eingewebt sind. Es erscheint uns bedeutsa-\nmer, im Ganzen seiner Werke, besonders in den Instru-\nmentalsachen, in den kleineren, für die „ „Kammer\"\" be-\nstimmten Compositionen, jene Selbst-Ironie, die in dem\nLeben seiner Zeit lag, aufzusuchen und zu bemerken, wie\nsie sich bei ihm zur Ironie der reinen Schönheit\nverklärte. Man sieht die schlanken, feinen Gestalten in\nkurzen Hosen und seidenen Strümpfen, mit Tressenrock\nund Galanteriedegen, mit einer Haarfrisur, die aller Natur-\nwahrheit Hohn spricht, den Tanz der Zeit, die Menuett,\nin würdevollster Grazie einherschreiten. Ueber die jungen\nGreisengesichter, die der Puder macht, geht ein feines\nLächeln. Sie sind sich wohl bewusst, dass dieser Tanz,\nwie ihr Schälerspiel und das Ganze ihres geschraubten\nDaseins eine Lüge ist, eine Theaterscene, die bald ein Ende\nfinden wird. Aber dennoch tanzen sie mit heiterem Ernste\nhinweg über die Haltlosigkeit ihrer Zustände. Es ist ein\nwunderbares, fast unheimliches Gefühl, das uns bei man-\nchen Compositionen dieser Art ergreift, der Boden schwankt\nuns unter den Füssen, nirgends mehr ist ein Halt, es ist\nein Geniessen mit der Vorahnung des Abgrundes, des\nschrecklichen Sturzes, der bald erfolgen muss. Und doch\nsind gerade solche Sachen von dem wunderbaren Zauber,\nden nur die reine Schönheit hat. Sie sind nichts als Spiel,\naller Inhalt ist gleichgültig geworden, alles Dasein,\nalles Wirkliche ist aufgehoben, alles, was an die Endlich-\nkeit erinnert und uns im reinen Genüsse des höchsten Seins\nstören könnte, ist so sehr getilgt, dass wir unbekümmert\num allen Inhalt uns gern dem Scheine der Unendlichkeit,\nder uns umglänzt, mit voller Seele hingeben.\"\nWer hiernach Neigung dazu hat, möge zum Buche\n(Frankfurt am Main, 1861) greifen.\n\nNoch einmal die Melodie der Marseillaise.\nNach den Aufschlüssen von Castil-Blaze (in der\nFrance musicalevom 18. Juli 1852), welche wir in der\nRheinischen Musik-Zeitung, Jahrgang 1852, vom 7. August\nmitgetheilt und daran eine Uebersicht der Nachrichten über\nden muthmaasslichen Componisten der Melodie der Mar-\nseillaise geknüpft haben, hielten wir die Acten über diese\nimmerhin sehr interessante Sache dahin für geschlossen,\ndass allerdings eine deutsche Melodie ein Gesang mit\nChor und Refrain, der zum ersten Male 1782 im Hotel\nder Frau von Montesson, Gemahlin des Herzogs von Or-\nleans, gehört wurde dem Poesie von\nKouget de l'lsle, zum Grunde liege.\nJetzt tritt Herr Fetis in der Revue et Gazette musi-\ncale, Nr. 29 vom 19. Juli, auf und behauptet geradezu:\n„Eine Abschrift von Rouget de l'lsle's\nkam nach Paris und fiel in die Hände eines guten Musi-\nkers, der unter dem Namen Navoigille bekannt ist, ob-\nwohl er eigentlich Julien hiess. Als eifriger Republicaner\nbegeisterte er sich an den Worten und erfand unmittelbar\ndarauf die erhabene Melodie, welche sie unsterblich\nmachte.\"\nWorauf stützt Felis diese positive Behauptung? Er hat\nim Jahre 1847 zwei gedruckte Sammlungen aus der Re-\nvolutionszeit durch einen glücklichen Zufall aufgefunden:\n„die erste enthält alle revolutionären und republicanischen\nGesänge in kleinen fliegenden Blättern; die andere alle\nvon Gossec, Catel u. s. w. für die Revolutionsfeste com-\nponirten Stücke.\"\nIn der ersten findet sich ein Blatt mit dem Titel:\n„ Mar che des Marsedlais, pa\nl'lsle, musique du citoyen\nFrere, passage du Saumon, oü l'on trouve tous les airs\npatriotiques des vraisSansculottes.\" Ein zweites Blatt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.6", "texte": "enthält dieselbe Melodie mit Guitarre-Begleitung:\ndes Marseillais, musique Navoigille,\naeeompagnement de guitare p\nmagasin de musique rue Joseph, seciion de Brutus.\"\nHieraus schliesst Felis: „dass, da „ „die wahren Sans-\nculotten\" \" ungefähr achtzehn Monate in den Jahren 1793\nund 1794 geherrscht hätten, Navoigille in dieser Zeit die\nMarseillaise componirt habe, und dass sie damals als sein\nWerk öffentlich colportirt worden sei.\" Gegen das Letz-\ntere ist kein Zweifel zu erheben, wohl aber gegen das\nErstere, indem diese beiden fliegenden Blätter am Ende\nnichts weiter beweisen, als dass die Melodie damals dem\nBürger Navoigille allgemein (wie es scheint, da die beiden\nBlätter verschiedene Verleger haben) zugeschrieben\nwurde.\nNun meint Föfis: „Wäre Navoigille nicht der eigent-\nliche Componist, sondern Rouget de l'lsle, so würde die-\nser dagegen reclamirt haben, was nie geschehen sei.\" Dies\nist kein Beweis; denn wer kann behaupten, „dass es nie\ngeschehen sei\"? Wer hat die öffentlichen Blätter jener\nZeit sämmtlich zu diesem Zwecke controlirt? Ding der\nUnmöglichkeit! Wenn Fetis als neuen Beweis gegen Rou-\nget hinzufügt, dass in dessen\nvom Jahre 1797 bloss der Text des Charit de guerre stehe\nund kein Wort, das sich auf die Musik beziehe, so ist er\nim Irrthume. Bei der Ueberschrift der Marseillaise steht\n„ein Sternchen\", und eine Anmerkung besagt, dass dieses\nZeichen bei den betreffenden Liedern bedeute, „dass er\n(Rouget) auch die Musik dazu gemacht habe\". Die\nSammlung von „50 ehants francais mis en musique\npar Rouget de l'Isle\", in welcher sich die Marseillaise\nebenfalls befindet, ist nach Fetis erst 1825 in Quarto in\nParis erschienen. Allein (was nicht anführt) Rouget\nerklärt darin wörtlich: „dass er die Melodie und die\nWorte zu Strassburg in der Nacht nach der Kriegserklä-\nrung im April 1792 gemacht habe\". Diese zwei ausdrück-\nlichen Erklärungen Rouget de l'lsle's (in den Essais und\nin den 50 Chants) entkräften vollständig die Behauptung,\ndass er „nie reclamirt\" habe, denn zwei so bestimmte An-\ngaben von 1796 (oder 1797) und von 1825 sind mehr\nwertb, als ein Protest in irgend einem vergänglichen Zei-\ntungsblatte.\nCastil-Blaze erzählt in dem angezogenen Aufsatze, dass\nJulien (Navoigille) die deutsche Melodie zuerst in dem\nConcerte der Frau von Montesson vorgelegt habe, und\nnennt seine Gewährsmänner dafür. Ferner erwähnt er\nauch, dass man 1792 Navoigille die Autorschaft derselben\nzugeschrieben, eben so aber auch anderen Musikern, wie\nGossec, Pleyel, besonders auch Mehul, der sie erst voll-\nständig harmonisirt und instrumentirt hat.\nDie wahrscheinlichste Lösung der Frage dürfte viel-\nleicht sein, dass Rouget de l'lsle in Strassburg, wo damals\ndeutscher Gesang viel mehr gepflegt wurde, als jetzt, wie-\nwohl er keineswegs aus dem Elsass verbannt ist, das deut-\nsche Lied gehört und mit Bewusstsein oder als unwillkür-\nliche Reminiscenz zu seiner nächtlichen Composition be-\nnutzt habe.\nDer mehrgenannte Julien hiess vollständig Guillaume\nJulien, genannt Navoigille,geboren zu Givet in den Ar-\ndennen 1745. In Paris, wo er sich für die Musik ausbil-\ndete, nahm ihn ein venetianischer Nobile in sein Haus,\nbegünstigte ihn auf alle Weise und gab ihm den Namen\nNavoigille. Später kam er durch Monsigny in das Haus\ndes Herzogs von Orleans. Auch dirigirte er eine Zeit lang\ndie damals berühmten Concerte der für\nwelche J. Haydn sechs Sinfonieen geschrieben hat. Als\ntüchtiger Violinspieler gründete er eine Schule für Vio-\nlinisten, aus welcher unter Anderen der excentrische Ale-\nxander Boucher hervorging. Nach wechselvollem Leben\nals Orchester-Mitglied oder Dirigent an verschiedenen\nTheatern, als Mitglied der Hofmusik des Königs von Hol-\nland Louis Bonaparte u. s. w. starb er in Paris im Jahre\n1811 in nichts weniger als glänzenden Verhältnissen.\n\nDie erste Aufführung von Rossini’s Barbier von\nSevilla.\nRossini hatte schon in seinem achtzehnten Jahre eine\neinactige Opera hiffa: „II Cambiale di matrimonial („Ein\nWechsel auf Heirath\") mit ziemlich gutem Erfolge in Ve-\nnedig auf die Bühne gebracht, im neunzehnten durch „De-\nmetrio e Polibio\"auf dem Theater in Rom Aufsehen\nerregt, im zwanzigsten (1812) fünf neue Opern auffüh-\nren lassen (darunter L'lnganno die zwar nicht alle\nGlück machten, jedoch die überquellende melodische Frucht-\nbarkeit des jungen Maestro bekundeten, und hatte im fol-\ngenden Jahre durch seinen Tanc(lBl3 auf dem Thea-\nter Feniee in Venedig) ganz Italien entzückt. Trotzdem,\ndass sein Ruhm auch durch die folgenden Opern: L'lta-\nliana in Algeri und Elisabetta (1815 in Neapel) erhöht\nwurde, erlebte doch im Jahre 1816 seine Oper\ne Dorliscaauf dem Theater in Rom ein halbes\nFiasco, und als in derselben Stagione und in derselben\nStadt das Theater Argentina das neueste Werk Rossini's:\nII Barbiere de Seviglia,brachte, waren die Neider des\nvierundzwanzigjährigen Maestro und die enthusiastischen\nVerehrer Paesiello's, welcher denselben Stoff bearbeitet\nhatte, wahrlich nicht zu günstiger Aufnahme gestimmt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.7", "texte": "Ueber diese erste Aufführung des Meisterwerkes be-\nrichtet die Sängerin Righetti als Augenzeugin und Mit-\nbeteiligte. Diese Künstlerin hatte eine ausgezeichnete\nMezzosopran-Stimme, welcher sie mehr als ihrer Virtuosität\nihre Erfolge verdankte. Sie war schon im Jahre 1804 so\nberühmt, dass sie in Napoleon's Hofconcerten sang. Nach\nBologna, ihrem Geburtsorte, zurückgekehrt, hatte sie dort\nRossini kennen gelernt, der 1804 und 1805 und von\n1807 bis 1810 dort unter Tesei und Mattei sich musica-\nlisch bildete. Nachher war sie in Rom länger mit ihm in\nfreundschaftlichem Verkehr. Später, im Jahre 1823, liess\nsie eine Lebensskizze Rossini's in Bologna drucken.\nIn dieser Schrift gibt sie interessante Nachrichten über\ndie frühesten Jahre des genialen Knaben, der viel arbeiten\nund darben musste, weist die Vorstellungen von dem Un-\ntleiss und der Flüchtigkeit des frühreifen Kindes zurück\nund versichert, dass er namentlich auf die Partitur des\nBarbiers grosse Mühe verwandt habe. Ueber die Auffüh-\nrung in Rom schreibt sie dann unter Anderem, dass das\nLibretto vom Ritter Sterbini ist und die vier Männerrollen\nbei der ersten Vorstellung von Garcia, Zamboni, Botticelli,\nVilarelli gegeben wurden; sie selbst, Signora Georgi Ri-\nghetti, sang die Rosina. Vorher sagt sie in Bezug auf die\nArt, wie Rossini zu arbeiten pflegte: „Er hatte die Ge-\nwohnheit, mitten unter seinen Freunden zu schreiben, und\ndabei wünschte er, dass die Unterhaltung derselben recht\nlebhaft sei. Aber man muss nicht vergessen, dass Rossini\nmehrere Male sein Libretto förmlich durchstudirte und mei-\nstentheils im Auf- und Abgehen im Kopfe arbeitete; fing\ner daher an zu schreiben, so war die meiste Arbeit schon\ngeschehen.\" Nachdem sie die Umstände erklärt, welche die\nWahl des Libretto des Barbiers herbeigeführt, erzählt sie\ndie Ereignisse, welche sich bei der ersten Aufführung die-\nser Oper zugetragen, in folgender Weise: „Das Theater\nArgentina war schon mit den Feinden des jungen Maestro\nangefüllt, welche es ihm nicht vergeben konnten, dass er\neinen Gegenstand gewählt, den schon Paesiello bearbeitet.\nDurch einen unglücklichen Umstand halte man es vergessen,\ndie Guitarre zu stimmen, mit welcher sich Almaviva beglei-\nten sollte. Garcia war genöthigt, sie auf der Scene zu stim-\nmen, aber bei dieser Procedur sprang noch eine Saite!\nDieser unglückliche Zufall erregte die boshafte Heiterkeit\ndes Publicums, das zu pfeifen anfing. Die Melodie dieser\nArie war von Garcia componirt worden; sie erschien dem\nPublicum fremdartig und missfiel, das Pfeifen verdoppelte\nsich und das Parterre jodelte die Rouladen nach, die der\nKünstler eben hatte hören lassen. Nach der Introduction\nhörte man zuerst das Ritomell der Arie des Figaro mit\nRuhe an; als aber Zamboni nun mit einer anderen Guitarre\nin der Hand die Scene betrat, brach im ganzen Saale ein\nnicht enden wollendes Lachen aus. Als hierauf Rosine auf\ndem Balcon erschien, wollte das Publicum, das sie schätzte,\nsie warm empfangen; als sie aber gleich darauf vom Bal-\ncon wieder verschwand, da nahm die Missstimmung des\nPublicums zu und das Pfeifen währte während des ganzen\nDuetts zwischen Figaro und Almaviva. Nur als Rosine wie-\nderkehrte und nach der schönen Arie\nänderte sich die Stimmung des Publicums, wozu Stimme\nund Vortrag der Sängerin nicht wenig beitrugen. Drei Bei-\nfallssalven liessen Rossini's Freunde vermuthen, dass ihm\njetzt das Glück lächele. Der Maestro, der sich im Orchester\nam Piano befand, erhob sich etwas von seinem Stuhle,\nmachte dem Publicum eine dankende Verbeugung und\nP o o\nwandte sich zur Sängerin, indem er leise ihr zullüsterte:\nOh, natura!Die Sängerin entgegnete ihm etwas böse:\n„„Danken Sie dieser Natur, denn ohne sie hätten Sie nicht\nnöthig gehabt, Sich von ihrem Stuhle zu erheben.\"\" In-\nzwischen fingen die böswilligen Manifestationen des Publi-\ncums beim Duette zwischen Rosine und Figaro wieder an,\nund als man an die Stretta des herrlichen Finales des er-\nsten Actes gekommen war, schrie eine gewaltige Stimme\naus dem Parterre darein: „ „Das ist das Leichenbegängniss\ndes Don C0g1...*)!\"\" Ein höhnisches Lachen erhob sich\ndurch das ganze Haus und der Vorhang fiel. Rossini drehte\nsich zum Parterre um, zuckte mit den Achseln und schlug\nklatschend mit den Händen zusammen. Verletzt durch die-\nses Zeichen der Verachtung, rächte sich das Publicum wäh-\nrend des ganzen zweiten Actes, von dem man mitten unter\ndem entsetzlichen Getöse einer aufgebrachten Menschen-\nmenge keine Note vernehmen konnte. Rossini blieb indessen\nganz ruhig und liess den Sturm vorüberziehen, ohne irgend\neine Aufregung zu äussern. Die Künstler mit Madame Ri-\nghetti begaben sich nach der Vorstellung zum Maestro,\nden sie aber nicht mehr trafen, weil er schon zu Bette ge-\ngangen war. Am anderen Morgen schrieb er die köstliche\nCavatine Ecco ridenie il cielo**),um die spanische Arie\nvon Garcia zu ersetzen, die so missfallen halte; auch nahm\ner noch mehrere Modifikationen mit seinem Werke vor und\nwollte nicht der zweiten Vorstellung beiwohnen, deren Re-\nsultat auch noch nicht durchschlagend war. Indessen hörte\nman doch das Werk mit Ruhe an und viele Piecen wur-\nden warm applaudirt. Erst mit den darauf folgenden Vor-\nstellungen nahm der Erfolg des Meisterwerkes in einer\nsteigenden Weise zu.\"\n*) Die Dame hat das Wort nicht ausgeschrieben; es ist einer von\njenen unanständigen Ausdrücken, welche bei Italienern, Spa-\nniern und Franzosen figürlich für „Lump\", ~Dummkopf*' u. s. w.\nvom Pöbel gebraucht werden.\n**) Er nahm sie aus einer früheren Oper: Giro in Babilonia."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630808-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nB. P.\nBreslau, 5. August. Unsere Stadt, Schlesien und wohl das\nganze deutsche Vaterland ist heute einer ihrer grössten musicalischen\nZierden beraubt worden. Der königliche Musik-Director Adolph\nFriedrich Hesse hat heute Morgens nach langem Krankenlager\ndas Zeitliche gesegnet. Die Kunde von dem frühen Hintritte dieses\nwahren Meisters der Musik wird den grossen Kreis seiner Freunde\nund Verehrer mit tiefer Trauer erfüllen, und namentlich wird unsere\nStadt in ihrem wahrhaft künstlerischen Musikleben für lange Zeit\nden Verlust einer so bedeutenden Kraft im Reiche der Töne schmerz-\nlich empfinden. Diese Zeitung endlich verliert in dem Dahingeschie-\ndenen ihren trefflichen Kritiker für das Gebiet der Musik, eine Fe-\nder, die stets hohen Ernst für das Heilige der Kunst, aber auch hu-\nmanes Wohlwollen für die, welche ihm dienen, an den Tag zu legen\nwusste. Hesse, unstreitig einer der berühmtesten Organisten und\nComponisten für sein Instrument, war am 30. August 1809 in Bres-\nlau geboren, hat also seine ruhmvolle Laufbahn in seinem fast voll-\nendeten 54. Jahre geschlossen. Die Darstellung seiner grossen Be-\ndeutung für die Kunst, wie die seiner Bildung, Entwicklung und\nmächtigen Individualität wollen wir einer anderen Feder anheim-\nstellen; aber das dürfen wir unseren wehmuthsvollen Worten noch\nhinzufügen: auch das Leben hat einen wackeren, biederen, frohen\nMenschen verloren. (Schles. Ztg.)\nOffenbach's neueste Operette „Signor Fagotti\" hat bei ihrer\nersten Aufführung in Ems unter persönlicher Leitung des Compo-\nnisten sehr gefallen.\nDer am 10. Juli in Leipzig verstorbenen Künstlerin Fräulein\nIda Pellet vom k. Hoftheater in Berlin lässt Emil Devrient,\nihr Freund und Lehrer, der durch ihren jähen Tod tief erschüttert\nwurde, ein marmornes Denkmal setzen, das in einem Pfeiler mit\nKreuz und Lorberkranz bestehen soll.\nP. Cornelius, in München lebend, soll eine dreiactige Oper,\nderen Sujet dem „Cidu entnommen ist, nahezu vollendet haben.\n\\%i Jen. Zum Namensfeste Sr. Majestät des Kaisers wird Gluck's\nOper „Iphigenie in Aulis\" in Scene gehen.\nFrau Pauli-Marko vi es eröffnete im Opern theater ihr Gastspiel\nin David's Oper „Lalla Rookh\". Herr Wachtel, der erst im\n• *\nHerbste kommen sollte, trat bereits mit 1. August sein Engagement\nan, um der Tenoristennoth ein Ende zu machen.\nOffenbach hat bereits drei Acte seiner Oper „Die Rheinnixe\",\nText von Wolzogen, eingesandt. Der letzte Act folgt nächstens.\nBesetzt wird die Oper mit den Damen Wildauer, Destinn, den Herren\nAnder und Beck. Früher soll noch Steffen Heller's Oper „Loreley\",\nText von Geibel (?), zur Aufführung kommen. Hingegen ist man\nvon der projectirten Aufführung der „Rose von Erin\" von Benedict\nwieder abgestanden.\n2. August. Grosses Aufsehen hat unter den hiesigen\nMusikern die plötzliche Entlassung des provisorischen Orchester-Di-\nrectors der kaiserlichen grossen Oper, des Herrn Dietsch, gemacht.\nDer Verlauf der Sache ist folgender:\nAm 20, Juli fand die erste Vorstellung der wieder aufgenomme-\nnen Oper Les Vipres Siciliennes von Verdi Statt. Bei der Probe\nzur zweiten Vorstellung glaubte \\ erdi, der gegenwärtig war, einigen\nbösen Willen bei einem Theile der Orchester-Mitglieder zu gewah-\nren und stellte den Director Dietsch in sehr aufgeregten Ausdrücken\ndarüber zu Rede. Dietsch antwortete ihm wahrscheinlich eben so\nlebhaft, worauf Verdi seinen Hut nahm und das Theater verliess.\nDarauf wie es heisst, noch an demselben Abende nach der Vor-\nStellung erhielt Dietsch ein Schreiben des Ministers, des Inhalts:\nvqu'il tiait admis ä faire valoir ses droits äla retraite\", also die\nWeisung, seinen Abschied mit Pensions-Anspruch zu nehmen. Herr\nGeorg Hainl aus Lyon wurde an seine Stelle berufen und diri-\ngirte bereits die dritte Vorstellung der VSpres Siciliennes.\nUeber die Veranlassung zu dieser plötzlichen Entlassung eines\nhochverdienten und allgemein geachteten Capellmeisters ist kein\nZweifel vorhanden: er hat sie dem beleidigten Stolze Verdi's zu ver-\ndanken. Verdi, überall, namentlich in Italien und bei italiänischen\nOperntheatern in anderen Ländern, an rauschende Ovationen des\nOrchesters bei seinem Erscheinen in der Probe seiner Oper gewöhnt,\nfühlte sich durch den eben nicht feurigen Empfang des pariser Or-\nchesters verletzt, eilte zum Minister und soll auf Genugthuung durch\nEntlassung des Directors mit der Drohung angetragen haben, seine\nsämmtlichen Opern dem Repertoire zu entziehen und keine seiner\nCompositionen mehr in Frankreich (!) aufführen zu lassen. Man\nhatte nicht den Muth, dieser Drohung zu widerstehen, und Dietsch\nfiel als Opfer. Und zwar wurde dieses Opfer dem Hochmuthe des\nItaliäners mit solcher Eile gebracht, dass Hainl telegraphisch von\nLyon her berufen wurde und dem dortigen Theater-Unternehmer,\nder ihm 12,000 Francs Gehalt zahlt, ein bedeutendes Abstandsgeld\nzahlen muss, welches natürlich die kaiserliche Operncasse überneh-\nmen und ausserdem das Capellmeister-Gehalt, das auf 9COO Frcs.\nfixirt ist, für ihn erhöhen muss.\nHainlist ein ausgezeichneter Violoncellist und ein vorzüglicher\nDirigent, was er durch die Leitung des Operntheaters in Lyon seit\nvielen Jahren bewiesen hat. Allein dass die hiesigen Blätter, auch\ndie musicalischen, für Dietsch kein Wort zu sagen haben, dass einige\nvon ihnen sogar die dritte Vorstellung als bei Weitem exaeter und\ngelungener preisen das charakterisirt den Zustand unserer Presse\nauf traurige Weise. Eine Art von Nemesis hat über die Fortsetzung\nder Vorstellungen gewaltet, da Fräulein Sax, welche die Helene\n(einst die Schöpfung von Sophie Cruvelli) singt, durch einen Fall\nauf der Treppe, als sie zu dem Begräbniss der nach langen Leiden\nverschiedenen Emma fahren wollte, sich so verletzt hat,\ndass Verdi's Oper fürs Erste wieder durch Auber's „Stumme von\nPortici\" ersetzt werden muss. Verdi selbst ist nach erhaltener Ge-\nnugthuung (!) von Paris abgereist.\nDer Minister hat indess wenigstens so viel Gerechtigkeitsgefühl\ngehabt, Herrn Dietsch sein volles Gehalt Francs) bis zu Ende\ndes Jahres zu lassen. Vom I. Januar 1864 an aber ist seine Pen-\nsion auf 3500 Francs festgesetzt, also noch nicht einmal auf die\nHälfte seines bisherigen Gehalts."}]}