{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-10-10-01", "volume": "bmtnabi_1863-10-10_01", "ocr_sha256": "b5ac9d82d11007a477532b10b3c5b63d8f67d76c0aaa71c79a6cd10e75345da9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/10/10_01/bmtnabi_1863-10-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 383, "texte": "Inhalt.\nDas zweite Musikfest zu München. I. König Enzio. Oper von J. J. Abert. Beurteilungen. M. von Asant-\nscliewsky, Op. 3, Streich-Quartett. Op. 4, Drei Stücke für das Pianoforte. Concert des rheinischen Sängervereins. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, Fräulein Desire Artdt Frankfurt am Main, Stadttheater, „Die Schwätzerin von Saragossa\" - Gotha\nConcert von Leopold Brassin)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "324", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.2.2", "titre_corps": "Das zweite Musikfest zu München.", "titre_sommaire": "Das zweite Musikfest zu München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.1", "debut_caractere": 385, "fin_caractere_exclue": 4134, "texte": "Das zweite Musikfest zu München.\nI.\nSchon im Jahre 1855 veranstaltete die musicali-\nsche Akademie, unter der Leitung des auch als Ton-\ndichter, besonders durch seine anmuthigen Compositionen\nder Märchen „Dornröschen\", „Bübezahl\" und „Undine\"\nbekannten Barons von Perfall, in Verbindung mit dem\nGeneral-Musik-Director Franz Lachner, durch ihre für die\nSache begeisterten Vorstands-Mitglieder ein Musikfest.\nDamals, wie jetzt, wurde der nach dem Muster des In-\ndustrie-Palastes in London erbaute Glas-Palast, der auch\nhier der Allgemeinen Kunst- und Gewerbe-Ausstellung\ngedient hatte, zu dem Feste benutzt, und Haydn's „Schö-\npfung\" erklang in seinen Bäumen als würdiges Werk der\nEinweihung einer neuen musicalischen Aera für das ganze\nsüdliche Deutschland. Denn seit den grossen Aufführungen\nin Wien zur Zeit Haydn's und Beethoven's halte man, so\nviel uns bekannt, in neuerer Zeit nur einmal in Zwei-\nbrücken den glücklichen Versuch gemacht, die norddeut-\nschen Musikfeste auch nach dem Süden zu verpflanzen.\nAllerdings bildeten die ausführenden Kräfte, die man 1855\nin München vereinigt halte, noch nicht die imposanten\nMassen, die uns diesmal mit Erstaunen und Begeisterung\nerfüllt haben; allein der Erfolg that auf erfreulichste Weise\ndie Lebensfähigkeit der Musikfesle im Süden dar, ver-\nscheuchte jede Furcht vor lähmender Gleichgültigkeit von\nSeiten des Publicums und ermuthigte die Akademie zur\nVeranstaltung des gegenwärtigen zweiten Festes. In sehr\nrichtiger Würdigung der Bedeutung der Musikfeste für\ndie Aufrechthaltung und Belebung des Kunstsinnes bei der\nMasse der Gebildeten, erweiterte sie jedoch den Kreis des\nFest-Ausschusses durch Zuziehung von Kunstfreunden aus\nverschiedenen Ständen, um dadurch das Ganze als ein\nmehr und mehr von dem kunslliebenden Theile der Be-\nvölkerung getragenes Unternehmen hinzustellen und so\neine sichere Begründung regelmässig wiederkehrender\nMusikfeste anzubahnen. Nach dem überwältigenden Ein-\ndrucke der Ausführungen durch künstlerisch tüchtige\nKräfte in Massen, wie sie wohl noch bei keinem Musik-\nfeste in Deutschland vereinigt gewesen sind, zweifeln wir\nnicht, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen und das\nmünchener Fest „das Wiegenfest künftiger süddeutscher\nMusikfeste\" werden wird.\nDer ungeheure Raum im Glas-Palaste war durch einen\nstarken Vorhang, der die eine Hälfte des Langschiffes da,\nwo es das Querschiff trifft, von diesem und der anderen\nHälfte abschloss, verkürzt; dennoch bildete dieser begränzte\nRaum mit seinen beiden über einander hinlaufenden Ga-\nlerieen immer noch einen Saal, der an 10—15,000\nMenschen bequem fassen konnte und in dem, einschliess-\nlich der Mitwirkenden, auch 5—6000 anwesend waren,\nwelche der leider schon seit Freitag herabgiessende Regen\nnicht gehindert hatte, zu erscheinen. An der Spitze der\nZuhörer bemerkten wir den König Ludwig, der nie fehlt,\nwo es gilt, eine Kunstleistung anzuerkennen und zu er-\nmuthigen, und den Prinzen Adalbert.\nDie Tonbühne erhob sich am Ende des Langschiffes\nstufenförmig empor, gekrönt von der Orgel, einem Werke\ndes Orgelbauers Jos. Frosch, welches besonders in seinen\nweichen Registern bei Begleitung der Recitative und stel-\nlenweise der Sologesänge sehr schön wirkte, in den Chö-\nren hingegen für die gewaltigen Massen in Orchester und\nChor hätte kräftiger durchdringen können. Was im Uebri-\ngen den Klang überhaupt betrifft, so zeigten sich die\nRaum-Verhältnisse, welche natürlich ausserhalb aller aku-\nstischen Berechnung entstanden waren, doch recht günstig\ndafür, wiewohl freilich nicht gleich vortheilhaft an allen\nPunkten; namentlich war die so genannte\nkeineswegs ersten Ranges für den Klang, der in der Arena\ndes Palastes und vor Allem auf der zweiten (höchsten)\nGalerie ein wahrhaft pompöser und besonders für das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5378, "texte": "Orchester ein mächtiger und dabei klar in seinen verschie-\ndenen Factoren zu unterscheidender war.\nDer Chor bestand den Anmeldungen nach aus zwölf-\nhundert Mitgliedern; unter den Anwesenden mochten im-\nmerhin tausend wirklich singende Sängerinnen und Sänger\nsein. Der Sopran war entschieden am stärksten und mit\nden Irischesten Stimmen besetzt; seine Einsätze und seine\npräcise Ausführung der prächtigen Chöre und Doppelchöre\nin Händel's „Israel in Aegypten\" waren höchst lobens-\nwerlh. Doch gab hierin der Alt und auch der Männer-\nchor nichts nach, jedoch hatte man den Eindruck vom Gan-\nzen, den auch ein markiger Einsatz der Vorgeiger und der\nersten Violinen in einem grossen Orchester macht. Eine\ngewisse Lahmheit des Angriffes, wie man sie oft auch bei\nsonst ganz guten Chorpersonalen hört, war hier nicht zu\nbemerken; doch dürfen wir nicht verschweigen, dass mit\nden hiesigen und auswärtigen Dilettanten-Vereinen auch\nder königliche Hofcapellen-Chor und der Hoftheater-Chor\nmitwirkten. Die Ausbreitung des so zahlreich besetzten\nOrchesters lOO Violinen, 40 Violen, 30 (nach dem\nBuche, in der That aber 38) Violoncelle, 30 Contrabässe,\n8 Flöten, 0 Oboen und 6 Clarinetten, 8 Fagotte, 12\nHorner, 6 Trompeten, 6 Posaunen und zwei Paar Pau-\nken —, was zusammen eine Masse von 265 Instrumen-\ntalisten bildete, halte die Aufstellung des Chors etwas be-\neinträchtigt, indem namentlich die Tenoristen auf der einen,\ndie Bassisten aul der anderen Seite des Orchesters zwei\nlange, verhältnissmässig schmale Reihen bildeten, welche\ndurch die ganze Breite des Orchesters von einander ge-\ntrennt und nicht terrassenförmig hoch genug gestellt wa-\nren. Trotzdem zeigte sich bei Stellen, wo das Orchester\nschwieg oder nicht überreich instrumentirt war, auch die\nKraft des Männerchors, besonders der Bässe.\nDas Concert begann den 27. September um eilf Uhr\nVormittags aus dem Grunde, weil der Glaspalast nicht er-\nleuchtet werden kann und weil an demselben Abende,\nwas bis jetzt wohl bei einem Musikfeste unerhört gewesen,\nim königlichen Holtheater noch eine Oper, und zwar Mo-\nzart's „Don Juan\", zur Aufführung kam.\nDas Programm bildeten Beethoven's\neroica und Händel's „Israel in Aegypten\". Die\nAusführung der Sinfonie war, Alles in Allem genommen,\nder Glanzpunkt des ersten Festtages; wir waren etwas un-\ngläubig, ob die Menge die Wirkung künstlerisch genom-\nmen vergrössern, und noch mehr, ob sie die Präcision\nund den feineren Ausdruck, den diese herrliche Tondich-\ntung verlangt, erreichen würde. Allein der Erfolg hat uns\nmit den Massen-Aufführungen -ausgesöhnt. Mit Ausnahme\nder gleichen Viertel in den Contrabässen im Scherzo,\nwelche allerdings trotz des sehr richtig genommenen und\nkeineswegs übertriebenen Tempo's zuweilen ein wenig in\neinander schwammen, kam Alles vortrefflich deutlich\nheraus, und oft mit wahrhaft erschütternder Wahrheit.\nIn den ff-Kraftstellen machte das kolossale und von der\nersten Violine bis zum Contrabass überaus tüchtige Geigen-\nQuartett die Bläser, das Blech nicht ausgenommen, fast\ntodt, möchten wir sagen, ein Fall, der noch nie da ge-\nwesen, da es sonst gewöhnlich umgekehrt ist; wenigstens\nmögen die Leser aus dieser Hyperbel schliessen, dass die\nKlangvermählung der beiden Orchestermassen eine voll-\nständige und gar herrliche war. Die Fortissimo's im\nTrauermarsche, der Anritt der schweren Reiterscharen\nin den Bässen nach dem gewaltigen und das Fugato\nmachten eine ganz unbeschreibliche Wirkung. Hätten doch\nBerlioz, UlibischefF und Andere, die nicht begreifen kön-\nnen, was dieses Fugato in dem Marsche soll, zugegen sein\nkönnen, sie wüssten auf einmal, woran sie wären! Und\nwie schmetterten im Trio des Scherzo's die zwölf Hörner\nden steigenden Siegesgesang heraus! Da wusste ein Jeder,\ndass hier das heroische Element wieder mit strahlendem\nGlänze zum Vorschein kommt.\nWas Vortrag und Ausdruck betrifft, so war auch im\nEinzelnen die Wirkung des Verständnisses und der Anlei-\ntung zu geistvoller Lebendigmachung der Partitur, wie sie\nbei einem Meister wie Franz Lachner vorauszusetzen,\nüberall bemerkbar. Das piano und der Schatten\nund das Licht im Tongemälde, wurden genau nach der\nForderung des Componisten wiedergegeben, eben so das\nAnwachsen und Abnehmen der Ton wellen, die Sforzato's\nund sehr präcis auch die schroffen Abbrüche des Fortis-\nsimo mit unmittelbar darauf folgendem Piano. Der Aus-\ndruck wurde allerdings in vielen Stellen durch die Massen\nunterstützt, ja, in manchen kam er vorzugsweise durch\ndiese zur vollen Geltung; so haben wir z. B. in der Coda\ndes ersten Allegro's, da, wo die Bässe das Thema nach\nden Hörnern und ersten Violinen im Crescendo einsetzen\nund dann (beim Eintritt desselben in den Trompeten und\nHolz-Blas-lnstrumenten) die Violin-Figur mit den aufstei-\ngenden Sechszehnteln und den im Staccato absteigenden\nAchteln aufnehmen, diese Figur noch niemals durch das\ngesammte Geschmetter der Bläser und das Bauschen der\nViolinen so prächtig—„lustig\", würde Mendelssohn gesagt\nhaben durchgehört, wie hier von den 60 Bässen, 30\nViolen und 6 Fagotten gegen 100 Violinen und die ganze\nHeermusik der Pauken und Bläser. Merkwürdig war aber,\ndass unter denselben Verhältnissen im Scherzo die Imi-\ntation der Bässe beim Eintritt des nicht so vollständig\ndeutlich durchklang. Die Wirkung der Massen im Trauer-\nmarsch haben wir schon erwähnt; aber auch die zarten,\nklagend melodischen Stellen wurden vortrefflich ausge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5393, "texte": "führt, und neben den trefflichen Blas-Inslrumenten müssen\nwir auch der Pauken gedenken, die von schönem, vollen\n(nicht parisisch und belgisch rasselnden) Tone waren und\nsehr geschickt behandelt wurden.\nNach so lauter und aufrichtiger Bewunderung des\nGeleisteten wird der hochverehrte Herr Dirigent es nicht\nmissdeuten, wenn wir uns mit dem Tempo des Poco An-\ndante im Finale der Eroica nicht einverstanden erklären\nund es als viel zu langsam genommen bezeichnen müssen.\nIm Adagio-Tempo tritt es zu sehr aus dem Charakter des\nGanzen heraus, das zweite Motiv des Thema's in den ab-\nbrechenden Sechszehnteln der Oboe und ersten Violine\n(über den Triolen der Solo-Clarinette) erscheint alsdann\ngar zu zerstückt, die Gegenbewegung der ungeraden\nTriolen im Bass zu den geraden Sechszehnteln der Clari-\nnetten und des ersten Horns im Fortissimo vermählen sich\nnicht so gut (es gab auch hier einen kleinen Ruck gegen\ndie Egalität in den letzteren), und endlich ist die Vorschrift\nBeethoven's: poco Andante (und in den Clavier-Variatio-\nnen Op. 35: Andante con mausdrücklich dagegen.\n(Vergl. unsere Abhandlung: Ueber den Vortrag der\nSinfonia eroica,Jahrg. 1862, Art. IV. in Nr. 36).\nNach der glänzenden Eröffnung des ersten Fest-Con-\ncertes durch die heroische Sinfonie kam Händel's Ora-\ntorium: „Israel in Aegypten\", zur Aufführung. Die\nWahl desselben war an und für sich durch die Trefflich-\nkeit des Werkes gerechtfertigt, dann aber auch vorzüglich\ndadurch, dass die grossen Massen, über die man zu verfü-\ngen halte, bei den zahlreichen Chören in diesem Orato-\nrium am besten zur Geltung zu bringen waren. Von der\ngewaltigen Wirkung dieser Massen haben wir schon ge-\nsprochen. Sie entwickelte sich zunächst mächtig bei dem\nEinsätze des Doppelchors: „Er sprach das Wort\", wuchs\nmit der steigenden Zuversicht und mit dem ehrenden Ap-\nplaus, der übrigens, seltsam genug, erst nach dem Chor:\n„Aber mit seinem Volke zog er dahin\", laut wurde, und\nentfaltete dann in Verbindung mit Orchester und Orgel\nseine vollen, breiten Schwingen in dem prachtvollen Ton-\ngemälde: „Ich will singen meinem Gott\", wo die Klang-\nwogen sich so über einander thürmen, dass die Phantasie\nzu sehen glaubt, wie die Wellen über „Ross und Reiter\"\nzusammenschlagen. Das majestätische Vorspiel zu dem\nAdagio, welches diesen Chor einleitet, wurde mit solcher\nKralt und so scharf accentuirtem Rhythmus von den zwei-\nhundert Saiten-Instrumenten ausgeführt, dass man wirk-\nlich sagen konnte: „Das hört alles Volk und ist erstaunt!\"\nDie Sologesänge im „Israel\" waren nur mit einhei-\nmischen, am königlichen Hoflheater angestellten Künstlern\nbesetzt. Frau Diez, eine zwar schon längst rühmlich be-\nkannte, aber nicht bloss desshalb von Kennern geschätzte\nSängerin, befriedigte auch diejenigen, die sie zum ersten\nMale hörten, durch immer noch frisch klingende Höhe\nund Ausgiebigkeit der Stimme und durch bis zur Kühn-\nheit gehende musicalische Zuversicht. Fräulein v. Edels-\nberg ist im Besitze einer sehr schönen, vollen Altstimme,\nwelche auch durch die weiten Räume wohltönend hin-\nklang; ihr Vortrag war einlach und in so fern dem oralo-\nrischen Stil angemessen; jedoch hätte er auch für diesen\netwas mehr Farbe haben können. Der Tenor ist nur we-\nnig beschäftigt; Herr Heinrich sang aber die Recitative\nrecht gut. Das bekannte Bass-Duett, von den Herren\nKindermann und Bausevvein gesungen, rief, wie ge-\nwöhnlich, rauschenden Beilall hervor, wie denn überhaupt\nbei dem zweiten Theile des Werkes das Publicum sich\ndankbarer zeigte, als beim ersten.\nDen Stamm des Chors bildeten, wie wir hörten, haupt-\nsächlich die hiesigen Kräfte: die Akademie, der Oratorien-\nVerein, die Sänger-Genossenschaft, die Chöre der Hof-\nCapelle und der Hof-Oper und mehrere Dilettanten, welche\nbei den glücklicher Weise für die Tonkunst hier fort-\ndauernden und eifrig gepflegten Aufführungen\nmusicalischer M essen u. s. w. in den Kirchen sich in\ngrosser Anzahl stets fort- und heranbilden. Zu dem Or-\nchester waren auch von auswärts tüchtige Künstler her-\nbeigezogen, z. B. von Prag Prof. Mildner mit eilf Instru-\nmentalisten, von Aachen die Gebrüder Wenigmann, von\nMannheim Koning und Kündinger, von Paris Müller (Vio-\nloncellist), von Frankfurt Sachar (Contrabassist), von Olden-\nburg Engel u. s. w. Mit münchener Künstlern waren,\nausser dem tüchtigen Geigen-Quartett, die sämmtlichen\nersten Stimmen der Blas-Instrumente besetzt, meist vor-\nzüglich gut, wobei wir nur an Bärmann's Clarinette erin-\nnern wollen.\nAm Abende desselben Tages (den 27. September)\nzeigte sich das Hoftheater in seinem Glänze. Nachdem das\nfrühere Gebäude im Jahre 1823 dem Schicksale aller\nTheater, einem zerstörenden Brande, verfallen war, er-\nstand der jetzige Prachtbau aus der Asche wie ein Phönix,\nund schon im zweiten Jahre darauf war er nach den Plä-\nnen des Architekten Fischer vollendet. Durch ein hohes,\nmit acht korinthischen Säulen geziertes Portal tritt man\nin die weiten inneren Räume dieses grössten Theaters in\nDeutschland, denn es fasst 2500 Zuschauer, und die Bühne\nist 100 Fuss breit und 190 Fuss tief. Man gab Mozart's\n,l)on Juan\" ohne die Recitative, was wir eben nicht für\neinen so entsetzlichen Missgriff halten, wie manche Kunst-\nrichter (denn wo Mozart sie musicalisch wirksam haben\nwollte, da hat er sie auch ausgeschrieben und mit dem\nganzen Orchester begleitet); aber man gab ihn auch mit\nder alten, schlechtesten Uebersetzung des Textes, mit de-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1326, "texte": "Ren Abschaffung endlich die Hoftheater wenigstens\nvorangehen sollten. Frau Dustmann aus Wien gab die\nDonna Anna, oder vielmehr sie war jene Anna voll edlen\nFeuers und hochtragischer Leidenschaft in Gesang und\nSpiel, wie sie Mozart sich gedacht hat, wie seine Töne sie\nunwiderleglich fordern, nicht wie ästhetisirende Schöngei-\nster das reine, keusche Bild zur Caricatur herabzerren\nmöchten. An dieser herrlichen Schöpfung des Mozart'schen\nGenius hat sich Hoffmann wahrhaft versündigt. Da Frau\nDustmann in den beiden grossen Fest-Auffuhrungen im\nGlas-Palaste nicht mitwirkte, sondern nur in dem dritten\nConcerte sang, so war es für die Festbesucher um so mehr\neine grosse Befriedigung, sie im Theater hören zu können.\nDas Haus war denn auch brechend voll, und Applaus und\nHervorruf folgten jedem Abgange der grossen dramati-\nschen Sängerin. Herr Kindermann ist immer noch ein\nguter Don Giovanni, und die sonore Stimme wirkt beson-\nders in den Ensembles schön. Dass Frau Diez die Elvira\nsang, die man oft auch auf guten Bühnen vernachlässigt\nsieht, war ein grosser Vortheil für das Ganze; auch Herr\nGrill sang den Don Ottavio nicht bloss gut, sondern\nwusste auch dieser, von den Concert-Arien abgesehen,\nundankbaren Rolle ein gewisses Interesse zu verleihen.\nIm Ganzen es, besonders im ersten Acte, eine glän-\nzende Vorstellung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "326", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.2.3", "titre_corps": "König Enzio. Oper von J. J. Abert.", "titre_sommaire": "König Enzio. Oper von J. J. Abert.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.4", "debut_caractere": 1328, "fin_caractere_exclue": 5276, "texte": "König Enzio. Oper von J. J. Abert.\nJe geringer unter den jährlichen Opern-Novitäten der\ndeutschen Bühnen die Zahl einheimischer Erzeugnisse ist,\nund je seltener eines der letzteren über die Bühne, auf\nwelcher es eine locale Geltung fand, hinaus kommt, um\nso reger muss sich die Kritik den neuen Erscheinungen\nauf dem Gebiete der dramatischen Musik in Deutschland\nzuwenden, um das Unrecht der grossen Bühnen, die ihre\nKräfte und Schätze leider vorzugsweise den „importirten\"\nOpern widmen, wenigstens einiger Maassen wieder gut zu\nmachen. Da die Niederrheinische Musik-Zeitung durch aus-\nführliche Besprechungen der „Katakomben\", der „Lore-\nlei\" u. s. w. von allen musicalischen Zeitschriften diesen\nGrundsatz am meisten thatsächlich angenommen hat, so\nwird sie auch den folgenden Zeilen über Abert's „Kö-\nnig Enzio\" und dessen Aufführungen in Stuttgart und\nKarlsruhe den Baum nicht versagen.\nDer Componist, es ist wahr, zeigt bisher nicht hervor-\nstechende Originalität, er geht in den Spuren Wagner's\nund Meyerbeer's; allein Hingabe an Vorbilder ist der un-\nvermeidliche Weg für die noch junge Kraft, für das un-\nbefangen schaffende Talent, und erinnert man sich an die\nUnselbständigkeit und den Mangel an Originalität in den\nersten Opern unserer grössten Meister, so wird man es\nbedenklich finden, über eine schöpferische Zukunft da ab-\nzuurteilen, wo man Beweise eines bedeutenden Talentes\nanerkennen muss. Die Erfindungsgabe, die sich, gebunden\nvielleicht durch Vorbild und Gewohnheit, noch nicht in\nden grossen Formen des Ganzen bemerklich macht, ist\ngleichwohl in Melodie und Charakteristik bemerkenswerth.\nDas melodische Element tritt zwar nicht allgemein und in\nleicht fasslicher Form in den Vordergrund, was zum Theil\nmit dem Streben nach Vertiefung zusammenhangen mag,\ndoch fallen einige besonders innig gelungene Musikstücke,\nwie das Quintett der Sargscene: „Leb' wohl, leb' wohl,\nauf kurze Zeit\", der Schlusschor desselben Actes: „Mei-\nnem Schicksal will ich stehen\", die Cavatine: „Ach, was\nsollen dem Gefangenen\", und einige Duette von vorn herein\nbedeutungsvoll ins Ohr und gewinnen in ihrer Verarbei-\ntung einen ungemeinen Reiz, und zugleich findet man bei\ngenauerer Bekanntschaft mit der Oper die Melodik, die in\nAbert's „Anna von Landskron\" noch sparsam war, über-\nhaupt in vielfach wirksamer, charakteristischer und indi-\nviduel aneignender Weise, wenn auch oft von der Instru-\nmentation überdeckt, die musicalische Darstellung durch-\nziehend, ein Umstand, der in unseren Augen bei der\nvorzugsweise harmoniösen (Wagner'schen) Behandlung\nder Oper besonders ins Gewicht fällt. Dass die Subjecti-\nvität des Componisten in einer gewissen lyrischen Einsei-\ntigkeit vorherrsche, wie wir anderswo gelesen, können wir\nnicht bestätigen; vielmehr finden wir gerade die Liebes-\nscenen, mit Ausnahme des schönen Duetts im zweiten\nActe: „0 selig, wenn in stiller Zelle\", nicht lyrisch genug\ngehalten, nicht mit der frischen Kraft und Vertiefung com-\nponirt, wie das mehr Ernste und Charaktermässige der\nOper. Dagegen denken wir, dass zu der erwähnten An-\nsicht die uns verfehlt scheinende Composition einzelner\nPiecen Anlass gegeben habe, wohin wir unter Anderem\ndas völlig leicht gehaltene Schreckenslied Gaddo's im vier-\nten Acte rechnen: „Des Tages Licht scheint nicht hinein\".\nDie Hauptsache aber scheint uns der Umstand zu sein,\ndass, solche Ausnahmen abgerechnet, die objective Hin-\ngabe des Componisten an die Scene, das Streben, die\nSituation zu charakterisiren und bis in ihre Verschlungenste\nBewegung zu reinem Ausdruck zu bringen, erfreulich und\nerfolgreich hervortritt. Hier scheint uns die Hauptbedeu-\ntung und der Beruf des Componisten zu liegen, und wir\nerwähnen als Glanzpunkte in dieser Hinsicht das Finale\ndes zweiten Actes von der Hymne an: „Entsagt hatt' ich\ndem Thron der Hohenstaufen\", das grossartige Ensemble\nder Kampfscene des dritten Actes mit dem prachtvollen\nFinale, und das Gebet mit Schlusschor des vierten Actes,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5444, "texte": "der die ergreifende Handlung versöhnend und wahrhaft\nverklärend abschliesst. Doch auch neben diesen unter\nwirksamer Verflechtung von Massenwirkungen mit den\nEinzelstimmen erzielten Erfolgen wollen wir als Muster\nelegisch-dramatischer Behandlung in einfachster Scene\nden Eingang des vierten Actes anführen, in dem das all-\nmähliche Erwachen Bianca's aus tiefster Schmerzbetäu-\nbung zum Leben und Bewusstsein neuen Schmerzes, ihr\nUebergang zum Gebete und zum heldenmüthigen Ent-\nschlüsse ergreifend hervortritt, obwohl wir die in der\nWiederholung der Cantilene als Duo hervortretende, auch\nsonst öfters beliebte starke Anwendung des Unisono nicht\nals Ideal musicalischer Schönheit empfinden können; wir\nwollen anerkennend ferner des ersten Actes gedenken mit\nseinen bewegten, lebensvollen Schilderungen im Liede\nRainer's, im Melodrama Fabio's und im\nder Bianca; der trefflichen Charakteristik Bianca's als treuen,\nheldenmüthigen Weibes in mehrfachen hervorragenden\nNummern, und vor Allem der Zeichnung Gaddo's, die nur,\ndem Texte freilich entsprechend, gar zu dämonisch für die\nWahrheit des Ganzen gehalten ist, im Melodram des zwei-\nten Actes und in der Scene mit Enzio ebendaselbst, woran\nsich die wirksame Dolchscene des letzten Actes reiht.\nDie Vorführung der Oper in Karlsruhe zeichnete sich\nvor Allem durch das treffliche Ensemble aus, durch die\nauch auf den Chor übergehende richtige und jederzeit\nlebendige Betheiligung an der dramatischen Scene und\ndurch sorgsame Inscenirung. Die grosse Kampf- und\nSchluss-Scene des dritten Actes dagegen ist in Stuttgart\nmit dem glänzenden, durch Enzio's Prunkliebe wohlbe-\nrechtigten Leichenzuge, mit den reichen Gruppen-Ver-\nschlingungen und ihrem lebhaften Fortgange ungleich\nwirksamer eingerichtet, was auch von der Schluss-Scene\nder Oper gesagt werden muss. Die eingreifendste Ver-\nschiedenheit aber betrifft die musicalische Einrichtung der\nOper, und hier müssen wir bekennen, dass mit Aus-\nnahme der Reiritegrirung des schönen Duetts: „0 selig,\nwenn in stiller Zelle\", so wie der Ausscheidung des Rache-\nTerzetts: „Dieses theure Blut\" —wir die Abweichung von\nder Stuttgarter Partitur bedauern, da die Verkürzungen\nbisweilen die Entwicklung des musicalisch-dramatischen\nLebens der Scene stören.\nInnerhalb eines Jahres, seitdem diese Oper in Scene\nging, hat sie sich auf drei Bühnen eine Stätte errungen\n(neben den beiden genannten auch in Mannheim). Ihr\nGegenstand ist echt deutsch der Ausgang desjenigen Kai-\nsergeschlechtes, an das zumeist unser nationaler Glanz ge-\nknüpft war. Was dem Texte vorzuwerfen ist, wäre etwa\nneben der zu grossen, den Componisten augenscheinlich\nüberwältigenden Gedrängtheit und Fülle des epischen\nStoffes noch der Umstand, dass er theilweise zu finster\nschildert und dass er die nationale Grösse, für die er be-\ngeistern will (echt deutsch), uns im Unglücke, im Unter-\ngange aufzeigt; immerhin aber bildet der Text ein ge-\nschlossenes Drama, wodurch ein Eindruck des Ganzen er-\nzeugt wird. Seine Inspirationen aber sucht Abert im Texte,\ner will nicht gefällig, modern oder unverständlich u. s. w.\nsein, sondern seine Scene sprechen lassen; er hält Farbe\nin der Schilderung, ohne zu stagniren, und vertieft sich in\nihr, ohne völlig das Melodische zu opfern; selbst die reinen\nInstrümentalsätze, wie der Trauermarsch des dritten Actes,\nbeweisen dies. Aber freilich liegt der Schwerpunkt seiner\nCharakteristik noch viel zu einseitig im Orchester, und\neine Rückkehr zu Mozart'scher, ja, zu Gluck'scher Einfach-\nheit, ohne die er nichts wahrhaft Grosses leisten wird,\nscheint ihm vorerst noch fern zu liegen. Abert ging, wie\nes scheint, ursprünglich von dem Boden der Wagner'schen\nIdeen aus, und indem wir dieses annehmen, dürfen wir\nuns einer bemerkenswerten Umkehr in seinem Schaffen\nerfreuen. Die aufsteigende Phase unserer musicalischen\nGlanz-Epoche *— so Mozart im „Idomeneo\" rang sich\nvon den Vorbildern los, indem sie die Sprache des Ge-\nsanges durch Instrumental-Begleitung zu verstärken, zu\nschattiren und individueller auszuprägen begann, und hie-\ndurch dem Tongemälde, wenn wir diesen Vergleich fest-\nhalten dürfen, seine volle Deutlichkeit schaffte, die wohl-\nthuenden Verhältnisse der Perspective und des abhebenden\nHintergrundes ihm organisch aneignete. Die absteigende\nBewegung der Epoche hat sich mit ihren gesundesten\nKräften in die Ueberbildung dieses Beiwerks zur Melodie\nverlaufen, in eine barbarische Herrschaft der Instrumental-\nBegleitung. Und wiederum von diesem Endpunkte auf-\nwärts sehen wir eine Bewegung entstehen, welche umge-\nkehrt sich losringt von ihren Vorbildern, indem sie die\nzerstörte Melodie aus den Trümmern gräbt und aus ver-\nwirrenden, endlosen Tongemälden zur Einfachheit un<J\nHomophonie sich mit neuem Inhalt zurückarbeitet. Eben\ndieses können wir von Abert sagen, dem noch in seiner\n„Anna von Landskron\" eine lärmende und überbürdete\nOrchestration die individualistisch-melodischen Momente,\nwie ein allzu reissender Strom seine Inselufer, ertränkte\noder verwüstete; und in dem Fortschreiten auf diesem\nWege, so scheint uns, ist seine Zukunft.\nNachschrift der Redaction. Der Text von A. B.\nDu 1k enthält ein historisches Drama, in welches die Liebe\nund Aufopferung der Lucia Vindageli (hier Bianca ge-\nnannt), der heimlich vermählten Gattin Enz io's, verfloch-\nten ist. Trotz der Sprödigkeit des Stoffes, der uns den\njungen, schönen und tapfern Sohn Kaiser Friedrich's 11.\nnicht als Helden und Theilnehmer an den Kämpfen seines"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4348, "texte": "Vaters, sondern als Gefangenen in Bologna, mithin mehr\nleidend als handelnd darstellt, denn im Grunde ist Bianca\ndie Heldin des Stückes ist es dem Verfasser doch gelun-\ngen, eine Folge von lebensvollen dramatischen Situationen\nzusammenzustellen, die von lyrischen Ergüssen, welche das\nVerhältniss der beiden Liebenden herbeiführt, unterbro-\nchen werden. Er hat dabei die Erzählung von dem verun-\nglückten Fluchtversuche Enzio's und der darauf erfolgten\nstrengeren Haft desselben benutzt, wobei er das Wein-\nl'ass, in welchem man den König aus dem Burgthore schaf-\nfen wollte, in einen Sarg verwandelt hat, in welchem\nEnzio selbst anstatt der Leiche seines Dieners hinausge-\ntragen, aber auf Anstiften eines Verräthers von der Wache\nangehalten wird. Die Sage von dem eisernen Käfig, in\nden man den König nach der vereitelten Flucht auf Zeit-\nlebens eingesperrt, musste der Dichter natürlich verlassen;\ner führt die Katastrophe dadurch herbei, dass Enzio in\neinen finsteren, feuchten Kerker versenkt wird, wohin\nBianca ihm folgt. Die Einführung einer Art dämonischen\nElementes in der Person des Todteribeschauers Gaddo,\nder wegen einer früher von Enzio an ihm begangenen\nGrausamkeit Rache gegen ihn brütet und ihn verräth,\nkönnen wir nicht für eine glückliche Erfindung halten,\nda, wenn Enzio ihn, den im Kampfe Gefangenen, nebst\n299 Gefährten hat ans Kreuz schlagen lassen, diese That\nwahrlich nicht geeignet ist, die Theilnahme für Enzio zu\nsteigern. Ueberhaupt leidet der Text als Drama daran,\ndass das Interesse der Zuschauer sich auf Niemanden con-\ncentriren kann, indem einerseits von der Herrlichkeit der\nHohenstaufen viel geredet wird, aber keine That durch\nsie geschieht, und andererseits sie als Gewaltherrscher\ndargestellt werden, indem der Zuhörer durch die Chöre\nder Bologneser für die „Freiheit und das Recht\" der\nitaliänischen Republiken „gegen der Unterdrücker Hand\"\nbegeistert werden soll. Ins Einzelne des Textes in Bezug\nauf Sprache und Form wollen wir weiter nicht eingehen,\nnur können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, dass\ndie Sprache öfter Schwulst für Poesie und Widriges für\nKräftiges gibt, wohin Redensarten wie „das Herz in Her-\nzensgluthen kühlen\" Kampf, „bis des Stromes Flut\nvon Blut erwärmte\" „Duldsam harrt der Sclave der\nGebote, Unduldsam (?) indess verfault der Todte\"\ngebe täglich dir nicht mehr, als einem Hund gebührt\"\nu. s. w. zu rechnen sind.\nDer Componist hatte demnach, trotzdem dass der Text,\nwie wir oben anerkannt haben, manche gute dramatische\nSituationen und wiederum lyrische Stellen für die musi-\ncalische Behandlung bietet, dennoch eine schwierige Auf-\ngabe zu lösen, wenn seine Musik die auffallenden Schwä-\nchen des Gedichtes vergessen machen sollte. Wir haben\nkeiner der bisherigen Aufführungen der Oper beigewohnt\nund können daher unsere Meinung nur nach Einsicht der\nPartitur, die uns zufällig zu Theil wurde, abgeben. Da-\nnach stimmen wir im Ganzen mit dem Urtheil des Verfas-\nsers obigen Artikels über die Musik überein, nur können\nwir uns nicht mit der Ansicht einverstanden erklären, dass\nAbert in die Fusstapfen Wagner's trete. So viel wir, ohne\ndie Oper gehört zu haben, aus den Noten herauslesen\nkönnen, ist das nicht einmal in der Instrumentirung der\nFall, die zwar in den grossen Ensemblestücken, wohin sie\ngehört, reich und modern ist, aber keineswegs bloss in\neine Folge von lärmenden Klangwirkungen auszuarten\nscheint. In meliodiöser Hinsicht ist vollends die Schreib-\nweise Abert's total von der psalmodirenden declamatori-\nschen Recitalion Wagner's verschieden, ja, man könnte\ndem Componisten gerade im Gegentheil eher den Vorwurf\neiner gewissen melodischen Monotonie machen, welche\naber nicht durch die steife Uebersetzung des Textes Wort\nfür Wort in Noten, sondern vielmehr durch ein Sichgehen-\nlassen in den gewöhnlichen Formen der Cantilene veran-\nlasst wird, wie dieses ihn denn auch zu den von dem Be-\nrichterstatter mit Recht gerügten italiänischen Unisono im\nDuelt geführt hat. Dass Abert bereits überall selbständig\nsei, wird Niemand behaupten: aber eben so wenig wird\nman ihm ein bedeutendes Talent für dramatische Musik\nabsprechen können. Möge es durch Festhalten an dem\nEdeln der Gattung und durch glücklichen Fund guter\nTextbücher! immer mehr zur Entwicklung kommen\nund Unterstützung durch die Bühnen finden, um die leider\nder deutsche Opern-Componist betteln muss."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "327", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "O. 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Es liegen uns jetzt\ndie oben verzeichneten Werke vor, in welchen entschieden\nein Fortschritt des Künstlers erkennbar ist. Das Streich-\nQuartett, dessen beide letzte Sätze, als aus Einem Gusse\ngeschaffen, namentlich hervorzuheben sind, zeigt durchweg"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1066, "texte": "eine tüchtige musicalische Bildung sowohl in Bezug auf\nFormkenntniss wie auf contrapunktische Detail-Ausarbei-\ntung. Der erste Satz könnte an manchen Stellen der\nrhapsodischen Verwerthung der Motive entrathen, welche\nden melodischen Fluss bisweilen hemmend unterbricht und\ndie sonst genial ausgeführten Einzelheiten weniger zur\nGeltung kommen lässt. Eine genauere Analyse wird später\nbei weiterer Verbreitung des Werkes ihre Stelle finden.\nOp. 4 sind drei liebenswürdige Stücke, die im Ganzen\neine Hinneigung zu Chopin's besten Sachen nicht verken-\nnen lassen, dabei aber frei von gefährlicher Nachahmerei\nund affectiver Harmonisirung aus dem Innern heraus\nselbständig geschaffen sind. Bei der nicht allzu schwierigen\nAusführbarkeit eignen sich diese Stücke auch für den\nVortrag in Familienkreisen, wo sie gewiss eben so wie im\nSalon eine freundliche Aufnahme finden werden. Hoffen\nwir, dass der jugendliche Componist auf dem eingeschla-\ngenen Pfade fortvvandle und später in grösserer, mächti-\ngerer Entfaltung seine Ideen in realer Beherrschung ver-\nwerlhe.\n\n0. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "327", "page_fin": "327", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.2.5", "titre_corps": "Concert des rheinischen Sängervereins.", "titre_sommaire": "Concert des rheinischen Sängervereins.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.7", "debut_caractere": 1068, "fin_caractere_exclue": 6297, "texte": "Concert des rheinischen Sängervereins.\nWir haben in Nr. 38 unseren Lesern bereits Nachricht von dem\nZusammentritt des „rheinischen Sängervereins\" und von dem Zwecke,\nden er zu verfolgen gedenkt, gegeben. Das erste Concert dessel-\nben fand am 4. d. Mts. im grossen Gürzenichsaale Statt; unser\nWunsch, dass das Publicum dem edeln Streben mit Theilnahme\nentgegenkommen möge, ist in so hohem Maasse in Erfüllung ge-\ngangen, dass die Sitzplätze im Saale alle ausverkauft und auch die\nGalerieen gefüllt waren. Die Ausführungen haben aber auch ge-\nzeigt, dass der neue Bund eine treffliche Auswahl von Kräften aus\nden gesangreichen Landen am Niederrheine in sich schliesst. Die\nLiedertafeln von Aachen (Fritz Wenigmann), Crefeld (Wilhelm), El-\nberfeld (Weinbrenner), die Concordia von Bonn (Brambach), die\nMänner-Gesangvereine von Neuss (Hartmann) und von Köln (Franz\nWeber) bildeten eine Vereinigung von 275 durch Wohlklang und\nFrische ausgezeichneten Männerstimmen, welche theils ohne, theils\nmit Begleitung eines Orchesters von achtzig Instrumentalisten unter\nder Leitung von Franz Weber eine Reihe von Compositionen\nausführten, wie sie wohl noch selten bei einem Sängerfeste von\ndurchgehend so werthvollem Gehalte vorgekommen sind. Ja, die-\nser Männergesang und die Wahl solcher Stücke rächt sich an\nden Gegnern desselben, welche die ganze Kunstgattung in die Acht\nerklären wollen, weil sie oft missbraucht worden ist, als wenn die\nebenfalls vorhandene Flut von leichtfertigen und trivialen Instru-\nmental-Compositionen ein Verdammungs-Urtheil über die ganze In-\nstrumentalmusik rechtfertigen könnte!\nAber nicht nur durch Auswahl des älteren Guten zeichnete\nsich das Programm aus, sondern es brachte auch Neues, das ihm zu\nbesonderer Zierde gereichte und neben der festlichen Einrichtung\ndes Ganzen, der Zahl der Mitwirkenden und der glänzenden Ver-\nsammlung in dem prächtig erleuchteten Saale vorzüglich dazu bei-\ntrug, dem Concerte den Charakter eines Musikfestes von höherer\nBedeutung zu verleihen. Und wahrlich, wenn die besten deutschen\nTonmeister, wenn Männer wie Ferdinand Hiller und Franz\nLachner Werke für Männerchor schreiben, wie sie es eigens für\ndieses erste Fest des rheinischen Sängervereins gethan haben, so\nbeginnt eine neue Aera für den Männergesang, und wir brauchen\nden Sängern, als den Trägern der künstlerisch-classischen Richtung,\nnur zuzurufen: „Die Würde der Kunst ist in eure Hände gegeben:\nbewahret sie!\"\nHiller's „O sterf eueru und „Ostara\", Gedichte von Etlar\nLing, sind Gesänge mit Orchester von heroischem Schwung und\nmächtigem Eindruck, die mit wahrer Begeisterung gesungen wurden.\nI< ranz Lachner s Psalm 150, ebenfalls mit Orchester, gibt den pom-\npösen Charakter des Jehovahdienstes im Tempel vortrefflich wieder\nim Einklänge eines gewaltigen Chorjr mit allem Glänze der Instru-\nmentation. Beide Werke sind eine waljre Bereicherung der guten\nLiteratur für Männergesang.\nDiesen Prachtstücken der grossen Meister schloss sich als eine\nkleinere, aber höchst ansprechende, gar liebliche und herzliche Gabe\nKarl Wilhelm' s Composition des Liedes „Frühlingszeit\" aus\nden Liedern von Mirza Schaffy an, welche, von den Mitgliedern der\ncrefelder Liedertafel allein ganz vortrefflich gesungen, den rau-\nschendsten Beifall hervorrief.\nAlles Uebrige wurde vom Gesammtchor gesungen, und im Vor-\ntrage der Gesangstücke kann man kaum irgend einem den Vorzug\neinräumen, denn Alles wurde sehr gut, nicht bloss präcis, sondern\nauch mit schöner Färbung des Ausdrucks gesungen. Sollte man\ndurchaus classific'iren, so dürfte der Eindruck der Gesänge a capella\nvon Palestrina („0 bone Jesu\") und von Vittoria („Popule\nmeus\") den Vorrang bedingen, dann neben den beiden Werken von\nHiller und Lachner die Ausführung der „Sturmesmythe\" von\nLachner, und von den kleineren Stücken die von Schuberts „Gon-\ndelfahrer\" mit Orchester-Begleitung von F. Weber auszuzeichnen sein.\nEine angenehme Gabe waren die Soprangesänge von Fräulein\nGeorgine Schubert, deren schöne Stimme den Saal vollkommen\nausfüllte, ja, in dem von der Tonbühne weiter entfernten Räume\nan Weichheit und Fülle noch gewann. Wenn die Wahl der Adagio-\nArie aus Mozart's „Entführung\" nicht eben zweckmässig für das\nConcert war, so machte dagegen der Vortrag des Ave Maria von\nGounod nach einem Präludium von Bach, für Sopran, Violine (Herr\nvon Königslöw) und Pianoforte eingerichtet, auch auf das grosse\nPublicum einen tiefen Eindruck, und später ärntete die Künstlerin\ndurch den Reiz, den sie dem „Haideröslein\" von Schubert zu ver-\nleihen verstand, von Allen und durch den freilich sehr faden Walzer\nvon Potier von dem grössten Theile der Zuhörer rauschenden Applaus\nund Hervorruf, worauf sie noch das Bravourlied von Taubert zugab.\nAm folgenden Tage versammelte ein Mittagsmahl im Casino die\nSänger und Kunstfreunde, wobei ernste und humoristische Reden\ndie gesellige Stimmung erhöhten und Lieder unseres unerschöpflich\npoetischen und melodischen Andreas P. mit jenen abwechselten.\nMöge die Strophe des Bundesliedes:\nNicht zum Kampfe, nicht zum Streite\nTrafen die Genossen ein,\nDie Liederkämpfe sind für uns vorbei,\nUnser Lied, Triumph! ist frei!\nder fortdauernde Wahlspruch des rheinischen Sängervereins sein,\ndem ein so schöner Anfang die Weihe gegeben hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "327", "page_fin": "328", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.7", "debut_caractere": 6299, "fin_caractere_exclue": 6772, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am Stadttheater ist Fräulein Desiree Ar tot in die-\nser Woche in zwei Rollen aufgetreten, als Rosine im Barbier von\nSevilla und als Marie in der Regimentstochter. Die wunderbare\nVollendung ihres Kunstgesanges in Verbindung mit einer besonders\nim mezza voce sehr lieblichen Stimme, einem Spiel voll höchster\nAnmuth und Grazie und einem ausdrucksvollen Vortrage lyrischer\nStellen, der besonders am zweiten Abende Eindruck auf uns machte,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4564, "texte": "weil er oft bei den besten französischen Coloratursängerinnen in der\nVirtuosität untergeht, konnte nicht verfehlen, auch das kölner Pu-\nblicum zu rauschendem Applaus und mehrmaligen Hervorruf hinzu-\nreissen, obschon dasselbe zwei sehr verschiedene Bestandtheile in\nsich schliesst, deren einer fast ausschliesslich nur durch die ernste\nclassische Musik zu befriedigen und gegen alle Virtuosität einge-\nnommen ist, der andere zu lange den feinen Reiz der Kunst ent-\nbehrt hat, um ihn richtig würdigen zu können, und daher sich eher\nvom Stimm-Material imponiren, als von der meisterhaften Behand-\nlung desselben bezaubern lässt.\n*** Ä'aart a* M», 1. October. Unter den Neuigkeiten,\nwelche das Stadttheater in letzter Zeit brachte, fand die zweiactige\nOperette „Die Schwätzerin von Saragossa\" eine ganz besonders bei-\nfällige Aufnahme. Die Idee der Handlung ist dem Spanischen des\nCervantes entnommen und von Charles Nuitter für Offenbach\nbearbeitet. Offenbach's Musik ist, wie in allen seinen Compositionen,\nso auch in dieser Operette graziös und pikant, ein wahrer Blumen-\nstrauss gefälliger, leichtfasslicher Melodieen. [Sie ist in einigen Num-\nmern, z. B. dem Canon in dem Quartett bei Tisch, mehr als bloss\npikante Musik. Da diese hübsche Operette, die ein eben so ge-\nwandtes Spiel als Virtuosität im syllabischen Gesänge verlangt, in\nder Niederrheinischen Musik-Zeitung von 1862, Nr. 29\nvom 19. Juli, bereits eine ausführliche Analyse bei Gelegenheit ihrer\nersten Aufführung als rßavard et Bavardeu in Ems gefunden hat,\nso müssen wir hier auf jenen Bericht verweisen.] Wo diese Operette\nin so guter Besetzung und abgerundeter Darstellung, wie sie hier\nStatt fand, gegeben werden kann, wird sie sich schnell einen Kreis\nvon Freunden erwerben. Fräulein Labitzki in der Rolle Roland's\ndes Schwätzers gebührt für Gesang und Spiel das Prädicat vortreff-\nlich. Fräulein Geisthardt (Beatrix, die Schwätzerin) war im Ge-\nsänge untadelhaft. und fand sich auch im Spiel mit vieler Gewandt-\nheit in die schwierige Aufgabe. Fräulein Wallbach (Ines) liess\netwas mehr Leben in der Darstellung zu wünschen übrig. Die\nHerren Dettmer, Hassel und Stotz (Sarmiento, Christobal und\nTorribio) trugen durch die lebenswarme Auffassung ihrer Rollen\nnicht wenig zum Gelingen des Ganzen bei. Dass auch die Gläubiger\nRoland's, die ihn bis über die Strasse verfolgen, hier mit vier Da-\nmen besetzt waren (Bertelmann, Eichberger, Oppenheimer und Mar-\nchand), machte einen sehr komischen Eindruck. Das Publicum,\ndurch die gelungene Vorstellung in animirter Stimmung, spendete\nlebhaften Beifall und rief die Darsteller nach einzelnen Scenen und\nnach den Actschlüssen hervor.\nC»otlui, im October. Oede und leer stehen die Felder, das\nLied der Vögel, das Summen der Bienen ist verstummt, und mit\nV\\ ehmuth sehen wir zu, wie sich die Natur zu\" ihrem Schlummer\nrüstet. Dabei ist es aber zunächst ein Gedanke, der uns auch wie-\nder erfreut, und zwar der, dass mit den entschwundenen schönen\nTagen die luftigen und duftigen so genannten Garten-Concerte ihr\nEnde erreicht haben und dass Euterpe wieder zu der ihrer würdigeren\nHerrschaft gelangt, indem gediegenere Compositionen in den Con-\ncerten zur Aufführung kommen. Die Reihe dieser Concerte wurde\nin verwichener Woche hier mit einem vom Hofpianisten Leopold\nBrassin veranstalteten Concerte eröffnet. Es kamen darin zum\n\\ ortrage das prächtige, phantasiereiche Concert für Piano mit Or-\nchester-Begleitung (E-moll) von Chopin, symphonische Etüden in\ntonn von Variationen von R. Schumann. Den Glanzpunkt des\nConcertes aber bildete die Sonate für Piano und Violine (Q-dur)\nvon L. van Beethoven. In diesen Musikstücken brachte der Con-\ncertgeber L. Brassin nicht nur seine bedeutende technische Fertig-\nkeit zur Geltung, sondern er zeigte auch durch seinen Vortrag, dass\ner tiefer eingedrungen ist in das Verständniss der Tongebilde, wel-\nche er reproducirt. Es ist nichts Maschinenmässiges in seinem\nVortrage, vielmehr weht uns geistige Frische und Leben aus seinem\nSpiele entgegen. Und so muss es sein; nur auf diesem Wege wird\ndie Kunst gefördert. Wer auf dem anderen Wege sein Heil versucht\nund sich in moderne Ciavierraserei verliert, drückt die Kunst herab,\nerniedriget sie. Die Violin-Partie in der Beethoven'schen Sonate\nwurde vorgetragen von dem Kammermusicus Gottschalk aus Mei-\nningen. Ausserdem spielte derselbe noch ein Concert für Violine\nvon David (D-moll) und zwei Piecen von H. Vieuxtemps (Ro-\nmanze und Die Nachtigall). Dem Spiele des Herrn Gottschalk ist\nnoch mehr Abrundung, seinem Vortrage mehr Innigkeit und Wärme\nzu wünschen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas zweite Musikfest zu München. I. König Enzio. Oper von J. J. Abert. Beurteilungen. M. von Asant-\nscliewsky, Op. 3, Streich-Quartett. Op. 4, Drei Stücke für das Pianoforte. Concert des rheinischen Sängervereins. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, Fräulein Desire Artdt Frankfurt am Main, Stadttheater, „Die Schwätzerin von Saragossa\" - Gotha\nConcert von Leopold Brassin).\n\nDas zweite Musikfest zu München.\nI.\nSchon im Jahre 1855 veranstaltete die musicali-\nsche Akademie, unter der Leitung des auch als Ton-\ndichter, besonders durch seine anmuthigen Compositionen\nder Märchen „Dornröschen\", „Bübezahl\" und „Undine\"\nbekannten Barons von Perfall, in Verbindung mit dem\nGeneral-Musik-Director Franz Lachner, durch ihre für die\nSache begeisterten Vorstands-Mitglieder ein Musikfest.\nDamals, wie jetzt, wurde der nach dem Muster des In-\ndustrie-Palastes in London erbaute Glas-Palast, der auch\nhier der Allgemeinen Kunst- und Gewerbe-Ausstellung\ngedient hatte, zu dem Feste benutzt, und Haydn's „Schö-\npfung\" erklang in seinen Bäumen als würdiges Werk der\nEinweihung einer neuen musicalischen Aera für das ganze\nsüdliche Deutschland. Denn seit den grossen Aufführungen\nin Wien zur Zeit Haydn's und Beethoven's halte man, so\nviel uns bekannt, in neuerer Zeit nur einmal in Zwei-\nbrücken den glücklichen Versuch gemacht, die norddeut-\nschen Musikfeste auch nach dem Süden zu verpflanzen.\nAllerdings bildeten die ausführenden Kräfte, die man 1855\nin München vereinigt halte, noch nicht die imposanten\nMassen, die uns diesmal mit Erstaunen und Begeisterung\nerfüllt haben; allein der Erfolg that auf erfreulichste Weise\ndie Lebensfähigkeit der Musikfesle im Süden dar, ver-\nscheuchte jede Furcht vor lähmender Gleichgültigkeit von\nSeiten des Publicums und ermuthigte die Akademie zur\nVeranstaltung des gegenwärtigen zweiten Festes. In sehr\nrichtiger Würdigung der Bedeutung der Musikfeste für\ndie Aufrechthaltung und Belebung des Kunstsinnes bei der\nMasse der Gebildeten, erweiterte sie jedoch den Kreis des\nFest-Ausschusses durch Zuziehung von Kunstfreunden aus\nverschiedenen Ständen, um dadurch das Ganze als ein\nmehr und mehr von dem kunslliebenden Theile der Be-\nvölkerung getragenes Unternehmen hinzustellen und so\neine sichere Begründung regelmässig wiederkehrender\nMusikfeste anzubahnen. Nach dem überwältigenden Ein-\ndrucke der Ausführungen durch künstlerisch tüchtige\nKräfte in Massen, wie sie wohl noch bei keinem Musik-\nfeste in Deutschland vereinigt gewesen sind, zweifeln wir\nnicht, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen und das\nmünchener Fest „das Wiegenfest künftiger süddeutscher\nMusikfeste\" werden wird.\nDer ungeheure Raum im Glas-Palaste war durch einen\nstarken Vorhang, der die eine Hälfte des Langschiffes da,\nwo es das Querschiff trifft, von diesem und der anderen\nHälfte abschloss, verkürzt; dennoch bildete dieser begränzte\nRaum mit seinen beiden über einander hinlaufenden Ga-\nlerieen immer noch einen Saal, der an 10—15,000\nMenschen bequem fassen konnte und in dem, einschliess-\nlich der Mitwirkenden, auch 5—6000 anwesend waren,\nwelche der leider schon seit Freitag herabgiessende Regen\nnicht gehindert hatte, zu erscheinen. An der Spitze der\nZuhörer bemerkten wir den König Ludwig, der nie fehlt,\nwo es gilt, eine Kunstleistung anzuerkennen und zu er-\nmuthigen, und den Prinzen Adalbert.\nDie Tonbühne erhob sich am Ende des Langschiffes\nstufenförmig empor, gekrönt von der Orgel, einem Werke\ndes Orgelbauers Jos. Frosch, welches besonders in seinen\nweichen Registern bei Begleitung der Recitative und stel-\nlenweise der Sologesänge sehr schön wirkte, in den Chö-\nren hingegen für die gewaltigen Massen in Orchester und\nChor hätte kräftiger durchdringen können. Was im Uebri-\ngen den Klang überhaupt betrifft, so zeigten sich die\nRaum-Verhältnisse, welche natürlich ausserhalb aller aku-\nstischen Berechnung entstanden waren, doch recht günstig\ndafür, wiewohl freilich nicht gleich vortheilhaft an allen\nPunkten; namentlich war die so genannte\nkeineswegs ersten Ranges für den Klang, der in der Arena\ndes Palastes und vor Allem auf der zweiten (höchsten)\nGalerie ein wahrhaft pompöser und besonders für das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.2", "texte": "Orchester ein mächtiger und dabei klar in seinen verschie-\ndenen Factoren zu unterscheidender war.\nDer Chor bestand den Anmeldungen nach aus zwölf-\nhundert Mitgliedern; unter den Anwesenden mochten im-\nmerhin tausend wirklich singende Sängerinnen und Sänger\nsein. Der Sopran war entschieden am stärksten und mit\nden Irischesten Stimmen besetzt; seine Einsätze und seine\npräcise Ausführung der prächtigen Chöre und Doppelchöre\nin Händel's „Israel in Aegypten\" waren höchst lobens-\nwerlh. Doch gab hierin der Alt und auch der Männer-\nchor nichts nach, jedoch hatte man den Eindruck vom Gan-\nzen, den auch ein markiger Einsatz der Vorgeiger und der\nersten Violinen in einem grossen Orchester macht. Eine\ngewisse Lahmheit des Angriffes, wie man sie oft auch bei\nsonst ganz guten Chorpersonalen hört, war hier nicht zu\nbemerken; doch dürfen wir nicht verschweigen, dass mit\nden hiesigen und auswärtigen Dilettanten-Vereinen auch\nder königliche Hofcapellen-Chor und der Hoftheater-Chor\nmitwirkten. Die Ausbreitung des so zahlreich besetzten\nOrchesters lOO Violinen, 40 Violen, 30 (nach dem\nBuche, in der That aber 38) Violoncelle, 30 Contrabässe,\n8 Flöten, 0 Oboen und 6 Clarinetten, 8 Fagotte, 12\nHorner, 6 Trompeten, 6 Posaunen und zwei Paar Pau-\nken —, was zusammen eine Masse von 265 Instrumen-\ntalisten bildete, halte die Aufstellung des Chors etwas be-\neinträchtigt, indem namentlich die Tenoristen auf der einen,\ndie Bassisten aul der anderen Seite des Orchesters zwei\nlange, verhältnissmässig schmale Reihen bildeten, welche\ndurch die ganze Breite des Orchesters von einander ge-\ntrennt und nicht terrassenförmig hoch genug gestellt wa-\nren. Trotzdem zeigte sich bei Stellen, wo das Orchester\nschwieg oder nicht überreich instrumentirt war, auch die\nKraft des Männerchors, besonders der Bässe.\nDas Concert begann den 27. September um eilf Uhr\nVormittags aus dem Grunde, weil der Glaspalast nicht er-\nleuchtet werden kann und weil an demselben Abende,\nwas bis jetzt wohl bei einem Musikfeste unerhört gewesen,\nim königlichen Holtheater noch eine Oper, und zwar Mo-\nzart's „Don Juan\", zur Aufführung kam.\nDas Programm bildeten Beethoven's\neroica und Händel's „Israel in Aegypten\". Die\nAusführung der Sinfonie war, Alles in Allem genommen,\nder Glanzpunkt des ersten Festtages; wir waren etwas un-\ngläubig, ob die Menge die Wirkung künstlerisch genom-\nmen vergrössern, und noch mehr, ob sie die Präcision\nund den feineren Ausdruck, den diese herrliche Tondich-\ntung verlangt, erreichen würde. Allein der Erfolg hat uns\nmit den Massen-Aufführungen -ausgesöhnt. Mit Ausnahme\nder gleichen Viertel in den Contrabässen im Scherzo,\nwelche allerdings trotz des sehr richtig genommenen und\nkeineswegs übertriebenen Tempo's zuweilen ein wenig in\neinander schwammen, kam Alles vortrefflich deutlich\nheraus, und oft mit wahrhaft erschütternder Wahrheit.\nIn den ff-Kraftstellen machte das kolossale und von der\nersten Violine bis zum Contrabass überaus tüchtige Geigen-\nQuartett die Bläser, das Blech nicht ausgenommen, fast\ntodt, möchten wir sagen, ein Fall, der noch nie da ge-\nwesen, da es sonst gewöhnlich umgekehrt ist; wenigstens\nmögen die Leser aus dieser Hyperbel schliessen, dass die\nKlangvermählung der beiden Orchestermassen eine voll-\nständige und gar herrliche war. Die Fortissimo's im\nTrauermarsche, der Anritt der schweren Reiterscharen\nin den Bässen nach dem gewaltigen und das Fugato\nmachten eine ganz unbeschreibliche Wirkung. Hätten doch\nBerlioz, UlibischefF und Andere, die nicht begreifen kön-\nnen, was dieses Fugato in dem Marsche soll, zugegen sein\nkönnen, sie wüssten auf einmal, woran sie wären! Und\nwie schmetterten im Trio des Scherzo's die zwölf Hörner\nden steigenden Siegesgesang heraus! Da wusste ein Jeder,\ndass hier das heroische Element wieder mit strahlendem\nGlänze zum Vorschein kommt.\nWas Vortrag und Ausdruck betrifft, so war auch im\nEinzelnen die Wirkung des Verständnisses und der Anlei-\ntung zu geistvoller Lebendigmachung der Partitur, wie sie\nbei einem Meister wie Franz Lachner vorauszusetzen,\nüberall bemerkbar. Das piano und der Schatten\nund das Licht im Tongemälde, wurden genau nach der\nForderung des Componisten wiedergegeben, eben so das\nAnwachsen und Abnehmen der Ton wellen, die Sforzato's\nund sehr präcis auch die schroffen Abbrüche des Fortis-\nsimo mit unmittelbar darauf folgendem Piano. Der Aus-\ndruck wurde allerdings in vielen Stellen durch die Massen\nunterstützt, ja, in manchen kam er vorzugsweise durch\ndiese zur vollen Geltung; so haben wir z. B. in der Coda\ndes ersten Allegro's, da, wo die Bässe das Thema nach\nden Hörnern und ersten Violinen im Crescendo einsetzen\nund dann (beim Eintritt desselben in den Trompeten und\nHolz-Blas-lnstrumenten) die Violin-Figur mit den aufstei-\ngenden Sechszehnteln und den im Staccato absteigenden\nAchteln aufnehmen, diese Figur noch niemals durch das\ngesammte Geschmetter der Bläser und das Bauschen der\nViolinen so prächtig—„lustig\", würde Mendelssohn gesagt\nhaben durchgehört, wie hier von den 60 Bässen, 30\nViolen und 6 Fagotten gegen 100 Violinen und die ganze\nHeermusik der Pauken und Bläser. Merkwürdig war aber,\ndass unter denselben Verhältnissen im Scherzo die Imi-\ntation der Bässe beim Eintritt des nicht so vollständig\ndeutlich durchklang. Die Wirkung der Massen im Trauer-\nmarsch haben wir schon erwähnt; aber auch die zarten,\nklagend melodischen Stellen wurden vortrefflich ausge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.3", "texte": "führt, und neben den trefflichen Blas-Inslrumenten müssen\nwir auch der Pauken gedenken, die von schönem, vollen\n(nicht parisisch und belgisch rasselnden) Tone waren und\nsehr geschickt behandelt wurden.\nNach so lauter und aufrichtiger Bewunderung des\nGeleisteten wird der hochverehrte Herr Dirigent es nicht\nmissdeuten, wenn wir uns mit dem Tempo des Poco An-\ndante im Finale der Eroica nicht einverstanden erklären\nund es als viel zu langsam genommen bezeichnen müssen.\nIm Adagio-Tempo tritt es zu sehr aus dem Charakter des\nGanzen heraus, das zweite Motiv des Thema's in den ab-\nbrechenden Sechszehnteln der Oboe und ersten Violine\n(über den Triolen der Solo-Clarinette) erscheint alsdann\ngar zu zerstückt, die Gegenbewegung der ungeraden\nTriolen im Bass zu den geraden Sechszehnteln der Clari-\nnetten und des ersten Horns im Fortissimo vermählen sich\nnicht so gut (es gab auch hier einen kleinen Ruck gegen\ndie Egalität in den letzteren), und endlich ist die Vorschrift\nBeethoven's: poco Andante (und in den Clavier-Variatio-\nnen Op. 35: Andante con mausdrücklich dagegen.\n(Vergl. unsere Abhandlung: Ueber den Vortrag der\nSinfonia eroica,Jahrg. 1862, Art. IV. in Nr. 36).\nNach der glänzenden Eröffnung des ersten Fest-Con-\ncertes durch die heroische Sinfonie kam Händel's Ora-\ntorium: „Israel in Aegypten\", zur Aufführung. Die\nWahl desselben war an und für sich durch die Trefflich-\nkeit des Werkes gerechtfertigt, dann aber auch vorzüglich\ndadurch, dass die grossen Massen, über die man zu verfü-\ngen halte, bei den zahlreichen Chören in diesem Orato-\nrium am besten zur Geltung zu bringen waren. Von der\ngewaltigen Wirkung dieser Massen haben wir schon ge-\nsprochen. Sie entwickelte sich zunächst mächtig bei dem\nEinsätze des Doppelchors: „Er sprach das Wort\", wuchs\nmit der steigenden Zuversicht und mit dem ehrenden Ap-\nplaus, der übrigens, seltsam genug, erst nach dem Chor:\n„Aber mit seinem Volke zog er dahin\", laut wurde, und\nentfaltete dann in Verbindung mit Orchester und Orgel\nseine vollen, breiten Schwingen in dem prachtvollen Ton-\ngemälde: „Ich will singen meinem Gott\", wo die Klang-\nwogen sich so über einander thürmen, dass die Phantasie\nzu sehen glaubt, wie die Wellen über „Ross und Reiter\"\nzusammenschlagen. Das majestätische Vorspiel zu dem\nAdagio, welches diesen Chor einleitet, wurde mit solcher\nKralt und so scharf accentuirtem Rhythmus von den zwei-\nhundert Saiten-Instrumenten ausgeführt, dass man wirk-\nlich sagen konnte: „Das hört alles Volk und ist erstaunt!\"\nDie Sologesänge im „Israel\" waren nur mit einhei-\nmischen, am königlichen Hoflheater angestellten Künstlern\nbesetzt. Frau Diez, eine zwar schon längst rühmlich be-\nkannte, aber nicht bloss desshalb von Kennern geschätzte\nSängerin, befriedigte auch diejenigen, die sie zum ersten\nMale hörten, durch immer noch frisch klingende Höhe\nund Ausgiebigkeit der Stimme und durch bis zur Kühn-\nheit gehende musicalische Zuversicht. Fräulein v. Edels-\nberg ist im Besitze einer sehr schönen, vollen Altstimme,\nwelche auch durch die weiten Räume wohltönend hin-\nklang; ihr Vortrag war einlach und in so fern dem oralo-\nrischen Stil angemessen; jedoch hätte er auch für diesen\netwas mehr Farbe haben können. Der Tenor ist nur we-\nnig beschäftigt; Herr Heinrich sang aber die Recitative\nrecht gut. Das bekannte Bass-Duett, von den Herren\nKindermann und Bausevvein gesungen, rief, wie ge-\nwöhnlich, rauschenden Beilall hervor, wie denn überhaupt\nbei dem zweiten Theile des Werkes das Publicum sich\ndankbarer zeigte, als beim ersten.\nDen Stamm des Chors bildeten, wie wir hörten, haupt-\nsächlich die hiesigen Kräfte: die Akademie, der Oratorien-\nVerein, die Sänger-Genossenschaft, die Chöre der Hof-\nCapelle und der Hof-Oper und mehrere Dilettanten, welche\nbei den glücklicher Weise für die Tonkunst hier fort-\ndauernden und eifrig gepflegten Aufführungen\nmusicalischer M essen u. s. w. in den Kirchen sich in\ngrosser Anzahl stets fort- und heranbilden. Zu dem Or-\nchester waren auch von auswärts tüchtige Künstler her-\nbeigezogen, z. B. von Prag Prof. Mildner mit eilf Instru-\nmentalisten, von Aachen die Gebrüder Wenigmann, von\nMannheim Koning und Kündinger, von Paris Müller (Vio-\nloncellist), von Frankfurt Sachar (Contrabassist), von Olden-\nburg Engel u. s. w. Mit münchener Künstlern waren,\nausser dem tüchtigen Geigen-Quartett, die sämmtlichen\nersten Stimmen der Blas-Instrumente besetzt, meist vor-\nzüglich gut, wobei wir nur an Bärmann's Clarinette erin-\nnern wollen.\nAm Abende desselben Tages (den 27. September)\nzeigte sich das Hoftheater in seinem Glänze. Nachdem das\nfrühere Gebäude im Jahre 1823 dem Schicksale aller\nTheater, einem zerstörenden Brande, verfallen war, er-\nstand der jetzige Prachtbau aus der Asche wie ein Phönix,\nund schon im zweiten Jahre darauf war er nach den Plä-\nnen des Architekten Fischer vollendet. Durch ein hohes,\nmit acht korinthischen Säulen geziertes Portal tritt man\nin die weiten inneren Räume dieses grössten Theaters in\nDeutschland, denn es fasst 2500 Zuschauer, und die Bühne\nist 100 Fuss breit und 190 Fuss tief. Man gab Mozart's\n,l)on Juan\" ohne die Recitative, was wir eben nicht für\neinen so entsetzlichen Missgriff halten, wie manche Kunst-\nrichter (denn wo Mozart sie musicalisch wirksam haben\nwollte, da hat er sie auch ausgeschrieben und mit dem\nganzen Orchester begleitet); aber man gab ihn auch mit\nder alten, schlechtesten Uebersetzung des Textes, mit de-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.4", "texte": "Ren Abschaffung endlich die Hoftheater wenigstens\nvorangehen sollten. Frau Dustmann aus Wien gab die\nDonna Anna, oder vielmehr sie war jene Anna voll edlen\nFeuers und hochtragischer Leidenschaft in Gesang und\nSpiel, wie sie Mozart sich gedacht hat, wie seine Töne sie\nunwiderleglich fordern, nicht wie ästhetisirende Schöngei-\nster das reine, keusche Bild zur Caricatur herabzerren\nmöchten. An dieser herrlichen Schöpfung des Mozart'schen\nGenius hat sich Hoffmann wahrhaft versündigt. Da Frau\nDustmann in den beiden grossen Fest-Auffuhrungen im\nGlas-Palaste nicht mitwirkte, sondern nur in dem dritten\nConcerte sang, so war es für die Festbesucher um so mehr\neine grosse Befriedigung, sie im Theater hören zu können.\nDas Haus war denn auch brechend voll, und Applaus und\nHervorruf folgten jedem Abgange der grossen dramati-\nschen Sängerin. Herr Kindermann ist immer noch ein\nguter Don Giovanni, und die sonore Stimme wirkt beson-\nders in den Ensembles schön. Dass Frau Diez die Elvira\nsang, die man oft auch auf guten Bühnen vernachlässigt\nsieht, war ein grosser Vortheil für das Ganze; auch Herr\nGrill sang den Don Ottavio nicht bloss gut, sondern\nwusste auch dieser, von den Concert-Arien abgesehen,\nundankbaren Rolle ein gewisses Interesse zu verleihen.\nIm Ganzen es, besonders im ersten Acte, eine glän-\nzende Vorstellung.\n\nKönig Enzio. Oper von J. J. Abert.\nJe geringer unter den jährlichen Opern-Novitäten der\ndeutschen Bühnen die Zahl einheimischer Erzeugnisse ist,\nund je seltener eines der letzteren über die Bühne, auf\nwelcher es eine locale Geltung fand, hinaus kommt, um\nso reger muss sich die Kritik den neuen Erscheinungen\nauf dem Gebiete der dramatischen Musik in Deutschland\nzuwenden, um das Unrecht der grossen Bühnen, die ihre\nKräfte und Schätze leider vorzugsweise den „importirten\"\nOpern widmen, wenigstens einiger Maassen wieder gut zu\nmachen. Da die Niederrheinische Musik-Zeitung durch aus-\nführliche Besprechungen der „Katakomben\", der „Lore-\nlei\" u. s. w. von allen musicalischen Zeitschriften diesen\nGrundsatz am meisten thatsächlich angenommen hat, so\nwird sie auch den folgenden Zeilen über Abert's „Kö-\nnig Enzio\" und dessen Aufführungen in Stuttgart und\nKarlsruhe den Baum nicht versagen.\nDer Componist, es ist wahr, zeigt bisher nicht hervor-\nstechende Originalität, er geht in den Spuren Wagner's\nund Meyerbeer's; allein Hingabe an Vorbilder ist der un-\nvermeidliche Weg für die noch junge Kraft, für das un-\nbefangen schaffende Talent, und erinnert man sich an die\nUnselbständigkeit und den Mangel an Originalität in den\nersten Opern unserer grössten Meister, so wird man es\nbedenklich finden, über eine schöpferische Zukunft da ab-\nzuurteilen, wo man Beweise eines bedeutenden Talentes\nanerkennen muss. Die Erfindungsgabe, die sich, gebunden\nvielleicht durch Vorbild und Gewohnheit, noch nicht in\nden grossen Formen des Ganzen bemerklich macht, ist\ngleichwohl in Melodie und Charakteristik bemerkenswerth.\nDas melodische Element tritt zwar nicht allgemein und in\nleicht fasslicher Form in den Vordergrund, was zum Theil\nmit dem Streben nach Vertiefung zusammenhangen mag,\ndoch fallen einige besonders innig gelungene Musikstücke,\nwie das Quintett der Sargscene: „Leb' wohl, leb' wohl,\nauf kurze Zeit\", der Schlusschor desselben Actes: „Mei-\nnem Schicksal will ich stehen\", die Cavatine: „Ach, was\nsollen dem Gefangenen\", und einige Duette von vorn herein\nbedeutungsvoll ins Ohr und gewinnen in ihrer Verarbei-\ntung einen ungemeinen Reiz, und zugleich findet man bei\ngenauerer Bekanntschaft mit der Oper die Melodik, die in\nAbert's „Anna von Landskron\" noch sparsam war, über-\nhaupt in vielfach wirksamer, charakteristischer und indi-\nviduel aneignender Weise, wenn auch oft von der Instru-\nmentation überdeckt, die musicalische Darstellung durch-\nziehend, ein Umstand, der in unseren Augen bei der\nvorzugsweise harmoniösen (Wagner'schen) Behandlung\nder Oper besonders ins Gewicht fällt. Dass die Subjecti-\nvität des Componisten in einer gewissen lyrischen Einsei-\ntigkeit vorherrsche, wie wir anderswo gelesen, können wir\nnicht bestätigen; vielmehr finden wir gerade die Liebes-\nscenen, mit Ausnahme des schönen Duetts im zweiten\nActe: „0 selig, wenn in stiller Zelle\", nicht lyrisch genug\ngehalten, nicht mit der frischen Kraft und Vertiefung com-\nponirt, wie das mehr Ernste und Charaktermässige der\nOper. Dagegen denken wir, dass zu der erwähnten An-\nsicht die uns verfehlt scheinende Composition einzelner\nPiecen Anlass gegeben habe, wohin wir unter Anderem\ndas völlig leicht gehaltene Schreckenslied Gaddo's im vier-\nten Acte rechnen: „Des Tages Licht scheint nicht hinein\".\nDie Hauptsache aber scheint uns der Umstand zu sein,\ndass, solche Ausnahmen abgerechnet, die objective Hin-\ngabe des Componisten an die Scene, das Streben, die\nSituation zu charakterisiren und bis in ihre Verschlungenste\nBewegung zu reinem Ausdruck zu bringen, erfreulich und\nerfolgreich hervortritt. Hier scheint uns die Hauptbedeu-\ntung und der Beruf des Componisten zu liegen, und wir\nerwähnen als Glanzpunkte in dieser Hinsicht das Finale\ndes zweiten Actes von der Hymne an: „Entsagt hatt' ich\ndem Thron der Hohenstaufen\", das grossartige Ensemble\nder Kampfscene des dritten Actes mit dem prachtvollen\nFinale, und das Gebet mit Schlusschor des vierten Actes,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.5", "texte": "der die ergreifende Handlung versöhnend und wahrhaft\nverklärend abschliesst. Doch auch neben diesen unter\nwirksamer Verflechtung von Massenwirkungen mit den\nEinzelstimmen erzielten Erfolgen wollen wir als Muster\nelegisch-dramatischer Behandlung in einfachster Scene\nden Eingang des vierten Actes anführen, in dem das all-\nmähliche Erwachen Bianca's aus tiefster Schmerzbetäu-\nbung zum Leben und Bewusstsein neuen Schmerzes, ihr\nUebergang zum Gebete und zum heldenmüthigen Ent-\nschlüsse ergreifend hervortritt, obwohl wir die in der\nWiederholung der Cantilene als Duo hervortretende, auch\nsonst öfters beliebte starke Anwendung des Unisono nicht\nals Ideal musicalischer Schönheit empfinden können; wir\nwollen anerkennend ferner des ersten Actes gedenken mit\nseinen bewegten, lebensvollen Schilderungen im Liede\nRainer's, im Melodrama Fabio's und im\nder Bianca; der trefflichen Charakteristik Bianca's als treuen,\nheldenmüthigen Weibes in mehrfachen hervorragenden\nNummern, und vor Allem der Zeichnung Gaddo's, die nur,\ndem Texte freilich entsprechend, gar zu dämonisch für die\nWahrheit des Ganzen gehalten ist, im Melodram des zwei-\nten Actes und in der Scene mit Enzio ebendaselbst, woran\nsich die wirksame Dolchscene des letzten Actes reiht.\nDie Vorführung der Oper in Karlsruhe zeichnete sich\nvor Allem durch das treffliche Ensemble aus, durch die\nauch auf den Chor übergehende richtige und jederzeit\nlebendige Betheiligung an der dramatischen Scene und\ndurch sorgsame Inscenirung. Die grosse Kampf- und\nSchluss-Scene des dritten Actes dagegen ist in Stuttgart\nmit dem glänzenden, durch Enzio's Prunkliebe wohlbe-\nrechtigten Leichenzuge, mit den reichen Gruppen-Ver-\nschlingungen und ihrem lebhaften Fortgange ungleich\nwirksamer eingerichtet, was auch von der Schluss-Scene\nder Oper gesagt werden muss. Die eingreifendste Ver-\nschiedenheit aber betrifft die musicalische Einrichtung der\nOper, und hier müssen wir bekennen, dass mit Aus-\nnahme der Reiritegrirung des schönen Duetts: „0 selig,\nwenn in stiller Zelle\", so wie der Ausscheidung des Rache-\nTerzetts: „Dieses theure Blut\" —wir die Abweichung von\nder Stuttgarter Partitur bedauern, da die Verkürzungen\nbisweilen die Entwicklung des musicalisch-dramatischen\nLebens der Scene stören.\nInnerhalb eines Jahres, seitdem diese Oper in Scene\nging, hat sie sich auf drei Bühnen eine Stätte errungen\n(neben den beiden genannten auch in Mannheim). Ihr\nGegenstand ist echt deutsch der Ausgang desjenigen Kai-\nsergeschlechtes, an das zumeist unser nationaler Glanz ge-\nknüpft war. Was dem Texte vorzuwerfen ist, wäre etwa\nneben der zu grossen, den Componisten augenscheinlich\nüberwältigenden Gedrängtheit und Fülle des epischen\nStoffes noch der Umstand, dass er theilweise zu finster\nschildert und dass er die nationale Grösse, für die er be-\ngeistern will (echt deutsch), uns im Unglücke, im Unter-\ngange aufzeigt; immerhin aber bildet der Text ein ge-\nschlossenes Drama, wodurch ein Eindruck des Ganzen er-\nzeugt wird. Seine Inspirationen aber sucht Abert im Texte,\ner will nicht gefällig, modern oder unverständlich u. s. w.\nsein, sondern seine Scene sprechen lassen; er hält Farbe\nin der Schilderung, ohne zu stagniren, und vertieft sich in\nihr, ohne völlig das Melodische zu opfern; selbst die reinen\nInstrümentalsätze, wie der Trauermarsch des dritten Actes,\nbeweisen dies. Aber freilich liegt der Schwerpunkt seiner\nCharakteristik noch viel zu einseitig im Orchester, und\neine Rückkehr zu Mozart'scher, ja, zu Gluck'scher Einfach-\nheit, ohne die er nichts wahrhaft Grosses leisten wird,\nscheint ihm vorerst noch fern zu liegen. Abert ging, wie\nes scheint, ursprünglich von dem Boden der Wagner'schen\nIdeen aus, und indem wir dieses annehmen, dürfen wir\nuns einer bemerkenswerten Umkehr in seinem Schaffen\nerfreuen. Die aufsteigende Phase unserer musicalischen\nGlanz-Epoche *— so Mozart im „Idomeneo\" rang sich\nvon den Vorbildern los, indem sie die Sprache des Ge-\nsanges durch Instrumental-Begleitung zu verstärken, zu\nschattiren und individueller auszuprägen begann, und hie-\ndurch dem Tongemälde, wenn wir diesen Vergleich fest-\nhalten dürfen, seine volle Deutlichkeit schaffte, die wohl-\nthuenden Verhältnisse der Perspective und des abhebenden\nHintergrundes ihm organisch aneignete. Die absteigende\nBewegung der Epoche hat sich mit ihren gesundesten\nKräften in die Ueberbildung dieses Beiwerks zur Melodie\nverlaufen, in eine barbarische Herrschaft der Instrumental-\nBegleitung. Und wiederum von diesem Endpunkte auf-\nwärts sehen wir eine Bewegung entstehen, welche umge-\nkehrt sich losringt von ihren Vorbildern, indem sie die\nzerstörte Melodie aus den Trümmern gräbt und aus ver-\nwirrenden, endlosen Tongemälden zur Einfachheit un<J\nHomophonie sich mit neuem Inhalt zurückarbeitet. Eben\ndieses können wir von Abert sagen, dem noch in seiner\n„Anna von Landskron\" eine lärmende und überbürdete\nOrchestration die individualistisch-melodischen Momente,\nwie ein allzu reissender Strom seine Inselufer, ertränkte\noder verwüstete; und in dem Fortschreiten auf diesem\nWege, so scheint uns, ist seine Zukunft.\nNachschrift der Redaction. Der Text von A. B.\nDu 1k enthält ein historisches Drama, in welches die Liebe\nund Aufopferung der Lucia Vindageli (hier Bianca ge-\nnannt), der heimlich vermählten Gattin Enz io's, verfloch-\nten ist. Trotz der Sprödigkeit des Stoffes, der uns den\njungen, schönen und tapfern Sohn Kaiser Friedrich's 11.\nnicht als Helden und Theilnehmer an den Kämpfen seines"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.6", "texte": "Vaters, sondern als Gefangenen in Bologna, mithin mehr\nleidend als handelnd darstellt, denn im Grunde ist Bianca\ndie Heldin des Stückes ist es dem Verfasser doch gelun-\ngen, eine Folge von lebensvollen dramatischen Situationen\nzusammenzustellen, die von lyrischen Ergüssen, welche das\nVerhältniss der beiden Liebenden herbeiführt, unterbro-\nchen werden. Er hat dabei die Erzählung von dem verun-\nglückten Fluchtversuche Enzio's und der darauf erfolgten\nstrengeren Haft desselben benutzt, wobei er das Wein-\nl'ass, in welchem man den König aus dem Burgthore schaf-\nfen wollte, in einen Sarg verwandelt hat, in welchem\nEnzio selbst anstatt der Leiche seines Dieners hinausge-\ntragen, aber auf Anstiften eines Verräthers von der Wache\nangehalten wird. Die Sage von dem eisernen Käfig, in\nden man den König nach der vereitelten Flucht auf Zeit-\nlebens eingesperrt, musste der Dichter natürlich verlassen;\ner führt die Katastrophe dadurch herbei, dass Enzio in\neinen finsteren, feuchten Kerker versenkt wird, wohin\nBianca ihm folgt. Die Einführung einer Art dämonischen\nElementes in der Person des Todteribeschauers Gaddo,\nder wegen einer früher von Enzio an ihm begangenen\nGrausamkeit Rache gegen ihn brütet und ihn verräth,\nkönnen wir nicht für eine glückliche Erfindung halten,\nda, wenn Enzio ihn, den im Kampfe Gefangenen, nebst\n299 Gefährten hat ans Kreuz schlagen lassen, diese That\nwahrlich nicht geeignet ist, die Theilnahme für Enzio zu\nsteigern. Ueberhaupt leidet der Text als Drama daran,\ndass das Interesse der Zuschauer sich auf Niemanden con-\ncentriren kann, indem einerseits von der Herrlichkeit der\nHohenstaufen viel geredet wird, aber keine That durch\nsie geschieht, und andererseits sie als Gewaltherrscher\ndargestellt werden, indem der Zuhörer durch die Chöre\nder Bologneser für die „Freiheit und das Recht\" der\nitaliänischen Republiken „gegen der Unterdrücker Hand\"\nbegeistert werden soll. Ins Einzelne des Textes in Bezug\nauf Sprache und Form wollen wir weiter nicht eingehen,\nnur können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, dass\ndie Sprache öfter Schwulst für Poesie und Widriges für\nKräftiges gibt, wohin Redensarten wie „das Herz in Her-\nzensgluthen kühlen\" Kampf, „bis des Stromes Flut\nvon Blut erwärmte\" „Duldsam harrt der Sclave der\nGebote, Unduldsam (?) indess verfault der Todte\"\ngebe täglich dir nicht mehr, als einem Hund gebührt\"\nu. s. w. zu rechnen sind.\nDer Componist hatte demnach, trotzdem dass der Text,\nwie wir oben anerkannt haben, manche gute dramatische\nSituationen und wiederum lyrische Stellen für die musi-\ncalische Behandlung bietet, dennoch eine schwierige Auf-\ngabe zu lösen, wenn seine Musik die auffallenden Schwä-\nchen des Gedichtes vergessen machen sollte. Wir haben\nkeiner der bisherigen Aufführungen der Oper beigewohnt\nund können daher unsere Meinung nur nach Einsicht der\nPartitur, die uns zufällig zu Theil wurde, abgeben. Da-\nnach stimmen wir im Ganzen mit dem Urtheil des Verfas-\nsers obigen Artikels über die Musik überein, nur können\nwir uns nicht mit der Ansicht einverstanden erklären, dass\nAbert in die Fusstapfen Wagner's trete. So viel wir, ohne\ndie Oper gehört zu haben, aus den Noten herauslesen\nkönnen, ist das nicht einmal in der Instrumentirung der\nFall, die zwar in den grossen Ensemblestücken, wohin sie\ngehört, reich und modern ist, aber keineswegs bloss in\neine Folge von lärmenden Klangwirkungen auszuarten\nscheint. In meliodiöser Hinsicht ist vollends die Schreib-\nweise Abert's total von der psalmodirenden declamatori-\nschen Recitalion Wagner's verschieden, ja, man könnte\ndem Componisten gerade im Gegentheil eher den Vorwurf\neiner gewissen melodischen Monotonie machen, welche\naber nicht durch die steife Uebersetzung des Textes Wort\nfür Wort in Noten, sondern vielmehr durch ein Sichgehen-\nlassen in den gewöhnlichen Formen der Cantilene veran-\nlasst wird, wie dieses ihn denn auch zu den von dem Be-\nrichterstatter mit Recht gerügten italiänischen Unisono im\nDuelt geführt hat. Dass Abert bereits überall selbständig\nsei, wird Niemand behaupten: aber eben so wenig wird\nman ihm ein bedeutendes Talent für dramatische Musik\nabsprechen können. Möge es durch Festhalten an dem\nEdeln der Gattung und durch glücklichen Fund guter\nTextbücher! immer mehr zur Entwicklung kommen\nund Unterstützung durch die Bühnen finden, um die leider\nder deutsche Opern-Componist betteln muss.\n\nBeurtheilungen.\n\nM. von Asantschewsky,\" Op. 3, Streich-Quartett\n(in Stimmen). Verlag von Alfred Dörffel, Preis\n2 Thlr.\nDerselbe, Op. 4, Drei Stücke für das Pianoforte.\nVerlag von Fr. Kistner. Preis 20 Sgr.\nGenannter Tonsetzer wurde durch den Vortrag seines\nOp. 1 und Op. 2 in der „musicalischen Gesellschaft\" zu\nKöln, welche bekanntlich jederzeit gern musicalische Ta-\nlente unterstützt, dem Publicum bekannt. Aus den vorge-\ntragenen Sachen erkannte man, dass dieselben kein ge-\nwöhnliches Talent, sondern ein mit wirklichem Beruf zum\nSchaffen ausgerüstetes producirt habe. Es liegen uns jetzt\ndie oben verzeichneten Werke vor, in welchen entschieden\nein Fortschritt des Künstlers erkennbar ist. Das Streich-\nQuartett, dessen beide letzte Sätze, als aus Einem Gusse\ngeschaffen, namentlich hervorzuheben sind, zeigt durchweg"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.7", "texte": "eine tüchtige musicalische Bildung sowohl in Bezug auf\nFormkenntniss wie auf contrapunktische Detail-Ausarbei-\ntung. Der erste Satz könnte an manchen Stellen der\nrhapsodischen Verwerthung der Motive entrathen, welche\nden melodischen Fluss bisweilen hemmend unterbricht und\ndie sonst genial ausgeführten Einzelheiten weniger zur\nGeltung kommen lässt. Eine genauere Analyse wird später\nbei weiterer Verbreitung des Werkes ihre Stelle finden.\nOp. 4 sind drei liebenswürdige Stücke, die im Ganzen\neine Hinneigung zu Chopin's besten Sachen nicht verken-\nnen lassen, dabei aber frei von gefährlicher Nachahmerei\nund affectiver Harmonisirung aus dem Innern heraus\nselbständig geschaffen sind. Bei der nicht allzu schwierigen\nAusführbarkeit eignen sich diese Stücke auch für den\nVortrag in Familienkreisen, wo sie gewiss eben so wie im\nSalon eine freundliche Aufnahme finden werden. Hoffen\nwir, dass der jugendliche Componist auf dem eingeschla-\ngenen Pfade fortvvandle und später in grösserer, mächti-\ngerer Entfaltung seine Ideen in realer Beherrschung ver-\nwerlhe.\n\n0. P.\n\nConcert des rheinischen Sängervereins.\nWir haben in Nr. 38 unseren Lesern bereits Nachricht von dem\nZusammentritt des „rheinischen Sängervereins\" und von dem Zwecke,\nden er zu verfolgen gedenkt, gegeben. Das erste Concert dessel-\nben fand am 4. d. Mts. im grossen Gürzenichsaale Statt; unser\nWunsch, dass das Publicum dem edeln Streben mit Theilnahme\nentgegenkommen möge, ist in so hohem Maasse in Erfüllung ge-\ngangen, dass die Sitzplätze im Saale alle ausverkauft und auch die\nGalerieen gefüllt waren. Die Ausführungen haben aber auch ge-\nzeigt, dass der neue Bund eine treffliche Auswahl von Kräften aus\nden gesangreichen Landen am Niederrheine in sich schliesst. Die\nLiedertafeln von Aachen (Fritz Wenigmann), Crefeld (Wilhelm), El-\nberfeld (Weinbrenner), die Concordia von Bonn (Brambach), die\nMänner-Gesangvereine von Neuss (Hartmann) und von Köln (Franz\nWeber) bildeten eine Vereinigung von 275 durch Wohlklang und\nFrische ausgezeichneten Männerstimmen, welche theils ohne, theils\nmit Begleitung eines Orchesters von achtzig Instrumentalisten unter\nder Leitung von Franz Weber eine Reihe von Compositionen\nausführten, wie sie wohl noch selten bei einem Sängerfeste von\ndurchgehend so werthvollem Gehalte vorgekommen sind. Ja, die-\nser Männergesang und die Wahl solcher Stücke rächt sich an\nden Gegnern desselben, welche die ganze Kunstgattung in die Acht\nerklären wollen, weil sie oft missbraucht worden ist, als wenn die\nebenfalls vorhandene Flut von leichtfertigen und trivialen Instru-\nmental-Compositionen ein Verdammungs-Urtheil über die ganze In-\nstrumentalmusik rechtfertigen könnte!\nAber nicht nur durch Auswahl des älteren Guten zeichnete\nsich das Programm aus, sondern es brachte auch Neues, das ihm zu\nbesonderer Zierde gereichte und neben der festlichen Einrichtung\ndes Ganzen, der Zahl der Mitwirkenden und der glänzenden Ver-\nsammlung in dem prächtig erleuchteten Saale vorzüglich dazu bei-\ntrug, dem Concerte den Charakter eines Musikfestes von höherer\nBedeutung zu verleihen. Und wahrlich, wenn die besten deutschen\nTonmeister, wenn Männer wie Ferdinand Hiller und Franz\nLachner Werke für Männerchor schreiben, wie sie es eigens für\ndieses erste Fest des rheinischen Sängervereins gethan haben, so\nbeginnt eine neue Aera für den Männergesang, und wir brauchen\nden Sängern, als den Trägern der künstlerisch-classischen Richtung,\nnur zuzurufen: „Die Würde der Kunst ist in eure Hände gegeben:\nbewahret sie!\"\nHiller's „O sterf eueru und „Ostara\", Gedichte von Etlar\nLing, sind Gesänge mit Orchester von heroischem Schwung und\nmächtigem Eindruck, die mit wahrer Begeisterung gesungen wurden.\nI< ranz Lachner s Psalm 150, ebenfalls mit Orchester, gibt den pom-\npösen Charakter des Jehovahdienstes im Tempel vortrefflich wieder\nim Einklänge eines gewaltigen Chorjr mit allem Glänze der Instru-\nmentation. Beide Werke sind eine waljre Bereicherung der guten\nLiteratur für Männergesang.\nDiesen Prachtstücken der grossen Meister schloss sich als eine\nkleinere, aber höchst ansprechende, gar liebliche und herzliche Gabe\nKarl Wilhelm' s Composition des Liedes „Frühlingszeit\" aus\nden Liedern von Mirza Schaffy an, welche, von den Mitgliedern der\ncrefelder Liedertafel allein ganz vortrefflich gesungen, den rau-\nschendsten Beifall hervorrief.\nAlles Uebrige wurde vom Gesammtchor gesungen, und im Vor-\ntrage der Gesangstücke kann man kaum irgend einem den Vorzug\neinräumen, denn Alles wurde sehr gut, nicht bloss präcis, sondern\nauch mit schöner Färbung des Ausdrucks gesungen. Sollte man\ndurchaus classific'iren, so dürfte der Eindruck der Gesänge a capella\nvon Palestrina („0 bone Jesu\") und von Vittoria („Popule\nmeus\") den Vorrang bedingen, dann neben den beiden Werken von\nHiller und Lachner die Ausführung der „Sturmesmythe\" von\nLachner, und von den kleineren Stücken die von Schuberts „Gon-\ndelfahrer\" mit Orchester-Begleitung von F. Weber auszuzeichnen sein.\nEine angenehme Gabe waren die Soprangesänge von Fräulein\nGeorgine Schubert, deren schöne Stimme den Saal vollkommen\nausfüllte, ja, in dem von der Tonbühne weiter entfernten Räume\nan Weichheit und Fülle noch gewann. Wenn die Wahl der Adagio-\nArie aus Mozart's „Entführung\" nicht eben zweckmässig für das\nConcert war, so machte dagegen der Vortrag des Ave Maria von\nGounod nach einem Präludium von Bach, für Sopran, Violine (Herr\nvon Königslöw) und Pianoforte eingerichtet, auch auf das grosse\nPublicum einen tiefen Eindruck, und später ärntete die Künstlerin\ndurch den Reiz, den sie dem „Haideröslein\" von Schubert zu ver-\nleihen verstand, von Allen und durch den freilich sehr faden Walzer\nvon Potier von dem grössten Theile der Zuhörer rauschenden Applaus\nund Hervorruf, worauf sie noch das Bravourlied von Taubert zugab.\nAm folgenden Tage versammelte ein Mittagsmahl im Casino die\nSänger und Kunstfreunde, wobei ernste und humoristische Reden\ndie gesellige Stimmung erhöhten und Lieder unseres unerschöpflich\npoetischen und melodischen Andreas P. mit jenen abwechselten.\nMöge die Strophe des Bundesliedes:\nNicht zum Kampfe, nicht zum Streite\nTrafen die Genossen ein,\nDie Liederkämpfe sind für uns vorbei,\nUnser Lied, Triumph! ist frei!\nder fortdauernde Wahlspruch des rheinischen Sängervereins sein,\ndem ein so schöner Anfang die Weihe gegeben hat.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am Stadttheater ist Fräulein Desiree Ar tot in die-\nser Woche in zwei Rollen aufgetreten, als Rosine im Barbier von\nSevilla und als Marie in der Regimentstochter. Die wunderbare\nVollendung ihres Kunstgesanges in Verbindung mit einer besonders\nim mezza voce sehr lieblichen Stimme, einem Spiel voll höchster\nAnmuth und Grazie und einem ausdrucksvollen Vortrage lyrischer\nStellen, der besonders am zweiten Abende Eindruck auf uns machte,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631010-01.1.8", "texte": "weil er oft bei den besten französischen Coloratursängerinnen in der\nVirtuosität untergeht, konnte nicht verfehlen, auch das kölner Pu-\nblicum zu rauschendem Applaus und mehrmaligen Hervorruf hinzu-\nreissen, obschon dasselbe zwei sehr verschiedene Bestandtheile in\nsich schliesst, deren einer fast ausschliesslich nur durch die ernste\nclassische Musik zu befriedigen und gegen alle Virtuosität einge-\nnommen ist, der andere zu lange den feinen Reiz der Kunst ent-\nbehrt hat, um ihn richtig würdigen zu können, und daher sich eher\nvom Stimm-Material imponiren, als von der meisterhaften Behand-\nlung desselben bezaubern lässt.\n*** Ä'aart a* M», 1. October. Unter den Neuigkeiten,\nwelche das Stadttheater in letzter Zeit brachte, fand die zweiactige\nOperette „Die Schwätzerin von Saragossa\" eine ganz besonders bei-\nfällige Aufnahme. Die Idee der Handlung ist dem Spanischen des\nCervantes entnommen und von Charles Nuitter für Offenbach\nbearbeitet. Offenbach's Musik ist, wie in allen seinen Compositionen,\nso auch in dieser Operette graziös und pikant, ein wahrer Blumen-\nstrauss gefälliger, leichtfasslicher Melodieen. [Sie ist in einigen Num-\nmern, z. B. dem Canon in dem Quartett bei Tisch, mehr als bloss\npikante Musik. Da diese hübsche Operette, die ein eben so ge-\nwandtes Spiel als Virtuosität im syllabischen Gesänge verlangt, in\nder Niederrheinischen Musik-Zeitung von 1862, Nr. 29\nvom 19. Juli, bereits eine ausführliche Analyse bei Gelegenheit ihrer\nersten Aufführung als rßavard et Bavardeu in Ems gefunden hat,\nso müssen wir hier auf jenen Bericht verweisen.] Wo diese Operette\nin so guter Besetzung und abgerundeter Darstellung, wie sie hier\nStatt fand, gegeben werden kann, wird sie sich schnell einen Kreis\nvon Freunden erwerben. Fräulein Labitzki in der Rolle Roland's\ndes Schwätzers gebührt für Gesang und Spiel das Prädicat vortreff-\nlich. Fräulein Geisthardt (Beatrix, die Schwätzerin) war im Ge-\nsänge untadelhaft. und fand sich auch im Spiel mit vieler Gewandt-\nheit in die schwierige Aufgabe. Fräulein Wallbach (Ines) liess\netwas mehr Leben in der Darstellung zu wünschen übrig. Die\nHerren Dettmer, Hassel und Stotz (Sarmiento, Christobal und\nTorribio) trugen durch die lebenswarme Auffassung ihrer Rollen\nnicht wenig zum Gelingen des Ganzen bei. Dass auch die Gläubiger\nRoland's, die ihn bis über die Strasse verfolgen, hier mit vier Da-\nmen besetzt waren (Bertelmann, Eichberger, Oppenheimer und Mar-\nchand), machte einen sehr komischen Eindruck. Das Publicum,\ndurch die gelungene Vorstellung in animirter Stimmung, spendete\nlebhaften Beifall und rief die Darsteller nach einzelnen Scenen und\nnach den Actschlüssen hervor.\nC»otlui, im October. Oede und leer stehen die Felder, das\nLied der Vögel, das Summen der Bienen ist verstummt, und mit\nV\\ ehmuth sehen wir zu, wie sich die Natur zu\" ihrem Schlummer\nrüstet. Dabei ist es aber zunächst ein Gedanke, der uns auch wie-\nder erfreut, und zwar der, dass mit den entschwundenen schönen\nTagen die luftigen und duftigen so genannten Garten-Concerte ihr\nEnde erreicht haben und dass Euterpe wieder zu der ihrer würdigeren\nHerrschaft gelangt, indem gediegenere Compositionen in den Con-\ncerten zur Aufführung kommen. Die Reihe dieser Concerte wurde\nin verwichener Woche hier mit einem vom Hofpianisten Leopold\nBrassin veranstalteten Concerte eröffnet. Es kamen darin zum\n\\ ortrage das prächtige, phantasiereiche Concert für Piano mit Or-\nchester-Begleitung (E-moll) von Chopin, symphonische Etüden in\ntonn von Variationen von R. Schumann. Den Glanzpunkt des\nConcertes aber bildete die Sonate für Piano und Violine (Q-dur)\nvon L. van Beethoven. In diesen Musikstücken brachte der Con-\ncertgeber L. Brassin nicht nur seine bedeutende technische Fertig-\nkeit zur Geltung, sondern er zeigte auch durch seinen Vortrag, dass\ner tiefer eingedrungen ist in das Verständniss der Tongebilde, wel-\nche er reproducirt. Es ist nichts Maschinenmässiges in seinem\nVortrage, vielmehr weht uns geistige Frische und Leben aus seinem\nSpiele entgegen. Und so muss es sein; nur auf diesem Wege wird\ndie Kunst gefördert. Wer auf dem anderen Wege sein Heil versucht\nund sich in moderne Ciavierraserei verliert, drückt die Kunst herab,\nerniedriget sie. Die Violin-Partie in der Beethoven'schen Sonate\nwurde vorgetragen von dem Kammermusicus Gottschalk aus Mei-\nningen. Ausserdem spielte derselbe noch ein Concert für Violine\nvon David (D-moll) und zwei Piecen von H. Vieuxtemps (Ro-\nmanze und Die Nachtigall). Dem Spiele des Herrn Gottschalk ist\nnoch mehr Abrundung, seinem Vortrage mehr Innigkeit und Wärme\nzu wünschen."}]}