{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-09-12-01", "volume": "bmtnabi_1863-09-12_01", "ocr_sha256": "d4922e121d3270fef0802917362680b6300c24d59d539d454a779e39395f0337", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/09/12_01/bmtnabi_1863-09-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 347, "texte": "Inhalt.\nMendelssohn's Briefe. 111. Das Musikfest zu München. Concert, Sängerfest und Gesang-Wettstreit in Aachen.\nEin Sängerfest in Siegen. Von L. B. Tages- und U n ter haltungs b 1 at t (Köln, Eröffnung des Stadttheaters, Victoria-Theater, Herr\nMarchesi Kassel, „La 860 leu, Oper von G. Schmidt Baden-Baden, Oper von H. 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Sieh, ich meine, zwischen Reform,\nReformiren und Revolution u. s. w. sei ein grosser Unter-\nschied. Reformen sind das, was ich in allen Dingen, in\nLeben und in Kunst und in Politik und in Strassenpflaster\nund Gott weiss, wo nicht, wünsche und liebe; denn eine\nReform ist lediglich gegen Missbräuche negativ, und\nschafft nur das weg, was im Wege steht; ein Umschwung\naber, durch welchen das, was früher gut war (wirklich\ngut war), nun nicht mehr so ist oder sein soll, ist mir das\nAllerunausstehlichste und ist eigentlich nur die Mode. Da-\nher wollte ich nichts davon wissen, dass Fanny sagte, La-\nfont's Spiel könne nicht mehr interessiren seit dem Um-\nschwünge durch Paganini, denn wenn mich sein Spiel ir-\ngend einmal interessiren konnte, so thut es das immer,\nund wenn inzwischen der Engel Gabriel sich auf der Vio-\nline hören liesse. Das ist es aber, was jene Franzosen,\nvon denen ich sprach, durchaus nicht ahnen, dass alles\nAlte, Gute neu bleibt, wenn auch das Hinzukommende\nanders werden muss, als das Alte, weil es eben von neuen\noder anderen Menschen ausgeht. Sie sind inwendig die-\nselben Alltagskinder, wie die anderen, und haben nur\nauswendig gelernt, dass was Neues kommen müsste,\nund nun suchen sie es zu machen, und wenn Einer Mal\nkümmerlich applaudirt oder gestochen wird, so denkt er\ngleich, die Revolution clu goüt sei da. Desshalb geberde\nich mich so schlecht, wenn sie mir, wie Du sagst, die Fhre\nerzeigen, mich unter die Leiter dieser Bewegung zu stellen,\nweil ich wohl weiss, dass das ganze Menschenleben dazu\ngehört, sich selbst ordentlich auszubilden (oft reicht's nicht\nzu), weil kein Franzose und kein Journal weiss und wissen\nsoll, was die Zukunft bringt und gibt, weil man, um\nAnderer Bewegung zu leiten, vor Allem selbst in Bewe-\ngung sein muss, und weil man durch dergleichen Betrach-\ntungen zurück schaut, nicht vorwärts, und nur durch Ar-\nbeiten weiter kommt, nicht durch Gerede, was jene nicht\nglauben.\n„Dass ich aber um Gottes willen nicht Bewegung und\nReform verläugne, und dass ich hoffe, auch selbst einmal\nin der Musik reformirend zu wirken, das siehst Du, weil\nich eben ein Musiker bin; denn weiter heisst das nichts\nfür mich.\"\nGu,sikow. „Der Gusikow ist ein wahres Phänomen\nein Mordkerl, der an Vortrag und Fertigkeit keinem"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5704, "texte": "Virtuosen der Welt nachzustehen braucht, und mich dess-\nhalb auf seinem Holz- und Stroh-Instrumente mehr ergötzt,\nals Viele auf ihren Pianoforte's, eben weil's undankbarer\nist. Ich habe mich seit langer Zeit in einem Concerte nicht\nso gut unterhalten, wie in diesem, weil er eben ein wah-\nres Genie ist\"*).\nPaulus. „Die ganze Zeit, dass ich hier bin, habe ich\nnoch an dem Paulus gearbeitet, weil ich ihn nun einmal\nso vollkommen, als mir möglich ist, herausgeben will; auch\nweiss ich bestimmt, dass der Anfang des ersten und das\nEnde des zweiten Theiles ungefähr drei Mal so gut gewor-\nden sind, also war's meine Pflicht. Denn es gelingt mir\nin manchen, namentlich in Nebensachen bei so einer grös-\nseren Arbeit erst nach und nach, meinem eigentlichen Ge-\ndanken nahe zu kommen und ihn recht klar hinzustellen;\nbei den Hauptsachen und -Stücken kann ich freilich nach-\nher nichts mehr ändern, weil sie mir gleich so einfallen;\naber um das auch von Allem sagen zu können, dazu bin\nich noch nicht weit genug. Nun arbeite ich aber schon\netwas mehr als zwei Jahre an dem einen Oratorium;\ndas ist allerdings sehr lange, und ich freue mich auf den\nMoment, wo ich auch mit den Druck-Correcturen fertig\nsein werde und was Anderes anfangen kann.\"\nComponiren und drucken lassen. „Ich halte das\nPubliciren für etwas Ernsthaftes (es sollte das wenigstens\nsein) und glaube, man soll es nur thun, wenn man als\nAutor sein Leben lang auftreten und dastehen will. Dazu\ngehört aber eine Reihe von Werken, eines nach dem an-\nderen; von einem oder zweien allein ist nur Verdruss von\nder Oeffentlichkeit zu erwarten, oder es wird ein so ge-\nnanntes Manuscript für Freunde, was ich auch nicht liebe.\nUnd zu einer Autorschaft hat Fanny, wie ich sie kenne,\nweder Lust noch Beruf dazu ist sie zu sehr eine Frau,\nwie es recht ist, sorgt für ihr Haus u. s. w. Darin würde\nsie das Druckenlassen nur stören, und ich kann mich eben\neinmal damit nicht befreunden. Darum werde ich ihr nicht\nzureden.\"**)\nClavierspiel. „Das ennuyirt mich aber, dass Fanny\nsagt, die neue Clavierschule wachse ihr über den Kopf.\nDas ist ja gar nicht an dem. Sie spielt wohl alle die klei-\nnen Kerls in den Sack. Die können ein paar Variationen\nund Kunstgriffe gut machen; aber all die Fertigkeit und\nCoquetterie mit Fertigkeit verblendet selbst das Publicum\nnicht mehr leicht. Es muss Geist sein, wenn es sie alle fort-\n%\nziehen soll, und darum höre ich vielleicht D. lieber eine\nStunde lang, als Fanny eine Stunde lang—aber nach acht\nTagen kann ich ihn nicht mehr vor langer Weile anhö-\nren, und dann fange ich erst an, mich in das andere Spiel\nhineinzuhören, und das ist das rechte. Alles das macht\neben nicht mehr, wie Kalkbrenner zu seinerZeit, und\ngeht noch während ihres Lebens vorüber, wenn nicht etwas\nBesseres als Finger dabei ist. Das hat aber Fanny, und\ndarum braucht sie sich vor keinem von allen denen zu\nfürchten.\"\nDie Ouvertüre zu Ruy Blas. „An seine Mutter.\nLeipzig, den 18. März 1839. Du willst wissen, wie es\nmit der Ouvertüre zu Ruy Blas zugegangen ist: lustig\ngenug. Vor 6 8 Wochen kam die Bitte an mich, für\ndie Vorstellung des Theater-Pensionsfonds (einer sehr gu-\nten und wohlthäligen Anstalt hier, die zu ihrem Benefiz\nden Ruy Blas geben wollte) eine Ouvertüre und die in dem\nStücke vorkommende Romanze zu componiren, weil man\nsich eine bessere Einnahme versprach, wenn mein Name\nauf dem Titel stände. Ich las das Stück, das so ganz ab-\nscheulich und unter jeder Würde ist, wie man's gar nicht\nglauben kann, und sagte, zu einer Ouvertüre hätte ich keine\nZeit, und componirte ihnen die Romanze. Montag (heute\nvor acht Tagen) sollte die Vorstellung sein; an dem vor-\nhergehenden Dinstag kamen die Leute nun, bedanken sich\nhöchlich für die Romanze und sagen, es wäre so schlimm,\ndass ich keine Ouvertüre geschrieben hätte; aber sie sähen\nsehr wohl ein, dass man zu solch einem Werke Zeit\nbrauche, und im nächsten Jahre, wenn sie dürften, woll-\nten sie mir's länger vorher sagen. Das wurmte mich ich\nüberlegte mir Abends die Sache, fing meine Partitur an\nMittwoch war den ganzen Morgen Concert-Probe—Don-\n\n*) S. 121 vom 18. Februar 1836. In demselben Jahre kam Gusi-\nkow auch an den Rhein, und ich drückte mich über ihn un-\ngefähr eben so aus, wie wir es jetzt lesen, dass Mendelssohn\ngethan. Aber wie fuhren die Stockmusiker über den genialen\nStrohmusiker und seinen Recensenten her!! L. B.\n**) Hiernach ist das Gerücht zu beurtheilen, welches der älteren\nSchwester Mendelssolin's, Fanny Hensel (denn von ihr ist\nin der obigen Stelle die Rede), einen grossen Antheil an sei-\nnen Werken zuschreibt. Ja, in Brockhaus1 Conversations-Lexi-\nkon (1852, VII., unter „Hensel\") heisst es sogar: „sie ward in\nder musicalischen Bildung der Geschwister oft Führerin und\nSchöpferin, wo man sie später vielleicht als Nachahmerin\nangesehen\" und ferner: „sie fühlte grosse Abneigung, öf-\nfentlich aufzutreten, so dass ihr Bruder oft scherzweise\nihre Compositionen unter seinem Namen erscheinen liess.\"\nJul. Rietz fügt in dem Vorworte zu dem werthvollen An-\nhange der vorliegenden Briefsammlung, dem Verzeichniss\nder Compositionen Mendelssohn's, hinzu: „Unter Ande-\nrem wird sie als Componistin des ganzen ersten Heftes: „„Lie-\nder ohne Worte\"\" (Op. 19), vielfach genannt\" fährt dann\naber fort: „Man ist im Stande, diesen viel zu gross darge-\nstellten Antheil auf das richtige Maass zurück zu führen und\nauf das bestimmteste zu erklären, dass Mendelssohn nur sechs\nvon seiner Schwester Fanny componirte Lieder mit W orten\nin seine ersten vier Lieder hefte aufgenommen hat,\nausser diesen aber nicht das Geringste» Es sind:\nHeimweh, Nr. 2; Italien, Nr. 3; Suleika und Hatem, Nr. 12\nin Op. 8; Sehnsucht, Nr. 7; Verlust, Nr. 10; Die Nonne, Nr.\n12 in Op. 9.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4456, "texte": "nerstag Concert, aber dennoch war Freitag früh die Ou-\nvertüre beim Abschreiber, wurde Montag erst im Concert-\nsaale drei Mal, dann ein Mal im Theater probirt, Abends\nzu dem infamen Stücke gespielt und hat mir einen so gros-\nsen Spass gemacht, wie nicht bald eine von meinen Sachen.\nIm nächsten Concerte wiederholen wir sie auf Begehren;\nda nenne ich sie aber nicht Ouvertüre zu Buy Blas, son-\ndern zum Theater-Pensionsfonds.u\nDenkmäler und Orchester. „An dem verwünsch-\nten Gelde slösst und hakt sich's überall, und wir kommen\nlange nicht so vorwärts, wie wir möchten; auf der einen\nSeite stehen die Philister und denken, Leipzig sei Paris\nund Alles sei vortrefflich, und wenn die Musiker im Or-\nchester nicht hungerten, so wär's nicht Leipzig mehr, und\nauf der anderen stehen die Musiker, oder vielmehr sie gehen,\nsobald sie irgend können, und ich gebe ihnen noch oben-\ndrein Briefe mit, damit sie aus dem Elend kommen!\n„Pott habe ich zu seinem Unternehmen keinen musi-\ncalischen Beitrag geliefert. Wenn Du sähest, wie hässlich\nsie's in Deutschland jetzt mit den Monumenten treiben, Du\nhättest es auch nicht gethan. Sie speculiren auf die grossen\nMänner, um sich von ihrem Namen*einen Namen zu ma-\nchen, posaunen in den Zeitungen und machen mit den\nwirklichen Posaunen schlechte Musik. „ „Unerquicklich wie\nder Nebelwind.\"\" Wenn sie in Halle für Händel, in Salz-\nburg für Mozart, in Bonn für Beethoven u. s. w. ordent-\nliche Orchester bilden wollen, die die Werke gut spielen\nund verstehen können, da bin ich dabei aber nicht bei\nihren Steinen, wo die Orchester noch ärgere Steine sind,\nund nicht bei ihren Conservatorien, wo nichts zu conser-\nviren ist. Mein Steckenpferd ist jetzt unser armes Orchester\nund seine Verbesserung. Ich habe ihnen mit unsäglicher\nLauferei, Schreiberei und Quälerei eine Zulage von 500\nThalern ausgewirkt, und ehe ich von hier weggehe, müs-\nsen sie mehr als das Doppelte haben. Wenn das die Stadt\nthut, so kann sie auch Sebastian Bach ein Monument vor\ndie Thomasschule setzen. Aber erst die Zulage.\"\nLiszt und Thal berg. „Liszt war vierzehn Tage hier.\nIch halte ihn für einen guten, herzlichen Menschen im\nGrunde und für einen vortrefflichen Künstler. Dass er von\nAllen am meisten spielt, ist gar kein Zweifel; doch ist Thal-\nberg mit seiner Gelassenheit und Beschränkung vollkom-\nmener, als eigentlicher Virtuose genommen, und das ist\ndoch der Maassstab, den man auch bei Liszt anlegen muss,\nda seine Compositionen unter seinem Spiele stehen und\neben auch nur auf Virtuosität berechnet sind. Eine Phan-\ntasie z. B. von Thalberg (namentlich die auf die Donna\ndel Lago) ist eine Anhäufung der ausgesuchtesten, feinsten\nEffecte, und eine Steigerung von Schwierigkeiten und Zier\nlichkeiten, dass man staunen muss. Alles so speculirt und\nraffinirt, und mit solcher Sicherheit und Kenntniss und\nvoll des allerfeinsten Geschmacks. Dabei hat der Mensch\neine unglaubliche Kraft in der Faust und wieder so aus-\ngespielte leichte Finger, wie nur Einer. Hingegen besitzt\nLiszt eine gewisse Gelenkigkeit und Verschiedenheit der\nFinger und ein durch und durch musicalisches Gefühl, das\nwohl nirgend seines Gleichen finden möchte. Mit Finem\nWorte, ich habe keinen Musiker gesehen, dem so, wie\ndem Liszt, die musicalische Empfindung bis in die Finger-\nspitzen liefe und da unmittelbar ausströmte, und bei dieser\nUnmittelbarkeit und der enormen Technik und Uebun\"\nr>\nwürde er alle Anderen weit hinter sich zurücklassen, wenn\neigene Gedanken nicht bei alledem die Hauptsache wären\nund diese ihm von der Natur wenigstens bis jetzt wie\nversagt schienen, so dass in dieser Beziehung die meisten\nanderen grossen Virtuosen ihm gleich oder gar über ihn\nzu stelleii sind. Dass er übrigens mit Thalberg allein die\nerste Classe unter den jetzigen Ciavierspielern bildet, ist\nmir ganz unbezweifelt.\"\nJ. S. Bacb's chromatische Phantasie. „Die Ar-\npeggien in der chromatischen Phantasie sind ja eben der\nHaupleffect. Ich erlaube mir nämlich die Freiheit, sie mit\nallen möglichen Crescendo's und Piano's und //\"'s zu ma-\nchen, Pedal versteht sich, und dazu die Bassnoten zu ver-\ndoppeln. Ferner die kleinen durchgehenden Noten (die\nViertel in den Mittelstimmen u. s. w.) zu Anfang des Ar-\npeggiors zu markiren, eben so die Melodie-Note, wie es\ngerade kommt, und dann thun die einzigen Harmoniefolgen\nauf den dicken neueren Flügeln prächtig wohl.\nZ. B. den Anfang bloss so:\n(NB. jeden Accord zwei Mal gebrochen, nachher auch nur\nein Mal, wie's kommt.)\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2168, "texte": "Die Leute schwören, das sei gerade so schön wie Thal-\nberg, oder noch besser.—Zeig' aber dies Recept Nieman-\nden; es ist ein Geheimniss, wie alle Hausmittelchen.\"\nDie Antigone. „An F. David. Berlin, den 21. Octo-\nber 1841. Hab' Dank, dass Du die Antigone gleich durch-\ngelesen hast; dass sie Dir ungeheuer gefallen würde, wenn\nDu sie läsest, das wusste ich wohl vorher, und eben dieser\nEindruck, den das Durchlesen auf mich machte, ist eigent-\nlich Schuld, dass die ganze Sache zu Stande kommt. Denn\nAlles sprach hin und her darüber, und Keiner wollte an-\nfangen ; sie wollten es aufs nächste Spätjahr verschieben\nund dergl., und wie mich das Herrliche des Stückes so\npackte, da kriegte ich den alten Tieck an und sagte: jetzt\noder niemals. Und der war liebenswürdig und sagte: jetzt!\nund so componirte ich aus Herzenslust darauf los, und jetzt\nhaben wir täglich zwei Proben davon, und die Chöre knal-\nlen, dass es eine wahre Wonne ist. Ganz Berlin glaubt\nnatürlich, wir seien sehr pfiffig, und ich componirte die\nChöre, um Hofgünstling zu sein, oder Hofmusicus, oder\nHofnarr, und ich gedachte anfänglich gerade im Gegen-\ntheil, mich auf die Sache gar nicht einzulassen; aber das\nStück mit seiner ausserordentlichen Schönheit und Herr-\nlichkeit trieb mir alles Andere aus dem Kopfe und liess\nmir nur den Wunsch, es baldmöglichst einmal dargestellt\nzu sehen. Die Aufgabe an sich war herrlich, und ich\nhabe mit herzlicher Freude gearbeitet. Mir war's merk-\nwürdig, wie es so viel Unveränderliches in der Kunst gibt;\ndie Stimmungen aller dieser Chöre sind noch heute so\necht musicalisch und wieder so verschieden unter sich,\ndass sich's kein Mensch schöner wünschen könnte zur\nComposition. Wenn es hier nur nicht gar zu schwer wäre,\nüber ein Werk auch nur einiger Maassen zur Besinnung\nzu kommen. Man findet meist nur unverschämte Schmeich-\nler oder eben so unverschämte Kritiker, und mit beiden\nist es nicht gethan, denn beide verleiden einem Alles von\nvorn herein. Bis jetzt habe ich nur mit Bewunderung zu\nthun gehabt; nach der Aufführung werden aber wohl die\nGelehrten kommen und mir offenbaren, wie ich hätte com-\nponiren müssen, wenn ich ein Berliner gewesen wäre!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "293", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest zu München.", "titre_sommaire": "Das Musikfest zu München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.4", "debut_caractere": 2170, "fin_caractere_exclue": 4181, "texte": "Das Musikfest zu München.\nDie Mitglieder der musicalischen Akademie zu\nMünchen veranstalten dort das zweite grosse Musik-\nfest unter Leitung des königlich baierischen General-\nMusik-Directors Herrn Franz Lachner am 27., 28. und\n29. September.\nDie vorläufige Ankündigung in Nr. 29 sind wir in\nStand gesetzt, nunmehr vollständig zu ergänzen.\nDas Programm für den ersten (Eroica lsrael in\nAegypten) und zweiten Tag (Suite in von F. Lach-\nner u. s. w.—zum Schluss Händel's Ode auf den Cäcilien-\ntag) bleibt so, wie wir es bereits in der gedachten Nummer\nmitgetheilt haben.\nZu dem Sängerchor und Orchester geben ausser\nMünchen (Hofcapellen-Chor, Oratorien-Verein, Sänger-\nGenossenschaft, Hoftheater-Chor u. s. w.) die Städte Aachen,\nAichach, Amberg, Augsburg, Bamberg, Eichstädt, Frank-\nfurt am Main, Innsbruck, Landshut, Löwenberg, Mainburg,\nMannheim, Neuburg, Nürnberg, Oldenburg, Passau, Prag,\nRegensburg, Rosenhain, Salzburg, Stuttgart, Weilheim,\n•Würzburg, Zürich u. s. w. ihre Contingente von Künst-\nlern und Dilettanten.\nDie glänzende Reihe von Solisten wird folgender\nMaassen verwandt: In Israel in Aegypten Frau Diez\nSopran, Fräulein v. Edelsberg Alt, die Herren Hein-\nrich, Kindermann und Bausewein für Tenor und\nBass. Am zweiten Tage in der Scene aus Haydn's\n„Tobias\" Fräulein v. Edelsberg; in Mozart's „Idomeneo\"\nFrau Diez, Fräulein Deinet, Fräulein v. Edelsberg, Herr\nHeinrich; in der Cäcilien-Ode Fräulein Stehle (Sopran)\nund Herr Grill (Tenor).\nAm dritten Tage wird man hören: Frau Louise\nDust mann aus Wien (Arie aus Jessonda von Spohr; Ter-\nzett aus Macbeth von Chelard mit Frau Diez und Fräulein\nv. Edelsberg; „Mignon\" von Schumann, „Frühlingslied\"\nvon Mendelssohn, „Haidenröslein\" von F. Schubert)\nHerrn Kindermann (Arie aus Figaro) Ständchen für\nfünf Frauenstimmen von F. Schubert—; ferner Frau\nClara Schumann (Clavier-Concert von Robert Schu-\nmann), Herrn Jos. Joachim (Violin-Concertvon Beet-\nhoven) und die grosse Sonate in A-moll von Beethoven,\nvorgetragen von Beiden. Anfangs-Ouverture: Men-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 886, "texte": "delssohn's Sommernachtstraum; Schluss: Weber's\nFreischütz-Ouverture.\nDieses grossartige Programm wird am ersten und zwei-\nten Tage im Glaspal aste Vormittags 11 Uhr, am drit-\nten Tage im königlichen Odeon Abends 6% Uhr ausge-\nführt werden. Händel's Israel in Aegypten wird nach der\noriginal-Partitur und mit Orgel (aus der Werkstatt\nvon Jos. Frosch in München, gespielt von Herrn Jos.\nRheinberger, Professor am Conservatorium der Musik\nzu München) aufgeführt. Eben so die Ode auf den Cäci-\nlientag. —Chor circa 1200 Sänger; Orchester 100 Vio-\nlinen, 40 Violen, 30 Violoncelle, 30 Contrabässe und\nvierfache Besetzung der Blas-Instrumente.\nDie Eintrittspreise betragen im Glaspalaste für je-\ndes Concert 2 Fl., 1 Fl. 30 Kr., 1 Fl. und (2. Galerie)\n30 Kr.; im Odeon 2 Fl., 1 Fl. 12 Kr. und 48 Kr.—\nmithin auf den numerirten Plätzen ersten Ranges noch\nkeine 4 Thaler für alle drei Concerte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "293", "page_fin": "295", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.2.4", "titre_corps": "Concert, Sängerfest und Gesang-Wettstreit in Aachen.", "titre_sommaire": "Concert, Sängerfest und Gesang-Wettstreit in Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.5", "debut_caractere": 888, "fin_caractere_exclue": 5019, "texte": "Concert, Sängerfest und Gesang-Wettstreit in\nAachen.\nDie Musikzustände in Aachen haben sich in den letz-\nten Jahren ganz ausserordentlich gehoben. Die feste Be-\nsoldung eines städtischen Orchesters, die Anstellung des\nHerrn Fritz Wenigmann als Concertmeister an demselben,\ndie Ernennung des Herrn Franz Wüllner zum städtischen\nMusik-Director und Dirigenten der Abonnements-Concerte\nund des Gesangvereins, die Männer-Gesangvereine Concor-\ndia und Liedertafel, das Theater u. s. w. haben zu diesem\nerfreulichen Aufschwünge beigetragen, durch welchen\nAachen in die Reihe der bedeutenden Musikstädte Deutsch-\nlands getreten ist. Ehre gebührt desshalb den städtischen\nBehörden, namentlich dem Comite für Musik und Theater\nund dessen Vorsitzendem, Herrn von Pranghe, beigeord-\nnetem Bürgermeister der Stadt; die Förderung der In-\nteressen der Tonkunst konnte in keine besseren Hände\ngelegt werden.\nWie überall, so wurden auch in Aachen, wiewohl es\nnicht an schönen Localen fehlte, die Räume für grosse\nConcert-Aufführungen bei der steigenden Kunstliebe und\nTheilnahme des Publicums zu klein, und die Stadt be-\nschloss, einen neuen Saal zu bauen. Dieser ist nun als Be-\nstandteil des Curhauses in diesem Sommer unter Leitung\ndes Architekten Herrn Wickopf vollendet worden und bil-\ndet sowohl an und für sich, als in Verbindung mit den\nübrigen Sälen und mit den Gartenanlagen eine prächtige,\nauch für Musikfeste trefflich geeignete Räumlichkeit, wel-\nche am 22. August durch eine recht gelungene Auffüh-\nrung der „Schöpfung\" von Haydn eingeweiht wurde.\nDie akustischen Verhältnisse bewährten sich als sehr be-\nfriedigend.\nWiewohl es in dieser Jahreszeit Schwierigkeit hat,\neinen Dilettanten-Chor zu eifrigen Proben zusammen zu\nbringen, so war derselbe dennoch, wenn auch nicht so\nzahlreich, wie sonst, doch voll und frisch genug, um die\nMacht der prachtvollen Gesammtgesänge zur Geltung zu\nbringen, und Wüllner sorgte durch angemessene Auffas-\nsung und Temponahme dafür, dass sie in ihrer vollen\nWürde zu Gehör kamen. Die Soli wurden von Frau Mar-\nlow aus Stuttgart und den Herren Dr. Gunz aus Hanno-\nver und Karl Hill aus Frankfurt am Main gesungen; sie\nbildeten ein glänzendes Terzett im Zusammengesange, in\nwelchem die besonders in der Höhe klangvolle Sopran-\nstimme der Frau Marlow vortrefflich durchdrang, während\nwir im Vortrage der Recitative und Arien den beiden Sän-\ngern den Vorzug geben mussten. Die Herren Gunz und\nHill steigen mit vollem Rechte immer höher in der Gunst\ndes Publicums, weil ihr Streben und ihr Fleiss bei sehr\nglücklichen Natur-Anlagen sie wir möchten sagen: von\nTag zu Tag auf eine höhere Kunststufe führt. Sie haben\nsich nicht, wie das leider jetzt so oft bei grossen Talenten\nder Fall ist, mit dem schönen Klange der Stimme begnügt,\nsondern sie haben dieses freilich vor Allem nothwendige\nMaterial des Sängers durch ernste Studien zu edlem Aus-\ndruck und zu technischer Handhabung fügsam, und somit\nder deutschen Gesangkunst, deren Existenz zu läugnen\njetzt Mode wird, Ehre gemacht. Frau Marlow ist ebenfalls\nim Besitze eines schönen Materials, obwohl das mittlere\nStimmregister in einigen Tönen an reiner Tonfülle gegen\ndas höhere etwas abfällt, und auch ihre Schule verdient\nin der Coloratur alle Anerkennung; aber merkwürdiger\nWeise kommen neben wirklich reizender und kunstvoller\nAusführung technischer Schwierigkeiten (z. B. in der gros-\nsen F-dur-Arie) zuweilen schwächere Stellen vor, die einen\nunerwarteten Gegensatz zu der Vollendung, mit welcher\nandere gesungen werden, bilden. Die Vortragsweise der\nB-dur-kne war nicht die richtige, dagegen erhielt die be-\nsonders für die Bühne gewiss sehr schätzenswerthe Künst-\nlerin durch die glänzende Coloratur wie durch die lieb-\nlichen Triller in anderen Nummern rauschenden Beifall.\nDer „Schöpfung\" ging eine schwungvolle Ausführung\nder Ouvertüre Beethoven's „Zur Weihe des Hauses\"\nvoraus.\nAm 6. und 7. September fand durch den Verein\nConcordia unter Leitung des Herrn C. F. Ackens der\nConcurs von Männer-Gesangvereinen und das erste Sän-\ngerfest des rheinischen Sängerbundes Statt. Ueber die Ver-\nanlassungen dazu spricht sich das Vorwort des Textbuches"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5362, "texte": "unter Anderem folgender Weise aus: „Die Concordia und\nmehrere andere Gesangvereine Aachens wohnten seit dem\nJahre 1841, wo sie zuerst nach Brüssel gingen, einer\nReihe von Concursen und Sängerfesten, sowohl in Belgien\nals dem nördlichen Frankreich, sowohl in dem benachbar-\nten Mastricht, der Hauptstadt des holländischen Limburg,\nals in den deutschen Rheinstädten bei, errangen bei den\nConcursen hohe und oft sogar die höchsten Preise; jedoch\nbot Aachen bisher nie den fremden Sängern ein ähnliches\nFest von Belang als Erwiderung der vielen Freundlichkei-\nten, welche seinen Vereinen auf ihren Festreisen in so\nhohem Maasse zu Theil geworden waren. Diese Erwägun-\ngen beschäftigten die Concordia besonders seit dem grossen\nConcurse am 28. October 1860 in Lüttich, wo sie den\nPrix d'excellence davongetragen hatte. Die vielen Ehren,\nwelche der Concordia bei dieser Gelegenheit erwiesen wur-\nden, legten es ihr nahe, die Gastfreundschaft, die sie' so\noft genossen, zu erwidern und in Aachen auch einmal\neinen Gesang-Concurs nach der in Belgien üblichen Weise\nzu organisiren. Die Sache hatte jedoch ihre schweren Be-\ndenklichkeiten, da ein Concurs auf dem üblich gewordenen\nFusse vieler Geldmittel bedarf. Dessenungeachtet beschloss\ndie Concordia, einen grossen internationalen Gesang-Con-\ncurs zu veranstalten, indem sie darauf vertraute, dass, wo\nihre Mittel nicht ausreichten, Andere helfen würden. Und\nsie hat sich in dieser Erwartung nicht getäuscht, indem\nsowohl Se. Majestät der König von Preussen, als die Ver-\nwaltung der Stadt Aachen und der Verein- zur Belebung\nder Bade-Saison den Concurs mit Preisen bedachten, die\nStadt ausserdem eine bedeutende Geldsumme zur Verfü-\ngung stellte und die Bürgerschaft sich ebenfalls in reichem\nMaasse an den Kosten betheiligte.\n„Mittlerweile hatte sich aus Veranlassung des im Jahre\n1861 zu Nürnberg Statt gefundenen allgemeinen deut-\nschen Sängeriestes, aul welchem die Bildung eines grossen\nBundes aller deutschen Sänger mit künstlerischer und pa-\ntriotischer Tendenz beschlossen wurde, und auf Anregung\ndes bonner Männer-Gesangvereins der „Rheinische Sänger-\nbund\" gebildet, welcher als Provincial-Bund ein Glied je-\nnes allgemeinen deutschen Bundes sein sollte (am 6. Juli\n1862), und es schlössen sich demselben nach und nach\n43 rheinische Gesangvereine an. Die Concordia erbot sich,\ndas erste Sängerfest des Bundes im Jahre 1863 in Ver-\nbindung mit dem bereits beabsichtigten internationalen\nGesang-Concurs zu veranstalten.\"\nBei diesem Feste waren nun 61 Vereine als ausfüh-\nrende, beziehungsweise concurrirende, vertreten, nämlich\n37 deutsche (wovon 23 dem oben genannten „Rheinischen\nSängerbunde\" angehörten), 17 belgische und 7 holländi-\nsche. Unter den deutschen waren 26 aus Gemeinden unter\n5000 und unter 15,000 Einwohner, und 11 aus Städten\nüber 15,000 Einwohner, bei den letzten aber keiner\nder älteren renommirten Vereine der Städte Köln, Düssel-\ndorf, Bonn, Elberfeld, Crefeld, Barmen*). Man kann hier-\naus auf den Charakter des Wettstreites in Bezug auf die\nkünstlerische Qualität der concurrirenden Vereine schlies-\nsen. Bei den fremden Gesellschaften war das Verhältniss\nder Qualität besser: ihrer waren 15 Vereine aus Gemein-\nden unter 5000 und 15,000 Einw. und 9 aus Städten\nüber 15,000 Einw., bei letzteren die älteren und wohl-\ngeübten grösseren Vereine aus Brüssel, Namur, Hui,\nLüttich und Mastricht.\nVon einem internationalen Wettstreite war, da\ndie deutschen und ausländischen Vereine von sechs Kate-\ngorieen nur unter sich und nicht gegen einander concur-\nrirten, allein zwischen den vier Vereinen der siebenten\nKategorie um den Ehrenpreis oder Prix d'excellence die\nRede; da aber hier die Deutschen nur durch einen sehr\njungen Verein, die „Polyhymnia\" aus Köln, vertreten wa-\nren, so konnte das Resultat nicht zweifelhaft sein. In der\ndritten Kategorie trugen unter den deutschen Vereinen der\n„Liederkranz\" von Gladbach (Dirigent Herr H. Jordans)\nden ersten Preis (eine goldene Medaille, Geschenk Sr. Ma-\njestät des Königs, und eine Prämie von 100 Thlrn.), der\nVerein „Apollo\" von Köln (Dirigent Herr Eisenhuth) den\nzweiten (eine silbervergoldete Medaille und eine Prämie\nvon 60 Thlrn.) und der „Männer-Gesangverein\" von Bonn\n(Dirigent Herr Walbrül) den dritten (eine silbervergoldete\nMedaille) davon. Der gladbacher Verein sang auch in dem\nEest-Concerte am 7. d. Mts. recht hübsch und mit gros-\nsem Beifalle.\nDer künstlerisch bedeutsamste Concurs fand in der\nsiebenten Kategorie Statt. Unter den vier Vereinen waren\ndie beiden belgischen, die „Legia\" aus Lüttich (Dirigent\nHerr Th. Vercken) und die „Societe d'Amateurs\" (Diri-\ngent Herr G. Camauer) aus Hui, dem holländischen aus\nMastricht und der „Polyhymnia\" aus Köln bei Weitem\nüberlegen. Der Preis musste durch die Ausführung eines\nsehr schwierigen, eigens zu diesem Zwecke componirten\ngrossen Gesangstückes: „Der Morgen\", Gedicht von J.\nOtto jun.(ins Französische übersetzt von A. Leroy), com-\nponirt von Ferdinand Hiller, errungen werden; nach\ndem einstimmigen Urtheile aller Preisrichter und gründli-\ncher Kenner unter ihnen namentlich Hiller selbst, dann\nWüllner aus Aachen, F. Kufferath aus Brüssel, Brambach\naus Bonn, WolfF aus Crefeld, Krause aus Barmen u. s. w.\nwurde die schwierige Aufgabe von beiden belgischen\nVereinen, hauptsächlich aber von der lütticher mit\n\n*k) Vgl.: „Der rheinische Sängervereinu in der nächsten Nummer."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1834, "texte": "einer selten gehörten Virtuosität und Vollendung des Vor-\ntrages gelöst. Die Legia erhielt demnach den ersten\nEhrenpreis, eine Porzellanvase, Ehrengeschenk Sr. Ma-\njestät des Königs von Preussen, nebst der Prämie von 250\nThlrn., und die Gesellschaft von Hui den zweiten, einen\nsilbervergoldeten, emaillirten Lorberkranz, Geschenk des\naachener „Vereins zur Belebung der Bade-Saison\".\nDer Abend des Montags war dem Fest-Concerte\ngewidmet. Hierbei zeigte sich wiederum, wie schon oft,\ndie schlimme Seite der Gesang-Wettstreite: das Resultat\nderselben hatte die Reihen der Sänger für die Gesammt-\nleistungen arg gelichtet, namentlich waren von den belgi-\nschen Gesellschaften fast keine mehr zugegen, und die\nzahlreiche Zuhörerschaft wurde in ihrer Erwartung, Hil-\nler's Composition durch die Lütticher zu hören, getäuscht.\nInd ess bildeten die Sänger, besonders durch den Stamm\naus Aachen, immer noch einen imposanten Chor, der,\nwenn auch von künstlerisch vollkommener Ausführung\nnicht die Rede sein konnte, im Verein mit dem trefflichen\nOrchester seinen grossen Eindruck nicht verfehlte, zumal\ndurch Mendelssohn's in jeder Hinsicht classischen Dop-\npelchor aus Oedipus, F. Möbring's „Deutschen Schwur\nund Gebet\" (dessen erste Hälfte weit mehr Schwung hat,\nals die zweite, wiewohl auch in jener der zu oft wieder-\nholte Schwur die Wirkung schwächt), Max Bruch's\ngrossartigen „ Römischen Triumphgesang\", der einen Sturm\nder Begeisterung erregte, und F. Lachner's „Sturmes-\nmythe\". Die Herren Möhring und Bruch dirigirten ihre\nWerke selbst, die anderen Productionen leitete Herr\nAckens, der auch zur Eröffnung des Concertes einen\nrecht hübschen „Sängergruss\" von seiner Composition\nbrachte, mit Sicherheit und Energie. Die Ouvertüren von\nHugo Ulrich und Beethoven (Egmont) führte das Or-\nchester unter Herrn Wüllner's Leitung sehr gut aus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-12_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "296", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.2.5", "titre_corps": "Ein Sängerfest in Siegen.", "titre_sommaire": "Ein Sängerfest in Siegen.", "signature_source": "L. 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Auch dort, in der alten nassauischen Bergstadt, in\ndem lieblichen Lande der Wiesen und des Eisens, welches\neine der interessantesten Eisenbahnen jetzt mit dem Rheine\nund mit den Thälern der Lenne und der Ruhr in regern\nVerkehr gebracht hat, ist ein neues Local für Concert und\nTheater gebaut worden, das freilich besonders in akusti-\nscher Hinsicht dem Zwecke besser entsprechen könnte, und\ndie zwei Concerte zeichneten sich vor den früheren dorti-\ngen und anderen ähnlichen bei Sängerfesten dadurch vor-\nteilhaft aus, dass auch der Instrumental-Musik eine bedeu-\ntende Stelle dabei eingeräumt war. Dies ist ohne Zweifel\nfür die Bildung des Geschmacks an Orten, die kein stehen-\ndes Orchester haben, sehr wesentlich, und da die Eisenbahn\nes ermöglichte, aus Köln und Bonn durch die Mitglieder\nder Capellen des Herrn Peters und des Herrn Bach ein voll-\nständiges Orchester zusammen zu stellen, so hörte man hier\nBeethove n's C-moß-Sinfonie, den nürnberger Festmarsch\nvon V. Lachner, die Ouvertüren von Auber zur Stum-\nmen, von Nikolai zu den lustigen Weibern, von Weber\nzu Oberon und von Beethoven zu Egmont, und den Prie-\nstermarsch aus Mendelssoh n's Athalia. Die Ausführun-\ngen waren verhältnissmässig recht gut, und Herr iMusik-\nDirector W. Paetsch Gewährte sich durch deren Leitung\nals einen sehr tüchtigen Musiker, indem seine Autfassung\ndieser Werke, die vollkommen richtige Temponahme jedes\nSatzes und die äussere sichere und energische Direction\nnichts zu wünschen übrig liessen. Wir erfuhren später, dass\nunsere Vermuthung, Herr Paetsch müsse seine Dirigenten-\nschule am Theater durchgemacht haben, richtig war; denn\nnachdem er seine musicalischen Studien in Dessau unter\nF. Schneider gemacht und sie in Wien während zweier\nJahre bei Nicolai fortgesetzt, war er vielfach als Musik-Di-\nrector bei Opern-Unternehmungen in Süddeutschland, der\nSchweiz und in Frankreich (Strassburg und Marseille) be-\ntheiligt, bis ihn zufällige Umstände nach Arnsberg, wo er\nseit 1847 zehn Jahre lang wirkte, und von da nach Siegen\nbrachten. Hier, wo ihn angenehme Familien-Verhältnisse\nfesseln, strebt er nun seitdem, die musicalischen Zustände\nzu heben, wobei er von vielen Seiten lobenswerthe Unter-\nstützung findet, wie es denn z. B. sehr erfreulich war, dass\nder dortige Landrath, Herr v. Dörnberg, Mitglied des Co-\nmile's für das Fest, dasselbe durch eine Anrede an die Ver-\nsammlung und einen Willkommgruss an die Mitwirkenden\neröffnete. Auch war es Herr Paetsch, der das westfälische\nMusikfest, worüber in früheren Jahrgängen dieser Blätter\nöfter berichtet worden, zuerst im Jahre 1851 zu Soest ins\nLeben rief und dasselbe später in Hamm und Dortmund\nmit Herrn Breidenstein gemeinschaftlich dirigirte. Die Wahl\nder Gesangstücke in den Concerten am 30. und 31. vor.\nMonats war im Ganzen eine gute; die Ausführung der Ge-\nsänge durch etwa 200 Sänger war in den Nummern mit\nOrchester („Willkommen\" von Neeb, „Die Ehre Gottes\"\nvon Beethoven, „Unser Hort\" von J. Grobe, „Schottischer\nBardenchor\" von Silcher) meist befriedigend und verdiente\nermunternden Beifall. Es ist aber keine Frage, dass mehr\ngeleistet werden könnte, wenn Eintracht und Liebe zur\nSache die zersplitterten Kräfte—z. B. in Siegen selbst sind"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1379, "texte": "sieben oder acht Vereine! —zu einem Ganzen verbände,\ndessen Mitglieder sich mit rechtem Ernste den Uebungen\nwidmeten. Jede Kunst will unter einem Meister gelernt\nwerden, sonst bleibt sie Pfuscherei; nun ist aber der Mei-\nster da, und zwar einer, der auch einen grösseren Wir-\nkungskreis in seinem Fache tüchtig ausfüllen könnte\nwarum sich nicht um ihn scharen und einige Stunden wö-\nchentlich sich der Disciplin freiwillig unterwerfen, um da-\ndurch nachher desto reinere und grössere Freude am Ge-\nsänge zu haben? Es wäre wünschenswerth, wenn von dem\ndiesjährigen Feste aus ein solcher Fortschritt sich datirte!\nAusser den Chor- und Orchestersachen hörten wir\nden vortrefflichen Vortrag eines Solostückes von Fran-\nchomme für Violoncell durch einen künstlerisch gebildeten\nDilettanten, Herrn H. aus Arnsberg, eine Phantasie für\nVioline von Bazzini, durch Herrn Krill aus Köln recht\ngut gespielt, und Arien für Tenor von Mehul, Mendels-\nsohn, Max Bruch und Vincenz Lachner durch Herrn\nLück, einen talentvollen jungen Mann, der seine Stu-\ndien zu Mannheim unter Herrn Rocke macht, um sich\nder Bühne zu widmen. Wir haben ihn auch später im\nPrivatzirkel gehört; er besitzt eine schöne, frische und egale\nTenorstimme, welche auch die höheren Töne mit Leich-\ntigkeitausgibt, und wird bei seinem unverkennbaren Fleisse\nnach erlangter Bühnenübung mit Erfolg seine Laufbahn\nmachen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-12-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-12_01#c008", "volume": "bmtnabi_1863-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "296", "page_fin": "296", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.8", "debut_caractere": 1381, "fin_caractere_exclue": 6516, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Der neue Director des Stadttheaters, Herr Moriz Ernst,\nwird am 16. September die Bühne und nach einer Reihe von Vor-\nstellungen am 23. d. Mts. das Abonnement zu 128 Vorstellungen in\nacht Serien eröffnen. Er hat eine zahlreiche Gesellschaft engagirt,\ndarunter für die Oper die Sängerinnen Fräulein Agnes Büry, Frau\nZademak-Doria, Frau Graes er und noch fünf andere, die Sän-\nger Herren Grimminger und W o 1 ters (Tenöre), Lang (Bariton),\nLind eck (Bass) und noch fünf andere, dazu die Herren J. Fischer\nals ersten und Drobisch als zweiten Capellmeister. Im Personal\ndes recitirenden Schauspiels finden wir die Namen der Damen Ernst,\nWilhelmine Seebach u.s.w., der Herren von Ernest, Holz-\nstam, Pittmann, Wisotzky u. s. w. In der Oper werden als\nNeuigkeiten für hier verheissen: F. Hill er's Katakomben, Lalla\nRookh von Fei. David, Rigoletto und der Maskenball von Verdi,\nRienzi von R. Wagner und dem Vernehmen nach die Lorelei von\nM. Bruch. „Vorläufig abgeschlossene Gastspiele\" sind zu erwarten\nvon Desiree Artöt und Manuel Carrion für die Oper, Emil\nDevrient und Dawison für das Schauspiel, Fräulein Friedberg\nfür das Ballet. Der Chor besteht aus 25 Herren und 24 Damen.\nVom Orchester sagt uns das Ankündigungs-Circular nichts; wir\nwollen hoffen, dass die neue Unternehmung ein vollständiges, in\nwelchem die besten Künstler unseres Concert-Orchesters nicht feh-\nlen, engagiren werde.\nAuf dein Victoria-Theater des Herrn L'Arronge gastirt ge-\ngenwärtig Herr Marchesi, grossfterzoglich weimar'scher Kammer-\nsänger, welcher in der letzten Saison in London bei der italiäni-\nsehen Oper des Herrn Mapleson in Her Theatre mit gros-\nsem Beifall gesungen und durch ein „historisches Concert\", in\nwelchem er die Fortbildung der Arie von 1590 (Giulio Caccini) bis\nauf 1730 (Händel) durch neun Vorträge anschaulich machte, die\nTheilnahme der musicalischen Kreise in hohem Grade erregt hat.\nAehnliche Concerte hatte er im Februar vor der Societe des Compo-\nsiteurs in Paris und im Mai in Weimar gegeben.\nWLassel» „£a BMeu, Oper in drei Acten von Gustav\nSchmidt, wurde auf dem kurfürstlichen Hoftheater zum ersten\nMale zur Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Kur-\nfürsten aufgeführt. Die hier in ßede stehende neue Oper ist das\nWerk eines Componisten, der sich auf dem schwierigen Felde der\nOpernschöpfung bereits einmal versucht hat, und zwar in der nur\nwenig bekannt gewordenen Oper „Weibertreue\". Zugegeben, dass\nunsere an grossen Opernwerken arme Zeit ausser Hiller's „Kata-\nkomben\" und Max Bruch's „Lorelei\" — welche Opern keine grös-\nsere Bühne aufzuführen versäumen sollte! — wenig aufzuweisen\nhat, was den Stempel der Hoheit an sich trüge und, in der Menge\nzündend, sich eine bleibende Stätte zu erringen im Stande wäre, so\nkann man doch zufrieden sein, gerade von dem Werke eines deut-\nschen Componisten sagen zu müssen, dass es manche Schönheiten\naufzuweisen hat und, trotzdem dieselben von vielen allzu flüchtig\nhingeworfenen Gedanken begleitet sind, immerhin doch gegen das\nfrühere Werk des Componisten einen anerkennenswerthen Fortschritt\nzeigt. Es wäre ungerecht und verfrüht, wollten wir schon jetzt nach\neinmaligem Anhören ein Urtheil fällen; vielmehr ersparen wir ein\nsolches bis nach Wiederholung der Oper und wollen nur vorerst be-\nmerken, dass es dem ersten Acte vielleicht sehr zu Statten käme,\nwenn noch eine tüchtige Kürzung vorgenommen würde. Wras die\nerste Aufführung als solche anbetrifft, so blieb dabei wenig zu wün-\nschen übrig, indem das Ensemble in der That ein recht lobenswer-\ntes war und einzelne Schwierigkeiten sehr gut überwunden wurden.\nBaden-Baden, 25. August. Die erste Aufführung der Oper\n„Nahel\" von Henri Litolff fand gestern mit Erfolg Statt. Die\nHandlung spielt in Deutschland zur Zeit des dreissigjährigen Krie-\nges» Zwei Frauen, Cäcilia, eine böhmische Sängerin, und Wilhelmine\nvon Offenburg, spielen die Hauptrollen. Der Herzog von Sachsen-\nWeimar, welcher Cäcilien liebt und von Wilhelminen geliebt wird,\nMax Körner, ein Dragoner-Cornet, Rival des Herzogs bei der Sän-\ngerin, ein Diener Pargolem und Nahel, der die Fäden der Intrigue\nin Händen hat und die Verwicklung und Entwicklung leitet, bilden\ndas männliche Personal. Das Stück endet mit dem Tode Nahel's,\nder den Gefühlen der Ehrenhaftigkeit huldigen lernt, als er erfährt,\ndass Cäcilia eine Tochter des Königs Gustav Adolph ist, und Wil-\nhelmine scheint die Gattin des Herzogs von Weimar zu werden. Die\nganze Aufführung waf des schönen Werkes würdig, Chöre, Costume\nund Decorationen gereichten der Direction zur grössten Ehre, und\nLitolff hat sich mit diesem Werke als gewandten und phantasierei-\nchen Componisten bewährt. Er dirigirte persönlich.\n\\% teil. Dieser Tage ging ein mit Ciavieren aus der Bösendor-\nfer'schen Fabrik vollbeladenes Schleppschiff nach deü Donau-Fürsten-\nthümern ab. Diese Thatsache constatirt abermals die ungemeine Be-\nliebtheit der Instrumente dieser Firma, auf deren Absatz die allge-\nmeine Geschäftsstockung keinen Einfluss zu haben scheint*).\n*) Die Firma Gerh. Adam in Wesel am Rheine liefert seit\nJahren ebenfalls Instrumente nach den Donau-Fürstenthümern."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMendelssohn's Briefe. 111. Das Musikfest zu München. Concert, Sängerfest und Gesang-Wettstreit in Aachen.\nEin Sängerfest in Siegen. Von L. B. Tages- und U n ter haltungs b 1 at t (Köln, Eröffnung des Stadttheaters, Victoria-Theater, Herr\nMarchesi Kassel, „La 860 leu, Oper von G. Schmidt Baden-Baden, Oper von H. LitolfF Wien, Ciavierbau).\n\nMendelssohn’s Briefe.\nIII.\nSo verlockend es ist, aus Briefen noch\nVieles mitzutheilen, so müssen wir uns doch beschränken\nund bringen nur noch eine kleine, rein musicalische Blu-\nmenlese, welche mit dem bereits Gegebenen mehr als hin-\nreichen wird, den Leser anzuregen, die ganze Sammlung\nzu einem der liebsten Bücher in seiner musicalischen Bi-\nbliothek zu machen.\nMusicalische Umwälzung. „ Es ist mir nicht recht,\ndass Du bei Gelegenheit von Lafont vom Umschwünge der\nGeige seit Paganini sprichst, denn solche Umschwünge\nkenne ich nicht in der Kunst, nur allenfalls in den Leuten,\nund ich denke, Dir würde an Lafont dasselbe missfallen\nhaben, wenn Du ihn vor Paganini's Auftreten gehört hät-\ntest, und Du müsstest andererseits seine guten Seiten nicht\nweniger loben, nachdem Du den Anderen gehört hast.\nMan hat mir hier so eben ein paar neue französische mu-\nsicalische Zeitungen gezeigt, wo sie immer von einer Re-\nvolution du goüt und einer musicalischen Umwälzung spre-\nchen, die seit einigen Jahren Statt gefunden habe, und wo-\nbei ich auch eine schöne Rolle spielen soll mir wird sehr\nübel bei so etwas.\"\n„Warum sollen wir nicht einmal wie wirkliche Cor-\nrespondenten über ein Thema ein paar Mal hin und wie-\nder schreiben, wenn wir uns nicht wohl verstanden haben?\nIch meines Theils will einen ordentlichen Correspondenten\nvorstellen und muss durchaus noch einmal vom „ „Um-\nschwung\" \" schreiben. Sieh, ich meine, zwischen Reform,\nReformiren und Revolution u. s. w. sei ein grosser Unter-\nschied. Reformen sind das, was ich in allen Dingen, in\nLeben und in Kunst und in Politik und in Strassenpflaster\nund Gott weiss, wo nicht, wünsche und liebe; denn eine\nReform ist lediglich gegen Missbräuche negativ, und\nschafft nur das weg, was im Wege steht; ein Umschwung\naber, durch welchen das, was früher gut war (wirklich\ngut war), nun nicht mehr so ist oder sein soll, ist mir das\nAllerunausstehlichste und ist eigentlich nur die Mode. Da-\nher wollte ich nichts davon wissen, dass Fanny sagte, La-\nfont's Spiel könne nicht mehr interessiren seit dem Um-\nschwünge durch Paganini, denn wenn mich sein Spiel ir-\ngend einmal interessiren konnte, so thut es das immer,\nund wenn inzwischen der Engel Gabriel sich auf der Vio-\nline hören liesse. Das ist es aber, was jene Franzosen,\nvon denen ich sprach, durchaus nicht ahnen, dass alles\nAlte, Gute neu bleibt, wenn auch das Hinzukommende\nanders werden muss, als das Alte, weil es eben von neuen\noder anderen Menschen ausgeht. Sie sind inwendig die-\nselben Alltagskinder, wie die anderen, und haben nur\nauswendig gelernt, dass was Neues kommen müsste,\nund nun suchen sie es zu machen, und wenn Einer Mal\nkümmerlich applaudirt oder gestochen wird, so denkt er\ngleich, die Revolution clu goüt sei da. Desshalb geberde\nich mich so schlecht, wenn sie mir, wie Du sagst, die Fhre\nerzeigen, mich unter die Leiter dieser Bewegung zu stellen,\nweil ich wohl weiss, dass das ganze Menschenleben dazu\ngehört, sich selbst ordentlich auszubilden (oft reicht's nicht\nzu), weil kein Franzose und kein Journal weiss und wissen\nsoll, was die Zukunft bringt und gibt, weil man, um\nAnderer Bewegung zu leiten, vor Allem selbst in Bewe-\ngung sein muss, und weil man durch dergleichen Betrach-\ntungen zurück schaut, nicht vorwärts, und nur durch Ar-\nbeiten weiter kommt, nicht durch Gerede, was jene nicht\nglauben.\n„Dass ich aber um Gottes willen nicht Bewegung und\nReform verläugne, und dass ich hoffe, auch selbst einmal\nin der Musik reformirend zu wirken, das siehst Du, weil\nich eben ein Musiker bin; denn weiter heisst das nichts\nfür mich.\"\nGu,sikow. „Der Gusikow ist ein wahres Phänomen\nein Mordkerl, der an Vortrag und Fertigkeit keinem"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.2", "texte": "Virtuosen der Welt nachzustehen braucht, und mich dess-\nhalb auf seinem Holz- und Stroh-Instrumente mehr ergötzt,\nals Viele auf ihren Pianoforte's, eben weil's undankbarer\nist. Ich habe mich seit langer Zeit in einem Concerte nicht\nso gut unterhalten, wie in diesem, weil er eben ein wah-\nres Genie ist\"*).\nPaulus. „Die ganze Zeit, dass ich hier bin, habe ich\nnoch an dem Paulus gearbeitet, weil ich ihn nun einmal\nso vollkommen, als mir möglich ist, herausgeben will; auch\nweiss ich bestimmt, dass der Anfang des ersten und das\nEnde des zweiten Theiles ungefähr drei Mal so gut gewor-\nden sind, also war's meine Pflicht. Denn es gelingt mir\nin manchen, namentlich in Nebensachen bei so einer grös-\nseren Arbeit erst nach und nach, meinem eigentlichen Ge-\ndanken nahe zu kommen und ihn recht klar hinzustellen;\nbei den Hauptsachen und -Stücken kann ich freilich nach-\nher nichts mehr ändern, weil sie mir gleich so einfallen;\naber um das auch von Allem sagen zu können, dazu bin\nich noch nicht weit genug. Nun arbeite ich aber schon\netwas mehr als zwei Jahre an dem einen Oratorium;\ndas ist allerdings sehr lange, und ich freue mich auf den\nMoment, wo ich auch mit den Druck-Correcturen fertig\nsein werde und was Anderes anfangen kann.\"\nComponiren und drucken lassen. „Ich halte das\nPubliciren für etwas Ernsthaftes (es sollte das wenigstens\nsein) und glaube, man soll es nur thun, wenn man als\nAutor sein Leben lang auftreten und dastehen will. Dazu\ngehört aber eine Reihe von Werken, eines nach dem an-\nderen; von einem oder zweien allein ist nur Verdruss von\nder Oeffentlichkeit zu erwarten, oder es wird ein so ge-\nnanntes Manuscript für Freunde, was ich auch nicht liebe.\nUnd zu einer Autorschaft hat Fanny, wie ich sie kenne,\nweder Lust noch Beruf dazu ist sie zu sehr eine Frau,\nwie es recht ist, sorgt für ihr Haus u. s. w. Darin würde\nsie das Druckenlassen nur stören, und ich kann mich eben\neinmal damit nicht befreunden. Darum werde ich ihr nicht\nzureden.\"**)\nClavierspiel. „Das ennuyirt mich aber, dass Fanny\nsagt, die neue Clavierschule wachse ihr über den Kopf.\nDas ist ja gar nicht an dem. Sie spielt wohl alle die klei-\nnen Kerls in den Sack. Die können ein paar Variationen\nund Kunstgriffe gut machen; aber all die Fertigkeit und\nCoquetterie mit Fertigkeit verblendet selbst das Publicum\nnicht mehr leicht. Es muss Geist sein, wenn es sie alle fort-\n%\nziehen soll, und darum höre ich vielleicht D. lieber eine\nStunde lang, als Fanny eine Stunde lang—aber nach acht\nTagen kann ich ihn nicht mehr vor langer Weile anhö-\nren, und dann fange ich erst an, mich in das andere Spiel\nhineinzuhören, und das ist das rechte. Alles das macht\neben nicht mehr, wie Kalkbrenner zu seinerZeit, und\ngeht noch während ihres Lebens vorüber, wenn nicht etwas\nBesseres als Finger dabei ist. Das hat aber Fanny, und\ndarum braucht sie sich vor keinem von allen denen zu\nfürchten.\"\nDie Ouvertüre zu Ruy Blas. „An seine Mutter.\nLeipzig, den 18. März 1839. Du willst wissen, wie es\nmit der Ouvertüre zu Ruy Blas zugegangen ist: lustig\ngenug. Vor 6 8 Wochen kam die Bitte an mich, für\ndie Vorstellung des Theater-Pensionsfonds (einer sehr gu-\nten und wohlthäligen Anstalt hier, die zu ihrem Benefiz\nden Ruy Blas geben wollte) eine Ouvertüre und die in dem\nStücke vorkommende Romanze zu componiren, weil man\nsich eine bessere Einnahme versprach, wenn mein Name\nauf dem Titel stände. Ich las das Stück, das so ganz ab-\nscheulich und unter jeder Würde ist, wie man's gar nicht\nglauben kann, und sagte, zu einer Ouvertüre hätte ich keine\nZeit, und componirte ihnen die Romanze. Montag (heute\nvor acht Tagen) sollte die Vorstellung sein; an dem vor-\nhergehenden Dinstag kamen die Leute nun, bedanken sich\nhöchlich für die Romanze und sagen, es wäre so schlimm,\ndass ich keine Ouvertüre geschrieben hätte; aber sie sähen\nsehr wohl ein, dass man zu solch einem Werke Zeit\nbrauche, und im nächsten Jahre, wenn sie dürften, woll-\nten sie mir's länger vorher sagen. Das wurmte mich ich\nüberlegte mir Abends die Sache, fing meine Partitur an\nMittwoch war den ganzen Morgen Concert-Probe—Don-\n\n*) S. 121 vom 18. Februar 1836. In demselben Jahre kam Gusi-\nkow auch an den Rhein, und ich drückte mich über ihn un-\ngefähr eben so aus, wie wir es jetzt lesen, dass Mendelssohn\ngethan. Aber wie fuhren die Stockmusiker über den genialen\nStrohmusiker und seinen Recensenten her!! L. B.\n**) Hiernach ist das Gerücht zu beurtheilen, welches der älteren\nSchwester Mendelssolin's, Fanny Hensel (denn von ihr ist\nin der obigen Stelle die Rede), einen grossen Antheil an sei-\nnen Werken zuschreibt. Ja, in Brockhaus1 Conversations-Lexi-\nkon (1852, VII., unter „Hensel\") heisst es sogar: „sie ward in\nder musicalischen Bildung der Geschwister oft Führerin und\nSchöpferin, wo man sie später vielleicht als Nachahmerin\nangesehen\" und ferner: „sie fühlte grosse Abneigung, öf-\nfentlich aufzutreten, so dass ihr Bruder oft scherzweise\nihre Compositionen unter seinem Namen erscheinen liess.\"\nJul. Rietz fügt in dem Vorworte zu dem werthvollen An-\nhange der vorliegenden Briefsammlung, dem Verzeichniss\nder Compositionen Mendelssohn's, hinzu: „Unter Ande-\nrem wird sie als Componistin des ganzen ersten Heftes: „„Lie-\nder ohne Worte\"\" (Op. 19), vielfach genannt\" fährt dann\naber fort: „Man ist im Stande, diesen viel zu gross darge-\nstellten Antheil auf das richtige Maass zurück zu führen und\nauf das bestimmteste zu erklären, dass Mendelssohn nur sechs\nvon seiner Schwester Fanny componirte Lieder mit W orten\nin seine ersten vier Lieder hefte aufgenommen hat,\nausser diesen aber nicht das Geringste» Es sind:\nHeimweh, Nr. 2; Italien, Nr. 3; Suleika und Hatem, Nr. 12\nin Op. 8; Sehnsucht, Nr. 7; Verlust, Nr. 10; Die Nonne, Nr.\n12 in Op. 9.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.3", "texte": "nerstag Concert, aber dennoch war Freitag früh die Ou-\nvertüre beim Abschreiber, wurde Montag erst im Concert-\nsaale drei Mal, dann ein Mal im Theater probirt, Abends\nzu dem infamen Stücke gespielt und hat mir einen so gros-\nsen Spass gemacht, wie nicht bald eine von meinen Sachen.\nIm nächsten Concerte wiederholen wir sie auf Begehren;\nda nenne ich sie aber nicht Ouvertüre zu Buy Blas, son-\ndern zum Theater-Pensionsfonds.u\nDenkmäler und Orchester. „An dem verwünsch-\nten Gelde slösst und hakt sich's überall, und wir kommen\nlange nicht so vorwärts, wie wir möchten; auf der einen\nSeite stehen die Philister und denken, Leipzig sei Paris\nund Alles sei vortrefflich, und wenn die Musiker im Or-\nchester nicht hungerten, so wär's nicht Leipzig mehr, und\nauf der anderen stehen die Musiker, oder vielmehr sie gehen,\nsobald sie irgend können, und ich gebe ihnen noch oben-\ndrein Briefe mit, damit sie aus dem Elend kommen!\n„Pott habe ich zu seinem Unternehmen keinen musi-\ncalischen Beitrag geliefert. Wenn Du sähest, wie hässlich\nsie's in Deutschland jetzt mit den Monumenten treiben, Du\nhättest es auch nicht gethan. Sie speculiren auf die grossen\nMänner, um sich von ihrem Namen*einen Namen zu ma-\nchen, posaunen in den Zeitungen und machen mit den\nwirklichen Posaunen schlechte Musik. „ „Unerquicklich wie\nder Nebelwind.\"\" Wenn sie in Halle für Händel, in Salz-\nburg für Mozart, in Bonn für Beethoven u. s. w. ordent-\nliche Orchester bilden wollen, die die Werke gut spielen\nund verstehen können, da bin ich dabei aber nicht bei\nihren Steinen, wo die Orchester noch ärgere Steine sind,\nund nicht bei ihren Conservatorien, wo nichts zu conser-\nviren ist. Mein Steckenpferd ist jetzt unser armes Orchester\nund seine Verbesserung. Ich habe ihnen mit unsäglicher\nLauferei, Schreiberei und Quälerei eine Zulage von 500\nThalern ausgewirkt, und ehe ich von hier weggehe, müs-\nsen sie mehr als das Doppelte haben. Wenn das die Stadt\nthut, so kann sie auch Sebastian Bach ein Monument vor\ndie Thomasschule setzen. Aber erst die Zulage.\"\nLiszt und Thal berg. „Liszt war vierzehn Tage hier.\nIch halte ihn für einen guten, herzlichen Menschen im\nGrunde und für einen vortrefflichen Künstler. Dass er von\nAllen am meisten spielt, ist gar kein Zweifel; doch ist Thal-\nberg mit seiner Gelassenheit und Beschränkung vollkom-\nmener, als eigentlicher Virtuose genommen, und das ist\ndoch der Maassstab, den man auch bei Liszt anlegen muss,\nda seine Compositionen unter seinem Spiele stehen und\neben auch nur auf Virtuosität berechnet sind. Eine Phan-\ntasie z. B. von Thalberg (namentlich die auf die Donna\ndel Lago) ist eine Anhäufung der ausgesuchtesten, feinsten\nEffecte, und eine Steigerung von Schwierigkeiten und Zier\nlichkeiten, dass man staunen muss. Alles so speculirt und\nraffinirt, und mit solcher Sicherheit und Kenntniss und\nvoll des allerfeinsten Geschmacks. Dabei hat der Mensch\neine unglaubliche Kraft in der Faust und wieder so aus-\ngespielte leichte Finger, wie nur Einer. Hingegen besitzt\nLiszt eine gewisse Gelenkigkeit und Verschiedenheit der\nFinger und ein durch und durch musicalisches Gefühl, das\nwohl nirgend seines Gleichen finden möchte. Mit Finem\nWorte, ich habe keinen Musiker gesehen, dem so, wie\ndem Liszt, die musicalische Empfindung bis in die Finger-\nspitzen liefe und da unmittelbar ausströmte, und bei dieser\nUnmittelbarkeit und der enormen Technik und Uebun\"\nr>\nwürde er alle Anderen weit hinter sich zurücklassen, wenn\neigene Gedanken nicht bei alledem die Hauptsache wären\nund diese ihm von der Natur wenigstens bis jetzt wie\nversagt schienen, so dass in dieser Beziehung die meisten\nanderen grossen Virtuosen ihm gleich oder gar über ihn\nzu stelleii sind. Dass er übrigens mit Thalberg allein die\nerste Classe unter den jetzigen Ciavierspielern bildet, ist\nmir ganz unbezweifelt.\"\nJ. S. Bacb's chromatische Phantasie. „Die Ar-\npeggien in der chromatischen Phantasie sind ja eben der\nHaupleffect. Ich erlaube mir nämlich die Freiheit, sie mit\nallen möglichen Crescendo's und Piano's und //\"'s zu ma-\nchen, Pedal versteht sich, und dazu die Bassnoten zu ver-\ndoppeln. Ferner die kleinen durchgehenden Noten (die\nViertel in den Mittelstimmen u. s. w.) zu Anfang des Ar-\npeggiors zu markiren, eben so die Melodie-Note, wie es\ngerade kommt, und dann thun die einzigen Harmoniefolgen\nauf den dicken neueren Flügeln prächtig wohl.\nZ. B. den Anfang bloss so:\n(NB. jeden Accord zwei Mal gebrochen, nachher auch nur\nein Mal, wie's kommt.)\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.4", "texte": "Die Leute schwören, das sei gerade so schön wie Thal-\nberg, oder noch besser.—Zeig' aber dies Recept Nieman-\nden; es ist ein Geheimniss, wie alle Hausmittelchen.\"\nDie Antigone. „An F. David. Berlin, den 21. Octo-\nber 1841. Hab' Dank, dass Du die Antigone gleich durch-\ngelesen hast; dass sie Dir ungeheuer gefallen würde, wenn\nDu sie läsest, das wusste ich wohl vorher, und eben dieser\nEindruck, den das Durchlesen auf mich machte, ist eigent-\nlich Schuld, dass die ganze Sache zu Stande kommt. Denn\nAlles sprach hin und her darüber, und Keiner wollte an-\nfangen ; sie wollten es aufs nächste Spätjahr verschieben\nund dergl., und wie mich das Herrliche des Stückes so\npackte, da kriegte ich den alten Tieck an und sagte: jetzt\noder niemals. Und der war liebenswürdig und sagte: jetzt!\nund so componirte ich aus Herzenslust darauf los, und jetzt\nhaben wir täglich zwei Proben davon, und die Chöre knal-\nlen, dass es eine wahre Wonne ist. Ganz Berlin glaubt\nnatürlich, wir seien sehr pfiffig, und ich componirte die\nChöre, um Hofgünstling zu sein, oder Hofmusicus, oder\nHofnarr, und ich gedachte anfänglich gerade im Gegen-\ntheil, mich auf die Sache gar nicht einzulassen; aber das\nStück mit seiner ausserordentlichen Schönheit und Herr-\nlichkeit trieb mir alles Andere aus dem Kopfe und liess\nmir nur den Wunsch, es baldmöglichst einmal dargestellt\nzu sehen. Die Aufgabe an sich war herrlich, und ich\nhabe mit herzlicher Freude gearbeitet. Mir war's merk-\nwürdig, wie es so viel Unveränderliches in der Kunst gibt;\ndie Stimmungen aller dieser Chöre sind noch heute so\necht musicalisch und wieder so verschieden unter sich,\ndass sich's kein Mensch schöner wünschen könnte zur\nComposition. Wenn es hier nur nicht gar zu schwer wäre,\nüber ein Werk auch nur einiger Maassen zur Besinnung\nzu kommen. Man findet meist nur unverschämte Schmeich-\nler oder eben so unverschämte Kritiker, und mit beiden\nist es nicht gethan, denn beide verleiden einem Alles von\nvorn herein. Bis jetzt habe ich nur mit Bewunderung zu\nthun gehabt; nach der Aufführung werden aber wohl die\nGelehrten kommen und mir offenbaren, wie ich hätte com-\nponiren müssen, wenn ich ein Berliner gewesen wäre!\"\n\nDas Musikfest zu München.\nDie Mitglieder der musicalischen Akademie zu\nMünchen veranstalten dort das zweite grosse Musik-\nfest unter Leitung des königlich baierischen General-\nMusik-Directors Herrn Franz Lachner am 27., 28. und\n29. September.\nDie vorläufige Ankündigung in Nr. 29 sind wir in\nStand gesetzt, nunmehr vollständig zu ergänzen.\nDas Programm für den ersten (Eroica lsrael in\nAegypten) und zweiten Tag (Suite in von F. Lach-\nner u. s. w.—zum Schluss Händel's Ode auf den Cäcilien-\ntag) bleibt so, wie wir es bereits in der gedachten Nummer\nmitgetheilt haben.\nZu dem Sängerchor und Orchester geben ausser\nMünchen (Hofcapellen-Chor, Oratorien-Verein, Sänger-\nGenossenschaft, Hoftheater-Chor u. s. w.) die Städte Aachen,\nAichach, Amberg, Augsburg, Bamberg, Eichstädt, Frank-\nfurt am Main, Innsbruck, Landshut, Löwenberg, Mainburg,\nMannheim, Neuburg, Nürnberg, Oldenburg, Passau, Prag,\nRegensburg, Rosenhain, Salzburg, Stuttgart, Weilheim,\n•Würzburg, Zürich u. s. w. ihre Contingente von Künst-\nlern und Dilettanten.\nDie glänzende Reihe von Solisten wird folgender\nMaassen verwandt: In Israel in Aegypten Frau Diez\nSopran, Fräulein v. Edelsberg Alt, die Herren Hein-\nrich, Kindermann und Bausewein für Tenor und\nBass. Am zweiten Tage in der Scene aus Haydn's\n„Tobias\" Fräulein v. Edelsberg; in Mozart's „Idomeneo\"\nFrau Diez, Fräulein Deinet, Fräulein v. Edelsberg, Herr\nHeinrich; in der Cäcilien-Ode Fräulein Stehle (Sopran)\nund Herr Grill (Tenor).\nAm dritten Tage wird man hören: Frau Louise\nDust mann aus Wien (Arie aus Jessonda von Spohr; Ter-\nzett aus Macbeth von Chelard mit Frau Diez und Fräulein\nv. Edelsberg; „Mignon\" von Schumann, „Frühlingslied\"\nvon Mendelssohn, „Haidenröslein\" von F. Schubert)\nHerrn Kindermann (Arie aus Figaro) Ständchen für\nfünf Frauenstimmen von F. Schubert—; ferner Frau\nClara Schumann (Clavier-Concert von Robert Schu-\nmann), Herrn Jos. Joachim (Violin-Concertvon Beet-\nhoven) und die grosse Sonate in A-moll von Beethoven,\nvorgetragen von Beiden. Anfangs-Ouverture: Men-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.5", "texte": "delssohn's Sommernachtstraum; Schluss: Weber's\nFreischütz-Ouverture.\nDieses grossartige Programm wird am ersten und zwei-\nten Tage im Glaspal aste Vormittags 11 Uhr, am drit-\nten Tage im königlichen Odeon Abends 6% Uhr ausge-\nführt werden. Händel's Israel in Aegypten wird nach der\noriginal-Partitur und mit Orgel (aus der Werkstatt\nvon Jos. Frosch in München, gespielt von Herrn Jos.\nRheinberger, Professor am Conservatorium der Musik\nzu München) aufgeführt. Eben so die Ode auf den Cäci-\nlientag. —Chor circa 1200 Sänger; Orchester 100 Vio-\nlinen, 40 Violen, 30 Violoncelle, 30 Contrabässe und\nvierfache Besetzung der Blas-Instrumente.\nDie Eintrittspreise betragen im Glaspalaste für je-\ndes Concert 2 Fl., 1 Fl. 30 Kr., 1 Fl. und (2. Galerie)\n30 Kr.; im Odeon 2 Fl., 1 Fl. 12 Kr. und 48 Kr.—\nmithin auf den numerirten Plätzen ersten Ranges noch\nkeine 4 Thaler für alle drei Concerte.\n\nConcert, Sängerfest und Gesang-Wettstreit in\nAachen.\nDie Musikzustände in Aachen haben sich in den letz-\nten Jahren ganz ausserordentlich gehoben. Die feste Be-\nsoldung eines städtischen Orchesters, die Anstellung des\nHerrn Fritz Wenigmann als Concertmeister an demselben,\ndie Ernennung des Herrn Franz Wüllner zum städtischen\nMusik-Director und Dirigenten der Abonnements-Concerte\nund des Gesangvereins, die Männer-Gesangvereine Concor-\ndia und Liedertafel, das Theater u. s. w. haben zu diesem\nerfreulichen Aufschwünge beigetragen, durch welchen\nAachen in die Reihe der bedeutenden Musikstädte Deutsch-\nlands getreten ist. Ehre gebührt desshalb den städtischen\nBehörden, namentlich dem Comite für Musik und Theater\nund dessen Vorsitzendem, Herrn von Pranghe, beigeord-\nnetem Bürgermeister der Stadt; die Förderung der In-\nteressen der Tonkunst konnte in keine besseren Hände\ngelegt werden.\nWie überall, so wurden auch in Aachen, wiewohl es\nnicht an schönen Localen fehlte, die Räume für grosse\nConcert-Aufführungen bei der steigenden Kunstliebe und\nTheilnahme des Publicums zu klein, und die Stadt be-\nschloss, einen neuen Saal zu bauen. Dieser ist nun als Be-\nstandteil des Curhauses in diesem Sommer unter Leitung\ndes Architekten Herrn Wickopf vollendet worden und bil-\ndet sowohl an und für sich, als in Verbindung mit den\nübrigen Sälen und mit den Gartenanlagen eine prächtige,\nauch für Musikfeste trefflich geeignete Räumlichkeit, wel-\nche am 22. August durch eine recht gelungene Auffüh-\nrung der „Schöpfung\" von Haydn eingeweiht wurde.\nDie akustischen Verhältnisse bewährten sich als sehr be-\nfriedigend.\nWiewohl es in dieser Jahreszeit Schwierigkeit hat,\neinen Dilettanten-Chor zu eifrigen Proben zusammen zu\nbringen, so war derselbe dennoch, wenn auch nicht so\nzahlreich, wie sonst, doch voll und frisch genug, um die\nMacht der prachtvollen Gesammtgesänge zur Geltung zu\nbringen, und Wüllner sorgte durch angemessene Auffas-\nsung und Temponahme dafür, dass sie in ihrer vollen\nWürde zu Gehör kamen. Die Soli wurden von Frau Mar-\nlow aus Stuttgart und den Herren Dr. Gunz aus Hanno-\nver und Karl Hill aus Frankfurt am Main gesungen; sie\nbildeten ein glänzendes Terzett im Zusammengesange, in\nwelchem die besonders in der Höhe klangvolle Sopran-\nstimme der Frau Marlow vortrefflich durchdrang, während\nwir im Vortrage der Recitative und Arien den beiden Sän-\ngern den Vorzug geben mussten. Die Herren Gunz und\nHill steigen mit vollem Rechte immer höher in der Gunst\ndes Publicums, weil ihr Streben und ihr Fleiss bei sehr\nglücklichen Natur-Anlagen sie wir möchten sagen: von\nTag zu Tag auf eine höhere Kunststufe führt. Sie haben\nsich nicht, wie das leider jetzt so oft bei grossen Talenten\nder Fall ist, mit dem schönen Klange der Stimme begnügt,\nsondern sie haben dieses freilich vor Allem nothwendige\nMaterial des Sängers durch ernste Studien zu edlem Aus-\ndruck und zu technischer Handhabung fügsam, und somit\nder deutschen Gesangkunst, deren Existenz zu läugnen\njetzt Mode wird, Ehre gemacht. Frau Marlow ist ebenfalls\nim Besitze eines schönen Materials, obwohl das mittlere\nStimmregister in einigen Tönen an reiner Tonfülle gegen\ndas höhere etwas abfällt, und auch ihre Schule verdient\nin der Coloratur alle Anerkennung; aber merkwürdiger\nWeise kommen neben wirklich reizender und kunstvoller\nAusführung technischer Schwierigkeiten (z. B. in der gros-\nsen F-dur-Arie) zuweilen schwächere Stellen vor, die einen\nunerwarteten Gegensatz zu der Vollendung, mit welcher\nandere gesungen werden, bilden. Die Vortragsweise der\nB-dur-kne war nicht die richtige, dagegen erhielt die be-\nsonders für die Bühne gewiss sehr schätzenswerthe Künst-\nlerin durch die glänzende Coloratur wie durch die lieb-\nlichen Triller in anderen Nummern rauschenden Beifall.\nDer „Schöpfung\" ging eine schwungvolle Ausführung\nder Ouvertüre Beethoven's „Zur Weihe des Hauses\"\nvoraus.\nAm 6. und 7. September fand durch den Verein\nConcordia unter Leitung des Herrn C. F. Ackens der\nConcurs von Männer-Gesangvereinen und das erste Sän-\ngerfest des rheinischen Sängerbundes Statt. Ueber die Ver-\nanlassungen dazu spricht sich das Vorwort des Textbuches"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.6", "texte": "unter Anderem folgender Weise aus: „Die Concordia und\nmehrere andere Gesangvereine Aachens wohnten seit dem\nJahre 1841, wo sie zuerst nach Brüssel gingen, einer\nReihe von Concursen und Sängerfesten, sowohl in Belgien\nals dem nördlichen Frankreich, sowohl in dem benachbar-\nten Mastricht, der Hauptstadt des holländischen Limburg,\nals in den deutschen Rheinstädten bei, errangen bei den\nConcursen hohe und oft sogar die höchsten Preise; jedoch\nbot Aachen bisher nie den fremden Sängern ein ähnliches\nFest von Belang als Erwiderung der vielen Freundlichkei-\nten, welche seinen Vereinen auf ihren Festreisen in so\nhohem Maasse zu Theil geworden waren. Diese Erwägun-\ngen beschäftigten die Concordia besonders seit dem grossen\nConcurse am 28. October 1860 in Lüttich, wo sie den\nPrix d'excellence davongetragen hatte. Die vielen Ehren,\nwelche der Concordia bei dieser Gelegenheit erwiesen wur-\nden, legten es ihr nahe, die Gastfreundschaft, die sie' so\noft genossen, zu erwidern und in Aachen auch einmal\neinen Gesang-Concurs nach der in Belgien üblichen Weise\nzu organisiren. Die Sache hatte jedoch ihre schweren Be-\ndenklichkeiten, da ein Concurs auf dem üblich gewordenen\nFusse vieler Geldmittel bedarf. Dessenungeachtet beschloss\ndie Concordia, einen grossen internationalen Gesang-Con-\ncurs zu veranstalten, indem sie darauf vertraute, dass, wo\nihre Mittel nicht ausreichten, Andere helfen würden. Und\nsie hat sich in dieser Erwartung nicht getäuscht, indem\nsowohl Se. Majestät der König von Preussen, als die Ver-\nwaltung der Stadt Aachen und der Verein- zur Belebung\nder Bade-Saison den Concurs mit Preisen bedachten, die\nStadt ausserdem eine bedeutende Geldsumme zur Verfü-\ngung stellte und die Bürgerschaft sich ebenfalls in reichem\nMaasse an den Kosten betheiligte.\n„Mittlerweile hatte sich aus Veranlassung des im Jahre\n1861 zu Nürnberg Statt gefundenen allgemeinen deut-\nschen Sängeriestes, aul welchem die Bildung eines grossen\nBundes aller deutschen Sänger mit künstlerischer und pa-\ntriotischer Tendenz beschlossen wurde, und auf Anregung\ndes bonner Männer-Gesangvereins der „Rheinische Sänger-\nbund\" gebildet, welcher als Provincial-Bund ein Glied je-\nnes allgemeinen deutschen Bundes sein sollte (am 6. Juli\n1862), und es schlössen sich demselben nach und nach\n43 rheinische Gesangvereine an. Die Concordia erbot sich,\ndas erste Sängerfest des Bundes im Jahre 1863 in Ver-\nbindung mit dem bereits beabsichtigten internationalen\nGesang-Concurs zu veranstalten.\"\nBei diesem Feste waren nun 61 Vereine als ausfüh-\nrende, beziehungsweise concurrirende, vertreten, nämlich\n37 deutsche (wovon 23 dem oben genannten „Rheinischen\nSängerbunde\" angehörten), 17 belgische und 7 holländi-\nsche. Unter den deutschen waren 26 aus Gemeinden unter\n5000 und unter 15,000 Einwohner, und 11 aus Städten\nüber 15,000 Einwohner, bei den letzten aber keiner\nder älteren renommirten Vereine der Städte Köln, Düssel-\ndorf, Bonn, Elberfeld, Crefeld, Barmen*). Man kann hier-\naus auf den Charakter des Wettstreites in Bezug auf die\nkünstlerische Qualität der concurrirenden Vereine schlies-\nsen. Bei den fremden Gesellschaften war das Verhältniss\nder Qualität besser: ihrer waren 15 Vereine aus Gemein-\nden unter 5000 und 15,000 Einw. und 9 aus Städten\nüber 15,000 Einw., bei letzteren die älteren und wohl-\ngeübten grösseren Vereine aus Brüssel, Namur, Hui,\nLüttich und Mastricht.\nVon einem internationalen Wettstreite war, da\ndie deutschen und ausländischen Vereine von sechs Kate-\ngorieen nur unter sich und nicht gegen einander concur-\nrirten, allein zwischen den vier Vereinen der siebenten\nKategorie um den Ehrenpreis oder Prix d'excellence die\nRede; da aber hier die Deutschen nur durch einen sehr\njungen Verein, die „Polyhymnia\" aus Köln, vertreten wa-\nren, so konnte das Resultat nicht zweifelhaft sein. In der\ndritten Kategorie trugen unter den deutschen Vereinen der\n„Liederkranz\" von Gladbach (Dirigent Herr H. Jordans)\nden ersten Preis (eine goldene Medaille, Geschenk Sr. Ma-\njestät des Königs, und eine Prämie von 100 Thlrn.), der\nVerein „Apollo\" von Köln (Dirigent Herr Eisenhuth) den\nzweiten (eine silbervergoldete Medaille und eine Prämie\nvon 60 Thlrn.) und der „Männer-Gesangverein\" von Bonn\n(Dirigent Herr Walbrül) den dritten (eine silbervergoldete\nMedaille) davon. Der gladbacher Verein sang auch in dem\nEest-Concerte am 7. d. Mts. recht hübsch und mit gros-\nsem Beifalle.\nDer künstlerisch bedeutsamste Concurs fand in der\nsiebenten Kategorie Statt. Unter den vier Vereinen waren\ndie beiden belgischen, die „Legia\" aus Lüttich (Dirigent\nHerr Th. Vercken) und die „Societe d'Amateurs\" (Diri-\ngent Herr G. Camauer) aus Hui, dem holländischen aus\nMastricht und der „Polyhymnia\" aus Köln bei Weitem\nüberlegen. Der Preis musste durch die Ausführung eines\nsehr schwierigen, eigens zu diesem Zwecke componirten\ngrossen Gesangstückes: „Der Morgen\", Gedicht von J.\nOtto jun.(ins Französische übersetzt von A. Leroy), com-\nponirt von Ferdinand Hiller, errungen werden; nach\ndem einstimmigen Urtheile aller Preisrichter und gründli-\ncher Kenner unter ihnen namentlich Hiller selbst, dann\nWüllner aus Aachen, F. Kufferath aus Brüssel, Brambach\naus Bonn, WolfF aus Crefeld, Krause aus Barmen u. s. w.\nwurde die schwierige Aufgabe von beiden belgischen\nVereinen, hauptsächlich aber von der lütticher mit\n\n*k) Vgl.: „Der rheinische Sängervereinu in der nächsten Nummer."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.7", "texte": "einer selten gehörten Virtuosität und Vollendung des Vor-\ntrages gelöst. Die Legia erhielt demnach den ersten\nEhrenpreis, eine Porzellanvase, Ehrengeschenk Sr. Ma-\njestät des Königs von Preussen, nebst der Prämie von 250\nThlrn., und die Gesellschaft von Hui den zweiten, einen\nsilbervergoldeten, emaillirten Lorberkranz, Geschenk des\naachener „Vereins zur Belebung der Bade-Saison\".\nDer Abend des Montags war dem Fest-Concerte\ngewidmet. Hierbei zeigte sich wiederum, wie schon oft,\ndie schlimme Seite der Gesang-Wettstreite: das Resultat\nderselben hatte die Reihen der Sänger für die Gesammt-\nleistungen arg gelichtet, namentlich waren von den belgi-\nschen Gesellschaften fast keine mehr zugegen, und die\nzahlreiche Zuhörerschaft wurde in ihrer Erwartung, Hil-\nler's Composition durch die Lütticher zu hören, getäuscht.\nInd ess bildeten die Sänger, besonders durch den Stamm\naus Aachen, immer noch einen imposanten Chor, der,\nwenn auch von künstlerisch vollkommener Ausführung\nnicht die Rede sein konnte, im Verein mit dem trefflichen\nOrchester seinen grossen Eindruck nicht verfehlte, zumal\ndurch Mendelssohn's in jeder Hinsicht classischen Dop-\npelchor aus Oedipus, F. Möbring's „Deutschen Schwur\nund Gebet\" (dessen erste Hälfte weit mehr Schwung hat,\nals die zweite, wiewohl auch in jener der zu oft wieder-\nholte Schwur die Wirkung schwächt), Max Bruch's\ngrossartigen „ Römischen Triumphgesang\", der einen Sturm\nder Begeisterung erregte, und F. Lachner's „Sturmes-\nmythe\". Die Herren Möhring und Bruch dirigirten ihre\nWerke selbst, die anderen Productionen leitete Herr\nAckens, der auch zur Eröffnung des Concertes einen\nrecht hübschen „Sängergruss\" von seiner Composition\nbrachte, mit Sicherheit und Energie. Die Ouvertüren von\nHugo Ulrich und Beethoven (Egmont) führte das Or-\nchester unter Herrn Wüllner's Leitung sehr gut aus.\n\nEin Sängerfest in Siegen.\n\nEinen Beweis, wie nicht bloss die Lust an Gesang und\nMusik,- sondern auch die Vereinigung zu grösseren Auffüh-\nrungen in Gegenden, wo man früher nicht an dergleichen\ndenken konnte, nach und nach Wurzel fasst, gab uns das\nSängerfest in Siegen an den Tagen des 30. und 31.\nAugust. Auch dort, in der alten nassauischen Bergstadt, in\ndem lieblichen Lande der Wiesen und des Eisens, welches\neine der interessantesten Eisenbahnen jetzt mit dem Rheine\nund mit den Thälern der Lenne und der Ruhr in regern\nVerkehr gebracht hat, ist ein neues Local für Concert und\nTheater gebaut worden, das freilich besonders in akusti-\nscher Hinsicht dem Zwecke besser entsprechen könnte, und\ndie zwei Concerte zeichneten sich vor den früheren dorti-\ngen und anderen ähnlichen bei Sängerfesten dadurch vor-\nteilhaft aus, dass auch der Instrumental-Musik eine bedeu-\ntende Stelle dabei eingeräumt war. Dies ist ohne Zweifel\nfür die Bildung des Geschmacks an Orten, die kein stehen-\ndes Orchester haben, sehr wesentlich, und da die Eisenbahn\nes ermöglichte, aus Köln und Bonn durch die Mitglieder\nder Capellen des Herrn Peters und des Herrn Bach ein voll-\nständiges Orchester zusammen zu stellen, so hörte man hier\nBeethove n's C-moß-Sinfonie, den nürnberger Festmarsch\nvon V. Lachner, die Ouvertüren von Auber zur Stum-\nmen, von Nikolai zu den lustigen Weibern, von Weber\nzu Oberon und von Beethoven zu Egmont, und den Prie-\nstermarsch aus Mendelssoh n's Athalia. Die Ausführun-\ngen waren verhältnissmässig recht gut, und Herr iMusik-\nDirector W. Paetsch Gewährte sich durch deren Leitung\nals einen sehr tüchtigen Musiker, indem seine Autfassung\ndieser Werke, die vollkommen richtige Temponahme jedes\nSatzes und die äussere sichere und energische Direction\nnichts zu wünschen übrig liessen. Wir erfuhren später, dass\nunsere Vermuthung, Herr Paetsch müsse seine Dirigenten-\nschule am Theater durchgemacht haben, richtig war; denn\nnachdem er seine musicalischen Studien in Dessau unter\nF. Schneider gemacht und sie in Wien während zweier\nJahre bei Nicolai fortgesetzt, war er vielfach als Musik-Di-\nrector bei Opern-Unternehmungen in Süddeutschland, der\nSchweiz und in Frankreich (Strassburg und Marseille) be-\ntheiligt, bis ihn zufällige Umstände nach Arnsberg, wo er\nseit 1847 zehn Jahre lang wirkte, und von da nach Siegen\nbrachten. Hier, wo ihn angenehme Familien-Verhältnisse\nfesseln, strebt er nun seitdem, die musicalischen Zustände\nzu heben, wobei er von vielen Seiten lobenswerthe Unter-\nstützung findet, wie es denn z. B. sehr erfreulich war, dass\nder dortige Landrath, Herr v. Dörnberg, Mitglied des Co-\nmile's für das Fest, dasselbe durch eine Anrede an die Ver-\nsammlung und einen Willkommgruss an die Mitwirkenden\neröffnete. Auch war es Herr Paetsch, der das westfälische\nMusikfest, worüber in früheren Jahrgängen dieser Blätter\nöfter berichtet worden, zuerst im Jahre 1851 zu Soest ins\nLeben rief und dasselbe später in Hamm und Dortmund\nmit Herrn Breidenstein gemeinschaftlich dirigirte. Die Wahl\nder Gesangstücke in den Concerten am 30. und 31. vor.\nMonats war im Ganzen eine gute; die Ausführung der Ge-\nsänge durch etwa 200 Sänger war in den Nummern mit\nOrchester („Willkommen\" von Neeb, „Die Ehre Gottes\"\nvon Beethoven, „Unser Hort\" von J. Grobe, „Schottischer\nBardenchor\" von Silcher) meist befriedigend und verdiente\nermunternden Beifall. Es ist aber keine Frage, dass mehr\ngeleistet werden könnte, wenn Eintracht und Liebe zur\nSache die zersplitterten Kräfte—z. B. in Siegen selbst sind"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630912-01.1.8", "texte": "sieben oder acht Vereine! —zu einem Ganzen verbände,\ndessen Mitglieder sich mit rechtem Ernste den Uebungen\nwidmeten. Jede Kunst will unter einem Meister gelernt\nwerden, sonst bleibt sie Pfuscherei; nun ist aber der Mei-\nster da, und zwar einer, der auch einen grösseren Wir-\nkungskreis in seinem Fache tüchtig ausfüllen könnte\nwarum sich nicht um ihn scharen und einige Stunden wö-\nchentlich sich der Disciplin freiwillig unterwerfen, um da-\ndurch nachher desto reinere und grössere Freude am Ge-\nsänge zu haben? Es wäre wünschenswerth, wenn von dem\ndiesjährigen Feste aus ein solcher Fortschritt sich datirte!\nAusser den Chor- und Orchestersachen hörten wir\nden vortrefflichen Vortrag eines Solostückes von Fran-\nchomme für Violoncell durch einen künstlerisch gebildeten\nDilettanten, Herrn H. aus Arnsberg, eine Phantasie für\nVioline von Bazzini, durch Herrn Krill aus Köln recht\ngut gespielt, und Arien für Tenor von Mehul, Mendels-\nsohn, Max Bruch und Vincenz Lachner durch Herrn\nLück, einen talentvollen jungen Mann, der seine Stu-\ndien zu Mannheim unter Herrn Rocke macht, um sich\nder Bühne zu widmen. Wir haben ihn auch später im\nPrivatzirkel gehört; er besitzt eine schöne, frische und egale\nTenorstimme, welche auch die höheren Töne mit Leich-\ntigkeitausgibt, und wird bei seinem unverkennbaren Fleisse\nnach erlangter Bühnenübung mit Erfolg seine Laufbahn\nmachen.\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Der neue Director des Stadttheaters, Herr Moriz Ernst,\nwird am 16. September die Bühne und nach einer Reihe von Vor-\nstellungen am 23. d. Mts. das Abonnement zu 128 Vorstellungen in\nacht Serien eröffnen. Er hat eine zahlreiche Gesellschaft engagirt,\ndarunter für die Oper die Sängerinnen Fräulein Agnes Büry, Frau\nZademak-Doria, Frau Graes er und noch fünf andere, die Sän-\nger Herren Grimminger und W o 1 ters (Tenöre), Lang (Bariton),\nLind eck (Bass) und noch fünf andere, dazu die Herren J. Fischer\nals ersten und Drobisch als zweiten Capellmeister. Im Personal\ndes recitirenden Schauspiels finden wir die Namen der Damen Ernst,\nWilhelmine Seebach u.s.w., der Herren von Ernest, Holz-\nstam, Pittmann, Wisotzky u. s. w. In der Oper werden als\nNeuigkeiten für hier verheissen: F. Hill er's Katakomben, Lalla\nRookh von Fei. David, Rigoletto und der Maskenball von Verdi,\nRienzi von R. Wagner und dem Vernehmen nach die Lorelei von\nM. Bruch. „Vorläufig abgeschlossene Gastspiele\" sind zu erwarten\nvon Desiree Artöt und Manuel Carrion für die Oper, Emil\nDevrient und Dawison für das Schauspiel, Fräulein Friedberg\nfür das Ballet. Der Chor besteht aus 25 Herren und 24 Damen.\nVom Orchester sagt uns das Ankündigungs-Circular nichts; wir\nwollen hoffen, dass die neue Unternehmung ein vollständiges, in\nwelchem die besten Künstler unseres Concert-Orchesters nicht feh-\nlen, engagiren werde.\nAuf dein Victoria-Theater des Herrn L'Arronge gastirt ge-\ngenwärtig Herr Marchesi, grossfterzoglich weimar'scher Kammer-\nsänger, welcher in der letzten Saison in London bei der italiäni-\nsehen Oper des Herrn Mapleson in Her Theatre mit gros-\nsem Beifall gesungen und durch ein „historisches Concert\", in\nwelchem er die Fortbildung der Arie von 1590 (Giulio Caccini) bis\nauf 1730 (Händel) durch neun Vorträge anschaulich machte, die\nTheilnahme der musicalischen Kreise in hohem Grade erregt hat.\nAehnliche Concerte hatte er im Februar vor der Societe des Compo-\nsiteurs in Paris und im Mai in Weimar gegeben.\nWLassel» „£a BMeu, Oper in drei Acten von Gustav\nSchmidt, wurde auf dem kurfürstlichen Hoftheater zum ersten\nMale zur Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Kur-\nfürsten aufgeführt. Die hier in ßede stehende neue Oper ist das\nWerk eines Componisten, der sich auf dem schwierigen Felde der\nOpernschöpfung bereits einmal versucht hat, und zwar in der nur\nwenig bekannt gewordenen Oper „Weibertreue\". Zugegeben, dass\nunsere an grossen Opernwerken arme Zeit ausser Hiller's „Kata-\nkomben\" und Max Bruch's „Lorelei\" — welche Opern keine grös-\nsere Bühne aufzuführen versäumen sollte! — wenig aufzuweisen\nhat, was den Stempel der Hoheit an sich trüge und, in der Menge\nzündend, sich eine bleibende Stätte zu erringen im Stande wäre, so\nkann man doch zufrieden sein, gerade von dem Werke eines deut-\nschen Componisten sagen zu müssen, dass es manche Schönheiten\naufzuweisen hat und, trotzdem dieselben von vielen allzu flüchtig\nhingeworfenen Gedanken begleitet sind, immerhin doch gegen das\nfrühere Werk des Componisten einen anerkennenswerthen Fortschritt\nzeigt. Es wäre ungerecht und verfrüht, wollten wir schon jetzt nach\neinmaligem Anhören ein Urtheil fällen; vielmehr ersparen wir ein\nsolches bis nach Wiederholung der Oper und wollen nur vorerst be-\nmerken, dass es dem ersten Acte vielleicht sehr zu Statten käme,\nwenn noch eine tüchtige Kürzung vorgenommen würde. Wras die\nerste Aufführung als solche anbetrifft, so blieb dabei wenig zu wün-\nschen übrig, indem das Ensemble in der That ein recht lobenswer-\ntes war und einzelne Schwierigkeiten sehr gut überwunden wurden.\nBaden-Baden, 25. August. Die erste Aufführung der Oper\n„Nahel\" von Henri Litolff fand gestern mit Erfolg Statt. Die\nHandlung spielt in Deutschland zur Zeit des dreissigjährigen Krie-\nges» Zwei Frauen, Cäcilia, eine böhmische Sängerin, und Wilhelmine\nvon Offenburg, spielen die Hauptrollen. Der Herzog von Sachsen-\nWeimar, welcher Cäcilien liebt und von Wilhelminen geliebt wird,\nMax Körner, ein Dragoner-Cornet, Rival des Herzogs bei der Sän-\ngerin, ein Diener Pargolem und Nahel, der die Fäden der Intrigue\nin Händen hat und die Verwicklung und Entwicklung leitet, bilden\ndas männliche Personal. Das Stück endet mit dem Tode Nahel's,\nder den Gefühlen der Ehrenhaftigkeit huldigen lernt, als er erfährt,\ndass Cäcilia eine Tochter des Königs Gustav Adolph ist, und Wil-\nhelmine scheint die Gattin des Herzogs von Weimar zu werden. Die\nganze Aufführung waf des schönen Werkes würdig, Chöre, Costume\nund Decorationen gereichten der Direction zur grössten Ehre, und\nLitolff hat sich mit diesem Werke als gewandten und phantasierei-\nchen Componisten bewährt. Er dirigirte persönlich.\n\\% teil. Dieser Tage ging ein mit Ciavieren aus der Bösendor-\nfer'schen Fabrik vollbeladenes Schleppschiff nach deü Donau-Fürsten-\nthümern ab. Diese Thatsache constatirt abermals die ungemeine Be-\nliebtheit der Instrumente dieser Firma, auf deren Absatz die allge-\nmeine Geschäftsstockung keinen Einfluss zu haben scheint*).\n*) Die Firma Gerh. Adam in Wesel am Rheine liefert seit\nJahren ebenfalls Instrumente nach den Donau-Fürstenthümern."}]}