{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-08-22-01", "volume": "bmtnabi_1863-08-22_01", "ocr_sha256": "a0e855957956124acbbbbe7f98c439a6a43fd40b1ffd4a5349c84cebd1964b11", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/08/22_01/bmtnabi_1863-08-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-08-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "265", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 483, "texte": "Inhalt.\nRückblick auf das diesjährige preussische Musikfest. Berlioz's gesammelte Schriften, deutsch von R. Pohl. Die grossen\nOperntheater und die Schlag-Instrumente. Aus Aachen (Einweihung des neuen Saales im Curhause und Fest des „Rheinischen Sän-\ngerbundes\" am 6. und 7. September. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Mittelrheinischer Sängerbund Berlin, Wieder-\neröffnung der k. Oper Erfurt, Karl Reinthaler f Aloys Bayer f Stuttgart, Oper „Axur\" Italien, Ordens-Verleihungen.J"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-08-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "267", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.2.2", "titre_corps": "Rückblick auf das diesjährige preussische Musikfest", "titre_sommaire": "Rückblick auf das diesjährige preussische Musikfest", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.1", "debut_caractere": 485, "fin_caractere_exclue": 4145, "texte": "Rückblick auf das diesjährige preussische\nMusikfest\n*).\nZum dritten Male ist in diesem Jahre in Königsberg\nein dreitägiges Musikfest veranstaltet worden; die\nbeiden ersten fanden, wenn wir nicht irren, 1859 und\n1861 Statt. Der Bericht über dasselbe in der „Norddeut-\nschen Musik-Zeitung\" enthält sowohl über Rubinstein's\nOratorium: „Das verlorene Paradies\", als über die dorti-\ngen Musik-Zustände manches Interessante, das wir auszugs-\nweise mittheilen wollen.\nDas Fest (and in dem Allerhöchst dazu bewilligten,\nseit der Krönung prächtig erneuerten Moskowitersaale\n(über der Schlosskirche), der Tausende von Zuhörern fas-\nsen kann, Statt. Einen besonderen grossen Concertsaal be-\nsitzt Königsberg noch nicht. Das Programm für die drei\nTage war folgendes:\nI. Der hundertste Psalm von Händel. Neunte Sinfonie\nvon L. van Beethoven. Walpurgisnacht von Mendelssohn.\n11. Suite von Joh. Seb. Bach, Tenor-Arie aus\nder Oper „Iphigenie\" von Gluck, gesungen von Herrn\nSchild aus Leipzig. Clavier-Concert von L. van Beetho-\nven, G-dur,vorgetragen von Ant. Rubinstein. „Nacht-\ngesang\", Männerchor von Fr. Schubert, mit Hornbeglei-\ntung. Ouvertüre zu „Anakreon\" von Cherubini. Arie Ah,\nperfido! gesungen von Fräulein Bekky aus Berlin. Va-\nriationen für zwei Pianoforte von Kobert Schumann, ge-\nspielt von den Herren Ant. Rubinstein und Ad. Jen-\nsen. „Das Glück von Edenhall\", von Robert Schumann,\nfür Männerchor mit Orchester.\n111. „Das verlorene Paradies\", Oratorium in drei\nTheilen (Text frei nach Milton), von Ant. Rubin stein\n(Op. 54).\nDie Frau Prinzessin Anna von Hessen wurde bei\nihrem Eintritte in den Saal mit dreimaligem Tusch und\nder Hymne „Heil dir im Siegerkranz\" empfangen.\nDie neunte Sinfonie wurde hier zum ersten Male\nmit einem grossen Chor aufgeführt, und wollte man den\nlebhaften Beifall nicht etwa dem Beispiele der applaudi-\nrenden Prinzess Anna zuschreiben, die dem letzten Satze,\ndie Partitur in der Hand, mit grösster Aufmerksamkeit\ngefolgt war, so müsste man eben so sehr auf allgemeines,\ntiefes Verständniss Seitens des Publicums, wie auf vollkom-\nmene Ausführung des executirenden Personals schliessen\nkönnen. Es trifft wohl Beides nicht ganz zu; wenigstens\nhat die Ausführung uns keineswegs durchweg befriedigen\nkönnen, namentlich im ersten Satze. Hier fehlte es vorzugs-\nweise an Deutlichkeit und nur zu oft auch an Reinheit.\nAuch das Ensemble war oft mangelhaft, und überall zu\nmerken, dass die Spieler noch nicht recht zur Erkenntniss\ngekommen, dass und wie sie ein Ganzes bildeten. Selbst\ndas Zeugniss, das sonst so gern gegeben wird: „es sei\nAlles gut gegangen\", können wir nicht ertheilen, so sehr\nwir uns auch bewusst sind, dass damit sehr wenig gesagt\nsei. Man kam allerdings nicht aus dem Zusammenhange,\ndafür dirigirte Herr Lau dien, der seine Leute wohl zu-\nsammen zu halten weiss, und Jeder that, was in seinen\nKräften stand. Dafür gab es aber genug andere Mangel-\nhaftigkeiten. Es ist dabei im Grunde dem Orchester keine\nSchuld beizumessen, es fehlt nicht an Fähigkeit, wohl aber\nan den so nöthigen Proben. Wenn es wahr ist, wie man\nerzählt, dass das Orchester zur Sinfonie nur vier\noder gar nur drei Proben gehabt hat, so zeugt\n\n*) Es ist nicht unsere Schuld, wenn wir erst jetzt auf das Musik-\nfest in Königsberg zurückkommen; denn die betreffende\nSendung vom 8. Juni ist uns wahrscheinlich durch dortige\nso genannte Buchhändler-Gelegenheit erst am 16. August\nzugegangen! Wir bemerken dies der Redaction der „Nord-\ndeutschen Musik-Zeitung\" in Königsberg gegenüber, de-\nren Streben wir seit ihrem Erscheinen unter der Redaction des\nHerrn August Pabst mit Theilnahme verfolgt haben und ihr\nden besten Fortgang wünschen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5066, "texte": "das wahrlich von keiner übermässigen Pietät für die Rie-\nsenschöpfung des genialsten Instrumental-Componisten.\nAuf die unglaublichen Schwierigkeiten der neunten\nSinfonie wurde Mendelssohn's Walpurgisnacht vom Chor\nund Orchester mit sichtlichem Behagen ausgeführt, und\nso fehlte diesem Theile des Abends auch nicht das Gelin-\ngen. Durchweg waren Chor, Orchester und Soli befriedi-\ngend, wobei unter den letzteren Herr Simons glänzte.\nDie Bach'sche Suite ist ein Cabinetsstück wunderbarer\nPolyphonie und die Ausführung kann im Allgemeinen eine\nrecht gute genannt werden. Fräulein Bekky sang die Beet-\nhoven'sche Scene sehr gut und geschmackvoll, aber nicht\nmit sehr grosser Wärme, die wir überhaupt bei dieser\nDame vermissten. Der Glanzpunkt des zweiten Tages war\ndas Concert von Beethoven, vorgetragen von Ant. Rubin-\nstein. Von Technik zu sprechen, geben wir von vorn herein\nauf, da das bei diesem Künstler ein völlig überwundener\nStandpunkt ist, ein mit Unfehlbarkeit beherrschtes Mittel\nzur Erreichung künstlerischer Zwecke. Das Concert wurde\nin allen Punkten vollendet gespielt, und die eingelegte Ca-\ndenz gehörte zu dem Geistvollsten, was in dieser Beziehung\nje geleistet ist.\n„Das Glück von Edenhall\" gehört zu den weniger be-\ndeutenden Compositionen Schumann's und konnte daher\nauch keinen hervorragenden Platz in dem Concerte ein-\nnehmen.\nDer dritte Tag brachte „Das verlorene Paradies\",\ngrosses Oratorium (frei nach Milton), componirt von Ant.\nRubinstein, unter Direction des Componisten.\nDer Virtuose par excellencezeigte sich uns als geist-\nvollen Componisten und treff lichen Dirigenten. Sein Orato-\nrium gehört offenbar zu den bedeutendsten Erscheinungen\nder Gegenwart; freilich muss man nicht den Maassstab\neines Händel, Haydn und Mozart anlegen. Aber unter den\nSchöpfungen der neuesten Aera steht dieses Werk wohl\nhervorragend da. Es würde unendlich gelungener sein,\nhätte der Componist seine Arbeit einer sorgfältigen Feile\nunterworfen. Es läuft neben überaus Schönem manches\nhöchst Unbedeutende und manches nach unserer Ansicht\nVerwerfliche mit unter. Was die Factur anbetrifft, so lin-\nden wir solche vollständig abweichend von der Weise un-\nserer alten Classiker: die Massen werden nicht zur Entfal-\ntung grossartiger polyphoner Stimmführung, sondern mei-\nstens als Füllstimmen benutzt. Contrapunktische Formen\nfinden wir selten, und wo sie vorkommen, verlieren sie sich\nbald wieder, ohne dass es zu einer erschöpfenden Be-\nhandlung des Thema's kommt.\nWir finden auch jene romantische Eigentümlichkeit\nwieder: waghalsige Keckheit in der Harmonie und Zag-\nhaftigkeit im Contrapunkte, dabei überall gewandte In-\nstrumentation, mitunter sogar raffinirte und nicht immer\nsehr ästhetische.\nIm zweiten Theile (Schöpfung), nach Erschaffung der\nSonne, ist es wohl nicht recht würdig, zu dem Chor:\nGlanzfülle umfliesst\nDas weite All,\nEin Strahlenmeer ergiesst\nTönenden Schall!\nSonnenzünder,\nWeltengründer,\nWunderbar sind Deine Werke\nImmerdar!\ndie grosse Trommel in solche Thätigkeit zu setzen, als gelte\nes, die Schlacht von Yittoria in Scene zu setzen. Wären\nsolche Sachen aus dem Werke entfernt, es könnte für das\nMeisterstück unserer Zeit gelten, denn es gibt der grössten\nSchönheiten unendlich viele darin. Von wahrhaft elektrisi-\nrender Wirkung war der prachtvolle Schluss-Chor des er-\nsten Theiles:\nFreudensang erfülle rings die Welten,\nVon gold'ner Harfe rauschet, Lobgesänge!\nder das gesammte Publicum zu einem wahren Enthusias-\nmus hinriss. Solcher Glanzpunkte hat das Werk unzählige,\nund wir können den Gedanken nicht aufgeben, dass es\neinem Componisten von solcher Begabung nicht so an Ob-\njectivität fehlen kann, um die Schwächen seines Werkes\nals solche zu erkennen und zu entfernen. Am Schlüsse\nwurde der Componist, der sich auch als gewiegten Dirigenten\nbewährt hatte, durch unendlichen Beifall, Tusch und Ueber-\nreichung eines Lorberkranzes gefeiert.\nEin Vergleich dieses Musikfestes mit dem von 1861\n(dem zweiten) ergibt allerdings einen respectablen Fort-\nschritt, aber wir können dieNaivetät derer nicht unerwähnt\nlassen, die unsere Musikleste mit den rheinischen zu ver-\ngleichen unternahmen. Man werfe einen Blick auf die Zah-\nlenverhältnisse des düsseldorfer Festes und verstumme!\nDer Abstand ist ein so ungeheurer, dass er notwendiger\nWeise noch andere Ursachen haben muss, als die blosse\nNeuheit derartiger Unternehmungen in unserer Provinz,\nund dem ist wirklich so. Auch bei uns hätte das Resultat\nein ganz anderes sein können und müssen. Die Cardinal-\nUrsache alles Mangelhaften und alles Ungehörigen ist die,\ndass das Fest den Charakter eines rein persön-\nlichen Unternehmens hatte. Von der musicalischen\nAkademie konnte es immerhin ausgehen, aber dass deren\nOber-Vorsteher überall ganz allein alsEntrepreneur auf-\ntrat, war nur zu sehr geeignet, die Eigenschaft eines gros-\nsen Musikfestes zu verwischen. Ein solches muss\nnothwendig von einem Fest-Comite ausgehen.\nWelch ein Beweggrund vorlag, hierin von dem Gebrauche\nder Gegenden abzuweichen, in denen Musikfeste bereits\neingebürgerte Unternehmungen sind, ist nicht abzusehen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4398, "texte": "Ein Comite auch in Königsberg zusammen zu bringen,\nkonnte nicht schwer sein, und welche ganz andere Gestal-\ntung das der Sache gegeben hätte, ist handgreiflich. Ein\nMensch, und wäre er ein Halbgott, kann nicht Alles be-\nsorgen, wenigstens nicht Alles gut, worauf es doch we-\nsentlich ankommt.\nWarum war jeder von der Mitwirkung an dem Musik-\nfeste ausgeschlossen, der nicht Mitglied der Akademie oder\ndes Männer-Gesangvereins ist? Gibt es nicht etwa in Kö-\nnigsberg Leute genug von bedeutender musicalischer Bil-\ndung, die aber ihre Gründe haben, den beiden genannten\nVereinen nicht beizutreten? Hat man Schritte gethan, die\ngrösseren Städte, wie Elbing, Danzig, Thorn u. s. w., zur\nTheilnahme am Feste anzuregen? und warum waren diese\nSchritte ohne Erfolg?—Das alles sind Punkte, die in un-\nmittelbarem Zusammenhange mit der Comite-Frage stehen.\nOder ist der Empfang der Frau Prinzessin von Hessen\nmit der Hymne etwa kein Verstoss? Was soll es für einen\nSinn haben, eine Frau mit den Worten anzusingen: „Heil\nDir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands!\"?\nDie Besetzung des Orchesters war in\neines grossen Musikfestes unwürdig. Wenn die hiesige\nLocal-Kritik behauptet, das Orchester sei so gut und so\nzahlreich gewesen, als es sich beschaffen liess, so verräth\ndas einen erstaunlichen Mangel an Localkenntniss. Das\nOrchester hätte sich sehr wohl noch einmal so stark und\nnoch einmal so gut besetzen lassen. Es fehlte die ganze\nHünerlürst'sche Capelle und vom Theater-Orchester wa-\nren nicht zehn Mitglieder engagirt. Man wird es am Rheine\nkaum glauben, dass es der Geldpunkt und einzig und allein\ndieser gewesen, wesshalb das Orchester in einer für ein\nMusikfest allerdings sehr winzigen Zahl vertreten war: 26\nGeigen, 8 Bratschen, 5 Bässe u. s. w., wobei noch zu be-\nrücksichtigen bleibt, dass darunter erstaunlich schwache\nKräfte anzutreffen waren, die wohl nur als Statisten zählen\nkonnten. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Zahl der\nStreich-Instrumente zu verdoppeln (ohne Statisten hinzu-\nstellen) ; es hätte sich dabei nur um eine Mehr-Ausgabe\nvon einigen Hundert Thalern gehandelt. Die Anzahl der\nProben hätte ferner bedeutend vermehrt und vor allen Din-\ngen besondere Quartett-Proben gehalten werden müs-\nsen, die jetzt sehr zu vermissen waren. Die Celli waren\ndurchaus nicht befriedigend, und erst das Vorspiel unseres\nHünerfürst hätte ihnen die nöthige Sicherheit und Ton-\nfülle gegeben. Unter den Contrabässen war mindestens\neiner, dessen Unfähigkeit nur noch dem des zweiten Fa-\ngotts an die Seite zu stellen war. Der Chor der Holzbläser\nwar unrein. Das alles erforderte gebieterisch Abhülfe. Aber\nman hatte die in der That nur angemessenen Forderungen\nder Anderen nun einmal zu hoch befunden mithin blieb\nman dabei und liess Alles, wie es war, obgleich Manches\nim Orchester dann so ausfiel, dass selbst der überaus be-\nscheidene und in seinem Urtheile so reservirte Bubinstein\nsich einiger unwilligen Aeusserungen zu seiner näheren\nUmgebung nicht enthalten konnte. Allerdings wäre es für\neine Person ein bedenkliches Risico gewesen, eine Aus-\ngabe von vielleicht 500 600 Thlrn. bei zweifelhaftem\nErfolge zu machen. Aber warum war es nur eine Per-\nson? Bei einem grossen Comite wäre freilich die Ehre,\naber auch das Bisico getheilt gewesen. Da nun einmal von\nEh re die Bede ist, müssen wir auch der hin und wieder\nlaut gewordenen Ansicht gedenken, die executirenden Mu-\nsiker Königsbergs hätten sich die Mitwirkung am Musik-\nfeste zur Ehre rechnen und desshalb unentgeltlich spielen\nsollen. (!!) Und wozu? Zu einem allerdings höchst lobens-\nund anerkennungswerthen Unternehmen, dem aber durch\ngeflissentliche Exclusion aller, die nicht zur Akademie oder\nzum Sängervereine gehören, die zu einem Feste so not-\nwendige allgemeine freudige Zustimmung und Theilnahme\ngeraubt ist.\nAlle Achtung und Anerkennung vor der unermüdli-\nchen Thätigkeit, dem organisatorischen Talente und der\nEnergie des Ober-Vorstehers der Akademie! Aber der\nAnsicht können wir uns den Thatsachen gegenüber nicht\nverschliessen, dass das Musikfest als solches nicht lange\nund nicht sorgfältig genug vorbereitet war. Darum im\nJahre 1865 wieder ein Musikfest! Aber dann ein halbes\nJahr vorher ein Comite bilden, Himmel und Erde in Be-\nwegung setzen, um wo möglich alle Vereine und Kräfte\nder ganzen Provinz unter Einen Hut zu bringen und unter\ndiesem Hut nicht nur Nothdürftiges, sondern Ausgezeich-\nnetes zu leisten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-08-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "267", "page_fin": "270", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.2.3", "titre_corps": "Die grossen Operntheater und die Schlag- Instrumente.", "titre_sommaire": "Die grossen Operntheater und die Schlag- Instrumente.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.3", "debut_caractere": 4400, "fin_caractere_exclue": 5170, "texte": "Die grossen Operntheater und die Schlag-\nInstrumente.\nHector Berlioz, der von Zeit zu Zeit unter pikan-\nten Titeln—denn diese spielen ja in der ganzen Literatur\njetzt eine Hauptrolle, zumal bei den Verlegern—seine zer-\nstreuten Aufsätze in einen Band zusammenfasst, hat Herrn\nRichard Pohl zu einer deutschen Uebersetzung veran-\nlasst, welche unter dem Titel „Gesammelte Schriften\nvon H. Berlioz (Leipzig, 1863, in Lieferungen zu 10\nNgr. im Verlage von G. Heinze) in hübscher Ausstattung\nerscheint. Vom ersten Bande liegen uns zwei, vom zweiten\neine Lieferung vor: sie enthalten Aufsätze aus A travers\nChants und aus den Soirees d'Orchestre. Die Uebersetzung\nist fliessend und liest sich recht gut; auch hat Herr Pohl\nhier und da erläuternde Anmerkungen hinzugefügt.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5361, "texte": "Der Inhalt der ersten Lieferung und eines lheiles der\nzweiten (S. 1 —104) besteht in den so genannten „Stu-\ndien\" über Beethoven's Sinfonieen, einer Arbeit über\nBeethoven's Fidelio und einigen kleineren Artikeln über\nBeethoven. Diese Apergus hatten zu ihrer Zeit auf das\nfranzösische Dilettanten-Publicum einen guten Einfluss und\nsind in so fern nicht ohne Verdienst; für deutsche Leser\nin unseren Tagen ist ihr Inhalt jedoch theils antiquirt,\ntheils ganz unbefriedigend, namentlich was die poetischen\nDeutungen der Sinfonieen betrifft. Indessen, wenn die „ge-\nsammelten Schriften\" eine Uebersicht der gesammten mu-\nsicalisch-schriftstellerischen Thätigkeit des geist- und kennt-\nnissvollen Mannes geben sollen, so dürfen auch diese älte-\nren Sachen nicht fehlen. Auch ist der Artikel über Fidelio\nweniger bekannt und enthält Lesenswerthes, nur darf man\nnicht ein tiefes Eingehen erwarten, wenngleich auf der\nanderen Seite Berlioz als Musiker doch immer von der\nleeren Phrasenrnacherei unmusicalischer Literaten fern\nbleibt.\nNeuere Aufsätze sind diejenigen, welche in der zwei-\nten Lieferung von dem „gegenwärtigen Zustande\nder Gesangkunst\" und von Gluck's „Orpheus\"\nhandeln, während die dritte Lieferung den Anfang der\n„Orchester-Abende\" enthält, in welche Berlioz wie-\nder Vieles namentlich das Novellistische aus seiner\n„Musicalischen Reise durch Deutschland und Italien\" auf-\ngenommen hat, deren erste Ausgabe (wie uns der Ueber-\nsetzer berichtet) vergriffen ist und deren vervollständigten\nautobiographischen Inhalt Berlioz nicht in einer neuen\nAusgabe, sondern in seinen „Memoiren\" veröffentlichen\nwird.\nDen Verfall der Gesangskunst schreibt Berlioz der\nübermässigen Grösse der Opernhäuser zu, dem System des\nApplaudirens, gleichviel ob bezahlt oder nicht, „dem Ueber-\ngewicht, das man der Ausführung über das Werk, dem\nKehlkopfe über das Gehirn, der Materie über den Geist\nnach und nach immer mehr eingeräumt hat, und leider\nnur zu oft auch der feigen Unterwerfung des Genies unter\ndie Dummheit\", endlich auch der heutigen Instrumentation,\nderen Veranlassung er aber eben wieder auf die übermäs-\nsige Grösse der Theater schiebt.\nNun, das ist alles allerdings schon oft gesagt, dennoch\nist das, was Berlioz über die Gränzen des Raumes in Be-\nzug aul den wahren Genuss des Musikhörens sagt, sehr\nwahr und lesenswerth. „Der musicalische Strom verliert\nseine Macht, wenn man eine gewisse Entfernung von sei-\nnem Ausgangspunkte überschreitet. Man hört dann zwar\nnoch, aber man schwingt nicht mit. Und doch muss\nman mit den Instrumenten und den Singstimmen, durch\ndie Schwingungen ihrer Töne erregt, gleichsam selbst-\ntönend mitschwingen, um wahrhalt mnsicalische Eindrücke\nzu erhalten.\" Eben so richtig schreibt er auch den zu\ngrossen Räumen einen Theil der Schuld an der Unverständ-\nlichkeit des Textes zu. „Das dramatisch-musicalische Schaf-\nfen geht aus der Verbindung oder richtiger aus der innig-\nsten Verschmelzung der Poesie und Musik hervor. Der\nmelodische Ausdruck kann zwar an und für sich schon\nanziehend und fesselnd sein, er kann einen Reiz besitzen,\nder nur ihm eigen ist und lediglich von der Musik allein\nerzeugt wird [Davon ist bei Berlioz Act zu nehmen!]: aber\nseine Macht wird verdoppelt, wenn er den Ausdruck des\nInhalts eines Gedichtes erhöht. Diese Vereinigung wird in\nzu grossen Räumen vernichtet\" u. s. w.\nZuletzt kommt er auch auf die Schädlichkeit der allzu\ngrossen Localitäten für die Wirkung des Orchesters und\nreiht daran eine interessante Geschichte der allmählichen\nEinführung der Schlag-Instrumente in das Orchester, aus\nder wir Folgendes entnehmen.\n„In zu grossen Sälen ist auch die Wirkung des Or-\nchesters eine mangelhafte, unvollständige und sogar feh-\nlerhafte, in so fern sie eine andere wird, als der Compo-\nnist beim Niederschreiben seiner Partitur sich gedacht hat,\nselbst dann, wenn die Partitur ausdrücklich lür das grosse\nHaus geschrieben wurde, in welchem sie zur Auslührung\ngelangt. Denn da die Tragweite des musicalischen Stro-\nmes für die verschiedenen Ton-Werkzeuge nicht gleich gross\nist, so folgt nothwendiger Weise, dass die Instrumente mit\ngrosser Tragweite gar oft eine Gewalt entwickeln werden,\ndie völlig im Widerspruche mit der Bedeutung steht, welche\nder Componist ihnen beilegt, während die von geringerer\nTragweite entweder ganz verschwinden oder wenigstens\ndie Wirkung verlieren werden, die ihnen im Geiste der\nComposition zugedacht war. Wenn aber eine aus Stimmen\nund Instrumenten bestehende „ „musicaiische Wirkung\" \"\neine vollständige sein soll, so müssen auch alle Töne gleich-\nzeitig und mit gleicher Lebensfähigkeit der Schwingungen\nden Zuhörer erreichen können. Mit Einem Worte: die in\nPartitur niedergeschriebenen Töne (Musiker werden mich\nverstehen) müssen auch in Partitur zum Ohr gelangen.\n„Eine weitere Folge der naturwidrigen Grösse der\nOpernhäuser musste consequenter Weise die Einführung\naller stark und gewaltsam wirkenden Hülfsmittel der In-\nstrumentation im Orchester sein. Und dieser Miss-\nbrauch, der gegenwärtig bis zu den äusserst möglichen\nGränzen gediehen ist, verdirbt nicht nur gänzlich die Lei-\nstungsfähigkeit und Tonwirkung der Orchester, sondern\nhat auch nicht wenig dazu beigetragen, jene Gesangsma-\nnier herbeizuführen, deren Vorhandensein man jetzt allge-\nmein zu beklagen hat, indem er die Sänger reizte, mit al-\nler Anstrengung gegen das Orchester anzukämpfen und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5469, "texte": "in der Tonstärke wo möglich mit ihm zu wetteifern. Es\nist nicht uninteressant, zu verfolgen, wie die Schlag-In-\nstrumente nach und nach sich im Orchester festgesetzt\nund ihre Herrschaft immer weiter ausgedehnt haben.\n„Wenn ich nicht sehr irre, so war es in Iphigenie in\nAulis von Gluck, wo die grosse Trommel in Paris zum\nersten Male in der Oper gehört wurde, aber allein, ohne\nBecken oder irgend ein anderes Schlag-Instrument. Sie\ntritt am Schlüsse der Oper auf, in dem letzten Chor der\nGriechen: Partons, volons ä lavidoire!*) Dieser Chor\n(nebenbei bemerkt, ein Chor im Unisono) ist im Marsch-\nRhythmus mit Wiederholungen geschrieben, er begleitet\nden Abzug des griechischen Heeres nach Troja. Die grosse\nTrommel schlägt dazu ununterbrochen alle guten Tact-\ntheile, wie bei gewöhnlichen Märschen. Als der Ausgang\nder Oper verändert wurde, fiel der Chor weg und die\ngrosse Trommel wurde bis zum Anfange unseres Jahrhun-\nderts in der französischen Oper nicht wieder gehört.\n„Gluck hat auch die Becken in der grossen Oper ein-\ngeführt (und zwar mit welcher vortrefflichen Wirkung!)\nim Scythen-Chor der Iphigenie in Tauris. Er wandte hier\ndie Becken allein ohne grosse Trommel an, während\ndoch die musicalischen Handwerker aller Länder beide In-\nstrumente für unzertrennlich halten. ln einem Ballet in\nderselben Oper wurde von Gluck auch der Triangel\nallein mit ausserordentlichem Geschick benutzt. Das war\naber auch alles.\n„Im Jahre 1808 nahm Spontini die grosse Trommel\nmit den Becken in seinem Triumphmarsche, so. wie in der\nMusik zum Ballet der Gladiatoren in der Vestalin wieder\nauf. Später verwandte er sie auch noch in einem Marsche\nin Ferdinand Cortez, bei dem feierlichen Aufzuge des Te-\nlasco. Bis dahin war die Anwendung dieser Instrumente,\nwenn auch nicht immer überaus sinnreich, doch wenigstens\neine zweckentsprechende, sehr vorsichtige und gemässigte.\n„Da tritt Rossini mit seiner Belagerung von Korinth\nin der grossen Oper auf (1825). Nicht ohne Aerger hatte\ner die Schläfrigkeit des Publicums der grossen Oper, selbst\nbei Aufführung der schönsten Werke, beobachtet eine\nSchläfrigkeit, deren Ursache weit mehr in den von mir\nfrüher entwickelten, der musicalischen Wirkung allgemein\nhinderlichen physischen Ursachen, als indem langweili-\ngen Stil der beliebten Werke aus jener Zeit zu suchen\nist. Rossini gelobte sich, Alles zu thun, um keine ähnliche\nSchmach erleben zu müssen. „ „Ich werde euch schon am\nSchlafen zu verhindern wissen\"0, sagte er. Und nun schrieb\ner die grosse Trommel und die Becken und den Triangel\nüberall hin, und packte die Posaunen und die Ophicleide\nmit ihnen in förmliche Accordbündel zusammen, liess aus\nLeibeskräften mit möglichster Geschwindigkeit drauf los-\nschlagen und blasen, und schlug aus dem Orchester auch\nrichtig solche klanghelle (wenn auch nicht harmonische)\nBlitzfunken heraus und erschütterte das Haus mit solchen\nDonnerschlägen, dass das Publicum sich die Augen rieb\nund fand, dass dieses neue Genre doch in eine weit leb-\nhaftere (wenn auch nicht musicalischere) Aufregung ver-\nsetze, als man bis dahin verspürt habe.\n„Durch diesen Erfolg ermuthigt, trieb Rossini in sei-\nnem Moses diesen Missbrauch noch weiter. In dem be-\nrühmten Finale des dritten Actes liess er die grosse Trom-\nmel, die Becken und den Triangel in allen i<Vfe-Stellen\nalle vier Tacttheile ununterbrochen fortschlagen, so dass\nbuchstäblich die Schlag-Instrumente eben so viele\nNoten haben, als die Singstimmen, welche sich\neiner derartigen Begleitung (man kann sich denken, wie!)\nanbequemen mussten. Trotzdem ist dieses Finale im Or-\nchester und Chor so geschickt angelegt, und die Klang-\nwirkung der Stimmen und Instrumente ist in Folge der\nganzen Anordnung eine so gewaltige, dass die Musik über\nallem Getöse noch oben auf schwimmt, die Wellen des\nmusicalischen Stromes trotz des ungeheuren Raumes aus-\nnahmsweise alle Punkte des grossen Opernhauses erreichen\nkönnen, das Ohr sämmtlicher Zuhörer mitzuschwingen ver-\nmag und hiedurch das Publicum so gepackt wird, dass die-\nses Finale eine der grössten Wirkungen erzielt, die man\nim grossen Opernhause überhaupt jemals erlebt hat. Tra-\ngen aber die Schlag-Instrumente hierzu bei? Allerdings\nin so fern man sie als gewaltsames Reizmittel betrach-\nten kann, um die anderen Instrumente, so wie die Sing-\nstimmen zu den äussersten Anstrengungen aufzustacheln;\naber keineswegs, wenn man nur den Antheil in Anschlag\nbringt, den sie an der eigentlich musicalischen Wir-\nkung haben; denn sie erdrücken Orchester und Stimmen\nund erzeugen anstatt einer schönen und kräftigen Klang-\nwirkung einen gewaltsamen, ja, bis zur Tollheit übertrie-\nbenen Lärm.\n„Genug, mit Rossini's Eintritt in die grosse Oper be-\ngann die instrumentale Revolution der Theater-Orchester.\nVon nun an machte man in allen neuen Opern Lärm um\njeden Preis und bei jeder beliebigen Gelegenheit, gleich-\nviel, ob der Lärm zu dem durch den Stoff bedingten Stile\n\n*) Dieser Schluss-Chor ist sowohl von den Bühnen, wie aus den\nClavier-Auszügen verschwunden. Auch in der Bearbeitung der\nIphigenia in Aulis von Richard Wagner (Leipzig, Breitkopf\nund Härtel) ist er nicht wieder aufgenommen worden. Drama-\ntisch ist diese Weglassung völlig gerechtfertigt, musicalisch ist\nsie zu be-dauern. Marx (~ Gluck und die Oper\", 11., 102) stellt\nden Chor mit Recht sehr hoch und vermuthet, dass Gluck da-\nbei sehr alte bretagnische Volkslieder gallischen Ursprungs\nvorgeschwebt haben. Er reproducirt den Chor im Anhang (Beil.\nNr. 20, Pag. 78). R. P."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2913, "texte": "Passte oder nicht. Natürlich kam bald der Zeilpunkt, wo\ndie Pauken, die grosse Trommel, Becken und Triangel\nschon nicht mehr ausreichten: man fügte die Militär-Trom-\nmel hinzu, dann zwei Cornets ü piston zur Unterstützung\nder Trompeten, Posaunen und Opbicleide. Auf der Bühne\nsetzte sich hinter den Coulissen die Orgel neben den\nGlocken fest; vor den Coulissen marschirten Militär-Musik-\nbanden auf, und schliesslich erschienen noch die grossen\nSax-Instrumente, die sich zu den übrigen Orchesterstim-\nmen ungefähr so verhalten, wie Kanonenschüsse zu Klein-\ngewehr-Feuer. Um das Ganze zu krönen, fügte Hatevy in\nder Magicienne(Zauberin) noch das Tamtam hinzu!*)\nDie neueren Componisten, durch die Hindernisse beirrt,\nwelche die übergrossen Häuser ihnen allenthalben in den\nWeg legten, glaubten eben, um jeden Preis sie überwin-\nden zu müssen, wenn sie die Existenz ihrer Werke retten\nwollten. Ich frage aber: ist es im Allgemeinen hierbei nur\nmöglich gewesen, die der echten Kunst allein würdigen\nGrundbedingungen festzuhalten, nachdem man zu diesen\näussersten Mitteln seine Zuflucht genommen hatte, welche\ndie Hindernisse nur umgingen, während man glaubte, sie\ndamit zu vernichten? Gewiss nicht! - Wie selten sind\nnicht jetzt schon die rühmlichen Ausnahmen geworden!\n„Bei scharfsinniger Verwendung verträgt die Würde\nder Kunst sehr wohl einen verständigen Gebrauch selbst\nder allergewöhnlichsten und plumpsten Instrumente; ein\njedes vermag unter Umständen dazu beizutragen, die Reich-\nhaltigkeit der Instrumentation zu vermehren und ihre Ton-\ngewalt zu steigern. Ich halte es durchaus nicht „ „unter\nder Würde\"\" eines Componisten, irgend eines der vielen\nKunstmittel, wie sie heutzutage ihm zu Gebote stehen, bei\npassender Gelegenheit zu benutzen. Dies entschuldigt aber\nkeineswegs die instrumentalen Scheusslichkeiten, die wir\njetzt erleben müssen; der Missbrauch jener Mittel wird\ndadurch um nichts weniger widerwärtig. Ich glaube, be-\nwiesen zu haben, dass dieser das Seinige redlich dazu bei-\ngetragen hat, die Missbräuche herbeizuführen, die man\njetzt mit der Menschenstimme treibt ein Unfug, der\ngegenwärtige, nur zu lange und, wie ich fürchte, auch\nhöchst überflüssige Betrachtungen entschuldigen möge.\n„Wir haben nur noch hinzuzufügen, dass in Folge\ndes stets geschäftigen Geistes der Nachahmung ein gleicher\nUnfug nach und nach auch in der komischen Oper ein-\ngerissen ist. In Berücksichtigung der speciellen Grundbe-\ndingungen der komischen Opernbühne, ihres kleineren\nOrchesters, ihrer Sänger mit weniger ausgiebigen Stim-\nmen und ihrer durch die Stoffe überhaupt bedingten Kunst-\nrichtung wirkten diese Missbräuche hier noch ungleich ver-\nderblicher und empörender.\"\n\n*) Dieser Seitenhieb auf Haldvy ist ungerecht; Spontini und\nauch Auber (in der „Stummen\") haben den Tamtam schon\nangewandt. Auch Spontini's gestimmte Ambose im ..Alcidor\"\nscheinen Berlioz nicht bekannt gewesen zu sein.\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-08-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "270", "page_fin": "271", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.2.4", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.6", "debut_caractere": 2915, "fin_caractere_exclue": 5137, "texte": "Aus Aachen.\nDen 17. August 1863.\nMan ist hier in voller Vorbereitungs-Arbeit zu musi-\ncalischen Festen, welche Ende dieses Monats und Anfang\ndes folgenden hier Statt finden werden.\nDas erste, schon Samstag Abend den August, be-\nsteht in einem grossen Concerte, zu welchem sich sämrnt-\nliche hiesige Gesang- und Orchesterkräfte unter der Leitung\ndes Herrn Directors Wüllner vereinigt haben, um den\nneu gebauten grossen Saal im Curhause dadurch auf\neine würdige Weise einzuweihen. Zur Aufführung ist\nHaydn's „Schöpfung\" gewählt worden; die Soli wer-\nden von Frau von Marlow aus Stuttgart und den Herren\nDr. Gunz aus Hannover und Hill aus Frankfurt am Main\nausgeführt. Das ist wieder ein Kreuz für den Signalbläser\nvon Wiesbaden nach Leipzig, der in Nr. 31 des Senff'-\nschen Blattes die Thatsache, dass in diesem Sommer in\nDüsseldorf, Wiesbaden, Mainz dieses „an einzelnen Stellen\nund fast im ganzen dritten Theile sehr antiquirte Werk\"\naufgeführt worden, dem „Phänomen eines Strichregens\nim Flussgebiete des Rheinthaies\" vergleicht. Nun ja, der\nGeschmack am wahrhaft Schönen hat allerdings seine Strö-\nmungen, aber sie dauern Jahrzehende und Jahrhunderte\nund werfen die Widerbeller, die eine kurze Spanne lang\ndagegen anschwimmen, sehr bald wieder auf den trocke-\nnen Sand am Ufer zurück. „Jene häufige Vorführung der\nSchöpfung halten wir\" so bläst er weiter „für ein\ntestimonium paupertaiis der Gesangvereine.\" Warum?\n„Weil in wenigen grossen Vocalwerken die Chöre so\nuntergeordneter Art sind, als gerade in diesem!\"\n0, o! Wenn es hiesse: „den Arien so untergeordnet sind\"y\nso hätte das noch einen Sinn, obwohl immer einen irrtüm-\nlichen, denn der Chor ist in zehn Nummern von secbszehn,\ndie das Werk hat, betheiligt. Dass aber die Chöre „unter-\ngeordneter Art\" sein sollen, diese Behauptung ist wirklich\nein testimonium,und zwar jener absprechenden Frechheit\nim Urtheil, die neben der Impotenz im Schaffen ein Kenn-\nzeichen der neuesten Schule ist. Die Chöre: „Stimmt an\ndie Saiten\", „Die Himmel erzählen\", „Vollendet ist das\ngrosse Werk\", „Des Herrn Ruhm, er bleibt\"—sind un-\ntergeordneter Art!! Man lernt doch immer mehr! -\nDas zweite Fest geht von dem „Rheinischen Sän-\ngerbunde\" aus und wird unter Leitung des hiesigen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4516, "texte": "Männer-Gesang-Vereins Concordia (Dirigent und Präsi-\ndent Herr C. F. Ackens) am 6. und 7. September Statt\nfinden1\"). Nach dem Vorgange der in anderen Gauen\nDeutschlands gebildeten Sängerbünde, als Theile eines\ngrossen, allgemeinen deutschen Sängerverbandes, hat auch\neine Anzahl von Vereinen am Niederrheine einen Bund\nunter obigem Namen gestiltet und auf der Versammlung\nder Vertreter der betheiligten Vereine zu Bonn am 29.\nMärz d. J. den Beschluss gefasst, das erste Sängerfest\ndes Bundes in Aachen zu veranstalten. Es wird dasselbe\naber eine grössere Ausdehnung als die süddeutschen Lie-\nderfeste erhalten, indem nicht nur die Männer-Gesangver-\neine Deutschlands, sondern auch Belgiens, Frankreichs und\nHollands zur Theilnahme eingeladen sind. Hiernach wird\ndas Ganze einen internationalen Charakter bekommen, und\ndie Art und Weise, wie dergleichen Feste im benachbar-\nten Belgien und jetzt auch in Frankreich veranstaltet wer-\nden, scheint aul die Organisation des bevorstehenden in\nAachen von last zu grossem Einflüsse gewesen zu sein, da\nfür den ersten Tag wieder was wir für Deutschland\nlängst abgethan glaubten ein Gesang-Wettstreit nach\nsieben Kategorieen mit Preisen an Werthstücken und Geld-\nsummen (!) angeordnet ist und sogar ein „Wettstreit von\nHarmonie-Vereinen\" auf dem Marktplatze Statt finden soll!\nIn Belgien und Frankreich, wo in kleinen Städten und so-\ngar aul Dörfern Harmonie-Vereine existiren, welche auch\nin der Kirche mitwirken, aber meist auf sehr niedriger\nStufe der Kunst stehen, mag dergleichen zur Aufmunte-\nrung statthaft sein; wer soll denn aber bei uns wettbla-\nsen? Oder werden wir vielleicht die Musik der Guiden aus\nBrüssel neben einem oder dem anderen unserer preussi-\nschen Regiments-Musikcorps zu hören bekommen? Das\nwäre freilich interessant genug.\nNach dem Programme findet Sonntag den 6. Septem-\nber um 10/2 Uhr der Festzug nach dem Krönungssaale\nim Rathhause Statt, wo die fremden Vereine von den Herren\nBürgermeistern begrüsst werden und ihnen der Ehrenwein\nkredenzt wird. Um I Uhr beginnen dann die Gesang-\nConcurse in drei Localen und in sieben Kategorieen laut\no\nauszugebendem Special-l'rogramm. Es betheiligen sieb\ndaran 62 in- und ausländische Vereine; 20 Preise sind\ndafür ausgestellt; die Sieger werden unmittelbar nach jeder\nAbtheilung proclamirt. Gleichzeitig findet ein Concurs von\nHarmonie-Vereinen auf dem Marktplatze Statt. Abends\n9 Uhr nach Beendigung der Concurse grosse Reunion\nim Curhause.\nMontag den 7. September: Morgens 9 Uhr General-\nProbe zu dem Fest-Concerte; Nachmittags 2% Uhr zwei-\nter Festzug vom Theater zum Rathhause, wo die feierliche\nPreisvertheilung Statt findet. Abends 6 Uhr im neuerbau-\nten Curhaus-Saale Beginn des grossen Fest-Concer-\ntes des Rheinischen Sängerbundes, in welchem 1100 Sän-\nger mit einem entsprechenden Orchester zusammenwirken\nund Chöre von Mendelssohn, F. Lachner, F. Möh-\nring, Max Bruch und F. Abt, theilweise unter Leitung\nder Componisten selbst, ausführen. Ausserdem bringt das\nConcert Ouvertüren von Beethoven und Hugo Ulrich,\nso wie Vorträge der im Concurs am höchsten ausgezeich-\nneten Vereine. Am Dinstag im Theatersaale Sängertag,\nd. h. Versammlung der Vorstände der Vereine des Bundes;\nNachmittags 3 Uhr ländliches Fest zu Ronheide u. s. wr.\nVon Mendelssohn wird dem Vernehmen nach ein\nDoppelchor aus Oedipus in Kolonos gesungen, von Fr.\nLachner „Sturmesmythe\", von F. Möhring „Deutscher\nSchwur und deutsches Gebet\", von Max Bruch „Römi-\nscher Triumphgesang\" alles mit Orchester. Das Con-\ncurrenzstück für den Ehren-Concurs der Vereine ersten\nRanges ist eine für diesen Zweck geschriebene Composition\nvon Ferdinand Hiller: „Der Morgen\", Gedicht von\nO tto jun.% für vierstimmigen Männerchor ohne Begleitung.\nDemnach wird dieser Ehren-Concurs um den Prix\nd3Excellence und das Concert am zweiten Festtage das\nInteressanteste werden. Man muss nur wünschen, dass die\nEintracht und Harmonie, welche vor dem Wettsingen ge-\nwiss auf recht erfreuliche Weise sich aussprechen wird,\nauch nach der Preisvertheilung ungetrübt fortbestehe\nein Wunsch, der durch gar mancherlei Erfahrungen bei\nfrüheren Sängerfesten und Wettstreiten sehr gerechtfer-\ntigt ist.\n*) Dieser „Rheinische ist nicht zu verwechseln mit\ndem ~Kh einischen Sänger vereine\", welcher ebenfalls in\ndiesem Jahre gestiftet ist und nur sechs Vereine aus sechs\nStädten zu alljährlicher Gesammtleistung verbindet. Ueber des-\nsen künstlerische Zwecke und das diesjährige grosse Concert\ndesselben in Köln am 4. October siehe die nächste Nummer.\nDie Kedaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-08-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-08-22_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-08-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "272", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.7", "debut_caractere": 4518, "fin_caractere_exclue": 5438, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAus Mainz. Am 2. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, fand in der\nFruchthalle dahier die erste Production des ..mittelrheinischen Sän-\ngerbundestk unter Mitwirkung der k. Preussischen Musikcorps der\nhiesigen Garnison und des Theater-Orchesters Statt. Dieser Sänger-\nbund besteht aus fünf hiesigen Gesangvereinen, den Vereinen von\nCastel und Kostheim, der „Harmonie\" zu Alzey, dem „Sängerbünde4,\nvon Worms und der „Harmonie\" zu Oppenheim. Die Gesammtzahl\nder mitwirkenden Sänger mochte etwa 250 bis 300 betragen. Im\nProgramm zeichneten sich aus: „Gruss dem deutschen Volke\" von\nF. W. Rühl, „Sturmesmythe\" von Fr. Lachner und „Deutsche Hymne\"\nmit Orchesterbegleitung von Fr. Lux. Die Ausführung der Gesänge\nwar durchaus lobenswerth, und so verfehlten denn die Leistungen\nauch im Allgemeinen ihre Wirkung nicht. Rühl's „Gruss dem deut-\nschen Volke\" wurde sehr gut gesungen und fand verdienten Beifall"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4857, "texte": "Die lebhafteste Aufnahme wurde der „Deutschen Hymne\" von Fr.\nLux, Gedicht von Prof. Mayer in Mannheim, zu Theil. Wenn schon\ndie patriotischen Schlagwörter des Gedichtes selbst die Sympathieen\ndes Publicums in hohem Grade erregten, so hat es andererseits Lux\nverstanden, für das schwungvolle Gedicht den entsprechenden Aus-\ndruck in Tönen zu finden. Es wird wenig derartige Compositionen\ngeben, welche so wie diese geeignet sind, abgesehen von dem an\nund für sich zündenden Gedichte, durch ihre schwungvolle Con-\nception, durch Fasslichkeit der Motive, durch effectvolle Steigerung\nund brillante Instrumentation die Zuhörer zu fesseln und zu begei-\nstern. Am Morgen desselben Tages fand die feierliche Beerdigung\ndes Herrn Ludwig Jeschko, Capellmeisters des k. österreichischen\nInfanterie-Regiments Baron Wernhardt, Statt, des Mannes, dessen hei-\ntere Muse den Einwohnern unserer Stadt so viele vergnügte Stunden\nbereitet hatte. Nachdem die preussischen und österreichischen Musik-\ncorps einen von Jeschko selbst componirten Trauermarsch hatten\nerklingen lassen, widmete der Männer-Gesangverein dem im Alter\nvon 38 Jahren Dahingeschiedenen an seinem Grabe einen feierlichen\nTrauergesang. (Südd. M.-Z.)\nBerlin* Ueber die mit der Wiedereröffnung der k. Oper (am\n3. d. Mts. Auber's „Feensee\") eingeführte pariser Orchesterstimmung\nschreibt Richard Wüerst: „Der wichtige Schritt ist gethan. Wich-\ntig, wenngleich kaum einen halben Ton gross. Das eingestrichene\nNormal-a, welches längst anormal geworden war, ist für den Bereich\nder königlichen Capelle zu den in Frankreich als maassgebend an-\ngenommenen Schwingungen in der Secunde herabgesetzt und damit\nsicherlich der Musik sowohl in Rücksicht auf Schönheit und Fülle\ndes Klanges, als auch auf die Wohlfahrt der Singstimmen ein we-\nsentlicher Dienst geleistet worden. Bei dem ewigen Hinaufschrauben\nder Stimmung musste eine grosse Zahl älterer Compositionen für\nSänger und Sängerinnen allmählich unausführbar werden oder zum\nRuin der Stimmen führen; die Instrumente verloren dagegen an\nFülle und Kraft. Bei den Blas-Instrumenten stellte sich ein schärfe-\nrer, minder voluminöser Klang, bei den Streich-Instrumenten durch\nden nöthigen schwächeren Saitenbezug eine geringere Intensität\ndes Tones ein. Bei der ersten Aufführung in der neuen, tieferen\nStimmung, welcher wir beiwohnten, es war dies die Aufführung des\nFreischütz am vergangenen Dinstag (11. August) wurden wir aufs\nangenehmste durch den weichen und doch vollen Klang des Orche-\nsters berührt. Haben gleich die Bläser noch nicht genügend Zeit ge-\nhabt, sich mit ihren neuen Instrumenten ausreichend vertraut zu\nmachen, was sich namentlich an der nicht immer tadellosen Stim-\nmung der Holz-Instrumente zeigte, so ist doch gerade den letzteren\nein wesentlicher Vortheil in Bezug auf den Klang erwachsen. Vor-\nnehmlich zeichnen sich die Oboen durch seltenen Schmelz, Weich-\nheit und Rundung des Tones aus. Was die Singstimmen anlangt, so\nwurden die Spitzen der Partieen, das eingestrichene a des Tenors,\ndas eingestrichene fis des Bass und das zweigestrichene h des So-\nprans mit grösserer Leichtigkeit und besserer Wirkung als sonst in-\ntonirt. Die Chor-Soprane freilich schienen durch vielfaches Zutief-\nsingen den Wunsch nach einem noch weiter erniedrigten Kammer-\ntone deutlich auszusprechen.\"\nErfurt. Am 1. August ist hier der Rector des Martinsstiftes,\nKarl Rein thaler, Vater des Componisten in Bremen, gestorben.\nDer treffliche Mann war auch in weiteren Kreisen bekannt durch\nseine Bemühungen um den Kirchengesang.\nDer Tenorist Aloys Bayer, seinerzeit einer der berühmtesten\ndramatischen Sänger Deutschlands, ehemaliges Mitglied der münche-\nner Hofbühne, geboren 1802 zu Sulzbacli in der Oberpfalz, starb\nam 7. Juli auf seinem Gute Grabenstedt am Chriemsee in Baiern.\nEs ist bekannt geworden, dass der Componist der in Leipzig bis\njetzt acht Mal gegebenen und beifällig aufgenommenen Oper „Der\nAbt von St. Gallen\", der unter dem Namen Franz Herther auf-\ntrat, der dort lebende praktische Arzt Dr. Hermann Günther ist.\nDerselbe ist zugleich Verfasser des Gedichtes.\nIn Stuttgart soll im September zur Geburtstagsfeier des Königs\nSalieri's „Axur\" zur Aufführung kommen. Der Text ist von Da\nPonte, dem Dichter des Don Juan. Schon Lintpaintner hatte be-\ngonnen, eine neue Instrumentirung und neue Recitative für diese\nOper zu schreiben. Der gegenwärtige Hof-Capellmeister Karl\nEckert hat es übernommen, diese Arbeit zu vollenden.\nDer König von Italien hat dem Componisten und Director des\nConservatoriums in Neapel, Mer cadante, die Insignien als Com-\nmandeur des Ordens Sainte Maurice et Lazare verliehen. Pacini\nwurde zum OflScier ernannt, und der Componist Carlo Caccio\nerhielt das Ritterkreuz desselben Ordens.\n„Des Sängers Fluch\" ist der Titel einer Oper von Langert,\nwelche in nächster Saison auf der coburger Bühne zur Aufführung\nkommen soll."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nRückblick auf das diesjährige preussische Musikfest. Berlioz's gesammelte Schriften, deutsch von R. Pohl. Die grossen\nOperntheater und die Schlag-Instrumente. Aus Aachen (Einweihung des neuen Saales im Curhause und Fest des „Rheinischen Sän-\ngerbundes\" am 6. und 7. September. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Mittelrheinischer Sängerbund Berlin, Wieder-\neröffnung der k. Oper Erfurt, Karl Reinthaler f Aloys Bayer f Stuttgart, Oper „Axur\" Italien, Ordens-Verleihungen.J\n\nRückblick auf das diesjährige preussische\nMusikfest\n*).\nZum dritten Male ist in diesem Jahre in Königsberg\nein dreitägiges Musikfest veranstaltet worden; die\nbeiden ersten fanden, wenn wir nicht irren, 1859 und\n1861 Statt. Der Bericht über dasselbe in der „Norddeut-\nschen Musik-Zeitung\" enthält sowohl über Rubinstein's\nOratorium: „Das verlorene Paradies\", als über die dorti-\ngen Musik-Zustände manches Interessante, das wir auszugs-\nweise mittheilen wollen.\nDas Fest (and in dem Allerhöchst dazu bewilligten,\nseit der Krönung prächtig erneuerten Moskowitersaale\n(über der Schlosskirche), der Tausende von Zuhörern fas-\nsen kann, Statt. Einen besonderen grossen Concertsaal be-\nsitzt Königsberg noch nicht. Das Programm für die drei\nTage war folgendes:\nI. Der hundertste Psalm von Händel. Neunte Sinfonie\nvon L. van Beethoven. Walpurgisnacht von Mendelssohn.\n11. Suite von Joh. Seb. Bach, Tenor-Arie aus\nder Oper „Iphigenie\" von Gluck, gesungen von Herrn\nSchild aus Leipzig. Clavier-Concert von L. van Beetho-\nven, G-dur,vorgetragen von Ant. Rubinstein. „Nacht-\ngesang\", Männerchor von Fr. Schubert, mit Hornbeglei-\ntung. Ouvertüre zu „Anakreon\" von Cherubini. Arie Ah,\nperfido! gesungen von Fräulein Bekky aus Berlin. Va-\nriationen für zwei Pianoforte von Kobert Schumann, ge-\nspielt von den Herren Ant. Rubinstein und Ad. Jen-\nsen. „Das Glück von Edenhall\", von Robert Schumann,\nfür Männerchor mit Orchester.\n111. „Das verlorene Paradies\", Oratorium in drei\nTheilen (Text frei nach Milton), von Ant. Rubin stein\n(Op. 54).\nDie Frau Prinzessin Anna von Hessen wurde bei\nihrem Eintritte in den Saal mit dreimaligem Tusch und\nder Hymne „Heil dir im Siegerkranz\" empfangen.\nDie neunte Sinfonie wurde hier zum ersten Male\nmit einem grossen Chor aufgeführt, und wollte man den\nlebhaften Beifall nicht etwa dem Beispiele der applaudi-\nrenden Prinzess Anna zuschreiben, die dem letzten Satze,\ndie Partitur in der Hand, mit grösster Aufmerksamkeit\ngefolgt war, so müsste man eben so sehr auf allgemeines,\ntiefes Verständniss Seitens des Publicums, wie auf vollkom-\nmene Ausführung des executirenden Personals schliessen\nkönnen. Es trifft wohl Beides nicht ganz zu; wenigstens\nhat die Ausführung uns keineswegs durchweg befriedigen\nkönnen, namentlich im ersten Satze. Hier fehlte es vorzugs-\nweise an Deutlichkeit und nur zu oft auch an Reinheit.\nAuch das Ensemble war oft mangelhaft, und überall zu\nmerken, dass die Spieler noch nicht recht zur Erkenntniss\ngekommen, dass und wie sie ein Ganzes bildeten. Selbst\ndas Zeugniss, das sonst so gern gegeben wird: „es sei\nAlles gut gegangen\", können wir nicht ertheilen, so sehr\nwir uns auch bewusst sind, dass damit sehr wenig gesagt\nsei. Man kam allerdings nicht aus dem Zusammenhange,\ndafür dirigirte Herr Lau dien, der seine Leute wohl zu-\nsammen zu halten weiss, und Jeder that, was in seinen\nKräften stand. Dafür gab es aber genug andere Mangel-\nhaftigkeiten. Es ist dabei im Grunde dem Orchester keine\nSchuld beizumessen, es fehlt nicht an Fähigkeit, wohl aber\nan den so nöthigen Proben. Wenn es wahr ist, wie man\nerzählt, dass das Orchester zur Sinfonie nur vier\noder gar nur drei Proben gehabt hat, so zeugt\n\n*) Es ist nicht unsere Schuld, wenn wir erst jetzt auf das Musik-\nfest in Königsberg zurückkommen; denn die betreffende\nSendung vom 8. Juni ist uns wahrscheinlich durch dortige\nso genannte Buchhändler-Gelegenheit erst am 16. August\nzugegangen! Wir bemerken dies der Redaction der „Nord-\ndeutschen Musik-Zeitung\" in Königsberg gegenüber, de-\nren Streben wir seit ihrem Erscheinen unter der Redaction des\nHerrn August Pabst mit Theilnahme verfolgt haben und ihr\nden besten Fortgang wünschen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.2", "texte": "das wahrlich von keiner übermässigen Pietät für die Rie-\nsenschöpfung des genialsten Instrumental-Componisten.\nAuf die unglaublichen Schwierigkeiten der neunten\nSinfonie wurde Mendelssohn's Walpurgisnacht vom Chor\nund Orchester mit sichtlichem Behagen ausgeführt, und\nso fehlte diesem Theile des Abends auch nicht das Gelin-\ngen. Durchweg waren Chor, Orchester und Soli befriedi-\ngend, wobei unter den letzteren Herr Simons glänzte.\nDie Bach'sche Suite ist ein Cabinetsstück wunderbarer\nPolyphonie und die Ausführung kann im Allgemeinen eine\nrecht gute genannt werden. Fräulein Bekky sang die Beet-\nhoven'sche Scene sehr gut und geschmackvoll, aber nicht\nmit sehr grosser Wärme, die wir überhaupt bei dieser\nDame vermissten. Der Glanzpunkt des zweiten Tages war\ndas Concert von Beethoven, vorgetragen von Ant. Rubin-\nstein. Von Technik zu sprechen, geben wir von vorn herein\nauf, da das bei diesem Künstler ein völlig überwundener\nStandpunkt ist, ein mit Unfehlbarkeit beherrschtes Mittel\nzur Erreichung künstlerischer Zwecke. Das Concert wurde\nin allen Punkten vollendet gespielt, und die eingelegte Ca-\ndenz gehörte zu dem Geistvollsten, was in dieser Beziehung\nje geleistet ist.\n„Das Glück von Edenhall\" gehört zu den weniger be-\ndeutenden Compositionen Schumann's und konnte daher\nauch keinen hervorragenden Platz in dem Concerte ein-\nnehmen.\nDer dritte Tag brachte „Das verlorene Paradies\",\ngrosses Oratorium (frei nach Milton), componirt von Ant.\nRubinstein, unter Direction des Componisten.\nDer Virtuose par excellencezeigte sich uns als geist-\nvollen Componisten und treff lichen Dirigenten. Sein Orato-\nrium gehört offenbar zu den bedeutendsten Erscheinungen\nder Gegenwart; freilich muss man nicht den Maassstab\neines Händel, Haydn und Mozart anlegen. Aber unter den\nSchöpfungen der neuesten Aera steht dieses Werk wohl\nhervorragend da. Es würde unendlich gelungener sein,\nhätte der Componist seine Arbeit einer sorgfältigen Feile\nunterworfen. Es läuft neben überaus Schönem manches\nhöchst Unbedeutende und manches nach unserer Ansicht\nVerwerfliche mit unter. Was die Factur anbetrifft, so lin-\nden wir solche vollständig abweichend von der Weise un-\nserer alten Classiker: die Massen werden nicht zur Entfal-\ntung grossartiger polyphoner Stimmführung, sondern mei-\nstens als Füllstimmen benutzt. Contrapunktische Formen\nfinden wir selten, und wo sie vorkommen, verlieren sie sich\nbald wieder, ohne dass es zu einer erschöpfenden Be-\nhandlung des Thema's kommt.\nWir finden auch jene romantische Eigentümlichkeit\nwieder: waghalsige Keckheit in der Harmonie und Zag-\nhaftigkeit im Contrapunkte, dabei überall gewandte In-\nstrumentation, mitunter sogar raffinirte und nicht immer\nsehr ästhetische.\nIm zweiten Theile (Schöpfung), nach Erschaffung der\nSonne, ist es wohl nicht recht würdig, zu dem Chor:\nGlanzfülle umfliesst\nDas weite All,\nEin Strahlenmeer ergiesst\nTönenden Schall!\nSonnenzünder,\nWeltengründer,\nWunderbar sind Deine Werke\nImmerdar!\ndie grosse Trommel in solche Thätigkeit zu setzen, als gelte\nes, die Schlacht von Yittoria in Scene zu setzen. Wären\nsolche Sachen aus dem Werke entfernt, es könnte für das\nMeisterstück unserer Zeit gelten, denn es gibt der grössten\nSchönheiten unendlich viele darin. Von wahrhaft elektrisi-\nrender Wirkung war der prachtvolle Schluss-Chor des er-\nsten Theiles:\nFreudensang erfülle rings die Welten,\nVon gold'ner Harfe rauschet, Lobgesänge!\nder das gesammte Publicum zu einem wahren Enthusias-\nmus hinriss. Solcher Glanzpunkte hat das Werk unzählige,\nund wir können den Gedanken nicht aufgeben, dass es\neinem Componisten von solcher Begabung nicht so an Ob-\njectivität fehlen kann, um die Schwächen seines Werkes\nals solche zu erkennen und zu entfernen. Am Schlüsse\nwurde der Componist, der sich auch als gewiegten Dirigenten\nbewährt hatte, durch unendlichen Beifall, Tusch und Ueber-\nreichung eines Lorberkranzes gefeiert.\nEin Vergleich dieses Musikfestes mit dem von 1861\n(dem zweiten) ergibt allerdings einen respectablen Fort-\nschritt, aber wir können dieNaivetät derer nicht unerwähnt\nlassen, die unsere Musikleste mit den rheinischen zu ver-\ngleichen unternahmen. Man werfe einen Blick auf die Zah-\nlenverhältnisse des düsseldorfer Festes und verstumme!\nDer Abstand ist ein so ungeheurer, dass er notwendiger\nWeise noch andere Ursachen haben muss, als die blosse\nNeuheit derartiger Unternehmungen in unserer Provinz,\nund dem ist wirklich so. Auch bei uns hätte das Resultat\nein ganz anderes sein können und müssen. Die Cardinal-\nUrsache alles Mangelhaften und alles Ungehörigen ist die,\ndass das Fest den Charakter eines rein persön-\nlichen Unternehmens hatte. Von der musicalischen\nAkademie konnte es immerhin ausgehen, aber dass deren\nOber-Vorsteher überall ganz allein alsEntrepreneur auf-\ntrat, war nur zu sehr geeignet, die Eigenschaft eines gros-\nsen Musikfestes zu verwischen. Ein solches muss\nnothwendig von einem Fest-Comite ausgehen.\nWelch ein Beweggrund vorlag, hierin von dem Gebrauche\nder Gegenden abzuweichen, in denen Musikfeste bereits\neingebürgerte Unternehmungen sind, ist nicht abzusehen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.3", "texte": "Ein Comite auch in Königsberg zusammen zu bringen,\nkonnte nicht schwer sein, und welche ganz andere Gestal-\ntung das der Sache gegeben hätte, ist handgreiflich. Ein\nMensch, und wäre er ein Halbgott, kann nicht Alles be-\nsorgen, wenigstens nicht Alles gut, worauf es doch we-\nsentlich ankommt.\nWarum war jeder von der Mitwirkung an dem Musik-\nfeste ausgeschlossen, der nicht Mitglied der Akademie oder\ndes Männer-Gesangvereins ist? Gibt es nicht etwa in Kö-\nnigsberg Leute genug von bedeutender musicalischer Bil-\ndung, die aber ihre Gründe haben, den beiden genannten\nVereinen nicht beizutreten? Hat man Schritte gethan, die\ngrösseren Städte, wie Elbing, Danzig, Thorn u. s. w., zur\nTheilnahme am Feste anzuregen? und warum waren diese\nSchritte ohne Erfolg?—Das alles sind Punkte, die in un-\nmittelbarem Zusammenhange mit der Comite-Frage stehen.\nOder ist der Empfang der Frau Prinzessin von Hessen\nmit der Hymne etwa kein Verstoss? Was soll es für einen\nSinn haben, eine Frau mit den Worten anzusingen: „Heil\nDir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands!\"?\nDie Besetzung des Orchesters war in\neines grossen Musikfestes unwürdig. Wenn die hiesige\nLocal-Kritik behauptet, das Orchester sei so gut und so\nzahlreich gewesen, als es sich beschaffen liess, so verräth\ndas einen erstaunlichen Mangel an Localkenntniss. Das\nOrchester hätte sich sehr wohl noch einmal so stark und\nnoch einmal so gut besetzen lassen. Es fehlte die ganze\nHünerlürst'sche Capelle und vom Theater-Orchester wa-\nren nicht zehn Mitglieder engagirt. Man wird es am Rheine\nkaum glauben, dass es der Geldpunkt und einzig und allein\ndieser gewesen, wesshalb das Orchester in einer für ein\nMusikfest allerdings sehr winzigen Zahl vertreten war: 26\nGeigen, 8 Bratschen, 5 Bässe u. s. w., wobei noch zu be-\nrücksichtigen bleibt, dass darunter erstaunlich schwache\nKräfte anzutreffen waren, die wohl nur als Statisten zählen\nkonnten. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Zahl der\nStreich-Instrumente zu verdoppeln (ohne Statisten hinzu-\nstellen) ; es hätte sich dabei nur um eine Mehr-Ausgabe\nvon einigen Hundert Thalern gehandelt. Die Anzahl der\nProben hätte ferner bedeutend vermehrt und vor allen Din-\ngen besondere Quartett-Proben gehalten werden müs-\nsen, die jetzt sehr zu vermissen waren. Die Celli waren\ndurchaus nicht befriedigend, und erst das Vorspiel unseres\nHünerfürst hätte ihnen die nöthige Sicherheit und Ton-\nfülle gegeben. Unter den Contrabässen war mindestens\neiner, dessen Unfähigkeit nur noch dem des zweiten Fa-\ngotts an die Seite zu stellen war. Der Chor der Holzbläser\nwar unrein. Das alles erforderte gebieterisch Abhülfe. Aber\nman hatte die in der That nur angemessenen Forderungen\nder Anderen nun einmal zu hoch befunden mithin blieb\nman dabei und liess Alles, wie es war, obgleich Manches\nim Orchester dann so ausfiel, dass selbst der überaus be-\nscheidene und in seinem Urtheile so reservirte Bubinstein\nsich einiger unwilligen Aeusserungen zu seiner näheren\nUmgebung nicht enthalten konnte. Allerdings wäre es für\neine Person ein bedenkliches Risico gewesen, eine Aus-\ngabe von vielleicht 500 600 Thlrn. bei zweifelhaftem\nErfolge zu machen. Aber warum war es nur eine Per-\nson? Bei einem grossen Comite wäre freilich die Ehre,\naber auch das Bisico getheilt gewesen. Da nun einmal von\nEh re die Bede ist, müssen wir auch der hin und wieder\nlaut gewordenen Ansicht gedenken, die executirenden Mu-\nsiker Königsbergs hätten sich die Mitwirkung am Musik-\nfeste zur Ehre rechnen und desshalb unentgeltlich spielen\nsollen. (!!) Und wozu? Zu einem allerdings höchst lobens-\nund anerkennungswerthen Unternehmen, dem aber durch\ngeflissentliche Exclusion aller, die nicht zur Akademie oder\nzum Sängervereine gehören, die zu einem Feste so not-\nwendige allgemeine freudige Zustimmung und Theilnahme\ngeraubt ist.\nAlle Achtung und Anerkennung vor der unermüdli-\nchen Thätigkeit, dem organisatorischen Talente und der\nEnergie des Ober-Vorstehers der Akademie! Aber der\nAnsicht können wir uns den Thatsachen gegenüber nicht\nverschliessen, dass das Musikfest als solches nicht lange\nund nicht sorgfältig genug vorbereitet war. Darum im\nJahre 1865 wieder ein Musikfest! Aber dann ein halbes\nJahr vorher ein Comite bilden, Himmel und Erde in Be-\nwegung setzen, um wo möglich alle Vereine und Kräfte\nder ganzen Provinz unter Einen Hut zu bringen und unter\ndiesem Hut nicht nur Nothdürftiges, sondern Ausgezeich-\nnetes zu leisten.\n\nDie grossen Operntheater und die Schlag-\nInstrumente.\nHector Berlioz, der von Zeit zu Zeit unter pikan-\nten Titeln—denn diese spielen ja in der ganzen Literatur\njetzt eine Hauptrolle, zumal bei den Verlegern—seine zer-\nstreuten Aufsätze in einen Band zusammenfasst, hat Herrn\nRichard Pohl zu einer deutschen Uebersetzung veran-\nlasst, welche unter dem Titel „Gesammelte Schriften\nvon H. Berlioz (Leipzig, 1863, in Lieferungen zu 10\nNgr. im Verlage von G. Heinze) in hübscher Ausstattung\nerscheint. Vom ersten Bande liegen uns zwei, vom zweiten\neine Lieferung vor: sie enthalten Aufsätze aus A travers\nChants und aus den Soirees d'Orchestre. Die Uebersetzung\nist fliessend und liest sich recht gut; auch hat Herr Pohl\nhier und da erläuternde Anmerkungen hinzugefügt.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.4", "texte": "Der Inhalt der ersten Lieferung und eines lheiles der\nzweiten (S. 1 —104) besteht in den so genannten „Stu-\ndien\" über Beethoven's Sinfonieen, einer Arbeit über\nBeethoven's Fidelio und einigen kleineren Artikeln über\nBeethoven. Diese Apergus hatten zu ihrer Zeit auf das\nfranzösische Dilettanten-Publicum einen guten Einfluss und\nsind in so fern nicht ohne Verdienst; für deutsche Leser\nin unseren Tagen ist ihr Inhalt jedoch theils antiquirt,\ntheils ganz unbefriedigend, namentlich was die poetischen\nDeutungen der Sinfonieen betrifft. Indessen, wenn die „ge-\nsammelten Schriften\" eine Uebersicht der gesammten mu-\nsicalisch-schriftstellerischen Thätigkeit des geist- und kennt-\nnissvollen Mannes geben sollen, so dürfen auch diese älte-\nren Sachen nicht fehlen. Auch ist der Artikel über Fidelio\nweniger bekannt und enthält Lesenswerthes, nur darf man\nnicht ein tiefes Eingehen erwarten, wenngleich auf der\nanderen Seite Berlioz als Musiker doch immer von der\nleeren Phrasenrnacherei unmusicalischer Literaten fern\nbleibt.\nNeuere Aufsätze sind diejenigen, welche in der zwei-\nten Lieferung von dem „gegenwärtigen Zustande\nder Gesangkunst\" und von Gluck's „Orpheus\"\nhandeln, während die dritte Lieferung den Anfang der\n„Orchester-Abende\" enthält, in welche Berlioz wie-\nder Vieles namentlich das Novellistische aus seiner\n„Musicalischen Reise durch Deutschland und Italien\" auf-\ngenommen hat, deren erste Ausgabe (wie uns der Ueber-\nsetzer berichtet) vergriffen ist und deren vervollständigten\nautobiographischen Inhalt Berlioz nicht in einer neuen\nAusgabe, sondern in seinen „Memoiren\" veröffentlichen\nwird.\nDen Verfall der Gesangskunst schreibt Berlioz der\nübermässigen Grösse der Opernhäuser zu, dem System des\nApplaudirens, gleichviel ob bezahlt oder nicht, „dem Ueber-\ngewicht, das man der Ausführung über das Werk, dem\nKehlkopfe über das Gehirn, der Materie über den Geist\nnach und nach immer mehr eingeräumt hat, und leider\nnur zu oft auch der feigen Unterwerfung des Genies unter\ndie Dummheit\", endlich auch der heutigen Instrumentation,\nderen Veranlassung er aber eben wieder auf die übermäs-\nsige Grösse der Theater schiebt.\nNun, das ist alles allerdings schon oft gesagt, dennoch\nist das, was Berlioz über die Gränzen des Raumes in Be-\nzug aul den wahren Genuss des Musikhörens sagt, sehr\nwahr und lesenswerth. „Der musicalische Strom verliert\nseine Macht, wenn man eine gewisse Entfernung von sei-\nnem Ausgangspunkte überschreitet. Man hört dann zwar\nnoch, aber man schwingt nicht mit. Und doch muss\nman mit den Instrumenten und den Singstimmen, durch\ndie Schwingungen ihrer Töne erregt, gleichsam selbst-\ntönend mitschwingen, um wahrhalt mnsicalische Eindrücke\nzu erhalten.\" Eben so richtig schreibt er auch den zu\ngrossen Räumen einen Theil der Schuld an der Unverständ-\nlichkeit des Textes zu. „Das dramatisch-musicalische Schaf-\nfen geht aus der Verbindung oder richtiger aus der innig-\nsten Verschmelzung der Poesie und Musik hervor. Der\nmelodische Ausdruck kann zwar an und für sich schon\nanziehend und fesselnd sein, er kann einen Reiz besitzen,\nder nur ihm eigen ist und lediglich von der Musik allein\nerzeugt wird [Davon ist bei Berlioz Act zu nehmen!]: aber\nseine Macht wird verdoppelt, wenn er den Ausdruck des\nInhalts eines Gedichtes erhöht. Diese Vereinigung wird in\nzu grossen Räumen vernichtet\" u. s. w.\nZuletzt kommt er auch auf die Schädlichkeit der allzu\ngrossen Localitäten für die Wirkung des Orchesters und\nreiht daran eine interessante Geschichte der allmählichen\nEinführung der Schlag-Instrumente in das Orchester, aus\nder wir Folgendes entnehmen.\n„In zu grossen Sälen ist auch die Wirkung des Or-\nchesters eine mangelhafte, unvollständige und sogar feh-\nlerhafte, in so fern sie eine andere wird, als der Compo-\nnist beim Niederschreiben seiner Partitur sich gedacht hat,\nselbst dann, wenn die Partitur ausdrücklich lür das grosse\nHaus geschrieben wurde, in welchem sie zur Auslührung\ngelangt. Denn da die Tragweite des musicalischen Stro-\nmes für die verschiedenen Ton-Werkzeuge nicht gleich gross\nist, so folgt nothwendiger Weise, dass die Instrumente mit\ngrosser Tragweite gar oft eine Gewalt entwickeln werden,\ndie völlig im Widerspruche mit der Bedeutung steht, welche\nder Componist ihnen beilegt, während die von geringerer\nTragweite entweder ganz verschwinden oder wenigstens\ndie Wirkung verlieren werden, die ihnen im Geiste der\nComposition zugedacht war. Wenn aber eine aus Stimmen\nund Instrumenten bestehende „ „musicaiische Wirkung\" \"\neine vollständige sein soll, so müssen auch alle Töne gleich-\nzeitig und mit gleicher Lebensfähigkeit der Schwingungen\nden Zuhörer erreichen können. Mit Einem Worte: die in\nPartitur niedergeschriebenen Töne (Musiker werden mich\nverstehen) müssen auch in Partitur zum Ohr gelangen.\n„Eine weitere Folge der naturwidrigen Grösse der\nOpernhäuser musste consequenter Weise die Einführung\naller stark und gewaltsam wirkenden Hülfsmittel der In-\nstrumentation im Orchester sein. Und dieser Miss-\nbrauch, der gegenwärtig bis zu den äusserst möglichen\nGränzen gediehen ist, verdirbt nicht nur gänzlich die Lei-\nstungsfähigkeit und Tonwirkung der Orchester, sondern\nhat auch nicht wenig dazu beigetragen, jene Gesangsma-\nnier herbeizuführen, deren Vorhandensein man jetzt allge-\nmein zu beklagen hat, indem er die Sänger reizte, mit al-\nler Anstrengung gegen das Orchester anzukämpfen und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.5", "texte": "in der Tonstärke wo möglich mit ihm zu wetteifern. Es\nist nicht uninteressant, zu verfolgen, wie die Schlag-In-\nstrumente nach und nach sich im Orchester festgesetzt\nund ihre Herrschaft immer weiter ausgedehnt haben.\n„Wenn ich nicht sehr irre, so war es in Iphigenie in\nAulis von Gluck, wo die grosse Trommel in Paris zum\nersten Male in der Oper gehört wurde, aber allein, ohne\nBecken oder irgend ein anderes Schlag-Instrument. Sie\ntritt am Schlüsse der Oper auf, in dem letzten Chor der\nGriechen: Partons, volons ä lavidoire!*) Dieser Chor\n(nebenbei bemerkt, ein Chor im Unisono) ist im Marsch-\nRhythmus mit Wiederholungen geschrieben, er begleitet\nden Abzug des griechischen Heeres nach Troja. Die grosse\nTrommel schlägt dazu ununterbrochen alle guten Tact-\ntheile, wie bei gewöhnlichen Märschen. Als der Ausgang\nder Oper verändert wurde, fiel der Chor weg und die\ngrosse Trommel wurde bis zum Anfange unseres Jahrhun-\nderts in der französischen Oper nicht wieder gehört.\n„Gluck hat auch die Becken in der grossen Oper ein-\ngeführt (und zwar mit welcher vortrefflichen Wirkung!)\nim Scythen-Chor der Iphigenie in Tauris. Er wandte hier\ndie Becken allein ohne grosse Trommel an, während\ndoch die musicalischen Handwerker aller Länder beide In-\nstrumente für unzertrennlich halten. ln einem Ballet in\nderselben Oper wurde von Gluck auch der Triangel\nallein mit ausserordentlichem Geschick benutzt. Das war\naber auch alles.\n„Im Jahre 1808 nahm Spontini die grosse Trommel\nmit den Becken in seinem Triumphmarsche, so. wie in der\nMusik zum Ballet der Gladiatoren in der Vestalin wieder\nauf. Später verwandte er sie auch noch in einem Marsche\nin Ferdinand Cortez, bei dem feierlichen Aufzuge des Te-\nlasco. Bis dahin war die Anwendung dieser Instrumente,\nwenn auch nicht immer überaus sinnreich, doch wenigstens\neine zweckentsprechende, sehr vorsichtige und gemässigte.\n„Da tritt Rossini mit seiner Belagerung von Korinth\nin der grossen Oper auf (1825). Nicht ohne Aerger hatte\ner die Schläfrigkeit des Publicums der grossen Oper, selbst\nbei Aufführung der schönsten Werke, beobachtet eine\nSchläfrigkeit, deren Ursache weit mehr in den von mir\nfrüher entwickelten, der musicalischen Wirkung allgemein\nhinderlichen physischen Ursachen, als indem langweili-\ngen Stil der beliebten Werke aus jener Zeit zu suchen\nist. Rossini gelobte sich, Alles zu thun, um keine ähnliche\nSchmach erleben zu müssen. „ „Ich werde euch schon am\nSchlafen zu verhindern wissen\"0, sagte er. Und nun schrieb\ner die grosse Trommel und die Becken und den Triangel\nüberall hin, und packte die Posaunen und die Ophicleide\nmit ihnen in förmliche Accordbündel zusammen, liess aus\nLeibeskräften mit möglichster Geschwindigkeit drauf los-\nschlagen und blasen, und schlug aus dem Orchester auch\nrichtig solche klanghelle (wenn auch nicht harmonische)\nBlitzfunken heraus und erschütterte das Haus mit solchen\nDonnerschlägen, dass das Publicum sich die Augen rieb\nund fand, dass dieses neue Genre doch in eine weit leb-\nhaftere (wenn auch nicht musicalischere) Aufregung ver-\nsetze, als man bis dahin verspürt habe.\n„Durch diesen Erfolg ermuthigt, trieb Rossini in sei-\nnem Moses diesen Missbrauch noch weiter. In dem be-\nrühmten Finale des dritten Actes liess er die grosse Trom-\nmel, die Becken und den Triangel in allen i<Vfe-Stellen\nalle vier Tacttheile ununterbrochen fortschlagen, so dass\nbuchstäblich die Schlag-Instrumente eben so viele\nNoten haben, als die Singstimmen, welche sich\neiner derartigen Begleitung (man kann sich denken, wie!)\nanbequemen mussten. Trotzdem ist dieses Finale im Or-\nchester und Chor so geschickt angelegt, und die Klang-\nwirkung der Stimmen und Instrumente ist in Folge der\nganzen Anordnung eine so gewaltige, dass die Musik über\nallem Getöse noch oben auf schwimmt, die Wellen des\nmusicalischen Stromes trotz des ungeheuren Raumes aus-\nnahmsweise alle Punkte des grossen Opernhauses erreichen\nkönnen, das Ohr sämmtlicher Zuhörer mitzuschwingen ver-\nmag und hiedurch das Publicum so gepackt wird, dass die-\nses Finale eine der grössten Wirkungen erzielt, die man\nim grossen Opernhause überhaupt jemals erlebt hat. Tra-\ngen aber die Schlag-Instrumente hierzu bei? Allerdings\nin so fern man sie als gewaltsames Reizmittel betrach-\nten kann, um die anderen Instrumente, so wie die Sing-\nstimmen zu den äussersten Anstrengungen aufzustacheln;\naber keineswegs, wenn man nur den Antheil in Anschlag\nbringt, den sie an der eigentlich musicalischen Wir-\nkung haben; denn sie erdrücken Orchester und Stimmen\nund erzeugen anstatt einer schönen und kräftigen Klang-\nwirkung einen gewaltsamen, ja, bis zur Tollheit übertrie-\nbenen Lärm.\n„Genug, mit Rossini's Eintritt in die grosse Oper be-\ngann die instrumentale Revolution der Theater-Orchester.\nVon nun an machte man in allen neuen Opern Lärm um\njeden Preis und bei jeder beliebigen Gelegenheit, gleich-\nviel, ob der Lärm zu dem durch den Stoff bedingten Stile\n\n*) Dieser Schluss-Chor ist sowohl von den Bühnen, wie aus den\nClavier-Auszügen verschwunden. Auch in der Bearbeitung der\nIphigenia in Aulis von Richard Wagner (Leipzig, Breitkopf\nund Härtel) ist er nicht wieder aufgenommen worden. Drama-\ntisch ist diese Weglassung völlig gerechtfertigt, musicalisch ist\nsie zu be-dauern. Marx (~ Gluck und die Oper\", 11., 102) stellt\nden Chor mit Recht sehr hoch und vermuthet, dass Gluck da-\nbei sehr alte bretagnische Volkslieder gallischen Ursprungs\nvorgeschwebt haben. Er reproducirt den Chor im Anhang (Beil.\nNr. 20, Pag. 78). R. P."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.6", "texte": "Passte oder nicht. Natürlich kam bald der Zeilpunkt, wo\ndie Pauken, die grosse Trommel, Becken und Triangel\nschon nicht mehr ausreichten: man fügte die Militär-Trom-\nmel hinzu, dann zwei Cornets ü piston zur Unterstützung\nder Trompeten, Posaunen und Opbicleide. Auf der Bühne\nsetzte sich hinter den Coulissen die Orgel neben den\nGlocken fest; vor den Coulissen marschirten Militär-Musik-\nbanden auf, und schliesslich erschienen noch die grossen\nSax-Instrumente, die sich zu den übrigen Orchesterstim-\nmen ungefähr so verhalten, wie Kanonenschüsse zu Klein-\ngewehr-Feuer. Um das Ganze zu krönen, fügte Hatevy in\nder Magicienne(Zauberin) noch das Tamtam hinzu!*)\nDie neueren Componisten, durch die Hindernisse beirrt,\nwelche die übergrossen Häuser ihnen allenthalben in den\nWeg legten, glaubten eben, um jeden Preis sie überwin-\nden zu müssen, wenn sie die Existenz ihrer Werke retten\nwollten. Ich frage aber: ist es im Allgemeinen hierbei nur\nmöglich gewesen, die der echten Kunst allein würdigen\nGrundbedingungen festzuhalten, nachdem man zu diesen\näussersten Mitteln seine Zuflucht genommen hatte, welche\ndie Hindernisse nur umgingen, während man glaubte, sie\ndamit zu vernichten? Gewiss nicht! - Wie selten sind\nnicht jetzt schon die rühmlichen Ausnahmen geworden!\n„Bei scharfsinniger Verwendung verträgt die Würde\nder Kunst sehr wohl einen verständigen Gebrauch selbst\nder allergewöhnlichsten und plumpsten Instrumente; ein\njedes vermag unter Umständen dazu beizutragen, die Reich-\nhaltigkeit der Instrumentation zu vermehren und ihre Ton-\ngewalt zu steigern. Ich halte es durchaus nicht „ „unter\nder Würde\"\" eines Componisten, irgend eines der vielen\nKunstmittel, wie sie heutzutage ihm zu Gebote stehen, bei\npassender Gelegenheit zu benutzen. Dies entschuldigt aber\nkeineswegs die instrumentalen Scheusslichkeiten, die wir\njetzt erleben müssen; der Missbrauch jener Mittel wird\ndadurch um nichts weniger widerwärtig. Ich glaube, be-\nwiesen zu haben, dass dieser das Seinige redlich dazu bei-\ngetragen hat, die Missbräuche herbeizuführen, die man\njetzt mit der Menschenstimme treibt ein Unfug, der\ngegenwärtige, nur zu lange und, wie ich fürchte, auch\nhöchst überflüssige Betrachtungen entschuldigen möge.\n„Wir haben nur noch hinzuzufügen, dass in Folge\ndes stets geschäftigen Geistes der Nachahmung ein gleicher\nUnfug nach und nach auch in der komischen Oper ein-\ngerissen ist. In Berücksichtigung der speciellen Grundbe-\ndingungen der komischen Opernbühne, ihres kleineren\nOrchesters, ihrer Sänger mit weniger ausgiebigen Stim-\nmen und ihrer durch die Stoffe überhaupt bedingten Kunst-\nrichtung wirkten diese Missbräuche hier noch ungleich ver-\nderblicher und empörender.\"\n\n*) Dieser Seitenhieb auf Haldvy ist ungerecht; Spontini und\nauch Auber (in der „Stummen\") haben den Tamtam schon\nangewandt. Auch Spontini's gestimmte Ambose im ..Alcidor\"\nscheinen Berlioz nicht bekannt gewesen zu sein.\nDie Redaction.\n\nAus Aachen.\nDen 17. August 1863.\nMan ist hier in voller Vorbereitungs-Arbeit zu musi-\ncalischen Festen, welche Ende dieses Monats und Anfang\ndes folgenden hier Statt finden werden.\nDas erste, schon Samstag Abend den August, be-\nsteht in einem grossen Concerte, zu welchem sich sämrnt-\nliche hiesige Gesang- und Orchesterkräfte unter der Leitung\ndes Herrn Directors Wüllner vereinigt haben, um den\nneu gebauten grossen Saal im Curhause dadurch auf\neine würdige Weise einzuweihen. Zur Aufführung ist\nHaydn's „Schöpfung\" gewählt worden; die Soli wer-\nden von Frau von Marlow aus Stuttgart und den Herren\nDr. Gunz aus Hannover und Hill aus Frankfurt am Main\nausgeführt. Das ist wieder ein Kreuz für den Signalbläser\nvon Wiesbaden nach Leipzig, der in Nr. 31 des Senff'-\nschen Blattes die Thatsache, dass in diesem Sommer in\nDüsseldorf, Wiesbaden, Mainz dieses „an einzelnen Stellen\nund fast im ganzen dritten Theile sehr antiquirte Werk\"\naufgeführt worden, dem „Phänomen eines Strichregens\nim Flussgebiete des Rheinthaies\" vergleicht. Nun ja, der\nGeschmack am wahrhaft Schönen hat allerdings seine Strö-\nmungen, aber sie dauern Jahrzehende und Jahrhunderte\nund werfen die Widerbeller, die eine kurze Spanne lang\ndagegen anschwimmen, sehr bald wieder auf den trocke-\nnen Sand am Ufer zurück. „Jene häufige Vorführung der\nSchöpfung halten wir\" so bläst er weiter „für ein\ntestimonium paupertaiis der Gesangvereine.\" Warum?\n„Weil in wenigen grossen Vocalwerken die Chöre so\nuntergeordneter Art sind, als gerade in diesem!\"\n0, o! Wenn es hiesse: „den Arien so untergeordnet sind\"y\nso hätte das noch einen Sinn, obwohl immer einen irrtüm-\nlichen, denn der Chor ist in zehn Nummern von secbszehn,\ndie das Werk hat, betheiligt. Dass aber die Chöre „unter-\ngeordneter Art\" sein sollen, diese Behauptung ist wirklich\nein testimonium,und zwar jener absprechenden Frechheit\nim Urtheil, die neben der Impotenz im Schaffen ein Kenn-\nzeichen der neuesten Schule ist. Die Chöre: „Stimmt an\ndie Saiten\", „Die Himmel erzählen\", „Vollendet ist das\ngrosse Werk\", „Des Herrn Ruhm, er bleibt\"—sind un-\ntergeordneter Art!! Man lernt doch immer mehr! -\nDas zweite Fest geht von dem „Rheinischen Sän-\ngerbunde\" aus und wird unter Leitung des hiesigen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.7", "texte": "Männer-Gesang-Vereins Concordia (Dirigent und Präsi-\ndent Herr C. F. Ackens) am 6. und 7. September Statt\nfinden1\"). Nach dem Vorgange der in anderen Gauen\nDeutschlands gebildeten Sängerbünde, als Theile eines\ngrossen, allgemeinen deutschen Sängerverbandes, hat auch\neine Anzahl von Vereinen am Niederrheine einen Bund\nunter obigem Namen gestiltet und auf der Versammlung\nder Vertreter der betheiligten Vereine zu Bonn am 29.\nMärz d. J. den Beschluss gefasst, das erste Sängerfest\ndes Bundes in Aachen zu veranstalten. Es wird dasselbe\naber eine grössere Ausdehnung als die süddeutschen Lie-\nderfeste erhalten, indem nicht nur die Männer-Gesangver-\neine Deutschlands, sondern auch Belgiens, Frankreichs und\nHollands zur Theilnahme eingeladen sind. Hiernach wird\ndas Ganze einen internationalen Charakter bekommen, und\ndie Art und Weise, wie dergleichen Feste im benachbar-\nten Belgien und jetzt auch in Frankreich veranstaltet wer-\nden, scheint aul die Organisation des bevorstehenden in\nAachen von last zu grossem Einflüsse gewesen zu sein, da\nfür den ersten Tag wieder was wir für Deutschland\nlängst abgethan glaubten ein Gesang-Wettstreit nach\nsieben Kategorieen mit Preisen an Werthstücken und Geld-\nsummen (!) angeordnet ist und sogar ein „Wettstreit von\nHarmonie-Vereinen\" auf dem Marktplatze Statt finden soll!\nIn Belgien und Frankreich, wo in kleinen Städten und so-\ngar aul Dörfern Harmonie-Vereine existiren, welche auch\nin der Kirche mitwirken, aber meist auf sehr niedriger\nStufe der Kunst stehen, mag dergleichen zur Aufmunte-\nrung statthaft sein; wer soll denn aber bei uns wettbla-\nsen? Oder werden wir vielleicht die Musik der Guiden aus\nBrüssel neben einem oder dem anderen unserer preussi-\nschen Regiments-Musikcorps zu hören bekommen? Das\nwäre freilich interessant genug.\nNach dem Programme findet Sonntag den 6. Septem-\nber um 10/2 Uhr der Festzug nach dem Krönungssaale\nim Rathhause Statt, wo die fremden Vereine von den Herren\nBürgermeistern begrüsst werden und ihnen der Ehrenwein\nkredenzt wird. Um I Uhr beginnen dann die Gesang-\nConcurse in drei Localen und in sieben Kategorieen laut\no\nauszugebendem Special-l'rogramm. Es betheiligen sieb\ndaran 62 in- und ausländische Vereine; 20 Preise sind\ndafür ausgestellt; die Sieger werden unmittelbar nach jeder\nAbtheilung proclamirt. Gleichzeitig findet ein Concurs von\nHarmonie-Vereinen auf dem Marktplatze Statt. Abends\n9 Uhr nach Beendigung der Concurse grosse Reunion\nim Curhause.\nMontag den 7. September: Morgens 9 Uhr General-\nProbe zu dem Fest-Concerte; Nachmittags 2% Uhr zwei-\nter Festzug vom Theater zum Rathhause, wo die feierliche\nPreisvertheilung Statt findet. Abends 6 Uhr im neuerbau-\nten Curhaus-Saale Beginn des grossen Fest-Concer-\ntes des Rheinischen Sängerbundes, in welchem 1100 Sän-\nger mit einem entsprechenden Orchester zusammenwirken\nund Chöre von Mendelssohn, F. Lachner, F. Möh-\nring, Max Bruch und F. Abt, theilweise unter Leitung\nder Componisten selbst, ausführen. Ausserdem bringt das\nConcert Ouvertüren von Beethoven und Hugo Ulrich,\nso wie Vorträge der im Concurs am höchsten ausgezeich-\nneten Vereine. Am Dinstag im Theatersaale Sängertag,\nd. h. Versammlung der Vorstände der Vereine des Bundes;\nNachmittags 3 Uhr ländliches Fest zu Ronheide u. s. wr.\nVon Mendelssohn wird dem Vernehmen nach ein\nDoppelchor aus Oedipus in Kolonos gesungen, von Fr.\nLachner „Sturmesmythe\", von F. Möhring „Deutscher\nSchwur und deutsches Gebet\", von Max Bruch „Römi-\nscher Triumphgesang\" alles mit Orchester. Das Con-\ncurrenzstück für den Ehren-Concurs der Vereine ersten\nRanges ist eine für diesen Zweck geschriebene Composition\nvon Ferdinand Hiller: „Der Morgen\", Gedicht von\nO tto jun.% für vierstimmigen Männerchor ohne Begleitung.\nDemnach wird dieser Ehren-Concurs um den Prix\nd3Excellence und das Concert am zweiten Festtage das\nInteressanteste werden. Man muss nur wünschen, dass die\nEintracht und Harmonie, welche vor dem Wettsingen ge-\nwiss auf recht erfreuliche Weise sich aussprechen wird,\nauch nach der Preisvertheilung ungetrübt fortbestehe\nein Wunsch, der durch gar mancherlei Erfahrungen bei\nfrüheren Sängerfesten und Wettstreiten sehr gerechtfer-\ntigt ist.\n*) Dieser „Rheinische ist nicht zu verwechseln mit\ndem ~Kh einischen Sänger vereine\", welcher ebenfalls in\ndiesem Jahre gestiftet ist und nur sechs Vereine aus sechs\nStädten zu alljährlicher Gesammtleistung verbindet. Ueber des-\nsen künstlerische Zwecke und das diesjährige grosse Concert\ndesselben in Köln am 4. October siehe die nächste Nummer.\nDie Kedaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAus Mainz. Am 2. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, fand in der\nFruchthalle dahier die erste Production des ..mittelrheinischen Sän-\ngerbundestk unter Mitwirkung der k. Preussischen Musikcorps der\nhiesigen Garnison und des Theater-Orchesters Statt. Dieser Sänger-\nbund besteht aus fünf hiesigen Gesangvereinen, den Vereinen von\nCastel und Kostheim, der „Harmonie\" zu Alzey, dem „Sängerbünde4,\nvon Worms und der „Harmonie\" zu Oppenheim. Die Gesammtzahl\nder mitwirkenden Sänger mochte etwa 250 bis 300 betragen. Im\nProgramm zeichneten sich aus: „Gruss dem deutschen Volke\" von\nF. W. Rühl, „Sturmesmythe\" von Fr. Lachner und „Deutsche Hymne\"\nmit Orchesterbegleitung von Fr. Lux. Die Ausführung der Gesänge\nwar durchaus lobenswerth, und so verfehlten denn die Leistungen\nauch im Allgemeinen ihre Wirkung nicht. Rühl's „Gruss dem deut-\nschen Volke\" wurde sehr gut gesungen und fand verdienten Beifall"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630822-01.1.8", "texte": "Die lebhafteste Aufnahme wurde der „Deutschen Hymne\" von Fr.\nLux, Gedicht von Prof. Mayer in Mannheim, zu Theil. Wenn schon\ndie patriotischen Schlagwörter des Gedichtes selbst die Sympathieen\ndes Publicums in hohem Grade erregten, so hat es andererseits Lux\nverstanden, für das schwungvolle Gedicht den entsprechenden Aus-\ndruck in Tönen zu finden. Es wird wenig derartige Compositionen\ngeben, welche so wie diese geeignet sind, abgesehen von dem an\nund für sich zündenden Gedichte, durch ihre schwungvolle Con-\nception, durch Fasslichkeit der Motive, durch effectvolle Steigerung\nund brillante Instrumentation die Zuhörer zu fesseln und zu begei-\nstern. Am Morgen desselben Tages fand die feierliche Beerdigung\ndes Herrn Ludwig Jeschko, Capellmeisters des k. österreichischen\nInfanterie-Regiments Baron Wernhardt, Statt, des Mannes, dessen hei-\ntere Muse den Einwohnern unserer Stadt so viele vergnügte Stunden\nbereitet hatte. Nachdem die preussischen und österreichischen Musik-\ncorps einen von Jeschko selbst componirten Trauermarsch hatten\nerklingen lassen, widmete der Männer-Gesangverein dem im Alter\nvon 38 Jahren Dahingeschiedenen an seinem Grabe einen feierlichen\nTrauergesang. (Südd. M.-Z.)\nBerlin* Ueber die mit der Wiedereröffnung der k. Oper (am\n3. d. Mts. Auber's „Feensee\") eingeführte pariser Orchesterstimmung\nschreibt Richard Wüerst: „Der wichtige Schritt ist gethan. Wich-\ntig, wenngleich kaum einen halben Ton gross. Das eingestrichene\nNormal-a, welches längst anormal geworden war, ist für den Bereich\nder königlichen Capelle zu den in Frankreich als maassgebend an-\ngenommenen Schwingungen in der Secunde herabgesetzt und damit\nsicherlich der Musik sowohl in Rücksicht auf Schönheit und Fülle\ndes Klanges, als auch auf die Wohlfahrt der Singstimmen ein we-\nsentlicher Dienst geleistet worden. Bei dem ewigen Hinaufschrauben\nder Stimmung musste eine grosse Zahl älterer Compositionen für\nSänger und Sängerinnen allmählich unausführbar werden oder zum\nRuin der Stimmen führen; die Instrumente verloren dagegen an\nFülle und Kraft. Bei den Blas-Instrumenten stellte sich ein schärfe-\nrer, minder voluminöser Klang, bei den Streich-Instrumenten durch\nden nöthigen schwächeren Saitenbezug eine geringere Intensität\ndes Tones ein. Bei der ersten Aufführung in der neuen, tieferen\nStimmung, welcher wir beiwohnten, es war dies die Aufführung des\nFreischütz am vergangenen Dinstag (11. August) wurden wir aufs\nangenehmste durch den weichen und doch vollen Klang des Orche-\nsters berührt. Haben gleich die Bläser noch nicht genügend Zeit ge-\nhabt, sich mit ihren neuen Instrumenten ausreichend vertraut zu\nmachen, was sich namentlich an der nicht immer tadellosen Stim-\nmung der Holz-Instrumente zeigte, so ist doch gerade den letzteren\nein wesentlicher Vortheil in Bezug auf den Klang erwachsen. Vor-\nnehmlich zeichnen sich die Oboen durch seltenen Schmelz, Weich-\nheit und Rundung des Tones aus. Was die Singstimmen anlangt, so\nwurden die Spitzen der Partieen, das eingestrichene a des Tenors,\ndas eingestrichene fis des Bass und das zweigestrichene h des So-\nprans mit grösserer Leichtigkeit und besserer Wirkung als sonst in-\ntonirt. Die Chor-Soprane freilich schienen durch vielfaches Zutief-\nsingen den Wunsch nach einem noch weiter erniedrigten Kammer-\ntone deutlich auszusprechen.\"\nErfurt. Am 1. August ist hier der Rector des Martinsstiftes,\nKarl Rein thaler, Vater des Componisten in Bremen, gestorben.\nDer treffliche Mann war auch in weiteren Kreisen bekannt durch\nseine Bemühungen um den Kirchengesang.\nDer Tenorist Aloys Bayer, seinerzeit einer der berühmtesten\ndramatischen Sänger Deutschlands, ehemaliges Mitglied der münche-\nner Hofbühne, geboren 1802 zu Sulzbacli in der Oberpfalz, starb\nam 7. Juli auf seinem Gute Grabenstedt am Chriemsee in Baiern.\nEs ist bekannt geworden, dass der Componist der in Leipzig bis\njetzt acht Mal gegebenen und beifällig aufgenommenen Oper „Der\nAbt von St. Gallen\", der unter dem Namen Franz Herther auf-\ntrat, der dort lebende praktische Arzt Dr. Hermann Günther ist.\nDerselbe ist zugleich Verfasser des Gedichtes.\nIn Stuttgart soll im September zur Geburtstagsfeier des Königs\nSalieri's „Axur\" zur Aufführung kommen. Der Text ist von Da\nPonte, dem Dichter des Don Juan. Schon Lintpaintner hatte be-\ngonnen, eine neue Instrumentirung und neue Recitative für diese\nOper zu schreiben. Der gegenwärtige Hof-Capellmeister Karl\nEckert hat es übernommen, diese Arbeit zu vollenden.\nDer König von Italien hat dem Componisten und Director des\nConservatoriums in Neapel, Mer cadante, die Insignien als Com-\nmandeur des Ordens Sainte Maurice et Lazare verliehen. Pacini\nwurde zum OflScier ernannt, und der Componist Carlo Caccio\nerhielt das Ritterkreuz desselben Ordens.\n„Des Sängers Fluch\" ist der Titel einer Oper von Langert,\nwelche in nächster Saison auf der coburger Bühne zur Aufführung\nkommen soll."}]}