{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-10-17-01", "volume": "bmtnabi_1863-10-17_01", "ocr_sha256": "1612e8f9e49735140e91fc617aaebf87bf85e2f5ea6d0acdf06512f8993f68fc", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/10/17_01/bmtnabi_1863-10-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-10-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "329", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nDas zweite Musikfest zu München. 11. Hiarne oder das Tyrfingsschwert. Nachgelassene Oper von H. Marschner.\nAus Hannover (F. Hiller's „Katakomben\"). Aus Stuttgart (Verein für classische Kirchenmusik). Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Herr Japha, Stadttheater Dresden, Aufführung von Sophokles' „Oedipus in Kolonos\" Leipzig, Mendelssohn-\nStiftung Wien, Jubiläum des Herrn Erl, Frau Kapp-Young, Herr Schmidt, Philharmonische Concerte Sing-Akademie)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-17_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-10-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "331", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.2.2", "titre_corps": "Das zweite Musikfest zu München.", "titre_sommaire": "Das zweite Musikfest zu München.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.1", "debut_caractere": 462, "fin_caractere_exclue": 4236, "texte": "Das zweite Musikfest zu München.\n\n11.\nDas zweite Fest-Concert (Montag den 28. Sep-\ntember) fand ebenfalls um 11 Uhr Morgens im Glas-Pa-\nlaste Statt.\nEs begann mit einer ganz vortrefflichen Ausführung\ndes symphonistischen Werkes (in von Franz\nLachner, welches er uneigentlich genug eine „Suite\"\ngenannt hat ein Name, den heutzutage kein Mensch ver-\nstehen kann, weil er eben ohne Zusatz nichts bedeutet.\nDoch desto bedeutender ist das Werk selbst, in welchem\nwir eines der genialsten anerkennen, das in unseren Tagen\ngeschrieben worden, auf so interessante, fesselnde und oft\nüberraschende Weise ist darin das musicalische Wissen,\ndie Meisterschaft in der Factur mit der Phantasie der Er-\nfindung und dem auf der Stelle ansprechenden melodischen\nElemente vermählt. Es war nicht etwa die glänzende Aus-\nführung, die allerdings gar nicht genug gelobt werden\nkann, oder die Gewalt der Massen (die höchstens dem\nMarsche am Schlüsse der Variationen des dritten Satzes\nzu Gute kam), welche den aufregenden Eindruck auf die\nZuhörerschaft machten, dass sie jeden Theil des Werkes\nstürmisch applaudirte, sondern es war eben so auch die\nGewalt der musicalischen Ideen und ihre treffliche Verar-\nbeitung, welche zu den lebhaftesten Kundgebungen des Bei-\nfalls hinrissen. Mit Recht wurde der Schöpfer und Dirigent\ndieser wirklich symphonischen Dichtung, dieses Orchester-\nwerkes, das ohne alle programmatistischen Farcen einmal\nwieder ein recht anschauliches und eindringliches Bild der\nreinen Musik gibt, die nichts weiter sein will, als Musik,\nund zwar gute Musik, bei jedem Satze durch anhaltenden\nApplaus gefeiert. Lachner hat lange geruht; vielleicht wurde\nihm zu arg gewettrannt in der Arena; in solch ein Ge-\ndränge begibt man sich in gewissem Alter nicht gern mehr\nmitten hinein, aber mit dieser „Folge\" von trefflich ge-\ndachten und eben so durchgeführten musicalischen Sätzen\nhat er sich unerwartet wieder erhoben und den Preis da-\nvon getragen.\nDie Suite besteht aus vier Sätzen: 1. Präludium,\nein lebhafter, reich figurirter Satz, der sogleich in die\nEigenthümlichkeit der Composition durch die Behandlung\nder Saiten-Instrumente einführt. 2. Menuet, ausgezeich-\nnet durch Originalität der Motive. 3. Variationen, viel-\nleicht eine etwas zu lange Reihe für ein Orchesterstück,\nwiewohl der Wechsel des Tempo's, des Rhythmus und\nder Instrumentirung-auf kunstvolle Weise über die Länge\ntäuschen, übrigens aber eine vortreffliche, nicht bloss\ndurch Kunst und Wissen interessante, sondern auch melo-\ndisch anmuthige und ausdrucksvolle Arbeit, welcher die\nVerwendung von Solostimmen der Clarinette, des Horns\nu. s. w., so wie das Hervortreten einzelner Saiten-Instru-\nmente im vollen Chor, z. B. aller Violinen oder aller Vio-\nloncells und Bratschen, einen hohen Reiz verleihen. Die\nalte Kantische Definition des Schönen, dass es in der Ein-\nheit des Mannigfaltigen bestehe, findet in diesen Variatio-\nnen ihren musicalischen Beweis. Die Variationen schliessen\nmit einem Marsche, der mehr durch pompöse Instrumen-\ntation, als durch originelle Motive wirkt, aber durch so\ngewaltige Massen ausgeführt, einen mächtigen Eindruck\nmachte, der ungeheuren Applaus und lebhafte Hochs auf\nden Componisten hervorrief. 4. Introduction und\nFuge, jene in Andante-Bewegung, diese in majestäti-\nschem Allegro, ein Werk, in welchem der Meister in die\nstrenge Form einen Guss freier musicalischer Gedanken\nströmen lässt, welche jene brausend füllen und doch nir-\ngend überströmen oder sprengen, und diese Gedanken\nnach einer kunstvollen, aber nirgends trockenen, sondern\nstets von Phantasie begleiteten, nicht kleinlich, sondern in\ngrossem Stile contrapunktisch gearbeiteten Durchführung\nzu einem glänzenden, durch alle Klangmittel imposanten\nSchlüsse führt. Die ganze symphonistische Suite, aber vor"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5217, "texte": "Allem diese Schlussfuge, ist eine musicalische That, die\nschlagender auf die hohlen Häupter der Verächter der\nForm fällt, als es die schärfste Kritik zu thun vermag.\n„Erst lernt etwas!\" ruft sie den Aposteln der Ungebun-\ndenheit zu, „und dann zeiget, ob ihr Genie habet, dadurch,\ndass ihr in das Gelernte schöpferische Erfindungskraft\nhineinbringen und es dadurch zu einem Kunstwerke ge-\nstalten könnt!\" —■ Der Vortrag der Fuge war über alles\nLob erhaben; wie Gewittersturm schlugen die Bässe in\nder Ausführung oft mit den Hauptfiguren in die Ton-\nwellen hinein es war prächtig.\nNach dieser Orchesterleistung wurde der zweite Theil\ndes Concertes im Gegensatz zu jener mit einem reinen\nVocalwerke ohne alle Begleitung eröffnet. Gesang\npetta mit einem so zahlreichen Chor hat nicht nur grosse\nSchwierigkeiten, sondern entspricht auch in der Wirklich-\nkeit nicht dem Verhältnisse der Zahl. Es gibt für den\nChorgesang, wie wir es auch bei den grossen Vereinigun-\ngen von Männerchören schon oft erfahren haben, eine\nGränze für die ausführende Menge, über welche hinaus\ndie massenhafte Wirkung wenig oder gar nicht steigt, und\nwährend das Forte nicht viel gewinnt, ob Tausend oder\nVierhundert singen, wächst die Schwierigkeit der Präcision\nund Färbung des Ausdrucks. Allerdings war auch in Mün-\nchen der erste Einsatz der achtstimmigen Motette\nvon Palestrina: „llodie Christus natus est\", ein impo-\nsanter, und mit richtigem Gefühle hatte man eine Compo-\nsition des alten Meisters gewählt, welche als Weihnachts-\nCantate durch ihren Schwung der Entfaltung massenhafter\nKräfte günstig war; auch waren Präcision und reine In-\ntonation lobenswerth. Allein der feinere Ausdruck ging\ndoch meist verloren, und wir mussten uns gestehen, dass\nein Chorgesang ohne Begleitung, von sechszig bis achtzig\nStimmen ausgeführt, einen schöneren Eindruck macht, als\nwenn grosse Massen dazu verwandt werden.\nEs folgte hierauf eine Scene aus dem Oratorium II\nRitornodi Tobiavon Joseph Haydn für Altsolo und\nChor; wenn wir uns nicht irren, so war der Chor derselbe,\nder mit dem Text: „Insanae (Des Stau-\nbes eitle Sorgen), im Druck erschienen ist. Das Oratorium\nist aus Haydn's Irüherer Periode, es wurde zum ersten\nMale in Wien 1775 zu einem wohlthätigen Zwecke auf-\ngeführt und ist nur als Manuscript vorhanden. Fräulein\nv. Edelsberg sang das Solo recht schön.\nPräludium und Fuge für Orchester von Joh. Seb.\nBach zeigte von Neuem die Vortrefflichkeit des vereinig-\nten Geigen-Quartetts; da aber dasselbe schon in der\nfonia eroicaund in Lachner's „Suite\" geglänzt hatte, so\nwar die meisterhafte Ausführung der Fuge für die Musi-\nker unter den Zuhörern zwar immer willkommen, für das\ngrosse Publicum aber etwas zu viel.\nDagegen bewährte das Finale des zweiten Actes der\nOp er „Idomeneo\" die ewige Zauberkraft der Mozart'-\nschen Musik wieder auf herrliche Weise. Die Wahl dieses\nFinale's zur Aufführung auf dem Musikfeste zu München\nwar sehr zweckmässig. Hier war die Oper Idomeneo zum\ngrössten Theile von Mozart componirt worden; hier hatte\ner sie am 18. Januar 1780 vollendet und schrieb:\nDeo!nun hab' ich's überstanden!\" an seinen Vater; hier\nwurde sie am 29. Januar 1781 zum ersten Male aufge-\nführt, und schon über den Eindruck der Probe äusserte\nder edle Karl Theodor: „Man sollte nicht meinen, dass in\neinem so kleinen Kopfe so was Grosses stecke. Ich war\nganz sürprenirt; noch hat mir keine Musik den Effect ge-\nmacht, das ist eine magnifique Musik.\" Und in der That,\nsie ist auch heute noch prächtig. Frau Diez war als\nElektra ganz an ihrer Stelle; wir halten die Durchführung\ndieser Partie in dem genannten Finale für ihre beste Lei-\nstung am Musikfeste. Fräulein v. Edelsberg (Idamante)\nund Herr Heinrich (Idomeneo) vervollständigten mit Ta-\nlent und Verständniss das Ensemble des Sologesanges, und\nwas das Orchester und der Chor bei dem Gewittersturme\nund der Erscheinung des Ungeheuers für eine gewaltige\nWirkung machten, davon wird man sich aus allem früher\nGesagten eine Vorstellung machen können.\nDen Schluss der zweiten Abtheilung bildete Beetho-\nven's Marsch und Chor: „Schmückt die Altäre\", aus\ndem Festspiel „Die Ruinen von Athen\", ein Fragment,\ndas durch die melodische Lieblichkeit und seine klaren\nHarmonieen als eine schöne Fortsetzung der Mozart'schen\nMusik erschien und allgemein ansprach.\nAls dritten Theil des Concertes brachte das Programm\nHändel's Ode auf den Cäcilientag. Wir haben die-\nses schöne Werk bei Gelegenheit des letzten niederrheini-\nschen Musikfestes bereits ausführlicher besprochen; der\nEindruck, den es damals auf alle Zuhörer machte, wieder-\nholte sich in München in Bezug auf die Chöre, die Aus-\nführung der beiden concertanten Solo-Partieen (Sopran\nFrau Diez, Tenor Herr Grill) stand aber nicht auf der\nHöhe der Composition, und da sie im Grunde doch dem\nWerke den Hauptglanz verleihen, so kann man, wenn\nman alles zufällige Aeussere, das hindernd eintrat, nicht\nberücksichtigt, die Aufführung der Cäcilien-Ode den übri-\ngen Aufführungen an beiden Festtagen nicht ganz gleich-\nstellen. Bringt man aber in Betracht, wovon ein Anschlag\nim Glas-Palaste Kunde gab, dass Fräulein Stehle, welche\nfür die Sopran-Partie bestimmt war, krank geworden,\nund dass Frau Diez dieselbe erst Tags zuvor übernommen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4118, "texte": "hatte, so muss man dieser Künstlerin die höchste Aner-\nkennung für ihre improvisirte Leistung zollen.\nDer dritte Festtag (Dinstag den 29. September) wurde\ndurch ein Abend-Concert in dem schönen, jedoch für\nein Musikfest-Publicum zu kleinen Saale .des Odeons ver-\nherrlicht. Trotzdem, dass nichts Mittelmässiges vorkam,\nwaren doch zwo 1 f Nummern, darunter zwei Ouvertüren\n(Sommernachtstraum und Freischütz), zwei Concerte und\ndie grosse, an Kreutzer gewidmete Sonate von Beethoven\netwas zu viel; indess blieb das Publicum, obwohl gepresst\nsitzend und stehend und bei keineswegs münchen'sch\nrauher, sondern tropischer Temperatur, bis zum Schlüsse\nenthusiastisch. Frau Dustmann, Frau Schumann und\nJoachim waren die leuchtendsten Sterne an diesem\nAbende. Frau Dustmann, vortrefflich bei Stimme, sang\ndie schöne Arie aus Spohr's Jessonda und am Schlüsse des\nConcertes drei Lieder von Schumann, Mendelssohn und\nSchubert, unter denen sie namentlich das Mendelssohnr-\nsche auf bezaubernde und künstlerisch vollendete, das\nSchubert'sche „Haideröslein\" auf entzückende Weise vor-\ntrug und das letztere wiederholen musste. Ausserdem sang\nsie die erste Sopranstimme in dem merkwürdigen und mit\nUnrecht wenig bekannten Hexen-Terzett aus der Oper\nMacbeth von Chelard mit den Damen Diez und v.\nEdelsberg. Das Auge konnte die drei Damen unmög-\nlich für „Pförtnerinnen der Hölle\" und „Schreckensbrin-\ngerinnen\" halten, aber die höchst originelle und grossartig\ndurchgeführte, charakteristische Composition strafte durch\ndas Ohr die schöne Erscheinung Lügen und gab uns das\nBild der verderblichen Schicksalsgöttinnen.\nFrau Schumann ärntete durch den Vortrag des\nConcertes von Robert Schumann Bewunderung und\nrauschenden Applaus. Ausserdem spielte sie mit Joachim\ndie Sonate in A-moll für Pianoforte und Violine von Beet-\nhoven, eine Composition, deren Wahl für ein Musikfest-\nPublicum nicht ganz zu billigen sein dürfte, zumal wenn\ndie Tempi dergestalt schnell genommen werden, dass in\ndem grossen Locale die Figuren der Violine unmöglich\nzur Geltung kommen können. Dass auch das Andante in\nein Allegretto und noch mehr verwandelt wurde, wodurch\ndie schönen Variationen in der Ausführung einen virtuo-\nsen Charakter bekamen, that uns um so mehr leid, als die\ntechnische Vollendung des Spiels eine vollkommene war,\naber gerade dadurch das Beispiel so eminenter Meister nur\nnachtheilig auf die Nachahmer wirken kann.\nJoachim's Vortrag des Violin-Concertes von Beet-\nhoven ist denn doch jedenfalls das Höchste, was man von\nInstrumental-Leistungen in unserer Kunst-Periode hören\nkann. Jedes Mal, dass man das herrliche Werk durch ihn\nhört, glaubt man, er habe es noch nie so schön gespielt:\naus jedem Tact weht uns der Geist Beethoven s durch den\nAdel wie durch den Schmelz des Tones entgegen, den sein\nBogen der Seele des Instrumentes entlockt. So erregte er\ndenn auch in München, wo er, wie ich glaube, zum ersten\nMale spielte, eine Begeisterung, wie wir sie selten erlebt\nhaben. Aber auch das Orchester trug durch treffliche\nAusführung seiner Aufgabe wesentlich zu dem vollendet\nschönen Ganzen bei.\n•Es war mithin das ganze Musikfest in München ein\nrecht gelungenes, und durch die Haupt-Aufführungen und\neinzelne Meister-Leistungen eine glänzende Kunstfeier.\nMöge sie sich durch Vereinigung der schönen Kräfte,\nwelche Süddeutschland besitzt, recht bald wiederholen!\nZugleich gab es Gelegenheit zu einer zahlreichen Ver-\nsammlung von Componisten, Dirigenten, Journalisten, Vir-\ntuosen und ausgezeichneten Kunstfreunden; wir sahen da\nunter Anderen aus Stuttgart die Herren Stark, Pruck-\nner, Speidel, aus Wien Dr. Hanslik, Herbeck, aus\nSalzburg Schläger, aus Augsburg Schletterer, aus\nZofingen Petzold, aus Basel Walter, aus Mannheim\nVincenz Lachner, Max Bruch, aus Heidelberg Ger-\nvinus, Boch, aus Saarbrücken Gernsheim, aus Mainz\nSchott, Fockerer, aus Wien Graf Stainlein, Fräu-\nlein Asten (Pianistin), aus Paris Pasdeloup, Gouvy,\naus Lissabon Meumann, aus Leipzig Reinecke, Bag-\nge, aus Glogau Meinardus, aus Münster Grimm, aus\nBerlin Vierling u. s. w. Es war mithin ein ganz in-\nteressanter musicalischer Congress bei einander.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-10-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "331", "page_fin": "333", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.2.3", "titre_corps": "Hiarne oder das Tyrfingsschwert.", "titre_sommaire": "Hiarne oder das Tyrfingsschwert.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.3", "debut_caractere": 4120, "fin_caractere_exclue": 5178, "texte": "Hiarne oder das Tyrfingsschwert.\nNachgelassene Oper in vier Acten von H. Marschner*).\nDie Oper „Hiarne der Sangeskönig oder das\nTyrfi ngsschwert\" ist das letzte dramatisch-musicalische\nWerk von Heinrich Marschner. Er hat es schon im\nJahre 1855 begonnen, den ersten Act in vollständiger\nPartitur 1858 und bis Anfang 1859 die ganze Oper\nvollendet. In Hannover wollte er sie nicht aufführen las-\nsen, auch forderte man ihn, so viel uns bekannt, von oben\nherab nicht dazu auf. Die Unterhandlungen mit dem Hof-\nOperntheater zu Wien zogen sich in die Länge, und nach-\ndem Marschner am 14. December 1861 gestorben,\n\n*) Durch die dankenswerteste Gefälligkeit des verehrlichen diri-\ngirenden Ausschusses des Stadttheaters zu Frankfurt am Main\nwar die dritte Aufführung der Oper Hiarne auf den 2.\nOctober angeordnet worden, was es uns möglich machte, der-\nselben beizuwohnen. Dadurch sind wir in Stand gesetzt, den\nBericht, den wir in Nr. 40 nach der „Süddeutschen Musik-\nZeitung\" gegeben haben, durch eigene Anschauung und Ein-\nsicht der Partitur zu ergänzen. L. B.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5474, "texte": "tauchte zwar dann und wann in den Zeitungen die Nach-\nricht auf, dass seine nachgelassene Oper Hiarne in Wien\nnächstens zur Aufführung komme, ist aber bis jetzt nicht\nzur Wahrheit geworden. Während die kaiserliche Hof-\nbühne sich nicht entschliessen konnte, ihre zahlreichen\nKräfte und ein paar Tausend Gulden auf das Werk des\ngrossen deutschen Meisters zu verwenden, erwarb ein\nActien-Unternehmen, das Stadttheater in Frankfurt am\nMain, sich den Ruhm, Marschner's Hiarne am 13. Sep-\ntember zum ersten Male zur Aufführung zu bringen.\nWerfen wir einen Rückblick auf die Geschichte der\nOper, so gewahren wir, dass Mozart's „Zauberflöte\",\nWeigl's „Schweizerfamilie\" und Winter's „Opferfest\"\nohne nachhaltigen Einfluss auf die Fortbildung der deut-\nschen Oper blieben. Es trat ein Stillstand ein, bis Carl\nMaria von Weber mit seinem „Freischütz\" hervortrat, der\nden Erzeugnissen des Auslandes siegreich entgegen gehal-\nten werden konnte. Zwar war schon seit dem Anfange\nunseres Jahrhunderts ein Werk vorhanden, das Weber's\nOpern in mancher Hinsicht überragte, Beethoven's „Fi-\ndelio\"; allein es kam erst gleichzeitig mit diesen zur An-\nerkennung und drang sogar erst nach ihnen ganz durch.\nVon den Zeitgenossen und nächsten Nachfolgern Weber's\ntrat aber auch nur Einer in seine Fusstapfen, Heinrich\nMarschner; Spohr hatte sich ganz der Weise Mozart's an-\ngeschlossen, andere Componisten, wie Lortzing und von\nFlotow, schrieben ohne alle Selbständigkeit im Charakter\naller Schulen und blieben ohne Bedeutung für die Kunst-\ngeschichte.\nHeutzutage hat man Weber und Marschner Roman-\ntiker genannt, deren Standpunkt wir glücklicher Weise\nüberwunden hätten! Dass aber bis heute keine Richtung\nzum Vorschein gekommen ist, die thatsächlich Edleres\nund Schöneres als Beide gebracht hätte, das kümmert die\ntonangebenden Musik-Philosophen nicht. Das Hauptver-\ndienst der Richtung jener beiden Koryphäen der deutschen\nOper ist, dass sie Charaktere in treffenden, bestimmt ab-\ngegränzten Tonbildern hinstellen, in denen Zeichnung und\nColorit zu einem Ganzen wirken, das auf der Stelle eine\nschlagende Wirkung erzielt, weil es das Gemüth ergreift\nund zu seinem Verständnisse nicht erst langer Grübeleien\nbedarf, weil es Product des Genies, nicht der Reflexion ist.\nMarschner erscheint in seiner Charakterzeichnung und\nder Färbung, welche er seinen Tonbildern gibt, kraftvoll,\nzuweilen derb; Weber spinnt feinere Fäden, und minder\neinseitig als sein Nachfolger, weiss er auch die zartesten\nSituationen wirkungsvoll zu malen und ist zuweilen ein\nvollendeter Lyriker. Es liegt in der Natur der Sache, dass\njede Nachahmung Anfangs eine äusserliche ist, indem sie\nzunächst das Eigenthümliche, Charakteristische des Mei-\nsters zur Manier ausbildet; nur in seltenem Falle vermag\nsie den Geist wiederzugeben und einen neuen hineinzutra-\ngen. Marschner gereicht es zur Ehre, dass er in seinen\nspäteren Werken sich von der fast knechtischen Nach-\nahmung, die sich noch in seinem Vampyr findet, frei\nmachte; er hielt sich später nur noch an die Richtung im\nAllgemeinen, wie sie von Weber angebahnt war, und bil-\ndete sich zu einer Originalität aus, die den in seine ersten\nWerke Uneingeweihten kaum einen Nachfolger Weber's\nerkennen lässt. Am besten lassen sich für diese Behaup-\ntung zwei Opern gegenüberstellen: Der Vampyr und\nHans Heiling. In der ersten Oper leuchtet die Nach-\nahmung Weber's überall durch, alle Melodieführungen\nsind von ihm erborgt, die Harmonisirung beider ist in je-\ndem Accorde übereinstimmend, der Periodenbau in grös-\nseren wie in kleineren Formen ist wie durch die Schablone\nnachgeahmt. Man wird sich wundern, dass bei solchen of-\nfenbaren Schwächen diesem Werke doch ein ungetheilter\nErfolg zu Theil werden konnte. Ein Grund dieses Erfolges\nliegt aber in der Kräftigkeit der Weber'schen Musik,\nwelche Feuer und Leben sprüht; in ihr blüht eine so reiche\nFülle von natürlichen, gesunden, glänzenden Melodieen,\ndass ein vielseitigeres Fortarbeiten in derselben Weise\nnicht den Ueberdruss zu erregen im Stande ist, wie dies\nin anderen Schulen nothwendig geschehen muss. Dazu\nkommt als Hauptsache, dass Marschner dem feineren We-\nber'schen Elemente seine eigene grosse, gesunde, natürliche\nKraft beigesellte, die, so ungezähmt sie auch Anfangs er-\nschien, doch nicht verletzte, weil man von dem jungen,\nfeurigen Künstler mit Recht erwarten durfte, dass er zu\neiner milderen Reife gelangen würde. Und so ist es ge-\nschehen in der Oper Hans Heiling. Wir vermissen darin\nkeineswegs die Kraft des Vampyrs, nur geschehen die\nAeusserungen derselben auf weniger excentrische und\nrauhe Art; dafür sind sie desto inhaltsvoller und vom er-\nsten Augenblicke an überzeugender. In dieser Oper ist die\nManier des Vorbildes fast verschwunden, erkennbar ist sie\nnur dem, welcher als musicalisch gebildet in den veränder-\nten Erscheinungen den ersten Entstehungsgrund nachzu-\nweisen vermag. In dieser Oper hat Marschner ohne Zwei-\nfel seinen Höhepunkt erreicht. Bei vielen Mängeln des\nSujets ist wenigstens das unverkennbare Gute darin zu\nfinden, dass der Text verschiedenartigste Charaktere dar-\nbietet, die dem Componisten die reichste Gelegenheit ga-\nben, sein dramatisch-musicalisches Talent an das Licht tre-\nten zu lassen. Die Charakteristik der einzelnen Gestalten\nist die wahrste und überzeugendste, sie ist nur übertroffen\nworden durch das unerreichte Genie Mozart's. Beweise\ndafür geben die Ensembles, die vor Allem als der Prüf-\nstein für die Befähigung eines dramatischen Componisten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2470, "texte": "gelten müssen. Von besonderer Wichtigkeit sind in dieser\nOper ferner die Chöre, nicht nur, weil sie dem Musiker\nvon Fach vor Freude das Herz erschliessen über die vor-\ntreffliche musicalische Behandlung, über die Gediegenheit\nin der Ausführung, sie sind auch darum von grosser Wir-\nkung, weil sie nicht bloss der Theater-Gewohnheit halber\nerscheinen, sondern wirkungsvoll in das Ganze eingreifen\nund mit den Hauptträgern des Sujets in der genauesten\nWechselwirkung stehen.\nZwischen diesen beiden Hauptwerken steht mitten inne\ndie Oper: Der Templer und die Jüdin. Was das Buch der-\nselben betrifft, so gibt es wohl kaum eine unglücklichere\nVerstümmelung irgend eines guten Romans, als hier des\nIvanhoe von Walter Scott. Fast jeder innere Zusammen-\nhang fehlt, die Scenen sind lose an einander gereiht, so\nplanlos, dass man sich oft verwundert fragt, in welchem\nZusammenhange wohl dieser Auftritt mit dem vorher-\ngehenden stehen möge. Trotz diesem Uebelstande bietet\ndas Sujet eine solche Menge dramatisch-musicalischer Mo-\nmente, dass der Componist in genügendem Maasse Gele-\ngenheit findet, die Unebenheiten des Buches zu verdecken\nund die Aufmerksamkeit der Zuhörer seiner Kunst allein\nzuzuwenden. Die Musik dieser Oper hält, wie auch die\nZeit ihres Erscheinens natürlich macht, hinsichtlich ihres\nWerthes die genaue Mitte zwischen dem Vampyr und dem\nHans Heiling. Marschner hat sich schon auf erkennbare\nWeise der Weber'schen Methode entfremdetest aber noch\nnicht beireit von Fesseln, die sie seinem Talente auflegt.\nEs ist aber deutlich sichtbar, wie sein ernstes Bestreben\ndarauf hinging, selbständig zu werden, nur war die Kraft\nnoch schwächer, als der Wille, und so macht das Werk\neinen minder günstigen Eindruck, als Hans Heiling.\nNeben diesen drei Opern hat uns Marschner noch\neine Menge anderer geschenkt, die, obwohl sie in Einzel-\nheiten Vortreffliches bieten, doch dem Schicksale nicht\nhaben entrinnen können, zu vergehen. Bis zum Hans Heiling\nerregte jedes neue Werk von ihm durch seine Fortschritte\nBewunderung; von dieser Zeit an verfiel er dem Schicksal\nder meisten Talente: er mochte nicht daran glauben, dass\nauf das Fluten seiner schöpferischen Kraft eine Ebbe ein-\ngetreten war. Das Schöne aber, das er in jenen drei Opern\ngeschaffen, wird bleiben und noch in später Zeit Zeugniss\ngeben von einer echt deutschen, feurigen und edeln musi-\ncalischen Schöpferkraft.\nWie verhält sich nun zu dem Gesagten die nachge-\nlassene Oper Hiarne ?\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-10-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "333", "page_fin": "334", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.2.4", "titre_corps": "Aus Hannover.", "titre_sommaire": "Aus Hannover.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.5", "debut_caractere": 2472, "fin_caractere_exclue": 5130, "texte": "Aus Hannover.\nDen 4. ,0 et ob er 1863.\nAm 24. September ist hier F. Hiller's Oper: „Die\nKatakomben\", Gedicht von M. Hart mann, auf dem k.\nHoftheater zum ersten Male aufgeführt worden.\nEs war gut, dass das Werk als „ernste\" Oper ange-\nkündigt wurde, denn die Handlung hat den Gegensatz des\nversinkenden und verdorbenen Heidenthums zu der auf-\nblühenden sittlichen Macht des Christenthums zum Hinter-\ngrunde, und da die stille Neigung der Sclavin Clythia zu\ndem Sclaven Lucius, der etwas gar zu sehr als ein stren-\nger ascetischer Held gehalten ist, nur wenig im Verlauf\ndes Drama's hervortritt, so bleibt eigentlich als fesselndes\nBand des Ganzen nur die Tendenz des Gedichtes übri\"\ndie aber zu sehr als ausschliesslich beabsichtigt er-\nscheint und desshalb den dramatischen Eindruck des Opfe-\nrtodes des christlichen Paares und seiner Glaubensgenossen\nschwächt. Wenn aber das Streben, einen würdigen, erha-\nbenen Gegenstand als Grundlage für die musicalische\nDarstellung hinzustellen und einen derartigen zugleich\nhistorischen und ethischen Gegensatz in dramatischer Be-\narbeitung auf die Bühne zu bringen, an und für sich Lob\nverdient, so ist es dem Verfasser des Textbuches, weniger\nim Ganzen als im Einzelnen, doch auch gelungen, dem Com-\nponisten reichen Stoff zu musicalischer Entwicklung zu\ngeben, ja, wir möchten behaupten, zu reichen Stoff, in-\ndem durch manche an sich recht sehr für dramatische\nMusik geeignete Scenen und Situationen Ereignisse vorge-\nführt werden, die zwar zu der Tendenz des Ganzen in\nrichtigem Verhältnisse stehen, mithin episch vollkommen\nzu rechtfertigen wären, allein in die eigentliche Handlung\nder Hauptpersonen nicht eingreifen, folglich dramatisch\nnicht an ihrer Stelle sind. Dahin gehören z. B. die Scenen,\nwelche durch die Bollen des christlichen Märtyrers Timo-\ntheus und des den Christen heimlich zugethanen Senators\nCornelius herbeigeführt werden. Eine Beschränkung der\nAusdehnung, eine mehr auf die Hauptpersonen zusammen-\ngedrängte Folge von Situationen dürfte für die musicali-\nsche Behandlung vortheilhafter gewesen sein, weil sie diese\nSituationen dann hätte breiter ausführen können. Unsere\ndeutschen Operndichter verstehen es zu wenig, die Action\nauf zwei bis drei, höchstens vier Personen zu concentriren;\ndas viele Beiwerk in unbedeutenderen und doch oft tüch-\ntige Kräfte erfordernden Bollen schwächt das Interesse\nfür jene und hindert den Componisten, die Hauptmomente\nbreit auszuführen und die musicalischen Gedanken gehö-\nrig festzuhalten und zu entwickeln. In dieser Beziehung kön-\nnen unsere Dichter von denilaliänischenLibreltisten, was den\nGrundsatz betrifft, viel lernen. Das hängt freilich mit dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4292, "texte": "ganzen neueren Systeme der Opern-Dichtung und Opern-\nComposition zusammen, welches das declamatorische Ele-\nment gegen die breiteren Formen des theatralischen Ge-\nsanges vorgezogen wissen will, aber damit in der äusser-\nsten Consequenz nothwendig auf die benotete Recitation,\nendlich auf die gesprochene Rede zurückführen muss.\nMan thäte sehr unrecht, wenn man Hiller den Vor-\nwurf machen wollte, er habe in den Katakomben der\nRichtung Wagner's gehuldigt, vollends in musicalischer\nBeziehung; dazu steht er als Musiker viel zu hoch über\nWagner, die Tiefe seiner musicalischen Gedanken und\nvollends die Ausarbeitung derselben zeugt überall, und\neben so auch in den Katakomben, von genialer Schöpfungs-\nkraft in Verbindung mit einem gediegenen Wissen und\neiner durchweg edeln Ausdrucksweise, die ihn vor jedem\nVergleich mit Wagner sicher stellen sollten. Allein es\nherrscht in der gegenwärtigen Atmosphäre unserer musi-\ncalischen Zustände eine gewisse Influenza, deren Einath-\nmen eine Art von Ueberdruss an den entwickelten Formen\ndes Kunstschönen bei den Künstlern erzeugt und eine Be-\ngehrlichkeit nach Mitteln zu neuem Reiz und ungewöhn-\nlichem Gindruck in ihnen entzündet. Dieser Influenza sich\nganz zu entziehen, mag schwer sein, und ihre Wirkung\nist auch in Hiller's Katakomben in so fern sichtbar, als\ndas Streben nach der Vollkommenheit eines Drama's ihn\ntheilweise zu weit über die vorzugsweise Behandlung des\nRein-Musicalischen in der Oper hinwegzieht. Dadurch ist\naber keineswegs ausgeschlossen, dass das Werk nicht eine\nReihe von musicalisch wirksamen und durch melodische\nund harmonische Schönheit ergreifenden Nummern ent-\nhielte.\nWir heben in dieser Art hervor das grosse Ensemble\nam Schlüsse des ersten Actes, die Scene zwischen Lucius\nund Clythia zu Anfang des zweiten Actes, das Lied der\nClythia an die Leier, das Finale des zweiten Actes, den\nFrauenchor des dritten Actes, das Duett gegen Schluss des\ndritten Actes u. s. w. u. s. w. Besonders interessant und\nviele Schönheiten bietendist die Behandlung des Orche-\nsters, durch welches der Componist seine Charakteristik\nwesentlich zu heben versteht. Wir müssten fast die ganze\nPartitur erörtern, wenn wir nach dieser Seite hin in Lob\ndem Componisten gerecht werden wollten. Als recht auf-\nfällige Beispiele mögen die Stellen erwähnt werden, wo\nClaudius im ersten Acte ahnt, wie die Macht des Christen-\nthums unsichtbar immer weiter um sich greift, wo im\ndritten Acte Lavinia sich ihre Liebe zu Lucius gesteht, und\nwo im Duette zwischen Lavinia und Lucius die Gegen-\nsätze gezeichnet werden.\nWenn der Gesammt-Eindruck, den das Werk machte,\nnicht so zündend war, als man nach den hervorgehobenen\nVorzügen hätte erwarten sollen, so möchte der Grund da-\nvon theilweise darin liegen, dass die musicalischen Gedan-\nken des Componisten in einer Reihe von Stellen zu wenig\nentwickelt, die Melodieen, die der Componist in Fülle aus-\ngibt, nicht genug verarbeitet, die angesponnenen Fäden zu\noft kurz abgerissen erscheinen, und der Inhalt des Buches\nzu abstract ist.\nDas höchst schwierige Werk war unter Leitung des\nHerrn Hof-Capellmeisters F ischer mit grosser Liebe und\ngrossem Fleisse einstudirt. Orchester und Chor liessen\nnichts zu wünschen übrig. Unter den Solisten zeichnete\nsich vor allen Herr Niemann als Lucius aus; Gesang und\nSpiel waren bewundernswürdig. Die Rollen der Clythia\nund des Claudius waren durch Fräulein Übrich und\nHerrn Zottmayr gut vertreten. Frau Caggiati gab die\nLavinia nach Kräften. Es zeigte sich freilich bei dieser Ge-\nlegenheit einmal wieder, wie wenig Begabung die sonst\nvortreffliche Sängerin für das dramatische Fach hat und\nwie nothwendig der Bühne eine erste dramatische Sängerin\nist. Eine Lavinia war im Spiel und Gesang kaum ange-\ndeutet. Selbst recht auffällige Winke des Textbuches, de-\nnen Frau Caggiati wohl hätte nachkommen können, wur-\nden vernachlässigt. So ist beispielsweise die glückliche\nStimmung der Lavinia zu Anfang des dritten Actes sowohl\ndurch das Vorausgegangene als durch die Vorgänge und\nTextesworte der ersten Scenen des dritten Actes aufs ent-\nschiedenste angezeigt; trotzdem erschien Frau Caggiati\ngerade so wie zu Anfang des ersten Actes, wo Müdigkeit\ndes Herzens sie niederdrückt. Die Mitwirkenden wur-\nden nach jedem Acte gerufen, der Componist nach dem\nzweiten Acte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-10-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "334", "page_fin": "335", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.2.5", "titre_corps": "Aus Stuttgart.", "titre_sommaire": "Aus Stuttgart.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.6", "debut_caractere": 4294, "fin_caractere_exclue": 5080, "texte": "Aus Stuttgart.\nDen 23. September 1863.\nDer Verein für classische Kirchenmusik hat\nsich schon oft das Verdienst erworben, grosse, hier noch\nunbekannte Musikwerke durch seine aufopfernde Thätig-\nkeit zur Aufführung gebracht zu haben. So war dies\nwieder gestern durch Vorführung von Beethoven's\ngrosser Messe in D-dur der Fall, welche die Stifts-\nkirche in allen ihren Räumen mit dankbaren, andäch-\ntigen Zuhörern füllte. Diese Tonschöpfung ist unter allen\nWerken dasjenige, das der Aufführung die grössten Schwie-\nrigkeiten entgegenstellt. Sie insgesammt so glücklich über-\nwunden zu haben, macht Herrn Prof. Faisst, dessen\nDirections-Talent wir hier aufs tiefste zu bewundern ge-\nlernt haben, macht der Ausdauer und Hingebung des\nVereinschors, so wie der ihn verstärkenden weiteren Sing-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 690, "texte": "Kräfte, dem durch die Damen Schröder und Mar-\nschalk, die Herren A.Jäger und Wallenreiter so\nwürdig repräsentirten obligaten Quartette, ferner den 47\nmitwirkenden Mitgliedern der k. Hofcapelle, unter denen\nim Benedictusdie Violine des Herrn Concertmeisters Sin-\nger so wunderbar hervortrat, die höchste Ehre. Wir hof-\nfen und bitten dringend, dass dieses Werk, nachdem es\njetzt mit so vieler Aufopferung einstudirt ist, uns öfter als\nnur dieses eine Mal zu Gehör kommen werde, denn Beet-\nhoven's Messe gehört zu denjenigen Schöpfungen, die sich\nnicht alsbald mit siegender Allgewalt die Herzen erobern,\nsondern erst bei mehrmaligem Anhören ihre eigenthüm-\nlichen Schönheiten geltend machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-10-17-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-10-17_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-10-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "335", "page_fin": "336", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.7", "debut_caractere": 692, "fin_caractere_exclue": 7143, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nüolil* In der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft\nhatten wir das Vergnügen, Herrn Japlia, der nach dem Dahin-\nscheiden des unvergesslichen Grunwald hieher berufen worden ist,\nals einen ausgezeichneten Violinisten kennen zu lernen. Die gün-\nstige Meinung, welche Herr Japha, der früher in Königsberg, zu-\nletzt in London war, schon bei dem Vortrage einiger Violin-Soli in,\ndem Opern-Orchester durch seinen schönen Ton und geschmack-\nvollen Ausdruck für sich erregt hatte, wurde durch sein Spiel eines\nConcertsatzes von Bazzini vollkommen gerechtfertigt und erhöht.\nEr offenbarte in dieser durch enorme Schwierigkeiten mehr als durch\ntiefen Gehalt glänzenden Composition eine treffliche Reinheit beson-\nders auch in den häufigen Passagen in Doppelgriffen, und ent-\nwickelte überhaupt eine sehr bedeutende Technik. Wir heissen in\nihm einen tüchtigen Künstler willkommen.\nIm Stadttheater hat Fräulein Artöt ihr Gastspiel am Dins-\ntag als Leonore in Verdi's Trovatore fortgesetzt; das Haus war die-\nses Mal ganz besetzt und das Publicum spendete reichlichen Applaus,\nBlumen und Kränze. Wir behalten uns eine ausführlichere Beur-\ntheilung der Leistungen der eminenten Künstlerin vor, deren Ein-\ndruck freilich durch das Singen in italiänischer Sprache nicht zu\neinem so rein befriedigenden und erhebenden gelangen kann, als es\nder Fall sein würde, wenn Alles zusammen ein einheitliches Ganzes\nbildete. Herr Wolters sang den Manrico; seine frische Stimme im\nVerein mit guter Schule und gebildetem Vortrage und, wie es schien,\neine besonders gute Disposition erhoben seine Leistung an diesem\nAbende zu einer recht schönen und künstlerisch bedeutenden, was\nmit Recht vom Publicum durch lebhaften Applaus und Hervorruf\nanerkannt wurde. Zwei Tenoristen wie die Herren Grimminger\nund Wolters haben jetzt in der That nur wenige Bühnen aufzu-\nweisen. Herrn Grimminger's Eleazar in der Jüdin und sein\nArnold in Rossini's Teil sind ganz vorzügliche Leistungen im Ge-\nsänge und durchdachte Darstellungen im Spiel, die durch Beides\nzusammen genommen ein wahrhaft künstlerisches Gepräge tragen.\nIn der Jüdin bestätigte auch Herr Lindeck in der Rolle des Car-\ndinais das vorteilhafte Urtheil, das wir über diesen Basso mit gu-\nter Stimme und musicalischer Sicherheit uns bereits durch sein frü-\nheres Auftreten als Caspar im Freischütz und als Marcel in den\nHugenotten gebildet hatten. Die Vorstellung des Teil, als Fest-Oper\nam Abende des Dombaufestes den 15. d. Mts., war überhaupt eine\nrecht gelungene; Herr Lang (Teil) hat eine wohllautende, einneh-\nmende Baritonstimme und besitzt auch eine gute technische Fertig-\nkeit, wie er namentlich in der Rolle des Figaro neben Fräulein\nArtöt als Rosine bewiesen hat. Um so weniger hat er nöthig, seinen\nTon durch Forciren verstärken zu wollen, da eine übermässige An-\nstrengung in jedem Gesänge, sobald sie wahrnehmbar wird,\nsich störend aufdrängt und über die Gränze der Kunst, deren We-\nsen Ebenmaass ist, hinausgeht. Möchten doch alle Sänger und\nSängerinnen [diese Wahrheit stets vor Augen behalten und uns\nvon dem willkürlichen Festhalten der Töne, in denen sie sich be-\nsonders gefallen, das aber allen Rhythmus und» maassvollen Aus-\ndruck stört, befreien, denn eine Kunstleistung muss vor Allem in\nharmonischem Verhältnisse zum Ganzen stehen, und an Vollkom-\nmenheit derselben ist nicht zu denken, sobald das Ich darin an-\nspruchsvoll hervortritt und nicht in der Hingebung an das Kunst-\nwerk aufgeht.\nDresden. Am 30. September wurde auf unserem Hoftheater\nzum ersten Male Sophokles1 Tragödie „Oedipus in Kolonos\" nach\nJ. J. C. Donner's Uebersetzung mit der Musik von F. Mendels-\nsohn-B artholdy gegeben, und es darf dieser Abend jedenfalls\nals ein theatralisches Ereigniss verzeichnet werden, zunächst wegen\nder grossartigen Dichtung, welche nurf ausnahmsweise auf der mo-\ndernen Bühne Verlebendigung findet, und sodann wegen des Audi-\ntoriums, das in Folge der meissener Philologen-Versammlung zum\ngrossen Theile aus Gelehrten bestand. Die Gesammt-Aufführung\nwar eine höchst sorgfältig vorbereitete und der erhabenen Dichtung\nwürdige, und was einzelne Leistungen betrifft, so möchte man eine\ngleiche Vollendung an anderen Hofbühnen wohl vergeblich suchen.\nUnterstützt von der Musik, war die Wirkung von „Oedipus in Ko-\nlonos\" eine tiefgehende. Herr Dawison gab die umfangreiche und\nschwierige Titelrolle vortrefflich. Unter den Höhepunkten seines\nVortrages seien namentlich die Scenen erwähnt, in welchen er den\nGreisen von Kolonos sein leidvolles Schicksal enthüllt, und sodann\ndie erste Unterredung mit Thesens. Ganz meisterhaft trug er auch\nseine Rechtfertigung Kreon gegenüber vor. Gleich Herrn Dawison\nerhielt Frau Bayer grosse und verdiente Auszeichnungen. Ihr Leid\nhatte echten Herzensklang, und welche gemessene Eurhythmie in\nWorten und Geberden entwickelte sie als Antigone! Die Genannten\nmussten am Schlüsse des Stückes zwei Mal erscheinen.\nMendelssohn-Stiftung. Der Rath in Leipzig macht bekannt,\ndass Herr Paul Mendelssohn-Bartholdy in Berlin einen Theil des\nErtrages der von ihm herausgegebenen „Reisebriefea seines Bruders,\ndes verewigten Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit 1500 Thlrn. mit\nder Bestimmung in seine Hände gelegt hat, dass dieses Capital unter\ndem Namen „Felix Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung\" vom Rathe ver-\nwaltet und die Zinsen alljährlich am 3. Februar, als dem Geburts-\ntage seines Bruders, an zwei Witwen von Mitgliedern des leipziger\nStadt-Orchesters, welche von der Verwaltung der Stiftung zur Un-\nterstüzung der Witwen und Waisen des leipziger Stadt-Orchesters\nzu benennen sind, vertheilt werden sollen.\n* Wieil« Joseph Erl's fünfundzwanzigjähriges Engagement ist\nim Operntheater in glänzendster Weise gefeiert worden. Am Jahres-\nabende seines Debüts als Arnold sang der Jubilar dieselbe Rolle,\nund zwar in glücklicher Stimm-Disposition, unter rauschendem Bei-\nfall und „blumigen\" Ovationen. Seine Collegen betheiligten sich an\nder Besetzung mit jener Bereitwilligkeit, welche bei solchen (.xele-\ngenheiten der künstlerische Anstand erfordert. So hatte Herr Draxler\nden Gessler, Herr Hrabanek den Leuthold, Herr Walter den Fischer,\nHerr Ander gar den Harras übernommen. Fräulein Couqui tanzte\nmit Herrn Calori ein neues Pas und die Solisten der Oper und des\nBallets figurirten mit Ausnahme des erkrankten Herrn Wachtel\nsämmtlich im Chor. Teil, Mathilde, Hedwig und Geinmy waren in\nden Händen des Herrn Beck, der Damen Dustmann, Bettelheim,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3250, "texte": "Teilheim. Nach dem Theater wurde der Jubilar auch noch privatim\nvon seinen Collegen gefeiert. Die Theilnahme unter den wiener\nTheaterfreunden war übrigens eine aufrichtige, und Jedermann gönnte\ndem wackeren Sänger, der nach Ablauf seiner Blüthezeit manche\nKränkung erfahren musste, diesen billigen Tribut dankbarer An-\nerkennung.\nFrau Kapp-Young sang als zweite Gastrolle die Recha. War\nes am ersten Abende die Indisposition der Künstlerin, die über den\nErfolg ihrer Leistung einen leichten Flor breitete, so schien diesmal\ndie Indisposition auf der Seite des Publicums zu liegen, das sich\nnicht bloss dem Gaste, sondern überhaupt der ganzen Vorstellung\ngegenüber auffallend kühl zeigte.\nDer k. k. Hof-Opernsänger Herr Schmidt hat für die Ferien-\nMonate einen glänzenden Antrag zur italiänischen Oper nach Lon-\ndon (Impresario Gye) erhalten. Derselbe studirt bereits am italiäni-\nschen Texte des Bertram und Marcel, für welche Rollen er express\nengagirt wurde.\nWährend der Winter-Saison werden acht „philharmonische Con-\ncerte\" Statt finden. Das inhaltsreiche Programm besteht aus folgen-\nden Werken: Suite für Flöte und Streich-Instrumente in H-moll\nvon J. S. Bach, Ouvertüre zur „Medea\" von Bargiel, Symphonieen\nNr. 3, 6, 7 und 9, Triple-Concert, Ouvertüren zur „Leonore\" und\n„König Stephan\" von Beethoven, Adagio und Scherzo aus der Sym-\nphonie „Romeo und Julie\" von Berlioz, Ouvertüre zu „Anakreon\"\nvon Cherubini, Chöre aus „Jephta\" und Arie aus „Herkules\" von\nHändel, Symphonie in B-dur von Haydn, Adagio (Gretchen) aus der\nFaust-Symphonie (neu) von Liszt, Symphonie Nr. 4 und Ouvertüre\nzur „Fingalshöhle\" von Mendelssohn, Symphonie in Es, Ouvertüre\nzur „Zauberflöte\" und Concert für Violine und Viola von Mozart,\nOuvertüre zu „Aladin\" (neu) von Reinecke, Symphonie Nr. 2 „Ocean\"\n(neu) von A. Rubinstein, Ouvertüre Nr. 2 C-dur und Ouvertüre zu\n„Julius Cäsar\" von Schumann, und Ouvertüre zum „Beherrscher der\nGeister\" von C. M. von Weber.\nDie Differenzen, welche zwischen der Direction des Hof-Opern-\ntheaters und Herrn Wachtel über den Contract des Letzteren ent-\nstanden waren, sind ausgeglichen. Das Engagement des Herrn Wach-\ntel ist eine Thatsache; es wurde auf fünf Jahre abgeschlossen und\nlegt dem Künstler die Verpflichtung auf, neun Monate im Jahre\nzu singen.\nHellmesbei'ger hat die vorläufige Anzeige seiner Quartett-Pro-\nductionen bereits veröffentlicht. Dessgleichen Laub. Auch die Ge-\nsellschaft der Musikfreunde kündigt sechs Orchester-Concerte an.\nIm vorläufigen Programm befindet sich Schumann's vollständige\nFaustmusik unter Mitwirkung Stockhausen's.\nDie Mitgliederzahl der wiener Sing-Akademie betrug am Schlüsse\nder Concert-Saison 1862—1863 bei 174 Mitglieder, davon 79 Damen\nund 95 Herren. Der Stimmgattung nach gab es 46 Soprane, 33\nAlte, 36 lenöre, 59 Bässe. Von diesen 174 Mitgliedern waren 59\nim Jahre 1862 eingetreten; aus der Gründungszeit der Akademie\n(Mai 1858) waren 31 Personen übrig. Im Laufe des September d. J.\nwaren 15 neue Mitglieder angemeldet. Als Nachtrag zu dem bereits\nveröffentlichten Programme gelte, dass im ersten Concerte das Opfer-\nlied, im zweiten Concerte der elegische Gesang von Beethoven zur\nAufführung kommen.\nDie diesjährige Opern-Saison in Rom wurde eröffnet mit\nnun? mit „Robert der Teufel\"."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas zweite Musikfest zu München. 11. Hiarne oder das Tyrfingsschwert. Nachgelassene Oper von H. Marschner.\nAus Hannover (F. Hiller's „Katakomben\"). Aus Stuttgart (Verein für classische Kirchenmusik). Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Herr Japha, Stadttheater Dresden, Aufführung von Sophokles' „Oedipus in Kolonos\" Leipzig, Mendelssohn-\nStiftung Wien, Jubiläum des Herrn Erl, Frau Kapp-Young, Herr Schmidt, Philharmonische Concerte Sing-Akademie).\n\nDas zweite Musikfest zu München.\n\n11.\nDas zweite Fest-Concert (Montag den 28. Sep-\ntember) fand ebenfalls um 11 Uhr Morgens im Glas-Pa-\nlaste Statt.\nEs begann mit einer ganz vortrefflichen Ausführung\ndes symphonistischen Werkes (in von Franz\nLachner, welches er uneigentlich genug eine „Suite\"\ngenannt hat ein Name, den heutzutage kein Mensch ver-\nstehen kann, weil er eben ohne Zusatz nichts bedeutet.\nDoch desto bedeutender ist das Werk selbst, in welchem\nwir eines der genialsten anerkennen, das in unseren Tagen\ngeschrieben worden, auf so interessante, fesselnde und oft\nüberraschende Weise ist darin das musicalische Wissen,\ndie Meisterschaft in der Factur mit der Phantasie der Er-\nfindung und dem auf der Stelle ansprechenden melodischen\nElemente vermählt. Es war nicht etwa die glänzende Aus-\nführung, die allerdings gar nicht genug gelobt werden\nkann, oder die Gewalt der Massen (die höchstens dem\nMarsche am Schlüsse der Variationen des dritten Satzes\nzu Gute kam), welche den aufregenden Eindruck auf die\nZuhörerschaft machten, dass sie jeden Theil des Werkes\nstürmisch applaudirte, sondern es war eben so auch die\nGewalt der musicalischen Ideen und ihre treffliche Verar-\nbeitung, welche zu den lebhaftesten Kundgebungen des Bei-\nfalls hinrissen. Mit Recht wurde der Schöpfer und Dirigent\ndieser wirklich symphonischen Dichtung, dieses Orchester-\nwerkes, das ohne alle programmatistischen Farcen einmal\nwieder ein recht anschauliches und eindringliches Bild der\nreinen Musik gibt, die nichts weiter sein will, als Musik,\nund zwar gute Musik, bei jedem Satze durch anhaltenden\nApplaus gefeiert. Lachner hat lange geruht; vielleicht wurde\nihm zu arg gewettrannt in der Arena; in solch ein Ge-\ndränge begibt man sich in gewissem Alter nicht gern mehr\nmitten hinein, aber mit dieser „Folge\" von trefflich ge-\ndachten und eben so durchgeführten musicalischen Sätzen\nhat er sich unerwartet wieder erhoben und den Preis da-\nvon getragen.\nDie Suite besteht aus vier Sätzen: 1. Präludium,\nein lebhafter, reich figurirter Satz, der sogleich in die\nEigenthümlichkeit der Composition durch die Behandlung\nder Saiten-Instrumente einführt. 2. Menuet, ausgezeich-\nnet durch Originalität der Motive. 3. Variationen, viel-\nleicht eine etwas zu lange Reihe für ein Orchesterstück,\nwiewohl der Wechsel des Tempo's, des Rhythmus und\nder Instrumentirung-auf kunstvolle Weise über die Länge\ntäuschen, übrigens aber eine vortreffliche, nicht bloss\ndurch Kunst und Wissen interessante, sondern auch melo-\ndisch anmuthige und ausdrucksvolle Arbeit, welcher die\nVerwendung von Solostimmen der Clarinette, des Horns\nu. s. w., so wie das Hervortreten einzelner Saiten-Instru-\nmente im vollen Chor, z. B. aller Violinen oder aller Vio-\nloncells und Bratschen, einen hohen Reiz verleihen. Die\nalte Kantische Definition des Schönen, dass es in der Ein-\nheit des Mannigfaltigen bestehe, findet in diesen Variatio-\nnen ihren musicalischen Beweis. Die Variationen schliessen\nmit einem Marsche, der mehr durch pompöse Instrumen-\ntation, als durch originelle Motive wirkt, aber durch so\ngewaltige Massen ausgeführt, einen mächtigen Eindruck\nmachte, der ungeheuren Applaus und lebhafte Hochs auf\nden Componisten hervorrief. 4. Introduction und\nFuge, jene in Andante-Bewegung, diese in majestäti-\nschem Allegro, ein Werk, in welchem der Meister in die\nstrenge Form einen Guss freier musicalischer Gedanken\nströmen lässt, welche jene brausend füllen und doch nir-\ngend überströmen oder sprengen, und diese Gedanken\nnach einer kunstvollen, aber nirgends trockenen, sondern\nstets von Phantasie begleiteten, nicht kleinlich, sondern in\ngrossem Stile contrapunktisch gearbeiteten Durchführung\nzu einem glänzenden, durch alle Klangmittel imposanten\nSchlüsse führt. Die ganze symphonistische Suite, aber vor"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.2", "texte": "Allem diese Schlussfuge, ist eine musicalische That, die\nschlagender auf die hohlen Häupter der Verächter der\nForm fällt, als es die schärfste Kritik zu thun vermag.\n„Erst lernt etwas!\" ruft sie den Aposteln der Ungebun-\ndenheit zu, „und dann zeiget, ob ihr Genie habet, dadurch,\ndass ihr in das Gelernte schöpferische Erfindungskraft\nhineinbringen und es dadurch zu einem Kunstwerke ge-\nstalten könnt!\" —■ Der Vortrag der Fuge war über alles\nLob erhaben; wie Gewittersturm schlugen die Bässe in\nder Ausführung oft mit den Hauptfiguren in die Ton-\nwellen hinein es war prächtig.\nNach dieser Orchesterleistung wurde der zweite Theil\ndes Concertes im Gegensatz zu jener mit einem reinen\nVocalwerke ohne alle Begleitung eröffnet. Gesang\npetta mit einem so zahlreichen Chor hat nicht nur grosse\nSchwierigkeiten, sondern entspricht auch in der Wirklich-\nkeit nicht dem Verhältnisse der Zahl. Es gibt für den\nChorgesang, wie wir es auch bei den grossen Vereinigun-\ngen von Männerchören schon oft erfahren haben, eine\nGränze für die ausführende Menge, über welche hinaus\ndie massenhafte Wirkung wenig oder gar nicht steigt, und\nwährend das Forte nicht viel gewinnt, ob Tausend oder\nVierhundert singen, wächst die Schwierigkeit der Präcision\nund Färbung des Ausdrucks. Allerdings war auch in Mün-\nchen der erste Einsatz der achtstimmigen Motette\nvon Palestrina: „llodie Christus natus est\", ein impo-\nsanter, und mit richtigem Gefühle hatte man eine Compo-\nsition des alten Meisters gewählt, welche als Weihnachts-\nCantate durch ihren Schwung der Entfaltung massenhafter\nKräfte günstig war; auch waren Präcision und reine In-\ntonation lobenswerth. Allein der feinere Ausdruck ging\ndoch meist verloren, und wir mussten uns gestehen, dass\nein Chorgesang ohne Begleitung, von sechszig bis achtzig\nStimmen ausgeführt, einen schöneren Eindruck macht, als\nwenn grosse Massen dazu verwandt werden.\nEs folgte hierauf eine Scene aus dem Oratorium II\nRitornodi Tobiavon Joseph Haydn für Altsolo und\nChor; wenn wir uns nicht irren, so war der Chor derselbe,\nder mit dem Text: „Insanae (Des Stau-\nbes eitle Sorgen), im Druck erschienen ist. Das Oratorium\nist aus Haydn's Irüherer Periode, es wurde zum ersten\nMale in Wien 1775 zu einem wohlthätigen Zwecke auf-\ngeführt und ist nur als Manuscript vorhanden. Fräulein\nv. Edelsberg sang das Solo recht schön.\nPräludium und Fuge für Orchester von Joh. Seb.\nBach zeigte von Neuem die Vortrefflichkeit des vereinig-\nten Geigen-Quartetts; da aber dasselbe schon in der\nfonia eroicaund in Lachner's „Suite\" geglänzt hatte, so\nwar die meisterhafte Ausführung der Fuge für die Musi-\nker unter den Zuhörern zwar immer willkommen, für das\ngrosse Publicum aber etwas zu viel.\nDagegen bewährte das Finale des zweiten Actes der\nOp er „Idomeneo\" die ewige Zauberkraft der Mozart'-\nschen Musik wieder auf herrliche Weise. Die Wahl dieses\nFinale's zur Aufführung auf dem Musikfeste zu München\nwar sehr zweckmässig. Hier war die Oper Idomeneo zum\ngrössten Theile von Mozart componirt worden; hier hatte\ner sie am 18. Januar 1780 vollendet und schrieb:\nDeo!nun hab' ich's überstanden!\" an seinen Vater; hier\nwurde sie am 29. Januar 1781 zum ersten Male aufge-\nführt, und schon über den Eindruck der Probe äusserte\nder edle Karl Theodor: „Man sollte nicht meinen, dass in\neinem so kleinen Kopfe so was Grosses stecke. Ich war\nganz sürprenirt; noch hat mir keine Musik den Effect ge-\nmacht, das ist eine magnifique Musik.\" Und in der That,\nsie ist auch heute noch prächtig. Frau Diez war als\nElektra ganz an ihrer Stelle; wir halten die Durchführung\ndieser Partie in dem genannten Finale für ihre beste Lei-\nstung am Musikfeste. Fräulein v. Edelsberg (Idamante)\nund Herr Heinrich (Idomeneo) vervollständigten mit Ta-\nlent und Verständniss das Ensemble des Sologesanges, und\nwas das Orchester und der Chor bei dem Gewittersturme\nund der Erscheinung des Ungeheuers für eine gewaltige\nWirkung machten, davon wird man sich aus allem früher\nGesagten eine Vorstellung machen können.\nDen Schluss der zweiten Abtheilung bildete Beetho-\nven's Marsch und Chor: „Schmückt die Altäre\", aus\ndem Festspiel „Die Ruinen von Athen\", ein Fragment,\ndas durch die melodische Lieblichkeit und seine klaren\nHarmonieen als eine schöne Fortsetzung der Mozart'schen\nMusik erschien und allgemein ansprach.\nAls dritten Theil des Concertes brachte das Programm\nHändel's Ode auf den Cäcilientag. Wir haben die-\nses schöne Werk bei Gelegenheit des letzten niederrheini-\nschen Musikfestes bereits ausführlicher besprochen; der\nEindruck, den es damals auf alle Zuhörer machte, wieder-\nholte sich in München in Bezug auf die Chöre, die Aus-\nführung der beiden concertanten Solo-Partieen (Sopran\nFrau Diez, Tenor Herr Grill) stand aber nicht auf der\nHöhe der Composition, und da sie im Grunde doch dem\nWerke den Hauptglanz verleihen, so kann man, wenn\nman alles zufällige Aeussere, das hindernd eintrat, nicht\nberücksichtigt, die Aufführung der Cäcilien-Ode den übri-\ngen Aufführungen an beiden Festtagen nicht ganz gleich-\nstellen. Bringt man aber in Betracht, wovon ein Anschlag\nim Glas-Palaste Kunde gab, dass Fräulein Stehle, welche\nfür die Sopran-Partie bestimmt war, krank geworden,\nund dass Frau Diez dieselbe erst Tags zuvor übernommen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.3", "texte": "hatte, so muss man dieser Künstlerin die höchste Aner-\nkennung für ihre improvisirte Leistung zollen.\nDer dritte Festtag (Dinstag den 29. September) wurde\ndurch ein Abend-Concert in dem schönen, jedoch für\nein Musikfest-Publicum zu kleinen Saale .des Odeons ver-\nherrlicht. Trotzdem, dass nichts Mittelmässiges vorkam,\nwaren doch zwo 1 f Nummern, darunter zwei Ouvertüren\n(Sommernachtstraum und Freischütz), zwei Concerte und\ndie grosse, an Kreutzer gewidmete Sonate von Beethoven\netwas zu viel; indess blieb das Publicum, obwohl gepresst\nsitzend und stehend und bei keineswegs münchen'sch\nrauher, sondern tropischer Temperatur, bis zum Schlüsse\nenthusiastisch. Frau Dustmann, Frau Schumann und\nJoachim waren die leuchtendsten Sterne an diesem\nAbende. Frau Dustmann, vortrefflich bei Stimme, sang\ndie schöne Arie aus Spohr's Jessonda und am Schlüsse des\nConcertes drei Lieder von Schumann, Mendelssohn und\nSchubert, unter denen sie namentlich das Mendelssohnr-\nsche auf bezaubernde und künstlerisch vollendete, das\nSchubert'sche „Haideröslein\" auf entzückende Weise vor-\ntrug und das letztere wiederholen musste. Ausserdem sang\nsie die erste Sopranstimme in dem merkwürdigen und mit\nUnrecht wenig bekannten Hexen-Terzett aus der Oper\nMacbeth von Chelard mit den Damen Diez und v.\nEdelsberg. Das Auge konnte die drei Damen unmög-\nlich für „Pförtnerinnen der Hölle\" und „Schreckensbrin-\ngerinnen\" halten, aber die höchst originelle und grossartig\ndurchgeführte, charakteristische Composition strafte durch\ndas Ohr die schöne Erscheinung Lügen und gab uns das\nBild der verderblichen Schicksalsgöttinnen.\nFrau Schumann ärntete durch den Vortrag des\nConcertes von Robert Schumann Bewunderung und\nrauschenden Applaus. Ausserdem spielte sie mit Joachim\ndie Sonate in A-moll für Pianoforte und Violine von Beet-\nhoven, eine Composition, deren Wahl für ein Musikfest-\nPublicum nicht ganz zu billigen sein dürfte, zumal wenn\ndie Tempi dergestalt schnell genommen werden, dass in\ndem grossen Locale die Figuren der Violine unmöglich\nzur Geltung kommen können. Dass auch das Andante in\nein Allegretto und noch mehr verwandelt wurde, wodurch\ndie schönen Variationen in der Ausführung einen virtuo-\nsen Charakter bekamen, that uns um so mehr leid, als die\ntechnische Vollendung des Spiels eine vollkommene war,\naber gerade dadurch das Beispiel so eminenter Meister nur\nnachtheilig auf die Nachahmer wirken kann.\nJoachim's Vortrag des Violin-Concertes von Beet-\nhoven ist denn doch jedenfalls das Höchste, was man von\nInstrumental-Leistungen in unserer Kunst-Periode hören\nkann. Jedes Mal, dass man das herrliche Werk durch ihn\nhört, glaubt man, er habe es noch nie so schön gespielt:\naus jedem Tact weht uns der Geist Beethoven s durch den\nAdel wie durch den Schmelz des Tones entgegen, den sein\nBogen der Seele des Instrumentes entlockt. So erregte er\ndenn auch in München, wo er, wie ich glaube, zum ersten\nMale spielte, eine Begeisterung, wie wir sie selten erlebt\nhaben. Aber auch das Orchester trug durch treffliche\nAusführung seiner Aufgabe wesentlich zu dem vollendet\nschönen Ganzen bei.\n•Es war mithin das ganze Musikfest in München ein\nrecht gelungenes, und durch die Haupt-Aufführungen und\neinzelne Meister-Leistungen eine glänzende Kunstfeier.\nMöge sie sich durch Vereinigung der schönen Kräfte,\nwelche Süddeutschland besitzt, recht bald wiederholen!\nZugleich gab es Gelegenheit zu einer zahlreichen Ver-\nsammlung von Componisten, Dirigenten, Journalisten, Vir-\ntuosen und ausgezeichneten Kunstfreunden; wir sahen da\nunter Anderen aus Stuttgart die Herren Stark, Pruck-\nner, Speidel, aus Wien Dr. Hanslik, Herbeck, aus\nSalzburg Schläger, aus Augsburg Schletterer, aus\nZofingen Petzold, aus Basel Walter, aus Mannheim\nVincenz Lachner, Max Bruch, aus Heidelberg Ger-\nvinus, Boch, aus Saarbrücken Gernsheim, aus Mainz\nSchott, Fockerer, aus Wien Graf Stainlein, Fräu-\nlein Asten (Pianistin), aus Paris Pasdeloup, Gouvy,\naus Lissabon Meumann, aus Leipzig Reinecke, Bag-\nge, aus Glogau Meinardus, aus Münster Grimm, aus\nBerlin Vierling u. s. w. Es war mithin ein ganz in-\nteressanter musicalischer Congress bei einander.\n\nL. B.\n\nHiarne oder das Tyrfingsschwert.\nNachgelassene Oper in vier Acten von H. Marschner*).\nDie Oper „Hiarne der Sangeskönig oder das\nTyrfi ngsschwert\" ist das letzte dramatisch-musicalische\nWerk von Heinrich Marschner. Er hat es schon im\nJahre 1855 begonnen, den ersten Act in vollständiger\nPartitur 1858 und bis Anfang 1859 die ganze Oper\nvollendet. In Hannover wollte er sie nicht aufführen las-\nsen, auch forderte man ihn, so viel uns bekannt, von oben\nherab nicht dazu auf. Die Unterhandlungen mit dem Hof-\nOperntheater zu Wien zogen sich in die Länge, und nach-\ndem Marschner am 14. December 1861 gestorben,\n\n*) Durch die dankenswerteste Gefälligkeit des verehrlichen diri-\ngirenden Ausschusses des Stadttheaters zu Frankfurt am Main\nwar die dritte Aufführung der Oper Hiarne auf den 2.\nOctober angeordnet worden, was es uns möglich machte, der-\nselben beizuwohnen. Dadurch sind wir in Stand gesetzt, den\nBericht, den wir in Nr. 40 nach der „Süddeutschen Musik-\nZeitung\" gegeben haben, durch eigene Anschauung und Ein-\nsicht der Partitur zu ergänzen. L. B.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.4", "texte": "tauchte zwar dann und wann in den Zeitungen die Nach-\nricht auf, dass seine nachgelassene Oper Hiarne in Wien\nnächstens zur Aufführung komme, ist aber bis jetzt nicht\nzur Wahrheit geworden. Während die kaiserliche Hof-\nbühne sich nicht entschliessen konnte, ihre zahlreichen\nKräfte und ein paar Tausend Gulden auf das Werk des\ngrossen deutschen Meisters zu verwenden, erwarb ein\nActien-Unternehmen, das Stadttheater in Frankfurt am\nMain, sich den Ruhm, Marschner's Hiarne am 13. Sep-\ntember zum ersten Male zur Aufführung zu bringen.\nWerfen wir einen Rückblick auf die Geschichte der\nOper, so gewahren wir, dass Mozart's „Zauberflöte\",\nWeigl's „Schweizerfamilie\" und Winter's „Opferfest\"\nohne nachhaltigen Einfluss auf die Fortbildung der deut-\nschen Oper blieben. Es trat ein Stillstand ein, bis Carl\nMaria von Weber mit seinem „Freischütz\" hervortrat, der\nden Erzeugnissen des Auslandes siegreich entgegen gehal-\nten werden konnte. Zwar war schon seit dem Anfange\nunseres Jahrhunderts ein Werk vorhanden, das Weber's\nOpern in mancher Hinsicht überragte, Beethoven's „Fi-\ndelio\"; allein es kam erst gleichzeitig mit diesen zur An-\nerkennung und drang sogar erst nach ihnen ganz durch.\nVon den Zeitgenossen und nächsten Nachfolgern Weber's\ntrat aber auch nur Einer in seine Fusstapfen, Heinrich\nMarschner; Spohr hatte sich ganz der Weise Mozart's an-\ngeschlossen, andere Componisten, wie Lortzing und von\nFlotow, schrieben ohne alle Selbständigkeit im Charakter\naller Schulen und blieben ohne Bedeutung für die Kunst-\ngeschichte.\nHeutzutage hat man Weber und Marschner Roman-\ntiker genannt, deren Standpunkt wir glücklicher Weise\nüberwunden hätten! Dass aber bis heute keine Richtung\nzum Vorschein gekommen ist, die thatsächlich Edleres\nund Schöneres als Beide gebracht hätte, das kümmert die\ntonangebenden Musik-Philosophen nicht. Das Hauptver-\ndienst der Richtung jener beiden Koryphäen der deutschen\nOper ist, dass sie Charaktere in treffenden, bestimmt ab-\ngegränzten Tonbildern hinstellen, in denen Zeichnung und\nColorit zu einem Ganzen wirken, das auf der Stelle eine\nschlagende Wirkung erzielt, weil es das Gemüth ergreift\nund zu seinem Verständnisse nicht erst langer Grübeleien\nbedarf, weil es Product des Genies, nicht der Reflexion ist.\nMarschner erscheint in seiner Charakterzeichnung und\nder Färbung, welche er seinen Tonbildern gibt, kraftvoll,\nzuweilen derb; Weber spinnt feinere Fäden, und minder\neinseitig als sein Nachfolger, weiss er auch die zartesten\nSituationen wirkungsvoll zu malen und ist zuweilen ein\nvollendeter Lyriker. Es liegt in der Natur der Sache, dass\njede Nachahmung Anfangs eine äusserliche ist, indem sie\nzunächst das Eigenthümliche, Charakteristische des Mei-\nsters zur Manier ausbildet; nur in seltenem Falle vermag\nsie den Geist wiederzugeben und einen neuen hineinzutra-\ngen. Marschner gereicht es zur Ehre, dass er in seinen\nspäteren Werken sich von der fast knechtischen Nach-\nahmung, die sich noch in seinem Vampyr findet, frei\nmachte; er hielt sich später nur noch an die Richtung im\nAllgemeinen, wie sie von Weber angebahnt war, und bil-\ndete sich zu einer Originalität aus, die den in seine ersten\nWerke Uneingeweihten kaum einen Nachfolger Weber's\nerkennen lässt. Am besten lassen sich für diese Behaup-\ntung zwei Opern gegenüberstellen: Der Vampyr und\nHans Heiling. In der ersten Oper leuchtet die Nach-\nahmung Weber's überall durch, alle Melodieführungen\nsind von ihm erborgt, die Harmonisirung beider ist in je-\ndem Accorde übereinstimmend, der Periodenbau in grös-\nseren wie in kleineren Formen ist wie durch die Schablone\nnachgeahmt. Man wird sich wundern, dass bei solchen of-\nfenbaren Schwächen diesem Werke doch ein ungetheilter\nErfolg zu Theil werden konnte. Ein Grund dieses Erfolges\nliegt aber in der Kräftigkeit der Weber'schen Musik,\nwelche Feuer und Leben sprüht; in ihr blüht eine so reiche\nFülle von natürlichen, gesunden, glänzenden Melodieen,\ndass ein vielseitigeres Fortarbeiten in derselben Weise\nnicht den Ueberdruss zu erregen im Stande ist, wie dies\nin anderen Schulen nothwendig geschehen muss. Dazu\nkommt als Hauptsache, dass Marschner dem feineren We-\nber'schen Elemente seine eigene grosse, gesunde, natürliche\nKraft beigesellte, die, so ungezähmt sie auch Anfangs er-\nschien, doch nicht verletzte, weil man von dem jungen,\nfeurigen Künstler mit Recht erwarten durfte, dass er zu\neiner milderen Reife gelangen würde. Und so ist es ge-\nschehen in der Oper Hans Heiling. Wir vermissen darin\nkeineswegs die Kraft des Vampyrs, nur geschehen die\nAeusserungen derselben auf weniger excentrische und\nrauhe Art; dafür sind sie desto inhaltsvoller und vom er-\nsten Augenblicke an überzeugender. In dieser Oper ist die\nManier des Vorbildes fast verschwunden, erkennbar ist sie\nnur dem, welcher als musicalisch gebildet in den veränder-\nten Erscheinungen den ersten Entstehungsgrund nachzu-\nweisen vermag. In dieser Oper hat Marschner ohne Zwei-\nfel seinen Höhepunkt erreicht. Bei vielen Mängeln des\nSujets ist wenigstens das unverkennbare Gute darin zu\nfinden, dass der Text verschiedenartigste Charaktere dar-\nbietet, die dem Componisten die reichste Gelegenheit ga-\nben, sein dramatisch-musicalisches Talent an das Licht tre-\nten zu lassen. Die Charakteristik der einzelnen Gestalten\nist die wahrste und überzeugendste, sie ist nur übertroffen\nworden durch das unerreichte Genie Mozart's. Beweise\ndafür geben die Ensembles, die vor Allem als der Prüf-\nstein für die Befähigung eines dramatischen Componisten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.5", "texte": "gelten müssen. Von besonderer Wichtigkeit sind in dieser\nOper ferner die Chöre, nicht nur, weil sie dem Musiker\nvon Fach vor Freude das Herz erschliessen über die vor-\ntreffliche musicalische Behandlung, über die Gediegenheit\nin der Ausführung, sie sind auch darum von grosser Wir-\nkung, weil sie nicht bloss der Theater-Gewohnheit halber\nerscheinen, sondern wirkungsvoll in das Ganze eingreifen\nund mit den Hauptträgern des Sujets in der genauesten\nWechselwirkung stehen.\nZwischen diesen beiden Hauptwerken steht mitten inne\ndie Oper: Der Templer und die Jüdin. Was das Buch der-\nselben betrifft, so gibt es wohl kaum eine unglücklichere\nVerstümmelung irgend eines guten Romans, als hier des\nIvanhoe von Walter Scott. Fast jeder innere Zusammen-\nhang fehlt, die Scenen sind lose an einander gereiht, so\nplanlos, dass man sich oft verwundert fragt, in welchem\nZusammenhange wohl dieser Auftritt mit dem vorher-\ngehenden stehen möge. Trotz diesem Uebelstande bietet\ndas Sujet eine solche Menge dramatisch-musicalischer Mo-\nmente, dass der Componist in genügendem Maasse Gele-\ngenheit findet, die Unebenheiten des Buches zu verdecken\nund die Aufmerksamkeit der Zuhörer seiner Kunst allein\nzuzuwenden. Die Musik dieser Oper hält, wie auch die\nZeit ihres Erscheinens natürlich macht, hinsichtlich ihres\nWerthes die genaue Mitte zwischen dem Vampyr und dem\nHans Heiling. Marschner hat sich schon auf erkennbare\nWeise der Weber'schen Methode entfremdetest aber noch\nnicht beireit von Fesseln, die sie seinem Talente auflegt.\nEs ist aber deutlich sichtbar, wie sein ernstes Bestreben\ndarauf hinging, selbständig zu werden, nur war die Kraft\nnoch schwächer, als der Wille, und so macht das Werk\neinen minder günstigen Eindruck, als Hans Heiling.\nNeben diesen drei Opern hat uns Marschner noch\neine Menge anderer geschenkt, die, obwohl sie in Einzel-\nheiten Vortreffliches bieten, doch dem Schicksale nicht\nhaben entrinnen können, zu vergehen. Bis zum Hans Heiling\nerregte jedes neue Werk von ihm durch seine Fortschritte\nBewunderung; von dieser Zeit an verfiel er dem Schicksal\nder meisten Talente: er mochte nicht daran glauben, dass\nauf das Fluten seiner schöpferischen Kraft eine Ebbe ein-\ngetreten war. Das Schöne aber, das er in jenen drei Opern\ngeschaffen, wird bleiben und noch in später Zeit Zeugniss\ngeben von einer echt deutschen, feurigen und edeln musi-\ncalischen Schöpferkraft.\nWie verhält sich nun zu dem Gesagten die nachge-\nlassene Oper Hiarne ?\n(Schluss folgt.)\n\nAus Hannover.\nDen 4. ,0 et ob er 1863.\nAm 24. September ist hier F. Hiller's Oper: „Die\nKatakomben\", Gedicht von M. Hart mann, auf dem k.\nHoftheater zum ersten Male aufgeführt worden.\nEs war gut, dass das Werk als „ernste\" Oper ange-\nkündigt wurde, denn die Handlung hat den Gegensatz des\nversinkenden und verdorbenen Heidenthums zu der auf-\nblühenden sittlichen Macht des Christenthums zum Hinter-\ngrunde, und da die stille Neigung der Sclavin Clythia zu\ndem Sclaven Lucius, der etwas gar zu sehr als ein stren-\nger ascetischer Held gehalten ist, nur wenig im Verlauf\ndes Drama's hervortritt, so bleibt eigentlich als fesselndes\nBand des Ganzen nur die Tendenz des Gedichtes übri\"\ndie aber zu sehr als ausschliesslich beabsichtigt er-\nscheint und desshalb den dramatischen Eindruck des Opfe-\nrtodes des christlichen Paares und seiner Glaubensgenossen\nschwächt. Wenn aber das Streben, einen würdigen, erha-\nbenen Gegenstand als Grundlage für die musicalische\nDarstellung hinzustellen und einen derartigen zugleich\nhistorischen und ethischen Gegensatz in dramatischer Be-\narbeitung auf die Bühne zu bringen, an und für sich Lob\nverdient, so ist es dem Verfasser des Textbuches, weniger\nim Ganzen als im Einzelnen, doch auch gelungen, dem Com-\nponisten reichen Stoff zu musicalischer Entwicklung zu\ngeben, ja, wir möchten behaupten, zu reichen Stoff, in-\ndem durch manche an sich recht sehr für dramatische\nMusik geeignete Scenen und Situationen Ereignisse vorge-\nführt werden, die zwar zu der Tendenz des Ganzen in\nrichtigem Verhältnisse stehen, mithin episch vollkommen\nzu rechtfertigen wären, allein in die eigentliche Handlung\nder Hauptpersonen nicht eingreifen, folglich dramatisch\nnicht an ihrer Stelle sind. Dahin gehören z. B. die Scenen,\nwelche durch die Bollen des christlichen Märtyrers Timo-\ntheus und des den Christen heimlich zugethanen Senators\nCornelius herbeigeführt werden. Eine Beschränkung der\nAusdehnung, eine mehr auf die Hauptpersonen zusammen-\ngedrängte Folge von Situationen dürfte für die musicali-\nsche Behandlung vortheilhafter gewesen sein, weil sie diese\nSituationen dann hätte breiter ausführen können. Unsere\ndeutschen Operndichter verstehen es zu wenig, die Action\nauf zwei bis drei, höchstens vier Personen zu concentriren;\ndas viele Beiwerk in unbedeutenderen und doch oft tüch-\ntige Kräfte erfordernden Bollen schwächt das Interesse\nfür jene und hindert den Componisten, die Hauptmomente\nbreit auszuführen und die musicalischen Gedanken gehö-\nrig festzuhalten und zu entwickeln. In dieser Beziehung kön-\nnen unsere Dichter von denilaliänischenLibreltisten, was den\nGrundsatz betrifft, viel lernen. Das hängt freilich mit dem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.6", "texte": "ganzen neueren Systeme der Opern-Dichtung und Opern-\nComposition zusammen, welches das declamatorische Ele-\nment gegen die breiteren Formen des theatralischen Ge-\nsanges vorgezogen wissen will, aber damit in der äusser-\nsten Consequenz nothwendig auf die benotete Recitation,\nendlich auf die gesprochene Rede zurückführen muss.\nMan thäte sehr unrecht, wenn man Hiller den Vor-\nwurf machen wollte, er habe in den Katakomben der\nRichtung Wagner's gehuldigt, vollends in musicalischer\nBeziehung; dazu steht er als Musiker viel zu hoch über\nWagner, die Tiefe seiner musicalischen Gedanken und\nvollends die Ausarbeitung derselben zeugt überall, und\neben so auch in den Katakomben, von genialer Schöpfungs-\nkraft in Verbindung mit einem gediegenen Wissen und\neiner durchweg edeln Ausdrucksweise, die ihn vor jedem\nVergleich mit Wagner sicher stellen sollten. Allein es\nherrscht in der gegenwärtigen Atmosphäre unserer musi-\ncalischen Zustände eine gewisse Influenza, deren Einath-\nmen eine Art von Ueberdruss an den entwickelten Formen\ndes Kunstschönen bei den Künstlern erzeugt und eine Be-\ngehrlichkeit nach Mitteln zu neuem Reiz und ungewöhn-\nlichem Gindruck in ihnen entzündet. Dieser Influenza sich\nganz zu entziehen, mag schwer sein, und ihre Wirkung\nist auch in Hiller's Katakomben in so fern sichtbar, als\ndas Streben nach der Vollkommenheit eines Drama's ihn\ntheilweise zu weit über die vorzugsweise Behandlung des\nRein-Musicalischen in der Oper hinwegzieht. Dadurch ist\naber keineswegs ausgeschlossen, dass das Werk nicht eine\nReihe von musicalisch wirksamen und durch melodische\nund harmonische Schönheit ergreifenden Nummern ent-\nhielte.\nWir heben in dieser Art hervor das grosse Ensemble\nam Schlüsse des ersten Actes, die Scene zwischen Lucius\nund Clythia zu Anfang des zweiten Actes, das Lied der\nClythia an die Leier, das Finale des zweiten Actes, den\nFrauenchor des dritten Actes, das Duett gegen Schluss des\ndritten Actes u. s. w. u. s. w. Besonders interessant und\nviele Schönheiten bietendist die Behandlung des Orche-\nsters, durch welches der Componist seine Charakteristik\nwesentlich zu heben versteht. Wir müssten fast die ganze\nPartitur erörtern, wenn wir nach dieser Seite hin in Lob\ndem Componisten gerecht werden wollten. Als recht auf-\nfällige Beispiele mögen die Stellen erwähnt werden, wo\nClaudius im ersten Acte ahnt, wie die Macht des Christen-\nthums unsichtbar immer weiter um sich greift, wo im\ndritten Acte Lavinia sich ihre Liebe zu Lucius gesteht, und\nwo im Duette zwischen Lavinia und Lucius die Gegen-\nsätze gezeichnet werden.\nWenn der Gesammt-Eindruck, den das Werk machte,\nnicht so zündend war, als man nach den hervorgehobenen\nVorzügen hätte erwarten sollen, so möchte der Grund da-\nvon theilweise darin liegen, dass die musicalischen Gedan-\nken des Componisten in einer Reihe von Stellen zu wenig\nentwickelt, die Melodieen, die der Componist in Fülle aus-\ngibt, nicht genug verarbeitet, die angesponnenen Fäden zu\noft kurz abgerissen erscheinen, und der Inhalt des Buches\nzu abstract ist.\nDas höchst schwierige Werk war unter Leitung des\nHerrn Hof-Capellmeisters F ischer mit grosser Liebe und\ngrossem Fleisse einstudirt. Orchester und Chor liessen\nnichts zu wünschen übrig. Unter den Solisten zeichnete\nsich vor allen Herr Niemann als Lucius aus; Gesang und\nSpiel waren bewundernswürdig. Die Rollen der Clythia\nund des Claudius waren durch Fräulein Übrich und\nHerrn Zottmayr gut vertreten. Frau Caggiati gab die\nLavinia nach Kräften. Es zeigte sich freilich bei dieser Ge-\nlegenheit einmal wieder, wie wenig Begabung die sonst\nvortreffliche Sängerin für das dramatische Fach hat und\nwie nothwendig der Bühne eine erste dramatische Sängerin\nist. Eine Lavinia war im Spiel und Gesang kaum ange-\ndeutet. Selbst recht auffällige Winke des Textbuches, de-\nnen Frau Caggiati wohl hätte nachkommen können, wur-\nden vernachlässigt. So ist beispielsweise die glückliche\nStimmung der Lavinia zu Anfang des dritten Actes sowohl\ndurch das Vorausgegangene als durch die Vorgänge und\nTextesworte der ersten Scenen des dritten Actes aufs ent-\nschiedenste angezeigt; trotzdem erschien Frau Caggiati\ngerade so wie zu Anfang des ersten Actes, wo Müdigkeit\ndes Herzens sie niederdrückt. Die Mitwirkenden wur-\nden nach jedem Acte gerufen, der Componist nach dem\nzweiten Acte.\n\nAus Stuttgart.\nDen 23. September 1863.\nDer Verein für classische Kirchenmusik hat\nsich schon oft das Verdienst erworben, grosse, hier noch\nunbekannte Musikwerke durch seine aufopfernde Thätig-\nkeit zur Aufführung gebracht zu haben. So war dies\nwieder gestern durch Vorführung von Beethoven's\ngrosser Messe in D-dur der Fall, welche die Stifts-\nkirche in allen ihren Räumen mit dankbaren, andäch-\ntigen Zuhörern füllte. Diese Tonschöpfung ist unter allen\nWerken dasjenige, das der Aufführung die grössten Schwie-\nrigkeiten entgegenstellt. Sie insgesammt so glücklich über-\nwunden zu haben, macht Herrn Prof. Faisst, dessen\nDirections-Talent wir hier aufs tiefste zu bewundern ge-\nlernt haben, macht der Ausdauer und Hingebung des\nVereinschors, so wie der ihn verstärkenden weiteren Sing-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.7", "texte": "Kräfte, dem durch die Damen Schröder und Mar-\nschalk, die Herren A.Jäger und Wallenreiter so\nwürdig repräsentirten obligaten Quartette, ferner den 47\nmitwirkenden Mitgliedern der k. Hofcapelle, unter denen\nim Benedictusdie Violine des Herrn Concertmeisters Sin-\nger so wunderbar hervortrat, die höchste Ehre. Wir hof-\nfen und bitten dringend, dass dieses Werk, nachdem es\njetzt mit so vieler Aufopferung einstudirt ist, uns öfter als\nnur dieses eine Mal zu Gehör kommen werde, denn Beet-\nhoven's Messe gehört zu denjenigen Schöpfungen, die sich\nnicht alsbald mit siegender Allgewalt die Herzen erobern,\nsondern erst bei mehrmaligem Anhören ihre eigenthüm-\nlichen Schönheiten geltend machen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nüolil* In der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft\nhatten wir das Vergnügen, Herrn Japlia, der nach dem Dahin-\nscheiden des unvergesslichen Grunwald hieher berufen worden ist,\nals einen ausgezeichneten Violinisten kennen zu lernen. Die gün-\nstige Meinung, welche Herr Japha, der früher in Königsberg, zu-\nletzt in London war, schon bei dem Vortrage einiger Violin-Soli in,\ndem Opern-Orchester durch seinen schönen Ton und geschmack-\nvollen Ausdruck für sich erregt hatte, wurde durch sein Spiel eines\nConcertsatzes von Bazzini vollkommen gerechtfertigt und erhöht.\nEr offenbarte in dieser durch enorme Schwierigkeiten mehr als durch\ntiefen Gehalt glänzenden Composition eine treffliche Reinheit beson-\nders auch in den häufigen Passagen in Doppelgriffen, und ent-\nwickelte überhaupt eine sehr bedeutende Technik. Wir heissen in\nihm einen tüchtigen Künstler willkommen.\nIm Stadttheater hat Fräulein Artöt ihr Gastspiel am Dins-\ntag als Leonore in Verdi's Trovatore fortgesetzt; das Haus war die-\nses Mal ganz besetzt und das Publicum spendete reichlichen Applaus,\nBlumen und Kränze. Wir behalten uns eine ausführlichere Beur-\ntheilung der Leistungen der eminenten Künstlerin vor, deren Ein-\ndruck freilich durch das Singen in italiänischer Sprache nicht zu\neinem so rein befriedigenden und erhebenden gelangen kann, als es\nder Fall sein würde, wenn Alles zusammen ein einheitliches Ganzes\nbildete. Herr Wolters sang den Manrico; seine frische Stimme im\nVerein mit guter Schule und gebildetem Vortrage und, wie es schien,\neine besonders gute Disposition erhoben seine Leistung an diesem\nAbende zu einer recht schönen und künstlerisch bedeutenden, was\nmit Recht vom Publicum durch lebhaften Applaus und Hervorruf\nanerkannt wurde. Zwei Tenoristen wie die Herren Grimminger\nund Wolters haben jetzt in der That nur wenige Bühnen aufzu-\nweisen. Herrn Grimminger's Eleazar in der Jüdin und sein\nArnold in Rossini's Teil sind ganz vorzügliche Leistungen im Ge-\nsänge und durchdachte Darstellungen im Spiel, die durch Beides\nzusammen genommen ein wahrhaft künstlerisches Gepräge tragen.\nIn der Jüdin bestätigte auch Herr Lindeck in der Rolle des Car-\ndinais das vorteilhafte Urtheil, das wir über diesen Basso mit gu-\nter Stimme und musicalischer Sicherheit uns bereits durch sein frü-\nheres Auftreten als Caspar im Freischütz und als Marcel in den\nHugenotten gebildet hatten. Die Vorstellung des Teil, als Fest-Oper\nam Abende des Dombaufestes den 15. d. Mts., war überhaupt eine\nrecht gelungene; Herr Lang (Teil) hat eine wohllautende, einneh-\nmende Baritonstimme und besitzt auch eine gute technische Fertig-\nkeit, wie er namentlich in der Rolle des Figaro neben Fräulein\nArtöt als Rosine bewiesen hat. Um so weniger hat er nöthig, seinen\nTon durch Forciren verstärken zu wollen, da eine übermässige An-\nstrengung in jedem Gesänge, sobald sie wahrnehmbar wird,\nsich störend aufdrängt und über die Gränze der Kunst, deren We-\nsen Ebenmaass ist, hinausgeht. Möchten doch alle Sänger und\nSängerinnen [diese Wahrheit stets vor Augen behalten und uns\nvon dem willkürlichen Festhalten der Töne, in denen sie sich be-\nsonders gefallen, das aber allen Rhythmus und» maassvollen Aus-\ndruck stört, befreien, denn eine Kunstleistung muss vor Allem in\nharmonischem Verhältnisse zum Ganzen stehen, und an Vollkom-\nmenheit derselben ist nicht zu denken, sobald das Ich darin an-\nspruchsvoll hervortritt und nicht in der Hingebung an das Kunst-\nwerk aufgeht.\nDresden. Am 30. September wurde auf unserem Hoftheater\nzum ersten Male Sophokles1 Tragödie „Oedipus in Kolonos\" nach\nJ. J. C. Donner's Uebersetzung mit der Musik von F. Mendels-\nsohn-B artholdy gegeben, und es darf dieser Abend jedenfalls\nals ein theatralisches Ereigniss verzeichnet werden, zunächst wegen\nder grossartigen Dichtung, welche nurf ausnahmsweise auf der mo-\ndernen Bühne Verlebendigung findet, und sodann wegen des Audi-\ntoriums, das in Folge der meissener Philologen-Versammlung zum\ngrossen Theile aus Gelehrten bestand. Die Gesammt-Aufführung\nwar eine höchst sorgfältig vorbereitete und der erhabenen Dichtung\nwürdige, und was einzelne Leistungen betrifft, so möchte man eine\ngleiche Vollendung an anderen Hofbühnen wohl vergeblich suchen.\nUnterstützt von der Musik, war die Wirkung von „Oedipus in Ko-\nlonos\" eine tiefgehende. Herr Dawison gab die umfangreiche und\nschwierige Titelrolle vortrefflich. Unter den Höhepunkten seines\nVortrages seien namentlich die Scenen erwähnt, in welchen er den\nGreisen von Kolonos sein leidvolles Schicksal enthüllt, und sodann\ndie erste Unterredung mit Thesens. Ganz meisterhaft trug er auch\nseine Rechtfertigung Kreon gegenüber vor. Gleich Herrn Dawison\nerhielt Frau Bayer grosse und verdiente Auszeichnungen. Ihr Leid\nhatte echten Herzensklang, und welche gemessene Eurhythmie in\nWorten und Geberden entwickelte sie als Antigone! Die Genannten\nmussten am Schlüsse des Stückes zwei Mal erscheinen.\nMendelssohn-Stiftung. Der Rath in Leipzig macht bekannt,\ndass Herr Paul Mendelssohn-Bartholdy in Berlin einen Theil des\nErtrages der von ihm herausgegebenen „Reisebriefea seines Bruders,\ndes verewigten Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit 1500 Thlrn. mit\nder Bestimmung in seine Hände gelegt hat, dass dieses Capital unter\ndem Namen „Felix Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung\" vom Rathe ver-\nwaltet und die Zinsen alljährlich am 3. Februar, als dem Geburts-\ntage seines Bruders, an zwei Witwen von Mitgliedern des leipziger\nStadt-Orchesters, welche von der Verwaltung der Stiftung zur Un-\nterstüzung der Witwen und Waisen des leipziger Stadt-Orchesters\nzu benennen sind, vertheilt werden sollen.\n* Wieil« Joseph Erl's fünfundzwanzigjähriges Engagement ist\nim Operntheater in glänzendster Weise gefeiert worden. Am Jahres-\nabende seines Debüts als Arnold sang der Jubilar dieselbe Rolle,\nund zwar in glücklicher Stimm-Disposition, unter rauschendem Bei-\nfall und „blumigen\" Ovationen. Seine Collegen betheiligten sich an\nder Besetzung mit jener Bereitwilligkeit, welche bei solchen (.xele-\ngenheiten der künstlerische Anstand erfordert. So hatte Herr Draxler\nden Gessler, Herr Hrabanek den Leuthold, Herr Walter den Fischer,\nHerr Ander gar den Harras übernommen. Fräulein Couqui tanzte\nmit Herrn Calori ein neues Pas und die Solisten der Oper und des\nBallets figurirten mit Ausnahme des erkrankten Herrn Wachtel\nsämmtlich im Chor. Teil, Mathilde, Hedwig und Geinmy waren in\nden Händen des Herrn Beck, der Damen Dustmann, Bettelheim,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631017-01.1.8", "texte": "Teilheim. Nach dem Theater wurde der Jubilar auch noch privatim\nvon seinen Collegen gefeiert. Die Theilnahme unter den wiener\nTheaterfreunden war übrigens eine aufrichtige, und Jedermann gönnte\ndem wackeren Sänger, der nach Ablauf seiner Blüthezeit manche\nKränkung erfahren musste, diesen billigen Tribut dankbarer An-\nerkennung.\nFrau Kapp-Young sang als zweite Gastrolle die Recha. War\nes am ersten Abende die Indisposition der Künstlerin, die über den\nErfolg ihrer Leistung einen leichten Flor breitete, so schien diesmal\ndie Indisposition auf der Seite des Publicums zu liegen, das sich\nnicht bloss dem Gaste, sondern überhaupt der ganzen Vorstellung\ngegenüber auffallend kühl zeigte.\nDer k. k. Hof-Opernsänger Herr Schmidt hat für die Ferien-\nMonate einen glänzenden Antrag zur italiänischen Oper nach Lon-\ndon (Impresario Gye) erhalten. Derselbe studirt bereits am italiäni-\nschen Texte des Bertram und Marcel, für welche Rollen er express\nengagirt wurde.\nWährend der Winter-Saison werden acht „philharmonische Con-\ncerte\" Statt finden. Das inhaltsreiche Programm besteht aus folgen-\nden Werken: Suite für Flöte und Streich-Instrumente in H-moll\nvon J. S. Bach, Ouvertüre zur „Medea\" von Bargiel, Symphonieen\nNr. 3, 6, 7 und 9, Triple-Concert, Ouvertüren zur „Leonore\" und\n„König Stephan\" von Beethoven, Adagio und Scherzo aus der Sym-\nphonie „Romeo und Julie\" von Berlioz, Ouvertüre zu „Anakreon\"\nvon Cherubini, Chöre aus „Jephta\" und Arie aus „Herkules\" von\nHändel, Symphonie in B-dur von Haydn, Adagio (Gretchen) aus der\nFaust-Symphonie (neu) von Liszt, Symphonie Nr. 4 und Ouvertüre\nzur „Fingalshöhle\" von Mendelssohn, Symphonie in Es, Ouvertüre\nzur „Zauberflöte\" und Concert für Violine und Viola von Mozart,\nOuvertüre zu „Aladin\" (neu) von Reinecke, Symphonie Nr. 2 „Ocean\"\n(neu) von A. Rubinstein, Ouvertüre Nr. 2 C-dur und Ouvertüre zu\n„Julius Cäsar\" von Schumann, und Ouvertüre zum „Beherrscher der\nGeister\" von C. M. von Weber.\nDie Differenzen, welche zwischen der Direction des Hof-Opern-\ntheaters und Herrn Wachtel über den Contract des Letzteren ent-\nstanden waren, sind ausgeglichen. Das Engagement des Herrn Wach-\ntel ist eine Thatsache; es wurde auf fünf Jahre abgeschlossen und\nlegt dem Künstler die Verpflichtung auf, neun Monate im Jahre\nzu singen.\nHellmesbei'ger hat die vorläufige Anzeige seiner Quartett-Pro-\nductionen bereits veröffentlicht. Dessgleichen Laub. Auch die Ge-\nsellschaft der Musikfreunde kündigt sechs Orchester-Concerte an.\nIm vorläufigen Programm befindet sich Schumann's vollständige\nFaustmusik unter Mitwirkung Stockhausen's.\nDie Mitgliederzahl der wiener Sing-Akademie betrug am Schlüsse\nder Concert-Saison 1862—1863 bei 174 Mitglieder, davon 79 Damen\nund 95 Herren. Der Stimmgattung nach gab es 46 Soprane, 33\nAlte, 36 lenöre, 59 Bässe. Von diesen 174 Mitgliedern waren 59\nim Jahre 1862 eingetreten; aus der Gründungszeit der Akademie\n(Mai 1858) waren 31 Personen übrig. Im Laufe des September d. J.\nwaren 15 neue Mitglieder angemeldet. Als Nachtrag zu dem bereits\nveröffentlichten Programme gelte, dass im ersten Concerte das Opfer-\nlied, im zweiten Concerte der elegische Gesang von Beethoven zur\nAufführung kommen.\nDie diesjährige Opern-Saison in Rom wurde eröffnet mit\nnun? mit „Robert der Teufel\"."}]}