{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_sha256": "4eb50437de92c6139807da849e3ecd667ee98cd43197b77de21f6de2b11e541b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/09/19_01/bmtnabi_1863-09-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "297", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 464, "texte": "Inhalt.\nMendelssohn's Werke. Aus Holland (Sechstes niederländisches Sängerfest National-Musikfest). Von X. X. Das\nNational-Musikfest im Haag. Von H. H. Der rheinische Sängerverein. Von L. B. Karl Halle aus Manchester in Darmstadt. Ta-\nges- und Unterhaltungsblatt (Köln, Conservatorium, F. Hillens „Katakomben\" Italiänische Oper in Berlin Mainz, Theater\nKassel, „La Beole\" —-Bremen, Künstlerverein München, Julius von Kolb f Wien, Theater, Ordens-Verleihung Paris)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "300", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.2.2", "titre_corps": "Mendelssohn’s Werke.", "titre_sommaire": "Mendelssohn’s Werke.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.1", "debut_caractere": 466, "fin_caractere_exclue": 4179, "texte": "Mendelssohn’s Werke.\nWir haben schon erwähnt, dass der zweite Band von\nMendelssohn's Briefen als Anhang ein Verzeichniss der\nsämmtlichen Compositionen von F.Mendelssohn\nBartholdy enthält. Dieses Verzeichniss, eine höchst dan-\n*> 7\nkenswerthe Arbeit, welcher sich Herr Capellmeister Ju-\nlius Rietz unterzogen hat—und Niemand war dazu bes-\nser im Stande —, ist nicht nur eine Ergänzung und\nErläuterung des bei Breitkopf und Härtel erschienenen\nthematischen Katalogs der Wrerke Mendelssohn's, sondern\nzugleich eine urkundliche Nachweisung der Entwicklung\ndes Meisters. Nach der einmal herrschenden Sitte im Mu-\nsicalien-Verlag, der sich dadurch nicht zu seinem Vortheil\nvom Bücher-Verlag unterscheidet, dass er die Zahl des\nJahres, in welchem die Veröffentlichung durch den Druck\ngeschieht, nicht auf der ersten Ausgabe des Musikstückes\nangibt, geben bekanntlich die Opuszahlen durchaus keinen\nsicheren Anhalt für die Reihenfolge der Producte nach\nder Zeit ihrer Entstehung. Daher denn die grosse Mühe\nder Nachforschung und Sichtung für den Historiker der\nMusik und den Biographen des Componisten und oft die\nUnmöglichkeit, zu ganz sicheren Ergebnissen zu gelangen.\nDiese Verwirrung, die z. B. bei Beethoven's Werken auf-\nfallend ist, findet sich auch bei Mendelssohn's Compositio-\nnen, da auch bei ihnen die Opuszahl nur für die Reihen-\nfolge des Erscheinens, nicht der Entstehung maassgebend\nist*). Alle thematischen Verzeichnisse der Werke Beetho-\nven's, Schubert's, Chopin's, Mendelssohn's u. s. w. folgen\nden Opuszahlen und geben nur selten beiläufige Notizen\nüber die Zeit der Entstehung.\nHerr J. Rietz hat nun nach des Autors Original-\nHandscbriften das Verzeichniss der von Mendelssohn\nim Druck erschienenen Werke nach der chronologischen\nOrdnung ihrer Entstehung zusammengestellt. Mendelssohn\npflegte auf seinen Autographen Ort und Datum der Ent-\nstehung oder Vollendung zu notiren: allein schon jetzt wa-\nren trotz aller darauf gewandten Mühe die Autographe\nvon zwölf Werken und von vielen einzelnen Liedern (mit\nund ohne Worte) nicht mehr zu ermitteln. Diese 12 Werke\nhat Rietz daher in sein Verzeichniss nicht aufgenommen,\nweil er dasselbe streng chronologisch und urkundlich genau\naufstellen wollte: er hat sie aber im Vorworte namhaft\ngemacht und die Zeit ihrer Entstehung im Allgemeinen\nund wohl mit Sicherheit angegeben. Die bedeutenderen\ndarunter sind die Sonate Op. 6 für Pianoforte (die einzige\ngedruckte), die Liederhefte Op. 8 und 9, die Sinfonie\nNr. 1., Op. 10, welche letztere wahrscheinlich schon 1824\n(in sein fünfzehntes Lebensjahr), alle genannten aber zwi-\nschen 1824—1828 zu setzen sind. Ferner die Phantasie\nOp. 15 für Pianoforte und die sechs Gesänge Op. 19\nbeide ohne Zweifel zwischen 1830 und 1834; endlich\ndas Violin-Quartett Nr. 1, Op. 44, das Trio Nr. 2 für\nCiavier u. s. w. Op. 66 und die Variationen Op. 83 für\nPianoforte, welche sämmtlich der letzten Periode nach\n1840 angehören.\nOhne Opuszahl und im thematischen Katalog nicht\naufgeführt nennt Rietz noch (ohne Angabe der Entste-\nhungszeit): zwei Ciavierstücke, Andante B-clur und Presto\nG-moll, Leipzig, bei Senff; zwei Gesänge für vier Männer-\nstimmen: „Schlummernd an des Vaters Brust\" und „Auf,\nFreunde, lasst das Jahr uns singen\", Leipzig, bei Kahnt\n(Repertorium für Männergesang), und ein Te Deum für\nvierstimmigen Chor und Orgel mit englischem lext (in\neinem londoner Druck). Von den Orgelstimmen, die\nMendelssohn zu Händel's Salomon und Israel in Aegypten\ngesetzt hat, ist die letztere in der Ausgabe der\n\n*) Am auffallendsten ist der Unterschied z. B. bei der „Wal-\npurgisnacht\", 1830 und 18-31 componirt, 1843 als Op. 60,\n„Ouvertüre zu Ruy Blas\", .1839 componirt und erst nach\nMendelssohn'« Tode als Op. 95 gedruckt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4916, "texte": "Society, für welche Mendelssohn dieses Oratorium über-\nhaupt redigirt hat, gedruckt. (Die erstere ist handschrift-\nlich in Köln vorhanden.)\nIn das Verzeichniss sind auch die nach Mendelssohn's\nTode aus dem Nachlasse noch veröffentlichten Werke\nan der Stelle, wo sie der Chronologie nach entstanden\nsind, aufgenommen. Wünschenswerth möchte vielleicht\ndie Bezeichnung derselben durch ein Sternchen in einer\nzweiten Aullage sein. Der Ortsname bedeutet überall,\nwo er beigefügt ist, den Ort, wo das betreffende Werk\ncomponirt (oder vollendet) worden ist.\nDie Reihe eröffnet das Jahr 1822 (das dreizehnte\nLebensjahr) mit dem Quartett für Pianolorte, Violine,\nBratsche und Violoncell in C-Op. 1, in Berlin ge-\nschrieben, und es schliesst sie das Jahr 1847 mit: „Alt-\ndeutsches Frühlingslied\" für eine Stimme mit Piano-\nforte (in Op. 86), letzte Composition Mendelssohn's, ge-\nschrieben den 7. October 1847 in Leipzig. Am 4. No-\nvember verschied er.\nAus dem Verzeichnisse dürfte Folgendes zu bemerken\nsein.\nBei 1824 ist „Die Hochzeit des Camacho\" (einmal\nim Schauspielhause zu Berlin den 29. April 1827 aufge-\nführt) als Op. 10 bezeichnet, während S. 501 die Sinfo-\nnie Nr. I ebenfalls unter Op. 10 angeführt wird. Eine\nOuvertüre für Harmoniemusik in C-dur (Op. 24),\nfür die Bade-Capelle in Dobberan daselbst geschrieben,\nspäter für vollständige Militärmusik eingerichtet, ist uns\nnoch nie zu Gehör gekommen und dürfte den Regiments-\nMusikcorps statt der unausstehlichen Opem-Potpourri's zu\nempfehlen sein.\n1828. Das Quartett für zwei Violinen, Bratsche\nund Violoncell in Op. 12, ist das zweite, das Men-\ndelssohn geschrieben, aber als erstes herausgegeben; das\nQuartett in A-moll, Op. 13, ist ein Jahr früher (1827)\nentstanden. Das schöne Octett (Op. 20) rührt schon aus\n1825 her; die Fuge für Geigen-Quartett in als\nOp. 81 gedruckt, ist schon 1827 componirt. Von den drei\nQuartetten Op. 44 ist die Zeit des ersten nicht zu ermit-\nteln (vergleiche oben); jedoch kann die dortige Angabe\n„nach 1840\" nicht wohl auch auf diese Nr. 1 passen,\nda Nr. 2 in E-moll und Nr. 3 in Es-dur aus 1837 und\n1838 herrühren.\nDie Ouvertüren: „Sommernachtstraum\" 1826*)\n„Meeresstille und glückliche Fahrt\" 1828 „Hebri-\nden\" 1830 in Rom „Melusine\" 1833 »Ruy Blas\"\n1839—„Athalia\" und Priestermarsch 1844 in London.\nDie erste Sinfonie rührt (wie oben gesagt) wahr-\nscheinlich schon aus 1824 her; die Sinfonie in A-dur (als\nOp. 90 erst erschienen) aus 1833, von ihm selbst oft seine\n„italienische\" Sinfonie genannt; die Sinfonie-Cantate Op.\n52 aus 1840; die („schottische\" in den Reisebriefen ge-\nnannt) in A-moll, Op. 56, aus 1842.\nDie Composilionen geistlicher Texte bilden fol-\ngende Reihenfolge:\n1830. Der 115. Psalm (Op. 31) in Rom. Drei Kir-\nchenmusiken für Chor und Solostimmen mit Orgel (Op.\n23) und Drei Motetten für weibliche Stimmen mit Orgel\n(Op. 39), beide in Rom, letztere für die Nonnen auf Tri-\nnita de' Monti componirt.— 1831. uns Frieden\"\n(ohne Opuszahl), auch noch in R0m.—1833. Vocal-Chor:\n„J Lord, have mercy\",in A-moll (ohne Opuszahl) in Berlin,\ngedruckt in Bösenberg's Album zu Leipzig.\n1834 und 1835. Oratorium Paulus (den 22. Mai\n1836 zum ersten Male in Düsseldorf).— 1837. Der 42.\nPsalm (Op: 42). 1838. Der 95. Psalm (Op. 46).\n1839. Der 114. Psalm: „Da Israel aus Aegypten zog\",\nachtstimmig (Op. 51). —lB4O. Lohgesang (Op. 52, zum\nersten Male in Leipzig den 25. Juni 1840 in der Thomas-\nkirche zur vierten Säcularfeier der Erfindung der Buch-\ndruckerkunst). Festgesang für Männerchor und Blech:\n„Begeht mit heil'gem Lobgesang\" (bei derselben Gelegen-\nheit— ohne Opuszahl gedruckt).\n1843. Chöre zur Athalia für weibliche Stimmen und\nPianoforte, nachher im Jahre 1845, für vollständigen Chor\nund Orchester eingerichtet, als Op. 74 (mit der Ouver-\ntüre, die 1844 geschrieben) gedruckt; zum ersten Male\naufgeführt den 1. December 1845 im königlichen Theater\nzu Charlottenburg. —ln demselben Jahre 1843 der 191.\nPsalm (Op. 91), zur Feier des Neujahrstages 1844 im\nDome zu Berlin. Der 2. Psalm: „Warum toben die\nHeiden\", achtstimmig (Op. 78), und: „Herr Gott, Du bist\nunsere Zuversicht\", ebenfalls achtstimmig (Op. 79).\nFerner gehört hieher die Hymne für Alt, Chor und Or-\nchester (Op. 96), welche eine Bearbeitung des Werkes:\n„Drei geistliche Lieder für eine Altstimme mit Chor und\nOrgel\" ist, die früher ohne Opuszahl bei Simrock in Bonn\nerschienen.\n1844. Hymne für Sopran, Chor und Orgel. Berlin\n(ohne Opuszahl). Psalmen für achtstimmigen Chor (Op. 78).\n1846. Lauda Stonfür Chor, Solo und Orchester\n(Op. 73) für die Kirche St. Martin in Lüttich. Orato-\nrium Elias (Op. 70). Zum ersten Male aufgeführt den\n25. August 1846 in Birmingham. „Sprüche\" für acht-\nstimmigen Chor.\n\n*) Die Musik zu den Zwischenacten u. s. w. schrieb er erst 1843.\nArn 14. October 3843 wurde der „Sommer na\nmit vollständiger Musik Mendelssohn's zum ersten Male im\nneuen Palais zu Potsdam aufgeführt, darauf am 18. October\nim Schauspielhause zu Berlin."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5401, "texte": "1847. Drei Motetten für Chor und Solostimmen (Op.\n69) und Recitative und Chöre aus dem unvollendeten\nOratorium „Christus\" *).\nAus diesen Angaben wird man hinlänglich ersehen,\nwelch eine grosse Wichtigkeit den Katalog von Rietz hat.\nMit wahrem Erstaunen erfüllt uns aber der Anblick\ndes zweiten Verzeichnisses, welches die „nicht ge-\ndruckten Werke\" Mendelssohn'« enthält. Mit Recht sagt\nRietz darüber im Vorworte: „Die bedeutende Anzahl der\nhier aufgeführten Werke gibt Zeugniss, wie streng und\ngewissenhaft Mendelssohn gegen sich verfuhr, wie Vieles\ner zurücklegte, das, wenn auch überarbeitet, der Welt\nFreude und Genuss hätte bereiten können; sie gibt aber\nauch Zeugniss, dass man nach seinem Tode bedacht gewe-\nsen ist, in gleicher Handlungsweise weiter zu verfahren\nund nichts aus dem Nachlasse zu veröffentlichen, was sei-\nnes Namens und seiner Bedeutung in der Kunstgeschichte\nunwerth gewesen wäre. Kleinere Gelegenheits-Compo-\nsitionen u. s. w., deren ausserordentlich viele existiren, sind\nnicht angeführt worden, zunächst weil eine auch nur an-\nnähernde Vollständigkeit nicht zu erreichen gewesen wäre.\"\nDiese nicht gedruckten, aber sämmtlich noch vorhan-\ndenen Werke sind nach den Musikgallungen aufgeführt,\nso dass man die ausserordentliche Thätigkeil des Autors\nfür jede Kategorie überschauen kann. Doch ist die Zeit\nder Entstehung meistens beigefügt.\nFür Kirchenmusik finden wir hier 23 Nummern,\ndarunter an zehn grosse Sachen mit Orchester, unter An-\nderem ein Magnificataus 1822, ein 1825, den\n100. Psalm 1844, „Herr Gott, Dich loben wir\" für Dop-\npelchor, Orgel, vier Posaunen und Streich-Instrumente,\nzur Feier des tausendjährigen Bestehens von Deutschland\n1843, ferner dreizehn Stücke zum Paulus, die Mendelssohn\nspäter weggelassen (4 Chöre, 3 Choräle, 4 Recitative, 1\nSopran-Arie und 1 Duett für Tenor und Bass), dann grös-\nsere Werke a capella (theils achtstimmig) aus 1826 28\nfür die berliner Sing-Akademie u. s. w.— Vielleicht dürf-\nten die Compositionen „Ad vfür drei- und vier-\nstimmigen Männerchor und für Män-\nnerchor, welche nach 1831 geschrieben sind, bei dem\nMangel an gediegenen Sachen für diese Gattung eine wie-\nderholte Prüfung Bezugs Veröffentlichung derselben ver-\ndienen. Ausserdem sind unter den „weltlichen Gesängen\"\nnoch sieben Nummern für Männerchor verzeichnet,\nfemer eine Festmusik, Gedicht von Reilstab, ebenfalls für\nMännerstimmen mit Blas-Instrumenlen und Bässen, sieben\nNummern Soli und Chöre aus 1827, zu einem Feste, das\nA. von Humboldt den deutschen Naturforschern zu Berlin\ngab. Für vollständigen Chor und Orchester eine Cantate\nzum „Dürer-Fest\", 12. April 1828, vierzehn Nummern\nSoli , grosse fugirte Chöre u. s. w.\nMerkwürdig sind drei einaclige komische Opern und\neine dreiactige: „Der Onkel aus Boston oder die beiden\nNeffen\". Ferner an dreissig Arien und Lieder für eine\nSingstimme mit Begleitung.\nVon Orch est er w er ken befinden sich im Nachlasse\nzwei Sinfonieen (in D-dur 1822, und in D-moll zur Feier\ndes Beformationsfestes in London und Berlin aufgeführt\n1830). Ferner eine Ouvertüre in aus 1825,\nwelche beim Musikfeste in Düsseldorf/1833 aufgeführt\nwurde*).\nFür Streich-Instrumente sind zwölf bis sechs-\nzehn vier-, fünl- und sechsstimmige Nummern vorhanden\ndarunter ein Violin-Concert in D-moll.\nUnter den eilf grösseren Stücken für Pianoforte\nmit Begleitung finden sich zwei Concerte für zwei Cla-\nviere mit Orchester, ein Sextett, ein Quartett, ein Trio,\nvier Sonaten (mit Bratsche, Clarinette, Violine), meist alle\naus 1823 und 1824, jedoch eine Sonate mit Violine in\nF-dur aus 1838, also aus der besten Periode. Für\nPianoforte allein sind ausser einer Menge von kleineren\nfünf grössere Stücke da, unter ihnen eine Sonate in\naus 1827, deren Veröffentlichung interessant sein dürfte,\nda wir von dieser Compositions-Gatlung, ausser den sechs\nOrgel-Sonaten**) nur die eine Sonate Op. 6 besitzen.\nWenn Lobe in einem Aufsatze über Mendelssohn in\nder Gartenlaube (1859 vom 9. Februarj sagt: „Er war\nim Ganzen sehr streng gegen seine Arbeiten und hielt\nmanche geringere darunter zurück\", so sehen wir jetzt,\ndass die Zahl dieser zurückgehaltenen eine erstaunlich\ngrosse war. Fährt Lobe aber fort: „Es versteht sich, dass\nder Begriff „ „geringer\"\" bei seinen Werken nur im Ver-\n\n*) Aus dem Jalire 1847 rührt auch das Finale aus der Oper Lo-\nrelei her, das als Op. 98 aus dem Nachlass gedruckt ist.\n„Ausser demselben sind von dieser Oper nur noch ein Ave\nMaria für Sopran-Solo und weiblichen Chor, ein grosser Marsch\nmit Chor und die Anfänge von drei anderen Musikstücken\nvorhanden/ J. Rietz, S. 515.\n*) Ich erinnere mich derselben recht gut; sie war sehr frisch\nund lebendig ohne bestimmte Charakteristik, gefiel aber sehr ;\nauf meine öftere spätere Anfgage an Mendelssohn, warum er\nsie nicht drucken lasse und wo sie überhaupt geblieben, gab\ner stets ausweichende Antwort; doch konnte ich daraus schlies-\nsen, dass er diese Ouvertüre, welche vor „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" und den „Hebriden\" componirt war, diesen\nbeiden desswegen nicht für ebenbürtig achtete, weil sie kein\nmehr oder weniger bestimmtes Phantasiebild ausdrückte. L. B.\n**) Verzeichniss der gedruckten Werke kommt die Orgel-So-\nnate in C-moll, Op. 02, Nr. 2, unter 1839 und unter 1844,\nferner die Sonate in D-moll, Nr. 6 desselben Werkes unter\n1844 und 1845 vor; dagegen fehlt die Angabe von Nr. 5. Es\nwird also wohl irgendwo ein Druckfehler zu berichtigen sein.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 509, "texte": "gleich mit seinen besten gellen soll, denn im gewöhnli-\nchen Sinne hat er keine geringen Werke veröffentlicht;\nseine relativ geringsten haben immer noch mehr Werth,\nals manche neuere, deren Urheber es ihm gleich zu thun\noder gar ihn zu übertreffen meinen1' —so stimmen wir ihm\ndarin bei und möchten glauben, dass eine wiederholte,\nnicht gar zu ängstliche Sichtung des überreichen Nachlas-\nses doch noch manche Musikstücke für den Druck geeignet\nfinden könnte, auf welche Lobe's Urlheil anzuwenden\nsein dürfte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "300", "page_fin": "300", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.2.3", "titre_corps": "Aus Holland.", "titre_sommaire": "Aus Holland.", "signature_source": "X. X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.4", "debut_caractere": 511, "fin_caractere_exclue": 4115, "texte": "Aus Holland.\nX. X.\nDen 7. September 1863.\nIn der Regeh bietet Holland im Sommer den Chro-\nnisten auf dem musicalischen Gebiete wenig StofT für ihre\nFeder: nichts als Gartenmusik, Polka's, Walzer u. s. w.,\nAlles unter freiem Himmel.\nDieses Jahr hat indessen eine Ausnahme gemacht, und\nzwei musicalische Festlichkeiten dürfen nicht mit Schwei-\ngen übergangen werden und werden vielleicht auch unsere\nrheinländischen Nachbarn interessiren.\nDas erste fand in Amsterdam am 4. und 5. August\nStatt und war das sechste niederländische Sänger-\nfest, zu welchem an 350 Sänger aus allen Ecken und\nEnden Niederlands zusammengeströmt waren. Leider hat\ndieses Fest wiederum bewiesen, dass die holländischen\nSängervereine noch sehr weit von kunstgemässer Vollkom-\nmenheit des Chorgesanges entfernt sind und nicht daran\ndenken können, mit den deutschen Vereinen zu wetteifern,\nselbst nicht mit denen zweiten Ranges, obwohl mehrere\nvon ihnen durch Deutsche, wie die Herren Böhme, Collin,\nHeinze und Andere, geleitet werden.\nDa wir nach bestem Gewissen nur wenig Gutes von\ndiesem Feste sagen könnten, und der Tadel mehr Raum\neinnehmen würde, als das Lob, so wollen wir lieber nicht\nins Einzelne gehen, jedoch nicht unterlassen, den Verein\n„ Uefening en Uitspanning\"(Uebung und Erholung) von\nHerzogenbusch zu nennen, welcher mit Recht Anspruch\nauf eine ehrenvolle Erwähnung hat.\nDas zweite Ereigniss war ein so genanntes National-\nMusikfest, welches ein Musik-Verleger, Herr Lef&bre\nim Haag, am 3. und 5. September organisirt hatte, wo-\nbei jedoch das bedeutendste Werk, das aufgeführt wurde,\nvon einem Deutschen, Herrn Heinze, componirt war. Dies\nkönnte als ein Armuths-Zeugniss für Hollands Componisten\nan Talent und Zahl ausgelegt werden, wenn wir nicht\nwüsslen, dass aus allerlei Gründen mehrere Tonkünstler\n(z. B. Verhülst, Ernst Lübeck u. s. w.) ihre Mitwirkung\nabgelehnt hatten und andere talentvolle Componisten ver-\ngessen oder übergangen worden, waren.\nDas Publicum hat sich nicht eben gedrängt zu diesem\nFeste, welches zwei Tage dauerte und dessen Ertrag für\ndie Unterstützungs-Casse der alten invaliden Krieger aus\ndem Jahre 1813 bestimmt war. Am ersten Tage wurde\nein Werk von Richard Hol (gegenwärtig in Utrecht)\naufgeführt, die Composition eines holländischen Gedichtes:\n„Leydens Entsatz\", dann ein Oratorium von Heinze und\neine Ouvertüre mit Chören von Boers. Das Werk von\nHol für Chor, Solostimmen und Orchester hat den Erfolg\ndes ersten Tages für sich gehabt; es enthält schöne Par-\ntieen und beweist einen grossen Fortschritt in der Ent-\nwicklung des jungen Componisten. Es ist Schwung darin,\ndabei ist es gut geschrieben und gut instrumentirt, und\nwenn Hol etwas weniger sympathisch zu der unseligen\nneuesten Schule hinneigte, so würde sein Werk noch bes-\nser und seine Zukunft noch hoffnungsvoller sein.\nVon Heinze's Oratorium: „Die Auferstehung\", ist\nschon im vorigen Winter in diesen Blättern die Rede ge-\nwesen, allein ich muss dazu bemerken, dass dieses Werk\nbeim zweiten Anhören desselben nicht gewinnt. Es ist\nkeine classisch ernste, religiöse Musik, wie sie der Gegen-\nstand fordert, und es hat viele Längen.\nAm zweiten Tage waren ein Psalm von Heinrich\nLübeck (Vater des berühmten Pianisten Ernst Lübeck)\nund ein Chor von Nicolai*) die besten Nummern des\nProgramms. Die Ausführung liess aber im Allgemeinen in\nChor und Orchester viel zu wünschen übrig. Die Soli\nwurden von Dilettanten gesungen, mit Ausnahme des Herrn\nWarnots, der mit einer sympathischen Tenorstimme eine\ngründliche musicalische Bildung verbindet und in mehre-\nren Sprachen singt. Sein Erfolg war so allgemein als be-\nrechtigt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "300", "page_fin": "301", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.2.4", "titre_corps": "Das National-Musikfest im Haag", "titre_sommaire": "Das National-Musikfest im Haag", "signature_source": "H. H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.4", "debut_caractere": 4117, "fin_caractere_exclue": 4892, "texte": "Das National-Musikfest im Haag\n\n★ *\\\nr\nHaag, den 14. September 1863.\nEs war eine gute, aber kühne Idee des hiesigen Mu-\nsikhändlers Leffehre (Firma F. J. Weygand & Co.), ein\nMusikfest zu veranstalten, in welchem nur Werke von\nholländischen Componisten oder solchen, die seit langer\nZeit sich in Holland niedergelassen haben, aufgeführt wer-\nden sollten. Was aber die wirkliche Instandsetzung des\nFestes betrifft, so fand auch hier Anwendung, was neulich\nin diesen Blättern bei Gelegenheit des Musikfestes in Kö-\nnigsberg gesagt wurde, dass Einer allein nicht ausreicht,\num ein musicalisches Fest zweckmässig zu organisiren.\n\n*) W. F. G. Nicolai, ein holländischer Componist und Musik-\nDirector im Haag. N Die Redaction. .\n**) Von einem anderen Correspondenten. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3746, "texte": "Wenn .auch der musicalische Theil ein gelungener war,\nso wurde doch der Hauptzweck verfehlt, und anstatt den\nInvaliden von 1813 eine Summe spenden zu können, hat\nder Unternehmer noch Geld zulegen müssen.\nDie Concerte fanden im Rittersaale des Binnenhofes\nStatt, der zwar ziemlich hübsch decorirt war, aber nicht\nvorzüglich akustisch ist, so dass der Klang des Orchesters\nnur so lange gut war, als die Pauken und Trompeten\nschwiegen; auch kamen die schnelleren Figuren in den\nStreich-Instrumenten nicht deutlich zur Geltung. Zu rügen\nist übrigens, dass am zweiten Tage die Zahl der Violinisten\nkleiner war, als am ersten.\nDas Concert am 3. September begann um 12% Uhr\nmit einer Ouvertüre über die Choral-Melodie des 65.\nPsalmes für Orchester und Chor J. C. Boers,\neinem trefflichen Musikstücke, das auch recht gut ausge-\nführt wurde. Hierauf folgte eine Cantate für Männerstim-\nmen (Soli und Chor) mit Orchester: „Leyden's Entsatz\",\nvon Richard Hol, eine kräftige, effectvolle Composition,\ndie nur zuweilen zu stark instrumentirt ist. Die zweite Ab-\ntheilung brachte „Die Auferstehung\", ein Oratorium von\nG. A. Heinze, ein Werk, das viel Schönes enthält, allein\ndoch zuletzt etwas ermüdend wirkt, da gar Manches darin\nzu weit ausgesponnen ist. Die Chöre sind dankbar (nament-\nlich ein sechsstimmiger Frauenchor) und die Instrumenti-\nrung überall schön; aber der Charakter der Musik ent-\nfernt sich hier und da durch Klänge ä la Wagner und\ndurch Coloratur-Concessionen an den Solo-Sopran von\ndem Ernste der Gattung.\nAm zweiten Tage eröffnete das Concert eine Ouver-\ntüre mit Schlusschor in C-dur (Manuscript) von W. F. G.\nNicolai, Musik-Director im Haag, deren Introduction\nund Durchführung zwar etwas monoton war, die aber\ndoch beifällig aufgenommen wurde, namentlich in Bezug\nauf den Schlusschor. Ein Psalm für Sopran-Solo, Chor\nund Orchester von J. Heinrich Lübeck, eine ganz vor-\ntreffliche Composition, erregte stürmischen Beifall und war\nunbedingt dasjenige Musikstück, das bei dem ganzen Feste\nam meisten zündete. Dem wackeren Meister, dem die Mu-\nsik in Holland so viel verdankt, wurde ein wohlverdienter\nLorberkranz zu Theil, nachdem er bei der ersten Auffüh-\nrung desselben Werkes vor mehreren Jahren vom Könige\nzum Ritter des niederländischen Löwen-Ordens ernannt\nworden war.\nHerr Moriz Hagemann spielte Mendelssohn'sZJ-wo/Z-\nConcert für Pianoforte mit vieler Fertigkeit und musicali-\nscher Auffassung, und Herr Henri Warnots bewährte\nsich durch den Vortrag der Kirchen-Arie von Stradella und\neiniger anderen Tenor-Soli als einen vortrefflichen Sänger,\ndessen Leistungen mit Recht stürmischer Beifall folgte.\nIn der zweiten Abtheilung, welche mit einer pompö-\nsen, aber in der Erfindung nicht bedeutenden Ouvertüre\nvon W. H utschenru iter begann, sang Frau C. Fros-\nschart Beethovens „Ah Perfimit schöner, obwohl\netwas ermüdeter Stimme und trefflichem musicalischem\nVortrage, und ein junger Violinist von sechszehn Jahren,\nGerhard Hekking, spielte den ersten Satz von Vieux-\ntemps' E-dur-Concert und machte seine Sache ganz vor-\ntrefflich, so dass er zu grossen Hoffnungen berechtigt.\nDie letzte Nummer war ein allerliebstes Gesangslück :\n„Frühlings-Erwachen\", für Chor und kleines Orchester\n(Geigen-Quartett, Solo-Flöte und Clarinette, zwei Oboen,\nzwei Fagotte und zwei Hörner) componirt von W. F. G.\nNicolai. Es wurde mit rauschendem Beifall aufgenommen,\nden es überall finden wird, wo man es aufführt. Die Da-\nmen und Herren vom Chor bereiteten dem Herrn Nicolai,\nder alle Proben geleitet hatte und dessen eifrigen und un-\neigennützigen Bemühungen man die gute Ausführung der\nChöre verdankte, eine vom Publicum mit Applaus be-\ngrüsste Ovation und überreichten ihm einen kostbaren\nTactstock nebst Album, das ihre Namen enthielt.\n\nH. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "301", "page_fin": "302", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.2.5", "titre_corps": "Der rheinische Sängerverein.", "titre_sommaire": "Der rheinische Sängerverein.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.5", "debut_caractere": 3748, "fin_caractere_exclue": 5144, "texte": "Der rheinische Sängerverein.\n\nDas deutsche Sängerfest in Nürnberg (1861) regte\nden Gedanken der Bildung eines allgemeinen deutschen\nSängerbundes an, der in Süddeutschland sich um so eher\ndarbot, als der schwäbische Sängerbund dort schon seit\nJahren bestand. Nach dessen Beispiel wurden Verbindun-\ngen der Gesangvereine der verschiedenen deutschen Gaue\nund ihr allmählicher Eintritt in den grossen Bund empfoh-\nlen. Für die Ausführung des Gedankens ist seitdem gar\nManches geschehen: allein im Ganzen scheint das Schick-\nsal von allem, was „deutscher Bund\" heisst, auch diesem\nBunde anzuhangen, die Idee wird durch die Praxis ver-\nkümmert, die Quelle versiegt, ehe sie zum Strom gewor-\nden. Doch möchten wir nicht gern missverstanden werden.\nWie das nürnberger Fest ein herrlicher und begeisterter\nAusdruck deutschen Volksthums, vermittelt durch Dichtung\nund Gesang, war, so hat auch der deutsche Sängerbund\nals ein Bund der Liebe zum Vaterlande und als Ausdruck\ndes Strebens nach Einheit und Brüderschaft seine schöne\nBedeutung. Fragen wir uns aber, ob die Gesinnung, wel-\nche den Ernst des Zweckes erkennt, diesen Ernst auch\nauf das Mittel zum Zwecke, auf den Gesang als Gegen-\nstand der Kunst überträgt, so müssen wir bekennen,\ndass dies, mit wenigen rühmlichen Ausnahmen, im Allge-\nmeinen nicht der Fall ist. So erfreulich die Verbreitung\nder Gesangeslust über Stadt und Land ist, so nimmt sie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3468, "texte": "doch so ausgedehnte Verhältnisse an, dass der aufrichtige\nFreund des Gesanges darin mehr eine Gefahr als einen\nSieg der Tonkunst erkennen muss. Für alle, die in den\nletzten Jahren den Verlauf und die Resultate der grossen\nund kleinen Sängerfeste mit Theilnahme verfolgt haben,\nbedarf dies keiner weiteren Ausführung. Durch Wett-\nstreite und Preise ist da nicht zu helfen, wie das auch\nschon in Nürnberg ganz richtig eingesehen wurde. In der\nKunst kann das Unschöne und Triviale nur durch das\nwirklich Schöne und Bedeutende und dessen Vorführung\nin kunstgemässer Weise überwunden werden.\nDesshalb begrüssen wir mit Freuden die neue Verbin-\ndung von sechs rheinischen Vereinen, deren Zweck\nist, die Würde des mehrstimmigen Männergesanges als\neiner edeln Gattung der Tonkunst aufrecht zu erhalten und\njährlich durch eine grosse Concert-Aufführung\nmit vereinten Kräften dem Publicum von der Art und\nWeise Rechenschaft zu geben, wie sie ihre Aufgabe auf-\nfassen und durch ein ernstes Kunststreben zu lösen suchen.\nEs sind dies die „Liedertafel\" von Aachen, die\n„Concordia\" von Bonn, die „Liedertafel\" von Crefeld,\ndie „Liedertafel\" von Elberfeld, der „Männer-Ge-\nsangverein\" von Köln, der „Männer-Gesangverein\" von\nNeuss.\nDieser Verein ist im April d. J. zusammen getreten;\nnach seinem Statut wechselt die Vorortschaft, mit welcher\ndie Einrichtung und Leitung der Gesammt-Aufführung\nverbunden ist, jährlich; der Rein-Ertrag der letzteren ist\nzur Hälfte für Honorirung grösserer Compositionen für\nMännergesang bestimmt, zur anderen Hälfte vorzugsweise\nfür vaterstädtische Zwecke des jedesmaligen Vororts. In\nder constituirenden Versammlung wurde Köln für 1863\nund Aachen für 1864 einstimmig zum Vororte gewählt.\nDemnach hat der Männer-Gesangverein zu Köln und\ndessen Dirigent Franz Weber die Veranstaltung und\nLeitung des diesjährigen Concertes, welches Sonntag\nden 4. October im grossen Gürzenich-Saale\nStatt finden wird, übernommen. Grundsatz ist, dass bei\ndiesen Concerten nur ein Einzelvortrag eines durchs Loos\nzu bestimmenden Vereins, welcher nicht der des Vorortes\nsein darf, zugelassen wird, jedoch sind ein oder zwei In-\nstrumentalsätze oder auch Sologesang nicht ausgeschlossen.\nBetrachten wir das für das Concert am 4. October\naufgestellte Programm, so geht daraus erstens hervor,\ndass durch die getroffene Wahl alles Gewöhnliche und oft\nAbgesungene fern gehalten ist, und zweitens, dass die zwei\ngrössten jetzt lebenden deutschen Componisten, Franz\nLachner und Ferdinand Hiller, durch neue, für\nden Verein geschriebene grössere Werke die Ten-\ndenz desselben anerkennen und begünstigen. Lachner\nhat dem Vereine eine Composition des 150. Psalm es\nmit Orchester und Orgelbegleitung gewidmet und Hiller\nzwei Gesänge aus der Edda (von Ellar Ling): „Oster-\nfeuer\" und „Ostara\", für Solo, Männerchor und Or-\nchester. Ausser diesen beiden Glanzstücken werden wir\nzwei der schönsten Kirchengesänge von Pal es tri na\nhone Jesu) und von Vittoria (Popule mens) hören, Men-\ndelssohn's Hymne „An die Künstler\", Lachner's „Stur-\nmesmythe\", und Gesänge von K. M. v. Weber, Franz\nSchubert, N. W. Gade, Jul. Bietz und J. Herbeck.\nWährend das Streben des rheinischen Sängervereins\ndem Spruche entgegenzutreten sucht: „Ueberall, wo die\nKunst gesunken, ist sie durch die Künstler gesunken\",\nmöge das Publicum auch diesem Streben entgegenkom-\nmen und von seiner Seite den Beweis liefern, dass ihm\nnur das wahre Schöne geboten zu werden braucht, um\nes zu würdigen und zu lieben!\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-19_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "302", "page_fin": "303", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.2.6", "titre_corps": "Karl Hallé aus Manchester in Darmstadt.", "titre_sommaire": "Karl Hallé aus Manchester in Darmstadt.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.6", "debut_caractere": 3470, "fin_caractere_exclue": 5083, "texte": "Karl Hallé aus Manchester in Darmstadt.\n\nDieser berühmte Musiker und Virtuose {sit\nverbo, denn der Ausdruck Virtuose ist fast zu gewöhnlich für\neinen Künstler seines Ranges) weilt seit etwa 4 5 Tagen\nhier in Darmstadt, dem Asyl der „sicilianischen Vesper\"\nund der „Königin vonSaba\", und erfreute eine kleine,\naber andächtige Zuhörerschar im Hause des kunstlieben-\nden Bank-Directors Frhrn. v. W. gestern Abend durch\nverschiedene Vorträge Reethoven'scher Compositionen.\nHerr Hall£ spielte zuerst Reethoven's Sonate in Es-dur\n(3A), dann das grosse Trio in B-dur mit zwei Kammer-\nmusikern und endlich die grosse Sonate in Wir\nhaben seit Jahren viel über Herrn Halle und seine musi-\ncalische Wirksamkeit im Allgemeinen, so wie über seine\nwunderbare Interpretation Beelhoven'scher Compositionen\nspeciel gelesen; aber alles, was auch geschrieben wurde,\ndarf als nicht erschöpfend angesehen werden für das, was\nwir zu hören bekamen. Ganz abgesehen von der voll-\nendeten Technik Halle's, ist seine geistvolle Auffassung,\nseine höchst prägnante Ausdrucksweise und überaus klare\nVersinnlichung des Reethoven'schen Genius etwas ganz\n„Apartes\", in diesem Grade von mir noch nicht Gehörtes.\nWas Herrn Halle überdies als Ciavierspieler vor vielen\nseiner Collegen auszeichnet, das ist die eben so weise als\nsparsame Verwendung des Pedals, was über das be-\ntreffende Tonstück eine ungemeine Klarheit verbreitet und\nsehr wesentlich zum Verständniss und höheren Genüsse\ndesselben beiträgt. Wenn England viele solcher Künstler\nbesässe wie Halle, so wäre es uns fürder kein Räthsel\nmehr, warum es seine klingende Erkenntlichkeit nach"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 400, "texte": "„Pfunden\" bemisst, wo in Deutschland die Gulden und\nThaler sich schon breit machen. Herr ist von hier\nnach Elberfeld und der Grafschaft Mark, seiner Heimat,\ngereist und wird sich nach kurzem Aufenthalte direct nach\nManchester zurück begeben. Seine äussere Erscheinung\nund sein ganzes Auftreten ist so liebenswürdig und beschei-\nden, wie es bei Künstlern seines Ranges gewiss selten\nwahrgenommen wird."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.7", "debut_caractere": 7313, "fin_caractere_exclue": 7315, "texte": "S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-09-19-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-09-19_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-09-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "303", "page_fin": "304", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.7", "debut_caractere": 402, "fin_caractere_exclue": 7311, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli» Die Eröffnung des neuen Cursus im Conservato-\nrium der Musik beginnt Montag den 5. October. Die Aufnahme-\nPrüfung findet, nach vorhergegangener schriftlicher Anmeldung bei\ndem Vorstände, Donnerstag den L October, Vormittags um 10 Uhr,\nim Locale der Schule (Glockengasse) Statt.\nDie Aufführung von F. Hiller's Oper „Die Katakomben\"\nfindet am 24. September auf dem Hoftheater zu Hannover be-\nstimmt Statt»\nItaliänische Oper in Berlin. In der nächsten Saison soll\nBerlin wieder eine italiänische Oper haben, und zwar im Victoria-\nTheater. Im October wird Merelli mit einer Gesellschaft, an deren\nSpitze die Piatti stehen soll, eine Anzahl Vorstellungen geben. Für\nspäter steht die Direction in Unterhandlung mit dem americanischen\nImpresario Ulimann, welcher eine Gesellschaft mit der Charlotte\nPatti als Primadonna zusammenstellen soll. (Diese durch mehrere\nZeitungen gehende Nachricht beruht auf einem Irrthum. Carlotta\nPatti tritt nicht auf dem Theater auf, weil sie auf einem Fusse\nhinkend ist. Herr Ullmann, der hier in Köln war, beabsichtigt\naber allerdings eine Concertreise mit dieser Sängerin durch Deutsch-\nland im Februar des folgenden Jahres.)\nMainz* Am 25. August fand die Eröffnung der diesjährigen\nSaison unseres Stadttheaters mit Gounod's „Faust\" Statt. Bekannt-\nlich ist die hiesige Direction an den lloftheater-Director von Darm-\nstadt, Herrn Tescher, übergegangen, der, während er die mainzer\nBühne als Privat-Unternehmen leitet, zugleich in seiner Stellung als\nChef des Hoftheaters von Darmstadt verbleibt, und nun in letzterer\nEigenschaft der mainzer Bühne Vortheile zuwenden kann, die kei-\nnem anderen Privat-Director zu Gebote stehen. In welchem Umfange\ndiese Vortheile benutzt werden, davon zeugte schon die erste Vor-\nstellung, in der ausser dem Tenoristen Herrn Nachbaur, der den\nFaust sang, auch noch Chöre, Ballet, Solo-Tänzerinuen, ja, selbst\nGarderobe und Requisiten vom darmstädter Hoftheater mitwirkten.\nDie Aufführung war eine recht gelungene, besonders war es Fräulein\nKreuzer, die als Margarethe vielen Beifall und lebhaften Hervor-\nruf fand. Vom Standpunkte der Kritik aus dürfte dieser grosse Er-\nfolg nur theilweise gerechtfertigt erscheinen.\nDie Herren Leopold Brassin, Hof-Pianist des Herzogs von\nCoburg-Gotha, dessen Bruder Gerhard Brassin, Violinist und\nConcertmeister in Bern, und Th. Krumbholz, bisheriger Solo-Vio-\nloncellist der Gewandhaus-Concerte zu Leipzig, haben in den thürin-\ngischen und im vorigen Monate auch in rheinischen Bädern con-\ncertirt und durch die virtuose Ausführung von gediegenen Kammer-\nmusik- und glänzenden Salonstücken grossen Beifall geärntet.\nAus Kassel schreibt man über die Oper „La B6ole\", Text von\nCharlotte Birch-Pfeiffer, Musik von Gustav Schmidt, die\nam 20. August aufgeführt wurde (vgl. Nr. 37, S. 296), noch Fol-\ngendes: Die Musik enthält allerdings manche schöne Nummer, z. B.\ndie Romanze Margarethens: ~Die Nachtigall sagt es der Rose\",\nAmandens Arien, die Arie Rosny's im zweiten Acte, ein Duett Aman-\ndens und Heinrich's, so wie das Finale desselben Actes die beste\nNummer der ganzen Oper und im dritten Acte, welcher der\nschwächste ist, das Keiterlied. Diese Stücke sind es auch vorzugs-\nweise, denen am meisten Anspruch auf Originalität zukommt, wäh-\nrend an manchen anderen Stellen dem Zuhörer Reminiscenzen sich\naufdrängen, \"woduich ei last versucht wird, dem Componisten repro-\nduetives Schaffen vorzuwerfen. Beispielsweise: die Ouvertüre sowie\nder erste Act enthalten mannigfache Anklänge an die ..lustigen Wei-\nbei , der Anfang der I)6s-duv-A.x\\.G von Heinrich liefert in den er-\nsten sechs 1 acten eine frappante Reminiscenz des bekannten thürin-\ngei \\ olksliedes: „O, wie ist s möglich dannu j auch an unser etwas\ngeräuschvolles, tägliches Schlummerlied, den Zapfenstreich, werden\nwir in einem Männerchor erinnert der Anklänge an die „Stum-\nme , die „Ivion-DiamantenL\" u. s. w. nicht zu gedenken! Ein Haupt-\nvorwurf erwächst jedoch dem Componisten erst aus dem flüchtigen\nUebergehen, theilweise auch aus der nicht ausdrucksvoll genug her-\nvortretenden Behandlung solcher Stellen, welche das im musicalischeu\nDrama schon ohnehin schwierige Verständniss der Handlung wenig-\nstens in den Hauptmomenten erleichtern. Durch die coinplicirten\nTonfiguren und das rasche Tempo an der Stelle, wo Amande die\ndreifache Einladung in den Pavillon empfängt, bleibt in der That die\nHandlung vollständig unklar, während es zweifellos richtiger und\nvoi theilhafter ei scheinen müsste, eben an jener Stelle durch musica-\nlische Hülfsmittel zum \\ erständniss der Handlung in grösserem\nMaasse beizutiagen. Andere Momente dagegen leiden an einer übel\nangebrachten, allzu breiten Behandlung, z. B. das Ensemble im Ter-\nzett von Rosny, Margarethe und Amande. Dem erwachenden Schuld-\nbewusstsein Letzterer, „ein Verbrechen begangen zu haben\", um dess-\nwillen sie auch der Königin zu Füssen fällt, dürfte das so ausge-\ndehnte Gesangspart: „Weh1 mir!\" nicht vorangehen. Ein weiterer\nVerstoss gegen den dramatischen Gang der Handlung findet sich,\ndem vorigen umgekehrt, an zwei Stellen im zweiten Acte, nämlich\ndurch ein Zuwenig. Hier hätte Rosny vor seinem Sprunge durch\ndas statt der auferlegten stummen Rolle eben so auch\nAmande in ihrer Begeisterung, statt der wirkungslosen drei Tacte:\n„Ich liefere sie euch aus!\" entsprechendere Beachtung finden\nmüssen. Eine solche Flüchtigkeit darf um so mehr verwundern, als\neine klare Darstellung der Situation stellenweise recht wohl gelun-\ngen ist. Es bedarf keines weiteren Beweises, dass der Componist\nbei Bearbeitung des Textes nicht geringe Schwierigkeiten zu über-\nwinden gehabt hat. Derselbe ist schlechterdings zu verwickelt für\neine Oper, welche doch stets und vor Allem einen gewissen Grad\nvon Deutlichkeit an sich tragen muss. Wie sehr dieser Umstand bei\ndem Schaffen des Werkes störend einwirkte, davon zeugt der schöne,\nfreie Flug, den die Phantasie des Tondichters in klaren Situationen\nnimmt, in denen er den Zuhörer auf das angenehmste fesselt. Leider\nnur ist das nicht so häufig der Fall, als man nach dem Genüsse\neinzelner Stellen zu erwarten berechtigt ist, und wird die Form zu-\nweilen sogar etwas gedrückt, wie beispielsweise in dem Andantino\nder Romanze Heinrich's im ersten Acte. Im grossen Ganzen betrach-\ntet, trägt das Tongemälde einen französischen Charakter und wird,\ndavon sind wir überzeugt, an dem möglichen baldigen Verschwinden\ndesselben vom Repertoire, wegen Mangels grösserer Theilnahme, mehr\ndas Sujet, als das musicalische Gewand die Schuld tragen.\nBremen, 3. September. Der Künstlerverein hat nach einer\nPause von zwei Monaten die Reihe seiner regelmässigen Mittwochs-\nVersammlungen gestern wieder eröffnet, und zwar mit einem musi-\ncalischen Abend, für den die Orchesterkräfte aufgeboten waren, um\neinem hiesigen Künstler Gelegenheit zu geben, ein neues Werk bei\nden Freunden der Musik einzuführen. Herr J. Streudner hat im"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6383, "texte": "vorigen Winter ein Clavier-Concert componirt, welches gestern zum\nersten Male zu Gehör kam. Ein Quintett iür Pianoforte und Streich-\nInstrumente, welches Herr Streudner in der letzten.Saison vorführte,\nliess mit Bestimmtheit erwarten, dass er an seine neue, grössere und\nschwierigere Aufgabe den vollen Ernst und den soliden Fleiss setzen\nwerde, die ihn in allem künstlerischen Thun auszeichnen. Er hat\ndenn auch seinen Weg würdig und mit Glück durchmessen und eine\nComposition geschaffen, welche volle Anerkennung verdient. Das\naus drei Sätzen bestehende Werk schliesst sich in seinem Charakter\nden guten Mustern auf diesem Gebiete an, behauptet dabei eine\nselbständige, originelle Haltung und ist mit grosser Gewissenhaftig-\nkeit ausgeführt. In der Beherrschung der Formen, besonders in der\nBehandlung des Orchesters zeigt sich so viel Sicherheit und so viel\nguter Geschmack, wie sie sich bei einem ersten Versuche dieser Art\nselten finden werden. Das Verhältniss des Claviers zum begleitenden\nOrchester ist sehr glücklich gewahrt, keines greift unkünstlerisch\nin das Andere über oder zieht sich machtlos zurück. Von den drei\nSätzen des Concertes erscheint uns das erste Allegro als der bedeu-\ntendste; es ist in den Gedanken und in der Arbeit energisch und\ntrefflich abgerundet. Aehnlich das Schluss-Allegro, während im An-\ndante Erfindung und Ausführung gegen die beiden anderen Ab-\nschnitte zurückstehen mögen, wenigstens nicht denselben Fluss und\ndieselbe Eindringlichkeit haben. Das mit dem lebhaftesten Beifalle\naufgenommene Werk wird uns in diesem Winter wohl noch einmal\nbegegnen tfnd auch, wie wir hoffen, seinen Weg weiter machen; es\nist dessen vollkommen würdig. Es wurde an diesem Abende fer-\nner noch eine Arie für Bass von dem verstorbenen Concertmeister\nGeorg Schmidt, componirt für seinen Sohn, den Sänger Herrn\nPaul Schmidt, als Einlage in Lortzing's Oper „Czaar und Zim-\nmermann\", statt der grossen Arie des Czaaren, vorgetragen. Wie\nuns scheint, übertrifft diese Einlage an musicalischem Werthe die\nbetreffende Lortzing'sche Nummer. Das Orchester, unter der Lei-\ntung des Herrn Musik-Directors Reinthaler, erfreute die Zuhörer\nausserdem durch die Ouvertüre zum „Wasserträger\" von Cherubini,\nderen prächtige Klänge, wie immer, grossen Eindruck machten.\nDie Sing-Akademie beginnt ihre Uebungen am nächsten Mon-\ntage und will sich zu unserer grossen Freude an eine ma-\nchen, welche zu lösen ein Ehrenpunkt für sie ist. Es wird die grosse\nMesse von Beethoven in Angriff genommen werden. Daneben wurde\nder „Elias\" von Mendelssohn auf das Programm gesetzt. Im Gesang-\nvereine des Herrn Engel ist der Vorschlag gemacht, das neue Ora-\ntorium „Gideon\" von Meinardus, das im Frühjahre in Oldenburg\naufgeführt ward, zu studiren.\nJulius von Kolb, Professor des Ciavierspiels am Conservato-\nrium in München, starb am 17, August zu Feldafing am Starnber-\ngersee, wohin er sich, um die Ferien zu verbringen, begeben hatte.\nAm 13. Juli 1830 zu Obergünzburg in Schwaben geboren, genoss\ner den ersten musicalischen Unterricht zu Augsburg bei C. L. Dro-\nbisch und Kempter und erhielt sodann auf dem Conservatorium zu\nLeipzig in den Jahren 1848 und 1849 seine weitere künstlerische\nAusbildung. Die nächstfolgenden Jahre verbrachte er in regem Ver-\nkehr mit Meistern seines Faches in Berlin und Wien und bildete\nhier sein künstlerisches Urtheil zu jener Gerechtigkeit und Selbstän-\ndigkeit aus, welche ihm die Achtung und den Beifall aller wahrhaft\nGebildeten errangen. Dass er sich eben dadurch andererseits den\nohnmächtigen Hass mancher Zünftler höheren und niederen Ranges\nzuzog, war nicht zu verwundern und wird dem Verblichenen nur\nzur Ehre gereichen. Nach München kam Kolb im Spätsommer 1*857\nund erhielt daselbst zu Anfang 1858 die durch Heuchemer's Tod\nerledigte Professur. Mit aufopfernder Liebe und einer unermüdlichen,\ndie Schüler zu gleichem Streben beseelenden Thätigkeit lag er sei-\nnem Berufe ob. Dem grösseren münchener Publicum ward er durch\neine Reihe schöner Cöncert-Abende rühmlichst bekannt. Möge, wie\ndermalen sein Wirken, so hinfort sein Gedächtniss Jüngern und\nFreunden der Kunst zum Vorbilde gereichen! (W. Ree.)\nWieil* Das schwarze Schiff schwamm daher, die blutrothen\nSegel flogen empor und ein brausender Sturm erhob sich im\nSaale, als man des „fliegenden Holländers\" charakteristischer Gestalt\nansichtig wurde, der nach dreimonatlicher Fahrt wieder im Hafen\nder Triumphe landete. Der Steuermann, Herr Hof-Capellmeister\nEsser, musste innehalten, bis die Sturzwellen des Beifalls, die sich\nimmer wieder erneuerten, sich ein wenig verlaufen hatten. Doch\nblieb es nicht allein bei dieser Begrüssung des Lieblings; jede her-\nvortretende Stelle, dann selbstverständlich die Actschlüsse, wurden\nzum Anlasse genommen, Applause und Hervorrufe laut werden zu\nlassen, die Herrn Beck die Sympathieen in unzweideutigstem Maasse\nbeweisen sollten, die ihm das Publicum bewahrt. Und wahrlich, wer\nverdiente sie mit besserem Rechte, als dieser Künstler, dessen frisch-\nüppiges, metallieiches Organ eben so bezaubert, als der empfundene\nVortrag und das durchdachte Spiel kaum eine Anforderung unbe-\nfriedigt lassen. Seinen Holländer zu detailliren, ist wohl kaum mehr\nnothwendig; es ist eine bekannte Meisterleistung Beck's, von der\nman kühn behaupten darf, sie stehe ohne Rivalen da. Nicht minder\nvorzüglich waren in ihren Rollen die Herren Meyerhofer, Erl\nund Fräulein Bettelheim. Die Haltung der Chöre und des Or-\nchesters verdienen volle Anerkennung. Beleuchtung und Maschine-\nrieen thaten ihre Schuldigkeit. Somit glauben wir nichts unerwähnt\ngelassen zu haben. Vom Uebrigen nimmt ohnehin schon lange Nie-\nmand mehr Notiz. (81. f. Th.)\nDer Ciaviermacher Karl Stein in Wien ist am 28. August,\n65 Jahre alt, gestorben. Seine Instrumente haben lange Zeit durch\nschönen, weichen Klang, Spielart und Haltbarkeit wohlverdienten\nRuf genossen.\nBei Gelegenheit der Fest-Vorstellung in Darmstadt zu Ehren des\nKaisers von Oesterreich erhielt der Hoftheater-Director Tescher\nvon Sr. Majestät den Franz-Josephs-Orden.\nI*aris. An seinem Geburtsfeste hat der Kaiser Napoleon 111,\nunter Anderen folgenden Künstlern und Journalisten das Ritterkreuz\nder Ehrenlegion verliehen: den Herren Pasdeloup, Director der\nConcerts populaires, Saucy, Professor am Conservatorium, P.\nScudo, musicalischem Kritiker in der Bevue des deux Mondes etc.>\nThicry, Decorationsmaler, und zehn Journalisten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMendelssohn's Werke. Aus Holland (Sechstes niederländisches Sängerfest National-Musikfest). Von X. X. Das\nNational-Musikfest im Haag. Von H. H. Der rheinische Sängerverein. Von L. B. Karl Halle aus Manchester in Darmstadt. Ta-\nges- und Unterhaltungsblatt (Köln, Conservatorium, F. Hillens „Katakomben\" Italiänische Oper in Berlin Mainz, Theater\nKassel, „La Beole\" —-Bremen, Künstlerverein München, Julius von Kolb f Wien, Theater, Ordens-Verleihung Paris).\n\nMendelssohn’s Werke.\nWir haben schon erwähnt, dass der zweite Band von\nMendelssohn's Briefen als Anhang ein Verzeichniss der\nsämmtlichen Compositionen von F.Mendelssohn\nBartholdy enthält. Dieses Verzeichniss, eine höchst dan-\n*> 7\nkenswerthe Arbeit, welcher sich Herr Capellmeister Ju-\nlius Rietz unterzogen hat—und Niemand war dazu bes-\nser im Stande —, ist nicht nur eine Ergänzung und\nErläuterung des bei Breitkopf und Härtel erschienenen\nthematischen Katalogs der Wrerke Mendelssohn's, sondern\nzugleich eine urkundliche Nachweisung der Entwicklung\ndes Meisters. Nach der einmal herrschenden Sitte im Mu-\nsicalien-Verlag, der sich dadurch nicht zu seinem Vortheil\nvom Bücher-Verlag unterscheidet, dass er die Zahl des\nJahres, in welchem die Veröffentlichung durch den Druck\ngeschieht, nicht auf der ersten Ausgabe des Musikstückes\nangibt, geben bekanntlich die Opuszahlen durchaus keinen\nsicheren Anhalt für die Reihenfolge der Producte nach\nder Zeit ihrer Entstehung. Daher denn die grosse Mühe\nder Nachforschung und Sichtung für den Historiker der\nMusik und den Biographen des Componisten und oft die\nUnmöglichkeit, zu ganz sicheren Ergebnissen zu gelangen.\nDiese Verwirrung, die z. B. bei Beethoven's Werken auf-\nfallend ist, findet sich auch bei Mendelssohn's Compositio-\nnen, da auch bei ihnen die Opuszahl nur für die Reihen-\nfolge des Erscheinens, nicht der Entstehung maassgebend\nist*). Alle thematischen Verzeichnisse der Werke Beetho-\nven's, Schubert's, Chopin's, Mendelssohn's u. s. w. folgen\nden Opuszahlen und geben nur selten beiläufige Notizen\nüber die Zeit der Entstehung.\nHerr J. Rietz hat nun nach des Autors Original-\nHandscbriften das Verzeichniss der von Mendelssohn\nim Druck erschienenen Werke nach der chronologischen\nOrdnung ihrer Entstehung zusammengestellt. Mendelssohn\npflegte auf seinen Autographen Ort und Datum der Ent-\nstehung oder Vollendung zu notiren: allein schon jetzt wa-\nren trotz aller darauf gewandten Mühe die Autographe\nvon zwölf Werken und von vielen einzelnen Liedern (mit\nund ohne Worte) nicht mehr zu ermitteln. Diese 12 Werke\nhat Rietz daher in sein Verzeichniss nicht aufgenommen,\nweil er dasselbe streng chronologisch und urkundlich genau\naufstellen wollte: er hat sie aber im Vorworte namhaft\ngemacht und die Zeit ihrer Entstehung im Allgemeinen\nund wohl mit Sicherheit angegeben. Die bedeutenderen\ndarunter sind die Sonate Op. 6 für Pianoforte (die einzige\ngedruckte), die Liederhefte Op. 8 und 9, die Sinfonie\nNr. 1., Op. 10, welche letztere wahrscheinlich schon 1824\n(in sein fünfzehntes Lebensjahr), alle genannten aber zwi-\nschen 1824—1828 zu setzen sind. Ferner die Phantasie\nOp. 15 für Pianoforte und die sechs Gesänge Op. 19\nbeide ohne Zweifel zwischen 1830 und 1834; endlich\ndas Violin-Quartett Nr. 1, Op. 44, das Trio Nr. 2 für\nCiavier u. s. w. Op. 66 und die Variationen Op. 83 für\nPianoforte, welche sämmtlich der letzten Periode nach\n1840 angehören.\nOhne Opuszahl und im thematischen Katalog nicht\naufgeführt nennt Rietz noch (ohne Angabe der Entste-\nhungszeit): zwei Ciavierstücke, Andante B-clur und Presto\nG-moll, Leipzig, bei Senff; zwei Gesänge für vier Männer-\nstimmen: „Schlummernd an des Vaters Brust\" und „Auf,\nFreunde, lasst das Jahr uns singen\", Leipzig, bei Kahnt\n(Repertorium für Männergesang), und ein Te Deum für\nvierstimmigen Chor und Orgel mit englischem lext (in\neinem londoner Druck). Von den Orgelstimmen, die\nMendelssohn zu Händel's Salomon und Israel in Aegypten\ngesetzt hat, ist die letztere in der Ausgabe der\n\n*) Am auffallendsten ist der Unterschied z. B. bei der „Wal-\npurgisnacht\", 1830 und 18-31 componirt, 1843 als Op. 60,\n„Ouvertüre zu Ruy Blas\", .1839 componirt und erst nach\nMendelssohn'« Tode als Op. 95 gedruckt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.2", "texte": "Society, für welche Mendelssohn dieses Oratorium über-\nhaupt redigirt hat, gedruckt. (Die erstere ist handschrift-\nlich in Köln vorhanden.)\nIn das Verzeichniss sind auch die nach Mendelssohn's\nTode aus dem Nachlasse noch veröffentlichten Werke\nan der Stelle, wo sie der Chronologie nach entstanden\nsind, aufgenommen. Wünschenswerth möchte vielleicht\ndie Bezeichnung derselben durch ein Sternchen in einer\nzweiten Aullage sein. Der Ortsname bedeutet überall,\nwo er beigefügt ist, den Ort, wo das betreffende Werk\ncomponirt (oder vollendet) worden ist.\nDie Reihe eröffnet das Jahr 1822 (das dreizehnte\nLebensjahr) mit dem Quartett für Pianolorte, Violine,\nBratsche und Violoncell in C-Op. 1, in Berlin ge-\nschrieben, und es schliesst sie das Jahr 1847 mit: „Alt-\ndeutsches Frühlingslied\" für eine Stimme mit Piano-\nforte (in Op. 86), letzte Composition Mendelssohn's, ge-\nschrieben den 7. October 1847 in Leipzig. Am 4. No-\nvember verschied er.\nAus dem Verzeichnisse dürfte Folgendes zu bemerken\nsein.\nBei 1824 ist „Die Hochzeit des Camacho\" (einmal\nim Schauspielhause zu Berlin den 29. April 1827 aufge-\nführt) als Op. 10 bezeichnet, während S. 501 die Sinfo-\nnie Nr. I ebenfalls unter Op. 10 angeführt wird. Eine\nOuvertüre für Harmoniemusik in C-dur (Op. 24),\nfür die Bade-Capelle in Dobberan daselbst geschrieben,\nspäter für vollständige Militärmusik eingerichtet, ist uns\nnoch nie zu Gehör gekommen und dürfte den Regiments-\nMusikcorps statt der unausstehlichen Opem-Potpourri's zu\nempfehlen sein.\n1828. Das Quartett für zwei Violinen, Bratsche\nund Violoncell in Op. 12, ist das zweite, das Men-\ndelssohn geschrieben, aber als erstes herausgegeben; das\nQuartett in A-moll, Op. 13, ist ein Jahr früher (1827)\nentstanden. Das schöne Octett (Op. 20) rührt schon aus\n1825 her; die Fuge für Geigen-Quartett in als\nOp. 81 gedruckt, ist schon 1827 componirt. Von den drei\nQuartetten Op. 44 ist die Zeit des ersten nicht zu ermit-\nteln (vergleiche oben); jedoch kann die dortige Angabe\n„nach 1840\" nicht wohl auch auf diese Nr. 1 passen,\nda Nr. 2 in E-moll und Nr. 3 in Es-dur aus 1837 und\n1838 herrühren.\nDie Ouvertüren: „Sommernachtstraum\" 1826*)\n„Meeresstille und glückliche Fahrt\" 1828 „Hebri-\nden\" 1830 in Rom „Melusine\" 1833 »Ruy Blas\"\n1839—„Athalia\" und Priestermarsch 1844 in London.\nDie erste Sinfonie rührt (wie oben gesagt) wahr-\nscheinlich schon aus 1824 her; die Sinfonie in A-dur (als\nOp. 90 erst erschienen) aus 1833, von ihm selbst oft seine\n„italienische\" Sinfonie genannt; die Sinfonie-Cantate Op.\n52 aus 1840; die („schottische\" in den Reisebriefen ge-\nnannt) in A-moll, Op. 56, aus 1842.\nDie Composilionen geistlicher Texte bilden fol-\ngende Reihenfolge:\n1830. Der 115. Psalm (Op. 31) in Rom. Drei Kir-\nchenmusiken für Chor und Solostimmen mit Orgel (Op.\n23) und Drei Motetten für weibliche Stimmen mit Orgel\n(Op. 39), beide in Rom, letztere für die Nonnen auf Tri-\nnita de' Monti componirt.— 1831. uns Frieden\"\n(ohne Opuszahl), auch noch in R0m.—1833. Vocal-Chor:\n„J Lord, have mercy\",in A-moll (ohne Opuszahl) in Berlin,\ngedruckt in Bösenberg's Album zu Leipzig.\n1834 und 1835. Oratorium Paulus (den 22. Mai\n1836 zum ersten Male in Düsseldorf).— 1837. Der 42.\nPsalm (Op: 42). 1838. Der 95. Psalm (Op. 46).\n1839. Der 114. Psalm: „Da Israel aus Aegypten zog\",\nachtstimmig (Op. 51). —lB4O. Lohgesang (Op. 52, zum\nersten Male in Leipzig den 25. Juni 1840 in der Thomas-\nkirche zur vierten Säcularfeier der Erfindung der Buch-\ndruckerkunst). Festgesang für Männerchor und Blech:\n„Begeht mit heil'gem Lobgesang\" (bei derselben Gelegen-\nheit— ohne Opuszahl gedruckt).\n1843. Chöre zur Athalia für weibliche Stimmen und\nPianoforte, nachher im Jahre 1845, für vollständigen Chor\nund Orchester eingerichtet, als Op. 74 (mit der Ouver-\ntüre, die 1844 geschrieben) gedruckt; zum ersten Male\naufgeführt den 1. December 1845 im königlichen Theater\nzu Charlottenburg. —ln demselben Jahre 1843 der 191.\nPsalm (Op. 91), zur Feier des Neujahrstages 1844 im\nDome zu Berlin. Der 2. Psalm: „Warum toben die\nHeiden\", achtstimmig (Op. 78), und: „Herr Gott, Du bist\nunsere Zuversicht\", ebenfalls achtstimmig (Op. 79).\nFerner gehört hieher die Hymne für Alt, Chor und Or-\nchester (Op. 96), welche eine Bearbeitung des Werkes:\n„Drei geistliche Lieder für eine Altstimme mit Chor und\nOrgel\" ist, die früher ohne Opuszahl bei Simrock in Bonn\nerschienen.\n1844. Hymne für Sopran, Chor und Orgel. Berlin\n(ohne Opuszahl). Psalmen für achtstimmigen Chor (Op. 78).\n1846. Lauda Stonfür Chor, Solo und Orchester\n(Op. 73) für die Kirche St. Martin in Lüttich. Orato-\nrium Elias (Op. 70). Zum ersten Male aufgeführt den\n25. August 1846 in Birmingham. „Sprüche\" für acht-\nstimmigen Chor.\n\n*) Die Musik zu den Zwischenacten u. s. w. schrieb er erst 1843.\nArn 14. October 3843 wurde der „Sommer na\nmit vollständiger Musik Mendelssohn's zum ersten Male im\nneuen Palais zu Potsdam aufgeführt, darauf am 18. October\nim Schauspielhause zu Berlin."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "299", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.3", "texte": "1847. Drei Motetten für Chor und Solostimmen (Op.\n69) und Recitative und Chöre aus dem unvollendeten\nOratorium „Christus\" *).\nAus diesen Angaben wird man hinlänglich ersehen,\nwelch eine grosse Wichtigkeit den Katalog von Rietz hat.\nMit wahrem Erstaunen erfüllt uns aber der Anblick\ndes zweiten Verzeichnisses, welches die „nicht ge-\ndruckten Werke\" Mendelssohn'« enthält. Mit Recht sagt\nRietz darüber im Vorworte: „Die bedeutende Anzahl der\nhier aufgeführten Werke gibt Zeugniss, wie streng und\ngewissenhaft Mendelssohn gegen sich verfuhr, wie Vieles\ner zurücklegte, das, wenn auch überarbeitet, der Welt\nFreude und Genuss hätte bereiten können; sie gibt aber\nauch Zeugniss, dass man nach seinem Tode bedacht gewe-\nsen ist, in gleicher Handlungsweise weiter zu verfahren\nund nichts aus dem Nachlasse zu veröffentlichen, was sei-\nnes Namens und seiner Bedeutung in der Kunstgeschichte\nunwerth gewesen wäre. Kleinere Gelegenheits-Compo-\nsitionen u. s. w., deren ausserordentlich viele existiren, sind\nnicht angeführt worden, zunächst weil eine auch nur an-\nnähernde Vollständigkeit nicht zu erreichen gewesen wäre.\"\nDiese nicht gedruckten, aber sämmtlich noch vorhan-\ndenen Werke sind nach den Musikgallungen aufgeführt,\nso dass man die ausserordentliche Thätigkeil des Autors\nfür jede Kategorie überschauen kann. Doch ist die Zeit\nder Entstehung meistens beigefügt.\nFür Kirchenmusik finden wir hier 23 Nummern,\ndarunter an zehn grosse Sachen mit Orchester, unter An-\nderem ein Magnificataus 1822, ein 1825, den\n100. Psalm 1844, „Herr Gott, Dich loben wir\" für Dop-\npelchor, Orgel, vier Posaunen und Streich-Instrumente,\nzur Feier des tausendjährigen Bestehens von Deutschland\n1843, ferner dreizehn Stücke zum Paulus, die Mendelssohn\nspäter weggelassen (4 Chöre, 3 Choräle, 4 Recitative, 1\nSopran-Arie und 1 Duett für Tenor und Bass), dann grös-\nsere Werke a capella (theils achtstimmig) aus 1826 28\nfür die berliner Sing-Akademie u. s. w.— Vielleicht dürf-\nten die Compositionen „Ad vfür drei- und vier-\nstimmigen Männerchor und für Män-\nnerchor, welche nach 1831 geschrieben sind, bei dem\nMangel an gediegenen Sachen für diese Gattung eine wie-\nderholte Prüfung Bezugs Veröffentlichung derselben ver-\ndienen. Ausserdem sind unter den „weltlichen Gesängen\"\nnoch sieben Nummern für Männerchor verzeichnet,\nfemer eine Festmusik, Gedicht von Reilstab, ebenfalls für\nMännerstimmen mit Blas-Instrumenlen und Bässen, sieben\nNummern Soli und Chöre aus 1827, zu einem Feste, das\nA. von Humboldt den deutschen Naturforschern zu Berlin\ngab. Für vollständigen Chor und Orchester eine Cantate\nzum „Dürer-Fest\", 12. April 1828, vierzehn Nummern\nSoli , grosse fugirte Chöre u. s. w.\nMerkwürdig sind drei einaclige komische Opern und\neine dreiactige: „Der Onkel aus Boston oder die beiden\nNeffen\". Ferner an dreissig Arien und Lieder für eine\nSingstimme mit Begleitung.\nVon Orch est er w er ken befinden sich im Nachlasse\nzwei Sinfonieen (in D-dur 1822, und in D-moll zur Feier\ndes Beformationsfestes in London und Berlin aufgeführt\n1830). Ferner eine Ouvertüre in aus 1825,\nwelche beim Musikfeste in Düsseldorf/1833 aufgeführt\nwurde*).\nFür Streich-Instrumente sind zwölf bis sechs-\nzehn vier-, fünl- und sechsstimmige Nummern vorhanden\ndarunter ein Violin-Concert in D-moll.\nUnter den eilf grösseren Stücken für Pianoforte\nmit Begleitung finden sich zwei Concerte für zwei Cla-\nviere mit Orchester, ein Sextett, ein Quartett, ein Trio,\nvier Sonaten (mit Bratsche, Clarinette, Violine), meist alle\naus 1823 und 1824, jedoch eine Sonate mit Violine in\nF-dur aus 1838, also aus der besten Periode. Für\nPianoforte allein sind ausser einer Menge von kleineren\nfünf grössere Stücke da, unter ihnen eine Sonate in\naus 1827, deren Veröffentlichung interessant sein dürfte,\nda wir von dieser Compositions-Gatlung, ausser den sechs\nOrgel-Sonaten**) nur die eine Sonate Op. 6 besitzen.\nWenn Lobe in einem Aufsatze über Mendelssohn in\nder Gartenlaube (1859 vom 9. Februarj sagt: „Er war\nim Ganzen sehr streng gegen seine Arbeiten und hielt\nmanche geringere darunter zurück\", so sehen wir jetzt,\ndass die Zahl dieser zurückgehaltenen eine erstaunlich\ngrosse war. Fährt Lobe aber fort: „Es versteht sich, dass\nder Begriff „ „geringer\"\" bei seinen Werken nur im Ver-\n\n*) Aus dem Jalire 1847 rührt auch das Finale aus der Oper Lo-\nrelei her, das als Op. 98 aus dem Nachlass gedruckt ist.\n„Ausser demselben sind von dieser Oper nur noch ein Ave\nMaria für Sopran-Solo und weiblichen Chor, ein grosser Marsch\nmit Chor und die Anfänge von drei anderen Musikstücken\nvorhanden/ J. Rietz, S. 515.\n*) Ich erinnere mich derselben recht gut; sie war sehr frisch\nund lebendig ohne bestimmte Charakteristik, gefiel aber sehr ;\nauf meine öftere spätere Anfgage an Mendelssohn, warum er\nsie nicht drucken lasse und wo sie überhaupt geblieben, gab\ner stets ausweichende Antwort; doch konnte ich daraus schlies-\nsen, dass er diese Ouvertüre, welche vor „Meeresstille und\nglückliche Fahrt\" und den „Hebriden\" componirt war, diesen\nbeiden desswegen nicht für ebenbürtig achtete, weil sie kein\nmehr oder weniger bestimmtes Phantasiebild ausdrückte. L. B.\n**) Verzeichniss der gedruckten Werke kommt die Orgel-So-\nnate in C-moll, Op. 02, Nr. 2, unter 1839 und unter 1844,\nferner die Sonate in D-moll, Nr. 6 desselben Werkes unter\n1844 und 1845 vor; dagegen fehlt die Angabe von Nr. 5. Es\nwird also wohl irgendwo ein Druckfehler zu berichtigen sein.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "300", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.4", "texte": "gleich mit seinen besten gellen soll, denn im gewöhnli-\nchen Sinne hat er keine geringen Werke veröffentlicht;\nseine relativ geringsten haben immer noch mehr Werth,\nals manche neuere, deren Urheber es ihm gleich zu thun\noder gar ihn zu übertreffen meinen1' —so stimmen wir ihm\ndarin bei und möchten glauben, dass eine wiederholte,\nnicht gar zu ängstliche Sichtung des überreichen Nachlas-\nses doch noch manche Musikstücke für den Druck geeignet\nfinden könnte, auf welche Lobe's Urlheil anzuwenden\nsein dürfte.\n\nAus Holland.\nX. X.\nDen 7. September 1863.\nIn der Regeh bietet Holland im Sommer den Chro-\nnisten auf dem musicalischen Gebiete wenig StofT für ihre\nFeder: nichts als Gartenmusik, Polka's, Walzer u. s. w.,\nAlles unter freiem Himmel.\nDieses Jahr hat indessen eine Ausnahme gemacht, und\nzwei musicalische Festlichkeiten dürfen nicht mit Schwei-\ngen übergangen werden und werden vielleicht auch unsere\nrheinländischen Nachbarn interessiren.\nDas erste fand in Amsterdam am 4. und 5. August\nStatt und war das sechste niederländische Sänger-\nfest, zu welchem an 350 Sänger aus allen Ecken und\nEnden Niederlands zusammengeströmt waren. Leider hat\ndieses Fest wiederum bewiesen, dass die holländischen\nSängervereine noch sehr weit von kunstgemässer Vollkom-\nmenheit des Chorgesanges entfernt sind und nicht daran\ndenken können, mit den deutschen Vereinen zu wetteifern,\nselbst nicht mit denen zweiten Ranges, obwohl mehrere\nvon ihnen durch Deutsche, wie die Herren Böhme, Collin,\nHeinze und Andere, geleitet werden.\nDa wir nach bestem Gewissen nur wenig Gutes von\ndiesem Feste sagen könnten, und der Tadel mehr Raum\neinnehmen würde, als das Lob, so wollen wir lieber nicht\nins Einzelne gehen, jedoch nicht unterlassen, den Verein\n„ Uefening en Uitspanning\"(Uebung und Erholung) von\nHerzogenbusch zu nennen, welcher mit Recht Anspruch\nauf eine ehrenvolle Erwähnung hat.\nDas zweite Ereigniss war ein so genanntes National-\nMusikfest, welches ein Musik-Verleger, Herr Lef&bre\nim Haag, am 3. und 5. September organisirt hatte, wo-\nbei jedoch das bedeutendste Werk, das aufgeführt wurde,\nvon einem Deutschen, Herrn Heinze, componirt war. Dies\nkönnte als ein Armuths-Zeugniss für Hollands Componisten\nan Talent und Zahl ausgelegt werden, wenn wir nicht\nwüsslen, dass aus allerlei Gründen mehrere Tonkünstler\n(z. B. Verhülst, Ernst Lübeck u. s. w.) ihre Mitwirkung\nabgelehnt hatten und andere talentvolle Componisten ver-\ngessen oder übergangen worden, waren.\nDas Publicum hat sich nicht eben gedrängt zu diesem\nFeste, welches zwei Tage dauerte und dessen Ertrag für\ndie Unterstützungs-Casse der alten invaliden Krieger aus\ndem Jahre 1813 bestimmt war. Am ersten Tage wurde\nein Werk von Richard Hol (gegenwärtig in Utrecht)\naufgeführt, die Composition eines holländischen Gedichtes:\n„Leydens Entsatz\", dann ein Oratorium von Heinze und\neine Ouvertüre mit Chören von Boers. Das Werk von\nHol für Chor, Solostimmen und Orchester hat den Erfolg\ndes ersten Tages für sich gehabt; es enthält schöne Par-\ntieen und beweist einen grossen Fortschritt in der Ent-\nwicklung des jungen Componisten. Es ist Schwung darin,\ndabei ist es gut geschrieben und gut instrumentirt, und\nwenn Hol etwas weniger sympathisch zu der unseligen\nneuesten Schule hinneigte, so würde sein Werk noch bes-\nser und seine Zukunft noch hoffnungsvoller sein.\nVon Heinze's Oratorium: „Die Auferstehung\", ist\nschon im vorigen Winter in diesen Blättern die Rede ge-\nwesen, allein ich muss dazu bemerken, dass dieses Werk\nbeim zweiten Anhören desselben nicht gewinnt. Es ist\nkeine classisch ernste, religiöse Musik, wie sie der Gegen-\nstand fordert, und es hat viele Längen.\nAm zweiten Tage waren ein Psalm von Heinrich\nLübeck (Vater des berühmten Pianisten Ernst Lübeck)\nund ein Chor von Nicolai*) die besten Nummern des\nProgramms. Die Ausführung liess aber im Allgemeinen in\nChor und Orchester viel zu wünschen übrig. Die Soli\nwurden von Dilettanten gesungen, mit Ausnahme des Herrn\nWarnots, der mit einer sympathischen Tenorstimme eine\ngründliche musicalische Bildung verbindet und in mehre-\nren Sprachen singt. Sein Erfolg war so allgemein als be-\nrechtigt.\n\nDas National-Musikfest im Haag\n\n★ *\\\nr\nHaag, den 14. September 1863.\nEs war eine gute, aber kühne Idee des hiesigen Mu-\nsikhändlers Leffehre (Firma F. J. Weygand & Co.), ein\nMusikfest zu veranstalten, in welchem nur Werke von\nholländischen Componisten oder solchen, die seit langer\nZeit sich in Holland niedergelassen haben, aufgeführt wer-\nden sollten. Was aber die wirkliche Instandsetzung des\nFestes betrifft, so fand auch hier Anwendung, was neulich\nin diesen Blättern bei Gelegenheit des Musikfestes in Kö-\nnigsberg gesagt wurde, dass Einer allein nicht ausreicht,\num ein musicalisches Fest zweckmässig zu organisiren.\n\n*) W. F. G. Nicolai, ein holländischer Componist und Musik-\nDirector im Haag. N Die Redaction. .\n**) Von einem anderen Correspondenten. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "301", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.5", "texte": "Wenn .auch der musicalische Theil ein gelungener war,\nso wurde doch der Hauptzweck verfehlt, und anstatt den\nInvaliden von 1813 eine Summe spenden zu können, hat\nder Unternehmer noch Geld zulegen müssen.\nDie Concerte fanden im Rittersaale des Binnenhofes\nStatt, der zwar ziemlich hübsch decorirt war, aber nicht\nvorzüglich akustisch ist, so dass der Klang des Orchesters\nnur so lange gut war, als die Pauken und Trompeten\nschwiegen; auch kamen die schnelleren Figuren in den\nStreich-Instrumenten nicht deutlich zur Geltung. Zu rügen\nist übrigens, dass am zweiten Tage die Zahl der Violinisten\nkleiner war, als am ersten.\nDas Concert am 3. September begann um 12% Uhr\nmit einer Ouvertüre über die Choral-Melodie des 65.\nPsalmes für Orchester und Chor J. C. Boers,\neinem trefflichen Musikstücke, das auch recht gut ausge-\nführt wurde. Hierauf folgte eine Cantate für Männerstim-\nmen (Soli und Chor) mit Orchester: „Leyden's Entsatz\",\nvon Richard Hol, eine kräftige, effectvolle Composition,\ndie nur zuweilen zu stark instrumentirt ist. Die zweite Ab-\ntheilung brachte „Die Auferstehung\", ein Oratorium von\nG. A. Heinze, ein Werk, das viel Schönes enthält, allein\ndoch zuletzt etwas ermüdend wirkt, da gar Manches darin\nzu weit ausgesponnen ist. Die Chöre sind dankbar (nament-\nlich ein sechsstimmiger Frauenchor) und die Instrumenti-\nrung überall schön; aber der Charakter der Musik ent-\nfernt sich hier und da durch Klänge ä la Wagner und\ndurch Coloratur-Concessionen an den Solo-Sopran von\ndem Ernste der Gattung.\nAm zweiten Tage eröffnete das Concert eine Ouver-\ntüre mit Schlusschor in C-dur (Manuscript) von W. F. G.\nNicolai, Musik-Director im Haag, deren Introduction\nund Durchführung zwar etwas monoton war, die aber\ndoch beifällig aufgenommen wurde, namentlich in Bezug\nauf den Schlusschor. Ein Psalm für Sopran-Solo, Chor\nund Orchester von J. Heinrich Lübeck, eine ganz vor-\ntreffliche Composition, erregte stürmischen Beifall und war\nunbedingt dasjenige Musikstück, das bei dem ganzen Feste\nam meisten zündete. Dem wackeren Meister, dem die Mu-\nsik in Holland so viel verdankt, wurde ein wohlverdienter\nLorberkranz zu Theil, nachdem er bei der ersten Auffüh-\nrung desselben Werkes vor mehreren Jahren vom Könige\nzum Ritter des niederländischen Löwen-Ordens ernannt\nworden war.\nHerr Moriz Hagemann spielte Mendelssohn'sZJ-wo/Z-\nConcert für Pianoforte mit vieler Fertigkeit und musicali-\nscher Auffassung, und Herr Henri Warnots bewährte\nsich durch den Vortrag der Kirchen-Arie von Stradella und\neiniger anderen Tenor-Soli als einen vortrefflichen Sänger,\ndessen Leistungen mit Recht stürmischer Beifall folgte.\nIn der zweiten Abtheilung, welche mit einer pompö-\nsen, aber in der Erfindung nicht bedeutenden Ouvertüre\nvon W. H utschenru iter begann, sang Frau C. Fros-\nschart Beethovens „Ah Perfimit schöner, obwohl\netwas ermüdeter Stimme und trefflichem musicalischem\nVortrage, und ein junger Violinist von sechszehn Jahren,\nGerhard Hekking, spielte den ersten Satz von Vieux-\ntemps' E-dur-Concert und machte seine Sache ganz vor-\ntrefflich, so dass er zu grossen Hoffnungen berechtigt.\nDie letzte Nummer war ein allerliebstes Gesangslück :\n„Frühlings-Erwachen\", für Chor und kleines Orchester\n(Geigen-Quartett, Solo-Flöte und Clarinette, zwei Oboen,\nzwei Fagotte und zwei Hörner) componirt von W. F. G.\nNicolai. Es wurde mit rauschendem Beifall aufgenommen,\nden es überall finden wird, wo man es aufführt. Die Da-\nmen und Herren vom Chor bereiteten dem Herrn Nicolai,\nder alle Proben geleitet hatte und dessen eifrigen und un-\neigennützigen Bemühungen man die gute Ausführung der\nChöre verdankte, eine vom Publicum mit Applaus be-\ngrüsste Ovation und überreichten ihm einen kostbaren\nTactstock nebst Album, das ihre Namen enthielt.\n\nH. H.\n\nDer rheinische Sängerverein.\n\nDas deutsche Sängerfest in Nürnberg (1861) regte\nden Gedanken der Bildung eines allgemeinen deutschen\nSängerbundes an, der in Süddeutschland sich um so eher\ndarbot, als der schwäbische Sängerbund dort schon seit\nJahren bestand. Nach dessen Beispiel wurden Verbindun-\ngen der Gesangvereine der verschiedenen deutschen Gaue\nund ihr allmählicher Eintritt in den grossen Bund empfoh-\nlen. Für die Ausführung des Gedankens ist seitdem gar\nManches geschehen: allein im Ganzen scheint das Schick-\nsal von allem, was „deutscher Bund\" heisst, auch diesem\nBunde anzuhangen, die Idee wird durch die Praxis ver-\nkümmert, die Quelle versiegt, ehe sie zum Strom gewor-\nden. Doch möchten wir nicht gern missverstanden werden.\nWie das nürnberger Fest ein herrlicher und begeisterter\nAusdruck deutschen Volksthums, vermittelt durch Dichtung\nund Gesang, war, so hat auch der deutsche Sängerbund\nals ein Bund der Liebe zum Vaterlande und als Ausdruck\ndes Strebens nach Einheit und Brüderschaft seine schöne\nBedeutung. Fragen wir uns aber, ob die Gesinnung, wel-\nche den Ernst des Zweckes erkennt, diesen Ernst auch\nauf das Mittel zum Zwecke, auf den Gesang als Gegen-\nstand der Kunst überträgt, so müssen wir bekennen,\ndass dies, mit wenigen rühmlichen Ausnahmen, im Allge-\nmeinen nicht der Fall ist. So erfreulich die Verbreitung\nder Gesangeslust über Stadt und Land ist, so nimmt sie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "302", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.6", "texte": "doch so ausgedehnte Verhältnisse an, dass der aufrichtige\nFreund des Gesanges darin mehr eine Gefahr als einen\nSieg der Tonkunst erkennen muss. Für alle, die in den\nletzten Jahren den Verlauf und die Resultate der grossen\nund kleinen Sängerfeste mit Theilnahme verfolgt haben,\nbedarf dies keiner weiteren Ausführung. Durch Wett-\nstreite und Preise ist da nicht zu helfen, wie das auch\nschon in Nürnberg ganz richtig eingesehen wurde. In der\nKunst kann das Unschöne und Triviale nur durch das\nwirklich Schöne und Bedeutende und dessen Vorführung\nin kunstgemässer Weise überwunden werden.\nDesshalb begrüssen wir mit Freuden die neue Verbin-\ndung von sechs rheinischen Vereinen, deren Zweck\nist, die Würde des mehrstimmigen Männergesanges als\neiner edeln Gattung der Tonkunst aufrecht zu erhalten und\njährlich durch eine grosse Concert-Aufführung\nmit vereinten Kräften dem Publicum von der Art und\nWeise Rechenschaft zu geben, wie sie ihre Aufgabe auf-\nfassen und durch ein ernstes Kunststreben zu lösen suchen.\nEs sind dies die „Liedertafel\" von Aachen, die\n„Concordia\" von Bonn, die „Liedertafel\" von Crefeld,\ndie „Liedertafel\" von Elberfeld, der „Männer-Ge-\nsangverein\" von Köln, der „Männer-Gesangverein\" von\nNeuss.\nDieser Verein ist im April d. J. zusammen getreten;\nnach seinem Statut wechselt die Vorortschaft, mit welcher\ndie Einrichtung und Leitung der Gesammt-Aufführung\nverbunden ist, jährlich; der Rein-Ertrag der letzteren ist\nzur Hälfte für Honorirung grösserer Compositionen für\nMännergesang bestimmt, zur anderen Hälfte vorzugsweise\nfür vaterstädtische Zwecke des jedesmaligen Vororts. In\nder constituirenden Versammlung wurde Köln für 1863\nund Aachen für 1864 einstimmig zum Vororte gewählt.\nDemnach hat der Männer-Gesangverein zu Köln und\ndessen Dirigent Franz Weber die Veranstaltung und\nLeitung des diesjährigen Concertes, welches Sonntag\nden 4. October im grossen Gürzenich-Saale\nStatt finden wird, übernommen. Grundsatz ist, dass bei\ndiesen Concerten nur ein Einzelvortrag eines durchs Loos\nzu bestimmenden Vereins, welcher nicht der des Vorortes\nsein darf, zugelassen wird, jedoch sind ein oder zwei In-\nstrumentalsätze oder auch Sologesang nicht ausgeschlossen.\nBetrachten wir das für das Concert am 4. October\naufgestellte Programm, so geht daraus erstens hervor,\ndass durch die getroffene Wahl alles Gewöhnliche und oft\nAbgesungene fern gehalten ist, und zweitens, dass die zwei\ngrössten jetzt lebenden deutschen Componisten, Franz\nLachner und Ferdinand Hiller, durch neue, für\nden Verein geschriebene grössere Werke die Ten-\ndenz desselben anerkennen und begünstigen. Lachner\nhat dem Vereine eine Composition des 150. Psalm es\nmit Orchester und Orgelbegleitung gewidmet und Hiller\nzwei Gesänge aus der Edda (von Ellar Ling): „Oster-\nfeuer\" und „Ostara\", für Solo, Männerchor und Or-\nchester. Ausser diesen beiden Glanzstücken werden wir\nzwei der schönsten Kirchengesänge von Pal es tri na\nhone Jesu) und von Vittoria (Popule mens) hören, Men-\ndelssohn's Hymne „An die Künstler\", Lachner's „Stur-\nmesmythe\", und Gesänge von K. M. v. Weber, Franz\nSchubert, N. W. Gade, Jul. Bietz und J. Herbeck.\nWährend das Streben des rheinischen Sängervereins\ndem Spruche entgegenzutreten sucht: „Ueberall, wo die\nKunst gesunken, ist sie durch die Künstler gesunken\",\nmöge das Publicum auch diesem Streben entgegenkom-\nmen und von seiner Seite den Beweis liefern, dass ihm\nnur das wahre Schöne geboten zu werden braucht, um\nes zu würdigen und zu lieben!\n\nL. B.\n\nKarl Hallé aus Manchester in Darmstadt.\n\nDieser berühmte Musiker und Virtuose {sit\nverbo, denn der Ausdruck Virtuose ist fast zu gewöhnlich für\neinen Künstler seines Ranges) weilt seit etwa 4 5 Tagen\nhier in Darmstadt, dem Asyl der „sicilianischen Vesper\"\nund der „Königin vonSaba\", und erfreute eine kleine,\naber andächtige Zuhörerschar im Hause des kunstlieben-\nden Bank-Directors Frhrn. v. W. gestern Abend durch\nverschiedene Vorträge Reethoven'scher Compositionen.\nHerr Hall£ spielte zuerst Reethoven's Sonate in Es-dur\n(3A), dann das grosse Trio in B-dur mit zwei Kammer-\nmusikern und endlich die grosse Sonate in Wir\nhaben seit Jahren viel über Herrn Halle und seine musi-\ncalische Wirksamkeit im Allgemeinen, so wie über seine\nwunderbare Interpretation Beelhoven'scher Compositionen\nspeciel gelesen; aber alles, was auch geschrieben wurde,\ndarf als nicht erschöpfend angesehen werden für das, was\nwir zu hören bekamen. Ganz abgesehen von der voll-\nendeten Technik Halle's, ist seine geistvolle Auffassung,\nseine höchst prägnante Ausdrucksweise und überaus klare\nVersinnlichung des Reethoven'schen Genius etwas ganz\n„Apartes\", in diesem Grade von mir noch nicht Gehörtes.\nWas Herrn Halle überdies als Ciavierspieler vor vielen\nseiner Collegen auszeichnet, das ist die eben so weise als\nsparsame Verwendung des Pedals, was über das be-\ntreffende Tonstück eine ungemeine Klarheit verbreitet und\nsehr wesentlich zum Verständniss und höheren Genüsse\ndesselben beiträgt. Wenn England viele solcher Künstler\nbesässe wie Halle, so wäre es uns fürder kein Räthsel\nmehr, warum es seine klingende Erkenntlichkeit nach"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "303", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.7", "texte": "„Pfunden\" bemisst, wo in Deutschland die Gulden und\nThaler sich schon breit machen. Herr ist von hier\nnach Elberfeld und der Grafschaft Mark, seiner Heimat,\ngereist und wird sich nach kurzem Aufenthalte direct nach\nManchester zurück begeben. Seine äussere Erscheinung\nund sein ganzes Auftreten ist so liebenswürdig und beschei-\nden, wie es bei Künstlern seines Ranges gewiss selten\nwahrgenommen wird.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli» Die Eröffnung des neuen Cursus im Conservato-\nrium der Musik beginnt Montag den 5. October. Die Aufnahme-\nPrüfung findet, nach vorhergegangener schriftlicher Anmeldung bei\ndem Vorstände, Donnerstag den L October, Vormittags um 10 Uhr,\nim Locale der Schule (Glockengasse) Statt.\nDie Aufführung von F. Hiller's Oper „Die Katakomben\"\nfindet am 24. September auf dem Hoftheater zu Hannover be-\nstimmt Statt»\nItaliänische Oper in Berlin. In der nächsten Saison soll\nBerlin wieder eine italiänische Oper haben, und zwar im Victoria-\nTheater. Im October wird Merelli mit einer Gesellschaft, an deren\nSpitze die Piatti stehen soll, eine Anzahl Vorstellungen geben. Für\nspäter steht die Direction in Unterhandlung mit dem americanischen\nImpresario Ulimann, welcher eine Gesellschaft mit der Charlotte\nPatti als Primadonna zusammenstellen soll. (Diese durch mehrere\nZeitungen gehende Nachricht beruht auf einem Irrthum. Carlotta\nPatti tritt nicht auf dem Theater auf, weil sie auf einem Fusse\nhinkend ist. Herr Ullmann, der hier in Köln war, beabsichtigt\naber allerdings eine Concertreise mit dieser Sängerin durch Deutsch-\nland im Februar des folgenden Jahres.)\nMainz* Am 25. August fand die Eröffnung der diesjährigen\nSaison unseres Stadttheaters mit Gounod's „Faust\" Statt. Bekannt-\nlich ist die hiesige Direction an den lloftheater-Director von Darm-\nstadt, Herrn Tescher, übergegangen, der, während er die mainzer\nBühne als Privat-Unternehmen leitet, zugleich in seiner Stellung als\nChef des Hoftheaters von Darmstadt verbleibt, und nun in letzterer\nEigenschaft der mainzer Bühne Vortheile zuwenden kann, die kei-\nnem anderen Privat-Director zu Gebote stehen. In welchem Umfange\ndiese Vortheile benutzt werden, davon zeugte schon die erste Vor-\nstellung, in der ausser dem Tenoristen Herrn Nachbaur, der den\nFaust sang, auch noch Chöre, Ballet, Solo-Tänzerinuen, ja, selbst\nGarderobe und Requisiten vom darmstädter Hoftheater mitwirkten.\nDie Aufführung war eine recht gelungene, besonders war es Fräulein\nKreuzer, die als Margarethe vielen Beifall und lebhaften Hervor-\nruf fand. Vom Standpunkte der Kritik aus dürfte dieser grosse Er-\nfolg nur theilweise gerechtfertigt erscheinen.\nDie Herren Leopold Brassin, Hof-Pianist des Herzogs von\nCoburg-Gotha, dessen Bruder Gerhard Brassin, Violinist und\nConcertmeister in Bern, und Th. Krumbholz, bisheriger Solo-Vio-\nloncellist der Gewandhaus-Concerte zu Leipzig, haben in den thürin-\ngischen und im vorigen Monate auch in rheinischen Bädern con-\ncertirt und durch die virtuose Ausführung von gediegenen Kammer-\nmusik- und glänzenden Salonstücken grossen Beifall geärntet.\nAus Kassel schreibt man über die Oper „La B6ole\", Text von\nCharlotte Birch-Pfeiffer, Musik von Gustav Schmidt, die\nam 20. August aufgeführt wurde (vgl. Nr. 37, S. 296), noch Fol-\ngendes: Die Musik enthält allerdings manche schöne Nummer, z. B.\ndie Romanze Margarethens: ~Die Nachtigall sagt es der Rose\",\nAmandens Arien, die Arie Rosny's im zweiten Acte, ein Duett Aman-\ndens und Heinrich's, so wie das Finale desselben Actes die beste\nNummer der ganzen Oper und im dritten Acte, welcher der\nschwächste ist, das Keiterlied. Diese Stücke sind es auch vorzugs-\nweise, denen am meisten Anspruch auf Originalität zukommt, wäh-\nrend an manchen anderen Stellen dem Zuhörer Reminiscenzen sich\naufdrängen, \"woduich ei last versucht wird, dem Componisten repro-\nduetives Schaffen vorzuwerfen. Beispielsweise: die Ouvertüre sowie\nder erste Act enthalten mannigfache Anklänge an die ..lustigen Wei-\nbei , der Anfang der I)6s-duv-A.x\\.G von Heinrich liefert in den er-\nsten sechs 1 acten eine frappante Reminiscenz des bekannten thürin-\ngei \\ olksliedes: „O, wie ist s möglich dannu j auch an unser etwas\ngeräuschvolles, tägliches Schlummerlied, den Zapfenstreich, werden\nwir in einem Männerchor erinnert der Anklänge an die „Stum-\nme , die „Ivion-DiamantenL\" u. s. w. nicht zu gedenken! Ein Haupt-\nvorwurf erwächst jedoch dem Componisten erst aus dem flüchtigen\nUebergehen, theilweise auch aus der nicht ausdrucksvoll genug her-\nvortretenden Behandlung solcher Stellen, welche das im musicalischeu\nDrama schon ohnehin schwierige Verständniss der Handlung wenig-\nstens in den Hauptmomenten erleichtern. Durch die coinplicirten\nTonfiguren und das rasche Tempo an der Stelle, wo Amande die\ndreifache Einladung in den Pavillon empfängt, bleibt in der That die\nHandlung vollständig unklar, während es zweifellos richtiger und\nvoi theilhafter ei scheinen müsste, eben an jener Stelle durch musica-\nlische Hülfsmittel zum \\ erständniss der Handlung in grösserem\nMaasse beizutiagen. Andere Momente dagegen leiden an einer übel\nangebrachten, allzu breiten Behandlung, z. B. das Ensemble im Ter-\nzett von Rosny, Margarethe und Amande. Dem erwachenden Schuld-\nbewusstsein Letzterer, „ein Verbrechen begangen zu haben\", um dess-\nwillen sie auch der Königin zu Füssen fällt, dürfte das so ausge-\ndehnte Gesangspart: „Weh1 mir!\" nicht vorangehen. Ein weiterer\nVerstoss gegen den dramatischen Gang der Handlung findet sich,\ndem vorigen umgekehrt, an zwei Stellen im zweiten Acte, nämlich\ndurch ein Zuwenig. Hier hätte Rosny vor seinem Sprunge durch\ndas statt der auferlegten stummen Rolle eben so auch\nAmande in ihrer Begeisterung, statt der wirkungslosen drei Tacte:\n„Ich liefere sie euch aus!\" entsprechendere Beachtung finden\nmüssen. Eine solche Flüchtigkeit darf um so mehr verwundern, als\neine klare Darstellung der Situation stellenweise recht wohl gelun-\ngen ist. Es bedarf keines weiteren Beweises, dass der Componist\nbei Bearbeitung des Textes nicht geringe Schwierigkeiten zu über-\nwinden gehabt hat. Derselbe ist schlechterdings zu verwickelt für\neine Oper, welche doch stets und vor Allem einen gewissen Grad\nvon Deutlichkeit an sich tragen muss. Wie sehr dieser Umstand bei\ndem Schaffen des Werkes störend einwirkte, davon zeugt der schöne,\nfreie Flug, den die Phantasie des Tondichters in klaren Situationen\nnimmt, in denen er den Zuhörer auf das angenehmste fesselt. Leider\nnur ist das nicht so häufig der Fall, als man nach dem Genüsse\neinzelner Stellen zu erwarten berechtigt ist, und wird die Form zu-\nweilen sogar etwas gedrückt, wie beispielsweise in dem Andantino\nder Romanze Heinrich's im ersten Acte. Im grossen Ganzen betrach-\ntet, trägt das Tongemälde einen französischen Charakter und wird,\ndavon sind wir überzeugt, an dem möglichen baldigen Verschwinden\ndesselben vom Repertoire, wegen Mangels grösserer Theilnahme, mehr\ndas Sujet, als das musicalische Gewand die Schuld tragen.\nBremen, 3. September. Der Künstlerverein hat nach einer\nPause von zwei Monaten die Reihe seiner regelmässigen Mittwochs-\nVersammlungen gestern wieder eröffnet, und zwar mit einem musi-\ncalischen Abend, für den die Orchesterkräfte aufgeboten waren, um\neinem hiesigen Künstler Gelegenheit zu geben, ein neues Werk bei\nden Freunden der Musik einzuführen. Herr J. Streudner hat im\n\nS."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "304", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18630919-01.1.8", "texte": "vorigen Winter ein Clavier-Concert componirt, welches gestern zum\nersten Male zu Gehör kam. Ein Quintett iür Pianoforte und Streich-\nInstrumente, welches Herr Streudner in der letzten.Saison vorführte,\nliess mit Bestimmtheit erwarten, dass er an seine neue, grössere und\nschwierigere Aufgabe den vollen Ernst und den soliden Fleiss setzen\nwerde, die ihn in allem künstlerischen Thun auszeichnen. Er hat\ndenn auch seinen Weg würdig und mit Glück durchmessen und eine\nComposition geschaffen, welche volle Anerkennung verdient. Das\naus drei Sätzen bestehende Werk schliesst sich in seinem Charakter\nden guten Mustern auf diesem Gebiete an, behauptet dabei eine\nselbständige, originelle Haltung und ist mit grosser Gewissenhaftig-\nkeit ausgeführt. In der Beherrschung der Formen, besonders in der\nBehandlung des Orchesters zeigt sich so viel Sicherheit und so viel\nguter Geschmack, wie sie sich bei einem ersten Versuche dieser Art\nselten finden werden. Das Verhältniss des Claviers zum begleitenden\nOrchester ist sehr glücklich gewahrt, keines greift unkünstlerisch\nin das Andere über oder zieht sich machtlos zurück. Von den drei\nSätzen des Concertes erscheint uns das erste Allegro als der bedeu-\ntendste; es ist in den Gedanken und in der Arbeit energisch und\ntrefflich abgerundet. Aehnlich das Schluss-Allegro, während im An-\ndante Erfindung und Ausführung gegen die beiden anderen Ab-\nschnitte zurückstehen mögen, wenigstens nicht denselben Fluss und\ndieselbe Eindringlichkeit haben. Das mit dem lebhaftesten Beifalle\naufgenommene Werk wird uns in diesem Winter wohl noch einmal\nbegegnen tfnd auch, wie wir hoffen, seinen Weg weiter machen; es\nist dessen vollkommen würdig. Es wurde an diesem Abende fer-\nner noch eine Arie für Bass von dem verstorbenen Concertmeister\nGeorg Schmidt, componirt für seinen Sohn, den Sänger Herrn\nPaul Schmidt, als Einlage in Lortzing's Oper „Czaar und Zim-\nmermann\", statt der grossen Arie des Czaaren, vorgetragen. Wie\nuns scheint, übertrifft diese Einlage an musicalischem Werthe die\nbetreffende Lortzing'sche Nummer. Das Orchester, unter der Lei-\ntung des Herrn Musik-Directors Reinthaler, erfreute die Zuhörer\nausserdem durch die Ouvertüre zum „Wasserträger\" von Cherubini,\nderen prächtige Klänge, wie immer, grossen Eindruck machten.\nDie Sing-Akademie beginnt ihre Uebungen am nächsten Mon-\ntage und will sich zu unserer grossen Freude an eine ma-\nchen, welche zu lösen ein Ehrenpunkt für sie ist. Es wird die grosse\nMesse von Beethoven in Angriff genommen werden. Daneben wurde\nder „Elias\" von Mendelssohn auf das Programm gesetzt. Im Gesang-\nvereine des Herrn Engel ist der Vorschlag gemacht, das neue Ora-\ntorium „Gideon\" von Meinardus, das im Frühjahre in Oldenburg\naufgeführt ward, zu studiren.\nJulius von Kolb, Professor des Ciavierspiels am Conservato-\nrium in München, starb am 17, August zu Feldafing am Starnber-\ngersee, wohin er sich, um die Ferien zu verbringen, begeben hatte.\nAm 13. Juli 1830 zu Obergünzburg in Schwaben geboren, genoss\ner den ersten musicalischen Unterricht zu Augsburg bei C. L. Dro-\nbisch und Kempter und erhielt sodann auf dem Conservatorium zu\nLeipzig in den Jahren 1848 und 1849 seine weitere künstlerische\nAusbildung. Die nächstfolgenden Jahre verbrachte er in regem Ver-\nkehr mit Meistern seines Faches in Berlin und Wien und bildete\nhier sein künstlerisches Urtheil zu jener Gerechtigkeit und Selbstän-\ndigkeit aus, welche ihm die Achtung und den Beifall aller wahrhaft\nGebildeten errangen. Dass er sich eben dadurch andererseits den\nohnmächtigen Hass mancher Zünftler höheren und niederen Ranges\nzuzog, war nicht zu verwundern und wird dem Verblichenen nur\nzur Ehre gereichen. Nach München kam Kolb im Spätsommer 1*857\nund erhielt daselbst zu Anfang 1858 die durch Heuchemer's Tod\nerledigte Professur. Mit aufopfernder Liebe und einer unermüdlichen,\ndie Schüler zu gleichem Streben beseelenden Thätigkeit lag er sei-\nnem Berufe ob. Dem grösseren münchener Publicum ward er durch\neine Reihe schöner Cöncert-Abende rühmlichst bekannt. Möge, wie\ndermalen sein Wirken, so hinfort sein Gedächtniss Jüngern und\nFreunden der Kunst zum Vorbilde gereichen! (W. Ree.)\nWieil* Das schwarze Schiff schwamm daher, die blutrothen\nSegel flogen empor und ein brausender Sturm erhob sich im\nSaale, als man des „fliegenden Holländers\" charakteristischer Gestalt\nansichtig wurde, der nach dreimonatlicher Fahrt wieder im Hafen\nder Triumphe landete. Der Steuermann, Herr Hof-Capellmeister\nEsser, musste innehalten, bis die Sturzwellen des Beifalls, die sich\nimmer wieder erneuerten, sich ein wenig verlaufen hatten. Doch\nblieb es nicht allein bei dieser Begrüssung des Lieblings; jede her-\nvortretende Stelle, dann selbstverständlich die Actschlüsse, wurden\nzum Anlasse genommen, Applause und Hervorrufe laut werden zu\nlassen, die Herrn Beck die Sympathieen in unzweideutigstem Maasse\nbeweisen sollten, die ihm das Publicum bewahrt. Und wahrlich, wer\nverdiente sie mit besserem Rechte, als dieser Künstler, dessen frisch-\nüppiges, metallieiches Organ eben so bezaubert, als der empfundene\nVortrag und das durchdachte Spiel kaum eine Anforderung unbe-\nfriedigt lassen. Seinen Holländer zu detailliren, ist wohl kaum mehr\nnothwendig; es ist eine bekannte Meisterleistung Beck's, von der\nman kühn behaupten darf, sie stehe ohne Rivalen da. Nicht minder\nvorzüglich waren in ihren Rollen die Herren Meyerhofer, Erl\nund Fräulein Bettelheim. Die Haltung der Chöre und des Or-\nchesters verdienen volle Anerkennung. Beleuchtung und Maschine-\nrieen thaten ihre Schuldigkeit. Somit glauben wir nichts unerwähnt\ngelassen zu haben. Vom Uebrigen nimmt ohnehin schon lange Nie-\nmand mehr Notiz. (81. f. Th.)\nDer Ciaviermacher Karl Stein in Wien ist am 28. August,\n65 Jahre alt, gestorben. Seine Instrumente haben lange Zeit durch\nschönen, weichen Klang, Spielart und Haltbarkeit wohlverdienten\nRuf genossen.\nBei Gelegenheit der Fest-Vorstellung in Darmstadt zu Ehren des\nKaisers von Oesterreich erhielt der Hoftheater-Director Tescher\nvon Sr. Majestät den Franz-Josephs-Orden.\nI*aris. An seinem Geburtsfeste hat der Kaiser Napoleon 111,\nunter Anderen folgenden Künstlern und Journalisten das Ritterkreuz\nder Ehrenlegion verliehen: den Herren Pasdeloup, Director der\nConcerts populaires, Saucy, Professor am Conservatorium, P.\nScudo, musicalischem Kritiker in der Bevue des deux Mondes etc.>\nThicry, Decorationsmaler, und zehn Journalisten."}]}